trumpeln

In den paar Minuten Nachrichten, die ich als Minimum des Zugangs zum Weltgeschehen betrachte, kam heute mal wieder Donald Trump zu Twitter-Wort, und ich konnte bemerken, dass der dumpfe Kick, den man am Anfang seiner Amtsausübung noch aus seiner Darbietung erfahren konnte, wenn auch wider Willen, nun aber nicht mehr wirklich Varianten des Kicherns zündet, sondern das eher Beklemmende an den Durchsickerungen ist die scheinbar unwandelbare Form einer Dummheit, der man hier ausgesetzt ist. Man hat doch ziemlich selten die Gelegenheiten, die Dummheit als solches, sozusagen als ein menschliches Phänomen, über längere Zeit im politischen Außen betrachten zu können, kommentiert von vielen verschiedenen, in Tonlage sich wenig zurückhaltenden Sprechern und Sprecherinnen. Klar, es gibt sie einerseits haufenweise auf den übrigen moralisch morschen Thronen der politischen Weltgestalter, aber viele von ihnen sind eher begleitet von einer gefährlichen Intelligenz, die es erst ermöglicht, sie zu Bestien zu machen. Dummheit wird  meist mit stark beschränkter Intelligenz verbunden, und Einstein, der außer sehr intelligent auch noch sehr menschlich war, muss viel Verstörendes erlebt haben, bis er zu der Aussage kam, dass ‚zwei Dinge unendlich sind, das Universum und die menschliche Dummheit, und dass er sich beim Universum noch nicht ganz sicher war‘. In einem wohlwollenden Freundes-oder Familienkreis kann es ganz entspannend sein, mal beim Dummsein ertappt zu werden, und es ist günstig, wenn man erkennen kann, dass man nicht ganz auf der möglichen Höhe war. Nicht jetzt Höhe als Himmelsmaßstab oder heilige Karotte, nein, sondern einfach etwas neben der Spur, auf die man dann ja wieder zurück kann. Auch hängt die Erfahrung des Dummen davon ab, wie häufig und unter welchem Intelligenzbanner sie zum Ausdruck gemacht wird, und zu welchem Prozentsatz man den dummen Anteil des Inhaltes bereit ist, für real zu halten. Man kann davon ausgehen, dass viele intelligente BürgerInnen schon gedacht haben, dass es z.B. nicht gutgehen kann, wenn immer mehr traumatisierte Afrikaner in unseren Ländern herumirren und gar kein schönes Leben vorfinden, und ja, was ist da wirklich los in all diesen enthemmten Ausbeutern dort, die ihrem Volk kein Bleiben ermöglichen undsoweiter. Aber wenn Donald Trump etwas sagt, klingt es einfach nur dumm und rassistisch. Und Dummheit ist gefährlich, wenn sie sich im Wirt eingenistet hat und langsam aber sicher ein eigenes Wesen entwickelt, das den Ahnungslosen unbeirrt in immer dunklere Gewässer führt. Das kümmerliche Stimmchen, das noch da war, als der kleine Donald schon früh in sich selbst nicht dem entsprach, was er von sich hielt, dieses Stimmchen ist nun auch zum Schweigen gebracht, und der kleine Donald ist immerhin Präsident eines großen Landes geworden, in dem, was auf unerbittliche Weise offensichtlich geworden ist, sehr viele so sind wie er und sich freuen, endlich zum Zuge zu kommen mit einem ihnen entsprechenden Sprachrohr. Und man kann sich einen dummen Finger auf dem Roten Knopf besser vorstellen als einen durch Intelligenz gehemmten. Allerdings fällt mir hier sofort das Beispiel von Oppenheimer, der Intelligenzbestie ein, dem es eben nicht gelang, den „kleinen Jungen“ (Little Boy) an der Explosion zu hindern, die Atombombe mit diesem Namen also in ihrer orgiastischen Tatkraft zu bewundern, sein Werk, sein Orgasmus, sein Atom. Wer sollte wen jemals wirklich zurückhalten können, sind dererlei Triebe am Werk. Und ja, sie können auch, wenn das noch möglich ist, umgeleitet werden in förderliches Tun, doch dazu braucht es sehr viel von dem, was der Dummheit (und dem egozentrischen Trieb) nicht zuträglich ist. Da ist immer noch Raum für ein tieferes Erkennen, man muss ihn nur nutzen.

 

ländlich

Ein Vogelnest bzw. ein Meisterwerk der Vogelkunst. Beim näheren Hinschauen wurden die Haare unserer Katze sichtbar, da sind sie auch gut aufgehoben. Als wir aufs Land zogen, war ich mir nicht sicher, was für eine Wirkung das auf mich haben würde. An was auch immer ic mich in meiner Kindheit erinnere, so sehe ich wenig Naturverbundenes. Meine Lebensvorstellung kreiste mehr um Städte wie meine Geburtsstadt Berlin, dann Paris und London, und meine eigene Zeit in New York und weiteren Großstädten, die mir gefielen, aber letztendlich verbrachte ich mehr Zeit in eher engeren Communities, in Nepal, am Rande der Wüste Thar, und nun seit Jahren auf einem wunderbaren Stück Land, deutschem Land. Indien ist immer noch nah und bis jetzt kann ich mir gar nicht vorstellen, dort nicht mehr zu sein. Aber ich habe ein sehr ausgewogenes Empfinden zwischen beiden Seiten und bin froh, von beiden gelernt zu haben und weiterhin lernen zu können. An beiden Seiten gefällt mir die Nähe zur Natur, ich musste wohl nachholen. So viele Tiere treffen zu können aus nächster Nähe, und die Bäume, und das Wasser, und die Zusammenhänge. Aha, nicht alle können Rosengärten ungehemmt bewässern. Es gab also doch eine Grenze zum Wasserverbrauch. Jetzt müssen die meisten Einheimischen Wasser kaufen. Oft trauen sie sich nicht, den Touristen den Notstand zu vermitteln und sie zu bitten, etwas sparsamer mit dem Wasser umzugehen. An einem Montagmorgen, an dem die Hälfte der Bevölkerung schon andersweitig verbringt, kann man, bzw ich mich, fragen, wie ich vom Vogenest zum indischen Wassermangel kam, so, als lägen keine 10 Flugstunden dazwischen. Entdeckt man  solch eine gedankliche Ausuferung, ist es ratsam, sich zu fragen, was man eigentlich sagen wollte. Zurück zum Landaufenthalt also, der mir erstaunlich gut gefällt und mich immer wieder daran erinnert, welch, nein, halt ein, paradiesisch sind die Zustände nun leider nirgends, auch im Paradies waren sie ja nicht paradiesisch, wenn man dort hinausflüchten muss, weil man vom Apfel der Erkenntnis gegessen hat, obwohl die Autorität es einem verboten hatte. Und trotzdem ist es immer mal wieder eine tiefe Erfahrung für mich, die erstaunliche Vielfalt und Schönheit des Planeten wahrhaben zu können. Auf dem Land hat man mehr Ruhe zur Betrachtung. Viele Tiere leben noch, immer wieder taucht eins auf, das man noch nie gesehen hat. Man lernt andere Sprachen außerhalb der menschlichen. Andere Geräusche und Gesänge und Töne der Verständigung. Dieses Grün als Wohltat der Augen. Mir tut auch der Blick in die Wüstenweite hinein gut, die Sandfarbe, die Stille. Dann aber eben das Grün, so erfrischend. Immer staune ich bei meiner Rückkehr, wieviel Fläche es noch davon gibt. Wie viele Blüten, wie viele Früchte, und überhaupt kann man, höre ich, so vieles davon essen. Man könnte eine Zeit damit überbrücken, wenn es nicht gerade atomar verseucht wäre. Noch hält sich alles in immer wieder neu geordneten und zu ordnenden Grenzen. Vielleicht lernte ich auch von den ländlichen Regionen die Dankbarkeit kennen, die Möglichkeit einer Teilnahme an den kostbaren Stunden, in denen man die Lebendigkeit des Ganzen auf sich wirken lassen kann. Die ungeheure Kraft der Natur, immer wieder dem Unsäglichen standhalten zu können, so, als wäre es das Natürlichste der Welt, sich dieser Intelligenz zu bedienen und sie auszusaugen bis auf den letzten Tropfen. Das eigene Denken bleibt einem zum Glück nicht erspart.

Kate Tempest

Hier noch einmal Kate Tempest in deutscher Sprache, es gibt noch sehr wenig Übersetzungen, schon wegen der Länge ihrer poetischen Texte muss man sich heranwagen, und bei allem Verlust, der sich durch eine Übersetzung einstellen kann, bin ich doch froh, wenigstens e i n e n ihrer Texte übersetzt gefunden zu haben. Sie ist nicht mehr so jung wie Greta Thunberg, aber jung genug, um m.E. aufmerksam diese Stimmen zu hören, die sich Gehör verschaffen können und auch wissen, was sie zu sagen haben, das ist erfreulich, wenn auch nicht beruhigend. Es soll ja aufwühlen, ansprechen, berühren, wach machen. Egal, wo sie auftauchen mit ihrem Anliegen im Angesicht der menschlichen Notlage: ich bin froh, dass sie da sind.
 

Europa ist verloren

[Intro:]
In der Kellerwohnung, bei den Garagen
wo die Leute ihre Matratzen entsorgen,
sitzt Esther in ihrer Küche und macht belegte Brote.
Die Lamellen ihrer Jalousien sind ganz wackelig und schief
Man kann sie von der Straße aus sehen, bevor sie sich aus dem Blickfeld bewegt
um ihre Stiefel von den müden Füßen zu streifen.
Sie wischt sich die Stirn mit dem Handgelenk.
Sie ist gerade von einer Doppelschicht nach Hause gekommen.
Esther ist eine Pflegekraft, macht Nachtschichten.
Hinter ihr, an der Küchenwand,
ist ein Schwarzweißbild von Schwalben im Flug.
Ihre Augen tun weh, ihre Muskeln schmerzen.
Sie macht eine Bierdose auf und nimmt einen Schluck.
Sie hält sie an ihre durstigen Lippen
und kippt sie runter bis sie leer ist.
Es ist schon wieder 4.18 Uhr in der Früh.
Ihr Hirn ist voll von all dem, was sie an diesem Tag getan hat.
Sie weiß, dass sie nicht einen Moment schlafen wird,
bevor die Sonne sich auf den Weg gemacht hat.
Esther macht sich heute Nacht Sorgen um die Welt.
Sie macht sich ständig Sorgen.
Sie weiß nicht, wie sie diese Gedanken aus ihrem Kopf
heraushalten soll.

Europa ist verloren, Amerika – verloren, London – verloren,

Dennoch reklamieren wir den Sieg für uns.

Alles, was bedeutungslos ist, herrscht,

wir haben nichts aus der Geschichte gelernt.

Die Leute sind schon zu ihren Lebzeiten tot,

benommen im Schein der Straßen.

Aber schau, wie der Verkehr sich immer noch bewegt.

Das System ist zu glatt um aufzuhören zu funktionieren.

Das Geschäft ist gut.

Und da sind jede Nacht Bands in den Lokalen,

Und da gibt’s zwei zum Preis von einem Drink in den Clubs.

Und wir haben uns aufgedonnert,

wir haben die Arbeit und den Stress runtergewaschen

und jetzt wollen wir nur ein paar Exzesse

besser noch;

eine erinnerungswürdige Nacht, die wir bald vergessen werden.

Dieses ganze Blut, das vergossen wurde, damit diese Städte wachsen konnten,

diese ganzen gefallenen Menschen.

Die Wurzeln, die aus der Erde gegraben wurden,

damit diese Spiele gespielt werden konnten

Ich sehe es heute Nacht an den Flecken auf meinen Händen.

Die Gebäude schreien.

Aber ich kann nicht um Hilfe bitten, niemand kennt mich,

feindselig, besorgt, einsam.

Wir bewegen uns in unseren Rudeln und das sind die Rechte, die uns durch Geburt zustehen:

Arbeiten und arbeiten, damit wir alles sein können, was wir wollen.

Dann das Trübsal wegtanzen

Aber selbst die Drogen sind langweilig geworden.

Naja, Sex ist immer noch gut, wenn man denn welchen hat.

Schlafen, träumen, den Traum in Reichweite halten

Jedem einen Traum,

nicht weinen, nicht schreien,

behalt es drinnen,

verschlaf einfach weiter.

Was mach ich nur, um aufzuwachen?

Ich spüre den Preis davon meinen Körper vorantreiben,

so wie ich meine Hände in Taschen treibe

und vorsichtig gehe ich und ich sehe es, das ist alles, was wir verdient haben.

Die Schandtaten unserer Vergangenheit sind wieder ans Licht gekommen,

trotz allem, was wir getan haben, um die Spuren zu verwischen.

Sogar meine Sprache ist befleckt

mit allem, was wir gestohlen haben, um es hiermit zu ersetzen,

ich bin still,

spüre den Beginn eines Aufruhrs,

ein winziger Aufruhr allerdings,

das System ist riesengroß,

der Verkehr bewegt sich immer weiter, beweist, dass man nichts tun kann.

Denn es ist das große Geschäft, Baby, und sein Lächeln ist widerlich.

Gewalt von oben herab, strukturelle Bösartigkeit.

Eure Kinder sind mit pharmazeutischen Beruhigungsmitteln zugedröhnt.

Aber macht euch darüber keine Sorgen. Sorgt euch lieber wegen der Terroristen.

Die Meeresspiegel steigen! Die Meeresspiegel steigen!

Die Tiere, die Elefanten, die Eisbären sterben!

Hört auf zu weinen. Fangt an zu kaufen.

Aber was ist mit der Ölpest?

Psst. Niemand mag Leute, die die Party verderben.

Massaker

Massaker

Massaker

Neue Schuhe

Ghettoisierte Kinder, die am hellichten Tag ermordet werden von denen, die sie beschützen sollten.

Porno in Echtzeit, der in die Schlafzimmer eurer Grundschulkinder gestreamt wird.

Die gläserne Decke, keine Kopffreiheit.

Die Hälfte einer Generation lebt unterhalb der Armutsgrenze.

Oh, aber es ist Happy Hour an der Hauptstraße,

endlich Freitagabend, Jungs, die Runde geht auf mich!

Alles lief gut bis der Typ in der letzten Bar ein Glas an den Kopf gekriegt hat,

der ganze Raum spielte verrückt, du kannst unseren Lou fragen,

es war Irrsinn, die ganze Straße wurde rot, purer Rotwein.

Und wegen der Migranten? Ich mag sie nicht.

Meistens kümmere ich mich um meine eigenen Angelegenheiten.

Aber die kommen nur hier her, um reich zu werden.

Es ist eine Krankheit.

England! England!

Patriotismus!

Und du wunderst dich darüber, dass Jugendliche für ihre Religion sterben wollen?

Es geht so: arbeite dein ganzes Leben für ein Almosen,

vielleicht wirst du mal Manager,

bete für eine Gehaltserhöhung.

Streich die beigen Tage an deinem Strandhäuschenkalender aus.

Die Anarchisten sehnen sich verzweifelt nach etwas, das sie kaputtmachen können.

Skandalöse Bilder von modischen Rappern in glamourösen Zeitschriften.

Wer geht mit wem aus?

Ein Politiker mit Bargeld in einem Briefumschlag,

der dabei erwischt wird, wie er ein paar Lines von den künstlichen Brüsten einer Prostituierten zieht,

kriegt nur einen Klaps auf die Finger und geht zurück ins House of Lords.

Sie entführen Kinder und ficken die Köpfe von toten Schweinen

aber der Typ im Kapuzenpulli, der ein paar Joints hat –

Steckt ihn in den Knast, er ist der Kriminelle!

Steckt ihn in den Knast, er ist der Kriminelle!

Es ist die VonAllemGelangweilt-Generation

Die Produkte von Produktplatzierung und Manipulation

Schieß sie ab1, Brutalo, mit Sorgfaltspflicht

2.Komm schon, neue Schuhe.

Schöne Haare.

Blödsinnige, zuckrige Balladen

Und Selfies

Und Selfies

Und Selfies

Und hier bin ich vor dem Palast des ICHs!

Konstruiere ein Selbst und eine Psychose

und währenddessen sind die Menschen scharenweise tot

und nein, niemand hat es bemerkt.

Naja, doch, ein paar haben es bemerkt,

man konnte es an den Emojis erkennen, die sie gepostet haben.

Der Schlaf bedeckt eure Augen wie eine behandschuhte Hand

Die Lichter sind so schön und hell, also lasst uns träumen

Aber manche von uns stecken fest, wie Steine im Windschatten

Was werde ich tun, um aufzuwachen?

Wir sind verloren

Wir sind verloren

Wir sind verloren

und trotzdem wird nichts

aufhören,

nichts innehalten

Wir haben Ambitionen und Freundschaften und Liebschaften, an die wir denken müssen,

Scheidungen, die wir aus unseren Gedanken wegtrinken müssen

Das Geld

Das Geld

Das Öl

Der Planet ist erschüttert und verdorben

und das Leben ist ein Spielzeug.

Ein Kleid, das beschmutzt werden kann

Plackerei, diese Plackerei.

Ich kann einfach kein Ende sehen.

Nur das Ende.

Wie kann das etwas sein, das man wertschätzt?

Wenn die Stammesleute in ihren Wüsten tot sind,

um Platz zu schaffen für fremdartige Konstruktionen?

Entwickeln, entwickeln

und töten, was man vorfindet, wenn es einen bedroht.

Keine Spur von Liebe in der Jagd nach dem großen Geld

hier in dem Land, wo es niemanden einen Scheißdreck interessiert.

 

Ferien feiern

 

Es ist wieder so weit. Man erfährt irgendwann das Datum des Ferienbeginns, auch wenn man nicht betroffen ist, und  kann sich durchaus in neidloser Freude mit denen verbinden, die diese Zeit dringend benötigen, weil sie es redlich verdient haben. Doch auch für die, die keine Pläne geschmiedet haben zum Hinausströmen, vor allem in die Küstengebiete, für sie kann es heißen, aus verschiedenen Gründen erhöhte Wachsamkeit auf den Vorgang zu lenken. Während der Megaste Superstau jemals auf allen befahrbaren Straßen angekündigt wird, kann man davon ausgehen, dass kein Stau der Welt die co2 Ausstoßsüchtlinge davon abhalten wird, sich auf eben diesen Straßen in großen Ansammlungen zu formieren, vielleicht auch in der Annahme, als Besonderling oder SUV Driver durchzubrettern, aber nein, hier wird etwas Gemeinsames zelebriert, das auf diese Weise besonders gut zu erleben ist: manchmal geht es einfach so, wie man möchte, nicht weiter, das ist gesund, das gibt extra Zeit, die man natürlich zu nutzen wissen muss. Man kann darüber nachdenken, wie sehr man für die reine Luftbeatmung des Planeten war, wie intensiv man Greta Thunbergs Anliegen für angebracht fand bei allem Staunen über den schnellen Ruhm. Unentwegt hört man das Lob der Jugendlichen, deren Eifer die Politik in die müden Kniee zwingt. Und nun soll das Benzin teurer werden, darüber kann man auch etwas nachdenken, ist es doch eh schon teuer genug, das finden auch Leute wie ich, die nicht im Stau stehen. Es stehen ja auch nicht alle im Stau, nur sehr viele aus dem Volk sind unterwegs in andere Kulturen , wo man nun damit rechnen muss, dass am Strand, während man da ahnungslos herumliegt, Fremdlinge aus Kriegsgebieten angeschwemmt werden, denen die Heimat völlig und ganz und manchmal für immer entschwunden ist. Und es muss ja nicht immer das Schlimmste passieren, es ist schlimm genug, wie es ist. Nun ensteht durch diesen langen Pilgerzug aus den Städten eine Raumleerung. Die erzeugte Luft legt sich auf das gerade noch Bewohnte nieder. Wird von keinen Schritten mehr bewegt. Man hat vielleicht jemanden gefunden, der oder die die Blumen gießt und die Tiere versorgt, oder man legt sie ab in den Heimen oder einfach hinaus, wo jemand sie unter Umständen finden kann. Überall taucht es auf, das Märchen, wo war das doch gleich, vom Töpfchen und vom Kröpfchen, nämlich die, die lieb sind, und die, die zu viel co2 ausstoßen. Deswegen sorgt der Stau in kosmischem Einklang mit den politischen Dringlichkeiten für ein gemeinsames Langsamfahren, schließlich hat man ja Ferien. Indessen bereiten sich gut organisierte Gangs auf oft sehr erfolgreiche Diebstäle vor, haben das alles rechtzeitig ausgeheckt, die Lage und die Nachbarschaft und die sehr heruntergelassenen Rolläden. Klar könnte man sich den Einklang mit der Menschheit anders vorstellen, der Vorstellung sind ja keine Grenzen gesetzt. Ich persönlich habe mir den Samstag erkoren, um meine Vorstellungskraft etwas locker zu lassen, wenn auch nicht zu entbinden. Und wie vollkommen anders kann es doch sein, als man es sich vorstellt, also wie man sich das „ES“ vorstellt. Oder kann man sich ganz präzise einer Vorstellung nähern, indem man einfach hineinschaut? Wir wissen es nicht, und es ist auch nicht brennend wichtig. Hauptsache, man erfreut sich auf ganz persönliche Weise am Ferienbeginn und tut genau das, was man nicht lassen kann.

Das Photo (von C.M.Brinker) ist mir zugewhatsapped worden und zeigt eine Kunstfigur in einem holländischen Teich. Ich ahnte sogleich, dass es ein optimales Ferienbeginnsphoto sein können würde.

steuern

Co2co2coc (Steuer?) Klimaschutz.und wandel…eine gewisse Ermüdung stellt sich ein, einerseits die angenehme, wenn in guten Gesprächen vieles von dem, was einen bewegt, zum Ausdruck kommen kann, und dann die andere Seite, die auch in diesen Gesprächen in Themen auftaucht, sei es die unter uns“ (Menschen) herrschende Kraft der Eigennützigkeit oder die offensichtliche Unbelehrbarkeit des Menschen, der von sich wiederholenden, katastrophalen Zuständen nichts zu lernen scheint, nein, ganz im Gegegenteil von den angebotenen Süchten und Früchten nicht genug haben kann, sondern statt weniger immer mehr braucht und dann wegen so vielem Brauchen gar nicht mehr zu sich kommen kann. Einzigartiges Angebot des Wasauchimmers oder des Allerseits oder Allerleis, dass der Mensch als einziges bisher bekanntes Reflektierwesen merken kann, dass er zB. nicht bei sich ist, und dann wieder zu sich finden kann, oder auch nicht, das fällt erstmal gar nicht so auf. Man weiß ja oft nicht, wie Menschen sich mit sich selbst wirklich fühlen, wissen wir es doch selbst oft auch nicht und erfreuen uns an einem Gegenüber, das die noch verborgenen Dinge aus einem herauslocken kann und umgekehrt, dass man auch anregend wirken kann unter Menschen, auch wenn sie einem und man ihnen vielleicht unheimlich vorkommt. Zur Auflösung des Unheimlichen dient oft nur ein Lächeln, auch nicht jedes, und auch nicht immer kann das geschehen, es ist eher selten. Ja, der Klimaschutz, und der co2 Ausst0ß, das hämmerte dann heute früh durch die 3 Minuten Nachrichten, die Teil meines Morgenrituals sind. Wissen wir denn nicht alle, dass das nicht gutgehen kann. Und ja, o Polis, lasset die Grünen ran an das Steuer, dann kann man sich schulen an letzten Formen des Scheiterns; ach, ihr macht auch Milliardengeschäfte mit Waffen in Kriegsgebiete. Wie konnte das geschehen. Und doch macht jeder weiter, wo er gerade ist. Noch ist er oder sie ja da, der Mensch ist  noch da, man kann noch darüber nachdenken, wie man das sieht, und ob man tatsächlich vom Affen abstammt, oder man lässt jedem einfach sein Abstammungskonstrukt…wie…das ist wissenschaftlich bewiesen. Auch die Götter haben sich geirrt und sich beirren lassen, und man hat ihnen diese Launen zugestanden. Jedem seine Ahnenreihe, jedem seine oder ihre DNA, das ist nur in gewissen Kontexten untrüglich. Und dann die Strohhalme, die in düsteren Zeiten in der Leuchtschrift des Messias in den Himmel ragen. Asha pasha vinir mukta, rufts vedisch in den deutschen Wald, befreit von den Ketten der Hoffnung. Das ändert nichts, oder ändert es doch etwas an der Tatsache, dass der einzelne Mensch in seiner individuellen Wachheit Zeugenschaft ablegen kann von den Möglichkeiten des Menschseins. Die ihm oder ihr angemessen erscheinen, und welche nicht.

da draußen

m

Da draußen sitzt die Frau (der dunkle Kontinent)
im All. Erinnert an die Grenzenlosigkeit. Sitzt da
im Gleichgewicht der Stellungnahme. Sie bändigt
mit dem kalten Auge das Schwert. Die menschlichen
Beschränkungen und ihre Hüllen fallen. Sie hat
das Selbst erfahren, denn es ist in allen. Der Schleier
trennt von dem, was sie am meisten bannt: das Feuer
und das Licht der Liebe. Erkenntnisse ermöglichen
den Ruf zur Bändigung  von Flammen. Sie widmet
das Geschmolzene dem offenen Geheimnis der Sicht.
Dem Schweigen, das unbestechlich ist.

 

fürchten

 

Irgendwann fällt es einem ja auf, wenn man Bücher, die ihren Stammplatz in den Regalen gefunden haben, höchst wahrscheinlich nicht mehr liest bzw. nicht noch einmal liest oder überhaupt noch wissen kann, was drin steht, kommt es einem doch zuweilen auch vor, dass überall in Essenz mehr oder weniger auf des menschlichen Wesens Kern hingewiesen wird. Was als Wissen gilt, was als Weisheit, was Lächeln hervorgebracht hat, dann wieder tiefe Berührung mit den Gedanken eines oder einer Anderen. Und überall da, wo geliebt und gelebt wird, sammeln sich Dinge an, die ihrer jeweiligen Bedeutsamkeit wegen um einen herumstehen. Manmal gelingt es einem, in irgend einer Ecke oder der Tiefe des Schrankes tabula rasa zu machen, selten aber lässt man ein leeres Feld zurück, auf dem die frische Luft eines Neuanfangs zu spüren ist. Auch als ich mich neulich entschlossen einem Karton näherte, in dem präcomputerale Korrespondenzen von mir bewahrt wurden, als wir noch mit der Hand die Gänsefeder…ach nein, sorry…den Montblanc oder den Rapidographen führten, und auf leichtem Luftpapier reichhaltig Kontempliertes ankam nach tagelanger Reise, zuweilen auch mal ein leerer Umschlag, der wegen seines Umfanges vermutlich für eine Geldsendung gehalten wurde. Bevor die Nostalgie über das Verschwinden der Handschrift nach mir ausgreift, erfasse ich sie vorübergehend als etwas, was ich fürchte. Das ist sicherlich nicht viel anders, als wenn man die reife Menge der E-Mails von dazumal nochmal überfliegt und das berüchtigte Wechselbad der Emotionen erlebt. Wenn man nachschaut, wird das Gedächtnis aufgefrischt, man staunt, wie viel man vergessen kann. Wie weit will ich selbst ausufern in die Details meines einstigen Daseins, auch wenn es nicht mangelt an interessanten Geschichten und Begegnungen und Beziehungen, die man durchwandert hat. Andrerseits sitzt man hier und ist all das. Es geht ja vom Erleben nichts verloren. Vielleicht sollte man sich den Inhalten der Dinge, die der potentiellen Verstaubung anheim gefallen sind, einmal intensiv widmen und wahrnehmen, was sie einem bedeuten. Und auch wenn man merkt, dass sie einem sehr viel bedeuten, kann man darüber nachdenken, was man am liebsten mit ihnen machen möchte. Ich habe in meinem Leben das Glück gehabt, zwei Häuser, die angefüllt waren mit Schätzen, hinter mir zu lassen, und musste einmal in der Wüste, wo meine Leidenschaft für Reduktion schon ihre sichtbaren Formen annahm, erstaunt feststellen, dass ich mich kaum an meine kostbaren Anhäufungen erinnern konnte, da mich mein aktuelles Leben in Atem und Aufmerksamkeit hielt. Eben: die Leidenschaft, die Leiden schafft. Immer wieder häuft es sich an, das Herangezogene, das ebenfalls organisierte Räume braucht, um seine Wirkung zu entfalten. Gut, wenn man herumschauen kann und lächeln, wenn einen die Ordnungen anschauen, die einem zusagen, das ist durchaus angenehm Da, irgendwo in den Zwischenräumen der Gedanken, liegt ein Fürchten herum. Vielleicht vor dem Scheitern des großen Loslösungsplanes, der Antianhänglichkeitskarotte, dem wilden Traum der Entdinglichung, die Blöße letzter  Nacktheit des Sichdurchsichtiggemachthabens. Umringt wie stets von der Materie des Dazugehörigen. Fürchte dich nicht, sagte sie zu sich, denn du bist bei dir.

 

nachrichten

Als ich dieses Bild eines Selbstportraits von Francis Bacon abgebildet sah, das während einer Auktion im verhältnismäßig renommierten Sotheby Auktionshaus aufgenommen wurde, da konnte ich nicht umhin, mit ein paar aufhellenden Pinselstrichen Francis Bacon sein eigenes Portrait mit den Armen des Bildhochhalters verschmelzen zu lassen, und somit wie nebenher die Kunst mit dem Lebendigen zu rahmen (nachrichten). Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch beim Überfliegen des dazugehörigen Artikels lernen, dass ein Unternehmer gerade das Auktionshaus Sotheby für müde 3,7 Milliarden Dollar gekauft hat. Jetzt gehört es ihm und er kann damit machen, was er will. Interessant daran (außer der Tatsache, was man mit Geld alles kaufen kann) wäre nur wie bei allen Geschichten, wenn man Zugang hätte zu den tieferen Gründen und Hintergründen einer nach außen hin berichteten Tatsache. Alles andere im Artikel handelte vom Erscheinen an und Verschwinden von der Börse. Auch weiß man nicht, warum ausgerechnet dieses Bild von Bacon gewählt wurde, vielleicht war es ja ein ähnlicher Blick wie meiner. Mir persönlich hat das Selbstbildnis noch einmal die Gelegenheit gegeben, an diesem unerklärlichen Mut zum Erschreckenden, den Francis offensichtlich hatte, teilzunehmen. In welcher Verfassung er da als Künstler auch immer war (nicht, dass es gleichgültig ist), so ist es ihm doch immer wieder gelungen, den Betrachter mit dem Erschreckenden in Verbindung zu bringen. Man muss ja nicht, aber wenn man sich davon berühren lassen kann, so ist es meines heutigen Erachtens genauso wesentlich, wie mit der hellsten Ebene in einem mal in Berührung zu kommen, ohne gleich ein Epos daraus zu machen oder eine neue religiöse Abzweigung zu gründen, die weitere Heerscharen davon abhalten wird, zu sich zu kommen. Dann wurde ich noch von den Nachrichten  von der Auflösung eines Schreckens informiert, das ist auch stets bemerkenswert, wenn sich auf einmal unerwartet Portale öffnen und das Licht hereinlassen, wo es ziemlich dunkel aussah. Ja, natürlich auch jüngst die Geschichte mit der „Sea-Watch“ und der mutigen Kapitänin, das braucht es eben immer noch häufig: ein gutes Beispiel, ein Vorbild. Dann gab es aber auch heute die Nachricht von einer Kirche, in der ein Pfarrer das eventuelle Vergeben von Missbrauchstätern predigte. Der Ausbruch der Empörung in der Kirche war so groß, dass ein Teil der Gemeinde  wutentbrannt (wie Jesus im Tempel, nehme ich mal an) die Kirche verließ. Sie wollen den Pfarrer nicht mehr haben, so wurde er abgesetzt. In jedem Fall ist es ein Hoffnungsstrahl. Noch hoffnungsstrahlender wäre es, wenn alle Empörten einfach aufgestanden sind, ohne dass es jemand anführte, nicht, dass es so einen großen Unterschied macht. Oder macht es doch einen großen Unterschied? Überall soll es ja auch immer mal wieder gute Könige gegeben haben, die zumindest die ihm Anvertrautenn nicht gnadenlos ausgebeutet haben, aber, wie wir von uns selbst wissen, ist ein sogenannter guter Charakter schwer zu erringen, es hängt von der eigenen Orientierung und ihrem Anspruch ab. Da ist eine Idee, die einen immer noch, bei aller Nüchternheit, von der Antike her anwehen kann, nämlich, dass jeder Bürger, ich füge mal die genderdurchtrainierte Bürgerin hinzu, dass also jeder Bürger und jede Bürgerin sich verantwortlich zeigt in Hinsicht auf die „Polis“ und deren demokratische Umsetzung der bürgerlichen Entscheidungen. Es ist in der Tat schwer in unserer momentanen Zeit, die sogenannte „Masse“, zu der wir ja auch alle gehören, einigermaßen einschätzen zu können , zu vieles ist im Umbruch, und alles bricht gleichzeitig um. Die Offensichtlichkeit der Veränderungen hat bereits ihren Höhepunkt durchschritten. Nun gilt es, sich so nah wie möglich bei sich aufzuhalten und auch während des Kehrens nicht vom Beisichsein abzulassen, dann aber auch die Anderen nicht aus den Augen zu verlieren, ja, ganz im Gegenteil, sie von Herzen bei sich aufzunehmen. Ich wünsche allerseits und allerorts einen mutigen Dienstag.

halten

Es ist doch erstaunlich, dass der Mensch sich selbst anschauen kann, nicht nur in einem Spiegel, sondern auch das Innen kann wie von einem Auge belichtet werden, wobei es sich gezeigt hat, dass diese Sicht, um sich zu manifestieren, einen Ausdruck, bzw. eine Sprache braucht eines der Werkzeuge des Erkennens. Da, einer Logik folgend, die man in der Natur wie im Märchen finden kann, die Quelle meistens im Verborgenen liegt oder in einem geschützten Feld, kommt es auf einen selbst an, ob man sich hier umsehen oder wohnhaft machen möchte. Dh. allerdings nicht, dass man sich die Weisheiten des Bazaars nicht zugute kommen lassen kann, oder bewundern, was wir als Menschen so alles produzieren, um Sehnsüchte und Wünsche umzusetzen, die uns als wesentlich erscheinen. Auf beiden Seiten lebt es sich ganz gut. Wenn sich Sokrates freut, dass es in der Welt so vieles gibt, was er nicht braucht, so kann das nur duch inneren Reichtum geschehen und Freude bereiten. Es wurde mal von einem Mann berichtet, der ab und zu mal 59 Tage lang fastete und von wunderbaren Ergebnissen sprach. Bekommt ein Hungernder ein paar Tage nichts zu essen, kann er nach einigen Tagen sterben. Und nicht jeder kann sterben wie Sokrates, der seine nicht niedergechriebene Lehre dadurch vollendete. Auf jeden Fall erleichtert es den Aufenthalt, wenn  man sich im Außen sowie im Innen wohlfühlen kann. Mit dem, was ich von mir weiß, trete ich vor den Anderen, nie ist gewiss, was geschieht. Wieviel ich von mir preisgeben kann und will, aus welcher Welt der oder die Andere kommt und spricht, was überhaupt möglich ist und aktiviert werden kann zwichen zwei Welten. Wie ungeuer tief und aufreibend der gelungene Austausch sein kann, will sagen: berührend. Denn wenn es nicht berühren kann, ist (zwar) Weiteres durchaus möglich. Heerscharen von Unsichtbaren melden sich zu Wort und leben ohne menschliches Gegenüber. Wenn man noch im Analogen geboren ist, ohne ihm nachzutrauern, so fragt man sich schon zuweilen, ob das, was die Menschheit bisher als „Mensch“ zu definieren imstande war, ein Auslaufmodell sein könnte. Die Liebe für die geistige Bemühung, für das Zwiegespräch (und das Streitgespräch), die Leidenschaft für die Arbeit an eigenen Untugenden und die Achtung für die Schwere des Vorgangs. All das Zeugs also, das wir auch kennen von Religionen und Heldensagen, und auf und ab geht es weiterhin mit dem sogenannten Bösen und dem sogenannten Guten. Wir werden sehen, was der Weltgeist hervorbringt und wie sich die ausgleichenden Kräfte verhalten. Ich denke, der Mensch kann niemals auschließlich von künstlicher Intelligenz beherrscht werden, solange sich zwei gegenübersitzen und sich am Dialog erfreuen und sich über die Dinge unterhalten, die ein Computer niemals verstehen kann, auch wenn die Themen der Gespräche in ihn hineingefüttert werden und wurden. Wenn es ihn nicht berührt, worum es geht, wie soll er es verstehen? Und so kommt in den Science Fiction Romanen immer ein Gandolph vor oder eine Diotima, denen das Wissen um sich selbst im Rad der Zeiten nicht abhanden gekommen ist. Die das Recht auf die Kunst und die geistigen Wissenschaften des Menschseins lebendig halten.

Kate Tempest – Brand New Ancients

Ich habe vor ein paar Tagen auf WDR 5 zum ersten Mal ein Gedicht von Kate Tempest gehört, das ich so kraftvoll und eindringlich fand, dass ich danach gesucht und es (bis jetzt) nicht mehr gefunden habe. Dann aber dieses Video. Einfach wunderbar, so eine poetische Stimme zu hören. Nun ja, in englischer Sprache, what to do.

klagen?

Von der Weltbevölkerung als besonders beschwerlich empfundene Zeiten treiben ihre eigenen Blüten im Dschungel des Menschseins. In dem Artikel, der neulich in der „Zeit“ über eine neuerdings unter einigen Menschen grassierende Sehnsucht berichtete, die eigene Geburt rückgängig machen zu wollen, hat mich vor allem ein junger Inder erstaunt, der hier zu Wort kam. Er regt im Netz die anderen Vernetzten an, sich über das ungefragte Erscheinen bei den Eltern zu beklagen. Die Klagen gegen das Leben hat es wohl auch schon immer gegeben. Wenn der tägliche Ablauf einem so viel abverlangt, dass sich das Gefühl einstellt, man kommt überhaupt nicht an die eigenen Vorstellungen über das Leben heran, kann man sich das ohne Weiteres in all seinen Varianten vorstellen. Natürlich wurde ich auch an Goethes Werther erinnert, und wie sich nach der Lektüre eine Sehnsucht nach dem Tod durchsetzte und zu Selbstmorden führte. Es ist schade, dass man eine bestimmte Leidenschaft für das jeweilige Schicksalspaket, mit dem sich Menschen vorfinden, nicht einimpfen kann. Ja, man scheitert meistens bei dem Versuch, jemanden, der vom Leben nicht begeistert ist, in Begeisterung versetzen zu wollen. Es muss ja auch nicht unbedingt die Leidenschaft für die eigene Existenz und ihr Abenteuerpotential sein, die einen umtreibt, aber ohne einen Lebenswillen stelle ich mir das schwierig vor. Automatisch kommt mit dem Willen zum Leben auch die Verantwortung dafür, klar, wer soll sie sonst haben. Es hat sich zwar gezeigt, dass es für ein Leben nichts Förderlicheres geben kann als ein wohlwollendes Zuhause im Schutze und der Fürsorge einer Familie, aber nicht nur mangelt es überall und in allen Kulturen an diesen positiven Grundbedingungen, sondern auch hier gibt es keine Garantie für die jeweilige Handhabung des Lebensprogramms, das sich aus so vielen Facetten zusammensetzt, sodass man erst spät überhaupt ein zusammenhängendes Bild sehen kann, durch das sich der persönliche Weg erschließt. Egal, wo und wie und bei wem ich mich orientiert habe auf meinem Weg, so bin ich doch als Individuum immer auch allein unterwegs mit meinen erst einmal unsichtbaren Einstellungen, die sich langsam aber sicher von innen nach außen hin formieren und mir vor Augen halten, wer ich durch sie geworden bin. Warum mich der junge Inder mit seiner negativen Bilanz erstaunt hat, ja warum? Es war erst vor ein paar Jahren, dass in meinem indischen Heimatdorf die Selbstmorde anfingen, das war neu. Viele Studenten brachten sich um, immer wieder hing einer am Ventilator, eine der hoch genugen und einigermaßen stabilen indischen Anbringungen der Haushalte. Bauern fingen an, sich aus Verzweiflung an ihrer Situation umzubringen. Wenn keinerlei Lösungen mehr in Sicht sind und kein einziger Ausgang aus der Misere verfügbar, wer kann da helfen, wenn auch da keiner in Sicht ist. Dann: Klagen handeln ja meistens von dem, was als fehlend, als Mangel dargestellt wird, als zu sehr abweichend von dem, was wir uns alle so vorstellen vom Ideal der menschlichen Darbietung, sofern ein Ideal vorhanden ist. Aber es gibt auch die Übersättigung an dem Vielen, das zur Verfügung steht, neuerdings geschult am digitalen Bewusstseinsstrom, der unversehens mitreißen kann in die vielen Welten und Unterwelten und Oberwelten, und so viele schon zurücklässt in einsamen, mit der ganzen Welt vernetzten Kammern, und etwas schleicht sich vielleicht fort aus den Wesen. Eine natürliche Zugehörigkeit  zum einzigen, was wir kennen: ein blauer Planet im All und die abenteuerliche Reise auf ihm. Weiterhin gute Fahrt! Und möglichst „nicht im Sommer sterben, wenn alles hell ist und die Erde für Spaten leicht“(*)
(*)(Schlusssatz aus Gottfried Benns Gedicht „Was schlimm ist“).

ackern

Dieses Bild kam heute früh aus Indien bei mir hereingeweht. Es löst  ein Gefühl von Vertrautheit aus, denn ein paar Jahrzehnte Indien haben vieles möglich gemacht. Es ist ja nicht nur, dass man das scheinbar absolut Fremdartige ans Herz nehmen kann, sondern genau durch diese Bewegung sieht man, so lange man kann, vor allem die schönen, ja wunderbaren Dinge. Indien zum Beispiel hat einigen von uns lange einen Raum eröffnet, in dem man zum Beispiel die Antike der eigenen Vorstellung nachempfinden konnte: die Gewänder, die Farben, die Zwiebeltürme, die Priester, wo man sich mal kurz als Priesterin dazu denken konnte, oder als wandernde Eremitin, beruflich  genauso forschend beäugt von den Patriarchen wie damals, als Diotima erfunden werden musste, um dem Wissen das Wesentliche beizufügen. Dann die Erotik des Göttlichen und die einen selbst überraschende Bereitschaft, sich dieser Anziehung zu nähern und mehr zu erfahren, als man sich vorstellen konnte. Daher weiß man dann, wie viel man sich vorstellen kann, und wie viele Ebenen und Seinswege es gibt. Überall Räucherwerk und Stäbe, Kapuzen und Geläute. Vorne draus die, die immer noch mehr wissen sollen müssen als die Anderen, damit der ganze Zirkus am Laufen gehalten werden kann. Dann die, die die unbezahlten Kreuze tragen dürfen, und die, die in den Tempeln in verschließbaren Truhen die Scheine sammeln, die die Gläubigen sich vom Mund abgespart haben. Der Priester, der mir das Bild geschickt hat, ist Familienmann und macht Tempeldienst in der Nähe des Platzes, an dem ich morgens dort ein bis zwei Stunden verbringe, auch schon Jahrzehnte. Er wurde von seiner Brahmanenkaste (es gibt im Dorf viele  verschiedene Brahmanenkasten) beordert, den Dienst zu übernehmen, weil der letzte Prieser die meisten Spenden in die Tasche gesteckt hat, bis es auffiel. Viele stehlen aus Verzweiflung, zuhause warten die Angehörigen. Früher konnte man gut leben von diesen Spenden, jetzt sterben solche Berufe aus an der Unseligkeit. Die westlichen und östlichen Missbrauchsfälle tun das Ihre. Es ist nicht immer klug, die Menge zu unterschätzen, denn wenn etwas wirklich klar geworden ist, kann diese Körperschaft auf einmal  ihre Macht entfalten durch schiere Anzahl. Auf einmal mutiert eine vorher manipulierbare Masse  in einen gut vernetzten  Aktionskörper. Es ist, wie wenn Kumbakarna, der schlafende Riese, erwacht und die Welt zum Beben bringt. Wer regiert nun die Welt, wenn man es wirklich wissen will. Oder: bin ich nun aus der Rippe des Mannes gebastelt, oder erschüttere ich meine eigenen Rippen mal ab und zu mit einem solchen Lachen, dass das Herzliche unversehens hinübergleitet ins Erschrockene. Und immer noch bemühen sich Heerscharen von geistig Angeregten um die Antworten auf die Fragen, die nie wirklich beantwortet wurden und vielleicht auch nicht beantwortet werden können. Denn wer soll entscheiden, was aus dem Menschen wird, entgleitet er doch immer wieder jeglicher Definition. Und ist doch nur Mensch, wenn er Mensch ist, so, als wüssten eigentlich doch alle von diesem verborgenen Geheimnis, das keiner verstecken oder verbergen muss, nein, das im Sein verharrt, bis es aktiviert wird, oder auch nicht. Wie auch immer das Dasein jeweils verstanden und gelebt wird, so kann offensichlich sein, was man für möglich hält, und nicht sein, was dem eigenen Seinsfeld nicht entspricht. Das ist die ganze Herausforderung. Wer ackert das Feld und sät die gewünschten Samen.

wachsam

In Indien habe ich gelernt, bestimmte Wahrnehmungen oder Gefühle  zuzulassen, die in Deutschland wenig geschult werden konnten. Wenn es einem Land wie Deutschland gelingt, nahezu jedem Menschen die als wesentlich betrachteten Grundbedürfnisse zu ermöglichen, würde man gerne annehmen, dass das zu Entspannungen dem Leben gegenüber führt, und das tut es ja auch. Wie  begehrenswert einem diese wenigen Dinge vorkommen können, wenn man sie nicht gesichert hat, weiß man erst dann, wenn sie nicht mehr erreichbar sind oder je waren. Geborgenheit kann eine Haustür sein, ein Garten, beschützende Wände, ein Bett, in dem die übermüdete Form ihre Ruhe und ihre Nähe finden kann. Doch hört man im Westen oft nur von den vielen Wegen des Leidens, auf denen Menschen sich allein und mit Anderen befinden, und was sie tun und nicht tun, und was sie sich antun, und was sie gar nicht mehr tun oder tun können, wenn das Unvorhergesehene eintritt. In Indien kann man nicht mehr wegschauen. Man sieht die Frauen, die irgendwo aus dem Haus geworfen wurden, in langen Reihen nebeneinander sitzen und betteln, Witwen sind nicht beliebt. Oder die, die der Wahnsinn gezeichnet hat, oder die, denen man ansieht, dass sie nicht mehr können, und die, die auf den kargen Abfallhäufen die noch kargeren Reste sammeln, und die Krankheiten, die dadurch entstehen, und die vielen ohne Krankenversicherung, deren Leben keiner mehr wahrnimmt. Doch der Lebenswille ist mächtig, und unzählig die verborgenen Wundertaten, die niemand je sieht in der tiefen Stille, aus der sie geboren und auch geborgen werden. Wenn die Bühne keine Wahl mehr zulässt und die eigene Rolle durch Einsatz nicht zu verändern ist, ja, dann gibt es auch da innere, letzte Freiheiten, die auch zu menschlicher Reife führen können, aber nicht müssen. Es kann auch zu Gewalt führen und zu Mord und zu Gefühllosigkeit. Es liegt also noch an diesem vom Außen unabhängigen Geheimnis, wie der Mensch mit all dem umgeht, und warum er sich so oder so entscheidet. Deswegen ist es angebracht, sich selbst, sei es nun im Westen oder im Osten, weder zu unterschätzen noch zu überschätzen, aber doch so klar wie möglich einzuschätzen und wachsam zu bleiben, vor allem wachsam dem eigenen Schmerz und Leid gegenüber, und dadurch auch wachsam dem Schmerz und dem Leid der Anderen gegenüber. Damit der Gewahrsam der spürbaren inneren und noch tiefer liegenden Grundbedürfnisse einen hörbaren Klang erzeugen kann, der Liebe unter Menschen ermöglicht.

human being

Hier noch einmal im display die zwei Worte, die mich veranlasst haben, dann doch in Indien auch so ein T-shirt zu kaufen, wohl wissend, dass ich es nie anziehen würde, es war nur für die beiden Worte. Es gab im Dorf unter jüngeren Einheimischen und Durchwanderern aller Art kaum jemanden, der nicht mal dieses Shirt trug, es war zu haben in allen Farben. Diese Worte, auf Körpern herumwandernd, übten auf jeden Fall einen hypnotischen Reiz aus. Immer wieder forschte ich nach, welche/r Träger/in angesprochen war von dem tieferen Sinn der unauffälligen Botschaft, eben genau diesem Unterschied zwischen „human being“ und „being human“, also zwischen „Mensch“ und „Menschlich sein“. Es scheint ja so, als müssten wir ziemlich mühsam und geduldig herausknobeln, was unseres Erachtens ein Mensch ist, während wir es die ganze Zeit sind. Eben, aus „Es“ soll „Ich“ werden, vielleicht war das auch damit gemeint. Wie komme ich vom Menschsein ins Menschlichsein. Nicht, was unseres Erachtens, sondern was meines Erachtens ein Mensch ist oder sei, oder wer dieser Mensch eigentlich ist, der man geworden ist, beziehungsweise ich geworden bin. „Mensch“ ist an sich genderfrei und von Anfang an ist man ja Mensch. Man wird als Mensch geboren, und es hilft gar nichts, dagegen zu sein, so, wie ich neulich von sogenannten Antinatalisten gehört habe, die gegen das Geborensein sind, weil keiner sie gefragt hat. Das ist richtig. Schon früh fängt das komplexe Handhaben des Schicksals an, schon früh ist es wesentlich, wie und ob mir die Geschehnisse in der Welt, heißt um mich herum, vermittelt werden, und dann: wie ich es selbst sehen lerne und sehe. Wenn ich an Begegnungen mit Menschen denke, die durch innere Berührungen unvergesslich geworden sind, dann, denke ich, reift da etwas Menschliches im Stillen vor sich hin. Es übt seinen Seiltanz zwischen den verfügbaren Extremen hin zu einer Mitte, und was trägt da hin zum Kern und kann das Vorhandene balancieren, das Eine mit dem Anderen, den Anderen mit der und dem Einen. Wenn wir auf das Fremde unseren eigenen Schicksalsblick werfen, so als könnten wir unseres Traumas Rätsel durch einen Anderen enträtseln, dann navigieren wir noch nicht im Ungewissen. Das Rätsel ist doch eher, dass jede/r Anwesende Mensch ist, aber dadurch nicht unbedingt und automatisch menschlich. Manchmal, wenn einem Menschen das wahrlich Unsagbare geschehen ist, denn dafür gibt es viele Formen und wenig Worte, kann es sein, dass solch ein Mensch ins abolute Nichts geschleudert wird und jeglicher Halt entschwindet. Gibt es nun wirklich gar nichts mehr, an was er oder sie festhalten kann und das Bewusstsein findet sich hellwach in der Aschennacht, dann kann es sein, dass auf einmal das Laub raschelt. Die Welt hält den Atem an. Da ist ein Mensch, der ihr den Rücken kehrt! Dieser Mensch hat  Zeit, ihr den Rücken zu kehren. Er kennt nun den Pfad vom Tod in das Leben und zurück. Wer ist dieser Mensch? Wir wissen es nicht. Etwas in uns baut unermüdlich einen eigenen Weg, der nur durch Teilnahme wahrnehmbar wird.

zuhause

 

WIR SIND ZUHAUSE. WIR SIND DA. ZUHAUSE.
FREUNDE! LEUTE! VÖLKER! STÄMME! EINEN ANDEREN ORT GIBT ES NICHT. HIER IST DER ORT. ALLES IST ORT. AM ORT. WIR SIND AM ORT. DER ORT UND WIR. DAS GROSSE TOR SIND WIR. ICH ORT BIN TOR. GROSSES TOR. SCHWINGENDES GROSSES TOR IST DER ORT. DRINNEN IST ORT WIE DRAUSSEN. DRINNEN UND DRAUSSEN SIND ORT. ORDNUNG IST LICHT AM ORT. ORT UND ORDNUNG SIND LICHT. WENN WIR DORT SIND, SIND WIR LICHT-ORT. ALLES IST TOR-GEBOREN. BEWUSSTSEIN IST ORDNUNG AM TOR. ACHTUNG! ALLES IST PRÄGUNG AM ORT. DER GEIST PRÄGT DEN ORT. WELT ENTSTEHT UND VERGEHT. VOLLKOMMEN KLAR UND SICHTBAR

Gäste

 

Für ein  „airbnb“ Zimmer in unserem Haus kamen zwei Gäste, die, wie sie uns erzählten, in unserer Gegend anlässlich eines Festes einen Auftritt hatten, oder vielmehr jeweils 4 Auftritte an beiden Festtagen. Wir erfuhren auch, dass sie zwei Kinder hatten, die sich während des Wochenendes  bei der Großmutter aufhielten, und dass sie dabei waren, nach Chile auszuwandern, wo sie bereits Land gekauft hatten und ein Haus errichtet. Eine ihrer Töchter war dort  angemeldet für das erste Schuljahr, die andere war noch zu klein.  Ich dachte: was für ein Lebensplan, in Chile zu leben mit den Kindern, die sich im chilenischen Leben werden einrichten müssen. Auf jeden Fall machten wir uns auf, um die Performance zu sehen. Der heißeste Tag im Juni. Auf dem Platz, inmitten einer Vielzahl von lukullischen Angeboten, erschien ein riesiger Zaubervogel. Hoch oben auf ihm saß unser Gast im prächtigen Gewand, aber wer waren die Füße? Eine Frau mit strohblondem Haar und einer Art Dirndl sprach mich an und lachte in mein Gesicht, aber es brauchte Minuten, bis ich sie mit der Gästin im Haus verbinden konnte. Sie verstreute um die Füße von Passanten herum, was sie ‚Phoenix Guarana‘ nannnte,  das neue Superfood. Sie sprach aus einer anderen Welt heraus, das hatte ich auch in dem Blick des Vogelreiters gesehen: es war die Welt der Gaukler, hier der Begriff in seinem besten Sinn. Wie eine verwunschene und verschwundene Welt schwebten sie langsam durch die Menge, in einem weiteren Auftritt beide auf Stelzen. Die Kostüme waren prächtig und der Zauber ihres Erscheinens meisterhaft. Sie stelzten einfach sorgsam durch die Menge und lösten Staunen und kindliche Augen aus. Einiges in den Archiven ins Vergessen Geratene begann sich zu melden. Pierrot lunaire… Die Kinder des Olymp… La strada…die Komplexität des Spielerischen, die mühselige und unermüdliche Arbeit, die zu der gewünschten Leichtigkeit führt, zur Anregung, zur Verzauberung. In der Pause trafen wir sie für einen Kaffe. Obwohl sehr viele Menschen sie auf ihrem Weg durch das ganze Festfeld gesehen haben mussten, war klar, dass sie nun niemand erkennen konnte, Nur aus der Nähe konnte man noch etwas Glitzer auf der Haut erkennen. Man hatte ihnen einen extra Platz abgesteckt auf dem Gelände, wo sie ihre aufwendigen Kostüme  lagern odereinander anziehen konnten, ein schwieriger und langwieriger Prozess, eine wahre Leistung durch die Mittagshitze hindurch. Auch in Chile werden sie auf diese Weise ihr Leben finanzieren, es scheint bisher ganz gut zu funktionieren. Mich faziniert und erfreut das zu sehen, wie sich Menschen, hier mit künstlerischem Geist, eine ganz eigene Welt erschaffen, an deren Entwicklung und Herzschlag sie kontinuierlich innerlich beteiligt sind, auch wenn es manchmal nur Knochenarbeit ist, um auf der Bühne das Spiel aufrecht zu erhalten. Sie erzählten, dass sie für jede verkörperte Figur einen Namen haben, damit das Entern dieser Persönlichkeit besser gelingt. Und wahrlich, man konnte sie unterwegs in ihrem Spiel als persönliche Personen nicht finden, der fremde Zauber war stärker. Im ‚Living Theater‘, in dem ich vor vielen Jahren gearbeitet habe, hatten wir das Stück „Mysteries and smaller Pieces“. Wir bewegten und durch das Publikum, blieben auch manchmal mit ihnen sitzen, um Fragen zu stellen wie: was würdest du gerne tragen, wenn du anziehen könntest, was du wolltest. Ich sprach einmal mit einem Mann, der lange nachdachte, denn es war ihm gar nicht aufgefallen, dass er so eine freie Wahl hatte. Dann sagte er: einen Kimono, am liebsten würde er immer einen Kimono tragen. Ganz unerwartet können einen Dinge berühren, auf die man nicht gefasst war. Und vieles erlebt man ja auch nur einmal. (Wenn nicht alles).