trauern

Auch wenn einem ein Gedanke schon lange vertraut vorkommen mag, schadet es nichts, eines Tages von ihm getroffen zu werden wie ein Blitz, so, als hätte er endlich die Wirkung auf das eigene Wesen, die die ganze Zeit in ihm gelagert war. Manchmal muss man auch genügend vor sich hinreifen, um das ganze Ausmaß eines Erkennens verkraften zu können. So ist es kein Geheimnis, dass die ganze Welt ein Produkt der Vorstellungskraft ist, das ist ihr Reiz, das ist ihr Spiel, das ist ihr Drama, wie auch immer jede/r Anwesende es für sich erfährt und gestaltet. So ist es für mich in den letzten Tagen wie ein schwieriges Erfassen gekommen, dass ich verstehen muss, dass der (unausgesprochene) Wunsch, Hindus mögen aus ihren Götterwelten purzeln und zu sich kommen, völlig irrelevant ist, sondern dass es  vielmehr darum geht, dass i c h erkenne, dass ich (für mich) nicht mehr vorhanden bin im Alltag ihres Götterolymps und einen neuen Weg finden muss, damit umzugehen. Ach die wunderbaren Götter, welcher unerschöpfliche Reichtum an Wesenheiten, an Zuständen, an Prinzipien, an hohen Ordnungen und menschlichen Verhaltensweisen. Gut war es, dabei zu sein, ich meine wirklich dabei, einmal mit ganzer Seelenwucht etwas so Ungeheures ans Herz nehmen ohne den Impuls eines zwergenhaften Zweifels. Ich denke, das ist nur möglich in Indien, eben weil es eine Lebensweise ist, die offensichtlich so vielen darin Eingebetteten einleuchtet, dass sie es, wohl oder übel, als ihr Schicksal, ihr Karma, erkennen. Und viel Übel ist da, ziemlich viel Übles, das erschreckt jetzt auch in seinem Ausmaß. Vielleicht ist es da, dass das großgeistig gewebte Tuch an der Naht geplatzt ist, damit mal sichtbar werden kann und muss, was sich dahinter verbirgt. Wenn die finsteren Kräfte sich durchsetzen, reicht es nicht mehr, an die Ohren zu fassen, wie Inder es gern tun, wenn sie als arglose Kinder rüberkommen möchten, mit dem Blick nach oben gewandt in die bevölkerten Himmel, von wo aus alles geregelt wird, wird schon stimmen. Nein, stimmt nicht, das bin nun ich, die es sagt. Als ich dann eines Morgens beim Vorübergehen merkte, dass ich nicht von m i r getrennt war, sondern von ihrem ganzen Sein, da erfasste mich so eine Trauer, dass durch sie hindurch die Liebe zurückkam, die mir ja zugeflossen ist durch sie und ganz viel zu tun hat mit meiner Bereitschaft zu staunen über das kosmische Spiel, das muss doch für mich nicht anders sein, als es ist, auch wenn ich es nun von einem anderen Ort aus sehe. Das fällt ja draußen nicht auf, und muss auch nicht auffallen. Der Strom meiner Liebe und Dankbarkeit reicht noch für ein paar tausend Jahre. Wenn ich die Welt nicht liebe, wie kann sie für mich existieren?

Oberfläche

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Gib nach, du Oberfläche des Wesens –
gib ab, Strand der Alltäglichkeit
die widrige Beute des Nein, damit das
leuchtende Flechtwerklose sich
offenbare als unwiderrufliches Sein.

Sprunggleiche Schwelle
des übersehenen Gebots!
An die nicht mehr denkenden Lippen
legt sich erlösendes Mundtot.

Gib nach! Oberfläche des Wesens.
Brich ein in das spielende Ja der Natur
und ihrer widerspenstigen Tagesgleiche
im Verhältnis Nur zu Noor.

 

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Man kennt den Begriff „Noor“  im Westen fast nur (!) durch den Diamanten Koh-i-Noor, was „Licht des Berges heißt. Noor also: Licht. Für mich verbinden sich damit die Begriffe „Nu“ als der fließende Moment, in dem alles enthalten ist, und „Noosphäre, unterschoedlich definiert zu bestimmten Zeiten, und heute oft verstanden als die Sphäre des Internets im Sinne eines Raumes alles möglichen Gedankentums. Ich finde auch das Wort „nur“ im Deutschen sehr schön als Kontrast zu noor, da man es genauso ausspricht.

Klang

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Für uns verengt sich zuerst der Raum,
bevor er erneut sich weitet in Formen
der Zeit und sich wieder öffnet zum
Ätherblau. Was ist wirklich geschehen?
Ein tiefer Klang! Der lässt mich das
Unbekannte umarmen und annehmen
und leise an der Schwelle sagen: Ja, ich
wage den Schritt in ein inneres Zuhause
und lausche der Sprache des Unsagbaren.

In diesem stillen Geheimnis treffen sich
unsere Geister auf den Straßen der Zeit,
hier im Jetzt, unabhängig von Orten und
Worten, wo wir sehen, wie Wesen nach
Wesen doch ruft unter und hinter dem
Schleier hervor, damit das herzenthüllende
Wort sich finde. Rede, die kundtut den Ruf
nach dem Ort der befreiten Bewegung. Dann
erst: so vieles gefühlt – und so wenig entbehrt.

 

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Das Bild zeigt das utopische Alphabet von Thomas Morus in „Utopia“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meldung

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Wenn der Traum sich meldet und ich wandre hindurch,
schauend, bis sich der Körper erkennt an den Eingeweiden,
dem Bildungsvorgang, dem Einnehmen und Verschlucken,
dem Verdauen und Wiederkäuen, da werden lautlos die vielen
Arten und Erwartungen und Ausübungen wieder und wieder
betrachtet. Wenn das System sich dann auflädt: das ist bei
weitem noch nicht die Annäherung an die Person, die Ich-Form,
die das alles zu walten und zu schalten wohl vorgibt, vom
Traum aber noch nichts ahnt, bis er sich meldet und sich Auge
und Ohr verschafft. Du Traum, du großer langer schöner
weiter Traum, du unheimlicher, du studierter, erforschter,
belesener, bewusster, verwegener, verborgener, verdrängter,
erlesener, geöffneter, gewaltiger Traum mit deinen Höhlen
und Gruben und provisorischen Brücken, mit deinen Schultern
und deinen Nacktheiten, deinem bedingten Bedingungslosen,
mit deiner Verschmelzsucht, deinem Symbiosewesen. Du
Hinterzimmer, als Quelle missverstanden, als Ort verfehlt,
als Fuß vermieden, als Leben deklariert. Wo habe ich den
Schlüssel hin getan zu deinem Schloss?
Ein Schlüssel meldet sich. Er ist nicht so geartet, wie ich
erwartet hatte. Wohl aber liegt die Kunst des Öffnens und des
Schließens einfach auf der Hand. Durch meinen Willen
ausgerichtet, bewegen sich die Finger mit Entschlossenheit.
Zwischen mir und dem Anderen nur eine Schwellenbreite.
Die trennt beim Überschreiten das, was nicht ist, von dem, was
wirklich ist. Das schlafende Auge erwacht. Wie kann man es
erkennen? Sein ist, und weiter sind wir bisher nicht gekommen.
Doch eben da befinden wir uns doch. Und du?

Gong

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In der Dunkelkammer des Seins hat sich ein
Bild scheinbar ganz von selbst entwickelt.
Es ist nicht belichtet. Doch es ist auch
kein weißes Blatt, denn wir sehen Konturen
und Streifen, die weisen auf Undeutbares hin.
Das Auge, das in Wolken sonst Formen erkennen
kann, scheitert hier an der Übermüdung des
Sehenwollens, wo es gar nichts Sichtbares gibt.
Es wehrt sich gegen die Täuschungsmanöver,
nimmt lieber das Unheimliche wahr, das nun
da ist unter den 10 000 Dingen. Wenn das
unbelichtete Etwas lächelt, zeigen sich
Wirkungen auf der Haut, den Tieren zugeordnet.
Im Raum ist es still. Da erst hört man den Gong.

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Auf der Karte steht: „Denn die im Dunkeln sieht man nicht.“

Riss in den Heldentaten

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Trauert, o Chöre der Götterstimmen!
In erhabener Sprache und als Sagen
wurden uns früher die schlimmen Dinge
in das Verständliche übertragen. Doch
schlimmere Dinge noch sind uns geblieben.
Wir hören den großen Atem der Taten versiegen.
Die leeren Throne werden erstürmt von Toren,
von Menschen und Göttern nicht auserkoren.
Die Angst geht um, dass sie mächtiger werden.
Die Klugen verstummen. Es herrscht
Ohnmacht auf Erden. Müde greift die Hand
in den Bücherschrank, schlägt auf die
ägyptischen Klagen: sie sagen dasselbe,
nur mit anderen Reimen und Stimmen,
die das Unerklärliche in den Ausdruck
wagen: Wir gehen in Trauer wegen dem,
was in der Welt geschieht. Das Rätseln
um die Quelle dunkler Dummheit,
die kein weiser Kopf erzieht.

 

flüchtig

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Trink, Bruder, trink! Trink aus
den dich spiegelnden Wassern!
Trink dich voll von dir,
trink dich leer und gib acht!
Dich umspült schon das Gift von
den Meeren, das du selbst in
den Umlauf gebracht. Schon öffnet
ein größerer Mund als der deine
den Abgrund der Verwegenheiten.
Trink, Bruder, trink!
Lass dich voll laufen von dir.
Nackt liegst du vor den staunenden
Augen am Ufer: die Augen,
das sind wir. Trink, Bruder, trink,
bis es eng wird in deiner Haut.
Bis du verstehst: es gab nie wirklich
Menschen, die ihr Herz auf dich gebaut.
Dein Herz, Bruder, ist trunken von sich,
das lässt nicht mal Raum für deinen
eigenen kleinen, flüchtigen Traum.

 

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Mit einiger Bewunderung sieht man im politischen Raum hohe und sicherlich angebrachte Diplomatien ihre Formen entfalten. Ich aber will fassungslos bleiben, bis eigene Ordnung sich wieder innen erschafft. Das Ausmaß des Geschehens und seine Wirkungen kann ja nicht einfach geleugnet werden. Ich höre der eigenen Sprache zu und meinem Schweigen. Alles Gesagte kann manchmal nur Korn sein in der Wüste.

 

führen

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Es zittert innen wie außen
das Bild wie Espenlaub.
Ich reihe mich ein in die Schmerzen
der Dichter und den Worte-Staub.
Nur die wahren Töne können den
Toten das Leben entlocken, das
sie führen – durch sie. Hört auf sie!
Sie führen den Tod in das Leben!
Ich lasse mich nicht mehr zurück,
sondern fasse mit tiefer Berührung
das mir zugestandene Geschick.

zu ende

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Das Spiel ist zu ende.
Alle Bauklötze verbraucht.
Keiner mehr, dem man etwas
vormachen könnte.
Immer weniger Zuschauer.
Geht nach Hause,  ihr Menschen,
und ruht euch aus von dem
Mangel an Glanz.
Denn von jetzt an
kann man erwachen.

Noosphäre

Poem For La Malinche.

Nooriel Nahtlos lebte im
Großen Nihilo Trotzquam.
Das Trotzquam war Spiel-Raum.
Nach allen Seiten offen, war es
doch nach unten begrenzt
durch Dichte, in der sich die
Erde und ihre Gesetze befand.
Im Trotzquam herrschte  das
stille Noor, und nur die Null
war Macht und Licht des
Gedankens von Noor. Quelle
und Ursprung von Trotzquam
war Unschuld, und alles
außerhalb war Spiegel, in dem
sich die ewige Ruhe verlor und
fand. Das Zentrum von Noor
hing ab vom Nichts als Wahrheit,
und Wahrheit war Zentrum von
Trotzquam. Nooriel Nahtlos
lebte im Zentrum von Noor und
liebte das Noor und das Licht,
die Stille, den Großen Tod und
die Liebe. Nooriel Nahtlos liebte
das Noor, und die, die es liebten,
lebten auch im Nihilo Trotzquam.
Da können wir ja auch gleich eines
der schönen, unsterblichen Lieder
anstimmen, die aus dem Herzen
des Nihilo Trotzquam emporstiegen,
und zwar ist es das Lied von der
Nanoor die im Noor lebte:

Es war da
die Nanoor,
die lebte nur
im Noor, sie
trug auch
keine Uhr
im Noor.
Der Nu war
nur der Nu
Nanoors
Kein Du in
Nanoors Nu.

 Es kam
Janoon
dazu, im
Poornima
der Moon,
kein Zufall von
Monsoon, nur Noor.
Im Urnoor der Nanoor,
nur Noor von Ur zu Ur,
nur Noor, nur Noor in
Nanoors Kur. Kein Urtun
der Form nur, ein Urton
der Kur pur, der Urton von
Nur Nu, nur Noor. Das Urdu sah
da zu, vom Urnoor sah es zu. Vom
Urnoor kam auch Nanoor. Urdu auf
Nanoors Spur, Noor Spur. Du Urdu, Urdu,
Du, Du bist das Urdu pur, nur du, noor du, Nanoor.
Nur zu, Nanoor, nur zu, nur pur, Nanoor, noor pur
tanzt Nanoor auf der Schnur, im Licht von Nur zu Noor.
UrNu, nur Du, Noor Du, du Urnuruhe du, du Urlicht du, noor
Du,nur Du. Du Urlichtruhe du, du UrDu Urdu du, du bist der UrNu pur.
Du Urdu Urdu Du, nur Du, Nanu Janoon nur du, du bist das Du, noor du.

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Das Photo (von mir und meinem Einst) habe ich aus dem Netz gefischt. Der Beitrag dieses schwer singbaren Liedes habe ich auch nur zu meiner eigenen Freude heute hier veröffentlicht. Es macht klar, dass man nichts verstehen muss, um ein Lied aus dem Trotzquam zu singen.

Regung

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Dann kommt ein Tag,
nicht wirklich d e r Tag,
aber doch eine Ahnung davon,
wie es ist, wenn das Ich sich ergibt
und der Geist nur e i n e n Ort hat
zum Aufenthalt. Wenn der Zwiespalt
in der Tat sich verdichtet zum Luft-Schacht
und Substanz sich ausrichtet zu scheuem
Empfang. Wenn der Schatten meiner
Befindlichkeit eine Stelle des Hauses
bewohnt, an der kühler Regung fällt
auf die Ängste des Daseins.

Quelle

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Geh hinein zur eigenen Quelle.
Mach die Tür auf, wirf den
Schlüssel fort – begebe dich mit
leichtfüßigen, festen Schritten
an deinen selbstbestimmten Ort.
Betrachte das vertraute, festliche Treiben
und empfinde als dein, was dein ja schon
ist – und sei es. Wer soll dich abhalten,
wer dich vertreiben vom Wissensdurst,
vom Forschungsdrang, vom unermüdlichen
Gehensprinzip durch Öffnen und Erschließen,
Gang um Gang, diesem warmen Atem entlang,
entlang am grenzenlosen Vorwärts – einfach weiter
und weiter betrachten und sehen, was du siehst.
Dann beim Sitzen den Körper aufrichten
und mich von innen ansehen, wie Stille
sich anfüllt mit Licht.  Das leuchtet hinaus
über den Gartenzaun und überholt die klugen
Formen der Not, die dem Leisen befehlen,
was nicht zu befehlen ist. Öffne also den
Ort deines Aufenthalts und zeige dich,
wie du wirklich bist.-

 

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Die Artischocke im Bild habe ich neulich für 90 Cent erstanden und auf die Heizung zum Austrocknen gelegt (etwas Besseres fiel mir nicht ein). Dann, auf einmal, entdecke ich diese violetten Blütenstengel ohne Wasser und taufrisch herauskommen, die, wie ich lese, Achänen genannt werden, ein schönes Wort, das ich noch nie gehört habe. So denke ich nun, dass der Text auch um das Hervorblühen von Achänen geht, wenn die Trägerform einerseits oder auch die Betrachter der Form mit dieser wunderbaren Enthüllung gar nicht mehr gerechnet haben.

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verwundet

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In den Häusern der Verwundeten tobt es.
Nicht die Geister toben, sondern die Wunden.
Die Wunden wurden geschlagen, die
Wunden schlagen zurück, von wo auch immer,
von wann auch immer. Doch so beliebig
ist es nun auch wieder nicht. Eher: das Lieblose,
das im Dunkel vergangener Tage und Nächte
an die Wiege des Ungeliebten führt, wiegt nun
in einem vom Damals ziemlich weit entfernten
Tag den Schrecken des Ungeliebten im Arm.
Das Kind ist gezeichnet mit seinen wunden
Ornamenten, so als könnte das Geschehene
niemals zu eigenem Schmuck gedeihen. Den Tag
im Schatten der Normen durchschreiten –
erfühlen des kalten Miteinanders brennende
Not. Ich selbst muss hinein in die Flamme und
erfassen den Schmerz in der auferstandenen
Asche, muss erfassen und lesen lernen die
Glyphen auf dem beschrifteten Blatt des Blutes.
Was hier drängt, ist nicht nur der Schrei inmitten
von verschlossenen  Strukturen, sondern hier
schreien auch Bruch und Fadenscheinigkeit
eines Friedens, unter dem die Erde erlischt.

Dann wiederum

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Ohne mich
kein Erwachen,
kein Dach über der
Großhirnrinde. Ohne
mich keine Wüste, keine
Wäsche, kein Hanfseil.
Keine Stille ohne mich,
kein Lärm und kein Ich.
Auch du gehst ohne mich
nicht einfach so hin.
Du kommst zu mir,
weil ich bin. Denn wen höre
ich ohne mich lachen.
Wer lebt überhaupt, solange
ich da bin. Wen kümmert’s,
wer vorher war und wer danach.
(Wenn nicht mich). Frei ist dies
Hiersein für mich, Wanderin
mit dem Schicksals-Rucksack.
Nicht zu erzeugen ohne mich
diese Tiefe unter dem
beweglichen Sand.
Dieser Urgrund,
aus dem heraus sich
mein Hiersein erfand.

 

geliebt

20161025_111851

 

Geliebt werden wir alle
von Licht und Unterschieden,
die sich ausbreiten in uns als
Besonderheiten der Gunst eines
nicht voreingenommenen Himmels.
Weit ist das Feld unserer Übung,
wenn der Tag naht, wo das Erdachte
abstirbt im Innern und Raum gibt für
das Wir zwischen uns. Wer sagt nun,
was gebiert und gebietet? Was lenkt
unsere Schritte? Was weist hin mit
dem formlosen Finger auf den Fluss
unserer Liebe, dem Gedeihen?
Einem zeitlosen Lächeln zuspielend,
dessen wir sicher sind.
Auf einem Schemel saß ich mit großem
Kopf und baumelnden Füßen am Rande
der heiligen Welt, wo ich empfing.

 

 

 

 

 

kühl

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Die Radikali Lebensberaterin, deren Logo ein Radieschen war,
ließ sich ein auf den Wahnsinn des Unvorstellbaren und seine
unkörperlichen Möglichkeiten, und ersann zu diesem Zweck
eine Gletscherspalte mit ahnungsloser Tiefe, deren kühlen
Graden sie sich überließ. Dort fand sie eine Zweitwelt, die vor
allem entzückte durch Emotionslosigkeit. Ganz von Sinnen
besann sie sich auf ein altes Lied, das in sich kein Ende trug,
und führte es fort:

„Ja, kann denn Eis wirklich so heiß sein,
und muss denn das dann nicht heißen,
dass Feuer und Eis in Vergleichen
niemals den Kürzeren ziehen? Denn es
gibt im Polaren, wo wir ja grad waren,
den Vergleich an sich nicht mehr.
Darum freut sich das Herz, denn der
Schmerz undsoweiter, das alles führt
todsicher zum Heiteren.

Da fühlte sich der CCC (Cosmic Chorus Club)
angesprochen und stimmte ein in den Refrain:

Ist denn Sein allein nicht Grund genug?
Muss denn alles tief und dann noch  tiefer
sein? An der Oberfläche sieht der Pfau so
schön aus, müssen Hennen nicht können,
dass er einfach allein sei? Muss denn der
Zwang des Unterscheidenwollens immer
grad dann sein, und wann muss denn das
Dann wirklich mal dran sein? Warum, ja,
warum ist denn Sein allein  nicht Grund
genug zum Sein?

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(Vater)*

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Sie gestatten, dass ich heute einen Traum
bestatten kann im Schatten. Er wollte in mir
leben, doch ich war gezwungen, ihn aufzugeben.
Nun muss ich ihn begraben, oder soll ich ihn auf
Eis legen? Ein schöner Traum, ganz in Weiß,
auf Eis. Oder soll er sich selbst in Samadhi
begeben, dann könnte er geistreich weiterleben.
Oder soll ich ihn einfach lassen, statt die tiefe
Belehrung des Blassen erfassen? Von ihm ließ
ich mich kontrollieren, solange der Preis noch
nicht klar war. Aber als der dann da war, da
blieb mir nichts übrig als mich zu besinnen auf
das Entrinnen von ihm, meinem Traum, diesem
Etwas aus Schaum, denn mehr blieb von ihm
auch nicht übrig. Ich warf ihn, den Traum, dann
hinein in das Feuer. Es war nicht teuer, nur
schmerzhaft, ja, sehr, war der Saft seines süßen
Giftes.

 

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*Spät, aber dennoch: eine geistige Bestattung mit Hilfe des Textes.

 

geistern

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Ich sehe, dass es geistert. Es geistert umher,
das hässliche Gesicht vom Ich. Mein Mein, mein
Mein. Mein Haus, mein Krieg, meine Meinung.
Wie da! Willst nicht wie ich?
In kalten Augen lodert das Licht
vom Ich-Gericht.
Das ist ja wohl!
Das geht ja nicht!
Rechtschaffene Empörung ist wunderbar für
mich, doch schrecklich für den Anderen.
Der Eine und der Andere sind im Krieg.
Wir machen Weltgeschichte.
Ihr Stamm vernichtet meinen Stamm,
und gleich darauf wir ihren. Überall, im
Teehaus und im Ehezimmer, im Waffenlager
dunkler Korridore geht es umher, das
hässliche Gesicht vom Ich. Opfert kostbare
Menschenleben, hat immer recht, und im
Gefrierfach schlummert das Gewissen.
Es ist Rapunzel, die zum Stecker geht.
Es ist sehr spät. Man hört ein Wummern.
Die Hand am Stecker zittert nicht.
Es muss nun sein.
Rapunzel als Befreier.
Danach geht sie zum Telefon
und wählt geheime Zahlen.
Der Präsident von U.S.A. ist da.
„Who’s speaking!?“
„It is Rapunzel, Sir.
Ich wollte Ihnen sagen, dass das Gefrierfach
offen ist. Die Stunde hat geschlagen!“

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Hilfe!

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Hilfe, wir wachsen zu schnell!

Eine wissenschaftliche Studie hat bestätigt,
dass viele Deutsche nicht mehr wachsen wollen.
Sie empfinden sich als groß genug und sind über
den Zustand des Erwachsenseins verärgert.
Sie haben das Wachstum als zu schnell empfunden
und möchten lieber kleiner werden und im
Spielzimmer Platz haben. Davon profitiert die
Spielzeug-Industrie. Schwierig wird diese Phobie
in den Partnerschaften, wenn der/die Eine weiterwachsen
will, der/die Andere aber mehr Spielzeug haben möchte.

 

 

ahnen

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Da! Liebe!
Da sitzt Liebe. Da
rollt sie entlang,
begleitet sich selbst,
lässt sich stehen. Da
fließt sie und weht
dann am Boden. Da
wieder kräuselt sie
entlang am wilden
Wasserbogen. Da fühlt
sie das blassrote Buschwerk
an der Stein-Spiegelung,
versucht spielerisch, einen
Schatten auszuwerfen
über das Lichtbad, tummelt
sich und geht umher mit aufgeregtem
Festhalten, wagt einen Blick über
die Klagemauer: da schreckt sie zurück
vom Erwarteten, dehnt sich aus ins
Ungedachte. Liebe. Da streifst du
über mich hin und durch mich hindurch
und lässt mich ahnen, was Freiheit ist.

 

zuhause

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Wir sind zu Hause. Wir sind da.
Zuhause. Freunde! Leute! Völker!
Stämme! Einen anderen Ort gibt
es nicht. Hier ist der Ort. Alles ist
Ort. Am Ort. Wir sind am Ort.
Der Ort und wir. Das große Tor
sind wir. Ich Ort bin Tor.
Schwingendes großes Tor ist der
Ort. Drinnen ist der Ort wie
draußen. Drinnen und Draußen
sind Ort. Ordnung ist Licht am Ort.
Ort und Ordnung sind Licht. Wenn
wir dort sind, sind wir Licht-Ort.
Alles ist Tor-geboren. Bewusstsein
ist Ordnung am Tor. Achtung!
Alles ist Prägung am Ort. Der Geist
prägt den Ort. Welt entsteht und
vergeht. Vollkommen klar und sichtbar.

Auge

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Da blicke ich doch just
in ein unergründliches,
freundliches Auge,
das mich wortlos fragt:
„Hast du schon einmal
einen Menschen
selbstlos geliebt?“

Allein das: Wie meint das Auge
die Frage!? Und wenn ich nur,
nur das Auge geliebt hätte,
was dann, ja, was dann?

Wunder

20160903_115800

Eine Frau erlebte ein wahres Wunder.
Die Götter strahlten.
Die Engel bliesen wie wild auf ihren Trompeten.
Das konnte man natürlich nur erleben, wenn man
es hörte, denn es brauchte das Wunder-Ohr.
Sie hatte es, denn das Wunder war ja ihr geschehen.
Plötzlich hatte sich zwischen den Zeichen ein Spalt geöffnet,
der ließ den Blick frei. Sie löste sich sachte von letzten
Suchtgedanken und ging einfach weiter.

persönlich

schnipsel-002

Ich kam ohne Augenbrauen und
mit Make-up auf die Welt, in der
winzigen Hand einen Rapidographen.
Meine Talente erwiesen sich als
unerschöpflich. Ich hätte Schwert-
Tänzerin, Geisha, der Silver Surfer
persönlich und desgleichen mehr
werden können: Zen-Meisterin, Raj-
Yogini, Martial Artsperfektionistin,
Violinistin und Heroine des großen
Etcetera. Aber all das wollte und
musste sich als Facette, bzw. Farce
erweisen, da der Kern meines Wesens
mich auf einen naheliegenden, aber doch
anderen Acker hinlenkte und dort gut
keimte, wer hätte das gedacht! Ich
hab’s gedacht und auch gemacht wie ich
selbst, und dann wiederum kann es
nicht anders sein, denn die Freude des
Universums an sich selbst erscheint
als Freude in mir und an meiner
Anwesenheit. Im Rahmen meiner
Freiheit und dem tiefen Vertrauen, das
ich in sie habe, kann ich sorglos sein
und tun, wer ich bin. (Unbedingt!)

 

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Jede Facette in sich möchte mal einen kleinen Lebenslauf haben, auch wenn er sehr kurz ist. Man lässt es zu, denn es ist angenehm, sich selbst (und anderen) gegenüber etwas großzügig zu sein. In einem Land zu leben, in dem schon eine ganze Weile Frieden vorherrscht, hat viele guten Seiten. Der Geist kann sich erfrischen und sich in interessante Dinge vertiefen, die ergründet werden möchten. Wir haben dann eine Wahl in den Lebensformen und sind ziemlich frei, sie zu gestalten. An Radio und Fernsehen, die glanzvolle Träger von geistreichen Programmen hätten werden können, kann man sehen, wie idealistische Gedankenkonstrukte scheitern können. Man nimmt Abstand vom gar nicht Geglückten, wenn es in einem Raum verantwortungslosen Umgangs mit dem Geist entstanden ist. In der Atmosphäre des Geistreichen gibt es auch Freude am Nichtwissen. Je leichter der Tanz, desto anspruchsvoller das Können.

Das Bild zeigt (m)einen Schnipsel unterwegs.

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wessen

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WESSEN WESEN?
WESSEN WASSER?
WESSEN WIESEN?
WESSEN WISSEN?
WESSEN ZWIESPALT?
WESSEN VORWURF?
WESSEN ANDACHT?
WESSEN ZUGANG?
WESSEN ABFUHR?
WESSEN AUSGRENZUNG?
WESSEN FREUDENSCHREI?
WESSEN SCHICKSALSGEMEINSCHAFT?
WESSEN TRAUERFLOR?
WESSEN BINDUNGSMECHANISMEN?
WESSEN VORURTEILE?
WESSEN NACHTSCHATTEN?
WESSEN LACHANFALL?
WESSEN SEINSÜBUNG?
WESSEN TODESANGST?
WESSEN MACHENSCHAFTEN?
WESSEN SPIEL?
WESSEN DEUTUNG?

mmmh?

 

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Obwohl ich andere Bilder im Sinn hatte, hat es sich angeboten, noch einmal aus dem Buch „Auf die Dauer fällt die Mauer“ („zufällig“) genau diese Worte zu photographieren….Der Text ist kein Beitrag zum Tag der deutschen Einheit, schien nur irgendwie zu passen, Anregung zu geben für ein paar Fragen…..

ausjerechnet

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Da seufzte was leise in der Weltschaukel:

„Dat soll ein Traum sein?
Dieset Jewusel hier,
dat schöne Leben!
Ein Traum!?
Um Jottes Willen!
Nur dat nich.
Ausjerechnet dat nich.
Ein Schein! Nich die
wirklich wirkliche Wirklichkeit!?
O Jott O Jottchen!
Muss denn dat nun wirklich sein!
All dat schöne Leben!
Allet nur zum
Sich-net-dran-jewöhnen
an dat Haben-Wollen
soll et da sein!?“

 

 

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Das Bild ist aus dem Buch „Auf die Dauer fällt die Mauer.“ Es ist eher purer Zufall, dass ich in diesem Text unberlinerisch herumberlinere, denn obwohl ich dort geboren bin, spreche ich nicht dieses Berlinerisch. Wo auch immer es herkam, es darf bleiben, wenn auch nur einmal für diesen Text. Deswegen auch ein kleiner Glücksfall, dass just die schönen Bildchen von der Berliner Mauer meines Weges kamen.

 

verwundbar

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Mein Herz,  was auch immer es sei,
kann es tragen. Kann sagen:
„Ja, ich bin’s!
Ein verwundbares Ding in den Gängen
der Gedanken, wie das volle Leuchten
eines Mondes auf dem Findelkind.
Spielweise. Wiese im Licht.
Weisheit des Ichs auf der Leiter.
Wir betrachten den Preis der Freiheit
und gehen weiter, weiter.
Die Wege öffnen sich.

Konten

pushkar-2011-110

Hochgezüchtet  am
europäischen Stier
fiel das entkünstelte
Lächeln auf einen
gigantischen Stillstand.
Was sollte aus dem
harmonisierten
Widerstand gegen den
Konflikt am Herd
denn nun werden!?
Wer sollte und konnte in
die kunstfertig gestillten
Wassergläser auch nur
einen einzigen glaubwürdigen
Blutstropfen streuen, um dem
tiefen Tod durch entmachtete
Tugendlosigkeit breit entgegen
zu wirken. Wie Birkenalleen,
auf denen wegen den Kriegen
keiner mehr gehen kann oder
soll, zahlen heimlich alle noch
immer Zoll für das noch nicht
wirkliche Gütig-Sein. Aber
ganz reale Hoffnungsstrahlen
malen sich als Graffiti, tief, in
das Kraftfeld der Großhirnrinde:
dort verwittern die Konten der Sünde.

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Bild: ein Stück Holz auf Stein.

Muße

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Manchmal muss man sich in seiner Muße rühren,
wenn die Welt in Eis erstarrt, wenn der Mensch
den Menschen narrt, wenn es nicht mehr geht.
Jetzt wollen sich ja einige wieder treffen, nachdem
sich alle nicht mehr treffen wollten. Noch weiß ja
keiner, wen er wirklich treffen sollen wollte, denn
alle haben alle anderen ja schon getroffen, und
trotzdem wollte keiner mehr sich treffen und
betroffen werden. Es sind ja auch am Treffen einige
gestorben, und andere am Nicht-Treffen. Nun
kennen viele, die sich wieder treffen, die eigene
Erfahrung ganz genau: es wollen einfach nicht
mehr alle alles machen, es wollen manche nicht,
und manche wollen lachen. Denn auch der Mensch
muss ja mal schließlich Leben leben. Da werden
alle Welten sehr, sehr fein: die hohen künstlichen,
die schön gekünstelten, die künstlerischen, die
mächtig Reichen von den Leichen-Teichen, sieh!,
alle Welten werden ganz, ganz sicher sein. Lass viel
hinein! Lass viel hinaus! Ja, bald! Der Widerspruch
in sich ein Halt. Die Stelle kommt, wo ich, die
‚Yoganautik-Surferin, komm raus aus meinem
Internetten-Schwellen-Swing und bin zur Stelle.
Das Brett kommt an den Fuß. „Muße“, sagt es in
mir zu mir, und lächelt: ich treffe nun die nektar-
trunkenen Amritoiden-Tänzer, es liebt in mir den
kühlen Singsang der Kernblütensüßigkeit, den
Lullabye-Love-Lang-Ling-Blues. Dann hören wir
News. Dann leben wir Nu. Dann sinnen wir nah an
das Dran ran. Ja! Ahser Dabin, Binny Dudubin
und Du.

vom Besserwissen

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Liebe, liebe Besserwisser.
wer kann das wohl besser wissen
als ich! Ich kann weissagen, was sich
zugetragen! Ich weiß, dass eine weiße
Weste nicht immer voller Erfüllung zu sein
scheint. Manchmal weint dann einer ganz allein.
Da kommt dann, wenn er kann, der Schein raus:
die Fülle ging leer aus. Man verliert dann auch ohne
viele Gerüchte sein wohnliches Ohnehin-Gesichte.
Das Beste scheint zu sein, sich zu bessern. Man kann
dann auch ohne weiße Weste weise sein, doch kann nur
der es dann wirklich fein, der das Geheimnis kennt:
warum nur die Fülle der Melasse die Süße der vollen Hülle
gelassen erfassen kann. Wir Wesen-Wanderer: mutig voran!

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Es ist eigentlich ein Lied, aber ungesungen geht’s auch…

Urprogramm

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Von mir aus kann es ewig dauern:
das Urprogramm Liebe. Ich fühle
mauernlos, schmerzlose Last ohne
Körper zu sein, als ein du-freier,
zärtlicher Stern. Von mir aus kann
es genau so weitergehen: im Ganzen
durchflutetes Spiel. Prinz auf dem
Brut-Ei der Formen. Ich frage mich
jetzt durch die Wirklichkeiten hindurch
nach Tatsachen im Dickicht der Normen:
wenn die Schale zerbricht, das heißt,
wenn die Illusion sich entspannt
in den Tod: was entsteht dann aus
meinem Zittern, aus dem Nicht-Sein,
dem unbefragten Erscheinen: nur
gebunden an Himmel: nur
Wohnung Essenz, weit, mit Tagen
wie Blumen am Fenster des All.
Wenn das Rätsel der Welt langsam
aufgeht in Flammen, in Flammen,
beim Tanzen, beim Tanzen, denkt
sich der Engel heraus aus dem
Zustand der Zeit.

 

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Dieses Gedicht habe ich dem Tänzer James Saunders gewidmet, der während einer seiner Aufführungen verunglückte und in den Tod tanzte.

Kal, der Agent

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Hier spricht das stille Satellitenprogramm im
Stummfilm-Stillleben-Stil. Wenn das Auge im
All ruht, innen auf dem Sitz des Piloten, erscheint
an der Tür das Schild des Offensichtlichen:
Erzählen hier verboten!
Warum, fragte Maxicool, der Mythos-Zerstäuber,
hört denn das Erzählen immer dann auf, wenn’s
grad mal spannend wird!?
Da neigte sich Kal, der Agent, freundlich ihm zu
und……(sagte?)……?
(Er sagte nichts, absolut nichts, nichts, einfach
nichts, des Nichts‘ Selbst war, was er sagte: er sagte
einfach absolut gar nichts, gar nichts sagte Kal,
der Agent. Er selbst überholte sich selbst als Wort
und sagte wortlos weiter und weiterhin absolut gar
nichts, das wortlose Nichts sein Begleiter. Wohnlos
breiteten sich Himmel aus, aber Kal schwieg einfach
weiter: aller Eigensinn schwand als wortloser Ort,
Strukturen verschwanden am randlosen Weiter,
aber Kal sagte nichts, gar nichts weiter. Er bestand
wortlos inmitten der Wortlosigkeit die Prüfung des
raumfreien Lautlos, und steht wahrscheinlich immer
noch auf dem Gipfel der Gletscherebenen auf
Stille inmitten von Leben.)

zuversichtlich

 

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Mögen alle mickrigen Herzen sich
schmerzlos entmickrigisieren, das
entlastet Nieren und Nervensträhnen,
entwaffnet das Große Gähnen, entlarvt
Neigungen zu Giererscheinungen und
macht noch unabhängiger von Meinungen.

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da!

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Gut gelaunt kommt sie nach dem Frühstück oben an. Es hatte seit Wochen schon Gefechte gegeben mit gewissen Ergebnissen, die sich im Ungewissen verliefen. Nun war Feuerpause. Draußen die Ausschweifungen der Natur als grüne Hölle, innen die Bürde erworbener Freiheit, täglich neu sortiert. Verstehen, wie man handelt, während man beobachtet, was man tut. Vom Klang her klingt das gespalten, vom Gefühl her aber beweglich und handlungsfähig. Nun, beim Abstreifen der schweren Rüstung und inmitten ihrer Eremitage stehend, kommt ihr der Gedanke an das Gold einer fremden Kultur, das in ihr Leben getreten und durch ihre Augen geflossen war. Es ist wahr, dachte sie weiter, dass, wenn dieses Gold durch meine Augen fließt, es mir gut ergeht. Ich habe die Kinder-Zwiebeltürme aus 1000 und meiner Nacht umgesetzt und habe an den Ufern eines heiligen Sees die Gesetze des brahmanischen Zwiespalts erleben dürfen, und wie die verführerischen Dinge das einfache Leben zwischen Sandelholz-Stirnaufstrich und gespenstischer Haushaltskunst gestalteten, und alles mit unbezahlten Angestellten aus dem Götterprogramm der 33 Millionen Haupthoheiten. Das war noch ein Leben!!! Sie lächelte vor sich hin in Erinnerung an Vollmonde und Neumonde, wo sie gemeinsam mit nun Aussterbenden telekommunizieren konnte in Erinnerung an ein immenses Etwas, das vielleicht so gar nie war. Anders war es, ja. Leiser. Gehaltvoller. Kollektiver. Wir sehen einen ausgestopften Eisbären auf einem zeitlosen Tierfell lagern. Sie überprüft ihr Gedankenmaterial, steht kurz gedanklich in einem Zimmer mit Holzofen und sieht dem Prasseln der Scheite zu. Dann erzeugt sie kurzerhand einen Pfad über den Schatten zwischen Idee und Wirklichkeit. Da war es 10 Uhr 03 und die Welt geräumig.

 

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Mit einem gewissen Staunen finde ich in meinem Text die Worte „Gefechte, Feuerpause und Rüstung“ vor. Stimmt ja. Wir tragen ab und an Panzer, bewegen uns in Gefechten, meist Wortgefechte, und dann gibt es die Feuerpause, in der die Chance liegt, hilfreiches Material zuzulassen, damit das Ganze nicht endgültig eskaliert. Das Grauen über die unmenschlichen Vorgänge in Syrien haben aber tief an der Wurzel der Vorgänge auch eine unheimliche Verbindung mit unseren Schicksalen: das Entgleiste, das zu vernichtenden Resultaten führt, wo etwas sich abspielt, was eigentlich niemand fassen kann. Es ist das Fassungslose, das erschreckt…die Systeme, in denen das Unmenschliche seinen Gang nimmt, wenn der Einzelne die Verantwortung für sein eigenes Handeln Anderen überlässt, die wiederum nur eigene Ziele verfolgen. Ich fand es sehr überraschend, dass in der Mitte des indischen Epos „Mahabharata“ Krishna, der Gott der Liebe, der hier der Wagenlenker des Helden Arjuna ist, der wiederum in der Mitte des Krieges auf einmal eine Sinnkrise hat und sich nicht vorstellen kann,  Mitglieder seines Familienclans, die im Zwist liegen, zu töten, und Krishna ihn hier die Unausweichlichkeit des Schicksals lehrt…und ja, es scheint in der Tat unausweichlich, aber ist es das wirklich? Oder kommt es letztendlich vor allem darauf an, wie ich/wir mit dem Gegebenen umgehe/n?

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Der Nu

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Der Nu ist ewig.
Der Nu ist unsterblich.
Immer war Nu.
Im Nu sind alle Istheiten
enthalten, und Geist hat
im Nu seinen Ursprung.
Von Grund aus neutral,
hat der Nu in sich selbst
seinen Widersacher und
kann aus sich machen, was
er nicht ist, denn Nu an
sich ist nur Leuchten im
Nichts; so schnell und
vollkommen anwesend ist
Nu, keineswegs ein Irrgarten
für Helden. Stehe ich dort,
aufrecht, bereit zum Exil,
fühle ich an meiner Hand
sanfte Berührung des Nu’s,
diesmal als Mensch. Da öffnet
sich mir Nu als Auge. Ungetrennt.

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Der Nu, die kürzeste Weile, das Vorübergehende, das im Strom des Seins seine jeweiligen Formen annimmt unmd meisterhaft die Illusion einer Kontinuität erzeugt, wo doch alles auf eigenste Weise stirbt und geboren wird und vergeht und entsteht…immer Nu, immer da, immer unerbittliche Wirkung des Aufenthalts….der Nu ist das Element des freien Geistes, der die volle Verantwortung für das nu-fähige Wesen annimmt. Was soll er tun? Er hat keine Wahl. Im Nu liegt sein eigenes Wesen.

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immer noch

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(Untadelig, o Erde!, deine Chronik!)

Immer noch.
Immer noch Sand.
Immer noch still.
Immer noch das, was schön
ist aus sich selbst heraus.
Die Poesie der Autopoiesis.
Das Trainieren des Immernoch
als einer Präsenz, die eröffnet,
erschließt und enthüllt, was
aus den ganz verschiedenen Gründen
im Verborgenen lag. Aus Abgründen,
aus Hintergründen vor weiteren
Hintergründen, den einen Ort
vermeidend, wo sie sichtbar werden.
Eifrig bemüht um ein Voraus,
das immer da war.
Und noch da ist.
Immer noch da ist.
Immer da.

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Ich mag das Wort „Poiesis“ ua auch, weil es so aussieht wie „Poesie“. Es ist ein Begriff,  der von Humberto Maturana, einem chilenischen Neurobiologen,  geprägt wurde und (aus dem Altgriechischen) zusammengesetzt ist aus „autos“ – „selbst“ und „poein“ – „schaffen, bauen.“ Autopoiesis ist der Prozess der Selbsterschaffung-und erhaltung eines Systems.

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beschäftigt

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Beschäftigt. Beschäftigt!?
Ja! Beschäftigt: busy mit dem
Wesentlichen. Und das wäre?
Das wäre nicht, das ist.
Sein tut, was ist und was es kann.
Darin sich üben und wach
dahinbewegen, die dunklen
Flügel freundlich auf die eigenen
Schultern streifen. Auch Freude
darf und kann den Raum beleben.
Nur Mut! Das geht schon.
Geht schon gut.
Manche baden.
Manche sitzen und schreiben.
Die Gänse machen Sound.
Dahinter: Morgenstille.
Andacht. Übung.

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Das Bild habe ich bei meiner Suche nach etwas anderem wieder gefunden und weiß leider nicht, von wem das Photo ist. Manchmal weiß man nicht, wohin man sich bedanken kann. Nun ziert es ein paar Zeilen über das Beschäftigtsein. Ein starkes Bild.