friedlich

Zufällig habe ich auf die aufgeschlagene „Zeit“ geschaut und dann bei der Friedenstaube ein bisschen nachgeholfen, das zu erschaffen, was ich gesehen habe, eher ein Ikarus als eine Friedenstaube also. Ja darf man das denn, so ein bisschen herumstifteln, und etwas anderes aus dem machen, was da ist. Vieles wird uns beschäftigen können: werde ich von einem Troll verfolgt, wenn ich in einem Telefongespräch das Wort „Djihadi“ ausspreche, oder von Drogenhuntern ausgespäht werden, wenn ich einen Freund um ein Hanfseil bitte? Kann ich belangt werden, wenn ich aus einem friedensbringenden Vogel einen schmelzgefährdeten Experimentierer mache? Solche Fragen sollte man am besten nur samstags mit sich selbst ausmachen, weil  wegen des Rasenmähens und des Wochenendeinkaufs niemand in der Stimmung ist, darüber nachzudenken. Ich dachte kurz daran, wie lange und intensiv mich das Wort „Frieden“ schon verfolgt hat und natürlich auch gefordert und befördert in die nächste Anstrengungsebene, die auch in Indien auf Hochtouren weiterlief, bzw, dort schon tausende von Jahren vor sich hinexistierte. Om Shanti! Gesegnet sei der Frieden! Und die liebevollen Tadelaugen, als ich mich mal beschwerte über was offensichtlich Beschwerenswertes, und dann lernte, mir an die Ohren zu fassen im Bekennermodus, ja , was kann man machen, man ist halt nicht immer Shanti. Im „Living Theater“ war der für das Finanzielle Verantwortliche, Carl Einhorn hieß er, auf die Idee gekommen, auf jeden ausgezahlten und benutzen Geldschein das Friedenszeichen zu machen. Das wiederum befähigte mich eines Tages in Paris, den früheren Geliebten einer Freundin zu entlarven, der ungesehen meiner Handtache ein paar Scheine entnommen hatte und mich in einem Cafe großzügig damit einladen wollte. Irgendwann kann man darüber nachdenken, was „friedlich“ für einen selbst eigentlich bedeutet jenseits von Nettsein und Eierkuchen. Gab es schon einmal eine friedliche Welt?, und was gehört eigentlich alles dazu, damit man kapiert, was man eigentlich darunter versteht, denn wichtig ist es schon, klar. Hätten wir uns neulich in Apulien ganz fürchterlich aufgeregt, dass ein paar Momente lang im gemieteten Haus so gut wie gar nichts mehr funktionierte, sodass unser Vermieter, Giuseppe, ganz außer sich geriet vor Schrecken und uns alles zurückerstatten wollte, was schon erstattet war, da hing es wohl auch an diesem Menschen, dass wir uns für den friedlichen Weg entschieden, sozusagen mit offenem Geist für die gemeinsame Handhabung von Hindernissen. Manche Momente fielen schwer, doch, aber nicht wirklich. Es brauchte hier und da in den inneren Korridoren etwas Zurechtrücken, mal ein Kerzenlicht, mal einen Holzscheit. Alle signalisierten Bereitschaft und waren froh, dass von keinem mehr erwartet wurde, als jeweils möglich war. Auch braucht es ja sehr viel Ungutes, bis die geplanten Unternehmungen wirklich eingeschränkt werden. Da ist immer noch genug Spielraum, um während der menschlichen Bredouillen Wesentliches zu bedenken. Das kann nicht schaden, was wiederum einiges mit der Einstellung zu friedlichem Verhalten zu tun hat.

 


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