nachrichten

Auch wenn man aus triftigen Gründen das Bedürfnis nach Informationsbeschallung weitgehend eingeschränkt hat, können einem auch nach spärlichen drei Minuten noch die Ohren schlackern, denn man ist kein Bot und will die Dinge einordnen können, zum Beispiel als Gegenmittel zu wahrgenommenen Formen des Irrsinns. Nun haben die Herren und Damen des G7 Gipfels ein Päckchen von 50 Milliarden (Zinsen) geschnürt mit der pfiffigen Idee, die blockierten russischen Milliarden anzuzapfen, was vermutlich nicht die Kraft hat, ein Schmunzeln aus Wladimir Putin herauszulocken, auch wenn Wolodimir sich sehr darüber freut. Eine leichte Gänsehaut rippelt über die inneren Grünflächen und man versucht, nicht zu denken, was 50 Milliarden Euro alles bewirken könnten außer Waffenkäufen, die andere Menschen ihres Lebens berauben. Georgia Meloni, die Gastmutter der zur Zeit noch einigermaßen Mächtigen, hat zu unsrer allgemeinen Überraschung den im Christentum höchsten aller Papas eingeladen, um über künstliche Intelligenz zu plaudern, na, daran kann das Ohr doch ein bisschen knabbern. Ebenso ist in diesen wenigen Minuten erwähnt worden, dass der Papst gestanden haben soll, dass er den Herrgott bittet, ihm Humor zu schenken, denn wer unter uns braucht den nicht dringend. Und last not least sprudelt es aus meiner Aufnahmequelle heraus, dass angeblich 200 000 Schotten (auch mit Dudelsack und Kilt ausgestattet) in München anreisen werden oder bereits da sind, denn heute abend geht’s los. Und ich sage „Hut ab!“ zu den Organisationstalenten, die sich in den Einsatz gewagt haben für Tage und Nächte in Hochspannung, weil Geisterwelten einfach schwer einzuschätzen sind, und was sie so alles an Mitteln mitbringen, um die wabernde Geltungssucht zu bedienen. So, das könnten jetzt alles pre fake news sein, denn das ersehnte Sommermärchen fängt erst an und soll möglichst kein Alptraum werden. Zum Abschluss erkläre ich ganz persönlich das Wort „Rudelglotzen“ (oder heißt es „Rudelgucken, auch nicht besser) zum Mies-Wort des Jahres. Und dennoch vermute ich schon dunkel, dass ich beim Anpfiff (zuhause) dabei sein werde, denn auch ich bin schon vom Sitz aufgesprungen (in der Ära Schweini und Poldi) mit gellendem Schrei, und wer möchte solche impulsiven Ausbrüche an sich selbst verpassen!?

Mythos

Noch ist nicht aller
Morgende Mittag.
Alles kann noch geschehen,
oder noch nicht geschehen,
oder gar nicht geschehen.
Manches muss noch
geschehen, manches
soll nicht geschehen,
manches darf nicht
geschehen, ja, darf nicht
geschehen. Doch ist es
geschehen, dann ist es
wohl richtig,
wohl richtig.(?)

Aber noch besser:
Verstehen, dass schon aller Morgende
Mittag ist, und in welcher Reichweite
sind Zeugin und Zeuge in Bezug auf
die ausgerichtete Frage:
Auge?
Mein Auge?
Auge, Auge, mein Auge,
mein Paradiesapfel,
komm zurück,
zurück zum Baum, wo der
gerissene Film nun die gerissenen
Autoren der Wunde bewegt, und
bewegt sie, sich selbst zu vergeben.
In den wiedergeborenen Wäldern
weben die Feen den Stoff
für den Mythos von morgen.
Noch ist nicht aller Frühstücke Nacht.
Noch kann alles geschehen.

geduldig

De Angst, von andersdenkenden Völkergruppen und ihren fremdartigen Sitten und Gebräuchen und religiösen Gepflogenheiten überwältigt zu werden, kenne ich auch aus Indien. Mehrfach wurde ich belehrt, wie Muslime zu sehen sind, nämlich als Männer, die gleichzeitig vier Frauen heiraten können und dadurch eine Menge Kinder zur Welt bringen, die dann ein Machtfaktor werden. Manchmal ist es gefährlich, beide Seiten gut zu verstehen, da man dann aufhört zu differenzieren, nur um wiederum mühevoll in Kernnähe des Menschseins zu gelangen. Gerne würde man erwarten, dass es mehr Menschen gelingt, nicht im Schattenreich zwischen Idee und Wirklichkeit zu verschwinden, und man muss das Auge auf sich selbst richten und die wichtigen Fragen stellen, ohne schnelle Antworten zu erwarten. Es kann schon verstören, dass Deutsche jetzt wieder ganz deutsch sein wollen, und Franzosen französisch, und Inder hinduistisch und so weiter, die Liste wird länger als gedacht. Deutschsein für mich hat vor allem bedeutet, dass wir die Hölle hinter uns haben mit ihren herausfordernden Analysen über das Menschsein an sich, also wie weit kann hier gegangen werden mit den vorhandenen Trieben, und wo nud wann wird die Grenze der Entgleisungen spürbar,. Oder hört einfach alles irgendwann auf im Sinne von dem wahrheitsschwangeren Satz „This, too, shall pass“, als das absolut verlässliche Phänomen, das uns auch die Anfänge bietet mit „this, too, shall begin again“. Schwermütig sitzt sie herum, die erkenntniskränkelnde Globalisierung, und weiß nicht so recht weiter. Um in diesen Zeiten der Nebelschwaden gut durchzukommen, braucht man Geduld und vorsichtiges Herantasten mit Federkiel und Tintenfass, also von innen heraus. Da verlässliche Orientierung nicht (mehr) geliefert wird, kann man sich immerhin mit der Kunst der Orientierung auseinandersetzen. Es schadet nicht, dem Humor den Kompass zu überlassen, wenn scheinbar unüberwindbare Eisberge in Sicht sind. Manchmal nicht locker lassen, aber dann doch. Der überzeugenden und feinen Eleganz des Paradoxons zulächeln. Und das alles nur als Vorbereitung für die Großzügigkeit des Herzens.

crack

So tief sitzt der Schock nun auch wieder nicht, beziehungsweise gab es ja eine gewisse Vorbereitung auf sich heranschleichendes Desaster. Jedenfalls ziehen die jeweils beteiligten Seiten heftig am Seil, und es schwankt hin und dann wieder her, und das sogenannte Gute kann dem sogenannten Bösen zuweilen so ähnlich sein, sodass massenhaft nebelhaftes Grau entsteht, durch das der oder die Einzelne sich durcharbeiten muss. Darin liegt doch die große Chance, allerdings mit ungewissem Ausgang. Katastrophen entstehen meist erst, wenn eine Seite vorherrscht und die dazugehörigen Followers ihre Wirkungsfelder ausdehnen. Auch der Krieg ist ein Spielfeld der Mächte und Machtgelüste, und immer wieder verblüfft es, dass der hohe Preis gezahlt wird. Es könnte auch anders sein? Theoretisch schon, denn man kann es denken – aber praktisch? Selbst den gefeierten Halbgöttern wie Jesus und der Buddha usw. ging es auf Erden nicht besonders gut, obwohl ihre klare geistige Ausrichtung viel Anklang fand, sodass sich trotz allen später berichteten Schandtaten der Followers die damals angebotenen Werte sich durchsetzen konnten, angewiesen auf holprige Glaubenspfade. Es ist ein verbreiteter Irrglaube, dass in schweren Zeiten der Glaube an ein Irgendwas oder Irgendwen einem hilft, aber tut es das wirklich. Man muss auch das „Wissen“ nicht anderen überlassen, sondern lernen, was man für Instrumente braucht, um eigene Musik zu spielen. Es macht dankbar, wenn man in der Praxis unterstützt wird. Der Alltag ist enorm anspruchsvoll, immer und überall ist Alltag, kein Tag ist davon ausgeschlossen, sondern bietet unermüdlich die ganze Bandbreite zwischen Höchstpersönlichem und Hochoffiziellem an, und draußen und drin halten sich ständig die Waage. Und dann gibt es diese Kipp-Punkte, wo sich etwas zuspitzt und unvermeidlich seinen Ausdruck oder Ausweg sucht, und meistens auch findet. Nie weiß man genau, wann es kippt, oder ob überhaupt. Und so leben wir manchmal an diesen Übergängen und ringen um innere Haltung. Denn wenn stabile Dämme zu bröckeln beginnen und sich ergießende Fluten zu neuen Ufern formieren, dann ist es Zeit, zum Beispiel für Kairos, den Schicksalsgott, der für den Lichtstrahl zuständig ist. Oder, (danke, Leonard Cohen): there is a crack in everything, that’s how the light gets in.

Das Danach

Gut durchatmen und präsent bleiben, damit man dem (vorübergehenden) Sog der mentalen Kollektivdepression ausweichen kann. Und nicht alle wollen der Tiefenwirkung des Vernommenen ausweichen, nein, im Gegenteil. Mit allerlei Denkzeug aufgeladene Kräfte rutschen an die Vorderfront mit strahlenden Siegermienen, denn sie haben die historisch bekannte Kunde erneuert, dass sich die Dinge in großen Zügen zu wiederholen scheinen, und dass nun dieser sich immer mal wieder stark verdichtende Schein über unseren Köpfen schwebt und das Bild des Damokles-Schwertes hervorruft. Es ist nicht nur die Dummheit, gegen die kein Stroh gewachsen ist, sondern auch die Intelligenz und ihre vielseitigen Gebrauchsformen, die wache Erdenbürger:innen schon immer nachdenklich machen konnten. Ob man will oder nicht, man muss darüber nachdenken. Worüber? Achso, erst einmal durchatmen und die Frage „Wie konnte das geschehen“ überspringen, denn es ist geschehen und auch das Staunen beansprucht seinen Stauraum, seinen Spielplatz und seine Verstecke. (Das Es wird hier wie selbstverständlich vermännlicht, aber nun ist nicht der Zeitpunkt zum Gendern.) Wenn man Glück hat, kann man bei einer Tasse Kaffee alleine oder mit Freunden hinaus in den Garten starren. so, als sähe man die Bäume zum ersten Mal, ohne sie Arkazie oder Kastanie zu nennen. Und vielleicht gar nicht gemerkt haben, dass man im Viertelwissen vieler Dinge stecken geblieben ist und nur deshalb den Ausgang aus dem Labyrinth nicht findet. Weil man den Faden vernachlässigt hat, oder aber nie einen hatte, dafür aber eine Ideologie, für deren Einleuchtung man bereit war. Ansonsten hilft es auch weiterhin, bei sich zu bleiben, denn wir (Menschen) können Vorkommnisse ja von vielen Seiten her betrachten. Die politische Situation ähnelt in gewisser Weise der Anwesenheit eines schwerkranken Mitmenschen im Haus. Oft sagen die Kranken selbst aus, die Krankheit habe sie ein gutes Stück weiter gebracht, denn nachdem das Kranksein in seinem ganzen Ausmaß akzeptiert wird, setzt schon der Heilungsprozess ein. Und da, wo radikale Handhabung (also Liebe) möglich ist, da setzen auch medizinische Wunder an. Auf jeden Fall werden die Karten neu gemischt, und großes Wirbeln unterbricht die gefasste Ruhe am Schachbrett.

wählen

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Bild: aus der „Zeit“

bedeuten

Wenn es einem mal klar wird, was ein einziger Mensch alles auslösen und anrichten kann, prallt unversehens die eigene Bedeutungslosigkeit mit dem Ausmaß der Bedeutung des Ganzen zusammen. Im besten Falle klärt sich was, und das kann nur die eigene Einstellung sein. Nein, es ist nicht irgendwie und immer so, sondern es ist so, wie ich es sehe und verstehe, und welche Zusammenhänge ich daraus gestalte, also aus dem grundsätzlich zusammenhangslosen Illusionsmärchen, in dem wir uns alle bewegen und unsere Bahnen durchpflügen. Und wir wollen unserer eigenen Gestaltung Glaubwürdigkeit verleihen, bis auch das nicht mehr so wichtig ist und der Glaube an sich verschwindet. Und wenn so viele Menschen in Donald Trump und Narendra Modi und Kim Jong-un usw. einen Gott sehen können, dann ist es besser, vom Glaubensschlaf zu erwachen. Natürlich dient auch jeder Krieg und jede geschlagene und ermordete Frau dazu, den Glaubensschlaf zu beenden. Es muss einem nur bewusst sein, dass das (die Beendigung des Glaubensschlafes) möglich ist, denn die radikalen Erkenntnise brauchen Kraft und Mut, da die Ebene des Bewusstseins bevölkert wird von Individuen, die auf sehr unterschiedliche Weise zum selben Ergebnis kommen, das kann eben auch das Erwachen sein, die Klärung der Verhältnisse, der ungetrübte Blick. Und die Verbundenheit, die über diesen Weg hergestellt werden kann, damit das Lebendige seinem Namen gerecht bleibt. Und manchmal ist es angebracht, die eigenen Künste zurückzuhalten, damit andere den Raum einnehmen und ihre Erzählungen verfeinern können. Denn aus dem, wie man etwas darstellt oder erzählt, besteht doch die Lebenskunst, oder nicht?

verabschieden

Es kann von niemandem, der Indien nicht bereist hat, verlangt werden, dass er oder sie die Person von Narendra Modi, dem Prime Minister von Indien, auch nur annähernd kapiert, denn in der Tat ist sie schwer kapierbar, denn sie bückt sich und beugt sich in alle Richtungen und erstaunt durch „bescheidenes“ Auftreten und ist gekleidet in simples, aber kostbares Zeug, alles in Richtung Götterdress & Königsturban. Und clever benutzt er dieses Aushängeschild des spirituellen Indiens, das er gerade mit gigantischer Scheinheiligkeit in den einst heiligen Boden trampelt. Ich trauere um Indien, um m e i n Indien, wohlgemerkt. Denn wir, die bleichen Counter-Culture-Children, die sich in vielen Jahren der Indienreisen ihre Welten aufbauen und vertiefen konnten, wir waren ganz unversehens in der karmischen Erschöpfung des indischen Volkes so etwas wie eine Erweckungsdroge, und obwohl wir auch oft reichlich erschöpft ankamen, war doch die schiere Seinskraft des Landes und ihrer Bewohnerinnen unsererseits ein Gewinn. Wir schauten uns um wie Schatzsucher:innen in legendären Goldminen, und in der Tat, das Gold von Bharat (Indien) floss durch meine Augen. Wir lernten sehend unterscheiden. Deswegen trägt Modi, der Weltmachtsüchtige aus Indien, für mich auch keine interessante Theatermaske, sondern er ist ganz und gar durchschaubar wie eine peinlich offensichtliche Lüge. Und obwohl er auch in Indien von wachen Geistern schon mit Hitler verglichen wurde und offiziell Beispiel genommen hat an Hitlers disziplinierten Massenkraftakten, also obwohl, obwohl und obwohl das alles zu sehen ist, wie es wirklich ist, und auch bei „Arte“ dazu noch gute Reportagen verfügbar sind und man sich selbst ein Bild machen kann, so ist es unleugbar, dass ein Großteil der Hindus ihn, diesen Schleimling also, als einen Gott verehrt. Ich war persönlich im Bazaar unterwegs, um das selbst erleben zu können, wie sie mit den Fahnen schwenkten und gröhlten, und wie die meisten meiner Freunde, Männer wie Frauen, das Thema mit mir nicht mehr erörtern wollten, so sehr hatten sie den Unheiligen ins Herz geschlossen. Meinem Indien, dem Paradies der Erzählungen, kann nichts mehr passieren. Ich habe Abschied genommen mit der dazugehörigen Trauer. Jetzt geht es um andere Dinge. Hilfreich ist alles, was über das Erwachen und über das Übungsfeld hinausführt.

Wir gehen so
vor uns her,
vor uns hin.
Die Dinge fallen
auseinander.
Die blutgetränkte
Flut ist losgelassen.
Überall wird sie ertränkt,
die Zeremonie der Unschuld.

Wenn man hineingeht
ohne Rückhalt
bleibt wenig Spur
und wenig Spiegelung.
Nur manchmal
erfreuen wir uns
wehmütig der Nus,
wenn Gewesenes
gepriesen wird.

Und du?

verlassen

In jeder Zeitspanne, in der Menschen herumwandern in persönlichen und gemeinsamen Erfahrungsexperimenten, wird ständig und in allen verfügbaren Sprachen darüber diskutiert, was denn gerade los ist auf der Erde. Wir alle kommen auf natürliche Weise in die Annahme, dass Leben genau so ist, wie wir es erleben und beobachten, und auf seine gewisse Weise ist es auch so, wir haben ja weder Wahl noch Vergleich und müssen mit dem umgehen, was wir vorfinden. Man hat als „Lebende/r oft nicht die nötige Distanz zum Geschehen, um es als historisches Ereignis zu sehen, denn wir selbst sind hier die Darsteller:innen des historischen Ereignisses, ständig am Studieren des eigenen Scriptes. Dort häufen sich die Randnotizen und die Fußnoten, and who the hell cares for them, wenn nicht wir. Ich fand meine eigene Zeit schon immer hochspannend und gehöre zu den Privilegierten, die auch ohne viel Geld viel reisen konnte und immer noch kann. Ich konnte mich dank der digitalen Revolution und ihren neuen Kommunikationssystemen in einer fremden Kultur lange aufhalten, dort so gut wie möglich heimisch werden und mich zuhause fühlen bei der Rückkehr in den anderssprachigen Freundeskreis. Ich bin dankbar dafür, in beiden Kulturen dunkles und helles Wissen kennengelernt zu haben, und dass der Mensch am Kern des Wesens diesselbe wortlose Sprache spricht, wodurch sich auch Tiere und Pflanzen und Sterne angesprochen fühlen. Da aber all dieses unendliche Bemühen, einen Sinn in diese großen Bewegungen des labyrinthischen Spieles hineinzupumpen, einem zuweilen so sinnlos vorkommen kann, finde ich einen geradezu erotischen Genuss in der Tatsache, dass wir uns in Wirklichkeit im radikal Ungewissen bewegen, und das scheint mir zur Zeit überaus deutlich zu sein. Weder ist eine Wettervorhersage gewiss, noch weiß jemand, ob es Trump und der verkörperten Ignoranz seiner Anhänger:innen tatsächlich gelingen wird, einen schlechten Clown in die nächste Präsidentschaft zu hieven. Auch in Indien tut sich was, und man sieht den verkalkten Schmuck der selbsternannten Götter in Zeitlupe herabbröckeln. Aber woher der erfrischende Wind kommen wird, das weiß man nicht. Denn man kann es nicht wissen. Sehr wenig Wesentliches kann man wissen, denn es gibt letztendlich sehr wenig Wissenswertes. Das Wissenswerte allerdings und das Nichtzuwissende sind die beste Ausrüstung für den anstehenden Heilungsprozess. Denn viele von uns suchen gar nicht mehr nach Wissen, sondern wir wandern durchs Ungewisse und sind offen für Heilung. Das kommt schon mal vor, dass alles sehr krank wirkt. Aber die heilenden Kräfte sind auch nicht wirkungslos, und man kann sich auf sie verlassen.

bessern(?)

Der Hass und die Shitstürme, die da draußen grad toben, sind in jeder Hinsicht bedenklich, weil es unter anderem darum geht, das eigene Denken zu überprüfen. Als was betrachte ich dieses menschliche Leben: als ein Schauspiel, also entweder als Komödie oder Tragödie oder beides, wie es uns Dichter:innen und Denker:innen beigebracht haben, Oder hohe Schulen wie der Zen-Buddhismus, wo man auf einmal ins Nichts starrt und versteht, dass alles (auch) leer und bedeutungslos ist. Das Nichts als leere Leinwand, auf die wir unsere Wahrnehmungen projezieren. Leider oft nicht die eigene, sondern die von anderen Wahrnehmer:innen, und dann kommt es darauf an, was anspricht und Sinn zu machen scheint, immer gemessen an den ganz speziellen Erfahrungen, die nur ich selbst gemacht habe und die sich so krass unterscheiden können. Nun kreucht allerdings durch diese Krassheit die Vielfalt der menschlichen Wesen hervor, mit der jede/r Erdbewohner/in umgehen lernen muss. Zum Beispiel, wenn die Hälfte eines Landes entweder Donald Trump oder Narendra Modi als Gott sehen kann, das kann schon die kosmische Tempelanlage erschüttern. Und wie lange sind wir zur Narretei verdammt, wenn wir uns selbst beim Glauben erwischen, die Menschheit als Ganzes könnte „sich bessern“. Nein, wird sie nicht können. Man weiß auch, dass ein Mensch, der die Unmenschlichkeit des Warschauer Ghettos überlebt hat, ein Recht hat, den Menschen als „ein Tier, das Kleider trägt“ zu bezeichen, obwohl man dadurch noch die Tiere beleidigt, die gewisse Entscheidungsebenen gar nicht zur Verfügung haben. Wir Menschen aber haben so viele Möglichkeiten zur Verfügung, das ganze Treiben auf dem kleinen blauen Planeten zu beobachten und einzuschätzen, sodass irgendwann für mich selbst eine Notwendigkeit auftaucht, diese persönliche Sicht zu reflektieren, oder zu dokumentieren, oder zu bezeichnen, oder Geschichten daraus zu machen, oder sich selbst als Drama zu inszenieren, oder sich von jemand anderem inszenieren zu lassen und Liebe nennen, was ich dafür halte, und abzulehnen, was dem Inhalt meiner Lebensblase zu fremd ist. Oder lernen zu müssen, was inkompatibel ist mit meiner Art zu sein und Distanz wahren zu können, wenn sie erforderlich ist undsoweiter. Das alles ist sehr anstrengend und führt selten zu der von Philosophen gepriesenen Seelenruhe, eben zu wissen, dass alles vergänglich ist und immer nur genau so, wie es ist, obwohl es auch ganz anders sein könnte, theoretisch. Es ist ja gar nicht so wichtig, sich ständig Meinungen zu bilden über alles, was uns zu Ohren und Augen kommt, sondern es ist vermutlich gesünder, sich ab und zu mal zurückzuziehen und zu schauen, was aus einem selbst geworden ist, und ob man der Mensch ist, der man sein möchte.

Gauklertum

Wir hatten das Glück, bei einem Fest eine Gruppe von Gauklern zu treffen, die verantwortlich waren für Aufschwung und d i e Art von Unterhaltung, die Anwesende zum Zusammenströmen anregt. Schön waren sie gekleidet und kamen aus einer anderen Zeit, oder besser ihrer eigenen Zeit, denn wer weiß schon besser als sie selbst, wie Gaukler.innen ihre Zeit verbringen. Klar, wir kennen auch die Gaukelei, z.B. sivh selbst was vorgaukeln, oder aber anderen etwas vorgaukeln, das kann auf der menschlichen Bühne unter gewissen Umständen auch unterhaltsam sein. Und schließlich gibt es auch für Gaukler:innen keinen Exit, alle bewegen sich gleichzeitig im Spiel. Die Gauklerfrau war eine stattliche Mutter und hatte einen Sohn dabei, was mich erinnerte an Picassos Bild der Mutter mit dem Gauklerkind, das sah aber ziemlich trostlos aus. Die Mutter und der Sohn auf dem Fest waren sehr leidenschaftlich in ihrer Kunst verankert, konnten alle möglichen zeitlosen Instrumente spielen und wundersame Lieder in anderen Sprachen singen, aber man konnte es trotzdem verstehen. Sind die wandernden Zigeunerherzen aber auch noch hochbegabt in ihren Fähigkeiten, hart erarbeitet und unermüdlich geübt, dann erfährt man, eher selten, aber dann eben doch mal, eine Art heimliches Wunder, das sich unbemerkt eingeschlichen hat und hier, genau vor deinen Augen, sich abspielt. Mutter Erde gibt in irgendeinem Zelt der Welt einem Sohn Geburt, der, das wird bald klar, die Verkörperung des Zaubers der Gauklerkunst ist. Ihn erleben wir an dem Abend, der schon vorher angereichert war mit herzlicher Wärme, als einen, der einen dann noch in Staunen versetzt mit seinen Jonglierkünsten, klar, das beeindruckt ja meistens, wenn jemand sowas gut kann. Aber nicht überall ist diese unheimlich tiefe Freude am Spiel, dieses ganz und gar zuhause sein in der eigenen Wahl, und angekommen in der vibrierenden Zone, wo einem vielleicht das persönliche Schicksal aus der Hand genommen wird, damit man sein Amt gut ausführen kann. Wenn Begabung zum Geben wird, das man dankbar empfängt.

good day

Ein (weiterer) guter Tag, das Persönliche locker eingebettet in das Weltgeschehen. Ein guter Freund von mir hat Geburtstag, und gerade dass e r geboren ist bedeutet mir viel. Unsere Nachbarn, gute Nachbarn im wahren Sinn des Wortes, heiraten heute, beide zum zweiten Mal, es gibt sechs erwachsene Kinder, ein gelungener Reifeprozess. Und natürlich, last not least, das zu allen großen Festen gehörende Feuerwerk in den Köpfen derjenigen, die eine Verurteilung Donald Trumps kaum mehr für möglich hielten. Und nun ist das historische Ereignis in Gang gekommen. Noch sinkt das Urteil hinunter in die Eingeweide, und man weiß erst einmal nicht, was es dort anrichten wird, weil Angeklagte und Verurteilte selbst noch nicht wissen, was sie alles noch anrichten können. Doch ist das wahrlich Gute an der Sache, dass es um die Glaubwürdigkeit des Rechtssystem ging und geht. Und dass es zum Glück unkorrumpierbare Angestellte des Staates gibt, die fähig sind, diesem Staat ehrenvoll zu dienen. Es geht ja meist um Macht und seinen Gebrauch, und die Wirkung dieser Macht auf das Volk, wo das Geblendete stattfindet, bis wieder um das Recht gekämpft werden muss. Wenn die Würde des Menschen zu viel angetastet wird. Und so sehr die vielen Games auch Spaß machen können, so führen doch die übersehenen Zeichen des Genug zu Suchterscheinungen, die schwer zu zügeln sind. Ein guter Tag also heute. Zwölf Menschen aus dem Volk haben ein Urteil gefällt, das akzeptiert werden muss, wenn ein System sich bewährt.

opfern

„Fron“ und „Leichnam“, Worte für regnerische Düsternis, und der kleine Witz mit dem frohen Leichnam zündet auch nicht mehr. Vielleicht will man dann doch etwas mehr darüber erfahren, warum ein ganzes Land in den Arbeitsschlummer gelegt wird, beziehungsweise zu Blitzfluchten in eine Ferne reist, oder aber, und da kommen wir zu heute, zu Tausenden an Prozessionen teilnimmt, anscheinend in Begleitung von Jesus. In jedem Land gibt es vorherrschende Religionen mit meist interessanten Geschichten, da der Übertreibung und Ausschmückung und Wundererfindung keine Grenzen gesetzt sind, der Gläubige ist zum Glauben verdammt, und überall herrscht auch das Paradoxe in Union mit dem als „normal“ Deklarierten. Man feiert also, lese ich, die Gegenwart des als Sohn Gottes angesehenen Jesus Christus im Sakrament der Eucharistie, wo es anscheinend um Opfergaben geht, und um „die Mitte, aus der wir leben“, stand da, aber ich kann es ja nicht verstehen, weil es nicht meine Religion ist. Manchmal staune ich, dass ich angeblich unter Christen leben, aber ich weiß nicht, wer sich in dieser Zugehörigkeit erfährt, denn man kann das von außen nicht sehen. Auch sind religiöse Konstrukte immer mit einer höheren Macht verbunden, die ungern abgelehnt wird, weil es ja doch sein könnte, dass…dass was? Jetzt beamen wir aber zurück ins Jahr 1247, wo dieses Fest zum ersten Mal gefeiert wurde, das ist ordentlich lange her und hatte mit einem Blutwunder zu tun. Die Anregung zu all dem kam durch die heilige Juliana von Lüttich (1209), die von einer Verdunkelung am Mond berichtete, und dass Christus ihr vermittelt habe, da fehle ein Fest. Und so wird bis heute geopfert und in Prozessionen marschiert. Einmal, als ich in Guatemala war, wollte ich eine schön aussehende Kirche besuchen, aber als ich näher kam, sah ich das Blut herunterrinnen an den Treppen. Dasselbe habe ich noch einmal in Gujarat erlebt, wo Portugiesen sich einst einnisteten, das war kein Blutwunder, sondern nackte Realität, oder die spürbare Wirkung der dunklen Taten. Die Vertreibungen, die Konvertierungsexzesse, die Anmaßungen und Erhebungen über das eigene Fehlverhalten, den Mangel an Intelligenz und Menschenwürde. Irgendwann muss man beginnen, sich selbst zu erziehen, da hilft kein Gott mehr weiter. Und vielleicht ist die Kraft auch erlöst, wenn der Anspruch an das Niezuwissende abnimmt, und froh schwimmen die kleinen Gewohnheitsleichname den Bach hinunter.

Gepäck

Ja, die Sache mit dem Gepäck. Dank gewisser Airlines, bzw. dank der eigenen Entscheidung, kann man mit nur einem Handgepäck an Bord gehen. Da man vorher darüber nachtüfteln muss, was einem für ein paar Tage unverzichtbar scheint, kommt man in die günstige Lage zu erfahren, dass selbst d a s noch zu viel sein kann. Ich fand es immer wünschenswert, das eigene Gepäck tragen zu können, aber oft musste ich doch Hilfe in Anspruch nehmen. Nun rollt sowieso jede/r mit den neuen Transportkoffern durch die Gegend, auch in Indien hat das eingeschlagen wie der Blitz, nur die einfachen Pilger tragen ihre Stofftaschen noch kunstvoll auf dem Kopf. Das äußere Gepäck dient ja vor allem als Schatzkiste der Möglichkeiten, als wer man wo aufzutreten gedenkt, und nichts ist einzuwenden gegen die Skala des Geschmackes oder der Stile, die man als Reisende/r zu sehen bekommt. Und doch sieht es oft so aus, als hätte man die Koffer mühelos austauschen und diesselben Dinge hervorholen können. Und das ist nur die Hülle. Den Inhalt bringt man auch mit. Das ist jeden Tag so, verführt aber zuhause sehr zur Gewohnheitsbildung, daher kann das Unterwegssein genutzt werden als Wake up Unterstützung, oft hervorgebracht durch die Konzentration an einem Steuerrad. Außerdem steuern alle ständig irgendwohin, und durch die Wirkung des inneren Gepäcks kommt es zu Zusammenhängen, die wiederum als Geschichten verarbeitet werden, mit Bildern und mit Texten. Man muss das Gepäck, das man mit sich trägt, einschätzen lernen, denn wer weiß: vielleicht ist weniger doch mehr. Wir sitzen an der Basis des Pyramidions und schauen dem vertikal angelegten Tunnel entgegen. Und dort blüht sie auf, die Ahnung, vom Ende der Systeme, erlebt durch radikales Dabeisein.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern (aus der Welt der Geschichten), wie sehr mich die Figur des Zarathustra (Also sprach..) berührte. Das war in meiner Jugend, und immer noch habe ich eine leise Schwäche für den Fremdling, der von seiner Höhle im Himalaya herabsteigt, um seine von der Einsamkeit angestaute Liebe hinunter zu den Menschen zu tragen. Doch vielleicht hat ihn ja auch die Sehnsucht nach ihnen, den gehemnisvollen Irgendwers, angetrieben, und nahm das Risiko des Zusammentreffens auf sich. Zu erinnern ist auch für diese Anekdote, dass unterwegs ein Sadhu, ein Wissender saß und dem Beflissenen kopfschüttelnd hinterher sah, weil der noch nicht gehört hatte, dass Gott tot war. Wie auch immer man das sehen mag, so ist das Erstaunliche eher, dass es dem Menschen so schwerfällt, sich als menschliches Wesen so weit zu entwickeln, dass der oder die oder wir alle nicht so schreckliche Dinge anrichten oder sie miterleben auf irgendwelchen Kanälen, sodass unbemerkt alles Ungefilterte sich einen Platz sucht, und all das Angeschwemmte dort (im Inneren) schwer unterzubringen ist. Zarathustra schnappt sich also seinen Adler und seine Schlange und bringt sich hinein ins Mengenbad. Dort badet er dann auf eine teilweise ziemlich schwülstige Art herum, und es gibt dieses schöne Lied davon, wie tief die Welt ist und ihr Weh, obwohl alle Lust nach Ewigkeit lechzt. Der Wanderer und die Wanderin, die guten Mutes bei den Ansässigen auftauchen, bringen vor allem den Duft der Fremdheit mit sich, die Abwesenheit der Gier nach dem Dazugehören. Das freischwebende Herz gehört natürlich auch dazu, es braucht nicht (mehr) so viel, weil es alles hat, was das Herz begehrte. Nun ist es gesättigt und kann schauen, was es sonst noch so zu tun gibt, ohne in der Falle des Helfens stecken zu bleiben. Lieben, und tun, was man will.

Da sua vida

DA SUA VIDA: Aus deinem Leben

In diesen vergangenen Tagen in einem anderen Land, vorbei an Störchen und Orangenhainen, wurde mir der ursprüngliche Sinn des Reisens zugängig. Und dann natürlich: als wer reise ich, mit oder ohne Ziel, mit viel oder mit genug Geld, um alles zu finanzieren, die Herberge und das Bad für die Nacht, und danke für alles, am nächsten Morgen gerne weiter. Minimumschämen wegen dem und weiter mit dem gemieteten Auto. Ich neige dazu, Systeme (z.B. ‚Rent a car‘) kopfschüttelnd zu bewundern, deren Erzeugung ich mir absolut nicht vorstellen kann. Aber Achtung Achtung!, man verlässt ja gerade selbst die eigene Blase, entert das Flugzeug, kommt an im Fremdland und verständigt sich automatisch auf andere Arten und Weisen. Es ist schwer, einen Maßstab des eigenen Wachseins im persönlichen Alltag zu erstellen, oder zu merken, ab wann Gewohnheiten automatisch zu Blasen werden. So bietet das Reisen, günstigerweise außerhalb der Großferien, zumindest oder immerhin eine Möglichkeit des Zellenausbruchs- oder aufbruchs an. Doch kann das Reisen auch ein Sahnehäubchen sein bei der suchterzeugenden Leidenschaft des Erkennenwollens, des Betrachtens, des Bestaunens, des Wunderns und des Bewunderns, und das war immer in den Menschen, diese Sehnsucht nach Meer und Orangen und Dünen und Sand. Und überall wurden ab und zu mal Poeten und Poetinnen geboren, die einem vermitteln können, wie etwas war, als es noch da war, oder auch das, was immer da war und immer noch da ist. Ja, natürlich sind wir kontemplierenden Reisenden auch froh, wenn Herberge zu Airbnb geworden ist, mit funktionierenden Wasserhähnen von Ikea, auch wenn wir eher den Abschied vom touristischen Gewühle darstellen als seinen Aufschwung. Und da kam doch tatsächlich aus einem sehr verstaubten Winkel meiner mentalen Archive die erste Zeile des Eichendorff Liedes hervor „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt….“, und ob mit oder ohne Gott, so ist es doch schön, sich der Gunst des Angebots zu erinnern und hinauszugehen in die Welt, um dort dem Ungewissen bewusster zu begegnen. Attention, traveller!

Reisende

reisen

reisen…

besser wissen

Liebe, liebe Besserwisser.
wer kann das wohl besser wissen
als ich! Ich kann weissagen, was sich
zugetragen! Ich weiß, dass eine weiße
Weste nicht immer voller Erfüllung zu
sein scheint. Manchmal weint dann
einer ganz allein. Da kommt dann,
wenn er kann, der Schein raus: die
Fülle ging leer aus. Man verliert dann
auch ohne viele Gerüchte sein
wohnliches Ohnehin-Gesichte. Das
Beste scheint zu sein, sich zu bessern.
Man kann dann auch ohne weiße
Weste weise sein, doch kann nur der
es dann wirklich fein, der das
Geheimnis kennt, warum nur die Fülle
der Melasse die Süße der vollen Hülle
gelassen erfassen kann. Ihr, die besten
Wissens-Wanderer: mutig voran!

Verkorksungen

Heilung hat viel, wenn nicht alles, mit der Verbindung zwischen Vordergrund und Hintergrund zu tun, hier im Sinne, wie und als wer wir uns draußen in der Welt bewegen, und wer wir in geschützten oder abgeschotteten Räumen sind. Als ich (einst) aus einem langen, ununterbrochenen Aufenthalt aus Indien zurückkam und ein milder Wunsch nach Legalität in mir erwachte (in Hinblick auf Pass und Visa), gehörte natürlich das Geldverdienen dazu. Ich arbeitete zuerst in einer chinesischen Druckerei, und mein Chef weihte mich schnell in alles ein, um mit seiner 40 Jahre jüngeren Geliebten auszugehen, und ich sollte nett sein zu seiner Frau, wenn sie auftauchte. Dann arbeitete ich bei einem deutschen Verlag, und die Frau meines Chefs erzählte mir beim Tee, dass er nur Sex haben könne, wenn sie ihn peitscht. Einmal sollte ich ein Kuvert zu dem Mitarbeiter bringen, und sah zu meinem Erstaunen in dessen Wohnung sehr große Photographien von Grace Jones hängen, was an sich auf nichts hinweisen muss. Er erzählte mir dann, dass er einmal in der Woche in eine Stadt zu einer Domina fährt, um sich dort (fast) ertränken zu lassen, und dass die Regeirung Wertschätzung hat für Dominas, die mit solchen Eigenheiten umgehen können und gerde dadurch eine menschliche Reife erlangen, sozusagen von der Hölle aufwärts. Dass sich überhaupt so etwas wie eine „Normalität“ unter Menschen bilden kann, ist ja schon ein Wunder. Das heißt, dass eine gewisse Übereinstimmung erzielt wird, wie Dinge zu handhaben sind, und wie auf keinen Fall. Da es hier allerdings gendermäßig ungeheuer klafft n der Vorstellung dieser Handhabungen, gibt es immer wieder feministische Zusammenrottungen, um den notwendigen Ausgleichungen auf die Sprünge zu helfen. Viele Menschenfrauen sind Mütter, die das, was sie ans Licht gebracht haben, nicht vernichtet haben wollen. Und selbst wenn ihre eigenen Jugendjahre auf die üblichen Weisen verkorkst wurden, tritt hier bei der Menschengebärung zumindest eine potentielle Heilung ein, was leider nicht beweisbar oder überprüfbar ist. Es wird im allgemeinen angenommen, dass Kinder nicht als verkorkste Wesen antreten, sondern eher später ungünstige Entscheidungen treffen, die zu Verkorksungen führen. Ach ja, ich arbeitete dann noch kurz bei dem jungen Türken in einem japanischen Bettenladen, und der war fast nur beschäftigt mit dem süßen Po, wie er ihn nannte, von der Frau eines stadtberühmten Künstlers, also viel Flüstern und Kichern im Hintergrund des Geschäfts. So, das war mein Beitrg von heute, tja, was will er sagen. Vielleicht könnte er darauf hinweisen, dass es allerhand Dunkles gibt in den nur von einem selbst einschaubaren Korridoren, und dass die Kenntnis der hell/dunkel Proportionierung im eigenen System ein wichtiger Bestandteil von Heilung ist, ich meine jetzt vor allem geistig.

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selbst.verständlich

Ist doch krass, dass in der Triebanlage des Menschen enthalten ist, dass er sich selbst zerstört. Vielleicht hat ja auch das kosmische Spiel seine Jahreszeiten, und wir stecken gerade im finsteren Winter des Geistes, hier und da flackert noch eine der unauslöschlichen Flammen, und gerade da wird gebrütet, wie’s weitergeht. Langsam, und noch ganz im Geheimen, verschwindet das Interesse an den religiösen Bedingungen, vermutlich mangelte es an überzeugenden Vorbildern. Wird auch diese traute Schutzebene abgelöst zum Beispiel von künstlicher Intelligenz, wissen wir sofort, dass es schon einen neuen Gott gibt, ein erschöpftes Tänzeln findet statt ums Kalb. Wir alle sind diesem Spiel in gewisser Weise ausgeliefert, dem Zeitpunkt, dem kollektiven Gedächtnis und dem kollektiven Denken überhaupt, in dessen Strom ein jeder und eine jede so gern die eigene Sprache hineinkippt, so, als könnte man mühelos direkt ins Herz der Wahrheit treffen. Und ja, man ist immer allein, all-eins, ein wohlklingendes Wort. Aber der Anspruch der verfügbaren Künste ist hoch: wie belebt man den Alltag mit Wesen, dem eigenen und dem Wesentlichen, und den menschlichen Wesen, die bei und mit uns sind mit den großartigen Fähigkeiten, die wie das Selbstverständliche agieren. Dabei sind sie richtungsweisend, und an einem bestimmtn Punkt weiß man, dass man nicht mehr zurück kann. In welches Zurück denn? Man hat ja gewählt, oder nicht? Und so schleudert uns der große Würfelbecher auf irgendein Würfelbrett, und los geht’s, man ist drin. Der Eine trägt mühsam eine Laterne an die Ufer der Wasserquelle, sieht dort zum ersten Mal sein Abbild und ist verloren, der Andere, ein König, hungrig nach Wissen, hüpft vergnügt aus dem brennenden Palast, während der Wissensvolle verbrennt, weil er seinen Stock drinnen vergessen hat. Dann gibt es die, die im Zeitalter der Ignoranz, also dem fruchtlosen Winter des Geistes, schreckliche Dinge schmieden und auf schwarzen Hengsten durch die zerstörten Wälder jagen und gleichzeitig die Rechner der Weltkonzerne hacken und lahmlegen. Aber wahr ist auch, dass das Script noch nicht zu Ende geschrieben ist. Und keiner schreibt es zu Ende, es schreibt sich selbst. Natürlich mit uns, den Spieler:innen, die ausführen, beziehzngsweise aufführen, was sie so drauf haben. So kann man auch froh sein, dass man keine Wahl hat, denn man ist an sich selbst gebunden. Vielleicht muss man sich deshalb noch von sich selbst befreien, und Glückwünsche zu dieser Wahlmöglichkeit! Wie Sokrates schon das Friedlichsein dadurch verstand, dass er nicht (mit sich selbst) als Mörder leben wollte.

erleichtern

Ich weiß, ich bin nicht die Einzige, die in blühenden Gärten herumsitzt und sich fragt, ob es wirklich nur ihr selbst und den vielen Dazugehörigen der persönlichen Schicksale zu verdanken ist, dass der Verlauf so günstig war, sodass blühende Gärten überhaupt auftauchen konnten. Oder tiefe, bedeutsame Freundschaften. Oder dass Kräfte generiert werden konnten, die dem Ganzen, das man das eigene Leben nennt, eine Widerstandskraft verleihen konnte und immer noch kann. Aber auch das Kepos ist in der Welt, nur dass darin eine bestimmte Art von Arbeit stattfindet, die eher mit den auslotbaren Tiefen und Höhen der Dialoge zu tun hat und einem hartnäckigen Willen, auf den Grund der Dinge blicken zu wollen und der Überzeugung, dafür auch, zumindest letztendlich, geeignet zu sein. Was soll man tun, wenn man weiß, dass sie sich ein paar Stunden weiter die Leiber gegenseitig zerreißen und irgendeiner dieser regierenden Narzissten zufällig die Macht hat, immer mehr Leiber hineinzuwerfen in das verstümmelnde Getümmel, oder auch das übliche Gemetzel unter den Clans undsoweiter, und überall huscht unsere Ohnmacht herum wie eine Außerirdische, die nicht weiß, was hier zu tun ist, was gerne das Übliche oder das Normale genannt wird. In einem Gespräch mit meinem Freund Anil in Delhi habe ich mit einigem Erstaunen vernommen, dass ihn die Menschen nur mäßig interessieren, denn er hält uns für eine auslaufende Spezies, die halt anstellt, was sie ganz offensichtlich anstellt. Mein Erstaunen rührte daher, dass ich ihn in Indien allein oder mit seiner Familie bei unseren Freunden immer als den liebenswürdigen Mitmenschen erlebt habe, den man geradezu ein bisschen beneiden konnte für seine freizügige Freundlichkeit und sein natürliches Kümmern. Diese Positionierung, nicht ohne viel Kontemplationen erreichbar, gefällt mir. Die Kontemplation bezieht sich auf die Notwendigkeit der Ankunft bei sich selbst. Bin ich dort einigermaßen störungsfrei angelangt, nehme ich mich einfach mit und tue, was ich kann und will. Da schwingt er sich herein, der auf wunderbare Weise schwer verständliche Satz des Augustinus: „Liebe und tu, was du willst“. Hier kann man, wenn man möchte, verstehen, dass Beisichsein Liebe ist, was die Bürde des Seins erleichtert.

Robert Musil

Was bleibt von der Kunst?
Wir als Veränderte bleiben.

stabilisieren

Niemand schreibt uns vor, wie wir das, was uns auf unserem Weg widerfährt, sehen sollen. Ja, von außen her schon, denn wer drückt nicht gerne den Stempel auf, den er oder sie für den passenden hält. Wann wird Begeisterung zu hypnotischem Eifer, an welchem Punkt kann man den hungrigen Geist hinter einer Idee spüren, der bereit ist, über jeden Schatten zu springen, um zu einer Umsetzung zu kommen, sei diese noch so fragwürdig. Es gibt viele Berufsausübende, die auf diesem Seil zu tanzen verpflichtet sind, und meist will niemand wissen oder kommt gar nicht mit der Frage in Berührung, wann der Kipppunkt erscheint zwischen Interesse und Ausbeutung. Und immer muss man selbst schauen, wo wird man Knecht, wo Meister, und wo spielen diese Figuren gar keine Rolle. Und wie lange muss man sich mit all den Spielarten auseinandersetzen, bevor man das Maß an innerer Stabilität erreicht, die dann gleichzeitig Windhauch ist und Felsblock. Damit man sich auf die persönliche Freiheit selbst berufen kann und sie staunend erkennt als eine Notwendigkeit, absolut und radikal, damit man einen Schutzschirm zur Verfügung hat, wenn der Sog der Abgründe einen erfasst. Nicht alles muss einleuchten, nicht alles verstanden werden. Die Erfahrungen können nur dann dienen, wenn in den Prüfungen die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Diese „richtigen“ Entscheidungen ruhen am besten auf der Basis jahrelanger Auslotungen und gehören zum Lehrgang geistiger Architekturen, obwohl auch sie nicht gefeit sind gegen das Überflüssige, das erst noch erfasst oder entlassen werden muss. Sozusagen, in moderner Sprak, das mentale Intervallfasten. Der Pfad zu mir selbst bleibt Geheimnis. Jaguar und Libelle werden vom System gleichermßen geschätzt, also kann es nicht um eine Tür-oder Fensterschleßung gehen, ich meine zwischen mir und der Welt. Auch mein System kann nur durch Belastung belastbar werden. Daher der Ruf nach dem Hellwachen in sich. Ach ja, irgendwie schade, dass mir niemand die Welt erklären kann, obwohl wir alle in der Versuchskanincheumzäunung aufgewachsen sind. Jetzt müssen wir nur noch genau da, wo der schwarze Faden den weißen Faden trifft und dadurch dem Blick entschwindet…aber hallo!, da hat ja das Müssen ein Ende!

late

Ich habe in zwei Welten bzw. Kulturen die Ankunft toter und starrer Bildflächen beobachten können, beinahe hätte ich dürfen gesagt, denn es war vor allem in Indien interessant, die digitale Magie sich ausbreiten zu sehen mit dieser ungeheuren Macht über die Gehirne, von denen viele nicht gewohnt waren zu unterscheiden zwischen friedvollem Dasein unter dem Baldachin der Götter und einer tödlichen Alltagslangeweile mit einer Menge weiblichem Teigkneten und Männerfrustration. Man sieht eine mitgschleppte Männerphantasie an einem dürren Ast hängen. Dann half der Kosmos mit seiner scheinbar unerschöpflichen Energie, ein grandioses Ablenkungsmanöver in Gang zu setzen, durch das die Weltbevölkerung befähigt wurde, auf leichten Fingerdruck überall auftauchen zu können, wo sie gerade nicht war, und so konnte man sich fortan durch kleine Fenster mühelos in der ganzen Welt austoben. Nun staunt man dann doch ein bisschen, was aus diesem Angebot an Wissensskala geworden ist. Als ein Freund aus Sidney mir erzählte, dass sein Sohn 500 Kanäle zur Verfügung hat, sprengte das meine Vorstellungskraft und hinterließ ein wenig Mitleid mit all diesen tausenden von Herumhuschenden, die dafür verantwortlich sind, den lustlos Herumzappenden möglichst viel zu bieten. Diese alles bisherige Maß überschreitende Scheinwelt hat nun zu einem historischen Treffen zwischen dem Golem und Frankenstein geführt. Natürlich nicht am hellichten Tage, sondern in den dunklen Gängen frisch konstruierter Netze bahnt sich das Lichtscheue seine Wanderwege zu den Schachbrettspielen, wo die Geschicke der Menschheit gewürfelt werden, aber klar, nicht nur da. Attention, traveller, for it is late. But it is not, not yet too late.

kennen

Kannte dich nicht
Ich kannte dich nicht
Ich kannte dich einfach nicht
Wie konnte ich auch
Ich konnte es nicht
Ich kannte es nicht
Das Kennen von dir
O Mensch

plausibel (?)

Es bleibt ja nicht aus, dass man sich früher oder später eine Weltanschauung bastelt, die man für plausibel hält, und vielleicht braucht man sie auch für eine Zeitlang. Günstig, wenn im Meinungsspinnenwebennetz sich Risse zeigen, die zu Toren und Türen werden in die anderen Welten hinein, von denen man, Mann und Frau, ständig umgeben sind, und von ihren Kindern, von denen man selbst mal eins war und sich glücklich schätzen kann, wenn man einigermaßen heil da rausgekommen ist, aus den Kriegen, aus den Verklemmungen und Verbiegungen unter der Herrschaft des jeweiligen Gesellschaftssystems. Mir kamen die Schicksalspakete meistens gut dosiert vor im Sinne, dass niemandem, den man traf, etwas erspart blieb. Alle hatten dasselbe zu tun, eben mit dem, was wir vorfanden, umzugehen, wie wir es verstanden haben. Ich kannte auch eine Patientin, die ihrem Krebs dankbar war, der ihren Wankelmütigkeiten einen Halt und einen Fokus gab. Und so kann man zwar Menschen bedauern, die einen düsteren Blick auf die Welt haben und sicher sind, dass das alles ziemlich mies ist, und an Beweisen wird es nicht fehlen. Wen sehen die Menschen in Trump, wenn sie ihn zum Gott erklären, oder hier, wo ein Friedrich Merz schon die Kanzlerschale hebt, und alles, was uns bleibt (in dieser Hinsicht) ist, das Kreuzchen nicht bei ihm anzubringen, aber immerhin. Und wieviel habe ich beigetragen zu der Tatsache, dass ich nun in einem blühenden Garten sitze und die Möglichkeit bereichender Dialoge habe, im Alltag eben, von mir aus auch beim Einräumen der Geschirrspülmaschine. Auf jeden Fall ist die Zeit gekommen, wo das Haben bedacht werden muss, denn es belastet die Seinsfrage wegen der Blutspur die es hinter sich herzieht. Nie war gegen das Notwendige etwas einzuwenden, denn tief kann sie einen treffen, die Beschämung, wenn andere noch nicht einmal wissen, wie sie ihre Kinder am Leben erhalten können. Wir driften ins gänzlich Unvorstellbare. Den Überlebenden des menschenerzeugten Schreckens erscheint die Welt oft als Hölle, und ja, wir wandern durch das Zeitalter des Todes, und mit uns die Dichter:innen und die Philosoph:innen und die Künstler:innen. Wir sind das Murmeln der Gegenkultur, wir sind der Lichtblick auf der Gefängnismauer, sind das Weltbild an sich, das schwebt in stetem Wandel durchs All.