ländlich

Ein Vogelnest bzw. ein Meisterwerk der Vogelkunst. Beim näheren Hinschauen wurden die Haare unserer Katze sichtbar, da sind sie auch gut aufgehoben. Als wir aufs Land zogen, war ich mir nicht sicher, was für eine Wirkung das auf mich haben würde. An was auch immer ic mich in meiner Kindheit erinnere, so sehe ich wenig Naturverbundenes. Meine Lebensvorstellung kreiste mehr um Städte wie meine Geburtsstadt Berlin, dann Paris und London, und meine eigene Zeit in New York und weiteren Großstädten, die mir gefielen, aber letztendlich verbrachte ich mehr Zeit in eher engeren Communities, in Nepal, am Rande der Wüste Thar, und nun seit Jahren auf einem wunderbaren Stück Land, deutschem Land. Indien ist immer noch nah und bis jetzt kann ich mir gar nicht vorstellen, dort nicht mehr zu sein. Aber ich habe ein sehr ausgewogenes Empfinden zwischen beiden Seiten und bin froh, von beiden gelernt zu haben und weiterhin lernen zu können. An beiden Seiten gefällt mir die Nähe zur Natur, ich musste wohl nachholen. So viele Tiere treffen zu können aus nächster Nähe, und die Bäume, und das Wasser, und die Zusammenhänge. Aha, nicht alle können Rosengärten ungehemmt bewässern. Es gab also doch eine Grenze zum Wasserverbrauch. Jetzt müssen die meisten Einheimischen Wasser kaufen. Oft trauen sie sich nicht, den Touristen den Notstand zu vermitteln und sie zu bitten, etwas sparsamer mit dem Wasser umzugehen. An einem Montagmorgen, an dem die Hälfte der Bevölkerung schon andersweitig verbringt, kann man, bzw ich mich, fragen, wie ich vom Vogenest zum indischen Wassermangel kam, so, als lägen keine 10 Flugstunden dazwischen. Entdeckt man  solch eine gedankliche Ausuferung, ist es ratsam, sich zu fragen, was man eigentlich sagen wollte. Zurück zum Landaufenthalt also, der mir erstaunlich gut gefällt und mich immer wieder daran erinnert, welch, nein, halt ein, paradiesisch sind die Zustände nun leider nirgends, auch im Paradies waren sie ja nicht paradiesisch, wenn man dort hinausflüchten muss, weil man vom Apfel der Erkenntnis gegessen hat, obwohl die Autorität es einem verboten hatte. Und trotzdem ist es immer mal wieder eine tiefe Erfahrung für mich, die erstaunliche Vielfalt und Schönheit des Planeten wahrhaben zu können. Auf dem Land hat man mehr Ruhe zur Betrachtung. Viele Tiere leben noch, immer wieder taucht eins auf, das man noch nie gesehen hat. Man lernt andere Sprachen außerhalb der menschlichen. Andere Geräusche und Gesänge und Töne der Verständigung. Dieses Grün als Wohltat der Augen. Mir tut auch der Blick in die Wüstenweite hinein gut, die Sandfarbe, die Stille. Dann aber eben das Grün, so erfrischend. Immer staune ich bei meiner Rückkehr, wieviel Fläche es noch davon gibt. Wie viele Blüten, wie viele Früchte, und überhaupt kann man, höre ich, so vieles davon essen. Man könnte eine Zeit damit überbrücken, wenn es nicht gerade atomar verseucht wäre. Noch hält sich alles in immer wieder neu geordneten und zu ordnenden Grenzen. Vielleicht lernte ich auch von den ländlichen Regionen die Dankbarkeit kennen, die Möglichkeit einer Teilnahme an den kostbaren Stunden, in denen man die Lebendigkeit des Ganzen auf sich wirken lassen kann. Die ungeheure Kraft der Natur, immer wieder dem Unsäglichen standhalten zu können, so, als wäre es das Natürlichste der Welt, sich dieser Intelligenz zu bedienen und sie auszusaugen bis auf den letzten Tropfen. Das eigene Denken bleibt einem zum Glück nicht erspart.

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