(was) verstehen (?)

Heute früh fiel mir der berühmt/berüchtigte „Nirbaya“ Fall aus New Delhi ein, der ganz Indien zumindest für einen Moment wachgerüttelt hat. Eine junge Frau, die man später „Nirbaya“ nannte, kam mit ihrem Freund gegen 21 Uhr aus dem Kino und sie warteten auf einen Bus. Da hielt ein Kleinbus und ein Mann nickte und behauptete, in Richtung ihres Zieles zu fahren. Ich dachte vor allem an den 17-jährigen Jugendlichen,  der im Bus war und letztendlich, nachdem sie den Begleiter der Frau festgebunden hatten, der Frau eine Eisenstange zwischen die Beine stieß bis in die Gedärme hinein, woran sie dann starb. Was da aufwachte, war ein beunruhigtes Staunen über das Ausmaß der Brutalität, das wenige mit sich selbst verbinden können oder wollen. Man fand in den nachfolgenden Tagen einiges über das triste und hoffnungslose Leben dieses Jugendlichen heraus, aber es war meine Erfahrung einer Grenze durch diesen Fall, dass ich mich innerlich abwenden musste von dem aufsteigenden Verstehen im Angesicht einer Tat, die man mit keinem Verständnis erleichtern sollte. Die Vorschläge, wie mit so etwas in Zukunft umzugehen sei, waren so grotesk, dass Frauen sich zu einem Aufschrei verbündeten. Ziemlich viel Heiliges entpuppte sich als aufgeblasener Ballon, der endlich zum Platzen kam. Interessant, dass das ja auch neulich in Deutschland passierte, als ein Priester der Gemeinde vorschlug, man könnte dem oder den Vergewaltigern (vom Campingplatz) doch vergeben. Nein, man beleidigt die Opfer. Ich komme darauf wegen diesem laufenden Vorfall, wo ein Eritreer dabei war, drei Menschenleben zu beenden, und nun den Tod des Kindes verantworten muss. Egal, was zu diesem Ausraster geführt hat, man weiß, dass etwas zu weit gegangen ist. Was auch immer die manchmal wirklich erschreckenden Zusammenhänge auch sein mögen, es kann nicht dazu führen, ein Verständnis aufzubringen für so eine Tat. Wenn ein hoher Grad an Verzweiflung dazu führt, dass man unbedingt Andere schädigen muss, statt mit dem eigenen Zustand umgehen zu können. Und es ist ganz klar, dass wir mit solchen entgrenzten Zuständen und Taten in der Zukunft immer mehr umgehen müssen. In den gleichen Nachrichten, die von dieser Schreckenstat des Mannes berichtet haben , wird unabhängig davon eine unglaublich hohe Zahl an Wohnungslosen genannt, die einfach keine Chance haben, in ein einigermaßen lebbares Leben zu gelangen. Ja, viele Ausländer sind unter den Tätern, zu viele, denn es wird die Agressionen der Rechten schüren. Man spürt förmlich, wie man bei solchen Themen langsam eingekreist wird von den unglaubwürdigen Notlösungen, und es schlägt die Gedenkminute der Ohnmacht. Es ist eine Art absurdes Beiwerk dieser unserer Zeit, dass jede gute Lösung, die einem einfällt, durchaus im Rahmen potentieller Möglichkeiten existiert.  Natürlich hätte Donald Trump, das Irrlicht der Weltpolitik, auch statt einer Mauer das Geld für sozialen Wohnungsbau ausgeben können, das auch ein paar Mexikanern das gute amerikanische Leben ermöglicht haben würde können hätte, aber man will ja gedanklich nicht zu sehr ins Naive gleiten. Noch mehr Menschen werden kommen aus welchen unannehmbaren Abgründen auch immer, und werden wohnen und essen wollen und mit jemandem sein, der sie versteht oder gar liebt. Und viele werden sterben wollen, und sie werden es nicht können.

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