meistern

Meisterschaft ist schön und anregend, wenn sie ihre zeitlosen Bedingungn erfüllt. Es geht immer um hervorragendes Können auf einem ganz bestimmten Gebiet. Am schwersten ist sie einzuschätzen auf den nichthandwerklichen Ebenen, wo Überprüfung des Dargebotenen anderen Kriterien unterliegt. Zum Beispiel, ob sich jemand heimlich oder öffentlich als Meister/in versteht, und ob das mit der allgemeinen Wahrnehmung resonniert. Geistige und in diesem Sinne potentielle Meisterschaft wird oft begleitet von einer einerseits notwendigen, andrerseits gefährlichen Distanzierung vom Rest des menschlichen Treibens, und oft genug haben Bitterkeit und Wahnsinn den großen Traum vom erhabenen Menschenhalbgott bis hin zur Gottverkörperung zerstört, weil das nackte Leben sich letztendlich nicht hinbiegen ließ zum majestätischen Aufenthalt im ersonnenen Olymp. Hat man sich nun, auch als als Frau verkleidete Persona, hört, hört, geackert und gequält durch den Wüstenritt und die Gipfelekstasen, dann hat man verdammt viel Glück, wenn man die Herberge der Stocknüchternheit rechtzeitig erreicht. Bevor man verrückt wird durch allerlei tückische Glaubensformen, die man unbedingt zu belastbarem Wissen hinbügeln will, bis ihre Brüchigkeit nur noch Notausgänge anbietet. Wenn man entkommen will! Oder weitergehen. Oder überhaupt erst einmal ankommen als sich selbst, auch hinter der Musik oder der Dichtung, oder der Wissenschaft, oder der Kunst undsoweiter. So wichtig die Idee auch sein mag, muss sie vom Wesentlichen begleitet werden, um zu fruchten. Diese natürliche Voraussetzung bringt die noch so erhabene Idee auf den Boden der Tatsachen. Im ‚Gastmahl‘ lässt Plato den Sokrates als einen erkennen, der bereit ist zu wissen, dass er nichts weiß, was ihn von der Weisheit nicht abhalten musste. Daher konnte er sein Wissen erweitern durch ein Gespräch mit der Fremden, Diotima, die wiederum seine Wissenslücken erkennen konnte. Und ist das meisterhaft, wenn einer geistig den Übermenschen erzeugen kann, und selbst in der Umnachtung endet. (?) Das und vieles mehr dazu ist zu bedenken, denn in finsteren Zeiten steigen die unguten Geister aus ihren Schlupflöchern und stehlen sich unbemerkt ins Gewebe der Matrix. Dort wollen sie uns auf viele verschiedenen Arten und Weisen weismachen, dass die Erlösung des Menschen von seiner Zwerghaftigkeit vor der Tür steht. Woher also das der inneren und äußeren Zeit angemessene Wissen hernehmen, und was wird sich letzendlich als Quelle erweisen, die unbefugtem Glauben widerstehen kann?


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