Darf man?

Die Fragen werden sich häufen. Am besten besorgt man sich ein Antwortbüchlein, so als Anregung, wenn man mal dringend eine braucht, die nicht zur Verfügung steht. So ein kleines, hübsch aufgemachtes Büchlein habe ich mal geschenkt bekommen und gestern ist es mir mal wieder ins Auge gefallen. Wenn ich zum Beispiel jetzt eine Frage stelle, zum Beispiel zur Zukunft des Klimaschutzes, neeeinn, nicht schon wieder, schon ist es im Märchenwald verschwunden: Klimaschutz, der rotbackige Apfel des Dornröschenschlafes. Die Frage könnte lauten „Wer ist der Prinz, der entlangkommt und vor Entzückung oder Schrecken in Erstarrung des Dilemmas verharrt, bis das Rätsel gelöst ist. Sebastian Kurz, der gerade mehr Zeit hat, würde sich eignen. Auf hohem Ross zieht er sich zurück in inneres Erschrecken ob des Dargebotenen, bis ihm eine adäquate Lösung einfällt in dem Dilemma, hatte er doch eine amouröse Rettung aus einem gläsernen Sarg gar nicht vor, hat aber dafür Zeit. Leider ist AKK z u beschäftigt und würde, auch wenn sie Zeit hätte, vielleicht die Prinzessin gar nicht spielen wollen, die, wie viele PolitikerInnen, unter Erwachungszwang steht und sich gar nicht daran erinnert in diesem Schreckensmoment, dass man in Deutschland sagen darf, was man möchte, auch wenn man differenzierte Meinungen darüber hegt, w a s gesagt wird. Auf einmal, wie über Nacht gereift, sehen die Vierzigjährigen in ihren politischen Rolltreppenspiegeln alt aus. Ja dürfen die denn das, diese YouTuber, ein paar Millionen Followers hinter sich haben. Ihre Fragen sind in Essenz einfach zu verstehen: ja, warum setzt ihr eigentlich nicht um, was da auf euren Plakaten steht!? Männliche, verhältnismäßig noch jung zu nennende Politiker fallen vor aller Augen in Demut. Versäumnisse werden großmütig eingeräumt, Die Tatsache, dass diese Generation gerne einen Planeten hätte, auf dem sie atmen kann, sickert schwerfällig in die Gehirnareale ein. Nicht nur bei den PolitikerInnen, auch bei uns. Auch die vielen Arme und Waffen der Zerstörung haben eine geheimnisvolle Sogwirkung. Für das, was ich mir hier kaufe, wird dort ausgebeutet. Das, was denen gehört, gehört jetzt zu uns. Darf man das? Wie lange glückt einem die Scheinheiligkeit, wenn man permanent auf die Zusammenhänge gestoßen wird. Das will man ja gar nicht wissen. Dafür hat man auch keine Zeit. Wer soll denn das ganze Ding händeln? Und wer sind denn überhaupt die Hauptweltverschmutzer!? Doch die Chinesen und die Inder! Da hat man denen die ganzen Jahre die hier verbotenen Gifte verkauft, jetzt verschmutzen die da drüben die Welt! Die Überforderungen der Zeit führen häufig zu gravierender Abschottung. Jetzt fällt mir der Satz ein,  den ich in den Nachrichten gehört habe. Da sagte jemand: Wenn Einer zu schottern anfängt, dann schottern bald alle hinterher. Es ging hier zur Abwechslung mal nicht um die Klimapolitik, aber dann wiederum, wie soll man das noch von was trennen können, sondern es ging um irgendwelche zugeschotterten Vorgärten, die von Ganztagstätigen reihenweise bevorzugt werden, weil sie pflegeleichter sind als kreativ gepflanzte Blumenbeete, die es natürlich woanders auch noch gibt, so ist das nicht. Allerdings stelle ich mir auch die Grünen vor, wie sie, alle gleichzeitig aus dem lange verschlossenen Glassarg erwacht, sich besten Glaubens an die Schwerarbeit machen, weil unsere Kreuzchen dann doch was bewirkt haben. Zurück zu der brennenden Frage, was man eigentlich darf und was nicht, so weiß ich sehr wohl, dass ich das Photo oben (aus der „Zeit“) nicht in meinem Blog ersheinen lassen darf (vermute ich mal), aber es gefiel mir. Es zeigt eine Frau und zwei Männer, die, wie der dazugehörige Text auch sagt, auf der Suche sind, jede/r auf seine/ihre Weise, nach der letzten freien Minute. Sie suchen aber auf und unter demselben Schreibtisch, eben: wenn Einer schottert, dann schrotten oder schottern oder schlottern doch bald alle Anderen. Ach ja, noch die Antwort auf die Frage: Welche Zukunft blüht dem Klimaschutz“ aus dem Antwortbüchlein. Ich öffne und da steht „Traue deiner Intuition“, aber ich kann ja nicht beweisen, dass ich keine fake Antwort hier produziere, weil ja auf einer bestimmten Ebene alles zu allem zu passen scheint. Aber nur scheint.

 

 


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