in Ordnung

Auch jetzt bin ich noch dankbar, dass ich in einer meditativen Schulung war, die das ja meistens mehr oder weniger bewusste Schauen auf die Welt und ihre Ordnungen und Sichtweisen nicht als Schauen gefördert hat, sondern als Innehalten im Schauen und insofern mit sich selbst beschäftigt, dass es auch hier sehr lange um geistige Aktivitäten geht wie das Aufräumen und das Aussortieren und mit der Eremitenlampe durchs Geröll marschieren, eine Quelle ahnend, ohne die der Weg alle Mühsal nicht wert wäre. Man spricht hier öfters mal von einem Sterben, das mit einem Gefühl zu tun hat, wenn langjährig sich im Innenraum niedergelassene Identifikationen losgelassen werden müssen, was sein kann wie das als schmerzhaft vermutete Sterben. Und manch einer kommt aus diesen Toden auch zurück, allerdings nicht neu inkarniert, sondern aus Sehnsucht nach dem scheinbar Verlorenen, oder aus Verlangen  nach dem verlorenen Schutzraum, den man für die Wirklichkeit hält, woran sich die Frage anschließt, ob es sie wirklich gibt, diese wirkliche Wirklichkeit, und aus was sie besteht. Und ob es eine gibt, die wir alle gemeinsam haben. So wunderbar die Augen auch sind, die wir haben, so sehr lehren sie uns eines Tages die Gefahr einer trügerischen Wahrnehmung. Einmal war ich für längere Zeit in einer wunderbaren alten Villa an der Amalfiküste zuhause, und einen Großtil meines Alleinseins verbrachte ich auf dem breiten Fenstersims als Wolkenbetrachterin. Ja, dort bin ich überhaupt erst erwacht zum Sehen, und mit keinerlei wirklichkeitsnahen Worten kann ich bis heute die ekstatischen Zustände beschreiben, die mich dort ergriffen haben vor allem an Tagen mit diesen dicht geballten Wolkenfeldern als Angebot himmlischer Arbeitsfläche. Aber vielleicht erscheint jetzt noch manchmal ein Hauch dieser Eindrücke auf meinen gepinselten Bildern, ja, muss wohl so sein, sie kommen ja immer noch aus mir und den wie im Strom sich fortbewegenden  Korridore meines Seins, immer mal unterwegs die Räume und Weiten und Profile wechselnd, aber immer doch eine tiefe Verbundenheit und Zärtlichkeit dem Dunklen wie dem Hellen gegenüber, auch wenn das Außen andere Forderungen und Prüfungen hervorbringt, die dem inneren Schöpfertum praktische Gesetze auferlegen, die man auch ruhig die ewigen nennen kann, da sie seit Menschengedenken immer schon aufgefallen sind durch ihre überzeugende Logik. Sieht man einmal genug Götterboten durch die Himmel streifen und ihre Aufgaben erfüllen, vielleicht für den universell gerne visionierten, einsamen Herrn, dem man das Ganze anlasten kann oder sich auch eine Weile an wichtigen und wesentlichen Dialogen mit diesem Urpfahl erfreuen, bis auch das vorübergeht, ohne dass irgendein Leid oder eine Unzufriedenheit dadurch entstanden wäre. Wenn man weiß, wie Götter entstehen, dann weiß man auch, wie man selbst entsteht, konsequenterweise vom präverbalen Sein aus bis in die letzte Phase des ganz und gar Ungewissen hinein: Da erst nämlich kommt einem das Steuer real vor, von mir aus auch göttlich. Das bewegt sich voran, als wäre man gleichzeitig alles und nichts, und als wäre es dennoch ratsam, die Richtung gut zu bedenken.

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