Heute morgen habe ich den zweiten Kaffee hinaus in den Garten genommen und dachte: wow, da isser, der Sommer. Der deutsche Winter und seine Laufzeit kommen einem schon ziemlich lange vor. Immer noch ein Holzscheit drauf und meistens der Strumpfzwang. Dann auch mal warm, ahhh, und viel Regen. Und dann Sommer. Einerseits erholsamer Dschungel, aber dann auch Brutstätte für allerlei lästiges Getier und Gemenschel, und allerlei vom grellen Licht zurückgezogenes Denken, lichtscheue Anregung. Plötzlich kein Frieren mehr. Der Körper möchte das spüren, diesen Stich auf der nackten Schulter, dieses Rinnen und Rinseln von goldgelbem Licht, der fröhliche Zellengesang. Dann gibt es auch den fünften ukrainischen Sommer im Krieg, und es gibt die mörderische Hitze zum Beispiel in Indien, wenn die meisten Touristen wieder zuhause sind, und ab Ende März die Hitze stetig ansteigt, und wer es sich leisten kann, geht in die Berge. Wenn man sich einigermaßen frei fühlt, kann Brüten auch ganz schön sein. So, wie extreme Kälte, zieht extreme Hitze nach innen. Bewegung ist eingeschränkt, Vertiefung bietet sich an. Oder Leere, auch schön, Schweifen des Blickes über die Felder des Niemandlandes. Schmerzfreie Zonen. Heiterkeitsbereitschaft.