beitragen

Im Bild sieht man ein von mir beigetragenes Wahlplakat, klar, etwas spät, aber ich werbe ja auch nicht für eine Partei, sondern für eine Art der Gelassenheit im Angesicht des Unvermeidlichen. Es ist ein meinungsfreier Beitrag. Nicht, dass ich  nicht auch mal darüber nachdenke, warum die Grünen von uns jahrelang auf grün Ausgerichteten nicht mehr gewählt werden wollen,  jaja, „verde, que te quiero, verde“(Grün, wie ich dich liebe, grün (Lorca), das ist lange her, und der unmutige Finger drückt dann doch CDU, weil der dazugehörige Kopf eigentlich nichts Schlechtes sehen kann an einer Zeit, wo das Land in guten Händen ist, nicht nur Merkels, sondern Schäubles und Steinmeier etc, und ein exzellenter Regierungssprecher haben Hände im Spiel, echt. Aber gut, die rumorenden Stimmen können auch verstanden werden, letztendlich kann so vieles scheinbar verstanden werden, sodass es Zeiten gibt, wo man gar nicht so viel verstehen will, bzw. man schaut schon hin und lässt wirken, ohne zu viel Meinung draus zu basteln. Mein Wahlplakat oben zeigt eine zugegebenermaßen ziemlich seltsame, aber genderoffene Figur beim Kontemplieren während der Wahlwoche, oder auch schon vorher, und danach auch. Das Fenster zeigt genug Himmel, um zu wissen, dass draußen alles weitergeht, und auch die Sonne ihre Ferien und Auftritte hat. Was man dann auch bedenken kann ist, wie geradezu unheimlich gut es uns allen geht, sodass automatisch Nörglerstimmen auftauchen, die denken, wenn es den Menschen zu lange zu gut geht, fangen sie an zu klagen und brauchen eine Opposition, eine Erschütterung, die die Erde, auf der sie friedlich leben, mal so richtig durchackert. Aber wenn man selbst beobachtet, sieht man gar nicht so viel Ackern, das ja auch in friedlichen Zeiten möglich ist, doch nun ist es wohl eher so, dass viele alles haben, was ihr Wunschprogramm aufgerufen hat, und jedes Verlangen hat am Anfang und am Ende eine Grenze, es ist die Natur des desirabelten Habens, dass es den Geist schwächt, der nicht auf ein Weiterleben vorbereitet war. Ich meine jetzt ein Weiterleben mit sich, denn das ist ja nochmal etwas anderes als mit den Dingen. Da kann es dann passieren, dass man erkennt, dass man sich aus den Augen verloren hat und ist froh, dass man an eine Wahlurne zitiert wird als verantwortungsvoller Wähler, der dadurch wieder daran erinnert wird, dass er eigentlich frei ist und wählen kann. Und die Ignoranz-Schelte hat man auch schon hinter sich und weiß, dass man über einen halbtoten Menschen nicht achtlos steigen sollte, denn das wird teuer. Ja also meine Gedanken für eine Partei, die es nicht gibt, wären eine gelassene Grundstimmung, in der man, wie das Wählerwesen auf meinem Plakat,  schon gedankenorientiert ist. Wie will ich leben? Und lebe ich so, wie ich möchte?, könnten zum Beispiel die Fragen lauten. Zugegeben, auch nicht so spannend, oder vielleicht doch. Derweil regiert Angela Merkel, die engelsgleiche Hochdiplomatin, das erstaunlicherweise doch sehr gesundheitlich angeschlagene deutsche Volk, wie wild unterwegs zu Yogakursen und Yudoübungen und Rehabilitationszentren, sodass man gar nicht mehr weiß, warum alle so krank sind, wo der Frieden doch gesund sein soll. Ja also Frau Merkel führt das oft elendlich klagende Volk der alles Besitzenden als Landesmutter durch die Seelenkrise. Das Ding ist eben, dass wir die „gute“ Zeit kreativ oder wie auch immer nutzen können. Who knows, was kommt, es sitzt uns ja schon seit Jahren im Nacken, und der Frieden ist erstaunlich lang und anhaltend. Ja also ich würde dann, im Ernstfall interviewt, doch auch die Partei des bedingungslosen Grundeinkommens wählen und bei der Stimmensammlung mithelfen, und das wäre doch auf der bürokratischen Ebene chaotisch und aufwühlend genug, bis es klappt. Da könnten alle lamentieren was das Zeug hält, aber viele wären auch ziemlich zufrieden mit dieser Revolution, und alle wüssten auf einmal, dass sie keiner zwingt, kein Gott und kein Boss, auf den Straßen und in den Staus der Welt ihr Leben zu genießen, oder auch nicht.

belastet

In jedem verbrachten Leben bekommt der oder die Lebende unter anderem mit, dass neue Worte entstehen, die man sich entweder erschließen kann oder sie verschlossen oder ungehört halten. Oder sie gar nicht erst hören. So habe ich heute zum ersten Mal das Wort „Parentifizierung“ gehört und weiß, dass ich manchmal auch gerne diejenige bin, die ein Wort noch nicht zu Ohren bekommen hat. Nun gibt es viel Fachliteratur und Menschen schreiben ungeheure Werke, die kaum einer verstehen kann. Wir kannten mal einen Physiker, der auf der Nobelpreisliste stand, in dessen Lebenszeit es angeblich nur einen einzigen Menschen gab, der seine Formelwelt nachvollziehen konnte. Offensichtlich muss diese akrobatische Mystik auch ein Resultat hervorbringen oder irgend etwas weiterbringen, was irgendwem noch nicht weit genug gediehen scheint. Sinnfragen und ihre Grenzen. Aber wenn einem breiten Publikum ein zutiefst erschreckendes Wort wie „Parentifizierung“ untergeschoben und dann die übliche Statistik dazu geliefert wird, kann man das schon mal auf sich wirken lassen. Ich habe also verstanden, dass es eine hohe Anzahl von Kindern gibt, das nur in Deutschland registriert, die mit süchtigen oder hochdepressiven Eltern aufwachsen, die sich nicht nur kaum um die Kinder kümmern können, sondern das Kind übernimmt die Elternrolle und wird dadurch im natürlichen Ablauf seines Lebens gestört. Wie kann ein Kind solche Zustände einordnen? Ich muss gerade immer mal wieder wegen der ein paar Wochen alten Katze bei uns im Haus an die Zartheit und Ungeschütztheit von Kindern denken. Nicht um Kinder und Tiere zu vergleichen, sondern um wahrzunehmen, wie so ein offener Geist, der noch keinen Schaden erlitten hat, sich für alles Bewegliche interessiert und sich unter einem aufmerksamen Blick spielerisch der Welt zuwendet und wie leicht das Wesen erschrickt, wenn sein Dasein nicht beschützt und willkommen geheißen wird. Und das Gestörtsein des Menschen wird dann als zur Gesellschaft gehörend deklariert oder ein Begriff gefunden, mit dem man es nennen kann, bis die vielen Fallbeispiele in den Büchern erscheinen, die man selten vor Augen bekommt, auch weil die Sprache dann zu spezifisch wird  und sich neue Welten bilden mit dem diskutierten und angewandten Wissen, sodass das Gestörte besser zugänglich wird. Und vor dem Gestörten liegt der Schmerz. Ist das dem Kind Zugemutete zu überfordernd, muss es notgedrungenerweise abgespaltet werden und wirkt im Schicksalsdrama in eigener Regie, die als das eigene Erleben gar nicht mehr erfahren werden kann. Meine Mutter hatte auch gewisse Suchttendenzen, die ich immer als angenehm registriert habe. In meinem Familienkreis haben alle Frauen leidenschaftlich geraucht. Meine Mutter ging auch unterwegs mal gern ins Kasino und für diese Gänge „durften“ wir schon mal älter aussehen, mit hohen Schuhen und so, weil wir ja auch rein dürfen mussten in die Halle, denn wo sollte sie uns lassen? Das war für mich aber nicht so belastend, sondern belastend war, dass sie oft lange nicht da war, und meine Schwester mich vollkommen in Anspruch nahm, und all meine Aufmerksamkeit forderte, mit der ich eigentlich mein Eigenes vorhatte. Das ist auch so ein tricky Effekt: es wird sich nicht um einen gekümmert, dann kümmert man sich aber ein Leben lang um andere. Und wenn man Glück hat, fällt es einem eines Tages auf, dass man sagt „ich kann nicht mehr“, und es auch tatsächlich hört. Wenn man merkt, dass man sich selbst nicht hört oder keinen Ausdruck findet für das Ertragene, ist es wirklich ratsam, Begleitung zu holen, bis man die Worte hat. Man braucht die Worte, um sich zu verstehen und sich anderen verständlich zu machen, wenn das gewünscht ist. Ja, eigentlich kann ich sagen, dass ich mich erst jetzt erhole von der Bürde, die meine Schwester, natürlich unbewusst, auf mich geladen hat, indem sie von mir als Kind gefordert hat, sie in meine Welt einzuschleusen und dort mit meinen kreativen Passionen zu unterhalten, was zu ungeheuren Anstrengungen geführt hat, die sich ins wahrhaft Unsägliche gesteigert haben. Allerdings waren meine Eltern in der ihnen gegebenen Zeit ziemlich gesund und humorvoll unterwegs. Dass man das Bewusstsein für Menscherzeugung nicht verantwortungsvoller vermitteln kann, ist klar. Verblüffend ist es trotzdem, dass Menschen so verhältnismäßig einfach hervorgebracht werden können, die dann zB parentifiziert, heißt: hochgestört unter uns herumgehen, beladen mit unausprechlicher Last. Da kommt dann wohl das sogenannte Glückselement dazu, wenn man auf Wesen trifft, mit denen man sich erholen und zu sich kommen kann.

Hilde Domin

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Rückzug

Ich bitte die Worte zu mir zurück
Ich locke alle meine Worte
die hilflosen

Ich versammle die Bilder
die Landschaften kommen zu mir
die Bäume die Menschen

Nichts ist fern
alle versammeln sich
so viel Helle

Ich ein Teil von allem
kehre mit allem
in mich zurück
und verschließe mich
und gehe fort
aus der blühenden Helle
dem Grün dem Gold dem Blau
in das Erinnerungslose

weiden

Draußen nebelt es ziemlich intensiv und die Trauerzypresseneinsamkeitsgedichte wandern durch die Gehirnwindungen. Aber es ist Samstag, der Tag, den ich mir gönne für das Sinnfreie. Das hat mich nicht abhalten können die letzten Samstage, großartige Produkte für den Weltmarkt zu entwerfen zur kostenlosen Bereicherungschance, aber das möchte ich heute nicht, an Weltmarktprodukte denken zu müssen durch selbsterzeugten Ideenzwang, sondern ich möchte etwas Erfrischendes für den Hausgebrauch vorschlagen anhand meines eigenen Konstruktionsbeispiels. Die Idee dahinter strotzt geradezu vor Schlichtheit, denn man braucht lediglich eine minimale Fläche, die einem winzigen Podium ähnelt, meine ist 10 cm im Quadrat und braucht nicht höher sein als 2cm. Diese Fläche nennen wir eine „Augenweide“. Allein das Wort A-u-g-e-n-w-e-i-d-e transportiert einen in eine Wohlbefindlichkeit. Nun hat man eine eigene Augenweide und kann im Raum nach Dingen suchen, an denen man weiden will. Man bringt also die Augen in Umherstreifbewegung, das gefällt ihnen und sie werden wach und aufmerksam. Da die Weide klein ist und auf jedem Schreibtisch einen angemessenen Platz einnehmen kann, gilt es nun, Objekte zu erspähen, die darauf passen. Vielleicht erschrickt jetzt so mancher Erwachsene, wenn er oder sie einsehen muss, dass im Zimmer keine ganz kleinen Dinge herumstehen oder liegen, die man dort auf der Weide zum Leben erwecken könnte. Gut, das macht ja nichts, denn es ist Samstag. Wenn man Kinder hat, kann man bei ihnen nachschauen, ob da im üblichen Spielzeugchaos was Passendes rumliegt. Wenn nicht, kann man z.B. ein kurzes Wort aus der Zeitung nehmen und die Augen daran weiden lassen. Das Wort muss dann natürlich Weidenpotential enthalten, sonst ermüden ja die Augen. Bei meiner eigenen Weide dachte ich zuerst auch an Gras. Man könnte auch eine 10 cm große Grasfläche draußen rausschneiden und die Augen zum Beispiel auf dem Schreibtisch sich genüsslich auf dem frischen Gras mit dem satten Grün auftanken lassen, denn bei dem im Volksmund „Sauwetter“ genannten Klimazustand der letzten Tage kann es leicht passieren, dass man, obwohl man Gummischuhe besitzt, trotzdem nicht gerne hinausgeht, da kann man den Augen trotzdem Trost bieten. Aber mit meiner ersten Weidenkomposition bin ich auch ganz zufrieden. Ich fand bei mir diese indische Pyramide, der ich auch damals, (nebst vielen TouristInnen) nicht widerstehen konnte, denn sie besteht aus drei Teilen, bei denen jeweils verschiedene Überraschungen auf einen warten. Außerdem liegt in meiner Pyramide noch ein Geheimnis, das sich nicht so leicht lüften oder heißt es liften lässt. Es ist ein Auge, das auch als Ohr wahrgenommen werden kann. Würde ich das jetzt erklären, wäre ja das Geheimnis futsch. Dann lag vor mir bei den Stiften dieser Löwenkopf, der der Pyramide einen majestätischen Eindruck verleiht. Das Gehirn stellt sich auf Wüstenkulturen ein. Im ersten Bild meiner Weidenfläche sieht man vorne ein Geschenk unseres ehemaligen, sehr geschätzten Druckers. Es ist ein Messingstreifen, auf dem in Spiegelschrift „inspire“ steht, das habe ich auch schon lang nicht mehr angeschaut. Inspire! Alles ist Aufruf zum Lebendigen! Ja, dann sieht man im zweiten Bild meiner Augentrost-Weide die drei Teile mit dem Geheimnis, von Tieren bestaunt,  und zu guter Letzt zwei Schafe, die sich in der Pyramidenfläche spiegeln. In der Zwischenzeit ist man ziemlich gut drauf und kann sich anderen Dingen widmen. Aber man kann von meiner Idee des Augenweidens auf der eigenen Augenweidenfläche als erster morgendlicher Gehirnmassenbewegungssport durchaus profitieren.

umgehen

Interessant, dass das Wort „Umgang“ sich noch beschäftigt mit dem Anwesenden, „umgehen“ aber schon eine Distanz ausdrückt. Wir alle sind gefordert,  uns einen entsprechenden Umgang mit Dingen und Menschen und Tieren usw. anzueignen, und wir können auch auf Distanz gehen, wenn das Vorgefundene unserer Befindlichkeit nicht entspricht. Spätestens hier würde es in einem gemeinsamen Gespräch zu sehr unterschiedlichen Äußerungen kommen. Das sogenannte Wissen über das Menschsein ist jederzeit zugänglich, sodass auch die Vorstellung verbreitet ist, man wüsste automatisch, was man hört oder liest oder sagt. Auch wenn mein Blick zuweilen über meine kleine, exzellente Ansammlung von Büchern mit gut durchdachtem Gedankenwerk schweift, würde es mir schwerfallen, zu sagen, was davon in meinem eigenen Gehirn so eine Tiefenwirkung ausgelöst hat, dass sich etwas davon, wenn auch in homöopathischer Dosis, in meinem Leben umgesetzt hat. Außerdem wird man meist von dem angesprochen, was einem zusagt und einem entspricht, wobei es dann zu weiteren Feldern kommt, wo man lernen muss, mit dem umzugehen, was einem gedanklich und wesentlich gar nicht entspricht. Mir wird immer wieder mal vermittelt, es gäbe so wenige Menschen, die sich tief und ernsthaft um die eigene Seinsweise kümmern, mit der sie sich als Mensch unter Menschen komfortabel fühlen. Dann wiederum dauert es so lange, bis der Komfort im eigenen inneren Wohnbereich als komfortabler Raum empfunden werden kann, ein sehr anregender Zeitvertreib, sich die Architektur des persönlichen Wesens einmal auszumalen. Ist es hell oder eher halbdunkel belichtet, sind die Räume offen oder verschlossen, gibt es Stockwerke und Ebenen, auf denen man herumwandern kann und vielleicht finden, was der Vorstellungskraft verwehrt war? Immer wieder gab und gibt es Meister dieser Innendehnungen, die den Beobachtern des Seins eine Möglichkeit schenken, den Blick zu weiten in das uns selbst Unvorstellbare, wie zum Beipiel Escher oder Borges. Lehnt man sich allerdings zu weit hinaus auf Galerien, die man nicht sorgfältig gebaut hat, kann es zu Unfällen und Abstürzen kommen. Wir alle konstruieren unsere Welt, bewusst oder unbewusst, und sind entweder im fließenden Strom beheimatet oder vom Zugzwang der Geschehnisse geprägt. Meist kennen wir beides. Oder man trabt mal eine Zeitlänge auf einem verlockenden Pfad entlang, den man für den Pfad der Pfade hält. Und wann und wodurch gurgelt das erlösende Lachen hervor? Alle Menschen, denen wir begegnen, sind ein gigantisches Programm an inneren Vorgängen, die oft erst durch gesuchte Hilfe oder Hinweise entheddert werden können, beziehungsweise bewusst gemacht. Alles, was innerhalb des persönlichen architektonischen Stils beobachtet und bewusst gemacht wurde, greift nicht mehr aus nach uns mit den Krakenarmen. Wer soll unsere Systeme entstören? Auch von Freud wird berichtet, dass er von gesunden Menschen ausging. Hat er sie gefunden, oder ist es eher so, dass wir ausziehen in die Forschungsgebiete des menschlichen Universums, weil wir nach der Entstörungstechnik suchen, die dieses Phantom der Gesundung als Wegweiser hat. Immer ist alles da, auch der gesunde Menschenverstand, auch die Fähigkeit, sich selbst zu erkennen und zu verstehen. Ich selbst fand die Kulturen immer bemerkenswert, die das menschliche Verhalten und den Umgang mit dem Vorgefundenen als einen Blick auf den Tod empfohlen haben, auch wenn ich selber auf die Idee des Weiterlebens keinerlei ausschließenden Wert mehr lege. Die Einstellung, einen guten Tod erleben zu können, muss auch nicht zu einer Todeskarotte mutieren, aber ich eigne mir hier das heutige Bild an, das mir mal als Vision weitergegeben wurde, und mache mein eigenes draus: man sieht also eine Terasse, die mit ihren schlichten Säulen den Rand des Horizonts streift. Darauf erscheint irgendwo eine dem/der Dahingehenden entsprechende Ausblicks -und Lagermöglichkeit, und die dazugehörige Stimme sagt herzlich: schön war’s, und jetzt ist es Zeit zu gehen. Ich wünsche allen Anwesenden weiterhin gutes Gelingen. Für diesen schlichten Moment ackert man sich letztendlich durch die Daseinsfelder.

Bild: die kleine Figur in dem Rot ist eine Arbeit und ein Geschenk von Alfred Bast.

entdeckt

Bildergebnis für Gleichgewicht
 Ich habe einen Artikel über ein kolumbianisches Volk gelesen, das oberhalb von Santa Marta in den Bergen beheimatet ist. Sie sehen es als ihre Lebenspflicht an, von diesem Ort aus alles im Gleichgewicht zu halten. Ein Gesetz, das am Anfang der Dinge da war. Schon vor dem Christentum wird von ihren Ahnen überliefert, dass die Natur bewahrt werden muss. Die ganze Welt ist für sie ein lebendiger Körper, alles mit allem und alle mit allen verbunden. Materie und Geist, Sichtbares und Unsichtbares. Wer das Gesetz nicht befolgt, verstößt gegen dieses Gleichgewicht, verursacht Katastrophen und Kriege. Auch ihre Kleidung harmoniert mit ihrem Auftrag……Bis hierher bin ich fast wörtlich dem Verfasser des Artikels gefolgt, berührt von der Klarheit und Eindeutigkeit dieser Einstellung. Nun ist nicht nur er dort hingekommen, sondern andere waren da und werden kommen, und es wird geschehen, was ich aus der Wüste Thar kenne: sie werden in aller Unschuld Interesse zeigen an den Neuerscheinungen, und sicherlich sind sie nicht davor bewahrt, in die Welt der Kriege und Roboter eingeschleust zu werden. Christen waren auch schon da und haben ihr Gehirn gewaschen mit einem Zeug, das nicht nur nicht geeignet war für sie, sondern etwas war, wofür sie sich heute schämen: dass sie verführbar waren durch das für sie Unbrauchbare. Ich bin nicht für das Schämen an sich, aber es gibt so viele komische Feiertage, die man m.E. durchaus mal variieren könnte mit einem „Tag des Schämens“, wo getrauert wird um das, was anderen Völkern angetan wurde. Nun hat dieses Volk wieder ein Mitbestimmungsrecht, und erinnert sich an das Verlorene. Dass man es sich nicht wirklich gut gehen lassen kann, wenn es anderen schlecht geht. Ist es nicht paradox, dass hier auf schlichteste Weise deutlich wird, wie weit wir entfernt sind von solch überzeugendem Gedankengut. Und wie unumkehrbar unser Weg geworden ist. Andere Völker fallen uns ein, die entdeckt wurden von einem, der es genau wissen wollte, und dem ich danken muss, dass ich ihn teilweise zitieren kann, denn ich war nicht in Santa Marta und wusste bis heute nichts von dem Volk. Diese Menschen haben Zeremonien, um die Harmonie der Dinge wieder herzustellen. Ein Mann, mit dem der Verfasser des Artikels dort gesprochen hat, hat auch gesagt, dass man das Fremde kennen muss, um das Eigene verteidigen zu können. Und dass der Gedanke der Vergeltung ihnen fremd ist. Er sagt, dass, „wenn du mir schadest, ich dir nicht schaden darf, sondern ich muss mich von dir fernhalten und eine Zeremonie abhalten, damit du dein Gleichgewicht findest.“ Ich selbst habe den Artikel überflogen und wurde dann darauf aufmerksam gemacht. Er ist in der „Zeit“ erschienen und geschrieben von der dorthin Gereisten, (aha, eine Frau! entdecke ich gerade,, da kann ich mal sehen, wie sicher ich war und nun die ganzen männlichen Artikel stehen lassen werde), sie heißt Alexandra Endres. Alexandra Endres war in den Bergen von Kolumbien über Santa Marta bei den Arhuacos.

 

unfassbar

Als mir klar wurde nach der unausweichbaren Nachricht von Beate Zschäpes Verurteilung zu lebenslanger Haft, dass es nie wirklich dazu kam, dass ich tiefschürfendes Interesse an diesem langatmigen Gruseldrama entwickeln konnte, und habe heute zum ersten Mal mit Freunden darüber gesprochen. Wie war das so für Euch, wollte ich wissen. Mir kam es  vor, als wäre ich selbst gar nicht in Deutschland gewesen, und es stimmt, zu der Zeit verbrachte ich schon die Hälfte des Jahres in Asien, und meine politischen Einstellungen, soweit schon vorhanden, waren in den Sechzigern etwas versandet, oder hatten völlig andere Richtungen und scheinbar grenzenloses Neuland vor Augen. Vor allem, wenn genug Leute derart erzürnt sind über ihre Lebenssituation und keine Möglichkeiten sehen, selbst darin etwas zu gestalten, blühen extreme Formen des Umbruchs hervor. Zuerst haben die Gedankengruppierungen keine Namen. Die einen müssen sich vor der Polizei hüten, weil sie Cannabis rauchen oder andere Drogen nehmen, die anderen reiben sich auf miteinander und müssen etwas gemeinsam im Schilde führen, das dann im schlechtesten Fall zum Morden führt, wenn ihre Vorstellung von Gerechtigkeit sich nicht durchsetzen kann. Wenn wirklich geschadet und gemordet wird, nimmt das Ganze hässliche Formen an, und man sollte sein Gehirn nicht unnötig damit beschäftigen, wenn man ähnliche Phänomene schon einmal reflektiert hat. Nicht immer führen die Wurzeln eines gesellschaftlichen Zurückgeworfenseins ins Nichtige in Bündnisse, die terroristische Handlungen als angebrachte Antwort auf das durch ihre Augen Gesehene wahrnehmen. Aber, wenn ich mit Verlaub nochmal Sokrates mit einem ihm zugeschriebenen Gedanken nennen darf, so wundert es schon, dass so viele bereit waren und sind, mit sich selbst als Mörder das weitere Leben zu verbringen. Und dass „Liebe der Verzicht auf Mord“ ist, fällt mir auch noch dazu ein. Es sollen ja viele Liebende auch gemordet haben, aber kann man sich Mord wirklich als Liebe vorstellen, oder geschieht nicht eher vor dem Morden etwas mit den Gefühlen, was zuerst nicht auffällt, sich aber immer mehr zeigt? Es wird ja noch stets mal gerätselt, wie vor allem die führenden Mördergehirne im Dritten Reich gerne sehr liebvoll abgelichtet wurden: „Seht, seht!, ich bin kein Ungeheuer, sondern tue das Angemessene. Auch im Umkreis von Zschäpe wurde vermutlich gelächelt, auch wenn ich staunen kann, wie unsympathisch diese Frau auf mich gewirkt hat. Vielleicht kann s o totale Gefühllosigkeit aussehen, ein persönliches Zulassen von Kälte, ein Sich-einrichten im Hass als einem Wohnort, der einem immer angenehmer vorkommt, da man sich als eigenen Feind nie erkannt hat. Schon damals also: raus mit den Fremden! Und da sitzt sie nun, die lebenslang Inhaftierte, für alle nur noch die Verkörperung des Feindlichen und Fremden und nicht mehr Erreichbaren, sich selbst und damit allen gegenüber menschlich erkaltet. Bei solchen Prozessen wird ja viel öffentlich nachgedacht und kommentiert, einfach weil sich viele Berufstätige um das Unfassbare kümmern müssen, das nicht gelöst werden kann und auch diesmal nicht wurde. Auch die Fähigkeit, sich in die Gehirne Anderer hinein versetzen zu können, hat eindeutig seine Grenzen. Schweigen kann ja auch sehr beredt sein. Es kann gut sein für den Schweigenden, und es kann schaden. Aber was heißt schaden? Was hätte man besser verstehen können, hätte sie geredet? Das hat bestimmt auch so manchen beruflich Gerechten hochkochen lassen, der sich für beherrschter hielt: dass da jemand sitzt, die vermutlich alles weiß, was gerne gewusst werden würde, und sie hat eben diese Route gewählt. Die Nebentussi hat man ihr nicht abgenommen. Man kann so ein Spiel nur bedingt lange aufrecht erhalten. Aber wenn man gutes Spiel gar nicht kennengelernt hat? Oder sich nicht dafür entscheiden konnte? Und was ist gutes Spiel? Auf der anderen Seite des sogenannten Bösen, banal und erbärmlich und kleinkariert, wie es immer noch scheint, habe ich ganz ähnliche Verschlossenheiten gesehen, nämlich da, wo das Erhöhte geheiligt wird. Das liegt sehr nahe beieinander, und in jedem Klub, an jedem Stammtisch, in jedem Familienkreis, in jeder religiösen Vereinigung usw. kann man die Spuren dieser gefährlichen Wege sehen. Missbrauch und Mord und leise Verurteilung des einem nicht vertraut Vorkommenden richten sich ein in den Korridoren der Welt, als wäre die totale Abschreckung des Unmenschlichen nie geschehen. Immer war sie da. Und da ist sie noch immer. Daher, egal von welcher Richtung und von welchem Gerichtssaal man kommt, man stößt auf Delphi. Eben: Delphi ist überall.

Das Bild wollte ich schon mal in den Papierkorb werfen, aber heute passt es ganz gut, finde ich. Es fängt einen Hauch vom unfassbar Schrecklichen ein.

man

Erstmal muss ich tief durchatmen. Die Frage an mich könnte heute früh zB. lauten, warum ich mir das antue, morgens, wenn auch nur 3 Minuten, die Nachrichten anzuhören, wenn ich dann ungern hinterher etwas verdauen muss. Was heißt verdauen, oder gut, verdauen. Hilft es wirklich (mir) zur Kultivierung eines Mitgefühls, das schon gar nicht mehr weiß, wohin mit sich? Auf jeden Fall unterbricht es erstmal die verhältnismäßige Harmlosigkeit meiner eigenen Gedanken und schweift hin zum Zertrümmerten, oder zum Erdgebebten und zu unvorstellbar Überschwemmtem. Klar, Mitgefühl und Dankbarkeit für das bisschen Regendüsternis vor dem Fenster. Wenn ich ein paar Minuten vor den Nachrichten einschalte, bekomme ich manchmal unfreiwillig noch ein paar christliche Worte mit und das turnt  auch  ab mit diesem Prediger/innengesäusel. Heute erzählte ein Pfarrer, wie er an einer Haltestelle mit einem 80-jährigen Marokkaner ins Gespräch kam, der vor 40 Jahren hier seine Knochen ruinierte bei der Schwerarbeit des Abfallsystems, denn die Tonnen mussten damals noch eigenhändig hochgestemmt werden. Es war in der Zeit, da wieder Reichtum im Land zunahm, und das neue Kastensystem fand die üblichen Wege. Natürlich war es auch in der Vergangenheit die Sprache, die zu solchen Vorgängen führte. Wer nicht Sprache kann, muss Abfall heben oder putzen. Als ich mit der befreundeten Frau aus Afghanistan auf Arbeitssuche war, ging es nur um das Putzen. Als dann die Arbeit im Putzkreis erklärt wurde, das war bei der Deutschen Bank, da waren außer mir nur ausländische Frauen, aus Bulgarien, Rumänien, Russland, Afghanistan usw., alle in Not und voller Hoffnung auf Einstellung. Wir trafen uns im Keller, ich war Übersetzerin, obwohl Furuzan sich auf Deutsch verständigen kann. Wenn man dann die Gelegenheit hat, immer Stücke aus dem verlorenen Leben zB eines Landes wie Afghanistan von einer Familie zu hören, dann kann man sich besser vorstellen, was hier alles passiert ist, um dann im fremden Land dankbar zu sein, dass man putzen darf. Nicht jeder ist sprachbegabt. Die menschlichen Fähigkeiten der Einzelnen sind nur über die Kultur zu verstehen. Aber wer kann sich schon vorstellen, wie das ist, wenn man vor diesen Horden fliehen muss, für die ein Englischbuch einen Grund bietet zum Morden. Dann tauchen oft kleinere Formen desselben Irrsinns in der geretteten Familie auf. Furuzans Familie, das sind Schiiten, ihre Tochter hat einen Sunniten geheiratet, das musste auch noch aus den üblichen Spannungen herausgeholt werden. Man bekommt in der Fremde manchmal einen leichteren Zugang zum Absurden, das lange als normal deklariert wurde. Überall herrscht das Absurde unauffällig und saugt die Furchtsamen in die Glaubenskonstrukte, wo die dunkle Seite des Gleichgesinnten gezüchtet wird. Ob es  auf dem Planeten wirklich einen sich gleichenden Sinn zwischen Menschen gibt, kann ich mir nicht wirklich vorstellen, denn wie kann sich mein und dein Sinn jemals gleichen. Ja, man nähert sich an durch das gemeinsame Interesse an bestimmten Gedanken oder Vorgängen oder inneren Inhalten, aber das Gelingen davon hängt sehr von der räumlichen Offenheit ab, die zwischen Wesen möglich ist. Je mehr Raum, desto mehr Freiheit der Entfaltung. Das hängt auch von der Einstellung ab, mit wem man im Strom der vielfältigen Menschheit in Kontakt kommen möchte, und auch, ob man es will oder kann. Mir ist jetzt öfters aufgefallen, wie oft ich das Wort „man“ benutze. Das hat mich vor Jahren schon mal beschäftigt, als ich den Satz schrieb „Man wehrt sich dagegen, dass Menschheit am Boden ist“  und ja, wer wehrt sich? In der Zwischenzeit habe ich mich für das Wort entschieden. Albern fand ich immer, wenn man es partout als „Mann“ lesen wollte, um dann „frau“ einsetzen zu können. Da kann man von mir aus in den Haarspaltersalon gehen, den ich erfunden habe. Es stimmt, dass es im Englischen auch beides heißt, Mann und Mensch, das ist auch in Hindi so. „Man“ ist für mich eine Möglichkeit, eben nicht „ich“ zu sagen, wenn mir das unangebracht erscheint, also immer, wenn ich „man“ benutze. Es deutet auf etwas Allgemeines hin, das ist richtig. Ich beherberge in mir schon sehr lange ein „Wir“, das diesem „Man“ ähnelt. Es ermöglicht mir, eine unbestimmte Anzahl von Menschen anzusprechen, von denen ich ausgehe, dass ich mich gut mit ihnen verständlich machen könnte oder kann, wenn Begegnungen zustande kommen werden oder würden. Ansonsten müssen sie gar nicht stattfinden, aber ich fühle mich auf eine gewisse Weise mit ihnen verbunden. Es sind allerdings die direkten Begegnungen oder Beziehungen im persönlichen Umfeld, mit denen man beschäftigt ist, wo sich das Gedachte oder Reflektierte oder Bewusstgemachte auch umsetzen kann und letztendlich muss, will man nicht als hohler Spiegel durch die Welt wandern. Deswegen geht es in dieser medial gesteuerten Zeit nicht nur darum, zu sich selbst zurück zu kommen, sondern auch aufmerksam zu bleiben den menschlichen Kontakten gegenüber, und ob die selbstverständliche Annahme, dass man ein lebendiger Mensch ist, sich auch bewahrheitet hat.

resonieren

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Bildergebnis für resonanzfrequenz formel
 (Resonanzfrequenzformel)
Resonieren“, ein schwingendes Wort, überhaupt: mitschwingen ist seine Bedeutung, und klanglich ganz in der Nähe von „räsonieren“, was irgendwie auch ein guter Ausgleich dazu ist, wenn man die Bedeutung “ über etwas vernünftig nachdenken“ nimmt. Resonanz ist vermutlich eine der allerersten Erfahrungen, die wir machen. Wer weiß schon, wie früh das anfing oder nie weg war und die Frage, wenn eine auftaucht, eher die ist, in welchem Resonanzfeld mein Erscheinen  stattfand. Wer fragt schon nach in Übereinstimmung von totalen Privatsphären miteinander, wer mit wem so einen Raum gestalten kann, dass es einem Ankömmling bei der Licht-der-Welt-Erblickung einigermaßen gut geht. Das ist wohl bis heute so für alle Wesen, die grad da sind oder mit Ankommen beschäftigt, dass so ein Resonanzfeld, in dem wir aufgetaucht sind, bedacht werden muss, um das eigene Rätsel des Daseins zu lösen, und dadurch mehr Zugang zu erhalten zum größeren Mysterium, was es ist und bleibt. Das, was einen bewegt, möchte verstanden werden und kann nur nach gewissen gewissenhaften Durchgängen auch wieder gelassen werden. Welchen Einflüssen war ich ausgesetzt? Selbst wenn in schaurigen Katastrophen, wie sie zur Zeit wieder in überwältigendem Maß am Wüten sind, zwischen Menschen tiefe Verbindung herrscht, kann ein Kind das Unheil sicherer überstehen, kein Zweifel. Aber Haushalte, aus denen Menschen harmlos wirkend auf die Straßen der Welt gehen, können kalte Zonen sein, die keinerlei Räumlichkeit bilden, weil alles in ihnen erstarrt ist. In jedem Fall läuft das Leben ab für alle, obwohl es immer welche gibt, die sich beklagen, dass sie nicht gefragt wurden. Wie kommen sie auf solche Gedanken? Vermutlich hat man sie nicht willkommen geheißen, denn warum sollten sie sich hier auf dem Planeten nicht zuhause fühlen, da wir nichts anderes kennen als das. Auch als Fremdem/r kann es einem gut gehen, als Durchwanderin, als Zeugin, als Liebende, als Abenteuerin oder als Bloggerin undsoweiter. Meine Eltern haben sich geliebt, das fand ich immer ganz hilfreich. Sie kannten sich nur sieben Jahre und lachten ziemlich viel miteinander. Wer weiß, wie es später geworden wäre, aber who cares? So war es, und ohne ihn war es dann anders. Meine Mutter wurde Erhalterin, reiste viel und genoss ihre Freiheit. Mir bekam es ganz gut, meiner Schwester gar nicht. Sie brauchte wohl was anderes als ich, eine andere Resonanz, ein anderes Feld. Und wer weiß, wie schwer unser Schicksal durch diese Anfänge geworden ist, oder ob wir uns vor allem mehr oder weniger in Resonanz mit uns selbst bewegen können und dadurch einen scheinbar leichteren Umgang mit den Dingen erwerben. Wenn, auf welchem Weg auch immer, klar wird, dass ich nur selbst bestimmen kann, was für mich gut ist, dann bleibt mir nur die Selbsterkenntnis. Ich bin selbst immer mal wieder darüber erstaunt, dass es einer Entscheidung zu benötigen scheint, ob man in Verbindung mit sich selbst treten möchte oder auch nicht. Von außen kann auch Resonanz als vielerlei erscheinen: als gutes Benehmen, als Ablehnung, als Gleichklang usw. Vermutlich hat es auch mit dem zu tun, was man selbst jeweils ist, und dass man oft mit der Resonanz darauf  stets rechnen muss, denn es wird konstant verglichen, projeziert, räsoniert, gespiegelt, kopiert, beneidet, nachgemacht, alles Formen der Resonanz. Man kann ein erschaffenes Resonanzfeld auch wieder verlassen, wenn es einem nicht gut tut, und man kann es als eine förderliche Herausforderung sehen, sich dem Vorgang zu stellen und zu schauen, was man damit zu tun hat. Denn ist man in falschen Resonanzformen gefangen, tut man gut daran, sich aus den Fängen solcher Zumutungen zu befreien. Niemand ist schuld und niemand verantwortlich für mein persönliches Umfeld und was ich darin erfahre. Es dauert ziemlich lange und ist eine Reifungsschwelle, wenn ich wirklich mal alle als Verursacher meiner Schwingungsfelder in Ruhe lassen kann und die Kraft habe, mein und jedermanns Ausmaß an Freiheit wahrzunehmen, und dass tatsächlich jede/r nur sich selbst hat als Hinweis darauf, mit was man hier umgehen muss oder will oder kann. Bin ich frei genug und fähig, der Mensch zu sein, der meiner Vorstellung entspricht? Denn d i e bildet man sich ja auf dem Weg zu sich hin, und wie auch immer man die innerste Wahrnehmung von sich selbst dann definiert, so bleibt man doch bis zum Tod anwesender Mensch, der als ein Ausdruck des Schöpferischen wahrgenommen wird aus dem Feld heraus, das er oder sie erschaffen hat. Oder gar kein Feld und gar kein System? Gerne!, aber noch hat man es nicht gefunden, das Systemlose, und wissen kann man auch nicht viel mehr, als die Tatsache, dass man existiert. Alles andere ist Spielfeld.

Bild: Die Formel als Schönheit vielleicht in dem Sinne, dass man nicht immer alles verstehen muss, um die Schönheit des Existierenden anzuerkennen-.

Basavanna

Bildergebnis für basavanna

Schlaf, große Göttin Schlaf
Herrin der drei Welten

wickelt jeden um ihren Finger
saugt sie leer
nimm ihnen den Atem
und wirft sie kraftlos nieder

Ich kenne keinen Helden, der
vor ihr bestehen kann
Getroffen von ihren Pfeilen
erheben sich die Menschen
und fallen

Spaltkunst

Eigentlich ist es ganz schön, mit tropfendem Regen zu erwachen, es kommt auf die innere Befindlichkeit an. Die Spalt-Photos zeigen die ersten Tropfen, die vor meinen Augen herumhingen, und man spürt die Nüstern der kollektiven Aufatmer, wenn es doch vielleicht noch ein Rasenmähtag werden will. Die drei Minuten Nachrichten, die ich mir morgens beim Schminken gönne, waren auch nicht wasserfrei, im Gegenteil waren sie voller Wasserunheil und voll von fliehenden Menschen, die ihre Haut ins Trockene bringen, aber nicht wissen, ob sie ihre Häuser wieder vorfinden, wenn das Vorhergewarnte tatsächlich eintrifft. Dafür, dass die Erde manchmal als so klitzeklein im All herumschwebend beschrieben wird, sind auf ihr doch Unmengen von Menschen gerade auf der Flucht. Die einen fliehen vor dem Feuer, die anderen vor kranken Gehirnen, die nächsten vor Wasser. Wo kann man das alles unterbringen. Man kann es eben nicht, und man muss auch nicht alles in sich beherbergen, so als hätte man die Galaxien als Stauraum gemietet. Dabei ist der Samstag, nein, nicht wie in Indien dem düsteren Saturngott gewidmet, sondern mein Samstagmorgen ist dem lockeren Marktlückenprodukterfindungstag gewidmet, an dem ich mich für das kaum Machbare einsetze, mit dem man ein Goldesel werden kann. Ich lasse also meine Gehirnwindungen und die Synapsen und alles, was da oben so unglaublich wichtig scheint, ein paar Lockerungsübungen machen. Als Abschluss davon erzeuge ich sehr kurz einen Altar, auf dem eine Minitomatenabspaltung (siehe oben im Bild) zum Symbol meines Erfindungsreichtums wird, der sich nirgendwo beweisen muss. Gut. Dann lasse ich die Idee sich entfalten. Heute ist es ein unglaublich feines Instrument, sagen wir mal die Hälfte einer Rasierklingenbreite, und am besten setzt man dieses Wunderwerk ein in eine Silberfassung, damit es handhabbar wird. Dann macht man sich an die mühselige Arbeit der Leaflets, so an die 100 000 Stück für`s Erste, und aquiriert sich dusselig, bis eine angemessene Kundschaft erzeugt ist. Denn hier kommt der erste perfekte Haarspalter auf den Weltmarkt!!! Das leuchtet sofort einem millionenschweren Kundenkreis ein. Wer kennt nicht den besorgten Blick, vor allem der Frauen, auf das an den Spitzen gespaltene Haar, das sich trotz aller biologischen Nachspüllotions partout nicht zusammenfügen will. Genau da setzt die (psychologische) Wirkung des Produkts ein. „Die verblüffende Kunst des Haarespaltens“ steht nun an den Fenstern der profitträchtigen Salons. Teuer, aber beeindruckend. Indem man statt hilflosem Zusammenfügenwollen einmal alle Haare kunstvoll gespaltet hat, hat man ganz nebenher aus einer Brüchigkeit einen doppelten Gewinn gemacht. Da die Haarspalterei zeitaufwendig ist, kann man während des Prozesses im Haarspaltsessel entspannt reflektieren, wie aus Zwei selten Eins wird, egal, wie viele Hilfen dafür eingespannt werden. Das gespaltene Haar, um das sich nun gekümmert wird, führt mühelos zur gespaltenen Psyche, um die sich noch gekümmert werden muss. Hat man sie alleine, oder ist sie eine Volkserscheinung!? Sind Gut und Böse etwas nicht gleichmäßig bedacht worden, und einem davon wird immer Vorrang gegeben? Denkt man von sich als richtig lieb, führt es zur Spaltung, oder man denkt sich richtig bös zurecht, führt es auch zur Spaltung. Nun hat man sich aber günstigerweise zur totalen Haarspaltung entschieden. Wenn diese die Haarwurzeln erreicht und man das ganze Ausmaß des Vorgangs begreift, kann es einem durchaus besser gehen. In immer größer werdenden esoterischen oder sogenannten spirituellen Verbänden kann man das Produkt auch „Die tantrische Klinge“ nennen. Na, wenn das nicht zündet! Man könnte da auch noch ein Mantra dazubasteln. Ich gebe gern ein Beispiel aus meiner eigenen Zauberkiste:
OM! Shrim! Plem! Plem!
Frage:
Was spinnst du, was spinnst du,
was spinnst du da so alleine?
Antwort:
Aus meinem Faden rinnen Spielwiesen,
die fangen den schlafenden Riesen ein.

versichern

 
Mir kommt es irgendwie absurd vor, dass gerade in einer Gesellschaft, wo es eigentlich den meisten ziemlich gut geht, Versicherungen aller Art eine heimliche, unmäßige Rolle spielen. Verständlich, dass das Erworbene abgesichert sein möchte und soll, und ich bin auch froh, dass unser Haus versichert ist, denn in der Tat können immer ungeahnte Stürme übers Land fegen, und das beruhigt und beschäftigt einen ja nicht täglich. Und ja, gut, eine Krankenversicherung, das musste ich dann doch, wenn auch spät, einsehen. Ich bin aber zum Beispiel nie auf die Idee gekommen, in eine Lebensversicherung einzuzahlen. Mein Leben versichern? Ach so? Wie soll das denn gehen, und wer erkühnt sich hier, dafür eine Verantwortung anzubieten!? Der Auslöser für diese Gedanken war, dass ich gehört habe, es gäbe eine Arbeitsunfähigkeitsversicherung, in die man schon ganz jung einzahlen sollte, sagte die Expertenfrau. Das wäre zwar was teuer, aber aber…was aber? Ja, sagte sie, wenn man dann irgendwann mal arbeitsunfähig geworden sein würde, was ja passieren könnte, dann hat man sie, obwohl, sagte sie, das auch sehr kompliziert sei und von allem Möglichen abhängig, für das man dann in dieser eh schon tristen Situation die üblichen Ämter abklappern muss, ob man dafür überhaupt in Frage kommt. Das Absurde hat Methode. Es wird einem eingeflößt bald nach der Muttermilch, dass was Unsägliches passieren kann, jaja, da sollte man rechtzeitig vorsorgen. Vor-sorgen, auch so ein schwächelndes Wort, das mit dem Zeigefinger in vorgefertigte Wege weist: Ja, du auch, du wirst schon sehen, wenn du nicht vorher schon Sorge trägst, bevor irgendwas kommt, das dich daran erinnern wird, dass du was nicht richtig gemacht hast, nämlich vorgesorgt. Aus der Schufterei der Vorsorge entstehen dann Erb (sünden, hätte ich beinahe gesagt), nein, Erbschaften, die ganz schnell unglücklich verlaufen können, weil hier in einem Volk schon Millionen derart vorversorgt sind, dass sie gar nicht mehr zu selbstbestimmtem Denken kommen. Nicht, dass jeder so ein Denken möchten müsste, aber es wird auch durch Versichertes leicht verhindert. Mir geht’s ja oft um Wurzeln und Hintergründe, und nicht wegen Lösungsorientierung, sondern es fasziniert mich, wie oft das Absurde als normal deklariert wird, sodass die berühmte „Menge“ Menschen gar nicht angeregt wird, mal genauer hin zu schauen, was da eigentlich mit ihnen gemacht wird. Ein Leben kann man nicht versichern, denn egal, wie man es lebt, es bleibt im besten Fall ein Abenteuer im Ungewissen. Genau dieses Ungewisse, was immer da ist, macht es möglich, den Menschen alles, was sie dagegen tun können, zu suggerieren, und damit Kohle zu scheffeln. Wie, du kannst nicht gut schlafen? Nimm doch Rexodron (erfunden), das wirkt rasch und lässt dich entspannt an den Meeren der großen Welt wandern, sagt etwa das Bild der lockeren Frau an einem Strand, den es nirgendwo mehr gibt: leer und sauber. Die Arbeitsunfähigkeitsexpertin wies noch darauf hin, dass drei von sechs arbeitenden Frauen vor allem wegen Depressionen frühzeitig arbeitsunfähig werden, da ist es schon ratsam, dass man, am besten als Kleinkind, eine Versicherung abschließt. Wenn es da nun einen riesigen Vorhang gäbe, den man lüften könnte, um dahinter zu schauen, dann würde man ein erschreckendes Zittern und Zaudern und Zagen vorfinden, das mit geisterhafter Macht die versicherten Wesen verbindet, denn da herrscht die totale Verunsicherung. Menschen werden krank von dem, was sie erschaffen haben, denn Versicherung hat nicht nur die Kraft, zu beruhigen, sondern sie ist ein nagender Zahn am eh Vergänglichen und Unabwendbaren. Und was, wenn es gar nicht kommt, das Erwartete!? Dann fühlt man sich betrogen wegen dem Preis, der daran hing. Vielleicht hat Indien ein paar Jahre dafür gedient, dass die, die das Ungewisse gelockt hat und die es haben aushalten können, dort lernen konnten, wie das geht. Ich erinnere mich an ein Ehepaar aus Deutschland, das auf der Suche nach der Tochter im Dorf ankam und ich zufällig mit ihnen ins Gespräch kam. Fassungslos fragten sie mich, wie das zu erklären sei, dass ihre Tochter zuhause alles habe, und nun sitzt sie auf dem Boden und übt das Chapati-Machen auf einem Lehmherd und behauptet, das mache sie glücklich. Die meisten von uns gehen ja dann wieder zurück in ihr Land, denn man schätzt seinen Pass und macht gern auch Anderes als das Überleben in einer grandiosen Anarchie. Aber man hat auch was Bleibendes verstanden vom Leben und von dem, was auch möglich ist. Zum Beispiel das Zutrauen in die eigene Wahrnehmung, ohne dass sie immer wieder dadurch ins Wanken gerät, dass man Anderen überlässt zu wissen, was für einen selbst gut ist. Weiß man das aber einmal, kann man sich auch Anderen wieder aufmerksam zuwenden.

 

Das Bild ist von Magritte

fühlen

Jahrelang habe ich es als wesentlich empfunden, zwischen „Gefühlen“ und „Emotionen“ zu unterscheiden, denn im Emotionalen, bzw. dem Wort, steckt die schnelle Bewegung, die kurz mal da ist und einen auch ergreifen kann, aber dann verzieht sie sich wieder und lässt einen los. Man denkt ja gerne, dass es ganz viele Gefühle gibt, aber ich weiß immer noch nicht wie viele, und ob es überhaupt viele gibt. Vom griechischen Theater konnte man einiges darüber lernen, denn man wusste oft von den Grimassen auf den Masken, was gemeint ist. Auch im Kasperletheater war noch einiges überschaubar. Das Dumm- und das Bösesein strahlen ja auch bei Kindern, die zuschauen, eine gewisse Faszination aus.  Doch die meisten sind dann doch eindeutig für Kasperle, denn der ist clever und hat viele gute Tricks auf Lager, die einem helfen können, aus dem entstandenen Schlamassel wieder heraus zu finden. Kasperle hat auch keine Hemmschwellen, jemandem mal tüchtig eins über die Rübe zu geben, nicht, dass ich mich zu tief daran erinnere. Es ist wohl die grundsätzliche Harmlosigkeit, von der man da ausgehen kann, eben dem Gefühl, dass  zwar einiger Unfug getrieben, aber nicht vorsätzlich geschadet werden wird. Das ist beruhigend. Diese Beruhigung genießt man nicht mehr in der Welt der Erwachsenen. Man muss ja davon ausgehen, dass die geballten Zustände, in denen wir uns zur Zeit alle bewegen („alle“ hier als Fast-Tatsache, seit die Vernetzung Allgemeingut ist), als beunruhigte Zustände von Eltern an die Neugeborenen weiter gegeben werden. Nichts ist mehr wirklich gesichert für die Neuankömmlinge, vor allem aber immer weniger von der „Seelenruhe“, mit der Kinder (und ihre Eltern) das Ankommen auf der Erde zelebrieren können. Ich persönlich gehe ja aus jeder gegebenen Situation von Möglichkeiten aus, die  im Laufe jeden Lebens dem/der Lebensgestalter/in zur Verfügung stehen, aber es leuchtet ein, dass, wenn liebevolle Verbindung am Anfang nicht gelungen ist, fast immer im Laufe des Daseins darum gerungen werden muss. So wird die ersehnte Liebe oft mit Hass gepaart, ohne dass wir zulassen können, dass uns selbst so Schlimmes passieren kann. Meine Güte, geht’s immer und überall viel ums Fühlen, und paradoxerweise gerät bei der Frage „ja, was fühlst du denn gerade?“ meist was ins Stocken, denn wenn man sich ausrichtet, um wirklich wissen zu wollen, was man fühlt, da stößt man oft an die Grenze des Nichts und weiß dann immerhin, dass auch das Nichts Grenzen hat. Die Poeten und Poetinnen hält man ja gerne für die, die da, wo die Gefühle vermutet werden, hinuntertauchen in die unwirtlichen Tiefen, um dort an verlorene Schatzkästen heranzukommen und sie sterbensmüde an die Küsten des Menschseins werfen. Oder, sich selbst als Lampe durchs Geröll ackern, um herauszufinden für weitere Nachwelten, ob da irgendwo doch das makellose Wasser von der Höhle tropft, für dessen Trunk der ganze Stress sich gelohnt hat. Und natürlich nicht nur Stress wird gefordert, sondern auch Auskunft über das Ausgelassene, und wie gesellschaftliche Tabuzonen geistig durchbrochen werden können. Oder wie man sich selbst lange genug in gefährlicher Einsamkeit aufhalten kann, nur sich selbst als Gegenüber, und man beginnt dann Begriffe zu lieben wie „azurne Einsamkeit“, weil man entzückt wird, dass ein Anderer einen Namen für das Unnennbare gefunden hat. Wohl gemerkt: immer nur in die Nähe der Dinge, aber diese Kunst, so nah wie möglich zu dem, was unsagbar ist, kommen zu können und in vollem Bewusstsein der gänzlichen Ohnmacht doch noch Worte zu finden und zuzulassen…das ist dann die Kunst, wenn es denn gelingt. Und wieder die brennende Frage: wer will es beurteilen. Auch das Genießen von Gefühltem wird oft vergessen, so als wäre man nur immer den Strömen ausgeliefert, die durch einen hindurchfließen, wer weiß schon, woher und wohin. Aber wenn so ein Gefühl bei einem ist und man lässt es eine Weile bei sich sein und genießt, was einem angeboten wird, dann lernt man ein bisschen was davon. Allein der Aufenthalt im Inneren, denn da kommen sie ja her und lassen einen wie mit leerem Blick in das Wesen der Befindlichkeiten starren. Klar, das Wetter darf mitspielen, aber nicht wirklich, denn es eignet sich zu gut als Verlagerungsebene. Bin ich leichtfüßig unterwegs, was schert mich das Nieseln? Im Gegenteil! Auch das Nieseln kann seine angenehme Wirkung entfalten. Ich selbst muss ganz klar aussagen, dass ich nur einer einzigen Befindlichkeit traue, oder vielleicht besser gesagt: ich traue dem Wesen der Verbindung. Wenn das klar ist, dass ich mit mir selbst verbunden bin, dann weiß ich auch etwas von der Verbindung mit Anderen. Verbindung ist der/die Auslöser/in von Liebe, wie könnte es anders sein. So gibt es m.E. eine grenzenlose Zahl an Gefühlvollem, aber nur eine authentische Verbindung, die gewährleistet, dass man Liebe von Liebe unterscheiden lernt. Meist ist es ein Mensch, der in einem selbst einen Funken entfacht, der tatsächlich die Funktion einer Lampe hat. Auf dem nun besser belichteten Weg empfindet man oft eine tiefe Dankbarkeit, die einem Mut macht für die eingeschlagene Richtung. Es hat so etwas grundsätzlich Gesundes, was da geschehen kann und ist gleichzeitig komplex und sehr einfach wie gutes Brot, gute Butter und gutes Salz zusammen. Und ein guter Schluck Rotwein dazu in einem schönen Glas. …“Liebe ist Wein im Feuer aus dem Opferkrug…“ fiel mir da noch die Zeile von Benn ein, damit das Komplexe auch nicht zu kurz kommt.

überall

Bildergebnis für erkenne dich selbst delphi(gnothi seauton – erkenne dich selbst)
Gestern in einem Gespräch tauchte der Satz auf „Delphi ist überall“, der hat mir gefallen. Wie ich es gehört habe ist zum Beispiel, dass dieser berühmte Spruch schon so lange da ist und man kann sagen, er ist für jeden zugänglich gewesen und er ist es noch. Schon damals wurde darüber gestritten, wo er herkam und wer ihn zuerst gedacht hat, und dann natürlich die unzähligen Auffassungen, die damit einher kamen, nämlich wie er gemeint war und ist. Das ist vermutlich das Einfache an dem Satz, dass, wenn man ihn einfach zulässt, man mehr von ihm versteht, als wenn man über ihn nachdenkt. Auch über das Nachdenken kommt man natürlich bis hin zur Quelle. Ob man an der Quelle allerdings zum erfrischenden Bad kommt, das muss jeder, der da hingeht, selbst entscheiden. Oder die Quelle entscheidet es, sozusagen wie eine Weltenmutter, die dem wandernden Kind die Arme öffnet und es wieder aufnimmt in den natürlichen Kreislauf. Soweit ich mich erinnere, wurde der Spruch auch einem Eunuchen zugeschrieben, darin könnte man einen poetischen Sinn sehen. Auch ist es eine Tatsache, dass das Bewusstsein der Menschen sich gewandelt hat, und die Seligkeit geschichtlicher Vorstellungen, wie schön einst irgendwo was früher war, würde ziemlich sicher im Kontakt damit zu neurotischen Störungen führen. Und doch gibt es Gedanken, die sind so frisch und frei und anregend, wie sie von Anfang an waren. Eben: Erkenne dich selbst. Was heißt das? Hat die offensichtlich sich ständig verdichtende Komplexität unserer Zeit auch zur Folge, dass der Zugang zu diesem schlichten Satz immer schwieriger wird. Inmitten des globalen Wirrwars hat sich auch der spirituell und religiös geprägte Schauplatz der Selbsterkennungsangebote ins Unübersichtliche geweitet, und man ist gezwungen, zu einer halbwegs gesunden und einleuchtenden Wurzel zurückzukehren, zum Beispiel, noch vor dem geschätzten Dialog, zum Gespräch mit sich selbst. Das ist unterhaltsam, sich zu fragen, wer man ist, und was es hier zu erkennen gibt. Mal fühlt es sich an, als wäre man ein Banian-Baum, dessen zeitlose Wurzeln im Wüstensand wandern, dann wiederum fühlt es sich an wie ein kahler Ast, auf dem man sitzt und Zeit hat, die Sprache der Vögel zu lernen. Es scheint ja pausenlos viel, was man sein könnte, aber wirklich können kann man nur das, was man ist.   Daher kehrt man immer wieder zurück zu der Frage und erlaubt sich allerlei Narreteien und auch Weisheiten, warum nicht.
Bildergebnis für erkenne dich selbst delphi In dem Bild sieht man Themis als Pythia, dem Aigeus prophezeiend. Das kann man ja auch modernisieren, indem man sich als Pythia zB sich selbst gegenüber setzt und was über sich aussagen lässt. Man kann hin -und hergehen und den Stuhl wechseln. Oder man richtet den Raum im Innern ein, fragt sich mutig und wohlwollend, was man so alles von sich wissen will, und beantwortet dann ebenso entschlossen die eigenen Fragen. Dann kommt man der Sache schon näher. Wenn es sich zeigt, dass die Mühseligkeit dieses Vorgangs einen überfordert, kann man locker zu ernsthaftem Dialog übergehen, oder Hilfe annehmen in der Durcharbeitung der Raumbehinderungen. Was steht einer klaren Erkenntnis im Weg? Und muss es überhaupt sowas sein? Natürlich kann es auch eine rätselhafte Mitteilung sein, solange man weiß, dass sie aus der eigenen Bastelstube kommt. Die Welt wimmelt von rätselhaften Teilnehmern, die auch die Frage erstaunlich fänden, was sie ja ist. Mich erkennen? Ich bin doch da, könnte jemand etwa sagen, und man könnte auf weitere Angebote hinweisen, wenn sich das ergibt. Warum hat der erste  (unbekannte) Frager sich diese Frage gestellt? Man kann auch locker sagen, dass jeder Mensch, den diese Frage beschäftigt, eine andere, weil eigene, Antwort darauf hat. Das macht eine gute Frage aus! Sie packt einen und wirbelt einen durch die Ebenen und lockert den Acker der Illusionen oder der festgebackenen Einstellungen. Man kann sich auch erfreuen an der Unruhe, die einen packt, wenn das sich selbst begrenzende Ich entmutigt wird von der Wucht eindeutiger Wahrnehmung. Ich weiß gar nicht., ob der Satz heute noch am Tempel von Delphi zu lesen ist, oder ob einfach eine historische Gedankenübertragung stattgefunden hat, deren Urton immer noch im Geist resoniert. Irgendwann geschah es auch, dass jemand den Satz wohl zwanghaft ergänzen musste mit….“dann erkennst du Gott!“ Das lehne ich ab. Das verpfuscht die Klarheit des Satzes. Das macht was draus, was es nicht ist und nicht sein kann. Es schlägt etwas vor, was die Menschheit davon abgehalten hat, sich zu verstehen. Das ganze Abenteuer des Daseins ist in drei Worten ergiebig enthalten.

 

 Das Bild zeigt eine ältere Arbeit anlässlich einer Ausstellung.

demos kratein

Bildergebnis für Kaiser Wilhelm II
Die Worte „demos/kratein“ (griech. „Volk/herrschen“) habe ich gerade geschrieben gesehen und fand interessant, dass das Wort „herrschen“ auch hier anwesend ist. In Indien habe ich mal die witzige Interpretation eines Inders von „Demokratie“ gehört, der meinte, Demokratie sei die Herrschaft der Untertanen über die Untertanen. Das sagt vor allem  etwas darüber aus, dass ich auch ab und zu mal dachte, dass für das indische Volk ein „guter“ König die absolute Top-Variante wäre. Ein sogenannter guter König, wie sie gerne in Märchenbüchern vorkommen, ist natürlich besser als ein schlechter König, also zum Beispiel einer, der sich unmäßig an seinem darbenden Volk bereichert und ihm vom Palast aus das Blut aussaugt, wie das auch heute noch in einigen Ländern praktiziert wird. Aber Fakt ist, dass auch der „gute“ König, wenn es ihn nun gäbe, den gravierenden Nachteil seines Amtes automatisch in sich trägt: er ist der Papa seines Volkes und muss es auch sein, sonst will das Volk ihn nicht und gedeiht nicht unter seiner Obhut. Nix gegen Obhut, aber viel gegen ein Volk von Kindern, die dem da oben alle Verantwortung für ihre Lebensgestaltung überlassen. So nennt man auch heute das zu großem Teil noch analphabetische Volk Indiens eine Demokratie und darf staunen. Nicht, dass es da keine hellen Köpfe gäbe, es gibt Millionen, aber sie behandeln ihren „Herrscher“, Narendra Modi,, der lediglich ein Verwalter des Volkswillens sein sollte, als einen Souverän, dem sie untertan sind. Das hat mich öfters mal an das Dritte Reich erinnert, und vielleicht liegen in jedem Volk und in jedem Menschen diese zwei gleichermaßen unguten Extreme: das sichere Gefühl des „Auserwähltseins“, also besser als alle Anderen, und auf der anderen Seite die allzeit bereite Eigenschaft des Anpassens an den, dem man die eigene Souveränität opfert, um vielleicht auch ein bisschen in dem vermuteten Glanz zu baden, so als hätte der Herrscher kein Schicksal, mit dem er herumstrampeln muss. Also ich finde die fast hundertjährige englische Queen auch beispielhaft im Altwerden, sieht hübsch aus und hat einen humorvollen Mann hinter sich, das ist Gold wert, aber echt: who cares. Die Engländer brauchen auf jeden Fall beides für ihre berüchtigten Unarten: den lächerlichen Zirkus des monarchischen Getues, und die Demokratie, eben selber herrschen und bestimmen, was man tut. Klar, je selbstsouveräner die Individuen eines Volkes sind, desto klarer die Demokratie. Daher ist die politische Wachheit auch für EremitInnen nicht unangebracht, denn weder Nukleus noch Randgruppe befreien einen vom Mitspielen. Niemand mag Spielverderber, obwohl es auch da stets auf das Spiel ankommt. Klingt ja schon fast wie ein subtiler Aufruf zur Wahlurne, na gut. Vor ein paar Tagen kamen unsere afghanischen Freunde zu Besuch und irgendwie kam es im Gespräch dazu, dass ich erzählte, dass meine Mutter in Berlin (eine ihrer Anekdoten) als Kind , einmal im Park den Kaiser Wilhelm den Zweiten (s.o.) sah, als er mit geringem Gefolge in der Kutsche vorbeikam und den verehrungsvoll Winkenden zuwinkte. Das kam mir selber auf einmal unglaublich vor, dass vor ein paar Jährchen in Berlin noch ein Kaiser herumkutschierte. Ich weiß nicht viel von ihm, aber kann mir gut vorstellen, dass das für die deutsche Mentalität auch passt, die beiden Pole, meine ich: beherrscht zu werden in Untertänigkeit, und gleichermaßen mühelos zu erhabener und auserwählter Rasse zu gehören. Das bleibt bis heute ein Mysterium, wenn auch ein plattes: dass dieser dunkelhaarige Kerl ein ganzes Volk, das in der Schule war, in ein großes Morden hineinführen konnte. Da herrscht dann kein Volk mehr, sondern das Kriechen hat die Oberhand gewonnen. Wo das Kriechen, sei es auch noch so subtil, die Oberhand gewinnt, geschieht Unheil. Niemand außer man selbst kann gegen so eine Neigung was tun dh. die Neigung, Anderen etwas zuzuschreiben, was man bei sich selbst nicht aktivieren kann. Ja, man kann lernen, man kann von allem lernen, aber auch das Lernen von Anderen hat seine Grenzen, nämlich da, wo man sich um die eigene Wertschätzung nicht gekümmert und dadurch versäumt hat, die eigene Skala zu kennen, um zumindest für eine Weile als Richtlinie den eigenen Maßstab zu haben. Ich finde übrigens die Partei des BGE, des Bedingungslosen Grundeinkommens, hochinteressant und könnte mir vorstellen, ihnen rein aus Achtung für ihren Einsatz eine Stimme zu geben. Das wäre wirklich ein königlicher Streich, der sicher seine eigenen Ordnungen hervorbringen würde und müsste, aber hallo!…Sie schlagen 1.500 Euro vor, die monatlich bedingslos an alle Landesbewohner gezahlt werden. Auf jeden Fall eine kühne Idee! Ob die nun zu mehr individueller und verantwortungsbereiter Haltung führen würde, wer weiß. Der Kaiser ist weg und kein Nackter in Sicht, der denkt, er hätte eine kaiserliche Haubitze auf dem Kopf, aber trotzdem schadet es nicht, das Wesentliche zu bedenken. Es gehört nun mal zum menschlichen Reifungsprozess, dass letztendlich nur jede/r selbst wissen kann, was für ihn/sie richtig ist. Damit muss man leben. So wie Sokrates mal gesagt haben soll. dass, würde er morden, er dann sein ganzes Leben lang mit einem Mörder würde leben müssen. Dh. eben, dass er wohl weiß, dass der Mensch morden kann, aber er lässt es aus genanntem gutem Grund sein, um sich selbst nicht zu schaden.

bombig

Eigentlich finde ich es unangebracht, auf ein Papier eine Bombe zu zeichnen, denn ja, für manche Dinge reicht es nicht mal, den Anfängen zu wehren, sondern es sollten schlicht und einfach die Hände von der Idee gelassen werden. Das „Sollten“ klappt leider recht wenig, und in der Welt gibt es viele Bomben. Wenn man sich vorstellt (nicht, dass man muss), wie zum Beispiel ein genialer, total gehirngewaschener Finsterling unter Kim Yong Un’s Drohgebärden diese vernichtenden Eier erst kreiren muss, dann ihre Wirksamkeit unter Beweis stellen, dann weiß man, was das sogenannte Menschliche aus dem Wesen saugen kann. Die meisten Menschen wollen leben, auch wenn sie unter gewissen politischen Führungsstilen langsam vergessen, was das sein könnte. Und manchmal kommt einem ja auch die Erde ziemlich klein vor, vor allem, wenn man sie im Kontext von unermesslichen Weiten des Universums betrachtet. Aber in ihrem Inneren ist die Hölle los. Da wird herumgebombt und getestet, was das Zeug hält, unter offizieller Führung kranker Gehirne, deren sadistische Genetik man gar nicht ahnen will. Es gibt aber durchaus auch andere Gehirne, die sich das Mitleid ersparen, weil es zum Glück auch die Funken anderer Wahrheiten gibt, die auch eine Bombenwirkung haben können. Ich denke, dass jede/r Liebende auf Erden mal erfahren hat, dass das Ankommen in der Liebe einen nicht zum Vernichten inspiriert, sondern meist hat sie doch die Kraft und die Größe, einen bedächtig in eigenen Kellern herumschauen zu lassen, ob vielleicht doch aus den letzten Kriegen oder einem Wasauchimmer noch Bomben lagern, die entschärft werden müssen. Gut, gestern, das war ein Mordsding in Frankfurt, aber es wird m.E. noch ganz schön viel allerorts entschärft, was von irgendwelchen Heldenhorden zurückgelassen wurde. Ich erinnere mich an einen Jungen in meiner Klasse, dem beim Spielen mit einer Bombe, auf die er gestoßen ist, die Hand abgerissen wurde. Auch in dem filmischen Wunderwerk „Heimat“ von Edgar Reitz habe ich einen Bombenentschärfer kennen lernen können, der dann inmitten der großen Liebe doch das Opfer seiner Kunst wurde. Klar möchte man wissen, wie ein Mensch Bombenentschärfer wird. Wie geht es der Familie, wenn er draußen dabei ist, so ein Altlastenungeheuer unschädlich zu machen? Am Abend trink ich dann  ein Gläschen Wein, sagte der Eine der Entschärfer. Geschafft! 60 000 Menschen kehren zurück in ihre Behausungen. Ein Zittergruß vom Krieg!!! Das dauert lange und hat noch kein Ende gefunden, dieses Finden von Erzeugtem, das so viele Menschen wie möglich zerstört! Ist jemand empört und will das nie wieder tun? Nein! Es wird weitergebastelt, denn man ist im Zugzwang. Ich fand auch einen Artikel daneben, leider im „Zeit Magazin“ mit der müßigen Frage, ob die Welt anders aussähe, wenn hauptsächlich Frauen die Entscheidungen treffen würden! Who the hell knows, wie es sein würde. Aber bombenbauend kann ich die Frauen nun nicht wirklich sehen. Phallische Geschosse, die alles im Umkreis flachlegen!??? Wohl kaum. Und im gestrigen TV-Duell wäre dieses Thema auch nicht übel gewesen an die Beiden: Wie fühlen Sie sich eigentlich so inmitten des Terrorismus mit den prächtig flutschenden Waffenlieferungen, erstklassig deutsche Qualität, und bombensicher funktionierend!? Das ist nicht nur finanziell verführerisch, sondern man trudelt hinein in die unwirklichen Ebenen, wo bei aller gemeinten Redlichkeit der politische Geist doch zur fatalen Lüge verdammt ist. Auch bei sich zu Hause kann man mal nachschauen, ob es bei hohen Graden von Empfindlichkeit nicht angebracht ist, sich um angemessene Entschärfungen zu kümmern, damit auch der lebensspendende Atem tun kann, was er am liebsten tut. Frei sein.

 

Marion Poschmann

Bildergebnis für marion poschmann

die Apfel-Allee

die Bewölkung nahm zu. Unheilserwartungen
ballten sich in der Brust, unsere Stimmung sank.
Himmel dellte sich ein wie
Fallobst, bräunlich gefleckte Luft –

etwas kehrte sich hier gegen sich selbst.
ein verkrüppelter Stamm, der sich am Straßenrand
rhythmisch wieder und wieder
holte, war uns Gemütsdesign.

ausgekleidet mit fern endenden Ästen schien
unser Gang über Land; wie eine Illusion
voller schockroter Äpfel.
Äpfel, schwärmend, zum Greifen nah.

pflücktest du, pflückte ich? wächsern in deiner Hand
liegt die Lücke des Baums, die man nicht merken soll,
Trugbild, das du sehr fest hältst
und mit Zähnen die Echtheit prüfst.

sportlich

Das Bild zeigt eine flüchtige Darstellung meiner neuen Idee, deren Beschaffenheit darauf hinweist, dass der Samstag daran liegen mag, so wie man gern vieles auf das Wetter schiebt, was ihm nur teilweise zu verdanken ist. Die Idee wurde entfacht durch eine Bemerkung im Haus darüber, wie man sehr wohlfühlig am Haus selbst abhängen kann, zum Beispiel an einer Holztreppe. Man benutzt sozusagen das Daseiende als ein Sprungbrett zu mehr Bewegung, zu der manche von uns sich ja eher hinmanipulieren müssen. Ich meinte natürlich auch das gegenseitige Anregen zu Spaziergängen, meist allein und dann gerne fordernd federnd, weil zu selten, dann auch mal mit Mitmenschen, mit denen man bei gutem Gespräch gar nicht wahrnimmt, wie viel Laufen man hinter sich gebracht hat. Gut, noch dröhnen um den Samstag herum nicht die Maschinen am fleißigen Extra-Arbeits-Tag, so voller Energie, weil selbstbestimmt, und ich kann meine Idee ausbreiten. Es gibt hierzu zwei Angebots-Varianten. Bei der einen, dafür muss man Immobilien-Hai sein, erschafft man ruck-zuck eine neue Branche, und zwar das neue Fachwerkhaus, mit neuen Materialien, aber genauso aussehend wie ein altes Fachwerkhaus. Es wird ja bereits überall abgeschabt und befleckt, um dann das Zerkratzte teuer verkaufen zu können. Es liegt also im Blutstrom der Mode, dieses verführerische Angebot zu bedenken. Aber es kommt noch besser, denn bei der zweiten Variante lebt man bereits in einem Fachwerkhaus und kann meine Idee sofort umsetzen. Nach Verhandlungen mit Obi und Baumarkt  erhält der Meistbietende das Umsetzrecht: wenn’s gut werden soll! Denn um was es hier geht, sind Balkenverlängerungen, die kunstvoll an die bereits sichtbaren Balken am Haus je nach persönlichem Design angebracht werden können. Dazu wird es weitere Accecoires geben wie Seile, Schaukeln und handfeste Griffe undsoweiter. Hat man zB wieder mal zu lange am Schirm gesessen, geht man schnell raus am Fenster und hängt kurz durch, oder schwingt hin und her und wundert sich, dass es noch Bäume gibt etc. Die Nachbarn, immer gierig danach, dem jeweiligen Fortschritt zu entsprechen, lassen auch sofort anfertigen. Jetzt ist einiges, was sonst drin und ganz innen im Einzelnen ist, mühelos herausgekommen und kommt sich dadurch auch näher. Leute auf Schaukeln lächeln sehr häufig, von Kindern kann man allemal das Jauchzen lernen. Ich möchte nicht übermütig werden aus meinem Teich heraus, aber ich könnte mir vorstellen, dass ein Raunen durch die Städte zieht, das vielleicht einen neuen Pilgerpfad hervorzaubert, der auch was Schönes zu bieten hat am Ende: einen Ort, wo Menschen draußen an ihren Häusern viel lachen und jauchzen, und sich alles Mögliche haben einfallen lassen, um miteinander Verbindung aufzunehmen. Und das alles sportlich! Denn nicht alle Kreaturen sind sportlich. Den Dalai Lama zB., immer noch ein sonniges Vorbild für menschliches Verhalten, musste man zu einem Innen-Fahrrad überreden für das nötige Minimum an Muskeltraining. Klar, Geist und Materie, wer wäre frei von ihrer Performance! Also: Bahn frei für die Balkenverlängerung! Das nennt man zwei Elefanten mit einem Tuch einfangen! Denn man sieht dann automatisch, weil man dran herumturnt, den Balken am eigenen Haus!

 

zumuten

 
 Es gibt den schönen Satz, von Ingeborg Bachmann hereingebracht, der aussagt, dass „Wahrheit“ zumutbar ist. Dass wir hier gleich beim Pudel landen, war nicht meine Absicht. Meine momentane Einstellung zu Wahrheit beinhaltet die Überzeugung, dass tatsächlich jede/r für sich herauskniffeln muss, was es bzw. sie (aus „es“ soll „sie“ werden) im Kontext zum Weltvorgang und der eigenen Anwesenheit bedeuten kann, wenn man denn „Wahrheit“ zumuten wollen kann bzw. können will. Und klar kann jemand, der das kann, und auch der/die es nicht kann, die eigene Wahrheit zumuten. Das ist es ja, was man mit Menschen aushalten und unter (guten) Umständen durchhalten muss. Und dann man selbst, ich selbst als herumwandelnde potentielle Zumutung. Natürlich kann man auch den Zumutungen wehren, unbedingt, denn auch der Empfang des Zugemuteten hängt von jeden Mannes und jeder Fraues (das hast du prima gemacht, lobe ich mich für mein Gender-Ei)) eigenem Maßstab ab, dh auf welchen Ebenen das Zugemutete jeweils stattfindet. Und wenn dann auch noch ferne und finster kaschierte Spielsandkästen herausgemustert werden und auf weitere Zumutungen stoßen, dann geht oft viel schief. Wenn in einer äußerlich friedlichen Gesellschaft das Schiefe anwächst und sich durchsetzt, dann wundern sich immer weniger VerursacherInnen über diese Misere, denn die kollektiv angekränkelte Gesellschaft kann gar nicht wahrnehmen, was eigentlich dem Menschen zumutbar ist, und vor allem: was nicht? Der universelle Geist, der das Ganze durchweht (stocknüchtern gemeint, danke), scheint an sich großzügig, ja anarchisch. Was droht hier, was lobt!!!? Schaut da was zu und verteilt Noten!!?? Und sortiert penibel, wie man es erwartet, zwischen „Gut“ und „Böse“? Das soll der Geist sein, der um uns weht? Gut, ich will auch nicht ein paar Jihadisten interviewen zum Thema, was man ihnen zuhause alles angetan hat, um so böse werden zu müssen. Jede/ darf ja, was er kann. Vielleicht lässt der Geist alles zu, was da sein will, dh. konsequenterweise muss ich natürlich wissen, wo ich herkomme, aber ich muss auch wissen, wo ich hingehe. Die Wahrnehmung des erfahrbaren Gesetzes von „Ursache und Wirkung“ kann man zum Bespiel zumuten, da jeder den gewünschten Zugang dazu haben kann, doch doch!. Und wenn mir etwas zugemutet wird, an dessen Handhabung ich gescheitert bin, dann ist es angebracht, dem unguten Spiel Einhalt zu gebieten und als Wirkung davon zu erkennen, was man ganz persönlich für unzumutbar hält. Wenn dann Zugänge noch offen sind oder offen bleiben, werden Lösungen wie von selbst erscheinen. Oder auch nicht. Ich mute auch ganz gern was zu. Es ist meistens ein Kompliment an mein Gegenüber. Nirgendwo ist Garantie, keinerlei Versicherung für Bestand. Alle sind in eigener Verantwortung zuständig und unterwegs. Und wenn man den Anfängen nicht gewehrt hat, dann kann man sich immer noch wehren, wenn es angebracht ist. Wer bestimmt mein Tun und Denken? Wer macht die Regeln?

genesen

Wasser, viel Wasser, jetzt auch hier in Maßen, wo es die Blumen brauchen können. Gerade bin ich gedanklich mit zwei Ländern verbunden, in denen das unmäßige Herunterprasseln von Wasser verheerende Auswirkungen hat. Meinem Cousin, der außerhalb von Houston  wohnt, geht es gut. Ich war erstaunt, wie leicht es war, mit einem Familienmitglied in Kontakt zu kommen, da mein Ahnen-Dunstkreis so ziemlich erloschen ist. R.D. Laing fiel mir ein mit einem damals von ihm geprägten „Slogan“, und zwar „Whenever there is an emergency, we look each other in the eye, whenenver there is a garbage strike…“Vermutlich empfindet man das gänzliche Verschwinden eines Menschen noch gravierender als die Kontaktlosigkeit. Vielleicht, weil es mit Lebenden noch Zeit gibt für Ausgleichungen oder was auch immer sich zeigen will. Denn wenn sich nichts zeigen will, warum trauern. Aber dennoch interessant, dass die Not-Situation etwas ermöglicht hat, zum Beispiel ein paar Zeilen freundliches und wahrnehmendes Miteinander ohne Familiendrucksverhalten. Es war gut, mehr muss nicht sein. Dann Indien, wo es lange trocken war, zu trocken, und jetzt der ersehnte Monsoon mit den verheerenden Auswirkungen. Wer kann und will sich schon ein paar hundert vom Monsoon vernichtete InderInnen und ihre Kinder  vorstellen, angegebene Zahl immer weit drunter…Dass diese Menschen mit oft grenzenlosem Vertrauen auf einen der vielen Götter schauen als den einzigen und unfehlbaren Lenker ihres Schicksals, das ist schon verblüffend. Viellicht geht das nur über eine derart grenzenlose Hingabe an das Geschehen, sodass es in verdächtige Nähe zur  Erleuchtungsvorstellung kommt, allerdings ohne ein Bewusstsein darüber, was es tragisch macht. Über eine Milliarde Einwohner des Landes, die irgendwie geistig vereint durch die programmierten Schicksalsgewässer waten. Und weil man selbst nicht abstumpfen will, lässt man doch ab und an das Mitgefühl aus sich herausfluten, getragen von bewusst erfahrener Ohnmacht. Wir haben es zur Zeit wirklich verhältnismäßig gut, das Maß des Verhältnisses ist hier wichtig, denn alles dient letztendlich doch zum Erwachen. Da Wachsein aber nicht selbstverständlich ist, auch wenn man lange davon überzeugt ist, können uns hier vor allem nur die helfen, wenn überhaupt, die selber wissen durch Erfahrung, wie schwer Erwachen ist. Es gibt auch die Legende, ich denke es war Dharmapadda, von dem gesagt wird, er habe sich die Augenlider abgeschnitten, um nicht mehr einzuschlafen. Heute würde man ihn wahrscheinlich in eine längere Therapie schicken, aber gut. Was innen nicht wach ist, kann ja vermutlich auch außen nicht die Lider liften. Diese gute Zeit also, die wir erleben dürfen mit unserem „Alles-haben-was der Mensch braucht-Modus“, ist wirklich exzellent geeignet für…ja, warum nicht das Wort „Gesundung“ hier benutzen, das auch oben im Bild heute erscheint. Jemand hat am Feuerplatz ein Feuer gemacht und Papier verbrannt. Am nächsten Tag habe ich um den Platz herum diese Buchstaben gefunden und war gespannt, ob sich daraus ein Wort ergeben würde. Zuerst habe ich das Wort „gesehen“ gesehen, dann, etwas später, „Gesundung“. Bei diesem Wort blieb bei den übriggebliebenen Buchstaben nur noch zwei übrig: t und u, also entweder „handle“ auf Deutsch oder „tu“, also „Du“, auf französisch. Es ist eine wahre Freude, wenn man Buchstaben liebt. Auf meinem Photo sehen sie zwar etwas düster aus auf den Ascheholzstücken, aber die Worte dienen hier als eine Art Phoenix. Und ich nehme mir die von mir gestaltete Message natürlich auch zu Herzen, denn ich weiß aus Erfahrung, dass man aus der Asche wieder herauskommen kann, und dass die Flügel ja gar nicht verbrannt sind!

vollkommen

In einem gestrigen Telefongespräch mit einer jungen Frau, die ich in Indien kennen gelernt und befreundet habe und die in Berlin nach viel Ausbildung kompetenten Yogaunterricht gibt, kam es auch zu dem Austausch über die Idee, wie viel Ausbildung man eigentlich braucht, um sich „kompetent“ genug zu fühlen, den eigenen Weg zuversichtlich zu gestalten. Natürlich ist auch die Yoga-Ausbildung keineswegs eine Ausnahme bei dem, was wir von Luhmann über Systeme vermittelt bekommen haben, z.B. dass eben jedes System sich nur selbst verstehen kann. Meine persönliche Erfahrung dazu ist auch, dass ein System umso zäher jemanden der darin Übenden entlässt, je religiöser es gebündelt ist.  Meist fängt sowas ja ganz harmlos an, und wenn es vielen guttut, was angeboten wird, wer könnte sich dann ermächtigt fühlen, so ein Programm ganz zu verlassen, auch wenn es viel an Glaubwürdigkeit verloren hat. Alle Systeme müssen doch letztendlich an Glaubwürdigkeit verlieren, da sie todsicher ihren anfänglichen Anspruch nicht aufrechterhalten können. Was ist so ein Anspruch. Die Freundin aus Berlin, hellwach und erfolgreich in ihrer Arbeit, aber regelmäßig von Zweifeln an dem eigenen Können gepackt, erzählte mir dann, dass sie an einer Ausbildung teilgenommen hat, wo der Lehrer gerne wiederholt seinen SchülerInnen klar machte, dass es, offensichtlich seiner Meinung nach, keine Vollkommenheit ohne Spagat geben könne. Das ist ein schönes Beispiel. Liebe Kinder, ohne Spagat werdet ihr ein Nichts sein! Eine andere Frau, die auch (leider wahrscheinlich zu lange) auch in so einem Unterricht war und der der Spagat quälend schwer zu erreichen schien, fragte dann mal nach, ob, sollte sie je einst die Spagatitätsfähigkeit besitzen und damit vielleicht einen kleinen Vollkommenheitsstempel unter ihre Slits-Papers (Spagat-Papiere) mit den ausgefüllten Formularen unter Beifall der noch Spagatunfähigen bekommen, ja dann, wollte sie wissen, was sie denn im Leben noch so damit anfangen könne? Eine Frage, die schwierig zu beantworten ist. Alle in diesen Schulungssystemen, ich spreche auch aus einer Erfahrung der ehemals meinigen, haben natürlich die nötigen Anekdoten parat, alle mehr oder wenig abgehoben, auf jeden Fall in der Nähe göttlichen Einwirkens angesiedelt. Wenn einmal bei Erfolg der Schulung Tausende von Menschen von diesen immer fixierteren Geschichten, die ja, meist in Indien verwurzelt, vor allem für Westler einen Hauch Hand und Fuß haben müssen, und  der als „unfehlbar“ deklarierte Antwortgebenmüsser kann hier viel über sich lernen. Gerade westliche Menschen, die ja immer noch scharenweise in indische Ashrams pilgern und oft in psychischen Kellern nach Laternen suchen, sind sehr geeignet für das Licht, das sie durch ihr Interesse am jeweiligen Wissen der Lehrenden oft erst entfachen, wenn auf die endlosen Fragen geantwortet werden muss. Der ganze geistige Schulungsapparat hatte zweifellos seine Berechtigung in einer bestimmten Zeit. In meiner Schule zum Beispiel gab es uneingeschränkte Möglichkeiten, in wirklich schönen, lichten Räumen still zu sitzen, sprich: zu sich zu kommen, wann immer man wollte. Überall gibt es ähnliche Symbolik und Ausrichtungen, aber das Gedankengut steht im Weg. Um etwas besonders zu machen, braucht es allerlei, was sich nicht unentwegt halten kann. Geistige Lehrer mit hohen Ansprüchen, ohne die es ja kaum geht, werden oft höllisch gepeinigt von dem, was sie anderen als „schlimm“ verboten haben. Wenn die Stories, die alles zusammenhalten, dann vor aller Augen zerbröckeln, was bleibt dann? Viele bleiben, andere gehen überall hin, denn wenn der eigene Hunger nicht gestillt werden konnte, muss der hungrige Geist immer Nahrung von außen haben, die er oder sie sich einverleibt für einen flüchtigen Nu der Zufriedenheit. Natürlich gilt auch der Wert förderlicher oder notwendiger Weiterbildung. Das ist ja auch nicht, was ich meine. Ich meinte eher die Gefahr des Hungry-Ghost-Syndroms, das vor lauter Hunger-Hecheln keine Substanz ansammeln kann. Und dass man jedes System, vor allem das eigene, durchleuchten kann auf seine Glaubwürdigkeit, und „last not least“: kein Spagat-Zwang! (Sieht natürlich toll aus, wenn’s jemand kann – §%?=:).!

 

Das wunderbare kleine Spagat-Wesen im Bild ist ein Objekt von Henrike Robert.

kämpfen?

Bildergebnis für Wahlkampf
Das Schwierige an den Wahlen, die man so miterleben kann im Leben, war für mich immer auch, dass …nee, nicht wirklich Bock auf Wahl, dann aber die immer klarer werdende Sicht auf die Stimmen der Völker, die genau wie wir ungeheure Gestalten als ihre Führer gewählt haben. Die uns zeigen, dass es schwierig ist, den Anfängen zu wehren, wenn man an der Wurzel des Systems was „Gutes“ für sich entdecken konnte, ohne wahrhaben zu wollen oder zu können, was für Dreckklumpen manchmal an den viel versprechenden Reden derjenigen hängen, die sich dann als die vom Volk Gewählten deklarieren oder vorfinden. Erst die Karotten, dann die Kontrolle. Oft geht es ja auch dem Volk nicht gut, wenn so eine/r dann alles Notwendige verspricht, und wer kann schon behaupten, von den Ketten der Hoffnung befreit zu sein? Nun haben wir hier den aufkommenden Wahlkampf in einem Deutschland, das wahrlich nicht mehr leugnen kann, dass es einen seltenen Frieden erreicht hat, die Bürger und Bürgerinnen so ziemlich alle alles haben, was ein Mensch auf jeden Fall zuerst mal braucht. Ja, und z.B. die Sexismusbeauftragten werden weiterhin mit schnöden Meldungen die letzten Spuren des funktionierenden Patriarchats sich selbst löschen lassen. Auch gängige Meinungen wie noch zur Zeit von Ortega y Gasset von ihm schön plausibel erklärt, dass die von ihm wertgeschätzten Frauen sich doch so verfeinern mögen, dass sie dadurch die eher dumpfe Psyche des Mannes zu geistigem Ehrgeiz dadurch würden anfachen können, das und so vieles ist tatsächlich und zum Glück von vorgestern, auch wenn es noch Stränge von allem gibt undsoweiter. Und ja, Frau Merkel ist eine Persönlichkeit, die man verbal mit links in alle möglichen Taschen stecken kann. Man kann eine Forever-Mutti aus ihr machen, man kann ein leichtes Gähnen beim Anblick einer total uneitlen Person oft ja kaum zurückhalten, obwohl es das so selten gibt: authentisch uneitel! Das kann sich so überzeugend nur eine Frau, ebenfalls mit links, leisten, die nicht nur berechtigt in ihrer lebendigen Intelligenz ruht, sondern irgendwie auch in sich selbst, wie auch immer sie das geschafft hat. Vielleicht ja auch ein authentisch bescheidener Mann hinter ihr, wie hieß oder heißt er doch noch? Und klar, es muss Opposition geben, das verstehe ich auch, sonst schläft das Ganze leicht ein. Würde man sich ein Volk von wachen, geistig lebendigen Individuen vorstellen, wäre es ja nicht unbedingt als Bedrohung zu sehen, dass der kollektive Schlaf einen übertölpeln könnte. Und dann: Martin Schulz holt also nochmal aus zum verzweifelten Argument…ja….Bildung!, und wenn er so gigantisch damit punkten und damit die fleißige und hochdiplomatische und fähige Kanzlerin zur Seite fegen könnte, na dann haben wir den Europäer Martin Schulz vor der Nase, der selbst nicht gerade das Gegenserum zu einer Schlaftablette ist. Man soll ja auch schauen, wer einem so liegt vom Volk aus und zum Volk hin, obwohl einem aus Erfahrung jede Art Mensch durch „Leistung“ Respekt abringen kann. Gut, ich als Volksmensch setze also irgendwo ein Kreuz hin. Schade, dass die Grünen einen nicht mehr zum Kreuzsetzen reizen. Dagegen reizt die exzellente Idee des Grundeinkommens, auch wenn sie politisch ziemlich wenig Chancen der Umsetzung hat. So eine phantastische Gelegenheit wäre das!!!!, wie einst Summerhill, wo etwas geistig Revolutionäres sich wirklich durchsetzte. Alles ist machbar. Man sieht ja, wieviel Umstürze in Kauf genommen werden, und das für die niedrigsten Beweggründe:  Machthunger und seine Folgen. Daher, ja. CDU und CSU, und dieser Widerstand gegen das biedere Rumgefrömmle oder was es auch immer ist, was es so unangenehm macht, trotzdem die CDU zu wählen. Für mich ist das so: Angela Merkel hat gezeigt, dass sie zu dem verhältnismäßigen Grad wach sein kann, zu dem man m.E. wach und bewusst sein muss und klug und bedacht für diesen fulminanten Job, und international geschätzt. Und ja, es gibt stets vieles, was ein sogenannter redlicher Machtmensch alles besser machen könnte, wären da nicht die vielen Anderen, mit denen man sich über Dinge einigen muss. Für so einen Posten muss man wirklich geeignet sein. „Wahlkampf“ ist ein furchtbares Wort. Alles hechelt auf den Kampf hin und ist enttäuscht, wenn er zur Abwechslung mal nicht in Fahrt kommt. Vielleicht sollte man mal große politische Picknicks veranstalten und die Parteien zusammen leckere Sachen essen sehen und dann auch verbale Wettkämpfe, klar, spannend und auf  guter Ebene, vielleicht von den Tibetern darüber etwas lernen: Redekunst, die gleichzeitig persönliche Überzeugung und Intelligenz in sich trägt und auf wohlwollendes Menschsein ausgerichtet ist. Kann ruhig auch scharfe Kritik enthalten, aber Gürtellinien vor allem nicht zum Gradmesser des Wahlkampfs machen. Man bekommt ja häufig den Eindruck, dass das Volk der DichterInnen und DenkerInnen auch schon im Vorvorgestern angesiedelt ist? Dann gibt es immerhin noch das Jetzt, in dem ich wählen kann.

ankommen

Seit das erst kürzlich geborene (Tier)-Wesen in unserem Haushalt angekommen ist, vertieft sich mein Blick auf das Mysterium der Ankunft. Das Eine ist unterwegs sein, das Andere ist das Ankommen. Wo komme ich an, wie komme ich an. Wer ist da, wenn ich angekommen bin. In was komme ich hinein. Wer nimmt sich meiner an, wenn ich noch nicht wissen kann, wie das alles hier geht. Von wem werde ich es lernen können. Wer bemüht sich um mein Weiterkommen. Diese Fragen habe ich bei meiner geburtlichen Ankunft nicht, denn sie ist fraglos. Dennoch wirken sie und ihre Beantwortungen auf mein ganzes Leben. Ich schätze mich glücklich, gerade die Zeit zu haben, solch einer Ankunft nicht nur beizuwohnen, sondern auch an ihr beteiligt zu sein. Wie hinreißend zart und empfänglich doch das Wesen ist für Wohlbefinden. Und wie oft wird ein geborener Mensch herausgerissen aus diesem Zustand, der eigentlich aus Raum-und Zeitlosigkeit besteht. Man kann es an sich selbst beobachten und muss jetzt auch  das Geschehen nicht ausschließlich dem Muttertrieb/instinkt/gefühl zuordnen, obwohl es sicherlich viel davon hat. Aber was ist der mütterliche Aspekt (vor allem, wenn man das Wesen nicht monatelang in sich getragen hat)? Das Schöne ist doch das Entzücken, das in einem immer wieder auftaucht, wenn dieses Geschöpf mit den Augen signalisiert, dass es verstanden hat: man ist bereit, es zu hüten, zu ernähren, mit ihm zu spielen etc. So viel Lächeln! Das kann doch nur die Liebe!, so frei und arglos lächeln, wenn man selbst verstehen muss und kann, dass da etwas bei einem selbst angekommen ist, für das man andere Gewohnheiten und Arbeiten und geistige Unruhen loslässt, um sich zu widmen. Das braucht Zeit und Ruhe. Eine bestimmte Art (Kunst) von Muße, die dem Anderen gehört und deren Genuss von anderem Wesen als dem eigenen ausgelöst ist. Durch die Augen eines Geschöpfes, das gerade dabei ist, die Welt zu entdecken, sieht man selbst intensiver das Wunderbare, das immer da ist: der Wind in den Blättern, die Bedrohlichkeit der Schatten, die Intensität des Interesses an allem, was da ist. Die Sicherheit, dass bei allem Abenteuer des Erlebens das Ankommen immer uneingeschränkt gewährleistet ist. Ein Mensch kann an schlimmen Orten ankommen, ja. Wir schaudern, wenn unsere eigene Zartheit erwacht und wir aus eigener Erfahrung wissen, was von liebevollem Empfang alles abhängt. Das Leben selbst hängt davon ab. Von den Fragen, die spät beantwortet werden, da man Zeit braucht und Erfahrung, um zu wissen, um was es geht. Um was geht es? Konnte ich selbst bei einem anderen Menschen ankommen, und bin ich ein Ort, an dem ein andrer Mensch ankommen kann? Denn die äußeren Orte sind flüchtig. Gerade habe ich, einem Impuls folgend, (m)einem Cousin, der in Texas/Houston sein Leben erschaffen hat,  eine (seltene) Mail geschickt: dass ich jetzt, wo der Wirbelsturm durch Houston gefegt ist und weitere Wassermassen nach sich bringt, hoffe, dass sein Haus das alles aushält. Plötzlich kann äußeres Ankommen weg sein. Dann sind es nur innere Räume, die den ständig um uns wehenden Katastrophen Zuflucht bieten können  und wir erhalten Schutz und Ankunft in uns selbst und in anderen, die unsere Liebe geweckt haben. Das sind unauslöschbare Berührungen, unvernichtbare Verbindungen, grenzenloser Trost im Wagnis des Ungewissen. Ich hebe gern ab auf meinem Surfboard, kein Zweifel, aber ich bin auch gern eine Landebahn. Ein Ort im All, wo jemand ankommen kann, und ich nichts Wichtigeres zu tun habe, als da zu sein, wenn tiefe Verbundenheit möglich ist.

Niklas Luhmann

Bildergebnis für Niklas Luhmann

Man kann die Systemtheorie, in deren Mittelpunkt die Selbstorganisation
ausdifferenzierter Gesellschaftsbereiche nach funktionalen Leitkriterien
steht, als adäquates Modell einer Zeit verstehen, die von eigendynamischen
Prozessen und anonymen Operationen beherrscht wird. Systeme kennen
keine Moral, keine Gefühle, keine Rücksichten. Sie folgen ihren autonomen
Zwecken, die durch spezifische Codes vorgegeben sind. Darin gleichen sie
präzise programmierten Maschinen, für die der Mensch nichts als ein Störfaktor
ihrer Steuerungsautomatik ist. Sie lassen sich nicht kontrollieren, aber beobachten.
Eingriffe von außen sind unmöglich, da Systeme nur begreifen, was sie selbst
produziert haben. Die Blindheit funktionaler Prozesse ist das Resultat ihrer
operativen Geschlossenheit. Die Welt ist für jedes System, ob Gehirn, Fernsehanstalt,
oder Aktienmarkt, unerkennbar. Sie existiert nur dadurch, dass sie via Kommunikation
in das System hineingelangt und dort in Sinn umgewandelt wird, der für weitere
autopoietische Operationen anschlussfähig ist.

(Dass die Welt erst durch Beobachtung von Systemen zustande kommt,
die selbst ausschließlich das sehen können, was für sie Sinn macht, ist
erkenntnistheoretischer Idealismus unter konstruktivistischen Vorzeichen.)

Goldgrube

Morgens kam ich zum Frühstück hinunter und entdeckte schon beim Hinausgehen, dass ich mein Kleid seitenverkehrt anhatte, also mit den Nähten nach außen, an der Seite ein kleines Nahtfähnchen hängend: das Etikett (100% cotton-Made in India). Als Marktlücken-Expertin weiß ich Marktlückenblitze zu schätzen, und wer will nicht mal eine Goldgrube erschließen. Ich fand in großen Zeitabständen  den Gedanken unterhaltend, eine Idee in die Welt zu setzen und zu beobachten, wie sie sich entwickelt und was aus ihr wird. Es muss eine harmlose Idee sein, die wenig Missbrauchspotential bietet, aber sich trotzdem durchsetzen kann. Ich nehme also die Idee mit der Naht. Wie, sie tragen ihre Nähte noch innen? Und was wird dann mit den neuen goldenen Flügeln, die nun an der Stelle der Etikette herauswinken!? Man trägt sie doch jetzt außen! Ich weiß, Sie kommen nicht alle nach Indien, wo schon der größte Teil der Bevölkerung das Nahtlose hinter sich gelassen hat. Nahtlos ist Geschichte! Planetarier tragen jetzt Naht. Alles ist natürlich schon da, aber die Nahttragung, die hier angepriesen wird, ist nicht irgendeine Naht, sondern nach den Tätowierungsträgern, die ja nun auch auf der eigenen Haut eine Grenze entdecken mussten, und den teuer zerschlissenen Bluejeans kommt anstelle des großen Gähnens nun das große Nahttragen. Niemand muss mehr aus den Nähten platzen, denn die Nähte sind ja jetzt sichtbar und dehnbar. Es ist dir doch wichtig, nicht? Ich als Ideen-Hineinputterin muss jetzt Ausschau halten nach ein paar Leuten, die Twitter-oder Facebook-oder Instagram Accounts haben und die ich begeistern kann, an der Nahttragrevolution mitzuwirken. Es müsste, um möglichst viele zu erreichen, eine globale Message sein wie „Menschen zeigen wieder Naht! Oder „Die Welt bejaht Naht! Oder noch kühner: „Das Nahtlose kann nur erreicht werden, wenn die Naht sichtbar wird“. Oder: „Sei auf Draht mit Naht!“ Da setzt man schon voraus, dass Kunde und Kundin wissen, dass Nähte nur noch außen getragen werden. Aber hier geht es ja vor allem um die Idee. Ein spielerischer Gedanke, der ohne Kundschaft leben kann. Nur so ein kurzer Funkel-Nu durch die Vorstellung, wie aus einem frühmorgendlichen Aufmerksamkeitsfehler eine Bewegung werden könnte, die zuletzt, wenn durchlebt und durchschaut, zu einer Gegenbewegung führen würden könnte, nämlich dem Suchen und dem Finden der verlorenen Nahtlosigkeit, in vielen guten Kolumnen herauskristallisert als philosophisches Gut. Gut wäre natürlich auch, eine Art Role-Model einzuführen, vielleicht mit einer mysteriös aufgetauchten Kurzbiografie über „Katharina die Nahtlose“, oder einem  Hinweis auf einen der üblichen historischen Schreibfehler, die aus einer Gruppe von Eremiten in Indien, die einst die Nahts hießen (verbindliche Nahtfähigkeit), Naths machte, was „Herren“ heißt. Denn immer schon war es das Nahtlose, das die Naht braucht und selbst naht, um zu sein. Na bitte. Die Idee ist übrigens kostenlos. Ich brauche ja immer wieder Frei-Raum, damit sich was melden kann.

german

Das Wort „Sturzbetroffen“ lag seit zwei Tagen bei mir herum, weil es mich zum Lächeln reizte wegen diesem leichten Schwung hin zu einer Tiefe, wo doch auch das „Fünkchen-Wahrheit-in-allem“ wohnt. Ich habe es auf die Titelseite eines Buches über den „Deutschen Genius“ gelegt. Dieses Buch ist mir gestern nach Jahren durch ein bewegtes Gespräch eingefallen, das sich auch um das Wort „genial“ und „Genius“ drehte. Ich kenne das Fürchten vor dem Begriff schon seit meiner Kindheit, da meine Mutter klar machte, dass mein entschwundener Vater niemals durch irgendwas und irgendwen übertroffen werden können würde…da könnt ihr machen, was ihr wollt. Habe ich auch, aber die Anfänge waren doch geprägt von dieser bedrohlichen Ausrichtung. Habe ich mir deshalb die Haare in jüngsten Jahren weiß ausbleichen lassen, damit ich dem Unerreichbaren schnell näher komme? Der wohl als ziemlich gefährlich und gefährdend betrachtete „Genius“ der Deutschen, den natürlich auch die anderen Völker im Geheimen und meist als missbräuchlicher Umgang mit dem Geistesgut des jeweiligen Volkes züchten, wurde in meiner Erfahrung nur noch überholt vom indischen Genius, dem es keinerlei Mühe machte und macht, sich direkt als Gott oder Göttin zu empfinden, wenn man das möchte. Hier im Westen gibt es ja auch „Marias“ etc, aber ganz sicherlich nicht die großzügige Ausstreuung von Götternamen, mit denen Hindus ihre Kinder segnen. Man ist stolz auf die Götterahnen im Namen. Deshalb kann auch ein Mensch wie „Osho“ sich „Baghwan“ nennen, also direkt Gott, was Osho zum Glück dann gelassen und sich mit Osho“ (japanisch: Freund), selbst runtergeschraubt hat. Kam ihm wohl selbst etwas daneben vor. Aber die Krishnas und Ganeshas und Sitas und Ramas in Indien sind so zahlreich, dass man keinem irgendeine Hybris vorwirft. Jede/r kann’s ja mal probieren und die eigene Begrenztheit erfahren. Dass die „Gurus“ nicht von ihren Hockern gestürzt werden, kann man sich eben nicht wünschen, denn dass Menschen immerfort Zuflucht nehmen und genommen haben in dem, was ihnen „vorbildlich“ erscheint, ist ja nicht grundsätzlich verwerflich, wenn sie dann wieder gehen dürfen und können, was aber in den meisten Religionen ungern gesehen wird, und den „followers“ meist sehr schwerfällt. „Followed“ man einmal tüchtig, braucht man die nötige Dosis Wachheitsserum, um den tückischen Follower-Schlaf zu besiegen. Genauso schwer, wie aus der neuen „Like-it-Sekte“ auszutreten, um sich nach innen zu wenden und sich selbst zu fragen, was man eigentlich mit „liking“ sagen und meinen will. Im gestrigen Gespräch ging es um Martha Argerich, einer „begnadeten“ Pianistin, deren Tochter einen Film über sie gemacht hat, wohl, um sie näher zu sich heran zu holen. Martha Argerichs „Genius“ wurde offensichtlich weniger als Mutter entfacht als am Piano. Man kann sich sowas als trügerisch schön vorstellen für ein Kind: unterm Klavier liegen und die Mutter geniusiert vor sich hin. Das Kind ist aber einsam und verlassen. Die anderen Töchter auch. Eine davon landete im Heim, und später, als sie von irgendwem zur Mutter gebracht wurde, spielte sie dann auch mal mit ihr Musik. Die einsamen Töchter der Göttin. Was will ich sagen? Gar nichts weiter will ich sagen, das Thema hat mich erfasst, oder berührt, ich weiß es noch nicht. Werde ich wohl die tausend Seiten des Buches „German Genius“ von einem Herrn Watson lesen können?  Oder einfach herzlich vor mich hinlächeln und mit Amber-Pichu (official name-house name), der neuen Katze, spielen und lachen? Oder beides? Oder noch eine dritte Leidenschaft dazunehmen?: tiefes und gründliches deutsches Denken, das, wenn auch zeitenweise sehr lehmbehaftet, doch auch das eigene Licht entfachen kann, nun eher als sorfältige Reflektion  und im Rahmen wachsamer Dialoge?

eisern

Die endlosen Meinungen darüber, ob in der Welt immer schon was war oder ganz neu gekommen ist, das Bös-und das Gutsein der Menschen zum Beispiel, und so isses nun mal und was kann man tun, die waren auch immer schon irritierend. Dass jeder daseiende Mensch mit dem Vorgefundenen umgehen muss, ist eindeutig und notgedrungen. Nun kann er oder sie tun, was passend erscheint und was die Umstände zulassen. Die jeweilige Gesellschaft ist das Gebilde und das Gebäude, aus dem wir alle herauskommen, und in das wir hineingehen, und das uns die Möglichkeiten für die Umsetzung der Wünsche und des Ehrgeizes und der Talente und der Schulungen  etc. bietet. Nun  gibt es Zeiten mit Gesellschaften, die ein solches Streben befürworten und die einen Glanz ausstrahlen über die Anstrengungen, die mit kreativem Schaffen verbunden sind. Heute sehe ich den Glanz vor allem bei denen, die allein und bei sich ein tieferes Verständnis des planetarischen Zustandes errungen und eine Entscheidung getroffen haben, in welche Richtung nun navigiert werden soll. Wie gesagt, es gibt immer die schlimmen und die guten Dinge, aber es ist auch nicht zu übersehen, dass der Missbrauch des natürlich Vorhandenen (Erde und ihre Ressourcen) zu einem Mangel an Ausgleichung geführt hat. Wer hätte sich träumen lassen, welche Wege die Verdunklung sich sucht. Eigentlich würde man denken wollen, dass etwa ein intelligenter Mensch die mögliche Bombe eher nicht baut, da er weiß, dass das Erschaffene benutzt werden möchte. Das ist sehr teuer und ein Riesenaufwand. Und man kann beobachten, dass das, was eigentlich gar nicht produziert werden sollte, todsicher den Missbrauchern in die  Hände spielt. Das sogenannte digitale Zeitalter hat das nicht gerade vereinfacht. Was viele ahnten, wissen jetzt die meisten. Die Geschichten  von den Katastrophen und den Gräueltaten. Oft fehlen aber die anderen Geschichten: die von der Rückkehr zu sich, und die von der Freude am selbstständigen Denken, das nur in geeignetem Raum möglich ist. Es gibt keinen Frieden mehr, der nur für sich ist. Das, was durch Verbindung mit sich selbst geschieht, das geht automatisch wieder hinaus in die Welt, ausgerüstet mit einem Kompass, dessen beweglicher Zeiger die Richtungen erspürt. Was kann man noch tun? Was ist angebracht? Was ist ein Beitrag, der ohne Bedienen unliebsamer Gesellschaftsformen auskommt? Ist es zu allen Zeiten das Wichtigste an der Front, immer fleißig und tüchtig zu sein? Oder führen nicht gerade Fleiß und Tüchtigkeit oft zu Verhinder- oder Behinderungen?  Die Zeit, die man so gern nicht zu haben scheint für das Wesentliche, die gibt es am Ende ja gar nicht. Das Wesentliche ist gar nicht von der Zeit, sondern es ist das  Wesen im eigenen vorübergehenden Zeit-Raum. Der ist begrenzt. Nicht an sich, nur für das eigene Sein in dieser Form, in der man sich wahrnimmt. Daher gibt es auch das Gerücht über diese Zeit, nämlich dass es günstig ist für Entwicklung. Man muss die Energien gut nutzen und die düsteren Felder weder verdrängen, noch an sich ziehen. Da, wo man nicht wirken kann, ist Seinlassen auch meistens ein guter Rat. Um sich selbst fragen zu können, wo es langgeht. Ich mochte immer diese Einstellung der Inder zum jetzigen Zeitalter, dem „Zeitalter des Todes“, das auch im Westen bekannt war und ist als das „Eiserne Zeitalter“. Wenn die lebendige Maschine sich langsam in Eisen umsetzt und das schwere Atmen und Ahnen einsetzt. Wenn der Reiz vorherrscht, das Menschsein mit der Maschine zu optimieren, so als wüssten wir schon, was Menschsein wirklich ist. Wenn das Leben als abgekartetes Spiel erscheint und die Spieler sich gegenseitig misstrauisch beäugen. Wenn wir alle so tun, als wären wir schon, was wir scheinen. Dann ist es Zeit, meinte der Hindu, bevor der große Schlaf ihn angriff und hinabzog in die Schatzkammer der glitzernden Steine. Ihr wisst es doch, sage ich manchmal tief erschrocken zu ihnen. Von Euch haben wir es doch gelernt! Dass es die Zeit gibt, wo die falschen Könige auf den Thronen sitzen. Wo Gier und Neid und Machthunger tatsächlich herrschen. Für diese Gesellschaft muss man kein fleißiger Baustein mehr sein. Da ist ausgebaut, was wirklich menschlich von Nutzen war. Da kehrt man um. Nicht der Welt den Rücken, sondern heim zu sich. Von da aus schadet man zumindest nicht mehr. Und wenn man mehr tun möchte: warum nicht. Alles ist ja noch da. Nur wir selbst sind verändert.

Bild: Wie kommt es, dass die Dinge sich zusmmenfügen? Manchmal weiß ich es nicht. Der Körper der Kali fiel aus einem Heft, der Kopf der Schmerzensreichen lag schon da auf meinem Schreibtisch. Ich hatte keinerlei Impuls, sie zusammen zu kleben. Nur für einen Augenblick fügt sich ab und zu im Bild das sonst schwer Beschreibbare.

 

einstellen

Was sich nicht alles melden kann, wenn so ein harmlos aussehendes Wort wie „einstellen“ auf einmal vor einem steht. Man nimmt die Verbindungen wahr, die sich mit der Zeit damit „eingestellt“ haben. Menschen werden eingestellt zur Arbeit, aber auch medizinisch wegen etwas oder gegen das, was sich bei ihnen eingestellt hat. Auch Kinder werden eingestellt. Der 13-jährige Pflegesohn einer Freundin kennt fast nichts außer der Not des ständigen Einstellens beziehungsweise des Eingestelltwerdens. Wo etwas nicht mehr „repariert“ werden kann, wird medizinisch eingestellt. Es hilft, aber nicht wirklich. Wenn der Schatten, der hinter dieser Art von Einstellung lagert, einmal bewusst erfasst werden kann, ist sicherlich ein Grad von Heilung möglich. Aber es war eigentlich gar nicht dieses Verständnis, von was ich ausgehen wollte,  und doch wird mir der Zusammenhang klar. Bevor die Einstellungen, die wir in unserem Leben brauchen, um mit einer beweglichen Identität einen Weg zu bahnen mit dem uns Vorstellbaren, bevor sie also zu starren Prinzipien werden, muss man sie dennoch formen und anerkennen. Ich denke, dass Einstellungen noch einmal etwas anderes sind als Meinungen, obwohl die Klarheit einer Meinung nicht schaden muss. Einstellungen sind eher grundsätzlicher Natur. Dass sehr viele Menschen erkranken, muss man wahrnehmen, aber man kann sich auf Gesundheit einstellen, oder man kann das Älterwerden interessant finden statt bedrohlich. Oder man weiß, dass man selbst auf Frieden ausgerichtet ist, auch wenn man nicht umhin kann zu erkennen, das es wohl immer Irre geben wird, die für Kriegsführung plädieren oder dabei sind, so als wüsste man nicht, dass da Leben ausgelöscht werden. Und Jahre hinterher noch traumatisierte Geschöpfe durch die Gegend laufen, die auch Kinder haben, die man dann einstellen muss. Ja, ich denke, für Frieden zu sein, ist eine wichtige Einstellung. Am ehemals viel benutzten und bis heute beliebten „Friedenszeichen“ konnte man auch gut abgestumpft werden. Wenigstens war es ein Zeichen, obwohl es auch unter den das Zeichenzeigenden nicht immer so friedlich zuging, wie man sich das vielleicht noch in den Sechzigern erträumt hatte. Durch die Wunder- und Aufklärungsdrogen konnte man sich das „Paradiesische“ besser vorstellen und folgte gern dem Trieb der Pazifizierung. Aber nicht wirklich ein verlässlicher Pace weit und breit. Na ja, so schlimm ist es auch nicht (nur). Nach einer kollektiven Höllenfahrt durch die Geisterwelten kommt man gerne wieder durch eine Tür, die zu hellerem Licht führt. Dann beginnt allerdings bereits die Rückkehr zum Einzelnen. Täter werden aussortiert, obwohl man die meisten nie findet. Söhne müssen her, damit wieder Männer im Land sind. Es wird wieder gezeugt und gezeigt, wo es langgeht. Immer da, wo eingeleuchtet wird, geht das Volk mit. Deswegen werden Politiker so streng behandelt: weil sie letztendlich d a s vertreten, was das Volk nicht vermeiden und verhindern konnte. Es kommt immer darauf an, was für Einstellungen sich durchsetzen. Wenn ich meine eigenen nicht kenne, wie kann ich mich dann empören über das, was da draußen manifestiert wird? Meine Umgebung formt sich ja auch über die eigenen Einstellungen und meine Bereitschaft, andere wahrzunehmen, durch die ich meine überprüfen kann. Aber was, wenn die Einstellungen gar nicht da und vor allem nicht klar sind? Jetzt muss eine Weltmacht Atombomben haben, um wer zu sein. Aber wer ist man? Mit einer gewissen Konsequenz, die nahezu frei ist von Wunsch oder Willen, erscheint immer wieder, nun im staubigen Alltagsgewand, die antike Frage: wer bin ich? Man kann übrigens die Antwort sehr lange akrobatenhaft variieren, damit man der Frage näherkommt. So nah wie möglich. So bewusst wie möglich und in die gefährliche Nähe des Ungewissen. Ach, wie aufregend. Und dann: nur durch eine klare Einstellung kann ich wissen, nur als Beispiel, ob es mir wirklich ernst damit ist, ein friedfertiger Mensch zu werden, weil ich dann weiß, wie schwer es ist. Es könnte so etwas Spannendes und Prickelndes sein wie ein Stelldichein…na bitte, nun hat sich die Drohung aus dem Wort entfernt und ich kann mir und wem auch immer es zusagt, ab und zu ein Stelldichein mit sich selbst empfehlen. Man ist ja vor Entfremdung von sich selbst nicht wirklich geschützt. Eigentlich gibt es da nicht mal Ferien. Aber gut, sage ich zu mir, man muss ja nicht gleich streng werden. Nur klar. Das kann nicht schaden.

 

Das Bild zeigt eine der unzähligen Möglichkeiten friedfertiger Einstellung.

Amber

Neulich wurde ich mal gefragt, wie für mich die ideale Beziehung zwischen Mensch und Tier aussieht bzw aussähe. Es war im Rahmen eines Projektes, aber man will ja nicht einfach was sagen. „Ideal“ kann man schon mal generell für alle Beziehungen streichen, auch wenn Beziehungsidealisten sich gerne diese Fahne hinhängen können. Geht es um ein Ideal? Oder um das, was jeweils ist, und ob man rechtzeitig die Fähigkeiten erlangt, damit umzugehen. Und da es schon immer, hier in einem angebrachten „Immer“, darum ging und geht, wieviel und welche und ob überhaupt Liebe sich im Prozess umsetzen kann, damit dat Janze blühen und gedeihen kann, sprich: gelingen. Nun hatte ich mich in meiner Antwortsnot bereits als Nicht-Expertin geoutet, da ich weder Mensch/Tier-Ideale hege, noch das tiefe Bedürfnis, Tiere um mich herum zu haben. Vor allem sehe ich ungern, wenn sie, m.E., zu sehr mit menschlichen Fürsorgetechniken bedacht werden, während andere vermutlich besorgt sind, ein Tier könnte in meiner Nähe nicht das Wesentliche bekommen. So zögerte ich vor mich hin mit der Antwort, und wie es üblich ist in den beweglichen Archiven der eigenen Psychenordnung, kamen die Erinnerungen herangerückt. Ganz am Anfang war natürlich die Schildkröte, die irgendwann wo runterfiel und der Sturz den Panzer spaltete. Es gab auch den Wellensittich und die Pferde. An hohe Emotionen erinnere ich mich nicht. Aber in den Jahren meines Aufenthaltes in Kathmandu habe ich einmal einem Mann im Bazaar einen Adler abgekauft. Seine Flügel waren gestutzt, niemand wusste, ob er würde einmal fliegen können. Es kam zu Spannungen in meiner damaligen Quasi-Ehe, als ich mit meinem Bettzeug zu dem Adler zog. Er hieß Zarathustra. Zwei Nepalesen, die unabhängig voneinander einen Ort für ihre Himalaya-Eulen suchten, brachten diese dann auch noch vorbei. Tags war der Adler draußen, nachts die Eulen. Zarathustra lebte! Und eines Tages, und obwohl ich mir nichts sehnlicher gewünscht hatte, blieb mein Herz stehen, als er abhob in die Lüfte. Die Mönche vom Tempel erzählten uns manchmal, dass sie ihn auf der goldenen Kuppel sitzen gesehen hatten, aber dann zog er wohl weiter. Ach ach, mein Zarathustra. Dann gab es einen kleinen Hund, und indische Bauern fanden, der wäre zu anhänglich an mich. Ich schasste ihn hinaus in den Sand, dann töteten ihn die Hunde. So erlebt man auch auf dieser Ebene eine ganze Menge. Tiere und ich….tja….Ein paar Tage nach der Frage aber ergab es sich wie durch einen Zufall, dass, im üblichen Vorgang, eine neue kleine Katze zu uns kam. Jauchzen und Frohlocken, kein Zweifel. Man versteht ein bisschen besser, was Mütter so erleben. Nicht, dass ich das Kind mit dem Tier vergleichen will. Vielleicht das Entzücken der Augen, das Blinken und das Zurückblinken, die Bereitschaft zu Bewegung und Spiel, das Wissen um die verblüffende Zartheit eines Anfangs, damit es gut wird. Im Bild oben sieht man das neue Tier im verwackelten Bild. Nachdem sie stundenlang kleinen Mucks machte, war sie hier kaum zu bändigen.  Den Vater haben wir auch kennen gelernt: ein großes, langhaariges schwarzes Tier, die Mutter ist schneeweiß und kommt aus Norwegen. Die Wunder der Natur lassen nicht auf sich warten, sondern sind, was sie sind, und das reichhaltig. Amber, so heißt sie bislang, ist also bei uns angekommen.

abhängen (?)

Es gibt ja diese Idee des Lebens als Traum oder als Schlaf, und das damit verbundene Gerücht, man könne daraus erwachen. Also erst der nächtliche Traum, aus dem man in den Tag hinein erwacht, und dann das Erwachen zum Leben bzw zu sich selbst als dem Instrument, das eine Neugier dafür entwickeln kann, was diesen Aufenthalt auf der Erde betrifft. Warum hier? Und wie lange schon? Und ganz speziell der oder die sich Fragenden: und ich? Was mache ich hier? Folge ich wie im Schlaf dem gegebenen System, denke, was zur Zeit so gedacht wird, trage am Körper, was zur Zeit so getragen wird, oder treibt es mich eher in die Nachdenklichkeit darüber, wie seltsam es doch letztendlich ist, dieses Leben als „normal“ zu bezeichnen, wo keinerlei ursprüngliche „Norm“ zu entdecken ist, eher eine Verblüffung über die scheinbar grenzenlose Vielfalt des Erschienenen oder des Produzierten. Eigentlich, wenn man mal genauer hinschaut, ist vieles eher absurd. Dass der Mensch auf dem Markt denkt, er hat so eine große freie Wahl. In Wirklichkeit werden Menschen aber ständig verführt, weil man ihre Verführbarkeit erkannt hat und sie auf allen Ebenen benutzen kann. Man weiß genau, dass sie, wer auch immer damit gemeint ist, nicht widerstehen können. Überall herrscht das Übermaß an Angebot. Man wird in den Entscheidungszwang manipuliert. Nicht nur mit der Materie. Denn immer wird ja der Geist zuerst angesprochen. Ob es die Erleuchtungskarotte ist oder das neueste Computerspiel, die Karotte bleibt immer Karotte. Der Entscheidungszwang ist für die Einzelnen so schwierig geworden, dass man, wenn man kann, es am besten (manchmal auch) als Spiel sieht. Das Spiel, mit den Gegebenheiten angemessen umzugehen, kein Spielverderber zu sein, aber auch kein Mit-Spieler im unterwürfigen Sinn. Was bleibt anderes übrig, als vom Schlaf zu erwachen. Da kehrt man dann automatisch wieder zu den Fragen zurück. Was ist Schlaf? Ist Routine Schlaf? Sind Gewohnheiten Schlaf? Andrerseits ist alles das Eine wie auch das Andere. Es hängt ziemlich offensichtlich von dem Bewusstsein ab, vom Blick, mit dem man etwas betrachtet, und von dem, wie man das Betrachtete aufnimmt. Die verfügbare Begeisterung über das Erfassen von Welt und ihrer und meiner Geschichte muss nicht unbedingt einen Plan oder irgendetwas Vorgegebenes haben, sondern kann schlicht und einfach die Freude am Durchblick sein, soweit es der jeweilige Blick ermöglicht. Dass sich dieser Blick wandeln kann, hängt von inneren Einstellungen ab. Sind die Einstellungen zu fixiert, wird der Blick starr. Der Glaube, etwas erhalten zu müssen, was es gar nicht gibt, kann die Folge sein. Das innere Leben ist gern in Bewegung, aber wirklich nur von der Stille aus. Aber bei zu viel Lautlosigkeit setzt der Schlaf ein. Der Traum hat ja die Eigenschaft, dass er einem ein Erleben vorspielt, aus dem man erwachen muss, will man es als Traum erkennt. Wer kennt nicht die Erschütterung dieser Traum-Realität? Den ganzen Tag kann so ein Film an einem hängen, so als könnte man es gar nicht glauben, dass man erwachen konnte. Wie oft wünschen sich Menschen, aus bösen Träumen zu erwachen, aber oft genug ist das Erschreckende wirklich passiert. Wir als Betroffene  können auch aussehen wie Träumer. Wenn das Fassungslose einen erfasst und einen zwingt, mit sich selbst in Verbindung zu bleiben und vor dem Erwachen nicht zu weichen. Der Schlaf ist ja auch schön und so wohltuend. Seine wohltuende Wirkung hängt allerdings vom Wachsein ab, denn was im Wachsein für mich geschieht hat die Neigung, sich im Traum zu versymbolisieren. Das ist auch ein von Freud „Königsweg“ genannter Weg, wem es Freude macht. Ich kenne niemanden, der über die Traumtheorie vom Schlaf erwacht ist. Wahrscheinlich gibt es sie. Nach gutem Schlaf ist Wachsein das Angenehmste, denn der Blick, der sich da formen kann und wird, wird später „mein Leben“ genannt. Und dann:  wie viel Erwachen ist möglich? Und von was oder wem hängt es ab?

 

Tomas Venclova

Bildergebnis für tomas venclova

Uzupis

Im Rauschen der Linden, am steinernen Ufer
Des wirbelnden Flusses, der dem Tiber so gleicht
Sitz ich mit Milchbärten rum, trinke mein „Gilbey’s“.
Abendämmerung, Gläserklirren und Rauch.
Ich kenne sie nicht. Nur ihre Väter hab ich gekannt.

Generationen wechseln, so ist es. Das Diktaphon
Stottert und knackt. Doch meine jungen Frager
Beschäftigt dasselbe was mich einmal umtrieb:
Ob Leid einen Sinn hat und später die Reue,
Was von der Kunst bleibt, da keine Regel mehr gilt.

Ich war wie sie, eh mir ein Schicksal zustieß,
Seltsam vielleicht, doch nicht schlimmer als andre.
Ich weiß nur das eine: das Böse stirbt nie,
Nur die Blindheit, sie läßt sich verscheuchen,
Und daß Verse mehr wert sind als jeder Traum.

Im Sommer oft wach ich noch vor dem Morgenrot auf.
Ein Gefühl, frei von Angst, sagt mir, die Zeit ist nah,
Wo den neuen Geschlechtern nur Lexika bleiben,
Die Wolken, Ruinen, das Salz und das Brot.
Ich aber hab an der Freiheit genug.

wahrgenommen

Man staunt doch immer mal wieder über das abgrundtiefe Bedürfnis von (uns) Menschen, wahrgenommen zu werden. Wenn neben der natürlichen Freude, als Mensch wahrgenommen bzw reflektiert zu werden eine Not oder ein tiefer Mangel damit verbunden ist, weist es in der Tat meist auf ein Erleben in der Kindheit hin. Ich kenne meine eigenen Widerstände gegen das gedankliche Zurückkehren in den Mutterleib, um mit dem Schmerz der stattgefundenen Katastrophen noch einmal in Verbindung zu kommen, damit er durch das Medium des Wortes in meinem Bewusstsein landen und wahrgenommen werden kann. Als wahr akzeptiert, als existent, als nur für meine eigene Psyche unleugbar. Hier im Westen (im Gegensatz zum Orient) wird auch im Alltag wesentlich komplexer und differenzierter gearbeitet. Alles wird gründlich auseinandergenomment. Wir haben Überlebensfähigkeiten entwickelt, Schutzmechanismen, Stellwände, Widerstände. Das sind jetzt meine eigenen Erfahrungen. Es sind die, die mich im Westen haben wach werden lassen. Was in Indien gelehrt wurde und wird, war auch hier vorhanden. Nur abgetrennter vom persönlichen Leben, mystifizierter, isolierter. Das theoretische „philosophische“ Wissen, meine ich. Bis Freud kam und eine Praxis gestaltete, an die sich der Mensch halten konnte, wenn er Hilfe für die inneren Zustände braucht. Damit man sich im Dschungel menschlicher Verhaltensweisen zurechtfinden kann. Für die Erzeugung wesentlicher Aha-Momente. Aha! Das habe ich mit Anderen deswegen gemacht, und das haben sie mit mir gemacht. Und was für einen tiefen Eindruck hinterlässt der Augenblick der Geburt wirklich fürs ganze Leben, wenn man, wie man’s immer gern hätte, freudig willkommen geheißen wurde zum Licht der Welt, oder ob die Mutter gerade mit der möglichen Abtreibung beschäftigt war. Man hat das nicht für möglich gehalten, ich auch nicht, dass sich die Störungen auf dem ansonsten gelingenden Weg nicht von selbst auflösen. Aber auch keine noch so tiefe Meditationspraxis ist eine Garantie für so eine Auflösung. Das indische „Atma“ heißt auch „Seele“, aber die Wahrnehmung davon ist völlig anders. Die Inder gehen von einer seelischen Einheit aus, wie auch immer du sie erreichst, ist dein Ding. Hauptsache irgendwie göttlich, da eindeutig von oben gelenkt. Hier in Europa wird individuelles Verhalten viel komplexer und differenzierter reflektiert und alles auseinander genommen, um zu sehen, wie es ist. Dabei geht dann das Ganze verloren. Und die Frage ist wieder da: was ist das Ganze? Auch wenn ich mein Leben einfach so vor mich hinleben will, wie es halt kommt, kommt es doch letztendlich immer so, wie ich selbst es erlebe und gestaltet habe. Sonst wäre es ja nicht mein Leben. Auf allen Ebenen, die mir zugänglich sind, habe ich immer die Qual der freien Wahl. Denn auch wie ich mich selbst sehe, ist wirklich nur ein Konstrukt. Daraus entsteht die Verantwortung. Jeder Blick kann ein Leben-oder ein Sterbenlassen sein Und dann und daher: ja!, tatsächlich!,: Sein ist Wahrgenommensein.

Bild: kleiner Stein aus Portugal

regen

Ach ja, der Monsoon ist auch rübergekommen nach Deutschland, genau dann, wo er eigentlich dort sein sollte. Ich bekomme die jährliche Mail aus dem indischen Dorf, die mir meistens verkündet, wann der erste Regen eingetroffen ist. Aber jetzt im August ist es dort superheiß, und kein Regen, und zu wenig Wasser im See. Ich sinniere in das hiesige Getröpfle hinein, ob es nicht Wege gäbe, die Dinge wieder etwas mehr auszugleichen. Aber sie kommen ja vom Ausgeglichenen. Oder wer weiß  noch, was von wem und wo und wodurch verursacht wurde, was zu jenem und dem und dem anderem führte. Außerdem kann es sehr wohl sein, dass sich die vorhandenen Energien immer in einer Ausgleichung befinden, nur vielleicht mit jeweils schwerpunktmäßig unterschiedlicher Verteilung. Oder es sieht nur so aus, zum Beispiel, dass die Gewalt stetig zunimmt. Und gibt es eine automatische Ausgleichung auf der Seite der „Friedfertigen“? Die letzte grandiose Illusion, dass wir gar nicht frei sind, sondern Partikel der Ausgleichung? Gut, selbst wenn es so wäre oder ist, wäre und bin ich trotzdem an mich selbst gebunden im Sinne, dass ich meine Existenz ja nicht leugnen kann. Ob ich sie nun als Senfkorn wahrnehme (meine Existenz), oder als Formkonstrukt, ist bereits im Reich der Bezeichnungen, der Zuschreibungen, der Gestaltungssphäre. Zweifellos gestalte ich mein Sein gemäß dem vorhandenen Umfeld. Aber ich denke auch, dass die vorhandene Freiheit oft viel größer ist, als wir wahrhaben wollen. Nur wo ist sie? Was ist mit ihr geschehen. Mit ihm, dem großen vertrauten Raum, in dem das eigene Sein sich ungestört aufhalten konnte. Insofern ist, ganz klar, der Weg zu diesem Raum nicht eigentlich ein Weg zurück, sondern ist ein Kreislauf der Entwicklung, in der ich irgendwann wieder mit dem Ausgangspunkt in Verbindung kommen  kann. Ein Freiraum, in dem die Liebe gar nicht so sehr das zu Erringende ist, sondern das Gegebene, das Vorhandene, auf das ich mich dann, ausgereift und als eigenes Wesen, wieder einlassen kann. Wenn mich manchmal bei all den horrenden Geschehnissen auf dem Planeten ein Mitgefühl ergreift, ist es häufig der abgeschnittenen Leben wegen, denen durch haltlose Eingriffe Anderer das verbleibende Leben verwehrt wurde. Das Leben Anderer nehmen, das ist schon ein verstörender Vorgang, dem sich Menschen immer wieder aussetzen, und sich deshalb immer wieder irgendwo mit Kriegen in Schach halten müssen. Es gibt eben kein Rückwärts, sondern was in die Welt gesetzt wird, will wachsen und gedeihen. Kaum einer kann sich mehr vorstellen in den jeweiligen Epen, wie es war, bevor der Mensch aus den Paradiesen gejagt wurde. Wie sah es aus, und wie fühlte es sich an, als um Punkt 12 Uhr des kosmischen Gongschlags auf einmal Frieden war? Oder kann bei jedem Einzelnen um 12 Uhr kosmischer Zeit jederzeit ein Gong schlagen? Kain, wo ist dein Bruder Abel? Ja wo isser denn? Ich, ich soll sowas getan haben. Ich? Das bin doch nicht ich, die das getan hat. Doch, ich. Ich habe jetzt Abel nicht umgelegt, und ich kniee auch nicht auf einem virtuellen Beichtstuhl. Es genügt, dass ich weiß, was ich tue. Wo ich etwas ändern will an meinem Verhalten, kann nur ich etwas ändern. Im Raum der Liebe ist auch mit den Anderen Wachheit und ein Zulassen voneinander. Mir macht es nichts aus, wenn Menschenkinder zu reifen Erwachsenen werden Es gibt auch nicht wirklich Spielregeln, die man einhalten muss. Ja, in gesellschaftlichen Konstrukten ist das ja angebracht, aber nicht innerlich. Ich kann sein, wer ich bin. Wer soll mich hindern.
Das Bild zeigt ein durch deutsche Monsoontätigkeit entstandenes Moosgewand eines Yogis bei uns im Garten.

unabhängig

Bildergebnis für Bharat Mata
Die indische Nation als Göttin, das würde (noch) keinen Inder und keine Inderin erstaunen oder erschrecken. Ja, es war Unabhängigkeitsaufmarsch-und jubel, vorgestern. Ich war unterwegs und wurde durch das Radio darauf aufmerksam. Ein indischer Musiker klagte darüber, dass die Entwicklung der modernen indischen Musik global gar nicht wahrgenommen wird, weil die Westler sich immer noch keine Musik aus Indien ohne Tabla vorstellen können. Generationen von Westlern haben sich in kleinen Räumen die Finger wundgetrommelt, das will man doch nicht einfach vergessen. Wir mochten ja das grandiose, staubige Getümmel mit den herrlichen Orten, den noch einigermaßen sauberen, heiligen Gewässern und der genialen Überlebenskraft der Hindu Gesellschaft. Auch sie haben das blutige Erbe hinter sich, sind permanent von irgendwem bestimmt worden, bevor der kleine weißgekleidete Kauz Ghandi seine Lebensaufgabe entdeckt hat, aus den Indern eine eigenbestimmte Menschheit zu machen. Mir wurde oft vermittelt, wie friedlich Muslime und Hindus einst lebten, aber über die blutigen Kriege kann man mit niemandem reden. „Geh doch nach Pakistan!“ ist ein gängiges Schimpfwort geworden. Als Mani eine Niere brauchte, brachte ihn sein Bruder heimlich nach Pakistan, weil es da welche gab. Alles war wie im Krimi. Der Preis, das schreckliche Geheimnis, das auch ich hüten muss, denn niemand darf jeh erfahren, dass die Leber eines Brahmanen aus Pakistan kam. Die Mittelschicht will sich natürlich weiterentwickeln, wer will es verübeln. Man kann der ganzen Schicht ja nicht zumuten, sie müssten sich um die Millionen Abgehängter kümmern, die mit ziemlicher Häufigkeit noch ihre Kinder zerhacken, wenn die nicht die richtigen Menschen in der vorbestimmten Kaste heiraten. Wir hatten davon ja auch keine Ahnung. Wir kamen in ein riesiges Land mit freundlichen Menschen, die an Höflichkeit und eingefleischtem Wissen kaum zu überbieten waren. Und das bei gutem Milchtee und einer sehr spürbaren Zeitlosigkeit. Bis heute kann man in Indien zu spät zur Arbeit kommen, weil jeder versteht, was geleistet wird. Überhaupt ist das Zuspätkommen eine Volkseigenschaft, an der noch niemand rüttelt. „Unabhängigkeit“, ein sehr anspruchsvoller Begriff. Sind sie denn unabhängig geworden, die Hindus? Von Pakistan sicherlich nicht.  Täglich kriegelt es hier und dort, sie hängen ganz schön aneinander, die neuen Feinde. Wenn sinnloses Schlachten stattgefunden hat, kann man das wirklich vergessen, ohne mal kollektiv darüber nachgedacht zu haben? Kann das gut gehen? Nach dem großen Schweigen kamen die Telefone, erst in öffentlichen Häuschen, dann an der eigenen Wand mit Schnüren, dann in der Hand ganz klein. Nun wachsen sie wieder in der Hand, die unerlässlichen Sprachrohre, an denen auf einmal die ganze Nation hängt, als hätten sie tausende von Jahren gar nicht gewusst, mit wem man alles reden kann. Und was man wählen kann mit dem eigenen Gehirn oder mit der Familie auf den riesigen Flatscreens. Nur wir Indien-Reisenden vermissen dieses bunte virtuelle Gewimmel nicht. Wir trauern ja den staubigen Straßen nach und dem ungiftigen Tee. Wir trauern dem Indien nach, von dem wir abhängig waren und das sich jetzt durch Kopieren von uns und unseren Gesellschaften aus unserem anhänglichen Blick herausschält in die moderne Unabhängigkeit. Klar war das beeindruckend, einen indischen Transgender-Sänger im deutschen Radio ein schönes Lied singen zu hören. Den Paragraphen 337 gibt es immer noch. Und wenn ihr euch anständig anzieht, ihr Frauen, und abends nicht draußen rumhängt, passiert euch auch nichts. Die Wege der sogenannten Entwicklung sind weit und gefährlich. Und ob es Menschen wirklich gelingen kann, in eine innere Unabhängigkeit zu kommen, um über ihr eigenes Leben souverän entscheiden zu können, hängt nicht vom Atomprogramm der Nation ab und nicht von ihren militärischen Darbietungen.
 
Das Bild ganz oben zeigt „Bharat Mata“. „Bharat“ ist ein altes Wort für Indien, und „Mata“ heißt Mutter. Das untere Bild zeigt einen göttlichen Fußabdruck auf einem herumliegenden Sandstein im Dorf.

passt

Worte können auch geistern, ja, sind oft wie Geister, die in mehr oder weniger klaren Formen auftreten und ihre Wirkung entfalten Was hat man nicht alles von ihnen gesagt! Sie kommen hervor, sie ziehen sich zurück, sie können zärtlich sein, sie können töten. Wo kommen sie her? Wie sind sie entstanden. Über das Erscheinen des Wortes „Selfie“ weiß man, dass es nicht nur auf einmal da war, sondern dass genug Menschen es überall in der Welt aufgegriffen und benutzt haben, sodass es nun in der hehren Gruppe der Duden-Bewohner aufgenommen wurde. Werden musste, weil es nicht mehr wegzudenken ist. Selfie ist da, ob man will oder nicht. Die Worte selbst erscheinen ja auch erst einmal jung und frisch, bis die, die in der Masse landen, dem Volk auch zum Opfer werden können oder von ihm missbraucht werden. Und es entstehen Obsessionen und Krankheiten, von denen man dann spricht, als handle es sich um eine geschichtliche Ära: vor und nach dem Selfie zum Beispiel. Die beiden Worte „Alles gut!“ waren sicher auch einmal bei ihrer Geburt gut gemeint, jetzt können sie als subtile Waffe eingesetzt werden, die mir den Anderen vom Leib hält. Stör mich bloß nicht! Alles gut! Ach ja? Alles gut? Alles ist schon viel, aber „alles gut“ ist das perfekte Rüstzeug, um genau das zu vermeiden, was eigentlich gar nicht gut ist. Und wann war schon mal alles gut? Der selige Traum vom diamantenen Hafen der Einheit, des Zustandes der Einheit, kann sich sicher durch das duale Prinzip nicht wirklich umsetzen, und überhaupt die Frage: wie sieht das aus, wenn „alles“ „gut“ ist. Gewichtige Worte auch im Paradies: „wehe wehe ihr esst von der Frucht (des Wissens), dann aber…Menschen erschaffen sich Lichtgestalten und geben ihnen Namen. Und ich persönlich kann nicht behaupten, dass ich es in bestimmten Zeiten nicht förderlich fand, durch ein Wasauchimmer in die Vertikale gezogen zu werden, damit das dunkel Bewusste sich selbst belichten kann. Und was geistert da immer noch herum aus der Antike? Wer hat’s zuerst gedacht, wer eingemeißelt in die Menschheitspsyche, damit auch das Wissen zugänglich wird, wie man aus dem leidvollen Schlamassel des Menschseins einen Weg herausknobelt, und ob es den überhaupt gibt. Das Orakel von Delphi mit der mysteriösen Botschaft bzw. dem wohlgemeinten Hinweis, der Mensch soll die Möglichkeit und das Angebot, sich selbst erkennen zu können, wahrnehmen und nutzen, damit durch wissensvollen Umgang mit dem Schicksal die Freude am Abenteuer nicht flöten geht. (flöten?) Und dann der Schrecken der Worte. Welches Wort hat den Befehl zur Auslösung der Atombombe über Hiroshima ausgelöst, oder waren es nur Zahlen? Und „Heil“? Was heißt das? Wie war das gemeint? Das wissen sicherlich welche, aber ich weiß es nicht. War der Heiland gemeint oder das Heilen? Heil Hitler? Wie kam es zu dieser unseligen Form, die so viele so überzeugend fanden: die straff ausgestreckte Hand zum Heilsversprecher hin.? Kein mulmiges Gefühl, als es anfing? Keine Fragen? Wortlos im Unsereins. Worte sind Kräfte. Seit alle redend im Netz unterwegs sind, sind Worte auch Freiwild. Wir WortwertschätzerInnen haben das nicht so gern Unsere eigengeborenen Worte laufen schon Gefahr, in und mit den Handschriften verloren zu gehen, das Gefühl für Papier. Ich schreibe auch manchmal Worte auf, die ich noch nie gehört habe und bewahren möchte und damit meinen eigenen Schatz erweitern. Es kommt selten zur Nutzung, aber die Freude ist dennoch da. So. Heute schließe ich mal ab mit einem Worteraub, oder vielmehr ist es ein ganzer Satz, den ich kurz mal raube und wieder loslasse. Er kommt aus einer Ohrwurm-Werbung, und jede/r kennt ihn. Er ist genial, denn lässt man das Produkt weg, für das er wirbt, kann man ihn nahezu grenzenlos einsetzen. Also sozusagen ein illegaler Akt vor aller Augen: „Bei allem, was dir wichtig ist, machst du keine halben Sachen: Wortschatz, wenn’s gut werden soll“. Passt doch!

original

Auf der anderen Seite ist es natürlich so, dass es in unserem Zeitraum der Geschichte vordergründig immer so scheint, als wüssten wir, wer und was gerade die Welt regiert. Aber es gibt nicht nur hinter den „Macht-Habern“ immer die Strippenzieher, die zum Glück auch manchmal auf den Vordermann Macht ausüben können, sondern es gibt viele Welten und Mächte, die sich gleichzeitig im Verborgenen und Sichtbaren entwickeln und erscheinen, wenn ihre Zeit gekommen ist. Auch die Inder haben Atombomben bereitstehen, und Menschen aus dem Westen würden oft staunen, wie sehr der Inder sein Land als eine Weltmacht sieht. Mark Zuckerberg ist auch eine Weltmacht. Es kommt eine ganz klare Botschaft aus dem Nerd-Reich: es ist die Optimierungsmöglichkeit des Menschen als einem Objekt, in das in immer technisch ausgefeilterer Perfektion Projekte hineingestaltet werden können, die das als menschlich bekannte System hinter sich lassen.  Auch Oppenheimer, ein genialer Kopf, konnte nicht widerstehen. Ist das genial? Der Genius mutiert nahezu unbemerkt in ein trojanisches Pferd, das seinen Inhalt selber nicht mehr erkennen kann, oder wegen tierischer Triebe das Bewusstsein darüber aus dem Wege befördert hat. Dann gibt es die Möglichkeit, diese ganzen sogenannten „bedrohlichen“ Mächte nicht so ernst zu nehmen, weil das eigene Leben eben auch interessant ist und man nur dadurch mitgestalten kann. Und mitdenken. Und vor allem selber denken, damit man irgendwann die gewohnten Prägungen lüften und dahinter schauen kann, ob sie auch wirklich meiner Quelle entstammen. Ent-stammen, genau…Jetzt muss ich doch hier den Satz von Aristoteles zitieren, den ich vorgestern auf der Website von Francis Norman, einem Jazz-Violinisten aus Ghana, gefunden habe, und zwar dass, „wenn die Bedürfnisse der Welt mit den eigenen Talenten zusammen kommen, unsere Berufung genau d a  liegt.“ Sehr schön, weil es eine immense Freiheit ausdrückt, und gleichzeitig der Hinweis auf die Verantwortung des Sich-selbst-Seins, ohne die man kein eigenes Denken und förderliches Tun haben kann. Und natürlich ist es höchste Zeit angesichts der nackten Tatsachen auf der Weltbühne, dass man erwacht vom Schein des Autoritätsgehabes- und glaubens. Das will nicht heißen, dass nicht jeder Mensch durch die Verbindung mit sich selbst eine natürliche Autorität besitzt. Die „Hörigkeit“ hat vor allem mit der gängigen Überschätzung von Autoritäten zu tun, die das Vertrauen in das eigene Wesen behindert. Heute früh beim Brombeeressen im Wald fiel mir ein, dass meine Mutter während meiner Schulzeit, als ich mich über einen Lehrer ärgerte und sie zufällig da war, vorschlug, ich solle ihn mir doch einfach in Unterhosen vorstellen. Na ja, das habe ich nicht gemacht, aber es hatte die gewünschte Wirkung in Form gemeinsamen Lachens. Oder „des Kaisers neue Kleider“, auch effektiv. Dann wiederum sind wir uns unserer eigenen Kraft oft nicht bewusst. Die Einzigartigkeit unserer Anwesenheit kann nicht bestritten werden. Und als diese auftauchenden und wieder verschwindenden Originale sollten wir auch glänzen. Als würde es keinen Unterschied machen, wer wir sind! Und wie wir unterwegs sind.

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Ist doch wirklich unglaublich, was man in einem Leben von der Geschichte des Menschen (und der eigenen) erfahren kann! Gut, Trump ist hier auch nur der Avatar für das schlechthin Unglaubliche, an dem sich die Geister erproben. Aber hier hat sich für mich in der laufenden D.T.-Oper eine Variante gezeigt, die mir s o nicht bewusst war. Da zieht sich also ein Fackelzug von Neo-Nazis durch eine amerikanische Stadt, die teilweise „Heil Hitler“, aber auch „Heil Trump“ rufen. Es erinnert an den Mythos der Hydra. Man bemüht sich um den angemessenen Umgang mit einem Kopf, und währendessen wachsen  ganz woanders zwei neue nach. Der Kopf in der Mitte galt ja als unsterblich, sozusagen unausrottbar, und könnte hier als eine Tendenz im menschlichen System stehen, die mit einer gewissen Freiheit des Menschen verbunden ist, den eigenen Neigungen, jenseits von Gut und Böse, zu folgen. Der Mensch ist eben permanent im Entscheidungszwang, und nur der freie Wille, die Verantwortung für diese Freiheit zu übernehmen, kann uns aus diesem Zwang befreien. Die Transparenz von Trumps Schauspiel ist geradezu beeindruckend. Einige haben sich ja auch der Gerechtigkeit oder was auch immer halber um eine ausgewogene Beurteilung dieses Spielers bemüht, aber ob man will oder nicht, so neigt doch die Waagschale immer aufs Neue auf eine Seite. Trump neigt sich hin, wo er angelächelt, nie kritisiert und vor allem gelobt und als  Retter der Nation gefeiert wird. Dass nun herauskommt, dass eine zu große Menge diesem dunklen Spiegel von verstecktem Rassismus zuapplaudiert und sich entlarvt als die Unterstützer rassistischer Ausrottung, das gibt schon zu denken. Auf einmal wird aus dem vermeintlichen Helden und Herrscher ein Sklave, der die Gefahr wittert, die von der Sucht der Eitelkeiten ausgeht, gepaart mit der aufgewühlten Psyche eines gefährlichen Tieres. Der Präsident versteht die Welt nicht mehr. Gerade haben noch alle zu ihm hochgeblickt, jetzt muss er seine Zujubler abstrafen. Selbst die Vertrauten zwitschern gegen ihn. So ein Moment kann wie alle Katharsis-Momente zu einem Erwachen zur Bedrohlichkeit des Seins durch eigenverschuldetes Verhalten führen, aber das ist ja nicht so einfach, wie man’s dann gern hätte. Wie gesagt, man kann auch vom Ego nicht erwarten, dass es sterben will. Und wenn man im eigenen Zuhause etwas verursacht hat, was ganz offensichtlich daneben war, und kann mit liebevoller Unterstützung in diesem leidvollen Prozess der Selbsterkenntnis rechnen, dann kann das Erschreckende auch eine Chance sein zu menschlicher Reife. Dass sich im globalen Geschehen genug kluge Köpfe für eine Deeskalation der Spannungen einsetzen, liegt daran, dass die Gefahr erkannt wird, weil u.a. auch die Gespenster von Nagasaki und Hiroshima und  vom Dritten Reich um die Regierenden herumtanzen und zeigen, wie weit Machthunger gehen und wohin der Vernichtungswahn entsperrter Egomanien führen kann. Nämlich zu einer Art von Vernichtung, die das Ende der Geschichte von der Vertreibung aus dem Paradies bedeuten könnte, nur mal bildlich gemeint. Man mochte gerne gedacht haben, dass es im Menschen tatsächlich eine Sperre gibt, und zwar die der eigenen Auslöschung, bei der der Selbstmord immer eine Ausnahmestellung hatte. Aber seit im Himmel wieder viele Jungfrauen versprochen werden  undsoweiter, sieht man, dass auch diese Erwartung getäuscht hat. Menschen schrecken vor nichts zurück. Das weiß man nicht gerne. Für so manchen könnte der letzte Kick aus einer bewussten Fehlentscheidung bestehen. Daher: auf die Blumen achten, und die Sternschnuppen, und auf die bereitwillige Klärung der Störungen, und den eigenen Anteil daran, und auf die Freude, wenn die Verbindung gelingt. Und mit was und wie ich meine Zeit vertreibe.