hineinhorchen

Ich komme von einem langen Gespräch mit Sakshi, die in einem Krankenhaus in Kishangarh als Ärztin tätig, gerade aber in Kindspause ist, der Sohn ist ein Jahr, es schien eine gute Ehe, Vivek verdient gut als Ingenieur auf einem Schiff, kommt immer nur alle sechs Monate, was wahrscheinlich zum guten Bestehen der Ehe beigetragen hat. Allerdings war ich in Indien schon daran gewöhnt, die häuslichen Abgründe nie an den Gesichtern ablesen zu können, denn sie wurden auch innen im Haus tabuisiert, und wenn etwas eindeutig nicht stimmte, war es immer die Frau. In Indien ging man so weit, es als Lösung zu deklarieren, wenn der Vergewaltiger die Frau heiratet, basta. Und so nice Vivek eben war, so führte es doch zu Spannungen, dass Sakshi (auch) redete. Das fanden vor allem die Schwiegereltern unangebracht, und da sollte sie mit ihm leben und die notwendige Zähmung erfahren, den Schliff also der akzeptablen indischen Gattin, die günstigerweise jegliches Interesse an sich selbst verliert, um dem Dienst am Mann gerecht zu werden. Sakshi kann das nicht, man kann sie nicht kontrollieren, und so geht die Ehe flöten, und der Sohn wird den Papa nicht neben sich haben. So wha!, sagt sie, dann halt nicht. Und so kommen Löcher in das als ehrwürdig betrachtete Netz, das es sicherlich einst war, aber jetzt zu viele Leben abgewürgt werden unter dem dem todbringenden Siegel der Scheinheiligkeit, dem sich nicht nur Donald Trump, sondern auch Narendra Modi verpflichtet fühlt, und all den anderen Frauenkontrollierern. Deswegen schaue ich gerade gerne hinein in das Amerika, das etwas zelebriert, was wie ausgestorben schien. Der hoffnungsvolle Stimmungsumschwung, bei dem man erleben kann, was auch möglich ist, vielleicht nicht durchgehend so ekstatisch, denn schwierige Zeiten werden weiterhin kommen, aber wichtig ist, es einmal zu spuren. Da ist auch was, was Amerikaner:innen können, wenn man sie lässt. Sie können auf hochoffiziellen Bühnen von ihren Müttern reden und von ihren Kindern und Großeltern, und Michelle Obama endet ihre flammende politische Rede mit der Begrüßung ihres Mannes als „the love of my life, und man glaubt es, weil der Ton einen aus dem Schutzraum lockt. Und das sage ich, weil es selten ist, dieser tiefmenschliche Ton, der keine Kriege beenden kann, nein, aber als Basis für alle klugen Handlungen unentbehrlich ist. Nicht verpassen!

haushalten

Es ist hilfreich und bereichernd, wenn man eine bestimmte Fremdsprache gut genug spricht, um zum Beispiel einer exzellenten Rede mühelos folgen zu können, obwohl man Englisch kaum mehr eine Fremdsprache nennen kann, da sie bzw. es überall mitläuft und unsere Leben durchwebt. Nun habe ich heute früh mal reingeschaut, kurz sollte es sein, in den DNC, also das National Democratic Committee, den Parteitag der Demokraten. Er wird als Zünglein an der Waage für die politische Akzeptanz von Kamala Harris gesehen. Es war eine wahre Freude, das Befindlichkeitslevel dieses Saales förmlich zu spüren, wo es viel um Respekt für Joe Biden ging, der immerhin einiges Bemerkenswerte geleistet hat. Dann die Rede von Hillary Clinton, die einige Erinnerungen in einem hochwirbeln ließ, als sie damals faktisch gewonnen hatte mit ein paar tausend Stmmen mehr, dann aber doch übergeben musste an den Unerwünschten. Das war jetzt ihr Moment, 2024, so ein Moment, der die ganzen bewältigten Abgründe als den einzig möglichen Weg zeigten, um nun mit authentischer Stimme zu sehr vielen Menschen zu reden und sie zu gewinnen für den Quantensprung in eine neue Phase der Weltgeschichte. Es gibt sie tatsächlich, solche Momente, wo der Kipppunkt erreicht ist, wodurch verborgene Kräfte freigelegt werden und unaufhaltsam ihre Wirkung entfalten. Eine flammende Rede hat sie gehalten, deren Inhalt sicherlich mit einigen Einbußen geschmückt sein wird, aber es war dennoch glaubwürdig genug für den frischen Wind am renovierten Tor. Und vielleicht ist ja nur ein eiserner Bann gebrochen, denn man sieht nun sehr schön in Szene gesetzt, wie die Angst vor den dämonischen Kräften eine Gegenwirkung und Heilung erfährt, und ja, das ist es, es ist die sich auflösende Angst vor den dunklen und ignoranten Kräften des Diktators. Denn Dämonen ernähren sich von Angst, und Todesangst in anderen auslösen zu können ist ihre Sahne. Daher ein wunderbarer Anfang, der nun der Welt gehört, denn auch gute Gedanken und Ideen sind anregend und übertragbar auf den Alltag, also den Haushalt des Menschen.

führen

Das Phänomen des Erscheinens von Kamala Harris auf der politischen Bühne ist ein Lichtblick in dieser Zeit, denn es verblüfft in sich selbst erzeugender Wirklichkeit vor allem durch die Einfachheit, mit der es stattfindet. Eine Frau, von der jeder wusste, dass sie da war, aber sonst wusste man nicht viel. Ich erinnere mich gut daran, nach der ersten Freude über ihre Nominierung als Vizekanzlerin enttäuscht zu sein über das Wenige, das dann aus dem gewonnenen Feld herauskam. Nun kann man sehen, dass sie in ihrem Element ist und auf jeden Fall bisher ziemlich guten Beweis geliefert hat über ihre Führungsqualität(en). Das muss auch nicht immer sympatisch sein, das muss nur gut sein und nachvollziehbar. Führungspersönlichkeiten haben immer mit bestimmten Formen von Dummheit zu tun, weil natürlich alle auf ihre Weise die Besten sein wollen. Nun kann man dem armseligen Ex-Präsidenten zuschauen, wie er seine Fassung verliert und er, auf einmal hilflos, sieht, wie sein ganzes Weltbild zerbricht. Wodurch zerbricht es? Das vollkommen Unerwartete hat seine Blase erreicht und durchbohrt, und auf einmal weigert sich sogar die böse Fee, seine Befehle auszuführen, denn man verliert ungern die Kontrolle über ein sinkendes Schiff. Natürlich ist noch nichts gewonnen oder verloren und was kann nicht noch alles geschehen, was aber gar nicht sein muss, so wird doch der enorme Coup seine Wirkung zeigen und die Menschen vor wesentliche Entscheidungen stellen. Denn das Eine ist, tatsächlich nicht zu wissen, was man tut, und das Andere ist zu wissen, was man auf keinen Fall tun sollte und es trotzdem zu tun. Meist aus Profitgier oder dem Fähnchenschwenken für die Influencer:innen, wobei sich auch hier die Qualität des Einflusses, den ein Mensch aktivieren kann, enorm unterscheidet. Und was da gerade in Amerika geschieht, ist ja kein banaler Klacks, nein, es ist ein Gongschlag im Nu der großen Drehung. Schuppen fallen von den Augen, die erhabene Aufklärung höchstpersönlich setzt sich ein beim Durchdringen von Ohren, die lange nichts gehört haben, weil es nichts mehr zu hören gab. Nun trauert der versinkende Ex-Präsident seinem früheren Kontrahenten nach, den er geeignet hielt für Übertölpelung, und nun ist es aus. Das Spiel ist aus, also dieses ganze, absurde Spiel, dessen Ausführende meist weiße Haut haben, meist männlichen Geschlechtes sind, und lebensgefährlich.

Aristoteles

Der Mensch ist in keinem Subjekt. Denn der Mensch ist nicht
in einem bestimmten Menschen.

widersprüchlich

Es erscheint zweifellos als ein Widerspruch, wenn ich sage, dass meine Freiheit, vom momentanen Standpunkt aus gesehen, (auch) aus der Tatsache besteht, dass ich keine Wahl habe. Das ist ebenfalls widersprüchlich, denn niemand beschränkt meine Freiheit im öffentlichen Raum der Gesellschaft, immer im Rahmen einer wenn auch minimalen Anpassungsbereitschaft, zum Beispiel im Verkehr oder dem Umgang mit Mitmenschen. Was sollte mir jemand auch verwehren, ich kann überall hingehen, wo mich etwas interessiert oder kann mich weiterbilden oder eine Cannabispflanze besitzen, ich kann essen und trinken und schauen, was ich will, vielleicht nochmal die ganze Staffel von Raumschiff Enterprise Last Generation undsoweiter undsoweiter. Das ist viel im Vergleich zu einer Gesellschaft, in der ein hervorlugendes Frauenhaar schon zum Tod führen kann. Und nun gibt es die Frage, was ich mit dieser Freiheit anfangen will und kann. Das eigene Maß muss ermittelt werden, um im Triebwerk des Angebots nicht unterzugehen, wobei die Erfahrung des Versinkens auch sehr hilfreich sein kann, denn die Abgründe haben nur ein begrenztes Potential an Dunkel zur Verfügung, dann muss man schauen, wenn man noch will und kann, wie es weitergeht. Ohne es zu verdammen, lässt man dies und jenes sein und sammelt genug Vertrauen in die eigene Handhabung, damit man sich selbst sein lassen kann. Man beobachtet noch eine Weile, wie der Geist sich erfreut und erfrischt an der Vereinfachung des Komplizierten, was die Freude an der Komplexität der Dinge erhöht. Es ist nun einmal so, dass der Widerspruch im Außen nicht aufgelöst werden kann, da das angelegte Trainingsprogramm des Weltgefüges auf der unverrückbaren Gesetzmäßigkeit des Dualen und seinen Manifestationen beruht. Der Geist aber kann das: in der freischwebenden Aufmerksamkeit mit sich selbst als sich selbst sein, und sich dadurch nicht widersprechen. Es ist genau diese scheinbare Leere, die in ihrer zeitlosen Präzision und Freiheit (zum Glück) keine Wahl mehr hat als zu sein, was sie ist, und als solches auch wahrgenommen werden kann.

zusammenhängen

Es ist zweifellos von großer Wichtigkeit und hohem Wert und professionellem Knowhow, Zusammenhänge erkennen zu können, denn es gibt sie, und sie geben Aufschluss auf das Erleben des Weltendramas. Wo komme ich her, wo gehe ich hin, wie hängt das Ganze zusammen. Dabei vergessen wir oft oder haben es noch gar nicht bemerkt, dass wir selbst konstant an diesem Konstrukt beteiligt sind. Wir wählen die Zusammenhänge, die uns logisch erscheinen, glauben aber auch gerne, was die Anderen uns erzählen über ihre Vorstellungen. Manchmal müssen noch die notwendigen Messgeraäte erfunden werden, um ganz sicher zu sein, dass die Erde keine Scheibe ist, obwohl das für die Damaligen vielleicht gar keinen so großen Unterschied gemacht hat. Sie haben andere Zusammenhänge hergestellt, es können Götter gewesen sein oder Zwerge, oder wie die Inderin, die Einstein während eines Vortrages erklärte, er müsse doch wissen, dass die Welt auf einer Schildkröte ruhe. Ich habe auch noch niemanden in Indien getroffen, der oder die ernsthaft infrage stellen würde, dass jede Gottheit ein eigenes Fahrzeug hat, und überhaupt toben sich vor allem in religiösen Ideologien die abstrusesten Zusammenhänge aus, denn da, wo Gott angeblich herrscht und befiehlt und erzieht, da gibt es keinen Hemmschuh mehr in der Erzählkunst, und gerne wüsste man, wie und wo und von wem das alles erschaffen wurde. Und können nicht für das gleiche Ereignis völlig unterschiedliche Zusammenhänge erstellt werden, die alle den nötigen Tropfen Wahrheit enthalten, also genug Erzählsubstanz, um es als glaubhaft verkaufen zu können, aber nicht nur verkaufen, sondern auch fest dran glauben. Frauen, die ihren Töchtern in bester Überzeugung des richtigen und angemessenen Handelns die Schamlippen mit der Rasierklinge abschneiden, stellen meist keinen direkten Zusammenhang her mit der offensichtlichen Entgleisung des männlichen Gehirns, wo man beim Nachgrübeln eher an gebundene Füsse und Geishas und Dominas denkt, also dort, wo immer jemand sagen kann: das wollen die doch auch. Man kann Zusammenhänge auch sprengen, immer kommt es darauf an, um was es geht. Also doch die Zusammenhänge. Die Einzelteile des Puzzles, das Gesamtbild. Und soll das Gesamtbild nur mein persönliches sein, oder gibt es überhaupt eine Befindlichkeit, die keinen Zusammenhang generiert. Oder ist die Tatsache, dass alles auf niemals erklärbare Weise mit allem zusmmenhängt, nicht gerade durch ihre Plausibilität das Tor zur Freiheit, also der Befreiung von der Sucht nach Zusammenhang?

Vor allem hat mich der Schlüssel bewegt,
der gleichzeitig Kreis ist und Tor, und die
Seherin in mir fühlt sich sicher auf dem
unbeweglichen Augenlid
unseres gemeinsamen Schauens.

Nun, da entwaffnet von dieser Lösung
und gleichsam geschliffen
vom Antrieb des Menschseins, von sich
selbst durch sich selbst noch enthaftet,
bleibt mir der Blick auf das ewige Rätsel
erhalten, und im Nu bin ich Schlüssel,
bin der Kreis und das Tor – bin bewegt
vom Nichts des Gleichzeitigen.

sommern

Jahrelang dachte ich, Gottfried Benn sagt in seinem Gedicht „Was schlimm ist“, dass es am schlimmsten sei, im Sommer zu sterben. Aber nein!, stellte ich eines Tages fest, er findet es ‚am schlimmsten, n i c h t im Sommer zu sterben, weil da alles hell ist und die Erde für Spaten leicht‘. Der Sommer ermöglicht auf jeden Fall so einiges, was sonst nicht möglich wäre, ja was ist denn das? In Indien war im Winter der perfekte Sommer für mich (und viele andere), auch mal so richtig schön kalt nachts und am frühen Morgen, um dann mit Sonnenaufgang langsam in die Wärme zu wandern, und selten ein paar Tröpfchen. Das dehnte sich über Monate hinweg und endete oft Ende März herum mit Temperaturen bis zu 49 Grad, was dann für die indische Bevölkerung ihren Sommer einläutete, von dem wir uns dankend entfernten, um in das westliche Klima einzutauchen. Wohlhabende Inder gehen im Sommer in die Berge, die anderen harren einfach aus. Und für die Zurückkehrendendann, wieder im Westen angekommen, eine Wartezeit in Hinblick auf das Klima beginnt, weil man dann doch bei aller Gelassenheit die Sonne mal sehen möchte und draußen wieder mal frühstücken, umgeben von geballtem Grün, ein Genuss für die Augen. Dann brechen auf einmal die Blüten aus, man kommt kaum hinterher mit der Bewunderung, dann die Bäume, und der Frost, der einen Teil davon wieder vernichtet. Menschen erinnern sich an die Wälder und kaufen sich nordic walking sticks.Die in den Sommerferien In-die-Ferienfahrer:innen ringen nach Luft in den Stauschlangen. Auch von den Lieblingsorten kommt Gegenwehr. Die Leute, also die Einheimischen, wollen wieder ihr eigenes Leben leben,, wer will’s verdenken. Zuerst geht es ja nur um Profit, auf beiden Seiten, die Fremden zahlen, man kann sich entwickeln oder die Kinder in die Schule schicken. Dann wird das Genug verpasst, und Enthemmung und Missachtung bahnen sich Wege. Das geschieht alles im Sommer. Man will hinaus, und sieht dort andere Kostüme, andere Schuhe als sonst, wenn nicht Sommer ist. Den Tieren geht es auch besser, ihr Geruchsinn blüht ins Unermessliche, es ist Abenteuerzeit, manchmal sieht man Leuchtkäfer oder die Sterne. Bei mir im Zimmer ist Toscana Flair, die Fenster sind ziemlich verdunkelt, düch da, wo ich sitze, habe ich einen Spalt geöffnet und nehme immer mal wieder das gewaltige Schauspiel auf. Besonders gerne mag ich den Sommerregen, dann wird alles versorgt mit dem Wesentlichen. Sommer – langer Gedankenstrich —

Eine Radiosprecherin meinte, sie müsse sich nun den Entzugserscheinungen widmen, wenn abends keine olympischen Spiele mehr zu sehen sind. Natürlich haben wir auch das großartige Spektakel von Paris geschaut, es sprengte ja so einige Grenzen, die man für unüberwindbar hält. Und offensichtlich ist die Begeisterung bis Bewunderung unter den Völkern so groß, dass die Menschen keine Mühe scheuen, zu solchen Events zu pilgern. Und man merkt ja an sich selber, wie man zum überforderten, oder auch zum unterforderten Kind wird und Bauklötze staunt über die Körper, was die so alles können, wenn man ihnen, oder ihm, sehr, sehr viel Zeit widmet, möglichst wenig Ferien hat und jeden Tag beim Trainer oder der Trainerin ankommt. Die Trainer der Welt haben scharfe Augen und erkennen, aus wem sich unter vielen Umständen was machen lässt, wenn das Material und der Kopf darin durchhält, denn auch im Ballettunterricht wimmelt es wahrscheinlich nicht von Primaballerinas. Deswegen bleibt man noch eine Weile sitzen und betrachtet die Körpermeister:innen, also die, die es geschafft haben und trotzdem von einem Zentimeter abhängig sind, an dem meist ein finanzieller Verlust klebt. Ein ambivalentes Geschäft, das mit dem Zeh den Menschenhandel berührt. Aber es hat schon was Faszinierendes, wenn es Menschen gelingt, ihre eigenen Grenzen zu sprengen. Wenn man jetzt von diesen körperlich sichtbaren Glanzleistungen, deren Quelle auch im Inneren liegt, auf die geistigen Glanzleistungen schaut, die in der Weltgeshcichte zu finden sind, so verwischen sich die Unterschiede zwischen Körper und Geist. Das heißt nicht, dass automatisch im weniger trainierten Körper kein gesunder Geist sein kann, oder im optimierten Körper unbedingt ein klarer Geist, sondern Körper und Geist geht es wahrscheinlich am besten, wenn sie ein gutes, ihren Bedingungen entsprechendes Verhältnis miteinander haben, sodass das Schicksal, das zu gestalten und zu bewältigen ist, in förderlichster Weise für mich und meine Umgebung gehandhabt werden kann. Besessenheit und Ehrgeiz kosten Nerven, aber klar, es gibt auch die Herausforderung und den Kitzel. Besser und mehr sein als die Anderen, auch wenn es nur auf einer Holzstange ist. Trotzdem war es anregend, hineinzuschauen. Nichts gegen schöne, nehazu vollkommene Körper!. Dieser radikale Triumph über das Vorstellbare!, begleitet vom Schatten des Vergänglichen.

strapazieren

Wir haben die „Zeit“ abonniert, die zum Glück nur einmal die Woche kommt, damit man überhaupt eine Chance hat, die oft ziemlich guten Artikel zu entdecken und zu verstehen und zu verdauen, meist gelingt es nicht. Deswegen entwickelt sich eine lockere Vorliebe für bestimmte Beiträge und Schreiberlinge, die mit dem eigenen Nachdenken über gewisse Themen anregend wirken, bzw. die eigene Sichtweise erweitern helfen. Es gibt auch eine Seite, gegen die ich eine derartige Abneigung hege (und pflege?), sodass sich in meiner mentalen Letterbox schon Briefdurchgänge entwickelt haben, an die Redaktion gerichtet und mit der notwendigen Empörung ausgestattet. Aber so sehr strapaziert es mich nun auch wieder nicht, oder fürchte ich eher, dass man mir keinerlei Verständnis entgegenbringen wird, weil sie, die dafür Verantwortlichen, es ja völlig anders sehen wie ich. Und die Seite muss beliebt sein, sonst würden sie sich ja nicht solch eine Mühe geben. Jetzt muss ich natürlich Farbe bekennen, sonst weiß ja niemand, um was es hier geht. Also da sieht man in jeder Ausgabe auf der Seite das sorgfältig produzierte Photo eines Tieres, und der dazugehörige Spruch ist ‚Du siehst aus, wie ich mich fühle‘. Das Tier sieht aus, wie ich mich fühle?, dachte ich mehrmals, oder sagt das Tier das zum Menschen. Da tut ein Geist, getarnt durch eine nichtexistierende Fröhlichkeit, tut also so, als ginge das, dass ich ein Zebra sehe und denke ‚Wow, du siehst aus, wie ich mich fühle‘, ganz abgesehen davon, dass es in kargen Momenten auch mal vorkommen kann, dass man dieser Illusion unterliegt. Ich finde, dass hier beide, Mensch und Tier, in einen nicht vorhandenen Topf geworfen werden, wo sie beide ihren ureigenen Glanz verlieren. Deswegen hat ja der Prophet, den Kahil Gibran hervorgezaubert hat, zu den Versammelten gesagt: Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind das Geschenk des Lebens an sich selbst. Und, jetzt in meinen Worten, drückt ihnen nicht eure Vorstellungen auf, sondern schaut hin und lasst euch überraschen, wer da zu euch gekommen ist. In diesem Sinne finde ich, dass dem Tier Unrecht getan wird, wenn man glaubt, es sei lustig, wenn man dem Äffchen ein kleines Kleidchen anzieht, damit es aussieht wie ein kleines Menschlein, während es mit seiner ganzen Arglosigkeit den Menschen zum Affen macht. Du siehst aus, wie ich mich fühle? Dafür müsste man zuerst wissen, was man fühlt, denn wie könnte man es sonst im Aussehen einer anderen Kreatur erkennen?

Theodor Adorno

Ich glaube, wenn ich das bei mir richtig sehe – so etwas ist natürlich schwer über sich selbst zu sagen, so waren es zwei Dinge: Auf der einen Seite eine Art von geistigem Audrucksbedürfnis, das eben von früh auf bei mir in der Philosophie ein adäquates Medium gefunden hat. Dann aber auch das Bedürfnis des Deutens, also das bei mir sehr früh vorhandene Gefühl, nicht der Fassade zu glauben, sich nicht bei dem zu bescheiden, was die Oberfläche der Erfahrug einem vorgaukelt, sondern dahinter zu kommen, was an Bewegungsgesetzen dahinter steckt.

Cat-Lady *
In diesem erfreulichen Zeitmoment in Amerika haben sich ein paar tausend Catladies zusammengetan unter dem Logo ‚Catladies for Harris‘, ein gutes Beispiel dafür, wie man elegant und mühelos einen derben Spieß umdrehen kann in eine vom Herausforderer nicht weniger gefürchtete Waffe, und zwar nicht nur die Entwaffnung durch Humor, sondern der Einsatz dieses Werkzeuges als ein wirksames und auf einmal wohlklingendes Instrument. Kamala Harris lacht sich gerade mit scharfer Intelligenz an die nicht mehr dehnbare Vorderfront, und natürlich wird es da in die weiteren Prüfungen gehen. Aber vor den wirklich politischen Entscheidungen, die anfallen werden, wenn das Amt übergeben wird, steht für die amerikanische Medienwelt die Frage, ob sie die Kraft haben wird, alle Ebenen der Dreckskampagne erfolgreich zu überleben. Zum Glück haben Frauen dem Catlady-Begriff keinen ‚Hunde-Gentleman‘ entgegengeworfen, man wehrt sich dann doch gegen Ansteckung vom Schmutzfink-Syndrom und staunt, dass es bei einer solchen Masse von Menschen in die Blutbahn geraten ist und dort die Banalität des Bösen in die Zellen einlässt. Aber es ist ja nun etwas ganz Außerordentliches geschehen, etwas gänzlich Unerwartetes, das von den meisten einigermaßen funktionierenden Gehirnen automatisch mitgegrübelt wird, weil es die bestehende Ordnung, an die man sich gewöhnt hat, durcheinanderwirbelt. Und sie, Harris, hat es tatsächlich geschafft, dass sich die beklemmende Angst vor der Unausweichlicheit der Lage, nämlich in einem egomanischen Dummkopf den nächsten Diktatur zu wissen, dass sich diese Angst langsam auflöst, weil das Machtzentrum sich verschoben hat. Und da Kamala Harris eine ihrer Wurzeln in Indien hat, ist sie nicht nur die Frau der Stunde, sondern auch die Kali der Stunde, denn sie hat dem Kaiser die Illusion seines Herrschergewandes genommen, und da steht er nun, entblößt in die Groteske geworfen, und es fehlen die Worte der glaubwürdigen Wirksamkeit. Einem diktatorichen Herrscher kann nichts Schlimmeres passieren, als wenn man die Angst vor ihm verliert. Es ist gefährlich, kein Zweifel, aber seine verzweifelte Suche nach der gewohnten Resonanz kann auch in Wimmern übergehen, man wird sehen, wo es hingeht. Auf jeden Fall ist der Bann durchbrochen und die befreiten Energieströme bilden sich zu neuen Formationen, zum Beispiel ‚Catladies for Harris. Oder man ermöglicht dem positiven Schub Zugang zum eigenen System, wo die Offenheit für das kreative Wesen des Schöpferischen bejaht wird.
* Gemälde von Ursula Güdelhöfer

*

rätseln

Wir sehen alle während des Entlangwanderns auf unserer Lebensstrecke, dass Erscheinungen aller Art kommen und gehen, das Flüchtige und das sich Verflüchtende ist offen sichtbar, was den Drang nach Haltbarkeit und Stabilität fördert. In Wirklichkeit, also in einer der nennbaren Wirklichkeiten, haben wir gar keine Wahl als mitzutanzen im Wirbelsturm der Atome, und können uns natürlich durchsetzen mit allen Kräften, die uns zur Verfügung stehen. Oder auch im Auge des Sturmes sich konzentrieren auf die Deutung der Kernidee, die einerseits einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit hat, andrerseits geradezu erbarmungslos individuell ist. Denn egal, wo wir gelernt und gelehrt und ausgeübt haben, was wir mussten und auch konnten, so bleibt doch das Auge auf uns selbst gerichtet, weil es noch diese Lücke gibt zwischen dem Ich und dem Ich und es klar ist, dass diese Verbindung nur geistig geschehen kann, denn eins und eins macht hier nicht zwei, sondern drei und ist Baustein und Potential für die nächste Strecke des Pfades. Nun kann man dem Geschehen ungehindertet zuschauen. Im Haushalt der überfließenden Emotionen tritt spürbare Ermüdung ein. Der Wille zum Meinen versiegt widerwillig. Der Verzicht darauf kostet Nerven und macht Arbeit. Da, wo die Erwartungshaltung auf null sinkt, spürt man auf einmal den Windhauch. Der staubige Pfad weitet sich aus in den Freiraum. Neue Aufgaben locken mit allem und nichts. Da hat sich etwas aus dem Staube gemacht. (Rätsel).

om krim bim!

Om shrim! krim! bim!
Plem!Plem! Klim!

Frage:

Was spinnst du?
Was spinnst du?
Was spinnst du
da so alleine?

Antwort:

Aus meinem Faden
rinnen Spielwiesen,
die fangen den
schlafenden Riesen
ein.

Das überaus Erfreuliche an der Wahlkampagne von Kamala Harris ist der frische Ton, der hier auf einmal zu hören ist, obwohl es keinerlei Garantie gab, dass das gelingen würde. Die richtigen Entscheidungen wurden im richtigen Augenblick getroffen, und klar war die Übergabe des Amtes ein Verzweiflungsakt, aber es führte kein Weg daran vorbei, was den Spieler, hier als Biden, in die zuweilen als günstig erfahrbare Lage bringt, keine Wahl mehr zu haben als das Beste für sich und die Anderen zu tun. In diesem Fall nicht nur für das ganze Volk, sondern auch für uns alle, die wir, vom Kopfschütteln ermüdet, den Oberclown der derzeit herrschenden Männerriege immer noch ertragen mussten und müssen. War man im falschen Film? Ja natürlich war man im falschen Film, aber man muss auch zugeben, dass penetrant gelebte Dummheit auch etwas Faszinierendes hat. Als das Fernsehen in Indien auftauchte, war ich vor allem verblüfft über das leidenschaftliche Interesse der Bevölkerung an Darstellungen, die von tumbem Klischeedurst derart strotzten, dass man Mühe hatte, die Welten noch als verbindbar zu sehen. Als ich meine Freunde fragte, warum sie sowas anschauen, machten sie mir Zeichen und weinten weiter mit den an Künstlichkeit kaum zu übertreffenden Helden. Allerdings vermute ich, dass im Zuhause am Bildschirm keinerlei Realität erwartet wurde, war das Leben doch eh schon surreal genug. Für Menschen wie Donald Trump dient das Klischee als Werkzeug, mit dem man einer bestimmten Masse von Menschen vorgaukeln kann, man sei oder ist ganz einfach ebenfalls so ein kleiner Schleimscheißer wie der große Boss, der halt die nötige Kohle hat, um sich das leisten zu können, also den Aufenthalt auf der niedrigsten Schwelle der Menschenverachtung. Nun taucht diese Frau auf, an der vorher kaum einer wirklich interessiert war, so eine im Hintergrund, die man nicht einschätzen konnte, die nun aber an die Vorderfront katapultiert wurde und dort Erstaunliches vollbringt. Und während noch über die Flüchtigkeit von ‚Flitterwochen‘ gemunkelt wird, flittert es weiter mit guter und vernünftiger Wahl eines Vizepräsidenten, den als Typ nun wirklich jede/r kennt und schätzt, denn es gehört zu seiner Amtseinstellung, möglichst positive und nachvollziehbare Spuren zu hinterlassen. Tim Walz war ebenfalls nicht vielen bekannt, und es ist wahrscheinlich wahr, dass nur in Amerika ein Unbekannter innerhalb einiger Stunden in eine der mächtigsten Politfurchen tritt. Das ist doch… ja was isses denn außer all dem, was auch noch so läuft? Es tut auf jeden Fall gut, politisch überrascht zu werden von Kairos, dem Belichter des Schicksals.
Dass die berühmte Frage ‚Wer bin ich‘ eine wichtige ist, steht außer Zweifel, heißt aber nicht, dass es darauf nicht eine Unmenge unterschiedlicher Antworten gibt. Es wird in Fachkreisen gar geraten, sich die Frage so oft wie möglich zu stellen, damit man die eigenen Veränderungen nicht verpasst und damit die neuen Möglichkeiten des Umgangs mit dem Unvermeidbaren. Schon gibt es Antwort aus dem Apollotempel in Delphi: Gnothi seauton – erkenne dich selbst – oder auch – erkenne, was du bist, was weitere komplexe Fragen auslösen kann. Also nicht man selbst als Name auf einem Pass, so beruhigend es auch sein mag, einen zu haben, oder der Name auf der Klingel, oder die Berufsbezeichnung oder der Titel, oder die Ausbildung, oder das Geschlechtsspezifische, dann vorbei an den Unterscheidungen und den Meinungen und den Urteilen und den Gewissensbissen und den Schuldgefühlen und den Rest aller Vorstellungen und allem Glauben von dem, was man sei, und nimmt die Laterne und tastet den steinigen, oder auch manchmal grünen und zuweilen staubigen Pfad entlang, und hinauf auf Berge ohne passendes Schuhwerk und hinunter in die Schönheit der Felder, und manchmal dann die Musik, die den Film begleitet, und überhaupt: all das begnadete Kunstwerk, diese Zehrung der Seelenstränge, die plötzlich durchweht sind von Atem, angereichert mit der präzisen Dosis des schöpferischen Impulses, aber zurück zur Frage: ist sie beantwortet mit der Ausführung des Planes, oder steht am Ende die Idee, also jede Idee, doch im Wege. Und wo ist es wohnhaft – das Ich, das ich bin.
Es ist schon erstaunlich, dass dem Begriff oder der Ausübung von ‚Meditation‘ und ‚Yoga‘ Ähnliches wiederfahren ist wie dem beispiellosen Ausbruch der Tätowierkunst, also darin, dass es auf einmal überall zu finden ist. Die Körper sind bemalt und beschriftet mit neuen Ideen, und auf der Yogaseite gibt es nun das ‚Stuhlyoga‘ für diejenigen, die keine Zeit haben werden, sich noch den Lotussitz anzueignen, und man fragt sich bei beiden ernannten Erscheinungen: worum geht’s. In den Impulsen hin zum Tatoo kenne ich mich nicht aus, bin aber vertraut mit einer langjährigen Praxis des Sitzens, was es ja nicht automatisch zum kontemplativen Aufenthaltsraum macht, sondern es macht klar, dass das aufrechte Sitzen und seine es begleitende Aufmerksamkeit nur der Rahmen sind für innere Vorgänge, die günstigerweise mit innerer Ruhe und Konzentration erlebt werden können, wobei das, was man als sich selbst erkennt die Selbsterkenntnis an sich fördert. Um in dieser Hinsicht zu einem guten Ergebnis zu gelangen, gibt es Bedingungen, die erst gelernt, dann verstanden und dann angewandt werden. Auch um zu wissen, wovon man redet, wenn man darüber redet. Denn es gibt für die innere Entwicklung keine Beweisführung außer für uns selbst, wo die Führung, also ich, selbst entscheiden kann, ob Beweise überhaupt angebracht sind im Spiel. Nun hat man ja durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch die Bewegung zur Selbsterkenntnis hin getrennt von der Familienbewegung, nicht, weil die Einen fähiger waren als die Anderen in dem, was sie entschieden und dadurch gelebt haben, sondern weil die Entscheidungen, die gemacht wurden und werden, oft an einer Kreuzung sind, wo ich nun mit einer bestimmten Richtung verbunden bin, in die fortan mein ganzes Sein geht. Niemand hätte was gegen ernsthaft meditierende Eltern, wenn einem nicht die Kinder leidtäten, die damit umgehen müssen, wobei man das jetzt vor allem mit Smartphones beobachten kann, wenn Mütter z.B. in ihren Welten verschwinden und gar nicht mehr anwesend sind. Vielleicht ist ja Tätowieren eine krasse Form des Sichtbarwerdenwollens durch die Geschichte, die hier veräußert wird. Die bewusste oder von Wachheit geprägte Aufmerksamkeit bewegt sich eher in den verfügbaren oder trainierten Zeitlücken, die man erkennt als den Raum an sich, in dem sich das gerade Vorkommende auf vielerlei Weisen abspielt und abspult. Nun kommt es darauf an, wie wir mit dem Durchfließenden umgehen. Wo haken wir ein, wo wiederholen wir innerlich endlos Geschehnisse, die noch gar keine Realität enthalten, und wollen wir das überhaupt. Macht es Angst, die Führung für sich selbst übernehmen zu müssen, damit ich weiß, ob ich es kann. Das braucht Zeit und inneren Raum, und wenn ich das habe, steht nichts mehr im Wege. Freischwebende Aufmerksamkeit!

precisely

Aller Wahrscheinlichkeit nach hat dieses tektonische Beben in der Geistkruste der Planetarier:innen, also unser inneres Wachbeben durch die Nominierung von Kamala Harris als Frau an höchster politischer Stelle, schon jede Ecke der Menschenwelten erreicht, und wachrütteln tun ja bekanntlicherweise Freudenschrei wie Verlustangst, nun an Donald Trump zu beoachten, der in der selbstgefertigten Negativsoße herumrudert, auf einmal seines Spieltriebs beraubt. Man könnte es auch einen heiligen Schauder nennen, der sich Raum schafft in den weiblich besetzten geistigen Gefilden und zum Aufbruch ruft in eine neue Zeit. Diese Zeit hat schon lange Schatten und Lichter vorausgeworfen, ist wieder untergegangen und hat sich als lebensfähig gezeigt. Wir wissen nun, dass das Weibliche und das Männliche ins Gleichgewicht ihrer jeweiligen Kräfte gebracht werden muss, bevor von einem Maßstab des Menschseins und seines menschlichen Gehaltes überhaupt die Rede sein kann. Nun hat es die oberflächliche Ausstattung der Weltgeschichte so an sich, dass die stillen Revolutionen zum Glück weniger Aufmerksamkeit generieren, solange sie nicht in ihrem ewigen Kampf ermüden oder sich der Anpassung ergeben. Und auf einmal, kaum weiß man wie es kam, kommen ganz andere Fragen in den Vordergrund und auf den politischen Tisch, bei denen man merkt, dass sie noch gar nicht gedacht wurden, wie: Kann eine Frau ohne biologisch erzeugte Kinder Präsidentin werden? Frauen kennen sich auch im Fremdschämen aus. Wer ein Kind an sein Herz nimmt, braucht keinen Ausweis dafür. Auch mit einem jüdischen Mann verheiratet zu sein heißt nicht, dass man Netanjahu’s Handlingen billigen muss, und man ist auf jeden Fall dunkelhäutig, wenn man nicht weißhäutig ist. Wen kümmert’s, wenn es in dem, was wirklich geschieht, nur eine geringe Rolle spielt. Dass aber d a s, was für die Zeit geeignet ist, überhaupt erscheint, dass ein frischer Wind durch die innerlich leeren Gassen weht, dass die finsteren Gewölbe der Hoffnungslosigkeit ihre Schleusen freigeben, ihre Tore zum Draußen, wo etwas ins Vertikale strebt, das erreicht, o staune!, auf einmal dieses Gleichmaß, das man nicht mehr für möglich hielt. Würde man nun also den Geist, nur zur eigenen Unterhaltung, als ein Wesen erkennen, das bestrebt ist, sich selbst durch sich selbst zu erkennen, so könnte man eine Hand visionieren, die auf dem Schachbrett die Königin einsetzt, um mit einem Schachmatt den König zu schlagen. Präzise und sichtbar muss vorgegangen werden, damit das Errungene nicht (wieder?) verlorengeht.

Ma (ya)

Es hat sich sicherlich auf dem Planeten in den meisten Ländern herumgesprochen, dass nicht nur aus verständlichen Gründen die Beziehung zur Mutter die wichtigste geblieben ist (wie natürlich auch zum Vater, wenn vorhanden), da sie unsere erste Bezugsperson ist mit ihrer Variante des Weltbildes, oder ihres abstrusen oder gefühlvollen bis gefühllosen Verhaltens uns und anderen Geschehnissen und Gedanken gegenüber. Und so sind bei allem potentiellen Gelingen auch die psychologischen Heilzentren voll mit Überlebenden, die um sich selbst ringen, oder es endlich dürfen.
Gleichwohl gibt es auch eine kosmische, oder meine ich damit eine abstrakte Variante des Themas, die den beiden Buchstaben ‚M und a‘ entspringt und die gleichermaßen in ‚Matrix‘ und ‚Maya‘ enthalten sind. Das Verbindende ist die hemmungslose Ausschüttung von lebendigem Treiben, das nicht nur zur Liebe, sondern zu allerlei Missbrauch führt. Matrix ist die Bühne an sich, auf der sich in scheinbarem Chaos das absolut Unausweichliche abspielt, denn Spieler und Spielerinnen sind bei allem Spielraum doch den Gesetzmäßigkeiten unterworfen bzw. verbunden, und wir wissen (noch) nicht, ob es einen Ausweg gibt, wo Gesetze und Systeme ein Ende finden, und warum sollte das überhaupt erstrebenswert sein, und für wen? Und obwohl wir aus welchem Anlass heraus auch immer ins Spielfeld der Handlungen geworfen, also ohne persönliche Einwilligung geboren werden, so haben wir ja keine Wahl, als uns durchzusetzen, bis wir den Ausgang des Labyrinthes finden. Scheinbar gibt es also doch einen Ausgang, wenn man den Faden nicht verliert, oder man kommt tatsächlich am Ende des Tunnels an. Maya, das Illusionsfeld, ist tricky, denn es ist einerseits pure Oberfläche, also stetiger Ablauf des durch die endlosen Muster sich Bildenden, und andrerseits erlaubt einem gerade diese stete Fortbidung, ihre Abstraktion zu erkennen und eine durch menschliches Bewusstsein erkannte Kraft zu einem Dreieck werden zu lassen, also zum Tor eines veränderten Bewusstseins, in dem das vorherrschende Ich seine Relevanz verliert. Nur in Indien habe ich das Konzept der kinderlosen Mutter kennen gelernt, und dass die Bedingungen der geistigen Mutterschaft radikal sind in ihrer Einfachheit. Wie für alles andere, so muss man auch d a f ü r Neigungen haben und sie entwickeln, denn nun gibt es bei aller emotionslosen Distanz keinen Grashalm mehr, der einen nichts angeht.

Ich kenne sehr wohl, sprach sie,
den Schmerz der Kamele, den
furchtbaren Brand auf dem Fell.
Muss ich doch jetzt aus der
Schlangenhaut fahren mit dem
letzten, grellen Blick starr
gerichtet auf das erdbraune
Pferd der Welt. Wo, sprach sie,
frage ich euch, ist das Ende des
Fleisches, und ist auch der
Anfang zu sehen?
Wo kommt der Geist, der nur
in Freiheit leben muss und kann,
hinein in eine Trägermasse?
Wo wir er durch die Masse selbst
gezwungen, den öden Ort zu
meiden, dem er nachgestellt?
Bis er die förmlichen Lizenzen
neu erworben hat, das heißt:
von innen her gesehen. Wie es mit
Dingen um ihn steht.
Die Wurzeln unserer großen
Stämme wandern zeitlos weiter,
als wäre nie auf Erden irgendwas
geschehen. Und doch geht die
Geschichte weiter.
Ja, liebe Kinder, ja!, wir werden
sehen! Trotz Pflastersteinen,
trotz Krähen, mitten in der
aufgerissenen Wunde aus Teer:
ein Meer aus leuchtenden Sternen.

Die Sache läuft also, und sie läuft ziemlich gut, das muss man schon sagen. Das Unerwartete ist eingetroffen, eben das, was keine/r denken konnte, bei sowas hilft das Denken nichts. Die schwarzen Löcher der Zeit erschaffen ihre eigenen Figuren, und alle finden sich hingeschleudert auf der Weltbühne wieder, und wir ringen mit dem Verständnis unseres Erdaufenthaltes. Viele sind erschüttert über das, was hier so alles abläuft, dieser Tanz auf dem Abgrund, dieses entgrenzte Gebaren, diese gefeierte Ignoranz, und man muss aufpassen, dass man nicht in den Strudel gerät, denn, und Nietzsche hat das von sich gegeben: dass, wenn man zu lange in den Abgrund schaut, der Abgrund zurückschaut. Da öffnet sich plötzlich ein rostiges Gartentörchen, und eine Fee tritt hervor und wedelt dreimal mit ihrem Zauberstab. Kamala Harris wird in den entstandenen Lichtkreis geschoben, und man lässt in einem atemberaubenden Moment die Welt ins kollektive Staunen versinken. Man betrachtet die Frau der Stunde und erkennt, dass sie es tatsächlich ist. Sie hat alles, was dieses Amt braucht und strahlt unser Vertrauen aus, dass sie diesen toughen Job managen kann. Da muss man nun einfach weiterschauen, wie es sich entwickelt, und wie die Euphorie sich manifestiert, nämlich in Wahlen. Und es würde der Welt und ihrem jetzigen, von Menschen erschaffenen Zustand guttun, wenn einer der dämonischen Hohlköpfe, denen Menschen ihre Leben opfern, auf einmal zusammenschrumpfen würde wie ein aufgeblasener Ballon also schrumpft und die ganze lächerliche Scharade sichtbar wird. Donald Trump muss sehr nervös sein, die Beleidigungen kommen nicht mehr so gut an und bumerangen in unliebsamen Treffern. Noch hängt eine dumpfe Masse von Ohrpflasterträger:innen um ihn herum, aber es wäre schon verblüffend, wenn sich das letztendlich durchsetzen könnte. Denn wenn es passieren würde, dann könnte man eh nichts mehr machen, oder die bislang größte Weltmacht mit sich nichts mehr anfangen. Doch hat man nicht erst neulich die gewagte Gestalt des Kairos um die Ecke huschen sehen!? Doch!, er/sie/es war da, und das alles kann man ja nur bewusst erleben, denn ansonsten ist es gar nicht da.
Das Photo habe ich von der Titelseite der Zeit abphotographiert.
Es ging mir nur darum, dass sie mal bildlich hier auftaucht.
Wie die aktuellen Situationen, die wir gemeinsam und persönlich vor Augen haben, zustande kommen, dahinter liegen meist sehr lange Geschichten. Deswegen kann es passieren, dass man z.B. im Zusammenspiel zweier sich feindlich gesinnter Gruppen beide Seiten verstehen kann, dieses Verständnis sich aber nicht verbinden lässt mit einer umsetzbaren Lösung, wozu man ja offene und furchtlose Geister braucht, die den dritten Punkt als bestmögliche Variante ins Spiel bringen können. Aber tatsächlich gespielt wird immer anders. Die Herren (denn es sind doch die Herren) haben bei allem redlichen Wunsch nach Frieden einsehen müssen, dass es ohne Waffen nicht weitergeht. Neue Milliardäre bewundern ihre Schaffenspotenz, wenn die meisten ihrer migrationshintergründigen Waffenherstellungshelfer alles herstellen können, was eben so ein rein technischer Vorgang ohne Sprachkenntnisse braucht. Und alle haben Frauen und Kinder zuhause, die möchten auch in Frieden essen und ein besseres Leben haben, oder überhaupt eins. Da knallt auf der Golanhöhe ein Geschoss in einen Sportplatz, und wir hören natürlich, dass Kinder und Jugendliche tot sind. Wir kennen sie nicht, und wir können ihren Müttern nicht helfen. Und doch, was für ein Schmerz, was für ein Schmerz über diese fast schon selbstverständliche Ignoranz, dieses notwendige Abstumpfen von Mitgefühl, mit dem wir gesegnet sind, damit es uns nicht zerreißt im Halbdunkel der Ohnmacht. Deswegen, und vielleicht nur deswegen, drängt es heraus und hinein ins Bewältigbare, in das Umfeld, in die Nähe, vom Draußen also ins Drin, und dort das Verstandene anwenden. Und wenn es gelingt, hat man gute Nachrichten, die man weitergeben kann, und wo man dann wiederum auch gute Nachrichten erfährt. Denn ob Kamala Harris Amerika retten kann oder nicht (wie die neue ‚Zeit‘ auf der Titelseite fragt) ist wohl ein bisschen viel verlangt, aber dass solche umwerfenden Salto vivantes überhaupt möglich sind, oft ausgelöst durch die Kraft und Persönlichkeit eines einzigen Menschen, das sollte uns doch zu denken geben. Das tröstet immer noch nicht die Mütter der getöteten Kinder, aber es tut wenigstens, was es kann.

schwierig

Dieses Bild (oben) habe ich vor ein paar Tagen gemalt und finde es schwierig, weil es Wahrnehmungen zulässt, die als Deutung oder Absicht keineswegs enthalten sind. Dennoch habe ich während des Prozesses Entscheidungen getroffen, die zu diesem Ergebnis geführt haben, das ich offensichtlich s o habe stehen lassen, also freigegeben zur Deutung, und ja!, sagt es in mir an diesem neuen Montag des Lebens (obwohl selbst dieser Montag nicht überall ist, oder noch nicht ist, oder schon war) das ist doch mit der ganzen Schöpfung so, dass sie freigegeben ist zur Deutung. Denn anscheinend nehmen wir uns von der Matrix alles, was wir brauchen und was uns zugängig ist, um der eigenen Deutung Gehalt und Form zu geben, und klar hat es auch mit äußeren Umständen zu tun, aber vor allem mit inneren Einstellungen, die jeden hier durchwandernden Menschen zur Meisterschaft dessen bringen kann, was er von sich hält. Dem kann man nicht widersprechen, obwohl es sich um ein Potential handelt, das aktiviert werden muss, um sichtbar und hörbar und fühlbar zu werden. Es gab und gibt sicher auch meisterhafte Juwelendiebstähle, die jedem Experten Achtung abringen, und viele andere Meisterschaften, die in den gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen ermöglicht wurden und werden, unter denen eine das Sichselbstsein ist. Das heißt vor allem, dass man sich nicht entkommen kann, und will man entfliehen, holt es einen überall ein, und flieht man zu lange, vergisst man, wo man ursprünglich herkam, und gibt es überhaupt so einen Ort, wo man herkam. Und wie sieht dieser Ort aus. Ist da, also innen, auch alles, was außen ist? Oder tut sich auf einmal ein riesiger Space auf, in den ich hineintrudle wie in ein schwarzes Loch, auch nicht schlimm, wenn ich am anderen Ende wieder rauskomme oder von den Turbulenzen ausgespuckt werde. Alle Häuser ringsherum liegen da wie stillgelegte Schiffe, aber in der inneren Architektur ringt das Lebendige um sein Daseinsrecht. Und es ist ungeheuerlich, dass Menschen sterben und geboren werden, aber wir wissen doch alle, dass es dazugehört. Und ich deute das Dazugehörige so, dass ich dem gar nicht entkommen will, nein, ganz im Gegenteil: Ich lasse mich ein und setze mein Siegel auf das freischwebende Schicksal.

Markus Gabriel

Faktisch ist es so, dass wir das biologische Gesamtsystem Mensch heute nur in einigen seiner Teile verstehen, wofür es eine Reihe von Gründen gibt. Insgesamt ist der Mensch schlichtweg zu komplex, um mechanistisch vollständig erklärbar zu sein. In diesem Zusammenhang bedeutet Komplexität mindestens, dass wir ein gegebenes Ganzes nur verstehen und erklären können, indem wir es in Teilsysteme zerlegen, wobei diese Zerlegung wiederum wesentliche Eigenschaften eben dieses Gesamtsystems auflöst bzw. verändert. Komplexe Systeme lassen sich nicht vollständig dadurch verstehen, dass man sie in Teile zerlegt, die man besser versteht, weil diese Zerlegung wesentliche Eigenschaften des Systems verändert, das man verstehen möchte. Komplexe Systeme sind nicht vorhersagbar, sie verhalten sich niemals so, dass wir sie insgesamt steuern könnten.

aus: „Der Mensch als Tier“

Frei-Tag den 26.7.24

für Heike

(aus: Die Welt der Klagen)*

Ich muss darüber sprechen,
denn mein Leib ist bedrückt,
Trauer wohnt mir im Herzen,
ud es ist schmerzhaft, darüber
zu schweigen. Ein anderes Herz
würde dadurch niedergebeugt,
aber ein tapferes Herz ist auch
in schlimmer Lage ein Freund
für seinen Herrn. Hätte ich doch
ein leiderfahrenes Herz, dann
würde ich bei ihm Zuflucht
finden; ich könnte es damit
beladen, mein Leid zu klagen,
würde ihm meinen Schmerz
auferlegen.

* Altägyptische Dichtung

Das Gleichgewicht zu halten
ist für den Gehenden
eine einzige Herausforderung.
Jeder Anseilung entgleitend,
auf keinerlei Verständnis
hinhungernd und unberührt
von gesellschaftlichem
Pulsschlag leuchtet das
scheinbar Entbehrte in seinem
urseligen Glanz und bewegt
sich als Anwesen entleerter
Silben stillschweigend
und lächelnd im All.

variante

Schon ist es Zeit, die Arena neuer politischer Ereignisse zu verlassen, denn wenn die ersten Schmutzgeschosse sich durchsetzen, will man nicht weiter dabei sein, das müssen jetzt die Akteure und ihre ‚running mates‘ deichseln, ich beneide sie nicht. Wir alle müssen umgehen mit unserer Erscheinungsform, und das, was wir von uns selbst wissen oder zu wissen meinen. Das kann eben sonst niemand wissen, und wir tragen demnach für unsere inneren und äußeren Auftritte die volle Antwortung, isn’t it, um nicht ’nicht wahr? zu sagen. Und da man das erst kann, wenn man bei sich ist, ist das zeitlose Rätsel des Beisichseins eine beliebte Aufgabe geworden. Denn man sucht hier nach Methoden und Technik und vor allem Praxis, um überhaupt zu erfassen, warum das scheinbar Selbstverständliche sich als derart komplex erweist. Denn auch hier geht es um Einzelteile, einzelne Zellen, einzelne innere und äußere Orte, einzelne Befindlichkeiten und Unterscheidungskünste und Salto mortales, die sich im Angesicht des unvermeidbaren Abgrunds in das Vivorum, das Lebendige, verwandeln können, aber nicht müssen. Doch die Frage bleibt: wie kommt man da hin. Das geistige Gut der bisher existierenden Menschheit steht uns weiträumig zur Verfügung, und es kann einem so vorkommen, als stünde einem alles schlicht und einfach offen, und das tut es auch. Und einerseits geht es um die Eigenart des Spielers oder der Spielerin, obwohl andrerseits zu viel Eigenart die Ankunft bei sich auch verzögern und die Hoffnung auf das bestätigte Besonderssein sich als besonders ungünstig erweisen kann. Überhaupt halte ich Hoffnung für überflüssig und zeitraubend, obwohl sie zuweilen von Philosophen als Anker verstanden wird. Aber wann loslassen vom Anker, also an welchem Punkt der Reife oder aber der Gesundung fühle ich mich in der Lage, mit mir selbst anspruchsvolle Dialoge zu führen, mit meinem Ich und meinem Du und meinem Wir und meinem Nichts, das mir noch vorschwebt und als Variante bevorsteht.

enhanced games

Wenn im politischen Zirkus ein merkbarer Aufschwung passiert, kann man sich ruhig einen Moment lang energetisch einschalten, obwohl die Gefahr droht, dass man wie auf einer Achterbahn plötzlich wieder in die Tiefen rasselt, daher ist in jeder Hinsicht gemäßigtes Interesse angesagt, und die distanziertere Zeugenschaft hat ja auch was Kreatives. In Amerika passiert tatsächlich ein historischer Moment, so, als hätte eine unsichtbare Hand den Schalter umgedreht, und auf einmal läuft das ganze Spiel auf anderen Schienen und mit einem neuen Script. Man staunt, dass es Frauen und Männer gibt, die nach diesen Jobs lechzen, aber es gibt sie, und nicht wenige von ihnen. Kamala Harris ist eine geniale Besetzung als ein Neuauftritt im Drama. Niemand, in dem Falle ich, wusste, was genau sie da die letzten Jahre im Hintergrund treibt, man hörte lediglich, dass sie es nicht leicht hatte. Nun hofft man, oder erwartet gar, dass sie der Aufgabe gerecht wird, und das sieht ziemlich gut aus, denn sie selbst ist der frische Wind, der bei den Trumpisten die Segelflaute hervorruft, und nun bläst er woanders her und sie verlieren die Richtung. Und hat man nicht selbst den tiefen, globalen Durchatmer gehört, als die schwer ermüdete Flotte sich wieder erhob und ihren verlorenen Ruf wieder genießen konnte. Natürlich wird auch dies vorübergehen, und nur das Spiel selbst weiß, was auf dem Spiel steht. Demokratie -Kämpfer:innen sind andere Menschen als Putin -Verehrer:innen, aber alle haben sich entschieden, irgendwas und irgendwer zu sein, und mit dieser Person, also sich, muss man dann zurecht kommen, das ist sehr gerecht. Und so muss Kamala Harris jetzt schauen, ob sie das kann, nämlich farbige, weibliche Präsidentin zu sein, und alle Achtung, dass sie sich das zumutet. Erstaunlich, wieviel spontane Begeisterung es hervorruft, wenn etwas gänzlich Unerwartetes dann tatsächlich eintritt. Erwartet war es schon, aber dass es eingetreten ist! Das Ungewisse, das immer präsent ist, aber selten wahrgenommen wird, obwohl es, das Ungewisse, genau d e r Freiraum ist, in dem Neues sich formieren und manifestieren kann. Dann erst geht es um die Steuerung der Kräfte. Und schicken große Ereignisse zur Abwechslung mal ihr Licht voraus, spürt man das Zittern der Weltpsyche

politisch

Potzblitz und Donnerkeil! Ich meine: im politischen Theater, wo gerade das Erwartete auf das davon Erlöste trifft, und kaum hatte Joe Biden seinen Rücktritt als Nominierter verkündet, öffneten sich die Goldminen, und Aufschwung kam in den Kampf. Gerade war es Donald Trump gelungen, sich als Gottheit des Absurden zu etablieren und die Dummheit siegessicher in den bereits erobert gewähnten Hafen zu steuern, da weht auf einmal ein ganz anderer Wind. Eine Frau, 20 Jahre jünger als der „Amerika wieder great machen Wollende“, und eine braunschattierte Haut hat sie auch und sieht blendend aus, und man hofft, da sie auch Anwältin war, dass sie das große Gespensterschiff sicher und geschickt durch die Turbulenzen wird führen können. Denn man kann annehmen, dass selbst die, die sie nicht leiden können, für sie wählen werden, nur, um den anderen Kandidaten aus dem Feld zu schlagen. Das wäre gut und unterhaltsam, wenn man das erleben könnte, dass der Gedanke „egal, was du denkst, aber wähle Harris“ sich durchsetzt. Und zeitgemäß mit dem unaufhaltsamen Erscheinen von Frauen in machtvollen Positionen hat dieser international mit höchstem Interesse verfolgte (amerikanische) Moment auch eine zeitlose Würde. Denn was auch immer zu der Entscheidung von Biden geführt hat und reichlich spät kam, so ist dieser Moment dennoch geschehen und Biden kann nun gehuldigt werden, und der große Mann kann sich verneigen und hat genau das Richtige getan für sein Volk. Verbissen und geistig unversehens ausgebootet sitzt (Trump,) der psychisch kranke Möchtegernherrscher vor seinem technischen Sprachrohr und starrt auf das schrecklich leere Blatt, auf dem die Götter den Großteil seiner Rede gelöscht haben, denn sie ist nicht mehr relevant, wenn sie es jemals war. Der nun sich etwas Zurückziehende, aber vom Hintergrund aus noch wirkende und noch regierende Präsident ist nun der edle Mann der Stunde, und er empfiehlt Kamala Harris, denn er traut ihr offensichtlich einiges zu. Es hat letztendlich nichts zu sagen, ob sie gemocht wird oder nicht, denn Führungskräfte müssen immer für den gefährlichen Kampf mit den Meinungen gewappnet sein. Und wie froh und glücklich wir alle damals waren, als Kamala Harris auf der politischen Bühne auftauchte, bald danach allerdings wieder abtauchte, und man fragte sich schon warum wohl. Jetzt sind wir dabei und lernen, denn alles, was dort passiert, passiert ja auch hier, einerseits draußen, aber auch drinnen. Wann etwas genug ist und man ganz allein eine angemessene Entscheidung treffen muss. Und dass überraschende Wendungen immer möglich sind. Und wenn mal die Waage auf der eigenen Seite zu leicht besetzt ist und man das merken muss, damit die Gewichte eingesetzt werden können, die das Ganze wieder ins Gleichgewicht bringen.

Gilles Deleuze

Wir brauchen die anderen
Existierenden nicht zu
richten, sondern bloß
spüren, ob sie zu uns passen,
d.h., ob sie uns Kräfte
herbeibringen.

cloud strike

Unaufhaltsam strömen sie herein, die neuen Worte, die aus dem Dickicht der Welten entspringen und dem Geist das scheinbar Seiende vorgaukeln, aber hallo, es i s t ja, und ist eine der vielen neuen Realitätsebenen, die einen betreffen können, aber nicht müssen. Oder die Tatsache macht betroffen, dass ein kleiner Fehler in der Software weltweite Auswirkungen haben kann. Wenn die Wolken streiken und jemand zuviel Macht hat. Ein paar gierige Hände, die alles im Griff haben möchten und denen es auf nichts anderes ankommt als auf die Spiegelung ihrer Blase, die nun durch die digitale Revolution einen Schub in die Größenwahnsinnigkeitssblase hinein bekommen hat. Das ist alles nicht mehr aufzuhalten und kann mit vielerlei Gemütszuständen begleitet werden. Staunen kann man natürlich auch, es nimmt immer nur andere Formen an, die Grunderscheinungen bleiben dieselben. Viel wird auf allen Ebenen darüber kontempliert, ob diese Eiseskälte der technischen Auswüchse wirklich eine Abweichung darstellt, oder eine Zuspitzung, oder einen Hinweis darauf, dass im Menschen eine Bereitschaft existiert zur eigenen Auslöschung. Wenn das Maß des Menschenmöglichen überschritten ist, oder keine Überwachung mehr das bereits Überwachte mehr überwachen man. Wir sehen im Netz der inneren Leinwand Fische ahnungslos, nein, ahnungsvoll ihre Bahnen ziehen, und der Mund singt Fisches Nachtgesang. Aber Achtung!, der Film hört gar nicht auf! Unaufhaltsam geht er weiter, und siehe!, wir sitzen im Rosengarten zwischen Leben und Tod, und lassen Himmel und Erde durch uns hindurchziehen.

indessen

Währenddessen (dessen: Ukraine, Putin, Trump, Swiftkirchen etc. (und ganz persönlichem Abschiednehmen von der Gewohnheit des Verfügbaren) (und der angemessenen Trauer dem Entgleitenden gegenüber), während also all dessen, oder auch während des Essens, wartet man, oder warten wir, oder warte ich wirklich auf den Hochsommer?, wo wir doch schon mittendrin sind im Sommerblues. Ich persönlich freue mich ja über jedes Tröpfchen Wasser, denn im nahen Wald stehen sturztrockene Streichhölzr, Bäume genannt, und so kann ich, und können die Feuerwehrleute entspannen. In Delhi war’s gerade 53 Grad und viele sterben, aber in Griechenland sterben sie, die Menschen, schon bei 44 Grad. Überall wird geboren und gestorben, man vergisst es nur leicht, wenn man nicht direkt beteiligt ist. In der Nähe unseres Hauses wohnt Mameh, aus Guinea, mit ihrer Tochter Racky, in Deutschland geboren. Gerade haben sie die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Ein Sohn ist auf dem Weg, heute oder morgen soll er ankömmen und Ryan heißen. Ein paar hundert Kilometer weiter entfernt verliert mein ältester und bester Freund gerade seine Geliebte. Die unheimliche Krankhet greift mit ihren Krallen in unsere Leben ein. Die Liebe zu Anderen macht uns verwundbar, und unser Herz ist voller Dankbarkeit dafür. Denn was und wer wären wir ohne die Wunden, ich meine d i e s e Wunden, die dem arglos in die Liebe Gefallenen wie von selbst geschehen, also ihm und ihr selbst geschehen. Denn dort geht es hinab in die ungeahnte Tiefe des Absichtslosen, wo die Orientierungen plötzlich verschwinden, ja. Und wem nun trauen als sich selbst und dem Du. Deswegen ist es gleichermaßen gültig, ob man nach oben oder nach unten über sich hinausgeht, denn wenn Wesentliches im Gange ist, weiß man so ungefähr, welchen Pfad man gewählt hat (Oder nicht?). Wir alle haben ein einzigartiges Schicksal, mit dem wir umgehen (lernen) müssen, oder können, oder wollen, eben: während all dessen, was sonst noch so läuft.

Ach wie gut,
dass nunmehr jeder
wissen darf, dass
mein Name doch nicht
Rumpelstielzchen war.
Jetzt, wo um den
Märchenwald wieder
eine große
Rosenhecke blüht,
die uns Liebende
beschützt vor dem
grauenvollen
Sog des Schlafes.
Nun verliert die
Welt den Nektar
unserer Sagen.
Stummfilmstreifenartig
sägt die Stille durch
die Menschenstraßen.
Seh -Sam! Seh-Sam!
Öffne dich!

fanomenal

Das Herumgrübeln über gewisse auf der Weltbühne auftretende Phänomene hat seine eigene Logik. Sie lehrt uns, dass man nicht alles verstehen können muss und außerdem auch noch froh sein kann darüber. So weiß wahrscheinlich der geniale Trump Impersonator John Di Domenico mehr über Trump, als Trump jemals über sich selbst wissen könnte, aber er löst nicht das Rätsel der Erscheinung. Bleiben wir also nüchtern bei der Vermutung, dass es Zeitfenster, oder sagen wir besser ‚Zeitlöcher‘ geben muss, in deren substanzloser Leere sich ein kollektives Bedürfnis auftut und vor sich hinwuchert und nun als Not-Lösung eine Figur erschafft, die diese Bedürfnisse in sich bündeln kann, indem es aus welchen Gründen auch immer den Nerv der Zeit einatmet und dadurch genau dieser Hohlraum wird, der nun vom Gebündelten und vom Gebannten gefüllt wird. Die entstehende Macht ist ungeheuer, die Konsequenzen auch. Eben dass Hitler gerade d a hinausging, als die Bombe explodierte, die vielen Menschen das Leben geschenkt hätte. Oder der junge Scharfschütze, der Trump in den FakeNews Olymp katapultiert hat. Man kann das auch kosmische Regie nennen, oder die tragische Komödiantenmaske aufsetzen, aber verstehen…? Die Massenhysterie bei der Fußball EM war ja schon einige Beobachtungen wert, die man sonst nicht für möglich gehalten hätte, und nun kommt Taylor Swift nach Deutschland. Mit tapferer Entschlossenscheit habe ich den Artikel in der ‚Zeit‘ über sie gelesen und zumindest verstanden, dass sie auch aus dem Zeitloch kommt, mit allem beschenkt und behaftet, was viele Millionen Menschen, Jung und Alt, in die kollektive Ekstase befördert, um irgendwie eins zu sein mit der Superheldin. Hier bewegt sich jemand talentiert auf höchster Ebene des Mittelmaßes. Immerhin scheint es nicht einmal Neid zu geben auf ihre Schlaraffenland-Gage, denn sie versteht es, so zu tun, als könnten das alle, aber das kann nur Tylor Swift, und die Swifties können es nicht. Was sie allerdings können ist, die Heldin in den unvermeidlichen Burnout zu treiben. Bei den amerikanischen Demokraten hofft man, dass sie sich eindeutig für Joe Biden entscheidet, der gerade im Labyrinth herumstrauchelt und den Faden nicht findet. Aber klar, mit der Milliarde und den Fanmeilen kommt die Angst, ob man dem Ganzen noch gerecht werden kann, d.h. das Spiel selbst gestalten. Deswegen, also weil alle grundlegenden Gesetze überall vorzufinden sind, ist es hilfreich, sich als Einzelwesen zu verstehen, dessen Kräfte sich in jeder Situation den innerlich erarbeiteten Richtlinien entsprechend entfalten kann.

was, wenn…?

‚Was, wenn…?‘ ist einerseits eine verhältnismäßig nutzlose Frage, die sich in manchen Situationen aufdrängt, aber andrerseits kann sie nutzvoll sein in Vorbereitung auf das Womögliche. Natürlich verbaut das (wie erkennbar bei Plänen und Ideen und Terminen) wiederum den freien Zugang auf das Tatsächliche, das Potential also des Hintergrundes, dem Raum gegeben werden muss, damit es das Licht des Tages erblicken kann. Je wahrscheinlicher allerdings das Vermutete wird, desto mehr gewinnt die Frage an Relevanz, und dann ist es klug, die Vorbereitungen in Gang zu setzen. Klug ist auch, in jeder Situation die eigene Befindlichkeit im Auge zu behalten, damit man vor allem die Kräfte des ohnmächtigen Willens in förderliche Bahnen lenken kann. Natürlich können einen poltische Entscheidungen aufheizen, und man muss wählen gehen. Aber was ist mit den philosophischen und den psychologischen und den ganz persönlichen Entscheidungen oder Nachforschungen und Ergründungen, nämlich ob w i r wissen, was hinter uns steckt, oder was ist überhaupt gemeint mit dem ‚Innen‘ und wie sieht es da aus? Auch ‚Gott‘ wird ja gerne als Instanz genutzt für die Dehnung eigener Grenzen in die Vertikale, also die Suche nach einem Ausweg, wo ich mir nicht selber im Weg stehe. Und was, wenn ich dann gar nicht mehr hemmungslos ichen kann? Was, wenn ich noch gar nicht zu mir gekommen bin wegen all dem anderen Zeug, mit dem man sich und anderen im Weg stehen kann, also mich noch gar nicht wirklich kümmern konnte um diedendas, um die es hier geht. Wenn ich noch durch den fließenden Spiegel muss auf die andere Seite, wo die Dämonen sitzen am Spieltisch, und keine/r kann dem Anderen trauen, oder sind es die Gottheiten, ermüdet vom unerfüllbaren Anspruch. Was, wenn Scheitern sein muss, damit das Geschundene sich endlich erheben kann und eine Sprache findet, und wenn das Gelingende sich gleichzeitig auch einen Pfad bahnen kann. Denn alle Pfade führen zu sich selbst, und erst von da aus nach Rom.

fast

Da hätte ihn doch tatsächtlich fast jemand (wir kennen den Jemand jetzt) weggepustet, den ehemaligen Präsidenten, und dieses ‚Fast‘ erinnert einen nicht nur an andere politische Momente der Zeitgeschichte, sondern erinnert mich daran, dass sich hier die Gelegenheit anbietet, zwei Worte (imagine:almost) in das Geschehnis zu bringen, die getrennt sind durch einen Doppelpunkt, und dieses dreifache Gefüge nannte ich vor langer Zeit einmal einen poetischen Schub, weil selbt zwei Worte so einiges in Gang bringen können. Stell dir vor, sagen sie: beinahe!(!) Also etwas war ganz in der Nähe, passierte aber nicht. So drücken sie, die beiden Worte und der Doppelpunkt, ebenfalls ein Bedauern aus über das Nichtgeschehene, das fast hätte geschehen können. Aber zurück zum ehemaligen Präsidenten, von dem man weiterhin lernen muss, dass Narzissten schwer zu handeln sind. Ohje, jetzt wird er vermutlich eine Götterlegende mit Unsterblichkeitsstatus. Wenn man sich nun ein bisschen erholen möchte von dieser Nachricht, denn wer will einem lebenden Wesen schon die Erschießung wünschen, so kann man dennoch kurz in die Hinterstuben der Gehirne beamen, da, wo die Vorstellungen herausblühen. Und all das, was dort gerade gedacht wird, zieht bereits um die Welt, ohne dass es unbedingt ausgedrückte Worte braucht, denn jede/r weiß ja, wie gefährlich Worte sein können, wenn man nicht wachsam ist. Das war doch kein Wolfsgruß, sagte der Mann, sondern eine verbindliche Geste zu euch allen. Und in diesem Kraftwerk der gegenseitigen Verarschung muss nun und tut auch Biden schnell ans Direkttelefon gehen und sagen, dass man sowas doch nicht tut in einer Demokratie. Aber klar ist auch, dass es immer mal wieder einen gibt, der so etwas tut und weiß, dass er da nicht lebend rauskommt. Tot ist er, der zwanzigjährige Wie-hieß-er-doch-gleich, und hat dem verhassten Objekt bzw. Subjekt auch noch einen Gefallen getan, aber vielleicht hat ihn, Trump, der junge Mann nur benutzt, um selber von der Bildfläche verschwinden zu können. Wie’s dem Vater wohl geht, der ihm die Mordwaffe geschenkt hat. Und wer will oder würde sie aufhalten können wollen, die Millionen von Mordwaffenschenkern, also bleibt mir der Schwung heraus aus der Betretenheitsfalle und dem herbeilenden Wust unnötiger Befindlichkeiten, ausgelöst durch wenig schmerzlindernde Gedankengänge. Es gibt natürlich ganz nebenher einiges zu lernen, z.B. wie sehr die blutverschmierte Wunde im Angesicht der Heldenverehrung eine kollektiv gesteuerte, erotische Komponente mit sich bringen kann, die den brandgefährlichen Virus in sich trägt, vor dem, oh hehrer Kosmos, du uns in deinem Spiel bewahren mögest. (Oder nicht bewahren können wirst).