umsetzen

Gestern zog also ‚Nine Eleven‘ noch einmal vorüber und hat den vorhersehbaren Erinnerungschub ausgelöst. Auch wir mussten nur die Luke öffnen zum Erinnerungs-Stauraum, und da war sie, ganz lebendig, die Geschichte. Wir waren in München, zu Gast bei unseren ehrenwerten Freunden Fritz Hörauf und Tamara Ralis. Tamara war an diesem Nachmittag, dem amerikanischen Morgen also, unterwegs im Draußen, und wir saßen mit Fritz schweigend um eine wunderschöne Urne herum, die er für den leiblichen Verbleib von Shelley, dem Kater, erschaffen hatte, freizügig nach dem englischen Dichter benannt, und nun ihn ins Irgendwo begleitend. Da stürmte Tamara herein mit der Nachricht. Stimmt, da hatte es einen neuen Anfang, das Unfassbare, das die ganze Welt ergriff. Da sah man direkt, wie Menschen gerade noch lebten und dann todsicher unten auf dem Pflaster landeten, denn alle waren am Fliehen, so wie neulich in Nepal, als man wusste, dass die, die man rennen sah, es nicht schaffen konnten. Und die Mär, die da angestoßen wurde, hat ja noch kein Ende gefunden. Oder ist es gar schlimmer geworden, oder wissen wir einfach mehr über das, was Menschen anderen Menschen antun können. Oder hat man zuweilen gar jemanden wie Osama Bin Laden (heimlich ein bisschen) verstehen wollen, und hat sich selbst dann die Grenze setzen müssen. Warum? Weil es immer andereWege gibt als Gewalt, Missbrauch und Auslöschungswillen. Und genau hier zwingt uns der eigene Geist, uns aus der Menge zu lösen, und still zu werden für die höchst notwendigen Kontemplationen. Wie nämlich ich selbst dazu stehe und es sehe, und dementsprechend in der Lage bin zu handeln. Aber so einer wie Ulrich Siegmund ist auch eine Herausforderung für den Geist, denn er glaubt an das Seinige und ist (noch) kein Racheengel. Heißt: wie kann man diesem widersprüchlichen Wahnsinn begegnen? Ich wünsche allen Beteiligten vor allem Durchhaltekraft des eigenen, reklektierten Denkens. Und nicht vergessen: keine/r kann einem befehlen zu bleiben. Freiheit ist nicht nur Verantwortung für den eigenen Beitrag, sondern auch Erfahrungsfähigkeit und durch Praxis immer müheloser werdende Umsetzung der Ideen in die lebendige Wirklichkeit.


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