In Indien, als ein Großteil des Volkes noch im gemeinsamen, kindlichen Glauben an alles Mögliche und Unmögliche ruhte, wies man gerne darauf hin, dass praktisch jeder Mensch, der an deine Tür klopft, ein Gott oder d e r Gott sein konnte, mit dem man sich verbandelt fühlt, sodass die solchermaßen praktizierte Güte sich dadurch steigern kann bis zu glaubwürdiger Menschenliebe, was ja durchaus wünschenswert ist. Es geht hier nicht um die rationale Beurteilung der menschlichen Verhaltenskala, auf der wir uns im Westen vorwiegend bewegen, sondern eher um die Überwindung der eigenen Beschränkungen im Sinne einer ständigen Beurteilung der ‚Anderen‘, die wir meistens gar nicht oder aber nicht genug kennen, um uns überhaupt eine Beurteilung zu erlauben. Und es geht darum, diesen vielen Fremdlingen, denen man überall begegnet, ein eigenes Schicksal zuzugestehen, das auch ohne unseren abschätzenden Blick schon schwer genug zu bewältigen ist. Wenn man das mal übt, geht’s einem sicherlich ganz gut dabei und man gewinnt auch selbst mehr Freiraum. Selbst für jemanden wie Donald Trump könnte man ein gewisses Mitgefühl entwickeln, wenn man diesen armen Schlucker mal näher betrachtet, und das tun wir ja alle, weil er an unserem Schicksalsfaden mitspinnen will, was die Gegenwehrkräfte in Gang setzt. Das größte Problem, jetzt nochmal mit Trump aber ist, dass er geradezu strotzt vor Gewissheit, ein Gott zu sein, der sich keinen menschlichen Gesetzen unterwerfen muss. Da braucht man sich nur mal so einen erfundenen Gott vor Augen stellen und sich fragen: ja, wie wäre denn wohl so Einer, denn nur Er wäre ja so, oder Sie, klaro, ja wie wären die denn wohl so im Alltag. Denn irgendwas Auffallendes hätten sie an sich, auch der im Bettlergewand, der (z.B.) vielleicht gleichzeitig bei einer Haben -und Seinsüberprüfung unterwegs ist. Ein Weg da raus aus dem Meinungsknäuel kann eigentlich nur der Blick sein, den so einer hätten täte, ein Blick also so voller Liebe für diese grandiose Show des Menschseins, so voller Geheimnis und Anspruch dem vollkommen Ungewissen gegenüber. Und ja, jede/r nur ein Ausdruck dieses immensen Bewusstseins, das die Möglichkeit anbietet, das Leben auf unsere ureigene Weise zu erfahren. Und wir alle haben mindestens s o viel Liebe erfahren, dass wir wissen, dass ein liebender Mensch dem oder der Anderen nicht schaden will. Man staunt doch eher, wie vollkommen anders sie sich gebastelt haben, und doch kann das Gemeinsame sich verbinden und bestaunen. Ja, ein Gott oder eine Göttin hätten vermutlich sehr, sehr viel Liebe für all das, was hier keucht und fleucht. Da ist immer genug Luft nach oben.