sich unterrichten

  

Dieser Unterricht hat mit mir selbst, also mir selbst gegenüber, was zu tun. Das geht so: Ich könnte mich einerseits als Beobachterin eines öfters von mir gedachten Wortes sehen und einfach wahrnehmen „aha, du denkst grad ziemlich oft dieses Wort“, und Schluss. Dann kann ich mich auch fragen „warum geistert dieses Wort eigentlich in dir herum, und was will es mir sagen?!“ Also das Wort, um das es hier gehen soll, ist „Ausschließeritis“. Es muss von den Wahltagen gekommen sein, wo Ausschließeritis zum direkten Ausbruch der Krankheit zu führen drohte , sodass dafür ein Wort her musste, das das Beobachtete bezeugen kann. Nein, mit denen wollen wir nicht, nee, mit denen auf keinen Fall, ganz zu schweigen mit denen! Wenn man Pech hat, bleibt vom vielen Ausschließen am Schluss nur die Not übrig, mit dem Übriggebliebenen in Kontakt kommen zu müssen, den man zum Weiterleben braucht. Das ist dann eine Notlösung, die zu weiteren Notlösungen führen kann, aber nicht muss. Klar ist: Ausschließeritis kann in jedem System lange unbemerkt keimen, bis es als Krankheit ausbricht. Die Übergänge sind wie immer nahtlos und werden wegen der suggestiven Kraft des Ausschließens oft lange nicht bemerkt. Wann haben deutsche Geister individuell gemerkt, dass sie geistig ein ganzes Volk als „minderwertig“ aus der Weltgemeinschaft ausgeschlossen haben? Oder Afrikaner auf der Straße im Dorf. Oder Bettler auf den indischen Straßen. Oder Menschen, die einen verletzt haben und die man nicht mehr einschließen will…hier kreirt sich plötzlich ein eigenständiger Witz, was nicht heißt, dass man unter Lachzwang steht. Ausschließen und einschließen sind also beides Doppeltüren, denn auch ausschließen ist natürlich ratsam, wenn man etwas statt drin eben draußen haben will. Man schließt auch viele Optionen für sich selbst aus, wenn man zum Kern  einer Sache vordringen will. Dann wieder: will ich „only America great again“ machen, wird man heutzutage auch nicht weit damit kommen, denn auf vielen Ebenen hat das „Ausgewähltsein“ an Reiz verloren. Wer ausgewählt werden will, muss mit shitstorms rechnen, denn neuerdings reguliert von ganz unten die aufgebrachte Trägermasse  nach oben, beide Seiten im Ausschließen wohlgeübt.. Es mag wie Chaos aussehen, aber vielleicht ist es nur Ausgleichung. Genug gemobbed, genug gefoppt. Das Volk hat neue Mittel in der Hand, die selbsternannten Eliten in die Vernunft zu zwingen. Ausschließeritis kann zu erzwungener Unterordnung führen. Als Krankheit braucht es adäquate Medizin.

Eine Unterrichtsstunde mit sich selbst dauert auch nicht ewig, sodass einem eine innre Glocke sagt, wann Pause ist.

Zu dem Bild will ich noch was sagen. Ich habe zwar nicht den Anspruch, dass täglich Bild und Text in förderlichster Weise aufeinander treffen, bin aber auch davon abgekommen, sie als zwei völlig unabhängige Elemente voneinander zu sehen. Dieses Bild ist bei dem Besuch eines Freundes entstanden. Er fragte die Anwesenden, ob jemand interessiert sei, verschiedene Teile eines am Kreuz hängenden Jesus‘ zu haben, die bei einer Erdausgrabung der Firma gefunden wurden.  Ja klar, sagte ich, an all die kleine Teile der Götter denkend, die ich in Indien schon mehrfach aufgelesen hatte und die mal herumlagen wie Steine am See. Unter meinen ausgesuchten Teilen war also das obige im Bild. Rechts sieht man noch den Torso von Jesus, während ich im linken das weinende Kind sah, etwas verdeutlicht mit 3 Bleistiftstrichen. Zum Abschluss tituliere ich jetzt mal das linke Bild mit „Ausgeschlossen“, und das rechte mit ….ja was….Jesus wurde ja auch letztendlich von seinen Jüngern ausgeschlossen. Schlaf ist auch ein Ausschließen, das Folgen haben kann. Oft ist es dann zu spät für Entschlossenheiten…Ich nenne die beiden Bilder also „ausgeschlossen I“ und „ausgeschlossen II“. „Ausgeschlossen“ heißt ja auch „das kann nicht wahr sein“. Das Tor der eigenen Wahrnehmung bleibt offen.

Oh!!!

Bildergebnis für trojanisches Pferd
Oh!Oh!Oh! Ein trojanisches Pferd wurde während des Wahlkampfes eingeschleust in das globale Menschennetzwerk und an seiner empfindlichsten Stelle getroffen: Das Herz sozusagen des gerade lebenden, digitalen Menschenschlages. Ein System, das gigantisch große und winzig kleine Fische gleichermaßen fängt, auch ein in seiner Undurchsichtigkeit stetig anwachsender Markt, ein in die phantomartige Weite des  Da-Draußens umgestülptes Menschentum, an dem wir Vielen angebunden sind mit Drähten und uns praktisch automatisch und mit individueller Einwilligung zu einer verdrahteten Maschine zusammenschließen. Jetzt tauchen auch in dieser Zweitwelt Elemente auf, die sich für das sogenannte „Böse“ entscheiden, weil dort ja auch mächtige Profite ablaufen, denen viele nicht widerstehen können. Dann gibt es offensichtlich auf tief gelagerten und oft vernachlässigten Ebenen ziemlich viel Hass, der lange kein Ohr, dann aber diesen Kanal gefunden hat. Man will und muss sich die Zimmer, in denen das vor sich geht, nicht vorstellen. Würde man (ich zB.) mal rübergehen in die Nachbarschaft und mit „so einem“ mal ein Gespräch führen, damit man zusammen was einsieht!? Nee, würde ich nicht, obwohl es auch immer drauf ankommt….Aus jeder Ecke der Welt kann nun jede/r seine Geschosse abfeuern, das war ohne Maschinen sicherlich nicht ganz so durchdringend, und vor allem nicht so rasant in seiner bewaffneten Gefahr. Ganz abgesehen von all den trostlosen Tragödien, die sich hinter solchem Hass verstecken können, scheint mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz, die uns diese Nebenwelt ermöglich, ein Gegenpol des Menschen durch den Menschen erzeugt worden zu sein. Das bringt wiederum eine gewisse psychische Grenze hervor, die den Einzelnen zu sich selbst in die Frage bringt: wie weit will ich hier mitgehen, oder für möglich halten, dass tieferes geistiges oder intellektuelles Eigendenken jetzt wirklich angebracht ist!? Will ich nörgeln, oder einen klaren Blick auf mein eigenes Verhalten werfen? Von mir aus auch den Roboter, wer ihn mag, aber vielleicht gleichzeitig noch eine gewisse Schleifbereitschaft an sich selbst entdecken, wenn auch nur, um dem Sichselbstsein weitere Nuancen zu entlocken.
Das trojanische Pferd wurde also erfolgreich durch das Tor eingeschleust und viele Kanäle sind lahmgelegt und Menschenleben in Kauf genommen worden. Es fällt auf, dass die natürliche Achtung vor dem Menschenleben einen Tiefstand erreicht hat. Durch jede „Missetat“ wird alles noch enger. Die Maschen ziehen sich zusammen. Dann wiederum kann die Struktur der Matrix durchaus verstanden werden, was neue Wege ermöglicht.

Richard Dehmel

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Stimme im Dunkeln

Es klagt im Dunkeln irgendwo.
Ich möchte wissen, was es ist.
Der Wind klagt wohl die Nacht an.
Der Wind klagt aber nicht so nah.
der Wind klagt immer in der Nacht.
In meinen Ohren klagt mein Blut,
mein Blut wohl.
Mein Blut klagt aber nicht so fremd.
Mein Blut ist ruhig wie die Nacht.
Ich glaube, ein Herz klagt irgendwo.

alien(s)

Ich habe einen Artikel gelesen, in dem Menschen sich Gedanken machen, wie man mit Außerirdischen kommunizieren soll, falls sie sich endlich mal zeigen oder man sie beim endgültigen Outsourcen antrifft. Wer würde nicht gern mal an einem neuen Ort Luft schnappen, wo man sich eine ganze Weile nicht um Müllprobleme oder Beziehungsdramen kümmern muss, bis auch dort der Raum wieder verbraucht werden würde. Neue Kümmerer (Ansprechspartner) finden! Neue Herausforderungen annehmen, wenn man zum Beispiel ermüdet ist von dem Lebensabschnittspartner-RoBot, oder enttäuscht, dass man Lebensweisheit nicht downloaden kann. Klar, ich bin auch geschult von Raumschiff Enterprise (New Generation!), mit diesen eleganten Räumlichkeiten und ständig den Blick auf das sterntrunkene All, wenn man nicht gerade angegriffen wird von feindlichen Horden. Ich hatte auch einst eine sehr schöne Sammlung von Silver Surfer Comic-Heften, die heute kaum mehr zu finden sind. Wenn er dann manchmal auf der Erde zu tun hatte, um sie vor sich selbst zu retten, musste er wegen seiner auffallend  silbernen Hülle immer einen Regenmantel tragen, um ein bisschen wie ein Mensch zu wirken, statt wie sonst tief in Gedanken im Kosmos zu roamen.  Was ich ja ganz persönlich, mit Verlaub, hochinteressant finde, ist, dass es bis jetzt keine wirklich überzeugende Forschung gibt, wo w i r eigentlich herkommen und ob das, was wir so hier machen, einem Programm entspricht oder einfach so ist, wie es ist. Den Hindus geht es ja ganz gut, solange sie an der Reinkarnation festhalten. Manche denken zwar auch, sie hätten sich von der Milbe bis zum Menschsein durchgeackert, und nun die Krone des Daseins erreicht: Mensch sein! Warum nicht die paar Jährchen mit der Dankbarkeit darüber verbringen!? Oder sind wir ein Labor, das eine supermesserscharfdenkende Sippe im Auge hat, um zu erkennen , wie wir so sind? Auch kann von mir aus jeder, der vom Affen abstammen will, das gerne tun, auch wenn in der qualvoll erzeugten Kette die DNA-Beweiskraft auf 99,9% ansteigt. Da stamme ich lieber von frühen Irdischen ab. Klar, man muss vorsichtig sein unterwegs. Wer weiß, wo man landet! Hallo, Leute!, sagt man zum Beispiel zueinander, bin ich hier richtig? Man kann sehr viel Glück haben, und immer was zu essen und ein gutes Lager haben, das ist viel. Viele von uns haben ja noch ein ganzes Haus drumherum, und draußen ein kleines Stückchen vom Paradies, Garten genannt, wo man anpflanzen kann, was man will. Oder man kann ab und zu eine Freude genießen, die sich tief in der komplexen Verästelung der Fasern  verankert hat  und die man kaum für möglich hielt, bis sie da war. In Wirklichkeit ist die Erde  schon voll mit Aliens, die sich am Endspurt beteiligen möchten. In diesem spannenden Akt ist man doch gerne dabei! Es wird kollektiv gegrübelt, worum es eigentlich geht. Wird ein großer Preis ausgeschrieben, und gibt es Publikum, das entweder alles liken, oder auch nicht liken kann und wird!!?? Und wenn das Spiel dann zu Ende ist, und keiner weiß mal wieder, wie’s weitergeht, oder ob da drüben im Anderseits jemand verärgert sein wird, weil man sich an den 28-stelligen Access Code nicht erinnert?

Jaja  -ne ne ne (J.Beuys)

 

denkbar

Ja, die Würde des Menschen ist antastbar und ja, der Mensch mutet dem Menschen Undenkbares zu. Aber Menschen lassen einander auch an Denkbarem teilnehmen. Denken ist schön, wenn man Freude dran hat. Immerhin kann ich mit Denken u.a. in die Nähe des zu Erforschenden oder zu Erlebenden kommen. Dann reicht es manchmal nicht mehr aus. Etwas anderes tritt ein, was dem Denken nicht zugänglich ist. Man nennt das gern das Fühlen. Aber vielleicht ist es auch ein sich erlebendes Dasein, was nicht unbedingt das gleiche wie fühlen sein muss (!?) Wenn Menschen sich in so einem gemeinsamen Erleben befinden, ohne ihre Eigenwelt dafür opfern zu müssen…jetzt schlittere ich fast automatisch in Humberto Maturanas vortrefflichen Satz, der endet: ….dann sehen wir Liebe. Wir sehen auch Liebe, wenn Menschen zutiefst interessiert sind am Gelingen ihres Daseins, wodurch belebt wird, dass es mit Anderen gelingt. Eine interessante Ebene, auf die die Welt gerade zusteuert: dass man einander das „richtige“ Menschsein nicht mehr vorgaukeln kann. Doch gibt es ja  Menschen, die einen mit ihrem Menschsein berühren können. Die Berührung kommt auch aus den Geschichten, ja. Aber auch die Geschichten sind ja (nur) das Werkzeug der Menschwerdung. Zum Glück geht es nicht um Gut-oder Bössein, sondern wohl mehr um den Umgang mit sich zeigendem Schicksal. Das ist einerseits der ungewisse Faktor , andrerseits werden meine Fähigkeiten der Navigation durch Entscheidungen, die ständig im Leisen geschehen, aktiviert.

Jetzt, in der Nähe neuer Wahlen, denke ich auch: Wow! Wir leben schon ziemlich lange im Frieden, und solange es vertrauenswürdige Lenker  der Masse gibt, sollen sie weiterhin lenken, so gut sie können. Ich finde es wirklich bemerkenswert, dass Angela Merkel und Wolfgang Schäuble es geschafft haben, einen ehrenwerten Eindruck zu machen. Wenn ich da an Indien denke!, wo man, wenn man irgendwo hin muss, egal, in welche Richtung,  Bakschisch zahlen muss, sonst steht man sich die Füße in den Bauch in einer widerlich bürokratischen Atmosphäre, umringt von lauernden Spöttern: wie, kapierst du das Spiel nicht, Frau Bleichgesicht!? Ich habe übrigens in all den Jahren nie gezahlt, auch wenn es heiß empfohlen wurde. Wissend, dass der Schmiergeld-Kreislauf kein Ende hat, fand ich es schöpferisch anregend, andere Wege zu suchen und zu finden, die zu gewünschtem Ergebnis führen. Hierzulande kann man Stimmzettel ausfüllen, und jedem ist es relativ egal, was der Andere wählt, jetzt abgesehen von schockierenden Ergebnissen, die Einblick in neue Realitäten gewähren. Allerdings geht man meist davon aus, dass unter denkfähigen Menschen auch gedacht wird, fragt sich nur was. Vor-und Nachdenken sind vor allem förderlich, wenn man es selbst tut.
Zurück zum friedlichen Deutschland. Was gibt es Schöneres, wenn wie gestern der Tag: sonnendurchwebt, man durch die Gegend fährt mit (einem oder mehreren) Menschen, die man richtig gerne mag, um nicht das komplexe Wort „lieben“ zu gebrauchen, und die Augen weiden auf sattem Grün, und es ist gar nicht anstrengend, über tiefe Dinge zu reden, und dann will man natürlich Kaffee trinken oder was essen, und dann nach vielem Durchleuchten  herumgehen und den Wald für sich leuchten lassen, und irgendwie sind alle, denen man begegnet, so freundlich und zugeneigt. In einer kleinen Kapelle, in die wir hineinschauen wollten, war ein Buch, in das Menschen ihre Wünsche und Nöte an die hohen Herrschaften hineinschreiben konnten. Eine Eintragung lautete: „Liebe Muttergottes, bitte hilf mir, weil ich nichts mehr auf die Reihe kriege.“ Ich treffe selten jemanden, der so gläubig ist! Auch mal wieder schön.

widersprüchlich

Ähnliches Foto
Dunkel war’s, der Mond schien helle, schneebedeckt die grüne Flur, als ein Auto blitzeschnelle, langsam um die Ecke fuhr. Drinnen saßen  stehend Menschen, schweigend ins Gespräch vertieft, als ein ausgestopfter Hase auf der Sandbank Schlittschuh lief.
Erstaunlich, an was man sich so alles aus der Kindheit erinnert, wo es offensichtlich einen Eindruck hinterlassen hat, da es sonst in den Gehirn-Arealen nicht gespeichert wäre, um eines schönen Morgens wie heute unversehens zum Vorschein zu kommen. Es ist vermutlich die Strahlkraft des Widerspruchs, der hier unbehelligt seinen Lauf nimmt und überall in der Welt seine Daseinsberechtigung hat. Wo die Schönheit des Widerspruchs und seine Absurdität sich berühren bzw. aufeinander prallen, ist schwer zu sagen, vor allem, seit es Donald Trump gibt, das neue politische Unterhaltungsprogramm. Als ich mir neulich dann doch auf Anregung aus dem Freundeskreis hin die Podiumsdiskussion der W20 Frauen angeschaut habe, wo auch die Tochter des neuen Großgauklers saß, fühlte ich einen redlichen Sinn für Gerechtigkeit in mir aufsteigen, als ich sah, wie sie sich zwar puppenhaft korrekt, aber doch auch tochterhaft bescheiden und gut ausgebildet gab. Alle waren irgendwie spürbar froh, dass anscheinend doch ein Zugang zu noch verständlich Menschlichem im Clan der Tochter vorhanden ist, was das Nebelhafte an dem ganzen Set-up nur noch vertieft. Wenn man sich zum Nutzen eigener Imaginationserweiterung einen Mittagstisch bei den Trumps vorstellt zB mit dem unheimlichen Javed Kushner, der kein direkter Sohn ist, sondern Berater des undurchschaubaren Sugar Daddy’s, der wiederum schon immer alle Mitglieder der Family mit allem, was sie sich wünschten, bezaubern konnte, solange sie nicht in offenem Widerspruch zu dem Don stehen. Denn der pustet gerne weg, was nicht zulächelt. Wie in der Reality Show damals, als noch keiner ahnte, dass der beliebte Satz „you are fired“, sich mal im nackten Leben fortsetzen würde. Nun  ist ja durch die verwitterte Düsternis geheimer Kanäle durchgesickert, dass Barron, der jüngste Sohn von Trump, zum neuen FBI-Chief ernannt werden soll, oder bin ich hier schon in den zwitschernden Sumpf der Fake News geraten. Nun ja, manchmal fließt ein Morgen mühelos dahin, manchmal fordert er einen heraus. Gegrüßt sei der ewige Widerspruch, der lebendige Widerspruch. Gegrüßt sei das unsterbliche Ja, denn es trägt in sich das befreiende Nein. Wir wohnen im Zwiespalt, in scheinbar unversöhnlichen Kluften und kennen das Nichtverträgliche ungenügender Liebe noch nicht, noch nicht genug. Wir leben in der Wechselhaftigkeit von Ja und Nein und haben nichts als diesen gemeinsamen Ort des Geschehens, in dem wir uns begegnen, dahinfließend im Widerspruch zeitloser Zeit.

tierisch

Die Tiere können auch sprachlich eingebaut werden wie in „ich hab mich tierisch gefreut, oder „ich hatte tierische Schmerzen“. Es gibt ja auch das Raubtier und den Wellensittich…obwohl, ob da wellness noch so sittlich ist, so im Käfig vor sich hinzwitschern zu müssen zur Freude der Kinder….wer will’s beurteilen können oder wollen. Klar ist, dass in den beiden mir einigermaßen vertrauten Kulturen der Umgang und das Zusammensein mit Tieren sehr unterschiedlich ist. Als in meinem indischen Dorf die erste Hundeleine mit Besitzer auftauchte, gab es viel spöttisches Beiwerk, denn das Land ist voller Hunde, die jedem gerne nachlaufen würden, wenn man sie ein paar mal gefüttert hat. Letztes Jahr habe ich zwei Frauen aus England getroffen, die einen indischen Straßenköter zu „Hugo“ hochgepäppelt hatten, und den mussten sie dann an die Leine nehmen, weil er von anderen seiner Art total angegriffen und abgelehnt wurde, vielleicht, weil er seiner Kaste und seinem Karma entkommen war. Es war hoch kompliziert und sehr teuer, Hugo nach England fliegen zu lassen, aber die beiden hatten keine Zweifel. Jetzt muss ich schauen, wo eigene Befindlichkeit oder Interesse am Thema herkamen, und würde das Herumwandern im Tierischen am liebsten auf den heranrauschenden Vollmond schieben als taghellen Somnambulismus,  aber wer schiebt dieser Tage schon gerne was auf irgendwen. Ich war auf einem Rundgang  im Wald, der direkt an unserem Haus liegt. Ein furchtlos machender Wald, keine Kobras, keine Affenbanden. Wenn Menschen einem entgegen kommen, die ihren Hund spazieren führen ohne Leine, kann man schon von weitem nach der Leine rufen, denn alle denken, ihr Hund sei so lieb, aber was weiß ich, wie die alle drauf sind. Dann vorbei an den Wiesen, satte, grüne Wiesen, auf denen Kühe ihre erschütternd großen Euter durch die Gegend schleppen, und man sieht deutlich, dass das Tier hinter sich als Gebrauchsgegenstand verschwindet. Das kommt auf den Teller oder in die Flasche. Alles so billig, dass das, was da geschieht, sich kaum lohnt. In Indien begehen die Bauern auch Selbstmord, weil sie nicht mehr weiter wissen. Hier sterben sie wohl eher innerlich aus Mangel am Sinn ihres Berufes. Als ich meine Mutter mal durch die Gegend kutschierte, fand ich als Vegetarierin in den Restaurants manchmal nur Kartoffeln zum essen, auch lecker. Nach vielen Jahren Asien war ich an deutsche Speisekarten nicht mehr gewohnt und war erstaunt, wie viele tote Tiere es an jeder Ecke der Strecke zu essen gab. Auch wenn man das Schlachten direkt sieht, ist es nicht schön. In meinen 9 Jahren in Kathmandu erlebten wir jedes Jahr das rituelle Schlachten von 108 Büffeln. Der König musste mit einem dementsprechenden Instrument den ersten tödlichen Hieb verpassen. Die buddhistischen Mönche haben es total abgelehnt, kamen aber durch einen Hindu-Tempel in ihrer Nähe mit dem Blut der Opfer in Berührung. Die Tibeter waren in ihrer eigenen Heimat vor allem  abhängig von Yakfleisch, da es sonst nicht viel gab. Geschlachtet wurden die Tiere von Muslimen, weil sie eine besondere Art des Tötens haben sollen. Das Tier lebt mit ihnen, hat auch einen Namen, wird dann am Todestag gestreichelt und zack!, Kehle durch. Zurück aus Asien, arbeitete ich kurz bei einer jüdischen Bekleidungsfirma. Ich hätte in die Pelzabteilung aufsteigen können, musste aber ohne Bedauern ablehnen. „Aber ich bitte Sie!“, sagte die Pelzabteilungsleiterin, „wir fangen diese Tiere doch nicht ein, sondern sie werden als Pelzmäntel gezüchtet.!“ Ach so! Na dann. Ich bin selbst gar nicht so ein Tierfreund. Ich finde es schön, wenn sie da sind und frei ihrer Wege gehen können und ihr eigenes Leben leben. Auch ins Vegetariertum bin ich irgendwann mal so hineingeschliddert. Einen echten Vegetarierinnenruck habe ich erst von Jonathan Foer’s Buch „Tiere essen“ erfahren“. Er war wegen  seinem Sohn ins Nachdenken gekommen, der ihn fragte „wo kommt das Fleisch auf meinem Teller her?“ „Von den Tieren, mein Kind“, sagte Foer dann zu ihm, „von den Tieren.“

 

kühn

Ein leuchtend schöner Tag, der kühne Gedanken ermuntert. Man wird doch nochmal Kühnes behaupten dürfen! Im Bild sehen wir also die Erbse, die die…..ja, wer war sie doch noch…? Jawohl! Die die Mutter  (die schlaue, die hinterhältige, die böse, die vorsichtige, die sorgenvolle?) des Prinzen unter einer Menge Matratzen gelegt hatte, um zu prüfen, ob die von Wind und Wetter zerzauste Frau auch wirklich eine authentische Prinzessin war, denn nur eine Echte war die Richtige, fand Mama, für ihren Sohnemann, auch ein kühnes Wort. Weil das nun schon eine Weile her ist, und von der Gruppe isolierte Erbsen verkümmern können, musste ich sie aus dem Eisfach befreien, daher die im Bild noch sichtbaren Eiskristalle! Hatte ich keine Geduld zu warten, bis sie auftaut (!!?), was auch durch inneres Brodeln hätte geschehen können. Und: Durfte die Prinzessin selbst mal was dazu sagen, lieber Herr Andersen, oder hat es genügt für ihr Image, dass sie durch die von Erbsendruck erzeugten blauen Flecke (lockeres Foltern) zu einer Beweisaufnahme kam, durch die sie, wiederum von Mama, dem Zukünftigen zugeführt werden konnte. Und wie fand  e r denn das ganze Scheiß-Spiel!!?? Tolle Idee, Mama, das mit der Erbse! Mal sehen, kicherkicher, ob sie das spürt!!! Vielleicht fällt ihm ja, angeregt durch die Phantasie seiner Gebärerin, in der Ehe noch einiges ein, womit er sie mehr oder weniger subtil weiterprüfen konnte, denn einmal fühlen ist keinmal, oder? Ich selbst, etwas erstaunt über den überraschenden Umweg zum Thema, und wann fiel mir das mit der Erbse eigentlich ein, in welchem Kontext. (?) Mich selbst damit in Ruhe lassend (wer will sich schon selbst morgens annörgeln, nur weil sie nicht mehr weiß, wie sie zur Erbse kam!), könnte ich mir dennoch vorstellen, dass das Bild der vielen Matratzenebenen mit der darunter verborgenen Essenz des Märchens mich zu der Frage geführt hat, wieviele Ebenen wir durchdringen müssen, um zu der Essenz unseres eigenen Märchens zu kommen. Zuerst mal schauen wir uns die Mama genau an und schicken sie dann in ihr eigenes Reich zu ihrer eigenen Erbse. Mal schauen, ob d u was spürst auf deinen eigenen Matratzen! So! Was dann? Die Prinzessin kommt nach eingeschüchterter Taubheit durch die Erbsenlegerin langsam zu sich und erkennt, dass sie selbst die Erbse ist. „Wow!“, sagt sie zum sprachlosen Prinzen, „ich selbst bin die Erbse!“ Das hört er gar nicht gleich so gern, weil er durch das Verschwinden seiner Frau Mutter verunsichert ist und (noch) gar nicht weiß, was und wer er selbst ist, wo sie ja behauptet, eine Erbse zu sein. Wie ich selbst da reingelangt bin, und wie ich wieder rauskomme, weiß ich auch (noch) nicht. Kommt es einem zB. wie ein geheimnisvolles Labyrinth vor und man bedauert, dass man sich von Ariadne nicht rechtzeitig den Faden geliehen hat,  blickt man, beschäftigt mit Optionen, dann um sich, sucht nach einer Leiter, die natürlich nicht da ist. Wäre ja auch gelacht und würde dem Sinn des Labyrinthes widersprechen. Dann bastelt man sich eine standfähige Essenz, die einen wie mit einem Stabhochsprung über die Mauer des Labyrinthes hebt. Uffh! Gestern Frankreich gerettet! Heute ich! Jetzt fehlt zum Empfinden der Essenz noch das adäquate Kostüm…grübelgrübel….Da ist es, und wie so vieles im Netz, ist auch das fast umsonst: „Schau dich um, ja, schau dich um. Wer kommt schon um die Erbse rum!“ (Ja!!!??? Voila!)

 

 

normal

Das sind zwei Bilder, die eigentlich jeden als „normal“ ansprechen könnten. Das linke ist ein ziemlich schlecht geschmiertes Butterbrot, das aber durch ein aus ihm hervortretendes Gesicht etwas Unheimliches bekommt und dadurch meiner eigenen Wahrnehmung von normal entspricht, nämlich sogenannte „Normalität“ eher als etwas Unheimliches zu empfinden, das so viele erschreckende Gesichter hat und einen erdrückenden Anspruch an bestimmte Formen des Daseins. Rechts ist eine Papiertüte, die ich heute früh in meinem Postfach gefunden und, schon etwas unterwegs mit dem Thema, als ein passendes Objekt zum Thema wahrgenommen habe. Eine fein gestaltete Papiertüte mit brauchbarem Henkel und schön normaler Ausstrahlung. Beim näheren Hinschauen entdecke ich darauf einen angeklebten Zettel, auf dem berichtet wird, dass diese Art Taschen aus Zeitungspapier, übrigens in Hindi, was ich da erst bemerke, vom Hauptbahnhof in Delhi stammen und von Kindern produziert werden, die, so steht da auf Deutsch, Freiheit suchen von häuslicher, oft auch sexueller Gewalt und Unterdrückung durch Familienmitglieder. Das entspricht auch meiner Vorstellung von normal, soweit vorhanden. Definitionen von „Normalität“ entspringen immer einer gewissen Übereinstimmung innerhalb einer Kultur auf bestimmte Werte und Normen und Gesetze. Das kann durchaus auch negativ besetzt sein. Ich kenne die Kinder in Delhi selbst, da sie überall auf den Straßen etwas verkaufen, von dem Magazin „Madame“ bis englische Ausgaben der Harry Potter Bücher. Normal ist auch, wenn es keinem mehr auffällt, dass etwas eigentlich nicht akzeptabel ist, was da läuft, aber niemand will sich damit beschäftigen, auch oft aus Überforderung. Im Gegensatz zu Marine le Pen macht Emmanuel Macron einen „normalen“ Eindruck, und wie wir wissen, haben viele Franzosen ihn nur gewählt um das, was le Pen als normal empfindet, zu verhindern. Allerdings muss man bei Le Pen’s abartiger Normalität auch bedenken, was Menschen dazu gebracht hat, und zwar einige Millionen, diesem Gedankengut eine Stimme zu geben, um aus der Gefangenschaft ihrer durch schicksalhafte Teufelskreise geformten Leben ausbrechen zu können. Für sie ist sie wahrscheinlich eine Hoffnungsträgerin, die ihnen vermittelt, dass sie wahrgenommen werden. Da kann sich nichts treffen, weil diese Norm nicht akzeptiert werden kann, zum Glück von genug Menschen, die das reflektieren können. Oft wird ja auch das „Funktionieren“ des Menschen als normal empfunden. Sehr viele psychisch kranke oder labile Menschen werden als normal behandelt, solange sie in den Augen anderer Lebewesen funktionsfähig wirken. Viele Menschen werden „eingestellt“, auch so ein grauenhaftes Wort, das sich im Gebrauch stabilisiert hat. Was ist wohl hinter der Normalität der Medikamente los? Gibt es Einblick in die dunklen Geheimnisse einer Gesellschaft, die sich gerne als normal deklariert, auch wenn es um atomare Aufrüstung gegen den Feind geht? Der Mensch, dein Feind. Ist das normal? Stephen Hawkins gibt der Menschheit 100 weitere Jahre des Überlebens. Das halte ich für übertrieben kurz. Sicher aber ist, dass, wenn dunkelster und offen sichtlicher Wahnsinn als normal erfahren wird, es…..ja was braucht es denn da an der Kippe, beziehungsweise der Klippe….!? Wir wissen es nicht. Keine/r weiß es, kann es wissen. Schon herrscht die totale Anarchie. Vögel zwitschern. Alles neu macht der Mai.

 

 

Giuseppe Ungaretti

Giuseppe Ungaretti

In Memoriam

Er hieß
Mohammed Sheab

Abkömmling
von Emiren von Nomaden
Er beging Selbstmord
weil er kein Land
mehr hatte

Er liebte Frankreich
und änderte seinen Namen

Wurde Marcel
war aber nicht Franzose
und konnte nicht mehr
leben
im Zelt der Seinen
wo man dem Singsang
des Korans lauscht
einen Kaffee nippend

Und wusste nicht
anzustimmen
den Gesang
seiner Verlassenheit

Ich habe ihm das Geleit gegeben
zusammen mit der Besitzerin des Hotels
in dem wir wohnten
in Paris
Nummer 5 rue des Carmes
schäbiges steiles Gässchen

Er ruht
auf dem Friedhof von Ivry
Vorstadt die immer
erscheint wie am Tag
eines aufgelösten Jahrmarkts

Und ich allein
weiß vielleicht noch
dass er lebte

Ganja (Hanf) (Cannabis)

Die drei trefflichen Bilder kommen, soweit ich mich erinnere,  aus Ausgaben der „Zeit“ und der FAZ. Die neueste Abbildung ist die in der Mitte von den „Sisters of the Valley“ auf ihrer Hanfplantage. Der bayrische Tütenraucher ist auch schon vor einer ganzen Weile erschienen, und der Gartenzwerg ist bestimmt schon 10 Jahre alt, sicherlich ein Unikum unter den 25 Millionen Gartenzwergen, die in Deutschland angeblich in den Gärten herumstehen sollen. Anlass zu dieser Gelegenheit gab mir die Nachricht, dass heute in Düsseldorf eine Demonstration angemeldet ist, die sich für Cannabis durch die Straßen wälzt. Na ja, wälzen wird’s wohl nicht werden, aber immerhin gibt es einigen Menschen die Gelegenheit, etwas auszudrücken, was ihnen am Herzen liegt. In Indien müsste es dafür keine Demo/nisierung geben, denn wer will, der hat’s nicht weit. In solchen kulturellen Andersartigkeiten des Umgangs mit den Dingen sieht man auch ziemlich schnell, dass keineswegs alle mit dem „Gras“ geplättet sind, nur weil man es draußen in Büschen finden kann. Es wächst ja auch da, wo es niemand raucht oder verkauft. Es ist eine Pflanze, sehr hübsch noch dazu. Auch dort hat man schon gemunkelt, dass mal jemand nicht informiert wurde, dass Ganja im Glas ist, das ist fies. Von Toten ist mir nichts bekannt, ich meine Leute, die daran gestorben sind. Die, die mir bekannt sind als Leben lang „Bang“-zu-sich-Nehmende,  denen geht es gut, soweit ich das beurteilen kann.  Meine Übung ist ja eher, keine Meinung über etwas zu bilden, worüber ich keine Meinung habe.  Aber hallo!, diese Pflanze zu verteufeln, weil sie eine Einstiegsdroge zu hartem Zeug sein soll, da muss ich widersprechen. Wer irgendwo einsteigen will, tut das mit oder ohne. Auch der Alkohol und die Zigarette sind Einstiegsdrogen in düstere Geschichten. Ich war auch überrascht nach 20 Jahren begeistertem Zigarettenrauchen, dass meine Lunge keinen Schaden hatte. War es, weil ich rauchen damals so schön fand? Heute, thank you very much, bitte keine Zigarette in nächster Nähe, wer hätte das gedacht. Nun sollen die „wirklich und wahrhaftig“ Schmerzleidenden die Pharmaindustrie beglücken und das verchemikalisierte, teure Produkt in der Apotheke abholen, wenn 3 Pflänzchen an ihrem Fenstersims einen Einstieg in mehr Wohlbefinden gewährleisten würden. Denn ob das als Schmerzmittel wirklich funktioniert, möchte ich stark bezweifeln. Natürlich kann jede/r Einheimische der Welt sich beim täglichen Wiederholungszwang von egal was mal fragen, ob sich dahinter nicht ein Schmerz verbirgt, oder ob es nur die Sahne auf dem Lebenstörtchen ist, der Kaffee und der Alkohol und die Tabletten und das Essen und überhaupt…….Auf jeden Fall freue ich mich, dass die Demonstration in Düsseldorf von strahlendem Wetter begleitet sein wird oder bereits ist, und vielleicht gelingt es ihnen ja auch, in der Bevölkerung ein paar moralische oder scheinheilige Knötchen zu lockern.

immer schon…

Wenn man sich, ua aus Leidenschaft, für den Werdegang des Menschen in der Ganz-Zeit, die uns als Observiertes und Reflektiertes zur Verfügung steht, interessiert, und was er und sie so getan haben und was sie schon alles hatten oder noch nicht hatten, und wann zB das Konzept „Ich“ auftauchte, und wie sich die Frau von Sokrates wohl fühlte, und ob er wohl wirklich gesagt hat, was man von ihm behauptet, weil es ja noch keine Smartphones gab…, Ja, lange Zeiten der Menschen in einer Welt ohne Fernsehen und dramatisch schnell sich entwickelnder Technik…..In  urzeitliche, antike Bäder kann man sich schon noch hineinfühlen, aber denken kann man das kaum noch. Wozu auch? In Indien habe ich mal von einer Gruppe Menschen um Madame Blavatsky herum gehört, deren „Meister“ sich sicher waren, dass man durch das Radio, das gerade erfunden worden war, eine Anhebung des planetarischen Bewusstseins transportieren könnte. Solche Vorstellungen gab’s wohl immer schon….eben! Da kommt er, einer der Unterhaltungseindringlinge: „Das war doch schon immer so! “ Dieser Satz hat etwas von einem ansteckenden Virus, und ich fühle mich neuerdings auch etwas angesteckt. Bin ich es etwa, die etwas ermüdet ist von (m)einer immer noch subtil vorhandenen Erwartungshaltung in Form einer sie begleitenden fröhlichen Zustimmung an die Freude des Menschseins, und bin nun ein wenig erstaunt, dass auch die Kunst, der noch Beuys alles Erweckende zugetraut hat, mich selten so anrührt, dass sie wirksam mein Leben berührt. Ich meine neue Werke. Wo will man sich von den Füßen hintragen lassen. Ich gehe zB mühelos gern zu einem Iraner (Sina Seifee), der Lecture Performance macht und Installationen. Beuys wiederum hat mich bisher nicht so über seine Arbeiten berührt als beim Zuhören. Dass man ihn verbal so klar verstehen, aber als Mensch kaum erfassen konnte, hat mich beglückt, weil ich selbst mit Laserblick keine Anmaßung fand, sondern nur eigenes Maß, immer angenehm. Um Himmels Willen! Nicht, dass der Kontext hier meine Aussagen über zwei Künstler sein soll, sondern : also doch keine Ermüdung am Menschsein. Warum auch. Für mich sind einige Fragen noch offen, die auch nicht immer nach Antworten hungern. Und dann gilt auch: egal, wie man es sieht und auf was man bestehen möchte, es ist und bleibt auch ein Spiel, und nur das Spiel weiß, was auf dem Spiel steht. Da gibt es also diesen fließenden Strom, der auf uns zukommt mit unterschiedlichem Zeug, mit dem wir umgehen müssen. Und wir haben nur (totale) Freiheit in der Handhabung dieses Schicksalsstromes, wo ausgezeichnete Umsetzung durchaus erwünscht ist. Nun haben wir allerdings gerade mit der Trump-Verdauung angefangen, da fragt sich mein Geist, der offensichtlich noch in Orpheus-bzw Cocteau und Sartre Träumereien verwoben war: wie kam’s zu Marine la Peine (Scherzlein). L’amour!!!??? Oh lala? Eine französiche träge Denkmasse, die sich zur Wahlurne wälzen muss, damit es keinen Faschismus – Ruck gibt? Lieber mal ordentlich enttäuscht sein! War es schon immer so? Dann bin ich vermutlich im Widerstand (?). Ich bin ja gerne Mensch. Mal schauen, wie’s weitergeht.

 

aus dem sf

 Während wir als Menschheit, von einem Außen her  betrachtet, uns noch abstrampeln in den Gefilden zwischen Tier und Bisher-Mensch, und unterwegs zu weiterem potentiellem Menschsein, weiß z.B. der Hindu schon, dass er sich in der dunkelsten Phase dieses Welten-Dramas befindet. Es hält ihn nicht davon ab, sein Smartphone mit seinem unergründeten Ich zu verwechseln. Wie kann er auch anders? Er ist ja durch Quantensprung in eine Neuheit namens Materialismus gestürzt, die für uns schon alt aussieht. Dagegen finden wir in den alten Büchern seiner Ahnen Hinweise auf höchstes Wissen, das Menschen zu eigen wurde und wissen daher, dass es große Bereitschaft in uns gibt, uns um diesen zeitlosen Salto Vivante zu kümmern ohne die Hilfe phantastischer Weltenvorgaukelungen. Éine Nüchternheit ist über uns gekommen. Ist der Mensch tatsächlich etwas, das überwunden werden muss, was ja offensichtlich  nicht so gemeint war, dass er verschwinden muss, denn er ist ja da, und man macht sich Gedanken. Das totale Gesättigtsein an Wünschenswertem kann durchaus Raum erschaffen für Entwicklung. Wissen wir nun, wie man mit erfüllten Wünschen umgeht? Neue werden geboren. Jemand sagt, man müsste umdenken und akzeptieren lernen, dass Roboter da sind, und während auf sichtbaren Bühnen die ultimate Darbietung der politischen Selbstdarstellung zu sehen ist, werden in verborgenen Stätten neue Seinswesen – und weisen gegründet, die Gesellschaft leisten sollen. Die Menschheit wird übergeleitet zu andrer Verfügbarkeit. Ob wir uns das vorstellen können, spielt kaum eine Rolle. Es wurde bereits vorgestellt. Es ist ja nicht so, sagt der informierte Jemand, dass Maschinen nicht lernen können zu fühlen. Die Gefühle der Menschen können programmiert werden. Es gibt ja gar nicht so viele. Dann kann die Roboterin ein eigenes Sein daraus entwickeln und damit glänzen. Man könnte die Menschen, deren Hand niemals ohne Smartphone zu finden ist, langsam an eine bewegliche Knetmasse um das Handy herum an den Übergang gewöhnen. (Ich habe einen Riecher für Marktlücken!) Der Weg zur Maschine ist ja bereits gelungen. Sie muss nur noch richtig gefühlt werden. Eine kreative und total originelle Gesprächskultur könnte entstehen. Hier wittere ich wieder eine Marktlücke! Gespräche zwischen Mensch und Maschine könnten programmiert werden. Es ginge nicht mehr um das eh‘ überholte Phänomen des Verstehens, sondern z.B. um die Struktur eines Wortgebildes, das, sagen wir mal, Glück in einem anderen Jemand auslöst.
Ich versuch’s mal mit einem Beispiel, um zu sehen, ob meine Vorstellungskraft dazu in der Lage ist:
C.C.  kommt in den gemeinsamen Schweberaum zu Shunya 803. Sie schalten ihr Programm auf Gespräch:
C.: “ Die wunderbare Eingeschlossenheit deiner Dynamik gibt unserer Flugkabine eine Drastik, die mit Überlegungen nicht zu erreichen ist.
Shunya 803: Genau.Vieles an den Versen der Originale hat eine Tageshelle. Dieses Gespür für Marmor! Dieser Trost der Quadrate, die uns das Lernen erleichtern.
C.: Sie bringen die Souveränität des Ausnahmezustands in unverrückbare Nähe
S:803: ..und in die unentrinnbaren Süchte der Selbstoptimierung.
Der Versuch war zum Scheitern verurteilt, weil es Übung bräuchte zum geistigen Ausstieg aus meiner Eigen-Sphäre, die sich eher für das gelingende Menschsein interessiert als für den gelingenden Transit einer Mensch-Maschine Kommunikation, auch wenn sie in bestimmten Räumen schon existieren mag. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass der Mensch zur Zeit eine neue Welle der Übermüdung mit sich selbst erfährt, was leicht zur Übermüdung mit der Welt führt, sehe ich sie doch vor allem mit meinen Augen. Es scheint auch an der Verantwortung für diesen Blick etwas zu mangeln, obwohl er selbst in der Quantenphysik vorexerziert wurde: ich bin mein Blick, der webt und mein Leben formt!
Eine weitere Realität, mit der man rechnen muss, ist, dass wir gesehen haben an und durch Oppenheimer, dass jeder Trieb seinen Orgasmus fordert, auch wenn die Vernichtung der Menschheit auf dem Spiel steht. Roboter werden mit uns sein, kein Zweifel. Um guten Widerstand zu leisten, muss man wissen, wie und warum und wofür und wogegen. Daher gehen Menschen und Dinge ihres eigenen Weges, und wir landen elegant in der tiefen, tausendjährigen Gelassenheit eines wie gute Frucht gereiften, indischen Geistes, der genau weiß, dass z.B. Bungee-Jumping nie was für ihn sein kann, er es deswegen aber nicht beurteilen muss.

ich un dich

Man kann sich einen Glückskäfer nennen, wenn es stetig regnet, wo eigentlich Sonne erwartet wird, und es gibt trotzdem nichts zu klagen, denn man steht weder im Stau auf der Autobahn, noch lebt man in räumlicher Einengung und kann sich mal wieder den Archiven widmen, die überall um einen herum lauern, obwohl man auch in der Bereitschaft schwebt, sie mal allesamt aufzulösen. Wie! Dat Janze auflösen!? Doch erst nochmal hinschauen, was man da alles so an Schätzen hat. Und beim Finden eines wunderbaren Satzes über die Liebe denkt es: ja wo ist denn meine Sammlung von Zeitungsüberschriften mit dem Wort „Liebe“ drin, die ich mal hatte, ziemlich viele davon, so 200, die können doch nicht einfach verschwinden! Kurz konzentriert und hocherfreut am entsprechenden Ort gefunden. Diese drei kleinen Einblicke oben bei den Bildern sind heute mein Beitrag zu dem riesigen Thema. Der Textausschnitt ganz links ist von Krishnamurti, in der Mitte eine Wortfügung, die sich mir mal enthüllt hat, und rechts ein kläglicher Ausschnitt meiner prächtigen Sammlung mit Sätzen, in denen die Liebe vielfältig, wie sie nun mal ist, besprochen wird. Es ist ja nicht so, als hätte ich mich nicht selbst schon in den Hochofen des Wortgewühls geworfen, um dem sich ständig im Unsagbaren der Liebe sich entwickelnden Wort mein eigenes hinzuzufügen. Doch heute möchte ich den Raum einerseits an den erwähnten wunderbaren Satz weitergeben, über dessen Freude mir noch eine Satzsequenz einfiel über die Liebe, und diese Sätze haben mich immer wieder begleitet und sind von solcher Präzision, dass ich immer wieder nachschauen musste, wie genau sie geformt sind, und möchte sie , wie gesagt, zur Verfügung stellen. Der erste ist von

Arthur Koestler:

„Liebe ist Kommunikation auf der Suche nach Menschen“

und die weiteren Sätze stammen aus einem Buch von Humberto Maturana „Vom Sein zum Tun“ (die Exzellenz des Titels!), und aus einer Unterhaltung zwischen Bernhard Pörksen und Maturana. Im Kontext der Unterhaltung fragt Pörksen, ob Maturana den Therapeuten vorschlägt, ihre eigenen Gefühle zu ananlysieren, bevor sie mit der Arbeit anfangen. Und Maturana antwortet:

„Notwendig ist nicht die Analyse,  sondern ein Bewusstsein für die Dynamik der Beziehungen, die sich mit einer bestimmten Emotion verknüpft. Ich behaupte nun: Die einzige Emotion, die die eigene Wahrnehmung nicht beschränkt, die sie nicht filtert und lenkt, sondern sie erweitert und von vorschnellen Urteilen befreit, nennen wir Liebe.

Was ist Liebe? Ich sage: Wann immer wir das Verhalten eines Menschen beobachten, das dazu führt, dass ein Mensch als ein legitimer anderer in der Koexistenz mit ihm Präsenz erlangt, dann sehen wir Liebe.

Und wann immer man sich auf eine Art und Weise verhält, die zu dieser legitimen Präsenz des anderen führt, wird man offen sein – und alles wahrnehmen, ohne es durch eine vorschnelle Wertung zurückzuweisen. Was auch immer es sein mag.“

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Dazu fällt mir noch ein Gedanke ein, der mE im praktischen Umfeld der Liebe gut dazu passt: Wir denken immer, der andere könne doch anders. (wenn er/sie nur wollte!) Aber was ist mit uns selbst? Können wir auch anders?

Mensch: neu

Ein kleines Zettelchen kreuzt meinen Weg, das ich kenne und offensichtlich aufbewahrt habe, da es ja noch immer da ist. Darauf steht, dass, wie man mit einer Lupe oben im Bild rechts lesen kann, „ein neuer Mensch hervortreten wird, und dass der Stoff, aus dem er geschaffen wird, von andrer Natur sein wird (als bisher?) Aus Wasser und Geist soll er geboren werden und eine Zusammenfassung  aus allem Besten sein, was er sich so erworben hat.“ Offensichtlich hat mich dieser Text mal genug angesprochen, um ihn auszuschneiden, was mich nun in Erstaunen versetzt. Habe ich es für möglich gehalten? Habe ich es erwünscht? Es ist kein neuer Gedanke in der Menschheitsgeschichte, dass irgendeiner aus dem kollektiven Wunschprogramm hervortreten soll und neue Ordnungen schaffen. Ich merke auch, dass ich den Text vorher gar nicht verstanden habe als das Hervortreten eines Einzelnen, sondern als der Gedanke eines neuen Menschentypus. Man (ich?) stellt sich ja auch immer wieder mal gerne  das Erwachen einer kritischen Trägermasse vor , bestehend aus unabhängigen Individuen, das zu geistigem Umschwung führt einfach dadurch, dass ein gewisses Bewusstsein entsteht, das z.B. zu einer Ausgleichung im kosmischen Raum führt. Ist denn der kosmische Raum nicht immer ausgeglichen? Turnt nicht jede/r von uns mit eigener Ausgleichung darin herum, bis das, was wir uns vorstellen können, auch gelingt? Wie hat sich Nietzsche gefühlt, so allein und umnachtet zusammenbrechend auf düsterer, deutscher Straße, nach der geistigen Geburt des lichten Wanderers Zarathustra, den er für möglich gehalten hat. Auffallend ist das Beispiel von Hitler , den wahrscheinlich mitten im Power-Drama niemand mehr darauf hinweisen konnte, dass er wohl selbst zu der neuen Rasse großer, blonder Halbgötter-Menschen nicht dazugehören würde, hätte sich das Schauermärchen durchgesetzt. Manche Gruppen haben ihren Messias schon hinter sich, manche noch vor sich. Ein neuer Mensch ist nicht sichtbar. Kann der Mensch „neu“ sein, oder wurmt es ihn nur, dass es sich als eine Schwerarbeit herausstellt, die Schichten der eigenen Verblendung zu durchwandern mit dem bescheidenen Laternchen in der Hand? Oben im Bild links ist der vom Jainismus erträumte Mensch-Avatar. Meine Liebe für dieses Bild war mal so groß, dass ich es heute noch spüre. Die vollkommene Ausgleichung zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen! Die goldene Kobra im Hintergrund als ein Zeichen des Erwachtseins! Ich sehe und schätze noch immer diesen Versuch, geistiges Wesen in einer Form darzustellen. Aber nicht nur sind für und durch mich die künstlichen Himmel verschwunden, sondern auch die künstlichen Höllen haben sich zurückgezogen. Aufenthalt im Nu!

kunstvoll

 

Das Wort „kunstvoll“ musste ich jetzt wahrlich ausbrüten, damit es nicht, wie zB. das Wort „Kunst“ es kann, nämlich  in die Schluchten und Abgründe oder auch die exzentrischen Hochbauten, oder natürlich auch in die feinsten Gemütslagen wahrgenommener Schönheit oder gekonnter kreativer Darbietung usw führt…nein, ich wollte nur den Weg der Schnecke preisen, die mir heute früh ins Auge fiel, und ich durch die Hineinversetzung in den Raum, den sie durchkroch, mir über die Dimensionen dieses Vorganges bewusst wurde. Diese Geschöpfe leben um uns herum und leisten Unvorstellbares. Im an unser Haus angrenzenden Wald stand ich mal stumm und staunend vor einem winzigen Ding, das sich an einem mindestens 5 Meter langen,  selbstgedrehten Faden um sich selbst drehte in einem so unermesslich weiten Raum zwischen zwei Bäumen, sodass man es ruhig Akrobatik in Höchstform nennen kann. In den Gärten der Welt und ihren Wäldern, den Bergen und den Wüsten, und was sich auf diesen Ebenen des planetarischen Seins abspielt, und vor allem auch, was wir bei unserer Wahrnehmung dieser Wunder empfinden und wahrnehmen, und zu was es uns anregt, und wodurch und wofür es uns Flügel verleiht, kann sich ohne jegliche Garantie auch verdichten  zu Kunst! Denn dass sie herausgeboren sein muss aus dem großen Leib, steht außer Frage. Ein anderes Mal bin ich durch einen Wüstenbereich gewandert, nur Sand, wie man so gerne von der Wüste sagt, da musste ich pinkeln. Unten angekommen, fiel mein Blick auf einen Schatten. Oho, dachte ich, was kann hier Schatten werfen? Es war ein so winziges und filigranes Tier, dass ich es ohne Schatten gar nicht hätte sehen können, und dann sah ich mehr und mehr, Pflänzchen wie Bäume und weitere Lebewesen, ein reges Hin und Her und mächtiges Beschäftigtsein mit dem Lebensplan. Das alles unter schwersten Bedingungen, denn wie für mich, so waren sie auch für Kamele und Kühe und Menschen nicht sichtbar, und hatten doch alle die Kraft und Erfahrung des Daseins. Was sich da in mir abspielt: könnte ich es spielen, wenn ich Schauspielerin wäre?, könnte ich es malen, wenn ich Malerin wäre?, singen, wenn ich Sängerin wäre?, die Poiese in Poesie verwandeln und durch den Transport der Worte spürbar machen, was einmal in meinem System so eine Wirkung hatte, dass meine Augen jetzt sehen, wohin ich trete, auch wenn ich Vernichtung nicht wirklich verhindern kann.

 

 

D.H Auden

Wystan Hugh Auden

Wenn der Gesang der Geschichte abbricht, und
Armeen mit ihren ehernen Debatten die nun
folgende Leere ordnen, ohne ihr je einen Sinn
verleihen zu können, wenn Notwendigkeit sich
mit Entsetzen paart und Freiheit mit Langeweile,
dann steht es gut um das Bargewerbe.
Die Welt braucht ein Bad und reichlich Ruhe.
Wir tappen im Dunkeln. Wir kennen nicht
den Zusammenhang zwischen der Uhr, der
wir gehorchen müssen, und dem Wunder, an dem
wir nicht verzweifeln dürfen;
denn wir können ja mit den Gefühlen,
die wir haben,
einfach nicht begreifen,
wie der wilde Löwe wandeln
soll mit dem sehnsüchtigen Einhorn,
und wir werden’s nicht, bevor der letzte
Schiffbruch uns von unserer Person trennt.
Lieber zugrunde gehn
als uns ändern.
Lieber sterben in unserer Angst,
als das Kreuz des Augenblicks
annehmen und auf unsere Illusionen verzichten.
(Haben wir, die Vernetzten, das Kreuz
des Augenblicks tragen gelernt?)
Ich muss fort mit meinen Schrecknissen,
bis ich singen gelernt habe.
Ist Gott das stete Gegenüber, dem all unser
Nichtwissen gilt?

 

Noch x: D.T.

Klar, nur weil ich zufällig gehört habe, dass die ersten 100 Tage des neuen amerikanischen Machthabers Donald Trump über die Weltbühne gegangen sind, muss ich entscheiden, ob ich dazu was sagen will (oder nicht). Der verblüffend einprägsame Satz „Make America great again“ muss in sehr vielen Psychen eingeschlagen haben, denn sein Echo tönte aus den verschiedensten Ecken der Welt hervor, allerdings in sorgfältiger Abwandlung wie: „Make Potsdam great again“ im Feuilleton der FAZ, oder auch „Make the intellect great again“, die Überschrift eines Artikels von Bernd Hüppauf. In Indien begegnete mir bei aller Kenntnis des hinduistischen Denkens das doch sehr Überraschende. In der „Times of India“ (ich hatte schon mal davon berichtet), wurde Trump mit der ihm typischen Fingerhaltung der rechten Hand (Zeigefinger und Daumen berühren sich) abgelichtet und die Ähnlichkeit mit dem „Wissens-Mudra“ an einem Brahmenanschopf herbeigezogen und ihn, Trump, kurzerhand zur Inkarnationfigur einer neuen Zeit deklariert: Einer kommt, der Haare hat wie die Sonne und mit einer groben Sprache spricht! Kurz, ein neuer Gott, der Gott Indra, der nämlich kommen wird, um „Svarg“, den Himmel, wieder „great“ zu machen (wenn die bösen Dämonen verjagt sind). Der hinaustrompetete Satz ist also in viele Gemüter gesunken, vielleicht könnte man  d a s einen kollektiven  Welt-Schmerz nennen, wenn man bedenkt, wie viel auf dieser Erde „great“ sein könnte, wenn….wenn was? Wenn es die kleine Horde der narzisstischen Persönlichkeitsgestörten nicht gäbe, die sich auf künstlichen Thronen breit gemacht haben und mal hier ein Bömbchen, mal da eine schlanke Rakete abfeuern, damit der Seelenbruder auch weiß, wer wer ist.!?  Und wir, die Zuschauerinnen und Zuschauer wissen ja, dass das nichts Neues ist. Es ist nur, dass es in unserer eigenen Zeit passiert, und wirklich, es gab nie eine (mich?) zufriedenstellende Antwort auf die Frage: Wie konnte das geschehen!? Eben  d a s, was sich keiner vorstellen möchte, bis es da ist, und es dann oft zu spät ist. Zu spät für was? (es ist nie zu früh, und selten zu spät….fällt mir da ein…ein super Werbespruch!) Genau, es ist eben immer rechtzeitig, wenn man die Verantwortung für sich selbst übernimmt, für jedes Wort, jede Handlung….Auch wir können innere Bomben auf Andere abwerfen, können in Wortgefechten Wunden verursachen, und können auch entwaffnendes Lächeln erzeugen und hochpolitische Entscheidungen treffen. Das und das und das werde ich mir und Anderen nicht (mehr) antun! Vernunft und Wille in bedeutsamer Positionierung. Was ist los mit uns Menschen, dass wir von einem kindischen Dummkopf unterhalten werden müssen, und uns dazu noch fürchten können, dass er das Spielzeug verwechselt. Great  a g a i n ???? War schon „great“? Die Bühnenausstattung ist großartig, kein Zweifel. Aber war denn das Spiel schon mal so großartig, dass man um sich schauen konnte und ……nirgendwo war Krieg?…und alle hatten genug zu essen…….?

 

 

Weltfreude

Würde ich das Wort „Welt-Freude“ in einem Gespräch aussprechen oder auch hier im Blog mich dafür entscheiden, kann ich davon ausgehen, dass ein anderes Hör-System automatisch das Wort „Welt-Schmerz“ hinzufügt. Ein CIA-Agent, der sich einst unter „uns“ gemischt hatte, um unser Leben und Treiben zu beobachten, beschrieb diese Fähigkeit des Menschen als seine ganz besondere. Sein Beispiel war, dass, wenn ich aus Versehen „Jakob“ sage, du verstehen kannst, dass ich John meine. Das kann eine Maschine m.E. bis heute nicht, obwohl es sehr gut sein kann, dass ich mich irre. In einer Zeit, wo einem jwd (janz weit draußen)-arbeitenden Japaner von seiner Firma eine Roboterfrau mitgegeben wird, damit er sich nicht so allein fühlt, ist alles möglich. Es war schon immer alles möglich, nur die Mittel erweitern sich ständig. Man sieht, zu was der Mensch alles fähig ist. Es kommt darauf an, über was man staunen will, oder sich beklagen, oder traurig sein, oder hinabstürzen in die Tiefen der Urpsyche, oder sich aufschwingen in alles Mögliche: Kunst zB. Poesie, Musik, Therapie oder Meditation, was auch immer geeignet scheint. Auch da gibt es Grenzen, oder „Konturen“, wie ich es lieber nenne, wo man wachsam sein muss, wann das Eine fast unmerklich in das Andere schwappt und zB. aus Welt-Freude schnell Welt-Schmerz werden kann. Ich habe das Wort „Weltschmerz“ in meinem Leben öfters mal benutzt und es auch in anderen Ländern stolz gepriesen als ein Wort, dass es nur in der deutschen Sprache gibt. Ich bin ja der heimlichen Auffassung, dass ein Mensch, der innerhalb dieser Wundersprache aufgewachsen ist, nicht so arg viel zu klagen hat, aber gut, nicht nur haben wir eine große Sprach-Nacht hinter uns, sondern ein Beharren auf dem Naiven ist auch keine Kunst. Welt-Schmerz…..hatte ich ihn? Ich war dankbar für das Wort, denn es hat etwas in meine Welt gebracht, was ich anfangs nur dunkel wusste. Die Welt als Spiegelfläche, in der ich mein eigenes Leid und meinen Schmerz im Äußeren sehen und fühlen kann, ohne mich damit zu verbinden. Das ist paradox. Und doch wird Welt oft von uns so wahrgenommen, so als hätten die Bilder, die ich dort wahrnehme und dadurch in mich hinein nehme, gar nichts mit mir zu tun. Selbst von Donald Trump konnte ich lernen, dass meine durch ihn aktivierte Gier nach noch mehr Blödheiten, die einem den Verstand rauben können, nichts ist, was ich an mir kultivieren möchte. Dazu muss ich nur Tasten drücken. Dann ist das ganze Gewimmel auch noch gleichzeitig „leer und bedeutungslos“, wie die Buddhisten sagen und damit u.a. meinen, dass w i r die Spieler-Fläche gestalten, und jede/r, die/der auf dem Planeten herumläuft, macht mit. Wir projezieren auf die potentielle Leere, wer wir sind, und das Leben, das sich für uns entpuppt, ist das von uns gestaltete. Es gibt ja immer in einer Gesprächsrunde dann jemanden, der mich zB streng fragt, was ich denn täte, wenn auf einmal eine Truppe Jihadis durch den Wald auf unser Haus zutraben würde…(frei erfunden). Ich habe mir neulich mal im Kontext meiner Gedanken über „totale Freiheit und was ich darunter verstehe“,  ein paar der hoffnungslosesten Situationen vor Augen geführt, die mir einfielen, um zu sehen, ob die Freiheit des Menschen ganz und gar gelöscht und vernichtet werden kann, und ich habe zu meiner Überraschung gesehen, dass es nicht so ist. Nicht nur sind Menschen aus Höllen entstiegen und haben sich um ihre Heilung gekümmert, sondern der Tod ist eine letzte Freiheit, auch wenn ich hier niemals behaupten würde, ich wüsste, wer ich in solchen Momenten wäre.  Bestimmte Kräfte brauchen lange Vorbereitung und frühe Weichenstellungen. Und: die Freude an der Welt….das braucht richtig Mut…Einsicht/Vorsicht/Rücksicht…überhaupt: Sicht! Und mit welcher Grundeinstellung navigiere i c h hier durch das Abenteuer, und als wer bin ich da?

Ich freue mich auch manchmal am Morgen, wenn ich unter meinen Pinseleien,
möglichst mit einem Schuss Humor, ein „Bild“ finde, dass mir geeignet erscheint.

Fenster

 

Dieses kleine Tesafilm-Fenster im obigen Bild, das schon ziemlich lange an einem unserer Fenster des gemeinsam benutzten Raumes prangt, wurde von einem Freundes-Gast entdeckt, der sich daran erinnerte, dass da mal früher, als er uns besuchte, ein Wort stand. Das ist wahr. Da stand das Wort „Begleiter“. Es stammt aus einem meiner früheren Texte, die wir in einer Performance gemeinsam gesprochen haben. Wie und durch wen es dann an das Fenster kam, weiß ich nicht,  aber unter uns war ja der Text dazu bekannt. Ich kann ihn hier auch gerne nochmal nennen, denn als wir dann heute einzeln nochmal durch das kaum sichtbare Fenster schauten, sagte jemand, der Text wäre ja auch in dieser Sichtweise enthalten, dh der Rahmen um das, was da ist, transportiert nochmal eine andere Wirklichkeit, u.a. auch die Wirklichkeit, die wir mit unserem Blick ständig erschaffen. Ist es eine Leere, ist es eine Fülle, ist es ein Potential, ist es eine Bewusstseinsbegrenzung durch Konzentration auf den in diesem Nu in jeder/m Einzelnen vorhandenen Zustand.?
Ich bin mein Blick, kein Zweifel. In der Sichtweise, wie auch immer und durch was geprägt, formt sich ohne Pause mein Bild von mir und der Welt und den Menschen, denen ich mit diesem Blick begegne, egal, wie weit die Wirklichkeit eines Anderen davon abweichen mag: die Resonanz auf das Bild und den Blick, den ich vermittle, besteht in erster Linie aus meiner Verantwortung für die Substanz, die sich hinter meinem Blick verbirgt. Ja, es gibt Menschenkennertum, aber nicht wirklich die Kenntnis von Menschen ohne die Kenntnis von mir selbst. Jemand sagt: das ist eine kleine Gruppe. Es stimmt. Es gibt viel größere Gruppen, wo sich Menschen zusammentun, um ein Gedankentum  zu vertreten. Doch unsere  „kleine“ Gruppe ist ja nicht zusammen im Sinne eines Zusammenhaltes wie zum Beispiel im Familienbündnis der meisten Kulturen. Diejenigen mit dem Interesse an der Selbsterkenntnis müssen sich ja erst einmal an sich selbst schulen, und mit guten Lehrern ( wer auch immer das jeweils sein mag) durch die Tücken und Abgründe der Selbsterkenntnis, bzw. auf dem Wege dort hin navigieren. Praktizierte Yoganautik also, mit Verlaub, meine Eigensprache: die Kunst, im Ungewissen sicher zu navigieren. Das mag wohl aussehen wie eine Solo-Performance, aber das ist eine vollkommene und oft vorkommende Fehlsicht. Denn ich brauche die Zulassung der Welt und das Zugelassensein durch die Anderen, um von den vielen gefährlichen Wegen isolierter oder auch nur vermuteter Ichheit  wieder auf freie Bahnen zu kommen, wo mein Sein eine lebendige Chance hat zur Entfaltung. Wir sind also ein loser, internationaler Haufen, der all seine Erweiterungen im Ungewissen hat, doch wenn wir uns treffen und finden, verstreut, wie wir alle sind auf der Welt, dann kann das sehr schön sein, und man staunt doch oft genug über die Einfachheit, mit der sich komplexes Sein miteinander entfalten und enthüllen kann.

Wir sind Begleiter.
Unsere Sprache weist hin
auf die Gärten des Augenblicks,
wo das Geliebte sich findet.
Dort trifft, ohne Widersacher,
das Selbst die Vorboten
des Leisen.

rückwärts

 

Ich habe mich schon öfters mal in meinem Leben sagen hören, dass ich keine starken Neigungen entwickelt habe, in meiner Vergangenheit und den dazugehörigen Geschichten herumzudenken, oder Geschehenem nachzuhängen, oder Erinnerungen in Häusern und Kästchen aufzubewahren, aber natürlich habe ich von alledem etwas getan. Geschichten erzählt, Anekdoten zu Unverrückbarem gefrieren lassen, obwohl öfters noch ganz andere Dinge darin enthalten waren, die vermutlich aufschlussreicher gewesen wären als die Anekdote. Wirkliches Interesse am Aufschluss kann m.E. erst dann geschehen, wenn unterschieden werden kann zwischen der Schicksals-Geschichte, die man in vielen Variationen darbieten kann, wenn man möchte, oder man zB über Erzählkunst verfügt. Wen kümmert’s schon, ob etwas „wahr“ ist oder nicht, wenn ich mir das Wort selbst noch gar nicht erschlossen habe, und ich unterscheiden kann, ja, zwischen dem Erzählen meiner Story und der Wahrnehmung der „Störfaktoren“ darin, dh, d e r Störungen, die sich als Muster auf mein Sein niederlegen und es infiltrieren und ich mir langsam angewöhne, meinen Umgang damit als eine Identität zu prägen, anstatt mich darum zu kümmern. „So bin ich halt!“ galt in meiner Meditationsausbildung als der schlechthin ungünstigste Satz für Selbsterkenntnis, denn er verhindert die mögliche Erkenntnis, dass ich vielleicht gar nicht so bin, wie es scheint, sondern erstmal ein durch Störungen festgehaltener Mensch bin. Auch das nicht notgedrungener Weise, obwohl man mit einem gewissen Staunen feststellen darf, dass sich die Utopie vom gar nicht gestörten Kind durch die lieben Eltern ganz schön selten umsetzt. Da geht es den Kindern in Indien manchmal besser, denn in den Großfamilien finden sich immer welche , die irgend eins der Kinder besonders lieben, auch wenn das Eheglück der Eltern kein Teil des Programms ist wie vielleicht hier. Im Westen ist ein Kind doch verloren, wenn es diesen zwei Menschen nicht gelingt, ein förderliches Seinsfeld für das Kind aufzubauen. Und wie häufig findet man schon förderliche Seinsfelder vor?  Da könnte ich mich jetzt richtig gut reinvertiefen, aber eigentlich hatte ich einen anderen Ausgangspunkt. Und zwar bekam ich eine Nachfrage aus Amerika von einem Mann, der ein Buch machen möchte über den Mann, mit dem ich in Kathmandu einst mal 9 Jahre gelebt habe und der vor einigen Jahren in New York verstorben ist. Der zukünftige Autor wollte meine Story mit besagtem Künstler haben, und ich sagte ein paar wenige Worte dazu. Dann wollte ich nicht mehr. Da lag sie groß und breit vor mir, die Geschichte, und sie birgt unendlich viel Material, einerseits als Zeitdokument, darin die LSD -Forschung, darin der lebende Karmapa, darin mein Geigenspiel etc, alles reichhaltige Welten, die gelebt und lebend reflektiert wurden. Aber ich will sie nicht herauspuhlen aus ihren Kontexten und überhaupt, wen oder was das interessiert, das möchte ich selbst entscheiden und Meisterin über mein Schicksal bleiben. Ich danke Ihnen für die Nachfrage. Ich bin aus dem Musen-Reich ausgestiegen.

Das linke Bild zeigt die Auflösung einer Musen-Identität im Gesicht einer Frau, das rechte Bild zeigt einen Seins-Händler bei der Arbeit. Wer meinen Humor nicht kennt, wird das schwierig zu finden finden.

zu/lassen

Es gibt so Worte wie „einlassen, zulassen, loslassen“, die einen unterwegs zu unterschiedlichen Zeiten nerven oder erfreuen können. Besonders „loslassen“ wurde ein Erfolgsschlager der verbalen Wissensvortäuschung, bis man selber in die Nähe der ungeheuren Kraftanstrengung kam, etwas wirklich „loslassen“ zu können. Z.B eine Neigung, die man an sich selbst entdeckt und gerne verändern möchte, aber merkt, dass man irgendwo damit hängt in  der eigenen Geschichte und ich mich früher oder später dem betreffenden Punkt in meiner Story  widmen muss, auch wenn ich ihn als Identitäts-Kult oder „Besonderheit“ verkauft habe. Oder auch andere Zugänge finden, die „Verhaftungen“ in freieren Zugang transportieren können. Dann gibt es die kulturellen Bedingungen, die wiederum bestimmte Formen und Phänomene und Gegebenheiten erschaffen, die einander sehr fremdartig erscheinen mögen. In Indien ist es eben nicht möglich, sich an der Wirkung einer persönlichen Psychoanalyse zu erfreuen oder Unterstützung zu finden in einer therapeutischen Behandlung, wo die Chancen zu psychischer Heilung doch sicherlich mehr gegeben sind als die Einstellung, das Leben sei halt auch von Wahnsinn und Leid geprägt, was soll’s. Nur ist das indische Leben nicht von tiefem, persönlichem Interesse am Anderen geprägt, sondern von der Aufmerksamkeit auf gemeinsames Schalten und Walten in den Großfamilien, wo viele Menschen auf engem Raum miteinander auskommen müssen. Hier im Westen dagegen wurde die Ich-Form geprägt und erforscht und zugelassen als vorherrschender Anspruch auf ein selbst gewähltes Leben, das man ja hier zumindest für möglich hält. In der Tat ist es „die Qual der Wahl“, wenn Möglichkeiten und Vorstellungen unbegrenzt scheinen, die Umsetzungen aber der eigenen Vorstellung nicht (mehr) entsprechen oder sich schwerwiegender zeigen, als man dachte. Es ist also ein Glück und „gutes Karma“, wie die Inder sagen würden, wenn man um sich schaut und das Leben, das man erzeugt hat, mit Freude und Wohlwollen betrachten kann. Dazu gehört sicherlich, dass man sich im Augenkontakt mit denen, mit denen man lebt, auch d i e eingeschlossen, die man im erweiterten Kreis liebt,  eine Freude oder einen Zuspruch finden kann zu eigener Resonanzbereitschaft….Oder ist  das auch schon zu fixiert, also eher ein Gefühl des eigenen „Zulassens“ förderlich ist, in dessen Raum man aufatmen und hervorkommen kann und das Verborgene, das in einem schlummert, auftauchen kann und teilnehmen am Spiel, statt sich eben nicht zugelassen zu haben oder nicht zugelassen  zu werden zu dem verborgenen Reichtum der Wesen. Die Entscheidungsklarheit, ob etwas für mich „Ja“ oder „Nein“ ist, muss immer bleiben. Dann kann ich ja offen sein für das Daseiende, denn ich kann mich schützen und verantwortlich mit mir umgehen. Muss ich aber ablehnen und mein System verschließen und kann nicht zulassen, wer und was ein Anderer ist, dann gibt es Stoff zum Denken. Ich meine jetzt d a s Denken, das direkt in den Augenblick führt.

Es war einmal

 

Es war einmal ein Erleuchteter, der ging leichten Herzens
seines Weges dahin, denn auf dem Marktplatz des
Wünschens und Wollens fiel er nicht weiter auf. Da ergriff
ihn ein tiefer Schmerz. „Was ist denn das nun schon wieder“,
murmelte er vor sich hin, „ich dachte, ich hätte die
Schmerz-Ebene hinter mir gelassen!?“ Da sich nun in seinem
Seins-Raum wieder ein Hinten und ein Vorne auftaten,
fand er sich in abgründigem Tal und genoss die
erfrischende Müdigkeit simpler Vorgänge. Aber wie lange
konnte das anhalten, wenn Gaukeln und Gambeln nicht mehr
vor ihm selbst verborgen bleiben konnten, denn er sah,
was sich in ihm abspielte. Auch war ihm bewusst, dass alles
sich abspielte, so gut es konnte, und auch seine Spule nur
so gut war, wie er sie selbst abspielen konnte. Da war keine
Zeit zum Proben, das war konstante Premiere, absolutes
Theater im pursten Sinn, unsterbliches Training im Umgang
mit den uns umgebenden Kräften. Da erinnerte er sich
zenschlagartig daran, dass weder ein Drin noch ein Draußen
beweisbar waren, wie die Entkernung einer Idee, die ihre Zeit
im Pudel erfüllt hatte. Da erschien ihm auf einmal alles in
dermaßen gleicher Gültigkeit, dass  er dadurch erwachte und
sich wohl gestimmt vorfand.

Demo

Mir fällt auf, dass ich diese 4 Buchstaben (Demo) in Indien so oft in dem Demonetisierungsplan der indischen Regierung gesehen habe, wo oft scherzhaft das Wort „Demon“ herausgehoben wurde, und habe gerade entdeckt, dass zwar in „Demo“ noch kein Dämon steckt, aber in Demonstration  un „monstra“. Und heute, belehrt mich Google beim Einstieg in das Weltfenster, ist der „Tag der Erde“. Das erinnert mich wiederum an den „Tag der Frau“. Die Erde bekommt einen Tag! Wie hat sie das verdient? Und auf ihr demonstrieren heute sehr viele Menschen. Alle Wissenschaftler der Erde sind schon auf den Beinen und draußen in der wilden, fremden Welt, um mehr Achtung für die wissenschaftliche Arbeit zu bekommen. Alle Achtung! Wo soll man hinschauen? Hinauf zum Raum-Müll, oder hinunter zu den Affen. Überhaupt zu den Tieren. Du (ich) wirst doch hier den Fortschritt nicht vergessen! Willst du vielleicht…….nein, will ich nicht. Nicht mal vor Paracelsus will ich blicken. Weder auf das Eine noch das Andere will ich blicken, denn in der Tat, es ist alles bereits da. Die Linken und die Rechten und die Mäßigeren und die Unmäßigen sitzen heute in großer Anzahl in Bussen und lassen sich ein auf ihre jeweiligen Gruppierungen. Ein 5 Star Hotel ist umzingelt mit polizeigewaltigen Stoßstangen an Stoßstangen an Stoßstangen. Ich wäre davon ausgegangen, dass ich mir keinerlei Meinung über die AfD bilden wollte, aber warum war ich dann erstaunt, dass sie im Maritim wohnen? Habe ich sie eher in einer Zirkus-Arena gesehen? Oder nirgendwo gesehen?, weil ich ihnen gar nicht begegnen möchte? Ein Freund erzählt mir, Herr Gauland sei „gegen die Vertuntung der Welt“. Da schaut man irgendwie oder irgendwo hin und weiß gar nicht, wo das ist. Einmal musste ich einer Hass-Rede zuhören, die nur in meiner Gegenwart stattfand. Sie war nicht durchgehend auf mich gemünzt, war aber für mich gedacht. Ich merkte, wie ich immer stiller und ruhiger wurde, ja, nahezu heiter. Vor lauter Staunen wurde ich total entwaffnet. Entwaffnet, ein schönes Wort. Ich erkannte etwas über mich, was ich vorher nicht wusste: ich kann meine Waffen niederlegen, wenn es sein muss und wenn das Spiel zu einem Scheiß-Spiel wird. Man baut eben für Menschen keine Fallen und lässt sie bewusst hineinfallen, damit man sieht, ob es klappt. Trotz aller Dinge, die noch zu bewältigen sind, war es gut, das zu verstehen. Ich habe Respekt für Bürger, die sich aufmachen und sich öffentlich für Frieden einsetzen. Sie verdienen Respekt. Ich bin nicht ganz und gar unbeteiligt. Heute früh habe ich von jemandem gehört, die den Stimmen von Sterbenden gelauscht hat. Die Töne, die Menschen machen, wenn sie sterben. Das geschieht nicht nur in den Kriegen, dass Menschen die Stimmen der Sterbenden hören,  sie werden an vielen Orten gehört, auch in Katastrophengebieten, wenn Hilfe nicht kommt, oder überhaupt, wenn wir Fremdlinge diesen Planeten wieder verlassen: was für Töne werden wir von uns geben…..was für eine „Zeichnung“ hinterlassen, wie es jemand anderes ausdrückte.

was wissen

Wir wissen alle so viel, das ist ja beeindruckend. Durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch wussten immer sehr viele Menschen sehr viel von allem Möglichen. Vom Töpfern, vom Schreinern, vom Malen, vom Denken, vom Deuten, vom Unterdrücken, vom Foltern, vom Lehren. Der Blick, der schnell ist und frei, prallt zB. auf Pyramiden. Ist (auch) Wissen ein regressiver Vorgang? War schon immer alles Wesentliche gewusst? Dann kommt in unserer eigenen Lebenszeit immer neues Wissen dazu. Ganz Indien ächzt unter der neuen Flut des medialen Wissens, wir Indien-Travellers haben unter der Flut des indischen Wissens geächzt, während das meditative Ächzen den Indern ziemlich fremd blieb. Vielleicht hier und da ein paar narzissistische Exzessliebhaber, die ihren Arm ein paar Jahre nach oben hielten und lächelnd zuschauten, wie er vertrocknete. Oder andere Entrückte, die 12 Jahre nur standen, bis an ihren dicken, geschwürträchtigen Beinen zu sehen war, dass sie es wirklich taten. Gerade, als sich im kollektiven Unterbewusstsein ritualfreudiger Hindus  eine große ewigkeitssatte Ermüdung anbahnte, kamen wissensdurstige Westler erst einzeln, dann stromweise nach Indien. Manche landeten in Ashrams und bei Gurus, andere lernten Chillums rauchen bei Eingeweihten. Massive gesellschaftliche Bewegungen setzten sich in Gang, die niemand mehr wirklich durchschauen konnte, da sie lange für harmlos galten. Erst als ganze Generationen nicht mehr in die Heimatstätten zurückkehrten, kamen CIA- Agenten in Gang, denen selbst das Drogenproblem nicht mehr so wesentlich schien, sondern vielmehr: was tun die alle da draußen, und wo sind sie alle überhaupt!? Nun ja, sie waren dem Wissensstrom gefolgt, mal in die kanadischen Wälder, mal an die Küsten von Goa. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann tanzen sie noch heute, auch wenn die Drogen sich entwickelt haben. Ich selbst kam nach ziemlich langen Jahren meditativer Praxis in die schockierende Erkenntnis, dass das Wissen, das wir (Vielen) leidenschaftlich am Umsetzen waren, nicht wirklich dafür sorgte, dass uns bei Rückkehr in den Westen  das menschliche Verhalten mühelos von der Hand ging. Viele Bücher wurden verfasst. Wie werde ich glücklich, wie kommuniziert man eigentlich usw….Seinsformen wurden und werden als ultimative Wahrheit ausgerufen. „Einfach im Sein bewegen“, oder ohne ein Ich weiterbewegen, ist doch grandios! Was kümmert’s mich, was die da draußen alles treiben! Dann aber, wie in einem von Leonard Cohens superben Songs, wenn der eigene Blick  auf einmal auf den Hass in den Augen des Sohnes trifft, was dann? Weiterschwimmen im Sein? Die letzte und erste Wahrheit proklamieren, als wäre sie bereits in meinem Besitz?, wie: einfach alles akzeptieren, wie es ist. Ja, wie ist es denn?

 

 

unabhängig

Heute dann Eiskristalle am Fenster. Haben die Magnolien durchgehalten? Kommen die
Kirschblüten wieder aus ihrer Erstarrung? Hätte ich doch lieber den Rosenstock abdecken
sollen! Da ich keinen grünen Daumen besitze, bringt es mich nicht um die Ruhe wie
vielleicht manche Gärtnerseelen. Ich denke jetzt manchmal an indische Freunde, die für
möglich halten, mich mal in Deutschland zu besuchen. Würden sie tagelang herumschlottern,
wenn nach sommerlichen Temperaturen plötzlich der Winter einbricht? Ich fliehe ja auch
immer gerne vor den ansteigenden Hitzegraden in Delhi in kühlere Gefilde. Auf jeden Fall
empfiehlt sich das Üben der Wetterunabhängigkeit, auch wenn es erfreulich ist, dass sich
heute der „schönste Tag der Woche“  aus dem Eis herausschälen soll. Schließlich ist die Welt
voll mit anderem, wovon es sich auch empfiehlt, nicht dran zu hängen: Nachrichten und
ihre Auswirkungen auf die Psyche, Bücher, die man nicht oder nicht mehr lesen wird,
Geschichten, die sich zu Anekdoten verdichtet haben, die Bereitschaft, Meinungen zu bilden
und sie als unverrückbare Tatsachen in die Welt zu setzen, Reisen, bei denen man denkt,
die Gefahren könnten sich dadurch erhöhen, ehemalige Freundschaften, die man enthängen
muss, die Idee, in den angesammelten DIN A4 Blättern oder den Zeitungsartikeln aus Ost und
West nochmal die gewünschte Ordnung zu erreichen. Oder die Sucht nach Unabhängigem in
Freude an Daseiendem zu verwandeln. Die Vision von einem Tatami-bedeckten Raum mit
nur einer Wurzelschönheit im feinen Sand als Richtungsweiser behalten, was soll’s. Vielleicht
werde ich am Ende meines Lebens eben nicht wortlos und staunend im Gras stehen, meine
kreativen Leidenschaften gelassen im Nichts gebündelt, aber auch davon relativ unabhängig,
sollte es tatsächlich geschehen. Es geht also hauptsächlich um ein Bild, wo nichts hängt, nichts
so haftet, dass man sich nicht weiterbewegen kann. Man merkt ja selbst, dass einem in der
geistigen und körperlichen Bewegung Besseres einfällt. Was heißt „besser“? Förderlich finde
ich ein gutes Wort dafür, förderlich für mich selbst und die Anderen, mit denen ich in diesem
Abenteuer unterwegs bin.

Die Zeichnung zwischen den beiden „Shots“, die ich gestern beim Lesen gemacht habe, ist von
Mobina, einem 6-jährigen Mädchen aus Afghanistan, die bei uns zu Besuch war und zeigt mich,
wie ich von einem Affen attackiert werde.

Garten

Wahnsinn! Das Rauschen der Bäume!
Das Grün! Ja, das Grün! In einer Ecke
der Welt ist ein Garten, in dem ich mich
reglos und wohlgestimmt vorwärts bewege
in den Reisebegleitungsgewändern.Durch
die Gehirne der Völker wandern die
Götter und erschließen und verschließen
mit ihren Schlüsseln die künstlichen
Wortparadiese. Ich aber lausche diesem
Dahinter nicht mehr und lerne vergessen,
was ewig schien. Mein tiefstes Verlangen
ist bereits in Erfüllung gegangen.
Doch noch hab ich die heilige Scheu.
Ich verstumme und staune, wenn Wunder
sich melden. Der Ernst dieser Besorgtheit
rührt an mein Wesen und lässt mein
Dabeisein reifen wie freigegebene Frucht.

Two Oceans

Man reflektiert ja nach solchen Tagen, die einiges Ungewohnte mit sich bringen, dann dies und jenes, vor allem auch erweitert durch die Beobachtungen oder Gespräche Anderer mit anwesenden Gästen erfährt man…ja was erfährt man denn?
Mir ist es zum Beispiel seit meiner Rückkehr aus Indien zum ersten Mal, auch über diesen Blog, gelungen, mein Indien-Erleben nicht nach einigen Tage meiner Ankunft irgendwo in meinem geistigen Indien-Archiv zu versenken, bis es wieder Zeit wird, das Indien-Aufenthaltsgepäckstück herauszuholen, um den Faden einer anderen Kultur mit mir drin wieder aufzunehmen. In Indien bin ich „automatisch“ in die zweite Lebensoption der Inder hineinmanövriert worden, und zwar als Soloistin im Reich der „Einzelnen“ wie Sadhus , Mönche oder Priester etc., ganz einfach deshalb, weil ich weder verheiratet bin noch Kinder habe. Auch auf diesem Weg werden bestimmte Einstellungen und Ausbildungen und Verhaltensweisen geschult und erwartet, vor allem für eine indische Frau gäbe es keinerlei Ort, ein Solo-Leben zu leben, nur weil sie nicht heiraten will. Hier in Deutschland besteht mein Freundeskreis zwar vielfach aus ja, wie sage ich das…künstlerisch interessierten Menschen, wobei das eingeschränkter klingt, als es ist. Ich bewege mich sehr selten innerhalb von größeren Familien, daher ist es auch interessant für mich, diese Erfahrung zB an solchen Festtagen machen zu können. Auf jeden Fall finde ich es anregend, von Menschen aller Altersgruppen umgeben zu sein, was übrigens auch in Meditations-Ausbildungen oft als gutes Zeichen gewertet wird. Wir haben am vergangenen Familientag auch festgestellt, dass ein „Spiel“ , das wir auf Anregung junger Mädchen alle gespielt haben, sich als außerordentlich geeignet zeigte, scheinbar Unvereinbares zusammenfließen zu lassen in Freude und vor allem in viel gemeinsames Lachen. Was Unterhaltungen betrifft, so merke ich, dass eine gewisse Müdigkeit sich in mir bewegt über die Lust an Meinungen, die wir in dieser Kultur so gerne persönlich äußern. Bevor ich aber bei mir selbst ansetzen kann, muss ich noch mal gründlicher darüber nachdenken, was für mich ein Dialog eigentlich bedeutet und wo und wodurch ich ihn förderlich finde oder auch nicht. Das Erste, was mir einfiel war, zwischen Unterhaltung und Dialog zu unterscheiden, aber wie gesagt, muss nochmal brüten. Manchmal höre ich mich auch sagen…“meine ganz persönliche Theorie…das ist auch noch eine Variante…zum Beispiel habe ich eine persönliche „Theorie“ über den Vorgang der Auferstehung, die ich mir gestern zum Glück verkneifen konnte. Zufällig war aber ein Gast bei uns, der auch wusste, dass nicht nur das Grab von Jesus in Kashmir ist, und der Abdruck seines Gesichtes auf dem Totentuch, sondern ich habe auch Bilder gesehen, wo Krishna, der indische Gott der Liebe, blondes, schulterlanges Haar hatte, eine geschichtliche Verschmelzung zwischen Krishna und Christus also durchaus möglich. Also, dass es eher so war, dass seine Freunde ihn, nachdem er abgehängt werden musste wegen Shabbath, ihn wegbefördert haben und in Sicherheit gebracht, und dort in Kashmir und Indien hat er nochmal eine Weile gewirkt. Die Inder haben ja nicht solche Probleme mit menschlichen Gottheiten. Dann auch: Auferstehung als Symbol, ja, nachvollziehbar. Es fällt Schnee im kältesten April seit Klimaaufzeichnung, aber die Natur bewegt sich ungerührt in die Auferstehung. Jedes Leben ein Sieg über den Tod, jedes Frühstück nicht nur das Gelingen des Aufstehens, sondern auch die Auferstehung aus den unbewussten Reichen der Dunkelheit in die Möglichkeit des Seins.
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Das Bild mit „Two Oceans“ kam so zustande: als ein Freund von uns  heute früh genau in dem Moment zur Tür hereinkam, als wir gerade unser Gespräch beendet hatten, und ich zu ihm sagte: good timing, denn wir haben gerade zwei Ozeane durchquert. Da erzählte er von diesem Bild, das er gestern im Rewe gemacht hatte von dem Weinflaschenetikett, vermutlich in ganz anderem Kontext. So steht es hier bei mir neben der vorüberschwebenden Familieneinheit für …ja…überraschende Momente.

Mutter aller Bomben

 

Ja wie kam’s, dass ich an die „Mutter aller Bomben“ dachte? Bei längeren Feiertagen kommt es ja vor, dass man in den verfügbaren Pausen bei sich auf etwas stößt, was man lange nicht gesehen hat. Ich meine jetzt nicht (nur) geistig, sondern auch Dinge. So bin ich auf diese beiden „Bilder“ gestoßen, die ich vor einigen Jahren mal kurz ins „Feminine“ gestrichelt hatte, und zwar sind es auf beiden Abbildungen die Pilze der Atombomben, die in Japan 1945 auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden Damals erschien ein unter meine Haut gehender Artikel über diesen Vorgang, und ich begann, meine Erinnerung zu aktivieren, was mich wohl zu der Bildfeminisierung angeregt hatte. Es war der Fakt, dass der Pilot der Maschine, der die vernichtende Waffe abwarf, sie nach dem Namen seiner Mutter benannte, die „Enola Gay“ hieß, was mir grotesk vorkam, vor allem, da die erste Atombombe „Little Boy“ hieß. Die erste Versuchsbombe sah übrigens aus wie ein Ei und wurde von den Anwesenden  in der desolaten mexikanischen Landschaft gezündet, die schon vorher „Jornado del muerto“ hieß, „Reise des Todes“. Das Ei wurde unter den Todesschöpfern „das Ding“ genannt. Vor allem aber erinnere ich mich immer mal wieder an den Artikel, weil  Oppenheimer, der Kopf der Zeugung, sich bei der „gelungenen“ Detonation  nach eigenen Berichten an einen Pfosten klammerte und hörte, wie seine Lippen einen Satz aus der von ihm geehrten Bhagavad Gita murmelten, und zwar: „Ich bin der Tod, der alles raubt, Erschütterer der Welten.“ Wen meinte er? Auch hieß der tödliche Sand, der anschließend aufgesammelt wurde, später „Trinity“. Es wurde vermutet, aber nie bestätigt, dass damit nicht die christliche, sondern die hinduistische Dreifaltigkeit gemeint war. Es wird auch berichtet, dass sie nach erfolgreicher „Mission“ sich die Hände schüttelten und jemand zu Oppenheimer sagte: „Jetzt sind wir alle Scheißkerle.“ Wie dem auch war und sei, denn die Auswirkungen gibt es immer noch, so schützt uns als Menschheit die kollektive Angst vor diesen Auswirkungen wohl mehr als das kollektive Erwachen der Vernunft. Eher darf man ein bisschen zum Abschluss der Ostertage etwas phantasieren: Donald Boy meldet sich auf Dark Room Basis bei Wladimir, der natürlich Verständnis dafür hat, dass Donald jetzt nicht nur dringend mal ausprobieren muss wie auch er, Wladimir, ob die herumliegenden Dinger überhaupt noch funktionstüchtig sind, sondern dass Donald dringendst seine Tolle-Hecht-Form darbieten muss, damit verdammtnochmal, ihn die Welt ernst nimmt und aufhört, sein blondes Haar oder Melanias Botoxlippen zu besprechen. Klar Kumpel musst du das Ding irgendwo hinwerfen, wo möglichst wenige herumlaufen. Die trifft es natürlich, what to do.

In der Zwischenzeit ist eine zauberhafte Form von Schnee gefallen. So große Flocken habe ich noch nie gesehen. Und dieses rasend schnelle Sprießen der Blüten! Jedes Jahr eine Quelle der Verwunderung. Auf einmal ein Kirschblütenmeer! Und der Magnolienbaum daneben! Auch diese Erscheinungen können einem den Atem rauben. Jetzt fällt mir natürlich noch zu den Atomfeldern ein, dass man selbst da, in der tödlichsten Sphäre menschlicher Vernichtung, hat Pflänzchen herauswachsen sehen. Weitgehend unbeirrt sprießt die Natur mit ihrer Kraft aus allem Möglichen hervor. Ich nehme es dankbar zur Kenntnis.

 

 

 

 

 

 

 

Paul Valery

Wer verlangte deinen Verlust,
Tropfen? Hieß es ein Seher gut?
Oder hat nur mein Herz so gemusst,
meint ich, den Wein vergießend, Blut?

Gleich und schon wieder wie immer
klärte durchscheinender Schimmer
von mir das Meer, drin es rötlich verrinnt…

Weg der Wein, doch die Wellen sind trunken!…
Und da sah ich den herberen Wind
vor Gestalten der Tiefe durchwunken…

kein Tanzen

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2e/BurnandJeanPierre.jpg

Wie ich höre, musste der gefolterte und nun tote Mann dann vor Shabbath vom Kreuz heruntergenommen werden. Ich halte mich bewusst auf Naiv-Niveau mit meiner Forschung, ganz einfach, weil man beim Nachschauen sofort in so vielen Geschichten und Ritualen und Religionskämpfen versinkt, dass ich weiß: darum geht es mir nicht. Prächtige Bilder, prunkvolle Riten, emotionsgeladene Filme sind entstanden. Da auf Präzision vor allem der religiösen Geschichte weitgehend zu verzichten ist, und ich religions-unverankert in den Geschichten herumwandern kann, schau ich mal, was so bei mir auftaucht.  Die Läden sind heute geöffnet. Tanzen ist verboten. Eine Engländerin ist von einem Palästinenser erstochen worden.
Heute also Grabesruhe. Man nennt diese Tage, so lerne ich, auch die Pascha-Tage, vermutlich anders ausgesprochen, als ich es tue. Die vielen fremden Worte, auf die man trifft, können in Erstaunen versetzen. Eine fremde Welt, in der ich ja auch irgendwie sitze. Sind alle um mich herum in der Nachbarschaft Christen? Oder Christinnen? Gewohnheistgemäß oder auch tief verbunden wird u.a. in die großén Tempelanlagen gepilgert. Dort ist Großes los. Bach. Menschen in andächtigem Lauschen vereint. Ich erinnere mich an meine Betrachtungen am See in Indien. Was, wenn man das alles wegnehmen würde, die ganze Schau beendet und der Mensch auf sich selbst zurückgeworfen?  Während all dieser Pascha-Tage also, in denen wir zB die Jünger Johannes und Petrus in einem schönen Bild zum Grab von Jesus eilen sehen (s.o. im Gemälde von Eugene Burnand 1898), wedelt Herr Trump mit gefährlichen Waffen in der Weltpsyche herum. Möge, über welche diplomatischen Kanäle auch immer, der sogenannte Weltfrieden erhalten bleiben. Klar ist, dass er nicht durch die Kraft der facettenreichen „Gläubigen“ erhalten werden wird, sondern wohl eher durch die Angst vor der absoluten Vernichtungskraft atomarer Waffen, die weiterhin hoch im Kurs stehen.

So, bei uns kommen heute Menschen allen Alters zu Besuch und die Vorbereitungen sind im Gange. Ich wünsche allerseits einen guten, gelungenen Tag.

 

 

3 x

Obwohl wir auch täglich von einem Hahn aus dem Nachbarhaus besucht werden, ist mir dieser Hahn im Bild von der Titelseite von „Greenpeace“ zugespielt worden, o Geheimnis subatomarer Partikel!, als ich gerade auf der Suche war nach einem Hahnenbild. Heute hat ja in der traurigen („kara“-Trauer, Wehklage) Geschichte der Hahn bereits gekräht, das muss sehr früh am Morgen gewesen sein, wenn Hähne krähen, und da, so stelle ich mir das bildlich vor, kamen die Ausführenden des diktatorischen Systems, denen der berühmt gewordene Mann schon lange ein Dorn im Auge war, und fragten: wo ist er!!!!? Da hob sich wie von selbst ein Arm aus dem Gewand und zeigte auf ihn: der da, das ist er!!! Und: “ Jetzt will ich nicht mehr er oder wie er  sein, wo alles schief zu gehen droht, sondern der da, der hat das alles angezettelt! Ja der da! Nehmt ihn mit!“ Was ich mir noch vorstellen kann, ist dass, sagen wir in Saudi Arabien oder im Iran, anno 2017, sich derselbe Arm aus einem kuttenartigen Dingsda hebt und auf eine Frau zeigt, die zur Vernichtung gereizt hat: Die da! Die war’s. Die hat mit wem auch immer dort das Unausprechbare getan. Alle sind sich einig, das braucht keine Nachfrage, denn es ist klar: Die muss öffentlich gesteinigt werden. Wer den ersten Stein wirft, ist in diesem Umfeld ein Held. Anderen lockert es die Lust an der Vernichtung, die latent im Menschsein vorhanden ist, wenn man ihrer nicht Herr wird. Man schmeißt also zusammen genügend Steine auf die Frau, bis anzunehmen ist, dass sie tot ist. Dann macht man einen Feiertag draus. Klar, dass war kein Sohn Gottes. Sie konnte nicht übers Wasser schweben, auch Lahme hat sie nicht wieder zum Gehen gebracht, ganz zu schweigen von wiedererweckten Toten. Aber dass sie ein Mensch war, kann keiner bezweifeln. Man spielt also die Geschichte jährlich nochmal durch, benutzt für die Steinigungsspiele natürlich keine harten Brocken, sondern vielleicht Styropor. Auch das Blut ist natürlich künstlich. Man kann ja das blutige Tuch von ihrem zertrümmerten Schädel in einem ornamentalen Rahmen aufbewahren und durch die Straßen tragen, sodass alle immer wieder was erfahren. Das würde mich schon interessieren, was die sogenannten „Gläubigen“ alles so erfahren, wenn der Papst zB den Leidensweg mit ihnen durchgeht. Sind sie in dem Stück die, die am Straßenrand stehen, den Stein noch versteckt in der Hand, und zusammen glotzen, wisserisch tuscheln und lachen!? „Ach der!!!, wusste ich doch, dass mit dem was nicht stimmte!“ Oder waren sie die, denen es leid tat, dass sie trotz seiner Aufforderung alle eingeschlafen sind in der letzten Nacht vor seinem Tod? Ich hatte schon immer was dagegen,  Leid zu verherrlichen. Sich erst um das eigene kümmern, ja, empfehlenswert. Dann weiß man, dass danach lange nichts kommt, bevor man sagen kann, man „verstehe“ das Leiden der Anderen. Und: „Er lud auf sich unsere Schmerzen!!!!!???? Konnte er das? Kann er das? Das sagt man auch von Shiva, dass er das Gift der Anderen geschluckt, also auf sich genommen hat. Leider merkt man herzlich wenig davon in der Bevölkerung. Wird dem Gift eine Chance gegeben, sieht man doch erst, was wirklich los ist. Al-Haladsch, einem islamischer Mystiker wurden, weil ein Satz dem mächtigen Irgendwer missfallen hat,  erst die Hände, dann die Füße abgehackt. Dann wurde er auf einem Baumstumpf gekreuzigt. Jemand kam vorbei und sagte: Was ist Mystik? Halladsch sagte: „Ihre niedrigste Stufe ist , was du hier siehst.“

(Grün) Donnerstag

 Ob unterwegs als Nicht-Christin oder als Nicht-Hindu, so bekomme ich doch mit, wenn in beiden Welten etwas besonders Heiliges im Gange ist. Wenn ich Hindus direkt befrage, zB „wann ist es denn nun genau“, erhalte ich meist vage Antworten, denn alle werden langsam aber sicher durch Andere informiert über das Näherkommende, oft auch kurz bevor die entsprechenden Gänge dafür geleistet werden müssen. So auch hier. Ach, schon wieder Ostern, sagt da jemand, oder ich will kurz im Aldi einen Bio-Mozarella holen und stehe etwas länger als geplant vor derart überladenen Einkaufswägen, die signalisieren, dass wegen der nahenden Feiertage gefürchtet wird, man könne unversehens aus Mangel an Esswaren verhungern. Es kommt dann auch vor, dass ich etwas genauer wissen will, diesmal war es über das „Grün“ im Donnerstag, was das Dargebotene eigentlich bedeutet. Es ist ja einfach. Man drückt ein paar Tasten und schon wird man wissensbetäubt. Ich erfahre also, dass niemand weiß, woher das Grün kommt. Es wird aber einiges vermutet und zu verschiedenen Zeiten dies und jenes eingeführt, was vorher nicht da war, und so entsteht summa summarum auch am Gründonnerstag eine gewaltige Gelegenheit, an Großem und farbig Kostümiertem teilzunehmen.  Warum allerdings gleichzeitig mit dem nahenden Grauen der Tat gegen den Schuldlosen überall Osterhasen und Eier zu suchen und zu finden sind, habe ich nie wirklich verstanden,  es kommt einem auf jeden Fall nicht trennbar  vor. Auf jeden Fall bringt es in die vorgeschriebene Trauer etwas Frohsinn. Ja, und abends wird es dann ja schon ziemlich düster. Was haben sich Künstler seither abgearbeitet an diesem Abend-Event! Wo wohl dieser große Tisch herkam, an dem sie alle saßen, die 12 Männer mit dem Auserwählten? Oder hat diesen ersten Stammtisch der christlichen Welt auch der Künstler erfunden, weil es ihm edler oder leichter darzustellen erschien, als alle auf dem Boden herumlagernd zu malen ? Und obwohl der heilige Sohn schon einiges Wunderbare geleistet hatte, kann man sich ja auch damals eine Atmosphäre des menschlichen bzw männlichen Zusammenhalts ohne inneres Konkurrenztoben kaum vorstellen. Weiß man bzw ich eigentlich, wo sich Maria und die andere Maria zu der Zeit aufhielten? Oft sieht man auf dem Tisch ja einen Weinkrug, der vielleicht gefüllt werden musste? Auf jeden Fall kann die Atmosphäre nicht besonders heiter gewesen sein, denn der hohe Sohn des Vaters wusste ja bereits, dass bald ein Hahn 3x krähen würde, und er von einem der Männer verraten. Es ist schwer für Menschen, sicher zu wissen, dass ein andrer Mensch der Sohn Gottes ist. In Indien in meinem Dorf gibt es die von Polizei und hohen Sandsäcken geschützte Halle einer jüdischen Glaubensgruppe, deren auferstandener Messias schon vor ein paar Jahren kam und in Brooklyn lebte, dann  auf verhältnismäßig normalem Weg verstarb. So kann es einem auch im Hinduismus ergehen: auf der einen Seite des Glaubens sitzt Shiva immer noch mit Parvati/Kali/Uma/etc. auf einem Berg und führt mit der Facettenreichen tiefe Gespräche, auf der anderen Seite des angeblichen Wissens ist er nur ein winziger Punkt außerhalb des Weltalls (Oder auch drin?). Viele Menschen möchten sehr gerne viele Feiertage haben, egal, was da los ist, damit sie mal ausschlafen und durchatmen können und die Kinder zu den neuen Videospielen schicken. Das ist natürlich nur bei uns hier möglich, weil es an christlichen Sonn-und Feiertagen  draußen so entmenschlicht wirkt durch die Totenstille der traumatisch blockierten Konsumgesellschaft, dass man sich in der Familie gerne auch mal umschauen kann. In Indien kann auch sonn-und feiertags eingekauft werden, niemand kümmert sich drum, wer auf und wer zu hat. Meist haben alle auf, schon weil sie es zuhause nicht aushalten. Was soll man denn da ohne Arbeit machen? Die, die wissen, was sie an solchen Feiertagen machen, sind geübt darin. So einen gelungenen Karfreitag hinzulegen stelle ich mir für Christen gar nicht so einfach vor. Ausschlafen oder trauern? Und wie und um wen trauern? Es passiert ja erst morgen, dass alles noch viel schlimmer wird. Der Hahn kräht erst morgen. Morgen ist auch noch ein Tag. Heute ist Vollversammlung am Tisch. Brot und Wein. Judas geht noch davon aus, dass seine Performance ihm keinen persönlichen Schaden anrichten wird.
  •  Bild: Tanz der Toten“, Passionsspiel am Gründonnerstag in Verges in Spanien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

freie Fahrt

Der Windjammer Alexander von Humboldt © www.gruene-segel.de

Als ich vor (vielen) Jahren im indischen Dorf etwas eingesiedelt und angesiedelt war und allmählich andere „Foreigners“ eintrafen und auch länger blieben, fragten mich die Einheimischen öfters erstaunt nach westlichen Vorstellungen von „Freiheit“. Für Hindus war es z.B. undenkbar, dass ein Mensch, der ab 10 Uhr aufsteht und dann irgendwann aufs Klo gehen muss, „frei“ sein kann. Der Busfahrer, der indische Menschen in einen Morgen hineinkutschiert, weiß genau, wann alle w a s müssen, und zwar, wenn auch er nach indischen Traditionsvorgaben muss. Die Freiheit, die ein Inder oder eine Inderin erfährt, ist die Freiheit, die Bürde des Schicksals, das sich im Laufe der Zeit zu erkennen gibt, auf angemessene Weise zu handhaben. Daher verblüfft es sie, wenn ein Mensch, den die westliche Gesellschaft ja ziemlich „frei“ lässt zu entscheiden, sich der Meinung des Kollektivs nach nicht „angemessen“ verhalten kann. Das bedeutet: gemäß sorgsam reflektierter Werte, die durch die Jahrtausende des menschlichen Verhaltens noch optimiert werden konnten. Der westliche Mensch trägt aber genau die gleiche Bürde, nur in anderer Kostümierung des Gedankentums. Im Westen ist ja das sogenannte „Ich“ gründlich hervorgelockt und stabilisiert worden. Und nun darf man sich drum kümmern und darf, gleichermaßen als Frau und als Mann, gründlich darüber nachdenken….ja über was denn, über was denken die meisten“ freien“ Menschen im Westen eigentlich nach.(?) Es gibt ja nach wie vor  exzellente Vordenker/Innen, und zur Optimierung des Seins gibt es ebenso viele anlockende Angebote wie zur Heilung all der seelischen und geistigen Wunden, von denen ein westlicher Geist notgedrungenermaßen ausgeht, da er überall mit Wunden in Berührung kommt. Oder er fällt dem erholsamen Gleichmut anheim, wo aufgetankt werden kann zu neuem seelischem Aufschwung. Vielleicht kommt deshalb die Wortschöpfung „fly sein“ als Jugendwort des Jahres gekürt, aus kollektiver Erfahrung,  denn hier geht immer jemand oder etwas ganz besonders ab. (Ist frei sein fly sein?) Inder fliegen auch ganz schön ab von ihren kulturellen Positionen, aber das Kollektiv, mit naivsten Formen der Gläubigkeit an die lebensspendenden und erhaltenden Rituale gebunden, hält die ständig dahinter brodelnde Anarchie noch im Zaum. Überall kann man sich, wenn man möchte, auch aus zutiefst persönlichem Interesse, in der Menschheit nach „freien“ Menschen umsehen, was eher einer Schulung der Wahrnehmung gleicht, was ich überhaupt selbst unter „Freiheit“ verstehe. Dieses  Jahr in Indien ist mir noch klarer geworden, dass das Heraustreten des Individuums aus dem Pulk der Gesellschaften, seien es Religionen oder Familienbünde oder Industrieunternehmen usw. erst ermöglicht, sie als Konstrukte zu erkennen, wodurch die Frage nach“Drin-oder Draußensein“ relativ unbedeutend wird. Bedeutend wird aber die „Verantwortung“, ein Wort, das ich gerne durch ein anderes mit dieser Bedeutung ersetzen würde, wenn es eines gäbe, was weniger schwer geladen ist. Die Verantwortung für das eigene Vorhandensein also. „Verantwortung“ bedeutet ja nur „Antwort geben können“, in meinem Sinne auf das, was man als Freiheit versteht, und was einem, auch unabhängig von persönlichen Meinungen, als letztendlich situativ angemessen erscheinen mag im Umgang mit Menschen. Ich denke, wenn Freiheit und Verantwortung zusammenfließen, ergibt sich daraus ein kreatives Potential, das zu angemessener Resonanz auf das jeweilige Geschehen in der Lage ist.
Den Artikel über die Jugendsprache und die jährlich prämierten Worte habe ich monatelang in meinem Gepäck herumgetragen. Mich interessieren neue Worte, die im Sprachgebrauch auftauchen, da ich selbst Worte kreire, wenn ich das bisher Verfügbare für mich erweitern möchte. Noch ein Wort, das mir gefallen hat, war „Niveaulimbo“(2010 prämiert). Das Versinken eines gewissen Niveaus, dem man bei der abenteuerlichen Reise in der Navigation immer mal wieder ausgesetzt ist, sollte durchaus ab und an als Gefahr gedeutet werden.

(auch)&(u.a.)

 

Die, die still sein wollen, reden.
Die, die schweigend sich bewegen,
haben keine Wahl. Denn ihr Innerstes
muss sich nach außen kehren, bis sich
gesagt hat, was sein will, und dann
noch darüber hinaus.
Im Hinaus der Weitblick ins Unsagbare,
eben hinein in die wortlose Tragweite, und,
gespannt hineinhorchend in des dunklen
Urleibs tönendes Ohrgebilde: das sich
Gebärende der ohnmächtigen Macht:
das Wort
und der Name,
mit dem ich dich rufe
und dich hervorlocke aus
der sich nur langsam
erhellenden Schwere
verwundeter
Schweigsamkeit.

War/Krieg

Letztes Jahr im November, als ich nach Indien flog, war der Krieg in Syrien auch schon jahrelang am Toben. Jetzt hat er noch an Schwung zugenommen. Das halbe Volk ist auf der Flucht. Immer war Krieg. Oder war mal überall keiner? Gibt es unermessliches, den Verstand sprengendes Leid, damit unser Mitgefühl aktiviert bleibt? Wir mitfühlen können!? Oder gibt es einfach immer wieder unermessliche Dummheit verdrossener und verbitterter oder machthungriger Geister, denen der Aufruf zur Waffe in jeglicher Form gerade recht kommt, um ihrem ihnen selbst unbedeutend vorkommenden Leben einen der vielen illusionären Heldentaten zuzufügen, von denen Geschichte voll ist? Am Wochenende saß ich in einem Saal vor vier Syrern und einer deutschen Moderatorin, die arabisch sprach, und wir hörten von schreibenden Menschen ihre Erfahrungen aus den Städten, die durch die Nachrichten und unsere Systeme geistern: Homs – Rakka – Damaskus. Wohl all denen, die Wege schon hatten oder durch das Grauen finden, um sich auszudrücken darüber, und wer das Translatierte lesen will, der lese. Es wird viele Bücher geben über den Krieg in Syrien, viele Berichte, endlose Dokumentationen. Es wird lange dauern wie in allen Kriegen, bis vieles an Geschehenem ans Tageslicht kommt und mit kollektiver Mühsal verdaut werden wird. Habe ich da auf dem Stuhl was gefühlt? Lieber mit Künstlern aus diesen Ländern sitzen. Man versteht sich auch ohne Worte. Aber Sprache muss sein, damit der eigene Ton und das Hören des Anderen vertieft werden kann – oder auch nicht. Arabisch, eine wunderbare Sprache. Syrisches Arabisch. Vertrautes Fremdland. Durch die Flucht sind viele zu uns gekommen. (Jabbar Abdullah zum Beispiel ist der Initiator und Veranstalter dieses Abends. Er hat auch angefangen zu schreiben und liest als Dritter am Mikrofon  in Arabisch, ein Schauspieler liest das Übersetzte. Er schildert seine Fahrt nach Rakka, den Abschied von seiner Mutter, die Angst an den Kontrollpunkten, da er mit dem Pass seines Bruders reist, alles geht gut, er sieht mit eigenen Augen das zerstörte Homs.) Andere sind Gefährder geworden, weitere werden schießen und erschossen werden. Wegen dem vielen Sterben und den Folterungen und den Vergewaltigungen, die „üblicherweise“ in solchen Situationen stattfinden,  fühlt man die Hemmung, einfach zu sagen – ja können diese Idioten vielleicht einfach mal ihr Scheiß-Spiel beenden undsoweiter, denn man weiß ja zutiefst, dass sie es nicht beenden werden, weil sie es nicht können und überhaupt ganz andere Ziele verfolgen als all das, was im Weltentaumel  so diskutiert wird mit der chronisch übermüdeten Einstellung, s e l b s t durch Meinungen einwirken zu wollen in Welt, andrerseits aber lieber zurückschreckt bzw in einem Publikum sitzt und sich immer wieder fragen darf, was man eigentlich selbst mit sich erfährt. Nein, keine Meinungsbildungsschwaden verfügbar. Ich danke.
Da fiel mir ein Video-Link ein, der mir neulich geschickt wurde. Das hat mich erreicht. Da ist er: der syrische Rapper Amer Wakka: