entsagen

Manchmal fallen einem dann die Worte auf, die man im Begriff ist, zu benutzen. Die Berührung mit dem „Entsagen“, womit wohl mal das Schweigen gemeint war, kam für mich über ein Telefongespräch mit einer befreundeten Afghanin, die mir vermittelt hat, dass sie trotz Hitze und ihren zwei kleinen Kindern dieses Jahr gerne „Ramadan“ „feiern“ würde. Ich bin gewohnt an den Ramadan-Monat der Muslime, denn der nächstliegende Ort in Indien, wo ich wohne, ist muslimisch und beherbergt eine der berühmtesten „Dergas“ der Welt. Und von einem muslimischen Wäschermann im hinduistischen Dorf, den ich sehr schätze, habe ich erfahren, dass man möglichst vor Ramadan die Reise nach Mekka antreten soll. Ich war zutiefst beeindruckt, als Shaafi und seine Frau die mühseligst gesparten und durch Bügeln erworbenen Scheine zusammenhatten, um diese gepriesene Reise zu machen. Danach war alles Wesentliche erledigt. Sein Bart wurde erstaunlich schnell weiß, und sein Bügeln erlöst in bestmöglichem, geistigem Zustand. Auch die Hindus sind Meister der Entsagung. Meist ist man auch nicht allein im Entsagungsprogramm. Die Lust am Entsagen schweißt vor allem auch geistig ausgerichtete Gruppen zusammen und erzeugt immer und immer wieder dieselben autoritären Strukturen, wo Menschen bereit sind, Entsagungen auf sich zu nehmen, weil oft auch ein exklusives oder elitäres Menschsein als Karotte vor die Triumphkutsche gespannt wird. Wohl dem/der, der/die durch die Erfahrung einer Lehre gehen kann, ohne den  System-Denkern das eigene Denken zu opfern. Nun durchläuft also der Islam mal wieder die Ramadan-(Tor)tour. Den ganzen Tag, von Dämmerung zu Dämmerung, wenn  schwarzer und weißer Faden nicht mehr zu unterscheiden sind also, wird weder gegessen noch getrunken. Da quält sich also eine riesige Masse von Menschen lustvoll durch den Tag, und ich hatte unsere befreundete Afghanin eigentlich im Verdacht, dass sie Ramadan zum Abnehmen praktizieren will. Merkt ja keiner und will keiner wissen, warum man es macht, denn jeder, der kann, macht das. Aber nein!, höre ich, ganz im Gegenteil!!! Wenn abends die Tortur vorbei ist, wird derart geschlemmt, dass die meisten zunehmen, und die Marktlücke bereits mit Abnehmprodukten unterwegs ist, damit man durch das Fasten im Ramadan nicht kräftig an Kilos zulegt. Man soll auch tagsüber nicht lügen und keinen Sex haben, das muss irrsinnig schwer sein. Der Gründer, der sich das alles ausgedacht haben soll, brauchte vielleicht nur mal eine Pause, wenn es stimmt, dass er so viele Frauen hatte, dass keiner sie ordentlich zählen konnte. Gegen das Pausemachen kann man nichts einwenden.
Auch in Taormina wird zur Zeit viel entsagt. Redefreiheit zum Beispiel. Da sitzen Menschen, die in der hohen Kunst der Diplomatie geschult sind. Der neue Papa aus Amerika aber macht schnipps!, und aus Diplomaten werden Kleinkinder, die dennoch einschätzen können müssen, wie gefährlich es sein könnte, dem Herrn Papa zu zeigen, was man wirklich denkt. Dear Donald, please go home and take care of your own business. We can manage quite well without you, grazie. Geht nicht. Ist viel zu gefährlich. Das Uneinschätzbare hat Einzug gehalten in die Weltarena. Man verlässt die antiken Stufen und kehrt heim zu sich. Man schweigt von dem, was nicht gewusst werden kann.

können

 

Was man auf diesem zwar (auf)gerüttelten und geschüttelten Planeten (noch) so alles kann, ist mehr als erstaunlich, es ist überwältigend. Was immer der Mensch wirklich haben wollte und will, konnte und wollte und oft auch kann er es umsetzen. Manche Sachen  sind schwieriger als andere. Zum Beispiel scheinen Menschen es schwierig zu finden, mit anderen Menschen gut umzugehen. Das können wir nicht so gut, wir Menschen. Das andere Universum, das uns näher kommt: ach ja, auch fremd. Die Haare seltsam gebündelt, das Wort nicht erlesen (genug). Man kann sehen, dass Donald Trump uns verwöhnt damit, mal sehen zu können, wie so ein richtig narzisstisches Arschloch aussieht. In Brüssel war für die BeobachterInnen der Reise endlich Entspannung. Man vermisste zuvor die eindeutig peinliche Geste, und konnte den Weltenherrscher dann wieder so sehen, wie man dachte. K a n n man ihn anders sehen, oder ist man schon im Zugzwang der Wahrnehmung, dass die Groteske die Weltlenkung übernommen hat, und man hat es nicht wahrnehmen können, dass es so viele unzufriedene Menschen gibt auf der Erde. Die sehen a u c h, was man so alles (haben) kann, wenn es einem rechtzeitig ermöglicht wird, Eigenes zu gestalten. Zu viele Menschen bewegen sich auf dieser Erde, die nicht wissen, wie man da (wieder) hineinkommt in das eigene Leben, während permanent Gelüste produziert werden von all dem, was viele niemals haben werden. Auf der anderen Seite der Achse sieht man, ja wen denn, zum Beispiel Diogenes in der Tonne. Einmal auf einem Spaziergang habe ich eine Villa gesehen, deren Bewohner auf ihrem luxuriösen Anwesen ein kleines, tunnelartiges Häuschen hatten, auf dem „Diogenes“ stand. Aus einer Tonne heraus unsterblich zu werden ist schon auch eine Leistung. Es muss die Menschen durch die ganze Geschichte hindurch immer wieder begeistert haben, dass er zu Alexander dem „Großen“ sagen konnte, der solle ihm aus der Sonne gehen. Man möchte zu gerne glauben, dass viele Menschen in der Lage sind, zu einer Autorität zu sagen: geh mir aus der Sonne!, aber das ist nicht so, das muss man können. Um das sagen zu können, braucht man Vorbereitung und Einstellung und Positionierung und Ausbildung und was nicht alles. Und obwohl ich beim Evangelischen Kirchenfest gerne gehabt hätte, dass nicht auf christlich rumgelabert wird, bin ich doch froh, mich geirrt zu haben. Sah irgendwie ganz schön aus mit den beiden Menschen da. Und ich habe mich auch gefreut, dass Angela Merkel in Gegegnwart von Barack Obama, den man als „den vormals mächtigsten Mann“ titulierte, bemerkt hat, s i e säße doch neben ihm, ein kleiner schmunzelnder Hinweis auf die derzeit mächtigste Frau der Welt. Vielleicht mag ich sie (auch) deshalb, weil in ihr ein Diogenes steckt, die auch auf der politischen Weltenbühne weder herumkriechen noch herumgaukeln muss, weil verantwortliches, menschliches Verhalten überall und für jeden zugänglich und möglich ist, auch wenn wir alle weiterhin üben müssen, bis wir es können.

Überhaupt kann man ja auch immer, wenn man möchte und die Umstände es erlauben, im Gras liegen und in den Äther schauen, wie auf der obigen Pinselei rechts sichtbar ist. Sie heißt „Äther-Betrachtung“. Das linke Bild (aus der Zeit/FAZ? mit meinem Farbtöpfchen)) hat mir einfach gefallen, weil es auf scheinbar harmlose Weise zeigt, wie gefährlich infantil vieles ist, was wir nicht mehr einschätzen können.

tricky

himmelfahrt-anim-large

Das ist ja tricky: Ich hatte jetzt keine Lust, mich in irgendeiner Form auf „Himmelfahrt“ bzw. „Vatertag“ einzulassen, und fand dann im Netz dieses mir neutral vorkommende „Himmelfahrt“ mit dem Himmel dahinter. Es sollte neben meinem anderen Bild stehen. Kaum hatte ich es rübergebeamt, fing es an zu reden und mir eine Frage zu stellen. Man kann ja heutzutage so ziemlich alles schnell löschen, wenn man möchte, aber nun antworte ich halt zuerst mal auf die penetrante Frage, soweit ich kann. Also die Antwort ist nein!, ich werde nicht dabei sein, wenn Jesus wiederkommt, und auch nicht leider, denn ich will gar nicht dabei sein. Auch mit Glauben habe ich nichts am Turban (statt Hut), und es ist mir eher peinlich, dass Barack Obama und Angela Merkel zusammen über die christlichen Werte parlieren möchten. Bei allem Respekt für Frau Merkel, fände ich es genau hier angebracht, mal über Waffendeals zu reden. Ein blauer Himmel über Tacheles-Reden. Kann Glauben Tacheles sein? Natürlich muss man an so einem schönen Feiertag auch nicht unbedingt düster werden. Die Frage „Was geht mich die Welt an?“ ist auch nicht immer aktiv. Wiederum kann sich heutzutage kaum jemand der Entscheidung entziehen, wo ich letztendlich hinschauen möchte, oder mal hinschauen muss, wenn sich das Altbewährte als eine Hemmschwelle in den Weg stellt. Wenn die Wahrscheinlichkeit entsteht, beim Gemüsekaufen unterwegs abgeknallt zu werden von weiteren Irrlichtern….muss ich darüber nachdenken? Wie dem auch sei. (Ein sich selbst beendet habender Satz).
Im Kontext meiner gestrigen Gedanken über Sinn und Unsinn „wissenschaftlicher“ Forschung hörte ich dann unterwegs in den Nachrichten, dass seit Anfang dieses Jahres 1.3oo (gezählte) Menschen im Meer auf überfüllten Booten versunken sind. Als ich vor zwei Jahren diese Zeichnung oben links gemacht habe, waren 23.000 registrierte Körper schon versunken unter denselben Umständen. 23.000 Menschen, dachte ich, und wollte mir das mal vorstellen, indem ich so viele Punkte auf ein Blatt pinsle wie möglich. Ich kam bis 600. 600 Punkte sind auf meinem Blatt da oben. Unterwegs fing ich an, die Haare der Punkte zu spüren, und die Körper und die Leben, die daran hingen. Nicht, dass man es sich wirklich vorstellen kann, dass Tausende von Menschen und Leben unter den Augen der Menschheit aus purer Gier und anderen Süchten versinken. Dass Ähnliches „schon immer“ war, ändert nichts an der Tatsache. Es macht nur aufmerksam darauf, dass die Menschheit sich trotz allen vorhandenen Wissens nicht zu entwickeln scheint, was erstaunlich ist. Und, ohne es zu weit an den Haaren herbeiziehen zu müssen: Afrika galt bisher unter „uns“ als die Wiege der menschlichen Urknochen!!!???? Jetzt kann man vor den eigenen Augen der Ohnmacht die Urknochen der Menschheit im Ozean versinken sehen.

 

enttäuscht

     

 Evolution: Dieser Unterkiefer, einst in Griechenland entdeckt, ist einer der beiden einzigen Funde des "Hominiden Graecopithecus freybergi".
Wie!!!??? Wir stammen nicht von der afrikanischen Wiege der Urknochen ab!? Da bin ich aber ein bisschen enttäuscht. Obwohl. Ich habe ja klar gemacht, dass ich, was mich persönlich betrifft, nichts hören möchte von den Primaten, an deren vermutetem Zahn bzw. Unterkiefer, oder war es umgekehrt, nun eine neue wissenschaftliche Vermutung sich angedeutet hat, dass wir, ja!!!, wusst ich’s doch, wir doch vom europäischen Raum abstammen, vielleicht Bulgarien oder dem Balkan oder so. Und dass ich das gerade in der Zeit hören darf, wo i c h da bin, das ist ja ganz besonders. Wer weiß, woher wir in ein paar Jahren abstammen, wenn jemand eine andere Vermutungskette anzapft!!! Da bin ich vielleicht schon unterwegs in die nächste Szene und bekomme gar nicht mehr mit, dass menschenähnliche Primaten-Urknochen auf einem winzigen Zwergplaneten geortet wurden, was frische Denkfalten aufwirft. Ja was denn nun? Eigentlich dachte ich mal, dass ich mit Freunden in einer Pyramide vom Dorther ins Hierher gelandet war. Wir waren jung in der Menschheitsgeschichte und fühlten uns bewegt, Neuheit in die Welt zu bringen. Na ja, Schwamm drüber. Dann war mir ein paar Jahre klar, dass ich reinkarnationstechnisch von Form zu Form gewandert bin, von Mensch zu Mensch sozusagen, und ganz ohne Primatenoutfit, danke. Sachlich geschulte Menschen würden hier sicher gerne einwerfen, dass wir alle aus dem Mutterleib kamen und weiterhin kommen und kommen werden, aber wer weiß? Wie lange gibt es ihn  denn schon, den Mutterleib!? Vielleicht war es draußen mal sehr gefährlich, und man musste eine Weile drinnen bleiben zum Schutz der Weiterentwicklung. Man muss, auch auf die Gefahr hin, als Naivling gesehen zu werden, nicht annehmen, dass alles immer schon so war, wie es ist. Oder es ist wie eine schwebende Acht, die ein-und ausatmet und mal hier, mal dort vorübergehende Tatsachen hervorzeugt. Da fallen mir doch beim Tiefdenken ein paar sehr unterhaltsame Menschenherkunftstheorien ein, die ich zweifellos mit sicherer Hand gleich in meinen Archiven finden werde und offerieren kann. So! Da sind sie, und sie können durchaus Anregung bieten zu eigenem Sinnieren!

einleuchten

Es ist, wie „wir“ es in Indien ausdrücken können würden, kein so angenehmes „Karma“, sich in einer großen Religion wie dem Islam zu bewegen und ständig mitzukriegen, dass sich Dazugehörige des Clans allerortens in die Luft sprengen und möglichst viele von denen mitnehmen, die halt weder Wunsch noch Anrecht haben auf 72 Jungfrauen in fernen Gestaden. Es gibt vermutlich unzählig viele Gründe außer Jungfrauen, warum Menschen sich auf solchen Pfaden bewegen, und viele Gehirne fühlen sich angesprochen, darüber nachzudenken, weil das  Phänomen des Sich-selbst-in-die-Luft-jagens in dieser Häufigkeit ja doch ziemlich neu ist. Mühsam ist dann natürlich auch, die schönen Erscheinungen der Religionen noch wahrnehmen zu können, wenn man mit ihnen in Kontakt kommt. Ich habe hier bei mir einen Gebetsstein aus der Erde von Kerbela, ein „Muhr“ (s.o.rechts) Er sieht tatsächlich aus wie ein Stempel, was das Wort wohl auch heißt. Ich habe ihn bei unseren afghanischen Freunden gesehen und war begeistert von dem Objekt. Dann haben sie mir einen dieser Erdstempel geschenkt. Mohammed soll gewollt haben, dass die Stirn immer auf reiner Erde ruht beim Gebet. Und hat man die gerade nicht parat, nimmt man halt ein gepresstes Stück von ihr mit. Das und weiteres könnte alles seine eigene Würde und Schönheit beibehalten, wenn das Bild nicht ständig vermasselt werden würde durch blutige Taten und Frauen, die nicht Auto fahren dürfen. Auch in den gängigen Religionen schreitet ein Zeitmaß voran, und nicht nur ein paar Erlesene  merken, dass etwas aus dem menschlichen Ruder gelaufen ist, und überall in den Religionen und Institutionen knirscht es zumindest in den Strukturen, und es kommt nur drauf an, ob sich genügend mutige Geister finden, die die verfügbaren Lücken zu einem Freisprung nutzen können. Was nicht heißt, dass ich beim Gang über einen Marktplatz nicht auch von einem dieser Geschöpfe in die Luft gejagt werden könnte, was wiederum nicht so meine eigene Gedankenwelt bewegt. Ich fand den Satz gut, der von Al-Halladsch überliefert ist, als er blutig und gekreuzigt am Baumstamm hing und einer ihn fragte, was Mystik sei, und er sagte, das, was du hier siehst, ist ihre niedrigste Form. Diese niedrigste Form sieht man heute auch in Manchester, und zerfetzte Leiber von Menschen ist nun einmal nichts, was man dauernd sehen will. Auch kann man nur für das, was einem einleuchtet, die Verantwortung übernehmen. Dieses Einleuchten in die eigene Sphäre ist einfach etwas, was jenseits allen Glaubens und aller Religionen und aller Lehren förderlich ist….Und ist etwas wirklich „aus dem Ruder gelaufen“?, oder gibt es, wenn das Furcherregende oder „das Banale des Bösen“ so sichtbar wird, im Gegenüber eher eine ausgleichende Ruhe, solange die Zeit ein Einsehen überhaupt noch ermöglicht?

 

Das linke Bild heißt „Schnelle Einsatztruppe“ – und rechts, das ist ein Sandstempel, ein Muhr.

 

 

 

 

 

 

 

solo

Das linke Bild aus meiner Pinsel-Serie  „43 Sichtweisen“ heißt „freischwebend“ und hat mich, so nah und entfernt etwas sein kann, an meinen Zustand erinnert, als ich gestern mit Freunden aus dem neuen Joseph Beuys Film herauskam. Der Begriff „freischwebende Aufmerksamkeit“ (Exzellenz des Ausdrucks!) ist von Freud. Auch in Beuys konnte ich den Zustand wahrnehmen. Da muss schon sehr viel passieren, ein Todesdurchgang oder eine unermessliche Einsamkeit, eine Todesbereitschaft auch, um den Geist über den Tellerrand zu bringen, damit leibhaftig erfahren werden kann, dass dort im angstbesessenen Ungewissen u.a. auch geschwebt wird…. bevor es zu Taten drängt, bzw sich ausdrücken muss, was da ist. Ich fand den Kinoraum ziemlich lebendig. Man konnte getrost einander zuflüstern, alle waren an einem schönen Sonntag Nachmittag für Beuys gekommen, um vielleicht, wie ich, das schwer fassbare Bild nochmal zu vertiefen, oder überhaupt mal damit in die vorhandenen Tiefen zu gehen. Jemand hatte gewarnt, der Film hätte Überlänge; ich hätte noch länger sitzen können. Das schien einerseits in dem Film (sehr schön zusammengesetzt nur mit Originalmaterial) eine erschreckend andere Zeit zu sein für die paar Jährchen, die dazwischen liegen. Aber man konnte sehen, wie wieder mal ziemlich viele Menschen offen waren für Neues. Da bringt er sich ein, mitten hinein in das Establishment, dieser Beuys, als ein Mensch. Und obwohl es nicht „wirklich“ (!?) um Kunst ging, konnte man die Kunst mal wieder spüren und bei sich selbst nachschauen, um was es geht. Beuys hatte die üblichen Etiketten an sich hängen, auf die man alle abfahren konnte und kann, vom Spinner über den Egomanen bis zum Erlöser. Das war auch sicher alles drin, so wie es in allen drin ist und heraus muss, bis sich zeigt, was da ist. Seine Handlungen waren schon auch ziemlich mächtig. Man konnte spüren, was gemeint war. Und dann: diese 7000 Eichen, die er tatsächlich mit immer weiteren Helfern gepflanzt hat! 7000 Bäume! Mir kamen die Tränen, das fand ich auch seltsam, so berührt davon zu sein, dass er dieses unglaubliche Werk durchziehen konnte. Wow. Ja! Hineingehen. Als wir herauskamen, lief ein alter Freund von uns am Kino vorbei, den wir einmal im Jahr in solchen Momenten treffen, so als könnte man gar nicht leugnen, dass da ein logischer Vorgang stattfindet. Warst du schon drin, fragte ich ihn. Nein, aber er würde klaro reingehen. Beuys, ein Vertrauter, sagte er, nicht wahr? Einer aus der Familie, ein Freund.

Dann abends nochmal kurz in den News was von Trump gehört, dazu das Bild oben, das ein Gewölbe voller Dollarnoten zeigt. Im Original („Zeit“?) war noch der Körper des Mannes zu sehen, der in einem Anzug die „Kohle“ zur Seite fegt. Das blonde Trumpel-Kind unter sich geistig in die Fäustschen lachenden Ölmonarchen, den Milliardendeal mit Waffen unterzeichnend. Das gehört auch zum Film: alle sind potentiell für einander geeignet und erkennen sich wieder, und denken wir nicht alle, wir haben es erzclever gemacht? Die Haut zwiespältig retten, das selbst Eingemachte als blendend deklarieren, bis der fallende Groschen entweder kollektiv erlebt, oder vorher individuell eingegeben wird. Trump wird mit denselben Etiketten behängt wie Beuys, doch so sehr man in der Wahrnehmung des neuen Welthändlers Trump nach Substanz suchen wollte, sieht man nur gähnend leere Zirkusakrobatik, die sich durch die Geschichte der Menschheit zieht, während in Beuys ein Licht brennt, das unabhängig ist von seinem Vergehen.

 

 

Chacheperreseneb klagt (1)

Ähnliches Foto

Abriss der Worte, Blütenlese der Sprache,
Sehnsucht nach Reden bei der Suche nach dem Herzen
verfasst von dem heliopolitanischen Priester Chachperreseneb
genannt Anchu:

Hätte ich doch unbekannte Reden,
fremdartige Sprüche,
neue Worte, noch nie gebraucht
und frei von Wiederholungen,
nicht die Sprüche der Vergangenheit,
welche die Vorfahren schon brauchten!

Ich presse meinen Leib aus von dem, was er hält,
ich siebe alle meine Worte;
denn Wiederholung ist alles, was man sagt,
und alles Gesagte ist (schon einmal) gesagt.
Die Worte der Vorfahren sind nichts zum Rühmen,
wenn die, die später kommen, sie wiederverwenden.

Der soll nicht sprechen, der (schon) gesprochen hat,
(sondern) der soll sprechen, der etwas zu sagen hat.
Ein anderer soll herausfinden, was zu sagen ist,
kein bloßes Nachschwätzen von Worten,
wie man es immer schon tat!
Doch auch keine Rede, die (nur) gesagt werden könnte,
das ist vergebliche Mühe, dazu noch unwahr,
und niemand wird andere daran erinnern wollen.
Ich sage dies, wie ich es kennengelernt habe:
Von der ersten Generation bis bis zu denen, die eins
kommen, alle ahmen nur nach, was vergangen ist.
Wüsste ich doch, was andere nicht wissen,
was niemals noch überliefert wurde,
dass ich es sage und mein Herz mir Antwort gebe!

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Der weitere Teil der Rede kommt nächsten Sonntag. Ich freue mich immer wieder, dass ich mich so früh in meinem Blog entschieden habe, sonntags hier andere Quellen sprechen zu lassen, wobei die einzige Mühe  ist, dass die Worte der „Anderen“ auch in mir eine Resonanz erzeugen.
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ausgewogen

Ich nehme ja gerne und oft die luxuriöse Gegebenheit in Anspruch, den Planeten und seine wahrnehmbaren Manifestationen immer mal wieder auf verschiedene Weise zu betrachten. Alles kommt mir möglich vor, aber nicht unbedingt wahrscheinlich. Ich hege auch,  gut dosiert, bestimmte Vorlieben. Eine davon ist eine Betrachtung, auf die ich gerne zurückkehre, weil ich sie am Kern meines Wesens für nachvollziehbar halte, und das ist, dass das „Alles“ immer in höchstmöglicher Ausgewogenheit existiert. Einfach so, aus sich heraus, und auch ungeachtet der Requisiten oder der Spielarten der SpielerInnen im grundsätzlich paradiesischen Set-up. In Gesprächen gibt es dann oft den Hinweis auf das Grauen menschlicher Handlungsweisen, oder die scheinbare Ungleichverteilung der Schicksale, oder die notgedrungene Anwesenheit eines Gottes, der das alles für uns durchgrübeln soll usw….. Aber genau die präzise Wahrnehmung des Dunklen bringt ja erst die Wahrnehmung der Helligkeit hervor. Daher könnte man in der jetztzeitigen Situation davon ausgehen, dass sich dem Abgrund gegenüber automatisch ein Aufgrund bildet, der unter jeweiligen Bedingungen zur Verfügung steht. Das Bedingungslose habe ich noch nicht wirklich wahrnehmen können. Sicherlich gibt es ein Reich jenseits des Tellerrandes, aber wer ist Teller, und wo ist Rand, und was ist Reich? Auch wenn der alte, bewährte Weg verlassen werden muss…(Hey, Wanderin der Welten! Das Auge sieht dich auf dem Pfad des Unbegrenzten – Der Alte Weg – Gedanken eines stillen Tempels. Gewissheit hier am Ursprung, dass Neuheit in dem Selbst entstehen kann und muss -Gewissheit, dass der losgelöste Geist sich nährt von der Erinnerung an die Oase unseres Seins. Gewissheit, dass das Sich-wieder-finden auf der inneren Reise die Quelle birgt der Hochzeit des Feuers mit dem Eis.  )…das floss so ein, ein früherer Text….ja, wenn also der Alte Weg verlassen werden muss, so wird sich doch mE  die grundlegende Ausgleichung auch dadurch nicht beirren lassen, denn die maßlose Freiheit, die hier herrscht, kann sich ja nur durch automatische Ausgleichung jeweils selbst regulieren. Die Gesetzmäßigkeiten dieses Vorgangs sind kein Geheimnis, obwohl der Geist immer aufs Neue entstaubt werden muss. Das Einzige, was man braucht, ist eine gute Dosis freischwebender Zeit, um sich dem Wesen einfacher Dinge widmen zu können.



			

ganz Ohr

Bildergebnis für Martha Argerich
( Martha Argerich)

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Das Eine sind die Worte. Wenn jemand (wie ich) die Worte liebt (was seine eigenen Gefahren birgt), wird er oder sie sich mühelos über das Erstaunliche einigen können, nämlich dass Worte, geformt aus Buchstaben, über die Lippen jedes Mannes und jeder Frau kommen können, auch wenn sehr viele Kulturen den freien Umgang mit diesem Zugang zum Sein in der Welt noch beschränken. Innen ist immer noch Freiheit, mit der man erste und letzte Entscheidungen fällen und den Weg des Schicksals bestimmen kann. Dass das geformte Wort bei einem Gegenüber auf einen gewissen Grad des Verstehens stoßen kann, ist ein Teil des Wunders. Auch Höhe und Tiefe des Einlassens auf diese Kunst des Zusammenseins werden von uns erzeugt und hängen von unserem Interesse ab, hinter die sichtbaren Dinge zu schauen und zu ergründen, was sich dahinter verbirgt. Auch möchte nicht jeder eine Eigensprache, obwohl an jeder Wortwahl Eigenes zu erkennen ist.
Jetzt muss ich mich allerdings von der Sprache lösen…na ja, „muss“ ist übertrieben, denn ich löse mich von dem Sprachraum, bzw ich pole den verfügbaren Raum um in ein auf Hören ausgerichtetes System, also meins. Denn gestern habe ich was gehört, was mich zutiefst bewegt hat. Es war das Spiel von Martha Argerich, das ich eingegeben hatte, um eine reiche Atmosphäre zu erschaffen. Ich höre nicht so oft Musik, womit ich meine: eine Musik zu wählen, die man hören will, nicht nebenher, sondern darauf konzentriert. Für mich sind Konzertsäle, gefüllt mit Ohren, die gemeinsam den Meisterdarbietungen lauschen, die auf so vielen Bühne der Welt angeboten werden, immer noch ein unfassbares Phänomen. Auch diese spezielle Genialität mancher Dirigenten, deren Körpersprache die Musik förmlich sichtbar macht. Dann dieses Zusammenspiel, jetzt gestern mit einer Meisterin wie Martha Argerich, wo durch ihre Meisterschaft das kollektive Lauschen noch auf höchstmögliche Ebenen gesteigert wird. Wenn ich dann merke, dass hier etwas mich hineinzieht in eine kosmische Ordnung, wo ich einen Moment die Orientierung verliere, bis ich nicht anders kann als mich einlassen. Sie spielt Tschaikovsky, ich spüre die Vertrautheit der Töne, ich gebe mich dem Lauschen hin. Obwohl es auch hier tobt und wütet und einen durch die Wogen peitscht, um wieder ganz in die Sanftheit und Würde des Seins zurückzukehren, weiß man, dass keine Gefahr droht von den wilden Bewegtheiten her. Man kann sie zulassen und aufatmen, um dann wieder Kraft zu schöpfen für die nächsten Wellen. Ich kann das nicht oft. Ich bin geschädigt. Mein erster Geigenlehrer ist während einer Ferientour in einem Gletscher verschwunden, sein Sohn war in meiner Klasse. Meinen zweiten Lehrer, auch so ein wunderbarer Musikerkopf, hatte ich in Nepal gefunden und wurde jahrelang von ihm bestens unterrichtet, obwohl ich morgens oft reichlich übermüdet bei ihm ankam, weil mein Leben sich damals sehr viel nachts abspielte. Dann bin ich nach Indien und habe ihn nicht wieder gesehen. Jahrelang konnte ich keine westliche klassische Musik mehr hören. Wortsprache hat auch Musik, aber Musik ohne Worte zwingt einen hinein in sich, damit der innere Raum die nötige Weite erschaffen kann, die es zum Lauschen braucht. Vielleicht ist aber der Unterschied zwischen Wort und Musik gar nicht so groß, wie man gerne denkt, denn beides ist letztendlich „nur“ Möglichkeit des Ausdrucks unserer Befindlichkeiten.

Geschnürtes

Manchmal entdeckt man ein Ding, das man lange nicht gesehen hat, und auf einmal sieht man es wieder und merkt, wie man es immer schön fand. „Immer“ heißt hier, solange man sich erinnern kann. Man kann Schnur schon als Kind geliebt haben. Schnur ist ein Wunder an sich. Einerseits wird es von Menschen hergestellt, andrerseits gibt es in der Natur sehr viel Schnurähnliches. Vielleicht wurden auch die ersten Seiltänzer und Trapezkünstler von Tieren angeregt, die ihre eigenen, phantastischen Netze spinnen ohne Ausbildung. Aber was man als Mensch, ist die Schnur einmal unter uns angekommen, alles mit ihr machen kann, ist ja beeindruckend. Kein Haushalt ohne Schnur. Schnürsenkel werden immer noch geschnürt, auch Rucksäcke usw. Ich meine jedoch nicht so sehr diese exotischen Varianten, sondern die einfache Schnur, die vielleicht im Hanfseil eine Steigerung hat. Aber was ich immer geliebt habe, ist diese einfache Schnur. Die Farbe ist schön, und kombiniert mit ihren Schattierungen kann sie ihre Schönheit richtig entfalten. Wie in allem Hellen, so gibt es natürlich auch hier die dunklen Seiten des Schnürens, zum Beispiel die zugeschnürte Kehle, die einen nicht zu Wort kommen lässt, und die, an der man sterben kann. Da kann es regelrecht finster werden. Wie kam ich drauf, hinweg, hinweg, damit die eigene Kehle frei bleibt. Ach ja, es tauchte an meinem Horizont wieder eine Marktlücke auf. Ich habe ja, wie berichtet, einen Riecher für Marktlücken. Meine Marktlücken haben allerdings wenig mit dem Profit an Märkten zu tun, sondern mit der Freude der Lücke, die man als anregenden Denkbewegungsraum nutzen kann. So kam der Gedanke auf, man könnte Bündel schnüren und sie Menschen zur Auswahl reichen. Da ist das Sorgenbündel, oder das Freudebündel, oder das Festlichkeitsbündel oder das Trauerbündel, oder das Navigationsbündel, oder das Wüstenbündel undsoweiter, eben was man grad braucht, kann man wählen. In dem pergamentartig gerollten Bündel gibt es eine Auswahl von Zuständen, die mit dem Thema zu tun haben, sie werden auch von einem selbst gebündelt. Das Gute daran wäre, dass es einem bei der Frage, wie man grad drauf ist, helfen könnte. Man öffnet also das einem mehr oder weniger entsprechende Bündel mit der schönen Schnur, und sieht nach, ob etwas resoniert. Ja, keine Ursache. Gerne. Dann gibt es natürlich noch die schnurlosen Bindungen, die man mit Menschen oder Dingen hat. Oder man hat noch ein Telefon mit sehr langer Schnur, das man elegant durch die Gegend tragen kann, bis man da sitzt, wo man sitzen möchte. Das gleicht eher dem Tanz. Aber schnurgerade auf etwas zugehen ist auch schön. Gestern habe ich auf einen Tipp hin bei Arte eine Dokumentation über „Monte Veritas“ gesehen (empfehlenswert aus verschiedenen Gründen), und dort wurden ab und zu Frauen aus dem 18. Jahrhundert eingeblendet, die von Korsetts so eingeschnürt waren, dass man sich wundern darf. Sich einschnüren oder einschnüren lassen ist keine gute Idee. Man prangert unsere momentane Zeit oft an, aber ich finde, dass auch eine Entschnürung durch die Welt geht, mit der man in verbindlichen oder unverbindlichen Kontakt kommen kann, wenn man möchte.

Welttag

Wieder bricht ein Welttag herein, diesmal der Homophobie gewidmet. Auch ein richtiger Sommertag mit Sommer bricht herein und mit indischen Temperaturen, gerade lang genug, um zu wissen, dass auch das nicht lange sein muss, sondern gerade so lang, wie es ist. Leider habe ich meinen Morgen etwas verdorben, weil ich mir angewöhnt hatte, während des Schminkens mal kurz die Nachrichten zu hören, um für den Tag auch ohne Bilder die notwendige Info zu haben. Aber selbst das ist nicht leicht zu verdauen, weshalb ich es abstellen werde. Jemand hat Donald Trump mit einem Syndrom kommentiert, das ich mir gerne gemerkt hätte, aber selbst der Kommentator musste nachschauen, was es bedeutet. Vielleicht, weil es nicht so auffällt in der Gesellschaft, aber doch an einem Präsidenten, bei dem man gewisse Dinge voraussetzt. Das Syndrom hat auch etwas damit zu tun, dass das Voraussetzen hier ein Ende hat, denn es betrifft einen Menschen, der nicht weiß, dass er nicht merkt, dass er nicht merkt, jetzt mit meinen Worten gesagt. Auch der Golfplatz ist sicherlich kein böser Ort, aber wenn ein Kind, das eigentlich Weltgeschäfte betreiben soll, sich dort in die Normalität eines Frühers flüchtet, zwingt es die Elterngehirne des Planeten zur Bedenkung. Es gibt da sicherlich auch eine Angst vor dem totalen Scheitern, das einen verwundeten Narzissten zum Uneinschätzbaren treiben könnte. Das Kindsein-und bleiben ist unter Menschen schon immer beliebt. Es beglückt  Religionen und Industriebetriebe gleichermaßen, denn Kinder brauchen bzw wollen Eltern und meinen Lenker und Despoten, und die gibt es auch überall. Schließlich ist es ja nicht verboten, ein reifer Mensch zu sein. An so einem schönen Tag kann man ruhig auch mal die grandiose Freiheit und Vielfalt des universellen Vorgangs kontemplieren. Welttag der Homophobie! Wie, ihr seid noch nicht geheilt, oder noch mittendrin, in der Homophobie!? Na sowas. Transvestiten nicht (mehr) im Underground, sondern entspannt in den Cafes der Bürger-und Bürgerinnen? Soll ich stolz sein auf mein Land? Keine Ausschließeritis?, um das Wort nochmal benützen zu können. Super, dass Frauen mit Frauen glücklich sind und Männer mit Männern. Das freut mich. Ich wünsche einen guten und gelungenen Sommertag in der Welt.

 

sich unterrichten

  

Dieser Unterricht hat mit mir selbst, also mir selbst gegenüber, was zu tun. Das geht so: Ich könnte mich einerseits als Beobachterin eines öfters von mir gedachten Wortes sehen und einfach wahrnehmen „aha, du denkst grad ziemlich oft dieses Wort“, und Schluss. Dann kann ich mich auch fragen „warum geistert dieses Wort eigentlich in dir herum, und was will es mir sagen?!“ Also das Wort, um das es hier gehen soll, ist „Ausschließeritis“. Es muss von den Wahltagen gekommen sein, wo Ausschließeritis zum direkten Ausbruch der Krankheit zu führen drohte , sodass dafür ein Wort her musste, das das Beobachtete bezeugen kann. Nein, mit denen wollen wir nicht, nee, mit denen auf keinen Fall, ganz zu schweigen mit denen! Wenn man Pech hat, bleibt vom vielen Ausschließen am Schluss nur die Not übrig, mit dem Übriggebliebenen in Kontakt kommen zu müssen, den man zum Weiterleben braucht. Das ist dann eine Notlösung, die zu weiteren Notlösungen führen kann, aber nicht muss. Klar ist: Ausschließeritis kann in jedem System lange unbemerkt keimen, bis es als Krankheit ausbricht. Die Übergänge sind wie immer nahtlos und werden wegen der suggestiven Kraft des Ausschließens oft lange nicht bemerkt. Wann haben deutsche Geister individuell gemerkt, dass sie geistig ein ganzes Volk als „minderwertig“ aus der Weltgemeinschaft ausgeschlossen haben? Oder Afrikaner auf der Straße im Dorf. Oder Bettler auf den indischen Straßen. Oder Menschen, die einen verletzt haben und die man nicht mehr einschließen will…hier kreirt sich plötzlich ein eigenständiger Witz, was nicht heißt, dass man unter Lachzwang steht. Ausschließen und einschließen sind also beides Doppeltüren, denn auch ausschließen ist natürlich ratsam, wenn man etwas statt drin eben draußen haben will. Man schließt auch viele Optionen für sich selbst aus, wenn man zum Kern  einer Sache vordringen will. Dann wieder: will ich „only America great again“ machen, wird man heutzutage auch nicht weit damit kommen, denn auf vielen Ebenen hat das „Ausgewähltsein“ an Reiz verloren. Wer ausgewählt werden will, muss mit shitstorms rechnen, denn neuerdings reguliert von ganz unten die aufgebrachte Trägermasse  nach oben, beide Seiten im Ausschließen wohlgeübt.. Es mag wie Chaos aussehen, aber vielleicht ist es nur Ausgleichung. Genug gemobbed, genug gefoppt. Das Volk hat neue Mittel in der Hand, die selbsternannten Eliten in die Vernunft zu zwingen. Ausschließeritis kann zu erzwungener Unterordnung führen. Als Krankheit braucht es adäquate Medizin.

Eine Unterrichtsstunde mit sich selbst dauert auch nicht ewig, sodass einem eine innre Glocke sagt, wann Pause ist.

Zu dem Bild will ich noch was sagen. Ich habe zwar nicht den Anspruch, dass täglich Bild und Text in förderlichster Weise aufeinander treffen, bin aber auch davon abgekommen, sie als zwei völlig unabhängige Elemente voneinander zu sehen. Dieses Bild ist bei dem Besuch eines Freundes entstanden. Er fragte die Anwesenden, ob jemand interessiert sei, verschiedene Teile eines am Kreuz hängenden Jesus‘ zu haben, die bei einer Erdausgrabung der Firma gefunden wurden.  Ja klar, sagte ich, an all die kleine Teile der Götter denkend, die ich in Indien schon mehrfach aufgelesen hatte und die mal herumlagen wie Steine am See. Unter meinen ausgesuchten Teilen war also das obige im Bild. Rechts sieht man noch den Torso von Jesus, während ich im linken das weinende Kind sah, etwas verdeutlicht mit 3 Bleistiftstrichen. Zum Abschluss tituliere ich jetzt mal das linke Bild mit „Ausgeschlossen“, und das rechte mit ….ja was….Jesus wurde ja auch letztendlich von seinen Jüngern ausgeschlossen. Schlaf ist auch ein Ausschließen, das Folgen haben kann. Oft ist es dann zu spät für Entschlossenheiten…Ich nenne die beiden Bilder also „ausgeschlossen I“ und „ausgeschlossen II“. „Ausgeschlossen“ heißt ja auch „das kann nicht wahr sein“. Das Tor der eigenen Wahrnehmung bleibt offen.

Oh!!!

Bildergebnis für trojanisches Pferd
Oh!Oh!Oh! Ein trojanisches Pferd wurde während des Wahlkampfes eingeschleust in das globale Menschennetzwerk und an seiner empfindlichsten Stelle getroffen: Das Herz sozusagen des gerade lebenden, digitalen Menschenschlages. Ein System, das gigantisch große und winzig kleine Fische gleichermaßen fängt, auch ein in seiner Undurchsichtigkeit stetig anwachsender Markt, ein in die phantomartige Weite des  Da-Draußens umgestülptes Menschentum, an dem wir Vielen angebunden sind mit Drähten und uns praktisch automatisch und mit individueller Einwilligung zu einer verdrahteten Maschine zusammenschließen. Jetzt tauchen auch in dieser Zweitwelt Elemente auf, die sich für das sogenannte „Böse“ entscheiden, weil dort ja auch mächtige Profite ablaufen, denen viele nicht widerstehen können. Dann gibt es offensichtlich auf tief gelagerten und oft vernachlässigten Ebenen ziemlich viel Hass, der lange kein Ohr, dann aber diesen Kanal gefunden hat. Man will und muss sich die Zimmer, in denen das vor sich geht, nicht vorstellen. Würde man (ich zB.) mal rübergehen in die Nachbarschaft und mit „so einem“ mal ein Gespräch führen, damit man zusammen was einsieht!? Nee, würde ich nicht, obwohl es auch immer drauf ankommt….Aus jeder Ecke der Welt kann nun jede/r seine Geschosse abfeuern, das war ohne Maschinen sicherlich nicht ganz so durchdringend, und vor allem nicht so rasant in seiner bewaffneten Gefahr. Ganz abgesehen von all den trostlosen Tragödien, die sich hinter solchem Hass verstecken können, scheint mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz, die uns diese Nebenwelt ermöglich, ein Gegenpol des Menschen durch den Menschen erzeugt worden zu sein. Das bringt wiederum eine gewisse psychische Grenze hervor, die den Einzelnen zu sich selbst in die Frage bringt: wie weit will ich hier mitgehen, oder für möglich halten, dass tieferes geistiges oder intellektuelles Eigendenken jetzt wirklich angebracht ist!? Will ich nörgeln, oder einen klaren Blick auf mein eigenes Verhalten werfen? Von mir aus auch den Roboter, wer ihn mag, aber vielleicht gleichzeitig noch eine gewisse Schleifbereitschaft an sich selbst entdecken, wenn auch nur, um dem Sichselbstsein weitere Nuancen zu entlocken.
Das trojanische Pferd wurde also erfolgreich durch das Tor eingeschleust und viele Kanäle sind lahmgelegt und Menschenleben in Kauf genommen worden. Es fällt auf, dass die natürliche Achtung vor dem Menschenleben einen Tiefstand erreicht hat. Durch jede „Missetat“ wird alles noch enger. Die Maschen ziehen sich zusammen. Dann wiederum kann die Struktur der Matrix durchaus verstanden werden, was neue Wege ermöglicht.

Richard Dehmel

Bildergebnis für Richard Dehmel

Stimme im Dunkeln

Es klagt im Dunkeln irgendwo.
Ich möchte wissen, was es ist.
Der Wind klagt wohl die Nacht an.
Der Wind klagt aber nicht so nah.
der Wind klagt immer in der Nacht.
In meinen Ohren klagt mein Blut,
mein Blut wohl.
Mein Blut klagt aber nicht so fremd.
Mein Blut ist ruhig wie die Nacht.
Ich glaube, ein Herz klagt irgendwo.

alien(s)

Ich habe einen Artikel gelesen, in dem Menschen sich Gedanken machen, wie man mit Außerirdischen kommunizieren soll, falls sie sich endlich mal zeigen oder man sie beim endgültigen Outsourcen antrifft. Wer würde nicht gern mal an einem neuen Ort Luft schnappen, wo man sich eine ganze Weile nicht um Müllprobleme oder Beziehungsdramen kümmern muss, bis auch dort der Raum wieder verbraucht werden würde. Neue Kümmerer (Ansprechspartner) finden! Neue Herausforderungen annehmen, wenn man zum Beispiel ermüdet ist von dem Lebensabschnittspartner-RoBot, oder enttäuscht, dass man Lebensweisheit nicht downloaden kann. Klar, ich bin auch geschult von Raumschiff Enterprise (New Generation!), mit diesen eleganten Räumlichkeiten und ständig den Blick auf das sterntrunkene All, wenn man nicht gerade angegriffen wird von feindlichen Horden. Ich hatte auch einst eine sehr schöne Sammlung von Silver Surfer Comic-Heften, die heute kaum mehr zu finden sind. Wenn er dann manchmal auf der Erde zu tun hatte, um sie vor sich selbst zu retten, musste er wegen seiner auffallend  silbernen Hülle immer einen Regenmantel tragen, um ein bisschen wie ein Mensch zu wirken, statt wie sonst tief in Gedanken im Kosmos zu roamen.  Was ich ja ganz persönlich, mit Verlaub, hochinteressant finde, ist, dass es bis jetzt keine wirklich überzeugende Forschung gibt, wo w i r eigentlich herkommen und ob das, was wir so hier machen, einem Programm entspricht oder einfach so ist, wie es ist. Den Hindus geht es ja ganz gut, solange sie an der Reinkarnation festhalten. Manche denken zwar auch, sie hätten sich von der Milbe bis zum Menschsein durchgeackert, und nun die Krone des Daseins erreicht: Mensch sein! Warum nicht die paar Jährchen mit der Dankbarkeit darüber verbringen!? Oder sind wir ein Labor, das eine supermesserscharfdenkende Sippe im Auge hat, um zu erkennen , wie wir so sind? Auch kann von mir aus jeder, der vom Affen abstammen will, das gerne tun, auch wenn in der qualvoll erzeugten Kette die DNA-Beweiskraft auf 99,9% ansteigt. Da stamme ich lieber von frühen Irdischen ab. Klar, man muss vorsichtig sein unterwegs. Wer weiß, wo man landet! Hallo, Leute!, sagt man zum Beispiel zueinander, bin ich hier richtig? Man kann sehr viel Glück haben, und immer was zu essen und ein gutes Lager haben, das ist viel. Viele von uns haben ja noch ein ganzes Haus drumherum, und draußen ein kleines Stückchen vom Paradies, Garten genannt, wo man anpflanzen kann, was man will. Oder man kann ab und zu eine Freude genießen, die sich tief in der komplexen Verästelung der Fasern  verankert hat  und die man kaum für möglich hielt, bis sie da war. In Wirklichkeit ist die Erde  schon voll mit Aliens, die sich am Endspurt beteiligen möchten. In diesem spannenden Akt ist man doch gerne dabei! Es wird kollektiv gegrübelt, worum es eigentlich geht. Wird ein großer Preis ausgeschrieben, und gibt es Publikum, das entweder alles liken, oder auch nicht liken kann und wird!!?? Und wenn das Spiel dann zu Ende ist, und keiner weiß mal wieder, wie’s weitergeht, oder ob da drüben im Anderseits jemand verärgert sein wird, weil man sich an den 28-stelligen Access Code nicht erinnert?

Jaja  -ne ne ne (J.Beuys)

 

denkbar

Ja, die Würde des Menschen ist antastbar und ja, der Mensch mutet dem Menschen Undenkbares zu. Aber Menschen lassen einander auch an Denkbarem teilnehmen. Denken ist schön, wenn man Freude dran hat. Immerhin kann ich mit Denken u.a. in die Nähe des zu Erforschenden oder zu Erlebenden kommen. Dann reicht es manchmal nicht mehr aus. Etwas anderes tritt ein, was dem Denken nicht zugänglich ist. Man nennt das gern das Fühlen. Aber vielleicht ist es auch ein sich erlebendes Dasein, was nicht unbedingt das gleiche wie fühlen sein muss (!?) Wenn Menschen sich in so einem gemeinsamen Erleben befinden, ohne ihre Eigenwelt dafür opfern zu müssen…jetzt schlittere ich fast automatisch in Humberto Maturanas vortrefflichen Satz, der endet: ….dann sehen wir Liebe. Wir sehen auch Liebe, wenn Menschen zutiefst interessiert sind am Gelingen ihres Daseins, wodurch belebt wird, dass es mit Anderen gelingt. Eine interessante Ebene, auf die die Welt gerade zusteuert: dass man einander das „richtige“ Menschsein nicht mehr vorgaukeln kann. Doch gibt es ja  Menschen, die einen mit ihrem Menschsein berühren können. Die Berührung kommt auch aus den Geschichten, ja. Aber auch die Geschichten sind ja (nur) das Werkzeug der Menschwerdung. Zum Glück geht es nicht um Gut-oder Bössein, sondern wohl mehr um den Umgang mit sich zeigendem Schicksal. Das ist einerseits der ungewisse Faktor , andrerseits werden meine Fähigkeiten der Navigation durch Entscheidungen, die ständig im Leisen geschehen, aktiviert.

Jetzt, in der Nähe neuer Wahlen, denke ich auch: Wow! Wir leben schon ziemlich lange im Frieden, und solange es vertrauenswürdige Lenker  der Masse gibt, sollen sie weiterhin lenken, so gut sie können. Ich finde es wirklich bemerkenswert, dass Angela Merkel und Wolfgang Schäuble es geschafft haben, einen ehrenwerten Eindruck zu machen. Wenn ich da an Indien denke!, wo man, wenn man irgendwo hin muss, egal, in welche Richtung,  Bakschisch zahlen muss, sonst steht man sich die Füße in den Bauch in einer widerlich bürokratischen Atmosphäre, umringt von lauernden Spöttern: wie, kapierst du das Spiel nicht, Frau Bleichgesicht!? Ich habe übrigens in all den Jahren nie gezahlt, auch wenn es heiß empfohlen wurde. Wissend, dass der Schmiergeld-Kreislauf kein Ende hat, fand ich es schöpferisch anregend, andere Wege zu suchen und zu finden, die zu gewünschtem Ergebnis führen. Hierzulande kann man Stimmzettel ausfüllen, und jedem ist es relativ egal, was der Andere wählt, jetzt abgesehen von schockierenden Ergebnissen, die Einblick in neue Realitäten gewähren. Allerdings geht man meist davon aus, dass unter denkfähigen Menschen auch gedacht wird, fragt sich nur was. Vor-und Nachdenken sind vor allem förderlich, wenn man es selbst tut.
Zurück zum friedlichen Deutschland. Was gibt es Schöneres, wenn wie gestern der Tag: sonnendurchwebt, man durch die Gegend fährt mit (einem oder mehreren) Menschen, die man richtig gerne mag, um nicht das komplexe Wort „lieben“ zu gebrauchen, und die Augen weiden auf sattem Grün, und es ist gar nicht anstrengend, über tiefe Dinge zu reden, und dann will man natürlich Kaffee trinken oder was essen, und dann nach vielem Durchleuchten  herumgehen und den Wald für sich leuchten lassen, und irgendwie sind alle, denen man begegnet, so freundlich und zugeneigt. In einer kleinen Kapelle, in die wir hineinschauen wollten, war ein Buch, in das Menschen ihre Wünsche und Nöte an die hohen Herrschaften hineinschreiben konnten. Eine Eintragung lautete: „Liebe Muttergottes, bitte hilf mir, weil ich nichts mehr auf die Reihe kriege.“ Ich treffe selten jemanden, der so gläubig ist! Auch mal wieder schön.

widersprüchlich

Ähnliches Foto
Dunkel war’s, der Mond schien helle, schneebedeckt die grüne Flur, als ein Auto blitzeschnelle, langsam um die Ecke fuhr. Drinnen saßen  stehend Menschen, schweigend ins Gespräch vertieft, als ein ausgestopfter Hase auf der Sandbank Schlittschuh lief.
Erstaunlich, an was man sich so alles aus der Kindheit erinnert, wo es offensichtlich einen Eindruck hinterlassen hat, da es sonst in den Gehirn-Arealen nicht gespeichert wäre, um eines schönen Morgens wie heute unversehens zum Vorschein zu kommen. Es ist vermutlich die Strahlkraft des Widerspruchs, der hier unbehelligt seinen Lauf nimmt und überall in der Welt seine Daseinsberechtigung hat. Wo die Schönheit des Widerspruchs und seine Absurdität sich berühren bzw. aufeinander prallen, ist schwer zu sagen, vor allem, seit es Donald Trump gibt, das neue politische Unterhaltungsprogramm. Als ich mir neulich dann doch auf Anregung aus dem Freundeskreis hin die Podiumsdiskussion der W20 Frauen angeschaut habe, wo auch die Tochter des neuen Großgauklers saß, fühlte ich einen redlichen Sinn für Gerechtigkeit in mir aufsteigen, als ich sah, wie sie sich zwar puppenhaft korrekt, aber doch auch tochterhaft bescheiden und gut ausgebildet gab. Alle waren irgendwie spürbar froh, dass anscheinend doch ein Zugang zu noch verständlich Menschlichem im Clan der Tochter vorhanden ist, was das Nebelhafte an dem ganzen Set-up nur noch vertieft. Wenn man sich zum Nutzen eigener Imaginationserweiterung einen Mittagstisch bei den Trumps vorstellt zB mit dem unheimlichen Javed Kushner, der kein direkter Sohn ist, sondern Berater des undurchschaubaren Sugar Daddy’s, der wiederum schon immer alle Mitglieder der Family mit allem, was sie sich wünschten, bezaubern konnte, solange sie nicht in offenem Widerspruch zu dem Don stehen. Denn der pustet gerne weg, was nicht zulächelt. Wie in der Reality Show damals, als noch keiner ahnte, dass der beliebte Satz „you are fired“, sich mal im nackten Leben fortsetzen würde. Nun  ist ja durch die verwitterte Düsternis geheimer Kanäle durchgesickert, dass Barron, der jüngste Sohn von Trump, zum neuen FBI-Chief ernannt werden soll, oder bin ich hier schon in den zwitschernden Sumpf der Fake News geraten. Nun ja, manchmal fließt ein Morgen mühelos dahin, manchmal fordert er einen heraus. Gegrüßt sei der ewige Widerspruch, der lebendige Widerspruch. Gegrüßt sei das unsterbliche Ja, denn es trägt in sich das befreiende Nein. Wir wohnen im Zwiespalt, in scheinbar unversöhnlichen Kluften und kennen das Nichtverträgliche ungenügender Liebe noch nicht, noch nicht genug. Wir leben in der Wechselhaftigkeit von Ja und Nein und haben nichts als diesen gemeinsamen Ort des Geschehens, in dem wir uns begegnen, dahinfließend im Widerspruch zeitloser Zeit.

tierisch

Die Tiere können auch sprachlich eingebaut werden wie in „ich hab mich tierisch gefreut, oder „ich hatte tierische Schmerzen“. Es gibt ja auch das Raubtier und den Wellensittich…obwohl, ob da wellness noch so sittlich ist, so im Käfig vor sich hinzwitschern zu müssen zur Freude der Kinder….wer will’s beurteilen können oder wollen. Klar ist, dass in den beiden mir einigermaßen vertrauten Kulturen der Umgang und das Zusammensein mit Tieren sehr unterschiedlich ist. Als in meinem indischen Dorf die erste Hundeleine mit Besitzer auftauchte, gab es viel spöttisches Beiwerk, denn das Land ist voller Hunde, die jedem gerne nachlaufen würden, wenn man sie ein paar mal gefüttert hat. Letztes Jahr habe ich zwei Frauen aus England getroffen, die einen indischen Straßenköter zu „Hugo“ hochgepäppelt hatten, und den mussten sie dann an die Leine nehmen, weil er von anderen seiner Art total angegriffen und abgelehnt wurde, vielleicht, weil er seiner Kaste und seinem Karma entkommen war. Es war hoch kompliziert und sehr teuer, Hugo nach England fliegen zu lassen, aber die beiden hatten keine Zweifel. Jetzt muss ich schauen, wo eigene Befindlichkeit oder Interesse am Thema herkamen, und würde das Herumwandern im Tierischen am liebsten auf den heranrauschenden Vollmond schieben als taghellen Somnambulismus,  aber wer schiebt dieser Tage schon gerne was auf irgendwen. Ich war auf einem Rundgang  im Wald, der direkt an unserem Haus liegt. Ein furchtlos machender Wald, keine Kobras, keine Affenbanden. Wenn Menschen einem entgegen kommen, die ihren Hund spazieren führen ohne Leine, kann man schon von weitem nach der Leine rufen, denn alle denken, ihr Hund sei so lieb, aber was weiß ich, wie die alle drauf sind. Dann vorbei an den Wiesen, satte, grüne Wiesen, auf denen Kühe ihre erschütternd großen Euter durch die Gegend schleppen, und man sieht deutlich, dass das Tier hinter sich als Gebrauchsgegenstand verschwindet. Das kommt auf den Teller oder in die Flasche. Alles so billig, dass das, was da geschieht, sich kaum lohnt. In Indien begehen die Bauern auch Selbstmord, weil sie nicht mehr weiter wissen. Hier sterben sie wohl eher innerlich aus Mangel am Sinn ihres Berufes. Als ich meine Mutter mal durch die Gegend kutschierte, fand ich als Vegetarierin in den Restaurants manchmal nur Kartoffeln zum essen, auch lecker. Nach vielen Jahren Asien war ich an deutsche Speisekarten nicht mehr gewohnt und war erstaunt, wie viele tote Tiere es an jeder Ecke der Strecke zu essen gab. Auch wenn man das Schlachten direkt sieht, ist es nicht schön. In meinen 9 Jahren in Kathmandu erlebten wir jedes Jahr das rituelle Schlachten von 108 Büffeln. Der König musste mit einem dementsprechenden Instrument den ersten tödlichen Hieb verpassen. Die buddhistischen Mönche haben es total abgelehnt, kamen aber durch einen Hindu-Tempel in ihrer Nähe mit dem Blut der Opfer in Berührung. Die Tibeter waren in ihrer eigenen Heimat vor allem  abhängig von Yakfleisch, da es sonst nicht viel gab. Geschlachtet wurden die Tiere von Muslimen, weil sie eine besondere Art des Tötens haben sollen. Das Tier lebt mit ihnen, hat auch einen Namen, wird dann am Todestag gestreichelt und zack!, Kehle durch. Zurück aus Asien, arbeitete ich kurz bei einer jüdischen Bekleidungsfirma. Ich hätte in die Pelzabteilung aufsteigen können, musste aber ohne Bedauern ablehnen. „Aber ich bitte Sie!“, sagte die Pelzabteilungsleiterin, „wir fangen diese Tiere doch nicht ein, sondern sie werden als Pelzmäntel gezüchtet.!“ Ach so! Na dann. Ich bin selbst gar nicht so ein Tierfreund. Ich finde es schön, wenn sie da sind und frei ihrer Wege gehen können und ihr eigenes Leben leben. Auch ins Vegetariertum bin ich irgendwann mal so hineingeschliddert. Einen echten Vegetarierinnenruck habe ich erst von Jonathan Foer’s Buch „Tiere essen“ erfahren“. Er war wegen  seinem Sohn ins Nachdenken gekommen, der ihn fragte „wo kommt das Fleisch auf meinem Teller her?“ „Von den Tieren, mein Kind“, sagte Foer dann zu ihm, „von den Tieren.“

 

kühn

Ein leuchtend schöner Tag, der kühne Gedanken ermuntert. Man wird doch nochmal Kühnes behaupten dürfen! Im Bild sehen wir also die Erbse, die die…..ja, wer war sie doch noch…? Jawohl! Die die Mutter  (die schlaue, die hinterhältige, die böse, die vorsichtige, die sorgenvolle?) des Prinzen unter einer Menge Matratzen gelegt hatte, um zu prüfen, ob die von Wind und Wetter zerzauste Frau auch wirklich eine authentische Prinzessin war, denn nur eine Echte war die Richtige, fand Mama, für ihren Sohnemann, auch ein kühnes Wort. Weil das nun schon eine Weile her ist, und von der Gruppe isolierte Erbsen verkümmern können, musste ich sie aus dem Eisfach befreien, daher die im Bild noch sichtbaren Eiskristalle! Hatte ich keine Geduld zu warten, bis sie auftaut (!!?), was auch durch inneres Brodeln hätte geschehen können. Und: Durfte die Prinzessin selbst mal was dazu sagen, lieber Herr Andersen, oder hat es genügt für ihr Image, dass sie durch die von Erbsendruck erzeugten blauen Flecke (lockeres Foltern) zu einer Beweisaufnahme kam, durch die sie, wiederum von Mama, dem Zukünftigen zugeführt werden konnte. Und wie fand  e r denn das ganze Scheiß-Spiel!!?? Tolle Idee, Mama, das mit der Erbse! Mal sehen, kicherkicher, ob sie das spürt!!! Vielleicht fällt ihm ja, angeregt durch die Phantasie seiner Gebärerin, in der Ehe noch einiges ein, womit er sie mehr oder weniger subtil weiterprüfen konnte, denn einmal fühlen ist keinmal, oder? Ich selbst, etwas erstaunt über den überraschenden Umweg zum Thema, und wann fiel mir das mit der Erbse eigentlich ein, in welchem Kontext. (?) Mich selbst damit in Ruhe lassend (wer will sich schon selbst morgens annörgeln, nur weil sie nicht mehr weiß, wie sie zur Erbse kam!), könnte ich mir dennoch vorstellen, dass das Bild der vielen Matratzenebenen mit der darunter verborgenen Essenz des Märchens mich zu der Frage geführt hat, wieviele Ebenen wir durchdringen müssen, um zu der Essenz unseres eigenen Märchens zu kommen. Zuerst mal schauen wir uns die Mama genau an und schicken sie dann in ihr eigenes Reich zu ihrer eigenen Erbse. Mal schauen, ob d u was spürst auf deinen eigenen Matratzen! So! Was dann? Die Prinzessin kommt nach eingeschüchterter Taubheit durch die Erbsenlegerin langsam zu sich und erkennt, dass sie selbst die Erbse ist. „Wow!“, sagt sie zum sprachlosen Prinzen, „ich selbst bin die Erbse!“ Das hört er gar nicht gleich so gern, weil er durch das Verschwinden seiner Frau Mutter verunsichert ist und (noch) gar nicht weiß, was und wer er selbst ist, wo sie ja behauptet, eine Erbse zu sein. Wie ich selbst da reingelangt bin, und wie ich wieder rauskomme, weiß ich auch (noch) nicht. Kommt es einem zB. wie ein geheimnisvolles Labyrinth vor und man bedauert, dass man sich von Ariadne nicht rechtzeitig den Faden geliehen hat,  blickt man, beschäftigt mit Optionen, dann um sich, sucht nach einer Leiter, die natürlich nicht da ist. Wäre ja auch gelacht und würde dem Sinn des Labyrinthes widersprechen. Dann bastelt man sich eine standfähige Essenz, die einen wie mit einem Stabhochsprung über die Mauer des Labyrinthes hebt. Uffh! Gestern Frankreich gerettet! Heute ich! Jetzt fehlt zum Empfinden der Essenz noch das adäquate Kostüm…grübelgrübel….Da ist es, und wie so vieles im Netz, ist auch das fast umsonst: „Schau dich um, ja, schau dich um. Wer kommt schon um die Erbse rum!“ (Ja!!!??? Voila!)

 

 

normal

Das sind zwei Bilder, die eigentlich jeden als „normal“ ansprechen könnten. Das linke ist ein ziemlich schlecht geschmiertes Butterbrot, das aber durch ein aus ihm hervortretendes Gesicht etwas Unheimliches bekommt und dadurch meiner eigenen Wahrnehmung von normal entspricht, nämlich sogenannte „Normalität“ eher als etwas Unheimliches zu empfinden, das so viele erschreckende Gesichter hat und einen erdrückenden Anspruch an bestimmte Formen des Daseins. Rechts ist eine Papiertüte, die ich heute früh in meinem Postfach gefunden und, schon etwas unterwegs mit dem Thema, als ein passendes Objekt zum Thema wahrgenommen habe. Eine fein gestaltete Papiertüte mit brauchbarem Henkel und schön normaler Ausstrahlung. Beim näheren Hinschauen entdecke ich darauf einen angeklebten Zettel, auf dem berichtet wird, dass diese Art Taschen aus Zeitungspapier, übrigens in Hindi, was ich da erst bemerke, vom Hauptbahnhof in Delhi stammen und von Kindern produziert werden, die, so steht da auf Deutsch, Freiheit suchen von häuslicher, oft auch sexueller Gewalt und Unterdrückung durch Familienmitglieder. Das entspricht auch meiner Vorstellung von normal, soweit vorhanden. Definitionen von „Normalität“ entspringen immer einer gewissen Übereinstimmung innerhalb einer Kultur auf bestimmte Werte und Normen und Gesetze. Das kann durchaus auch negativ besetzt sein. Ich kenne die Kinder in Delhi selbst, da sie überall auf den Straßen etwas verkaufen, von dem Magazin „Madame“ bis englische Ausgaben der Harry Potter Bücher. Normal ist auch, wenn es keinem mehr auffällt, dass etwas eigentlich nicht akzeptabel ist, was da läuft, aber niemand will sich damit beschäftigen, auch oft aus Überforderung. Im Gegensatz zu Marine le Pen macht Emmanuel Macron einen „normalen“ Eindruck, und wie wir wissen, haben viele Franzosen ihn nur gewählt um das, was le Pen als normal empfindet, zu verhindern. Allerdings muss man bei Le Pen’s abartiger Normalität auch bedenken, was Menschen dazu gebracht hat, und zwar einige Millionen, diesem Gedankengut eine Stimme zu geben, um aus der Gefangenschaft ihrer durch schicksalhafte Teufelskreise geformten Leben ausbrechen zu können. Für sie ist sie wahrscheinlich eine Hoffnungsträgerin, die ihnen vermittelt, dass sie wahrgenommen werden. Da kann sich nichts treffen, weil diese Norm nicht akzeptiert werden kann, zum Glück von genug Menschen, die das reflektieren können. Oft wird ja auch das „Funktionieren“ des Menschen als normal empfunden. Sehr viele psychisch kranke oder labile Menschen werden als normal behandelt, solange sie in den Augen anderer Lebewesen funktionsfähig wirken. Viele Menschen werden „eingestellt“, auch so ein grauenhaftes Wort, das sich im Gebrauch stabilisiert hat. Was ist wohl hinter der Normalität der Medikamente los? Gibt es Einblick in die dunklen Geheimnisse einer Gesellschaft, die sich gerne als normal deklariert, auch wenn es um atomare Aufrüstung gegen den Feind geht? Der Mensch, dein Feind. Ist das normal? Stephen Hawkins gibt der Menschheit 100 weitere Jahre des Überlebens. Das halte ich für übertrieben kurz. Sicher aber ist, dass, wenn dunkelster und offen sichtlicher Wahnsinn als normal erfahren wird, es…..ja was braucht es denn da an der Kippe, beziehungsweise der Klippe….!? Wir wissen es nicht. Keine/r weiß es, kann es wissen. Schon herrscht die totale Anarchie. Vögel zwitschern. Alles neu macht der Mai.

 

 

Giuseppe Ungaretti

Giuseppe Ungaretti

In Memoriam

Er hieß
Mohammed Sheab

Abkömmling
von Emiren von Nomaden
Er beging Selbstmord
weil er kein Land
mehr hatte

Er liebte Frankreich
und änderte seinen Namen

Wurde Marcel
war aber nicht Franzose
und konnte nicht mehr
leben
im Zelt der Seinen
wo man dem Singsang
des Korans lauscht
einen Kaffee nippend

Und wusste nicht
anzustimmen
den Gesang
seiner Verlassenheit

Ich habe ihm das Geleit gegeben
zusammen mit der Besitzerin des Hotels
in dem wir wohnten
in Paris
Nummer 5 rue des Carmes
schäbiges steiles Gässchen

Er ruht
auf dem Friedhof von Ivry
Vorstadt die immer
erscheint wie am Tag
eines aufgelösten Jahrmarkts

Und ich allein
weiß vielleicht noch
dass er lebte

Ganja (Hanf) (Cannabis)

Die drei trefflichen Bilder kommen, soweit ich mich erinnere,  aus Ausgaben der „Zeit“ und der FAZ. Die neueste Abbildung ist die in der Mitte von den „Sisters of the Valley“ auf ihrer Hanfplantage. Der bayrische Tütenraucher ist auch schon vor einer ganzen Weile erschienen, und der Gartenzwerg ist bestimmt schon 10 Jahre alt, sicherlich ein Unikum unter den 25 Millionen Gartenzwergen, die in Deutschland angeblich in den Gärten herumstehen sollen. Anlass zu dieser Gelegenheit gab mir die Nachricht, dass heute in Düsseldorf eine Demonstration angemeldet ist, die sich für Cannabis durch die Straßen wälzt. Na ja, wälzen wird’s wohl nicht werden, aber immerhin gibt es einigen Menschen die Gelegenheit, etwas auszudrücken, was ihnen am Herzen liegt. In Indien müsste es dafür keine Demo/nisierung geben, denn wer will, der hat’s nicht weit. In solchen kulturellen Andersartigkeiten des Umgangs mit den Dingen sieht man auch ziemlich schnell, dass keineswegs alle mit dem „Gras“ geplättet sind, nur weil man es draußen in Büschen finden kann. Es wächst ja auch da, wo es niemand raucht oder verkauft. Es ist eine Pflanze, sehr hübsch noch dazu. Auch dort hat man schon gemunkelt, dass mal jemand nicht informiert wurde, dass Ganja im Glas ist, das ist fies. Von Toten ist mir nichts bekannt, ich meine Leute, die daran gestorben sind. Die, die mir bekannt sind als Leben lang „Bang“-zu-sich-Nehmende,  denen geht es gut, soweit ich das beurteilen kann.  Meine Übung ist ja eher, keine Meinung über etwas zu bilden, worüber ich keine Meinung habe.  Aber hallo!, diese Pflanze zu verteufeln, weil sie eine Einstiegsdroge zu hartem Zeug sein soll, da muss ich widersprechen. Wer irgendwo einsteigen will, tut das mit oder ohne. Auch der Alkohol und die Zigarette sind Einstiegsdrogen in düstere Geschichten. Ich war auch überrascht nach 20 Jahren begeistertem Zigarettenrauchen, dass meine Lunge keinen Schaden hatte. War es, weil ich rauchen damals so schön fand? Heute, thank you very much, bitte keine Zigarette in nächster Nähe, wer hätte das gedacht. Nun sollen die „wirklich und wahrhaftig“ Schmerzleidenden die Pharmaindustrie beglücken und das verchemikalisierte, teure Produkt in der Apotheke abholen, wenn 3 Pflänzchen an ihrem Fenstersims einen Einstieg in mehr Wohlbefinden gewährleisten würden. Denn ob das als Schmerzmittel wirklich funktioniert, möchte ich stark bezweifeln. Natürlich kann jede/r Einheimische der Welt sich beim täglichen Wiederholungszwang von egal was mal fragen, ob sich dahinter nicht ein Schmerz verbirgt, oder ob es nur die Sahne auf dem Lebenstörtchen ist, der Kaffee und der Alkohol und die Tabletten und das Essen und überhaupt…….Auf jeden Fall freue ich mich, dass die Demonstration in Düsseldorf von strahlendem Wetter begleitet sein wird oder bereits ist, und vielleicht gelingt es ihnen ja auch, in der Bevölkerung ein paar moralische oder scheinheilige Knötchen zu lockern.

immer schon…

Wenn man sich, ua aus Leidenschaft, für den Werdegang des Menschen in der Ganz-Zeit, die uns als Observiertes und Reflektiertes zur Verfügung steht, interessiert, und was er und sie so getan haben und was sie schon alles hatten oder noch nicht hatten, und wann zB das Konzept „Ich“ auftauchte, und wie sich die Frau von Sokrates wohl fühlte, und ob er wohl wirklich gesagt hat, was man von ihm behauptet, weil es ja noch keine Smartphones gab…, Ja, lange Zeiten der Menschen in einer Welt ohne Fernsehen und dramatisch schnell sich entwickelnder Technik…..In  urzeitliche, antike Bäder kann man sich schon noch hineinfühlen, aber denken kann man das kaum noch. Wozu auch? In Indien habe ich mal von einer Gruppe Menschen um Madame Blavatsky herum gehört, deren „Meister“ sich sicher waren, dass man durch das Radio, das gerade erfunden worden war, eine Anhebung des planetarischen Bewusstseins transportieren könnte. Solche Vorstellungen gab’s wohl immer schon….eben! Da kommt er, einer der Unterhaltungseindringlinge: „Das war doch schon immer so! “ Dieser Satz hat etwas von einem ansteckenden Virus, und ich fühle mich neuerdings auch etwas angesteckt. Bin ich es etwa, die etwas ermüdet ist von (m)einer immer noch subtil vorhandenen Erwartungshaltung in Form einer sie begleitenden fröhlichen Zustimmung an die Freude des Menschseins, und bin nun ein wenig erstaunt, dass auch die Kunst, der noch Beuys alles Erweckende zugetraut hat, mich selten so anrührt, dass sie wirksam mein Leben berührt. Ich meine neue Werke. Wo will man sich von den Füßen hintragen lassen. Ich gehe zB mühelos gern zu einem Iraner (Sina Seifee), der Lecture Performance macht und Installationen. Beuys wiederum hat mich bisher nicht so über seine Arbeiten berührt als beim Zuhören. Dass man ihn verbal so klar verstehen, aber als Mensch kaum erfassen konnte, hat mich beglückt, weil ich selbst mit Laserblick keine Anmaßung fand, sondern nur eigenes Maß, immer angenehm. Um Himmels Willen! Nicht, dass der Kontext hier meine Aussagen über zwei Künstler sein soll, sondern : also doch keine Ermüdung am Menschsein. Warum auch. Für mich sind einige Fragen noch offen, die auch nicht immer nach Antworten hungern. Und dann gilt auch: egal, wie man es sieht und auf was man bestehen möchte, es ist und bleibt auch ein Spiel, und nur das Spiel weiß, was auf dem Spiel steht. Da gibt es also diesen fließenden Strom, der auf uns zukommt mit unterschiedlichem Zeug, mit dem wir umgehen müssen. Und wir haben nur (totale) Freiheit in der Handhabung dieses Schicksalsstromes, wo ausgezeichnete Umsetzung durchaus erwünscht ist. Nun haben wir allerdings gerade mit der Trump-Verdauung angefangen, da fragt sich mein Geist, der offensichtlich noch in Orpheus-bzw Cocteau und Sartre Träumereien verwoben war: wie kam’s zu Marine la Peine (Scherzlein). L’amour!!!??? Oh lala? Eine französiche träge Denkmasse, die sich zur Wahlurne wälzen muss, damit es keinen Faschismus – Ruck gibt? Lieber mal ordentlich enttäuscht sein! War es schon immer so? Dann bin ich vermutlich im Widerstand (?). Ich bin ja gerne Mensch. Mal schauen, wie’s weitergeht.

 

aus dem sf

 Während wir als Menschheit, von einem Außen her  betrachtet, uns noch abstrampeln in den Gefilden zwischen Tier und Bisher-Mensch, und unterwegs zu weiterem potentiellem Menschsein, weiß z.B. der Hindu schon, dass er sich in der dunkelsten Phase dieses Welten-Dramas befindet. Es hält ihn nicht davon ab, sein Smartphone mit seinem unergründeten Ich zu verwechseln. Wie kann er auch anders? Er ist ja durch Quantensprung in eine Neuheit namens Materialismus gestürzt, die für uns schon alt aussieht. Dagegen finden wir in den alten Büchern seiner Ahnen Hinweise auf höchstes Wissen, das Menschen zu eigen wurde und wissen daher, dass es große Bereitschaft in uns gibt, uns um diesen zeitlosen Salto Vivante zu kümmern ohne die Hilfe phantastischer Weltenvorgaukelungen. Éine Nüchternheit ist über uns gekommen. Ist der Mensch tatsächlich etwas, das überwunden werden muss, was ja offensichtlich  nicht so gemeint war, dass er verschwinden muss, denn er ist ja da, und man macht sich Gedanken. Das totale Gesättigtsein an Wünschenswertem kann durchaus Raum erschaffen für Entwicklung. Wissen wir nun, wie man mit erfüllten Wünschen umgeht? Neue werden geboren. Jemand sagt, man müsste umdenken und akzeptieren lernen, dass Roboter da sind, und während auf sichtbaren Bühnen die ultimate Darbietung der politischen Selbstdarstellung zu sehen ist, werden in verborgenen Stätten neue Seinswesen – und weisen gegründet, die Gesellschaft leisten sollen. Die Menschheit wird übergeleitet zu andrer Verfügbarkeit. Ob wir uns das vorstellen können, spielt kaum eine Rolle. Es wurde bereits vorgestellt. Es ist ja nicht so, sagt der informierte Jemand, dass Maschinen nicht lernen können zu fühlen. Die Gefühle der Menschen können programmiert werden. Es gibt ja gar nicht so viele. Dann kann die Roboterin ein eigenes Sein daraus entwickeln und damit glänzen. Man könnte die Menschen, deren Hand niemals ohne Smartphone zu finden ist, langsam an eine bewegliche Knetmasse um das Handy herum an den Übergang gewöhnen. (Ich habe einen Riecher für Marktlücken!) Der Weg zur Maschine ist ja bereits gelungen. Sie muss nur noch richtig gefühlt werden. Eine kreative und total originelle Gesprächskultur könnte entstehen. Hier wittere ich wieder eine Marktlücke! Gespräche zwischen Mensch und Maschine könnten programmiert werden. Es ginge nicht mehr um das eh‘ überholte Phänomen des Verstehens, sondern z.B. um die Struktur eines Wortgebildes, das, sagen wir mal, Glück in einem anderen Jemand auslöst.
Ich versuch’s mal mit einem Beispiel, um zu sehen, ob meine Vorstellungskraft dazu in der Lage ist:
C.C.  kommt in den gemeinsamen Schweberaum zu Shunya 803. Sie schalten ihr Programm auf Gespräch:
C.: “ Die wunderbare Eingeschlossenheit deiner Dynamik gibt unserer Flugkabine eine Drastik, die mit Überlegungen nicht zu erreichen ist.
Shunya 803: Genau.Vieles an den Versen der Originale hat eine Tageshelle. Dieses Gespür für Marmor! Dieser Trost der Quadrate, die uns das Lernen erleichtern.
C.: Sie bringen die Souveränität des Ausnahmezustands in unverrückbare Nähe
S:803: ..und in die unentrinnbaren Süchte der Selbstoptimierung.
Der Versuch war zum Scheitern verurteilt, weil es Übung bräuchte zum geistigen Ausstieg aus meiner Eigen-Sphäre, die sich eher für das gelingende Menschsein interessiert als für den gelingenden Transit einer Mensch-Maschine Kommunikation, auch wenn sie in bestimmten Räumen schon existieren mag. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass der Mensch zur Zeit eine neue Welle der Übermüdung mit sich selbst erfährt, was leicht zur Übermüdung mit der Welt führt, sehe ich sie doch vor allem mit meinen Augen. Es scheint auch an der Verantwortung für diesen Blick etwas zu mangeln, obwohl er selbst in der Quantenphysik vorexerziert wurde: ich bin mein Blick, der webt und mein Leben formt!
Eine weitere Realität, mit der man rechnen muss, ist, dass wir gesehen haben an und durch Oppenheimer, dass jeder Trieb seinen Orgasmus fordert, auch wenn die Vernichtung der Menschheit auf dem Spiel steht. Roboter werden mit uns sein, kein Zweifel. Um guten Widerstand zu leisten, muss man wissen, wie und warum und wofür und wogegen. Daher gehen Menschen und Dinge ihres eigenen Weges, und wir landen elegant in der tiefen, tausendjährigen Gelassenheit eines wie gute Frucht gereiften, indischen Geistes, der genau weiß, dass z.B. Bungee-Jumping nie was für ihn sein kann, er es deswegen aber nicht beurteilen muss.

ich un dich

Man kann sich einen Glückskäfer nennen, wenn es stetig regnet, wo eigentlich Sonne erwartet wird, und es gibt trotzdem nichts zu klagen, denn man steht weder im Stau auf der Autobahn, noch lebt man in räumlicher Einengung und kann sich mal wieder den Archiven widmen, die überall um einen herum lauern, obwohl man auch in der Bereitschaft schwebt, sie mal allesamt aufzulösen. Wie! Dat Janze auflösen!? Doch erst nochmal hinschauen, was man da alles so an Schätzen hat. Und beim Finden eines wunderbaren Satzes über die Liebe denkt es: ja wo ist denn meine Sammlung von Zeitungsüberschriften mit dem Wort „Liebe“ drin, die ich mal hatte, ziemlich viele davon, so 200, die können doch nicht einfach verschwinden! Kurz konzentriert und hocherfreut am entsprechenden Ort gefunden. Diese drei kleinen Einblicke oben bei den Bildern sind heute mein Beitrag zu dem riesigen Thema. Der Textausschnitt ganz links ist von Krishnamurti, in der Mitte eine Wortfügung, die sich mir mal enthüllt hat, und rechts ein kläglicher Ausschnitt meiner prächtigen Sammlung mit Sätzen, in denen die Liebe vielfältig, wie sie nun mal ist, besprochen wird. Es ist ja nicht so, als hätte ich mich nicht selbst schon in den Hochofen des Wortgewühls geworfen, um dem sich ständig im Unsagbaren der Liebe sich entwickelnden Wort mein eigenes hinzuzufügen. Doch heute möchte ich den Raum einerseits an den erwähnten wunderbaren Satz weitergeben, über dessen Freude mir noch eine Satzsequenz einfiel über die Liebe, und diese Sätze haben mich immer wieder begleitet und sind von solcher Präzision, dass ich immer wieder nachschauen musste, wie genau sie geformt sind, und möchte sie , wie gesagt, zur Verfügung stellen. Der erste ist von

Arthur Koestler:

„Liebe ist Kommunikation auf der Suche nach Menschen“

und die weiteren Sätze stammen aus einem Buch von Humberto Maturana „Vom Sein zum Tun“ (die Exzellenz des Titels!), und aus einer Unterhaltung zwischen Bernhard Pörksen und Maturana. Im Kontext der Unterhaltung fragt Pörksen, ob Maturana den Therapeuten vorschlägt, ihre eigenen Gefühle zu ananlysieren, bevor sie mit der Arbeit anfangen. Und Maturana antwortet:

„Notwendig ist nicht die Analyse,  sondern ein Bewusstsein für die Dynamik der Beziehungen, die sich mit einer bestimmten Emotion verknüpft. Ich behaupte nun: Die einzige Emotion, die die eigene Wahrnehmung nicht beschränkt, die sie nicht filtert und lenkt, sondern sie erweitert und von vorschnellen Urteilen befreit, nennen wir Liebe.

Was ist Liebe? Ich sage: Wann immer wir das Verhalten eines Menschen beobachten, das dazu führt, dass ein Mensch als ein legitimer anderer in der Koexistenz mit ihm Präsenz erlangt, dann sehen wir Liebe.

Und wann immer man sich auf eine Art und Weise verhält, die zu dieser legitimen Präsenz des anderen führt, wird man offen sein – und alles wahrnehmen, ohne es durch eine vorschnelle Wertung zurückzuweisen. Was auch immer es sein mag.“

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Dazu fällt mir noch ein Gedanke ein, der mE im praktischen Umfeld der Liebe gut dazu passt: Wir denken immer, der andere könne doch anders. (wenn er/sie nur wollte!) Aber was ist mit uns selbst? Können wir auch anders?

Mensch: neu

Ein kleines Zettelchen kreuzt meinen Weg, das ich kenne und offensichtlich aufbewahrt habe, da es ja noch immer da ist. Darauf steht, dass, wie man mit einer Lupe oben im Bild rechts lesen kann, „ein neuer Mensch hervortreten wird, und dass der Stoff, aus dem er geschaffen wird, von andrer Natur sein wird (als bisher?) Aus Wasser und Geist soll er geboren werden und eine Zusammenfassung  aus allem Besten sein, was er sich so erworben hat.“ Offensichtlich hat mich dieser Text mal genug angesprochen, um ihn auszuschneiden, was mich nun in Erstaunen versetzt. Habe ich es für möglich gehalten? Habe ich es erwünscht? Es ist kein neuer Gedanke in der Menschheitsgeschichte, dass irgendeiner aus dem kollektiven Wunschprogramm hervortreten soll und neue Ordnungen schaffen. Ich merke auch, dass ich den Text vorher gar nicht verstanden habe als das Hervortreten eines Einzelnen, sondern als der Gedanke eines neuen Menschentypus. Man (ich?) stellt sich ja auch immer wieder mal gerne  das Erwachen einer kritischen Trägermasse vor , bestehend aus unabhängigen Individuen, das zu geistigem Umschwung führt einfach dadurch, dass ein gewisses Bewusstsein entsteht, das z.B. zu einer Ausgleichung im kosmischen Raum führt. Ist denn der kosmische Raum nicht immer ausgeglichen? Turnt nicht jede/r von uns mit eigener Ausgleichung darin herum, bis das, was wir uns vorstellen können, auch gelingt? Wie hat sich Nietzsche gefühlt, so allein und umnachtet zusammenbrechend auf düsterer, deutscher Straße, nach der geistigen Geburt des lichten Wanderers Zarathustra, den er für möglich gehalten hat. Auffallend ist das Beispiel von Hitler , den wahrscheinlich mitten im Power-Drama niemand mehr darauf hinweisen konnte, dass er wohl selbst zu der neuen Rasse großer, blonder Halbgötter-Menschen nicht dazugehören würde, hätte sich das Schauermärchen durchgesetzt. Manche Gruppen haben ihren Messias schon hinter sich, manche noch vor sich. Ein neuer Mensch ist nicht sichtbar. Kann der Mensch „neu“ sein, oder wurmt es ihn nur, dass es sich als eine Schwerarbeit herausstellt, die Schichten der eigenen Verblendung zu durchwandern mit dem bescheidenen Laternchen in der Hand? Oben im Bild links ist der vom Jainismus erträumte Mensch-Avatar. Meine Liebe für dieses Bild war mal so groß, dass ich es heute noch spüre. Die vollkommene Ausgleichung zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen! Die goldene Kobra im Hintergrund als ein Zeichen des Erwachtseins! Ich sehe und schätze noch immer diesen Versuch, geistiges Wesen in einer Form darzustellen. Aber nicht nur sind für und durch mich die künstlichen Himmel verschwunden, sondern auch die künstlichen Höllen haben sich zurückgezogen. Aufenthalt im Nu!

kunstvoll

 

Das Wort „kunstvoll“ musste ich jetzt wahrlich ausbrüten, damit es nicht, wie zB. das Wort „Kunst“ es kann, nämlich  in die Schluchten und Abgründe oder auch die exzentrischen Hochbauten, oder natürlich auch in die feinsten Gemütslagen wahrgenommener Schönheit oder gekonnter kreativer Darbietung usw führt…nein, ich wollte nur den Weg der Schnecke preisen, die mir heute früh ins Auge fiel, und ich durch die Hineinversetzung in den Raum, den sie durchkroch, mir über die Dimensionen dieses Vorganges bewusst wurde. Diese Geschöpfe leben um uns herum und leisten Unvorstellbares. Im an unser Haus angrenzenden Wald stand ich mal stumm und staunend vor einem winzigen Ding, das sich an einem mindestens 5 Meter langen,  selbstgedrehten Faden um sich selbst drehte in einem so unermesslich weiten Raum zwischen zwei Bäumen, sodass man es ruhig Akrobatik in Höchstform nennen kann. In den Gärten der Welt und ihren Wäldern, den Bergen und den Wüsten, und was sich auf diesen Ebenen des planetarischen Seins abspielt, und vor allem auch, was wir bei unserer Wahrnehmung dieser Wunder empfinden und wahrnehmen, und zu was es uns anregt, und wodurch und wofür es uns Flügel verleiht, kann sich ohne jegliche Garantie auch verdichten  zu Kunst! Denn dass sie herausgeboren sein muss aus dem großen Leib, steht außer Frage. Ein anderes Mal bin ich durch einen Wüstenbereich gewandert, nur Sand, wie man so gerne von der Wüste sagt, da musste ich pinkeln. Unten angekommen, fiel mein Blick auf einen Schatten. Oho, dachte ich, was kann hier Schatten werfen? Es war ein so winziges und filigranes Tier, dass ich es ohne Schatten gar nicht hätte sehen können, und dann sah ich mehr und mehr, Pflänzchen wie Bäume und weitere Lebewesen, ein reges Hin und Her und mächtiges Beschäftigtsein mit dem Lebensplan. Das alles unter schwersten Bedingungen, denn wie für mich, so waren sie auch für Kamele und Kühe und Menschen nicht sichtbar, und hatten doch alle die Kraft und Erfahrung des Daseins. Was sich da in mir abspielt: könnte ich es spielen, wenn ich Schauspielerin wäre?, könnte ich es malen, wenn ich Malerin wäre?, singen, wenn ich Sängerin wäre?, die Poiese in Poesie verwandeln und durch den Transport der Worte spürbar machen, was einmal in meinem System so eine Wirkung hatte, dass meine Augen jetzt sehen, wohin ich trete, auch wenn ich Vernichtung nicht wirklich verhindern kann.

 

 

D.H Auden

Wystan Hugh Auden

Wenn der Gesang der Geschichte abbricht, und
Armeen mit ihren ehernen Debatten die nun
folgende Leere ordnen, ohne ihr je einen Sinn
verleihen zu können, wenn Notwendigkeit sich
mit Entsetzen paart und Freiheit mit Langeweile,
dann steht es gut um das Bargewerbe.
Die Welt braucht ein Bad und reichlich Ruhe.
Wir tappen im Dunkeln. Wir kennen nicht
den Zusammenhang zwischen der Uhr, der
wir gehorchen müssen, und dem Wunder, an dem
wir nicht verzweifeln dürfen;
denn wir können ja mit den Gefühlen,
die wir haben,
einfach nicht begreifen,
wie der wilde Löwe wandeln
soll mit dem sehnsüchtigen Einhorn,
und wir werden’s nicht, bevor der letzte
Schiffbruch uns von unserer Person trennt.
Lieber zugrunde gehn
als uns ändern.
Lieber sterben in unserer Angst,
als das Kreuz des Augenblicks
annehmen und auf unsere Illusionen verzichten.
(Haben wir, die Vernetzten, das Kreuz
des Augenblicks tragen gelernt?)
Ich muss fort mit meinen Schrecknissen,
bis ich singen gelernt habe.
Ist Gott das stete Gegenüber, dem all unser
Nichtwissen gilt?

 

Noch x: D.T.

Klar, nur weil ich zufällig gehört habe, dass die ersten 100 Tage des neuen amerikanischen Machthabers Donald Trump über die Weltbühne gegangen sind, muss ich entscheiden, ob ich dazu was sagen will (oder nicht). Der verblüffend einprägsame Satz „Make America great again“ muss in sehr vielen Psychen eingeschlagen haben, denn sein Echo tönte aus den verschiedensten Ecken der Welt hervor, allerdings in sorgfältiger Abwandlung wie: „Make Potsdam great again“ im Feuilleton der FAZ, oder auch „Make the intellect great again“, die Überschrift eines Artikels von Bernd Hüppauf. In Indien begegnete mir bei aller Kenntnis des hinduistischen Denkens das doch sehr Überraschende. In der „Times of India“ (ich hatte schon mal davon berichtet), wurde Trump mit der ihm typischen Fingerhaltung der rechten Hand (Zeigefinger und Daumen berühren sich) abgelichtet und die Ähnlichkeit mit dem „Wissens-Mudra“ an einem Brahmenanschopf herbeigezogen und ihn, Trump, kurzerhand zur Inkarnationfigur einer neuen Zeit deklariert: Einer kommt, der Haare hat wie die Sonne und mit einer groben Sprache spricht! Kurz, ein neuer Gott, der Gott Indra, der nämlich kommen wird, um „Svarg“, den Himmel, wieder „great“ zu machen (wenn die bösen Dämonen verjagt sind). Der hinaustrompetete Satz ist also in viele Gemüter gesunken, vielleicht könnte man  d a s einen kollektiven  Welt-Schmerz nennen, wenn man bedenkt, wie viel auf dieser Erde „great“ sein könnte, wenn….wenn was? Wenn es die kleine Horde der narzisstischen Persönlichkeitsgestörten nicht gäbe, die sich auf künstlichen Thronen breit gemacht haben und mal hier ein Bömbchen, mal da eine schlanke Rakete abfeuern, damit der Seelenbruder auch weiß, wer wer ist.!?  Und wir, die Zuschauerinnen und Zuschauer wissen ja, dass das nichts Neues ist. Es ist nur, dass es in unserer eigenen Zeit passiert, und wirklich, es gab nie eine (mich?) zufriedenstellende Antwort auf die Frage: Wie konnte das geschehen!? Eben  d a s, was sich keiner vorstellen möchte, bis es da ist, und es dann oft zu spät ist. Zu spät für was? (es ist nie zu früh, und selten zu spät….fällt mir da ein…ein super Werbespruch!) Genau, es ist eben immer rechtzeitig, wenn man die Verantwortung für sich selbst übernimmt, für jedes Wort, jede Handlung….Auch wir können innere Bomben auf Andere abwerfen, können in Wortgefechten Wunden verursachen, und können auch entwaffnendes Lächeln erzeugen und hochpolitische Entscheidungen treffen. Das und das und das werde ich mir und Anderen nicht (mehr) antun! Vernunft und Wille in bedeutsamer Positionierung. Was ist los mit uns Menschen, dass wir von einem kindischen Dummkopf unterhalten werden müssen, und uns dazu noch fürchten können, dass er das Spielzeug verwechselt. Great  a g a i n ???? War schon „great“? Die Bühnenausstattung ist großartig, kein Zweifel. Aber war denn das Spiel schon mal so großartig, dass man um sich schauen konnte und ……nirgendwo war Krieg?…und alle hatten genug zu essen…….?

 

 

Weltfreude

Würde ich das Wort „Welt-Freude“ in einem Gespräch aussprechen oder auch hier im Blog mich dafür entscheiden, kann ich davon ausgehen, dass ein anderes Hör-System automatisch das Wort „Welt-Schmerz“ hinzufügt. Ein CIA-Agent, der sich einst unter „uns“ gemischt hatte, um unser Leben und Treiben zu beobachten, beschrieb diese Fähigkeit des Menschen als seine ganz besondere. Sein Beispiel war, dass, wenn ich aus Versehen „Jakob“ sage, du verstehen kannst, dass ich John meine. Das kann eine Maschine m.E. bis heute nicht, obwohl es sehr gut sein kann, dass ich mich irre. In einer Zeit, wo einem jwd (janz weit draußen)-arbeitenden Japaner von seiner Firma eine Roboterfrau mitgegeben wird, damit er sich nicht so allein fühlt, ist alles möglich. Es war schon immer alles möglich, nur die Mittel erweitern sich ständig. Man sieht, zu was der Mensch alles fähig ist. Es kommt darauf an, über was man staunen will, oder sich beklagen, oder traurig sein, oder hinabstürzen in die Tiefen der Urpsyche, oder sich aufschwingen in alles Mögliche: Kunst zB. Poesie, Musik, Therapie oder Meditation, was auch immer geeignet scheint. Auch da gibt es Grenzen, oder „Konturen“, wie ich es lieber nenne, wo man wachsam sein muss, wann das Eine fast unmerklich in das Andere schwappt und zB. aus Welt-Freude schnell Welt-Schmerz werden kann. Ich habe das Wort „Weltschmerz“ in meinem Leben öfters mal benutzt und es auch in anderen Ländern stolz gepriesen als ein Wort, dass es nur in der deutschen Sprache gibt. Ich bin ja der heimlichen Auffassung, dass ein Mensch, der innerhalb dieser Wundersprache aufgewachsen ist, nicht so arg viel zu klagen hat, aber gut, nicht nur haben wir eine große Sprach-Nacht hinter uns, sondern ein Beharren auf dem Naiven ist auch keine Kunst. Welt-Schmerz…..hatte ich ihn? Ich war dankbar für das Wort, denn es hat etwas in meine Welt gebracht, was ich anfangs nur dunkel wusste. Die Welt als Spiegelfläche, in der ich mein eigenes Leid und meinen Schmerz im Äußeren sehen und fühlen kann, ohne mich damit zu verbinden. Das ist paradox. Und doch wird Welt oft von uns so wahrgenommen, so als hätten die Bilder, die ich dort wahrnehme und dadurch in mich hinein nehme, gar nichts mit mir zu tun. Selbst von Donald Trump konnte ich lernen, dass meine durch ihn aktivierte Gier nach noch mehr Blödheiten, die einem den Verstand rauben können, nichts ist, was ich an mir kultivieren möchte. Dazu muss ich nur Tasten drücken. Dann ist das ganze Gewimmel auch noch gleichzeitig „leer und bedeutungslos“, wie die Buddhisten sagen und damit u.a. meinen, dass w i r die Spieler-Fläche gestalten, und jede/r, die/der auf dem Planeten herumläuft, macht mit. Wir projezieren auf die potentielle Leere, wer wir sind, und das Leben, das sich für uns entpuppt, ist das von uns gestaltete. Es gibt ja immer in einer Gesprächsrunde dann jemanden, der mich zB streng fragt, was ich denn täte, wenn auf einmal eine Truppe Jihadis durch den Wald auf unser Haus zutraben würde…(frei erfunden). Ich habe mir neulich mal im Kontext meiner Gedanken über „totale Freiheit und was ich darunter verstehe“,  ein paar der hoffnungslosesten Situationen vor Augen geführt, die mir einfielen, um zu sehen, ob die Freiheit des Menschen ganz und gar gelöscht und vernichtet werden kann, und ich habe zu meiner Überraschung gesehen, dass es nicht so ist. Nicht nur sind Menschen aus Höllen entstiegen und haben sich um ihre Heilung gekümmert, sondern der Tod ist eine letzte Freiheit, auch wenn ich hier niemals behaupten würde, ich wüsste, wer ich in solchen Momenten wäre.  Bestimmte Kräfte brauchen lange Vorbereitung und frühe Weichenstellungen. Und: die Freude an der Welt….das braucht richtig Mut…Einsicht/Vorsicht/Rücksicht…überhaupt: Sicht! Und mit welcher Grundeinstellung navigiere i c h hier durch das Abenteuer, und als wer bin ich da?

Ich freue mich auch manchmal am Morgen, wenn ich unter meinen Pinseleien,
möglichst mit einem Schuss Humor, ein „Bild“ finde, dass mir geeignet erscheint.

Fenster

 

Dieses kleine Tesafilm-Fenster im obigen Bild, das schon ziemlich lange an einem unserer Fenster des gemeinsam benutzten Raumes prangt, wurde von einem Freundes-Gast entdeckt, der sich daran erinnerte, dass da mal früher, als er uns besuchte, ein Wort stand. Das ist wahr. Da stand das Wort „Begleiter“. Es stammt aus einem meiner früheren Texte, die wir in einer Performance gemeinsam gesprochen haben. Wie und durch wen es dann an das Fenster kam, weiß ich nicht,  aber unter uns war ja der Text dazu bekannt. Ich kann ihn hier auch gerne nochmal nennen, denn als wir dann heute einzeln nochmal durch das kaum sichtbare Fenster schauten, sagte jemand, der Text wäre ja auch in dieser Sichtweise enthalten, dh der Rahmen um das, was da ist, transportiert nochmal eine andere Wirklichkeit, u.a. auch die Wirklichkeit, die wir mit unserem Blick ständig erschaffen. Ist es eine Leere, ist es eine Fülle, ist es ein Potential, ist es eine Bewusstseinsbegrenzung durch Konzentration auf den in diesem Nu in jeder/m Einzelnen vorhandenen Zustand.?
Ich bin mein Blick, kein Zweifel. In der Sichtweise, wie auch immer und durch was geprägt, formt sich ohne Pause mein Bild von mir und der Welt und den Menschen, denen ich mit diesem Blick begegne, egal, wie weit die Wirklichkeit eines Anderen davon abweichen mag: die Resonanz auf das Bild und den Blick, den ich vermittle, besteht in erster Linie aus meiner Verantwortung für die Substanz, die sich hinter meinem Blick verbirgt. Ja, es gibt Menschenkennertum, aber nicht wirklich die Kenntnis von Menschen ohne die Kenntnis von mir selbst. Jemand sagt: das ist eine kleine Gruppe. Es stimmt. Es gibt viel größere Gruppen, wo sich Menschen zusammentun, um ein Gedankentum  zu vertreten. Doch unsere  „kleine“ Gruppe ist ja nicht zusammen im Sinne eines Zusammenhaltes wie zum Beispiel im Familienbündnis der meisten Kulturen. Diejenigen mit dem Interesse an der Selbsterkenntnis müssen sich ja erst einmal an sich selbst schulen, und mit guten Lehrern ( wer auch immer das jeweils sein mag) durch die Tücken und Abgründe der Selbsterkenntnis, bzw. auf dem Wege dort hin navigieren. Praktizierte Yoganautik also, mit Verlaub, meine Eigensprache: die Kunst, im Ungewissen sicher zu navigieren. Das mag wohl aussehen wie eine Solo-Performance, aber das ist eine vollkommene und oft vorkommende Fehlsicht. Denn ich brauche die Zulassung der Welt und das Zugelassensein durch die Anderen, um von den vielen gefährlichen Wegen isolierter oder auch nur vermuteter Ichheit  wieder auf freie Bahnen zu kommen, wo mein Sein eine lebendige Chance hat zur Entfaltung. Wir sind also ein loser, internationaler Haufen, der all seine Erweiterungen im Ungewissen hat, doch wenn wir uns treffen und finden, verstreut, wie wir alle sind auf der Welt, dann kann das sehr schön sein, und man staunt doch oft genug über die Einfachheit, mit der sich komplexes Sein miteinander entfalten und enthüllen kann.

Wir sind Begleiter.
Unsere Sprache weist hin
auf die Gärten des Augenblicks,
wo das Geliebte sich findet.
Dort trifft, ohne Widersacher,
das Selbst die Vorboten
des Leisen.

rückwärts

 

Ich habe mich schon öfters mal in meinem Leben sagen hören, dass ich keine starken Neigungen entwickelt habe, in meiner Vergangenheit und den dazugehörigen Geschichten herumzudenken, oder Geschehenem nachzuhängen, oder Erinnerungen in Häusern und Kästchen aufzubewahren, aber natürlich habe ich von alledem etwas getan. Geschichten erzählt, Anekdoten zu Unverrückbarem gefrieren lassen, obwohl öfters noch ganz andere Dinge darin enthalten waren, die vermutlich aufschlussreicher gewesen wären als die Anekdote. Wirkliches Interesse am Aufschluss kann m.E. erst dann geschehen, wenn unterschieden werden kann zwischen der Schicksals-Geschichte, die man in vielen Variationen darbieten kann, wenn man möchte, oder man zB über Erzählkunst verfügt. Wen kümmert’s schon, ob etwas „wahr“ ist oder nicht, wenn ich mir das Wort selbst noch gar nicht erschlossen habe, und ich unterscheiden kann, ja, zwischen dem Erzählen meiner Story und der Wahrnehmung der „Störfaktoren“ darin, dh, d e r Störungen, die sich als Muster auf mein Sein niederlegen und es infiltrieren und ich mir langsam angewöhne, meinen Umgang damit als eine Identität zu prägen, anstatt mich darum zu kümmern. „So bin ich halt!“ galt in meiner Meditationsausbildung als der schlechthin ungünstigste Satz für Selbsterkenntnis, denn er verhindert die mögliche Erkenntnis, dass ich vielleicht gar nicht so bin, wie es scheint, sondern erstmal ein durch Störungen festgehaltener Mensch bin. Auch das nicht notgedrungener Weise, obwohl man mit einem gewissen Staunen feststellen darf, dass sich die Utopie vom gar nicht gestörten Kind durch die lieben Eltern ganz schön selten umsetzt. Da geht es den Kindern in Indien manchmal besser, denn in den Großfamilien finden sich immer welche , die irgend eins der Kinder besonders lieben, auch wenn das Eheglück der Eltern kein Teil des Programms ist wie vielleicht hier. Im Westen ist ein Kind doch verloren, wenn es diesen zwei Menschen nicht gelingt, ein förderliches Seinsfeld für das Kind aufzubauen. Und wie häufig findet man schon förderliche Seinsfelder vor?  Da könnte ich mich jetzt richtig gut reinvertiefen, aber eigentlich hatte ich einen anderen Ausgangspunkt. Und zwar bekam ich eine Nachfrage aus Amerika von einem Mann, der ein Buch machen möchte über den Mann, mit dem ich in Kathmandu einst mal 9 Jahre gelebt habe und der vor einigen Jahren in New York verstorben ist. Der zukünftige Autor wollte meine Story mit besagtem Künstler haben, und ich sagte ein paar wenige Worte dazu. Dann wollte ich nicht mehr. Da lag sie groß und breit vor mir, die Geschichte, und sie birgt unendlich viel Material, einerseits als Zeitdokument, darin die LSD -Forschung, darin der lebende Karmapa, darin mein Geigenspiel etc, alles reichhaltige Welten, die gelebt und lebend reflektiert wurden. Aber ich will sie nicht herauspuhlen aus ihren Kontexten und überhaupt, wen oder was das interessiert, das möchte ich selbst entscheiden und Meisterin über mein Schicksal bleiben. Ich danke Ihnen für die Nachfrage. Ich bin aus dem Musen-Reich ausgestiegen.

Das linke Bild zeigt die Auflösung einer Musen-Identität im Gesicht einer Frau, das rechte Bild zeigt einen Seins-Händler bei der Arbeit. Wer meinen Humor nicht kennt, wird das schwierig zu finden finden.

zu/lassen

Es gibt so Worte wie „einlassen, zulassen, loslassen“, die einen unterwegs zu unterschiedlichen Zeiten nerven oder erfreuen können. Besonders „loslassen“ wurde ein Erfolgsschlager der verbalen Wissensvortäuschung, bis man selber in die Nähe der ungeheuren Kraftanstrengung kam, etwas wirklich „loslassen“ zu können. Z.B eine Neigung, die man an sich selbst entdeckt und gerne verändern möchte, aber merkt, dass man irgendwo damit hängt in  der eigenen Geschichte und ich mich früher oder später dem betreffenden Punkt in meiner Story  widmen muss, auch wenn ich ihn als Identitäts-Kult oder „Besonderheit“ verkauft habe. Oder auch andere Zugänge finden, die „Verhaftungen“ in freieren Zugang transportieren können. Dann gibt es die kulturellen Bedingungen, die wiederum bestimmte Formen und Phänomene und Gegebenheiten erschaffen, die einander sehr fremdartig erscheinen mögen. In Indien ist es eben nicht möglich, sich an der Wirkung einer persönlichen Psychoanalyse zu erfreuen oder Unterstützung zu finden in einer therapeutischen Behandlung, wo die Chancen zu psychischer Heilung doch sicherlich mehr gegeben sind als die Einstellung, das Leben sei halt auch von Wahnsinn und Leid geprägt, was soll’s. Nur ist das indische Leben nicht von tiefem, persönlichem Interesse am Anderen geprägt, sondern von der Aufmerksamkeit auf gemeinsames Schalten und Walten in den Großfamilien, wo viele Menschen auf engem Raum miteinander auskommen müssen. Hier im Westen dagegen wurde die Ich-Form geprägt und erforscht und zugelassen als vorherrschender Anspruch auf ein selbst gewähltes Leben, das man ja hier zumindest für möglich hält. In der Tat ist es „die Qual der Wahl“, wenn Möglichkeiten und Vorstellungen unbegrenzt scheinen, die Umsetzungen aber der eigenen Vorstellung nicht (mehr) entsprechen oder sich schwerwiegender zeigen, als man dachte. Es ist also ein Glück und „gutes Karma“, wie die Inder sagen würden, wenn man um sich schaut und das Leben, das man erzeugt hat, mit Freude und Wohlwollen betrachten kann. Dazu gehört sicherlich, dass man sich im Augenkontakt mit denen, mit denen man lebt, auch d i e eingeschlossen, die man im erweiterten Kreis liebt,  eine Freude oder einen Zuspruch finden kann zu eigener Resonanzbereitschaft….Oder ist  das auch schon zu fixiert, also eher ein Gefühl des eigenen „Zulassens“ förderlich ist, in dessen Raum man aufatmen und hervorkommen kann und das Verborgene, das in einem schlummert, auftauchen kann und teilnehmen am Spiel, statt sich eben nicht zugelassen zu haben oder nicht zugelassen  zu werden zu dem verborgenen Reichtum der Wesen. Die Entscheidungsklarheit, ob etwas für mich „Ja“ oder „Nein“ ist, muss immer bleiben. Dann kann ich ja offen sein für das Daseiende, denn ich kann mich schützen und verantwortlich mit mir umgehen. Muss ich aber ablehnen und mein System verschließen und kann nicht zulassen, wer und was ein Anderer ist, dann gibt es Stoff zum Denken. Ich meine jetzt d a s Denken, das direkt in den Augenblick führt.

Es war einmal

 

Es war einmal ein Erleuchteter, der ging leichten Herzens
seines Weges dahin, denn auf dem Marktplatz des
Wünschens und Wollens fiel er nicht weiter auf. Da ergriff
ihn ein tiefer Schmerz. „Was ist denn das nun schon wieder“,
murmelte er vor sich hin, „ich dachte, ich hätte die
Schmerz-Ebene hinter mir gelassen!?“ Da sich nun in seinem
Seins-Raum wieder ein Hinten und ein Vorne auftaten,
fand er sich in abgründigem Tal und genoss die
erfrischende Müdigkeit simpler Vorgänge. Aber wie lange
konnte das anhalten, wenn Gaukeln und Gambeln nicht mehr
vor ihm selbst verborgen bleiben konnten, denn er sah,
was sich in ihm abspielte. Auch war ihm bewusst, dass alles
sich abspielte, so gut es konnte, und auch seine Spule nur
so gut war, wie er sie selbst abspielen konnte. Da war keine
Zeit zum Proben, das war konstante Premiere, absolutes
Theater im pursten Sinn, unsterbliches Training im Umgang
mit den uns umgebenden Kräften. Da erinnerte er sich
zenschlagartig daran, dass weder ein Drin noch ein Draußen
beweisbar waren, wie die Entkernung einer Idee, die ihre Zeit
im Pudel erfüllt hatte. Da erschien ihm auf einmal alles in
dermaßen gleicher Gültigkeit, dass  er dadurch erwachte und
sich wohl gestimmt vorfand.

Demo

Mir fällt auf, dass ich diese 4 Buchstaben (Demo) in Indien so oft in dem Demonetisierungsplan der indischen Regierung gesehen habe, wo oft scherzhaft das Wort „Demon“ herausgehoben wurde, und habe gerade entdeckt, dass zwar in „Demo“ noch kein Dämon steckt, aber in Demonstration  un „monstra“. Und heute, belehrt mich Google beim Einstieg in das Weltfenster, ist der „Tag der Erde“. Das erinnert mich wiederum an den „Tag der Frau“. Die Erde bekommt einen Tag! Wie hat sie das verdient? Und auf ihr demonstrieren heute sehr viele Menschen. Alle Wissenschaftler der Erde sind schon auf den Beinen und draußen in der wilden, fremden Welt, um mehr Achtung für die wissenschaftliche Arbeit zu bekommen. Alle Achtung! Wo soll man hinschauen? Hinauf zum Raum-Müll, oder hinunter zu den Affen. Überhaupt zu den Tieren. Du (ich) wirst doch hier den Fortschritt nicht vergessen! Willst du vielleicht…….nein, will ich nicht. Nicht mal vor Paracelsus will ich blicken. Weder auf das Eine noch das Andere will ich blicken, denn in der Tat, es ist alles bereits da. Die Linken und die Rechten und die Mäßigeren und die Unmäßigen sitzen heute in großer Anzahl in Bussen und lassen sich ein auf ihre jeweiligen Gruppierungen. Ein 5 Star Hotel ist umzingelt mit polizeigewaltigen Stoßstangen an Stoßstangen an Stoßstangen. Ich wäre davon ausgegangen, dass ich mir keinerlei Meinung über die AfD bilden wollte, aber warum war ich dann erstaunt, dass sie im Maritim wohnen? Habe ich sie eher in einer Zirkus-Arena gesehen? Oder nirgendwo gesehen?, weil ich ihnen gar nicht begegnen möchte? Ein Freund erzählt mir, Herr Gauland sei „gegen die Vertuntung der Welt“. Da schaut man irgendwie oder irgendwo hin und weiß gar nicht, wo das ist. Einmal musste ich einer Hass-Rede zuhören, die nur in meiner Gegenwart stattfand. Sie war nicht durchgehend auf mich gemünzt, war aber für mich gedacht. Ich merkte, wie ich immer stiller und ruhiger wurde, ja, nahezu heiter. Vor lauter Staunen wurde ich total entwaffnet. Entwaffnet, ein schönes Wort. Ich erkannte etwas über mich, was ich vorher nicht wusste: ich kann meine Waffen niederlegen, wenn es sein muss und wenn das Spiel zu einem Scheiß-Spiel wird. Man baut eben für Menschen keine Fallen und lässt sie bewusst hineinfallen, damit man sieht, ob es klappt. Trotz aller Dinge, die noch zu bewältigen sind, war es gut, das zu verstehen. Ich habe Respekt für Bürger, die sich aufmachen und sich öffentlich für Frieden einsetzen. Sie verdienen Respekt. Ich bin nicht ganz und gar unbeteiligt. Heute früh habe ich von jemandem gehört, die den Stimmen von Sterbenden gelauscht hat. Die Töne, die Menschen machen, wenn sie sterben. Das geschieht nicht nur in den Kriegen, dass Menschen die Stimmen der Sterbenden hören,  sie werden an vielen Orten gehört, auch in Katastrophengebieten, wenn Hilfe nicht kommt, oder überhaupt, wenn wir Fremdlinge diesen Planeten wieder verlassen: was für Töne werden wir von uns geben…..was für eine „Zeichnung“ hinterlassen, wie es jemand anderes ausdrückte.

was wissen

Wir wissen alle so viel, das ist ja beeindruckend. Durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch wussten immer sehr viele Menschen sehr viel von allem Möglichen. Vom Töpfern, vom Schreinern, vom Malen, vom Denken, vom Deuten, vom Unterdrücken, vom Foltern, vom Lehren. Der Blick, der schnell ist und frei, prallt zB. auf Pyramiden. Ist (auch) Wissen ein regressiver Vorgang? War schon immer alles Wesentliche gewusst? Dann kommt in unserer eigenen Lebenszeit immer neues Wissen dazu. Ganz Indien ächzt unter der neuen Flut des medialen Wissens, wir Indien-Travellers haben unter der Flut des indischen Wissens geächzt, während das meditative Ächzen den Indern ziemlich fremd blieb. Vielleicht hier und da ein paar narzissistische Exzessliebhaber, die ihren Arm ein paar Jahre nach oben hielten und lächelnd zuschauten, wie er vertrocknete. Oder andere Entrückte, die 12 Jahre nur standen, bis an ihren dicken, geschwürträchtigen Beinen zu sehen war, dass sie es wirklich taten. Gerade, als sich im kollektiven Unterbewusstsein ritualfreudiger Hindus  eine große ewigkeitssatte Ermüdung anbahnte, kamen wissensdurstige Westler erst einzeln, dann stromweise nach Indien. Manche landeten in Ashrams und bei Gurus, andere lernten Chillums rauchen bei Eingeweihten. Massive gesellschaftliche Bewegungen setzten sich in Gang, die niemand mehr wirklich durchschauen konnte, da sie lange für harmlos galten. Erst als ganze Generationen nicht mehr in die Heimatstätten zurückkehrten, kamen CIA- Agenten in Gang, denen selbst das Drogenproblem nicht mehr so wesentlich schien, sondern vielmehr: was tun die alle da draußen, und wo sind sie alle überhaupt!? Nun ja, sie waren dem Wissensstrom gefolgt, mal in die kanadischen Wälder, mal an die Küsten von Goa. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann tanzen sie noch heute, auch wenn die Drogen sich entwickelt haben. Ich selbst kam nach ziemlich langen Jahren meditativer Praxis in die schockierende Erkenntnis, dass das Wissen, das wir (Vielen) leidenschaftlich am Umsetzen waren, nicht wirklich dafür sorgte, dass uns bei Rückkehr in den Westen  das menschliche Verhalten mühelos von der Hand ging. Viele Bücher wurden verfasst. Wie werde ich glücklich, wie kommuniziert man eigentlich usw….Seinsformen wurden und werden als ultimative Wahrheit ausgerufen. „Einfach im Sein bewegen“, oder ohne ein Ich weiterbewegen, ist doch grandios! Was kümmert’s mich, was die da draußen alles treiben! Dann aber, wie in einem von Leonard Cohens superben Songs, wenn der eigene Blick  auf einmal auf den Hass in den Augen des Sohnes trifft, was dann? Weiterschwimmen im Sein? Die letzte und erste Wahrheit proklamieren, als wäre sie bereits in meinem Besitz?, wie: einfach alles akzeptieren, wie es ist. Ja, wie ist es denn?