wachsam

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Auch wenn die Menschen in dieser Kultur nichts Außerirdisches zur Wachheit drängen würde durch die Rituale, das Beten und die täglichen Pflichten, würden es immer noch die vielen anderen Menschen und Tiere. Wenn ich aus dem Westen komme, kenne ich dort zwar auch das Umgebensein von Menschen, wobei es meist nicht mehr sind als….na ja….sieben (mit Gästen), oder mal auf einer Einkaufsstraße in der Stadt, wenn es sein muss, oder irgendwas hat gerufen, wie neulich, als wir zusammen mit ungefähr 1000 anderen Interessierten in der Philharmonie die Story von Orpheus und Eurydike, und vor allem den orphischen Counter Tenor genießen durften, bevor das Zusammensein mit den Wenigen wieder vorherrschte.
Aber hier in Indien ist Wachsamkeit unter den Vielen Tagesprogramm. Die Anforderung nach Resonanz habe ich über Jahre hinweg gelernt, da ein Übersehen oft Folgen hat. Hier im Dorf wissen die meisten nicht, dass ich mit sehr vielen Einwohnern ähnlich freundliche (und losgelöste) Beziehungen habe. Ich bin sowas wie eine Ureinwohnerin, die ihre eigenen Wanderwege durch den Strom des Daseins erschaffen hat. Das kann manchmal sehr viel Grüßen bedeuten und sehr viel Teetrinken.
Dann die Tiere. Kaum sitze ich am Wasser, heißt es, mit Hunden und Kühen und Bullen umzugehen, die einen auch, wenn man nicht aufpasst, Treppen und Mauern runterschubsen können. Bewegt man sich außerhalb des eigenen Dorfes, muss man auf andere Dinge achten: maßloses Durcheinander von Autos, Motorrollern, Rikshas, Scootern, Dieben, Händlern, Bettlern. Noch habe ich keine eingehaltenen Regeln entdecken können. Man versteht sich und beugt sich, wenn man muss, und muss ja so vieles, vor allem Regeln übersehen, was die bewegliche Struktur ermöglicht.
Aber kollektiv von der Regierung bzw. Narendra Modi zu etwas gezwungen werden, wie es gerade geschieht, da bezweifle ich doch, ob das letzendlich gelingt. Noch spielt man Schaf im Kollektiv. Das kann dauern. Man hört herum bei anderen, bis die eigene Meinung klarer wird. Das kann sich in jede Richtung entwickeln. Daher:
Auge sei wachsam!

Atma-Sphäre

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(Das heute früh gemachte Photo zu: „Das Ich und das Wir in der Atmosphäre“)

Was ist das nur, dass, wenn man heraustritt am Morgen aus der Tür und  man bzw. ich mich darauf verlassen kann, dass das Herz aufgeht. Gestern Nacht z.B.wurde ich von einer Maus extrem gestört und kam dann noch zu etwas Schlaf. Aber kaum draußen, schon fühle ich mich frisch und wach. Auch wenn mich eine Laune trübt, gehe ich nicht wie im Westen hinein, sondern hinaus, denn sie wandelt sich prompt. Das wird man nicht mehr in den indischen Großstädten finden, diese Seelen-Sphäre, es braucht Zeit und Ausrichtung und Wahrnehmung von Raum. Hier, wo schon morgens das halbe Dorf unterwegs ist, um den Tag mit Geben zu beginnen, zB Körner für Fische und Vögel, oder Brot für Hunde und Kühe, wird man  gerne Gutes tuend wahrgenommen….Auch gebadet wird viel, und gemurmelt. Aber was ist es, das die Luft (trotzdem oder deswegen?) so frei macht, sodass auch wir, die Foreigners, immer wieder kommen wollen müssen, um uns darin zu bewegen und bewegt zu werden. Wie hat dieses Volk es nur geschafft, diesen Großraum offen zu halten, mit freiem Zugang zum Licht des Seins? Und d a s bis ins Heute, eine eher verdunkelte Zeit,  wo wir (?) schon erwarten vom erhabenen Wissen dieser Kultur, dass es endlich ankommt in den lichtlosen Küchen, wo die Frauen noch immer zuviel des Unaussprechbaren (er)tragen, das auch vom Smartphone nicht erlöst wurde. Von Sudhir Kakar, einem indischen Therapeuten (der Lesenswertes geschrieben hat), habe ich einmal gehört, dass sich der therapeutische Prozess mit Indern sehr schwerfällig bewegt, weil die Idee der „Ich-Geschichte“ nie gefördert wurde, sondern die Werte des „Ham“ (Wir). Viele sagen immer noch ham, wenn sie ich meinen. Das ist wie der Schatten zwischen Idee und Wirklichkeit. Oder hat die Abwesenheit von gedanklichen Ich-Lasten auch zu offenerem Raum geführt? Oder ist es einfach die Schönheit der Natur, die zu inneren Anstrengungen anregt? Oder haben die Extreme des Klimas viel Durchhaltekraft und Sitzfleisch ermöglicht, aus dem dann die meditativen Wege entstanden sind? Sie nennen das Land ringsum hier auch „Tapassya Boomi“, glückseliges Land, das tiefes Kontemplieren hervorbringt. Während ich hier sitze, natürlich mit Gänsekiel und Papyrus bewaffnet, fängt an der Ecke ein fürchterliches Geschrei an. Es geht mal wieder um Schuhe, die der Meinung eines vorbeiwandernden Brahmanen entsprechend nicht weit genug vom Wasser entfernt plaziert wurden. Er beschimpft den anderen Hindu als ignoranten Muselmanen, ein ungern vernommenes Schimpfwort. Alle schreien sich abwechselnd  mit demselben Satz an: „Mere baat sono!“ Hör mir zu! Genau in diesem Satz verborgen liegt der Keim der Wandlung.

(Soso, jaja, die Atma.Sphäre ist also auch etwas, wofür man sich entscheiden muss, obwohl sie frei und immer für alle da ist.)

 

News

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An dem Bild sieht man sofort, wie gnadenlos inspiriert indische Illustratoren von westlicher Kunst sein können!

News aus Indien also:

Die meisten Menschen in Indien, die noch laufen können, stehen immer noch stundenlang an den Banken an, denn es gibt immer noch nicht genug cash, um  abzuheben, was man will.

Täglich werden massenhaft gehordete neue Noten auf Betten ausgebreitet gefunden, und Bankangestellte werden reihenweise verhaftet.

Menschen sterben beim Warten auf Geld.

Ein Business Mann ist spurlos verschwunden, nachdem er 13.860 Billionen Rupien Schwarzgeld angegeben hat. (Denn es soll einem nichts passieren, wenn man es angibt. Wird nur ein bisschen teuer!).

Hacker feiern Hochkultur beim Austüfteln neuer Ideen.

Der Supreme Court hat verkündet, dass ein Gesetz herauskommt, dass vor allen Filmen im Land (!!!) die Nationalhymne gespielt werden muss und dabei alle Kinobesucher aufstehen müssen! (Da bin ich aber gespannt, ob das Volk das auch noch schluckt!). Außerdem, erzählt der Artikel auf der Frontpage, wird während der Hymne die indische Flagge auf der Leinwand zu sehen sein.

Prompt erscheint auf der „Sacred Space“ Seite derselben Zeitung,  ein Satz von einem Baha’u’llah, der sagt: „Nicht der soll sich stolz fühlen, der sein eigenes Land liebt, sondern derjenige, der die ganze Welt liebt. Die Erde ist nur e i n Land, und die Menschheit seine BürgerInnen.

Seit ich die Zeitung bekomme, wurde von vier gang-rapes, also Gruppenvergewaltigungen, berichtet. Dinge, die man sich nicht vorstellen will oder kann, die aber als ein neues Phänomen immer häufiger auftreten, beginnen dann in Verdrängungskanäle abzuwandern. Niemand, der kompetent damit umgehen kann. Keine Fragen. Kein Erschrecken. Kein Entsetzen

Die Frau des nordkoreanischen Führers Kim Jong-un, Ri Sol-ju, ist zum ersten Mal nach 9 Monaten wieder öffentlich gesichtet worden.
Ich wollte nur mal ihren Namen schreiben. Der Name einer Frau, die das ganz und gar Unvorstellbare bewohnt.

Dann noch eine Nachricht aus Bareilly, wo ein 14-jähriger Junge 8000 Rupien Cash und Juwelen von seinen Eltern gestohlen hat und mit seiner Lehrerin durchgebrannt ist. Die zwei Elternpaare schieben sich gegenseitig die Schuld zu.

Heute wird in der Zeitung schon laut gemunkelt, dass die  Demonetisation (so heißt sie, die Wahnsinns-Idee) auch das Ende von Modi sein wird. Dekhenge: wir werden sehen.

Ein neugeborenes Kind wird halberfroren im Abfall gefunden.

 

 

Das „Hallo“

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Alle Grußformen, die ich in Indien über die vielen Jahre hinweg gelernt, geübt, ausgeprochen und manchmal notgedrungener Weise angewandt habe, werden langsam eingeholt vom planetarisch akzeptierten „Hallo“.
Menschen haben im kürzlichen (indischen) Damals kaum telefoniert, jetzt gibt es niemanden mehr, der oder die nicht telefoniert. Als ich 10 Tage mit einem Kamel unterwegs war, um einen auf anderem Wege nicht erreichbaren Shivatempel zu sehen, traf ich Menschen, die nicht lesen und schreiben konnten, aber mit guten Smartphones unterwegs waren. Ich ließ mir erklären, dass sie sich die Nummern z.B. als Zeichen merken, immer hinten die letzten drei. Beeindruckend! Man sieht auch immer wieder Menschen, die so tun, als würden sie telefonieren, denn das Smartphone am Ohr und das eifrige „Hallo“ sind gängiges Statussymbol, das ganz unauffällig  die Grundpfeiler des Kastensystems angenagt hat, denn Smartphone is everywhere with everybody. Tatsächlich wird an sehr vielen Körpern ein Phone gehalten, und mit dem intensiven Telefonieren kam auch das große Hallo in die Welten. Am „heiligen“ Wasser entlang sagt man noch RamRam, auch ein praktischer Begriff, der einerseits das göttliche Abstraktum meint, andrerseits den König von Ayodhya, um den das Epos der Ramayana rankt. RamRam ist ein Pflichtgruß. So what! Ich hab‘ mich dran gewöhnt. Grüezli, RamRam, Tschüss,Bonjour, Ciao, Namaste, wie geht’s, Grüß Gott! Alles Varianten des siegreichen Hallo.

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Ich konnte nicht widerstehen, das erste bewegliche, aus dem Netz gefischte Emoji hier auftauchen zu lassen.

 

Marie-Luise Kaschnitz

Bildergebnis für marie luise kaschnitz Ich lebte

Ich wollte die Entscheidung, am Sonntag immer einen Text einzufügen, der nicht von mir ist, auch in Indien beibehalten,  und stieß  zufällig“ gestern auf einen Kommentar, in dem jemand mir dieses Gedicht von Marie-Luise Kaschnitz zugesandt hatte, da ich einen einzigen Satz daraus einmal in einem früheren Beitrag gepostet hatte, ohne den Rest zu kennen oder zu suchen.
Ich hatte mich sofort entschieden, das vollständige Gedicht aufzunehmen, und dann war es mir entfallen. Es passt nicht so ganz in den Rahmen meiner gegenwärtigen Wahrnehmung, da ich mich in eher „paradiesischer“ Umgebung aufhalte, aber trotzdem findet das alles gerade statt auf dem Planeten, deshalb heute ihr Gedicht.

ICH LEBTE

Ich lebte in einer Zeit,
Die hob sich in Wellen
Kriegauf und kriegab,
Und das Janusgesicht
Stieß mit der Panzerfaust
Ihr die bebänderten Wiegen.

Der Tausendfüßler, das Volk,
Zog sein grünfleckiges Tarnzeug
An und aus,
Schrie, haut auf den Lukas,
Biß ins Sommergras
Und betttelte um Gnade.

Viel Güte genossen
Die Kinder,
Einigen schenkte man
Kostbares Spielzeug,
Raketen,
Andern erlaubte man,
Sich ihr eigenes Grab zu graben
Und sich hinfallen zu lassen tot
Zu den stinkenden
Schwestern und Brüdern.

Schwellkopf und Schwellbauch
Tafelten, wenn es bergauf ging,
Zander und Perlwein.
Die Erdrosselten saßen
Die Erschossenen mit am Tisch
Höflich unsichtbar.

Um den Himmel flogen
Selbständig rechnende
Geräte, zeichneten auf
Den Grad unsrer Fühllosigkeit
Den Bogen unsrer Verzweiflung.

In den Sperrstunden spielten
Abgehackte Hände Klavier
Lieblichen Mozart.

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Ich habe nachgeschaut, ob die Anfangsbuchstaben wirklich immer groß geschrieben werden, und manchmal denkt man, ob es wohl so sein kann, aber es kann.

Lehrer (Guru)

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Wenn ich jemals in Indien einen Guru gehabt haben wollen hätte,
dann wäre es der Monsoon gewesen. Ich bewundere seine Arbeit
schon seit vielen Jahren, obwohl ich nicht mehr da bin wie früher,
wenn er kommt, und jetzt kommt er überhaupt nur noch selten.
Manchmal geht er überall sonst hin, nur nicht hier, wo doch hier
die Quelle der Schöpfung ist! Das akkurate Lesen von Zeichen
verschwindet. Das Auseinanderdriften des Kollektivs hat zur Folge,
dass die Zusammenhänge nicht mehr erkannt werden. Als ich vor
Jahren hier ankam, hat man das Wesen des Natürlichen noch
täglich kommuniziert. Es hatte mit offenem Blick und Gesprächen
zu tun, und mit ihren Inhalten.
Der Monsoon hinterlässt Spuren. Wenn man wie ich es liebt, in den
vorüberziehenden Wolken unvergleichliche Kunst entstehen und
wieder vergehen zu sehen, der liebt auch die Wände, an denen der
Meister gearbeitet hat. Was habe ich nicht alles an ihnen sehen
dürfen, als die Luft noch rein war und die überzeugende Sicht noch
in allen lebendig. Der Monsoon bewirkt das sich Verändern von
Farbe. Auf die ersterbenden Werke kommt neuer Anstrich. Der
Meister hat sich verzogen.

Fremde

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Als mich die ersten Nachfragen meiner afrikanischen und afghanischen Freunde aus Deutschland via WhatsApp erreichten, wie es mir „dort“ ginge, da wurde mir klar, dass auch ich nun wieder „Ausländerin“ bin. Ich weiß aus Erfahrung, wie lange es dauert, bis man einen Ort bzw eine andere Kuktur als ein „Zuhause“ empfinden kann. Jemand hat mal gesagt, dass Zuhause da ist, wo einen niemand rauswerfen kann. Es hat auch was mit offiziellen Daten in Papieren zu tun: der Pass, das Visa, die Aufenthaltgenehmigung. Früher habe ich mal ohne Visa und mit abgelaufenem Pass in Tempeln gewohnt, einerseits im System integriert, andrerseits durch meine eigene individuelle Schöpferfreude gelebt. Ich habe Feuer gehütet und Asche gesäubert, sprich: ein paar wesentliche Dinge von der Pike auf gelernt, zB auch wie man ein Messinggefäß reinigt, oder wie man ein Feuer am Leben erhält, obwohl es zu erlöschen droht. Wenn man eigene Ordnungen dazufügt, sind sie einfacher einzuhalten. Früher oder später stößt man auf die universellen Gesetze und lernt bereitwillig, ihre Bedingungen zu achten. Bis man sich die darin enthaltene Freiheit zueigen machen kann und den eigenen Dramen und den Dramen der Anderen immer weniger ausgeliefert ist. Ich bin gerne Fremde. Eine Fremde, die gelernt hat, sich im System zu bewegen. Viel Liebe ist aus mir herausgeströmt zu diesen Menschen. Oft war es die Dankbarkeit,  für die überwältigende Schönheit des Raumes, und dass sie mich darin willkommen geheißen haben. Und Fremdheit verschwindet auch da, wo man sich dem Menschsein öffnet, ein erstaunliches Wunder: wie sehr das Menschliche sich überall gleicht! Je leichter die eigene Bürde, desto freier wird der Blick auf das Hiersein mit sich selbst und den Anderen.

Diese zwei Photos habe ich heute früh gemacht Der Hund kam und legte seine Pfote auf meinen (Barfuß)- Schuh. Das andere Bild zeigt Durga, deren Aufgabe es ist, im Eisernen Zeitalter die Dämonen zu töten. Alles bestens organisiert!

Zeitalter (Yuga)

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Das Konzept der 4 Zeitalter (Gold/Siber/Bronze/Eisen) ist zwar auch im Westen
aufgetaucht als Rad des Lebens, aber in Indien habe ich noch niemanden getroffen,
der es in Frage stellt. Überhaupt wird „In-Frage-stellen“ hier nicht gewohnheits-
mäßig angewandt und es ist einfach, sich durch ein gewisses Kopfwiegen auf eine
ungefähre Vorstellung zu einigen, denn einerseits weiß man ja das Wesentliche, und
andrerseits, was weiß man schon. Als in den Sechzigern ein erst langsamer, dann
immer anwachsender Strom von Westerners, also wir uns nach Indien
aufmachten, fielen wir u.a. durch Fragen wie „warum“, „wie“ und wodurch“ etc.
auf. Stellt man zB Fragen über die Zeitalter, fallen die Antworten sehr vielfältig aus.
So gibt es auch eine Version, meistens von Sadhus (einer Art Mönch) vertreten, die
besagt, dass die 4 Zeitalter auch immer gleichzeitig vorhanden sind und jeder
Mensch das ihm/ihr ensprechende beherbergen kann, indem man sich den
Bedingungen anpasst. 4 verschiedene Ebenen also, die man durchwandern kann.
Ich glaube nicht, dass jemand, der sich in einem indischen Haushalt laut
herumschreiend vorfindet, dann denkt: „ O weh! Jetzt bin ich im Eisernen Zeitalter
gelandet, und sich dann bemüht, in einem der drei verbleibenden zu landen, doch
da wäre dann zumindest der Zustand eingeordnet.
Wie dem auch sei, ein sehr orientalischer Satzbeginn, den auch Inder gerne
benutzen (koi baat hai), auch gemeint als „was soll’s, oder „wie auch immer“….
Wie dem also auch sei, so bin ich heute morgen phoenixgleich aus der Staubgrube
entstiegen, um direkt im Goldenen Zeitalter aufzutauchen. Es ist Donnerstag, ein
von mir mit besten Gefühlen besetzter Tag, da riefen mich Wasser und Treppen
und Steine und ich drehte meine erste Runde seit Ankunft und ging zu „meinem“
Sitz am See. Freundliches Grüßen allerseits, alle beschäftigt mit Morgenritualen.
So ein Ort voller Schönheit und Stille entzieht sich der Vorstellung, auch wenn
man sich jahrelang darin aufhalten konnte wie ich. Der Ort ging auch durch Krisen:
das unterirdische Wasser verebbte, alle Fische und Schildkröten starben, und es
gibt schon lange keine Lotusblumen mehr und keine Libellen, aber immer wieder
wird er in Schönheit geboren und täglich von Hunderten von Pilgern besucht, um
im Wasser das gesegnete Bad zu nehmen. Auch ich empfinde den Ort als einen
Knotenpunkt von Energie, wie wenn man plötzlich in freien Raum gelangt und weiß,
was „Drin-Sein bedeutet. Es gibt solche Orte auf der Erde, wo sich auffallende
Strukturen und Architekturen wie von selbst erzeugen und Erdbewohnern den
Atem rauben. Oder wir beugen uns freiwillig der Erkenntnis, dass es hier auf
unserem Planeten auch das unfassbar Wertvolle und Schöne und Hervorragende
gibt, das eigene Wahrnehmungsfähigkeit sprengt und erweitert.

Das Photo habe ich heute früh gemacht: ein Blatt auf einer hölzernen Tempelglocke.

Geld

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Bilder: 1. Der neue Schein 2. Lord of Dust 3. Gott der Logik
Während ich hier mit der Staubschlacht beschäftigt war und noch bin, stehen draußen im Land und hier im Dorf die Menschen noch immer Schlange an den Banken und den Geldautomaten. Ein faszinierender Coup von Narendra Modi, der, wie ich in Delhi immer wieder gehört habe, von den meisten Indern/Innen (?) darin unterstützt wird. Hier aber, wenn ich gegen Abend mein Staubgewand ablege und geduscht habe und ins Dorf gehe, um dort viel Chai zu trinken und Menschen zu treffen, die ich 8 Monate nicht gesehen habe, habe ich noch keine Begeisterung vernehmen können. Alle reden kopfschüttelnd über den Irrsinn dieser Nacht der Geldentwertung und diese offensichtlich sehr schlecht organisierte Revolution. Es ist so, als würde man den Boden einer Kultur unter allen Füßen gleichzeitig über Nacht wegziehen und durch einen Zaubertrick ins schlechthin Ungewisse befördern, wo ich mich ja wiederum ganz gerne bewege, nicht aber die Millionen, deren Lebenseinkommen lange unberührt in Matrazen und Krügen und unter Bettler-Sitzkissen untergebracht war, für alle Notfälle gut aufgehoben. (Und in genau diesen jetzt wertlosen 5000- und 1000 Rupienoten!)
Die Welt der Geschichten rast ins Unermessliche, denn wer hätte nicht zumindest einen Verwandten oder Bekannten vor einer
Bank schon mal einen Schwächeanfall gehabt haben! Gestern hat
mir ein Brahmane von 80 Toten erzählt, die angeblich beim
stundenlangen Warten schon das Zeitliche gesegnet haben.
Dann gibt es die frischen Fakten: das neue Geld (s.o) soll Farbe
abgeben, wenn es mit Wasser in Berührung kommt, daran
erkennt man seine Echtheit. Deshalb habe ich oben Ganesh,
den Elefantengott, neben das Photo des neuen
2000 Rupienscheins gestellt, weil Ganesh der Gott der Logik
ist. Es soll Elefanten geben, bei denen man“angeblich‘ (ein sehr
wichtigesWort hier) nach ihrem Verenden einen kostbaren
Stein im Gehirn gefunden hat, der wohl mit klarer Sicht
verbunden wurde. Man sieht auf dem Bild oben natürlich die
Komplexität, die eine Idee annehmen kann, wenn sie sich haltlos
entwickelt. Außerdem kann man auch den Staub sehen, der
noch auf der Logik ruht, bis er auch vom Hausaltar entfernt ist.
Aber zurück zum Geld: meine langjährige Freundin Lali war
gelassen über das Drama und meinte, dass endlich klar sei, dass
es im Prinzip nur um Geld geht. Ein Mann aus der Sindhi
Community fand es erheiternd, dass der Begriff des Geldvorgangs
„demonetisation“ ist, den Dämon“ (demon) also gleich am Anfang
enthält.. Ich persönlich war hoch erfreut, in meiner ersten
„Times of India“ am Platz in der Zeitung, der „sacred space“
heißt, ein paar Worte (angeblich) von Sokrates zu finden über Geld.
Hier sind sie:
„Geld als Währung“ (money as currency)

Geld is die schlechteste Währung,
die jemals unter Menschen entstanden ist.
Es vergräbt Städte, verjagt Menschen von
ihrem Zuhause. Es korrumpiert und lehrt
die wertvollsten Geister, sich niederen
Taten zuzuwenden.

This is dust

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Gestern war ja Heimkehr in das „Zuhause“, bei der Ankunft floss alles wie das Haar durch die Butter, Schlüssel in der Hand, keine Brahmanenpriestergruppe in Sicht. Eigentlich wollte ich das Kommende in Form eines Märchens erzählen: wie ich am Tor stand, im Geist das leuchtende Feld, das ich erst am Anfang des Jahres wohl erhalten zurückgelassen hatte, eine Art Klosterstille mit Küche und Espressomaschine, Toaster und mit Fenster am Wasser….wie ich also das Tor öffnete, und sah was ich sah…ja wie war es denn…wie ein Sturz von einer leeren Schloßhalle in eine leere Kaserne. Es gab nur eine Farbe: Staub. Alles grau. Nichts, was nicht grau war. Jemand hatte wohlweislich alles Kissen und Decken und überhaupt alles, was einen Raum lebendig macht, in das kleine Zimmer gepackt, wo ich schlafe. Nur Staub. Noch nie habe ich so viel Staub an einem Ort gesehen. Ich dachte an die Putzfrau und wie lange ich sie würde ertragen müssen, denn dies war kein Putzjob, sondern eine Katastrophenbewältigung. Das war der Tag gestern An ein Märchen dachte ich, weil in einem Märchen auch zuerst alles gut läuft, dann kommen auf einmal Aufgaben und Prüfungen, die man bewältigen muss, dann kommt  die Phase der Lösungen. Es entsteht Energie. Oder eine Geschichte, wie eine Frau im fremden Land vorübergehend zur Putzfee wird. Sie hatte rechtzeitig von ihrem Driver den Impuls zu einer Mini-Erleuchtung aufgenommen und wusste nun, dass das Staub war. Das war hilfreich. Nichts als Staub. Und siehe, aus diesen dunklen Gebilden, mit Kübeln von Wasser vorwärtsgetrieben, entstand wieder Erkennbares, Farbenfreudiges, Lebendiges! Ich machte dann abends die Kiste auf, die ich dort lagere, und entnahm dem Ganzen ein paar frische, staublose Items, unter denen ich in der neuen Frische endlich ruhen konnte. Das Bild oben zeigt das Tor, das nun wieder auf beiden Seiten offen ist. Man sieht da die letzten Spuren der Putz-Orgie.

Gast sein

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Das ist der Blick, den ich seit 3 Tagen von der Gast-Terasse aus habe bzw hatte, denn ich bewege mich gleich in meine eigene Herberge, die ich 4 Monate lang zur Verfügung habe. Ich bin ausgeruht und auf stille Weise erfrischt Das Schöne am Gast-Sein ist, dass man, sozusagen im beschenkter Zwischen-Raum, mal anders unterwegs ist als im „Sonst.“ Während ich schreibe oder lese, schaue ich ab und zu mal hoch, und sehe eine Mutter, die immer bei ihren Haushaltsgängen zwei kleine Kinder im Schlepptau hat. Auf dem Photo sitzen sie auch beim Wasser, während sie abspült.

Ich fand die ungeschriebene Regel, dass 3 Tage Gastsein das Angemessene ist, immer gut. Es muss aus einer Erfahrung der Menschen kommen, dass man nach drei Tagen auch weiter will, so wie ich jetzt wieder ins „eigene“Leben möchte, das eigene Leben führen und frei und dankbar Abschied nehmen von der großzügigen Geste, die Freunde einem anbieten, sodass man sich erholen und sich an ihnen erfreuen kann. Dann wieder auf die Seite der Gastgeberin wechseln, ja, gerne, oder was auch immer sich gestalten mag. Im Dorf weiß noch niemand, dass ich da bin, zumindest nicht von mir. Allerdings habe ich heute früh schon den SadarJi (von der Sikh Community) getroffen, der mir ab morgen die „Times of India“ wieder bringen wird, um das Zeitungsleseritual nicht ganz zu verlieren. Aus Papier!-
Prem Giri hat mir zum Abschied eine Pistole aus Papier gebastelt. Er war so stolz auf sein Werk, dass es mir nicht schwer fiel, mich zu freuen. Er hat es in Nepal gelernt……

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Im kosmischen Spiel gehöre ich vermutlich zu den Entschleunigungs -Partikeln. Wenn Beschleunigung angesagt ist, bin ich darauf bedacht, sie gut zu organisieren. So habe ich schon gestern den Scooter um 10 Uhr bestellt, der mich mit Gepäck zum Ziel navigieren wird. In seinem Fahrzeug, mit dem ich gestern kurz den Schlüssel zum Haus abgeholt habe, hing ein Photo von Kali Ma. Bestrebt, einen verlässlichen Bruder zu erschaffen, zeigte ich darauf und sagte „mera nam bhi hai“, aber das wusste er bereits, weil er mich seit Jahren vom Sehen kennt. Dadurch ist nun gewährleistet, dass er pünktlich sein wird, der Preis indisch, und alles wird bestens vor sich gehen.

India is great!

 

 

Prem Giri

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Ich wohne noch bis morgen bei Freunden (gesegnet sei die Freundschaft!) und fühle mich wie in einem Wellness.Hotel: indischer Tee/Chai und gutes Essen und ein riesiges Bett in einem gerade fertig gewordenen Zimmer mit genau dem westlichen Komfort, den sich ein wohlwollender indischer Geist als Freude für westliche Menschen vorstellt. Alles glänzender und teurer als bei mir in beiden Zuhausen, zwischen denen ich mich bewege, und unser Gäste-Studio in Deutschland ist, wie ich hier im Vergleich erkennen darf, eher der indische Traum einer bequemen,  und einfachen Herberge. Guter Schlaf ist in beiden Welten möglich. Hier lag ich dann noch nachmittags auf einer technisch durchgetüftelten Liege, bei der man bei 60 Grad Hitze heftige Massageknüppel über das Rückgrat geschoben bekommt, vom untersten Wirbel bis zum obersten. Man kann eigentlich nur durchatmen und entspannen, ansonsten nur laut aufschreien. Wahrscheinlich ist auch deswegen die Wunderheilrate so hoch, weil man zur Entspannung gezwungen wird. Wenn man dann nach 40 Minuten aufsteht, ist man überzeugt, etwas sehr Gesundes erlebt zu haben. Shivani wurde nach vielen Schmerzen wundergeheilt und ihr Vater kaufte ihr eine der sehr teuren Maschinen, auf der sie jetzt nicht meht liegt, weil sie ja geheilt ist. Jai ho Jai ho!

Die beiden Zeichnungen oben sind von Prem Giri. Er ist der neue Servant von Shivani und der kleine Bruder eines früheren Servants. Sie kommen aus Nepal und werden wegen der Armut in der Familie als Dienstboten in Häuser und Hotels nach Indien geschickt und meistens ausgebeutet. Prem Giri ist 13, sieht aus und wirkt eher wie 9, und ist sehr  lernbegeirig. Eine gute Chance, wenn sie Glück haben, an einem guten Ort zu landen wie hier bei Shivani. Gerade saß er neben mir und wollte auch was mit einem Stift machen. Er hat aus einem Buch eine Seite Deutsch abkopiert, um die Buchstaben zu lernen. Dann hat er die beiden Zeichnungen gemacht. Überall schreibt er seinen Namen hin, in großen Buchstaben. Prem Giri heißt „Berg der Liebe“. Er mag seinen Namen und hört oft nepalesische Musik. Er hat Heimweh, und da ich einmal 9 Jahre in Nepal verbracht habe, erzählen wir uns ein bisschen was von den schönen Dingen, die es dort gibt.

unterwegs

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Ich bin noch unterwegs und habe keine Bilder oder Vorstellungen darüber, was sich mir bei diesem Aufenthalt im viel bestaunten Indien diesmal enthüllen wird, denn die Vielfalt „ihrer“ (Bharat Mata!) Tradition ist atemberaubend, und obwohl man überall immer auf alles gefasst sein muss, muss man hier mit diesem Nichtgefasstsein permanent umgehen, man muss wach sein und es ist hilfreich zu wissen, wie es funktioniert, denn das Funktionsmittel ist das Fassungslose an sich. So war es kaum zu fassen, dass, als ich am Airport mit einigen Tausendern und Fünfhunderten in Rupien ankam, (froh, nicht gleich wechseln zu müssen), die Scheine nicht nur über Nacht wertlos waren, wie ich schon in Deutschland informiert worden war, sondern die Banken waren geschlossen, weil es keinen „Cash“ gab. Die Menschen kamen aus dem Flugzeug und hatten kein Geld zum Weitergehen, denn auch das Wechseln von Euros brauchte ja „neue“Rupien, die aber noch nicht schnell genug ankamen im riesigen Land, um ein Chaos zu verhindern. Narendra Modi, hier weitgehend als Halbgott deklariert, pushte sein Land über Nacht genau d i e 5 Minuten weiter, die uns vor zwölf noch geblieben waren. Jahrelang war es Fünf vor Zwölf gewesen, jetzt aber ein Gong! Ein bedrohliches Gemurmel im Underground, das zusammen mit dem Underground-Gemurmel des Westens und der Welt von Donald Trump etc einen dunklen Ton ergibt, der zB mit Humor erleichtert werden kann. Ich hatte zum Glück genug Kleingeld, um zu meinem alten Freund John. zu fahren, der in einer von ihm erschaffenen  Kunstwerkstatt Messing-Schöpfungen hervorbringt für 5Sterne Hotels, aber gleichzeitig auch Sadhu ist, eine Art Mönch, eben: wenn man es fassen will, entgleitet es einem immer wieder, denn es ist so, wie es ist, isn’t it? Als ich mein Geld dann spät am Abend doch auf dem Schwarzmarkt wechseln konnte mit 25% für den Dealer, da hatten wir schon ein Taxi gemietet, denn man konnte mit dem alten Geld noch Benzin kaufen. Sofort wurden neue Welten erschaffen, diesselben Gehirne wie vorher erschufen neue Profite, das erste Falschgeld ist  auf dem Markt entdeckt worden, kurz: Business as usual, höcht flexibel und gnadenlos korrupt.

Kurz nach Delhi fuhren wir in eine riesige Dreckwolke, die der Taxidriver  ruhig und gelassen und extrem sichtbehindert durchquerte… Ich fragte, was das denn sei. „Das ist Staub!“, war seine Antwort. Weiter nichts, eben indische Weisheit. Das ist Staub, was sonst, und wie wahr! Nur Staubwolke, weiter nichts.

Dann kamen wir an einen Ort unterwegs, wo er Cookies kaufte. Kurz danach, links und rechts dichter Dschungel, hielt er an und Hunderte von Affen kamen von allen Seiten auf uns zu.  8000 Affen hätten sie hier gezählt, erläuterte der Driver. Kleine, mit Gittern gesicherte Wägen hatten sich ringsherum niedergelassen mit Bananen, mit denen man füttern konnte. Leuchtendes Indien! Überall Lösung! Ich lehne mich zurück, bereits angefüllt mit Liebe und Geschichten, und lächle vor mich hin.

Ich brauche immer drei Tage irgendwo in einer Art Versteck, bis ich wieder „drin“ bin, bzw bevor ich wieder einfach draussen sein kann, oder bis das Drin und das Draussen wieder in angemessenem Dialog sind. Deshalb bin ich noch unterwegs und wohne bei einer indischen Freundin bis Sonntag und habe zwei Tage Welan.

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Das Bild ist von John’s Werkstatt in Delhi, die Sonne war gerade aufgegangen….

West/Ost Route

indien-und-bis-juni-2013-327Heute verlasse ich die westliche Sphäre und überlasse mich der Navigationsfähigkeit eines Air India Piloten, dem ich vertrauen muss, mich sicher an den gewünschten Zielpunkt, nämlich nach Delhi, zu bringen. Obwohl ich in diesem Transit ziemlich geübt bin, ist es doch immer wieder eine neue Herausforderung, sich auf ein vollkommen anders funktionierendes System einzulassen als das, in dem man „zuhause“ ist. Auch hier gilt: je tiefer die Kenntnisse darüber werden, desto komplexer wird es zuerst einmal, bevor man wieder eines Tages zu ursprünglicher Leichtigkeit zurückfindet, u.a. auch, weil man das Navigieren in der anderen Kultur gelernt, das Auge darin geschult und die eigene Art, sich darin aufzuhalten, gefunden  hat. In Indien angekommen, wird es einige Tage dauern, bis ich wieder in meinem Wohnort eine Internetverbindung habe. Ich bin fest entschlossen, weiterhin meine Beiträge in den Blog zu „posten“ und bin gespannt auf neue Formen und Farben. Ich bedanke mich von ganzem Herzen an alle, die ab und zu mal meine Beiträge lesen, denn sie sind ein freies Angebot und mich selbst hat überrascht, dass es mir sehr viel Freude bereitet hat, seit dem Juni dieses Jahres auf diesem neuen Weg unterwegs zu sein. Ich wünsche gute Navigation auf allen Wegen im Bewusstsein darüber, dass man die Route immer wieder neu optimieren kann, ua auch durch Bestimmung der Eigengeschwindigkeit.

mit herzlichen Grüssen ins Bald

Kalima

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/07/Kali_Yantra.jpg

Karl Jaspers

Der Wille zur Wahrheit

Dieser Wille ist in seiner Haltung zu charakterisieren:
Ansichhalten im methodischen Fragen; Offenheit des
Blicks; unendliche Bewegung in die Weite, in die
Gefahr der Bodenlosigkeit, aus der erst Rückkehr zur
existentiellen Gegenwart erfolgt; unendliche Reflexion
und Vertrauen auf den entgegenkommenden Grund;
Verwerfen aller Grenzen, wenn sie Schranken werden
sollen; kein Vergessen und kein Erlauben einer Lebens-
Lüge; Wagnis des Sehens; Phantasie des Möglichen;
Gerechtigkeit. Es ist der von der Vernunft geführte Wille.

Oberfläche

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Gib nach, du Oberfläche des Wesens –
gib ab, Strand der Alltäglichkeit
die widrige Beute des Nein, damit das
leuchtende Flechtwerklose sich
offenbare als unwiderrufliches Sein.

Sprunggleiche Schwelle
des übersehenen Gebots!
An die nicht mehr denkenden Lippen
legt sich erlösendes Mundtot.

Gib nach! Oberfläche des Wesens.
Brich ein in das spielende Ja der Natur
und ihrer widerspenstigen Tagesgleiche
im Verhältnis Nur zu Noor.

 

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Man kennt den Begriff „Noor“  im Westen fast nur (!) durch den Diamanten Koh-i-Noor, was „Licht des Berges heißt. Noor also: Licht. Für mich verbinden sich damit die Begriffe „Nu“ als der fließende Moment, in dem alles enthalten ist, und „Noosphäre, unterschoedlich definiert zu bestimmten Zeiten, und heute oft verstanden als die Sphäre des Internets im Sinne eines Raumes alles möglichen Gedankentums. Ich finde auch das Wort „nur“ im Deutschen sehr schön als Kontrast zu noor, da man es genauso ausspricht.

Klang

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Für uns verengt sich zuerst der Raum,
bevor er erneut sich weitet in Formen
der Zeit und sich wieder öffnet zum
Ätherblau. Was ist wirklich geschehen?
Ein tiefer Klang! Der lässt mich das
Unbekannte umarmen und annehmen
und leise an der Schwelle sagen: Ja, ich
wage den Schritt in ein inneres Zuhause
und lausche der Sprache des Unsagbaren.

In diesem stillen Geheimnis treffen sich
unsere Geister auf den Straßen der Zeit,
hier im Jetzt, unabhängig von Orten und
Worten, wo wir sehen, wie Wesen nach
Wesen doch ruft unter und hinter dem
Schleier hervor, damit das herzenthüllende
Wort sich finde. Rede, die kundtut den Ruf
nach dem Ort der befreiten Bewegung. Dann
erst: so vieles gefühlt – und so wenig entbehrt.

 

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Das Bild zeigt das utopische Alphabet von Thomas Morus in „Utopia“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

kennen

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Kannte dich nicht
Ich kannte dich nicht
Ich kannte dich einfach nicht
Wie konnte ich auch
Ich kannte es nicht
Das Kennen von dir
o Mensch

Meldung

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Wenn der Traum sich meldet und ich wandre hindurch,
schauend, bis sich der Körper erkennt an den Eingeweiden,
dem Bildungsvorgang, dem Einnehmen und Verschlucken,
dem Verdauen und Wiederkäuen, da werden lautlos die vielen
Arten und Erwartungen und Ausübungen wieder und wieder
betrachtet. Wenn das System sich dann auflädt: das ist bei
weitem noch nicht die Annäherung an die Person, die Ich-Form,
die das alles zu walten und zu schalten wohl vorgibt, vom
Traum aber noch nichts ahnt, bis er sich meldet und sich Auge
und Ohr verschafft. Du Traum, du großer langer schöner
weiter Traum, du unheimlicher, du studierter, erforschter,
belesener, bewusster, verwegener, verborgener, verdrängter,
erlesener, geöffneter, gewaltiger Traum mit deinen Höhlen
und Gruben und provisorischen Brücken, mit deinen Schultern
und deinen Nacktheiten, deinem bedingten Bedingungslosen,
mit deiner Verschmelzsucht, deinem Symbiosewesen. Du
Hinterzimmer, als Quelle missverstanden, als Ort verfehlt,
als Fuß vermieden, als Leben deklariert. Wo habe ich den
Schlüssel hin getan zu deinem Schloss?
Ein Schlüssel meldet sich. Er ist nicht so geartet, wie ich
erwartet hatte. Wohl aber liegt die Kunst des Öffnens und des
Schließens einfach auf der Hand. Durch meinen Willen
ausgerichtet, bewegen sich die Finger mit Entschlossenheit.
Zwischen mir und dem Anderen nur eine Schwellenbreite.
Die trennt beim Überschreiten das, was nicht ist, von dem, was
wirklich ist. Das schlafende Auge erwacht. Wie kann man es
erkennen? Sein ist, und weiter sind wir bisher nicht gekommen.
Doch eben da befinden wir uns doch. Und du?

Schichten

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Dann fiel ihr Blick auf Dinge, die wie
abgelegt erschienen. Die kamen nun hervor
aus großen Fernen, deutlich gewinnend an
Gestalt. Die Art und Weise atomarer
Wirklichkeiten mit sich nehmend, an denen
Welt und Wesen hängen.
Was hier geschieht, kann niemals wirklich
weichen. Es kann betrachtet werden und
zu einem Grad verstanden. Durchlaufen
und erfühlt kann es wohl werden, und auch
sich selbst befreien durch die erforschten
Wege, doch weichen kann es nicht.
Was aus der Quelle sich geformt und sich
der Existenz ergeben hat, ist da und wird
Geschichte von Geschichten. Aus Schichten,
Schichten, Schichten von Erlebtem wird es
zu Tälern und zu Bergen, von Tiefen zu den
Höhen, und von der Höhe zurück zum Tief.
Chor:
Wir senken nun den bloßen Blick ins Leer. Wir
lassen los, was einst gebunden war. Wir folgen
dem Gesetz, das ohne Länder und Namen in
uns ruht. Wir folgen einer Weisung, jenseits
von Gedachtem und jenseits von gelebtem
Tod. Wir schenken den Gebeinen Ruhe.
Wir schenken dem gebannten Herzen ein Erwachen.
Wer nicht am Grunde eigenen Wesens die Vernichtung
spürte, die zur Versenkung wurde, findet den Weg
nicht zu der Schnur zurück. Verliert sich in der Nacht
endlosen Machens, was wiederum das All nicht rührt.
Es bleiben Sachen, die vorüberziehen…..

Gong

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In der Dunkelkammer des Seins hat sich ein
Bild scheinbar ganz von selbst entwickelt.
Es ist nicht belichtet. Doch es ist auch
kein weißes Blatt, denn wir sehen Konturen
und Streifen, die weisen auf Undeutbares hin.
Das Auge, das in Wolken sonst Formen erkennen
kann, scheitert hier an der Übermüdung des
Sehenwollens, wo es gar nichts Sichtbares gibt.
Es wehrt sich gegen die Täuschungsmanöver,
nimmt lieber das Unheimliche wahr, das nun
da ist unter den 10 000 Dingen. Wenn das
unbelichtete Etwas lächelt, zeigen sich
Wirkungen auf der Haut, den Tieren zugeordnet.
Im Raum ist es still. Da erst hört man den Gong.

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Auf der Karte steht: „Denn die im Dunkeln sieht man nicht.“

Mascha Kaleko

Kaleko_Beitrag

Rezept

Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
geht es um dich oder ihn.
Deinen eigenen Schatten nimm
zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug
und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
im großen Plan.
Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.

 

Riss in den Heldentaten

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Trauert, o Chöre der Götterstimmen!
In erhabener Sprache und als Sagen
wurden uns früher die schlimmen Dinge
in das Verständliche übertragen. Doch
schlimmere Dinge noch sind uns geblieben.
Wir hören den großen Atem der Taten versiegen.
Die leeren Throne werden erstürmt von Toren,
von Menschen und Göttern nicht auserkoren.
Die Angst geht um, dass sie mächtiger werden.
Die Klugen verstummen. Es herrscht
Ohnmacht auf Erden. Müde greift die Hand
in den Bücherschrank, schlägt auf die
ägyptischen Klagen: sie sagen dasselbe,
nur mit anderen Reimen und Stimmen,
die das Unerklärliche in den Ausdruck
wagen: Wir gehen in Trauer wegen dem,
was in der Welt geschieht. Das Rätseln
um die Quelle dunkler Dummheit,
die kein weiser Kopf erzieht.

 

flüchtig

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Trink, Bruder, trink! Trink aus
den dich spiegelnden Wassern!
Trink dich voll von dir,
trink dich leer und gib acht!
Dich umspült schon das Gift von
den Meeren, das du selbst in
den Umlauf gebracht. Schon öffnet
ein größerer Mund als der deine
den Abgrund der Verwegenheiten.
Trink, Bruder, trink!
Lass dich voll laufen von dir.
Nackt liegst du vor den staunenden
Augen am Ufer: die Augen,
das sind wir. Trink, Bruder, trink,
bis es eng wird in deiner Haut.
Bis du verstehst: es gab nie wirklich
Menschen, die ihr Herz auf dich gebaut.
Dein Herz, Bruder, ist trunken von sich,
das lässt nicht mal Raum für deinen
eigenen kleinen, flüchtigen Traum.

 

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Mit einiger Bewunderung sieht man im politischen Raum hohe und sicherlich angebrachte Diplomatien ihre Formen entfalten. Ich aber will fassungslos bleiben, bis eigene Ordnung sich wieder innen erschafft. Das Ausmaß des Geschehens und seine Wirkungen kann ja nicht einfach geleugnet werden. Ich höre der eigenen Sprache zu und meinem Schweigen. Alles Gesagte kann manchmal nur Korn sein in der Wüste.

 

führen

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Es zittert innen wie außen
das Bild wie Espenlaub.
Ich reihe mich ein in die Schmerzen
der Dichter und den Worte-Staub.
Nur die wahren Töne können den
Toten das Leben entlocken, das
sie führen – durch sie. Hört auf sie!
Sie führen den Tod in das Leben!
Ich lasse mich nicht mehr zurück,
sondern fasse mit tiefer Berührung
das mir zugestandene Geschick.

zu ende

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Das Spiel ist zu ende.
Alle Bauklötze verbraucht.
Keiner mehr, dem man etwas
vormachen könnte.
Immer weniger Zuschauer.
Geht nach Hause,  ihr Menschen,
und ruht euch aus von dem
Mangel an Glanz.
Denn von jetzt an
kann man erwachen.

bewegen

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Eine Frau fragte sich, ob es wohl
einen letzten Schritt gäbe, der
zu tun sei für ihre Anwesenheit.
Sie sah endlose Schritte über den
Abgrund des Seins gleiten.Ein
Feuer verglühte über der Asche.
Jeder Schritt eine Unmöglichkeit,
jeder Versuch eine Lähmung,
ein Schrei. Das Etwas, das ihren
Kopf sorgsam über die Wasser
lenkte, das nennen wir Gnade,
ein Ort der befreiten Bewegung.

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Von diesen Mini-Stories habe ich letztes Jahr 21 verfasst, immer sehr direkt aus einem Moment geboren, der schnell vorüber war, nur dieses flüchtige Erfassen ist geblieben und lässt nun all das Verschiedene zu, was es auch sein kann, oder nichts, oder all das, was es auch für mich war, bevor es zu diesem Nu kam, mein Nu oder der Nu eines/r Anderen. Heute zB dachte ich an Hillary Clinton und das Bangen um den Ort der befreiten Bewegung, zumindest um Schlimmeres zu verhindern. Eine Frau aus Nigeria, die gestern bei uns zu Besuch war, fragte im Hinblick auf diese Situation: „Wie konnte es dahin kommen“, eine Frage, die wir gut kennen und die mE noch niemand wirklich beantworten konnte.

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Noosphäre

Poem For La Malinche.

Nooriel Nahtlos lebte im
Großen Nihilo Trotzquam.
Das Trotzquam war Spiel-Raum.
Nach allen Seiten offen, war es
doch nach unten begrenzt
durch Dichte, in der sich die
Erde und ihre Gesetze befand.
Im Trotzquam herrschte  das
stille Noor, und nur die Null
war Macht und Licht des
Gedankens von Noor. Quelle
und Ursprung von Trotzquam
war Unschuld, und alles
außerhalb war Spiegel, in dem
sich die ewige Ruhe verlor und
fand. Das Zentrum von Noor
hing ab vom Nichts als Wahrheit,
und Wahrheit war Zentrum von
Trotzquam. Nooriel Nahtlos
lebte im Zentrum von Noor und
liebte das Noor und das Licht,
die Stille, den Großen Tod und
die Liebe. Nooriel Nahtlos liebte
das Noor, und die, die es liebten,
lebten auch im Nihilo Trotzquam.
Da können wir ja auch gleich eines
der schönen, unsterblichen Lieder
anstimmen, die aus dem Herzen
des Nihilo Trotzquam emporstiegen,
und zwar ist es das Lied von der
Nanoor die im Noor lebte:

Es war da
die Nanoor,
die lebte nur
im Noor, sie
trug auch
keine Uhr
im Noor.
Der Nu war
nur der Nu
Nanoors
Kein Du in
Nanoors Nu.

 Es kam
Janoon
dazu, im
Poornima
der Moon,
kein Zufall von
Monsoon, nur Noor.
Im Urnoor der Nanoor,
nur Noor von Ur zu Ur,
nur Noor, nur Noor in
Nanoors Kur. Kein Urtun
der Form nur, ein Urton
der Kur pur, der Urton von
Nur Nu, nur Noor. Das Urdu sah
da zu, vom Urnoor sah es zu. Vom
Urnoor kam auch Nanoor. Urdu auf
Nanoors Spur, Noor Spur. Du Urdu, Urdu,
Du, Du bist das Urdu pur, nur du, noor du, Nanoor.
Nur zu, Nanoor, nur zu, nur pur, Nanoor, noor pur
tanzt Nanoor auf der Schnur, im Licht von Nur zu Noor.
UrNu, nur Du, Noor Du, du Urnuruhe du, du Urlicht du, noor
Du,nur Du. Du Urlichtruhe du, du UrDu Urdu du, du bist der UrNu pur.
Du Urdu Urdu Du, nur Du, Nanu Janoon nur du, du bist das Du, noor du.

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Das Photo (von mir und meinem Einst) habe ich aus dem Netz gefischt. Der Beitrag dieses schwer singbaren Liedes habe ich auch nur zu meiner eigenen Freude heute hier veröffentlicht. Es macht klar, dass man nichts verstehen muss, um ein Lied aus dem Trotzquam zu singen.

Ernst Meister

Ernst Meister

Hier
gekrümmt
zwischen zwei Nichtsen,
sage ich Liebe.
Hier, auf dem
Zufallskreisel,
sage ich Liebe.
Hier, von den hohlen
Himmeln bedrängt,
an Halmen
des Erdreichs mich haltend,
hier, aus dem
Seufzer geboren,
von Abhang
und Abhang gezeugt,
sage ich Liebe.

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Dieses Gedicht habe ich mal unterwegs in WDR5 gehört und war so berührt davon, dass ich sofort im Netz danach gesucht habe. Dann verschwand es in meinem Notizbuch bis heute. Ein guter Tag für ein  gutes Gedicht. Blessed be the net!

Zeichen

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Was mir vertraut ist,
legt verborgene Kammern frei –
wird dort zu Wegen, die zu Weiten führen.
Das Unbeirrte breitet unterwegs sein Wesen aus.
Das Wesen zeigt sich mir in Reflektionen, die
schweigend sind und reich an Möglichkeiten.
Sie ziehen heilsam ihre Zeichen zu sich hin,
zu mir, die ich auf beiden Seiten Spiegel bin:
der Kern der eigenen Sehensweise, die
Stetigkeit des ewig neu Eröffneten,
die Wirkung und ihr Sinn.

 

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Bild: Ein Wasserbecken in unserem Garten

Schlüssel

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Ich werde bewegt durch den Schlüssel,
der gleichzeitig Kreis ist und Tor, und
die Seherin in mir fühlt sich sicher auf
dem unbeweglichen Augenlid unseres
gemeinsamen Schauens.
Nun, da entwaffnet von dieser Lösung
und gleichsam geschliffen vom
Antrieb des Menschseins, von sich
selbst durch sich selbst noch enthaftet,
bleibt mir der Blick auf das ewige
Rätsel erhalten, und im Nu bin ich
Schlüssel, bin der Kreis und das Tor,
bin bewegt vom Nichts des Gleichzeitigen.

Regung

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Dann kommt ein Tag,
nicht wirklich d e r Tag,
aber doch eine Ahnung davon,
wie es ist, wenn das Ich sich ergibt
und der Geist nur e i n e n Ort hat
zum Aufenthalt. Wenn der Zwiespalt
in der Tat sich verdichtet zum Luft-Schacht
und Substanz sich ausrichtet zu scheuem
Empfang. Wenn der Schatten meiner
Befindlichkeit eine Stelle des Hauses
bewohnt, an der kühler Regung fällt
auf die Ängste des Daseins.

Quelle

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Geh hinein zur eigenen Quelle.
Mach die Tür auf, wirf den
Schlüssel fort – begebe dich mit
leichtfüßigen, festen Schritten
an deinen selbstbestimmten Ort.
Betrachte das vertraute, festliche Treiben
und empfinde als dein, was dein ja schon
ist – und sei es. Wer soll dich abhalten,
wer dich vertreiben vom Wissensdurst,
vom Forschungsdrang, vom unermüdlichen
Gehensprinzip durch Öffnen und Erschließen,
Gang um Gang, diesem warmen Atem entlang,
entlang am grenzenlosen Vorwärts – einfach weiter
und weiter betrachten und sehen, was du siehst.
Dann beim Sitzen den Körper aufrichten
und mich von innen ansehen, wie Stille
sich anfüllt mit Licht.  Das leuchtet hinaus
über den Gartenzaun und überholt die klugen
Formen der Not, die dem Leisen befehlen,
was nicht zu befehlen ist. Öffne also den
Ort deines Aufenthalts und zeige dich,
wie du wirklich bist.-

 

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Die Artischocke im Bild habe ich neulich für 90 Cent erstanden und auf die Heizung zum Austrocknen gelegt (etwas Besseres fiel mir nicht ein). Dann, auf einmal, entdecke ich diese violetten Blütenstengel ohne Wasser und taufrisch herauskommen, die, wie ich lese, Achänen genannt werden, ein schönes Wort, das ich noch nie gehört habe. So denke ich nun, dass der Text auch um das Hervorblühen von Achänen geht, wenn die Trägerform einerseits oder auch die Betrachter der Form mit dieser wunderbaren Enthüllung gar nicht mehr gerechnet haben.

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Schmerz

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Wer könnte den
Schmerz verachten?
Ich liebe auch dich.

 

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verwundet

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In den Häusern der Verwundeten tobt es.
Nicht die Geister toben, sondern die Wunden.
Die Wunden wurden geschlagen, die
Wunden schlagen zurück, von wo auch immer,
von wann auch immer. Doch so beliebig
ist es nun auch wieder nicht. Eher: das Lieblose,
das im Dunkel vergangener Tage und Nächte
an die Wiege des Ungeliebten führt, wiegt nun
in einem vom Damals ziemlich weit entfernten
Tag den Schrecken des Ungeliebten im Arm.
Das Kind ist gezeichnet mit seinen wunden
Ornamenten, so als könnte das Geschehene
niemals zu eigenem Schmuck gedeihen. Den Tag
im Schatten der Normen durchschreiten –
erfühlen des kalten Miteinanders brennende
Not. Ich selbst muss hinein in die Flamme und
erfassen den Schmerz in der auferstandenen
Asche, muss erfassen und lesen lernen die
Glyphen auf dem beschrifteten Blatt des Blutes.
Was hier drängt, ist nicht nur der Schrei inmitten
von verschlossenen  Strukturen, sondern hier
schreien auch Bruch und Fadenscheinigkeit
eines Friedens, unter dem die Erde erlischt.

Olaf H. Hauge

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Wie lange hast du geschlafen?

Das wagst du,
schlägst die Augen auf
und schaust dich um?
Doch, du bist hier,
hier in dieser Welt,
du träumst nicht,
sie ist so wie du sie
siehst, die Dinge hier
sind so.
So?
Ja, grad so,
nicht anders.

Wie lange hast du geschlafen?