Ein Spiel: Man nimmt aus einer Zeitung oder ein paar Büchern, die herumliegen, schnell und ohne viel zu überlegen, 10 Worte oder Sätze heraus, die einen ansprechen, und schreibt sie auf ein Papier. Daraus macht man dann in einem Zeitraum von zehn Minuten eine Geschichte. Hat man die Geschichte, dann wählt man, möglichst aus einem Hut mit verschiedenen, beschriebenen Schnipseln, ein Gefühl heraus und schreibt dann den Text nochmal, verändert durch das Gefühl. Man merkt, dass durch das Zufügen des Gefühls, egal, was für ein’s, der Text belebt wird, denn Gefühle erschaffen offensichtlich Verbindung. Ja, hatte man denn vorher keine Gefühle, könnte man sich fragen. Wahrscheinlich schon, aber wenn man die eigene Befindlichkeit nicht bewusst erfasst hat, steht sie einem auch nicht zur Verfügung. Nun ist vermutlich so ziemlich jeder Mensch ein wandelndes Energiefeld von Emotionen und Gefühlen, zwischen denen man auch noch unterscheiden muss. Früher habe ich mich immer dusselig geärgert, wenn mir z.B. bei einem Film die Tränen kamen, und ich kann es immer noch nicht leiden. Eigentlich will ich in so etwas produziert Emotionales nicht hineingelockt werden. Darüber kann man streiten, zum Beispiel ob man nicht grundsätzlich Dankbarkeit empfinden könnte über jedwede Gefühlslockerung, aber das kommt mir albern vor. Neulich kamen mir tatsächlich Tränen in die Augen beim Lesen von Rose Ausländers Gedichten. Da war es so, dass man an der Transzendenz ihres zutiefst persönlich Erlebten hinein in eine zeitlose Poesie teilnehmen konnte. Es war eine Dankbarkeit für die Kraft des Schöpferischen, die solch Wunderbares ermöglicht. Einmal in Indien, als ich mich in einer höchst bedrohlichen Situation mit zwei Männern befand, spürte ich, wie jedes Gefühl aus mir verschwand, vor allem aber die Angst, und es wurde kalt. Aus dieser Kälte heraus kamen Eingebungen, die mir letztendlich einen Fluchtweg eröffneten. Ich habe mich ein paar Mal in Situationen vorgefunden, die mir nur dadurch Schutz boten, indem keine Auswahl von Gefühlen verfügbar war. Hat man eine Wahl? Ich denke, dass überall, wo man keine hat, im Hintergrund eine Szene sich verbirgt, die noch entlöst werden muss, denn warum wäre ich sonst der verhältnismäßig schmalen Palette der erfassten Gefühle ausgeliefert? Und wer kennt es nicht, dass man inmitten eines heftigen Streites ans Telefon gehen kann, um dort als glaubhaft liebenswürdig zu erscheinen, oder auch zu sein. Ist das nicht eine Form der Freiheit, dass ich das ganze Material zur Verfügung habe, um damit bewusst und ungestört das Bild zu kreiren, in dem ich lebe? Denn es geht ja vor allem auch um das Zusammenspiel mit den Anderen, die einem wiederum mit ihrem eigenen Gefühlshaushalt entgegen kommen. Auf dieser Ebene des Spiels geht es wahrlich um alles und auch um nichts. Das Nichts, das hier seine Bestimmung findet, hat das Alles als sein Potential. Sie sind gewissermaßen untrennbar und handeln als ein Ganzes uneingeschränkt aus sich selbst heraus.
So, jetzt wird runtergefahren, denn man kann damit rechnen, dass alle mitspielen, denn Corona war gestern. Jetzt kommen neue Verdunkelungen dazu, die Anspruch erheben auf Aufmerksamkeit. Das neue Wirtschaftsmantra wird geschmiedet und hat auf jeden Fall damit zu tun, dass es höchste Zeit ist, die Kaufkraft wieder anzukurbeln. Man hofft leise und laut aus vielen Einrichtungen heraus, das Volk möge sich wieder besinnen auf die entschwundene Normalität, wie war sie doch gleich, sie bestand viel aus Kaufen. Man erinnert sich vielleicht an die schöne und kalte Japanerin, die Millionen scheffelte, indem sie Kunden und Kundinnen beriet, wie sie mit all dem Zeug, dass sie eh nicht brauchen, aber das sich in allen verfügbaren Ecken des Haushaltes türmt, umgehen sollen. Ihre Coachings sollen teuer sein, denn es ist schwer zu entscheiden in dieser habbaren Konsumblase, wieviel erfüllte Wünsche und Lustobjekte es noch braucht, um des unruhigen Geistes Herr oder Herrin zu werden. Ja, da greift man doch gerne mal zu den Stoikern. Und vielleicht fiel ja einiges von den uralten Gedanken in die Ritzen des Alltags. Das ist nicht überprüfbar. Die drei ersten Akte des Corona Dramas sind ganz eindeutig zu Ende gegangen, doch nirgendwo hat sich Gewissheit eingestellt. Gut, das Ankurbeln von Ideen hat immer etwas von einem Aufschwung an sich, aber was ist, wenn sich zu viele verrechnen. Donald Trump macht es vor: er ist total überzeugt, dass sein brutales Durchgreifenlassen bei friedlichen Protesten und diese erzdumme Show vor der Kirche eine tiefe Beeindruckung hinterlassen würden. Aber hallo!, wer sind diese Menschen da draußen, sie folgen ja gar nicht. Aus der aufgeblasenen Puppe wird ein Zerrbild. Das ist gefährlich, denn wenn so einer stürzt, wird er eine Menge mit sich reißen, Schwiegersohn hin oder her, ganz zu schweigen von Anderen, die sich vom goldenen Ochsen was Andauerndes versprochen haben. Und die da draußen alle in den anhaltenden Protesten, kann man die noch tanzen lassen nach Zucker und Peitsche. Allerdings sind es ja oft genau d i e, die nicht mehr teilhaben wollen an der Logik der Ausbeutersysteme, nach denen der Rhythmus gerade läuft, die wählen gehen sollten. Einerseits die Botschaft der Urwaldtrommeln, deren tiefere Botschaften man gerne ins Herz gelassen hätte mit allerlei Weisheit über das Hüten des Gartens und des Waldes und der Meere. Und andrerseits die dumpfe Ahnung, dass irgend etwas zu weit gegangen ist und alle möglichen Preiszettel nun an den Rettungsversuchen hängen, die die schlafenden KäuferInnen anstacheln sollen zum gewohnt zügellosen Haben und dann noch was haben, bis die Maschine wieder läuft wie geschmiert, das kann auch gelingen. Was nicht gelingen wird ist das Vergessen dessen, was stattfand, als das Spiel für einen kurzen Moment die Maske abnahm, die man dafür erfand, damit der Tanz um den Mammon als demokratisches Verführungsprojekt auftreten konnte. Nicht, dass alles kompatibel sein muss oder erklärbar, so sehr sich auch viele darum bemühen. In Indien hat mir mal jemand erklärt, es gäbe neben den vier existierenden Veden noch eine Veda, die die ‚geheime Veda‘ genannt wird. Dieses Buch ist nicht geschrieben, sondern es ist die Erfahrung des Daseins, das sich selbst schreibt, also geheimnisvoll ist im Sinne, dass niemand im Voraus etwas darüber weiß, denn es spult sich sichtbar aus sich selbst heraus ab. Nein, nicht wie immer, sondern wie jetzt. Es kommt auf die Wahrnehmung an.
Man hat den Engeln ja nicht nur dieses liebliche Am-Bett-stehen überlassen, manchmal gleich vierzehn von ihnen auf einmal, sondern zuweilen kommen sie daher mit einem Buch oder einem Schwert, oder sie tragen jemanden von einem Schlachtfeld weg, und noch in ihrer entschwindenden Fußsohle kann sich mehr Mitgefühl ausdrücken als bei den meisten von uns Menschen tief in unserem Innern. Oder Empörung und Entsetzen drücken sich in ihren sonst seelenruhigen Gemütern aus, oder die Hand des Malers lockt es aus der Materie hervor, eben das, was gefehlt hat und nun da ist, mächtig und engelsgleich. Da gibt es nicht diese kleinmütigen Augenblicke, oder abfälliges Lachen, oder ein gebasteltes Feindbild, das keiner Nachfrage standhält. Sachte hebt er den Verwundeten auf und bringt ihn, oder sie, wohin?, ja wohin. Da sind wir am Ende des Märchens, denn weder lebt Tulsi Das als Eremit und Schreiber der Ramayana im tiefen Wald, wo Sita, die von Ram Verschmähte, Zuflucht finden kann. Oder ein Hieronymus im Gehäuse, um den die lieben Tiere lagern und wo ein Engel furchtlos an die alte Holztür klopfen könnte und um Einlass bitten, und der Eremit hätte natürlich ne Menge Heilkräuter und ne Schale was Heißes zum Erfrischen, bevor der leuchtende Gast weiter muss. Zum Trösten oder zum Mittrauern oder zum Lieben, wer weiß. Es muss eine Art Ursehnsucht von uns sein, oder (m)ein poetischer Urtrieb, der sie gerne, vorzugsweise an Abgründen ihre schweren Schwingen lagernd, kontemplieren kann als das auch Daseiende, ohne dass man mit dem Finger auf etwas zeigen wollte und sagen: siehe, das ist es, obwohl es schon seit Menschengedenken auf eine gewisse Weise war und ist. Vielleicht als das, was dem Menschen zugänglich, aber in ungefilterter Weise nicht möglich ist, nicht ohne Zusatzstoffe zu haben. Ein geistiges Feld, in dem die Potenzen sich ausdrücken, nicht zuletzt auch als Gegenspieler böser Science Fiction Helden, die keine Probleme damit haben, die Welt der Vernichtung auszuliefern für ein bisschen Machtgelüste. Und was hat zum Beispiel der Silver Surfer, eine weitere, feine Schöpfung von Gene Roddenberry, vor sich hingelitten, einsam und allein irgendwo im kalten All, auf seinem Surfboard kniend und über das düstere Schicksal des Planeten nachgrübelnd. Auf der Erde trägt er bei der Arbeit einen Trenchcoat und einen Borselino, sonst würde ihn die Zivilgarde wahrscheinlich verhaften, weil er keinen Personalausweis dabei hat. Klar, kann er ja nicht, denn er ist ja wie die Anderen im Kopf von jemandem geboren, doch auch bei mir hat er einen Platz unter dem Banyanbaum im Garten von Zen-La, wo ich ab und zu die Gräser hüte mit meinem Blick. Bei mir kann von mir aus auch die Sphinx Schwingen tragen, während sich ein goldenes Ei in ihrem Schweigen entfaltet und gedeiht. Die Musik, die dazu passt, ist noch nicht geschrieben, und die Worte halten sich lächelnd zurück. Vor dem kindlichen Auge rinnen die tiefschwarzen Samen der Opiumkapseln in den fruchtbaren Sand der Wüsten.
Ja, so muss man es dann wohl sehen, nämlich, dass (zumindest) sein Tod nicht umsonst war. ‚Nicht umsonst‘ hat hier den Klang von etwas, dessen Preis sehr hoch war, aber etwas daran hat sich wenigstens gelohnt, ist wohl gemeint, beziehungsweise wären ohne seinen Tod nicht so viele Menschen aus ihren Häusern und Wohnungen gekommen und haben akzeptierten Maßnahmenbruch begangen, weil zB. anstatt der erlaubten 500 DemonstrantInnen dann 1.500 kamen, und d a s in vielen Ländern, das ist schon bemerkenswert. Ich denke, dass Greta Thunberg die einleitende Melodie zu dieser Bewegung war, denn ihre emotionslose Brillianz hatte eine kühlende Wirkung auf den Inhalt der hitzigen Meinungen. Dennoch ebbte der Auftrieb ab, denn zu wenige haben dieses Vertrauen in d i e Gruppe, die wir alle „die Menschen“ nennen, von denen wir gerne mehr erwarten, als das, was wir offensichtlich gemeinsam zu leisten imstande sind. Die Leute also, zu denen wir alle gehören, die ihre Leben in den jeweiligen Blasen koordinieren, und diese Sphäre meist für das Ganze halten. Und sicherlich stimmt auch in seinem eigenen Maß das physikalische Gesetz, dass da, wo ein Körper ist, kein zweiter sein kann. Und es könnte ja sein, dass zu dem Ausmaß, zu dem dieser Körper durch sich selbst belebt wird, auch der Schritt aus der sicheren Blase heraus ermöglicht wird. Und ja, die Frage bleibt, ob man tatsächlich einen Menschen, der bei sich ist (was immer das heißen mag), nicht mehr fürchten muss. Die Logik wäre, dass ein Mensch, der eine gute Beziehung zu sich selbst erschafft, auch gerne Zeit und Muße mit sich selbst verbringt, auch Arbeit natürlich, wenn sie dem eigenen System entspricht, auch wenn das ‚System‘ nur noch den Rahmen bildet, in dem man sich vorwärts bewegt, der eigene Rahmen also, oder der eigene Garten, oder die eigene Welt. Nahezu unmerklich also ist die Welt einen kurzen Moment durch diese auferlegte, massive Virus-Blockade auf sich selbst zurückgeworfen worden, jede/r auf das, was er oder sie gerade ist. Das scheint sich nun, vielleicht wegen der freigewordenen Energie durch die verlassenen Orte der Gewohnheit, an die Oberfläche zu bewegen, und dort wird es auf einmal sichtbar, ob man nun will oder nicht. Selbst an dem Na(r)(r)zissmus, der jetzt politisch öfters mal Thema ist und jeden verstehen lässt, dass der überlegene und wertgeschätzte Führungsstil von Angela Merkel in Donald Trump Abscheu erregt. Die notwendigen Mittel für dieses Augenmaß kennt er nicht. Und ich sage es gerne noch einmal, dass die ziemlich uneitle und kluge Frau aus Ostdeutschland genau die Krisenmanagerin war, die man sich gewünscht hat, was wiederum in zuvor unerwarteter Weise auf ihr eigenes politisches Werk respektvoll zurückspiegelt. Die immer paraten, oft dümmlichen Klagen sind auf jeden Fall im Angesicht der großen Menschheitsgeschichtenbewegung etwas eingedämmt worden. Was soll man auch mehr verlangen, weiß man doch selbst, dass nur die kontinuierliche Mühe der eigenen Wahrnehmungen und Entscheidungen den freien Blick freihalten kann auf die planetarischen Landebahnen. Vermutlich ist auch das Flugobjekt, das die indischen Gottheiten alle bei sich haben, gemeint als der eigene Geist, mit dem wir uns sicherer vorwärts bewegen können als mit dem anderer Geister, die eigene Flugbahnen in Anspruch nehmen.
So, wie das Virus unter den Viren zu einer derart weltbewegenden Bedeutsamkeit kommen konnte, an der sich die Geister wetzen konnten und können, ohne jemals zu einer zufriedenstellenden Antwort zu kommen, da es sie möglicherweise gar nicht gibt, so gibt es Menschen, deren Tod das Zünglein an einer Waage wird, das eigene Worte findet für den Ausbruch der Krankheit. Aber vor allem ist es ein bestimmter Moment, wo die lange verdrängte Krankheit nach einem Heilweg sucht, nachdem die notwendige Aufmerksamkeit auf das Krankenbild gefallen ist und eine vorläufige Diagnose möglich macht. Überhaupt taucht an einem bestimmten Punkt des kollektiven Erlebens die Frage auf, wie krank eine Gesellschaft denn bereits ist im Moment eines gesellschaftlichen (relativen) Erwachens, und wann es an der Zeit ist, unzumutbare Verbrechen mehr in den Blick, und das heißt jedermanns Blick, zu nehmen. Denn ja, es gab schon immer Proteste und Demonstrationen, aber zuweilen scheinen tatsächlich neue (vor allem junge und frische) Kräfte das sogenannte Normale und Akzeptierte zu durchdringen. Und nun können wir inmitten einer Pandemie auf einmal auch kluge und nicht nur wissensvolle Reden hören, sondern berührende Worte, die dem Unsagbaren entsprechen. Denn es weiß niemand, wie viele Menschen in aller Herren Länder in irgendwelchen dunklen Ecken wegen ihrer Hautfarbe gedemütigt und getötet wurden, und irgendwann reicht’s einfach, wie auch immer dieses Reichen zustande kommt. Und in der typischen Ambivalenz des menschlichen Umgangs mit den hervorgebrachten Dingen dieser Welt sehen wir auf der einen Seite, wie hilfreich die digitale Entwicklung sein kann, indem sie den Mörder im Bild unwiderruflich festhält, und andrerseits baut ein Technik-Experte mit (vermuteter Unterstützung) seiner Mutter in einer Gartenlaube ein (weiteres) superverschlüsseltes Netz für Kindesmissbrauch auf, und man fragt sich wieder mal, wie kann das sein, dass keine/r undsoweiter, und man selbst es auch nicht rechtzeitig bemerkt oder gewusst hat, dass der Ehemann der Freundin öfters mal nackt auf den Kindern herumlag, bis sie nicht mehr nach Hause wollten. Das war in Indien, wo man auch nicht wusste, wie lange das eigentlich alles schon aus dem Ruder läuft, weil vor allem innerhalb der Familien jeder Mann weiß, dass hier niemand wegrennen oder überhaupt darüber sprechen kann. Es gibt, wenn man nicht darüber sprechen kann, ja auch keine Worte dafür. Wie soll man eine Tat, bei der ein Mann ein einjähriges Kind schwer sexuell missbraucht, jemals verstehen. Die Kindesmisshandlung, so höre ich heute in den drei Minuten Nachrichten, die ich morgens noch als die tägliche Nachrichtendosis höre, ist in der Corona-Zeit um 30% angestiegen. Da gibt es nicht so viele Gefühle, zu denen man Zuflucht nehmen kann. Es gibt das Schicksalspaket, das auch für jedes Kind allein durch die Lebensart der Eltern schon genügend geschnürt ist, aber das ist etwas völlig anderes als vernichtet zu werden durch enthemmte Triebtäter oder wie auch immer man sie nennen könnte, wollte man überhaupt Worte für sie finden. Ich denke dann zum Beispiel: warum schwimmt da im Rot ein Kind herum in meiner Pinselei. Und ein entsetztes Auge schaut in die andere Richtung. Und zwischen ihnen fehlt die liebevolle Bindung, ohne die jedes Verbrechen potentiellen Zugang hat zur zerbrechlichen und zarten Art der Wesen.
Es war eine große Freude für mich, Kamala Harris wieder zu hören und in einem wichtigen, politischen Kontext der stattfindenden Proteste zu spüren, wer spricht. Sie ist Juristin und stand einmal zur Debatte als Nachfolgerin von Trump, als irgend etwas in ihrer Biographie auftauchte, worüber sie politisch stolperte oder man sie stolpern ließ, who knows.
Eigentlich wollte ich mich der Idee des schwarzen Bildes, das auf allen Kanälen solidarisch mit dem Getöteten herumgeisterte, anschließen, aber dieses Bild unter meinen fand ich dann dunkel genug und stimmt insofern, dass wir uns, in m e i n e m Wahrnehmungskonstrukt wohlgemerkt, auf dem Wege in Phase III der Corona-Zeit befinden. Und in der Tat hat sie was von einem dritten Akt, wo der Aufruhr, der durch menschliches Handeln und Versagen entfacht wurde, von einem Brand in Asche übergeht. Oder man könnte mit einem der besten Sätze der Weltgeschichten antworten: „This, too, shall pass“. Denn es geht vorüber und lebt noch eine Weile von seinen Nachwirkungen. Einige Dinge haben sich durchgesetzt und bleiben. Es kann gut sein, dass es bald Kinder geben wird, die sich weigern werden, ohne Maske hinauszugehen, kann man doch mächtige Avatare (Achtung: Marktlücke!) auf diese Tüchlein drucken, und im Nu hat man ein paar Süchtige mehr. Auch die Erotik der Maske war auf den Straßen nicht anzutreffen, denn noch war (und ist?) der Widerstand aktiv zwischen wollen, dürfen und müssen. ‚Man gewöhnt sich daran‘ sagte die Bedienung im Gartenrestaurant auf meine Frage, ob das nicht unangenehm sei, so den ganzen Tag mit der Maske. Und das ist es ja gerade, dass der Mensch sich an ungeheure, untragbare, unheimliche Dinge gewöhnen kann, bis dieser Glaube in die Finsternis des Normalen einzieht. In der Vernichtung ein Kitzeln spüren, bei dem die innere Auslotung noch nicht stattgefunden hat, denn, tut doch nicht so, den Schwarzen will doch eh keiner. In Akt III also kommt die Sache nochmal auf den Punkt: jedes Schicksal hatte Zeit, sich zu erweitern. Jetzt kommt kein Akt mehr, sondern die lange Zeit der Besprechungen, der Kontemplationen über Gewesenes und Werdendes, die Nacharbeitung des Krisenmanagements, die daraus gezogenen Schlüsse und Folgerungen. Schön, dass auch klar wurde, dass keiner die Wahrheit gepachtet hat, denn immerhin steht man da schon an einem selbstbestimmten Platz am Tellerrand, in weiteres Ungewisses schauend. Nun kann das sehr erfrischend sein, wenn die Begehrlichkeiten nicht die treibende Kraft sind, sondern eher das entspannende Zulassen des unbelegten und unbesetzten Raumes, in dem sich der Faden scheinbar mühelos aus dem erfühlten Rund webt. Bleiben wird: Jedem und Jeder das Seine und Ihre und die Möglichkeit, d a s in sich selbst zu erkennen. Insofern könnte man sogar der Vermummungspflicht ein Quäntlein abgewinnen, den Moment nämlich, wenn man zu sich kommt und froh ist, die Maske wieder ablegen zu können. Was auch kommen wird, sind Orientierungsprogramme, Leitfäden und Einstellungsvorschläge. Die Koordination betrifft den ganzen Planeten. Unwillkürlich hat man etwas Gemeinsames erlebt und muss nun ins jeweilige Vorne schauen. Aber da vorne, huhuuu, da ist auf einmal alles ganz anders als man dachte, es sei. War das Virus doch eine Lupe? Hat man sehen können, was ohne dieses Es nicht sichtbar geworden wäre? Und aus diesem Es ist nun eben das Ich geworden, das bürgt in der fließenden Welterscheinung zumindest für einen Hauch, den man vorsichtig als Wandlung empfinden könnte. Es kommt auf die Positionierung an.
Bevor der tiefe Humor und die exzellente Synchronisation dieses Videos von den neuen Entwicklungen überholt wird, möchte ich es ohne weitere Zusammenhänge ins Spielfeld stellen und beklage nicht die Lachmuskeln, die es hervorgelockt hat. Dieses Lachen, bei dem auch die Gänsehaut in den Startlöchern steht. Und wie subtil hier am Ende nur über die Stimme das Grauen hochsensibel serviert wird, eben durch die aus dem Dunkel auftauchende Verführbarkeit der Tat, die einem bestimmten Ton folgt. In gewisser Weise sagt auch der Text, den ich im gestrigen Blog (von B. Ali) hatte, etwas aus über die Beschaffenheit der flüchtigen Erscheinungen, die durch Menschen manipuliert und verdreht werden können, sodass durch inszenierte Verwirrungen Menschen von ihrem eigenen Denken abgebracht und besser kontrolliert werden können. Dennoch geschehen auf dieser beweglichen Bühne eben diese Dramen, die uns ansprechen, und oft spielt auch die Qual der Wahl eine Rolle. Am schwersten zu messen ist die Wirksamkeit des Bewusstseins, das sich durch bestimmte Geschehnisse schult. so wie zum Beispiel Hindu Priester die Räucherschale in alle vier Himmelsrichtungen schwenken als Dank und Aufmerksamkeit für die Unterstützung des Ablaufs, so kann man sich gerne bei menschlichen Einrichtungen wie Ärzte ohne Grenzen, Amnesty International, Greenpeace undsoweiter bedanken, denn sie bewegen sich körperlich und geistig mitten in den aktuellen Katastrophen, und auch da gibt es Bewegung und Berührung hin zum eigenen Kern. Ein amerikanischer Prediger sieht es als einen Lichtschimmer im Dunkeln an, dass sich in Deutschland Menschen zu einer Demonstration anlässlich eines ermordeten Schwarzen versammeln. Und es ist wahr, dass ein Volk, das sich seiner Menschlichkeit so mühsam erinnern musste, dann weiß, dass nicht nur die Würde eines Menschen unantastbar ist, sondern dass jedermanns Blick eine Schärfung dem Menschlichen gegenüber vertragen kann, denn wer kennt nicht das Erschaudern der Fremdheit an sich selbst oder dem Anderen. Dann dankte noch jemand der Technik, ohne die das Infame des Systems keine sichtbare Beweisführung hätte. Und ebenso, wie ich in Indien immer wieder mal angestrengt in die Gesichter der jungen Vergewaltiger geschaut habe, die dann wegen ihrer gemeinsam durchgeführten Brutalität gehängt wurden, so schaue ich nun in die Gesichter der vier angeklagten Polizisten. Der junge Mörder, der seiner vertrauten Welt entgleitet, in der man Schwarze ohne Konsequenzen und auch ohne Straftat foltern und töten konnte. Er fühlte sich ganz offensichtlich als der Stoff, aus dem Helden gemacht werden, für die das Tötenkönnen Pflicht ist. Und es markiert zumindest d a einen Wendepunkt in dem verkommenen System, dass ähnlich gestrickte Gehirne nun wissen, dass man dafür einen sehr hohen Preis zahlen kann. Alles Weitere wird sich zeigen. Es hängt von der Tiefe des kollektiven Bewusstseins ab, von dem Zulassen abgründiger Betroffenheiten und den Einstellungen, die dadurch entstehen.
Als die Coronafahrt in die Gänge kam, dachte ich, ich würde ganz viel lesen, und bald lagen um mich herum die Juwelen meiner Klein-aber-fein-Bibliothek, die ich endlich mal, oder zu Ende, oder noch einmal lesen wollte. Schon das Herumblättern und Mitkontemplieren auf den vielschichtigen Ebenen des Denkens ließ keinen Zweifel zurück, dass es überall um des Urrätsels Durchdringung ging, begleitet vom Geist der Autoren und Autorinnen. Das ist ja die Freude und der sich vergrößernde Reichtum des Bewusstseins, dass wir uns erholen und erfrischen können an den Denkweisen und dem Blick der Anderen. Inzwischen war mir dann aus dem Freundeskreis ein Buch von Bachtyar Ali ans Herz gelegt worden, und ich musste (leider) auf eine Amazon-Bestellung zugreifen, damit es zu mir kommen konnte. Ab und zu las ich dann ein paar Seiten darin und erfreute mich an der Sprache und den Geschichten, während draußen das Virus an den Grundfesten der Systeme rüttelte. Ich lebte ja schon in einem Garten, lebe mit Freunden in individuellen Verbundenheiten und der Bemühung, dem ganzen schöpferischen Vorgang mit Aufmerksamkeit zu begegnen, und die Samen auch mal auf die Waagschale zu legen, um zu lernen, was Maß und was maßlos ist. Und welche Wege zum Angemessenen führen, während an anderen Orten der Welt häßliche Dinge vor sich gehen, wer wollte es leugnen. Da öffne ich also gestern zum Weiterlesen dieses Buch genau an der Stelle, an der ich diese wunderbaren Sätze fand, die einerseits den Tod des schwarzen Mannes nicht minder schrecklich machten, aber dennoch eine weitere Wahrnehmungsmöglichkeit dazufügten, einen Blick, eine Einstellung, an der man sich laben konnte. Deswegen möchte ich Bachtyar Ali jetzt die Worte sprechen lassen, die mich selbst so erfreut haben:
‚Ich möchte dir etwas Wichtiges sagen: An die Gerechtigkeit habe ich nie geglaubt. Keine Gerechtigkeit, keine Rache auf dieser Welt kann je den Schmerz auslöschen, den ein unschuldiges Opfer erlitten hat. Ich glaube an etwas anderes: Ich glaube an Schönheit. Der Mensch kann nicht gerecht sein, aber er kann Schönheit erschaffen. Die größte Rache an den Ungerechtigkeiten der Welt ist, dass der Mensch ein Poet wird, Musik spielt, Gemälde malt, vor denen wir staunend stehen bleiben. Ein Dummkopf, wer darauf setzt, dass die Politiker ihm Recht verschaffen. Diese Dummköpfe haben die Welt zerstört’…’Weil der Mensch ein schwieriges, kompliziertes Wesen ist‘, sagte er, ‚gibt es nichts Leichtes auf diesem Planeten. Nur Torheit ist leicht, nur Blutvergießen und Herzlosigkeit sind einfach, alles andere ist schwer.‘ (Aus: Die Stadt der weißen Musiker).
Es ist ja nicht nur so, dass man notgedrungener Maßen eine Einstellung zu den erschreckenden Geschehnissen unter Menschen haben muss, sondern sie kann durchaus auch willentlich sein, menschlich, mitfühlend, empört, dann auch ohnmächtig und überfordernd und so zwiespältig in ihren Erscheinungsformen, wie wir es jetzt in Amerika sehen. Ja, immer wohltuend sind die tief betroffenen Stimmen, wenn der Moment gekommen ist in der Zeit, den schon lange vorhandenen Abgrund in den Blick zu nehmen und bereit zu sein, sich an seiner Komplexität abzurackern. Und wenn es so weit geht, dass man permanent auf das Unlösbare stößt, dann wird das Ganze wahrlich ein unüberschaubarer Flickenteppich, auf dem sich für keinen gut leben lässt. Nun haben wir in Deutschland tatsächlich einen Abgrund erlebt, aus dem bis heute nicht nur die Reflektionen über das Ausmaß der Bestialität, das ein Mensch erreichen kann, in die Gesellschaften fließen, sondern er zeigt auch, was nach einem totalen Zusammenbruch wieder alles möglich ist, ohne dass jemals klar wurde, wer damals im Volk für wen und gegen was war, und genau wann der Moment einsetzte, wo unleugbar dunkle Mächte am Brüten waren, denen es um Dinge ging, die mit dem Wort ‚menschlich‘ gar nicht mehr in Verbindung treten können durch ihre Entartung, und der Vergleich mit dem Tier keinerlei Berechtigung mehr hat. Und da sind sie wieder, die Rechten, die Linken, die in vielerlei Formen subversiv Auftretenden. Die Einen schleichen sich in die erst friedlichen Proteste ein, weil sie den Führer wollen, der Waffen einsetzt gegen das, was sie selbst nicht haben und können, und die Anderen wollen vielleicht nur mal was haben, was zum Verkaufen ist, um leben zu können. Die Menschen mit der dunkleren Haut gehen ja nicht nur in Amerika unter, sondern sie versinken weiterhin im Meer oder sterben auf dem Weg dorthin. Ich kannte in meinem Leben einige schwarze Menschen, mit denen ich tief verbunden war, und denen u.a. die Trennung zwischen Schwarz und Weiß auch wichtig war, damit ihre Integration nicht nur aus erwarteter Anpassung besteht. Wie oft bringen Menschen nicht die Kraft auf, sich in ihren engsten Beziehungen zutiefst berührt zeigen zu können über die Beschaffenheit eines vollkommen anderen Universums, mit dem sie ein belebbares Feld gestalten oder den Zusammenbruch dieses Feldes eingestehen müssen. Dann wiederum ist Einsamkeit eines Wesens, die Freude an so manchem Gelingen, die immerhin für jeden existierenden Möglichkeiten, am Sein mitzugestalten, in welchem Maße auch immer, ein von allen geteiltes Erleben, und nur die Riten und die Rituale, und die Kostüme und die Rechtsprechungen usw. sich gemäß der wählenden Menschen formieren, (so weit sie wählen können), daher: was macht man, wenn die Entgleisung nicht mehr aufzuhalten ist, kein Pflaster mehr hilft, kein Inhalt mehr zum Schnüren eines Hilfspakets zur Verfügung steht. Eine innere Hemmschwelle tritt ein und weist bescheiden auf die blühenden Gärten des Kepos hin. Klar, was habe ich ganz persönlich für eine andere Wahl, als weiterhin mein Menschsein zu schulen auf den Bänken der großen Universität, nämlich das Ding selbst, das einen nicht lehrt, wie man’s am liebsten hätte, sondern einem die Kraft gibt zu sehen, wie es ist. Denn da lockt eine ganz andere Meisterprüfung, die nimmt die Flügel aus dem Wind und setzt den Fuß auf den Boden. Das duale Prinzip öffnet seine inhärente Begrenzung, denn es ist ja nicht so, dass die Schätze, die noch im Depot liegen, mit dem Verwendungsverbot belastet sind. Nein, es ist noch einfacher, da man nur wissen muss, dass sie da sind. Eben da, um es mal, mit Verlaub, uroborisch auszudrücken, wo die Schlange sich in den Schwanz beißt. Trefflicher Ort!
Es war wohl an der Zeit, dass etwas auftauchte, was, wenn auch nur für einen bangen Moment, den Virus aus dem Feld schlagen konnte, nicht wirklich, aber doch im Grad der Betroffenheit. Da, wo vielleicht noch Platz ist. Und da, wo keiner mehr ist, da kann man getrost die Brandherde in den Vereinigten Staaten nicht an sich ranlassen. (Kann man?) Aus solchem persönlichem Recht, und auf der Basis eines bestimmten Wissens-und Forschungszweiges (z.B.Yoga,) heraus sind Menschen in die Berge und zu dort vorbereiteten Höhlen gegangen (meistens Männer), um nachzusinnen u.a. was sein muss und was nicht für einen selbst sein muss, und was wirklich i s t von Grund auf und was nicht, da gab es auch immer eine Menge unterschiedliche Meinungen und Lehren. Man kann das auch zuweilen sehen als ein weiteres Konstrukt, um das Unfassbare, in das der Mensch geworfen ist, zu enträtseln, und soweit wie möglich zu erfassen. Nun geht es meist, leise oder laut, um Leben und Tod, denn wer lebt, kann sich weiterhin um das Rätsel bemühen und den eigenen Faden durch das ständig sich verändernde Labyrinth finden. Deswegen finde ich den Ruf nach der Todesstrafe auch immer so verwerflich, denn auch w e n n ich mein Leben wegen irgendwas Gravierendem im Gefängnis verbringen muss, so bleibt doch stets mein Recht zu leben erhalten, in dem ich etwas dazu lernen kann und die verbleibende Zeit nutzen. Auch in Amerika kann man beobachten, dass es eben nicht nur ein Kampf ist zwischen Schwarz und Weiß, oder sagen wir mal so, es gibt einige Schattierungen auf dieser Ebene, und es erfreut einen genauso, einen Menschen hinter einer Polizeiuniform zu finden, wie es einen erschrecken kann, dass der Bruder des Ermordeten für die Polizisten, alle vier Beteiligten also an dem Mord, eben diese Todesstrafe fordert. Was eh‘ niemals geschehen wird, denn sie sind weiß. Auch das unangenehme Plündern geschieht nicht ganz ohne Zusammenhang, auch wenn es schwerfällt, an diese Ausraster das letzte Maß anzulegen, wenn es so eins denn gäbe. Was wir auch sehen, ist, wie das sogenannte reichste Land der Erde in die Kniee gezwungen wird, und wie die allerorts beliebte und kopierte amerikanische Tinsel-Show in einem Blackout des Weißen Hauses kulminiert, wo sich der Führer, dem die Führung entglitten ist, in einen Sicherheitsbunker flüchtet, von wo aus er weiterhin die Hunde auf die Feinde hetzt. Nun hat dieser berühmte Virus allerdings alles Mögliche in Bewegung gebracht, das kann man nicht leugnen. Wir werden auch die begeisterungswürdigen Resultate der Schöpfungskraft, die hier entladen wurde, lange zu sehen und zu hören bekommen. Aber wie das so ist mit den unterirdischen Bollwerken, dass man erst am hellen Tageslicht sehen kann, was alles mitbefördert wurde. Jetzt kann man nur weiterhin mit Lupe und Kompass leben, und von mir aus kann sich jeder jederzeit zu den Zeugen und Zeuginnen zählen, die gekommen sind, um sich auf eigene Weise an dem Spiel zu beteiligen, das im Zimmer genauso stattfindet wie im Gehäuse ferner Dschungel. Immer aber wird es darauf ankommen, wie, wo und weshalb jemand irgendwo unterwegs ist.
If you are the dealer, I’m out of the game
If you are the healer, it means I’m broken and lame
If thine is the glory then mine must be the shame
You want it darker
We kill the flame
Magnified, sanctified, be thy holy name
Vilified, crucified, in the human frame
A million candles burning for the help that never came
You want it darker
Hineni, hineni
I’m ready, my lord
There’s a lover in the story
But the story’s still the same
There’s a lullaby for suffering
And a paradox to blame
But it’s written in the scriptures
And it’s not some idle claim
You want it darker
We kill the flame
They’re lining up the prisoners
And the guards are taking aim
I struggled with some demons
They were middle class and tame
I didn’t know I had permission to murder and to maim
You want it…
Hineni, hineni
I’m ready, my lord
Magnified, sanctified, be thy holy name
Vilified, crucified, in the human frame
A million candles burning for the love that never came
You want it darker
We kill the flame
If you are the dealer, let me out of the game
If you are the healer, I’m broken and lame
If thine is the glory, mine must be the shame
You want it darker
Ach ja! Was für ein Jammer! Geisterhaft ziehen Maskierte durch die Straßen und Hallen und Heime, eine seltsame Gewöhnung setzt ein, das Ding hängt am Kinn oder am Ohr, man denkt, man hat es auf, aber hat man gar nicht. Man wirft einen Blick in die Welt, ach immer noch, und wie lange noch, dieser amerikanische Präsidenten-Trampel, wie peinlich weit das gehen kann. Und wieder ein totes Tier auf der Fahrbahn, ach nein, es war ein schwarzer Mensch, man hat ihn verwechselt, jetzt ist er tot. Nun ist man fast froh, wenn Menschen sich zu Protesten versammeln, ein schwarzer Moderator von CNN ist den Tränen nah. Er hat eben diesen Job, sagt er, das gibt ihm eine gewisse Sicherheit, doch da draußen wird weiter hautfarbengemäß gemordet. Die Masken haben auch nicht zu einem glanzvollen Maskenball geführt, das Tanzen fällt schwer, wenn man Angst hat, und, wie man sieht, tragen auch die Götter die Maske, vielleicht nur in eines Menschen Kopf, um sie, die Maske, attraktiver zu machen, dabei kann das Verordnete nicht wirklich attraktiv sein. Die Sprache der Augen nimmt einen neuen Raum ein. Und wirklich, es ist Samstag, ein Hauch von Sommer, nachlassende Einkaufslust wegen der Mühen ist zu spüren, viele sind wieder unterwegs in Nebenländer, hinweg mit Euch, über die Berge, zu weiteren Maskierten, warum nicht. Noch kann sich jede/r d e m widmen, was er oder sie am liebsten tut. Man kann tief durchatmen, den Stift in der Hand, und nach kurzem Flug eine architektonisch vollkommene Struktur in den Sand einer Wüste legen. Alles besteht vor allem aus Säulen, hochangelegte Gehsteige ragen zwischen den prachtvoll schlichten Treppenformationen, den Podien aus uraltem Stein, die sich weit in jede Richtung erstrecken, das sanfte Licht der schattenspenden Baldachine widerstrebt dem abstrakten Ansatz mit einer großzügigen Zärtlichkeit undsoweiter. Viele kommen und gehen, um sich dort auszuruhen, oder einfach nur, um uneingeschränkt da zu sein, wo sie sind. Täglich kommt dorthin auch eine Frau und verbringt Stunden, auf ihren Stab gelehnt. Man will mit ihr reden, aber sie schweigt. Es vergehen Jahre. Sie schweigt. Man hält sie für taubstumm. Doch es kommt ein Tag, da lehnt sie sich vorwärts. Man erwartet eine Art Wunder, eine Prophezeiung, einen Hinweis auf Weiteres, eine lebensfördernde Eingebung. Es versammeln sich Lauschende, denn man weiß intuitiv: sie wird sprechen. Tut sie auch, und, wie schon erwähnt, lehnt sie sich langsam vorwärts, und zum Erstaunen aller sieht man folgende Worte aus ihr herausströmen. Sie sagt: „Schwappt nicht mit euren ungelegten Eiern in mein Quartier!“ Das Schweigen erreicht seinen tiefsten, dunkelsten Ort.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es in ziemlich vielen Gehirnen rumort um ein Genug! herum, vieles kann einem vorkommen, als würde es durchaus auch ein Genug verdienen. Das viele ‚Dürfen‘ zum Beispiel, hurra, wir dürfen jetzt wieder raus, oder nach Holland, oder wieder im Stau das Vertraute einatmen, oder auch das sich Drangewöhnen an das Unannehmbare. Genug! heißt ja einerseits, dass man alles hat, was man braucht, doch es bedeutet auch eine Grenze, die man spürt, wo man nicht mehr mitmachen will. Oder man will nicht mehr hinschauen, zum Beispiel auf die Schweinereien in den Fleischfabriken, oder die am Hungertuch nagenden Prostituierten, oder geistig auf die Milliarden starren, die in die Sklavenmärkte fließen, da hat man weder die gequälten Tiere bedacht noch die immer noch verheerenden Zustände um Leben und Sterben der Flüchtlinge herum. Die Millionen von Toten, die weiterhin dummen Kriegen zum Opfer gefallen sind, und immer noch gehen alle hin und werden auch weiterhin hingehen. (Peace!) ‚Genug‘ heißt auch, dass es reicht, es reicht einem, die aus den Normen herausgehebelte Corona Dampferfahrt, wo sich langsam aber sicher die verschiedensten Boote abseilen und eigene Fahrtrichtungen ansteuern, neue Ideen, neue Konstrukte. Wo schauen, wo fühlen, wo handeln. Oder vielleicht einfach da sein, bis Berührtes sich meldet, dann schauen, dann handeln. Oder nur das Schauen, das kann auch handeln. Nie wird man dem Leid gerecht. Es ist die tiefe Betroffenheit des schwarzen CNN Moderators (z.B.), dessen Stimme zittert, als er seinem weißen Freund, den er zu diesem Interview eingeladen hat, erzählt, was er fühlt, wenn schon wieder ein Schwarzer von Polizisten getötet wurde, ohne dass es nur einen einzigen Beweis für seine Schuld gab. Ich kenne Amerika noch, als die Sitze für Weiße und Schwarze getrennt waren. Auch war es durchaus ein Wunder, dass Barack Obama der Kreuzigung entgangen ist, obwohl Trump noch jetzt oder gerade jetzt alles versucht, um sein Feindbild zu beschmutzen. Trotzdem hat sich nicht viel verändert. Dass es einem als Individuum reicht, ständig konfrontiert zu sein mit diesem unlösbaren Menschenrätsel, kann jeder verstehen. In der Ohnmacht zieht sich der Blick zurück in den Zufluchtsort. Wer sich da auskennt, kann ordnen und ausloten. Der Raum kann einem vorkommen wie ein offenes Geheimnis. Man kann die Bürde sortieren, die für einen tragfähig ist. Der Reichtum des Daseins an sich kann sich ausdehnen, Meisterköche entstehem, Gartensitzer/nnen, Staunende. Diese international geschätzte Gelassenheit kann sich zwar vom Überdruss und den vielen Launen nicht nähren, dafür aber von nüchterner Freude, von dunklem und hellem Humor, von der Bereitschaft ‚zu sein, was man ist, und zu geben, was man hat‘ (R.A.?) Immer wieder spricht einen die Liebe an. Sie soll ansteckend sein.
Schauen ist schön. Gibt es
Schöneres als schauen?
Für den Schauenden ist
Schauen das Schönste.
Noch schöner kann natürlich
das Schauen mit anderen
Schauenden sein. Auch mit
anderen Nicht-Schauenden
kann schauen ganz gut sein.
Mit geradezu verblüffender Konstantheit kommt in den letzten Tagen das Thema ‚Bill Gates‘ auf mich zu. Zuerst war es ein Video zweier Mädchen, die sich über Gates aufregten und in ihren Kreisen zum Boykott gegen ihn aufriefen, weil er als Erster aussprach, dass es mindestens eineinhalb bis zwei Jahre dauern würde, bis ein Impfstoff gefunden, bzw. genutzt werden könnte. Die Schülerinnen fühlten sich dadurch in ihrem Lebensgefühl gebremst, was ja stimmt. Die Bremse ist sozusagen über die Welt hereingebrochen und noch weiß niemand, was die Folgen dieses Bremsklotzes sein werden. Man könnte es auch so sehen, dass der ganze Planet automatisch in den Sog der Bremsung gezogen wurde, und es kommt nun darauf an, was alle in der leerlaufenden Zeit gemacht haben, die einem Schock meistens folgt. Wenn alles wieder langsam anläuft, also vor allem die Bewältigungsstrategien der Krise, wird man sie fortan jahrelang zu Ohren bekommen, wie halt jede/r diese Auszeit erlebt, durchlebt und belebt hat. Es wird neue Fäden geben, die neue Muster gebären und neue Konstrukte und Geschichten und Märchen. Ach ja, Bill Gates. Es ging mir ein bisschen s o wie in Indien, als ich mich auf einmal dabei beobachtete, mich für die Muslime einzusetzen, um dem Ansturm der Vernichtungsgelüste gegen die Muslime Einhalt zu gebieten, zumindest in meiner Gegenwart. Früher musste ich so manchem Hindu erklären, dass Hitler eben kein Gottessohn war, den nur (ihrer Meinung nach) ein Gott befähigen konnte, ein ganzes Volk auszulöschen. Das hat Eindruck gemacht, wenn auch einen verheerenden. So höre ich mich gerade öfters sagen, dass Bill Gates, steinreich, wie er nun mal ist, wenigstens ein paar Millionen in d a s investiert, was ihm investierträchtig vorkommt, und klar, werden dann viele unterwegs zu Sklaven, weil Kohle einfach Macht hat. Aber dass es ein Gerücht im Umlauf gibt, Bill Gates hätte illegal Frauen in Indien und Afrika zwangssterilisiert, darüber darf ich mich nicht empören, weil das auf jeden Fall Gerüchte sind. Wahr bleibt, dass eine derartig, auf welche Weise auch immer, geraffte Summe eines einzigen Paares an sich schon das Problem darstellt, in dem die vielen notwendigen Fragen schlafen, die keiner erwecken will. Frau Merkel (persönlich) will Waffenexport und Kampfjets etc.? Niemals. In einem derartig eklatanten Kapitalismus sind alle auf die eine oder andere Weise…nun kann man es einerseits begünstigt nennen, und andrerseits kann man es versklavt nennen, es kommt auf die Wahrnehmung an. Auch kann man gerne mal s o oder s o draufschauen, denn die fixierten Meinungen haben sich auch haufenweise erschöpft, und man freut sich ja gerne über jeden Überlebenden, auch unbekannterweise. Wenn nun die neue Angstwelle in Fahrt kommt, das Konstrukt dieses Systems könnte tatsächlich zusammenbrechen, und, sagen wir mal, es würde tatsächlich sehr abgründig werden, dann könnte man, nur zum Beispiel, die Grundfesten des demokratischen Systems ins Licht treten lassen und sich, eben e i n e n Schritt davor, auf sich selbst besinnen und dafür den angemessenen Umgang finden. Ich selbst werde dann, oder vielleicht mache ich das gleich jetzt, den Namen ‚Gates‘ in ’sich öffnende Tore‘ umpolen, durch die etwas frische Luft weht.
Fakt ist, dass viele Menschen in dieser Krise aus ihrem, heißt: unserem Wissen gerissen wurden, heißt, die Schwerpunkte wurden eindeutig verlagert, bis die globale Unruhe wieder zum Individuum zurückmutierte und sich Meinungen in Reflektionen verwandeln konnten, aber nicht mussten. Es ist ja nie leicht, sich längere Zeit in einem wachen und klaren Zustand aufzuhalten, was auch nicht meint, man müsse einen fröhlichen Menschen darstellen oder was auch immer, sondern man kann dann besser erkennen, was ist. Den Grashalm, den Menschen, das Tier. Und überall kann man sich irren beim Nachdenken über die lebendige Welt. Aber es kommt trotzdem auf jeden an, es kommt auf mich an, nicht in einem egoischen Sinn, sondern dann gibt es nur einen oder eine mehr, von dem man sicher sein kann, dass er oder sie nicht unterwegs ist, um Schaden anzurichten. Oder der Schaden, der angerichtet wurde, wurde einem bewusst und man weiß nun eher, wann das geschieht und kann sich einschalten in das Geschehen. Eines der mitlaufenden Themen in den vergangenen, reichlich surrealen Wochen war ja der neue Schwung in die Verschwörungstheorien, belächelt, ja, aber wohl auch gefürchtet wegen dem mächtigen Unfug, den sie in den Köpfen entfachen können. Auch im indischen Schöpfungsepos gibt es einen Narren, der unter den Göttern beliebt ist für seine Unterhaltung und sein Spiel (auf der Vina), der aber auch lustvolle Intrigen spinnt, die gewaltige Auswirkung haben. Aus keinem ersichtlichen Grund verzögert er z.B. das Erscheinen von Brahmas Frau bei der wichtigsten aller brahmanischen Zeremonien, wodurch sie zu spät kommt, und er, gebunden an die Präzision des Ablaufs, eine andere Frau an ihren Platz setzt. Man muss ja nicht alles, was auf einen zukommt, verstehen, obwohl man es manchmal in anderem Kontext noch tiefer verstehen kann, als es selbst gemeint war zur Zeit des Enstehens. Denn Geschichten entstehen in unermüdlicher Abfolge, und man kann sehr wohl mal den aufreibenden Moment erleben, wenn man versucht, irgend etwas zu entdecken, was nicht in eine Geschichte eingebettet ist. Ein Ort, wo das System sich erledigt, was nur möglich sein kann, wenn das Wissen, das sich im Bewusstsein verankert hat, sich auf einmal selbst enthebelt und man sich trennt von den Märchenbüchern, bevor man eines Tages wieder in ihnen blättert und sich an so manchem Geist erfreut. Überall da, wo die Qualität des Auftrags mit Einsicht und Konzentration durchgeführt werden konnte, damit man das Feld durchkämmt und es erkennt als die potentielle Leere, in der sich das Schauspiel entfaltet, wie es will und wie es kann. Wenn nur noch der Nu bleibt mit seinem es ist, was es ist. Es kommt einem dann zuweilen recht einfach vor. Wenn man das, was einem guttut, auch kennt und es zulässt und umsetzen kann. Und nein, ich glaube nicht, dass Bill Gates, wie es mir am Telefon verkündet wurde, illegal in Indien und Afrika Frauen sterilisieren lässt undsoweiter, obwohl ich mir vorstellen kann, wie verdammt schwierig es sein muss, eine derartig angehäufte Geldmasse zur Zufriedenheit aller unters Volk zu bringen. Es ist gesund, wenn man weiß, was man für ein Gerücht und was man für eine glaubwürdige Nachricht hält.
Immer mal wieder tauchen im Sprachgebrauch eines Landes neue Worte auf, die entweder plötzlich durch Umstände ins Licht der Aufmerksamkeit rücken, oder leicht missverständliche Modeschöpfungen sind wie „geil“ zum Beispiel, wo man sich fragen konnte, wie weit wohl der Weg war zur Deutung von „prima“. Dann wieder waren Neuheiten wie ‚Lockerungsdiskussionsorgien“ aus dem Mund der Kanzlerin erheiternd (wenn man es so empfand), und kurz danach kann man die ‚Diskussion‘ als Mitte dieses Wortes schon weglassen, denn Phase II nähert sich seinem natürlichen Ende, und die Lockerungsorgie an sich tritt in Erscheinung, und vielerorts werden auch Masken-und Distanzmaßmahmen gelockert werden, wodurch eine neue Angstwelle zu erwarten ist bei denen, die das ängstigt. In Phase II, jetzt immer entlang der Corona Dampferfahrt, hatte man ja die außergewöhnliche Gelegenheit, mit so ziemlich jedem Menschen, den man traf oder mit dem man über das Netz kommunizierte, eine Menge durchkontemplieren zu können, und ja, das Neue: dass mal keiner es besser wusste als der andere, und man somit an das Fenster der eigenen Monade zwar nicht gebunden war, aber doch angeregt durch das Welttreiben, gefiltert durch einen Virusauftritt. So viel unerwartetes Menschenwerk kam zum Zug, und wie viel Erleichterung liegt nun auch in den letzten Lockerungen, wie ein Zirkusartist es in den Nachrichten ausdrückte: gut, die Leute saßen im Autokino, aber sie, die Truppe, performte live, und wie glücklich er klang, wieder zum Geruch von Manege und Puder zurückzukehren, zusammen mit den anderen Kollegen. ‚Systemrelevantes‘ Glück, kann man das sagen? Noch nie habe ich das Wort so oft gehört oder gelesen wie zur Zeit und wollte mal schauen, was es mir sagt. Es bedeutet ja einfach, dass etwas für ein System bedeutsam ist. Während der Krise aber ist es aus wirtschaftlichen Gründen in den Sprachgebrauch gerückt, weil es Unternehmen gibt (wie Lufthansa usw), bei deren Wirtschaftskraft es sich ein Staat nicht leisten kann, sie scheitern zu lassen. Also eine Art systemrelevantes Sklavenverhältnis, dessen durchtriebener Bedeutsamkeit sich auch der kleine Bauer (auf dem Schachbrett) nicht entziehen kann. So hat natürlich auch jede/r BürgerIn die potentielle geistige Freiheit, sich von einem Wort angesprochen zu fühlen und es unter frischen Bedingungen in die persönliche Schatztruhe zu legen, oder ab damit in die inneren Archive, wo durch regelmäßige Entstaubung darauf vertraut werden kann, dass die Worte sich melden, wenn man nach ihnen sucht oder sie ruft. Finden kann man sie natürlich nur, wenn man sie wirklich in sich aufgenommen hat, die poetisch wärmenden und erweckenden, die durch dunkle Gewichte erschreckenden, die stocknüchtern wohltuenden, die, die zuweilen die Tiefe des Wesens erreichen können, wo etwa der verzweifelte Ruf einen Anderen herbeiholt, der oder die sich mit menschlichen Tonarten auskennt und sie unter günstigen Bedingungen für einen in eine bedeutsame Resonanz bringen kann, da nämlich, wo man alleine nicht kann. Und dann: hat es uns das Virus und seine vielfältige Wirkung nicht ermöglicht, etwas näher, eben s o nah, wie wir können, an unser eigenes System heranzurücken, oder auch von innen her auf es zu schauen, um vielleicht zu bemerken, wie ganz und gar irrelevant so manches Welttreiben auch für uns selbst ist, und dass das Tröpfchen Wahrheit der Anderen nicht immer ausreicht, um den eigenen Ozean in gutem Schuss zu halten, also auf die unauffälligen aber systemgefährdenden Plastikteilchen, vor allem die ganz winzigen, achten, damit der Grund des/r Wesen/s nicht völlig zerstört, beziehungsweise fremdbestimmt wird.
Ich will nicht sterben. Ich will nicht sterben. Ich wiederhole es so lange, bis ich todsicher bin, dass ich nicht sterben werde, noch glaub‘ ich nicht dran, aber was nicht ist, kann noch werden, Wörter bewirken, was sie sagen, weiß jedes Baby. Sterben klingt gleich so bedeutend, ich will nicht totgehn, ja, das gelingt mir schon eher, lieber kleine Brötchen backen, klein anfangen, Kindersprache. Ich will nicht totgehn, pausenlos muss ich es aufs Tapet bringen, mir wieder und wieder hervorholen aus dem tiefsten Hirnwinkel oder Herzensversteck, damit es sich wie eine Spitzmaus durch alle Hindernisse hindurchnagt bis zum Knochenmann persönlich und dem dann den Schädel abreißt, wie wir Schulkinder früher dem Nikolaus aus Rosinenteig den Kopf. Der war als erstes weg. Ichwillnichttotgehn. Genug Magie, die Buchstaben sind vollgesogen mit Aura, da witscht niemand mehr durch. Man kann wieder Lücke lassen: Ich will nicht totgehn…. Ich doch nicht, I c h w i l l n i c h t s t e r b e n, andere jederzeit, stundenlang, aber ich jedenfalls will nicht sterben, wer bin ich denn, ich bin doch eine, die an Friedhöfen vorübergeht, nicht eine, die da liegt, das sind doch Wildfremde, man hat immer genug von ihnen, sollen sie ins Gras beißen, jede Kuh kann das. Ich und sterben. Ich werde ja schon nicht alt. Keinen Fitz älter bin ich geworden, seit Jahrzehnten, sagt jeder, find‘ ich auch, gerade gestern rief mir jemand nach: “ Das ist kein Fahrradweg, junge Frau“, ich? , na, dann brauche ich auch nicht zu sterben, ich bin immer so jung wie immer schon, nie und nimmer alt, also auch nicht tot, ich sterbe nicht, übrigens sterbe ich nicht, das muss man sich mal vorstellen. Ich sterbe nicht aus dem einfachen Grund, dass ich nicht sterben will, wer will das schon, aber ich will es wirklich nicht, und wenn ich etwas wirklich nicht will, haut das den stärksten Kerl um, und soviel stärker ist der Tod dann auch nicht. Wie zaghaft er sich ranmacht an gewisse Leute, wieviel er auf die lange Bank schiebt, natürlich schlägt er immer mal wieder volle Pulle zu. der Angeber, aber das ist auch nicht die Welt. (…)
Dieses Buch ist so angelegt, dass die Zeilen nicht zu Seiten führen, sondern jede einzelne Zeile führt waagrecht durchs ganze Buch. Die Zeilen dieses Textes oben gehen über rund 30 Seiten hinweg.
Das Virus ist ja auch kein schlechter Lehrer, obwohl kein wirklich guter Lehrer eine Angstschneise in die Völkerbahnen hineinfahren würde wie dieser Blindgänger, der gar nicht sehen kann, was er anrichtet. Es ist auch nicht einfach zu verstehen, was er oder es anrichtet, und der mühselige Weg über den Lernzwang, eben, wenn der Lernantrieb nicht freiwillig ist, sondern das Leid über die Menschen hereinbricht wie eine Welle, dann ist dieser Weg oft mit Unwillen und Widerstand begleitet. Oder wie jedes Unglück und jede Katastrophe, wenn erst der Schock einbricht, dann langsam der lange Prozess des Zurechtfindens mit den sich stark veränderten Gegebenheiten in Gang kommt. Ich wusste tatsächlich nicht, wie viele Grippetote es jährlich allein in Deutschland gibt, oder kannte nicht die hohen Todeszahlen der Diabetiker/nnen oder AsthmatikerInnen, oder Suizide, oder HerzinfarktlerInnen undsoweiter. Man staunt ja eher, dass überhaupt hier und da jemand übrigbleibt, der sich nicht stark medikamentiert durch die satten Jahre bewegt hat. In Indien ist durchweg für viele Menschen das Kranksein so gut wie tot sein, und dann das Totsein auch noch extrem teuer für die Hinterbliebenen. Wie viele Tote also jederzeit, wurde oft in der ersten Phase der Coronazeit gefragt. Da bauscht jemand, wurde gemeint, den Virus zu einer Macht auf, wie jeder andere Virus sie auch hat, fragt sich nur wer da warum aufbauscht. Und dass das neue Etwas ein Killer ist, war auch allen klar, ebenso wie die anderen maladiösen Schwergewichte auch Killer sind, wenn man nicht den richtigen Stoff für bzw gegen sie hat. Ich denke gerade: ’schau doch mal nach‘, und sehe, dass letztes Jahr (2019) 879 959 Menschen in Deutschland gestorben sind. Erstaunlich auch, dass es hier diese klare Zahl gibt, denn jede/r Tote wird gezählt, während zB. in Indien ja, jede/r Einzelne im Kreise seiner oder ihrer Familie sicherlich was zählt und gezählt wird, aber die ungezählte Totenanzahl muss erschreckend hoch sein. Was war das am Anfang also für eine Erwägung im Sinne, jetzt macht doch (wer auch immer gemeint ist) doch nicht so einen Zirkus um dieses Virus, wenn er es noch nicht einmal geschafft hat, die Zahl der jährlich Toten (5,4 Millionen weltweit) zumindest einzuholen, damit der Anspruch auf Macht und Wirkung gerechtfertigt sei. Also ich bemerke, es ist genauso schwer, die Realität des eigenen Todes ins Auge zu fassen, nicht nur flüchtig, sondern auch mal mit Tiefgang, denn ja, das wird nicht nur kommen, sondern jederzeit kann es kommen, und in welchem Verhältnis zur Qualität der Lebenszeit steht dieses zu akzeptierende Wissen, bei dem es keine wirklichen Varianten gibt durch die Tatsache, dass tot einfach tot ist, eben eine der wenig unbedingt zu akzeptierenden Realitäten, auf die man sich verlassen kann. So sterben viele, sehr viele Menschen täglich an Corona, und die Angehörigen können nicht zu ihnen kommen. Insofern ist das Virus ein Lehrer, dessen Fach der Tod ist. Und zum Glück, das fällt bei mir gerade so ein, ist der Tod kein Meister mehr aus Deutschland, obwohl der Tod auch da ja gar nicht der Meister war, sondern es waren Menschen, die das Morden des Menschen durch den Menschen zur Meisterschaft erhoben haben, beziehungsweise erniedrigt. Gerne hat man noch Lernzeit.
Menschen allerortens sollen Kisten vor ihre Türen gestellt haben mit Dingen, die sie bereit sind, wegzugeben. Es sollte auch heitere Gesetze geben ohne Anbindung an Religion und Gutseinszwang. Für sich selbst natürlich schon wissen, was gut und was nicht gut tut. BürgerInnen könnten also alles, was sie wirklich nicht mehr brauchen, vor die Tür stellen, aber ich merke, das gibt es auch schon. Nur haben viele Menschen zur Zeit mehr Möglichkeiten, sich mit d e m zu beschäftigen, was schon lange in ihnen herumkreist, und jetzt gibt die Virus-Blockade einen Schub, günstigerweise da, wo so ein Schub hilfreich ist. Oben im Bild sieht man eine Scherbe aus einer der drei Kisten, die ich bisher in der Corona-Krise leeren konnte, und das ist, was noch übrig blieb, die Füße mit dem Nagel drin, ein Fund bei einer Haus-Renovierung. Ob es wohl noch Christen gibt, die froh sind, dass er nach dieser Tortur endlich in den Himmel fahren konnte, ich weiß es nicht. In der neuen, globalen Bedenkzeit hat man auch Chance, herauszufinden, was einen Klang in einem erzeugt und was nicht. Ich habe auch schon den Schmerz als eine reife und reifende Erfahrung erleben können, und selbst der Grundton der Freude kann immer mal wieder neu ausgelotet werden. Wenn das Spiel vehement unterbrochen wird von einem Störfaktoren, der uns alle auf die eine oder andere Weise betrifft, bleibt nichts anderes übrig, als sich zu fragen, was m i c h eigentlich betrifft und die Anderen um mich herum, was wiederum den Blick erzeugt, mit dem ich die Welt sehe, und auf den die Welt auch reagiert. Vor allem, wenn die Sprache hinter den Sprachen sich noch ausdrücken lässt oder kann. Obwohl der Schmerz tiefer zu dringen scheint als die Heiterkeit, ist die tiefe Freude weniger sichtbar und oft auch schwieriger zu erreichen, da sie so sehr im Ungewissen gehalten werden muss, nämlich, was jeder Mann und jede Frau und jedes Kind und jedes Tier darunter versteht. Bedenkzeit also, frei ins Haus für alle. Was ich an den Katastrophen der Flüchtlinge und der Naturkatastrophenopfer, wie zum Beispiel gerade in Kalkutta, so schrecklich finde, ist diese Entwurzelung aus den Ecken des Daseins mit den paar Dingen, die diesen Betroffenen vertraut sind. Ich war in Indien in vielen Hütten von sehr armen Menschen, aber alle hatten eine angenehme und warme Atmosphäre: die Feuerstelle, wo man herumsaß und auf den Tee wartete, die Matratzen zum Ausruhen und Schlafen. Auf jeden Fall auch die e i n e Metallkiste, wo die Dinge gefaltet wurden, die man nur manchmal trug, zu Hochzeiten und Trauerfeuern. Dann alles weg und da, wo man hingehen kann oder muss, will niemand einen haben, denn man ist eine Belastung. Später hört man oft, wie schlecht es ihnen tatsächlich geht. Aber manchmal kommen die untragbaren Zustände ans Licht, eben durch so einen Virus, der plötzlich erscheint und Antrieb und Auslöser ist für Bedenken. Das gibt es ja bereits für die Fleischfabriken, durch die Ansteckungsgefahr entlarven sich die Systeme. Wie man sich vorstellen kann, sind auch Bordelle stark betroffen durch die kaum durchzuführenden Maßnahmen. Wie wär’s, wenn die Bedenkzeit genutzt werden würde für einen Systemwechsel. Man ist ja nicht naiv genug zu glauben, dass etwas , was sich so lange als das sogenannte Normal durchsetzen konnte, verschwindbar gemacht werden wollte von denen, die es wollen. Sklavenmarkt, G5, Frauenhandel etc, aber Eindämmung des Übels wäre schon hilfreich. Das Augenmaß an den Darknet-Systemen mal schärfer angelegt.
Tag des Ozeans oder Tag der Orange, oder Tag des Salamanders, ganz wie man möchte. Oder der Tag, an dem alle wieder im Stau stehen, oder vielleicht doch ein paar weniger als sonst, oder Tag der Rückkehr zur Meeresverschmutzung, oder Tag der guten Nachrichten. Ja, es gibt sie, es gibt sie immer, sie begleiten das Weltgeschehen genau so unermüdlich wie die schlechten Nachrichten, und warum sollte es gerade hier nicht auch auf die Wahrnehmung ankommen, beziehungsweise eine angemessene Auslotung zwischen Dunkel und Hell. Man kann sich ja mal überlegen (Hand am Steuer, Kompass im Auge), was die Menschen gemeinsam haben könnten, von denen man munkelt, sie seien ‚durch‘ und befänden sich auf freier und ureigener Bahn, prekäre Begriffe von etwas, von dem keiner Kunde hat, bis er oder sie selbst Kunde ist. Und was weiß man dann schon von jemandem, als dass (vielleicht) wieder einer es geschafft hat, sein Ich über den Abgrund zu transportieren. Oder sollte es gar nicht mitgebracht werden, ja hallo, dann hält man wohl Ausschau nach dem Tor, an dem man es abstellen kann, wenn es sich denn abstellen lässt. So einfach ist es dann auch wieder nicht, dass man es einfach irgendwo abstellen kann, als könnte die kosmische Müllabfuhr gerufen werden. Ein türkischer Fahrer schaut heraus und sagt, aber das bist doch du, die Grenzgängerin aus Deutschland usw. Jeder muss das für sich selbst lösen, ebenso wie die Maskenpflicht und die Virenangst und die Daseinsfreude. Kein Zweifel: alles, was der Geist fassen kann, ist gleichzeitig. Das kann leicht überfordern, wenn man den Begleiter, der man ist, gar nicht wahrgenommen hat, sich um ihre Zartheit gekümmert, um ihren berechtigten Zorn, der hineinhallt in die Plastikmeere und dort zusammen mit den Fischen erstirbt. Ich denke, dass alles, was ins Leben gerufen wurde und wird, ein gleiches Recht hat auf seine oder ihre Existenz. Unantastbar in der Tat auch die Würde der Tiere und überhaupt der organischen Welt, und wie konnte es dazu kommen, dass in ihr um alles derart geschachert wird, als ginge es auf der Erde vor allem um einen gefährlichen Raubzug, so ist es ja auch. Genauso wenig wie man einem Räuber raten kann, nicht zu räubern, so kann man nur dem eigenen Räubern Einhalt gebieten und nicht so tun, als wäre billiges Fleisch eine normale Sache und man hätte nie von schweinischen Zuständen in Massentierhaltungen gehört. Ist man denn wirklich, was man isst?, und dann noch mit Schmerz und Qual und Todesangst und Hormonen, alles frei geliefert im Fleisch.Die guten Nachrichten kommen aus Indien, wo sie bitter nötig sind, denn es schmerzt weiterhin, ein Land, wo sich der Geist lange Zeit so pudelwohl fühlte, zugrunde gehen zu sehen. Wenn eine einst hohe Kultur im Sterben liegt, das geht doch nicht einfach an einem vorüber, vor allem, wenn man als Fremdling das Glück hatte, in ihre Geheimnisse eingeweiht zu werden, aus Liebe für sie, und aus Achtung. Nun haben die Hindus klar gemacht, dass ihnen die Muslime im Weg sind, dann…hier der neue Satz: …dann kam Corona…Corona kam und veranlasste Tausende von Arbeitern, ihre Arbeit gekündigt zu bekommen, über Nacht, einfach so, weg mit Euch. Dass sie auf leeren Straßen dann zu Fuß versuchten, nach Hause zu gelangen, bis zu 1000 km weit, kein Laden war irgedwo geöffnet. Gestern habe ich eine Mail bekommen von einem Mann, der zufällig vorbeifuhr an solch einem endlosen Zug, und er berichtete, dass jetzt alle Arbeitswanderer genährt und mit Wasser von der Bevölkerung versorgt werden, ob sie nun Muslime, Christen oder Hindus seien. Man will die Not nicht, aber manchmal bleibt sie das letzte Mittel, das Herz zu bewegen, das ist schon viel wert.
Manchmal überlege ich mir, ob ich manchen meiner Bilder einen Titel geben soll, damit der potentielle Kreis der Wahrnehmungsmöglichkeiten zumindest etwas eingeschränkt wird, natürlich vorausgesetzt, die Frage ‚was sehe ich denn da?‘ taucht überhaupt auf. Würde ich wiederum z.B. diesem Bild oben den Titel ‚Echsenmensch‘ geben, wäre der Blickwinkel stark eingeschränkt, obwohl es zu einer klärenden Sicht kommen könnte. Aha also, ein Echsenmensch! Ich habe mich selbst gefragt, ob die hirnrissige Meinung, unter uns lebten Echsenmenschen, die den Planeten an sich reißen möchten, in meinem Unterbewusstsein etwas ausgelöst hat. Vielleicht war es das Unverdauliche, das im momentanen Nebel der Verschwörungstheorien durch die Nachrichten ging, und, kaum zu glauben, wurde Angela Merkel in diesem Kreis als Reptiloidin erkannt, worüber man nicht weiter nachdenken muss, eher eine der Grenzen des Denkens erkennen. Wenn etwas vollkommen absurd wird, kann man es leichter lassen, als wenn noch ein Tröpfchen Wahrheit dran hängt. Bei solchen Gruppierungen wie die von Hitlers Attentätern muss man davon ausgehen, dass an ihnen noch ein Tröpfchen Wahrheit hing, der immerhin zu einer Erkenntnis reichte, auch wenn das Ziel nicht erreicht wurde. Es fand auf jeden Fall eine tiefe Verwandlung statt in diesen paar Geistern, und dass sich überhaupt eine Gruppierung fand, die im Angesicht des Irrsinns den Mut hatte, der Vernichtungsmaschinerie ein Ende setzen zu wollen, das ist beachtlich, und gerne wüsste man, wie sie sich über diesen Weg verständigt hatten, und wie es klar wurde, dass ihre Gedanken in diesselbe Richtung gingen. Es ist ein erschreckender und tiefgreifender Prozess, sich einer Gehirnwäsche bewusst zu werden, also dass man teilnahm an einem Gedankentum, dessen Inhalt und Substanz man eine Zeitlang für möglich hielt, oder die Macht und Anerkennung des Dabeiseins war so groß, dass man sich verführen ließ zu glauben, statt selbst zu reflektieren. In Indien musste ich mich eines Tages, bzw. über Jahre hinweg unermüdlich entscheiden, dass ich kein Recht habe, einem Menschen seinen Elefantengott wegzuanalysieren, wenn es unauslöschlich in das Blut geschrieben ist, dass dieser Gott einst lebendig auf der Erde weilte und alles tat, was man nachlesen kann, denn es wird sich wenig an den Anekdoten ändern, da absolut unglaubwürdige Geschichten die Säulen der Gläubigen darstellen. Im indischen Schöpfungsepos rastet die Frau des Schöpfers einmal aus und mit vor Wut glühenden Augen verflucht sie die anwesenden Götter und dampft ab auf den naheliegenden Berg, wo sie heute noch lebt. Ich fragte mal einen Brahmanen, ob der Fluch wohl eines Tages mal zu Ende ist, aber solche Fragen sind unerwünscht, denn sie rütteln an den Stäben, aber nicht wirklich. Es ist so, als würde man einen Christen fragen, ob die Story mit dem Apfel denn mal gegessen sei und ob man trotz verbotenem Wissen mal wieder zurück dürfte ins Paradies. Aber klar, hat Kain einmal Abel erschlagen, ist der Mord offizieller Teil der Geschichte. Dabei hätte es (hätte es?) jederzeit anders kommen können. Um Jesus zu retten, hätte Maria eine Amazonentruppe zu Hilfe rufen können, die auf dem Leidensweg dazwischenprescht und den verspotteten Göttersohn mitnimmt an einen sicheren Ort, von wo aus er dann nach Kaschmir gebracht wurde, wo ja heute noch sein Wirken bekannt ist und sein letztes Hemd hängt. Gut, wer weiß schon, wie das alles vor sich ging, gerne würde man einen Zeitzeugen fragen. Wegen der Unmöglichkeit dieses Vorhabens kehrt man zurück und wird sich der Historie des eigenen Aufenthaltes bewusst. Wir befinden uns also, wohlgemerkt: ohne Krieg, in einer derart großen Krise, dass niemand weiß, wie weit ihre Finger in unsere Zimmer hineinreichen werden. Aber es ist eben auch Frieden, und die Menschen kehren (maskiert und distanziert) zurück zum Vermissten.
Als das unsichtbare, aber wirkungsvolle Wander-Phantom sich im ersten Abschnitt seiner Route befand, konnte ich dem ungewöhnlichen, globalen Zustand etwas abgewinnen, denn hier konnte man statt dem öden ‚Immer‘ mal ein ‚Nimmer‘ erleben, denn selbst den hartnäckigen Immerianern wurde klar, dass dieser planetarische Vorgang eine Einmaligkeit hat und haben wird und wir uns wissensmäßig auf dem gleichen Nichtwissensplateau tummeln konnten, was ja durchaus auch eine gewisse Abenteuerfreude beinhalten kann, indem der Beobachter oder die Bebachterin, oder die Spielfreudigen, und selbst auch die Leidenden und Trauernden permanent in neue Situationen geschleudert wurden, die mal anregend, mal hilfreich oder beklemmend waren. Noch als die Meinungen sich zu festigen begannen, konnte man aufmerksam mittendurch surfen, mal hier einen strahlenden Himmel wahrnehmend in einem betäubend schönen Frühlingsausbruch, mal ohnmächtig an großen Toren des Menschenwahnsinns lehnen, wenn man bedachte, wie weit das schon alles vorangegangen ist, und wie sehr ein, wenn auch ersehntes, Zurück in das als wunscherfüllend geltende Normal auch ein Zurück ist in das große Krankenzimmer, in dem wir Patienten und Patientinnen bereits das Atmen übten, bevor der kleine Schleicher kam. Nun wird das Vor und das Zurück von den Individuen abhängen. Das, was wir gemeinsam als Masse darstellen, hat bekanntlich einen hohen Grad an Trägheit, da das beliebte ‚Geht doch! neben positiven Eigenschaften auch einen Widerwillen ausdrückt gegen das als doch gut funktionierend empfundene Lebensfeld. Die Gewohnheit des Differenzierens erlaubt einem eine gewisse Beweglichkeit. War man mittendrin mal nicht von etwas sturzbetroffen, konnte man sich kurz eine Vorstellung davon machen, wie es wäre, wenn wir mal z.B. alle zusammen schweigen würden, denn das wäre dann ja keine Gruppe oder Yoga Praxis oder so, sondern es wäre einfach mal ein paar Stunden sehr still, sozusagen ein geistiger Waffenstillstand. Ich entschuldige mich für den Schuß Naivität, der hier mit mir durchgegangen ist, denn so ein Quatsch!, und innen wäre ja nicht automatisch Waffenruhe, nur weil keiner was sagt. Bald müssten im einst spielerisch konstruierten Stillemonat berittene Polizisten durch die Straßen traben und Sprechenden ein Bußgeld abzapfen. SprecherzieherInnen würden in den Untergrund gehen. Eine Gilde der Sprachlosen würde sich formieren und um ihre religiösen Rechte kämpfen. Jedes Volk könnte bis zu drei Sprecherinnen wählen mit einem durchtrainierten Geist, die das Sprachrohr werden würden für das kollektive Unterbewusstsein. Man sieht, dass die Stories nicht wirklich Zuflucht bieten, auch wenn man sich nicht abhalten lassen soll, die eigenen zu gestalten. Oft oder lange hat man nicht m e h r als die eigenen Geschichte, bis auch die, so weit so gut, durchforstet ist, und das permanent Ungewisse, das es zu durchsteuern gilt, wieder die ganze Aufmerksamkeit erhält, die der Aktion des Daseins gebührt. In dieser Phase der Route heißt es aufmerksam sein. um die planetarische Zeugenschaft eines Vorfalls über den individuellen Weg zu erfassen und den Blick auf den eigenen Kompass nicht zu verlieren.
Es lässt sich nichts sagen, ohne dass es eine Person ist, die etwas sagt.
Man muss sich klar machen, dass die Vorstellung von etwas
Gegebenem und Existentem, eben dass schon der Verweis auf
eine Realität oder eine wie auch immer verstandene Wahrheit
unvermeidlich Sprache benötigt. Was immer man über diese
Wahrheit oder Wirklichkeit zu sagen vermag, ist stets auf die
Verwendung von Sprache verwiesen; das von uns angeblich
Unabhängige wird nur durch Sprache überhaupt beschreibbar;
es taucht erst in einem Akt der Unterscheidung in der Sprache
auf. Selbst wenn man meditiert und glaubt, man befinde sich
in einem Zustand reinen Bewusstseins, muss man sich gleichwohl
eingestehen: auch das Nachdenken über diesen Zustand bedient
sich der Sprache.
Sprache ist kein Gefängnis, sondern eine Form der Existenz, eine
Art und Weise des Zusammenlebens.
Da uns das Corona-Ereignis Tür und Tor geöffnet hat, uns je nach Einstellung und Befindlichkeit und Laune über etwas darin sich Bewegendes aufzuregen, konnte ich mich unter anderem auch darüber aufregen, dass einige der amerikanischen Stand-up Comedians, bei denen ich manchmal hereinschaue, ihre Late Night Shows, in denen die, die ich sehe, stets in angenehm dunklen Anzügen ihre teilweise exzellent dargebotene Performance offerierten, nun seit Wochen die ganze Show in ihren Häusern aufgebaut haben, auch wie wir nicht ahnend, wie lange die Fahrt dauern würde. Und nun sitzen sie da in ihrem Home-Dress, der sich in karierten Hemden definiert, und der Hund springt auf einmal herum, oder die Frau, die man gar nicht so dringend kennen lernen wollte, sagt auch mal was. Nein, sie sagte eben kaum etwas, sondern reichte ihm Postkarten, von denen er was ablas. Oder einer muss erklären, wo er im Haus denn sitzt und was das für Türen hinter ihm seien, oder warum der Stuhl im Hintergrund so klein sei. Das war ihm ja noch gar nicht aufgefallen. Und beleidigt wurde ein andrer auch ein bisschen, dass er beweisen musste, dass die Bücher, die auf einem Nebentischchen lagen, keine Attrappen seien, um den Eindruck fleißigen Lesens zu erwecken bei den neugierigen Zuschauern, sondern richtige Bücher. Und ihre Kinder, die da jetzt manchmal herumkrabbeln, will ich auch nicht unbedingt mitbekommen. Nicht, weil ich Kinder in bestimmten Kontexten nicht auch wunderbar finden kann, sondern weil ich die Heimstimmung mit dem Comedian und seiner Intimsphäre nicht zu teilen bereit bin, da ich wegen seiner Solo-Performance eingeschaltet bin. Kurz und gut, ich muss mir gestehen, dass ich in diesem Kontext gar nicht den persönlichen Menschen suche, sondern ärgere mich, dass sie alle auf menschlich machen, während die Exzellenz ihres Vortrags darunter leidet, finde ich, und vielleicht finde nur ich das so. Das Corona-Epos lässt ja in seiner Selbst-Findung und Gestaltung einiges Finden auch an sich selbst zu, deswegen gelingt es einem dann ja auch häufig, die Verstimmtheit vom Außen ins Innen zu lenken, wo sie einfacher umzupolen ist und sich hier von Ablenkung zu Lenkung verwandeln lässt. Alles, was einen zutiefst selbst betrifft, kennt man ja meistens als ein Thema, das entweder regelmäßig mitläuft, um ab und zu mal die ihm gebührende Aufmerksamkeit zu erlangen, oder man kommt zum triftigen Grund, wo man den Mitläufer mal etwas tiefer verstehen möchte. So komme ich schon mal in die Bredouille, mir selbst erklären zu müssen, warum ich das Persönliche und das Unpersönliche in meinem Universum als so ausgeglichen empfinde, vielleicht noch einen Hauch das Offizielle dem Persönlichen vorziehe, was einen sofort in die Not der Definition befördert. In Indien habe ich mir ziemlich schnell angewöhnt, das ‚Ab‘, also das Hindi ‚Sie‘ selbst Kindern gegenüber anzuwenden, da es einfach eine wertschätzende Höflichkeitsformel ist, und das zuweilen benutzte Du mich eher in Distanz gehen lässt. Auf jeden Fall will ich darauf achten können, zu welchem Grad mir der persönliche Anspruch anderer den gewünschten Freiraum nimmt oder gibt. Ich denke, dass vor allem die meditative Praxis ermöglicht hat, diese Sphäre zu erspüren, die ich noch heute als meine einzige ‚Privatsphäre‘ bezeichnen könnte, während alles andere doch eher einem freien Space gleicht, in dem die lebendige Praxis des Beisichseins mit den Anderen sich ergibt, und durch das (persönliche) Erleben und die (eher unpersönliche) Reflektion sich das Jeweilige zeigt, was man in anderem Bezug auch das Resultat eines wissenschaftlichen Durchgangs nennen könnte.
Da muss man sich schon einiges einfallen lassen, will man dem Ringen um eigene Sichtweisen weiterhin Genüge tragen. Was ist eine eigene Sichtweise, kann ich mich in verschiedenen Kontexten befragen, und weiß ja, dass ich selbst die Sichtweise bin, die ich in kontinuierlichen Prozessen aus mir herausgefiltert habe, auf jeder Welle meines Lebens mich um das Jeweilige bemühend wie jede/r Einzelne mit ihrer und seiner Sichtweise die Welt betrachtend, die das Material darstellt für diese Bewegungen. Und durchaus muss man seine individuellen Fähigkeiten erkennen, um die eigene Komplexität erfassen und Ausdruck dafür finden zu können. So ist es ja nach wie vor interessant, dass wegen der neuen Bedingungen der Krisensituation zwar ein gemeinsames Thema existiert, jede/r aber zurückgeworfen wird auf sich und die Entscheidungen, die auf nie gekannten Herausforderungen basieren. Andrerseits ist man nicht verpflichtet, dass einen irgend etwas zu Wort Gebrachtes wirklich selber angeht, denn wir wissen es nicht, wer hinter den vielen Türen wo welche Strippen zieht. So ist es besser, sich selbst zu stabilisieren und dem einfachen Umgang mit den Dingen eine Chance zu geben. Die Frau, der Mann, das Kind, die Welt, das Hereinkommen und das Durchwandern und der Ausklang, das alles sind einfache Worte, hinter denen die Weltgeschichte brodelt und tobt, oder auch mal stiller wird und der eigenen Ohnmacht bewusst. Diesen herausfordernden Umgang mit dem Hilflosen und dem offensichtlichen Nichtwissen halte ich für herausfordernder als den Virus selbst. Die geschürten Agressionen durch das Wahrnehmen eigener Bedürftigkeit, die Existenzängste durch düstere Zukunftsprognosen, wenn man nicht die Möglichkeit hat, sich auf das ‚Here and Now‘ einzulassen. Ach ja, das Hier und Jetzt, wo die Dinge sind, was sie sind, bevor man zur Frage kam, ja, was sind sie eigentlich, die Dinge und die Menschen und die Tiere undsoweiter, mit denen man ständig auf die eine oder andere Weise zu tun hat, und doch weiß man letztendlich so wenig darüber. Das erinnert mich an die Bücher, die man mit eigener Hand mit dem Bleistift unterstrichen hat und dann sehen muss, dass man sich gar nicht erinnert, was da drinsteht. So kann man ebenfalls davon ausgehen, dass in so manchem Geist, den es gerade nicht tödlich trifft, eine Erfrischung stattfindet, eine wohltuende Pause, in der das Versäumte oder Verlassene oder Nichtgesehene oder Unbeantwortete zu sich kommen und sich anregende Fragen stellen kann, die nicht einfach zu beantworten sind. Weil man die Person, die man da befragt, also sich selbst, ja gar nicht so gut kennt vielleicht, wie man vermutet hat, weil man schon so lange mit ihr unterwegs war. So, als würde das alles sich von selbst erklären, indem man es kühn ‚das Leben‘ nennt, das einen heimsucht und behandelt und formt. Als hätte man nicht an jeder Kreuzung eine andere Richtung einschlagen können. Hätte man das können? Einfach ein anderer Mensch werden, als man ist, indem man andere Register gezogen hätte, die zu anderen Ergebnissen geführt hätten. Denn dieser Film lässt sich ja nicht zurückspulen zu Szene III in Akt II, wo man bei den Proben nochmal präziser werden kann mit dem, was man vermitteln wollte. Was will ich also vermitteln, wenn ich d a bin, wo ich gerade bin, und wieviel Mühe bin ich bereit, auf mich zu nehmen für diese Ergründung, oder um wieviel leichter erscheint es mir, durch Ablenkung von mir und meinem Sehvermögen ein blinder Spiegel zu sein.
Wenn Schicksal
eintritt in die Zeit,
hält Sprache den
Atem an. Schreckliche
Engel treten hervor,
unbestechlich, frei
von der Bürde der
Meinung. Glauben
Sie nicht, dass es den
Einen gibt, der keinen
Standpunkt vertritt?
Man sieht einen Radius
aus Licht, durch den
ein Vogel fliegt, der die
Grenzen der Seele
durchbricht.
Wenn man den inneren Kräften einen Ausdruck verleihen möchte, kann man auf Überraschungen stoßen, denn wenn die Idee das Ganze nicht leitet, kann man zum Beispiel verstehen, warum Menschen auf Gottheiten kamen, sei es für Wind, Feuer oder Wasser, denn es können Kräfte sein, die über einen hinausgehen, oder einen überwältigen oder überfordern, oder über Ahnungslose herbrausen, oder um Hilfe gerufen wurden, weil man sie für nicht menschlich hielt. Jetzt ist dieser kleine, unsichtbare Virus-Wicht aus Wuhan in der Tat sehr powerful, man hätte solche Kräfte eher mit Mars oder Saturn verbunden als mit so etwas Mickrigem, das die Welt in Atem hält. Die Beifallszahlen der regierenden Herren sinken, denn in ihren Hinterhöfen offenbaren sich dunkle Wahrheiten, die wegen ihrer neuen Offensichtlichkeit nicht mehr zu leugnen sind. Amerika führt im schäbigen Spiel, dann folgt Russland, zwei machtbeladene Imperien, in denen der ansteckende Wanderer die Balken krachen lässt. Cina ist schon durchwandert, nun kommt Indien. Ich versuche mir über Mails und Gespräche via WhatsApp in meinem dortigen Freundeskreis einen Einblick zu verschaffen. Asha erklärt mir zwar, dass es ihr selbst gut geht, aber an all den fürchterlichen Ereignissen wegen dem Virus seien die Muslime schuld. Sie erzählt schreckliche Dinge, die die Muslime angeblich (alle) gemacht haben sollen, und die Muslime würden sich absichtlich anstecken und dann den Virus in die Hindu Community befördern. Ich versuche, dagegenzusteuern, aber es macht sie verstimmt, weil sie es doch gehört hat in den Medien. Dieses Gerücht ist jedoch ein gefundenes Fressen für die fanatischen Modi-Anhänger, deren nicht mehr so heimliches Ziel, das Land nur mit reinem Hindublut zu beleben, dadurch befeuert wird. Shivani wiederum findet Modi so abscheulich und korrupt in der Handhabung der Krise, dass ihr Austausch bei Facebook einem Feuerwerk an Empörungen gleicht, die sich alle auf Modis Lügereien beziehen. Immer wieder tauchen erstaunliche Parallelen zwischen Modi und Trump auf. Man konnte das auch bei Trumps Besuch in Indien sehen, wie Modi zum vollkommenen Arschkriecher wurde, was Trump milde stimmte, ist der Ton doch Honig in seinen Ohren. Es ist interessant zu beobachten, auf welche Ebenen die eigenen Aufregungen einen führen können, so wichtig sie auch in Momenten als Ventil zu sein vermögen. In Indien, so höre ich, geht es allen, mit denen ich persönlichen Kontakt habe, gut. Auch in diesen Häusern kann es sein, dass abends vom Matratzenstapel die Betten heruntergeholt werden zum Übernachten, und morgens wieder hochgehievt, aber es gibt auch Häuser mit Marmorböden, die jetzt, während der ansteigenden Hitze und dem anhaltenden Lockdown das Leben etwas erleichtern. Was aber ist mit den Hütten und den Zimmern, in denen nicht selten bis zu zehn Personen übernachten, von denen ansonsten vor allem die Kinder und die Männer ihre Zeit draußen verbringen. Was ich aber in den Gesprächen auch erfahre ist, dass es auf einmal etwas Gemeinsames gibt, das für uns alle sehr ähnlich abläuft. Eine Wachsamkeit, ein Abwägen von Realitätswahrnehmungen, ein Feld, auf dem sich überall neue Dinge abspielen, die bedacht und erfasst werden müssen, eine Kampfbahn der Widersprüche, eine Entlarvungsorgie, eine Meinungsmaschinerie, eine Maskerade. Das Schwarze Schaf wird gesucht, China eignet sich, aber macht das wirklich einen Unterschied. Ein Überraschungscoup ist ins Rollen gekommen, irgend einer Kraft ist es gelungen, sich durchzusetzen. Neu ist doch auch, dass alle, wirklich alle Planetarier- und Planetarierinnen ausnahmslos zugelassen sind zu dieser Prüfung. Es wird Stipendien geben und Entlassungen andrer Art als die durch die Coronakrise verursachten. Vermutlich wird es so ziemlich alles wieder geben, was vorher da war, zumindest für eine Weile, wenn es sich bestätigt, dass alles Verfügbare noch gleichermaßen gebraucht wird. Was auf jeden Fall anders sein wird, wenn wir die Fahrt hinter uns haben, ist, dass wir den Riss im Film erlebt haben, von dem Leonard Cohen gesungen hat, dass es eben dieser Riss ist, durch den das Licht hereinfallen kann.
Man kann sich also schulen mit dem, was da an einen herangetragen wird, auch wenn diese Tätigkeit streckenweise nur dem geistigen und körperlichen Verdauungsprozess dienen soll und kann, damit d a s, was einen partout nichts angeht, sich nicht in dunklen Krümmungen der Gewebe festsetzt und dort allen möglichen Unfug anrichtet. Und ja, offenes Gähn, wir haben immer (!) alle (!) Viren und Bakterien im Körper, und überhaupt sind sie überall, man ist permanent umzingelt von mehr oder minder irren Fremdkörpern, die darauf aus sind, ihre Nahrungszufuhr über unsere Systeme zu erhalten, ebenso wie wir das mit den ihrigen machen. Man könnte hier die Frage stellen, wo das Natürliche aufhört und das Ausbeuterische anfängt, sozusagen den Konturen der Ausbeutung nachgehen, die eventuell zu einer weit in der Vergangenheit lagernden Zeit hinweisen würden, wo weit weniger Viren und Bakterien unterwegs waren, das wüsste man dann. Eventuell. So löst man den Strang dieser Route und widmet sich d e m, was man selbst als potentielle Fakten erforschen möchte, damit man den Eselswagen nicht auf eine allgemeine, meinungsproduzierte Karotte richten muss, und ihn, den Karren, als Fahrobjekt überhaupt nicht in Erwägung zieht. Aber auch da, bei sich, kann man nicht einfach hineinschauen und wissen, was man über neuerdings uns alle angehende Kompliziertheiten denkt, sondern man muss zunächst einige Instrumentarien zulassen, die nur in Notzeiten aktiviert werden und die man benötigt, um das eigene System von innen her, also von der Quelle aus, zu dehnen, bis man hinauswächst über die Kontrolllinie und sich auf dem Feld freier Navigation befindet. Was heißt hier: frei!? Hier fängt ja die Herausforderung erst an. Ich muss herausfinden, was mich angeht, was mich zu den inhärenten Anlagen zurückführt, die erst einmal das Labyrinth des eigenen Erbes darstellen. Den hilfreichen roten Faden finden!, denn eigentlich weicht die Reise niemals ab vom Ungewissen, aber es scheint so, als könne der Mensch nur in gereifter Zeit, und nur unter bestimmten Umständen, das Ausmaß dieses Ungewissen akzeptieren, mit dem jedes Wesen konfrontiert ist. Das Konstrukt meiner Ich-Identität folgt dem Gesetz von Ursache und Wirkung und wirkt in jeder Hütte und jedem Palast auf die gleiche Weise. Es verzögert sich in der Auswirkung nur, oder vor allem, durch Störfaktoren, Hindernisse, Bredouillen, Verwirrungen und Verirrungen, die in allen Kulturen anders gehandhabt und verstanden werden, mal als Sünden, mal als Pfeffer im Drama, damit das Publikum vor lauter Harmoniewillen nicht einschläft. Oder am Reichtum erlahmt, der sich als Fehlbotschaft erweist, wenn ein Genug! nie erreicht wurde, also Armut des Selbstgefühls nach wie vor grasiert durch alle Zeiten hindurch. Nur alles noch ärmlicher und erbärmlicher wird, weil sich ja hier keine Erfüllung eingestellt hat. Daher weicht man rechtzeitig aus und schaut hinein in die Welten, in denen Substanz sich bewegt und auf geradezu verblüffend einfache Weisen gehütet und weitergegeben wird. Auch hier stehen Körper mit Masken an in Läden, die das menschlich Erforderliche anbieten, und man ist auch dankbar dafür. Im Beisichsein kann man die Maske dann ablegen und sich ungehindert in der Praxis bewegen: in der Wüste, im Studio, im All, im Home-Office, im Labor, bei der Arbeit eben.
Sicher ist, dass man immer mal wieder etwas dazulernen kann. Zum Beispiel, dass die latente Freude an Maskierungsgegner/innen, die sich neuerdings in Städten formieren, reichlich geschmälert wird, wenn es sich zeigt, aus welchen Einzelteilen die Horde zusammengesetzt ist. Der frischfreie Antimaskler, den man durchaus verstehen kann wie sich selbst in dieser Positionierung, schaut sich auf der Straße nach Gleichgesinnten um und erkennt unmaskierte Rechtsradikale, die unterwegs sind, um für ihre Sache zu punkten. Weltverschwörungstheoretiker sollen auch mitlaufen, und dann natürlich die vielen Frauen, die mit dem aufgezwungenen Spagat zwischen Homeoffice und Kindern nicht mehr zurechtkommen wollen. Das alles wird dann aus politischen Kreisen mit einer Wortschöpfung bedacht und zur Gruppe der „Covidioten“ ernannt. Der verborgene „Ovid“ war mir persönlich lieber, aber was soll’s, denn auch auf dieser Ebene ließen sich hier keine tiefgreifenden Verse schmieden. Es ist nun mal, was es ist, und das kann viele Gesichter haben. Lernmöglichkeit gibt es auch in der Feststellung, dass in den düstersten der Nachrichten, die auf die eine oder andere Weise an das Gartentor geschwemmt werden, sogar etwas Gutes liegen kann. Nun ja, nicht das Gute, dass man sich in verträumten Stunden von der Welt und ihren BewohnerInnen wünschen könnte, sondern es ist das Gute, das einen ergreifen kann, wenn sich in der Gewohnheit des Schrecklichen ein Spalt auftut, in den ein karger Lichtstrahl fällt, aber immerhin. So sind doch nach bereits sehr vielen Vordüsternissen, über die jeder bescheid wusste und weiß, endlich die Fleischfabriken ins Dämmerlicht der Öffentlichkeit geraten, weil sich das Virus in sie hineingesetzt hat und dort um sich schaut und anrichtet, was es kann. Und das kann man dann, wenn man möchte, eine Art guter Nachricht nennen. Ein weiterer Sklavenmarkt ist entdeckt worden, wo eine Unzahl unterbezahlter (meist Ausländer), sich an rasenden Bändern und nacktem Tierfleisch das Leben kürzt, damit es dem reichen Land nicht an Fleischnachschub fehlt. Und wussten wir nicht, wie schmutzig das Business wirklich ist!? Doch, wussten und wissen es. Es passt in die Kategorie Waffenlieferungen und Frauenhandel und einiges mehr, was sich mit Demokratie schlecht verbinden lässt, wo doch keiner die menschliche Würde antasten möchte, wenigstens nicht in den geschwungenen Reden. Noch schlimmer klingen die News aus Amerika. Da liegen die Schlachtfabriken (vier für das ganze Land!) in kaum besiedelten Gebieten, wo Menschen keine andere Arbeit finden können und der Ausbeutung völlig ausgeliefert sind. Nun sind auch dort bisher 5000 Covid-Erkrankungen aufgetaucht, aber Donald Trump hat befohlen, mit der Produktion fortzufahren, damit der Fleischverzehr des Landes gewährleistet ist. Und vieles mehr. Manchmal kann man dem Grauen nur beikommen, wenn man ein paar dürftige Worte dafür findet oder den Mut hat, sich ein Bild zu machen. Für mehr reicht es dann oft nicht aus, denn der Nachschub des Grauens ist ebenso unerschöpflich wie des Menschen Kraft, damit umzugehen, indem man sich an die immerhin auch menschenmöglichen Belichtungen hält, wenn man sie der Mühe wert erachtet.
Noch sind die Sterne unsern Blicken da
und ziehen unbekümmert ihren Weg,
als wäre nichts geschehn. Und was geschah,
wurde von ihnen lächelnd übersehn.
Wurde von ihnen lächelnd überhört,
die Länder schwiegen und auch der es sah,
der Engel, kam nicht, schwang für uns kein Schwert.
Die Tode, sie nur standen uns sehr nah.
Wir nahmen jeden Tod in unsre Hand
und hielten ihn wie einen Talisman.
Unsere Schatten zuckten auf der Wand
und nahmen immer andre Formen an.
Und irgendwo gab es ein großes Land,
das dieses große Spiel mit uns erfand.
Während der globale Maskenball sich durch Phase II bewegt (oops!, wo ist denn meine Maske? (schon wieder ?)) erwartet man mit mehr oder weniger Spannung das Resultat der Lockerungsübungen. Virologen erhalten Morddrohungen. Ich ärgere mich ( nicht zu lange) über eine Frage auf der Titelseite der „Zeit“, warum es uns denn in die Natur zieht (?) Antwort der Zeit, Doppelpunkt: eben weil wir Tiere geblieben sind. Echt jetzt! Wir sind Tiere geblieben. Wer sagt das, und wer weiß das schon. Von mir aus können Menschen abstammen, von was sie glauben, abzustammen, solange ich nicht mitglauben muss. Genau hier wackelt ja auch die Demokratie, nämlich, dass man einerseits weiß, dass die Systeme besser flutschen, wenn alle das als notwendig Erklärte einfach mitglauben. Das Mitmachen jedoch ist nicht des Rätsels Lösung, sondern des Messers Schneide, oder die Rasierklinge, die das Bewusste vom Unbewussten trennt, ob man nun will oder nicht. Daher ist es wesentlich zu wissen über auftauchende Kontrolllinien (line of control), wann und wo und mit was und mit wem ich was mache oder nicht. Und andrerseits ist es ja unmöglich, n i c h t mitzumachen, denn das Spiel läuft ab, nicht wie die Uhr, sondern nach eigenen Gesetzen, die oft auf geheimnisvolle Weise verschlossen sind. Denn es hat sich herumgesprochen, dass auch Gold nicht alles kaufen kann, wenn man fast unbemerkt die chemischen Prozesse vernachlässigt und ihre Legierungen. Daher bleibt mir nichts anderes übrig, als der langen C.V.-Dampferfahrt das Beste abzugewinnen, was mir möglich ist, ohne mich auf eine Zielrichtung festzulegen, vorausgesetzt ich sehe den Planeten nicht durchweg als den Dampfer, auf dem dieser Akt sich abspult, sondern surfe mich zuweilen ab mit meinem eigenen Board und meinen Unternehmungen. Man kann davon ausgehen, dass die tiefen Erkenntnisse, die aus dem Durchfurchen der Existenzen hervorkommen, eine Langzeitwirkung haben werden. Überall, wo exzellentes Knowhow geschätzt wird, brechen Strukturen ein, und dieser Einbruch in die Ebene des Illusorischen, also das als „normal“Empfundene, muss ausgeglichen werden mit adäquaten Maßnahmen, die nur Einzelne betreffen, das aber als das Ungeteilte, sprich: das Individuum im Licht der Selbstbestimmung.
Auf Zen-La geht die „Kontemplative Konferenz“ der Fremdlinge zu Ende. Durch die tiefe Nähe bereichert, verbeugen sich die
Reisenden voreinander und bewegen sich auf die Flugobjekte zu. Wenn die Kaufläden. der Welt sich öffnen, schließen die Tore von Zen-La. Eingelassen in das uralte Holz steht der Spruch der Bene Gesserit aus den Praktiken des Wüstenplaneten. Er kann nur in der jeweiligen Weltsprache gelesen werden:
I must not fear.
Fear is the mind-killer.
Fear is the little death,
which brings total obliteration.
I will face my fear.
I will let it pass under me and through me.
Then I will turn the inner eye
and watch its path.
Where the fear has gone,
there will be nothing.
Only I will remain.
Ich verstehe ‚verhalten‘ zuerst einmal als ein leises, inneres Zurücktreten ohne den Willen zur Meinung. Die Freude an Meinungen lässt merklich nach; es gibt auch m.E. gerade nicht so viel zu meinen, also was mich vom Außen her direkt anspricht, während im Haus die Reflektionsrunden gut im Fluss sind. Es hilft, wenn man von Menschen, mit denen man lebt, bis zu einem gewissen Grad verstanden wird, um nicht in zu viel Erklärungs-oder Verhaltensnot zu kommen. Auch gegenüber den Lockerungen, denn ja, wer zieht Lockerungen nicht den Restriktionen vor, denn man hätte zu gern miteinander (hätte man das gerne?) ein reifes Volksbewusstsein, dem man zutrauen kann, die Lage einzuschätzen. Zumuten ist immerhin förderlicher als ein aufgezwungenes Pflichtprogramm, aber letztendlich passen nicht einmal zwei Schafe unter einen Hut, wer soll das leisten. Auch in den Altersheimen sitzen Menschen mit gelebten Leben, auch wenn die tödlichen Stoffe, die ihnen zugeführt werden, so manches töten können, was noch lebendig hätte sein können, ohne entwertet zu werden. Unter anderen Bedingungen vielleicht. Aber auch hier ist doch etwas aus dem Ruder gelaufen, wofür es kaum noch Gesundungsprozesse gibt, wo sollte man ansetzen. Vielleicht ja beim Krieg, was Deutschland betrifft, und heute, dem 8.Mai, an dem das Gemetzel ein Ende nahm, was wiederum zu einem Anfang führte, der wiederum zu dieser aufgeblasenen Hülle und Fülle führte, bei der uns jetzt der neue Alien, das Virus, eine Bremse gesetzt hat. Ja natürlich soll alles, was da war, wieder offen sein, damit alle wieder baden, kaufen, schwimmen, singen und tanzen können, was das Zeug herhält. Und manche sind wieder befreit von ihrem eigenen Zuhause, wenn dort das mühsam Gebremste in Notlagen übergeht und den Traum vom Leben nicht mehr hergibt, sondern nur noch sein Aushalten. Dann auch: die Frauenhäuser sind zum Brechen voll, in Indien ist der Alkoholkonsum während der Pandemie in vorher undenkbare Höhen geschnellt. Man wagt es kaum, an die Frauen zu denken, die mit diesen Auswirkungen umgehen müssen. Hier zeigt sich die zweite Bedeutung des Wortes ‚verhalten‘. Wie verhalten?, wann wo wie verhalten, eben auch wie mit Maske verhalten. Ich meine, man kann sich auch zuweilen einen humorvollen Blick leisten und über die maskierte Menschheit schauen, wie wir jetzt, ohne gemeinsamen Koordinator, das Schiff in den diamantenen oder den pechschwarzen Hafen navigieren, oder soll ich es lieber den natürlichen Hafen nennen. Ich meine den, der ich selbst bin, oder soll ich besser sagen: sein könnte. Denn hat die Krise nicht durch ihre mühseligen Prozeduren und Prozesse und Wirkungen die Fragen erleichtert, die nie dringlich genug waren, als dass man sie hätte ans Herz nehmen müssen: wer bin ich, mit wem lebe ich, und wie verhalte ich mich in einer Krise mit mir und den Anderen? Dass das mal so wichtig sein könnte, wer hätt’s gedacht. Es wird viele Antworten geben, aber immerhin hat man sie hören können, bevor auch sie weiterziehen und die Fragen zurück lassen, während weitere Fragen am Horizont ausgebrütet werden. Das Ungewisse kennt das Tricksen nicht, die Formen sind nur latent in ihm enthalten. Auf diese Weise kehrt der bewusste Mensch zum Kind zurück. Wie zutiefst sicher muss eine/r sein in sich selbst, um die Komplexität des Spielerischen furchtlos zuzulassen und sich dem Vergleichslosen zu widmen, wodurch sich die Ich-Verhaftung entzieht. Es ist nun mal das Zeitalter des Todes, der seine Reiche aufgebaut hat im Vorwärts und im Rückwärts. Daher bleiben uns nur die verborgenen Strömungen, perfekt geeignet zum Surfen.
Der Mond, oder d a s, was der Mond genannt wird, zieht sehr groß und nahe an Zen-La vorüber. Die Praktizierenden halten sich sehr still und lassen die dunklen Schwaden der Tiefe durch sich hindurchziehen, ohne das innere Auge an Phänomene zu heften.