Gestern erkundigte sich eine indische Freundin per WhatsApp bei mir, ob ich wüsste, dass Benjamin Netanjahu und seine ganze Familie bei einem Angriff umgekommen seien. Es stünde in allen Zeitungen, es wurde geglaubt. Nein, sage ich, davon ist hier nichts zu hören, wir wüssten es ja bereits. Auch die Gerüchteküche mit ihrem nahezu grenzenlosen Potential, sich irgendwas einfallen zu lassen, was den eigenen Interessen am besten passt, gab es zu allen Zeiten. Es ist nur durch die Maschinen ausgefeilter und gefährlicher geworden, das profitorientierte Spinnen im Riesennetz der Begehrlichkeiten. Da kommt es dann auf das verbliebene Tröpfchen Wahrheit auch nicht mehr an und man stempelt das Unerträgliche mit ’normal‘. Es gibt solche Zeiten, die wirft einen wie eine unausweichbare Welle zu sich selbst zurück. Und dann erst, vielleicht, gebiert sich eine Stunde der Wahrheit, in der das verlorene Wort sich wieder erfindet. Vielleicht, um der Entscheidungskraft neuen Antrieb zu verleihen. Damit der Blick sich klärt und die Rede an Eindeutigkeit gewinnt.


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