Gilles Deleuze

Wir brauchen die anderen
Existierenden nicht zu
richten, sondern bloß
spüren, ob sie zu uns passen,
d.h., ob sie uns Kräfte
herbeibringen.

cloud strike

Unaufhaltsam strömen sie herein, die neuen Worte, die aus dem Dickicht der Welten entspringen und dem Geist das scheinbar Seiende vorgaukeln, aber hallo, es i s t ja, und ist eine der vielen neuen Realitätsebenen, die einen betreffen können, aber nicht müssen. Oder die Tatsache macht betroffen, dass ein kleiner Fehler in der Software weltweite Auswirkungen haben kann. Wenn die Wolken streiken und jemand zuviel Macht hat. Ein paar gierige Hände, die alles im Griff haben möchten und denen es auf nichts anderes ankommt als auf die Spiegelung ihrer Blase, die nun durch die digitale Revolution einen Schub in die Größenwahnsinnigkeitssblase hinein bekommen hat. Das ist alles nicht mehr aufzuhalten und kann mit vielerlei Gemütszuständen begleitet werden. Staunen kann man natürlich auch, es nimmt immer nur andere Formen an, die Grunderscheinungen bleiben dieselben. Viel wird auf allen Ebenen darüber kontempliert, ob diese Eiseskälte der technischen Auswüchse wirklich eine Abweichung darstellt, oder eine Zuspitzung, oder einen Hinweis darauf, dass im Menschen eine Bereitschaft existiert zur eigenen Auslöschung. Wenn das Maß des Menschenmöglichen überschritten ist, oder keine Überwachung mehr das bereits Überwachte mehr überwachen man. Wir sehen im Netz der inneren Leinwand Fische ahnungslos, nein, ahnungsvoll ihre Bahnen ziehen, und der Mund singt Fisches Nachtgesang. Aber Achtung!, der Film hört gar nicht auf! Unaufhaltsam geht er weiter, und siehe!, wir sitzen im Rosengarten zwischen Leben und Tod, und lassen Himmel und Erde durch uns hindurchziehen.

indessen

Währenddessen (dessen: Ukraine, Putin, Trump, Swiftkirchen etc. (und ganz persönlichem Abschiednehmen von der Gewohnheit des Verfügbaren) (und der angemessenen Trauer dem Entgleitenden gegenüber), während also all dessen, oder auch während des Essens, wartet man, oder warten wir, oder warte ich wirklich auf den Hochsommer?, wo wir doch schon mittendrin sind im Sommerblues. Ich persönlich freue mich ja über jedes Tröpfchen Wasser, denn im nahen Wald stehen sturztrockene Streichhölzr, Bäume genannt, und so kann ich, und können die Feuerwehrleute entspannen. In Delhi war’s gerade 53 Grad und viele sterben, aber in Griechenland sterben sie, die Menschen, schon bei 44 Grad. Überall wird geboren und gestorben, man vergisst es nur leicht, wenn man nicht direkt beteiligt ist. In der Nähe unseres Hauses wohnt Mameh, aus Guinea, mit ihrer Tochter Racky, in Deutschland geboren. Gerade haben sie die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Ein Sohn ist auf dem Weg, heute oder morgen soll er ankömmen und Ryan heißen. Ein paar hundert Kilometer weiter entfernt verliert mein ältester und bester Freund gerade seine Geliebte. Die unheimliche Krankhet greift mit ihren Krallen in unsere Leben ein. Die Liebe zu Anderen macht uns verwundbar, und unser Herz ist voller Dankbarkeit dafür. Denn was und wer wären wir ohne die Wunden, ich meine d i e s e Wunden, die dem arglos in die Liebe Gefallenen wie von selbst geschehen, also ihm und ihr selbst geschehen. Denn dort geht es hinab in die ungeahnte Tiefe des Absichtslosen, wo die Orientierungen plötzlich verschwinden, ja. Und wem nun trauen als sich selbst und dem Du. Deswegen ist es gleichermaßen gültig, ob man nach oben oder nach unten über sich hinausgeht, denn wenn Wesentliches im Gange ist, weiß man so ungefähr, welchen Pfad man gewählt hat (Oder nicht?). Wir alle haben ein einzigartiges Schicksal, mit dem wir umgehen (lernen) müssen, oder können, oder wollen, eben: während all dessen, was sonst noch so läuft.

Ach wie gut,
dass nunmehr jeder
wissen darf, dass
mein Name doch nicht
Rumpelstielzchen war.
Jetzt, wo um den
Märchenwald wieder
eine große
Rosenhecke blüht,
die uns Liebende
beschützt vor dem
grauenvollen
Sog des Schlafes.
Nun verliert die
Welt den Nektar
unserer Sagen.
Stummfilmstreifenartig
sägt die Stille durch
die Menschenstraßen.
Seh -Sam! Seh-Sam!
Öffne dich!

fanomenal

Das Herumgrübeln über gewisse auf der Weltbühne auftretende Phänomene hat seine eigene Logik. Sie lehrt uns, dass man nicht alles verstehen können muss und außerdem auch noch froh sein kann darüber. So weiß wahrscheinlich der geniale Trump Impersonator John Di Domenico mehr über Trump, als Trump jemals über sich selbst wissen könnte, aber er löst nicht das Rätsel der Erscheinung. Bleiben wir also nüchtern bei der Vermutung, dass es Zeitfenster, oder sagen wir besser ‚Zeitlöcher‘ geben muss, in deren substanzloser Leere sich ein kollektives Bedürfnis auftut und vor sich hinwuchert und nun als Not-Lösung eine Figur erschafft, die diese Bedürfnisse in sich bündeln kann, indem es aus welchen Gründen auch immer den Nerv der Zeit einatmet und dadurch genau dieser Hohlraum wird, der nun vom Gebündelten und vom Gebannten gefüllt wird. Die entstehende Macht ist ungeheuer, die Konsequenzen auch. Eben dass Hitler gerade d a hinausging, als die Bombe explodierte, die vielen Menschen das Leben geschenkt hätte. Oder der junge Scharfschütze, der Trump in den FakeNews Olymp katapultiert hat. Man kann das auch kosmische Regie nennen, oder die tragische Komödiantenmaske aufsetzen, aber verstehen…? Die Massenhysterie bei der Fußball EM war ja schon einige Beobachtungen wert, die man sonst nicht für möglich gehalten hätte, und nun kommt Taylor Swift nach Deutschland. Mit tapferer Entschlossenscheit habe ich den Artikel in der ‚Zeit‘ über sie gelesen und zumindest verstanden, dass sie auch aus dem Zeitloch kommt, mit allem beschenkt und behaftet, was viele Millionen Menschen, Jung und Alt, in die kollektive Ekstase befördert, um irgendwie eins zu sein mit der Superheldin. Hier bewegt sich jemand talentiert auf höchster Ebene des Mittelmaßes. Immerhin scheint es nicht einmal Neid zu geben auf ihre Schlaraffenland-Gage, denn sie versteht es, so zu tun, als könnten das alle, aber das kann nur Tylor Swift, und die Swifties können es nicht. Was sie allerdings können ist, die Heldin in den unvermeidlichen Burnout zu treiben. Bei den amerikanischen Demokraten hofft man, dass sie sich eindeutig für Joe Biden entscheidet, der gerade im Labyrinth herumstrauchelt und den Faden nicht findet. Aber klar, mit der Milliarde und den Fanmeilen kommt die Angst, ob man dem Ganzen noch gerecht werden kann, d.h. das Spiel selbst gestalten. Deswegen, also weil alle grundlegenden Gesetze überall vorzufinden sind, ist es hilfreich, sich als Einzelwesen zu verstehen, dessen Kräfte sich in jeder Situation den innerlich erarbeiteten Richtlinien entsprechend entfalten kann.

was, wenn…?

‚Was, wenn…?‘ ist einerseits eine verhältnismäßig nutzlose Frage, die sich in manchen Situationen aufdrängt, aber andrerseits kann sie nutzvoll sein in Vorbereitung auf das Womögliche. Natürlich verbaut das (wie erkennbar bei Plänen und Ideen und Terminen) wiederum den freien Zugang auf das Tatsächliche, das Potential also des Hintergrundes, dem Raum gegeben werden muss, damit es das Licht des Tages erblicken kann. Je wahrscheinlicher allerdings das Vermutete wird, desto mehr gewinnt die Frage an Relevanz, und dann ist es klug, die Vorbereitungen in Gang zu setzen. Klug ist auch, in jeder Situation die eigene Befindlichkeit im Auge zu behalten, damit man vor allem die Kräfte des ohnmächtigen Willens in förderliche Bahnen lenken kann. Natürlich können einen poltische Entscheidungen aufheizen, und man muss wählen gehen. Aber was ist mit den philosophischen und den psychologischen und den ganz persönlichen Entscheidungen oder Nachforschungen und Ergründungen, nämlich ob w i r wissen, was hinter uns steckt, oder was ist überhaupt gemeint mit dem ‚Innen‘ und wie sieht es da aus? Auch ‚Gott‘ wird ja gerne als Instanz genutzt für die Dehnung eigener Grenzen in die Vertikale, also die Suche nach einem Ausweg, wo ich mir nicht selber im Weg stehe. Und was, wenn ich dann gar nicht mehr hemmungslos ichen kann? Was, wenn ich noch gar nicht zu mir gekommen bin wegen all dem anderen Zeug, mit dem man sich und anderen im Weg stehen kann, also mich noch gar nicht wirklich kümmern konnte um diedendas, um die es hier geht. Wenn ich noch durch den fließenden Spiegel muss auf die andere Seite, wo die Dämonen sitzen am Spieltisch, und keine/r kann dem Anderen trauen, oder sind es die Gottheiten, ermüdet vom unerfüllbaren Anspruch. Was, wenn Scheitern sein muss, damit das Geschundene sich endlich erheben kann und eine Sprache findet, und wenn das Gelingende sich gleichzeitig auch einen Pfad bahnen kann. Denn alle Pfade führen zu sich selbst, und erst von da aus nach Rom.

fast

Da hätte ihn doch tatsächtlich fast jemand (wir kennen den Jemand jetzt) weggepustet, den ehemaligen Präsidenten, und dieses ‚Fast‘ erinnert einen nicht nur an andere politische Momente der Zeitgeschichte, sondern erinnert mich daran, dass sich hier die Gelegenheit anbietet, zwei Worte (imagine:almost) in das Geschehnis zu bringen, die getrennt sind durch einen Doppelpunkt, und dieses dreifache Gefüge nannte ich vor langer Zeit einmal einen poetischen Schub, weil selbt zwei Worte so einiges in Gang bringen können. Stell dir vor, sagen sie: beinahe!(!) Also etwas war ganz in der Nähe, passierte aber nicht. So drücken sie, die beiden Worte und der Doppelpunkt, ebenfalls ein Bedauern aus über das Nichtgeschehene, das fast hätte geschehen können. Aber zurück zum ehemaligen Präsidenten, von dem man weiterhin lernen muss, dass Narzissten schwer zu handeln sind. Ohje, jetzt wird er vermutlich eine Götterlegende mit Unsterblichkeitsstatus. Wenn man sich nun ein bisschen erholen möchte von dieser Nachricht, denn wer will einem lebenden Wesen schon die Erschießung wünschen, so kann man dennoch kurz in die Hinterstuben der Gehirne beamen, da, wo die Vorstellungen herausblühen. Und all das, was dort gerade gedacht wird, zieht bereits um die Welt, ohne dass es unbedingt ausgedrückte Worte braucht, denn jede/r weiß ja, wie gefährlich Worte sein können, wenn man nicht wachsam ist. Das war doch kein Wolfsgruß, sagte der Mann, sondern eine verbindliche Geste zu euch allen. Und in diesem Kraftwerk der gegenseitigen Verarschung muss nun und tut auch Biden schnell ans Direkttelefon gehen und sagen, dass man sowas doch nicht tut in einer Demokratie. Aber klar ist auch, dass es immer mal wieder einen gibt, der so etwas tut und weiß, dass er da nicht lebend rauskommt. Tot ist er, der zwanzigjährige Wie-hieß-er-doch-gleich, und hat dem verhassten Objekt bzw. Subjekt auch noch einen Gefallen getan, aber vielleicht hat ihn, Trump, der junge Mann nur benutzt, um selber von der Bildfläche verschwinden zu können. Wie’s dem Vater wohl geht, der ihm die Mordwaffe geschenkt hat. Und wer will oder würde sie aufhalten können wollen, die Millionen von Mordwaffenschenkern, also bleibt mir der Schwung heraus aus der Betretenheitsfalle und dem herbeilenden Wust unnötiger Befindlichkeiten, ausgelöst durch wenig schmerzlindernde Gedankengänge. Es gibt natürlich ganz nebenher einiges zu lernen, z.B. wie sehr die blutverschmierte Wunde im Angesicht der Heldenverehrung eine kollektiv gesteuerte, erotische Komponente mit sich bringen kann, die den brandgefährlichen Virus in sich trägt, vor dem, oh hehrer Kosmos, du uns in deinem Spiel bewahren mögest. (Oder nicht bewahren können wirst).

Beinahe

Imagine: Almost!

Ich empfinde es heutzutage als eine durchaus frohe Nachricht an mich selbst, wenn mich kaum jemand ernsthaft fragt, wie es mir wohl geht, denn es geht mir ziemlich gut. Das Wort „ziemlich“ ist hier passend, denn ein „enorm gut“ kann in seiner Unwahrscheinlichkeit den lebendigen Prozess lähmen. Allerdings gibt es in allen Sprachen diesen einen Satz, der so tun kann, als gäbe es ein Interesse am Anderen, aber man weiß sehr wohl, dass ein schnelles „gut“ genügt, weil es erwartet wird. Nicht erwartet wird zurecht ein Klagelied am falschen Ort zur falschen Zeit, und ich ganz persönlich kenne wenig richtige Orte, an denen ich meine jeweiligen Klagelieder gehört haben wollen hätte. Selbst meine Notizbücher, sehr ungern „Tagebücher“ genannt, waren dafür nicht geeignet, obwohl es natürlich die Dichtform gibt. Alles, was durch die eigene Wortwahl gewandert ist, kann sich auch im öffentlichen Raum schadlos manifestieren, ohne das Gegenüber unnötig zu belasten. Zu wissen, was mit einem los ist, ist für einen selbst einfacher zu handhaben, denn wenn ich es nicht weiß, muss ich darauf achten, wem ich das Klagelied zumuten kann damit ich mir nicht selbst etwas zumute, zum Beispiel die eigene Wirrnis zu verdoppeln. Immerhin gibt es Expert:innen, die geschult sind in der Aufnahme und Annahme dramatischer Inszenierungen und wie man zeitgemäß damit umgeht. Denn wer kann schon die letzten Aussagen machen über die Vorgänge des Inneren, und wann und wo und wie und durch was ein Wesen ins Schleudern kommt, oder hat es gar nicht geschleudert. Faszinierend, so als die einzige „Person“, die man wirklich kennen kann, durch das Leben zu gehen. Und obwohl man einerseits irgendwann in Kontakt kommen muss mit der Nachfrage, wer man eigentlich ist, und dadurch bestimmte Gedankengänge in Bewegung gesetzt werden, so muss das andrerseits gar nicht unbedingt passieren, ich meine: dass man in Dialog tritt mit sich selbst in dem Wunsch, das, was man für sich selbst häjt, auch zu verstehen. Daher begrüße ich zwar die Möglichkeit eines tiefen Kontaktes mit Menschen in bezug auf die Gestaltung ihrer Geschichten, aber die Geschichten an sich interessieren mich weniger, da schaue ich mir doch lieber bei Bedarf einen guten Film an.

(W)wir

Es gibt dieses „Wir“, das uns Menschen ermöglicht, in gewissen Zusammenhängen zu existieren, die wiederum zu Geschichten werden und in der Relativität der Vorkommnisse ihren Platz einnehmen. Klar ist, dass diese Zusammenhänge alle beweglich sind und keine Garantie enthalten für die Stabilität dadurch entstandener Systeme. Das Wir, dass ich zuhause entspannt beim Fußballspiel erlebe, schaut zwar auf dasselbe Spiel wie das Stadion-Wir, aber keine Freikarte der Welt könnte mich in ein Stadion locken obwohl ich den Mythos der Massen auch erforschenswert finde. Dieser Forschungsdrang würde sich auch nicht durch einen Besuch in einem Taylor Swift Konzert ausdrücken, obwohl ich dann doch den Artikel in der „Zeit“ über sie gelesen und zumindest etwas über das Phänomen von Zeiterscheinungen verstanden habe. Gerade d a s, was in die Masse der Gehirne vordringt, kann man durchaus als einen Zeitgeist betrachten, auch wenn er einem nicht entspricht, und es gibt ja noch andere Stränge des Zeitgeistes, die Durchsetzungskraft haben, auch wenn hier weniger auf großen Bühnen herumgetanzt wird. Manchmal kann man auch ein Wir aussprechen in einer Situation, wo man sich unbekannte Verbündete denkt, mit denen man sagen kann: Wir wollen nicht, dass Trump noch einmal an die Regierung kommt, oder Friedrich Merz Kanzler wird, oder Putin Deutschland angreift, oder die AfD stärkste Partei wird, obwohl ein anderes Wir es ganz anders sieht. Da das Wir überall aus Einzelnen besteht, ist es förderlich, das eigene Wir, in dem ich mich bewege, ernsthaft zu bedenken. Denn ständig ist Wechselwirkung, und das private Wir manifestiert sich in letzter Konsequenz als Gesellschaft. Daher ist auch aus dieser Perspektive her zu sehen, wie von verständlicher und gleichzeitig unerbittlicher Logik her Freiheit als Instrument gesellschaftlicher Verantwortung gesehen werden kann und vielleicht auch muss. Wenn die „selbstverschuldete Unmündigkeit“ dem Kindergarten der Erwachsenen einen Schlusspunkt setzt, also das Wasser schon den Fußabstreifer erfasst, dann entstehen auf einmal neue Wege der Handhabung, durch die immerhin kreative Energien in Gang kommen, auch wenn diese sich eher im Hintergrund gestalten, also von der inneren Sicht her nach außen, was sie zuweilen zeitaufwendiger macht, aber nicht weniger wirksam.

vorführen

Nun wird uns in einem Akt des Dramas auf hochkarätig besetzter Weltpolitikebene vorgeführt, wie schwer es ist, eine „gute“ Entscheiung zu fällen. Wir alle kennen ja diesen Moment, wenn ganz klar wird, wer die Tragweite der Situation erkennen muss, nämlich der oder die Einzige allein, egal, wieviel von gutem Rat freizügig gegeben und erwünscht worden war. Allein ist man mit der Tragweite der persönlichen Handhabung, denn sie hat Wirkung, auch wenn die meisten Menschen gemäß ihren eigenen Angaben sich nicht im Blickfeld der Öffentlichkeit gesehen und gehört fühlen. Deswegen fühlen Andere hingegen sich oft so beschenkt, wenn es ihnen gelungen ist, für das, was sie sind, ein Instrument zu finden, und dann damit ins Abenteuer, oder man könnte auch sagen „in den Kampf zu ziehen“, denn was sich in den Geschöpfen über das Papier oder die Leinwand oder das Notenblatt oder über den Brotteig abspielt, das findet Ausdruck auf diesem Feld des Kampfes, wo es zum Glück nur um die Bewältigung der Kernfragen geht, also all das Zeug, mit dem sich die Grübelgeister:innen seit tausenden von Jahren innen beschäftigt haben, um letztendlich der Sache, also sich, auf den Grund zu gehen, nämlich da, wo das Leichtgesagte endlich zum schwer Verstehbaren wird. Bis die Unermüdlichen, also die Überlebenden, erkennen, dass es nie Schutzhülle oder Rampenlicht oder Versorgung von oben gab, sondern die Schönheit und Eleganz des Raumes ihr unabhängiges Sein ausstrahlen können, indem es, das Sein, von allem, was darin geschieht, abhängt. An den Abbildungen indischer Göttinnen fand ich immer interessant, dass ihre Musikinstrumente auch gleichzeitig Waffen sind. Denn nur das Meistern des Instrumentes kann den erwünschten Klang hervorbringen. Das gilt gleichermaßen für Joe Biden wie für den Bäcker im Dorf.

erden

Wer in Berlin geboren ist, wie ich, kann sich ein Leben außerhalb von Großstadt erst einmal gar nicht vorstellen. und ich bin froh, mich in so vielen Städten zutiefst wohlgefühlt zu haben und gleichzeitig (im Living Theater) zu arbeiten, und an den Geheimtüren der Städte willkommen zu sein, und dort, bei den Hintergründen, vieles zu sehen und zu erleben und zu hören, was wentlich war für die Kenntnis von Leben und Tod. Und wie Menschen aller Art diese Herausforderungen meistern. Dann aber, auf dem langen Weg von New York nach Indien, irgendwann über Land und bei noch einschätzbarer Gefahr die Gräber der Sufi-Poeten besungen, da fing für mich die Nähe und Aufmerksamkeit auf die Erde an. Erst war mir nach Bergen und Eis, dann nach Wüste und Weite. Nur das Meer plätscherte ermüdend an den Abenteuerdrang. Erde! Ich war wie betäubt von der Freude, Sand unter den Füßen zu spüren, und von überall her strömte die atemberaubende Schönheit der Tiere auf mich ein , die einem Respekt und Hochachtung einflößen konnten. Und ich sage nun „konnten“, nicht, weil es das gar nicht mehr gibt, das wesensberuhigende Insichruhen des Erschienenen, aber nun hat der digitale Vorstoß in die Eingeweide des Menschseins einen Schatten erschaffen, der von allen gewünscht wird, sodass nun auch dem letzten Einsiedler ein innerer Reichtum abgesprochen wird, wenn er kein Smartphone vorzeigen kann. Und es ist spannend, wie die Welt sich verändern kann in einer Weise, die sich keine/r vorstellen konnte. Und doch scheint es Grenzen zu geben und Blockaden und Staus, sodass mich das Drama nach dem Script befragt, mit dem ich da durchsegeln will. Und nun bin ich tatsächlich im Grünen gelandet, mit sattem Grün für die Pupillen, die so viel Neues und Schnelles bewältigen müssen. Auch Entschleunigung ist nur eine Lösung, wenn man mit der ausgedehnten Zeit etwas anfangen kann. Zum Beispiel so wenig wie möglich tun, d a s aber so bewusst und wach wie möglich. Umherstreifen mit unserem Zeugenselbst inmitten der ungeheuren Verschwiegenheiten,

durchatmen

Wie schon gesagt: Noch ist nicht aller Frühstücke Nacht – alles kann noch geschehen….Und man muss zugeben, dass auch immer Übrraschendes geschehen kann, bei einem selbst und bei anderen und in der Politik, wenn man sie noch vom Leben trennen möchte, oder auch nicht. Und im Sport, wo nach der offiziellen Niederlage und dem Kurzschock niemand im Keller versunken ist, sondern nein, alle sind froh und heiter, und immer noch wird munter über den Schiri geschimpft, und so ist es doch eine kleine Sommererzählung geworden, mit der die meisten zufrieden sind. Wenn man sich zur persönlichen Unterhaltung irgendwo in den Weiten des Alls einen Chef vorstellen würde, der intensiv um Gerechtigkeit und angebrachtes Maß bemüht wäre, dann könnte man ihn oder gar sie, die All-Chefin, sich vorstellen, wie sie sanft aus einem feinstgeschliffenen Gerät ein wenig Demut einträufelt in die Narzisstengehirne, das schadet keinem von uns. So treibt unaufhaltsam eine unsichtbre Kraft Kamala Harris vor Joe Biden, er braucht nur noch nicken. Ob er tatsächlich nicken wird, wissen wir noch nicht. Der politische Raum lässt viele Ähnlichkeiten mit einer Kita zu. Auch Macron kann nur halbwegs durchatmen, aber immerhin muss man die Wähler:innen loben, die etwas verstanden haben. Dunkel tobt’s an den Himmeln und nimmt Berge und Tal auseinander, sodass keine/r von uns sich mehr vorbereiten kann, oder konnten wir’s jemals, denn der Wind geht seine eigenen Wege. Bald können die Straßen nicht mehr erweitert werden, und die Tunnel müssen schließen. Bei den hoffnungsfreien Staus sieht man Menschen mit Tieren die Seitenstreifen entlangwandern, während maskierte Reiterhorden die nächste Turbulenz einleiten. Da wir, in welchem Wir auch immer wohnhaft, ja nicht wissen können, wie andere Spieler:innen mit dem Rande des Abgrunds umgehen, bleibt uns (als Einzelne) wenig anderes übrig, als selbst an Plan B zu feilen. Oder lieber Plan A generös und humorvoll erweitern, indem die Fülle des Bleibens (bei sich undsoweiter) erfahrbar wird.

Theodor Adorno

Adorno, Theodor W. (früher Wiesengrund A.), Philosoph und Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist, Frankfurt a. M. 11.9.1903 - Visp (Kt. Wallis) 6.8.1969. Porträtaufnahme, um 1953.
Dieses Photo kann bzw. muss man, wenn
man es ohne ‚Album‘ will, mit 14.50 Euro
bezahlen.

Die destruktive Seite des Fortschritts
muss immer wieder vor Augen
geführt werden, um nicht am Ende
einer Fortschrittsdynamik zu erliegen,
die uns alle zugrunde richtet.

Gestatte mir, o geheimnisumwölktes Universum, hier (kurz) zu einem der auf dieser Weltbühne sich etabliert habenden Phänomene meinen bedeutungsfreien Senf hinzuzufügen, ja warum? Natürlich wurde mir gestern gegen sechs Uhr auf der Couch, ohne eine Kartoffel zu sein, bewusst, dass ich quasi mit locker auf 60 Millionen geschätzten weiteren deutschen Staatsbürger:innen das gleiche Spiel betrachten werde und auch tat. Wir taten es also auch und rauf ging’s und runter, und yeah!!! rief ich laut in den Raum und U. zu, als das uns alle erlösende Tor doch noch fiel, ein wahres Wunder, und die Spannung stieg ins Unmessbare, alles offen, alles wieder möglich, und dann wieder die bittere Medizin der realen Vorgänge, die nicht einmal von Leistung abhängen, sondern ganz einfach von Kismet. Wenn der peinigende Dolch des Schicksals mit seiner unerbittlichen Botschaft zustößt, kann man dann durch das schmerzhafte Scheitern hindurch dennoch zurückblicken auf Leistung, die erbracht wurde, und genau hier kann die Verwandlung des Senfes in Erkenntnis stattfinden. Da tragen diese paar Jungs die emotionale Ladung ihrer Followers, und man weiß dann, wie Helden aussehen, wenn sie die Arena verlassen. Und einige von ihnen werden wir nicht wiedersehen, denn sie sind in ihrer Mittelreife schon zu alt für dieses Spielfeld, auf dem es um die Exzellenz des körperlichen Trainiertseins geht. Auch hier muss man wissen, wann genug ist und wann die Würde anfängt zu bröckeln. Oder ganze Brocken davon herausfallen, wenn in irgendeinem Hintergrund Victor Orban sich mit Wladimir Putin trifft und niemand weiß, was sich in seinem Kopf gerade zusammenbastelt, oder in Joe Biden oder Macrons Kopf oder gar Donald Trumps Kopf, obwohl uns das leider, wenn es durch die Raster der Gehirne geschleust ist, durchaus betreffen kann oder gar trifft. Da ist es schon einfacher, wenn man den Computer einfach zumachen kann, denn nach gestern abend (o herumschleichender Patriotismus): wen kümmert’s, ich meine das mit dem Fußball.

am Ball

Dann gab es noch im Außen den Wolfsgruß, der in lockerer Verknüpfung an Joe Biden erinnern konnte, indem ein einziger Moment, schlecht gesteuert, die Weltpolitik kurz aus den Angeln heben kann, was gar nicht so schlecht sein muss, wenn die daraus resultierenden Umstände klug gehandhabt werden. Männer (und Frauen?) tun ja gerne so, als wär‘ nix gewesen, weil vieles im Dunkel der Nacht nicht überprüfbar und beweisbar ist, aber trotz klarer Lage setzt dann trotzdem das Getue der Harmlosigkeit ein – wieeee, Wölfe, wollte ich doch nur mein Land loben. Die offiziell Zuständigen werden vorgeladen, und der türkische Führer kommt zur angepeilten Krisensitzung nach Berlin zum Fußballspiel. In der Zwischenzeit wird Biden auf alle möglichen Arten und Weisen beigebracht, dass die vermasselte Rede nicht nur ein kleiner Schwächeanfall war, sondern der letzte Schluckauf einer kollektiven Beunruhigung, die in berechtigte Beängstigung umschlagen kann, wenn das Phantom des Ex-Präsidenten, verschwiegen werde sein Name, nun ins Unheimliche anwachsen könnte. Der Faden, an dem das Ganze nun hängt, ist Joe Biden. Joe Biden möchte aber wegen dem kleinen Anfall nicht zum Faden degradiert werden, und man ahnt, was da an Toben und Knirschen im Inneren stattfindet. Dabei wird schon hektisch nach Ersatz gesucht, und siehe da!, es gibt ihn, beziehungsweise und genderweise gibt es s i e, und dann gleich zwei, die in den Vordergrund treten könnten mit besten Chancen auf Erfolg: Kamala Harris und Michelle Obama, die zwar nicht will, aber immerhin könnte. Nun sehen wir tatsächlich rechts und links und in allen Farben Frauen in Führungspositionen, und es macht auf einmal politischen Sinn, dass als Gegenpol zu weiblichem Rechts ein demokratisches Weiblich gut angebracht wäre. Und natürlich ermüden auch Spiele schneller, als man denkt, wenn man sie nicht selbst spielt und dadurch u.a. lernt, wie man aus dem Schatten von Gewinn und Verlust tritt durch Überprüfung des Relativen.

 Wahrheit ist
überall möglich:
Weit, groß,
kalt und schön.
Wahrheit ist sehr
persönlich, und
wohnlich wie
die Halle des Alls.
Die Wahrheit ist
immer für
einen da.
Das macht sie
ungewöhnlich.
Da steht sie, meine
Damen und Herren,
gar nicht zur
Debatte. An eine
diamantengletschernadelglatte
Inspirationswand
kann sie sich
genauso gut
anlehnen
wie
nicht.
Wahrheit ist…
Wahrheit ist…
Wahrheit ist.
Oder ist sie es
etwa nicht?

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verharren

Wenn wir zuweilen die düsteren Korridore des Fassungslosen durchkreuzen in bezug auf Handlungs-und Denkfähigkeit des Menschen, also unsere, so kann einen doch auch eine tiefe Dankbarkeit durchströmen, wenn man bedenkt, und hier bedenkt gerade eine denktrainierte Frau, zu wieviel Wissen und gar Weisheit wir Zugang haben, obwohl wir nicht wussten, dass auch dieser Zugang einmal durch ein Zuviel blockiert werden kann, ebenso wie es das Zuwenig kann, nämlich die Entwicklung blockieren und sich selbst aus den Augen verlieren. Ohne diese beiden Augen jedoch, die im Außenraum Wache schieben, kann das Dritte (Auge) nicht hervorkommen, denn das Hüten des Augapfels braucht Raum und Ruhe und Geduld und muss verarbeiten, was ihm zugeführt wird. Meine Hochachtung für das Gedachte ist ja sehr schlicht, denn ich finde, dass ein Mensch, der einen einzigen Satz in die Welt schickt, dem an Wahrheitsgehalt nichts mangelt, das heißt, man kann ihn überall einsetzen, ohne dass sein Wahrheitsgehalt schwindet, der oder die hat schon einiges Gute beigetragen. Aber so viele davon gibt es gar nicht, und (z.B.) fällt mir Karl Jaspers ein, der den Olymp des wahren Denkens bewohnt, da beugt man gerne mal den gefährdeten Kopf. Denn wer sich eingelassen hat auf die Struktur und die Architektur und den Inhalt, also die Substanz des eigenen Denkens, der oder die weiß, wie herzergreifend einsam es dort sein könnte, würde einen die Liebe nicht begleiten. Deshalb werden die letzten, durch uns Menschen erfahrbaren Geheimnisse nicht geschrieben, und es ist nicht nur wegen des Missbrauchs, sondern wegen des Schweigens, das eintritt, wenn das Auge die Einfachheit des Systemlosen erspürt, und die Worte am Rande des Seins verharren.

Das Ei und ich

In der spirituellen Ausbildung (wo auch immer sie stattfindet) tauchen innerhalb des jeweiligen Wissens Symbole, also Bilder auf, die in leichten Abwandlungen in vielen Kulturen zu finden sind, wenn innere und äußere Aktivitäten auf eine bestimmte Weise verbunden, bzw. ausgerichtet sind. Das buddhistische Mantra ‚Om mani padme hum‘, das vom Juwel in der Lotusblüte erzählt, ist derselbe Diamant, der sich in der Wüste des Seins selbst zum Strahlen bringt, wenn er den Kohlezustand durchschritten oder sich seiner Schlangenhaut entledigt hat. Wer oder was kann das also sein, diese geheimnisvolle Kraft, dieses Urei, das gleichzeitig als Ich, als Selbst, als Auge, als göttliche Instanz gesehen wird. Wer sieht hier was und wen? Den vielen Erfahrungen, die Menschen in dieser langen Menschheitserzählung gemacht haben, ist es zu verdanken, dass man den ureigenen Erfahrungen (erst unter Anleitung, dann ohne) Vertrauen schenken kann, wodurch der Intellekt geschärft wird, der sich zumindest eine Zeitlang in wachsamem Training aufhalten muss, um die Tücken und Gesetzmäßigkeiten des Labyrinthes zu kapieren, was uns befähigt, dieselben Gesetze im Kosmos wiederzufinden. So weit, so gut. Man kann auch als Yogi:ni im Schlaraffenland aufs Feinste leben, und im Notfall um des Humores Willen kann man sich ‚Alien‘ nennen, dann ist ausgegendert. Gut, wo waren wir, beziehungsweise ich, wo war ich? In diesem Früher habe ich mal einen Text geschrieben, der fing an mit ‚Ich bin das Ei, das Ei und ich, ich Ei bin eine Seele usw‘, und nun, also in jetztiger Zeit, benutze ich manche Worte gar nicht mehr wegen Irreführung, aber dieses in sich gesammelte Etwas, das bin ich noch immer. Was wir, die Hüter:innen des Ei’s, im Inneren erleben und erforschen, unterliegt nur teilweise den Gesetzen der weltlichen Wissenschaft. Aber es gibt Beweisführung und hat mit der Handhabung des Schicksals zu tun. Die für alle vorhandene und furchterzeugende, lähmende und lebensspendende Freiheit, sie ist doch die wahre Herausforderung. Auf was richte ich das Licht meiner Wahrnehmungsfähigkeit aus, auch wenn die Lage oft hoffnungslos scheint. Gut, kann ich neue Hoffnung schöpfen, auch wenn sie meist nur vorübergehend hilft und oft, wenn es schon fast zu spät ist. Dann hilft noch das Entstauben des Sehwerkzeugs in der wohltuenden Einsamkeit der geschulten Tätigkeitsausübung: also d a s, was wir zur Verfügung haben, um in der Welt als ein Lebewesen zu erscheinen.

einstellen

Es blitzt und donnert und wolkenbrucht nicht nur klimatisch, sondern politisch und planetarisch, sowie fußballerisch. Die Kommentator:innen (wie wir selbst) ringen um die Korrektheit der Wahrnehmungen. Aber was hilft’s, wenn man wissen konnte, dass (z.B.) Macrons Fehleinschätzung gravierende Folgen haben würde, aber vielleicht nahm er die ja inkauf. Denn nun wird einem schon schwummriger zumute, nämlich wenn das Schicksal der Welt derart abhängt von der Ausrichtung der Erzählungen. Und ja, o weh, ‚oh Mensch, gib acht, es spricht die tiefe Mitternacht‘ (*), die die Inder das dunkle, das eiserne Zeitalter nennen, wo die Ignoranz blüht und die Schurken auf den Thronen sitzen. Das hat seine Zeit gedauert, bis die Kunde an die Schwellen der Herbergen kam, hinein in die Hütten, wo noch darüber geplaudert werden konnte, wie gut das Leben ist, wenn man es einfach und übersichtlich hält. Da sind wir als potentielles Gegengewicht natürlich erschrocken darüber, was so alles möglich ist unter Menschen, was auch von Meditationskursen nicht geheilt werden kann, weil dann oft die begleitende Reflektion nicht mit eigener Sprache stattfindet, sondern als ideologisches Beiwerk die praktische Anwendungsmöglichkeit verliert. Und vielleicht ist aus kosmischer Sicht das angeworfene Triebwerk der spaltenden Kräfte auch ein Signal für das sogenannte „Gutgehen“, das ebenfalls einen Schlaf verursachen kann, aus dem man entweder selbst erwacht, oder aber unsanft wachgerüttelt wird. Nun kommt es darauf an, wen man als sich selbst vorfindet. Denn mit mir, und dann erst mit den Anderen, muss ich das Vorgefundene bedenken. Vielleicht, fällt mir ein, ist Werner Herzog deshalb in die Zellen von amerikanischen Todeskandidaten gegangen, um ein flackerndes Licht in die Finsternis der Taten zu bringen, auch wenn das nicht immer gelingt.

(*)aus dem „Nachtlied“ von Nietzsche
Auf einem der kälteren Gipfel der politischen Narretei ist das denkbar Ungünstige abgelaufen: Joe Biden hatte einen Schnupfen, alles Weitere ist Anekdotenmaterial, das Land und wir in anderen Ländern auch ein bisschen am Ächzen unter der misslungenen Debatte, ja, wie konnte das nur passieren. Nun ist es passiert und der Ameisenhaufen der Imageschadenausbalancierer setzt sich in Gang oder ist schon im Gange. Hier geht es um kläglich wenig, das gleichzeitig das eindeutige Zuviel ist: Trump darf nicht gewinnen, flüstert es in unserer Welt der vielen Abhängigen. Aber man hat die Rechnung ohne den gekrönten Narzissten gemacht, da ist jetzt Jubel und Aufschwung. Am nächsten Tag, sagt man, war Biden wie ausgewechselt, beide Zustände könnten etwas mit Medikamenten zu tun haben. Eine große Verunsicherung kann auch Kräfte hervorlocken, noch ist Zeit für das Gegentor. Inzwischen haben sich 100 000 Menschen aufgemacht aus der Komfortzonencloud, um gegen die AfD zu demonstrieren, das gibt dem politischen Strang des Tages einen Aufschwung. Dann noch das Spiel der deutschen Fußballer am Abend, wenn d a s nicht eine gigantisch positive Turbulenz im Äther erzeugt! Vor einigen Jahren gab es einmal eine Bewegung namens „Hungerprojekt“. Die Verfechter:innen der Idee gingen davon aus, dass jede bewusste Beschränkung der überdosierten Nahrungszufuhr einem Hungernden zu Nahrung verhelfen kann (im Denkmuster Wimpernschlag & Schmetterling). Mir gefiel der Gedanke, weil man auch Vertrauen bilden kann in das Unbeweisbare, indem man das Tröpfchen Wahheit erspürt, für das man sich verpflichtet hat. Insofern geht es für die einzelne Frau oder den einzelnen Mann oder das einzelne Kind immer um alles oder nichts, und d a s möglichst gleichzeitig.

sommern

Kein Zweifel: da ist er. Der Sommer. Ganz benommen wird man auf einmal von seinem Erscheinen und seiner Leuchtpräsenz. Jetzt kommt das auch meinen stets etwas lichtgedämpften Fenstern zugute, sie dienen als südliche Schattenfensterläden, draußen die Wiese als Meer, und überall diese berauschende Fülle, erdrückend wie eine Überdosis Mutterarme. Tür und Tor stehen weit offen, in den Diebesnaturen muss es schon fiebern. Da muss doch was los sein während der EM-Spiele, wenn besagte Herumschleicher sich darauf verlassen können, dass die Augen der Wohnenden an einer Bildfläche kleben. Vor allem nachmittags, in der schwülen Phase, weiß man, dass man nichts Produktives mehr anfangen wird, vielleicht Wäsche waschen, oder einfach warten, bis es abkühlt. Man muss den Sommer ja jedes Mal neu kennen lernen. Immerhin hat man zwischendrin unsäglich viel erlebt, wovon zumindest ein kleiner Hauch übriggeblieben ist, den man jetzt gern im Haar spürt. Komisch, dass keines der Bücher, die man da zum Durchlesen bereitliegen hat, einen ansprechen. Die Augen wollen gar nicht sprechen, lieber mit gesenkten Lidern ins pralle Here and Now starren. Da keine weiteren Muskeltätigkeiten des Gehirns bemerkbar sind, meidet sich der Algorithmus, der neue Butler unserer Devotionsbereitschaft, ich hebe den Hörer ab: ja, stimmt, ich habe etwas hineingeschaut in den Fall Wade W., den Mörder zweier Frauen, und habe vor allem in sein Gesicht geschaut, wo auf eine durchschimmernde Intelligenz grässliche Tätowierungen plaziert wurden von ihm. Links und rechts von seinem Mund eine nach oben führende Narbe, der Mund die offene Wunde, an einer Schläfe steht „glory“. Ich überquere innerlich einen riesigen Abgrund und komme bei einem Kind an, dass wegen Armut abgegeben wurde. Kein Grund, andere Menschen abzuwürgen. Er wird sterben. Die Beteilgten gieren oft nach dem Schuldeingeständnis, nach Reumütigkeit, aber es gibt keine Aussicht auf mildernde Umstände. Er sieht aus wie einer, der schon gestorben ist, bevor er stirbt. Ach ja, der Sommer. Die Vögel. Die Blumen. Die Beeren. Der Wald. Das Wasser.

Nun war es nicht unbedingt einfacher,
die eigenen Begrenzungen zu bemerken,
und man konnte nicht einfach halten
und sich stehen lassen und sagen: „Wer
braucht schon dich!“ Egal, wie viel man
gelogen, betrogen, falsch Zeugnis geredet
und oft im Schein gebadet hatte, man
musste sich aufraffen vom verwundeteten
Würdeknie und weitermachen. Die Ekstase
unendlicher Kläglichkeiten verlöschte
unbeirrt. Doch war alles vorbereitet. Im
tiefdunklen Licht des Feuers reichte man
das geheime Buch weiter.

einschränken

Und hier noch einmal Stonehenge, die ehrenwerten Steine vor ein paar Tagen besprüht mit orangener Farbe von zwei Aktivisten (73 und 21 Jahre alt) der Umweltgruppe „Just stop oil“, die sich vermutlich auch ehrenwert fühlen, weil sie der Dringlichkeit ihrer Pläne Ausdruck verleihen. Es drängt sich der wohlwollende Gedanke auf, dass man ja ganz freiwillig auf die Hervorbringung der eigenen Meinungen verzichten kann. Nicht also, weil man keine zur Verfügung hat oder hätte, sondern aus Respekt für die Belastung der Gehirnwindungen, die wegen Überdosierung kaum mehr zu sich kommen. Und rasend schnell können die sein, die Meinungen, und einen quasi überrumpeln, wenn man (z.B.) will, dass die Ukrainer gewinnen und (z.B.) nicht die Schweizer. Es würde doch zu weit führen, wenn man auch noch hinterherforschen müsste, ob man was gegen die Schweiz hat. Deswegen kann man allerdings vor jeder Art von Glotzgerät diese persönlichen Beobachtungen von sich aktivieren und etwas Ordnung schaffen in den komplexen Gängen der Synapsen. Es ist also förderlich, eine Auswahl zu treffen bei den Lernfeldern. Will man Narzissmus in der momentanen Weltpolitik studieren, kann man die Welt als aufs Feinste geeigneten Hörsaal verstehen, indem man einfach hinschaut und hinhört und vor allem für möglich hält, was da geschieht. So gibt es auch den Spalt, wo ungebremste Selbstsucht sich mühelos als Gottesgabe verkauft und als fixierte Tatsache hineinströmt in die Wesen, und was soll man da machen. Gar nichts kann man da machen oder wissen, wie sowas überhaupt entsteht. Zuweilen löst sich aus meinen inneren Archiven ein hilfreicher Gedanke, angeregt von Epikur, der besagt, dass alles nur aus Leere und Atomen besteht, die sich in nicht vorhersehbarer Weise zusammenfügen, um sich dann wieder aufzulösen. Das leuchtet doch ein.

matrix

Ja, das ist Stonehenge in makellosem Nu, neulich photographiert von einem der 15.000 Besucher:innen, die sich aufgemacht hatten, eben diesen Nu gemeinsam zu erleben. Ich erwähne es als Korrektur meiner Klage, es würden vor allem bei sportlichen Events große Mengen zusammenkommen (so, als wollte man wirklich bei bestimmten Künsten große Mengen dabeihaben). Dabei machen sich allerortens Menschen in großer Vielzahl auf, sei es zum Morden oder zum Demonstrieren oder zum Beten. Und lassen ihr Leben zurück wie in Mekka, wo über 1300 Menschen an der Hitze verendet sind bei der Pilgerfahrt Hadsch, wo alle Muslime einmal im Leben hinmüssen, damit das zukünftige Einst ihnen zulächelt. Ich saß auch schon mal, lange ist’s her, in einer Gruppe von 20.000 Meditierenden, und genau in so einem Nu, wenn die Sonne durch die Rundung bricht, hörte man im Damals keinen einzigen Laut. Pindrop silence. Kein Räuspern, kein Schneuzer, kein Scharren. Oder wenn der Sieg praktisch sicher ist, und da fällt in der letzte halben Minute der Nachspielzeit doch noch ein Gegentor. Und nicht nur die Euphorie reist durch den Äther, sondern auch die Schockstarre. Und wie trefflich ist es doch, eine Einzelne zu sein, die den Anblick und seine Perspektiven immer aufs Neue wählen kann, sodass die Matrix selbst als Geschenk erscheint, und das ist dann der Moment, sich vor der Matrix liebevoll und losgelöst zu verbeugen. Da man ebenfalls dort seinen Durchgang hat, in möglichst großer Unabhängigkeit von äußeren Umständen. Natürlich habe ich beim Zuschauen bemerkt, dass 1:1 auch nicht immer die ideale Lösung ist, weil Schmerz und Lust getrennt in zwei Ländern auftreten, und vielleicht ist ja das der Punkt, die mystisch umrankten Bewegungen des Balles also und seine Wirkungskraft auf die Gläubigen (weiterhin zu bedenken).

1:1

Man kann es (das Fußballspiel an sich) auch als ein (im Homeoffice) fast kostenlos angebotees Studierfeld des Phänomenalen sehen, oder des psychisch Hypnotischen, odes des volkstümlich Mächtigen oder des maskulin Manifesten. Oder man kann und muss an sich selbst erkennen, dass man , also ich, auf dem Spieleplan schaue, wann die Deutschen und gegen wen sie dann spielen, und nun weiß man es noch gar nicht. Aber man kann davon ausgehen, dass man mit mindestens der Hälfte des Volkes auf einer bestimmten Ebene (Spielbereitschaft) gleichgeschaltet ist, obwohl man auch in der eigenen Schaltzentrale bleiben kann. Und obwohl ich mich persönlich gestern abend bei flackerndem Feuer etwas durchgelangweilt habe, meine Güte, und dafür dieser ganze epische Aufwand, so habe ich doch durchgehalten, um den fehlenden Treffer nicht zu verpassen. Und dann der Strom der Erleichterung, der das Land durchzog…warum kann das nur Fußball! In Indien war es Cricket, und dort rollte bei Siegen eine heilige Wunderwelle durchs große Reich, und wenn die Pakistanis verloren haben, grenzte die Euphorie ans Göttliche. Ja, da staunen die Philosophen und Philosophinnen, vielleicht auch ein bisschen im Spinnengewebe des Urneides herumhängend, dass eben hier alle Triebwerke des Emotionalen in aller Fülle ausgelebt werden, obwohl die strengen Strukturen und mühsam erworbenen Disziplinen und Praktiken einander gar nicht so unähnlich sind, sie finden nur auf anderen Feldern statt. Aber natürlich gäbe es da (zum Beispiel bei der Debattierkunst) keine Fanmeile, und kein Debattierthema könnte so viele Begeisterte anlocken, um sich zum Beispiel in den Supermärkten Dichterkleidung einzukaufen und weiche Samtstiefel. Und Sokrates, geliebt von allen, würde einem auf T-shirts entgegenlächeln, das Bild von künstlicher Intelligenz ins Leben gerufen. Auch da gab es ja Blut an jungen Dichterstirnen, und man müsste vielleicht auch in diesem scheinbar hehren Gewimmel nach weiblichen Geschöpfen suchen, obwohl sie bereits den Lorbeerkranz der Duchtung trugen. Und klar, das wäre nicht von langer Dauer, denn es wäre zuviel des Guten. Wie uns Gottfried Benn schon erzählte, dass er sich oft gefragt und keine Antwort gefunden hat, woher das (selten) Schöne und das (rare) Gute kommt, und es auch heute nicht weiß und dann gehen muss.

Tamara Ralis

Etwas bildet einen Bogen und bewegt sich nach vorn.
Nur du
aber
trägst, was dich hält –

das körperlose Gewicht:

Es ortet den Riss
und führt
zu der Säule, an der sich verströmt, was du siehst.

delete

Plötzlich liefen neben meinem Computer ein paar Ameisen herum. Nanu dachte ich zuerst, wo kommen denn die her. Als ich mehr als sechs zählte, spürte ich ein, wenn auch mildes Maß an Panikattacke heranschleichen und erinnerte mich an Alfred Hitchcocks Aussage, jede Ansammlung von hundert Tieren mutiere automatisch zum Alptraum. Ich holte eine Sprühflasche aus dem Badezimmer und whoosh, waren sie erledigt. Ein paar bewegten sich noch, da musste ich nachhelfen. Und da kamen noch ein paar um die Ecke. Das Gefühl dieser Ausrottung war nicht schön. Wenn es das Himmelstor gäbe (bewahre!), und als Einlassticket müsste ich die Frage beantworten, warum ich Leben ausgelöscht habe, also in diesem Fall das Leben der Ameisen, die auch nur unterwegs waren in der Ausübung ihrer Ämter, da käme ich schon in eine Bredouille. Aber was hätte ich denn tun sollen, würde ich vielleicht klagen, aber das würde dort vermutlich keiner hören wollen. Dann wiederum, denkt es so vor sich hin, müssen auch Gärtner sehr viel tilgen, was dem Gedeihen im Weg steht, und überhaupt, ja, überhaupt ist die Natur ein einziges Chaos, wo es vor allem um Fressen und Gefressenwerden geht (habe ich neulich mal gelesen), aber das alles hat nichts zu tun mit meinem Gefühl, als ich nochmal nachgedrückt habe auf die kleinen Körper. Wie muss das im Krieg sein, wenn Leben unter Befehl ausgelöscht werden muss! Und oft genug wegen der Egozentrik eines einzelnen Mannes töten sie hemmungslos vor sich hin, obwohl es auch darüber Anekdoten gibt, wenn einer es mal nicht getan hat. Oder sich krank gestellt, damit er nicht mitmachen muss. Absurderweise ist die Selbstauslöschung verboten, stets wird unteramauert mit löchrigen Gründen. Auf der einen Seite müssen also alle folgen und unter allen Umständen hierbleiben, auf der anderen Seite wird Vernichtung gelehrt und unterstützt. Und manche wollen gar 120 Jahre alt werden. Ein Ehrgeiz, dem ich nicht frönen kann. Ich will auch nicht in ein Psycho-Loch fallen wegen der Ameisentötung. Mir reicht schon für heute, dass ich durch mein persönliches Erleben verstanden habe: die wollen auch leben!

Wie ungewiss alles ist!
Wie getragen mit zarten
Händen. Wie hinter der
scheinbaren Härte des Bildes
sanft das Einfache lächelt.
So soll das bei uns sein, wenn
sich uns hinter dem geistigen
Vorhang Tiefengeheimnis
enthüllt und Quantensprung.
Es soll sein wie das Licht auf
der Lieblingsmauer: berückend,
tief atmend, nicht zu stören
das lebendige, funkelnde Gut.

verschnaufen

Gestern fiel mir vor allem der Unterschied zwischen nackten Fakten und der Kollektivhypnose durch die Europameisterschaft auf. Natürlich gibt es auch im Sport gruselige Vorkommnisse, aber die Vorstellung eines Treffens zwischen Wladimir Putin und Kim Jong-un für allerlei beidseitigen Profit, das macht die EM zu einer Verschnaufpause, in der sich etwas Entspannung breitmachen kann, durch die selbst Testosteronbomben aufgefangen werden können. Und das erfreut einen doch in jeder Hinsicht und überall, wo man es antrifft: ein gut gespieltes Spiel, das einen weder aufwühlt noch enttäuscht, sodass auch die Fans weniger Gefahr darstellen. Denn man fürchtet sie doch ein wenig, diese Turbulenzen rohgelegter Emotionen, an sich selbst schon erfahren, und nun durch eine Niederlage sich draußen millionenfach vergrößernd und potentielle Eskalationen hervorbringend. Aber so war es ja gestern gar nicht. Es war ruhig. Wir (das zuschauende Volk), waren froh, das Gemäßigte und elegant Trainierte betrachten zu können und man konnte ein bisschen im Wohlgefühl baden, denn es gab nichts Schweres zu verdauen außer dem dazugehörigen Tropfen Mitgefühl für die Verlierer. Wer hätte gedacht, dass ich mich noch einmal in Sportreportage übe, was es dann wiederum nicht sein kann, da mir die Regeln des Spiels, also des Fußballspiels, fremd sind. Aber man spürt es doch, diesen Bann über dem ganzen Land, so als würde einem die disziplinierte Form einer Bewältigungsstrategie angeboten, die dankbar angenommen wird. Denn draußen toben Kriege. Da planen Menschen unseren Untergang. Da schleichen Entwurzelte herum, die keiner sieht. Da werden Kinder misshandelt und sexuell missbracht. Die Worte helfen da nicht mehr weiter. Auch nicht die Spiele. Doch weiterhin gilt es, die geheimnisvollen Vorgänge des Alltags zu ergründen, damit einem klarer wird, woraus das menschliche Leben besteht. Daher die Nutzung der Freiräume, die dafür geeignet sind.
Ich gehöre zu der losen Gruppe derjenigen, die während einer EM oder WM sich sagen hören, dass sie eigentlich nie Fussball gucken und dann doch gucken und ganz erstaunt sind, wenn nicht gerade die Fußballödnis vorherrscht, wie viele interessante Dinge auch hier zu entdecken sind, von denen man ansonsten nichts wüsste, gar nichts wüsste. Und auch wenn man weiterhin weiß, dass man von vielem, was da am Bildschirm abläuft, herzlich wenig versteht, enthüllen sich dennoch Geheimnisse und ein Verständnis, das weniger auf Fakten als auf eigener Erfahrung beruht, kann durchaus wie nebenher aufblühen. Wo sonst sieht man zum Beispiel alte Männer mit kreativen Gebilden auf dem Kopf, mit denen sie im Normalverkehr sichtliche Unruhe erzeugen würden, hier sehr lebendig herumhüpfen und der Verlängerung ihrer Jugendsehnsüchte immer wieder huldigen. Dazwischen auch mal Kinder oder eine sportlich interessierte Frau. Hier sieht man die spontanen Ausbrüche von riesigem Jubel und abgrundtiefer Zerschlagenheit. Und neulich konnte man bei einem 1:1 zuschauen, wie die einen Einser frohlockten, die anderen Einser in Grabesstimmung verharrten; davon kann man viel lernen. Es hat natürlich auch was Gladiatorisches, wenn tapfere Männer in die Arena steigen und sich dort, allerdings erwünscht, selbstbestimmt und gut bezahlt, allerlei Verwundungen zufügen lassen. Und wir erinnern uns sehr wohl an den Helden einiger Stunden, als Bastian Schweinsteiger mit blutender Wunde über die Bildfläche lief, um der Erotik des Unvermeidbaren eine Spielecke einzuräumen. Nun kann man ihn auch zufällig als Moderator entdecken und ist froh, dass es einen gibt, der das Ganze offensichtlich prächtig überlebt und vor allem rechtzeitig aufgehört hat. Ab und zu lohnt es sich sogar, mal bei anderen hereinzuschauen, weil man dadurch die Gleichheit der Phänomene bei Spielern wie bei Fans beobachten kann, Schnell können auch Vorurteile an einen herankriechen und man möchte lieber, dass die da gewinnen und nicht die anderen da. Das sogenannte Schicksal spielt natürlich auch mit. Da schießt einer aus Versehen das Ding ins eigene Tor und ein ganzer Block gröhlender Fans feiert den unverdienten Sieg, weil das eben als Sieg gewertet wird, das sind dann die knallharten Fakten. Schön ist es, meisterhaften Verläufen zuzusehen, die nur möglich sind, wenn nicht ständig verzweifelt gestört wird. Halte dich, sagte der Mentor, immer an die Besten. Auch beim Fußball.

springen

An der Art und Weise, wie zum Beispiel Tätowierungen in die große weite Welt gekommen sind, kann man einiges ablesen über die Entstehung der Bewegungen, die zu unleugbaren Tatsachen werden. Von den Anfängen kann man nur Märchenteppiche weben, denn sie liegen im Nebulösen, wo „der Gott der kleinen Dinge“ sich abrackert, um die wertvollen Samenkerne durchs Raster zu schieben, damit sie inmitten der Menschheit aufblühen können. Wann fing das denn an, dass sich die Einstellung zu Tattoos verändert hat, sodass man nun mit einer angebrachten Milde auf die vielen Arme schaut, die so ziemlich überall vor einem auftauchen, ob beim Ober im Café oder beim Fussballer oder der Ärztin. Etwas hat es geschafft, „beim Volk anzukommen“. Dieses sogenannte Volk denkt dann nicht mehr an irgenwelche Urwurzeln der Künste ferner Kulturen, sondern lockert die Urangst des Fremden, indem es das Fremde aufsaugt und es dadurch entfremdet, damit es „das Normale“ genannt werden kann. Das ist auch mit der Wissenschaft des Yoga geschehen, wo einst im Irgendwo ein einzelner Geist (z.B. Patanjali) sich aufmachte und als fähig bewies, die vielen Strömungen des Stillsitzens in eine Form zu gießen, die dann von anderen weiterentwickelt wurde. Ich kannte in Indien einen Priester, dessen Großvater 99 neue Yogastellungen erfand, die alle im Tempel als Bilder an der Wand hingen. Damals konnte man sich Yoga ohne Anbindung an eine göttliche Quelle gar nicht vorstellen, und man brachte den Lehrern Früchte, Süßigkeiten und Blumen als Dank. Ein paar Jahrzehnte später ist es, das mächtige Es, ein lukratives Business geworden, nicht nur für die Ausbilder, sondern die Unzahl der Lehrer:innen, die nach kurzer Lernphase Schüler:innen für Geld unterrichten können. Und so löst sich gemeinsam mit der einstigen Qualität auch hier die Fremdheit auf, und man kann nicht wirklich behaupten, hier sei Böses passiert, denn alle sind frei und erleben, was sie mitgewählt haben. In der Zwischenzeit kommen neue Bewegungen in Gang. Einzelne sitzen in ihren Welten herum und spüren nicht nur den Zahn der Zeit, sondern auch dieses Zittern des Weltgeschehens, das neue Heilungsprozesse und Erkenntnisse braucht, um den direkten Zugang zu weitereñ Formationen des Seins zu ermöglichen. So kann man einerseits künstliche Energie oder EM nicht ganz ausblenden oder übersehen, und andrerseits lockt schon die neue Aufnahme des Ungewissen, in dem die Früchte verborgen liegen, und in dem der kosmische Eisprung seinen Nu hat.

nachrichten

Auch wenn man aus triftigen Gründen das Bedürfnis nach Informationsbeschallung weitgehend eingeschränkt hat, können einem auch nach spärlichen drei Minuten noch die Ohren schlackern, denn man ist kein Bot und will die Dinge einordnen können, zum Beispiel als Gegenmittel zu wahrgenommenen Formen des Irrsinns. Nun haben die Herren und Damen des G7 Gipfels ein Päckchen von 50 Milliarden (Zinsen) geschnürt mit der pfiffigen Idee, die blockierten russischen Milliarden anzuzapfen, was vermutlich nicht die Kraft hat, ein Schmunzeln aus Wladimir Putin herauszulocken, auch wenn Wolodimir sich sehr darüber freut. Eine leichte Gänsehaut rippelt über die inneren Grünflächen und man versucht, nicht zu denken, was 50 Milliarden Euro alles bewirken könnten außer Waffenkäufen, die andere Menschen ihres Lebens berauben. Georgia Meloni, die Gastmutter der zur Zeit noch einigermaßen Mächtigen, hat zu unsrer allgemeinen Überraschung den im Christentum höchsten aller Papas eingeladen, um über künstliche Intelligenz zu plaudern, na, daran kann das Ohr doch ein bisschen knabbern. Ebenso ist in diesen wenigen Minuten erwähnt worden, dass der Papst gestanden haben soll, dass er den Herrgott bittet, ihm Humor zu schenken, denn wer unter uns braucht den nicht dringend. Und last not least sprudelt es aus meiner Aufnahmequelle heraus, dass angeblich 200 000 Schotten (auch mit Dudelsack und Kilt ausgestattet) in München anreisen werden oder bereits da sind, denn heute abend geht’s los. Und ich sage „Hut ab!“ zu den Organisationstalenten, die sich in den Einsatz gewagt haben für Tage und Nächte in Hochspannung, weil Geisterwelten einfach schwer einzuschätzen sind, und was sie so alles an Mitteln mitbringen, um die wabernde Geltungssucht zu bedienen. So, das könnten jetzt alles pre fake news sein, denn das ersehnte Sommermärchen fängt erst an und soll möglichst kein Alptraum werden. Zum Abschluss erkläre ich ganz persönlich das Wort „Rudelglotzen“ (oder heißt es „Rudelgucken, auch nicht besser) zum Mies-Wort des Jahres. Und dennoch vermute ich schon dunkel, dass ich beim Anpfiff (zuhause) dabei sein werde, denn auch ich bin schon vom Sitz aufgesprungen (in der Ära Schweini und Poldi) mit gellendem Schrei, und wer möchte solche impulsiven Ausbrüche an sich selbst verpassen!?

Mythos

Noch ist nicht aller
Morgende Mittag.
Alles kann noch geschehen,
oder noch nicht geschehen,
oder gar nicht geschehen.
Manches muss noch
geschehen, manches
soll nicht geschehen,
manches darf nicht
geschehen, ja, darf nicht
geschehen. Doch ist es
geschehen, dann ist es
wohl richtig,
wohl richtig.(?)

Aber noch besser:
Verstehen, dass schon aller Morgende
Mittag ist, und in welcher Reichweite
sind Zeugin und Zeuge in Bezug auf
die ausgerichtete Frage:
Auge?
Mein Auge?
Auge, Auge, mein Auge,
mein Paradiesapfel,
komm zurück,
zurück zum Baum, wo der
gerissene Film nun die gerissenen
Autoren der Wunde bewegt, und
bewegt sie, sich selbst zu vergeben.
In den wiedergeborenen Wäldern
weben die Feen den Stoff
für den Mythos von morgen.
Noch ist nicht aller Frühstücke Nacht.
Noch kann alles geschehen.

geduldig

De Angst, von andersdenkenden Völkergruppen und ihren fremdartigen Sitten und Gebräuchen und religiösen Gepflogenheiten überwältigt zu werden, kenne ich auch aus Indien. Mehrfach wurde ich belehrt, wie Muslime zu sehen sind, nämlich als Männer, die gleichzeitig vier Frauen heiraten können und dadurch eine Menge Kinder zur Welt bringen, die dann ein Machtfaktor werden. Manchmal ist es gefährlich, beide Seiten gut zu verstehen, da man dann aufhört zu differenzieren, nur um wiederum mühevoll in Kernnähe des Menschseins zu gelangen. Gerne würde man erwarten, dass es mehr Menschen gelingt, nicht im Schattenreich zwischen Idee und Wirklichkeit zu verschwinden, und man muss das Auge auf sich selbst richten und die wichtigen Fragen stellen, ohne schnelle Antworten zu erwarten. Es kann schon verstören, dass Deutsche jetzt wieder ganz deutsch sein wollen, und Franzosen französisch, und Inder hinduistisch und so weiter, die Liste wird länger als gedacht. Deutschsein für mich hat vor allem bedeutet, dass wir die Hölle hinter uns haben mit ihren herausfordernden Analysen über das Menschsein an sich, also wie weit kann hier gegangen werden mit den vorhandenen Trieben, und wo nud wann wird die Grenze der Entgleisungen spürbar,. Oder hört einfach alles irgendwann auf im Sinne von dem wahrheitsschwangeren Satz „This, too, shall pass“, als das absolut verlässliche Phänomen, das uns auch die Anfänge bietet mit „this, too, shall begin again“. Schwermütig sitzt sie herum, die erkenntniskränkelnde Globalisierung, und weiß nicht so recht weiter. Um in diesen Zeiten der Nebelschwaden gut durchzukommen, braucht man Geduld und vorsichtiges Herantasten mit Federkiel und Tintenfass, also von innen heraus. Da verlässliche Orientierung nicht (mehr) geliefert wird, kann man sich immerhin mit der Kunst der Orientierung auseinandersetzen. Es schadet nicht, dem Humor den Kompass zu überlassen, wenn scheinbar unüberwindbare Eisberge in Sicht sind. Manchmal nicht locker lassen, aber dann doch. Der überzeugenden und feinen Eleganz des Paradoxons zulächeln. Und das alles nur als Vorbereitung für die Großzügigkeit des Herzens.