Das hat mich immer mal wieder erstaunt, dass der Mensch seelenruhig dahinleben kann, ohne sich im Inneren seines Wesens gründlich umgeschaut zu haben. Also sich selbst zugewandt war mit der doch ganz interessanten Frage, wer er oder sie denn nun sei, und mit wem er oder sie immerhin eine ganze Weile unterwegs sein wird und ist. Aber ’seelenruhig‘ ist eben auch kein passendes Wort, denn kann er das wirklich, seelenruhig dahinwandern, ohne zu wissen, wer und wo und wie und wozu da was wandert, was sich Mensch nennt, ohne zu wissen, was das ist. Oder wissen wir’s automatisch? Es gibt ja kein anderes Wort dafür und trennt sich selten genug vom Kostüm, das es trägt, außer, wenn es um Menschlichkeit geht, da entsteht auf einmal eine Art Gletscherspalte. Die überqueren auch zuweilen sehr einfache Menschen, die am Größenwahn des weltlichen Dramaprojektes gar nicht teilnehmen, deshalb vielleicht naiver oder weniger educated sind, dafür aber mit sich selbst verbunden, und die ihren Beitrag mehr in der unbeobachteten Stille leisten. Ist man aber schon so weit gegangen auf dem eigenen Weg, kann man nicht mehr zurückgehen, sondern wächst unter günstigen Umständen hinein in die Frage, wer man denn eigentlich sei. Ein bisschen schaudert, wenn man dem Alien begegnet. Und mit dem ‚Spalt‘, beziehungsweise dem Zwiespalt, muss man erst einmal zurechtkommen. Auf welche Weise schaut man sich an? Und was sieht man. Und ist das dann nicht eher ein Innen statt ein Außen? Und gelten dort eigene oder andere Gesetze, die möglicherweise beitragbar sind, hin zur Welt. Und das alles sind noch Worte, die müssen dann irgendwann ihre Begrenzung erkennen. Ich muss das also erkennen (falls als solches angestrebt) dass die, vermutlich eher selten erreichte, ‚Ataraxia‘, die Seelenruhe, nur erreicht werden kann, wenn das lästige Rätsel gelöst ist. Lästig, bis ich die Last auf mich nehme, da der Zirkus oder das Labyrinth oder der Irrgarten ohne mich selbst auch nicht so anregend sind. Ich finde, dass das Thema der Selbsterkenntnis gerade sehr aktuell ist. Denn das einzige Instrument, das wir gegen den Ansturm der Maschinenverschmelzung zur Verfügung haben sind wir selbst. Vor allem als Singularität, danke, ich bemühe mich um eigene Deutungen. Die duale Erscheinung des Weltgeschehens bleibt bestehen als erkennbare Gesetzmäßigkeit, durch die das Drama sich entfalten kann. Aber w i r können mit uns selbst verschmelzen, ohne eine Seite davon zu verlieren. Nicht(s)sein und Sichselbstsein ergänzen sich prächtig. Und jede/r geht auf eigene Weise auf sich zu, das ist doch erfreulich, und sehr unterhaltsam.