Ferien feiern

 

Es ist wieder so weit. Man erfährt irgendwann das Datum des Ferienbeginns, auch wenn man nicht betroffen ist, und  kann sich durchaus in neidloser Freude mit denen verbinden, die diese Zeit dringend benötigen, weil sie es redlich verdient haben. Doch auch für die, die keine Pläne geschmiedet haben zum Hinausströmen, vor allem in die Küstengebiete, für sie kann es heißen, aus verschiedenen Gründen erhöhte Wachsamkeit auf den Vorgang zu lenken. Während der Megaste Superstau jemals auf allen befahrbaren Straßen angekündigt wird, kann man davon ausgehen, dass kein Stau der Welt die co2 Ausstoßsüchtlinge davon abhalten wird, sich auf eben diesen Straßen in großen Ansammlungen zu formieren, vielleicht auch in der Annahme, als Besonderling oder SUV Driver durchzubrettern, aber nein, hier wird etwas Gemeinsames zelebriert, das auf diese Weise besonders gut zu erleben ist: manchmal geht es einfach so, wie man möchte, nicht weiter, das ist gesund, das gibt extra Zeit, die man natürlich zu nutzen wissen muss. Man kann darüber nachdenken, wie sehr man für die reine Luftbeatmung des Planeten war, wie intensiv man Greta Thunbergs Anliegen für angebracht fand bei allem Staunen über den schnellen Ruhm. Unentwegt hört man das Lob der Jugendlichen, deren Eifer die Politik in die müden Kniee zwingt. Und nun soll das Benzin teurer werden, darüber kann man auch etwas nachdenken, ist es doch eh schon teuer genug, das finden auch Leute wie ich, die nicht im Stau stehen. Es stehen ja auch nicht alle im Stau, nur sehr viele aus dem Volk sind unterwegs in andere Kulturen , wo man nun damit rechnen muss, dass am Strand, während man da ahnungslos herumliegt, Fremdlinge aus Kriegsgebieten angeschwemmt werden, denen die Heimat völlig und ganz und manchmal für immer entschwunden ist. Und es muss ja nicht immer das Schlimmste passieren, es ist schlimm genug, wie es ist. Nun ensteht durch diesen langen Pilgerzug aus den Städten eine Raumleerung. Die erzeugte Luft legt sich auf das gerade noch Bewohnte nieder. Wird von keinen Schritten mehr bewegt. Man hat vielleicht jemanden gefunden, der oder die die Blumen gießt und die Tiere versorgt, oder man legt sie ab in den Heimen oder einfach hinaus, wo jemand sie unter Umständen finden kann. Überall taucht es auf, das Märchen, wo war das doch gleich, vom Töpfchen und vom Kröpfchen, nämlich die, die lieb sind, und die, die zu viel co2 ausstoßen. Deswegen sorgt der Stau in kosmischem Einklang mit den politischen Dringlichkeiten für ein gemeinsames Langsamfahren, schließlich hat man ja Ferien. Indessen bereiten sich gut organisierte Gangs auf oft sehr erfolgreiche Diebstäle vor, haben das alles rechtzeitig ausgeheckt, die Lage und die Nachbarschaft und die sehr heruntergelassenen Rolläden. Klar könnte man sich den Einklang mit der Menschheit anders vorstellen, der Vorstellung sind ja keine Grenzen gesetzt. Ich persönlich habe mir den Samstag erkoren, um meine Vorstellungskraft etwas locker zu lassen, wenn auch nicht zu entbinden. Und wie vollkommen anders kann es doch sein, als man es sich vorstellt, also wie man sich das „ES“ vorstellt. Oder kann man sich ganz präzise einer Vorstellung nähern, indem man einfach hineinschaut? Wir wissen es nicht, und es ist auch nicht brennend wichtig. Hauptsache, man erfreut sich auf ganz persönliche Weise am Ferienbeginn und tut genau das, was man nicht lassen kann.

Das Photo (von C.M.Brinker) ist mir zugewhatsapped worden und zeigt eine Kunstfigur in einem holländischen Teich. Ich ahnte sogleich, dass es ein optimales Ferienbeginnsphoto sein können würde.


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