Da hat mich also neulich dieser Satz (Nicht jede/r ist dafür geeignet, aus der Gesellschaft zu verschwinden) angesprochen, doch warum und wie? Die Gesellschaft zu verlassen kann ja nicht bedeuten, dass man eine Tür gefunden hat, die man dann hinter sich zumacht, wenn einem die Beschaffenheit des Systems nicht behagt. Was man kann, ist, sich die Struktur der Gesellschaft genauer anzusehen und ihre Spielweisen zu ergründen. Und wenn man Glück hat, kann man innerhalb des Systems einen Ort finden oder erschaffen, der einem einigermaßen entspricht. Doch schon dafür muss man den Schalter ‚Erkenne dich selbst‘ eingestellt haben, da man durch diese Praxis u.a. günstigere Entscheidungen zu treffen vermag. Und da man, solange man hier herumwandert, dem Dualitätsprinzip nicht entgehen kann, kann ein Verlassen der Gesellschaft vor allem geistig in Bewegung kommen. Das kann früh beginnen, wenn man sich wohlig fremd fühlt, erstaunt betrachtet, was so alles vor sich geht auf diesem Planeten. Und ja, selbst sieht, dass es ein Drama ist, ein Kollektiv-Konstrukt, Gesellschaft genannt. Die politischen Systeme werden gewählt, auch wenn sie nachträglich enttäuschen. Manches war immer so, alles ist jeden Nu neu. So hat die Beobachtung des Spielplans etwas mit der Idee zu tun, nicht jedes Spiel mitmachen zu müssen oder zu können, sondern eigene Orte zu erschaffen, an denen das für einen selbst Vorstellbare manifestiert werden kann, ohne dass man im Prozess gestört wird. Wenn Frieden durch Massenproteste erzwungen werden will und muss, ist es in der Gesellschaft schon zu spät für die Frage, ob ich denn selbst schon friedlich bin. Wie entsteht Frieden? Deswegen kann man insofern die Gesellschaft verlassen, wenn man sich seines ursprünglichen Wesens bewusst wird, weil ich dann, wenn ich durchwandere, die Inszenierung des Weltgeschehens auf diesen vielen Ebenen bestaunen kann und schätzen, für was es ist, und andrerseits die eigene Kraft nicht unterschätze, die es mir ermöglicht, Zeugin des Spieles zu sein und zu bleiben.
Dieser Zettel steckt zur Zeit in meiner Handyhülle. Er und sein Text gehören zu den Sätzen, die auf schier magische Weise immer wieder irgendwo rumliegen und einem erlauben, sie nochmals zu bedenken. Soweit ich mich erinnere, sahen Sufis mit ihrem inneren Auge in der Finsternis ein Licht, das sie Noor al-Aswad nannten (oder nennen?), die leuchtende Leere. Mir ist dieser Gedanke und auch die Erfahrung vertraut wie vielen meditativ Praktizierenden, ob das Juwel nun produziert werden kann oder nicht. Ich übersetze den Satz jetzt mal in eine politische Variante, eben d i e der momentanen Weltlage. Diese muss schon dadurch erkennbar schlimm sein, dass sie von einem Großteil der Menschheit als beängstigend verstanden wird, so, als ginge es gleichzeitig allen an den Kragen. Und doch wird jede/r Einzelne fast automatisch vom Ansturm dieser Turbulenzen zurückgeworfen auf sich selbst, was den energetischen Raum (vorübergehend) immens erhöht, und ist vor allem spürbar als Angst, zum Beispiel vor Katastrophen. Das erschafft eine Dunkelheit, einen Irrgarten diffuser Emotionen und ungelöster Verwicklungen, deren Auswirkung man als ein Dunkelfeld bezeichnen und es als solches erfahren kann. Nun ist aber die Finsternis nie allein, denn wir würden das Licht ohne sie gar nicht kennen. Und in Indien, wo man das bestehende Zeitalter ‚Kali Yuga‘ nennt, das dunkle, das Zeitalter des Todes, taucht auch hier aus seiner Quelle ein Licht auf, das Bewusstsein nämlich von sich selbst. Oder erwacht gar das Bewusstsein zu sich selbst. Wir nehmen hier Abschied von der Vertrautheit des Denkens. Next level.
My dear, my dear, said I to me To me, my dear, said I – You, too, my dear, said I to me, You, too, are dear to me. My dear, to you is near to me, To you and me is near. My dear, my dear, said I to me, Me two to be is me These two to be is me to be. Is me To be, my dear.
September 24, 2025
Auch in einer Groteske kann es einen Kipp-Punkt geben, an dem eine ganz bestimmte Maske nahezu gleichzeitig vom kollektiven Durchhaltegesicht fällt. So ein Moment könnte die Rede von Donald Trump bei der Uno-Vollversammlung gewesen sein, alle peinlichen Grenzen des guten Geschmacks überschreitend. Einer der närrischen Highlights war, dass er erstaunt war, als die Antwort auf seine Selbstpreisungen Gelächter war. Er war nicht mehr in der Lage, die Quelle des Lachens einzuordnen. Die bittere Erkenntnis, einen selbstverliebten Narren zum Landesführer gewählt zu haben, muss jedes Mal, wenn es passiert, vor allem diejenigen schmerzen, die den Klamauk durchschaut haben und trotzdem dabei blieben bzw. bleiben. In den indischen Geschichten gibt es einen mächtigen Dämon, der lange, sehr lange im Schlaf rumpelt und dumpelt, bis sein Erwachen eine riesige Energiewelle auslöst, die zu viel Veränderung führt. Und wer sich fragt, wo das Finstere wohl begann, wird keinen Anfang finden. Und wir wissen auch, dass das Gute oft zu wenig beachtet wird, was allerdings dem Guten nicht schadet. Denn wo es noch vollen Lobes für sich selbst ist und sich noch als profitorientiert betrachtet, gehört es zur internationalen Show des Unwägbaren. Und dennoch kann jederzeit etwas Erstaunliches passieren, womit keiner mehr rechnen konnte. So hat es zum Anschluss an das Trump-Fiasko bei der Uno-Vollversammlung wohl im Hintergrund einen Austausch gegeben zwischen Selenskij und Trump. Und auch wenn der Narr hier nicht zum König wird, hilft es doch innerhalb der Groteske, dass Trump sooo enttäuscht ist von Wladimir, dass er, denn er will ja den Friedensnobelpreis, doch alles dafür (und die seltenen Erden) tun möchte, und gleichzeitig Wladimir zeigen, was Donald besser kann. Und so ist es im kosmischen Spiel vorgekommen, dass das sogenannte Böse unwillentlich oder willentlich dem sogenannten Guten zuspielt, und dass an diesem Punkt die Karten neu gemischt werden können.
September 23, 2025
Es ist sicherlich ratsam, sich bei den hervorquellenden Prophezeiungen über den Verlauf dieses momentanen Weltgeschehens zurückzuhalten. Denn es gab andere Zeiten, in denen man durch die bestehenden Ordnungen hindurch die Vorgänge mit einer gewissen Sicherheit behaupten konnte. Nun brechen aber gerade in unserem Jetzt die etablierten Ordnungen auf, und das Chaos hat sich bereits breit gemacht. Die großen Ankerpunkte lösen sich auf, und Gott und die Politik und die Beziehungen, alles muss man nun alleine ordnen. Genau! Alleine ordnen. Die Winterkleidung, die Gedanken, die Bedürfnisse. Man lernt sich kennen, wenn man sich ein bisschen ernst nimmt. Wenn man mit der eigenen Sprache sprechen will. Wenn man den Unterschied zwischen Draußen und Drinnen wahrehmen will, ohne eine Trennung daraus zu basteln. Aber wenn da draußen der Bär tobt, muss auch ich mir was einfallen lassen, also wenn ich am Toben nicht teilnehmen kann oder will. Doch ich kann sehr wohl machen, also beitragen, was i c h kann, unabhängig davon, was andere machen und können. Das führt dann auf eine reifere Weise zusammen, wenn jede/r sein oder ihr Instrument gut spielen kann. Und jede/r verantwortlich für den eigenen Klang u n d den Zusammenklang. Ja, sagte Harald Welzer neulich zu meiner Freude in einem Interview: ‚Klein und entschleunigt.‘
September 22, 2025
Natürlich sind wir erstaunt. Von welchem ‚Wir‘ ich hier rede, weiß ich nicht genau, nehme aber an, dass es eine ganze Menge Menschen sein kann, die auf ihre ganz eigene Art und Weise darüber erstaunt sind, dass wir uns ganz offensichtlich an einer bestimmten Stelle des sich selbst erzeugenden Scriptes angekomen sind, wo wir uns als Bezeuger:innen einer ganz besonderen Vorstellung von politischer Tumbheit vorfinden. Wir lernen vieles davon in der Masterperformance von Mister Trump. Nun ja, er selbst erschreckt nicht mehr, das können höchstens noch die K.I.-gesteuerten Hintermänner, die von einem völlig anderen Reich träumen und leider auch sehr viel Geld in der Hand haben. Aber wir wissen ja, dass zum Glück (noch) nicht alles käuflich ist, aber vieles. Am besten, man steigt emotional aus dem Polit-Drama aus und wechselt zu Beobachter-Schärfung. Während klare Gefühlserkennung immer wichtiger wird (um gute Entscheidungen treffen zu können), sind emotionale Ausbrüche zu bedenken. Man ist ja schon länger empört über das Treiben der falschen Königszüchtung, aber immerhin werden diese Machthungrigen gewählt. Und wie wir bei der politisch unvermeidbaren Kirk-Trauerfeier sehen konnten, ist noch gar nichts entschieden. Die Witwe will sich als Heilige ins Himmelbuch einschreiben lassen, der Präsident wettert in der immer enger werdenden Blase herum, bis ihn wirklich keiner mehr ernst nimmt. Beide, Trump und Frau Kirk, sind friedensuntauglich. Fällt es ‚uns‘, dem unbenennbaren Wir, doch schon schwer, die eigene Fähigkeit zu friedlichem Miteinander anzuerkennen. Bei wacher und freischwebender Aufmerksamkeit!.
Man muss keine dystopischen Gedankenfetzen in sich aktivieren, kann aber gewisse Unruhemomente nicht verhindern, wenn der Blick über die Weltlage streift. Und klar, das geschieht angeregt von Vermittler:innen, die sich die beste Mühe geben. Aber es sind doch schon gefertigte Nachrichten, die man immer noch selbst reflektieren muss. Ihre Komplexität und ihre Banalitäten. Da sind sie also wieder, diese machtsüchtigen Herrscherfiguren, die auf der niedrigsten Ebene menschlicher Impulse auf einmal die Vorherrschaft erlangen und zumindest s o lange den Inhalt ihrer Gelüste als Gelingen vorgaukeln können, bis die Vernichtung, die sie anstreben, ihnen genügt. Sie sehen es ja nicht als Vernichtung, nein, ganz im Gegenteil, sie sind die Helden ihrer Geschichte. Nun hat ja ein kollektives Denken und Verhalten diese Männer hervorgebracht. Ging es ihnen schlecht als Kinder und konnten vor Papa gar nichts sein, oder Mama hat sie nicht genug beschützt und geliebt, oder hat sie zuviel geliebt im großen Störbereich des Undsoweiter. Oder e s gab sie schon immer. Immer ein Putin, immer ein Trump, ein anderer Hut, eine andere Sprache und Zeit, eine andere Art der Anbetung des Wenauchimmers. Und auch uns gab es schon immer. Im Kepos trafen sie sich und wühlten sich durch die Weltmeere der Ideen, hin zu einer lebbaren Form, in der das, was bisher unter menschlichem Tun berichtet wurde, günstigerweise in eine würdige Umsetztung gelangt(e). Manchmal ist das Menschlichsein als Geheimwissen betrachtet worden, weil es jedem zugänglich ist, aber so selten erreicht wird. Es muss das einzigste Wissen sein, dass man nur sich selbst beibringen kann.
September 19, 2025
Vaiante des Ichs, in ein Smartphone schauend
Manchmal muss ich mich daran erinnern, dass ich mein einziger Boss, beziehungsweise die einzige Bossin von mir bin, die tun und auch lassen kann, was sie für angmessen hält. Einen für sich selbst glaubwürdigen Maßstab zu erschaffen, kann ja Jahre dauern, und immer muss das geistige Gebilde beweglich bleiben, damit es kompatibel bleibt mit dem jeweils Daseienden, dem Anderen. Die Entscheidung, mit Mensch, Tier und Pflanze respektvoll umzugehen, heißt nicht, dass ich ihnen erlauben muss, mich zu brauchen. Es ist günstig, wenn Angebot und Nachfrage freiwillig bleiben, damit es ohne unnütze Verluste weitergehen kann. Aber z u streng mit sich sein, das bringt auch nichts: eben, es muss nichts bringen. Am besten, es erschafft gelassene Heiterkeit, auch wenn es zuweilen kaum mehr was zu lachen gibt, da draußen meine ich jetzt, ‚da draußen‘. Da draußen ächzt es viel und stöhnt und hungert und verliert verständlicherweise jegliches Vertrauen in Gerechtigkeit. Wie weiß man, ganz tief im Inneren, ob und wo und durch wen oder was es Gerechtgkeit gibt. Insofern übernehme ich also das schwierige Amt, meinem eigenen Maßstab gegenüber so gerecht wie möglich zu sein und zu bleiben.
September 18, 2025
Wir sehen auf der inneren Leinwand Spieler und Spielerinnen erwachen. Es erinnert sich hier und da Eine/r der unsterblichen Rolle. Sie treten hinaus in das Licht. Wichtig ist hier, alles was war, gleichzeitig zu erinnern und zu vergessen. Nicht die Einheit durch Trennung messen wollen, wohl aber die Tiefe belichten. Ganz so, als tauchten Begleiter auf und sängen ein Lied des Herzens.
Seit ich mich zu den Einzelnen zähle, verstärkt sich einerseits der Blick in die offene Weite, ein durchaus verbindlicher Blick, und andrerseits wendet er, der Blick, sich selbst zu, und dort hat die Verbindung eine eindeutige Wirkung. Und obwohl ich die Geschichts- bzw. die Geschichtenlosigkeit anstrebe, weiß ich doch, dass da, wo ich als existierendes Wesen sitze, das Resultat dieser Geschichte(n) sitzt. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Das heißt immerhin, dass das letzte Dreieck, also der Capstone, einen neuen Aktionskern anbietet, der zumindest potentiell eine Möglichkeit der Singularität, hier als Verbindung mit sich selbst, enthält. Wir betreten den Bereich, in dem wir nur unter eigener Führung weiterkommen. Nachdem uns aus Delphi außer ‚Erkenne dich selbst‘ der unsterbliche Rat ‚Alles in Maßen‘ zugeschaltet ist, kann es zum Beispiel bedeuten, dass man die eigenen Suchterscheinungen in bezug auf technische Ablenkung überprüfen sollte. Vielleicht sind wir ja nolens volens auf einem Schlachtfeld gelandet, dessen Auswirkungen wir erst einmal einschätzen oder eingrenzen müssen. Auch die meditativen Übungen waren bislang ganz nützlich, nur heißt es jetzt genauer hinschauen und sich fragen, wieweit sich all diese Überei eigentlich auf mein Lebenskonstrukt auswirkt. Und ob es noch taugt als Beitrag zum Menschsein. Wenn ich nach Gaza schaue, bleibt mir jegliche Meinung von selbst im Hals stecken, denn die Schulung ist nie abgeschlossen. Aber wenn dieses Gespenst sich in der menschenvernichtenden Performance derart steigert, frage ich mich nun, zum Beispiel heute früh, wie ich wohl damit umgehe, eben als Einzelne, aber auch mit den Anderen.
Und nun muss und will ich schauen, wie ich selbst mit dem Ganzen umgehe. Was nenne ich überhaupt ‚das Ganze‘? Das Weltengetümmel, durch das ich auch navigiere, obwohl ich das Getümmel stark reduziert habe (?). Oder sehe ich über dem sogenannten Ganzen jetzt auch einen schwarzen, riesigen Schatten sich über die Weltgemeinde ausbreiten, der alles aufsaugt, was er für seine Datenbank braucht, und das ist schlicht und einfach alles. Ja, sehe ich schon so. Aber ich sehe auch, dass Menschen sich großartig gegen die Vertotung und die Verdummung wehren, die zur Zeit so goßzügig angeboten werden auf dem Menschenmarkt. Aber dem Menschen immer zu geben, was er braucht, hat auch nicht immer in die förderliche Richtung gezündet. Auch spüre ich einen erfrischenden Drang zur Dichtung hin, vielleicht, weil vieles möglich ist, was nur dort an der Grenze des Sagbaren das Sagbare findet. Und vielleicht soll gerade auch in finsteren Zeiten gerde deshalb der Schuster bei seinen Leisten bleiben, weil sich nur da sein persönlicher Beitrag entfalten kann, nämlich am Maß seiner persönlichen Fähigkeiten. Und das schränkt ja die Freiheit des Schusters nicht ein, allerdings nur unter der einen Bedingung, nämlich dass der gewählte Platz ihm entspricht. Vom inneren Ort aus ist die Welt für alle offen, und ja, das zu Sehende kann schmerzhaft sein. So bleibt mir nichts anderes übrig, als von meinem eigenen Sitz aus dosieren zu lernen, was mir gut tut, und was überhaupt nicht. Und suchen wir nicht zur Zeit nach dem, was wir ‚Mensch‘ nennen? Und wahrscheinlich hat dieses zur heutigen Wörtermode gehörige Wort ‚Erwachen‘ diese eine Bedeutung, denn wie wär’s, wenn wir zur Abwechslung mal tatsächlich zu uns selbst erwachen?
* Staatsballett Berlin
September 15, 2025
Da, wo wir wohnen, stehen nur ein paar Häuser herum, die unabhängig voneinender agieren, deren Bewohner:innen sich aber zuordnen können. Deswegen fielen uns neulich beim Hinausfahren 2 Männer auf, die durch die Straße wanderten und etwas Papierenes in der Hand hielten. Ich fragte, was das sei, und es war der zukünftige Bürgermeisteranwärter persönlich mit einem Mitstreiter. Sie schenkten uns Prospekte und Kugelschreiber, wie das halt so üblich ist beim Werbetreiben, und waren sehr sympatisch, also bürgermeisterlich geeignet. Er wurde es allerdings nicht, sondern verlor an die CDU um 0,5 Prozent. Nun wäre das alles, auf jeden Fall mir, nicht weiter aufgefallen, ginge es nicht gerade um etwas. Und diese schlichte Frage, worum es eigentlich geht, ist selten umsonst. Auf der gesellschaftlichen Seite geht es um das Viel einer bestimmten Art. Nicht nur treibt ein braunes Gespenst die Ängstlichen und Unzufriedenen herdenweise vor sich her, und hinein in das vollkommen Scheinbare, das sich darstellt als Alternative zum Gelebten. Offensichtlich bietet die Partei, deren Namen auch Albus Dumbledore der Weise hier nicht würde nennen wollen, genug Stoff, z.B. um der Regierung durch eine Wahl ein Schnippchen zu schlagen. Doch was machen wir, also wir Einzelnen auf der anderen Seite, wenn es von dem, was wir als unheimlich, bzw. menschenunwürdig bezeichnen, immer mehr gibt? Das Gute ist: wir haben keine Wahl, heißt, dass wir mit dem Ganzen, das auf uns zukommt, nur so umgehen können, wie wir selbst sind. Deswegen braucht dieser Zustand die höchstmögliche Offenheit. Vielleicht als kindliche Reife, oder als möglichst wenig beschriebenes Blatt, also so, wie man sich selbst empfindet. Vielleicht geht’s gerade d a r u m, damit man dem Irrsinn gegenüber stabil und beweglich bleiben kann.
Gesetz den Fall, es gäbe oder gibt tatsächlich eine Möglichkeit, von der Matrix, also der Gebärmutter, entlassen zu werden aus ihrem Dunstkreis. Dann käme gemäß den Bedingungen dieses Momentes die Frage auf: wo ist das, also das Außerhalb der Matrix. Das Gespenst der Einsamkeit könnte einen ergreifen und in den Schlund eines dunklen Irrsinns treiben. Was, keiner mehr da!? ‚Individuation‘, würde C.G.Jung vermutlich sagen, die Schatten eben nicht übersehen. Den Umgang mit sich selbst begreifen, oder sich zulassen in die bewusste Bedeutungslosigkeit, von der aus ein frischer Blick wieder gelingen kann. Der eigene Film ist ja auch ständig am Entstehen, und je weniger man meint zu sein, desto vielseitiger kann man spielen und letztendlich sein, wer man ist. Wenn auf der Erde zur Zeit tatsächlich ein besonders heftiger Kampf zwischen Dunkel und Licht stattfindet, dann wäre es günstig, die eigene Ausstattung für diese Szene zu betrachten. Bin ich noch für oder gegen was? Und warum und für wen? Und dem eigenen Faden vertrauen, der aus dem kunstvoll geordneten Wahnsinn führt.
Es ist ja nicht so, als gäbe es in der Gesellschaft keine Leidenschaft für Spiele, nein. Man kann es schon einen kollektiven Spieltrieb nennen, wenn ich den angegebenen Zahlen Glauben schenken darf, dass es angeblich schon Spielgetriebene auf dem Planeten in Milliardenhöhe gibt. Und Lob gibt es auch dafür, und von sehr viel Krankheiten durch Suchterscheinungen ist berichtet worden. Alles im vorgegebenen Spielraum und unter gewissen Verständigungen. Sogar ‚Mensch ärgere dich nicht‘ hat sich gehalten. Oder ein Sudoku-Fan macht mal bei 10 Phasen mit. Nun gibt es auch die Vorstellung der Welt als ein Spielfeld, auf dem wir auftauchen, unseren jeweiligen Auftritt gestalten und dann wieder abtreten. Doch viele Menschen wehren sich gegen diese Idee, einerseits Spielball zu sein vom Irgendwas, oder andrerseits selbst die Verantwortung übernehmen zu müssen für ihren Auftritt. Gibt es doch unzählige Möglichkeiten, das Script zu lesen und zu verstehen und es in eigene Schicksalsgestaltung zu integrieren. Oder auch, Follower zu werden bei diesem und bei jenem. ‚Spiel‘ heißt ja auch nicht ‚leichtfertiger Tanz, sondern es gibt Tragödie und Komödie, und in manchen Traditionen wird gerne erzählt, wie auch Gottheiten dummes Zeug machen und ihr daraus resultierendes Karma akzeptieren müssen. Ich vermute, dass es das Leiden ist, dass die Menschen das Leben nicht als Spiel betrachtet haben möchten, und das Leiden lehrt uns ja auch die Zurückhaltung und das Mitgefühl. Doch auch das Leiden gehört zum Spiel, und wie ich selbst damit umgehe und wie und als was oder wer ich letztendlich da bin.
Später dann müde. Berichte und erfinde und erzeuge du selbst doch dein Markenzeichen, das Auftrittsgewand, dein Zeugenverhältnis am kostbaren Wiegenrand. Fahr ganz nahe heran an den Bühnenrand. Manche hörten schon die Weite, sitzend im Weltwagen des blind Vergangenen, vielfach versteinert und gelernt, was wurde.
Auch wenn man das Gefühl hat, sich in ein Denkgebiet zu begeben, dessen Maß und Inhalt und Struktur aus der eigenen Gestaltung hervorgewachsen ist, so ist es gut sich zu erinnern, dass so ziemlich alles Denkbare schon einmal gesagt wurde. Ja, es kommen auch neue Worte hinzu, aber wenn ein Ding schon mal genannt wurde, ist seine potentielle Manifestation schon angekündet. Keine Philosophie der Weltgeschichte konnte bestimmte Themen einfach umgehen oder ganz auslassen, und immer wurde dort empfohlen, durch eigenes Denken auch die eigene Umsetzung besser gestalten zu können. Man muss zugeben, dass es eine der seltsamsten Merkmale des Menschen ist, dass er oder sie oder es durch diese irrsinnige Show, meistens Leben genannt, hindurchlaufen kann, ohne sich selbst begegnet zu sein. Wie soll das gehen?, und wann und wie kommen genug Hinweise, die einen ermutigen, über eine Möglichkeit des Erwachens aus dem trägen Gebären der Matrix nachzudenken. Und ob dieser kollektive Sog des mütterlichen Dunstkreises als imaginierter Sicherheitsort nicht doch verhindert, dass ich als Einzelwesen (mit anderen Einzelwesen) wirklich der oder die Gestalter/in meines Weges bin. Wir können ja selten bestimmen, was auf uns zukommt, aber was wir können ist, bereit zu sein und ausgerüstet für das Erscheinende. Irgendwann spielt das Wort keine so bedeutende Rolle mehr, kann aber jederzeit eingesetzt werden. Schließlich ist man als Spieler und Spielerin immer im (freien) Einsatz.
Ich habe nicht die geringste Absicht, mich von der künstlichen Intelligenz dystopisch vergaukeln zu lassen, wohl wissend, wieviel Wunderdinge man aufzählen kann bzw. könnte zu ihren Gunsten. Das funktioniert auch umgekehrt, wenn man es wagt, das natürliche Recht des Menschen auf Freiheit zu erwähnen und damit rechnen kann, dass jemand die Burka erwähnt, so als wäre es unter ihr automatisch verboten. Dabei dienen Verhüllungen allen Beteiligten oft als erotischer Reiz, und kehre nun bereitwillig zurück zum Thema, was sich mühelos anschließt. Denn siehe, eine große und völlig unüberschaubare Erwachtheitsillusionsblase hat sich über dem Weltsystem ausgebreitet, denn es soll, munkelt man sich angeregt oder verängstigt zu, endlich geschehen, dass der Mensch seine tumben Dumpfstellen in der geistigen Landschaft ausmerzen kann und endlich göttergleich zwischen seinen himmelhohen Rechnern herumwandeln und sich als selbstüberragend genießen kann. Also die, die das überleben, was kommt. Und dann ist da eine seltsame Anziehungskraft in der mentalen Vertuschung von sich selbst, nehme ich mal an, so ungreifbar wie die kalte Erotik technischer Supermodelle. Das war auch mächtig anziehend bei Raumschiff Enterprise (Next generation), und jetzt sind w i r next generation ud verfallen dem Zauber und der Magie des Ungewissen, basierend auf zwei Zahlen. Ich bringe mir langsam und geduldig bei, dass ich nicht verpflichtet bin, das alles ernstzunehmen. Ja, kann sein, dass uns in ein paar Jahren die Robotarmeen abholen aus dem Widerstand. Aber man will ja eh nicht mehr mitmachen, wenn die Mystik ihre niedrigste Ebene erreicht.
Ich war auf den Film ‚Matrix‘ bestens vorbereitet durch meinen langen Aufenthalt in Indien, wo man nach möglichst tiefem Einlassen begreift, dass es nicht zu begreifen ist und in ebenso tiefes Staunen gerät, dass es trotzden gelingt. Ganz kurz kann man nun mal den Blick von einem Oben herabsenken auf das Menschengewusel und es sehen als subatomares Feld, in dem trotz allem ungeheuren Chaos doch eine großartige Ordnung durchscheint. Und wie wir von der schockartigen Erkenntnis aus der Quantenphysik wissen, ist es unser Bewusstsein, und vielleicht sogar n u r unser Bewusstsein, das sich in ständigem Flow da draußen manifestiert. So weist schon das indische Prinzip der ‚Maya‘ , also des Illusionären, darauf hin, dass alles, also wirklich ‚alles‘, was wir wahrnemen können, ein Produkt der manigfaltigen geistigen Vorgänge ist. Bekannt ist auch, dass Bewusstsein an sich zur Erhellung des Mysteriums ‚Dasein‘ führen kann, vorausgesetzt, dass es der hellen Aufklärung dient, was wiederum lebenswichtige Unterscheidungen begünstigt. Durch die Verwandlung des Blickes wird einem dann klar, dass es zwar möglich ist, die Matrix zu verlassen, aber man wissen muss, auch das seine Bedingungen hat, die in der Sache selbst liegen. Eine ist, dass ich den Schock aushalten muss, das ganze menschliche Drama in seinem leidgeprägten Selbstkonstrukt zu erkennen, wonach das als normal geltende Nichtwirklichhinsehen beendet ist. Man muss auch nur hinsehen, solange der Schock anhält. Dann kommt eine gute Dosis Befreieung. Allein? Klar, wer sonst sollte Verantwortung nehmen für mich, kann ich doch nur mich selbst (letztendlich) verstehen. Und auch d a möchte man nicht einfach stehenbleiben und denken, das wär’s. Nein, es geht immer weiter, und als freier Partikel in der Umarmung des Alls kann das Spiel sehr schön und unterhaltsam und beglückend sein.
Meine frühe Leidenschaft für Science Fiction fand ihren Gegenpart erst in Indien, als ich selbst bezeugen konnte, dass die großzügig dargereichte Erotik der Götterwelten sich auf einer anderen Ebene plötzlich verdichten konnte in der diamantenscharfen Präzision eines geometrischen Diagramms. Kommt drauf an, wie man es sehen möchte, und wie man es sehen kann. Und nicht umsonst wird es nun einiges Staunen geben in der gerade entstehenden Zukunft, dass ausgerechnet ‚die Inder‘ zu den führenden Gehirnen der neuen Weltordnung gehören, wie bereits von Bangalore bis Silicon Valley bekannt ist. Diese zeitlose Fähigkeit des Menschen, im eigenen System vom Tagtraum bis zum abstrakten Gedanken alles selbst einstellen zu können, wird meines Erachtens gebremst durch die maßlose Verherrlichung der künstlichen Intelligenz. Aber ich sehe natürlich auch, dass künstliche Intelligenz da ist und bleiben wird, also muss man mit ihr umgehen. Aber nein, Sir (sage ich nun zu Ray Kurzweil), verschmelzen mit der Maschine, damit sie mich nicht verschlingt, das werde ich nicht. Es gibt ja nie nur einen Weg, und außerdem gibt es universelle Gesetze, auf die man sich verlassen kann. Ray Kurzweil prophezeit, dass es in 4 Jahren soweit sein wird, dass künstliche Intelligenz die menschliche übertreffen wird und dadurch Singularität entsteht, also durch Verschmelzung von Mensch und Maschine. Ich sehe als Prozess ganz Ähnliches, aber auf ganz andere Weise. Mein präziser Punkt des Vorgangs hin zu einer Singularität geschieht durch Verschmelzung mit mir selbst, ein auf natürlichste Weise radikaler Gedanke. D.h., anstatt technische Daten füttern zu müssen, muss ich die Krücke meiner kompletten Datenbank lassen und unabhängig werden von ihr. Denn wenn das Praktizierte und Gewusste und Gelernte dann nicht mehr da ist, dann lohnt es sich (an diesem präzisen Punkt) nicht, daran festzuhalten.
Sich auf möglichst breiter Gedankenbasis den jeweils dazugehörigen Humor zu erhalten, ja, ihn unbedingt zuzulassen und ihm den gehörigen Raum zu schenken, scheint mir für die jetzige Zeite unerlässlich. Kommt er automatisch ins Haus und stellt sich höflich vor? Nein, tut er nicht, und warum ist dieses wunderbare menschliche Phänomen überhaupt männlich beartikelt? Es gab ja immer Gerüchte, dass Frauen auf jeden Fall weniger Humor hätten haben sollen als die männlichen Geschöpfe. Aber kein Wunder, denn wahrscheinlich ist eine witzige Frau im Haus eine größere Herausforderung für humorlose Patriarchen oder Weltendauererklärer als eine schweigsame Schattengestalt, die, wohl wissend unter all den unsichtbaren Burkas, was ein falsches Wort alles anrichten kann, bis es überhaupt nichts mehr zu lachen gibt. Zum Beispiel kann ich mir nicht vorstellen, dass gerade in Afghanistan irgend jemand was Witziges an ihrem Staat entdecken kann. Und trotz allem Entsetzen über die Unzahl der Todesopfer bei diesem Erdbeben kann man zumindest noch einmal auf krasseste Weise verstehen, wie groß der Abgrund zwischen Idee und Wirklichkeit werden kann. Und zugegebenerweise kann man auch nicht über jede von Humanoiden produzierte Groteske lachen. Man könnte sehr wohl, wenn es nicht das immense Leiden gäbe, das uns gegen alle Widerstände zum Mitgefühl führt. Trotz aller tragischen Vorführungen darf man dennoch das Lachen und den Humor nicht verscheuchen. Schließlich ist das Ganze gleichzeitig auch eine Komödie, und wenn man das vergisst, wird man unendlich traurig und verstört, und das ist ungesund und hilft absolut niemandem.
Das Bild habe ich aus dem Netz gefischt, es war da als vorbeihuschender Nu, als Beiwerk eines Vortrags und ist offensichtlich K.I.-generiert, also kein Künstler dahinter. Oder doch kunstfähig, die Maschine?, wird eines der vielen Themen sein, die die Gesellschaften beschäftigen wird. Ich musste mich natürlich fragen, was mich an diesem doch ziemlich gruseligen Bild anspricht. Vielleicht, weil es als Projektionsfläche so viel Symbolkraft hat. Und da ich es mit m e i n e n Augen sehe, sehe ich den Raben einerseits als den Weisheitsträger, der dem leerblickenden Geschöpf schwere Wunden zugefügt hat. Und wirklich schrecklich ist dieser schon fast tote Blick, der einen anstarrt als das Nichts, das menschlich Erloschene, das in technische Erstarrung getriebene Wissen, das missbrauchte Wissen, das nicht mehr kontrollierbare Wissen. Das, finde ich, starrt einen da an, und ganz gut, das muss man zugeben, kann es malen und kann es starren. Und in der Tat: sie ist da, die neue Weltordnung. Es sind immer die Rituale, die solche großen Zeitenwenden dann bildlich verkünden. Freundlich spielen sich die neuen Herrscher (aus China, Russland, Indien, Korea) ihre gewaltigen und gefährlichen Bälle zu, und auf einmal sieht die Welt ganz anders aus. Und er läuft ja schon eine ganze Weile, der Cyberkrieg, denn eigentlich sollte es doch Amerika sein, das die ganze Welt unter den Dämonennagel reißt. Aber nein, Trump, der alberne Trump, hat alle verprellt, und nun hat er auf einmal außer seiner Speichelleckerbande keine Verbündeten mehr. Und nun wissen auch genug Menschen, was schmutziges Theater ist, und leider werden viele davon sehr krank. So ist es geradezu eine Pflicht für den oder die Einzelne/n, sich gut um sich selbst zu kümmern, damit man die noch vorhandene Gunst der Stunde nutzt, um der oder die oder das zu werden oder zu sein, was man von sich möchte. Und warum sollte es einem versagt sein, einen guten Einsatz zu geben. Man kann die Geschichte ja weder verändern noch vorzeitig verlassen. Daher lohnt es sich, darüber nachzudenken, was man unter einem guten Spiel versteht.
E i n e Richtung ist klar geworden in der letzten Zeit, wie auch immer man die Zeit datenmäßig erfassen möchte, und das ist die Richtung der künstlichen Intelligenz. Wie Spinnennetze haben sich die Fäden der neuen Denkmaschinen zusammengefügt und neue Pfade gebaut, um die Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die jedem erfinderischen Geist blühen. Das alles braucht Knowhow, und wer will an diesem Punkt der Menschengeschichte schon behaupten wollen, er oder sie wüsste, welcher Faden der weiße, und welcher der schwarze ist, davon weiß nur der Muezzin. Aber war das erst gestern, dass ich bei jeder Google Nachfrage nun die K.I.-überarbeitete Antwort bekomme. Das ist ja fast gar nicht aufgefallen, aha, aufmerken, antikes Herz, das gern auf der uralten Straße dahinwandelt und gerne weiterhin lernt von den Besten. Denn d i e sind ja immer noch da, auch wenn die menschenverachtenden Geister glauben, sie könnten eine Show stehlen, die es gar nicht gibt. Und es ist auch stets interessant, auf die Gegenspieler zu achten, die sich gleichzeitig mit den Brettbesetzern formieren. Manche geben auf und verkümmern oder schlagen zu. Andere ziehen sich zurück und sind froh, dass sie ihren Rückzug wohlwollend bedacht haben, wieder andere schließen sich dem aktiven Kampf an. Es ist schon bemerkenswert, dass z.B. im talibanbesetzten Afghanistan die Taliban selbst die Weltgemeinschaft um Hilfe bitten, wen es ein Erdbeben dieser Art gibt wie gerade. Nur wird dann noch klarer, wie hilflos und verkommen in ihrer Welt das alles gebaut ist, und wieder fällt eine Maske der Herrschsucht. Und wer weiß? Wenn der Sog Richtung ‚dunkler Aufklärung‘, wie die A.I. Dunkelkammermitglieder sie nennen, schon so ein Wurmloch (Raumschiff Enterprise) geworden ist, dass es einen Großteil der menschlichen Spezie verschlingt, dann…ja, dann ist das wohl so. Man tut bereits, was man kann, und natürlich gibt es Luft nach oben, vor allem nach oben. Und nicht zu einem weiteren Geistergottgespinst, sondern zu klarerem Ausblick auf das Ganze und sich selbst. Willkommen auf unbegrenztem Forschungsgebiet!
Auf den Namen Stelarc bin ich in einem Artikel über Ray Kurzweil gestoßen, auch er (Kurzweil) ein Transhumaner, und Stelarc wohl bis jetzt der einzige transhumane ‚Künstler‘, verschmolzen mit der Technik. Wie man sieht, war er schon 1994 voll beschäftigt mit dieser Obsession, und hat ja nun eine Menge Milliardäre hinter sich, die diese Verschmelzung ebenfalls anstreben. Nun muss ich zugeben, dass ich diesen ungeheuren Aufwand, den das technische Königreich bewältigen muss, um sein zu können, für komplett irrsinnig halte, und kann auch in Stelarcs ‚Kunst‘ keine Kunst sehen, denn es ist ziemlich langweilig, also nicht Kurzweil, sondern Langweil. Nun gut, auch das (technisch)Transhumane muss durch sich hindurch, bevor es wieder abtreten kann von der Weltbühne.
August 30, 2025
Christoph Niemann
So bemühen wir uns alle, mit dem Unvorstellbaren zurecht zu kommen, wobei das Unvostellbare eigentlich immer vorherrscht, wenn man es nicht immer wieder neu als das ‚Normale‘ bezeichnen würden täte. Das sogenannte ‚Normale‘ kann man allerdings auch nicht als einen ruhigen, wenn auch durch seine Ufer begrenzten Strom bezeichnen, sondern genau d a finden ja die Wildheiten und die Entgleisungen statt, unter anderem auch, weil das, was kommt, selten auf die vorgefasste Idee trifft. Trump wartet (vergeblich) auf den Friedensnobelpreis, Putin will die Unkraine nur noch zertrümmern, und Europa trifft sich zu weiteren trefflichen und treffsicheren Treffen. Der Gong, tief dröhnend im Irgendwo, wurde von allen gehört, ich meine: von allen uns Menschen. Heißt es Abschied nehmen vom Gewohnten (?), und wieviel Gewohntes unterstützt noch, und wieviel Gewohntes stört und muss dringend erfrischt werden. Oder wieviel Bedeutung kann es in dieser Welt noch sein, etwas oder jemanden darzustellen, also sich selbst noch als etwas darzustellen, was man n i c h t ist. Kann denn das sein, dass man etwas, was man darstellt oder darstellen möchte oder von anderen ermutigt wird, darzustellen, gar nicht ist? Alle Menschen sind allerdings im potentiellen Besitz der Fähigkeit, zu merken dass, wenn die Befremdung sich selbst gegenüber zu groß wird, nichts Angenehmes dabei herauskommen kann. Ich persönlich empfinde bei aller natürlichen und wahrscheinlich angeborenen Grübellust über die Hintergründe der Erscheinungen eine nachvollzehbare Ermüdung, und auf die Fragen, die man an sich hat, kommen nicht immer oder immer seltener Antworten. Man appelliert an die Stocknüchternheit und versteht, dass man ein ‚Einzeln‘ ist. Dieses Einzeln aber, das im Rahmen der Gesellschaft endgültig nichts und niemand mehr sein muss, beginnt nun zu lächeln und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.
August 29, 2025
Dass die K.I., die (noch) dem menschlichen Denken ergebene, künstliche Intelligenz, vom derzeit menschlichen Leben nicht mehr wegzdenken ist, ist kein Geheimnis mehr. Und sie kann schon so viel und immer mehr, und alles gleichzeitig und in Sekundenschnelle, sodass der Weg zum Gott der Stunde vorgepflastert ist. Auch in der Waffenindustrie wird heftig aufgerüstet, und die Logik des Verteidigungsdruckes plättet jeden friedlichen Protest, oder beantwortet jedenfalls keine wesentlichen Fragen. Es kann auch guttun, wenn Fragen offen bleiben, aber dann braucht es auch zuweilen klare Antworten, die man am besten erst einmal sich selbst gibt. So scheinen Waffen und k.I. zusammen keine freudebringende Allianz zu bilden, denn was hergestellt wird, wird verkauft und genutzt werden wollen. Was mich erstaunt an der kollektiven Suchtorgie der Bildschirmobsessionen, an denen wir mehr oder weniger beteiligt sind, ist unser freiwilliges Ablassen von der geistigen Fähigkeit des Menschen, sich selbst zu verstehen. Über die Maschine? Die künstlich eingeführte Intelligenz scheint mir hier an einem bestimmten Punkt und nach gebührlichem Respekt für die wissenschaftlichen Forschergehirne, doch eher eine Krücke zu sein, die ein Zeichen ist dafür, dass die kollektive Erfahrung einer geistigen Sperre in bezug auf menschliche Weiterentwicklung nicht zugunsten des Menschen an sich verlaufen ist. Denn nun tritt der Ersatzgeist auf das große Schachbrett, also der wirklich geniale Gaukler, dem es wie allen attraktiven Illusionen gelingen wird, sich eine Weile für fast lebendig zu halten. Aber was ist mit dem Sein an sich? Was sind die unsterblichen Bedingungen des geistigen Raumes, wenn man dort eintreten will. Da, wo die Hacker noch nie was hacken konnten, und wo Freiheit ist von Meinung und Projektion undsoweiter. Wenn man mal bei sich war, kann man auch künstliche Intelligenz wieder einschätzen, oder sich bis zu einem gewissen Grade von ihr (solange wie möglich) unterhalten lassen.
August 28, 2025
Ein Kraftfeld löst sich vom Kerngerüst der Sternträgerin. Ein Schweigegebilde, das den Äther durchquert wie ein majestätisches Schiff. Legt durch weiches Gespenstergetilge die weltlichen Könige matt. Denn hier gleitet nicht, wie leise erhofft, der Tod vorbei als ein Ort, sondern das nackte Leben, getragen von festlicher Maske.
August 27, 2025
Wer vom indischen Geist und seinen großzügigen Einstellungen mal inspiriert war, wird diese Inspirationsquelle vermutlich nie ganz los. Nicht nur war da Platz für so ziemlich alles, was Menschen sich unter ‚göttlich‘ vorstellen können, sondern es ging weit über jede Vorstellungskraft hinaus, und selbst für die schwärzeste Sucherseele gab es noch eine heilige Bruderschaft, die ihre Rituale pflegte. Oben das Bild, das mein Algorithmus mir im Netz als Teil des Vortragsthemas (Hinuidmus – a spiritual science) zuspielte. Ein schöner Gott, das muss man zugeben – wir Indienreisenden waren wie selbstverständlich vernarrt in ihn. Dieser Gott hatte den Eros, den man sich vorstellen konnte, und war ein bisschen auch wie wir, einerseits friedlich und andrerseits zum Kampf für die eigene Vorstellung von der existierenden Welt bereit. Es war schön, sich mal in so einer Schöpfung, der indischen Schöpfung, zu wärmen, denn sie war getragen von höchstem Anspruch an das Menschsein bei gleichzeitiger Erkenntnis des menschlichen Versagens, diesem Anspruch gerecht zu werden. Aber auch d a s kein Problem, man hat ja Zeit! Unerschütterlich ist die indische Einstellung an das Weitergehen nach dem Tod, dorthin, wo man es wieder aufnehmen und neu entwickeln kann und neue Chancen des Wachstums bekommt. Ob die Reinkarnationsidee wirklich eine Faulheitskrise ausgelöst hat, möchte ich bezweifeln. Überall wird Action und Einsatz geschätzt, und keiner möchte freiwillig zurückbleiben. Aber auch ohne Götter ging es zufriedenstellend weiter, sie waren ja selbst nur ein Zwischenstadium, eine freie Therapiequelle, eine Hindeutung auf das Wesentliche, ein Gespür für die Existenz des ganzen Rätsels an sich, das man studieren konnte soviel man wollte. Denn es gab kein Ende des Wissens, sodass man froh war, wenn einem das Prinzip des Genug begegnete. So einen urindischen Satz wie ‚Simple living, high thinking‘ (saada jivan, uchch vichaar) kann man weder erhöhen noch erniedrigen. Ohne Zwang erhält er seine Wahrheit. Kein Druck. Viel Freiheit. Nur ein angemessener Anspruch an die Umsetzungskraft.
August 26, 2025
Gerne wüsste ich, ob es tatsächlich diesen präzisen Moment gab, wo jemand das Wort ‚Mensch‘ zum ersten Mal aussprach, zum Beispiel auf Deutsch, und damit d a s meinte, was Anil, ein Freund aus Indien, nur eine weitere Spezies nennt, der Mensch also. Der Gedanke ist nicht schwer zu denken, also dass der Mensch vielleicht nur ein weiteres Produkt des kosmischen Schöpferdranges ist und eben so lange existiert, wie es dem Wesen der Erscheinung gelingt, sich zu erhalten. Andrerseits gibt es die Idee des Weltenrades, das sich unaufhörlich dreht und wo Millionen von Jahre ein Wimpernschlag an Brahmas Auge sind. Und es ist ja an diesem Punkt als Geschichte gar nicht wichtig, welche Sprache der Mensch spricht, oder welche Uniformen er oder sie tragen, überhaupt die Verkleidung, oder die Entblößung, das ist alles Menschensache. Und, wie gesagt und gesehen: dafür, dass der Mensch einfach eine weitere Art darstellt, nimmt er verdammt viel Raum ein und spielt im Script wohl die Rolle dessen, der dem Irrtum verfällt, alles würde nur ihm gehören, dem Menschen, all for mankind. Natürlich könnte man es sich auch anders denken, zum Beispiel die Menschen als Hüter-und Hüterinnen der Erde, große Dankbarkeit an den Planeten, der sie erhält undsoweiter, aber das hat sich zuweilen, aber nicht konstant durchgesetzt: das Hüten und das Bewahren von guter Qualität. Next level. Auch ohne Maschinen bieten die Ebenen sich an als Aufenthalt. Immerhin: der Mensch, also wir, können wählen. Auch wenn es scheinbar keine Wirkung hat, was wir wählen, so werden wir doch unterstützt von wissenschaftlichen Forschungen und Resultaten der Forschung über das Phänomen Mensch, das wir selbst sind.
August 25, 2025
Das barfüßige Etwas im Rampenlicht
Es ist doch eine bedenkenswerte Tatsache, dass der Blick, mit dem wir etwas betrachten, zum Beispiel die Welt oder unser Leben oder uns selbst, so einen großen Unterschied macht in der individuellen Lebensbefindlichkeit. Zweifellos sitzt da oben im Kopf eine Schaltzentrale, die allerlei Variationen des zu sehenden Bildes anbietet. Sich selbst muss man ein gewisses Knowhow zutrauen, also z.B. how to know myself, und welche Eingaben in die Instrumentarien der Zentrale sind mir denn wichtig, oder, noch etwas freundlicher temperiert gesagt: liegen mir am Herzen. Außer dieser unterstützenden Herzfrequenz darf ruhig noch ein Schuss Logik dazukommen, durch Reflektion, oder Kontemplation, oder Meditation. Hilfreich, wenn diese Spuren einem einigermaßen klar sind, damit man bei der Praxis nicht der Wortlosigkeit verfällt. Oder dem Trübsinn, oder der Schönheit des Illusionären. Ganz einfach dasitzen kann der Mensch und die Ausrichtung des Blickes wählen. Ray Kurzweil * meint, in vier Jahren sei es soweit, dass die Verschmelzung des Menschen mit der Maschine in eine ‚Singularität‘ aktuell geschieht und dadurch die bisher bekannten Gesetzmäßigkeiten aushebelt. Aber noch können wir einschalten und ausschalten und unsere eigenen Programme in den Äther senden. Oder auch nicht, und nur im Inneren erweitern.
Raymond Kurzweil – Amerikanischer ,Erfinder und Futurist, Transhumanist
Den Satz oben oben habe ich mir aus der ‚Zeit‘ ausgeschnitten, weil ich ihn anregend fand, und da hängt er schon seit Tagen über dem Schreibtisch und regt an, vor allem, wenn nachmittags dann das Licht drauffällt und man den Geist sich bewegen sieht, oder so kann zumindest der menschliche Geist es durch sich wahrnehmen. Ist es der menschliche Geist, oder ist es Geist an sich, das Bewusstsein, aus dessen unergründlicher Tiefe und Weite und Höhe und über alles menschlich Erkennbare hinaus alles entsteht und vergeht, was innerhalb unseres Rahmens sichtbar werden kann. Offensichtlich fühlen wir uns als eine durchspezifizierte Art, die den Dingen ihre Beschriftung auferlegt, damit gegenseitiges Verständnis zumindest ermöglicht wird. Ja, wir haben uns geeinigt, dass auch Fische und Nashörner und all die anderen Tiere eine eigene Sprache haben, das weiß man auch von Bäumen und Pilzen usw. Aber ihr Manifestationsdrang durch Sprache hält sich in Grenzen. Der Mensch, wann auch immer man anfing, sich so zu nennen, kennt nicht das Genug, oder hat es verloren, oder muss immer wieder daran erinnert werden, von sich selbst oder von anderen. Eben an das, worauf man sich geeinigt hat darüber, was mit ‚menschlich sein‘ gemeint ist. Obwohl es nie ganz klar geworden zu sein scheint, ob unter Menschen wirklich einer mehr zu sein oder zu bedeuten hat als der andere. Denn wie gesagt, es sind alles letztendlich Geschichten, die man sich selbst erzählen kann und sie überprüfen auf ihren Gehalt. Deswegen gefällt mir der Satz, der aussagt, dass ich bestimmen kann, dass mein Geist sich aufrichtet und mir beim Navigieren behilflich ist, denn wenn die Atmosphäre, durch die ich reise, so sein soll, wie ich es als angenehm empfinde, dann bleibt mir nichts anderes übrig zu schauen, welche Richtung meine Kompassnadel anzeigt, und stimme ich damit überein.
August 22, 2025
Es kann einen regelrecht in einen Denktaumel versetzen, wenn man die stocknüchtern machende Tatsache einmal gründlich vor Augen führt, dass alles, was wir erleben und sagen und denken und vordenken und nachdenken und tun und handeln, alles in zweifachem Sinn Geschichte ist. Einmal als sich selbst gestaltendes Gesamtwerk, als Weltgeschichte, und dann auf den einzelnen, persönlichen Ebenen von uns Sterblingen, die wir uns unter den vorgefundenen Bedingungen zurechtfinden, und, solange wir atmen, dabei sind, mitgestalten und unsere eigene Geschichte dazugeben. Ich denke, es gehört zur persönlichen Freiheit, dass man weiß, dass man die Geschichten auch anders erzählen kann. Was wissen wir schon wirklich von Sokrates (z.B.). Na ja, wir wissen d a s, was Platon uns erzählt hat, und man erkennt diese Stimme als authentisch. Aber es ist dennoch Platons Geschichte. Sokrates war im ‚Gastmahl‘ der einzige, der keine eigene Lehre zum besten gab, sondern die von Diotima, von der er sich (angeblich) belehren ließ über das angemessene Erkennen des Eros. Aber niemand weiß, ob Diotima wirklich gelebt hat, oder hat Plato sie erfunden, weil er wusste, dass das ein brenzliges Thema ist. Also sie war ja gar nicht persönlich da, sondern war über Sokrates zugeschaltet. Eine Frau war ja auch beim philosophischen Herumlungern mit schönen Jünglingen und Wein gar nicht mitgedacht. Vielleicht waren die Frauen ja auch mit Amazonenheergründung beschäftigt, oder litten wie Xantippe unter dem Fluch der Bedeutungslosigkeit. Es kommt darauf an, wo und wem und wie man eine Geschichte erzählt, denn jede Geschichte lässt sich auf vielfache Weise erzählen. Sokrates hat dann vor allem im letzten Teil seines Dramas eine Anekdote geliefert, die ihn mühelos zu den Unsterblichen transferiert hat. Im Angesicht des nahen und gewissen Todes hat er noch einmal Ausdruck von seinem Denken geschenkt und hat gesagt, was er sagen wollte. Und kein Mensch erinnert sich mehr an die Dummköpfe, die ihm den Mund stopfen wollten, wohl wissend, dass das, was er sagte, für sie nicht erreichbar war, und glaubten, ihn nun zu vernichten. Da konnte man u.a. von Sokrates lernen, wie man siegt, ohne siegen zu wollen. Natürlich ist auch Sokrates nur ein Symbol und eine Geschichte. Aber die Handhabung des einzelnen Schicksalsdramas macht schon einen Unterschied, den man ganz persönlich bedenken muss oder kann.