Beim ersten Halt auf einem Raststättenparkplatz griff ich nach meinem häufig bereitliegenden Smartphone, um diese oben im Bild zu sehende Aufschrift zu photographieren, aber die Hand griff ins Leere. Das Ding hing noch zuhause am Ladegerät. Schnell begriff ich, oder entschloss mich, es so zu sehen, nämlich dass vermutlich mein Unterbewusstsein mir dieses Geschenk machte, mich ein paar Tage lang ohne das viel besprochene Suchtmittel zu bewegen. Die Nachricht ist gut! Das Photo ist da, und ich bin auch da. Der berühmte Satz von Pascal über das Zimmer, in dem jeder bleiben sollte, um kein Unheil anzurichten (*), ist doch auch ein bisschen eingeschränkt. Klar, wer würde nicht gerne mit dem Zauberstab Staus auflösen sowie Kreuzfahrten und große Tourist:innengruppen undsoweiter, aber selbst auf der Autobahn gibt es Überraschungen. Da kamen zum Beispiel von hinten links mindestens 30 Hells Angels bzw. ‚Outlaws‘ auf Harleys vorbeigeknattert, und etwas später trafen wir auf eine Gruppierung von 48 extrem bemalten Autos, die, so erzählte man uns, nicht mehr kosten durften als 1000 Euro. Sie waren auf dem Weg nach Kopenhagen. Man staunt ja zuweilen, durch was für Interessen Menschen starke Verbindungen eingehen. Und dann auf einmal eine andere Sprache und neue Einblicke aus fremden Fenstern. Ein guter Espresso im Café am Meer, der Stift und das Notizbuch. Das geheime Murmeln und Gestalten der Umstände. Herzöffnungen, spontane Umarmung. Ist es nicht alles eine Gelegenheit, sich weiterhin zu entwickeln, denn es gibt ihn ja noch, den Wertemaßstab des Menschlichen, der mich persönlich trotz dem Vorübergehen etwas angeht. Denn all das, was wir da draußen sehen und erleben können, hängt in direkter Linie von unserem Bezug dazu ab, und von unserer Bereitschaft zu dem sogenannten menschlichen Verhalten und dem damit verbundenen Anspruch an sich selbst.
* Pascal: Das ganze Unglück der Menschen rührt daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.