immer/neu

Auf der einen Seite sagt man gerne ‚das gab’s doch schon immer‘, und andrerseits sagt man auch gerne, dass etwas neu ist und noch nie Dagewesenes sich eingestellt hat, und beide Seiten beinhalten den Tropfen Wahres, den es braucht, damit man bereit ist, etwas zu bedenken. Ich denke, es ist bereits erwiesen, dass selbst bei der Spanischen Grippe oder den Weltkriegen nicht alle in einem Boot saßen, und es gab immer welche, die nicht hörten, dass jemand auf dem Mond herumgetrampelt ist, oder gerade durch einen technischen Fehler ein paar Milliarden in der Luft verpufft sind, die man leider nicht nach Moria umpolen konnte, hätte man das wollen (und dadurch auch wirklich umsetzen) können. Man muss ja auch nicht ungehemmt in die Naivität stürzen. Doch wir Menschen kommen nicht gut zurecht, wenn das gewohnte Dasein unwillentlich ausgehebelt wird. So hat die planetarische Wirkung des wandernden Virus tatsächlich Premiere. Und sollte die nächste Mutation, denn auch ein Virus möchte mutieren, bereits auf dem Weg sein, was vielerorts gemunkelt wird, so werden Serien bei Netflix (z.B.) mit einst unmaskierten Menschen wahrscheinlich ein Renner sein. Denn damals, liebe Kinder, als die Wesen noch nicht in die Maskierung hineingetrieben worden waren, hustete noch keiner in die Armbeuge, denn sonst wäre er (oder sie) ja dem Aerosolenfänger in die Fänge gelaufen, denn auf freie Ausatmung stand hohe Bestrafung. Ach Quatsch, ich hab mich vertan, es war ja alles besser, früher, als die Welt noch nicht maskiert war und keiner zu Hause bleiben musste, obwohl er oder sie vielleicht viel lieber woanders einkehren würde. Das Darknet wimmelt (vermute ich mal) von verzweifelten Ausbrüchen und Drogenbosse halten (vermutlich) die Daumen, damit das Zeug noch rechtzeitig vor dem Lockdown durchkommt. Natürlich gibt es (wie immer) auch sehr gute Nachrichten, das darf oder besser möchte man nie vergessen. Man bedankt sich etwa mal bei der Bioladenbestzerin, dass sie es so eingerichtet hat, dass man dort wirklich alles bekommt, von schwarzen Oliven bis zum 9cm Teenetz. Man kehrt heim mit dem Gefühl, eine große Krise mühelos bewältigen zu können. Man sammelt über diesen Weg der Subatome auch die Kraft, den letzten Schuldschatten abzulegen im Prozess der Selbstbefragung, ob man es vielleicht doch an Einfühlung für die vielen Pandemietoten fehlen lässt, findet aber nirgendwo einen mentalen Einlass. Nicht, dass man hineinwill, nein danke, deswegen ist ja da auch der Gefühlspegel schwach, weil man gar nicht hinein will, eben nicht Teil nehmen an vermeidbarem Zirkus, der mit der eigenen Lebensgestaltung wenig zu tun hat. Ist man allerdings selbst LebensgestalterIn, gibt es hier eine ganze Menge guter Nachrichten. Die Spielfläche liegt sozusagen ausgebreitet vor dem eigenen Auge. Was will ich selbst tun?, erhebt sich hier die interessante Frage. Und w i e will ich es tun? Oder will ich es ganz alleine handhaben, oder mit den Anderen. Und wie könnte es mir gelingen, meine Freude und Wertschätzung zu teilen, die ich der  Wertschätzung meiner ganz persönlichen Gestaltungsfreude verdanke? Das sind keine einfachen Fragen, aber dennoch bedenkenswert. Aber die besten der guten Nachrichten lädt man zu sich ein und erfreut sich an der wärmenden und unmaskierten Ausstrahlung der MitspielerInnen.

zeitlich

Es gibt die Zeit nicht mehr.
Man kann sie nicht erkennen,
da gibt es sie nicht mehr.
Leer stand ihre Halle des Traumes.
Die Zeit ist neu. Die Zeit ist alt.
Die Zeit ist nicht mehr sichtbar.
Alles stürzt sich mit blindem Eifer
auf sie, doch sie ist nicht mehr da.
Ja, wo ist sie. Erst war sie der Tod,
dann war sie die Liebe, dann war
sie verschwunden. Eine andere Zeit,
noch ein größerer Tod kam auf sie zu.
Auf dem besagten Wirkungsfeld hat
man sie lebend aufgefunden, und sie
entband sich von den Weltenpflichten.
um die Gesichte des Spiels zu wahren.
Nun ist sie nicht mehr ganz so dicht,
nicht mehr so zugehlässlich, nicht
mehr so greifbar nützlich für den
Hausgebrauch, nicht mehr so
überdrässlich. Die Zeit war da. Die Zeit
war sicher auch bei Ihnen da gewesen.
Sie war für jeden da. Für mich. Für dich.
Für jeden war sie da. Sie kannte keine
Grenzen. Die einzige Grenze ist sie selbst
an sich. Wenn ihre Zeit gekommen ist,
da muss sie wohl hinein, versinken in des
großen Kairos-König’s unvermutet
heiterem Spiel. Muss oder darf sie ihn
dann lächelnd siegen sehen. Wer ist sie
nun ohne den Traum des Widerstandes,
fließend wie Licht durch die Brunnen,
die Teiche. Ausgerichtet auf Dasein wie
ein eindeutiger Zustand von Wonne.
Zeitlos wandernd in einem der Winter, als
die Zeit noch da war und in Erinnerung.
Als die Zeit noch ganz nahe bei uns war
als Liebe und täglicher Segen. Wer ist sie
nun, ganz unter sich, ganz sich selbst, oder
nur das Nur, nur das Licht, oder doch nur
das Nichts, nur das Nichts mit der Maske.

zurückgezogen

Eigentlich würde man davon ausgehen, dass man die Augen maskierter Menschen besser wahrnimmt, aber es stimmt wohl auch hier, dass es darauf ankommt, wer mit welcher Intention hinter welcher Art von Maskierung steckt. Um Menschen außerhalb des eigenen Clans überhaupt wahrzunehmen, muss man ja schon einen gewissen Willen einsetzen, ein Interesse in sich vorfinden, eine Einstellung zum Menschsein schon mal separat von den praktischen Abläufen untersucht haben. Selten war auch dieses kollektive Menschsein so spürbar wie jetzt unter dem Baldachin einer gemeinsamen Katastrophe. Aber selbst die Katastrophe ist ja nicht wirklich gemeinsam, oder vielmehr das Einsame im eingebetteten Gemeinsam, oder man könnte zur Abwechslung des Wortspiels auch einen gemeinen Samen daraus machen, der wiederum dem gemeinsamen Einsam entspringen könnte. Es ist ja nicht so, dass man sich von Herzen freuen sollte, dass alle Kinder noch länger Weihnachtsferien haben, nein, man hat Angst um sie. So sind die Augen hinter den Masken wohl eher zurückgezogen in die eigene Frustration, und da dringt nicht so viel nach draußen, dem man offen begegnen könnte. Angela Merkel meint, es würde zu viel an Glühwein gedacht, eine andere Frau meinte, man denke nicht genug an die vielen Leidenden und ihre Mitleidenden und ihre Toten, und es ist in der Tat überraschend, dass das so schwer zu kontrollieren scheint. Ich bleibe trotzdem gerne bei meinen eigenen Gedanken, auch wenn das Herumstreifen in fremden Welten (Nachrichten) zuweilen zu tieferen Berührungen führen kann. Das wahrlich Unvorstellbare hat Vortritt, auch wenn das nicht immer gewünscht ist. Trotzdem gibt es ja erkennbare Wurzeln des Unvorstellbaren, wenn damit eine Hölle gemeint ist. Man lernt von Trump, dass das Ignorieren bestehender Realitäten eine gewisse Macht ausüben kann. Wird der Realitätsverlust allerdings auffallend, kann man das Gefüge auch gleich eine Sekte nennen. Seltsame Dinge nehmen ihren Lauf, dem sich nach und nach die Herde willig anschließt. Ein Illusionsmarathon, bzw ein Täuschungsmanöver setzt sich in Bewegung und kann an einem bestimmten Punkt nicht mehr aufgehalten werden. Manchmal genügt eine einzige Stimme, um einen Unterschied zu machen. Wenn etwa Frau Merkel besorgte Worte spricht und man hört, dass sie verärgert ist, dann weiß man, dass es die derzeit erforderliche Richtung ist (oder nicht). Auf jeden Fall kann man sich auf einen ernsten Umgang mit dem Thema verlassen. Auch kann man nicht auf Befehl oder Wunsch sturzbetroffen werden, sondern vielleicht eher die Nüchternheit auf die Werteliste setzen. Tatsächlich wird man manchmal gezwungen, etwas zu akzeptieren, was nicht im persönlichen Entscheidungsbereich liegt. Das führt aber nicht automatisch zur Versklavung oder zum Herdentrieb. In Krisenzeiten hängt nicht alles, aber sehr viel von den Beziehungen ab, die man bis dahin gepflegt hat. Sind sie günstig gediehen, kann man sich glücklich schätzen, denn nun braucht man Schutz und gegenseitiges Wohlbefinden. Sind sie es nicht, bleibt noch die kreativ gestaltete Einsamkeit. Oder die höllischen Ebenen. Selbst (oder vor allem) Dante musste sich die menschlichen Höllen vom Leib schreiben. In seinem beispielhaften Titel milderte das Wort ‚göttlich‘ wohl die Wahrnehmung der Welt als Komödie ab.

schön und gut

Und wer kümmert sich in diesem gigantischen Lockdown-Spektakel um das Schöne und das Gute? Oder gibt es noch gar kein Büro dafür, weil es nie wirklich klar wurde, was es eigentlich ist, weil so ziemlich jeder Mensch etwas anderes davon versteht. Man kann sich selbst so eine Frage ja stellen und ein Mikrofon visualisieren, das die Antwort registriert und aufnimmt. Was ist Wahrheit? Was ist Liebe? Was ist Dummheit? Von dem weiträumigen Außerhalb her kann einem so ziemlich alles auf die Sprünge helfen, aber nicht nur muss man alleine springen, sondern man befindet sich dann nur auf dem eigenen Pferd und muss, die Zügel in der Hand, die Hindernisse so elegant und wissensvoll wie möglich bewältigen. Wissen ist immer und für jeden d a s, was man gerade an Bewältigungsstrategien zur Verfügung hat. Wenn in der in der dafür gefragten Wachheit die potentiellen Instrumentarien passiv oder aktiv zur Verfügung stehen. Bei aller unermesslichen Differenz in den menschlichen Wahrnehmungen hat man sich jedoch erstaunlicherweise auf (zum Beispiel) das Gute und das Schöne auch einigen können. Aber selbst beim Lächeln der Mona Lisa muss man noch schauen, wie sie auf einen selbst wirkt, während zum Beispiel die Schönheit der Nofretete so ziemlich jedem Schönheitsideal entspricht. Ansonsten wütet und herrscht ja totale Freiheit in Bezug auf das Schöne und das Gute. Und ja, einerseits konnten die Bücher der Welt daran nicht rütteln, und doch wurde permanent gerüttelt und sich immer und immer wieder interviewt, wie man denn nun selbst das Ganze sieht. Und was nutzt es, zu Menschen, die gerade mit ihrer persönlichen Not inmitten des Ungewissen total beschäftigt sind, zu sagen: Hey!, genieß‘ doch einfach den Lockdown: umdenken, umschwenken, neu orientieren undsoweiter. Das geht eben gar nicht, und das aus vielen verschiedenen Gründen. Nun muss das allerdings die, die auf einmal durch die Umstände in die Ruhe des Auges geworfen wurden, nicht davon abhalten, sich darüber bewusst zu werden. Denn es gibt ja nach wie vor nur einen einzigen Menschen, der das alles jeweils auf ganz persönliche Weise erfährt, ob es jetzt die Existenzangst ist oder ein stiller Innenraum. Auch kann ich alles, was mir begegnet, für etwas anderes halten, als es ist. Aber was ist es, und wer oder was bestimmt, was das ist? Und dann die Traditionsgewohnheiten, die man für das Stabile hält. Da kommt der sechste Dezember, man hört einen Klingelton und denkt, es ist der Nikolaus, aber es ist der Schrotteinsammler. Ich wusste jedenfalls nicht, dass Nikolaus aus Myrna kam und ein Heiliger war. Man weiß sogar sein Geburtsdatum, und zwar ist er am fünften März im Jahre 270 nach Christus in Patara geboren. Er soll 1.80 Meter groß gewesen sein und wurde in Bari beerdigt. Hebt ihn das aus der Gruft der Roten Zipfelmützengilde hervor, in der viele Männer sich ausgerechnet am 6. Dezember einen Bart ankleben müssen und alle Kinder fragen, ob sie gut oder böse waren. Nicht schön oder gut, sondern gut oder böse. Ich weiß, da gibt’s auch diesen Knecht mit der Rute, was soll das denn außer Angst einjagen, ein ungünstiger Kitzel, der unkontrolliert zu einem kalten Herzen führen kann. Aber heute ist ja schon der Siebte, und das Spiel (pssst) geht weiter. Faites vos jeux!

Lichteinfall

Mir gefällt gerade (u.a.) der Anblick dunkler Bilder, auf denen man außer einem geringen Lichteinfall nicht wirklich etwas erkennen kann, aber zweifelsohne ist das eigene System darauf geeicht, etwas zu erkennen oder zu benennen, auch wenn es gar nicht weiß, was da ist. In diesem Bild liegen schwarze, ausgetrocknete Blütenschalen von einem Baum aus Lissabon herum, und obwohl sie tiefschwarz sind, erscheint immer irgendwo an ihnen eine Helligkeit, die scheinbar unvermeidbar ist, will man nicht einfach in die völlige Dunkelheit schießen, um eine Finsternis aufzunehmen. Denn gerade diese Unvermeidbarkeit des Lichten macht ja die Ebene der Finsternis erst möglich, oder aber die Finsternis macht erst die Wahrnehmung des Lichtes möglich. Verborgen und doch präsent in den unendlichen Weiten menschlicher Vorstellungskraft sind auch die Grenzen, die sich zum Beispiel auftun, wenn ich zwar sehe, dass etwas da ist, aber ich dort keineswegs hingehen will. Deutschland ist ja bekannt für seine treue Krimigemeinde, und rumknobeln, wer der Mörder ist, macht ja auch Spaß. Aber nicht jeder Krimikomissar hat die Intelligenz eines Sherlock Holmes, von dem man erwarten kann, dass er einem vorführt, was logisches Denken ist. Hauptsache, man ist nicht selbst der Mörder, der gejagt wird. Da es zur Zeit  in den Medien um Virusbewältigung in der Weihnachtszeit geht, kostet es auch unterwegs keinerlei Mühe, alle Sendungen abzuschalten und keine Neugier aufkommen zu lassen, um irgendwelche Beschlüsse zu hören, und auch zum Mitleiden muss man geeignet sein. Berührend fand ich den Bericht eines jüdischen Arztes, der seine Betroffenheit darüber ausdrückte über einen schwer an Covid erkrankten Mann, der über und über mit Hakenkreuzen tätowiert war und ihn anflehte, ihm das Leben zu retten. Er hatte, wie er sagte, schon ein paar Mal Konfrontationen mit ähnlichen Situationen, also Patienten mit Haßabzeichen auf ihren Körpern, aber dieses eine Mal kam etwas in ihm hoch, das ihn fast überwältigte, bevor er sich wieder in seinen Ärztetreueschwur verwandeln konnte. Das flößt mir Respekt ein wegen dem ungeheuren seelischen Fiasko, in das wir Menschen kommen können und froh sind, wenn wir die richtigen Entscheidungen treffen in Momenten, die über Leben und Tod entscheiden, geistig wie körperlich. Was ich (auch) nicht mehr hören kann, ist dieses scheinheilige Geschwafle über die in diversen Pflegeheimen abgeschobenen Omas und Opas. Meine Mutter hatte eine Freundin, die noch allein in ihrer Wohnung lebte und die in der Nähe eines Altersheimes stürzte, wo man sie dann hinbrachte und ihr einredete, sie müsse da wohl besser jetzt auch bleiben. Als wir sie dann mal dort besuchten, geisterten unsere entsetzten Blicke über die mit Beruhigungsmitteln abgestumpften Leben, und meine Mutter flüsterte mir zu: Tu mir das nie an. Zum Glück kam ich nicht in diese Situation. In der Dunkelheit muss man den Blick schärfen und sich in den Differenzierungen üben, die einem geboten werden. Denn auch die Dunkelheit ist ein Raum, in dem man zur Ruhe kommen und die Geschehnisse sortieren kann, die durch einen hindurchgehen.

meistern

Es war einmal eine Zeit, da schmeckten die Erbsen süßer, der Wein tiefer, und Maskentragen war noch nicht Mode gewesen. Man nannte es kurzum das Paradies und wollte daraus natürlich nicht getrieben werden, und das auch noch vom Herrgott persönlich. Und wann war das, wo er dachte (jetzt müsste ich eigentlich ‚er‘ groß schreiben, damit der Unterschied klar bleibt), wo  Er also dachte, der Adam wäre zu einsam und Er müsste ihm Company zugesellen. Wenn es Ihn denn irgendwo gegeben haben oder geben sollte, dann wäre Er auf jeden Fall der Meister der Einsamkeit, denn neben Ihm soll’s  keinen Zweiten geben, sonst wäre Er ja nicht der Eine. Und in dieser für die meisten Menschen geradezu unentbehrlichen Position ahnte Er gewisslich bereits, dass selbst so ein viriler Brocken wie Adam die totale Einsamkeit als belastend empfinden würde, schließlich war er durch und durch Mensch. Und wie sollte es weitergehen, wenn nicht in diesem schönen Garten noch ein paar Weitere sich tummelten. So kam wohl die Idee mit der Lende auf, statt Lehm hier einfach ein Stückchen Fleisch, und schon war sie da. Ich muss das alles auch mal auf tieferer Kindesebene gehört haben, denn obwohl ich die Kräfte der Illusionszerstörung fördere und aktiviere, spüre ich noch den letzten Hauch dieser Glaubensschwingung, die durchaus positiv belegt ist, kindlich halt. Würde ich amtsmäßig eingesetzt werden, um eine weitere Analyse dieser bedeutsamen (christlichen) Urgeschichte zu erstellen, könnten mir sicherlich eine Menge Sachen dazu einfallen, die ebenso glaubhaft wären wie alles andere, was als glaubhaft daherkommt. Und die angebliche Heiligkeit mancher Legenden bedeutet weder, dass man nicht von jeder Geschichte etwas lernen kann, kann man durchaus, aber das kann und darf keineswegs heißen, dass ich nicht meine eigene Vorstellungskraft in Bewegung setzen kann, zum Beispiel, wenn es mich interessiert, meine eigene Wahrnehmung wahrzunehmen. Interessant ist auch für mich, die Advents-und Weihnachtserleberin, dass tatsächlich etwas Geweihtes in der Luft liegt, das ganz offensichtlich bereitwilligen Einzug hält in die vielleicht eher unterkühlten Herzen. Aber das weiß man ja auch nicht, welchen Wärmegrad all diese herumlaufenden Herzen haben, da packt einen eher ein kalter Schauder, bevor man sich wieder an den Dekolichterketten der Straßen aufrichtet. Klar, Stocknüchternheit hat nichts Weihevolles, das würde sie ja völlig plätten und wäre dann gar keine Nüchternheit mehr, sondern ein kraftloses Etwas. Beim Weihevollen kann man auch seinen Sinnen nicht wirklich trauen. Dann noch ein Schuß Nostalgie rein oder ein Blick in die luxuriöse Puppenstube, die man mal hatte, oder ach ja,wenn’s doch wenigstens mal wieder schneien würde, dann wäre alles nicht so schlimm, dabei ist es meist viel schlimmer. Tatsächlich aber hat es das Virus geschafft in seinen vielen Facetten, eine Weltverbindung herzustellen, die ihresgleichen sucht und nicht findet. Tatsächlich, das Leben ist dem Lebendigen geweiht und man kann nicht leugnen, dass es eine gewisse Meisterschaft braucht, um es zum Klingen und zum Gelingen zu bringen, trotz aller Katastrophen, und manchmal auch wegen ihnen.

hineinversetzen

Wieweit man sich als Mensch in etwas oder jemanden hineinversetzen kann, wird immer von der jeweiligen Situation bestimmt sein, wobei man rechtzeitig weiß, dass keinerlei Hineinversetzung eine Garantie für präzise Wahrnehmung ist. Irgendwann in diesem Corona Epos wollte ich mich ab und zu einmal hineinzuversetzen versuchen in die Ernsthaftigkeit der Lage, die sich in einiger räumlichen Distanz zu mir abzuspielen scheint, und immer noch weiß ich nicht, wie und wo sich innerhalb von 24 Stunden 14 000 Menschen anstecken können, vermutlich weiß es niemand. Ich habe verstanden, dass der schwere Verlauf schrecklich ist, das will man nicht erleben. Eine Krankenschwester erzählte, dass sie oft Patient/Innen hat sterben sehen, die nicht glauben wollten, dass es sie erwischt hat. Zwischen Glauben und Wissen schlängelt sich eine dunkle Schlucht durchs Niemandsland. Dann gibt es so ein Geschöpf wie Donald Trump, denn geschöpft ist ja jede/r gleichermaßen, oder hört hier das gleiche Maß schon auf? Da überall auf der Welt Fernseher stehen und unermüdlich das in der Ferne gesehene in die Zimmerwelten tragen, kann man davon ausgehen, dass eine Menge Gehirne bewusst oder unbewusst versuchen, sich in die gegenwärtige Situation im Weißen Haus hinein zu versetzen. Und obwohl alle Zeitungen darüber berichten, kann man nicht mal ahnen (doch, ahnen schon), was sich dort wirklich abspielt. Niemand hat es bisher erlebt, niemand für möglich gehalten, dass wir Teil dieser Performance werden, in der langsam aber sehr sicher jegliche Vernunft aus den Fugen gerät, während draußen vor der Tür sehr viele Menschen sterben, mehr als sonst. Dass Amerika und Indien an der Spitze der Infektionszahlen stehen, weist auf etwas hin, was nicht leicht zu erkennen ist, denn man muss sich hineinversetzen können in den kulturellen Background, um dann erst die oft verblüffenden Ähnlichkeiten zur Kenntnis zu nehmen. Narendra Modi ist genau wie Trump, obwoh Modi, allerdings mit demselben Stolz wie Trump, seine Kindheit hervorlobt, also ganz das einst amerikanische Ideal, eben vom Teehausboy zum Immobilienmogul. Fakt ist, dass sie beide genau wegen dieser Geschichten zum Helden gekürt wurden, derselbe Traum, derselbe narzisstische Ehrgeiz. Dann die Persönlichkeit, die wegen der notwendigen Ausreden über die nichterfüllten Versprechen in die mühelose Kunstfertigkeit der Lüge versetzt wird und das Netz sich langsam zuzieht, bis die Verstrickungen nicht mehr zu bewältigen sind. Jeder kennt eine Dosis davon, deswegen wird das Erkennen mit dem Erwachen verbunden, was noch weit entfernt ist vom Handeln und seinen potentiellen Möglichkeiten. Dann der Mann in Trier, wo es einen einzigen Moment gegeben hat, als etwas in seiner Psyche endgültig aus dem Ruder lief. Und können wir die Menschen wirklich schützen, wenn neue Pfosten in der Fußgängerzone aufgestellt werden? Das vertrauensvolle Hineinversetzenkönnen hat wohl mehr mit bereitwilliger Neigung zu tun, mich unter gewissen förderlichen Bedingungen sehen zu lassen oder zu zeigen, was eben möglich ist in solcher Wärme, wenn die auf Eis gelegte Medizin auftauen kann und bereit ist für angenehme Verbindungen. Vielleicht geht es auch eher darum, einen guten Sitz in sich selbst zu finden, der in jeder Hinsicht zu einem passt. Bei der erfreulichen Sitzung kann es vorkommen, dass sich die Augen von selbst schließen und das Hörvermögen dadurch an Kraft gewinnt. Man hört dann praktisch die Worte, die man selbst denkt, und kann sie mit Anderen teilen.

more „hineinversetzen“

immer wieder

Gestern habe ich während einer Autofahrt die ersten Weihnachtsschmückereien in den Fenstern wahrgenommen, diese oft etwas biederen Gehänge aus der Kiste, in der auch die zerbrechlichen Kugeln liegen. Oder zerbrechen sie gar nicht mehr, weil vor allem aus Plastik? Es ist lange her, dass meine Augen in eine Weihnachtskugelkiste schauten oder über Lamettastreifen an den Zweigen streiften. Schon als Kind mochte ich Lametta nicht, nur den Namen. Ein Mann aus einem anderen Herkunftsland, also jemand, dessen Großeltern mal aus düsteren Gründen hierher zu uns emigriert sind und die deutsche Sprache besser beherrschen als viele Einheimische. Der also meinte, was ihm gefallen würde am Christentum sei diese Verkörperung menschlicher Liebe in Christus, also diese Menschwerdung der Liebe, oder sollte man es die Liebewerdung des Menschen nennen. Ein hehres und hohes Ziel, das muss man zugeben. Und es braucht eine Menge Kraft und Erkenntniswillen, bevor man eine einigermaßen klare Einsicht erhält in das Maß der eigenen Liebesfähigkeit, geschult an aktuellem Erleben und Interesse an der Erfahrungswelt Anderer. Denn mit den Anderen hat man, egal, wer man ist, das verfügbare Leben lang zu tun, und es nützt nichts, sie geflissentlich zu übersehen, denn am Ende des Tunnels sind sie das Licht, durch was d a s, was man im Dunkeln geworden ist, sichtbar wird. Hat man das mit der Weichenstellung irgendwann kapiert, kann sich die Hand am Lenkrad etwas entspannen. Erst dann ist es einem ja gegönnt, auch den angestrengten Umgang mit sich selbst zeitweise zu lockern, um von  der einfallenden Helligkeit nicht überrascht zu werden, sondern es freudig durch die Zellstruktur rieseln zu lassen, denn man ist wenigstens bei sich und kann tief durchatmen. Hier hört alles Dürfen und Müssen auf. Warum? Weil ich entscheiden kann, wie ich es sehe, und welchen Umgang ich mit dem finde, was mich umgibt. Es ist einerseits ein Ruhepol, an dem ich tief Luft holen kann, und andrerseits ist es ein Laufsteg, oder ein Sprungbrett, oder eine Landebahn, auf der ich meine Bewegungen ins Außen koordinieren muss, will ich dort draußen in irgendeiner Weise Anwesenheit erlangen.  Nun habe ich mich auch als Kind niemals damit trösten können, dass da mal einer herumlief auf Erden, der meine Krankheit trug und meine Schmerzen auf sich nahm, das war wohl in meiner Biographie nicht vorhanden. Tröstlicher erschien mir eine Zeitlang die Erotik indischer Gottheiten, deren Essenz und Prinzipien auf anderen Ebenen auch als abstrakte und exakte Formeln zu finden waren. Aber letztendlich, ja, worum geht’s? Da, wo Kälte und Lieblosigkeit herrschen, ist es nicht schön für uns Menschen. Und auch wenn da draußen immer mehr psychisch Kranke vor lauter Verzweiflung mit ihren SUVs in irgendwelche Menschenmengen fahren und Andere mitnehmen müssen in die Angst vor dem unheilvollen Abgrund, der sich da auftut für alle, ja, was versteht man da an der Schwelle zum Lichterfest? Dass es die Liebe ist, die man nicht verlieren darf/kann/soll? Wenn man sie finden konnte in sich, und sie immer wieder aktiviert, und das immer und immer wieder.

Kalender

Auf dem mir geschenkten Adventskalender einer Kaffeefirma (wenn schon, denn schon), habe ich natürlich erst heute das Türlein geöffnet, vielleicht nicht mehr ganz mit so erwartungsfreudiger Intensität wie in den ersten bewussten Adventstagen der Kindheit, wo glitzernde Engelsbengel ihre Scherze trieben undsoweiter, aber es war trotzdem spannend. Es gibt ja auch nicht wirklich einen grundsätzlichen Grund, sich unnötig in der Erinnerung des damaligen Kindlichseins aufzuhalten, außer man hat dort Arbeit zu verrichten beim Studium der Lupenhandhabung. So hatte ich selbst ein dunkel belichtetes Türlein auf meinem Schirm, da öffnete ich es und siehe, es war tatsächlich ich selbst, die sich im Bild erkannte. Nicht, dass das wirklich zeigte, wer ich war, aber dass ich es nicht war, konnte man, auch ich von mir selbst, nicht sagen, denn Leugnung wäre zwecklos. Übrigens war in dem Kalender im ersten Tag ein schön verpacktes Stückchen Schokolade, vermutlich mit Kaffeegeschmack. Wenn man den Inhalt herausnahm, war da auf einmal ein ziemlich geräumiges, leeres Gehäuse, wo man am liebsten gleich wieder etwas hineingegeben hätte. Schon sah ich mich im Geiste dabei, dem aufwendigen Behälter einen anderen Anstrich zu geben, um dann die Fächer mit Eigenprodukten zu füllen. An und für sich gar keine so schlechte Idee, nur zeitlich unpassend, denn da sind ja noch immerhin 23 Türen zu öffnen, auch wenn man denkt man wüsste schon so ungefähr, was dahinter steckt und was dabei herauskommt. Man weiß es aber nicht, sondern eben nur, wenn man das Türlein aufmacht und sich freut, dass da was Erfreuliches drin ist. Denn das macht ja den Adventskalender für Jung und Alt so angenehm, dass niemand befürchten muss, dass da etwas Bedrohliches herauskommt, das wäre ja infam und überhaupt nicht im Geiste eines Adventskalenders. Ich habe nie geglaubt, dass böse Menschen keine Lieder haben sollen, wie uns das mal jemand eintrichtern wollte, und ich kann mir z.B. Hutu, Tutsi, Boko Haram, die Mafia und die Taliban, um nur ein paar wenige zu nennen, kann ich sie mir also sehr wohl, wenn ich das tatsächlich wollte, beim Stammesgesang vorstellen. Aber einen Adventskalender täglich behutsam öffnen und mit der feinsten Freude, zu der man jeweils fähig ist, das Geschenk des Inhaltes in Empfang zu nehmen, das braucht eine gewisse Entschlossenheit, die aus einer vor sich hinreifenden Entscheidungfähigkeit gewonnen wird, ohne den Willen zum Staunen unterwegs zu verlieren. Auch weiß man ab heute, wenn man BesitzerIn eines Adventskalenders ist, dann weiß man ab heute genau, wie viele Tage es noch bis zu dem Tag, beziehungsweise d e r Nacht ist, die als die ’stille Nacht‘ in die Geschichte der Menschheit einging. Da entkommt keiner mehr heute, denn wir leben außerdem auch noch im digitalen Zeitalter, und verlorene Kulturen können sich gegenseitig beim Zelebrieren anderer verlorener Kulturen beobachten. Und wer auch immer keine Lust mehr darauf hat, leere Hülsen als voll erklärt zu bekommen, der oder die hat ja auch da wieder Optionen, und man kann nach dem Entnehmen der Süße die ganze Radikalität der Leere des Gehäuses zulassen: was wiederum die Möglichkeit erzeugt, erfrischt und heiter ein weiteres Türlein zu öffnen, das aber natürlich erst morgen.

genug

Das kann man jetzt definitiv schon voraussehen, dass diese laufende, menschlich bedingte Katastrophe, durch die wir uns gerade gemeinsam bewegen, noch schwierigere Folgen haben wird als wir sie bereits mitbekommen. Alle sind irgendwie betroffen, was wiederum eines der überraschendsten Elemente des Vorgangs ist. Auch d a v o n kann man sagen, dass es auch schon immer da war, das willentlich oder unwillentlich gemeinsam getragene Erdleid, jede/r auf seine oder ihre Art betroffen über die Dinge, die laufend geschehen. Natürlich denkt man auch nicht gleichzeitig oder überhaupt an die Qual umsonst wartender LadenbesitzerInnen und die Not, die vermutlich in Bordellen auftaucht für die Involvierten, Involviertinnen gibt es glaube ich nicht als Wort. Wenn der Boden unter den Füßen zu wanken beginnt, ist es sicherlich hilfreich, wenn man sich ein stabilisierendes Rückgrat erschaffen hat in Form von guten Beziehungen in den eigenen Räumen und ‚genug‘ zu essen, was immer Menschen jeweils unter dem Genug verstehen (?). Das kann sich stark unterscheiden, und je mehr Geld im Fluss ist, desto schwieriger wird die Antwort auf diese Frage, sofern sie denn überhaupt in den Leben auftaucht. Ich selbst bin insofern für Konsumfreude-und freiheit, wenn sie mir auch ermöglicht, das sokratische Maß beizubehalten, das immerhin das Einfachste mit dem Besten verknüpft, nämlich die Gewohnheit des Maßhaltens an sich, wie auch immer man sich das gestalten möchte. Ich kann auch nicht den ganzen deutschen Winter durch trauern, dass dieses Jahr die indische Sonne nicht auf mich scheinen kann, so schön es wäre. So ist es ganz im Gegenteil erfreulich für mich, hier auf diesem Landstrich Neues zu erfahren, das Licht des Vollmondes auf den Eiskristallen zum Beispiel. Überhaupt schaue ich in beiden Ländern von meinem Computer aus auf den Himmel, das ist anregend, weil  gleichzeitig voll und leer. Erspart wird mir natürlich auch der Anblick, wenn auch nur als Gedanke, von 1.353 (Stand 2018)  Milliarden maskierter InderInnen, obwohl ich eher höre, dass bei dem gewohnt anarchischen Verhalten des indischen Volkes die Gesetzestreue sehr locker gehandhabt wird. Als ich im Dorf damals ankam, konnte man dem einzigen Polizisten bei ziemlich allen Verboten, bei denen Menschen erwischt wurden, ein paar Rupien in die Hand drücken und vergessen war die Sache. Natürlich liegt auch hier wie zwischen Idee und Wirklichkeit ein Schatten. So ein Schatten kann meistens nur durch Anekdoten überbrückt werden, in denen irgendwie klar wird, wie Freiheit auch aussehen kann, wie zum Beispiel die Story zwischen Alexander dem Großen und Diogenes. Beim Zuhören der Anekdote beneidet man weder Alexander um all sein Machtschlamassel, das er aufrecht erhalten muss, und auch in einer Tonne muss man nicht leben wollen. Aber der Punkt kommt rüber. Eben als originelle Anregung, wie unterschiedlich man mit dem Leben umgehen kann in all seinen Facetten, und dass es auf niemand anderen ankommt (nur präzise an diesem Kernpunkt!), wie die Sache letztendlich für mich und die Anderen läuft. Großzügig angelegt und geheimnisvoll ist das Innenleben des Menschen. Und zugleich hoch erfreulich und zutiefst erschütternd sind die Resultate, die aus diesen geheimen Sitzungen auftauchen und sich manifestieren. Dass die Kunst tatsächlich transzendent sein kann, die Gans tatsächlich ein Tier und Trump tatsächlich der mühsam scheidende Präsident der nicht mehr vereinigten Staaten, das alles undsoweiter man als Mensch entscheiden und erleben kann und muss.

 

licht

Nichts (na ja) geht über eine gewisse Ordnung in der Sammlungswelt, und so suchte ich nach dem Sufi-Text und fand ihn dann auch: ‚Siehst du das Schwarz, das Licht der göttlichen Essenz? Das Lebenswasser ist in dieser Finsternis.‘ Das ist so wie ein perfekt gezielter Schwertstreich (vor allem in der Praxishalle, damit man ihn außerhalb nicht anwenden muss). Es trifft bei einem selbst ins Schwarze, bevor man versteht, dass man es eigentlich gar nicht versteht, aber weiß, dass es wahr ist. Man kann es sich natürlich auch einfacher machen und den Mutterleib als (gutes) Beispiel nehmen, dann ist man zumindest selbst das Juwel, das es da herausgeschafft hat ins Licht, und schließlich hängt dieQualität der Wanderschaft vom Gelingen dieses wahrlich abenteuerlichen Vorgangs ab, und nach wie vor gibt es keine Garantien für die Lebenskräfte der Neuankömmlinge, sondern man kann lediglich dafür sorgen, dass ihre Bedingungen so günstig wie möglich sind. Aber auch aus der Finsternis des Weltalls strahlt eine Menge Licht, und in diese belichtete Schwärze sind wir eingebettet und ringen auf die eine oder andere Weise damit, einen Umgang zu finden mit dieser kontinuierlich außerordentlichen Situation. Seit Jahren, der Corona Krise zu verdanken, bewege ich mich nun wieder einmal durch Advents-und Weihnachtsgeschehen, eher von meinem gedeihenden Refugium aus als an den Läden stehend und geduldig wartend, bis man hinein kann. Was für eine Macht sie hat, die Tradition der Länder. Hat man die Gesellschaft oder vielmehr hat sich die Gesellschaft fest verankert in einer Weise, die ohne bestimmte Rituale nicht zu denken ist, dann weiß man eigentlich schon, wie das funktioniert, und Diktatoren kennen sich in diesem Gewebe bestens aus. Auch ‚Opium für das Volk‘ war so gemeint, und es stimmt. Ja, es ist eigentlich noch schlimmer, denn die Entfremdung der Zeremonien vom eigentlichen Urgrund  ist so groß, sodass es letztendlich nur um, ich wechsle hier vom Truthahn zur Gans, es nur um die Gans geht, vegetarisch darf es ja auch sein, wenn man auf der Liste des Dürfens noch ein Kreuzchen braucht. Eigentlich darf man alles, haben wir im Freundeskreis festgestellt, solange man selbst feststellen kann, was man möchte. Auch wenn man z.B. draußen keinen Strumpf hinhängt oder Lametta über die Zuckerkringel fließen haben muss, immer schön vorsichtig, damit die Honigkerzen nicht auf den Fußboden tropfen oder gar die Nadeln entzünden. Und dann der Moment, als es tatsächlich einmal im kindlichen Einst um das Schloss herum schneite, und um die Ecke kam nicht nur er allein im Schneegestöber fest die Zügel in der Hand, nein, er hatte Engel bei sich, und ich glaube, es waren auch Zwerge dabei, die durften damals eh nirgends fehlen, denn man fühlte sich ja mit ihnen verbunden. Es machte auch nichts, dass die Mutter, die selten da war und sich um Weihnachten herum von ihren Pariser Kollektionen erholte, sich eben erholte, denn man hatte viel zu tun und ja selbst schon viel gearbeitet, Laternen und  Sterne en masse hergestellt, ich sehe sie noch vor mir. Das wünsche ich von Herzen jedem Kind, dass es genug Spielraum hat für sich selbst, und dass es ein Licht erfährt in jeder Finsternis.

Black Friday

Als ich immer wieder ‚Black Friday‘ hörte und geschrieben sah, tat ich mich mal kund. Bei Lord Google sah ich das Wort ‚Saturn‘. Nanu, dachte ich, wo bin ich denn hier gelandet, bevor ich verstand, dass es der Laden war, also Saturn. Saturn mit Angeboten, auch hier in Deutschland, obwohl wir hier ja gar keine Truthähne an einem Donnerstag verspeisen,  auf den eben dann der Schwarze Freitag folgt, der eigentlich nur ein Brückentag ist, weil viele amerikanische Menschen da ein verlängertes Wochende machen, bietet sich an. Das Schwarz kommt also daher, dass verdammt viel weniger gearbeitet wird, daher die Dunkelheit. Aber natürlich wäre ‚Heller Freitag‘ auch nicht besser, denn wenn an diesem Tag alle wie üblich einkaufen gehen, um dem traditionellen Pflichtrausch des Kaufens zu frönen, dann kann das unter den herrschenden Bedingungen und der verkündeten Gefahr des Superspreadertums nichts wirklich Fröhliches werden, auch wenn auf den Piazzas der vermisste Glühwein ausgeschenkt werden würde. Der Verlust, der entsteht, wird keine, sondern i s t schon eine Katastrophe, egal, wieviele Milliarden noch hervorgezaubert werden können. Zum Glück bin ich auch keine Großmutter, die von Enkeln bedacht werden muss, da es sie gar nicht gibt. Fridays sind ja eigentlich gepachtet for Futures, und in Indien geht man gerne freitags zur Friedensgöttin Santoshi Ma, denn die Freitage gehören dort den Göttinnen. Aber heute ist er halt mal dem Schwarzen gewidmet. Das Schwarz kann sehr schön sein, vor allem mit einem Schuss Gold drin, der das Licht der Schwärze hervorlocken kann. Reizvoll kann auch die ganz dichte Schwärze sein, das ist nicht einfach, und vielleicht scheut man eher zurück vor dichtem Schwarz und dem, was es verbergen kann. Zum Beispiel war ja vor dem amerikanischen Truthahndonnerstag  der Mittwoch, morgens in den deutschen Nachrichten  als Tag gegen die Gewalt an Frauen und Mädchen deklariert. Eine Frau meinte, man könnte sich das ja in der Gesellschaft kaum vorstellen, wie viel Gewalt hier hinter den Wänden wirklich passiert, jetzt mal nur hinter den deutschen Wänden gesehen. Jede Viertelstunde, geht die Studie, wird eine Frau in ihrem Zuhause von einem Mann geschlagen. Soll man oder muss man sich das vorstellen können, darf man und kann man überhaupt sich so etwas vorstellen. Und in den meisten Situationen sind Kinder dabei, die das mitbekommen, und in der Coronazeit ist dieses ganze Unvorstellbare noch 30% angestiegen. Hilft einem das dann, dass man Prozentsätze hört und Resultate der Studien? Ich habe auch einmal im Früher gedacht: einmal auch nur ein Hauch von sowas, und weg bin ich. Aber sie bleiben, weil sie nicht wissen, wohin. Und noch vieles mehr, was ihnen keiner beigebracht hat, nämlich dass sie ein Recht haben auf ihr Leben wie alle Anderen, und dass jedes Frauenhaus als Übergangsstation besser ist als ein Mann, der eine Frau schlägt. Schlagen hat viele unakzeptable Nebeneffekte, aber vor allem macht es mundtot. Diese Mundtotgemachten entkommen dann also unter förderlichen Umständen und können sich etwas erholen an Orten mit geheimgehaltenen Adressen, bevor irgendein Weiter sich auftut, in dem die Angst vor dem schlagenden Mann etwas abebbt. Ebbt sie ab? Und weil es schwärzer kaum geht, lass ich das einfach mal so stehen: dicht, schwer und tiefschwarz.

dankbar

Es ist kein Geheimnis, dass man sich bei einem Nachrichtenwiederholungsmarathon ganz schön langweilen kann, vor allem, wenn einen vieles weder berührt noch betrifft. Ich empfinde das in letzter Zeit vor allem in deutschen Nachrichten, wenn es bei neuen gesetzlichen Vorschriften doch innen ein wenig ruckt und zuckt. Dann womöglich noch kurz daran erinnert werden, wer wohl der nächste Kanzler sein würden könnte, ist doch leider keine neue Kanzlerin in Sicht, aber gut, das hat noch Zeit. Auf den amerikanischen Kanälen kann man wenigstens mal zum Comedy Entertainer rüberswitchen. Das hat alles der Algorithmus für mich eingerichtet, soll ich dem jetzt danken, wo doch Danksagungstag ist und die Amerikaner schlafen noch in ihren höchsten Feiertag hinein, bevor sie dann später die Millionen von toten Truthähnen aus den Bratröhren holen. Dabei habe ich vernommen, dass der Präsident von Amerika traditionell einen Truthahn begnadigt hat zum Thanksgiving Day, der soll wohl dafür danken, dass er leben darf. Schöne Tiere, das muss man ihnen lassen. Wenn Trump vor einigen Tagen, bevor die Massenschlachterei begann, alle Truthähne begnadigt hätte, da hätten ihn alle noch weniger vergessen, nur die Truthähne selbst hätten von dieser Rufsaufmöbelung gar nichts gewusst, sie hätten einfach weitergelebt. Wie dem auch sei, so ist es auch so, dass ich den Donnerstag schon immer sehr mochte und zur Danksagung ganz vorzüglich geeignet finde, denn zum Glanz des Donnerstages gehört (m)eine Tradition, am Mittwoch die bewohnten Räumlichkeiten zu entstauben, was den Vorteil hat, dass man dann weiß, wann man entstaubt. So wirkt es auch bei mir hier am Donnerstag, ich weiß, das ist sehr persönlich, aber warum nicht. Die Danksagung, auf die ich mich zu konzentrieren beginne, fällt mir nicht schwer. Es ist eher so, dass die Dankeswellen, die in mir aufsteigen, bereits über mich hinausströmen. Ich denke, diese Strömungen kommen aus meinem innersten Wesenskern, der mich kennt als jemanden, die dankbar war und ist für die Möglichkeit einer Teilnahme an diesem Abenteuer, Leben genannt. Mein Leben. Was und wer auch immer in der Anfangszeit mich mit Instrumentarien für die Wanderung ausgestattet hat, denen sei Dank, vielleicht habe ich sie in diesem Kontext noch nie erwähnt. Ich war durchweg dankbar dafür, dass meine Eltern sich geliebt haben, das halte ich für ein Glückslos und ist eines der wenigen Dinge, die wirklich keinem Kind Schaden zufügen können, auch wenn das Schicksal zu so vielen unvorstellbar grausam ist. Menschwerdung kann immer stattfinden. Ich danke dafür, dass sich nicht z u viele An-und Unangehörige ungefragt in meine Menschwerdung eingemischt haben. Das Wort ‚Freundschaft‘ klang immer warmherzig in meinen Ohren, so wie ‚Gespräch‘ – ja, und dann das Wort, mit dem man gern die DichterInnen beauftragt, so als hätten sie einen direkteren Draht zur Liebe, weil sie mit ihrem dunklen Nachen bis an den Rand des Abgrunds navigieren, wissend, dass sie hier sterben können…oder doch nicht? Doch nicht sterbebereit sein für die Liebe, sondern vielleicht manchmal in der Stille wortlos vor sich hinsummen in tiefer Dankbarkeit, dass es sie gibt. Zum Glück ist hier kein Erntedankfest mit gestopften Truthähnen, sondern ein ganz normaler Donnerstag, an dem ohnehin außer und trotz meiner Dankbarkeit überall genug Grausames geschieht, ohne dass man es immer erwähnen muss.

anregend

In Indien gibt es ein weitverbreitetes Gedankentum, dass diese Zeit, die wir gerade durchqueren, das Zeitalter des Todes genannt wird, also eine finstere Zeit, in der auf einmal alle, also die meisten, nach ihren Gelüsten greifen, zum Beispiel zu neuen Smartphones, und denken, das muss unbedingt sein, koste es, was es wolle. Allerdings gibt es dazu auch das erforderliche Gegengewicht, oder Gegenlicht, vielleicht etwas verborgener, aber nicht wirklich. Das drückt sich aus über das Bewusstsein. Das Bewusstsein ist also verfügbar und ich kann verstehen, warum ich Freude an einem neuen Smartphone habe und zum Beispiel mein altes weitergebe, sodass rundum Zufriedenheit herrscht. Nun hat dieses verfügbare Bewusstsein allerdings auch einen Schatten, denn auf einmal wird derart vieles klar, sodass man auf einmal von der Klarheit sagt, dass sie verwirrend ist. Denn nun sieht man ja viele Zusammenhänge, die vorher nicht sichtbar waren, und es nützt einem sicherlich in der eigenen Denkanlage, wo in den Archiven gespeichert werden kann, was einen nicht unnötig belasten soll, obwohl man ja (z.B.) auch wissen muss, was das ist. Auf einmal befindet man sich in den dunklen Korridoren mit der Ökostromleuchte, und muss eigentlich selber austüfteln, wie’s weitergeht. Überall, wo man hinschaut, wird man belehrt, wie es gehen kann, aber nur jeweils für den, der es belebt und meistens dann auch ein Buch drüber schreibt, bis es keine Denklücke mehr gibt, die nicht mit Wissen vollgestopft ist. Nun steht oder sitzt man da, ist froh, dass man gerade in der Welt nicht viel dürfen muss und behält im Auge, dass wie immer viele Menschen diesen Planeten gerade verlassen. Das kann man bei Ecosia beobachten, wo angeblich jede Sekunde ein Baum gepflanzt wird, also so sieht das auch bei den Coronatoten aus und vermutlich auch bei den Diabetikern und den Brustkrebspatientinnen und denen, die unaufhörlich irgendwo auf der Erde von blutrünstigen Möchtegernkriegsherren gelyncht werden, sehr oft und viel zu oft und überhaupt meistens Frauen, obwohl wir lernen, dass es auch blutrünstige Frauen gab und immer noch gibt. Da man ne Menge fast nebenher mitkriegt, weiß man auch, dass heute der Tag gegen oder wegen Gewalt an Frauen und Mädchen ist, und wer immer sich aufrafft mit einem schwarzen Strohhalm in der Hand, um hier etwas auszusagen oder gar auszurichten, sei mit tiefem Respekt geehrt. Denn dass hier in nächster Zeit eine glaubwürdige Lichtquelle auf der Weltbühne erscheint, ist so unwahrscheinlich wie das Erwachen der TrumpanhängerInnen, die ja gar nicht in Kontakt gekommen sind mit den Möglichkeiten eines erwachenden Prozesses. Und das ist ja das Schwierige, dass ihr Führer sich für hellwach hält, weil er die eigene Quelle nie wirklich im Blick hatte, d.h., das eigene Licht des Bewusstsein. Das scheint ein bisschen langweilig vielleicht, vor allem an der eigenen Fährte herum zu researchen, aber hallo!, das ist doch beim Lupenblick genau das, was ‚übrig‘ bleibt, das Wort übrig hier im besten Sinne der Deutung.  Denn wenn es einem gelingt, das zu lassen, was sich erübrigt hat, ist man schon einerseits unbelasteter und andrerseits gerade dadurch belastbarer und kann sich dem großen Spiel wieder angeregt zuwenden.

loten

In den Hinterzimmern der Menschheit wird ja immer viel gewerkelt und ausgearbeitet, und meistens erfährt man nichts davon. Doch dann nimmt man doch gerne mal Teil oder Anteil. Zum Beispiel, wenn man ein noch ungeschriebenes (politisches oder menschliches) Skript etwas verfolgt hat oder die eigene Geschichte damit verknüpft, um dann genau diese Verknüpfungen und Verknotungen sichtbar werden zu lassen, um den kniffligen Herausforderungen der Psyche (was auch immer sie sei) auf die Schliche zu kommen. Die Chinesen sind unterwegs, um noch mehr Trabantenstaub zurück zu bringen zum Erdstaub. Das macht sicher Spaß, einen unersättlichen Größenwahn zum Ziel zu führen, aber ich habe, was die Mondfahrten betrifft, immer die Milchmädchenrechnung vorgezogen, bei der belegt wird, dass, solange Menschen auf der Erde verhungern, manche astronomischen Summen für sowas nicht ausgegeben werden sollten und müssten. Es ist gut, sich zwischendurch mal daran zu erinnern, dass man (u.a.) auch ein Staubkorn im All ist. Und ja!, es hat sich doch was bewegt in Washington hinter der weißen Fassade, und man kann, wenn man möchte, ein bisschen herumraten, wie viele Hebel hier bewegt werden mussten, um dem entlassenen Häuptling zu vermitteln, dass ein weiteres Zögern, die Kontrolle abzugeben, noch mehr zurückfeuern könnte auf seinen Ruf, der im historisch krassen Gegensatz steht zu seiner Selbsteinschätzung, bei der er sich als ein stabiles Genie geoutet hat. Achtung also bei der Selbsteinschätzung, sagte sie zu sich, und Überprüfungen in regelmäßigen Abständen haben noch keinem geschadet. Es dauert eine Weile, bis es einem auffällt, dass einerseits wirklich alle Menschen besonders sind, ganz einfach deshalb, weil es sie nur einmal gibt (ein Lob an die Schöpfungskraft!), und diese Tatsache nivelliert natürlich automatisch den eigenen Anspruch, wenn er sich hartnäckig festhalten will. Als ich in die Wüste kam und mich darin viel bewegte, schien es mir als der ideale Ort schlechthin, obwohl ich mir sofort eine innere Architektur konstruierte, um die Leere und Weite des grenzenlos scheinenden Umfangs gebührend reflektieren zu können. Es blieb eine Idee, aber sie war schön, denn ich konnte sie nach Belieben aufrufen. Es war eine hochangelegte Steinskulptur mit weiträumigen Sitzgelegenheiten, und Treppen und Säulen aller Art waren dort zu sehen. Die Einheimischen konnten nach der Arbeit dort herumsitzen und die wohltuende Leere auf sich wirken lassen oder anregende Gespräche führen. Mir fiel dann auf, als ich selbst einheimisch wurde, dass alle, die ich kannte, das schon tausende von Jahren hatten, denn ihr Sein hört ja nie auf, und sie hatten es Maha Lila genannt, das Große Theater. Aber zurück zu Trump, denn das ist ja auf seine Weise auch großes Theater, obwohl seine Rolle sich soeben in der Schrumpfung befindet, das kann vorkommen. Da gab bzw. gibt es noch eine blonde Frau, die wohl gezwungen werden musste, endlich den Weg frei zu machen für Biden, die hatte der Joker allen in den Weg gestellt, weil er genau wusste, für was sie zu gebrauchen war. So mancher schlechte Ruf des Menschen kann unter Umständen sehr behinderlich sein für den weiteren, persönlichen und beruflichen Verlauf, wenn man die Dinge nicht rechtzeitig auslotet. Aber auch das Ausloten unterliegt keiner Automatik.

baden


Gerechtigkeit & Vernunft gehen baden

Das ist eines der wenigen Bilder, bei denen mir zuerst die Worte kamen, zusammen mit einem Bild des Ozeans, in dem sie baden. Eigentlich sind beide weiblich, aber die linke Figur als Gerechtigkeit sieht eher männlich aus. Noch halten sie sich über Wasser, und es sieht fast so aus, als würden sie sich unterhalten. Oder ermutigen sich gegenseitig in dem Gedanken, dass die Vernunft nicht immer baden geht, wenn das Bild vor Augen zu schwimmen beginnt. Und immer wieder diese (freiwillige) Anstrengung, zum eigenen Denken zurück zu kehren und der Vielfalt des inneren Lebens Aufmerksamkeit zu schenken. Und niemand wird sagen können (oder werden es doch sagen können), dass dieses Phantom, das gerade die Welt beherrscht, keine Möglichkeit geboten hätte, Zugang zu erschließen zum eigenen Wesen, wenn das nun erwünscht ist und die Haushaltsbilanz es zulässt, oder der geistige Zustand, oder die häuslichen Beziehungsnetze. Am besten in gleicher Gültigkeit gesehen wie Planeten, die sich wechselseitig umkreisen, lockere bis streng geordnete Archive, die einem aus der eigenen Bibliothek Material zusenden können, ohne einen ungebührlich zu belasten. Und immer wieder auch die Empörungen zulassen, auch wenn man nicht mit einem Plakat am Tor der Wurstfabrik steht. Es stimmt übrigens gar nicht, dass die Arbeiter dort gefühllose Tiere wären, wie es jemand behauptet hat, wundern würde es einen nicht. Aber nein, sie haben Alpträume und die Augen der Schweine starren sie nachts an, und tagsüber schreien sie die Aufpasser an, und jeder Mensch hätte gern, dass es ihm besser geht als unter solch einer Niedertracht das kostbare Leben zu fristen. Und natürlich ist es beunruhigend, wenn 70 Millionen SektenanhägerInnen jedes Wort des Führers für bare Münze nehmen, und erschreckend ist vor allem, dass auf der anderen Seite nur ein paar tausend mehr sind. In Amerika ist das Bild der Spaltung klarer als unter Hitler, denn sie tragen alle rote Mützen, und bei ihnen sind Gerechtigkeit und Vernunft bereits baden, und dann leider untergegangen. Beim großen Gipfeltreffen vermisste man den Sektenführer gar nicht, sondern man war froh, als er endlich wieder golfen ging. Müder verfolgten die narzisstischen Kumpane das öder werdende Spiel der Herrschaftsmarionette. Immer wieder versteht man, dass es um das Leiden geht, um den Schmerz, den eigene Fehler und Schwächen verursachen können, um den Widerstand gegen jede Form des Benutztwerdens und des Benutzens, sei es auch noch so profitabel, auf anderen Schultern zum vermeintlichen Licht zu gelangen. Und es dauert lange, bis man weiß, wie gefährlich Dummheit sein kann und ist, das bereitwillige sich selbst was Vorgaukeln, bis es geglaubt wird und als normal erscheint, wenn im eigenen Stamm haltlose Urteile gefällt werden. Mehr Hutu und Tutsi. In der Denkstruktur der Hälfte des amerikanischen Volkes hat man ein Wartezimmer eingerichtet, in dem man nicht auf den Präsidenten wartet, sondern man lässt ihn da sein, bis weitere Öffnungen auftauchen, auch wenn es nur schrittweise vor sich geht. Es schmelzen die Pole, aber noch hat das Wasser sich nicht die gefährdeten Länder geholt. Vielleicht hat die Gerechtigkeit der Vernunft einen Strohhalm gereicht, oder umgekehrt.

 

merken

Der Comic kam aus Indien und man kann ahnen, wann einem das Lachen im Hals steckenbleibt. Obama fragt, wie es Biden denn geschafft hat, Trump runter zu dämpfen, der dann antwortet, er hätte Trump erzählt, dass der immer noch Präsident sei. Man kann es auch den tiefgrauen Humor nennen, oder ist es schon der schwarze. Ich selbst habe nie überprüft, ob tatsächlich hinter jedem Witz der Tod lauert, denn es machte immer einen dunklen Eigensinn. Doch während  er lauert, der Tod, hat er ja sein Opfer oder sein Ziel noch nicht erreicht, und es bleibt ein gewisser Spielraum. Peinlich für die offen gespielte Spielwiese ist es, wenn die Spielregeln total missachtet werden und der Spielverderber so tut, als wäre er der Spielgestalter. In gewisser Weise ist das natürlich auch wahr, denn der Verderber bringt ja das Spiel ins Stocken, und obwohl das Ganze keine Fassung mehr hat, müssen sich alle Beteiligten damit befassen, bis die Sache geklärt ist. Nun hat man ja gerade am Beispiel Donald Trump gelernt, dass er einfach nicht anders kann, als er zeigt, denn das stimmt doch für uns alle, dass, wenn wir anders könnten und das wollten, würden wir es ja machen, wer sollte uns aufhalten. Vorwiegend geht es um ein  stabiles Innensystem, auf dass ich mich einigermaßen verlassen kann. Auch kennen wir ja Trumps Story vom Papa, der ihm das missbrauchsträchtige Zocken beigebracht hat, und offensichtlich war der Sohn bestens dafür geeignet. Die Frage, wieweit es mir gelingt, mein Schicksalspaket zu handeln, ist eine ähnliche Frage wie, ob ich meine bei der Geburt vorhandene Sternkonstellation durchbrechen kann, so als könnte ich beim Sterndeuter erfahren, wer ich bin. Und doch bringt die eigene Bahn immer wieder eine Zeichnung hervor, die erstaunlich ist in ihrer Unausweichlichkeit, denn sie kann nur das zeigen, was da ist. Neulich stand ich (mal wieder) vor dem überwältigenden Farben-und Materialangebot eines  renommierten Kunstmaterialladens, kurz vor dem bereits angekündigten Lockdown. Mein Wunsch nach Erweiterung war groß und aktiv, aber ehrlich, ich liebe zur Zeit vor allem eine einzige Farbe, die allerdings auch nicht zur Geltung käme ohne alle die anderen, und da wendet sich bereits das Blatt, denn es wird klar, dass es ohne die Liebe für die anderen Schattierungen gar keine einzige gäbe. Es ist eine Auslotung der Wahrnehmung, die immer mal wieder die Dinge in isoliertem Kontext sehen möchte und auch soll, bevor Klarheiten entstehen können. Könnte also Trump, selbst wenn er wollte, etwas an seinem Verhalten ändern? Nein, kann er nicht, und wieder einmal hat man das ganze Ausmaß nicht vorausahnen können Was es wirklich zu einem Witz macht, hinter dem der Tod lauert. Die Witzbolde sind bereits entlarvt als miese Spieler, und es ist nicht angenehm, schlechtes Spiel als Glanzleistung verkauft zu bekommen, auch wenn es überall versucht wird. Aber heute ist ja Samstag und alle können (manche müssen), zuhause bleiben, wenn der Vorrat gehortet ist, und dürfen/sollen/können/werden/ sich (vielleicht) ein bisschen besser kennenlernen, wer weiß.

Faites vos jeux

Als ich von den verbalen Ausschreitungen und Bedrohungen im Bundestag gehört habe, konnte ich keinen großen Unterschied zwischen den hereingelotsten Afd-Anhängern und den Trump-Anhängern sehen. Das ist die Mentalität, die zum Fürchten ist: sie kann gehirngewaschen werden und in dieser Eigenfremdlichkeit wahrlich unvorstellbare Dinge anrichten. Natürlich ist da auch immer ein Nutzen solcher Düsterlinge dahinter, der schwer loszulassen ist, denn eine klare Entscheidung würde ja in die Einzelhaft befördern, die Angst macht, wenn sich kein eigenes Denken darin vorfindet. Und dann wird es im Kollektiv auch als ein eigenes Denken empfunden, und als superprima gefunden, dass Andere auch so denken. Schwierig wird es bekanntlich, wenn die Vernunft auf der anderen Seite zu flattern beginnt, weil der inzwischen offensichtliche Irrsin alles überlagert. In beiden Ländern, Amerika und Deutschland, wird Hitler hervorgeholt, um das Ausmaß des Abgrunds zu verdeutlichen, und man kann es ein wahres Wunder nennen, dass  Deutschland bei all dieser Vergangenheitsschwärze wieder zu einem stabilen Ruf gelangt ist. Angela Merkel hat das vertieft durch ihre Präsenz hier und im Ausland. Man darf ruhig mal schaudern, sich auf diesem Regierungssessel einen Friedrich Merz vorzustellen, zum Glück ist das noch weit. Und natürlich nicht zu fürchten wegen denselben Kriterien, sondern einfach, weil Persönlichkeit matters. Da man davon ausgehen kann, dass jedes Gehirn sich auf eigene Weise schult, bleibt einem nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren. Nach jeder Akzeptanz des als Realität Wahrgenommenen gibt es wieder Raum für erweiterte Sichtweisen. Denn da, wo einen was bewegt oder interessiert, muss man am Ball bleiben, obwohl es auch den Spruch gibt: ‚That’s the way the ball is bouncing‘, – ‚Das ist der Weg, den der Ball hüpft‘, der mir unvergessen bleibt, weil eine Freundin, der ich sehr nahe stand, ihn einmal sagte. Sie dachte, der Weg des hüpfenden Balles würde sie in eine größere Freiheit führen, aber zwei Tage danach war sie tot, was man nicht immer als größere Freiheit deklarieren kann. Immer wieder gibt es auch neue Klagelieder, die das Sterben begleiten, denn ja, nicht nur die Bäume und Tiere und Menschen sterben ständig, sondern auch die Demokratie kann verenden, wenn man die Gefahr, in der sie derzeit weltweit schwebt, vor Augen hat. Wenn jemand, dem man die Friedensbestrebung zutraut,  auf einmal selbst mit einem Gerichtsverfahren drohen muss, um nicht als Opfer dazustehen, obwohl er gar keines ist. Immer wieder mal muss ich daran denken, wie die Inder, die den Zeitenverlauf als zyklisch betrachten, also nicht linear, diese Zeit beschreiben, in der wir uns gerade aufhalten, da sie sich ja in einem Kreislauf befindet und gewisse Wiederholungen dadurch erkennbar sind. Es überrascht mich noch heute bei aller (meiner) vorhandenen  Nüchternheit, wie präzise diese Beschreibungen auf das heutige Geschehen anwendbar sind. Demnach steigert sich die Finsternis zunehmend, wobei gleichzeitig die Helligkeit sich immer mehr auf einen inneren Kern konzentriert: das Bewusstsein als vom Ganzen ungetrenntes Ich in all seiner Souveränität. Eines der Instrumente, die bei dieser positiven Bewältigung genannt wird, ist das Schwert, das die Illusionen zerstören kann. Am wirkungsvollsten wird es von der weiblichen Hand geführt. Rien ne va plus! Manchmal sind die Plazierungen der Einsätze tatsächlich beendet, und neue Positionierungen sind gefragt.

 

gefährdet

Ich weiß, Zeitnot und Zeitdruck sind vielerorts ein vorherrschendes und viel diskutiertes Problem, aber eigentlich hat der Tag eine sehr angenehme Aufteilung, unter deren Baldachin man zu allem kommen kann, was sich als einerseits aktuell, andrerseits als wesentlich zeigt für das jeweilige Vorkommen. Auch Donald Trump kann man hier nicht einfach wegpusten, denn er ist es, der gerade die Weltpuste anhält und einen Grad von Vernunft hervorruft, der nur in äußersten Notlagen erscheint, damit der Angstpegel, ausgelöst durch das Gespaltene und Unvereinbare, keine ozeanischen Mächte in Bewegung setzt, die den dunkelsten Triebkräften Raum bieten für unabsehbare Folgen. Unterdessen spielt der entthronte Clown, dessen Zustand auf allen Sendern durchanalysiert wird, seine ihm verbliebenen Karten aus, erkennt aber leider den Joker nicht als sich selbst im Kostüm des rächenden Ritters. Man hofft auf Bruchteilinfos von offiziellen Spähern, die aus dem verwunschenen Schloss heraustreten und Kunde tun, was sich dort wohl tut, und ob’s dem kleinen Bub immer noch so schlecht geht, sodass er dran denkt, ein Bömbchen auf den Iran zu werfen. Alles soll schiefgehen, wenn es für ihn schiefgeht, davon kann man viel lernen. Hier ist keine Katharsis zu erwarten, die zu potentiell möglicher Erkenntnis führt, nein, hier fuchtelt der Weltzerstörer herum mit seinen Legosteinen, die leider keine sind. Eine neue Idee von ihm war, dass die Amerikaner mehr Chicken haben sollen, diese Tiere also schneller produziert und getötet werden sollen als bisher. Bislang essen, so sagt eine Stimme, die Amerikaner jährlich 9 Billionen Hühner, klar, ist ja auch ein großes Country. Jetzt sollen es mehr als 9 Billionen werden, dafür werden seine 70 Millionen Followers ihn preisen, denn er tut, was sie verstehen können. Das wird nix mehr mit der Gerechtigkeit auf diesem Planeten, wenn sie denn jemals eine Chance hatte. Wer will sich schon die dümmliche Frage stellen, ob so was wie ein Huhn auch ein Recht hat auf Leben, auch wenn es nur zum Fraß geboren wird. Immer wieder stoßen wir auf das Problem, dass wir eben nicht mit der Unschuld eines Panthers gesegnet sind, der sich locker und natürlich ein Zebra zum Fressen holen kann, ohne dass ihn jemand zur Rechenschaft zieht. Aber wir Humanoiden haben nun mal ein sogenanntes Bewusstsein, mit dem wir hantieren müssen, weil es uns zwingt, Entscheidungen zu treffen, auch wenn ich nicht will. Hat man sich nun in ein Limbo verfrachtet durch permanentes Ignorieren unbestreitbarer Tatsachen, wird es früher oder später schwierig und gefährlich zum Beispiel um einen Tyrannen herum. Nun geht es in die Phase der fragenden Blicke aus den Augenwinkeln der Kriecher, also die, die trotzdem noch weiterkriechen, weil sowieso alles verloren ist, denn der Zustand des Herrschers ist nicht mehr einschätzbar. Da kann man tatsächlich nur auf die Vernunft hoffen oder zählen, denn vielleicht heckt der finstere Brüter ja gerade einen Plan aus, wie er das atomare Luftschiff auf die ganze Welt abladen kann, nicht nur auf einen lächerlichen kleinen Felsen. So kann man sich auf verschiedenen Seinsfeldern in Geduld üben, denn auch in den eigenen Hallen gilt es, die Fächer zu ordnen oder gegen die willige Staubsenkung anzugehen. Und endlich anzuerkennen, dass der Winter tatsächlich da sein wird.

caput mortuum

Unter Alchimisten hieß diese seltsame Farbe (im Bild) caput mortuum, ‚Totenkopf‘, was wiederum in ihrer Sprache ‚wertloses Zeug‘ bedeutete. Es entstand als Nebenprodukt eines anderen Vorgangs und kann heute zu angemessenem Preis in der Tube gekauft werden. Als ich die Regale entlangging und nach einer leisen Erweiterung meiner reduzierten Farbskala spähte, sprachen mich Worte und Farbe an, und so kann sie erst einmal alleine vor sich hinwirken, und ich habe auch die Worte mitgenommen. Caput mortuum klingt erstmal so, als könnte es kaputtes Sterben heißen, aber es heißt caput, also Kopf, per capita., caput omnis mortalis, jeder Kopf ist sterblich. Und das Trauern um das gestrige Sterben eines geschätzten Kopfes fließt auch noch durch mich hindurch, was immer man hier mit ‚mich‘ meinen könnte. Fließt es durch die aufnahmebereite körperliche Zellstruktur als das Lagerdepot der Befindlichkeiten, oder aber weht es, in diesem Fall also das Trauern, durch die Gehirnstruktur, die wiederum ihre eigenen Vorhöfe und Gärten und Seinsfelder hat, das ist zum Glück ohne Ende, zumindest ist da kein Ende abzusehen. Denn auch ohne mich wird es eines Tages munter weitergehen, auch wenn ich nichts gegen weiteres Dabeisein hätte, doch die Grenze wäre auch da unausweichlich. Neulich habe ich Yuval Harari zugehört, der in einem Vortrag darlegte, wie die Menschheit sich, von seiner wissenschaftlich gepolsterten Warte aus gesehen, vermutlich entwickeln wird, nämlich den Algorithmen entlang, und homo sapiens ist finished, homo humanis auch, und es erscheint diese Symbiose zwischen Technik und Mensch, oder ist sie schon da? Unter diesen Umständen kann also das, was dabei herauskommt, sehr viel länger leben als jetzt, aber vergehen muss es trotzdem, egal, wieviel für die Transaktion gezahlt wird. Jede/r kann, wenn er oder sie will, in die Zukunft hineinrätseln und Schlüsse aus dem Daseienden ziehen und die Wahrscheinlichkeiten kalkulieren, aber hier gibt es keine Garantien. Vier Jahre lang konnte man zusehen, wie wahrlich lächerlich Donald Trump ist, aber wer hätte den Grad an Lächerlichkeit und Bösartigkeit ahnen können, zu dem er jetzt fähig ist. Der gestern an Covid verstorbene Hindu, den ich betrauere, war altersmäßig genau zwischen Biden und Trump. Was für ein gigantischer Kontrast an verbrachter Lebenszeit, könnte man denken, wie ein heller und ein dunkler Faden, die im Dämmerlicht ihren Kontrast verlieren und der Muezzin anfängt zu singen. Wer sonst soll da anderes stehen als das Resultat der lebenslangen Entscheidungen, wie und warum das ausgehändigte Schicksalspaket s o  erforscht und begleitet wurde, und zu was es geführt hat, wenn man Schädliches ausloten musste und die salto mortales überleben. Am Ende des Filmes ‚Ghost Dog‘ von Jim Jarmusch wird der Samurai von seinem einstigen Lebensretter erschossen. Allein für das Lächeln des Sterbenden lohnt sich der Film. Er lächelt und meint – mit meinen Worten – es sei schon ok., denn er habe gesehen oder erlebt, was nötig war. Da saß dann auch einer bei ihm, der um ihn getrauert hat, der war untröstlich. Und das Weisheitsbuch des Toten hatte er (wohlweislich) vorher einem kleinen Mädchen geschenkt.

 

trauern

Die erste Mail kam sehr früh am Morgen aus Indien mit der Botschaft, dass Om Prakash, der Mann, den man im Bild sieht, im Krankenhaus von ‚uns‘ gegangen ist, wenn ich es mal so sagen kann. Seine Enkelin hatte mir erst gestern versichert, er würde bald nach Hause kommen und es ginge ihm schon besser. Er wurde nach einem positiven Virus -Test eingeliefert, hatte dann eine Lungenentzündung und ist wohl vor ein paar Stunden an einem Herzinfarkt gestorben, um 3 Uhr früh am indischen Dienstag, als bei uns noch später Montagabend war. Ach, was für  ein Verlust, für einen Moment konnte ich mir Indien ohne ihn gar nicht vorstellen. Jahrelang hatte ich mir angewöhnt, ihn beim Vorübergehen an seiner Tür zu grüßen, weil die meisten Vorübergehenden ihn freundlich grüßten und ich fand es auch schön, ihn zu grüßen. Das indische Kastensystem hat ja schon immer zu viel kontroverser Diskussion angeregt, aber ebenso, wie es die stolzen Könige unter den Rajputs gab und den gerissenen Händler, und dann die schrecklichen Gänge nach unten in die Vorhölle oder tatsächlich die Unterwelt der Unberührbaren, so gab es eben auch den klassischen Brahmanen, der unter einem extrem hohen Anspruch lebte, den in meiner Zeit dort kaum mehr einer erfüllen konnte. Denn es erforderte gewisse moralische Maßstäbe dafür, eine klare Entscheidung, sich hauptsächlich mit geistigen Dingen zu beschäftigen, und eine Erwartungshaltung der Gesellschaft, dass diese Praktiken auch sichtbar werden sollten im Alltag. Insofern gehörte Om Prakash zu einer aussterbenden Art, und ich persönlich kannte nur noch einen einzigen anderen Menschen, der sein Leben auf der Höhe dieses Anspruchs verbrachte, und der letztes Jahr, auch plötzlich und unerwartet, gestorben war. Dann wurde mir auf einmal vor ein paar Jahren durch eine freundschaftliche Verbindung das Haus am See angeboten für meinen Aufenthalt dort, was ein wunderbares Mittendrin in der indischen Gesellschaft ermöglichte, und eine Nähe zu der Familie von Om Prakash, denn es war ihr Haus. So traf ich ihn weiterhin täglich bei meiner Rückkehr vom See, und immer stand er da vor dem Haus oder saß manchmal in einem Stuhl und kommunizierte mit sehr vielen Menschen. Ich freute mich immer auf diese Momente, denn er hatte eine bemerkenswerte Gelassenheit erreicht und sein offener und kluger Geist garantierte und generierte stets ein Wohlgefühl. Im indischen Familiensystem ist man an einem bestimmten Punkt, wenn alle Lebensaufgaben gut erledigt wurden, wieder ein freier Mann oder eine freie Frau und kann, wenn man kann, tatsächlich machen, was man möchte, zum Beispiel reisen oder heilige Bücher lesen (wenn man das als freies Tun betrachtet). Manchmal hatte ich auch den Eindruck, er konnte es drinnen beim strengen Erbsenpuhlen nicht so gut aushalten, und der Gutheitszwang kann durchaus zu Erstarrungen führen. Am Abend kam ich öfters mal herein in die Familie, saß einen Moment, um mich meistens mit ihm zu unterhalten, denn der Rest der Familie starrte wie überall bereits auf die Abendprogramme des Fernsehers, und irgendwie passte Fernsehen nicht ganz zu ihm. Aber jeder weiß ja, wie lang Abende im Winter sein können, und meistens hatten er und seine Frau ein Öfchen mit glühenden Spiraldrähten zwischen sich stehen. Sie kannten sich so gut, dass es wenig Worte brauchte, aber vielleicht waren sie auch ausgegangen. Als Shriya, seine Enkelin, mich vorgestern vom Krankenhaus aus anrief und fragte, ob ich mit ihm oder besser zu ihm sprechen wollte, habe ich das getan und irgendwas, was mir einfiel, zu ihm gesagt. Er hat auch was gesagt, aber ich konnte es nicht verstehen. Jetzt ist er nicht mehr da. Ich habe dieses eine Bild (oben) von ihm gehabt, das mir sein Sohn mal geschickt hat. Diese Gitterstäbe am Haus sehen jetzt für mich aus wie Trauerränder an einer Todesnachricht. Mir helfen die Worte zu spüren, wie tieftraurig ich bin, und was für ein Verlust so ein Mensch im eigenen Leben sein kann.

ermüden

So langsam ermüdet der Blick auf das weiße Regierungsgebäude dort in der Welt, das sich fast über Nacht in ein Casino verwandelt hat, wo für hohe Summen Roulette gespielt wird mit immer obskurerem Ausgang. Über diese amerikanischen Kanäle habe ich auch den erschreckenden Anstieg der Pandemiefälle mitbekommen, was zu tieferem Einblick in die Verwahrlosung der Gesellschaft geführt hat, wo man vor Kurzem farbige Menschen hemmungslos abknallen konnte, ohne die Folgen zu fürchten. Nicht, dass das nicht auch jetzt noch passiert. Zwischendurch dankt man ja auch den Smartphones für ihre lebensbejahende Unterstützung, obwohl es immer noch meine Hand ist, die das Ding heben muss und  aus welchem Anlass auch immer ein Photo macht, das notwendige Beweise liefert. Bald kann oder wird das alles vorbei sein, und jede/r wird nachdenken können oder müssen, welches Vorbei uns am klarsten geworden ist, erst ganz persönlich, dann weltweit. Man gewöhnt sich ja ganz leicht an bestimmte Vorgänge innerhalb des vertrauten Menschseins, oder innerhalb des unvertrauten Menschseins, oder dem Verlust an Vertrauen in es, das Menschsein. Noch da noch, noch da. Und so gab es eben in dem noch laufenden anerikanischen Blockbuster  einen raren Moment kollektiver Entspannung und Freude, als der als schläfrig bezeichnete Joe Biden und die anregende Kamala Harris tatsächlich nicht nur gewannen, sonder immer noch weitere Stimmen gewinnen, sodass einst bei seinem eigenen Antritt Trump diese Zahlen einen Erdrutsch nannte. Nun ist es allerdings ein Erdrutsch, und es gab über die Lande hinaus freudige Tänze über dieses hoffnungstragende Resultat. Aber die Ketten der Erwartung und der Hoffnung waren bald sichtbar und noch nie gab es so viele Varianten einer globalen Fassungslosigkeit, bis man spürt, was fassungslos schon immer war und immer noch ist. Unwillkürlich denkt man an die Gehirne um Hitler herum, und wann und wodurch geht die Fassung endgültig verloren. Und wie oft kam jedes Erwachen zu spät, weil der Sand im Getriebe schon zu viel Unheil angerichtet hatte. Und auch  d a stimmte es, dass selbst wenn das Attentat gelungen wäre, wären trotzdem noch die Massen da, die Hitler zugejubelt hatten. So sind eben auch noch die 71 Millionen Trumpanhänger da, selbst wenn das Militär ihn bald aus dem Oval Office gewaltsam transportieren  muss. Um Platz zu machen für den Gewinner, dem bereits einiges schwanen wird von der Wirkung des Tintentropfens im Wasserglas, egal, wie friedlich sich Menschen die nötigen Übergänge wünschen. Erst tanzen die erleichterten Gewinner, dann ziehen plötzlich dumpfe Horden durch die Straßen mit ihren Kriegsgesängen und Urwaldritualen, ich entschuldige mich bei den Urwaldritualen. Man kann sich Raumschiff Enterprise vorstellen, gut, Biden ist Captain, Kamala Harris seine Beraterin, an der Bar steht Woopie Goldberg, um Ratsuchenden mit Weisheit zur Seite zu stehen, da erreicht sie alle ein Warnsignal. Alle müssen auf ihre Posten eilen, denn das Schiff muss notlanden auf einem Planeten, den noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Die eingeschalteten Bildflächen zeigen enthemmte Körper sich um ein goldgelbes Kalb bewegen. Ihr Gott ist ein Lügenmeister, der seine Monadengitterstäbe noch nie infrage gestellt hat. Würde er nun mit der Hochzufriedenheit seiner Performance keinen anderen Menschen Schaden zufügen, sondern sich nur selbst als Einzeller an seiner begrenzten Wahrnehmung ergötzen, dann müsste man sich auch nur abwenden und denken wen kümmert’s. Aber da will man ja gar nicht landen. Ob sich ein Land von dieser Art von Dummheit jemals erholen kann, ist fraglich. Es kommt darauf an, wie lange der Verfall schon angedauert hat. und ob aus der Asche noch etwas Neues entstehen kann.

lichtfest

  Diwali – Wikipedia

 

Beim Erwachen erinnerte ich mich daran, dass heute Diwali ist, das indische Fest, das in vielem Weihnachten gleicht, was Lichter und Andacht und Essensfreude angeht, auch wenn die Götter unterschiedliche Salons führen. Aus Indien höre ich auch, dass dort nicht zu gemeinsamem Feiern geraten wird, und alles taumelt wie hier zwischen Download und Lockdown. Ich habe das Wort ‚lichtfest‘ extra klein geschrieben, weil es sich gut eignet für einen Glückwunsch: ‚Bleiben Sie, oder bleibe du, oder bleibe ich selbst lichtfest, darunter kann sich dann  jede/r etwas vorstellen oder nicht. Jedenfalls sollten Lichter brennen, das kann nicht schaden, und schon zweigt der Blick wieder ab und hängt ums weiße Haus herum, wo Licht in Form von Eingebung oder Bewusstsein dringend benötigt wird. Aber alles Kopfschütteln hat nicht zu dem heiß erwarteten Kopfnicken geführt, das man nun allerseits von dem noch regierenden Irrlicht erwartet, dessen Flamme eigentlich schon erloschen ist, bzw. ist es am Flickern, und keiner will pusten, wahrscheinlich aus Angst, doch noch gefeuert zu werden, bevor es tatsächlich vorbei ist. Offensichtlich ist ja auch der Abgang des selbst Gefeuerten interessanter als…nein, das stimmt nicht, das andere, das Gelingende, ist nur leiser, und diese Wirkung eines leisen Tones hat Biden sehr zugespielt. Das tut aber dem Wunderbaren keinen Abbruch, und man spürt förmlich, wie es an Fahrt gewinnt und hinwegweht über die sich steigernde Peinlichkeit eines Mannes, den keiner mehr ernst nehmen kann, obwohl das auch nichts Neues ist, denn das Sattsehen an Trump ging schnell, auch wenn man immer wieder versucht zu fassen, was eben nicht zu fassen ist. Und als ich neulich mal wieder an den berühmten und sich selbstständig gemacht habenden Satz aus einem Gedicht von Dylan Thomas dachte…do not go gentle into that good night, but rage, rage again the dying of the light….., also:  ‚geh’nicht gelassen in die gute Nacht, sondern empöre dich gegen das Sterben des Lichtes‘, so könnte man natürlich auch sagen, dass es auf den Abtretenden zutrifft, der sich gegen das Sterben seines Lichtes wehrt – aber die Anderen haben sich auch gewehrt gegen das Sterben ihres Lichtes, und für sie ist es gelungen, denn die Dinge haben sich geklärt, und das ist das Gute und Lichte an diesem Vorgang, nämlich dass man auch sehen kann, wie die Dinge sich klären. Das ist ein guter Moment. lichtfest zu sein, also, dass man es auch aushält, wenn und weil es einem gut geht, und kein Anlass besteht für persönliche Klagelieder.

reality check

Die Skala meiner Betrachtungen in Richtung Weißes Haus dehnt sich ziemlich weitläufig in verschiedene Richtungen, wo es gerade so ist (für mich), dass praktisch jeder Grashalm mich zu diesem weißen Haus transportiert, in dem es gespenstisch zugeht, wer wollte das leugnen. Natürlich ist es für die sich dort Verschanzenden nicht schön, einen Menschen, dem man viel verdankt, jämmerlich stolpern zu sehen, und die berühmte Ratte klammert sich bis zuletzt ans sinkende Schiff, nennt es bei der Flucht vielleicht noch Loyalität zu etwas, was gar nicht mehr existiert. Und wenn man etwas zu weit hat treiben lassen, wird es immer schwerer, das Treibgut wieder zu holen, vor allem, wenn es gar kein Zurück mehr gibt. Dass es im noch möglichen Vorwärts eines Getriebenen auch noch einen Roten Knopf gibt, dürfte einige Leute beunruhigen. Auf einmal wissen alle, dass das beleidigte Kind gefährlich ist. Das Kind war nämlich schon, erzählt die Nichte, als Kind gefährlich. Da muss noch davor schon viel passiert sein, was man nie wissen, nur ahnen kann. Es ist ja auch nicht die gepriesene und durchaus geschätzte Bildung, die das Persönlichkeitslevel eines Menschen diktiert. Sie kann helfen, das ist wohl wahr, aber ist letztendlich auch nur ein Instrument, das Töne hervorbringen kann, aber keine Garantie ist für ein komponiertes Werk. Und wenn ein Mensch sich in die Situation geschaukelt hat, wo nichts anderes Geltung hat als die eigene Sicht, dann kann selbst das einerseits einen Yogi hervorbringen, und andrerseits einen Egomanen. Beides bleibt unklar, wenn man die gründlichen Studien nicht treibt und die Realitätsprüfungen grundsätzlich vermeidet. Um eine bestimmte Art von Wohlbefinden als Falle zu erkennen, braucht man den Willen zur Anerkennung der Prüfungen. Natürlich geht es um einen selbst, aber sicherlich nicht um jeden Preis, und auch nicht, wenn Andere Schaden dadurch erleiden. Deswegen kommen auch Ratte und Hoffnung in eine Bredouille, wenn Dinge unbedingt klar entschieden werden müssen. Oft ist die Frage ja auch ziemlich einfach, zum Beispiel: ‚Um was geht es hier eigentlich?‘. So bangen einige Männer berechtigt um die mysteriösen Bewegungen im Pentagon-Gefüge, denn ja, den einstigen Präsidenten schätzt man als einen Menschen ein, der zu allem Unguten fähig ist. Wenn er durch Umstände dazu gezwungen  wird, die Schlacht nicht nur als beendet akzeptieren zu müssen, sondern auf einmal allein ist, so richtig grauenhaft allein vor dem zerbrochenen Spiegel. Und alle sind schon ausgetauscht und die gefeuert, die nicht mehr in den Hintern kriechen möchten, aber die Neuen können sich das eigentlich sparen, denn es gibt ja gar keinen amerikanischen Traum mehr, den man jemandem vorgaukeln könnte. Man sucht also jetzt immer noch nach Männern, die das Schlimmste erkennen und verhüten können, und dann sucht man nach einer einzigen Person, die es zur Zeit noch nicht gibt, nämlich einen Menschen, der dem entthronten König beibringen kann, dass die Krone bereits weitergewandert ist. Es stimmt, dass die Situation seltsam verlegen machen kann, denn wir schauen zu und warten als Welt auf ein Zeichen.

Spiel

Wir sehen auf der inneren Leinwand
Spieler und Spielerinnen erwachen.
Es erinnert sich hier und da Eine/r
der unsterblichen Rolle.
Sie treten hinaus in das Licht.
Wichtig ist hier, alles was war,
gleichzeitig zu erinnern
und zu vergessen.
Nicht die Einheit durch Trennung
messen wollen, wohl aber
die Tiefe belichten. Ganz so, als
tauchten Begleiter auf und sängen
ein Lied des Herzens.

noch was

Nach dem Ein-, Aus- und Aufatmen könnte man das jetzt das ‚In Atem halten‘ nennen. In der weißen  Hochburg eines anderen Landes werkelt eine personifizierte Darknet-Gruppe, oder ist es Lord Voldemort und seine Gesellen, oder darf man es einfach das Banale nennen, wie es uns schon einmal beigebracht worden ist von einer klugen Frau, werkeln also diese Machtbedienermänner und Frauen, und ja, auch d a sind manchmal Frauen, die genauso mitspielen können wie Männer, indem sie sich an das bereits als verloren Erkannte klammern und, statt sich selbst zu befreien, so viele Andere wie möglich mit hinunter ziehen in den angestauten Schlamm. Wenn so etwas, das an jeder Haustür unter labilen Umständen sein Potential entfalten kann, auf einer sehr großen Leinwand sichtbar wird, dann lässt man das Thema doch gern mal (weiterhin) vorherrschen, denn es regt zum Staunen an. Nämlich, dass hier kein vorgefertigtes Skript abläuft, nein, sondern das nackte Leben, geschmückt mit einem Karnevalshütchen. Hinter den weißen Mauern brodelt all das, worüber man tatsächlich nicht nachdenken will, und es wird der Philosophie keine neuen Erkenntnisse bringen. Man weiß ja jetzt, dass der König nicht mehr raus will. Selbst auf dem Weg zum Golfplatz stehen Leute, die ihn nicht gewählt haben und ihm good bye wünschen. Good bye, haben wir ja alle schon innen gesagt, und: lasst uns weitergehen dem milden November entlang und dankbar sein, zu essen und zu trinken (und eine Krankenversicherung) zu haben und oben und an den Füßen was Warmes. Und gut, jetzt gibt’s ja Licht im Tunnel für die MaskenverschwörerInnen, Hauptsache, der Trip hört überhaupt mal wieder auf. Denn das ist ja sicherlich nicht das Ende der Viren, doch über jede Virenpause ist man natürlich froh, abgesehen davon, dass sie ja nie wirklich weg sind. Was das Spiel betrifft, so habe ich selbst mal erfahren, wie unangenehm es sein kann, kein/e gute Verliererin zu sein. Gesellschaftsspiele sind für derartige Überprüfungen geeignet, und man kann bestimmte Schwächen dann noch mühelos ausloten. Denn auch die Freude am guten und erfolgreichen Gelingen dessen, was man gestaltet, ist ja wohltuend. Wenn allerdings gemeinsames, abgeschottetes Grübeln allein den persönlichen Ängsten und Profiten dient, schlägt etwas in Verlegenheit um. Denken die wirklich, sie könnten dieses unwürdige Zocken gewinnen? Wie ist das möglich? Der sich einst dem Missbrauch des Vaters ergeben habende Sohn zieht alle Register, um nicht d a s erleben zu müssen, was unvermeidlich ist, nämlich das tolpatschige Stolpern vor den Augen der Welt. Würde man darüber einen Roman schreiben wollen, könnte man die Diktatoren der Welt zeigen, wie sie ähnliche Dinge denken, zum Beispiel: ‚Mal sehen, wie der Kerl d a wieder rauskommt‘. Das Leben eines Diktatoren muss ja unendlich langweilig sein, alle benutzen einen und der  Diktaturerzeuger selbst kann ja keinem mehr trauen, sonst kann er kein Diktator sein. Triftige Gründe binden den Hund an die Leine, und auch vor dem Mundschutz gab es schon einen Maulkorb. der sich nicht verkörpern muss, um wahrnehmbar zu werden. Es gibt historische Momente, da sieht auf einmal das Große sehr klein aus, und das Kleine gewinnt an Größe. Daran erkennt man das Zittern der Schicksalsnadel, und weil es alle betrifft, bringt es mit sich eine enorme Energie, die man unbedingt nutzen kann für alles, was einem wesentlich erscheint.

knifflig

Eine gute Nachricht jagt die nächste, begleitet vom Druck der Kontroverse. Dass man Biden nicht mehr vom Hocker hauen kann, ist ziemlich vielen klar, nicht, dass es wirklich zur Debatte steht. Zur Debatte steht ein atemraubender  Unheld der amerikanischen Geschichte, und weil es außer einer Schmierenkomödie auch noch großes Welttheater ist, erlaubt das einem, trotzdem interessiert daran zu bleiben und vorerst mal keine künstlichen Ablenkungen vorzuziehen, man müsste jetzt ‚künstlich‘ definieren. Die zweite weltweit begrüßte Nachricht ist ja das hochgelobte Vaccine mit seinem Schattendach, noch kein Impfzwang in Sicht, das ist löblich, denn man will ja nicht auswandern müssen. Deutschland und Amerika, was ein Zufall! 90% Schutz, wird gemurmelt, das ist viel. Da ich hierbei erfahre, dass die Grippeimpfung nur 50% Schutz bietet, bin ich heilfroh, mich nicht dazu überredet zu haben. Joe Biden, den das Glück förmlich verfolgt, wird bereits vom Schatten des Vorgängers gekitzelt, denn er kommt nicht heran an Daten und Taten, die seinem neuen Amt zustehen, denn der Trumpling versperrt ihm den Weg. Er ist keiner, der wie Hitler die tödliche Kapsel schon in der Tasche trägt und sie dann, noch schnell Eva Braun geheiratet, auch nimmt, um der Schande zu entgehen. Die um ihn, (Hitler), dorten im Damals noch Herumirrenden haben ihm das auch übel genommen, hat man vernommen aus den Bunkern der Erschreckenden. Denn wenn so ein gnadenloses Drama dann tatsächlich eines Tages zu seinem III. Akt kommt, oder war es auch damals schon weit über jeden Akt hinaus, den ein Mensch auf dem Papier erfinden wollte, dann ächzt und stöhnt es aus den Ventilen heraus, und das Spiel ist dann aus. Und nun dieser Andere also, ein bisschen wie Modi, ein bisschen wie Putin, ein bisschen wie der damalige Reichskanzler, und kein Narziss, dem man seine Selbstverliebtheit noch nicht wirklich übel nimmt, kein Pan, kein Kairos. Und ja, man kann mit der Enttrumpung schon mal bei sich selbst anfangen. Das Spannende an der Szene ist ja, gut, wie bringt man ihn da raus…? aber das Schöne war doch, dass man zusehen konnte, wie das Unvorstellbare wahr wird. Als die vielen Menschen stundenlang in der Schlange standen, wusste ja keiner, welcher Name da in den Kuverts stand. Ich fühlte mich auch schon mal doof, ausgerechnet CDU zu wählen, nur, weil Angela Merkel an der Spitze war und dort m.E. bleiben sollte, was sich bewährt hat. Klar, die Linke und die Grüne undsoweiter, aber oft ist ein Schluck Konventionalität in der Führungsriege gar nicht so schlecht. Sofern man Ordnungen noch demokratisch nennen kann und das Problem lösen oder wahrnehmen, dass immer noch zu viele Menschen einen Führer möchten, der ihnen die Last des Durchdenkens abnimmt. Wo es auch blitzschnell zu seltsamen Demonstrationen kommt, die der kniffligen Brissanz des Themas ( z.B. Maske ja oder nein) nicht mehr gerecht werden können. Und nicht jede/r sitzt am Schalthebel für Millionen von Menschen, die absolute, unauffindbare Antworten wünschen. So ist diese politische Verschnaufpause doch eigentlich ganz angenehm. Die neuen Plätze sind verhältnismäßig redlich erworben, und da rüttelt das verwöhnte Kind, dem nur noch die Goldfassade seines Namens gehört, an den Gitterstäben seiner Nervenzelle, und nein, keine mildernden Umstände. Und selbst die Engel aus Afrika hatten sich verhört, als Er gesagt haben soll, es sei vollbracht, aber offensichtlich nicht richtig kommuniziert hatten, was genau für wen vollbracht wurde. Dabei wurde die fünfte Veda gar nicht geschrieben, sondern sie wird als das direkte Geheimnis selbst erfahren: Das Leben halt, wie es so spielt mit dem, was ihm angeboten wird. Es, das Leben = mein Ich.

aufatmen

Wenn ein öffentlicher Vorgang sich in einer gewissen Stimmigkeit zeigt, kann er begleitet werden von einer Entspannung, die dann zwar nicht das Abenteuerliche der Aufregungen enthält, dafür aber als angenehmer Zustand wahrgenommen wird. Wie günstig war es doch für alle Beteiligten, dass man schon am  Samstag wusste, wer den vom Volk Gefeuerten ablöst, denn es ist gut eingerichtet, dass auf einen Samstag ein Sonntag folgt, der als kollektiver und persönlicher Aufatmungstag prächtig geeignet ist. Nein, bitte (das nebenher) nicht auch noch am Sonntag einkaufen oder stundenlang den Rasen entlangrattern, nein. Für Aufatmen ist der Sonntag geeignet, denn das Aufatmen ist ja tiefer und anders wie das übliche Ein-und Ausatmen, denn hinauf hebt sich der Atem und schafft sich Erleichterung, wo offensichtlich vorher noch keine war, nun aber ist sie da. Man erkennt das Ankommen von etwas Erwartetem, wenn es denn eintritt, an seinem leisen Gongschlag. Auf einmal ist klar, wie es ist, und bis zuletzt konnte man nicht sicher sein. Nun zeigt sich aber trotz allen Widerstandes am Ergebnis, und das ist sehr günstig für den weiteren Verlauf, dass es gar keine Knappheit gab, nur eine berechtigte Zitterpartie, denn wir nehmen ja auch von unseren Schiffen aus Teil an der erzeugten Richtung. Dann haben wir einen farbigen Mann, einen Moderator, vor Erleichterung weinen sehen und einen im Weinen mitnehmen, weil es vielleicht jetzt möglicher werden kann, dass unterwegs eines der Familienmitglieder nicht erschossen werden würde, jeden Tag diese Angst. Ansonsten geschahen viele unheimliche Dinge wie diese spirituelle Beraterin von dem gefallenen Feldherrn, die extra in Trance afrikanische Engel einfliegen ließ, um den Sieg doch noch herbeizuführen. Man weiß zum Glück nicht, wie es denen jetzt allen geht, und wie der verborgene Q d a s nun seinen Followern  verklickert, wann und wo der erwartete Weltenretter denn eingreifen soll, wenn der auf einmal, wie im Märchen, entmachtet wird. Auch Rapunzel versteht, dass der Kaiser nackt ist, der vielleicht gerade den russischen Zar bittet, ihm in den Steppen, wo keiner jemanden findet, eine große, glanzvolle Jurte zu bauen, wo sich kein Bankier hinverirrt und man die leidige Sache ausschwitzen kann. Aber vor was wird er wirklich fliehen können? Man sieht, dass es auf dieser Ebene vermutlich noch eine Weile spannend bleibt. Zumindest hätte man noch gern oder doch gern den Moment erlebt, der dem von Selbstsucht Gepeinigten natürlich schwerfällt. Schon kursiert ein Video, in dem er von einem getreuen Kriecher aus dem Kinderzimmer gezogen wird und will aber partout nicht hinaus, nein, er will weiter auf dem großen Ball herumhopsen, besser als da rausgehen, wo alle, aber auch alle, gegen ihn verschwört sind und ihn gnadenlos betrügen. Nun  ist der vergoldete Spiegelbrocken ins Wasser gefallen, und immer mehr Ringe entstehen, die bereits ihre Wirkungen ausüben. Da kann man froh sein, dass man weiß, dass es mit angemessenen Dingen zuging, und von mir aus kann auch eine neue Zeit anbrechen, in der das menschlich Nachvollziehbare eine sichtbarere Rolle spielt. Denn wirklich schrecklich wäre es gewesen, das wissen wir doch, wenn dieser Schachzug nicht gelungen wäre. Man kann aufatmen.

7.11.2020

    The Pleroma – radicaluncertaintydotcom

Nein, isser noch nicht, aber die Karten sehen gut aus, und aus der lebendigen Wundertüte ist tatsächlich ein Joker gekommen, da freut man sich doch von Herzen mit einem Großteil der Weltbevölkerung, zumindest einen befreienden Atemzug lang. Und das spielt sehr schön in die Tatsache hinein, dass es auch das Datum ist, an dem ich mal vor einiger Zeit geboren wurde, und das unter noch düstereren Umständen, an denen man ablesen kann, dass sich in der Tat alles bewegt und voranfließt und immer wieder neu formiert. Zu dieser erfreulichen Feierstimmung soll angeblich die Sonne alle Stunden durchscheinen, an denen es ihr an so einem Wintertag möglich ist und es soll für November ungewöhnlich warm werden, das hört man doch gerne, denn wir leben in ungewöhnlichen Zeiten, das kann man nicht leugnen. Das Eine ist nun die Stunde der Welt, das andere meine eigene, persönliche Stunde, mit Liebe beschenkt im Freundeskreis aus nah und fern. Was will man mehr, wenn Kairos, der günstige Zeitpunkt, auf Pleroma trifft, den Ort, aus dem das Gute strömt. Allen einen guten Tag!

 

durchhalten

Gefährlich nah an der Hoffnung bewege man sich, meinte jemand. Und richtig, so ist es. Alles birgt eigene Lichtsubstanz, so die Hoffnung. Und auch wenn man sich von ihren Ketten befreien kann und oft muss, so kann man jetzt und in diesem Falle meinetwegen dazu noch die Daumen halten für die blaue Mauer, die sich gerade formiert. Was es bedeutet? Es bedeutet viel und sicherlich mehr, als man als einzelner Mensch gerade einschätzen kann. Die Fassungslosigkeit war eben nicht nur der für einen Moment erschreckende Verlust Bidens, sondern vielmehr die bange Frage, immer und immer wieder gestellt, wie es sein kann, dass ein Mensch, hier als Mann , dessen Position man gerne die mächtigste Stelle der Weltmacht nennt, dass dieser Mann jahrelang und bewiesenermaßen öffentlich gelogen und betrogen hat, was das Zeug hält, und niemand konnte ihn aufhalten. Es ist ja auch nicht wirklich ein Kampf für oder gegen Biden, sondern es ist ein Kampf, der sich um mit oder ohne Trump dreht. Verborgen wie ein Nachtgewächs bewegt sich der Gewissensacker, oder was immer das ist oder wie man es für sich selbst nennt, eben das unterirdische , brodelnde Sammelsurium von erzeugten Gefühlen und Meinungen und Profiten und Interessen etcetera in d a s hinein, was man dann sich selbst nennen muss, so, als könnte einer die Geburtsurne vertauschen und sich mit der Asche aus dem Staub machen, um eine neue Person hineinzuhauchen, die man dann einfach ohne Beweise einen Paradiesvogel nennt. Es gibt sie eben, persönlich und politisch, die Stunde der Wahrheit, und ja, man kann sie erkennen. Wenn die Kompassnadel zittert und doch nicht vom Fleck kommt, weil ein ungeschriebenes Gesetz die Gemüter bannt. Und bannen, dass wissen wir doch aus Erfahrung, kann einerseits geschehen durch berührende Wirkung, und dadurch löst er sich auch auf, oder durch fehlende Verbindung des Unvermögens, zueinander zu kommen, was auch immer die Schwierigkeiten sein mögen, die diesen Willen (wenn überhaupt vorhanden) verhindern.  Insofern führt die Trump-Show eher zu einem müden Lächeln, ahnte man nicht wie nebenher, was alles noch kommen könnte und vermutlich wird. Man kann sich das Heer, oder die Heerscharen der menschlichen Wühlmäuse hinter den Kulissen der Abgründe ja kaum vorstellen, weil man es gar nicht will. Oder aber man switched  mit komödiantischer Eleganz hinüber zum Filmset, wo man das eigene Unterhaltungsprogramm beweglich und kreativ gestaltet, nicht ohne die Medien, logo, wo man außer den Auszählzentren vorzugsweise auch die kommentierenden Komödianten einstreut, die sich zuweilen schadlos an der Weisheit entlang bewegen können ohne Angst, ermordet zu werden. Und nein, durchhalten ist nicht alles, aber manchmal ist es hilfreich, wenn sich dadurch etwas hervortun und zeigen kann.Wenn die Stühle der Diktatoren und Faschisten, für stabile Throne gehalten, zu zittern beginnen. Denn hier spielt nicht nur sinngemäß ein Trump als ein Trump, sondern hier stoßen die Trumps der Welt an eine ihnen unvorstellbare Grenze. Und es kann einem ruhig mal guttun, wenn es Zeit ist, die Offenbarung der Dummheit als ein Warnzeichen zu sehen und letztendlich als eine Krankheit, wenn sie sich zu Wahnsinn und enthemmten Eitelkeiten gesellt. Wenn Menschen, Tiere und die ganze  Natur, also die ganze Welt, so hohe Preise dafür bezahlt, dass Dummheit und Ausbeutung und Missbrauch für das Normale gehalten und gewählt werden, dann ist es wirklich wichtig, dass jede Stimme gezählt wird.

Kamdhenu

Hört, ihr Menschen!
Angezogen von unermesslichem Verlangen,
nicht nur e i n e n  Wunsch, nein, sondern
alle Wünsche vollen Herzens zu erfüllen, ist
Kamdhenu, die spendende Kuhgöttin, erschienen
voller Freude. mit goldenem Kelch auf den
kräftigen Schultern, bewegt von der Anforderung
des Erfüllungswesens, zu allen Ozeanen hin geneigt
und mit weitem Hörvermögen ausgestattet, mit
wunscherlauschendem Gefüge und
Ohrmuschelgehänge steht sie da, mit einladenden
Gesten und forschendem Sanftmutsdruck –
und bittet um Wünsche. Da erscheint ihr das All
als Tiefenstille,  als funkelndes Diamantengewand,
als echoloses, glücksspendendes Herz, als
hochwohlgeborene Eleganz des großen Gebens
selbst. Was sie da wusste, wissen auch wir das?,
fragten sich Menschen: dass alle Wünsche bereits
im Erfüllten ruhen.

ungesund

Als ich mich zu der mit mir verabredeten Zeit um 5 Uhr früh auch in den amerikanischen Wahlkampf eingeschaltet habe, einerseits in den 9 Stunden Audio Marathon des WDR5 Senders, dann zu den mir vertraut gewordenen amerikanischen Sendern mit den in der Krise geschätzten ModeratoreInnen, natürlich alles DemokratInnen, und schon um diese Zeit war einiges klar geworden. Es würde keinen Erdrutsch geben, der einiges Schlimmere verhindert hätte, Biden also weit vorne dran und unaufhaltsam als der Gewinner der Schlammschlacht erkannt, nein!, man sah über die demokratische Algorithmenauswahl eher einige Herzen in die Hosen rutschen, sagt man doch so. Aber was machen die Herzen da. Auf dem rechten Fleck sollen sie sein, oder doch lieber links, wo es, das Herz, tatsächlich plaziert ist? Noch ist ja gar nichts klar, obwohl man ungern durchhängt bis Freitag, um endlich zu wissen, wer es nun wirklich ist, bevor es auf den Straßen gefährlich wird und die Gerichte sich wappnen für weitere Schlachten. Aber wirklich, das liegt in der Luft wie so ein Vacuum, in dem sich das schwer Fassbare breitmacht. Deshalb rufen die an öffentlichen Mikrofonen hängenden SprecherInnen auch dazu auf, durchzuhalten und nicht zu verzagen, und Geduld zu üben, bis die Resultate klar sind. Vor bewusst demoralisierenden Aktivitäten des Weißen Hauses wird gewarnt, zum Beispiel wie feiern, als hätten sie bereits gewonnen, haben sie aber zum Glück nicht. Auch Biden hat sich mit einigen Einsätzen verrechnet, denn nicht alle wollen an die Covidtoten erinnert werden, auch wollen sie nicht sich selbst befragen und wägen, was im Kontext der Story jetzt ratsam und angebracht sein könnte, wenn man nun mal schon das Zünglein an der Waage ist, nein, sondern dem großen Vortäuscher wollen viele folgen, weil der sie auf der eigenen Ebene abholt und dort auch zu bleiben verspricht. In diesem Sinne wäre es natürlich erfreulich, wenn noch ein paar Überraschungen aus der Wundertüte Amerika hervorkommen könnten. Aber es ist nun mal der Dampfer, der das Ungewisse durchkreuzt, und von dem man lernen kann, was die Spitze des Eisbergs genannt wird, eben rammt man dagegen oder kann man an dem Klotz vorbeisteuern. Irgendwann wird es klar sein, und inzwischen, also bis dahin, widmet man sich all dem anderen, was ja schließlich auch noch da ist, oder ist genau d a s eigentlich das Wirkliche, was da ist und einem Handlungsraum verschafft, Souveränität des Aufenthalts, Praxis. Wir kennen nun den ungesunden Sog, der von einem Irrwisch ausgeht, und wenn das weiterhin gewünscht werden würde, von wem auch immer, aber immerhin von so vielen, dass es einen Unterschied macht, was soll man da machen. Man muss ja nicht mitmachen wollen, wo immer das Nichtwollen möglich und angemessen ist.