Lao Tse

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Dreißig Speichen treffen sich in der Nabe.
Auf dem Nichts daran beruht des Wagens Wirksamkeit.
Durch Tonkneten macht man Gefäße,
auf dem Nichts darin beruht des Gefäßes Brauchbarkeit.
Durch Aushöhlen von Türen und Fenstern
macht man Häuser,
auf ihrem Nichts beruht des Hauses Brauchbarkeit.
Darum:
Das Seiende ist zwar nützlich,
das Nichts ist das Wirksame

performen

 

So, nochmal dasselbe Bild wie gestern, jetzt in Farbe, das andere war wohl ein Kupferstich. Nein, sagte jemand, der Amor bohrt da doch gar nicht den Pfeil hinein, sonder versucht, ihn möglichst schmerzlos herauszuholen. Alles an meinem Blick war flüchtig gewesen. Auch wenn  mich der Name Rubens nicht zum Eintritt in eine Ausstellung oder auf die Kniee zwingt, so spüre ich doch, dass  dieser Samstag, eingekeilt zwischen zwei bedeutsamen Tagen des christlichen Erinnerungsguts, überdacht mit wolkenlosem Himmel, für alle hungrigen Einkaufenden geöffnet, dass eben dieser Tag für mich ganz persönlich geeignet scheint, (m)einen flüchtigen Blick auf den heiligen Vorgang zu korrigieren.  Eigentlich war ich ja von der erotichen Ausstrahlung gemalter Wunden fasziniert. Wunden sind etwas, die einen fassungslos machen, auch wenn man auf eigene starrt. Keiner rechnet damit, dass eine Wunde erscheint. Auch der heilige Sebastian schaut auf die Wunde, als könne er sie nicht als seine erkennen. Da wollten wieder Menschen etwas vernichten, was für sie selbst nicht zugängig war. Schön wär’s, wenn ein kleines Engelchen herbeieilen würde, um die Pfeile sorgfältig zu entfernen, weiß man doch, dass das kaum auszuhalten ist, oder eigentlich überhaupt nicht geht, Was dachte ich denn fälschlicherweise? Dass der Amor dem Gepeinigten vermitteln will, wie schmerzhaft die Liebe sein kann? So war es wohl nicht gemeint, und so hat man, ich meine natürlich habe ich, inmitten des kollektiven Einkaufstaumels, noch etwas Wichtiges dazu gelernt. Kazuo Ohno tanzt auf meiner inneren Leinwand zu einem ihm gewidmeten Lied von Anthony (and the Johnsons), dann treten die Butoh Tänzer auf, gefolgt von einer Großaufnahme, auf der ein dunkelroter Blutstropfen einen Mundwinkel verlässt. Der leuchtende Rand eines schwarzen Loches lässt sich erkennen. Es wurde geraten, die düsteren Assoziationen mit einem schwer erkennbaren, abgrundtiefen Etwas nicht falsch einzuschätzen. Das, was Angst machen kann, birgt nicht unbedingt das Erschreckende, sondern auch das Unbekannte, oder das noch nicht Erkannte. Marina Abramovic  und das bewusst Entgrenzte.  Von der Extremkünstlerin Florentina Holzinger wird in einer Beilage der“ Zeit“ berichtet, dass sie und weitere drei Frauen sich während einer Performance Spielkarten an den nackten Körper tackern. Wenn einen etwas berührt, wird man wachsam. Das Beachten der Form wird zweitrangig, man spürt, wenn die Handlung sich zeigt, die Nähe der Quelle. Es muss schon ein gewisses Etwas geben, damit man die Unruhe eines flüchtigen Blickes in sich wahrnimmt und bereit ist für eine neue und erfrischte Sichtweise. Obwohl die Schöpfungskraft als eine Gnade erfahren wird, ist sie der Gnade nicht unterworfen, denn letztendlich lernen wir nur von ihr, was sie kann, denn wenn sie nicht kann, was sie ist, dann ist sie auch keine Kunst.

rechtes Bild: aus der Performance „Apollon“ von Florentina Holzinger

leiden

Unterwegs habe ich gestern in einer Stadt in einem Laden, der vermutlich zur nahen Kirche gehört, dieses Bild gesehen, und da mich wieder einmal die Erotik faszinierte, die ich häufig auf christlichen Leidensbildern gesehen zu haben wähnte, wollte ich von der Frau hinter dem Glas wissen, warum und in welcher Szene der kleine Amor dem schönen Jüngling seinen Pfeil ins Herz bohrt. Die Frau sagte, sichtlich verlegen, dass sie meine Frage nicht beantworten konnte, dass die Fachkräfte des Hauses gerade nicht anwesend seien. Der Angebohrte ist offensichtlich hilflos seinem Schmerz ausgeliefert, denn seine Arme sind gebunden. Was für tiefe Empfindungen auch die Wunden Christi doch immer noch auslösen können, und wie viele Künstler haben sich an der Darstellung dieser Leiden abgerackert. Allein die Filme, die wir alle gesehen haben, voller Helden und voller Qualen. Gestern tauchte in einem Gespräch die Frage auf, wieso sich eigentlich vor allem Jesus als Messias durchsetzen konnte, wo doch in jener Zeit, wie auch heute, mehrere Messias(se) (?) unterwegs waren, um ihr Königreich anzupreisen. In dem indischen Dorf, wo ich manchmal lebe, gibt es auch Anhänger eines Messias, der in Brooklyn lebte oder noch lebt, lang lebe der König Messias, denn vieles höret nimmer auf. Aber Jesus schaffte es offensichtlich, sich durchzusetzen, und, wie wir aus Erfahrung wissen, kann man alles Mögliche sehen, was nicht da ist. Tote stehen auf und sind wieder quicklebendig, Lahme können wieder gehen. In Indien war ich auch einmal mit einer jungen Frau an einem heiligen Ort, wo sich Hunderte von Lahmen trafen, um für ihre Gesundung zu beten. Auch sie, die halbseitig gelähmt war, wurde wieder gesund. Ich ging zu einem befreundeten Arzt und fragte ihn nach seiner Einschätzung des Wunders. Er meinte, es sei der natürliche Verlauf der meisten Lähmungen, dass sie sich nach einer Weile wieder auflösen. Wer kann wissen, wie es zu solchen Anekdoten kommt, wenn sie sich einmal verselbständigen und eine neue Religion in Schwung gerät. Hier wird einem also das Leiden vor Augen gehalten. Nichts geht ohne Leiden, wer  wollte und sollte es abstreiten. Seither ist mächtig viel gelitten worden und kein Ende ist abzusehen. Ja, es sieht so aus, dass, wenn Menschen so ziemlich alles haben, was ein Mensch zum Leben braucht und vieles mehr davon, wie hier im Land z.B., da scheint das Leiden erst richtig loszugehen. Riesig lange Artikel über des Volkes einsames Leiden sind unterwegs, und man freut sich, wenn man jemanden trifft, der oder die mit der Gestaltung ihres Daseins eine gewisse Offenheit der Freude gegenüber erreicht haben, nicht aus dem moralischen Gutheitszugzwang heraus, sondern einfach das Zulassen eines gelungenen Ergebnisses, das man sich täglich bemüht frisch und beweglich zu halten. Und weg mit dir, kleiner Amor. Was pobelst du da an fremdem Fleisch herum mit so herausforderndem Lächeln. Auch die Menschheit reift als Masse vor sich hin, sie hat keine Wahl. Da, wo erwacht wird, beginnt es, das Steuer in die Hand zu nehmen. Keinen Schaden anrichten! Und sich nicht schaden lassen. Und, sagte eine kluge Frau: wer sein Leid nicht tragen kann, macht Andere zu Leidtragenden. (M.W.) So wandelt der Papst wie jährlich mit den Gläubigen die Leidensetappen ab, und der und die Einzelne müssen sich weiterhin die einsamen Fragen stellen. Ich merke, dass ich dem Thema nicht so ganz gewachsen bin. Das mag an dem herrlichen Frühlingstag liegen.

Die Stunde der Wahrheit

Die Stunde der Wahrheit
ist einfach gekommen.
Die Stunde der Wahrheit,
klar wie ein Kirschbaum.
Ein Alptraum für die Gerüchtemacher.
Da gibt’s kein Aldi für Denkende bei
dieser Ankunft von ihr, kein modisches
Maß mehr verfügbar für den Raum
zwischen Zeit und Raum. Also doch!
Wieder ein Ausnahmezustand! Und das
mitten im demokratischen Wir. Die
stunde der Wahrheit kam herein ohne
Fax, lautlos und offensichtlich. Gerade
dann richtet sich das müde Weltenauge
auf und sagt: „Ach, das ist nicht so wichtig!“
Da bricht die Flut herein, und die inneren
Wälder brennen! Die Stunde der Wahrheit
wohnt am Kern, und man kann sie erkennen.
Wobei wir einfach nicht vergessen
dürfen, dass jede Wahrheit nur eine
vorletzte ist, verankert in der Freiheit,
und völlig bestimmt vom Jetzt.

Abglanz des Unsichtbaren

Den Titel, den man hier zwischen zwei Geburtstagsblattbeschriftungen lesen kann, fiel mir vorhin beim Vorbeigehen ins Auge. Nur drei Worte, aber was man sich darunter alles vorstellen und zusammenreimen kann, wäre es nicht der Titel über einer nachfolgenden Information. Hier ging es um den Aufwand, den Astrophysiker treiben in der Hoffnung, „das Leuchten am Rand der dunklen Riesen“ (schwarze Löcher) einfangen zu können. Ein milliardenverschluckendes Unterfangen, bei dem es zum Beispiel, wird  hier erzählt, eine virtuelle Antenne gibt, die beinahe so groß ist wie der Erddurchmesser. Ich erinnere mich, wie manche Inder gelacht haben, als der erste Mensch den Mond betrat, und als ich nachfragte, wurde mir gesagt, das könnte man doch viel einfacher haben, indem man den Mond innen betritt. (Wenn man das möchte). Das ist ja (u.a.) das Irreführende an dem Angebot der virtuellen Welten, dass es den Eindruck nährt, man könne da in ein Innen hineinschauen, das einem Aufschluss gibt über die Dinge. Und tut es ja auch, da, wo es nicht missverstanden wird in seinen Angeboten. Und will man den Mond im eigenen Innern aufsuchen, braucht man auch ein Know-How, um das als Ziel zu erreichen. Außerdem bräuchte man eine grundsätzliche Einstellung dazu, die den Verlauf überhaupt erst ermöglicht. Wenn man sich also z.B. das erddurchmessergroße Teleskop als eine Verlängerung des inneren Auges vorstellt, eine Idee, die es übrigens im indischen Denken (oder als die Erfahrung der vielen solcherart Reisenden) gibt und als „Auge Shivas“ bezeichnet wird, dann trifft man unter Umständen da auf schwarze Löcher, die auch in westlichen Kulturen in vielen Formen als Blindspots auftauchen, oder als Fundgrube menschlicher Verhaltensweisen, oder als Eremitenherausforderungen, oder als besungene Mysterien heldenhafter Durchkreuzungen, die man kennt vom Hörensagen. Die schwarzen Löcher der Existenzgrübeleien. Das schwarze Ascheloch von Notre Dame, das die Geister vereint und zum Beten und zum gemeinsamen Singen anregt, man darf ruhig staunen. Weitere Milliardäre wollen sich mit ein paar lumpigen Millionen einen historischen Namen verschaffen, nicht, dass man nicht froh sein kann, dass es auch sie gibt, auch wenn man sich andere Orte vorstellen könnte, wo ein paar Millionen für gute Veränderungen sorgen könnten. Aber auch Milliardäre sind natürlich frei, mit ihrer Kohle zu machen, was sie möchten. Und in solch hochgeladenen Momenten kräht ja auch kein Hahn danach, was die Quelle von dem ist, was da daherkommt, denn alle sind sich einig: Notre Dame, das geistige Wahrzeichen einer ganzen Nation, muss so schnell wie möglich wieder aufgebaut werden. Man muss dem Volk den Aufbau bieten und nicht die vielen irgend etwas fühlenden Menschen auf die Asche meditieren oder zu Recht  besorgt zu den Gelbwesten zurückkehren lassen. Denn der bereits stattfindende Abgesang auf die fetten Jahre ist ja auch nicht die Lösung, denn immer kann im Märchen die von bösen Kräften vergiftete Prinzessin durch einen Kuss (der ganzen Welt) erweckt werden. Denn schließlich: Wer möchte nicht das Leuchten am Rand der großen Riesen einfangen können. (?) Und es würde unter Umständen gar nicht so auffallen, wenn eine kritische Masse, bestehend aus unabhängigen Individuen, nach und nach ihre schwarzen Löcher durchdringen könnte(n), und man wäre durch diesen sich automatisch ergebenden Umschwung in der Lage, die eigene Existenz als einen absolut stimmigen Vorgang zu erleben, der es an friedlichen und liebevollen Strömungen keineswegs mangeln lässt.

wünschen

Als ich einmal erfuhr, dass im Kölner Dom die Gebeine der heiligen drei Könige gelagert wurden und werden, setzte diese Information einige Gedanken in Gang, die sich mit Hilfe des Vorstellungsvermögens ein Bild zu machen versuchten, wie das wohl aktuell vonstatten gegangen war auf dieser ereignisreichen Reise da hin, wo der Stern dann über der gesuchten Hütte vermutlich bewegungslos hängen blieb, damit die Könige eintreten konnten in das Dunkel des Stalls. Und kehrten sie auch zu dritt wieder zurück (Mission accomplished) und besuchten sich gegenseitig fürderhin in ihren Königreichen und tranken ab und zu in gemeinsamer königlicher Gesellschaft einen guten Tropfen aus den Kelchen? Wer aber brachte die Gebeine in den Dom, und woher kamen sie? Undsoweiter, wahrscheinlich wird irgendwo alles bestens erklärt, damit keine unnötigen, nein, überhaupt keine Zweifel aufkommen. Nun darf ich glaubenslose Zweiflerin wieder an einem mystischen Vorgang teilnehmen. Nun ja, in den Nachrichten konnte das global zu inneren Erschütterungen führende Ereignis der brennenden Notre Dame Kathedrale natürlich nicht auf das (m.E.) dadurch mögliche Kernereignis hinweisen, nämlich, dass, ein paar Tage vor dem Karfreitag, d i e Krone aus den Flammen gerettet wurde, die Jesus angeblich bei dem Kreuzgang getragen haben soll. Das Haus hat Schaden erlitten, aber seine Krone ist intakt, das könnte jedenfalls unter gewissen Umständen als mystische Nachricht durchgehen. Vielleicht gar als ein Wunder. Menschen stürzten sich in die Flammen, um die  heiligen Dinge zu bewahren. Der König, politisch spürbar geschwächt, ergreift das göttliche Angebot und verspricht dem Volk, das heilige Haus Unserer Dame wieder aufzubauen. Ein Milliardär springt sofort ein und spendet 100 Millionen (Francs vermutlich). So. Nun zoome ich virtuell in die Szene, in der Jesus noch am Kreuz hängt, die schreckliche Krone  ins Haupt gedrückt. Irgend jemand nimmt ihn herunter, dann natürlich sofort auch herunter mit der schmerzenden Krone…doch jetzt, was passiert mit der Krone? In meiner Vision wird Jesus ja von seinen Freunden nachts, nachdem sie den Wächter ordentlich bestochen haben, heruntergeholt und noch in derselben Nacht nach Kashmir gebracht, wo er als Krischna weiter wirkt und wohl auch seinen Atem aushaucht in Kachmir, denn dort kann man sein Totenhemd finden. Wie soll es sonst da hinkommen. Aber zurück zur Hand, die nach der Krone greift. Wessen Hand war das. Und warum hat derjenige sie mitgenommen? Aus Ehrfurcht? Als Andenken? Aus Profitgier?, denn schließlich war sie bereits damals berühmt, diese Krone, die man ihm spottend aufsetzte, obwohl er ganz klar gesagt hatte, dass sein Königreich nicht von dieser Welt sei. Es wäre ein schöner, ruhiger Film, den ich mir hier vorstellen könnte, in Schwarz/Weiß etwa ider in Sepia. Er könnte „Die Dornenkrone“ heißen.  Alle sind schon unterwegs nach Kashmir, da kommt ein einfacher Mensch des Weges entlang, vielleicht, um Jesus noch ein letztes Mal zu sehen. Zu seiner Überraschung ist aber keiner mehr da. Die sind doch weg!, informieren ihn die anderen ans Kreuz Genagelten. Ach so, meint der Mann, da fällt sein Blick auf die Krone und er hebt sie auf. Es wird nun sein Lebensziel sein, diese Krone an einen Ort zu bringen, wo sich die herumwandernde Welt anschauen kann, was Menschen sich alles ausgedacht haben und ausdenken, um anderen Menschen Schmerzen zuzufügen. Notre Dame hat sich angeboten, das schlimme Wunden erzeugende Objekt vor weiterem Missbrauch zu schützen. Man kann nur hoffen, dass es auch während und nach der Katastrophe in guten Händen bleibt.

einstufen

Manchmal kommt es vor, dass ich kein Bild vor Augen habe, ich meine eines, das mir aus welchen Gründen auch immer passend erscheint für das, was ich vorhabe. Was nicht heißt, dass Bild und Wort unbedingt eine Verbindung herstellen müssen, aber meistens tun sie es. auch unwillkürlich. Wenn Worte bewusst mit Bildern verbunden werden, wie zum Beispiel Titel und Beschriftungen in Galerien, wird der betrachtende  Geist in eine bestimmte Richtung gelenkt, auch wenn „ohne Titel“ dran steht,  dann  weiß man, dass es beabsichtigt ist, dass etwas keinen Titel trägt. So bin ich beim frühmorgendlichen Herumschauen auf meine Collagensammlung gestoßen (immer wieder erstaunt, dass ich doch ganz schön viel sammle), und habe dieses Bild herausgenommen, einst aus ein paar Zeitungsfetzen zusammengefügt, und doch könnte man alles Mögliche darin sehen oder es als Buchcover visionieren zB. mit dem Titel „Das Geheimnis des Islam“. Ganz anders wären die Gedanken, wenn es hieße „Die dunklen Korridore der menschlichen Psyche“. Aber auch das Grün und die Verschleierung würde man mit dem Islam verbinden. Das verbindet sich jetzt mit etwas, das ich gestern gesucht habe, und zwar ein Buch, von dem ich genau wusste, wie es aussieht und wo es „immer“ steht, aber da stand es nicht, bis ich auf den Knien bei der untersten Reihe der Bücher nachschaute, wo es auf keinen Fall stehen konnte, ich weiß doch, wo meine Bücher stehen. (Genau da fand ich es dann beim dritten Durchgang). Es ging die Stunden davor in meinem Kopf um eine Geschichte, die mir in den letzten Tagen immer mal wieder einfiel, von der ich unbedingt wissen wollte, wie sie nun wirklich dort (übersetzt von Annemarie Scimmel) stand. Es ging um den Sufi Heiligen Al-Halladsch, der auch gekreuzigt wurde wie Jesus, weil er die gefährlichen Worte sprach, die die jeweiligen Herrscher als genügend gefährlich einstufen, um das Zeichen zur Ermordung zu geben. Und wie in der übertragenen Geschichte von Sokrates, als man ihm den Giftbecher reichte, mischte sich der Henker ein. Al-Halladsch sagte ein paar weise Worte zum Abschied an seine Schüler, da ohrfeigte ihn sein Henker. Daraufhin zerriss Shibli, sein nahester Freund und Schüler, sich das Gewand, und die anwesenden Sufis fielen in Ohnmacht. Sie hackten Al-Halladsch die Hände und die Füße ab und kreuzigten ihn an einem Baumstumpf. Obwohl der Befehl der Enthauptung schon gegeben war, entschied der Henker, ihn noch eine Nacht hängen zu lassen.  In dieser Zeitspanne kam Shibli zu ihm und fragte ihn: Was ist Mystik? Und Al-Halladsch soll gesagt haben: „Es ist ihre niedrigste Stufe, die du hier siehst.“ Es ist diese Antwort, die mich berührt, denn sie erinnert einen an die immense Freiheit, die einem allein durch Dasein zugemutet wird, nämlich die Stufen zu kennen und sich bewust auf denen bewegen zu können, die einem angemessen erscheinen. Es ist eine all-inclusive Antwort ohne Verurteilung, denn er weist nur darauf hin, dass dieser Gewaltakt die niedrigste Stufe der Mystik ist. Das heißt nicht, dass dem Henker nicht eine andere Variante des Verhaltens möglich gewesen wäre. Auch von Pontius Pilatus wird erzählt, dass ihn Gewissensbisse quälten, aber das Volk, das auch heute noch auf den Autobahnen das Fenster herunterlässt, um einen Unfall zu genießen, wollte Blut lecken, und er brauchte ihr Blut für seine Macht. Die Geschichten, die erzählt werden und die wir erzählen, bestehen alle aus prozentualem Wissen und Wahrheitgehalt. Man muss nicht unbedingt ein Huhn werden, um die hingeworfenen Körner aufzupicken. Es gibt  ja auch noch den Schwan, von dem man sagt, er hätte die Fähigkeit, aus dem Vorhandenen das Beste herauszuholen.. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Ingeborg Bachmann

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Wohin aber gehen wir
ohne sorge sei ohne sorge
wenn es dunkel und wenn es kalt wird
sei ohne sorge
aber
mit musik
was sollen wir tun
heiter und mit musik
und denken
heiter
angesichts eines Endes
mit musik
und wohin tragen wir
am besten
unsere Fragen und den Schauer aller Jahre
in die Traumwäscherei sei ohne sorge sei ohne
sorge
was aber geschieht
am besten
wenn Totenstille

eintritt

macht, was er will

 

Bevor es tatsächlich vor ein paar Minuten zu schneien anfing und man wieder einmal an den Volksmund erinnert wird, der aus Erfahrung weiß, dass er macht, was er will, der April, da hatte ich mich schon an dieses Bild in der Mitte erinnert mit der Figur, die ich mir gut als Frühlingsherbeirufer vorstellen kann, mitten ins Grau hineingreifend mit einer Farbpracht, die sich auch hier schon an den Spitzen der Gewächse herausgelockt fühlte, und nun, wer weiß, wie die sich fühlen, plötzlich unter so einer eisigen Schneedecke. Auf der anderen Seite ist alles ziemlich gut ausgestattet für das, für was es gekommen ist, man darf nicht behaupten, und schon gar nicht am Samstag, hinter jedes Geheimnis zu blicken. Eigentlich stammt der bunte Mann auf dem Bild von einem Poster, das mir ein mir jahrelang bekannter Antiquitätenladenbesitzer, der manchmal auf einem Kamelfest mit seiner Ware als Kameldekorateur auftritt und dafür auch selbst manchmal dekoriert wird, das er mir also mitbrachte von so einemWüstenfest und ich ganz fasziniert auf die Farben starrte und gerne denjenigen getroffen hätte, der es gemalt hat. Kein Name darunter. Ein Dorfbewohner? Ein extra engagierter Künstler?, man weiß es nicht, obwohl man es wissen könnte, wenn man der Spur nachgehen würde bis zum Haus des Gemeinten. wo vielleicht noch weitere indisch/heiter acrimboldianische Werke stehen können würden. Jeden Samstag drängt sich mir kurz der Gedanke auf, was, schon wieder Samstag, vielleicht deshalb die besonders langen Sätze, um die Zeit und ihre Relativität selbst in die Hand zu nehmen, bis sich daraus machen lässt was es eh schon ist. Immer mal wieder freue ich mich (auch kurz) darüber, dass mir bei Einrichtung dieses Blogs die Frage gestellt wurde von meiner einrichtungsfitten Graphic Design Kollegin, was für einen Satz ich unter „Yoganautik“ haben wollte, das Thema wollte einen Satz. Da fiel mir etwas ein, was ich nie verändert und nie bedauert habe, nämlich  die Yoganautik zur mir eigenen Kunst zu machen, im Ungewissen sicher zu navigieren. Man geht von gewissen Bedingungen aus, ohne die ein Unterfangen sinnlos oder zumindest ungünstig wäre. Auf den Pfaden, die man selbst gestaltet, muss man einen gewissen Prozentsatz an Erfahrung und Vertrauen in sich haben, zumindest eine Offenheit der konstanten Lernbereitschaft gegenüber, um letztendlich mit dem richtigen Nachen die komplexen Engpässe zu ‚durchkreuzen‘ hätte ich beinahe und habe ich auch gesagt, aber ja, warum nicht, auch durchkreuzen und sein lassen und den Mut nicht verlieren und die Freude am Abenteuer. Deswegen überrascht es mich auch nicht, das Buchpaket eines Freundes zu öffnen mit einem Buch von Siri Hustvedt mit dem Titel „Die Illusion der Gewissheit“, immerhin fast 400 Seiten lang, wo man doch allein über den Titel eine Woche gelassen nachdenken könnte. Aber mal sehen, was drin steht. Ich wünsche allen ein angenehmes Wochen-Ende der Winterwochenenden, an dem wie immer Eis und Feuer gleichzeitig auf der Erde unterwegs sind.

Station

 

In meiner kargen Witzesammlung (3) ist unversehens einer dazu gekommen (4), der mir gefallen hat. Ich kürze etwas: Als der Kosmonaut Gagarin als Erster vom Weltraum zurückkkehrte, wurde er von Chruschtschow eingeladen, der alle Anwesenden hinausscheuchte und dann fragte: „Hast du dort Gott gesehen?“ Gagarin sagte „Ja!“. Chruschtschow gab ihm 10.000 Rubel und meinte, das dürfe keiner erfahren. Dann wurde Gagarin vom Papst eingeladen, der alle hinausscheuchte und ihn fragte, ob er Gott dort getroffen hätte. „Nein!“ sagte Gagarin, und der Papst gab ihm einen ordentlichen Betrag dafür, dass das niemand erfahren dürfte. Auch Kennedy lud Gagarin ein, schickte aber niemanden hinaus, sondern fragte so nebenher, ob er Ihn gesehen hätte. Gagarin bejahte, und Kennedy meinte, das wäre ihm eh egal, denn in seinem Land gäbe es ebensoviele Atheisten wie Gläubige. „Ja“, sagte Gagarin, „aber Sie ist schwarz“. Alle Arten von Toden können hinter Witzen lauern, aber manchmal versteckt sich auch ein Phoenix in der Asche. Die Erkenntnis, bei der man sich erfährt, kann kurz und schmerzhaft sein, vielleicht auch schmerzlos, dann kannte man den eigenen Punkt schon vorher, das hilft. Der Witz beinhaltet ja, dass man merkt, dass man sich Gott als schwarze Frau nicht vorstellen kann, das macht klar, dass man sich etwas anderes vorgestellt hat, worüber man selbst vielleicht gar nicht viel nachgedacht hat. Ich finde, dass Gott und die Liebe zwei Themen sind, denen man nicht wirklich bewusst ausweichen kann und die in Systemen meist die notwendigen Reflektionen und Erfahrungen auslösen können, die es braucht, um zumindest selbst eine Einschätzung gewonnen zu haben, die zu weiteren Richtlinien führen kann. Es ist ja nicht so einfach, sich die Dinge selbst zu beantworten, vor allem, wenn man noch nicht zur Quelle gelangt ist, wo ungetrübte Kenntnisnahme, zumindest potentiell als Ort der Einsicht, vorhanden ist. Was habe i c h mit den Vorgängen in der Welt und im Haus und in der Wüste und beim Mittagessen zu tun? Wann geht mich etwas an? Wo stehe ich im Weg. Wo ist mein Verhalten unangebracht, obwohl ich es selbst als hilfreich einstufe. Und wenn ich denke „super, schwarze Göttin, her damit“, dann wäre der Überraschungseffekt des Witzes verloren, wenn man die Essenz nicht auf die eigenen Erfahrungen übertragen könnte: warum kann jemand nicht sein, wie ich es mir vorstelle oder wünsche (dann wäre doch alles prima), oder ich selbst muss verstehen, warum etwas mit mir passiert, das mich auf die Palme bringt, wie man so schön sagt. Gut, es k9mmt darauf an, wie hoch es einen auf die Palme geschleudert hat, dann benötigt es einige Anstrengungen, um wieder herunter zu kommen. Aber warum überhaupt hinauf? Kokosnüsse? Datteln? Palmwein? Immer wieder findet das Grübeln einen weiteren Lichtstrahl um das schwarze Loch herum. Man denkt, das Licht würde einem hineinleuchten, aber selbst der Laser führt einen manchmal in die Irre, weil man in die falsche Richtung gelasert hat. Manchmal brennt was durch, weil man nicht rechtzeitig heruntergeladen hat. Es kommt auch vor, dass man ohne jegliche Erschöpfung sehen kann, dass das Lösungspotential völlig ausgeschöpft ist. Etwas entspannt sich an der Wurzel des Stammbaums und entlässt die schwarze Göttin aus der Gefangenschaft innerer Geheimgänge. Sie verzichtet freiwillig auf Dantes furchterregende Prophezeiungen und macht sich auf den Weg zu ihren eigenen. In der leeren Raumstation liegen Laub, und Asche, und Federn, die sie freiwillig gelassen hat. Kein Gott weit und breit. Kein Bakschisch. Kein Profit.

 

make art

 

Das Bild kam aus Berlin eingeflogen und landete auf meiner Maschine. Warum darin ermüden, die gängigen Wunder zu preisen!? „Make art, not war“! Das hat mich auf vielfache Weise und vor allem humorvoll angesprochen. Die beiden schönen Pinsel links und rechts etwa, habe ich mir doch erst gestern auch zwei Pinsel gekauft in einem Gebäude  (Künstlerbedarf), in dem sich der Schritt verlangsamt und man gleichzeitig die unendliche Fülle der Möglichkeiten und ihre natürlichen Begrenzungen wahrnehmen kann und muss. Alle Arten von innerlich mit Kunst beschäftigten Menschen wandern friedlich und konzentriert durch die Gänge, und es erleichert die bereitwillige Ekstase zu wissen, wofür man gekommen ist. Obwohl es dann an der Kasse immer teurer wird, als man dachte. Diese geduldigen und hilfsbereiten Menschen an der Kasse, ohne die man sich den Laden gar nicht vorstellen kann, stehen sie doch dort schon seit Jahrzehnten, wissen von unserem Leid, wenn etwas nicht da ist, was man dringend braucht, und oh doch, es ist ja da, man muss es nur suchen und finden. (z.B.ein auslaufendes Schreibgerät wie der Rapidograph.) Ja, auch Schreibwaren gibt es hier, und leicht fülleermüdet schweift der Blick über all die leeren Bücher, in die man weitere Existenzwahrnehmungen einfließen lassen könnte, würde es der Zeitteppich erlauben. Beim Zahlen sage ich zu dem freundlichen Gentleman, wie gerne ich nur in diesem Laden gerne einen Tausender flüssig hätte statt einem Fünfziger unter Kontrolle der Leidenschaften, aber er meint, ein Tausender würde genauso schnell dagingehen wie der Fünfziger. Draußen blühen ein paar Kirschbäume, unter deren dichter Blüte man sich erholen kann. Make art, not war! Auch „Make love, not war“ war ziemlich albern, da damals niemand wirklich gereift genug sein konnte, um zwischen Lovemaking, Sex und Missbrauch usw. zu unterscheiden. Nicht, dass solcherart geheime Reifungen einem wirklich kundgetan werden könnten, aber man kann davon ausgehen, dass da, wo Liebe auftauchen konnte, die Machart nicht so viel Kopfzerbrechen bereitete. Und eine Hoffnung zu hegen, dass Menschen, die bereit sind, in einem Krieg mitzumachen, sicherlich weniger an der Kunst des Lovemakings, oder, noch einfacher, an der Kunst des Liebens interessant waren und sind, merkt man doch erst, wenn man sich in die ungewisse Nähe der Vorhandenheiten wagt, wie komplex alles sein kann, und wie gänzlich unerforschbar es sich oft zeigt. Und doch ist etwas Wesentliches passiert: Alle haben sich damit auseinander setzen müssen, weil es unumgänglich war, sich damit auseinanderzusetzen. Ich fand auch die smartphonebesessenen Inder albern, die behaupteten, von der Me-too-Debatte nie gehört zu haben.   Nun also die anregende Variante des Spruches: Make art, not war. Den beirrenden Pfad nicht einschlagend, wo sich die nie zu beantwortende Frage, was Kunst denn sei, wieder kurz vor einem aufbauen möchte, lasse ich den Raum entstehen, in dem diese Frage (vorübergehend) zur Ruhe kommen kann. Ein leeres Blatt Papier, eine Leinwand, ein Stift, ein Pinsel, und die Bereitschaft mir selbst gegenüber, etwas auszusagen über mich, das ich erlauschen und erkunden, und erhören kann, und obwohl es nur aus meiner eigenen Quelle kommen kann, kein Zweifel, hängt auch diese Quelle ganz und gar von jeder einzelnen Einstellung ab, die sich aus ihr geformt und wieder zu ihr zurückgeflossen ist. Kein Zweifel, ich bin es, und mögen die Künste sich wohl fühlen bei mir, denn ich respektiere sie alle. Es kann schmerzen, wenn einem etwas so gar nicht gefällt (unabhängig vom Kunstzirkusbetrieb), aber wie kann es anders sein!? Und was macht es zur Kunst, und was auf keinen Fall. Und wo und wann muss das zutiefst Persönliche ganz und gar vorhanden sein, damit der Vorgang einer Transzendenz überhaupt stattfinden kann. Make art, not war. Durchaus.

wählen

Es ist doch eine Besonderheit des Menschen, dass er die Möglichkeit hat, sein Schicksal zu wählen. Und auch, dass er das nicht unbedingt muss. Und oft sieht es so aus, als dass er es nicht kann. Auch die scheinbar ausweglosesten Situationen gehen vorüber, und ob Menschen bewusst oder unbewusst ihr Schicksal ertragen oder wählen, hängt wohl eher von einer Entscheidung ab, die ein Mensch zumindest fällen kann, auch wenn er nicht muss. Als sich die Lebensweise in Indien in den letzten Jahren drastisch veränderte und das aufgetauchte Leid noch keinen Namen hatte, hörte ich öfters den Satz „That’s life“. Ich begann zu sagen ‚Nein, das ist doch nicht das Leben, das seid ihr, ihr könnt es doch ändern‘.  Aber davon war gar nicht die Rede. Die Rede formte sich in die Richtung, dass die von Fremden eingeschleppten Untugenden sich rasant ausbreiteten und dabei waren, den Hinduismus zu vergiften. Die halbnackten Frauen, die Fleischesser, die Pornobringer. Dabei konnte man ganz klar sehen, wie sie für das Geld anfingen, die Touristen mit allem zu bedienen, was sie wollten. Immer noch sind im Dorf offiziell Fleisch, Fisch, Eier als Nahrung verboten, auch Alkohol, aber man kann mühelos alles bestellen, was das süchtelnde Herz begehrt. Es geht da gar nicht um eine Wahl, sondern um die neue Erfüllung des Begehrens. Es sind auch die Foreigners, die gewählt haben, in die Meditationspraktiken zu gehen, da das Gerücht weit verbreitet ist, dass man die optimale Schicksalsformung in Indien lernen kann. Wenn das dunkle Zeitalter für euch so schwierig geworden ist, sage ich manchmal zu befreundeten Indern, warum wendet ihr dann nicht euer eigenes Wissen an, das für diese Zeit von euren vedischen Lehrern vorgedacht wurde. Aber das geht ja nicht, weil keiner mehr weiß, wann es aufgehört hat, das berühmte Wissen, für irgend jemanden zu funktionieren. Wie soll ein Wissen sich umsetzen können, wenn ich mich nur an die Worte erinnere. Und obwohl es auch immer mehr Frauen gelingt, eigene Entscheidungen für ihr Leben zu fällen, ist es noch immer mühsam genug, überhaupt zu verstehen, dass ein Mensch sich nur unter seinem und ihrem freien Willen überhaupt entwickeln kann. Und auch wenn es immer klarer wird, dass wir alle an unseren Gefängnissen mitbasteln, so ist es doch als inneres Wissen noch nicht klar genug, dass geistige Freiheit das ist, was wir zur Verfügung haben, und jeder kann an dieser Gegebenheit teilnehmen, soviel man möchte, und so viel man kann und will, denn die Wahl, was ich damit mache, ist doch wohl meine: wieviel Schatten, wieviel Licht, welche Künste, welche Dosierungen erstrebenswert erscheinen oder nicht. Was braucht es, um diesem kosmischen Klangkörper angemessene Resonanz geben zu wollen: was möchte ich sagen, wie sein? Und welche gedanklichen Spuren müssen immer mal wieder neu bedacht werden, damit man nicht in die Gewohnheit des Menschseins gelangt und vor lauter Gewöhnung vergisst, dass es auch anders geht, dass man wählen kann. Und dass der, der kann, auf jeden Fall soll, denn da entscheidet sich doch vielleicht überhaupt erst das Menschsein vom Mensch sein. Und ist es nicht die Freiheit des Ganzen, die in wahres Staunen versetzt. Damit man dann vielleicht weiß, warum man hier war. Und vielleicht nicht.

ergeben

Das ist ein Ausschnitt meines gestrigen Bildes, in dem die Figur liegend in einem Nachen einem Strom entlangbewegt wird, und jemand in der Gestalt ein Kind gesehen hat, was mich bewogen hat, es noch einmal anzuschauen. Wahrscheinlich sehen wir alle anders aus, wenn wir im Schutze kenntisreicher Navigierer ruhevoll und ungestört dahinströmen können, und wenn wir dann aufstehen  ins Zurechtkommenmüssen, da sehen wir sicher anders aus, obwohl wir immer noch so aussehen wie einen Tag vorher. Oder vielleicht auch nicht, denn auch ein scheinbar fixiertes Bild enthält ja die magische Formel, als etwas anderes gesehen zu werden, als es urheberrechtlich gemeint war. Auch die Urheberin selbst kann es anders sehen, als sie es gemeint oder gemacht hat. Warum sollte sie an ihrer eigenen Meinung festhalten, die muss ja nicht verschwinden, sondern kann sich auch irgendwo im System aufhalten, solange sie will. Am besten geht es, wenn ein gewisses Maß an innerer Freiheit vorhanden ist, um aus dem Spannungsfeld des Unentschiedenen (geistig) heraustreten zu können, wissend, dass es darum geht, eine klare Entscheidung treffen zu können, auch wenn sie sich als die falsche entpuppen sollte, die man dann ja erst ausrichten kann. Ansonsten steht, günstigerweise mit leichtem Sinn gewürzt, den inneren Wahrnehmungen ja nichts im Wege. Und auch durch Gedanken und Worte kann man, wenn man geübt darin ist, durchaus in die spürbare Nähe der Dinge kommen, es kommt darauf an in wieweit, und warum, und wozu. Neulich suchte und fand ich einen Song von Leonard Cohen (mögen die Götter ihn auf dem poiesischen Poesie-Pfad begleiten!), der einmal in einer (meiner) schicksalsschweren Stunde(n) zufällig, und auch noch in Endlosschleife, im damaligen Auto als Kassette spielte und immer bei allem Hin und Her mitlief. Deshalb lag sie, die Kassette, danach lange in einer Schublade, bis man sie gar nicht mehr hören konnte, weil niemand mehr einen Kassettenrekorder hatte. Natürlich war sie inzwischen bei Lord Google im YouTube Ashram erschienen, und erstaunt hörte ich den immer noch geschwängerten Tönen zu, die mein Schicksal gespeichert hatten, bzw. ich hatte mein Schicksal in ihnen gespeichert. Und obwohl ich guten Umgang mit Englisch habe, hatte ich noch nie den Text beachtet. Damals lief mein eigener Text. Kurz, ich verfiel mal wieder der Leonard Cohen Magie und war verblüfft, was ich hörte und sah. Manchmal knapp am Peinlichen vorbei, war doch klar, dass er sich tief dem „Göttlichen“ zugewandt hatte, auch in einem Kloster dem Zen huldigte, dann irgendwann und irgendwie wohl bemerkte, dass das Opfern und Entzünden von Millionen von Kerzen keine Hilfe brachte, und er nahm an, der komplexe Gott wolle statt immer nur Licht auch mehr Dunkelheiten. Und dass er, Cohen, bereit war, sich diesem Weg auch noch zu ergeben, weil er ‚Hineni‘ zu Ihm gesagt hatte, also bereit wäre und war mit allem, was von ihm gefordert wurde. Man muss sich das vielleicht so vorstellen wie es in Hiobs oder Abrahams Gehirn ausgesehen haben könnte, als er bereit war, auf Gottes Befehl hin seinen Sohn zu opfern. Wir alle haben stets die Freiheit, in alles hineinzudenken, was wir möchten. Es kommt ja immer darauf an, was man dann damit anstellt, und vielleicht muss man ja gar nicht so viel anstellen, mit sich und den Anderen.

Welten

Es ist ja kein Geheimnis, dass es unzählige Welten gibt, nicht nur sind sie schon alle da, aber es kommen nulich unzählige dazu, und selbst die Welt, die wir meist als die Eine bezeichnen, ist umringt von einem Maß an Welten, die nicht mehr wirklich zu benennen sind, mag man auch noch so viel Forschung betreiben. Man kann das auch nicht mehr wirklich „Welten“ nennen, und muss früher oder später geistig zurück zur eigenen, einzige Quelle möglichen Verstehens und seiner Grenzen. In dem maßlosen Gewebe braucht es Richtlinien und Ordnungen, durch die man im Navigieren dieses Ozeans geschult und geschleust wird. Das, was persönliche Entscheidungen in der Handhabung des Schicksals betrifft, kann man nur mühsam enträtseln, wenn man dem Mysterium des eigenen Daseins auf der Spur ist. Ich bin auch erstaunt, wenn ich bedenke, dass ich öfters auf einem meiner gewählten Weltenschiffe sicher war, mit der ewigen Crew zusammen zu sein und dem Masten, der das Segel hält. Das wahrlich Ungeheuerliche geschieht doch vor allem auf diesen Wegen, auf denen ganz bestimmte Erschütterungen ausgelotet werden müssen, die zum Beispiel mit Einsichten zu tun haben, die sich als nicht mehr zeitgemäß erweisen oder erstarrt sind oder noch gar nicht aufgetaucht, oder überhaupt: was ist das Aufgetauchte, und in welchem Verhältnis steht es zum Nichtaufgetauchten. Die Sechziger Jahre z.B., so durchbruchsfähig und  die damalige Welt durchrüttelnd sie auch waren, sind zu einem Mythos erstarrt. Gab es eine durchdringende Wirkung?, und wo kann man sie erleben. Auf jeden Fall ist das, was an Essenz verblieb von dem großen Aufschrei nach Freiheit, in die demokratischen Systeme eingeflossen und hat dort seine Spuren hinterlassen. Da ging es auch viel um Tote und Überlebende, der  freie Wille produzierte seine Preisliste. War die Welt schon reif genug für die vielen Vorschläge, die aus dem Potential menschlicher Anlagen als Worte hervorströmten und dort auch blieben. Aus dieser Zeit sehe ich noch manchmal die Kinder der Überlebenden, von denen einige sich dermaßen zutätowieren, dass man ihnen zutraut, das Ende eines gewissen Menschseins darzustellen, an das man gewöhnt war. Man wird wieder mit sich selbst in Dialog gehen müssen und die neuen Fragen stellen. Diese Gewohnheit etwa, das Menschsein als eine erkennbare Gegebenheit zu betrachten, die durch die Wiederholung bestimmter Taten und Gedanken erkennbar ist. Wenn die Begrenzungen nicht wirklich auferlegt sind. Und war das nicht das gefährliche Denken, das man gehütet hat, wenn das sogenannte Wissen in Gefahr war, missbraucht zu werden, so, als wüsste nicht jede/r, dass es vom Spiel her erwünscht ist, dass jeder sich in der Matrix so gut auskenne, wie es jeweils möglich ist im individuellen und im kosmischen Raum. Wer will letztendlich wen erkennen als tot oder lebendig. Oder auf dem Weg zum Lebendigen, oder auf dem Weg zur Verbrennungsstätte. Oder zum Hades hin, oder vom Hades her. Gestern hatte ich ein Gespräch mit einem mitteljungen Mann in Boston, den ich einmal in einer früheren Szene meines Lebens nicht in der Lage war, als meinen Sohn annehmen zu können. Seine Mutter wollte ihn nicht mehr nach der Geburt, und ich reiste mit seinem Vater hinaus in unsere Welt und wir kehrten erst Jahre später zurück. In der Zwischenzeit hatte ihn seine Babysitterfrau adoptiert. „I am an adopted son“, sagte er, dass er aber stolz sei auf seine Biographie. Es gibt so Momente, da halte ich eine demutsbereite Geste ins Nichts hinein durchaus für angebracht, denn es zeigt sich, dass auch die wunderbaren Epen sich immer neu gestalten und Raum lassen für das Ungeahnte. Auch wenn nichts mehr fehlt, und das letzte Puzzlepiece in seinen Platz gerückt ist, geht es weiter in unermüdlichem Weben. Ratsam ist auf jeden Fall, sich für die gute Qualität der Fäden zu entscheiden, solange man noch am Weben beteiligt ist. Vielleicht erwartet uns ja auch noch eine web-lose Zeit, in der Weiteres angesagt ist. Das keinen Schaden anrichtende Menschsein zum Beispiel, als eine Blüte geistiger Hochkultur. Das Einfache.

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Katrin Köhler

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Nur, weil man etwas in den Raum erzählt. Oder der Raum
etwas erzählt. Oder der Raum etwas in den Raum erzählt.
Ein Gefühl, dass man etwas versteht. Nur, dass es nichts
Konkretes zu verstehen gab. Ein Tag, an dem sich ständig
Wahrnehmungen ankündigen, aber nicht passieren. Es ist
simpel. Es ist wie das Fallen beim Einschlafen. Man denkt,
man stößt gerade etwas um. Schlägt irgendwo gegen.
Kollidiert mit dem Raum, wo gar kein Raum ist.
Erschrickt sich ins Nichts, und das Nichts sich in dich.

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Vorhin im Supermarkt habe ich mich kurz verloren.
Ich existierte nicht mehr. Ich war kein Körper, und
ich war keine Gedanken. Ich war nur ein Blick. Durch
die Regale. Ich wusste es, als ich wieder da war.

 

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Aus: ‚Wie alles andere als seine zerstreuten Möglichkeiten‘
(vierzehn und dreiundzwanzig)

angehen

 

Das (unscharfe) Bild der ruhenden Maus kommt aus meiner Bilderbox. Erst wenn ich das geschriebene Wort vor mir sehe, weiß ich, dass ich so etwas tatsächlich habe. Darin sind verschiedene kleinere Mappen, reine Goldblätter, der Humor-Folder, die Sammlung bleicher Farbbilder, sepia, Treppen hinein in eine niemals so statt gefunden habende Antike, meine Antike, ich bedanke mich irgendwohin, warum nicht bei mir selbst, die ich jetzt, wenn auch nur flüchtig, für die Architektur meiner Daseinsvorstellung, hier angeregt von anderen Gehirnen, meine eigene erspüren kann. Man könnte das alles verschlingen wollen wie Nahrung, wenn man nicht gerade ganz anders ausgerichtet wäre, doch die Materie starrt zurück, als wolle sie fragen: what’s wrong with me, dabei ist gar nichts wrong with her, außer man interessiert sich für die Frage, was bewusste Entleerung innerer und äußerer Materialien bedeutet, und ob es wirklich eine wesentliche und bedeutsame Wirkung hat, wenn einiges davon gelingt. Gestern wurden wir durch den Besuch eines Freundes zu den Gedanken eines iranischen Religionssoziologen angeregt.  Von ihm stellte uns der Gast 4 Fragen vor, die der Denker als menschliche Gefängnisse betrachtet (Natur – Geschichte_Sozialisation) und viertens: das Ich. Das fand ich interessant, ist es doch eine der Fragen (um die Gefangenschaft des Ichs herum). die einen immer  auf andere und scheinbar neue Weise beschäftigen können, nämlich, Kenntnis zu erlangen von der unermesslichen Vielfalt möglicher Ichs, die sich wohl oder übel immer nur im vorübergehenden Nu spiegeln können, außer man geht angemessen mit ihnen um und entscheidet sich für die bestmögliche Variante, mit der man günstigerweise angenehm und unterhaltsam leben kann, auch wenn von außen nichts geschieht, was einen von dieser Zeugenschaft ablenken könnte: ja wie bin ich denn eigentlich so, und wie genau sehe und mache ich die Sachen, die täglich ausgelotet werden müssen. Außer es gibt sie, die geistige Anlegestelle für Nachen aller Art. Weit wirft man den Anker hinein in ein Etwas, das weiter gar nichts sein muss als das, was es ist. Die Unruhe der Kompassnadel lässt man einfach in Ruhe. So vieles geht einen nichts an. Unserer Katze, von der ich, weil Samstag ist (Familientag) ein Bild veröffentliche, geht es zum Glück wieder besser, und ab und zu schenkt sie mir eine Maus, vermutlich in der Annahme, dass ich auch gerne mit ihnen spiele. Mit dieser Nachricht will ich schließen. Schließlich ist Samstag.

simple

Wenn man so einen Satz wie zum Beispiel „Simple living, high thinking“ aus der Schatzkiste menschlicher Weisheiten (und Verhaltensweisen) wirklich in sich hinein hineinversinken läßt, weil er einem einleuchtet, navigiert man früher oder später in eine Bredouille hinein. wo man sich fragen kann und immer mal wieder tut, ob man das Einleuchtende eigentlich  so gut verinnerlicht hat, dass es eine praktische Umsetzung ermöglicht. Ich dachte eine ganzr Weile mal, dass Erkenntnisse, wenn als solche vom eigenen System registriert, ihre eigenen Wege suchen, die ich ihnen vertrauensvoll überlassen kann. Aber die konstante Mitwirkung und vor sich hinreifende Reflektion sind unerlässlich. Was heißt überhaupt „simple living, ganz abgesehen mal von „high thinking“. Oder kann man die beiden gar nicht getrennt sehen, geht es einem um das Ergebnis einer guten Lebensweise. Ein sehr kluger, indischer Kopf erklärte mir vor vielen Jahren einmal die in Indien geschätzte „Meisterschaft“ jeglicher Richtung mit einer schlichten Behausung und wohltuender Nahrung und dem Reichtum des geistigen Raumes, in dem für den Körper ein Nagel in der Wand befestigt ist für die paar Klamotten, die der Mensch so braucht. Auch das Klima ermöglicht so manche Vereinfachungen, und die Zeit hoch angelegter Askesen ist eh, zum Glück, vorbei. Das erspart nicht das zeitgemäße Verständnis einer solchen Weisheit, die von Natur aus beweglich, aber auch unverrückbar ist in ihrer Klarheit. Auch hat der Druck, der bei der Diamanzenverarbeitung notwendig ist, uns gelehrt, dass Druck auch etwas in neue Bahnen lenken kann, wenn man den Angeboten der Zeit gegenüber offen bleibt. So bleibt es weise, den laufenden Überforderungen, mit denen wir auf die eine oder andere Weise konfrontiert sind, einen stillen und einfachen Raum entgegen zu setzen, indem ich ihn zulasse oder auch erschaffe. In einem bewussten Nicht-Tun machen sich oft die Dinge bemerkbar, die Aufmerksamkeit benötigen. Die Behälter mit den Ansammlungen, was war das doch noch? Noch eine Pandora Box, am besten gar nicht öffnen, aber dann doch. Ach das! Das muss ich mir noch einmal genauer anschauen, fragt sich nur wann. Ein paar Jahre lang in Indien hatte ich, beherbergt durch ein Tempelgehäuse, nur ein paar Dinge, die ich auch heute noch als lebensnotwendig empfinde. Damals war es ein chniesischer Seidenteppich, eine Klangschale zum essen und trinken, zwei Kleidersets, schnell in der Sonne trocknend. Am aufwendigsten zu beschaffen waren Papier, Tinte für meinen Rapidographen, und ordentliches Make-up, extrem reduziert auf das Notwendigste. Die Anhänglichkeit an meinen Stift, überhaupt an Papier, hätte mich selbst damals in einer Eremiten-Anekdote durchfallen lassen. In der Zwischenzeit betrachte ich es als gesund, zum eigenen Wohlbefinden und Zeug zu stehen. Wenn nicht „simple living, high thinking“ immer noch so überzeugend wäre. Auch wenn es heute nur heißt, sich von dem zu lösen, von dem man weiß, dass man es nicht mehr braucht, oder ganz sicher nicht mehr liest, und wo man schon lange nicht mehr hingeschaut hat und nun überrascht ist von dem eigenen Schlummer-Blick so manchem gegenüber, was den eigenen Verwandlungen so gar nicht mehr entspricht. Die alten Briefe, die Zeitungsartikel aus Ost und West, das unüberschaubare Sockenfach. Das, was ein gut gelebtes Leben durchaus überdauern soll, und das, was es nicht unbedingt muss.

 

schwarz

 

Dieses Bild mit dem Satz von Rumi kam heute früh aus Indien, und obwohl ich ungern auf Listen stehe, an denen vor allem Inder sich gern abarbeiten, das falsche Wort hier, denn es genügt ja ein leichter Fingerdruck, um egal welcher Masse von Angehörigen oder PlanetarierInnen Botschaften zukommen zu lassen, die man selbst für gehaltvoll hält. Das geht von weißen Rosen mit „Good Morning“ bis zu umblümten Sätzen der Weisheitsprofis, die offensichtlich von den SenderInnen geschätzt werden, weil sie ihnen persönlich was bedeuten, was man ja selten dadurch erfährt. Wahrscheinlich fühlt man sich sehr wohl, wenn man z.B. morgens als allerallererste gute Tat einen tiefen Satz ins All schleudert an ein paar tausend Irgendwos, die wahrscheinlich selbst gerne Ähnliches senden, was man mühelos an den von mir beobachteten gigantischen Löschaktionen wahrnehmen kann, (leuchtende grüne Warnaugen), die darauf hinweisen, dass Andere auch Botschaften haben und Followers sammeln, die wiederum gezählt werden müssen usw. Und ich erinnere mich gerne noch einmal an die Anekdote über eine technische  Totalblockade im Silicon Valley, als, bei allen Nerds, die dort herumsitzen, nichts mehr ging, bis ein Sonderermittlerteam herausfand, dass die in hohen Zahlen dort arbeitenden Inder derartige Massen von diesen Messages täglich bis stündlich senden, dass es das Netz blockerte und eine neue App ins Leben gerufen werden musste, die auf einen Schlag alles Unerwünschte sofort aus dem Verkehr zieht und löscht. Die furchterregende Einfachheit des Netzes kann einen durchaus mal erschüttern. Der Daumen rauf, der Daumen runter, die Freiheit der Löschtaste. Das ist ein Einfach, das man bedenken muss, will man weiterhin die Wunder der Technik wertschätzen, wenn auch nicht überschätzen. Ist das Netz nicht auch das Schwarze Loch, in das wir die Welt hineinstülpen, und siehe!, es scheint keine Grenze zu geben. Oder gibt es schon Grenzen? Wo sich alles schnell und vollkommen bündeln kann, kann Großartiges vollbracht werden, und Schreckliches schneller geschehen. Wegen dieser Dichte des Dunklen wird man in den (vedischen) Schriften oft darauf hingewiesen, sich in solchen Zeiten auf das Licht, das Bewusste, auszurichten, kommt es einem zuweilen auch noch so gering vor. Das Tägliche, das Freundliche, das Wesentliche. Der Satz von Rumi sagt, dass der Mond leuchtet, wenn er die Nacht nicht vermeidet. Muss ich nochmal darüber nachdenken, ob es mir nur so vorkommt, als verstünde ich ihn direkt. Es ist durchaus möglich, dass sich zuweilen etwas direkt transportiert, kann aber immer überprüft werden. Ein Satz, der aus meiner Bilderkiste fiel, steht seit zwei Tagen auch wieder mal vor mir, der kommt aus der selben Quelle und ich füge ihn gerne dazu: „Siehst du das Schwarz: das Licht der göttlichen Essenz? Das Lebenwasser ist in dieser Finsternis.“ (Sufi Text).

getrübt

 

Nach einem kurzen Moment tiefer Sonnenwärme regnet es wieder, der April beginnt naturgetreu mit sich selbst, man sinniert über eine dichte Flocke, ob das Schnee gewesen sein kann. Es konnte. Aus Indien kommen über WhatsApp Berichte von der aufsteigenden Hitze und den abreisenden Touristen. Ich betrachte die Zeichnung, die ich gestern gemacht habe (s.o.) und sehe sie ein bisschen so, wie man es manchmal mit Träumen gelernt hat zu tun, wenn man sich an sie erinnert und von etwas in ihnen berührt wurde, also dass man alle agierenden Personen darin ist, ich also hier sehe, dass ein sich kümmerndes Augenpaar auf eine leicht ermüdete Beflügelung schaut, ein zarter Aspekt, der sich am Leben erhalten muss und kann, aber sich auch in Erschöpfungszuständen um sich selbst kümmern muss. Das kann man ja nicht immer, deswegen ist es gut zu sehen, dass es geht. Eigentlich sieht man auf der Zeichnung gar nicht, wie es geht, es kann höchstens ein Gefühl in einem auslösen. Es hat mich schon immer fasziniert, dass drei Punkte in einer Fläche unter Umständen ein Gefühl in einem auslösen können. Da ich diese Betrachtung des Bildes auch als einen Akt der Freiheit sehe, merke ich, dass es einerseits eine Dokumentation meines Zustandes sein kann, aber selbst ich beziehungsweise ich selbst bin auch an meine eigene Interpretation nicht gebunden. Sie scheint mir allerdings eine gewisse Logik zu haben, auch wenn sie gerade mit meinem bewusst erfassten Zustand nicht unbedingt übereinstimmt. Aha!, kann man denken, da ist noch was anderes, was zugelassen werden muss, eine Trübung, die es entweder zu genießen oder bewusst zu erfassen gilt. In den Berufen, die sich nach innen richten, erfährt man eher die Zeitlupensicht, die man vielleicht auch die Echtzeit nennen könnte, da sie durch keinerlei Berechnung eingegrenzt ist, als die superschnelle Frequenz, die noch größere Ladekapazität hat. Die Entrümpelung des Geistes gleicht ja auch durchaus den Schwierigkeiten der praktischen Sachenenttrümpelung, die oft als Idee durch uns hindurchgeistert, bevor Erfolge bemerkt werden können. Es braucht Zeit und eine Bereitwilligkeit zu diesem Aufwand, sich auf die Schliche zu kommen.  Gibt es Zeichen dafür, dass ein Mensch sich erkannt hat?, und in welchem Verhältnis steht die sogennannte Selbsterkenntnis mit der persönlichen Weltdarstellung? Dem Spiel, meine ich, in dem man das, was man von sich versteht, zum besten gibt. Man erkennt auch während des Spiels, dass die meisten Spieler es vorziehen, „Schach matt“ sagen zu können, als vom Brett gefegt zu werden. Und blickt man mal selbst wenig durch, kann man sich vorübergehend als Angestellte/n einstellen: als Beobachter, als Zeugin, als Seher, als Forscherin, und an die Arbeit gehen. Die innere Arbeit hat den Vorteil, dass man in der eigenen Werkstatt tätig ist. So stehen einem auch die eigenen Instrumente zur Verfügung. Gut, man hat schon in schwer durchdringbaren Feldern geackert, das ist nicht so, als würde man das Haus der Eltern erben, nein. Nein, man fand, dass man keine Wahl hatte als d e m Folge zu leisten, was aus dem Innen kam. Die Wahl des Fortbewegungsmittels. Das Vertrauen in eine nahtlose Spur, die erst beim Voranschreiten erkennbar wird, denn einerseits gab es sie schon als Anlage, und andrerseits gab es sie nicht. Keine Garantie nirgendwo.

 

herrschen

Das ist eine gute Nachricht, Recep Tayyip Erdogan, dass du die großen Städte der Türkei verloren hast. Genau, wer Istanbul nicht mehr im Griff hat, verliert auch die Macht über die Weltphantasien. Einmal habe ich ein Bild deines Wohnortes gesehen und war überrascht, wie unverschämt königlich du lebst in deinem Land, wo die Wolfsgeschäfte  anfangen zu hinken. Es ist ja auch nicht wirklich ein Grund zur Schadenfreude, auch wenn man sie denn hätte, denn jeder Sturz eines trügerischen Herrschers weist hin auf das Volk, das ihn gewählt hat. Und es stürzt ja auch meistens keiner freiwillig, sondern an ihren Thronen kann man sie durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch gefesselt baumeln sehen, und viele Köpfe fallen, bevor der eine, um dessen Kopf es geht, wirklich fällt. Lange nichts gehört von Baschar al-Assad, der sich nach der ihm drohenden Beseitungsgefahr und nach den Geschehnissen auf dem Schlachtfeld so rührend inszenieren konnte, dass man ihm das Menschsein fast abnehmen wollte, und muss es allen eh zugestehen, oder sich die eigene Ohnmacht eingestehen, oder es gibt gar nichts zum gestehen, man sieht einfach, dass sie alle da sitzen und machen, was sie nicht lassen können. Sie snd ja auch gar nicht beschäftigt mit Lassen, sondern mit dem Haben, mit dem Zementieren von Macht und ihrer Ausübung, für die man die Schafherde braucht, die auch gerne Gesellschaft genannt wird und nicht verpflichtet ist, Schafherde zu sein und zu bleiben. Wenn sich Menschen herauslösen aus den für sie unguten Bündnissen, erscheint es erstmal so, als würde man dadurch automatisch an den Grenzgang gedrängt, oder an den Tellerrand, oder an ferne Zivilisationsufer, an denen Wissenssirenen einen locken mit betörenden Gesängen, sodass man nicht weiß, ob man widerstehen kann oder nicht, daher das Seil und der Schiffsmast. Denn jedes Anliegen, sei es auch noch so verführerisch, ist zeitaufwendig, und bleibt man hängen auf einer Insel, dann weiß man unter Umständen nicht mehr, wo der Antrieb war, der einem die Fortbewegung ermöglicht. Wenn ein Volk erwacht aus seinem Schafsschlaf, kann man davon ausgehen, dass wache Frequenzen unterwegs sind. Zwischen Körper und Geist und ihrer Zusammenarbeit kann alles erzeugt und gesteuert werden, was den Gehirnen einfällt. Daher sind die verborgenen Dinge, die durch die Beobachtung des Verhaltens universeller Gegebenheiten erforscht wurden, oft geheim gehalten worden, denn in der Tat, man kann sie auch missbrauchen. Daher ist es unumgänglich zu wissen, was ich selbst damit mache. Oder so wenig wie möglich damit machen, das geht auch gut, wenn man sich mit der Tiefe darin verbinden kann. Und sagt eines Tages zum eigenen  Schatten ‚du stehst mir im Licht‘, was durch leichte Drehung und günstige Umstände verändert werden kann.

April!April!

Da ich die Gewohnheit wieder aufgegriffen habe, an manchen Morgenden während des Schminkprozesses die WDR5 Nachrichten zu hören, schalte ich dann manchmal kurz vorher ein, um den Zeitgong nicht zu verpassen und lande dadurch in einer protestantischen oder katholischen Rede innerhalb des „Kirche in WDR5“ Programms, was mich wiederum an indische Priester erinnert, die einen auch wegen ihres scheinbar unerschütterlichen Glaubens verblüffen können, alles Übertragene für sie so fraglos erschlossen wie für Hindus die Geburt des indischen Schöpfers aus dem Nabel von Vishnu, dem Illusionsexperten. Interpretiert darf gründlich werden, aber daran zweifeln nicht. Aber vielleicht waren die Stories ja eh gedacht als Anregung zu tieferem Wissen und tieferer Weisheit, das können sie ja auch zuweilen. Der Mann, der heute sprach, erinnerte mich daran, dass heute der 1. April ist. Man weiß ja selbst aus Erfahrung, wie schwer es ist, einen guten Aprilscherz zu gestalten, der im Rahmen einer gewissen Erheiterung bleiben konnte, und davon sprach er auch. Dass Lachen zwar gesund sei, wie wir alle wissen, aber es gibt auch ein Lachen, das nicht gesund ist, das kennen wir auch alle. Das schlimmste Beispiel kam für mich durch einen Film vom Warschauer Ghetto, in dem deutsche Soldaten sich lustig machten über die geisterhaft wirkenden Ghettobewohner, deren Schicksal sie selbst erzeugt hatten. Der Priester erzählte, dass in der Bibel auch Lachen vorkommt und nannte eine Stelle, wo aus Erleichterung und Freude das Volk, oder warn’s die Jünger von Jesus, in freudiges Lachen über etwas ausbrachen. So, wie die Nikolausmütze wider jeden kulturellen Zusammenhang in Indien gut ankam und auch häufig von Frauen gekauft und getragen wird, so nistete sich auch der Aprilscherz ein, obwohl wir aus dem Westen ja selbst nicht wussten und wissen, wo er ursprünglich herkam. Der Priester hat es erzählt, aber ich habe es vergessen, auch weil ich seinen Punkt gut fand und etwas darüber nachdachte. Mir fiel ein, wie die Inder einmal in meiner Gegenwart sich freuten, einen ihnen bekannten Mann in die nächste Stadt zu schicken, weil seine Mutter dort angeblich eingeliefert worden wäre. HAHAHA?April/April? Nein! Der Tod, der gerne hinter Scherzen lauert, der zynische Angriff, die Herablassung, Die Hänselei, die Entwürdigung, das Reinlegen. Das Verständnis, dass auch der Scherz, sofern man ihn beim Sich-Bilden beobachten kann, keine Waffen tragen sollte, auf jeden Fall nicht schaden. Am besten sein lassen, wenn man nicht sicher ist, sich in der nötigen Heiterkeit zu bewegen, um einen harmlosen Scherz zu landen, wenn er denn Heiterkeit auslösen kann. Menschen sind  nicht nur (u.a.) devot, sondern auch gutgläubig, und außerdem ist niemand lachverpflichtet. Man unterscheidet  auch zu Recht zwischen hellem und schwarzem Humor, und wenn man gar nicht teilnehmen möchte bei etwas für die Anderen Lustigem, was man gar nicht selbst lustig und zum Lachen findet, dann hat man weitere, kraftvolle Optionen, oder kann sich beizeiten tiefer mit ihnen beschäftigen.

Gertrud Kolmar

 

Du sahst die Gedanken kreisend gehn
Wie Bilder um ein Haupt.
Der Luft hast du geglaubt,
Darin die Sterne auferstehn.

Und hattest nicht den Blindenstar
Der altgewordnen Zeit.
Wo für uns noch der Abend war,
Sahst du schon Ewigkeit.

Das Daikon Kimchi

Wenn man also bedenkt, dass die Hälfte der Bevölkerung samstags beim Einkaufen unterwegs ist, kann man (wenn man nicht selbst unterwegs ist), den freigewordenen Raum nutzen und etwas entspannen und nachlassen in der dichten Strenge der Ernsthaftigkeit dem Lebendigen gegenüber.  Das fällt ja am Samstag kaum auf, wo mit der Zustimmung aller Beteiligten eh etwas leicht Absurdes abläuft, ohne dass jemand am Steuer des Frachters sitzt. Also ahoi!, und gute Fahrt voraus… Als ich aus Indien zurückkam, stand im Kühlschrank ein großes Glas mit im Winter selbst angefertigter Orangenmarmelade. Auf dem Glas war noch das Etikett des ursprünglichen Inhaltes: das Daikon Kimchi. Nun hätte ich sofort gerne diesen nie zuvor gehörten Begriff von eben jenem Fesselballon, in dem sich Zungen   von einem Gehirn per Fesselballon in den Äther bringen lassen, herauslösen und mir zu eigen machen lassen, was ich auch hiermit tue. Ein Begriffsraub, sozusagen, hier in freimütiger philosophischer Laune in eine Gedankenschneise des Netzes gegeben, wo es eine Weile vor sich hinmorphen kann. Das Daikon Kimchi also, eine Ebene im kosmischen Urgrund, die sich selbst erschaffen hat und allen Wesen zur Verfügung steht, die sie, bewusst oder durch die Purität des Zufalls, betreten. Das Daikon ist ein menschengesetzfreies Feld und wird ausschließlich bestimmt durch die direkte Frequenzstrahlung von Anwesenheiten. Man könnte es auch eine Leinwand nennen, doch gibt es im Kimchi kein Leinen, und auch keine Wand. Das Daikon ist einerseits Freiraum, andrerseits bestimmt es sich selbst durch die Abwesenheit von Zusätzen. Ja, sicher kann man das Daikon Kimchi auch einen Klangkörper nennen, aber welchen Klang hört man wirklich, und wo ist ein Körper? Am besten erfasst werden kann es, wenn das sein muss, als ein Tor, also gleichermaßen ein Narr und eine Öffnung zum Vorhandenen hin, basierend auf keinerlei Gewissheit, und keinem Gerücht unterliegend. Es kann vorkommen, dass das Daikon Kimchi politisch argwöhnisch beäugt wird, obwohl es gar nicht im Sichtbereich der Security Reality Check Control (des S.R.C.C.) liegt. Gut, es hat ein koreanisches Protektionsfeld um sich, daher die Notwendigkeit des Raubes an harmloser Stelle, obwohl man dem Daikon selbst Harmlosigkeit nicht nachsagen kann. Im Daikon findet Sich-selbst-erfahrendes-Bewusstsein statt. Flüchtigkeit und ewiger Antrieb stoßen aufeinander, nur, um sich, selbsterzeugender Schöpfung entsprechend, im Polaren niederzulassen. Sind beide Pole durch sich selbst klar definiert, findet eine alchemische Reaktion statt, und alle Legierungen werden dem originalen Stoff entzogen. Es bildet sich ein Draht, auf dem man sich, durch einige freiwillig auferlegte Übungen darauf glänzend fortbewegen kann. Das Daikon Kimchi kümmert sich um das Wohlbefinden seiner Akrobaten und Akrobatinnen. Es gab nie einen Gegenbeweis, was sich dadurch erklärt, dass es auch noch nie einen Beweis gab. Genau das aber war der Geburts-Nu des Daikon Kimchi. Ansonsten ist es Nahrung ohne Zusätze.

formlos

Ist man zuweilen von Stellen des Uneinsichtigen benebelt, muss man Geduld aktivieren. Was oft für Beobachter der Lebenssituationen an einem ganz klar erkennbar erscheint, kann für einen selbst lange ungreifbar bleiben, weil man eben gar nicht hineinsehen kann, bzw. oft woanders nach Lösung und Erlösungen von dem schaut, was im Triebwerk eine Störung verursacht hat. Wann und wo und in welchem Teil der Geschichte hat etwas derart sprachlos gemacht, dass man unter Umständen gar nicht weiß, dass es dafür einen Ausdruck gibt. Man kann angeregt und begleitet werden, ja, welch ein Glück, dass es das gibt, gute Begleitung. Man kann auch abgelenkt werden und in die Irre geführt, wenn einem keiner die Unterscheidungen beigebracht hat. Oder man könnte sich wünschen, dass (mehr) Eltern verstehen, dass ihre Kinder für sich selbst gekommen sind, so ehrenwert die Elternschaft auch sein mag, aber wenn sie von Herzen gewünscht und von da an durchgeführt wird, ist ja auch nicht zu befürchten, dass man eines Tages als unbrauchbar abgehängt werden könnte, obwohl auch das wie alles andere im Ungewissen lagert, wo es sich in flüchtigem Dunst auflöst. Und die Vernetzung ist ins Blickfeld gerückt. Jede/r lernt, sich in der Matrix so zu bewegen, wie es dem momentanen Seinszustand am besten entspricht. Alle haben nahezu ohne Ausnahme Zugang zum Netz erhalten, was die Frage nicht klärt, wie und wo und womit ich selbst eigene Stränge in die Hand nehme und zu weben beginne, was mir erforderlich erscheint. Und wenn nichts gewebt werden muss und die Muster eines Tages dem sich Wiederholenden nicht ausweichen können, kann man sich unter Umständen in die Vorstellung des, nein, eben nicht des Musterhaften, sondern eher des Musterlosen begeben. Es gibt zweifellos Bedingungen, die nicht von Gehirnen erschaffen wurden. Es ist so, dass sie schon immer da waren und weiterhin existieren würden und werden, auch wenn, wie manchmal geunkt wird, der Mensch auch ein sich selbst zerstörendes Auslaufmodell sein sollte oder könnte. Wir wissen es nicht, und doch ist die kosmische Ausgleichung spürbar vorhanden. Wie könnte sich das Ganze sonst verhalten, wie es sich verhält. Sodass man durch eigene Erfahrung davon ausgehen kann, dass im finstersten Dunkel, sei es im Innen oder im Außen, wie selbstverständlich ein Licht auftauchen muss, da es keine Wahl hat, sich der Bedingung zu fügen oder nicht. Hier, davon bin ich überzeugt,  hier an diesem formlosen Punkt, kann das Individuum seine oder ihre tiefste und hellste Lebensfreude erfahren.

 

Auge, mein Auge

 

Noch ist nicht aller
Morgende Mittag.
Alles kann noch geschehen.
Oder gar nicht geschehen.
Manches muss noch
geschehen, manches
soll nicht geschehen,
manches darf nicht
geschehen. Ja, darf nicht
geschehen. Doch ist es geschehen,
dann ist es wohl richtig, wohl richtig.
Aber noch besser:

Versteht, dass schon aller Morgende
Mittag i s t, und in welcher Reichweite
sind Zeuge und Zeugin in bezug auf
die ausgerichtete Frage: Auge?
M e i n Auge?

Auge, Auge, mein Auge,
mein Paradiesapfel.
Komm zurück, zurück
zum Baum, wo der
gerissene Film nun in der
sanften Heimat die gerissenen
Autoren der Wunde bewegt,
und bewegt sie, sich selbst zu vergeben.
In den wiedergeborenen Wäldern
weben die Feen den Stoff
für den Mythos von morgen.

Noch ist nicht aller Frühstücke Nacht.
Noch kann alles geschehen.

Gangart

Selbst nach jahrelanger Übung, mich in d e n zwei Kulturkreisen zu bewegen, die mir am vertrautesten geworden sind, kann ich nicht wirklich von einer Gewöhnung im Umgang damit sprechen. Es sieht zwar oft ähnlich aus und vieles ist auf beiden Seiten leicht wiedererkennbar, aber die eigene Notwendigkeit, sich auf die jeweiligen Situationen, Sprachen, Handbewegungen, Einstellungen, Gedanken und das Außenleben immer aufs Neue einzustellen bringt Zustände hervor, mit denen man umgehen muss. Haben Veränderungen in mir selbst stattgefunden durch jeweilige, tiefe Berührungen, kann ich, auf die andere Seite reisend, nicht erwarten, dass ich sie auf diesselbe Art und Weise wahrnehme wie gerade noch. Sie müssen erst durch das Raster der anderen Kultur geschleust bzw. gelebt und auf diese Weise noch einmal neu erlebt werden, bis sie als Spuren im Selbst wahrgenommen werden können. Wenn ich mich in Indien z.B. immer auf die eine oder andere Weise mit dem Kosmos der Götter und Gottheiten auseinandersetzen muss, da es kaum jemanden unter den Einheimischen gibt, die sich auch nur annähernd in persönlichen Reflektionen damit beschäftigen, aber einen felsenfesten Glauben daran haben, so bieten diese Einstellungen im Westen keinerlei Relevanz, obwohl man von PhilosophInnen, PoetInnen, PriesterInnen, KünstlerInnen u.s.w. überall dasselbe an geistiger Anstrengung und Wachheit erwartet, die man, wenn man nach ihr sucht, in der Menschheitsgeschichte allerorts finden kann. So wandeln sich vor allem die äußeren Formen und Umstände, und wenn man sich einen Weg bahnen kann durch den Wirrwarr und Wahnsinn der dominierenden Geistergeschichten, erkennt man tatsächlich ein Öllämpchen am Ende des Tunnels. Es ist einfacher, sich auf die Qualität eines Smartphones zu einigen, auch wenn der Eine in Sibirien postet und der Andere in Sizilien, aber eine gemeinsame Botschaft der Kernsätze von religiösen Überzeugungen zu finden ist vielleicht einerseits gar nicht so wichtig, wenn die Unterschiede geachtet werden, und andrerseits kann es spannend sein (zum Beispiel), zwischen dem Verbot des christlichen Gottes im Paradies, vom Apfel der Erkenntnis zu essen, gefolgt von einem Rausschmiss aus dem Garten nach Missachtung des Gebots, und dem Wunsch des indischen Schöpfergottes, als einziger Erzeuger und Bestimmer des Ganzen gesehen zu werden, wobei es im indischen Olymp auf andere Weise wild zugeht, und auch d a Widersacher unterwegs sind, die den schwer verständlichen Stories den Pfeffer geben. Dort klage ich öfters auch mal über den ohrenbetäubenden Lärm, der das indische Leben umgibt, hier, ebenfalls außerhalb der Städte wohnend, macht mir die tiefe, wunderbare Stille auch klar, wie intensiv Menschen im Westen mit der persönlichen Gestaltung ihres Alltgas beschäftigt sind. In Indien läuft das Meiste noch traditionellen Bahnen entlang, wenn auch nur als leere Hülse, die Vertrautheit vorgaukelt. Im Westen herrscht eine Idee von Freiheit vor, die selten zur Umsetztung von persönlichen Wünschen führt. Das Angebot ist immens, die neuen Anforderungen folgen dicht auf dicht. In beiden Kulturen suche ich intuitiv nach Räumen, in denen mein Selbstsein stattfinden kann, ohne die Anderen zu stören oder von ihnen gestört zu werden. Schließlich treffen wir in jedem Menschen, dem wir direkt begegnen, auf eine eigene Kultur, mit deren Ausdruck wir umgehen müssen. Freiheit ist mühsam, will sie ein Tanz werden mit den Mitteln des Vorhandenen. Mit nur mir selbst zur Verfügung stehend betrete ich immer wieder aufs Neue das Feld der Handlung, oder lasse mich auch zuweilen ein auf das Nicht-immer-Handelnde, weil ich Zustrom spüre aus dem Grundton meines inneren Orchesters. Nein, die Unterschiede sind nicht so groß. Doch kann ich das erst sehen, wenn ich mich ernsthaft den Unterscheidungen gewidmet habe. Es wird dann auch klar, dass das Einfache ein Weg ist, auf dem der Pfad für die Füße immer schmaler wird, dem Auge aber  gerade durch diese konzentrierte Gangart eine Weite und Tiefe gewährleistet wird, die jede Ablenkung grundsätzlich widerlegt.

verdauen

Auf Hindi gibt es einen Gruß, der wie „wie geht’s dir?“ klingt und auch so gemeint ist, wobei die Nachfrage um die Verdauuung geht. Beides ist meist nicht wirklich ernst gemeint, weshalb wir uns alle angewöhnt haben „gut“ zu sagen. Die ernsthaften Antworten müssten ja auch etwas Zeit in Anspruch nehmen, und wer hat schon tiefes Interesse an der Verdauung der Anderen, wo man selbst erhöhte Aufmerksamkeit auf die Beantwortung der Frage lenken müsste, um die eigene zu kennen. Körperlich kommt man da ja in strenge Gefilde, weil heutzutage kaum jemand den Informationen ausweichen kann, die sich mit dem befassen, was für den komplexen Mechanismus des Körpers geeignet ist und was nicht. Gleichzeitig werden auf allen Ebenen und Kanälen die Süchte geschürt, und vielleicht verbucht der Veganismus zur Zeit auch deshalb so einen glänzenden Erfolg, weil er die Ausrichtung auf eine immense Vielfalt einfacher macht. Und der Wunsch natürlich nach geordneten Verhältnissen inmitten des fraglosen Chaos, mühsam gebündelt durch das illusionsbeladene Gespinst demokratischer Vorstellungen, die von PolitikerInnen ausgehandelt werden. Noch komplexer, bzw genauso komplex ist es mit der geistigen Verdauung, auch einen Gruß wert: wie geht’s denn heute der Verdauung im Kopf? Da ich Zeugin war beim Eintrudeln der Fernseher in den  indischen Familien, kann ich auch bezeugen, wie zutiefst erschütternd die Wirkung davon war. Auch heute erstaunt mich noch, dass es für jeden Menschen als selbstverständlich gesehen wird, einen Fernseher als Grundausrüstung zu haben. Nicht dass sie, die Flatscreen, in unserem Haushalt fehlt, nein, sie steht im Gästezimmer und man muss sich entscheiden, ob man dort hinwill, wo die vielen Sender leichter zugänglich sind als an den einzelnen Apparaten, bei denen man immerhin selber entscheiden und wählen muss, was man sich hereinzieht in die innere Domäne. Auch wenn man ein/e Liebhaber/in von guten Filmen ist, wird man nicht gerade verwöhnt auf Knopfdruck. Neulich in Indien blieb ich mal mit der Tochter meines dortigen Hausbesitzers an einem millionenschweren Historien-Streifen hängen, der in der Zeitung einigen Tumult ausgelöst hatte wegen angeblich geschichtlich nicht präziser Wiedergabe . Es war schwer, sich von diesem hirnverbrannten Prunk zu lösen, von dem ganzen Aufwand um einen tyrannischen Egomanen, der unbedingt die schöne Rajputenfrau wollte, am Schluss aber dann doch nicht bekam. Gut, was soll’s und was geht’s mich an. Noch nachts donnerten und tosten die Bilder durch meine Innenwelt, ich bedauerte kurz, aufgestanden zu sein in Schinkenmitte und nun nicht zu wissen, wie es ausgeht. Obwohl ich die Story schon vor Ort gehört hatte, wo sie einst wohnte, die Allerschönste der Schönen, und dort konnte man auch an den Wänden die roten Handabdrücke sehen, die einem erzählen, dass hier Frauen durch Selbstverbrennung dem Wüstling entkommen sind. Wenn man mit Anderen über diese Eindrücke sprechen kann, kommt man auch darauf, was man selbst erlebt hat. Oder man hat nur abgehängt. Oder dachte auch mal wieder, dass so Entspannung entstehen kann, und kann es ja auch, wenn es nicht für alle von allem ständig Nachschub gäbe. Wie kann ein Gehirn bei aller hohen Kapazität noch wissen oder erfassen, was es selbst denkt, wenn es für die geistige Verdauung kaum Pausen gibt.  Wenn ständig Ungefiltertes dazukommt, das einen letztendlich gar nichts mehr angehen kann, weil gar keine Synapsen mehr zur Verfügung stehen für eigenes Denken und Wahrnehmen bei all dem Input. Den Verdauungsstörungen. Der selbst erschaffenen und günstigerweise mühelos gewordenen Ordnung des eigenen Kenprogramms, an dem ich mich ausrichten kann. Der an Gewohnheiten und dem Vorgegebenen gebundene Zeitvertreib war sicherlich schon immer etwas, was sich nicht so gut auswirkte auf die Psyche. Um der Zeitvertreibsseuche kreativ entgegen zu wirken, braucht man ein Instrument, eine Rückgratsstärkung, oder einen guten Lehrer (Mögen sie weiterhin gedeihen und nicht zu viel Unheil anrichten in den von fremdem Wissen Gebannten.). Ansonsten sind wirksame Mittel bekannt sowohl gegen die Zerstreutheit als auch gegen den Workaholismus, denn in der Tat: die Stunden vergehen schneller als man gewiillt ist, die Flüchtigkeit des kostbaren Daseins zu begreifen.

alles in allem

Weil eben das „Wissen“ so zugänglich geworden ist, geht man davon aus, dass viel gewusst wird, weil eben der Zugang sehr vereinfacht wurde. Nun ist durch die Smartphones die große Unübersichtlichkeit in Gang gekommen, denn keiner weiß mehr vom Anderen, wo jede/r   höchstpersönliche Zugänge sucht, die dem eigenen Denken und Tun entsprechen. Auch die Unkontrollierbarkeit der Vorgänge ist in Gang gekommen, und wo auch immer es neuer Gesetze und Vorschriften und Bedingungen bedarf, sieht man Zeichen dieses Kontrollverlustes. Man muss keine Verkünderin dunkler Schicksalsprophezeiungen sein, um zu wissen, dass es zwar potentiell gesehen fast immer Möglichkeiten gibt, einen Stein vom Rollen abzuhalten, bevor er eine Lawine auslösen könnte oder dann auch kann. Die Zahl der Klagen, die man erheben könnte gegen den Missbrauch des Vorgefundenen allein, reiht sich auf Löschpapier bis ins Unendliche hinein. Leere Blätter, auf denen einmal stand, was es war. Wo sich einschalten, wo ausschalten, wo abschalten. Abschalten von was? Umschalten auf was. Eigene Angebote sind gefragt. Was kommt bei mir an, was mir entspricht. Was sage ich aus von dem, was mir entspricht. Wie und wodurch fügen sich die Dinge unter dieser Obhut zusammen? Gibt es dafür dann noch Sachbücher. Für das Gefühl, dass gerade dieses Erkennen der unauslöschlichen Verbindungen von allem mit allem dazu führt, dass im Partikel-Ich (dem Tat Twam Asi – das bin ich) ein Ungeteiltes sich entpuppt, dem man den Begriff „Individuum“ geben wird, also z.B. jemand, der oder die das Spannungsfeld des dualen Webens in eine Harmonisierung bringen konnte, wobei das Muster selbst sich zeigt, hier als Symbol, dann auch als Tor. Es soll eine Besonderheit von Jogi Löw sein, in letzter Minute eines Spiels noch einen Spieler ins Feld zu schicken, der durch gekonntes Zuspiel dann doch noch zum Gelingen verhilft. Wo also den Einsatz geben, wo fördern, wo und wann auf das Wesentliche achten. Das Absolute entscheidet für sich selbst, ohne dass man den Vorgang planen muss. Aber davon wissen, das muss man schon, aber auch nur, wenn einem dieser Weg entgegen kommt und zusagt.

Else Lasker Schüler

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 Ich will in das Grenzenlose
Zu mir zurück,
Schon blüht  die Herbstzeitlose
Meiner Seele,
Vielleicht – ist’s schon zu spät zurück!
O, ich sterbe unter Euch!
Da Ihr mich erstickt mit Euch.
Fäden möchte ich um mich ziehn –
Wirrwarr endend!
Beirrend,
Euch verwirrend,
Um zu entfliehn
Meinwärts!

zahil

 

Habe ich gerade in meinen Translator eingegeben: „Saturn“ auf Arabisch: Zahil. Allein die Frische eines neuen Wortes kann Nebel des irgendwie trotzdem leicht unheimlichen Samstags etwas lichten. Nicht, dass ich davon ausgehe, dass eine große Anzahl von Menschen samstags ein unheimliches Gefühl in sich tragen, und das in allen Ländern der Erde. Viele Hindus sind samstags ja beschäftigt mit dem Gang zum Tempel des Saturn, schwarz wie die Nacht böser Träume und verboten für Frauen, weil, düsterste Gedanken der Priester an das unreine Blut zurückdrängend bei der Befragung, weil Frauen, so meinten die vermeintlich Zuständigen, weil Frauen nicht die Kraft hätten, diese Energie zu schultern. Frauen allerdings schultern noch ganz andere Energien, was hier nicht gefragt und kein Thema ist. Samstags legen Männer dann Hisbiskusblüten nieder am dunklen Stein, man spürt, bzw habe ich oft im Vorübergehen samstags diese bittersüße Schwere dunkler Verbindungen gespürt, die dem Leben, wenn es dorthin ausgerichtet ist, eine gewisse Würze verleihen. Das heimliche Wissen um unerlaubte Gänge und Taten wird in die unsichtbare Hand des Gottes gelegt, der, zähmt man ihn mit Gehorsam, das Unverzeihliche vergeben soll, wofür es keinerlei Beweise gibt. Ansonsten ist außer Banken und Regierungseinrichtungen alles geöffnet und der Bazaar boomt. Hier im Westen ist es eher die kollektiv aufgeriebene Energie der Samstagseinkäufe, um am Sonntag, auf den hoffnungsvoll und energetisch zugearbeitet wird, für alle alles dazuhaben, was unentbehrlich scheint. Heiliger Sonntag, der dem ganzen Volk die Einkaufssperre auferlegt, wobei auch dagegen bzw dafür gestimmt wird zuweilen, dass vollzeitig Beschäftigte oder Süchtige auch sonntags erwerben können, was sie brauchen. Der Samstag scheint sich anzubieten für eine Form des Getriebenseins, das besänftigt werden will, wofür man Wege gefunden hat. Auch ist die Nacht von Samstag auf Sonntag eine betriebsame Nacht, für die die Unterhaltungsindustrie sich einiges einfallen lassen muss. Manchmal bedanke ich mich innerlich bei irgendwas dafür, dass ich nicht mit Flatscreensüchtigen aufgewachsen bin, da ich die Auswirkungen jetzt in den indischen Familien sehen kann, wo das Ding vor allem an Wochenenden ohne Unterbrechung läuft. So haben die meisten Menschen auch samstags viel zu tun und freuen sich auf etwas am Sonntag. Ich kann  auf jeden Fall mal kurz in die frühmorgendliche Stille hinauswünschen, dass sich von den leisen und lauten Erwartungshaltungen  etwas umsetzen möge.

zusammenfügen

Ich setze gerne, wenn es sich anbietet durch einen Blick oder eine Wahrnehmung, Objekte, die in der Welt vorhanden sind, in neue Zusammenhänge. Die achtlos liegengebliebene, blau gefärbte Hand eines kleinen Krishna kann auf einem anderen Tisch in einem anderen Land eine zarte Regung auslösen, denn die Wahrnehmung einer schön geformten Hand oder eines edlen Profils kann dem Betrachter bzw der Betrachterin guttun, wenn es die Zeit erlaubt. Auch kann man unter Umständen durch Loslöung aus dem ursprünglich Gemeinten das Detail besser sehen und günstigerweise wertschätzen für das, was es jetzt, wenn auch in neuem Rahmen, ist. Allerdings ähnelt es der geistigen Fähigekeit zu analysieren, um besseres Verständnis einer Sache oder eines Gedankens zu erlangen, was wiederum ein neues Feld erschafft und neue Wege. Gut für jedes Individuum ist sicherlich zu erkennen, dass wir mit jedem Blick und jedem Gedanken und jedem Wort und jeder Geste die Welt neu erschaffen, war sie doch noch nie so wie gerade in diesem lebendigen Moment, der unaufhaltsam dahinwebt und sich nicht kümmert um die Logik des Zusammenhangs einerseits, andrerseits nie die Bewegung des gemeinsamen Stromes verlässt. Lebt Kunst nicht auch vor allem durch die Neuheit der Zusammenfügung, die Künstler und Künstlerinnen aus ihrem Inneren herausgebären, nur um zu sehen, dass ihre Spur trotz aller Eingebung des vorher nie Dagewesenen immer eine Signatur trägt, die für einen selbst zu erkennen bleibt. Warum sehe ich an einem bestimmten Morgen diese Figur eines Samurai, dem unterwegs in der langen Zeit seiner Existenz das Schwert abhanden kam, an einem Fenster unseres Hauses im Morgenlicht stehen, und sehe das überhaupt zum ersten Mal. Aha, ein Geschenk, erfahre ich und ja, kann es kurz mitnehmen zum Photographieren, weil es mich an die indischen Götter erinnert, so verwundet und aus der Zeit gefallen, die einstigen Helden. Und die Schönheit noch so erkennbar, ja!, vielleicht noch schöner oder ebenso schön wie damals, noch in bereitwilliger Kampfhaltung, aber entwaffnet im demütigen Verblassen der Pracht. Jetzt braucht’s einen Hintergrund für den spielerischen Vorgang. Er wird dargestellt von dem Bild eines anderen Künstlers, das hier herumsteht als ein kleines Navigationplakat und auf dem ein Korb, in dem sich Münder befinden, hochgehievt wird von einem Gehirn, das als Ballon dient. Dann noch ein kleiner Holzrahmen als Kopfbedeckung des Mannes, der nun eher wirkt wie ein demütig gebeugter Reisbauer. Das Einzige, was das alles für einen selbst aussagt oder aussagen kann, ist, dass diese Welt inklusive ihrer Grundausstattung ständig von allen Bewohnern und Bewohnerinnen zusammengesetzt wird, was dazu führen kann, dass das Wasser im „heiligen“ See des indischen Dorfes keinen Tropfen mehr von der ursprünglichen Quelle erhält, oder hier im Wald alles nachgepflanzt werden musste, weil ein einziger Sturm die Hälfte der Bäume umriss, die waren vielleicht auch schon Nachgepflanzte. Dieser Vorgang wurde von Hindus einst, der Zeit entsprechend, das Duplikat der illusionären Erscheinungswelt genannt (duplicate Maya), wo man das Gefühl erleben kann, dass durch sich häufende ungünstige Zusammenfügungen in den menschlichen Gehirnen Formen des Zusammenseins entstehen, die es allen Bewohnern erschweren, einen Sinn für sich selbst darin zu finden. Daher kommt u.a. der spirituelle Kontext ins Spiel, der nun zeigen muss, wenn er denn kann, dass wir in der Lage sind, ursprüngliche und zeitlose Gesetzmäßigkeiten des Planeten wieder zu erkennen und uns aus freiem Willen heraus an ihnen zu orientieren.

 

schmerzlich

 

Manchmal, wenn man willentlich oder unwillentlich in Kontakt mit den laufenden Katastrophen kommt, in denen Mütter ihre Kinder und Kinder ihre Mütter oder Väter verlieren, oder man hört von jemandem, meistens irgendwo im Land bekannt, der oder die nach langer Krankheit von „uns“ gegangen ist, dann frage ich mich manchmal, wie sie wohl mit dem Schmerz umgehen. Mit dem Schmerz und mit den Schmerzen. Es ist erstaunlich, wie auch der Schmerz eines anderen Wesens einen ergreifen kann. Wie es einem fast leichter vorkommen möchte, den Schmerz zu haben, als ohnmächtig den Schmerz eines Anderen wahrnehmen zu müssen, diese Hilflosigkeit, dieser innere Aufruhr, der bekämpft werden muss, will man nicht selbst mit diesen Zuständen zusätzlich belasten. Man muss einen Umgang damit finden. Es ist die Liebe zwischen den Wesen, die es so tief und schwer macht, beim Leiden des oder der Anderen dabei zu sein. Auch die eigene Herzenskraft wird oft und gerne überschätzt. Man muss sich im richtigen Moment an Experten wenden, damit die eigenen Wahrnehmungen überprüft werden können. Einmal war ich dabei als Begleitung einer Frau, deren Mann im Koma lag und der Arzt die Möglichkeit in Erwägung zog oder vorstellte, die lebenserhaltende Maschine abzustellen, aber es wurde von der Ehefrau als unmöglich gesehen. Der Mann kam zurück mit keinerlei Einschränkungen und konnte noch eine gute Zeit leben. Ich erinnere mich noch, dass wir in dieser Zeit für ihn meditierten und in kindlicher Weise davon überzeugt waren, dass wir spürten, dass er noch da war. Vielleicht ja auch gar nicht kindlich. Wir hatten viel Liebe für ihn und waren besorgt. Jetzt will ich doch noch erwähnen, dass mir all diese Gedanken heute früh wegen unserer Katze kommen, die seit gestern verwundet und krank herumliegt, bevor wir sie heute zum Arzt bringen und zum Glück mehr darüber erfahren können, was wohl mit ihr passiert ist. Sonst putzmunter, kann sie kaum noch laufen. Mir fiel an mir auf, dass mir alles verdüstert schien, draußen noch kälter als sonst, innen hatte sich etwas zusammen gezogen. Es war die Sorge um ihr Wohlbefinden, um die Zeit, die es mit ihr nun durchzustehen gilt. Verwundetes, geliebtes Wesen, da ist zuerst mal nicht mehr viel Raum für anderes.

 

tauchen

Es ist schon wahr, dass wir vom Anfang unsrer Geschichte bewusst wenig mitbekommen, sondern uns erst, wenn wir in die Sprache kommen, uns bewusst zu unserem Aufenthalt äußern können. Nun ist allerdings der Seinszustand den wir vor der Sprache erleben, erst vor Kurzem in das Interesse einiger ForscherInnen gerückt, die sich ganz speziell für diesen Abschnitt des Lebens interessieren, um dort lagernde Erfahrungen und Traumatisierungen aufzuspüren und sie auch für Andere, zum Beispiel in einer Therapie, ins Bewusstsein zu holen, um ein besseres Verständnis der eigenen Quelle bzw der eigenen Kernproblematik zu erreichen. Man weiß von verborgenen (Not)-Zuständen ja erst, wenn sie gefühlsmäßig erfasst, und dann in Sprache umgesetzt werden können. Gerne möchte man denken, dass nicht jedes Kind in der präverbalen Zeit später traumatische Erlebnisse verarbeiten muss, doch spricht die Erfahrung mit sich selbst und anderen erwachsenen Menschen doch öfters dafür, nämlich dass man hinunter muss in die Unterwelt und dort allerlei Prüfungen bestehen, die sich als Katastrophen tarnen, sich dann aber doch als das Werkzeig zeigen, mit dem man seinen oder ihren Schicksalsblock verstehen und bewältigen lernt, wenn man das möchte. Was nicht jeder möchte und auch nicht jeder kann, daher die vielen richtungsweisenden HelferInnen, die von uns Wesen zu bestimmten Zeiten gewählt werden, um weiter zu kommen auf der Ich-Landkarte, bevor neue Pfade sich auftun. Ich denke, dass das im Mutterleib unter guten Bedingungen sich aufhaltende Kind auch nach der Geburt einen Seinszustand erleben kann, zu dem es uns immer wieder zurückzieht, nun als Teil der sich enthüllenden Ich-Geschichte bis zu einer neuen Erfahrung des sprachlosen bzw in zeitloser Ruhe lagernden Selbst als Bewusstmachung eines Anfangs, das deswegen von Schweigen und Stille genährt wird, weil es letztendlich auf Bewusstmachung verzichten muss, um sich selbst sein zu können. Hier, würde ich sagen, kann man von einer Akzeptanz des Mysteriums Leben sprechen, das gleichzeitig gänzlich verschleiert und gänzlich enthüllt ist. Die Selbstverständlichkeit der eigenen Lebenserfahrung ist per se kein Garant für das Erfassen der eigenen individuellen Existenz, die vor allem durch die Qualität des Tauchvorgangs bedingt und bestimmt wird. Es ist eher verblüffend, dass es, soweit wir informiert sind, keinen anderen Weg als den durch Himmel und Hölle gibt, bevor man über beides herzlich lachen kann.

unaufhaltsam (?)

So, wie ich es in den dafür vorgesehenen 3 Minuten Nachrichten bei WDR5 auf meiner Wellenlänge gehört habe, treffen sich heute in einer ehemaligen Kaserne in Mainz einige Männer, hinter denen riesige Firmen stehen, um wochenlang um die neue Frequenz 5G zu zocken, bis alle finanziell nicht mehr steigern können und nur noch Einer übrigbleibt, der kann, dem gehört dann die Frequenz (oder einer der 41 angebotenen Frequenzblöcke). Sie gehört erstmal der Industrie, für die sie besonders geeignet ist und von der im Gespräch zwischen Barrie Trower und Sir Julian Rose (Link: Blogbeitrag „Ausmaß“) hauptsächlich die Rede ist als einer Waffe mit ungeheurem Vernichtungspotential, die nun mit einer gewissen nüchternen Freundlichkeit angekündigt wird. Menschen, ist man in gewissen Kreisen überzeugt und spricht aus Erfahrung, müssen getäuscht werden, denn auch die Dummheit, die viele Gesichter hat, hat auch manchmal Grenzen oder ist gar nicht da, wo man sie am meisten vermutet. Die Erkenntnis, ein Spielball von Kräften zu sein, denen es vor allem nicht um das Wohlergehen der Menschheit geht, also um mein und unser aller Wohlergehen, kann in einem Volk, wie man immer wieder sieht, zu gewaltigen Kraftakten führen. Dabei wissen doch schon die meisten Planetarier, dass wir mittendrin sind. Immer ist Mittendrin. Es fragt sich nur, für welche Form des Mittendrins man sich ganz persönlich entscheidet. Vielleicht setzt da der prophetische Rat der hinduistischen Weisheit über diese Zeit an, über die verdunkelte Zeit, die eiserne Zeit, in der Entmenschlichung eine gewisse Glanzrolle zu spielen beginnt, die Nahrung bietet für das übermüdete Menschsein. Schau dich selbst an, sagt es da zum Beispiel. Kehre zurück zur eigenen Mitte, wandere hinein ins eigene Drin, und von da aus erfrische die Sicht auf das Ganze. Was bleibt uns übrig? Der Apfel ist verschluckt, der gläserne Sarg versiegelt, das Feigenblatt verdorrt, der letzte Faden des Fluches in Rauch aufgegangen oder in einem Kunstwerk verarbeitet, von wo aus es wieder Tore erschließen kann, die unter günstigen Umständen, und trotz aller mühsamen Umwege, zum eigenen Tor führen. Erst staunt man über die schlichte Symbolik. Kann es sein, dass es doch einfacher ist, als man dachte. Oder brauchte man das Zulassen der Ungeheuerlichkeit angepriesener Zukunftsfrequenzen, um sich zu besinnen auf die eigene und ihr noch weitgehend unerforschtes Potential.(?)

Bild: undefiniertes Objekt aus der Tempelwelt.

Mensch

Mensch

Wie geht es dir?
Es war noch nie
so
wichtig, alle Seiten
deiner Geschichte
zu kennen.
Doch!
Wir sehen dich!
Immer auf Empfang.
Unterm Kostüm schlagen
furchtlos Herzen
im Geheimen.
Was tun?

 

(Alle Worte kommen aus der „Zeit“) 

Peter Sloterdijk

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Es mag schon sein, dass nicht wir die Tradition haben, sondern die Tradition uns, aber oft hat sie uns so, wie eine zerstörte Stadt ihre Einwohner hat oder wie der vitiöse Zirkel seine Spieler festhält, die in ihm dem Ruin entgegenrennen. Ja, die Tradition hat uns, das Seinsgeschick trägt uns im Arm, aber wer als Deutscher um die Mitte dieses Jahrhunderts geboren wurde, der kroch aus seinem nationalen Traditionenschoß hervor wie ein Überlebender aus einem zerbombten Haus. In einer solchen Situation, wo man die Wüste erbt, erlangt das Vermögen, selber anzufangen, eine unerwartete neue Bedeutung. Mit einem Mal hat die Gelassenheit, die sich schon angefangen sein läßt, einen schlechten Stand gegen die Entschlossenheit, mit sich selber einen neuen Anfang zu machen. Was für geglückte Traditionen richtig sein kann,  – das sich Tragenlassen vom Strom guter Überlieferungen – ist für missglückte Traditionen selbstmörderisch und falsch. Missglückende Traditionen sind wie vergiftete Flüsse: auf ihnen schwimmt der Schaum der Selbstzerstörung, sie tragen die Pest verzerrter Lebensformen von den Einleitungsstellen bis in die Meere. Und so bleibt für diejenigen, denen bewusst wird, dass sie in einer Überlieferung der Zerstörung stehen, nur die Zuflucht zu den Kräften des Selberneuanfangens. Sie müssen zurückwollen an reinere Quellen des Selbstseins.

Plan X

 


Geheimplan der Erschließung des Zugangs
In der Tat nannte man es auch durch alle Zeiten hindurch „Das geheime Wissen“, wodurch dann die jeweils Angeregten sich für einen der angebotenen Zweige entscheiden mussten und entschieden, eben um kundig zu werden in dem, was Anderen als geheim erschien. Ich erinnere mich immer gerne an die Anekdote über einen historisch belegten Kreis illustrer Wissenschaftler, die sich im Geheimen, heißt: Andere ausschließenden Gespräch trafen, um zu entscheiden, dass das soeben bekanntgewordene Geheimnis von den Verhaltensweisen subatomarer Partikel unbedingt für die Öffentlichkeit versiegelt werden müsste, da es Nichtwissende und moralisch sich nicht Verpflichtende zu Missbrauch anregen könnte und würde. Wann konnte man jemals nachweisen, was wen wann zu Missbrauch anregt, u.a. da wir ständig die Quelle vergessen, wo Missbrauchstendenzen erst einmal geschürt werden müssen, um sie für den Betroffenen oder die Betroffene als Form von Realität spürbar werden zu lassen. Nun haben Hindus in ihren alten Schriften hinterlassen, wohl als durchblickende Seher, dass man in dieser Zeit jegliches Geheimnis auf den Marktplätzen der Welt hinausschreien kann, das würde im „kommentierenden Sofortismus“ (Bernhard Pörksen) der Zeit keine Wellen schlagen. Vielleicht von einem eleganten Redepult aus inmitten der Einkaufsstraße:  Freunde (schon hätte man gelogen), hört her! Ihr gestaltet mit jeder eurer Blicke und Regungen das energetische Feld vor Euch! Bedenkt doch das Ausmaß dieser einfachen und nachprüfbaren Logik!  Undsoweiter, da wäre unter Umständen schon Pflegepersonal unterwegs. Warum auch influencen wollen, was selbst noch überprüft und gelebt werden muss. Jeder Blick eine Aussage und eine Wirkung!. Jeder Gedanke. Irgendwann in den Anfängen meiner persönlichen Indien-Geschichte habe ich eine Frau in Hyderabad getroffen, deren Name mir immer präsent blieb (danke, Sushila Jayram) und von der ich dachte, dass ich sie immer mal wieder treffen würde, was nie stattfand. Aber ein einziger Satz von ihr ist mir in Erinnerung geblieben, weil sie ihn mir auf Papier geschrieben hat, so ein Fetzen, der lange bei mir war und auf dem stand, dass die einzige Pflicht im Leben sei, sich zu erkennen. Klar, kennt man ja, und doch nicht wirklich gesellschaftsfähig. Wie, einzige Pflicht!!??Auch ein beliebtes Thema in spirituellen Kreisen: die Unterscheidung zwischen egoischer Verhaftung an das Ich-Geschehen, und die willensstarke Aufmerksamkeit auf das Selbsterkennen, mit allen Zwischenschattierungen von hellstem Hell und finsterstem Dunkel. Alle fühlen sich wohl mit Gleichgesinnten, und es kommt auf die Gesinnung an, in der man sich verbindet. Ja, alles ist verbunden, aber nicht überall ist Verbindungsmöglichkeit vom eigenen Raum aus vorhanden. Überlässt man sich den Konstrukten des (z.B.) gesellschaftlichen Großraums, muss man sich diesen Bedingungen anpassen, oft genug über akzeptable Grenzen hinaus. Man wird entschieden. Ich gehe davon aus, dass jeder und jede  Einzelne von seinem und ihrem Platz aus agieren kann, auch wenn die Handlungsmöglichkeiten durch das Umfeld begrenzt sind. Und: wie kam ich ins Umfeld, und was ist daran noch gestaltbar durch mich. Wer kann Anspruch erheben auf meine Präsenz? Frei wandere ich vom Tellerrand hinaus in die kosmische Weite, beziehungsweise reise in meinem Raumschiff in Welten, die nie ein Mensch so gesehen hat, und wieder zurück in das von allen Sichtbare, und logo, ist das die einzige Pflicht, dass ich mein Schiff und das der Anderen respektvoll behandle, wissend, dass mein Navigieren und das der Anderen auch dazu führen kann, dass wir wie Maturana sagen können: dann sehen wir Liebe.