wie geht’s denn so

Ausschnitt von der Titelseite des ‚Zeit Magazins‘ vom 30.10.2025

Dieser kreative Umgang mit der sehr üblichen Frage ‚Wie geht’s denn so‘?, also dir oder mir oder wemauchimmer, ist mir gestern unerwarteter Weise vor Augen gekommen aus dem Stapel ‚Ferner liefen‘. Also Artikel, die man nicht wegwerfen kann, obwohl einem die Wahrscheinlichkeitspraxis schon beigebracht hat, dass man das alles nicht wieder lesen wird, genauso wenig, wie man in den unzähligen Notizbüchern noch viel herumblättern werden wird mit der dazugehörigen Neugier, wer man dort einst gewesen sein könnte. Oder, wenn man sie mal tatsächlich umsetzt, die Neugier, auch erchrecken kann mit der Erkenntnis, wieviel man schon immer war, wer man ist. Und sucht (und findet) dann Zuflucht in der Vertiefung oder der Luft nach oben. Die Frage ‚Wie geht’s denn so‘ jedoch wird immer frisch bleiben, und quält und erfreut weiterhin die Menschen, oder lässt sie mitspielen in unantastbarer Oberfläche, denn ‚gut‘ wird immer gern gehört und vor allem erwartet. In Indien hatte ich mir angewöhnt, die Antwort auf die ‚Wie geht’s Frage‘ meistens zu übertreiben mit ‚bestens‘, da alles andere unerwünscht war. Das ist vermutlich überall so, denn wer hat schon die Zeit, darüber nachzudenken, ob er oder sie die Frage überhaupt ernst nehmen soll, denn an der Antwort können ja ganze Leben hängen mit spezifischen Programmierungen, die die Neigung haben, sich aufzudrängen und Druck erzeugen, wo keiner gewünscht ist. Dennoch ist es ja nicht uninteressant, sich ab und zu selbst zu fragen, wie es einem geht, das kann tatsächlich anstrengend werden, was wiederum erstaunt. Gerade man selbst hat ja Zugang zu möglichen Antworten, und so muss man wohl zuerst die Frage vertiefen. Wen fragt man da, und wer antwortet. Damals, als ‚Be here now‘ modern wurde, erzählte Eckart Tolle, dass er mal in desparater Verfassung auf einer Bank saß und sich sagen hörte ‚Ich kann mit mir nicht mehr leben‘, und sich dann fragte, wer dieses Ich war und wer der Andere, mit dem es nicht mehr leben wollte. Eine Erkenntnis, die sich in diesem Rahmen abspielte, elektrisierte ihn. Dann ging es ihm besser. In der Tat kann das Selbstgespräch da sehr hilfreich sein. Denn wenn ich nicht weiß, wie es mir geht, wer soll es wissen können werden wollen sollen.


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