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Anthem/Leonard Cohen Text (englisch & deutsch)
Die Feiertage in Deutschland haben mir zuweilen den Wunsch abgerungen, mal ein bisschen tiefer einzudringen in ihre Bedeutung, bzw. Deutung, und mir bewusst zu machen, dass ich unter Christen lebe, denen diese Dinge vermutlich etwas bedeuten, obwohl ich überzeugte Christen selten zu treffen scheine. Nun ist es wieder so weit. Er, der Sohn Gottes (das musste ich dann mal kurz nachschauen), ist also in den Himmel aufgefahren vor den Augen seiner Jünger, dann wurde er von einer Wolke aufgenommen, die ihn ihren Blicken entzog. Es soll, lese ich, um eine „Erhöhung“ von Jesus gehen, der nun zur Rechten Gottes sitzt. In Indien kenne ich auch schon jemanden, die (jaja, eine Frau) Anspruch darauf erhebt, zur Rechten Gottes zu sitzen. Am besten, denke ich heute, die machen das unter sich selber aus, dieses Throngerangle. Derweilen wurde ich an das Lied „Anthem“ von Leonard Cohen erinnert. Weiß der Himmel allein, was wirklich mit ihm passiert ist, als seine Stimme noch tiefer im Gläubigen sich bündelte, und wie er es anstellte, doch noch glaubwürdig rüberzukommen. Ich wollte heute vor allem den Text in Erinnerung bringen, ein guter Text, ein wahrer Text, ein poetischer Text mit einem wunderbaren Refrain:
„Vergesst eure vollkommene Opfergabe/ In allem ist ein Riss, das ist da, wo das Licht hereinkommt……“
Anthem
Leonard Cohen
The birds they sang
At the break of day
Start again
I heard them say
Don’t dwell on what
Has passed away
Or what is yet to be
Yeah the wars they will
Be fought again
The holy dove
She will be caught again
Bought and sold
And bought again
The dove is never free
Ring the bells (ring the bells) that still can ring
Forget your perfect offering
There is a crack in everything (there is a crack in everything)
That’s how the light gets in
We asked for signs
The signs were sent
The birth betrayed
The marriage spent
Yeah the widowhood
Of every government
Signs for all to see
I can’t run no more
With that lawless crowd
While the killers in high places
Say their prayers out loud
But they’ve summoned, they’ve summoned up
A thundercloud
And they’re going to hear from me
Ring the…
Die Vögel sangen
Im Morgengrauen
Fang nochmal an
Hörte ich sie krächzen
Verweile nicht bei dem
Was vergangen ist
Oder noch kommen wird.
Ja, die Kriege werden
Weiter gehen
Die heilige Friedenstaube
Sie wird wieder eingefangen
Gekauft und verkauft
Und wieder gekauft werden
Sie wird nie frei sein.
Läute die Glocken, die noch klingen
Vergiss deine wohlfeilen Gaben
Da ist ein Riss, ein Riss in allem
Das ist der Spalt, durch den das Licht einfällt
Wir fragen nach Zeichen
Die Zeichen wurden geschickt
Die Geburt verraten
Die Ehe erloschen
Ja, es ist ein Witwenstand
In jeder Form der Regierung
Zeichen, die wir alle sehen können
Ich kann nicht mehr fortlaufen
Inmitten der gesetzlosen Masse
Während die Mörder in den oberen Etagen
Ihre Gebete lauthals plärren
Aber sie haben etwas heraufbeschworen
Einen Gewittersturm
Und sie werden noch von mir hören
Läute die Glocken, die noch klingen
Vergiss deine wohlfeilen Gaben
Da ist ein Riss, ein Riss in allem
Das ist der Spalt, durch den das Licht einfällt
Du kannst eins und eins zusammenzählen
Aber die Summe wirst du nie ziehen können
Du kannst zum Marsch aufrufen
Dazu bedarf es keiner Trommel
Jedes Herz, jedes Herz
Jedes liebende Herz wird herbeieilen
Wenn auch wie ein Flüchtling
Läute die Glocken, die noch klingen
Vergiss deine wohlfeilen Gaben
Da ist ein Riss, ein Riss in allem
Das ist der Spalt, durch den das Licht einfällt
Das ist der Spalt, durch den das Licht einfällt
Das ist der Spalt, durch den das Licht einfällt
überbrücken

Jetzt langsam in eine bestimmte Entspannung gleiten, denn der Brückentag sorgt für eine Entleerung der Städte. Warnungen werden herausgegeben, die keinem (Auto)-Radiohörer entgehen können, dass die Straßen voll, sehr voll sein werden, vor allem in Richtung Küsten. Alle verdienen den kurzen Ausflug ins sonnige Nichts, denn es wurde viel verarbeitet an diesem Wochenende. Endgültig klar hat sich gezeigt, dass wir uns alle Sorgen machen wegen der co2 Ausstöße, überhaupt der Klimawandel, das flutscht schon richtig von den Lippen, als hätte man das Wort erfunden. Nichtsdestotrotz, so stelle ich mir jedenfalls die Gedanken der bald im Stau Stehenden vor, trotz allem muss die Familie an die Küsten verfrachtet werden, und von der Stadtluft melden co2 Wächter, Klimaschutzbeauftragtenroboter also, eine kurze Erstickungspause. Vergessen Sie bitte nicht die hohe UV Strahlungsschutzcreme, eine weitere Verhaltensempfehlung gegen das geradezu unvermeidlich Erscheinende. Wenn man sich nun selber ein bisschen zurücklehnt und leichtfüßig am Gedankenplan feilt, kann man sich fragen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Das ist genauso wichtig und spanned, als sich zu fragen, ob es (für einen persönlich) einen Gott gibt oder keinen. Ja, warum sind denn die Dinge so, wie sie sind. Zum Beispiel, weill sie nicht anders können, als so zu sein, wie sie gerade sind. Könnten sie anders, würden sie ja anders sein. Mit Frau Kramp-Karrenbauers gut gemeinten Worten zum Beispiel hat sich ein konservatives Denken entlarvt, von dem man nicht erwarten darf, dass es sich schnell erholt und das andere gerade geborene Denken einholt. Es ist, wie es ist, und manchmal spüren ganz viele Menschen gleichzeitig, wie etwas ist, und was es mit einem selbst macht, und was für Auswirkungen es haben kann für das dahinfließende Leben. Zu den vorhandenen Quellen vorzudringen, hat immer Mühe gekostet, und nicht immer findet man sie. Ist der Mensch nun tatsächlich so ein Wesen, in dem die Lenbereitschaft sich verhältnismäßig träge vorwärtsbewegt, außer es geht um offensichtliche Profite, die oft als großgezüchtete Karotten vor den Nasen baumeln von dem , was man so werden und sein kann, angetrieben durch Ehrgeiz und bereitwilliges Mittun. Oder aber lernt der Mensch zu viel von dem, was er letztendlich an wesentlicher Stelle gar nicht brauchen kann? Zuhause, wo persönliche Reflektion eher Raum hat, stoßen unsere Gehirne leicht auf Komplexitäten, für deren Durchdringung vielleicht die Kraft nicht mehr reicht. Was bedeutet die „Über den Tellerrand hinaus Theorie“ etwa. Und was liegt denn hinter dem Rand. Wie weit muss man gehen, um aus dem Verstandenen eine gelebte Wirklichkeit zu machen. Und kann man überhaupt, während man froh ist, sich im eigenen Auto vorwärts zu bewegen, sich gleichzeitig als jemanden wahrnehmen, der auch schädliche Stoffe in die Luft stößt. Und Konsequenzen ziehen? Wer will schon Teil einer neuen Verzichtsreligion sein. Daher ist das Zulassen von Ohnmacht manchmal gesünder als die genährte Angst vor den Verbrecherclans. Oder den Flughäfen, oder dem Zeckenstich, oder der Sonne. An diesem Punkt spult sich das Spiel von selbst ab, und nur das Spiel weiß, was auf dem Spiel steht. Immerhin bleiben dem Menschen einige wohltuende Entsscheidungen und die vielen Geschichten, natürlich. Alle PlanetarierInnen haben von der Reise viel zu erzählen, und zum Glück hat man dadurch eine gewisse Auswahl zur Verfügung.
Darf man?

Die Fragen werden sich häufen. Am besten besorgt man sich ein Antwortbüchlein, so als Anregung, wenn man mal dringend eine braucht, die nicht zur Verfügung steht. So ein kleines, hübsch aufgemachtes Büchlein habe ich mal geschenkt bekommen und gestern ist es mir mal wieder ins Auge gefallen. Wenn ich zum Beispiel jetzt eine Frage stelle, zum Beispiel zur Zukunft des Klimaschutzes, neeeinn, nicht schon wieder, schon ist es im Märchenwald verschwunden: Klimaschutz, der rotbackige Apfel des Dornröschenschlafes. Die Frage könnte lauten „Wer ist der Prinz, der entlangkommt und vor Entzückung oder Schrecken in Erstarrung des Dilemmas verharrt, bis das Rätsel gelöst ist. Sebastian Kurz, der gerade mehr Zeit hat, würde sich eignen. Auf hohem Ross zieht er sich zurück in inneres Erschrecken ob des Dargebotenen, bis ihm eine adäquate Lösung einfällt in dem Dilemma, hatte er doch eine amouröse Rettung aus einem gläsernen Sarg gar nicht vor, hat aber dafür Zeit. Leider ist AKK z u beschäftigt und würde, auch wenn sie Zeit hätte, vielleicht die Prinzessin gar nicht spielen wollen, die, wie viele PolitikerInnen, unter Erwachungszwang steht und sich gar nicht daran erinnert in diesem Schreckensmoment, dass man in Deutschland sagen darf, was man möchte, auch wenn man differenzierte Meinungen darüber hegt, w a s gesagt wird. Auf einmal, wie über Nacht gereift, sehen die Vierzigjährigen in ihren politischen Rolltreppenspiegeln alt aus. Ja dürfen die denn das, diese YouTuber, ein paar Millionen Followers hinter sich haben. Ihre Fragen sind in Essenz einfach zu verstehen: ja, warum setzt ihr eigentlich nicht um, was da auf euren Plakaten steht!? Männliche, verhältnismäßig noch jung zu nennende Politiker fallen vor aller Augen in Demut. Versäumnisse werden großmütig eingeräumt, Die Tatsache, dass diese Generation gerne einen Planeten hätte, auf dem sie atmen kann, sickert schwerfällig in die Gehirnareale ein. Nicht nur bei den PolitikerInnen, auch bei uns. Auch die vielen Arme und Waffen der Zerstörung haben eine geheimnisvolle Sogwirkung. Für das, was ich mir hier kaufe, wird dort ausgebeutet. Das, was denen gehört, gehört jetzt zu uns. Darf man das? Wie lange glückt einem die Scheinheiligkeit, wenn man permanent auf die Zusammenhänge gestoßen wird. Das will man ja gar nicht wissen. Dafür hat man auch keine Zeit. Wer soll denn das ganze Ding händeln? Und wer sind denn überhaupt die Hauptweltverschmutzer!? Doch die Chinesen und die Inder! Da hat man denen die ganzen Jahre die hier verbotenen Gifte verkauft, jetzt verschmutzen die da drüben die Welt! Die Überforderungen der Zeit führen häufig zu gravierender Abschottung. Jetzt fällt mir der Satz ein, den ich in den Nachrichten gehört habe. Da sagte jemand: Wenn Einer zu schottern anfängt, dann schottern bald alle hinterher. Es ging hier zur Abwechslung mal nicht um die Klimapolitik, aber dann wiederum, wie soll man das noch von was trennen können, sondern es ging um irgendwelche zugeschotterten Vorgärten, die von Ganztagstätigen reihenweise bevorzugt werden, weil sie pflegeleichter sind als kreativ gepflanzte Blumenbeete, die es natürlich woanders auch noch gibt, so ist das nicht. Allerdings stelle ich mir auch die Grünen vor, wie sie, alle gleichzeitig aus dem lange verschlossenen Glassarg erwacht, sich besten Glaubens an die Schwerarbeit machen, weil unsere Kreuzchen dann doch was bewirkt haben. Zurück zu der brennenden Frage, was man eigentlich darf und was nicht, so weiß ich sehr wohl, dass ich das Photo oben (aus der „Zeit“) nicht in meinem Blog ersheinen lassen darf (vermute ich mal), aber es gefiel mir. Es zeigt eine Frau und zwei Männer, die, wie der dazugehörige Text auch sagt, auf der Suche sind, jede/r auf seine/ihre Weise, nach der letzten freien Minute. Sie suchen aber auf und unter demselben Schreibtisch, eben: wenn Einer schottert, dann schrotten oder schottern oder schlottern doch bald alle Anderen. Ach ja, noch die Antwort auf die Frage: Welche Zukunft blüht dem Klimaschutz“ aus dem Antwortbüchlein. Ich öffne und da steht „Traue deiner Intuition“, aber ich kann ja nicht beweisen, dass ich keine fake Antwort hier produziere, weil ja auf einer bestimmten Ebene alles zu allem zu passen scheint. Aber nur scheint.
lauschen

So, das war jetzt das Große Hineinlauschen in die europäischen Politik-Felder, und jaaa!, Winnerin des Abends: Greta Thunberg. Diesen Sieg, die politische Schlacht auf überraschende Weise zu beeinflussen, kann ihr keiner mehr nehmen, auch wenn er in dieser Größenordnung vermutlich nicht mehr vorkommen wird. Ich mochte diesen unseligen Hype um Greta Thunberg nicht, aber der Weg ihrer schlichten Worte ergriff offensichtlich Alt und Jung und hat immerhin auf dem Weg des SchülerInnenerwachens über die ihnen bewusst gewordene Macht zu dem spürbaren Effekt geführt, dass so manche Hand endlich mal wieder herzhaft das Grün wählen wollte. Es gab tatsächlich diese andere Zeit, und das war supergut so, da zwang sich eine zögernde Hand auf das CDU Kreislein zu und nahm wegen Angela Merkels kompetenter Führung und menschlicher Glaubwürdigkeit (und ihrer Intelligenz und ihrem Humor, und ihrer Uneitelkeit) das christdemokratische Kreuz auf sich. Nun ist Frau Merkel, mit aller Achtung gesagt, fürwahr keine Mauschlerin oder Gauklerin oder Betrügerin, nein. Man spürt einfach das Unzeitgemäße an der ganzen Lage, so, als wäre auf einmal, mit einem Donnerschlag sozusagen, die Zeit der Könige und Königinnen endgültig zu Ende gegangen, und auf einmal gibt’s nicht nur brandneue Themen, sondern auch die Forderung, sie umzusetzen. Man muss bedenken, dass diese jungen Generationen die ersten sind, die sich dem Gedenken einer hausgemachten Tragödie nicht mehr verpflichtet fühlen, sondern ihr eigenes Leben und dessen Gestaltung im Angesicht der Zerstörung dieses Lebensraumes im Fokus haben. Mit frischem Blick kann man vieles auf einfache Weise sehen. Das muss nicht notgedrungener Weise oberflächlich sein, eher offensichtlich. Zum Beispiel: passen friedliche Demokratie und Waffenlieferungen in Milliardenhöhe wirklich zusammen, wenn man auch noch den Zusammenhang wahrnehmen kann oder muss oder will, dass es dieser Art Milliarden zu verdanken ist, dass wir so gut und potentiell friedlich leben. Stimmt was nicht? Dass die Grünen erwartungsgemäß von diesem Umsturz profitieren war nicht ganz verwunderlich. Immer, wenn ein neues Machtfeld erschlossen wird, muss man schauen, was damit gemacht wird. In diesem Sinne ist es einfacher, Opposition zu sein als auf einmal das Steuer in der Hand zu haben. Mal schauen, was sie daraus machen. Das wirklich Interessante an den oft schwierigen Prozessen der Ich-und der Weltwahrnehmung ist m.E., dass vor allem die digitale Entwicklung es, jetzt mal im positiven Sinn, ermöglicht, in die Vielseitigkeiten der Weltordnung genug Einblick zu haben, um zu sehen, wie sich Menschen in diesem facettenreichen Spiegelkabinett bewegen. Immer und überall geht es einerseits um das persönliche Leben, und andrerseits um den Umgang mit dem komplexen Gewebe all des Anderen und den Anderen, all den Fremden und einem außerirdisch Vorkommenden, während man selbst zum Beispiel vegetarisches Essen für normal hält und dafür Verhaltensnoten austeilt, so, als könnte und müsste sich endgültig jeder berühren lassen von der grenzenlosen Brutaltät der Schlachtbetriebe. Frei ist der Mensch in einem gewissen Rahmen. Daher begrüße ich auf jeder Ebene die Rückkehr des Individuums, das sich eigenverantwortlich fühlt und weiß, dass die besten Entscheidungen, zu denen man in der Lage ist, nebst aller Komplexität auch obligatorisch sind. Nicht einer Autorität gegenüber, sondern sich selbst. Consciousness for Future.
Four women
hochinteressant



Jaaa, das ist eine hochinteressante Frage an diesem fast sommerlichen Samstagmorgen, wo auch immer sie uns zuhören (Börse). Das Bild zeigt einen Mann, dessen Grübeln ich in dem Heft vorgefunden habe, das ich neulich auf einem Flohmarkt für zwei Euro, aus dem Jahre 1955, erworben habe. Auch heute noch kann jeder seine Not verstehen. Da sitzt er nun, sagte er damals (verkleidet als Ingenieur), und konstruiert Maschinen, die den Menschen die Arbeit erleichtern sollen, damit sie kostbare Zeit gewinnen, für Ruhe, Entspannung, kurz, die schönen Dinge des Lebens, die das Leben liebenswert und lebenswert machen. Doch was geschieht dann, wird dort gekassandrat: es gibt nervliche Zusammenbrüche, emotionale Peitschenhiebe und noch mehr Unruhe als vorher. Nun kann man sagen, dass viel davon sich bewahrheitet hat, obwohl die Frage nicht wirklich geklärt ist, sondern eher auf den hier zugeschnittenen Witz hindeutet, dass wir vor 64 Jahren einen Schritt vor dem Abgrund standen, heute aber schon einen Schritt weiter sind. Oder man sieht Pharaonen in aufwendigem Ambiente hin-und hergrübeln, die Instrumentarien ihrer Macht bedenkend. Jetzt, wo der Hype etwas nachgelassen hat, kann ich auch sehen, dass Greta Thunberg, gerade w e i l es über die vorhandene Genialität ihres Asberger Aspektes möglich war, dass sie aus ihrer Emotionslosigkeit s o viel Erwachen erzeugen konnte. Auch als Erwachsener kann man sich durchaus anregen lassen, einen simplen Blick auf manche Realitäten zu legen, zum Beispiel. „Wieeee, so viel Wissen auf der Erde und keine Wirkung davon, die einen Unterschied macht. Hallo Buddha-und Jesus und Krishna undsoweiter Followers, wo kommt was zum Vorschein im täglichen Alltagsablauf, das seine Lichtstrahlen nicht mehr verbergen kann? Nein, nicht der Messias, sondern jeder Mensch auf dem Planeten, der sein oder ihr eigenes Leben ungestört gestalten, erhalten und verwalten kann. Jede/r seines/ihres eigenen Wesens Hüter/in. Warum sollte ein Mensch sich im Wege stehen. Da ist doch immer was passiert, und passiert weiterhin. Konstrukte wie Kastensysteme und ihre Hierarchien werden gehandelt, als könnte es nicht anders sein, was stimmt, aber warum? Es lässt sich ja alles erklären. Manche herrschen eben gern, und wieder Andere überlassen denen gerne ihre Machtgefüge, für Schutz, für Profit, für eine Sicherheit, die es gar nicht gibt. Als Wertschätzerin des Weltendramas kann ich natürlich auch die wunderbare Vielfalt des Lebendigen sehen, und wie sie sich mir persönlich zeigt, und wie ich vorhabe, damit umzugehen. Gar keine Rolle spielen ist jetzt auch nicht der Hit. Manchmal Haupt,-manchmal Nebenrolle, manchmal gar keine Rolle, alles gut dosiert. Hat man mal die jeweilige Frage parat, kann man auch bei Aldi und Lidl und Rewe oder im Bioladen samstags darauf warten. bis man mit Zahlen dran ist, und sich fragen, ob die Technik am Scheidewege steht – oder der Mensch? Oder irgendeine andere, anregende Frage.
Der helle Rahmen um das Zeitungsbild herum wird provided von einem Katzenfellausschnitt und soll dokumentieren, wie die Zeit vorbeiflauscht.
befassen


Beide Bilder sind nicht von mir, sondern (von H.Robert) zugesandt, das linke der Himmelsschönheit wegen, durch die man eine weitere Vorstellung davon haben kann, wie Götter entstehen, denn sie treiben sich offensichtlich überall herum, wobei es ganz sicher eine vorbereitete oder bereits erfahrene Ebene eines dafür offenen Blickes bedarf, um für sie empfänglich zu sein. Rechts sind dann die Ausläufer und Auswüchse solcher Wahrnehmungen zu sehen, zum Beispiel strenges Yoga weit über die Grenzen des Schmerzvollen hinaus, vor allem für die meisten Westler, die sich der neuen Geistwelt hingegeben haben, für die bereits der Wunsch nach Schneider/bzw Lotussitz Jahre des Leidens verschafft, ohne auch nur die begleitende Erlösung durch die Früchte des Entsagens gekostet zu haben. Warum einer wann und wo und warum und unter wessen Obhut entsagen will oder kann, findet oft keine Klärung, weil vor allem in östlichen Praktiken dem Individuum nicht zugetraut wird, ohne als belichtet geltende Exemplare auf dem Weg voran zu kommen. Nur: wohin? Wie dem auch sei, so hat ja alles zweifellos seine guten Seiten (alles?), und ich bin froh, dass es mich nicht mehr anregt, Streitgespräche über die Bedeutung der vertikalen Ekstase zu führen, hergereicht aus der alten, ehrwürdigen Schule „natürlich“, wo man noch zu wissn vorgab, was Männer (und manchmal auch Frauen) in die Himalayas oder an die Opferfeuer trieb, und was sie dort trieben, und ob sie ihr hehres Himmelsziel erreichen oder ihre Abneigung gegen alles Weltliche überwinden konnten. Denn das allein würde als Hindernis ja schon genügen, wird aber auch heute noch gelehrt in allen Schulen, nämlich die Ablehnung des Weltlichen als eine Abspaltung, nicht aber als die angepeilte Verbindung, die ohne die Wahrnehmung des Weltlichen, oder besser ohne die Wahrnehmung der eigenen Person als Teil des Weltlichen wohl nicht zustande kommen kann. Selbst aus einstiger, ernsthafter Praxis kommend, erstaunt es mich doch zuweilen, dass sich in meinem System bei aller Nüchternheit, die ich durch meine vor sich hingereiften Einstellungen allen „spirituellen“ Institutionen gegenüber hege, ja, ich selbst sehr nüchtern, aber nicht wirklich ernüchtert wie aufgewacht von einem schlimmen Traum, nein, es scheint mir unabdingbar, dass bestimmte Erfahrungen gemacht werden mussten, ohne die es nicht möglich gewesen wäre zu entscheiden, welcher Zugang zu sich/mich selbst letztendlich der offen sichtliche ist, ohne eine Wertung auf das sogenannte „Richtige“ oder „Falsche“ legen zu müssen. Und ich denke einfach, dass ein Mensch, der sich für das eigene Bewusstsein entscheidet oder entscheiden kann, gut gelenkt ist, ohne sich beirren lassen zu müssen von den Widersprüchen und paradoxen Abgründen, mit denen man sich als Mensch befassen muss oder will oder kann.
natürlich

Es gibt Worte, aus deren Befangenheit man sich lösen muss, zum Beispiel, wenn man merkt, dass man sie überladen hat mit zu viel Deutung oder Bedeutung oder einer intuitiven Ablehnung, die man sich noch nicht selbst erklärt hat. Es ist gleichgültig, ob das Wort mit positiver oder negativer Meinung belastet ist, denn es schadet nicht, sich beide Arten anzuschauen. Ich fand schon seit meiner frühen Jugend das Wort „natürlich“ als unangenehm, und es zeigte sich auch deutlich, dass ich vermutlich nie als ein…hier fängt es schon an, schwierig zu werden, also als ein natürlicher Mensch, denke ich, konnte ich schon erfahren werden, aber sagen wir mal, dass ich mich selbst nie als eine „natürliche“ Frau“ gesehen habe, heißt, nicht der zeitgemäßen Vorstellung des Natürlichen in der Gesellschaft entsprochen und mich dementsprechend verpflichtet gefühlt habe. Nun sind die rebellischen Jahre ja meist nicht auf „Natürlichem“ aufgebaut, und es zeigt sich, immer im Wandel der Zeiten, wer jemand ist oder nicht ist. Diesen ständigen Wandel zum Beispiel kann man „natürlich“ nennen, denn er kommt daher wie die Jahreszeiten, man kann sich auf die ständige Verwandlung verlassen. Auch das Bemühen um ein Verstehen anderer Kulturen kann einen lehren, wie relativ und gesellschaftsgebunden die Begriffe sind, von denen wir ausgehen, als könnten sie übertragen werden auf einander. Nun kann man den Menschen als eine natürliche Erscheinung inmitten des jeweils Daseienden sehen, so wie Tiere und Pflanzen und Erdöl, obwohl man vom Erdöl wenig wüsste, würde man ein „einfaches“ Leben leben, aber was ist „einfach. Wenn Menschen gezwungen werden durch die Umstände, sich extrem einzuschränken, erzeugt das sicherlich keine Lebensfreude, während dasselbe für einen Mönch unter Umständen ekstatische Gefühle erzeugen kann. Wenn jemand ein paar Tage nicht an Essen herankommt, kann dieser Mensch schon aus Angst zugrunde gehen, während es für Muslime einen gottausgerichteten Stolz auslösen kann, während des Ramadans zumindest tagsüber weder zu essen noch zu trinken (und sich sexuell zu enthalten, was für manche Frauen in dieser Gesellschaft sicherlich ein heimliches Freudenfest ist), obwohl es bemerkenswert ist, wie viel Essen sie verschlingen, wenn es erlaubt ist. Sehr ungesund das Ganze und kommt einem nicht so natürlich vor. Vielleicht gibt es eine Art natürlicher, heißt hier wohlwollender Ausrichtung auf die erstaunliche Vielfalt, die sich überall und immer erhebt und Anspruch darauf legt, als natürlich zu gelten. Das Färben und Bemalen der Haut, tellerartige Unterlippen, der gebundene Fuß, das Ritzen der Haut als Verschönerung des Körpers. Einmal wurde ich in Los Angeles zu einer Party eingeladen, bei der mir alle Anwesenden unheimlich und unnatürlich vorkamen. Als ich es meinem Gastgeber zögernd mitteilte, nickte er verständnisvoll und meinte, klar, ich wäre es wahrscheinlich nicht gewohnt, mich unter Facegelifteten, Männern wie Frauen, zu bewegen, das sei hier „normal“. Man fände es eher unnatürlich, dieses Angebot nicht wahrzunehmen. Im indischen Dorf, wenn ich manchmal im Bazaar einen Tee trinke, kann ich gut beobachten, wie natürlich und normal sich alle vorkommen, egal, mit welchen Trachten und modischen Auswüchsen alle unterwegs sind, oft natürlich auch das „Anders“ beäugend als etwas, was der vertrauten Norm nicht entspricht. Eine vergewaltigte Frau mit ihrem Vergewaltiger verheiraten, damit ihre Ehre wieder hergestellt wird. Wer stellt her? Und wer entscheidet? Eine Frage könnte auch sein, ob bei Aktivierung eines eigenen Bewusstseins als Instrument der persönlichen Ausrichtung von einer Natürlichkeit vielleicht gar nicht mehr die Rede sein kann, sondern eher von der Möglichkeit, einen Begriff immer neu zu verstehen im Rahmen gesellschaftlicher Bedingungen und eines nationalen Gedankenguts. Dann kann man sich (natürlich) durch Reflektionen darüber ein eigenes Bild machen, um es mit dem bestehenden Weltbild auszuloten und es unter gewissen Umständen und Bedingungen auch in einen Einklang zu bringen.
Das Bild oben habe ich nicht bewusst gemalt, sondern auf einer
von mir gepinselten Fläche gesehen, nachdem es schon fertig war.
Vielleicht gefällt es mir, weil es auf natürliche Weise erschienen ist
und etwas von mir in sich trägt, das ich, zumindest s o, nicht hätte ausdrücken können.
düster

Vermutlich hat mich der heutige deutsche Himmel an den Tag in Apulien erinnert, an dem der Himmel auch so aussah, als wäre es naiv, hier einen Sonnenstrahl im Durchbruch zu visionieren. Natürlich habe ich wie alle weiterhin unabhängig vom Klimaeinfluß- sein- Wollenden die Einstellung, dass alles gehandhabt werden kann, was an (mehr oder weniger) natürlichen Vorgängen in der Himmelsgegend passiert, wo man sich gerade aufhält. So war der Tag in Apulien ideal, weil wir auf einer Tagesreise im Auto dem Regen ausweichen und uns an dem Wolkendrama erfreuen konnten. Eigentlich verbinde ich mit dem Photo, das ich (s.o.) unterwegs gemacht habe, eher eine humorvolle Erinnerung. Wir waren dem Schild zu einem Kloster gefolgt, zu dem alles gehörte, was sich zu einem schauderlichen Roman fügen könnte. Das riesige Gelände ließ über die vielen Mauern und Abgrenzungen hinweg die Schönheit alter Bäume ahnen, doch über dem Ganzen lag eine zeitlose Schwermut, nein, eine sich verdichtet habende Bleisschwere, die durch die Hinweise auf „Silencium“ . geheiligter Ort – nur noch bleierner wurde. Ein Mönch kam uns lesend entgegen, der Mönch am Meer, der Mönch im Wald, der Mönch an sich, mit braunem Kapuzenmantel und rasselndem Schlüsselbund, als er hinter der ihm genehmigten Tür verschwand. Die Weltentsagung, in dessen (indischem) Rahmen ich selbst vor vielen Jahren zum Lernen angetreten war für das, was mir nicht nur lernenswert schien, sondern es auch war, war nicht ohne, obwohl es viel um das Ohne, aber auch um das Mit ging. Gerade diese Abgeschiedenheit, dieses Ausweglose, dieses unter bestimmten Bedingungen Ausgeübte kann durchaus eine Bereicherung sein, kein Zweifel. Offensichtlich gab es zu allen Zeiten genug Menschen, die zumindest manchmal Abstand oder Auszeit nehmen möchten vom Menschendrama, das gibt es ja auch heute in offeneren Formen. Der Mönch also hob kurz den Blick und sah uns, zwei Frauen in einem Auto, in das Silentium hineinfahren. Da würde meine vermutlich grottenschlechte Novelle ansetzen. Durch den Blick bricht langsam die Weltordnung des eh schon mit dem Göttlichen Hadernden zusammen. Nicht der Gedanke an die Frauen, die er gesehen hat, verursachen seine Unruhe, sondern die Freiheit, die sie bei ihrem kurzen Besuch ausstrahlen. Diese Freiheit habe ich dort tatsächlich gespürt, die Freiheit von einer Art todbringendem Silencium, die Todestille, die vom Leben abnabelt und dort, in der Abgenabeltheit, ihre eigenen Ekstasen erzeugt, die früher oder später zum Erlöschen verdammt sind. Das kann für eine Weile auch belebend wirken, wenn man die Freiheit erkennt, die einem der durchwehende Geist vermittelt. Dass es nicht wirklich ein Gesetz gibt, wo der Mensch sich aufhalten soll, darf oder kann. Jedenfalls war da diese Mauer, eine der Klostermauern. Heute habe ich sie etwas herangezoomt und war wie stets in solchen Moment eines genaueren Hinschauens erstaunt, wie ungeheuer lebendig es doch überall und trotz allem ist, und dass ganz zweifellos die Bilder, die automatisch in alles gewebt sind, wiederum Bilder erzeugen und zu der Weise werden, wie man die Welt sieht, und wie man sich in ihr bewegt. Ach ja, der Humor…nun ja…Wenn es dem/der Schauenden gelingt, sich eine gewisse Lebendigkeit des Blickes zu erhalten, dann kann man sich auch an einem wolkenschweren Tag an einer düsteren Klostermauer erfreuen. Und dass man ein Fahrzeug hat, mit dem man das schwere Silencium wieder heiter verlassen kann.
gestalten

(Der prophezeite Mega-Sommer aller Zeiten braucht offensichtlich einen langen Anlauf. Inzwischen wird man eher an Zypressen und Tristesse erinnert, die in den tropfenden Zweigen ihr Gegenüber hat). Aber spätestens seit Apulien bin ich mir wieder einer tiefen Dankbarkeit bewusst geworden, wie wesentlich mir die Transportmittel sind, die ich mir in meinem Leben heranholen konnte durch täglichen Umgang mit ihnen, nämlich um mich selbst in Wort oder Bild oder Ton oder Spiel zu begleiten und dadurch Kenntnis darüber zu erlangen, wie und auf welche Weise ich umgehe und umgehen kann mit diesem Leben, das allerdings schon eine bespielte Leinwand ist, wenn ich ankomme, aber durch mein Ankommen wie jedermanns und Fraus Ankommen einen Ton in das Zusammenspiel bringe, der zu gestalten ist. Nun nimmt man ja vom Weltgeschehen automatisch sehr viel auf und kann diese Aufnahme so weit dehnen, wie es einem möglich ist. Man kann den Raum füllen mit allem, was einem in der eigenen Geschichtsgestaltung möglich ist (oder sich von der inhärenten Leere begeistern lassen). Da einem ja auch immer Dinge und Menschen über den Weg laufen und einen begleiten, oder man sie begleitet, die einem ein Vertrauen einflößen, weil man bestimmte Ebenen oder Sichtweisen und Einstellungen findet, die entweder im eigenen Wesen resonnieren, oder aber durch einem glaubwürdig erscheinende Andersartigleit das innere Feld erweitern und bereichern können. Insofern kann man auch sagen, dass es eigentlich immer und in jeder Hinsicht um „Kunst“ geht, oder zumindest um das Angebot dessen, was auch Kunst sein kann, ob es sich nun in der Mode ausdrückt, in der Psychologie oder in der Malerei, oder im Bäckergewerbe. Überall in der Welt kann man Menschen antreffen, die darum bemüht sind, das, was ihnen wirklich am Herzen liegt, in die Welt zu bringen. Was am Wesenskern ein sehr ähnlicher Impuls sein kann, enstspricht in der Umsetzung notgedrungenerweise dem Wesen dieses Kerns, der sich ja nur zeigen kann, wenn er einen Weg dazu findet. Da haben wir dann die unüberschaubare Vielfalt und befinden uns sicherlich in der Nähe des Satzes von Beuys, dass jeder Mensch ein Künstler ist. Auf die eine oder andere Weise ringt jede/r darum, das umzusetzen, was man sich entweder im Leben vorgenommen hat, oder diesen Kern selbst zu ergründen, der Steuer und Anker und Fahrtrichtung zugleich ist und gelenkt werden muss, will man nicht in den Gewässern untergehen. Schlimme Dinge geschehen auf dieser Erde, daran sind nicht nur die Maschinen schuld, sondern das, was man mit ihnen und Menschen gemacht hat und macht, sodass wir an die Grenzen des Verdaubaren kommen und voller Schrecken das Ausmaß erkennen, an dem wir nicht mitgetalten können, und wo das, was wir an Können erlernt haben, keinerlei Wirkung hat. Aber klar, wir machen weiter. Wir schenken mit allem, was uns zum Ausdruck verliehen wurde, von uns selbst hinein, denn, wie wir auch wissen, geht kein einziger Tropfen verloren. Das „Wir“, das mir hier eingeflossen ist, erinnert mich an das „Ham“ (wir) in Hindi, das man auch als „Ich“ benutzt, wenn man von gewissen Voraussetzungen ausgehen kann, zum Beispiel der Chance, aus dem eigenen Leben etwas zu machen, was einem entspricht und in dem man sich wiederfinden kann, und an dessen Kernpunkt man sich gerne aufhält, um mich immer wieder erfrischt nach außen zu bewegen zu den Anderen.
Was mein Bild (oben) betrifft, so merke ich zur Zeit mit einiger Verwunderung, dass ein Bild, obwohl von eigener Hand gemacht, auch ein Eigenleben hat. Im Prinzip kann es ja alles zeigen, was in der Welt vorkommt, nur eben durch meinen Blick und meine Hand gefärbt und hervorgeholt. Eine männliche Gestalt greift aus nach einer Frau, die davor zurückschreckt. Ein episches, zeitloses Drama, aber auch eine MeToo Debatte. Es kommt auf die Wahrnehmung an-
Reiz

Ein Strang, der im gemeinsamen Gewebe auch „immer“ stattfand, war die Erfahrung mit menchlicher Kommunikation. Meine Kindheitserinnerungen sind nicht überfließend an gespeichertem Material, aber es fehlt nicht an den mich betreffenden Kernpunkten. Einer davon war, dass ich manchmal in frühem Alter, bereits im Nachtgewand, dabeisitzen durfte „bei den Erwachsenen“, damit mein Dabeisein die vermutete Unterforderung ausbalancieren möge durch ihre Unterhaltung. Vielleicht fing dort für mich auch eine der vielen Formen des Staunens an, die mich bis heute begleiten und mehr und mehr in Gesellschaft von Leichtfüßigem gedeihen, also dem Humor, der vor sich hingereift ist wie die fruchtbare Weinrebe (!?). Es dauert ja Jahre und kein Ende ist abzusehen, bis man weiß, wie und als wer und wo und wann und warum und über was undsoweiter man selbst nachdenkt und spricht, und wodurch und wieweit man selbst „durch Sprache in die Welt kommt“.(Zur Welt kommen – Zur Sprache kommen. Peter Sloterdijk)). Zu welcher Sprache? In welche Welt? Manchmal überfordert einen ein Blick in die tatsächlichen Verhältnisse. Angefangen vom Blick des Kindes, das sich wundert über die Erwachsenen, die ihm irgendwie schräg vorkommen in ihrem Miteinander, das ja auch oft genug mit ein paar Tropfen begleitet wird, wobei die Zusammenhänge gerne verschwinden und die Assoziationsbereitschaft ihre Höhepunkte erreicht. Ich hege eine Abneigung gegen assoziatives Mitreden, die sicherlich nicht immer angebracht ist, da es oft harmlos vor sich geht und überall in der Welt zum Weiterströmen des Gesprächsflusses eingesetzt wird, bei dem es ja immerhin um den Versuch einer Verbindung geht, oder um ein einsetzendes, für alle bedrohliches Stillstehen des Flusses zu vermeiden, und es braucht meistens nur einen Fisch, nach dem die Angeln ausgeworfen werden können, um das Boot in gemeinsame Fahrtrichtung zu jonglieren. Dann gab und gibt es natürlich auch die Kommunikationsexperten, und im aufsteigenden lukrativen Coachingbusiness blühten die Vorschläge zu neuen Lehren heran. Welche Worte meinte Konfuzius, als er (vermeintlich) sagte, dass, wer das Sein hat, auch die Worte hat. Es können ja nicht irgendwelche Worte sein, denn sonst hätte ja jeder „das Sein“ und wär’s zufrieden. Das Dasein ist jedem gegeben, auch wenn manche dieses Geschenk nicht so schätzen können, weil man sich vielleicht nicht wahlberechtigt vorkommt und nicht gefragt werden kann, ob man überhaupt antreten will auf der Weltbühne. Vielleicht gibt es ja auch unter Neuentstehenden im Mutterleib bereits eine Entscheidung des Wegbleibens. es wird da wohl immer Lücken geben in der Bewusstseinskette. Hat man es bis zur Landung gebracht, gibt es keinen Zweifel mehr darüber, dass man da ist und im Labyrinth erstmal kein Fluchtweg sichtbar wird, und eine Gebrauchsanweisung wird auch nicht gereicht, übwohl sich so viele darum bemühen, die gewichtigen Einordnungen zu beleben, die bei der Zeugenschaft des Geschehens dem Denken entsprungen sind. Und doch braucht man all diese Durchgänge und Seinsexperimente, um letztendlich eine Fährte zu erschaffen, auf der man sich nicht nur dem eigenen Sein verbunden fühlt, sondern auch dem Sein der Anderen. Diese permanente Auslotung ist wohl der Garant für die eigene Existenz in ihrer Beweglichkeit, was dem Spiel, den Spielern und den Spielerinnen einen gewissen lebendigen Reiz verleiht.
Joel Kramer & Diana Alstad
Wenn die Menschheit jetzt außerordentlichen Aufgaben gegenübersteht, braucht sie äußere Bedingungen, in denen Menschen sich zu selbstkritischen, eigenverantwortlichen Erwachsenen entwickeln können. Gerade in diesen Zeiten des Umbruchs muss die stark in uns angelegte Neigung, nach Führungspersönlichkeiten zu suchen, die unsere Probleme lösen, als das gesehen werden, was sie ist: ein Teil der menschlichen Geschichte, der nicht mehr tragfähig ist. Zu allen Zeiten hat dieses Bedürfnis nach Autoritäten Hierarchien geschaffen, mit denen Macht und Privilegien sich rechtfertigen konnten, ohne sich auf etwas beziehen zu müssen als auf die versteckten Eigeninteressen der Tradition selbst. Die Tradition ist seit jeher dazu benutzt worden, die Ängste der Menschen vor dem Chaos und voreinander zu dämpfen; sie ist auch die verbindende Kraft hinter Macht und Privilegien. Aber nun bilden diese Traditionen und Institutionen,, die einst das Chaos in Schach hielten, selbst die Wurzel der Unordnung, da sie nicht mehr in der Lage sind, den Anforderungen einer sich radikal verändernden Welt zu genügen.
aus „Masken der Macht“ (Zweitausendeins)
friedlich

Zufällig habe ich auf die aufgeschlagene „Zeit“ geschaut und dann bei der Friedenstaube ein bisschen nachgeholfen, das zu erschaffen, was ich gesehen habe, eher ein Ikarus als eine Friedenstaube also. Ja darf man das denn, so ein bisschen herumstifteln, und etwas anderes aus dem machen, was da ist. Vieles wird uns beschäftigen können: werde ich von einem Troll verfolgt, wenn ich in einem Telefongespräch das Wort „Djihadi“ ausspreche, oder von Drogenhuntern ausgespäht werden, wenn ich einen Freund um ein Hanfseil bitte? Kann ich belangt werden, wenn ich aus einem friedensbringenden Vogel einen schmelzgefährdeten Experimentierer mache? Solche Fragen sollte man am besten nur samstags mit sich selbst ausmachen, weil wegen des Rasenmähens und des Wochenendeinkaufs niemand in der Stimmung ist, darüber nachzudenken. Ich dachte kurz daran, wie lange und intensiv mich das Wort „Frieden“ schon verfolgt hat und natürlich auch gefordert und befördert in die nächste Anstrengungsebene, die auch in Indien auf Hochtouren weiterlief, bzw, dort schon tausende von Jahren vor sich hinexistierte. Om Shanti! Gesegnet sei der Frieden! Und die liebevollen Tadelaugen, als ich mich mal beschwerte über was offensichtlich Beschwerenswertes, und dann lernte, mir an die Ohren zu fassen im Bekennermodus, ja , was kann man machen, man ist halt nicht immer Shanti. Im „Living Theater“ war der für das Finanzielle Verantwortliche, Carl Einhorn hieß er, auf die Idee gekommen, auf jeden ausgezahlten und benutzen Geldschein das Friedenszeichen zu machen. Das wiederum befähigte mich eines Tages in Paris, den früheren Geliebten einer Freundin zu entlarven, der ungesehen meiner Handtache ein paar Scheine entnommen hatte und mich in einem Cafe großzügig damit einladen wollte. Irgendwann kann man darüber nachdenken, was „friedlich“ für einen selbst eigentlich bedeutet jenseits von Nettsein und Eierkuchen. Gab es schon einmal eine friedliche Welt?, und was gehört eigentlich alles dazu, damit man kapiert, was man eigentlich darunter versteht, denn wichtig ist es schon, klar. Hätten wir uns neulich in Apulien ganz fürchterlich aufgeregt, dass ein paar Momente lang im gemieteten Haus so gut wie gar nichts mehr funktionierte, sodass unser Vermieter, Giuseppe, ganz außer sich geriet vor Schrecken und uns alles zurückerstatten wollte, was schon erstattet war, da hing es wohl auch an diesem Menschen, dass wir uns für den friedlichen Weg entschieden, sozusagen mit offenem Geist für die gemeinsame Handhabung von Hindernissen. Manche Momente fielen schwer, doch, aber nicht wirklich. Es brauchte hier und da in den inneren Korridoren etwas Zurechtrücken, mal ein Kerzenlicht, mal einen Holzscheit. Alle signalisierten Bereitschaft und waren froh, dass von keinem mehr erwartet wurde, als jeweils möglich war. Auch braucht es ja sehr viel Ungutes, bis die geplanten Unternehmungen wirklich eingeschränkt werden. Da ist immer noch genug Spielraum, um während der menschlichen Bredouillen Wesentliches zu bedenken. Das kann nicht schaden, was wiederum einiges mit der Einstellung zu friedlichem Verhalten zu tun hat.
wirklich

Unter meinen Büchern gibt es eins mit dem Titel „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“, das ich mal lesen wollte, es aber nie dazu kam. Die Tatsache, dass Menschen über so ziemlich alles nachgrübeln und wohlgeordnet in Büchern zur Sprache bringen, heißt nicht, dass man selbst dann durch das Lesen Wesentliches darüber weiß, obwohl man in den Anfängen des Lebens eine Menge Stoff durch den Denkapparat ziehen lassen muss, bevor man eines Tages eine gute Auswahl für sich selbst trifft. Vor allem auch an einem Bücherregal entlangwandernd kann man etwas von sich verstehen oder gibt preis, wessen Geistes Kind man ist, was wiederum nicht so leicht zu erfassen ist, da es mehr von der Verdauung des Stoffes abhängt und der Art des Umgangs damit über den Buchrand hinaus. Man könnte nicht nur alle Bibliotheken der Welt, sondern die Welt an sich (als Quelle der Bibliotheken bzw ihrer Bücherinhalte ) erfahren als ein gigantisches, niemals ruhendes GrüblerInnen-Netz, alle und alles beschäftigt mit dem täglichen Umgang des als Wirklichkeit Empfundenen, jedes Wesen aus der eigenen Erlebniswelt heraus den Verbindungen nachgehend oder sie erschaffend, die diese Wirklichkeit enthüllt und sie für den jeweiligen Spieler als sinnhaft erscheinen lässt. Vermutlich gibt es diese Wirklichkeit, die permanent neu erschaffen wird, gar nicht als einen stabilen Faktor, sondern das Fluidum des ganzen Dahinwebens ist ja vielleicht ihr ganz spezieller Reiz. Nämlich, dass es nur darum gehen könnte, dass die Spieler sich selbst erfahren und das Maß ihrer Wirkung auf der Leinwand des Vorgefundenen. Andrerseits ist es notwendig, dem, auf was man trifft, eine gewisse Realität zuzumuten, nicht, dass sie von einem abhängig wäre. Wo mein Geist manchmal fast unwillkürlich strauchelt, ist da, wo mich in Momenten ein solch ungeheurer Wind der Freiheit anweht, der mich verstehen lässt, warum Menschen die Freiheit fürchten, die ja auch meistens von unseren Ängsten verschleiert wird, oder die auch gerne persönlich oder politisch oder spirituell zur Verschleierung benutzt wird. Doch was verbirgt sich hinter den Schleiern. Oder „Schleier“ ist nur ein anderes Wort für „Zwiebel“. Immer wieder verbirgt sich hinter dem scheinbar Wirklichkeiten eine weitere Wirklichkeit, bis der nächste Schleier auftaucht oder fällt. Wie viele Schleier es wirklich gibt, kann man nur auf dem Weg erfahren. Vielleicht gibt es gar keine Bücher darüber, nur Andeutungen, die den Wolken gleichen.
achtsam



Hey! Wanderin der Welten! Das Auge sieht dich
auf dem Pfad des Unbegrenzten – Der Alte Weg –
Gedanken eines stillen Raumes. Gewissheit hier,
dass Neuheit in dem Selbst entstehen kann und
muss. Gewissheit, dass der losgelöste Geist sich
nährt von der Erinnerung an die Oase unseres
Seins. Gewissheit, dass das Sich-Wieder-Finden
auf der inneren Reise den Ursprung birgt der
tiefen Achtsamkeiten. Hier finden wir die Hochzeit
des Feuers mit dem Eis.
geistig

Man findet eine Welt vor und denkt erstmal: das ist so, so ist sie, die Welt, obwohl man sie bei allen vorhandenen Übereinstimmungen immer nur durch sich selbst sieht. Das individuelle Sehen wird d a geschult, wo Möglichkeiten und Interessen hinfließen. Fakt ist, dass der schöpferische Geist, der alles zu durchwehen scheint, für alle Menschen verfügbar ist, nicht gleichermaßen im Sinne von der Rahmenhandlung, deren Gestaltung vielen durch Umstände verwehrt ist. Und doch ist dieser Geist immer wieder in den widrigsten Umständen aktiv gewesen und hat Menschen zu denen gemacht, die man gerne wertschätzt für ihr Sein. Dass man nicht automatisch wird, wer man ist, wurde von Gehirnen in jeder vorhandenen Zeit betont. Auch muss man nicht unbedingt aufs Werden versessen sein, nein (überall lauern Gefahren), sondern es scheint eher um ein Rätsel zu gehen, an dem man auf eine bestimmte Weise beteiligt sein kann, ganz nach Belieben der Einstellungen, ja, aber eben doch nicht so beliebig, dass es nicht vor allem um die Einstellungen ginge, die vielen Einstellungen, die zu Gefühlen werden können oder auch nicht, und zu Gedanken, die sich wie hungrige Hunde verhalten können, oder wie Affen, wie sie gerne in Asien sagen, oder wie Gespenster, die man fürchtet, aber nie wirklich kennenlernen will, die Dämonen, die in einem wohnen. Es gibt LehrerInnen, die sich auf die Handhabung von Dämonen spezialisiert haben (z.B. Tsultrim Alione, eine buddhistische Lama (istin?). So wie alle Wege nach Rom führen können, so gibt es immer wieder eine Menge Menschen, die nie in Rom waren. Man sagt ja viel über diese Zeit, in der wir gerade leben, und wahrlich, man darf staunen über die Intelligenz, die sich in Artikeln guter Zeitungen darlegt, so als könnten auf einmal sehr viele ein Club of Rome sein, bei deren Mitglieder man einen gewissen Grad von Erleuchtung erwartet, nicht, dass Erleuchtung gerade eine maßgebende Rolle spielt. Auch hier kann man einem gewissen Exzess der Formulierungen nachspüren, die einen, ist man wortverführbar, heimlich zum Bleistift greifen und einen vielleicht ein bisschen neidisch auf die Exzellenz des Ausgedrückten starren lassen. Und durch dieses breitgefächerte Erwachen des kollektiven Bewusstseins hindurch, das vor keiner Lösung gedanklich zurückschreckt, werden automatisch andere Stimmen geweckt. Wie aus einem Nirgendwo tröpfeln sie herein und finden eine Sprache, der man zuhören kann. Das ist kein Pflichtprogramm, das ist nicht vorgeschrieben. Das ist vielleicht eher ein tiefes Bedürfnis, selbst dagewesen zu sein in der Zeit und sie durch eigenes Schöpfertum mitzugestalten, sodass ich mich einigermaßen unabhängig verhalten kann den Schöpfungsweisen anderer gegenüber, die keine Antwort sein können auf das, was ich bin, oder ich auf sie, wir aber dennoch uns gegenseitig mitgestalten im Umgang miteinander, was eine gewisse Reife voraussetzt, die kein Geschenk des Himmels ist, ihm aber auch nicht schadet.
Das Bild zeigt Steine in Apulien
exzessiv

Wir sind ja schon seit Samstag zurück aus Apulien, und natürlich gibt es Nachwehen, zumal, weil ich persönlich die Abwesenheit des Welan im Haus in Apulien als einen gravierenden Notstand empfunden habe, bevor Stift und Papier wieder eine Freude erzeugen konnten. Kannte man diese Freude des fassbaren Ausdrucks vor dem Erscheinen des Computers und des Smartphones etc, hat man noch die Option des offenen Tores, durch das man fahren kann, außer diese Mechanik ist auch in einer Störung verhaftet, um die man sich kümmern muss. Bernd Ulrich von der „Zeit“ benutzt in einem Artikel den Ausdruck „Exzesse des Normalen“, hier in seinem eigenen politischen Kontext, wo er nach der hysterischen Aufregung um Bemerkungen des Juso-Chefs Kühnert der SPD und der Undion angeraten hat, sich statt um extreme Äußerungen sich lieber mit den Exzesse der Normalität zu beschäftigen. Der Ausdruck hat mich angesprochen, weil ich Ähnliches gerade über das Phänomen des heutigen Tourismus dachte. Es ist diese Beobachtung, dass bstimmte aus zuweilen sehr schwer nachvollziegbaren Gründen sich etwas ausbreitet, was auf einmal von einem Großteil der Bevölkerung(en) adaptiert und zur Norm erhoben wird. Etwa die Gruppenreisen mit dem Führer, der mit einem Fähnchen die Schäfchen durch das Dickicht der Fremdheit führt, immer da hin, wo jeder mal gewesen sein muss, koste es , was es wolle. Oder die blauen und pinken Strähnen im Haar der Alterslosen. Klar, das ist Mode, die ja auch oft genug zu einem Zwang ausartet. Oder die Tätowierungen. Unser Hausbesitzer in Apulien, Guiseppe, mit dem wir einiges beraten und bereden mussten, hatte auch aus allen Ecken und Enden des Outfits tätowierte Dinge strömen, und ich habe in Indien gelernt, dass es nicht immer auf gute Laune stößt beim Tätowierten, wenn man sie oder ihn fragt, ob man das ganze Werk mal gedeutet haben könnte. Aber eine tätowierte Nähmaschine am Hals fand ich nun wiederum sehr originell und fragte nach. „I hate my tatoos“, keuchte Guiseppe unter der Last seiner Jugendsträhne, und die Nähmaschine hatte er drauf, weil für ihn genäht wird. Wir konnten auf seinem Instagram Account ahnen, dass hier ein talentierter und kreativer Mensch am Werke war, der, wie wir später erfuhren, 3 Herrenmodenläden in Bari und zwei Airbnb Häuser hatte, aber auch ein Bedürfnis, mal wieder Zeit für sich selbst zu haben, was unter den selbt erzeugten Bedingungen schwer zu verwirklichen schien, da auch seine Freundin, eine professionelle Weinkosterin, darüber klagte, er hätte keine Zeit für sie und würde ihr nicht zuhören, was er bestätigte. Es gibt, so beschreibt es auch Bernd Ulrich in seinem Artikel, ein gewisses Vacuum (in der Gesellschaft), oder auch im Kopf, das durch Überlastung entsteht. Da setzen auch die Exzesse des Normalen an. Auch bei jedem kreativen Aufbau muss man darauf achten, dass ein gewisses Maß erreicht wird, das man sich selbst setzen muss, da es um geistigen Raum geht, für den unterschiedliche Bedürfnisse existieren. Und die Frage, ob es ein „Genug“ gibt, und ob es nicht dort ist, wo ich eine Gefahr wittere, dass ich mir selbst auch verlorengehen kann, ohne es zu merken, weil mich das Erschaffene in Atem hält. Reduktion wird vermutlich eines der nüchternen Geheimcodes werden. Das fängt bei den Kleiderschränken an und hört bei den Wolken auf.
reisen

Einige Einheimische haben uns den Hinweis gegeben, auf keinen Fall im Sommer nach Apulien zu kommen, wenn alles, was jetzt so leicht verschlafen erscheint, zu voller Touristenbedienung hochgetrieben wird für die paar Monate, die versichern, dass man den Winter über alles hat, was man sich angewöhnt hat zu brauchen. Auch das hat mich an Indien erinnert, als sich über die Jahre hinweg auf einmal alle viel leisten konnten und bauten, wie es Menschen gerne tun, sich Häuser, die dann viel Wartung in Anspruch nehmen. Oft wird im Aufbau des Materiellen vergessen, dass dann, wenn alles Erwünschte sich manifestiert hat, andere Fragen auftauchen. Jetzt ist die Form da, nur welche Substanz beinhaltet sie? Asiatische Weisheitslehrer sprechen ja gern von dem Inhalt als Leere als (z.B.). des Kruges wahre Substanz. Aber diese Leere, oder man könnte sie auch den geistigen Freiraum nennen, ist aber das Arbeitsfeld eines ganzen Lebens, das sich prioritätsmäßig auf diese Möglichkeit ausgerichtet hat, einmal MeisterIn des eigenen Feldes zu sein und der eigenen Samenbank. So ist es auch immer förderlich, sich aufzumachen und aus dem gebauten Rahmen zu treten, wo trotz aller potentiellen Dynamik und Kreativität immer auch die Bequemlichkeiten ihre Wege finden, einen zu hindern an der Abenteuerlust. Es zwingt einen auch keiner, durfte ich feststellen als Antivakanzianerin, sich als Tourist zu benehmen, denn überall, denke ich, wird einigermaßen authentisches Verhalten auch wertgeschätzt. Wenn man nicht zwanghaft nach netten Verbindungen mit Fremden sucht, kann es so ziemlich überall zu überraschenden Begegnungen kommen. Auch gibt es ja nicht wirklich ein Land, in das man einfach hineinfahren oder durchwandern kann, als wäre alles nur für den eigenen Bedarf hergerichtet, auch wenn viele das so sehen, weil man sich ja gegenseitig bedient. Das ist Tourismus, den ich auch in Indien als eine Art tödlicher Bewegung wahrgenommen habe, eine Krankheit, die man allen Menschen gönnt, weil nicht alle, aber doch sehr viele, sich alles leisten und auch überall hinschauen können. Da passiert dann was in der Gesellschaft. Es kann auch gesund sein, die Wurzel einfach links liegen zu lassen und zu neuen Ufern aufzubrechen, aber zu welchen? Nicht jede Zeit bringt einen Leonardo da Vinci hervor, auch nicht unbedingt einen Fellini oder einen Visconti. Doch wer weiß, was gerade alles kreativ hervorgebracht wird und wer es versteht, die Zeit mit einer guten Lupe zu betrachten, damit uns selbst klar wird, in was w i r uns bewegen, und was für uns noch möglich ist, auch wenn es einen minimalen Aufwand an Blindheit erfordert, und was ganz einfach n i c h t mehr geht, weil es mit dem eigenen Wesen nicht mehr kompatibel ist,
Saint-John Perse
Und doch erhebt ein anderes Meer sich fern, und das uns folgt in Höhe der Stirne des Menschen: sehr hohe Masse und Erhebundg der Zeit am Horizont der Erden, gleich steinernem Bollwerk an asiatischer Front, und hohe Schwelle in Flammen am Horizont der Menschen von jeher, Lebenden und Toten gleicher Menge. Hohe Zeit, hier sind wir. Nimm Maß nach dem Herzen des Menschen.
Immer war da, hinter der Küste der Menge, dieser reine Vorwurf eines anderen Traumes – dieser größere Traum einer anderen Kunst, dieser größere Traum eines anderen Werkes, und diese Heraufkunft immer der größten Maske am Horizont der Menschen, o lebendiges Meer des größten Textes!…Du sprachst uns von einem anderen Wein der Menschen und über unsern entwürdigten Texten war da jäh dieses Schmollen der Lippen, das jede Sattheit erzeugt.
Und nunmehr wissen wir, was uns das Leben anhielt, mitten in unseren Strophen.
gegensätzlich


Das waren schon gewaltige Himmel, die da über Apulien fegten, die warfen ihr eigenes Licht über das Vergangene und das Gegenwärtige. Diese Jahrtausende von starken Winden und brütender Sonne kann man sehen an den Körpern der Olivenbäume, jeder einzelne einzigartig in seiner stämmigen Kraft, auf dunkelroter Erde umpflügt und gehütet, ein geheimes Schatzhaus der Einheimischen. Der wilde Aufbau der Kakteen (Opuntia Fucus-Indica) an den von zeitloser Hand errichteten Steinwänden, überhaupt: Kakteen überall, vor sich hinwuchernd in großen Steintöpfen, oder allein auf Nachwuchs wartend auf den Terrassen der Häuser. Noch nie haben wir so viele leerstehende Häuser gesehen, so viele eiserne Schlösser an den grandiosen Toren, hinter denen man den langen Fahrtweg bemisst mit dem Auge zu Villen, die vielleicht später im Jahr erwachen. Noch bewegt sich wenig außer uns auf den Nebenwegen. Nebenwege, immer empfehlenswert, will man die Wurzeln der Dinge spüren, und nicht das Bedienen der herumwandernden Fremden, die dennoch die letzten Spuren des Geheiligten in sich suchen, und manchmal auch finden.
Die Zeit weiß vieles von den Menschen, die wir waren. Und dies noch bleibt zu sagen: wir leben von Untödlichem, und von Tod auch werden wir leben. Wir gehen vorüber, und , von keinem gezeugt, kennt man denn das Geschlecht, in dem wir vorwärtsschreiten?
bewegt

Es gibt noch tief berührende und stille Orte auf der Erde, kein Zweifel. Man muss sie suchen und finden und das Auge in die Architekturen senken, und wissen, worauf es einem ankommt und was einem selbst entspricht. Wir haben uns darüber unterhalten, in welcher Reihenfolge die Dinge aufgenommen werden können. Ich selbst entdecke gerne zuerst, was mir zusagt, und wenn dem so ist, höre ich auch gerne das gefundene Wissen dazu. Auf jeden Fall ist es erweiternd für den Geist, wenn Information und erfühlte Sicht zusammenkommen. Allerdings kann das Wissen von der vertieften Sicht auch ablenken, aber das Hinschauen allein birgt ja nicht automatisch die Tiefe. Auch liegt über allen Orten, zu denen man sich aufmacht, immer ein anderer Himmel, zumindest diesmal im Mai in Apulien ballen sich gewaltige Massen in hohen Geschwindigkeiten über einen hinweg, und auf einmal weiß man nicht mehr, wo die tieferen Künste zu finden sind, oder man weiß jetzt erst, wo sie gefunden und zum ersten Mal gesehen wurden.
Zeit, die das Jahr uns misst, ist nicht das Maß unserer Tage. Wir haben nichts zu schaffen mit dem Geringsten noch dem Schlimmsten. Weitung des Auges in den Basalten und den Marmorbrüchen. Die Stimme des Menschen ist über der Erde, die Hand des Menschen ist im Gestein und reißt einen Adler aus seiner Nacht.
Tür

Es war so ein bisschen wie diese Tür, von der man nicht erwartet, dass sie sich öffnet, dann aufgibt und sich anderen Dingen zuwendet,und siehe, sie bewegt sich doch. Nur ging es um’s Welan, das empfangsbereit in dem schönen Haus lag, die Antenne aber durch den gewaltigen Sturm zerstört wurde. Es war der Moment, den man sich öfters vor Augen gehalten hatte, ja, was wird geschehen, wenn sie nun wirklich nicht funktioniert, die Technik, mit deren Anwesenheit man rechnet, auch vor und nach den Reisen im Land, und bei der Rückkehr vom Meer, und überhaupt. Nachdem klar wurde, dass die Antennenauswechsler nicht gleich herbeieilen würden, konnte ich eine interessante Entwicklung feststellen. Nach zwei wichtigen Informationen, die ich über einen Mobilfunk hinaussenden konnte, verschwand so langsam das Bedürfnis nach dem Welan, und Papier und Stift gewannen ihre einstige Bedeutung zurück. Nun kamen die jungen Männer aber tatsächlich mit dem verstörten Patrone, und da ist sie nun wieder, die Verbindung mit der großen, weiten Welt und ihren Angeboten. Ich aber stelle fest, dass meine Eindrücke und inneren Vorgänge noch nicht sortiert sind, sondern an ihren jeweiligen Orten ihr Lager ausfgeschlagen haben, wo ich sie nach und nach besuchen werde in ihren apulianischen Trullis, die sich bereits im abendlichen Feuer als Asche manifestieren. Nun habe ich aber zufällig einige Zeilen des Dichters dabei (S.J.P.), dem ich hier, bevor ich weiterziehe, noch gerne einen Platz einräume. Ich kenne ihn seit frühester Jugend, und als ich an Apulien dachte, kam er mir in denSinn. Bis zu unserem Abflug soll er die wenigen BIlder begleiten, für die meine Hand sich ans Auge bewegt hat, den Reichtum sich selbst überlassend.
Hier sind wir. Frische des Abends auf den Höhen, Atem der offenen See auf allen Schwellen, und unsere Stirnen entblößt, größeren Weiten zulieb.
Sturm
Am ersten Tag kam ein solcher Sturm auf sodass alles
Technische den Geist aufgab. Vorerst kein Welan.
Arrivederci.
Saint-John Perse
Menschen, Leute des Staubes und aller Arten, Händlerund Müßiggänger, Anwohner der Grenzen und Leute anderswoher, o Leute geringen Gewichts in dem Gedächtnis dieser Stätten; Leute der Täler und der Hochebenen und der höchsten Abhänge dieser Welt, wo unsere Ufer enden; ihr, die ihr die Zeichen wittert, die ziehenden Samen, und Beichtiger der Lüfte im Westen; die ihr den Fährten folgt, den Jahreszeiten, die ihr die Lager abbrecht, wenn sich der erste Hauch der Frühe hebt; o Sucher nach Wasserstellen über der Rinde der Welt;
o Sucher, o Finder immer anderer Gründe, aufzubrechen nach anderen Orten, ihr handelt mit keinem stärkeren Salz, wenn in der Frühe, in einer Verkündigung von königlichen Reichen und toten Gewässern hoch über den Schwaden der Welt, die Trommeln des Exils erschallen und an den Grenzen die Ewigkeit wecken, die über den Wüsten gähnt.
unterwegs

So also, ein kleiner Schneeregen im Mai kurz vor dem heißesten Sommer aller Jahrtausende. Das Auftauchen regelmäßiger Unregelmäßigkeiten hat sicher auch eine belebende Wirkung. Das Erwartete tritt nicht ein, dafür aber das Unerwartete, für das es anderer Vorbereitungen bedarf., zum Beispiel junge Frauen zu einer Martial Arts Ausbildung raten, als Vorbereitung eben, und keineswegs als Garantie, obwohl gute Vorarbeit eine bessere Garantie ist als sich im Glauben zu wiegen, das Leben sei halt, wie es ist. Auch das ist richtig, aber woher weiß ich das? Viel muss erlebt werden, um die inneren Gegensätze in eine vernünftige Auslotung zu bringen. Dazu gehört auch Stillsein, und dann die Bewegung, ein bewusstes Entfernen von den ach so vertrauten Bequemlichkeiten. Reisen! So machen wir uns heute zu zweit auf nach Apulien. (Apulien! Always Awake!). Ja, ich fuhr einst mal durch, in anstrengender Arbeit mit dem Living Theater verwoben, wie kam das bloß zustande, diese Bari Vorstellung, alles kam mir damals schwarz umhüllt vor, und ich kam den Barianern auch so vor. Also mal neu sehen, was jetzt da ist, der Tourismus hat ja auch was Gutes, und wenn es nur wäre, dass man sich Heizung und technische Kühlung leisten kann. Und man weiß ja auch, dass hinter den Fassaden andere Dinge wohnen und andere Menschen, als man auf den ersten Blick zu sehen vermutet. Heute also nach Apulien, für eine Woche, unterwegs innerhalb der relativen Zeit, auf Weite ausgerichtet.
Das Bild habe ich gewählt, weil ich im unteren Teil ein Auge gesehen habe, das sich wie ein Fernrohr ausrichtet. Dann habe ich allerdings auch noch anderes gesehen, und das Auge nicht mehr, dann doch wieder, weil ich es ja schon mal erfasst habe. So isses.
rot

Als ich neulich ein paar Farben kaufte, nahm ich ein Rot heraus, um etwas Saft in die Asche von Pompeii (T.R.) zu fügen. Zuhause gefiel mir aber der Ton nicht mehr, er war zu hell, ich liebe dunkles Rot („Aus dunklem Wein und tausend Rosen rinnt die Stunde rauschend in den Traum der Nacht.“ (R.M.R.) Sowas können sich nur (gute) Dichter leisten. Ich habe dann das Rot mit Schwarz gemischt, dabei kam auch nicht heraus, was ich mir vorstellte. Ich musste umpolen. Es kam ein Bild heraus, das mir geeignet scheint, betitelt zu werden, weil allein der Titel vieles regeln und ausrichten kann. Ich gebe das Beispiel auch für mich als ein willkommener Hinweis auf eine permanent mitlaufende Geschichte, die in unseren Köpfen gesponnen wird auf der Basis dessen, was wir sehen, und wie sehr es darauf ankommt, zumindest eine ganze Zeitlang, wie wir das Gesehene mittexten und betiteln, woraus dann unser eigener Geist erschaffen wird. Wenn ich das entstandene Bild zum Beispiel „Die Reue des Priesters“ nenne, sehe ich etwas anderes, als wenn ich es „Der Schrecken“ nenne, oder „Die Begierde“. Auch der leicht ungesunde Farbton bringt andere Figürlichkeiten hervor. Da sind schon manchmal verborgene Vorgänge am Werk, denen man sich neugierig überlassen kann, wenn man einerseits keine Angst vor dem Scheitern hat, und andrerseits genug Vertrauen in die inneren Bewegungen, die durch bestimmte Einstellungen auf das Förderliche ausgerichtet sind. Abgründe können sich überall auftun, sie sind nicht an Protokolle gebunden, auch nicht an Verhaltensweisen. Sie bieten aber notwendige und kreative Möglichkeiten, mit dem Erschienenen umzugehen. Das heißt auch: aus welcher Quelle kommen meine Möglichkeiten des Umgangs, und wann sind sie souverän genug, damit ich sie vertrauensvoll agieren lassen kann. Dann spielt vor allem noch die Konzentration auf den lebendigen Moment eine Rolle. Wachheit. Aufmerksamkeit. Das, was man in den Schulungen lernt, ohne zu ahnen, dass Wissen nicht unbedingt zu entsprechender Handlung führt, nein. Wissen kann zu allem Möglichen führen, aber es gibt auch einen Punkt, an dem das Wissen im Weg steht und sich als Bewusstsein verkleidet. Ich erinnere mich nur noch an sehr wenige Satzformulierungen aus meinen spirituellen Lern-(und Wander) jahren, aber einer davon war, dass auch das Bewusstsein eines Tages, wie soll ich das übersetzen, …nicht mehr agieren muss, das folgt doch einer konsequenten Logik. Die Frau, die auch im Bild war, habe ich dannn etwas abgerückt (gesegnet seien einige technische Vorrichtungen, die einem gewisse spielerische Umsetzungen ermöglichen) von der etwas finsteren Figur. Natürlich könnte es auch diesselbe Person sein, nach außen so licht und begabt in weiblicher Gefolgschaft, und innen ein brodelndes Durcheinander unbezähmbarer Aufgewühltheiten. Und die gefangengehaltene Angst, aus lauter Angst, man könne dem Anspruch nicht genügen. Doch wer hat den Anspruch erhoben, und nach welchem Maßstab und welcher Morallatte ist er ausgerichtet? Ich fand den Ausspruch „Sich neu erfinden“ immer ziemlich doof, aber da ist auch so ein Tropfen Wahrheit drin. Vielleicht muss man sich neu erfinden, um sich wirklich zu finden. Dann bin ich mein eigener Finderlohn, das ist jetzt nicht so ernst gemeint. Aber lohnend.
wandeln

Auf einem Flohmarkt in der Nähe unseres Hauses, wo wir uns gestern durchschlendernd vorfanden, der alte Zauber nahezu ungebrochen, tausend Jahre Marché de Puces, nun so ziemlich ohne Flöhe, erholte sich zumindest mein Auge etwas von der latenten Anödnis, die mich in Straßen mit Läden ergeifen kann. Denn hier streift es zumindest eine Weile gerne über Unbekanntes und vielleicht noch Überraschendes und zu Entdeckendes, und gerne gibt man ein paar Groschen aus für ein Irgendwas. Dort erstand ich bei einer Frau für zwei Euro drei zusammengetackerte Illustrierte aus dem Jahre 1955 in einer Aufmachung, die gleichzeitig eine Vertrautheit und eine Verblüffung in mir auslöste. Offensichtlich erwartete ich, in vollem Vetrauen in mein Unbewusstes, beim Durchblättern der Magazine die Beleuchtung einer Zeit, die s o entschwunden schien, dass ich an den Fingern die Jahre abzählte, na ja, immerhin über sechzig Jahre, das kann man als sehr lang und sehr kurz empfinden, immer sehr relativ, diese scheinbare Zeit. Ich hatte schon an einem anderen Stand einen kleinen Kaufladen gesehen, in dem vergilbte Minipakete herumlagen aus derselben Zeit wie die Illustrierten, mit allem, was eine kleine Frau so braucht, Ata, Vim, Persil. Das tauchte dann in vergrößerter Form in den Heften wieder auf. Vor allem die Frauen sahen vollkommen anders aus als heute. Viele Hauskleider wurden ihr vorgestellt, bei denen sie auch Wespentaille tragen konnte und damit bequem für die tödliche Einrichtung sorgen. Der Busen unter den vielen Blumendesigns war hohgehievt und sehr spitz nach vorne ausgerichtet. Michele Morgan, die kaum einer mehr kennt, starrte tragisch umwittert ins Sepia-Nichts. Zigaretten wurden angehimmelt, als wäre es sündhaft und unelegant für den Mann, ohne sie zu leben. Völlig zeitgemäß hingegen schien die Seite mit den weißen Gewändern für „den schönsten Tag im Leben“, der ja wieder mächtig en vogue ist. Die Herren, die sich das alles meistens ausdenken, was die Frau trägt, sind ja oft unterhaltsam, kreativ und schwul, könnten sich heute von diesen ausufernden Hochzeitsschöpfungen noch eine Scheibe abschneiden. Man denkt doch, die Menschen sehen immer ein bisschen ähnlich aus, aber nein, tun sie nicht. Man bekommt ja gar nicht so richtig mit, wie ungeuerlich märtyrerhaft viele Frauen sich den Geboten der männlichen Ordnungen unterwerfen, wobei sich natürlich auch Männer in ihre eigenen, ungeschriebenen Gesetze einordnen. Das kann eine locker heruntergelassene Hose sein, bei der man noch den Ansatz der Pospalte sehen muss, oder die neuen Jeans mit den zerrissenen Löchern. Sicher ist, dass, wer sich nicht selbst bestimmt, automatisch einem hohen Grad an Fremdbestimmung ausgeliefert ist. Wie – du hast noch keinen Bac Stift für die garantierte Körperfrische, oder hast noch nicht die schönen Hände mit dem Cutex Nagellack ausgestattet. Auch ein kleines Gedicht ist drin im Heft, es ist ein Zöpfchen-Song für eine kecke Frau, die die Naive spielt. Und so sehr die Formen sich verändert haben, so sehr spürt man noch dieselben Vorgänge in den neu gestylten Kostümen von Mensch und Ding. Gut, das Rauchen ist eine Heldentat geworden, weil tödlich, die genussvolle Freiheit also sehr eingeschränkt durch die grässlichen Bilder, die vielleicht mehr Krebs erzeugen, wobei die Tabakindustrie merkt, dass sie trotzdem gut weiterblühen kann. Alles muss nur gut verkauft werden. Jetzt geht es in diesem Land so vielen so gut, dass ein gemeinsam erschaffenes Kranksein am Zuviel als Botschaft eines neuen Gesund willkommen geheißen wird. Oder ist es der Automatismus des universellen Vorgangs, der die Menschenkinder spielen lässt, bis es kein gutes Spiel mehr ist, nein!, wenn du das letzte Modell deines Smartphones nicht erwirbst, bist du ausgeschaltet aus der Kompatibilität. Selbst schuld, denn du warst doch dabei, als man dir sagte, dass die anspruchsvolle Dame Trajana trägt. Überhaupt: die Farbe des Jahres! Wie, du weißt es noch nicht? Wie man ordentlich abmagert und so wird, wie man sein sollte. Und aus allen Winkeln des Seins kommt auch s i e wieder hervor, die unzerstörbar zeitlose Frage; Wie ist man denn wirklich. Und gibt es sie, die glaubwürdige Seinswirklichkeit. und welcher Weg führt zu diesem verborgenen Ort, der schon immer da war?
1. Mai mit „The Doors“
Was den 1.Mai betrifft so ist es sicherlich gut, dass alle frei haben, obwohl mir gestern, wegen einer vermeidbaren Kleinigkeit unterwegs, die Menge wieder auffiel, die vor Feier und Sonntagen in besonders dichten Mengen herumwandert, um das Nötigste zum Überleben für den nächsten Tag zu besorgen. Auch was die Bedeutung dieses Tages betrifft, so kann ich zwischen Maibaum Tradition und einer dunstreichen Erinnerung an den „internationalen Kampftag der Arbeiterklasse“ (was ich bei Lord Google etwas auffrischen musste) kaum eine Entscheidungsfreude vorfinden. Kurz, es will mir nichts Rechtes einfallen, weil ich es für mich zum Ruhetag meiner Synapsen, beziehungsweise ihn als Tag zum Ausruhen neuronaler Verknüpfungen deklariert habe, die ja auch immer ganz schön am Arbeiten sind, außer, man fügt mal bewusst aus dem Freiraum des Seins eine Pause ein und beobachtet mit müßiger Trägheit, (die aus dem Feiertagsquell emporkommt), ob man dazu überhaupt in der Lage ist. Wie wär`s mit einer Musik, dachte ich, und kam, um Mühelosigkeit bemüht, auf die Doors, die ich zufällig neulich mal wieder gehört hatte und vor allem als Klang angenehm fand, na ja, und so ganz ohne Texten geht`s ja meistens nicht…Hier also „The Doors“ frisch aus dem unerschöpflichen Google Himmelreich: (Ist doch megacool, sich „Die Türen“ zu nennen. Und Jim Morrison, der derzeit Angehimmelte unter den musikalisch/poetischen Zeitvisionären, wurde (auch) nur siebenundzwanzig Jahre alt.)
in Ordnung


Auch jetzt bin ich noch dankbar, dass ich in einer meditativen Schulung war, die das ja meistens mehr oder weniger bewusste Schauen auf die Welt und ihre Ordnungen und Sichtweisen nicht als Schauen gefördert hat, sondern als Innehalten im Schauen und insofern mit sich selbst beschäftigt, dass es auch hier sehr lange um geistige Aktivitäten geht wie das Aufräumen und das Aussortieren und mit der Eremitenlampe durchs Geröll marschieren, eine Quelle ahnend, ohne die der Weg alle Mühsal nicht wert wäre. Man spricht hier öfters mal von einem Sterben, das mit einem Gefühl zu tun hat, wenn langjährig sich im Innenraum niedergelassene Identifikationen losgelassen werden müssen, was sein kann wie das als schmerzhaft vermutete Sterben. Und manch einer kommt aus diesen Toden auch zurück, allerdings nicht neu inkarniert, sondern aus Sehnsucht nach dem scheinbar Verlorenen, oder aus Verlangen nach dem verlorenen Schutzraum, den man für die Wirklichkeit hält, woran sich die Frage anschließt, ob es sie wirklich gibt, diese wirkliche Wirklichkeit, und aus was sie besteht. Und ob es eine gibt, die wir alle gemeinsam haben. So wunderbar die Augen auch sind, die wir haben, so sehr lehren sie uns eines Tages die Gefahr einer trügerischen Wahrnehmung. Einmal war ich für längere Zeit in einer wunderbaren alten Villa an der Amalfiküste zuhause, und einen Großtil meines Alleinseins verbrachte ich auf dem breiten Fenstersims als Wolkenbetrachterin. Ja, dort bin ich überhaupt erst erwacht zum Sehen, und mit keinerlei wirklichkeitsnahen Worten kann ich bis heute die ekstatischen Zustände beschreiben, die mich dort ergriffen haben vor allem an Tagen mit diesen dicht geballten Wolkenfeldern als Angebot himmlischer Arbeitsfläche. Aber vielleicht erscheint jetzt noch manchmal ein Hauch dieser Eindrücke auf meinen gepinselten Bildern, ja, muss wohl so sein, sie kommen ja immer noch aus mir und den wie im Strom sich fortbewegenden Korridore meines Seins, immer mal unterwegs die Räume und Weiten und Profile wechselnd, aber immer doch eine tiefe Verbundenheit und Zärtlichkeit dem Dunklen wie dem Hellen gegenüber, auch wenn das Außen andere Forderungen und Prüfungen hervorbringt, die dem inneren Schöpfertum praktische Gesetze auferlegen, die man auch ruhig die ewigen nennen kann, da sie seit Menschengedenken immer schon aufgefallen sind durch ihre überzeugende Logik. Sieht man einmal genug Götterboten durch die Himmel streifen und ihre Aufgaben erfüllen, vielleicht für den universell gerne visionierten, einsamen Herrn, dem man das Ganze anlasten kann oder sich auch eine Weile an wichtigen und wesentlichen Dialogen mit diesem Urpfahl erfreuen, bis auch das vorübergeht, ohne dass irgendein Leid oder eine Unzufriedenheit dadurch entstanden wäre. Wenn man weiß, wie Götter entstehen, dann weiß man auch, wie man selbst entsteht, konsequenterweise vom präverbalen Sein aus bis in die letzte Phase des ganz und gar Ungewissen hinein: Da erst nämlich kommt einem das Steuer real vor, von mir aus auch göttlich. Das bewegt sich voran, als wäre man gleichzeitig alles und nichts, und als wäre es dennoch ratsam, die Richtung gut zu bedenken.
hervorbringen


Als ich dieses Jahr aus Indien zurückkam, war der Hype um Greta Thunberg schon angelaufen. Wie, du hast ihre Rede noch nicht gehört!?, staunte es einmal übers Telefon. Ich habe sie dann gehört, und es verlangt ja niemand von mir, dass ich etwas fühle, wo ich nichts fühle, beziehungsweise noch nicht weiß, ob, oder wenn, was ich eigentlich fühle (oder denke). Das Interessante an der sich entwickelnden Geschichte, was das Asperger Syndrom wie nebenher verständlich machte, war für mich, dass es hier nicht um Fühlen ging, auch wenn sicherlich durch die Bewusstmachung davon dadurch einiges Mitgefühl im Spiel war, aber es ging um die Dringlichkeit des Handelns im Angesicht einer Katastrophe, die allen Anwesenden durchaus vertraut war und ist. Wer wäre besser geeignet gewesen als dieses Kind, über Nacht zur Ikone mutiert, um emotionslos d i e paar Worte zu sprechen, die Anderen nicht möglich waren. In einem der neuen Artikel (von Dominik Finkelde) über Greta Thunberg wird Hegel mit einem interessanten Satz zitiert. „Ihm (Hegel) zufolge können in gesellschaftlichen Prozessen Plätze entstehen, Orte des Erahnten, aber noch nicht Begriffenen, , die dann eines Tages – eher zufällig als nach Terminabsprache – von Individuen sozusagen realpolitisch eingenommen werden. “ Dass dieses Geschöpf Greta also von ihrer Zeit praktisch erwartet und erschaffen wurde durch das als schmerzhaft empfundene Fehlen von Handlungen bei gleichzeitig andauernder Beschallung von Vorwürfen.“ Man denkt natürlich nicht täglich daran, dass ja wirklich alles, was für uns an Menschlichem wahrnehmbar ist, von uns Menschen hervorgerufen wurde, und das, was jeweils da ist, automatisch der Ausdruck des kollektiven Bewusstseins ist, wenn man nicht den ganzen Vorgang einem Gott hinschiebt. Auch Menschen wie Hitler und Trump usw. füllen eine Lücke im kollektiven Bewusstsein und können nur eine derartige Macht entfalten, wenn sie clever mit den derzeitigen Bedürfnissen der Masse umgehen, oder ein dunkler Instinkt ihnen verrät, was für ihren eigenen niedrigen Instinkt hier drin ist als Erfüllung noch unbewusst lauernder Wahnideen. „Krank ist das neue Gesund“ sagen Gretas Eltern wohl in ihrem Buch über all dieses Familienschicksal, ein furchtbarer Satz wegen des Tropfens Wahrheit, den er enthält. Aber vielleicht geht es gerade um diesen Tropfen (Tinte im Wasserglas), der einem ermöglicht wahrzunehmen, wie sehr das menschliche Gefüge (schon) von Krankheitsbildern derart geprägt ist, dass man es als eine vorherrschende Realität einfach mal zulassen muss. Aber ist es wirklich vorherrschend, oder läuft hinter dem ganzen Spiel nicht doch immer eine Sphäre mit, die von den Spielarten nicht betroffen ist, nein, kein Gott und auch nicht ein erhoffter Götterolymp, sondern ein geistiges Potential, das offensichtlich so geartet ist, dass es gefügig und formbar ist, wenn man sich mit den Gesetzmäßigkeiten vertraut macht. Genau da liegt aber auch die Gefahr, die wir nun alle als Lebende auf diesem Planeten spüren, nämlich, dass wir in der Tat uns selbst in Gefahr gebracht haben, eine tiefe Dunkelheit, aus der nur die Einzelnen einen Weg heraus bahnen können. Alle Einzelnen der Erde, denen es wesentlich erscheint angesichts des Notzustandes, zu ihrem eigenen Wesen zurückzukehren. Und vielleicht stimmt es ja (auch, und unter anderem), was Philipp Ruch, der künstlerische Leiter des „Zentrums für politische Schönheit“ in einem Interview sagte, nämlich, dass die 95% Mitläufer die Dunkelheit bilden, in der Schönheit erst leuchtet.“ Aus was diese Schönheit nun wiederum besteht, das muss wohl jede/r für sich selbst herausfinden. (Das versteht sich von selbst).
Friedrich Hölderlin
Ich werde sein. Wie sollte ich mich verlieren aus der Sphäre des Lebens,
worin die ewige Liebe, die allen gemein ist, die Naturen alle
zusammenhält? Wie soll ich scheiden aus dem Bunde, der die Wesen
alle verknüpft? Der bricht so leicht nicht wie die losen Bunde unserer
Zeit. Der ist nicht wie ein Markttag, wo das Volk zusammenläuft
und lärmt und auseinander geht. Nein! Bei dem Geiste, der uns
einigt, der jedem eigen ist und allen gemein! Nein! Nein! Im Bund der
Natur ist Treue kein Traum. Wir trennen uns nur, um inniger einig zu
sein, friedlich mit allem, mit uns. Wir sterben, um zu leben.
verloren (?)

Aus dem Freundeskreis hat jemand unterwegs dieses Bild in Wuppertal gemacht. Dass es entdeckt wurde, macht die kühle Schönheit des Bildes aus mit dem Satz „Es ist noch nicht alles verloren“. Man möchte schon gerne wissen, wie er da hingekommen ist und was er wem so bedeutsam vorkam, dass er einen ordentlichen Platz bekommen hat. Ich bitte um die Erlaubnis, das Bild heute in meinem Blog zu veröffentlichen, auch weil es mir wie ein Satz vorkommt, über den ich noch nachdenken könnte, wen es sich ergibt. Und es ergab sich also, dass just in der „Zeit“-Ausgabe dieser Woche ein Interview erschienen ist mit Peter Handke ( das lesenswert ist), und in dem derselbe Satz vorkam wie in dem Bild. Handkes Satz lautet „Vielleicht ist ja auch noch nicht alles verloren“, da er in seinem Kontext meint, nach dem Ersten Weltkrieg sei eigentlich der Untergang schon besiegelt gewesen und in der Geschichte stecke der Teufel, was nun hier nicht weiter vertieft werden muss. Jeder kommt aus einer anderen Ecke des Labyrinthes in seine oder ihre Oase. Auf dem Weg kann man sich schon mal fragen, warum einem, oder muss ich „mir“ sagen, dieser Satz auch ziemlich trübsinnig vorkommt. Ja, ich kenne durchaus Momente, wo ich denke, sehr viel ging und geht verloren, das kann die Handschrift und die Präsenz von Notizbüchern sein, oder eine Ebene der Menschlichkeit, die man für selbstverständlich hielt. Überhaupt: das Selbstverständliche, das so viel Wirrnis hervorrufen kann, weil das Selbst (auch noch nicht für sich selbst klar definiert) noch gar nicht genug erfasst ist als ein Ort, von dem aus man solch einen Verlust überhaupt reflektieren kann. Auf was genau zielt die Hoffnung, dass noch nicht alles verloren ist. „Alles“ kann in letzter Konsequenz nur man selbst sein, vielleicht ein Gefühl des Verlorenseins im Teufelskreis der Geschichte, persönlich oder politisch, der man sich ausgeliefert fühlt. In den ziemlich klugen Beobachtungen indischer Weiser, die, aus welchen Gründen auch immer, lange Jahre herumsaßen und hineinschauten in das äußere und innere Wesen der Dinge, in diesen forschenden Beobachtungen kamen sie zu der Erkenntnis, dass der Ablauf der Zeit nur kreisförmig sein kann. Tatsächlich wird auch hier diese Zeit, in der wir gerade leben, als eine Zeit großen Verlustes gesehen, eine trügerische Zeit, in der einem nichts übrig bleibt, als sich auf das eigene Auge zu verlassen und es zu fragen, was es wirklich sieht, und worauf es ihm ankommt, dem Auge. Denn es geht zwar einerseits um die Akzeptanz so manchen Verlustes, ohne den man gut leben könnte, aber andrerseits geht es auch darum, die Zeit gut zu nutzen. Ich denke, dass man vor allem in den „fetten“ Jahren, über deren Ende nun viel posaunt wird, sich mit den Dingen beschäftigen kann, die in den „mageren“ Jahren vielleicht nicht so viel Raum einnehmen können, weil es da oft um grundlegende Materialien geht, die der Mensch nicht mehr so leicht zur Verfügung hat. Was haben wir nicht alles vom persönlichen Haus aus über die vielfach verfügbaren Medien mitbekommen von Verlusten, unter denen Menschen zu leiden haben. Ganze Dörfer und Kulturen wurden von den Geschehnissen der Zeit mitgerissen, zerstört, dem Erdboden gleich gemacht, und die auf unmenschlichste Weise allen Sinnes entleerten Orte vermint undsoweiter. In der Mitte dieser Dunkelheit also, sagten die Weisen, muss geradezu automatisch und wie von selbst eine Ausgleichung erscheinen, von der man nur ausgehen kann, wenn man sie einmal als solche im Universum wahrgenommen hat. Es ist ja nicht so leicht, von dem ganzen abenteuerlichen Spiel, in dem alles möglich erscheint, freiwillig zurückzukehren zu sich und sich über die ganz persönlichen Verluste, die man zu beklagen hat, klar zu werden, bevor einem klar wird, dass diese Rückkehr keineswegs ein Verlust ist, sondern genau d i e Bewegung, die es einem erlaubt, tiefere Verbindung mit sich selbst aufzunehmen und zu schauen, wohin der Kurs nun wirklich gehen soll und kann. Was auch immer es sein mag, was man als verloren vermutet hat, so entpuppt sich doch die Akzeptanz des Verlorenen als eine Erkenntnis des Reichtums, definiert als die Wertschätzung dessen, was in der Tat meins ist, mein Leben nämlich, und was ich durch es gestalten kann, wenn aus dem Es tatsächlich ein Ich wird, das einzige, das man als GestalterIn im Hier und Jetzt zur Verfügung hat. Achach so grüblerisch, und das am Samstag, und der noch verregnet.
mausetot

Dass Karl Lagerfeld es als Toter in die Nachrichten der „Times of India schaffte, war schon bemerkenswert, auch wenn es auf der „Global News“ Seite war, aber noch fragwürdiger schien es den indischen Freunden, dass er seine Katze anbetete und sie auch geehelicht hätte, wäre die Gesellschaft (meinte er) genug gereift für solche Vorgänge. Seit Millionen von Fremdlingen durch Indien traben und viele von ihnen dadurch auffallen, dass sie besonders lieb zu Tieren sind und sie gnadenlos retten und füttern können, löst sich auch in indischen Gehirnen das Bild von der Katze als böse durch die menschlichen Schluchten und Gruften streunender Geist, beziehungsweise jagt sie Ratten, das heilige Traveltier von Ganesh, dem Elefantengott. (JaJa) Wir haben eben auch zwei sehr schöne Katzen, und man kann viel von ihnen lernen, unter anderem auch, wie man in seelische und geistige Bredouillen kommt angesichts ihrer natürlichen Begierden. Die Große der beiden ist schon älter und gediegen in ihrer Art, aber der Kleinen gehört ein Teil des Waldes, und von dort bringt sie regelmäßig Tiere im Maul mit, es war auch schon mal ein kleiner Marder, oder ein Vogel. Mir wurde einmal erklärt, dass es Geschenke sind an die, die sie gerade favorisiert. Diese Personen, ungern eine Maus zwischen der vertrauten Materie wissend, suchen dann mit dem Tier die Maus. Neulich bemerkte ich eine Atmosphäre tiefer Innigkeit beim Suchen (nach der Maus) zwischen mir und der Katze, und alle Zeichen deuteten darauf hin, dass sie sich freute, dass ich ebenfalls die Maus will zum Spielen. Da ist die Kommunikationsebene doch wieder sehr begrenzt, denn ja, will auch ich die Maus, aber aus anderer Motivation heraus. Oft überleben sie ja, wenn wir fit sind beim Retten, doch so manche sind beim Spiel auch gestorben, und wir tragen sie an den Ort, den wir das Mausoleum nennen, das ist schon ganz schön voll. Als ich die winzige Maus gestern vor diesem Gang spontan an die Yogi Figur lehnte, (siehe Bild), da fiel mir auf, wie ähnlich sie doch auch in ihrer Zartheit waren, die beiden, die Katze und die Maus. Jemand erzählte uns, dass sie irgendwo gesehen haben, dass eine Katze und eine Maus sich täglich das Fressen im Futternapf teilen. Das ist wirklich verblüffend, dass auch hier durch bestimmte Vorgänge der Trieb des Jagens und Mordens vom vermeintlichen Feind gebändigt werden konnte. Hört man mal wieder von Bordellen und Frauenhandel, fragt man sich das ja auch, in dem Falle vielleicht eher, wie es dazu kommen konnte, dass das als „natürlich“ gesehen wird, denn ist die Lust an der Jagd und der Erniedrigung nicht tierisch? Auch wenn man Mensch ist und des Bewusstseins fähig, kann einem das Morden beigebracht werden, denn man muss nicht die Hand heben mit einer Waffe, um des Mordes fähig zu sein, man braucht, wie wir (Deutschen) von unserer Geschichte wissen, nur die willigen Ausübenden. Man stempelt ein ganzes Volk zu gejagten, unwürdigen Mäusen, und obwohl so viele Fragen gefragt wurden, sind manche Antworten nie gefunden worden. In einer Zeit, als ich in einer strikten Mediationsausbildung war, traf in diesem Hof einmal ein Ausgestiegener aus der amerikanischen Navy Seal Elitetruppe ein, der sich verfolgt fühlte von den Knechten seiner Seniors, denn man verlässt eine Elitetruppe nicht freiwillig. Er war in armen Verhältnissen in Harlem geboren und war irgendwie im Dunstkreis der als ehrenhaft gesehenen Eliteeinheit gelandet, wurde gnadenlos trainiert und zum Morden geschickt. Sie wussten nie, wo sie aus Fallschirmen herausgelassen wurden, nur, dass sie die dort befindlichen Menschen umzulegen hatten. Als ihm klar wurde, dass dieses sich als nobel tarnende Männerbündnis ihn zu einem Instrument des Mordens gezüchtet hatte, nahm er sein goldenes Navy Seal Emblem ab und gab es zurück, nämlich dahin, wo sie gar nicht amused waren, da vorher noch nie jemand dem Mythos der Elite, sprich: der Gehirnwäsche, entkommen war. Diese Geschichte taucht auch deshalb wieder bei mir auf, weil gerade ein Navy Seal Elitecommander mit bestem Ruf vor Gericht steht, weil einige seiner Elite-Mitspieler ihn angeklagt haben, ohne Grund und aus purer Tötungslust Menschen abgeknall zu haben. Ich denke, es ist ratsam, die dunklen und hellen Anteile in der eigenen Psyche sorgsam zu erforschen, denn es fällt doch auf, dass die Gewohnheit, sich selbst als „gut“ zu empfinden, sehr weit verbreitet ist und keine Garantie dafür, wie ein Mensch sich verhält, der von anderen Gehirnen noch gewaschen werden kann, selbst also ohne Waschmaschin lebt. Auch, dass Bildung keine Garantie ist, wusste man lange nicht. Der Weg der Selbsterkenntnis ist nicht gepflaster mit Garantien. Risikoreich, ganz sicher, aber auch spannender als das Vorgaukeln. Dass noch vor Kurzem ein Dichter (Paul Celan) den Tod als einen Meister aus Deutschland nannte, kann durchaus bedacht werden. Es sagt u.a. etwas sehr Tiefes aus über die Gefahren der Meisterschaften.
Anliegen

Mir hat der Ausdruck „am Herzen liegen“ immer gefallen, auch wenn er Gefahr läuft, sich als romantisch zu offerieren, was ja auch harmlos ist. Für mich trägt er oft das Bild eines Banian Baumes, unter dessen Obhut und Schatten sich zusammenfinden kann und zusammengefunden hat, was sich als wesensnah empfindet, nicht im Sinne einer „Gleichheit“, sondern eines ruhigen Vertrauens, das sich durch Erfahrung und Umgang miteinander erschaffen und genährt hat. Eine Art Garten, ein innerer Kepos. In der Welt des Likens und Not-Likens ist es beruhigend, dass die inneren Gärten uneingeschränkt sein können in ihrer geistigen Architektur, und eingeladen ist, wer sich eingeladen fühlt, wo Freundschaft und Liebe möglich sind und Andersartigkeit geschätzt wird, dieses Zulassen von Fremdheit und dem Interesse daran innerhalb der möglichen Nähe. Wo man die Anliegen austauschen kann, ohne Gefahr, dass es zu Verstummungen kommt. Diese Verstummungungen, die wir alle kennen, wenn klar wird, was klar werden muss. Die unübertrefflich schwierigen Seiltänze, wenn man einerseits zum Volk gehört (und seine geschätzte Sprache spricht), in dem man geboren ist, und andrerseits dieses Volk erst verstehen lernt wie sich selbst, was Zugehörigkeiten ermöglicht auf jeder Bandbreite. Wenn Grenzen offen sind und die meisten Länder bereisbar und und die Reisen bezahlbar, kommen erweiterte Wahrnehmungen hinzu. Die Vielen und die Wenigen sind überall. Die Zufriedenen und die Unzufriedenen, Die an starre Glaubenssätze gebundenen Hierarchien, die verordneten Ordnungen der Regierungen, das Verhältnis von Mutter oder Vater Staat und ihren und seinen Kindern, die Verherrlichung von Gewalt und Religion, die Geschlechterfragen. Und dann die Oasen und Gärten, die auch gleichzeitig entstehen, damit das geistige Potential des grandiosen Vorgangs „Leben“ nicht untergeht in den vorletzten Wirklichkeiten. Deswegen werden Zeiten, in denen düstere Prophezeiungen die Runde machen, die wegen ihrer Nachvollziehbarkeit so einleuchtend scheinen, diese Zeiten werden auch geschätzt, wenn Einzelnen klar wird, dass gerade die sogenannten fetten Jahre sich so geeignet zeigten, mit bestimmten Praktiken in Berührung zu kommen, die eine brauchbare Weile als zeitlos gelten konnten, bis auch ihre Grenzen sich zeigten. Wenn das extra Auge ins Spiel kommt und dort dringend gebraucht wird. Nicht, um von den Höhen und Höhlen des Himalaya heraus und herunter einem geheimnisvollen Auftrag zu dienen, der unüberprüfbar bleibt, sondern, sollte es jemals brauchbares Wissen gegeben haben, es nun mitten an den Orten der menschlichen Einrichtungen sich auf vielfältigste Weise zu zeigen beginnen kann. Dann zurück zu den Gärten, wo das Wesentliche weiterhin gehütet wird und freies Kommen und Gehen stattfindet, und das willkommengeheißene Lagern an den Wurzeln der Bäume. Wo die Anliegen sich kraftvoll und behutsam entfalten können.
umsetzen









