flüchtig

20160983

Trink, Bruder, trink! Trink aus
den dich spiegelnden Wassern!
Trink dich voll von dir,
trink dich leer und gib acht!
Dich umspült schon das Gift von
den Meeren, das du selbst in
den Umlauf gebracht. Schon öffnet
ein größerer Mund als der deine
den Abgrund der Verwegenheiten.
Trink, Bruder, trink!
Lass dich voll laufen von dir.
Nackt liegst du vor den staunenden
Augen am Ufer: die Augen,
das sind wir. Trink, Bruder, trink,
bis es eng wird in deiner Haut.
Bis du verstehst: es gab nie wirklich
Menschen, die ihr Herz auf dich gebaut.
Dein Herz, Bruder, ist trunken von sich,
das lässt nicht mal Raum für deinen
eigenen kleinen, flüchtigen Traum.

 

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Mit einiger Bewunderung sieht man im politischen Raum hohe und sicherlich angebrachte Diplomatien ihre Formen entfalten. Ich aber will fassungslos bleiben, bis eigene Ordnung sich wieder innen erschafft. Das Ausmaß des Geschehens und seine Wirkungen kann ja nicht einfach geleugnet werden. Ich höre der eigenen Sprache zu und meinem Schweigen. Alles Gesagte kann manchmal nur Korn sein in der Wüste.

 

führen

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Es zittert innen wie außen
das Bild wie Espenlaub.
Ich reihe mich ein in die Schmerzen
der Dichter und den Worte-Staub.
Nur die wahren Töne können den
Toten das Leben entlocken, das
sie führen – durch sie. Hört auf sie!
Sie führen den Tod in das Leben!
Ich lasse mich nicht mehr zurück,
sondern fasse mit tiefer Berührung
das mir zugestandene Geschick.

zu ende

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Das Spiel ist zu ende.
Alle Bauklötze verbraucht.
Keiner mehr, dem man etwas
vormachen könnte.
Immer weniger Zuschauer.
Geht nach Hause,  ihr Menschen,
und ruht euch aus von dem
Mangel an Glanz.
Denn von jetzt an
kann man erwachen.

bewegen

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Eine Frau fragte sich, ob es wohl
einen letzten Schritt gäbe, der
zu tun sei für ihre Anwesenheit.
Sie sah endlose Schritte über den
Abgrund des Seins gleiten.Ein
Feuer verglühte über der Asche.
Jeder Schritt eine Unmöglichkeit,
jeder Versuch eine Lähmung,
ein Schrei. Das Etwas, das ihren
Kopf sorgsam über die Wasser
lenkte, das nennen wir Gnade,
ein Ort der befreiten Bewegung.

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Von diesen Mini-Stories habe ich letztes Jahr 21 verfasst, immer sehr direkt aus einem Moment geboren, der schnell vorüber war, nur dieses flüchtige Erfassen ist geblieben und lässt nun all das Verschiedene zu, was es auch sein kann, oder nichts, oder all das, was es auch für mich war, bevor es zu diesem Nu kam, mein Nu oder der Nu eines/r Anderen. Heute zB dachte ich an Hillary Clinton und das Bangen um den Ort der befreiten Bewegung, zumindest um Schlimmeres zu verhindern. Eine Frau aus Nigeria, die gestern bei uns zu Besuch war, fragte im Hinblick auf diese Situation: „Wie konnte es dahin kommen“, eine Frage, die wir gut kennen und die mE noch niemand wirklich beantworten konnte.

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Noosphäre

Poem For La Malinche.

Nooriel Nahtlos lebte im
Großen Nihilo Trotzquam.
Das Trotzquam war Spiel-Raum.
Nach allen Seiten offen, war es
doch nach unten begrenzt
durch Dichte, in der sich die
Erde und ihre Gesetze befand.
Im Trotzquam herrschte  das
stille Noor, und nur die Null
war Macht und Licht des
Gedankens von Noor. Quelle
und Ursprung von Trotzquam
war Unschuld, und alles
außerhalb war Spiegel, in dem
sich die ewige Ruhe verlor und
fand. Das Zentrum von Noor
hing ab vom Nichts als Wahrheit,
und Wahrheit war Zentrum von
Trotzquam. Nooriel Nahtlos
lebte im Zentrum von Noor und
liebte das Noor und das Licht,
die Stille, den Großen Tod und
die Liebe. Nooriel Nahtlos liebte
das Noor, und die, die es liebten,
lebten auch im Nihilo Trotzquam.
Da können wir ja auch gleich eines
der schönen, unsterblichen Lieder
anstimmen, die aus dem Herzen
des Nihilo Trotzquam emporstiegen,
und zwar ist es das Lied von der
Nanoor die im Noor lebte:

Es war da
die Nanoor,
die lebte nur
im Noor, sie
trug auch
keine Uhr
im Noor.
Der Nu war
nur der Nu
Nanoors
Kein Du in
Nanoors Nu.

 Es kam
Janoon
dazu, im
Poornima
der Moon,
kein Zufall von
Monsoon, nur Noor.
Im Urnoor der Nanoor,
nur Noor von Ur zu Ur,
nur Noor, nur Noor in
Nanoors Kur. Kein Urtun
der Form nur, ein Urton
der Kur pur, der Urton von
Nur Nu, nur Noor. Das Urdu sah
da zu, vom Urnoor sah es zu. Vom
Urnoor kam auch Nanoor. Urdu auf
Nanoors Spur, Noor Spur. Du Urdu, Urdu,
Du, Du bist das Urdu pur, nur du, noor du, Nanoor.
Nur zu, Nanoor, nur zu, nur pur, Nanoor, noor pur
tanzt Nanoor auf der Schnur, im Licht von Nur zu Noor.
UrNu, nur Du, Noor Du, du Urnuruhe du, du Urlicht du, noor
Du,nur Du. Du Urlichtruhe du, du UrDu Urdu du, du bist der UrNu pur.
Du Urdu Urdu Du, nur Du, Nanu Janoon nur du, du bist das Du, noor du.

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Das Photo (von mir und meinem Einst) habe ich aus dem Netz gefischt. Der Beitrag dieses schwer singbaren Liedes habe ich auch nur zu meiner eigenen Freude heute hier veröffentlicht. Es macht klar, dass man nichts verstehen muss, um ein Lied aus dem Trotzquam zu singen.

Ernst Meister

Ernst Meister

Hier
gekrümmt
zwischen zwei Nichtsen,
sage ich Liebe.
Hier, auf dem
Zufallskreisel,
sage ich Liebe.
Hier, von den hohlen
Himmeln bedrängt,
an Halmen
des Erdreichs mich haltend,
hier, aus dem
Seufzer geboren,
von Abhang
und Abhang gezeugt,
sage ich Liebe.

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Dieses Gedicht habe ich mal unterwegs in WDR5 gehört und war so berührt davon, dass ich sofort im Netz danach gesucht habe. Dann verschwand es in meinem Notizbuch bis heute. Ein guter Tag für ein  gutes Gedicht. Blessed be the net!

Zeichen

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Was mir vertraut ist,
legt verborgene Kammern frei –
wird dort zu Wegen, die zu Weiten führen.
Das Unbeirrte breitet unterwegs sein Wesen aus.
Das Wesen zeigt sich mir in Reflektionen, die
schweigend sind und reich an Möglichkeiten.
Sie ziehen heilsam ihre Zeichen zu sich hin,
zu mir, die ich auf beiden Seiten Spiegel bin:
der Kern der eigenen Sehensweise, die
Stetigkeit des ewig neu Eröffneten,
die Wirkung und ihr Sinn.

 

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Bild: Ein Wasserbecken in unserem Garten

Schlüssel

20161104_11371220161104_113712

Ich werde bewegt durch den Schlüssel,
der gleichzeitig Kreis ist und Tor, und
die Seherin in mir fühlt sich sicher auf
dem unbeweglichen Augenlid unseres
gemeinsamen Schauens.
Nun, da entwaffnet von dieser Lösung
und gleichsam geschliffen vom
Antrieb des Menschseins, von sich
selbst durch sich selbst noch enthaftet,
bleibt mir der Blick auf das ewige
Rätsel erhalten, und im Nu bin ich
Schlüssel, bin der Kreis und das Tor,
bin bewegt vom Nichts des Gleichzeitigen.

Regung

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Dann kommt ein Tag,
nicht wirklich d e r Tag,
aber doch eine Ahnung davon,
wie es ist, wenn das Ich sich ergibt
und der Geist nur e i n e n Ort hat
zum Aufenthalt. Wenn der Zwiespalt
in der Tat sich verdichtet zum Luft-Schacht
und Substanz sich ausrichtet zu scheuem
Empfang. Wenn der Schatten meiner
Befindlichkeit eine Stelle des Hauses
bewohnt, an der kühler Regung fällt
auf die Ängste des Daseins.

Quelle

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Geh hinein zur eigenen Quelle.
Mach die Tür auf, wirf den
Schlüssel fort – begebe dich mit
leichtfüßigen, festen Schritten
an deinen selbstbestimmten Ort.
Betrachte das vertraute, festliche Treiben
und empfinde als dein, was dein ja schon
ist – und sei es. Wer soll dich abhalten,
wer dich vertreiben vom Wissensdurst,
vom Forschungsdrang, vom unermüdlichen
Gehensprinzip durch Öffnen und Erschließen,
Gang um Gang, diesem warmen Atem entlang,
entlang am grenzenlosen Vorwärts – einfach weiter
und weiter betrachten und sehen, was du siehst.
Dann beim Sitzen den Körper aufrichten
und mich von innen ansehen, wie Stille
sich anfüllt mit Licht.  Das leuchtet hinaus
über den Gartenzaun und überholt die klugen
Formen der Not, die dem Leisen befehlen,
was nicht zu befehlen ist. Öffne also den
Ort deines Aufenthalts und zeige dich,
wie du wirklich bist.-

 

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Die Artischocke im Bild habe ich neulich für 90 Cent erstanden und auf die Heizung zum Austrocknen gelegt (etwas Besseres fiel mir nicht ein). Dann, auf einmal, entdecke ich diese violetten Blütenstengel ohne Wasser und taufrisch herauskommen, die, wie ich lese, Achänen genannt werden, ein schönes Wort, das ich noch nie gehört habe. So denke ich nun, dass der Text auch um das Hervorblühen von Achänen geht, wenn die Trägerform einerseits oder auch die Betrachter der Form mit dieser wunderbaren Enthüllung gar nicht mehr gerechnet haben.

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Schmerz

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Wer könnte den
Schmerz verachten?
Ich liebe auch dich.

 

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verwundet

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In den Häusern der Verwundeten tobt es.
Nicht die Geister toben, sondern die Wunden.
Die Wunden wurden geschlagen, die
Wunden schlagen zurück, von wo auch immer,
von wann auch immer. Doch so beliebig
ist es nun auch wieder nicht. Eher: das Lieblose,
das im Dunkel vergangener Tage und Nächte
an die Wiege des Ungeliebten führt, wiegt nun
in einem vom Damals ziemlich weit entfernten
Tag den Schrecken des Ungeliebten im Arm.
Das Kind ist gezeichnet mit seinen wunden
Ornamenten, so als könnte das Geschehene
niemals zu eigenem Schmuck gedeihen. Den Tag
im Schatten der Normen durchschreiten –
erfühlen des kalten Miteinanders brennende
Not. Ich selbst muss hinein in die Flamme und
erfassen den Schmerz in der auferstandenen
Asche, muss erfassen und lesen lernen die
Glyphen auf dem beschrifteten Blatt des Blutes.
Was hier drängt, ist nicht nur der Schrei inmitten
von verschlossenen  Strukturen, sondern hier
schreien auch Bruch und Fadenscheinigkeit
eines Friedens, unter dem die Erde erlischt.

Olaf H. Hauge

20161029_112720

Wie lange hast du geschlafen?

Das wagst du,
schlägst die Augen auf
und schaust dich um?
Doch, du bist hier,
hier in dieser Welt,
du träumst nicht,
sie ist so wie du sie
siehst, die Dinge hier
sind so.
So?
Ja, grad so,
nicht anders.

Wie lange hast du geschlafen?

Spiel

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Ein Spiel ist immer gut, sagte die Spielerin
und spielte. Solange das Spiel spielerisch
bleibt, spielt sie gut. Da sieht sie im Spiel
weitere Spieler, die bringen Bewegungen
in das Feld, an denen das Spiel zerbricht.
Was sehen die Betrachter?

(Nur das Spiel weiß, was auf dem Spiel steht).

 

Vom Tellerrand

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Wenn man den gängigen Spruch „über den Tellerrand schauen“mal praktisch umsetzt, versteht man sofort, um was es geht. Wenn man am Tisch sitzt während des Essens und über den Rand schaut, ist der Abstand zwischen Rand und Tisch noch klein und man spürt Boden unter den Augen. Nimmt man den Teller aber in beide Hände und hält ihn über dem Boden, wird einem das ganze Ausmaß dieses Quantensprungs bewusst. Ich verstehe also dann, wie heute während des Frühstücks, dass, wenn ich mich am Rande des Tellers, der hier für mein persönliches Ich steht, aufhalte und über den Rand schaue, dann schaue ich direkt in die unheimliche Weite des Ungewissen, d.h. über mich hinaus. Vielleicht hat Nietzsche das gemeint mit seinem Satz „der Mensch muss überwunden werden“, so als stünde er, der Mensch,  verhaftet an die Sicherheit des Tellers, sich selbst im Wege, bis er auch davon loslassen kann. Nun springt man „normalerweise“ auch nicht freiwillig in einen Abgrund, und das  ohne Bungee-Gurt oder die relative Sicherheit eines Fallschirms, und erwartet dort das Pudelwohle. Nein, sondern man hat Angst vor dem Verlassen des Vertrauten, oder etwas haftet an uns aus unserer Geschichte und wir beschäftigen uns noch mit dem eigenen Teller  und den Tellern der Anderen und kommen gar nicht mit uns „zum Rande.“ Muss man überhaupt zum Rande kommen? könnte eine Frage sein. Nein, nicht unbedingt, wäre eine Variante der möglichen Antworten, sondern nur, wenn entweder etwas geschieht, was einen zum Rand treibt und dort zu aufwendigen Prozessen, oder man freiwillig über sich hinausschauen möchte und das gefürchtete Ungewisse als den Ort der Liebe erkennt und erfährt.

Dann wiederum

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Ohne mich
kein Erwachen,
kein Dach über der
Großhirnrinde. Ohne
mich keine Wüste, keine
Wäsche, kein Hanfseil.
Keine Stille ohne mich,
kein Lärm und kein Ich.
Auch du gehst ohne mich
nicht einfach so hin.
Du kommst zu mir,
weil ich bin. Denn wen höre
ich ohne mich lachen.
Wer lebt überhaupt, solange
ich da bin. Wen kümmert’s,
wer vorher war und wer danach.
(Wenn nicht mich). Frei ist dies
Hiersein für mich, Wanderin
mit dem Schicksals-Rucksack.
Nicht zu erzeugen ohne mich
diese Tiefe unter dem
beweglichen Sand.
Dieser Urgrund,
aus dem heraus sich
mein Hiersein erfand.

 

geliebt

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Geliebt werden wir alle
von Licht und Unterschieden,
die sich ausbreiten in uns als
Besonderheiten der Gunst eines
nicht voreingenommenen Himmels.
Weit ist das Feld unserer Übung,
wenn der Tag naht, wo das Erdachte
abstirbt im Innern und Raum gibt für
das Wir zwischen uns. Wer sagt nun,
was gebiert und gebietet? Was lenkt
unsere Schritte? Was weist hin mit
dem formlosen Finger auf den Fluss
unserer Liebe, dem Gedeihen?
Einem zeitlosen Lächeln zuspielend,
dessen wir sicher sind.
Auf einem Schemel saß ich mit großem
Kopf und baumelnden Füßen am Rande
der heiligen Welt, wo ich empfing.

 

 

 

 

 

Ego-chanting

20160940

Only me!
Me that is all
I see.
Only me,
that is my destiny.
When I hold my hand,
I understand
the magic of this Me!
I’m my dream
come free
I love that only Me!

Only me!
The thoughts of
only me. Only me.
What else can
truly be?
When I look at me
I clearly see,
that I am truly me.
I’m my dream
come real.
It’s me! It’s me
I feel.

Only me
My mirror‘ s
only Me
is all I want to be!
When I look
for more
I still adore
the treasure
of that Me.
I’m my dream
come free
my Me is
only me.

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optimal

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Ein Mensch wollte einst die maximale Flexibilität
erreichen. Er tat alles, was für seine Optimierung
nötig war und erreichte das Menschenschierunmögliche.
Da erschien ihm die Schöpfung wie ein müder, müßiger
Traum, und er beklagte sich bei ihren Angestellten.

Rose Ausländer

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Manchmal spricht ein Baum
durch das Fenster mir Mut zu.

Manchmal leuchtet ein Buch
als Stern auf meinem Himmel,

manchmal ein Mensch,
den ich nicht kenne,
der meine Worte erkennt.

 

 

 

 

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Ich wollte zwischendrin nochmal erwähnen, dass in meinem Blog die Kategorie „Andere Quellen“ bedeutet, dass ich von Anfang an die Idee hatte, zumindest einen Tag in der Woche nicht eigene Texte hineinzugeben , sondern andere Stimmen sprechen zu lassen, und das immer am Sonntag.

 

kühl

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Die Radikali Lebensberaterin, deren Logo ein Radieschen war,
ließ sich ein auf den Wahnsinn des Unvorstellbaren und seine
unkörperlichen Möglichkeiten, und ersann zu diesem Zweck
eine Gletscherspalte mit ahnungsloser Tiefe, deren kühlen
Graden sie sich überließ. Dort fand sie eine Zweitwelt, die vor
allem entzückte durch Emotionslosigkeit. Ganz von Sinnen
besann sie sich auf ein altes Lied, das in sich kein Ende trug,
und führte es fort:

„Ja, kann denn Eis wirklich so heiß sein,
und muss denn das dann nicht heißen,
dass Feuer und Eis in Vergleichen
niemals den Kürzeren ziehen? Denn es
gibt im Polaren, wo wir ja grad waren,
den Vergleich an sich nicht mehr.
Darum freut sich das Herz, denn der
Schmerz undsoweiter, das alles führt
todsicher zum Heiteren.

Da fühlte sich der CCC (Cosmic Chorus Club)
angesprochen und stimmte ein in den Refrain:

Ist denn Sein allein nicht Grund genug?
Muss denn alles tief und dann noch  tiefer
sein? An der Oberfläche sieht der Pfau so
schön aus, müssen Hennen nicht können,
dass er einfach allein sei? Muss denn der
Zwang des Unterscheidenwollens immer
grad dann sein, und wann muss denn das
Dann wirklich mal dran sein? Warum, ja,
warum ist denn Sein allein  nicht Grund
genug zum Sein?

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(Vater)*

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Sie gestatten, dass ich heute einen Traum
bestatten kann im Schatten. Er wollte in mir
leben, doch ich war gezwungen, ihn aufzugeben.
Nun muss ich ihn begraben, oder soll ich ihn auf
Eis legen? Ein schöner Traum, ganz in Weiß,
auf Eis. Oder soll er sich selbst in Samadhi
begeben, dann könnte er geistreich weiterleben.
Oder soll ich ihn einfach lassen, statt die tiefe
Belehrung des Blassen erfassen? Von ihm ließ
ich mich kontrollieren, solange der Preis noch
nicht klar war. Aber als der dann da war, da
blieb mir nichts übrig als mich zu besinnen auf
das Entrinnen von ihm, meinem Traum, diesem
Etwas aus Schaum, denn mehr blieb von ihm
auch nicht übrig. Ich warf ihn, den Traum, dann
hinein in das Feuer. Es war nicht teuer, nur
schmerzhaft, ja, sehr, war der Saft seines süßen
Giftes.

 

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*Spät, aber dennoch: eine geistige Bestattung mit Hilfe des Textes.

 

geistern

20160918

Ich sehe, dass es geistert. Es geistert umher,
das hässliche Gesicht vom Ich. Mein Mein, mein
Mein. Mein Haus, mein Krieg, meine Meinung.
Wie da! Willst nicht wie ich?
In kalten Augen lodert das Licht
vom Ich-Gericht.
Das ist ja wohl!
Das geht ja nicht!
Rechtschaffene Empörung ist wunderbar für
mich, doch schrecklich für den Anderen.
Der Eine und der Andere sind im Krieg.
Wir machen Weltgeschichte.
Ihr Stamm vernichtet meinen Stamm,
und gleich darauf wir ihren. Überall, im
Teehaus und im Ehezimmer, im Waffenlager
dunkler Korridore geht es umher, das
hässliche Gesicht vom Ich. Opfert kostbare
Menschenleben, hat immer recht, und im
Gefrierfach schlummert das Gewissen.
Es ist Rapunzel, die zum Stecker geht.
Es ist sehr spät. Man hört ein Wummern.
Die Hand am Stecker zittert nicht.
Es muss nun sein.
Rapunzel als Befreier.
Danach geht sie zum Telefon
und wählt geheime Zahlen.
Der Präsident von U.S.A. ist da.
„Who’s speaking!?“
„It is Rapunzel, Sir.
Ich wollte Ihnen sagen, dass das Gefrierfach
offen ist. Die Stunde hat geschlagen!“

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Zwei Ohrwurm-Empfehlungen

zeitlos-im-seyn-002

Ab und zu kommt ja tatsächlich Erstaunliches auf einen (hier mich) zu,
und man fühlt eine tiefe Dankbarkeit für etwas seltsam Bewegendes, das
durch einen Menschen entstanden ist und wir daran teilnehmen können,
wenn das Erschaffene im offenen Raum erscheint. Spannend ist auch,
dass wir nie sicher sein können, dass das, was uns bewegt, auch Andere
tief empfinden lässt. So habe ich in den letzten Tagen zwei Videobeiträge
gesehen, die ich hier gerne empfehlen würde, weil sie ein gutes Beispiel
dafür sind, w i e unsicher man bleiben darf in der Vorstellung, etwas
gemeinsam Wahrgenommenes könnte gleichzeitig bedeuten, dass wir dasselbe
wahrnehmen (man wird ja nicht müde, sich selbst daran zu erinnern).
Was mir an den beiden Beiträgen gefällt ist, dass sie auf eine humorvolle
Weise politisch und menschlich (und künstlerisch) aussagekräftig sind,
und ja!, es ist erfreulich, diese Art von Humor bei Frauen zu finden, wo der
einst abgrundtiefe Schmerz der Erfahrungen einen kreativen Ausdruck
gefunden hat, der wiederum den gleichermaßen tiefen Humor erst möglich
macht, der in sich das große „Trotzdem“ birgt.

1.

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Der zum Ohrwurm genial geeignete Hit „Keks, alter Keks“ ist, wie ich gesehen habe,
schon eine ganze Weile ein Erfolg unter Netz-Stöberern, und musste einfach ein
Kult-Song werden. Er läuft unter „misheard lyrics“, eine Bezeichnung, die ich mühelos
verstehen kann, da ich in Indien dieselbe Angewohnheit habe, nämlich die aus Lautsprechern
oft unverständlichen Laute in eigene Prosa oder rhythmische Reime zu übersetzen,
ein reizvoller Zeitvertreib vor allem auf indischen Bahnhöfen, wo man oft nichts anderes
tun kann beim Warten als lauschen und auf das Gepäck achten. Der ursprüngliche Text des
schönen Liedes ist von dem Türken Ismail Yk,  fein komponiert und kombiniert
mit den Zeichnungen und Falschhörungen der Videokünstlerin Kathrin Fricke.

2.

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Die zweite Empfehlung ist ein Video der Künstlerin Monira Al Qadiri  (auf dem Photo) mit dem Titel „Wa Waila“, auch ein sehr trauriger und schöner Ohrwurm, den man gerne auch trotzdem genießen kann. Es ist ein uralt Lied aus Kuweit über die Qual und das Leiden…  (Oh Qual !
O armes Herz, gequält von der Leidenschaft und von  der Sehnsucht und von Liebe. Es hat so viel Schmerz gesehen….oh Qual…..etc.)
Der tiefgründige Humor durch einen Gender-Wechsel und das sonst ausschließlich von Männern gesungene Lied dient hier einer mutigen Aussage.

Erstes Video: YouTube „Keks alter Keks“ von Coldmirror

Zweites Video: YouTube „Wa Waila“ (Oh torment)

 

Hilfe!

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Hilfe, wir wachsen zu schnell!

Eine wissenschaftliche Studie hat bestätigt,
dass viele Deutsche nicht mehr wachsen wollen.
Sie empfinden sich als groß genug und sind über
den Zustand des Erwachsenseins verärgert.
Sie haben das Wachstum als zu schnell empfunden
und möchten lieber kleiner werden und im
Spielzimmer Platz haben. Davon profitiert die
Spielzeug-Industrie. Schwierig wird diese Phobie
in den Partnerschaften, wenn der/die Eine weiterwachsen
will, der/die Andere aber mehr Spielzeug haben möchte.

 

 

Pfad

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Auf dem bewegten Pfad des Absichtslosen überfiel mich
einmal eine traumatische Dumpfheit, ja. Die Fenster meiner
Monade erlaubten den klaren Ausblick nicht, so als hätten
sich versteinerte Substanzen zwischen Auge und Spiel geschoben.
Die Grenze innerer Länder lag noch spinnenwebenverwoben
zwischen Ausdruck und Möglichkeiten. Uralte Widerstände,
gebunden an Erfahrungsbereiche, ließen neue Konturen
nicht zu. Das dauerte an in seiner eigenen Weise, bis irgendwann
leise Freude aufkam am Nicht-mehr-denken-können.
Ja, worum ging’s? Es ging um nichts mehr oder weniger als
das, was da war und hörte nicht auf, und bestand dann nur
noch daraus. In den Tiefen geschahen Verfeinerungen. Regen
fiel auf das Gebäude. Wir waren im Westen.

 

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Das ist ein Text, den ich vor einigen Jahren nach der Rückkehr aus Indien geschrieben habe, Teil einer jahrelangen Transit-Praxis mit guten, aber oft auch einsamen Gefühlen, bis die „Integration“ ( dass ich das Wort in Anspruch nehme!) in die eigene Kultur wieder gelungen war. Obwohl ich heute den Text so nicht mehr schreiben würde, resonniert das Innere doch mit einem Gefühl, das darin enthalten ist. Der extreme Anspruch an Eigenart, der im Westen sehr ausgeprägt ist, vernebelt oft die Erkenntnis, wie sehr unser gefühlsmäßiges Erleben sich gleichen kann.

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Max Picard

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Niemals kann dem Menschen durch die Maschine
geholfen werden, weil sie den Menschen wegholt
von jener Zeit,  die ein Moment der Ewigkeit ist.
Die andauernd sich bewegende Maschine macht aus
der Zeit eine mechanisierte Dauer, wo es keinen für
sich bestehenden Augenblick gibt, der der Ewigkeit
gegenübertreten kann. Diese mechanische Dauer hat
überhaupt keine Beziehung zur Zeit, sie füllt die Zeit
nicht an, sondern den Raum. Die Zeit erscheint gestockt,
fest und in Raum verwandelt. So ist der Mensch
abgetrennt von der Zeit. Darum ist er so einsam vor
der Maschine, er ist nur ein Wesen des Raumes, und
anstatt dass die Zeit sich bewegt, scheint sich durch die
Bewegung der Maschine nur der Raum zu bewegen.
So lebt der Mensch im Raume, nur im Raume, wie in
einem Schacht ohne Ende, der durch die Maschine immer
tiefer sich gräbt. In dieser Welt der Maschine, die das
zu Eisen geronnene Wortgeräusch ist, kann niemals das
Wort des Dichters entstehen, denn das Wort des Dichters
kommt aus dem Schweigen, nicht aus dem Wortgeräusch.

 

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abstrakt

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Gespräche können schwierig sein, wenn die Begriffe nicht wirklich geklärt sind. Wir meinen
verschiedene Dinge mit denselben Begriffen. Ein gutes Beispiel ist der Begriff „abstrakt“,
der gern als „fremdartig“ oder „schwer zugänglich“ benutzt wird, während zB in Indien
unter dem „Abstrakten“ eher das Göttliche verstanden wird, sozusagen als reines Potential
des Geistes, aus dem die Form erst herausgeboren wird bzw.herausgeboren werden muss.
Abstraktion ist Essenz da, wo Form nicht mehr vortäuscht, alles zu sein. Erstes und letztes
Symbol. Dazwischen geschieht, was es zu dem macht, was es ist. Für mich bedeutet Abstraktion
u.a. etwas Praktisches, eine Kunst, sich im Ungewissen aufzuhalten, Yoganautik also und
poetische Navigation, klar, und Humor natürlich, der kann auch sehr abstrakt sein…

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„Die Ablösung der Malerei von der äußeren Erscheinungswelt ist verbunden mit einem Prozess der reflexiven Durchdringung der medialen Bedingungen der Produktion von Bildern; das sich auf sich selbst zurückwendende Werk legt die Eigenart seines Gemachtseins offen. In diesem Prozess stellt sich zwangsläufig die Frage nach den Kriterien der Organisation seiner Form: auf welche Prinzipen kann sich die Malerei stützen, nachdem die Welt der Erscheinungen ihre leitende Funktion eingebüßt hat?“ Hans Zitko

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tödlich

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Es war einmal eine Zeit, da konnte man auf den
Werbeflächen der Welt auf die eine oder andere
Weise lesen, dass das Leben tödlich sei. Die
Menschen gewöhnten sich an die Aussage und
glaubten sie und dachten letztendlich, dass sie
wahr sei. Und wenn sie nicht daran gestorben
sind, dann glauben sie es noch heute.

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Der gewitzte Gegenspieler, der mich überzeugen wollen könnte, dass das Leben in der Tat tödlich sei, hätte leichtes Spiel mit der Überrumpelung, aber nicht wirklich. Das Leben hat einen tödlichen Ausgang, das ist wahr.

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Bild: Graffiti von der Berliner Mauer aus „Auf die Dauer fällt die Mauer“

erschließen

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Es ist zweifellos ein Phänomen des menschlichen Lebens, dass wir uns selbst im Weg stehen und uns praktisch und paradoxerweise nur über den Weg des Bewusstseins erkennen können und auf uns zugehen, als wären wir Fremde, die es zu ergründen gilt. Sehr vieles weiß ich gar nicht von mir, zB weiß ich nicht wirklich, woher ich diese Leidenschaft des Ergründens habe und es als bereichernd empfinde, am Abenteuer des Lebens als mich selbst beteiligt zu sein. Ich muss schon, auch mal mit Bedauern*, sagen, dass ich ohne professionelle Schulung in geistigen Vorgängen manche Gefahren nicht erkannt hätte. Oft sieht man auch in Prozessen des Erwachens nicht gut aus, denn das Erkennen von sich selbst ist in allen Kulturen immer fachmännisch begleitet worden. Dennoch gibt es keine Garantie, dass man letztendlich auf sich trifft. Eine Idee wie die Wiedergeburt ist sicherlich eine sehr tröstliche Aussicht für Menschen gewesen, die in ihrem Schicksal keine Möglichkeit vorfinden konnten, es zu gestalten. Je tiefer durchdacht, desto einfacher werden die Fragen. Bei aller Unterschiedlichkeit ging und geht es bei allen Kulturen um die ersten und letzten grundsätzlichen Fragen, die das menschliche Dasein betreffen, zB „Wie geht es mir selbst mit mir und dann mit den Anderen? Ich selbst, wer ist das? Warum muss ich mich noch erkennen, da ich schon da bin? „Ich denke nicht, dass Fragen unbedingt eine letzte Antwort brauchen, an die man sich haften kann, aber sie sind doch sehr wertvoll, wenn man mit sich selbst im Gespräch ist, wie es unsere Freunde aus der Antike vorgeschlagen bzw vorgedacht haben, eben damit wir die potentielle Einfachheit des Daseins durch und mit uns selbst erreichen können….

******************************************************************************************************************************Ich habe nachträglich ein Sternchen bei Bedauern eingefügt, weil mir klar wurde, dass niemand verstehen kann, was ich hier bedaure. Und zwar bedauere ich manchmal, wenn ich mich mit Menschen in tiefere Ebenen des Gespräches bewege, dass ich mir aus meiner Erfahrung bis jetzt noch nicht vorstellen kann, dass ein Mensch einfach ohne Praxis im Seinszustand, heißt: bei sich selbst, landen kann. Es soll Ausnahmen geben, und in Indien gibt es Geschichten, die erzählen, wie früh ein bewusster und befreiter Geist sich in einem Menschen gezeigt hat, was nicht heißt, dass diesem Menschen dann die Schulung erspart wurde, im Gegenteil: sie wurde intensiviert,-Bei gelungener Landung gibt es das Bild des Diamanten, ein Symbol des geistigen Zustandes, wenn die Facetten des eigenen Wesens genügend durchleuchtet wurden. Ich bedauere also manchmal sagen zu müssen, dass ich keine Abkürzungen kenne für diesen Weg, der letztendlich ja nicht menschlichen, sondern universellen Gesetzmäßigkeiten folgt wie zB das Gesetz von Ursache und Wirkung….etc

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Die beiden goldenen Schuhe im Bild habe ich gestern von einer Puppenspielerin geschenkt bekommen…

access*

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Aus den Griffen gelöst.
Gedehnt in das weitaus Mögliche…
Das Unvorstellbare bejaht
aus tiefstem Herzen.
Dem Vorgestellten Achtung erwiesen –
allein schon der Vielfalt wegen!
Tief eingeatmet
das unermessliche Reich,
und mit aufquellender Dankbarkeit
Zugang erhalten zum Ureigenen.

 

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*Access=Zugang. Das sind zwei Worte, die ich sehr schätze. Interessant, dass in „Zugang“ der Gang noch zu sein kann, während „access“ schon eine klare Gegebenheit ist. Wer Sprache liebt, liebt wohl auch das selbständige Denken, und das Reflektieren und Kontemplieren, und die Freude, dadurch Zugang zu erhalten zu Menschen und Dingen und Tieren und Pflanzen. Das Denken als eine großartige Möglichkeit, den für einen selbst und für andere  adäquaten Umgang mit dem Daseienden zu finden.

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ahnen

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Da! Liebe!
Da sitzt Liebe. Da
rollt sie entlang,
begleitet sich selbst,
lässt sich stehen. Da
fließt sie und weht
dann am Boden. Da
wieder kräuselt sie
entlang am wilden
Wasserbogen. Da fühlt
sie das blassrote Buschwerk
an der Stein-Spiegelung,
versucht spielerisch, einen
Schatten auszuwerfen
über das Lichtbad, tummelt
sich und geht umher mit aufgeregtem
Festhalten, wagt einen Blick über
die Klagemauer: da schreckt sie zurück
vom Erwarteten, dehnt sich aus ins
Ungedachte. Liebe. Da streifst du
über mich hin und durch mich hindurch
und lässt mich ahnen, was Freiheit ist.

 

sichtbare Zungen

Als ich in der „Zeit“ vom 22. September Bild 3 gesehen habe, dachte ich, d i e drei Bilder zusammenzufügen, die ich von imposanten Zungenrausstrecker/Innen kenne, und war damit sehr zufrieden. Da ich aber keinen Text zur Verfügung hatte, schaute ich mal unter „Zunge raus“ nach und hatte einen dieser Netz-Schocks, da es dort von rausgestreckten Zungen geradezu wimmelte. Was tun? Na ja, dachte ich, was gehen mich andere Zungenrausstrecker/Innen an, wenn ich doch mit meinen 3 Bildern zufrieden bin. Es soll ja nur ein kleiner Einblick in die Welt des Zungenrausstreckens sein, dafür ist es doch sehr gelungen, denn auch das Zungenrausstrecken sieht nicht bei allen Menschen überzeugend aus, obwohl es immer bestehende Konventionen durchbricht oder zumindest dafür dienen soll. Die Bilder hier zeigen Einstein, Kali und das Bild der jungen Dame aus der Zeit.

1

2

Kali

3

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Ein Satz von Marie-Luise Kaschnitz

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Um den Himmel flogen
selbständig rechnende Geräte
zeichneten auf den Grad
unserer Fühllosigkeit
den Bogen  unserer
Verzweiflung

 

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Dieser Satz stand auf einem der Blätter, die sich bei mir ansammeln, weil etwas auf ihnen steht, das mich erreicht hat. Er ist ganz sicher  Teil eines größeren Gedichtes, zeigt aber auch, wie gut ein tiefer Satz für sich stehen kann. Ich bin auf der Suche nach dem Gedicht, habe es aber noch nicht gefunden.

zuhause

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Wir sind zu Hause. Wir sind da.
Zuhause. Freunde! Leute! Völker!
Stämme! Einen anderen Ort gibt
es nicht. Hier ist der Ort. Alles ist
Ort. Am Ort. Wir sind am Ort.
Der Ort und wir. Das große Tor
sind wir. Ich Ort bin Tor.
Schwingendes großes Tor ist der
Ort. Drinnen ist der Ort wie
draußen. Drinnen und Draußen
sind Ort. Ordnung ist Licht am Ort.
Ort und Ordnung sind Licht. Wenn
wir dort sind, sind wir Licht-Ort.
Alles ist Tor-geboren. Bewusstsein
ist Ordnung am Tor. Achtung!
Alles ist Prägung am Ort. Der Geist
prägt den Ort. Welt entsteht und
vergeht. Vollkommen klar und sichtbar.

Auge

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Da blicke ich doch just
in ein unergründliches,
freundliches Auge,
das mich wortlos fragt:
„Hast du schon einmal
einen Menschen
selbstlos geliebt?“

Allein das: Wie meint das Auge
die Frage!? Und wenn ich nur,
nur das Auge geliebt hätte,
was dann, ja, was dann?