beim Künstler

Photo: Henrike Robert

Die Figur da oben in dem Bild bin ich, in einer Spiegelinstallation von Anish Kapoor gesehen. Wir sind zu seiner Ausstellung in Duisburg gefahren, ins Lehmbruck Museum. Für mich war es so ein bisschen wie ‚Mal wieder auf was richtig Spannendes gefasst sein dürfen‘, man ist ja auch verwöhnt und kann die Werke der Besten als Anregung nehmen. Hier also Vorbereitung aufs Staunenswerte, und dann gleich eine ganze Dosis davon. Man wandelt an einem Spiegellabyrinth vorbei, verschwindet darin, wird zerlegt und wieder neu zusammengefügt, erzeugt mit Anderen spannende Kunstwerke, die sich in schier endlosen Dimensionen erzeugen und auflösen. Und ja, im Weiteren tritt man dann zum Beispiel ein in einen Rosenquarzhain, der soll ja eine herzerquickliche Wirkung haben, dieser Rosenquarz…aber nein, sagt der Wärter auf meine Frage, ob er da was von spürt, und ’nein, sagt er, gar nichts. Bis dahin habe ich mich schon etwas ins Staunen transportieren lassen. Anish Kapoor ist britischer Inder oder indischer Brite, und beides ist auf exzellenteste Art zusammgekommen. Perfekte Form, tiefe Deutung. Und man kann sich erfreuen an der Tiefe der Form, die dem Geist schwindelerregende Erfahrung ermöglicht. Das allerschwärzeste Schwarz hat er sich bunkern lassen, der Meister, niemand sonst darf es benutzen, Klagen wurden eingereicht. Aber es ist sein Schwarz, das eine derartige Schwärze erzeugt, sodass es jede Form verschluckt. Aber dann, ein paar Schritte weiter und schon einen Hauch ins Ekstatische gleitend, ich, sehe dann das Weiß. Die großflächige, weiße Wand mit einer weißen Rundung im Irgendwo. Und sitzt das kaum sichtbare Rund ganz präzise inmitten des Nichts?, auf das man jetzt starrt. Denn man kann vor dieser Wand nichts anderes tun als starren. Es ist ein Werk von Anish Kapoor, ein Meisterwerk. Man kann dort Sitzschemel holen und Zeit nehmen fürs Wasauchimmer. Jemand aus einer Gruppe bot mir einen Schemel an, und so staunte ich auf einmal über diese Menschen, wie sie gebannt auf das Weiß starrten und z.B. bemerkten, wie sich der kaum sichtbare Hügel verflacht und eins wird mit dem Nichts. Dieses Nichts hat Wirkung! Es ist ein Nichts von Anish Kapoor. Erstaunlich, sagte ein Mann, wenn auf einmal nichts da ist. Und dass man trotzdem so viel erlebt beim Hineinschauen. Ohne Steckdose.


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