Töchter

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Meine Damen und Herren,
wir schreiben das Jahr 2016.
Am Himmel ziehen Strahlen auf
wie aus der vernebelten Nacht
Licht das Nächtliche harmlos macht.
Der Brunnen der Steinernen Göttin
ist leer. Das Korn ausgesaugt bis
zur letzten der leeren Kammern.
Doch nun kommt der Tag, wo auch das
nichts mehr macht.
Die Hunde verhalten sich still.
Einer Tarnform gleich stieg ich die
Treppen hinab und hinauf, und
das Prinzip des Gehens verlor
sich in Gedanken.
Treppen zur Mutter.
Treppen zu mir.
Freiheit der Töchter
auf Erden!

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Das Bild (vor Jahren aus einer Zeitung geschnitten) zeigt eine Straßenszene in New York und gehört auch zu meinen Lieblingsbildern. Eigentlich hätte es eine Sonderbetrachtung verdient, oder eine Schweigeminute, weil es so schön zeigt, wie Welt auch sein kann. Dass es in den Köpfen dieser Kinder offensichtlich noch kein Bewusstsein von der Trennung zwischen Schwarz und Weiß gibt, kann man sehen, denn man sieht die in sich ruhende Freude am ungestörten Zusammenspiel, am Tanz. Obwohl ich dann selbst erstaunt war, was für ein Text sich dazufügte, gibt es doch an einem bestimmten Punkt einen gemeinsamen Klang. Ja ja , das ist erst einmal für mich so, ich stelle den Klang ja auch her und kann beides, Text und Bild, nur „posten/pasten/pusten als freien Zugang zu Anderen. „Erstellen“ wird das hier im Erstellungsbereich genannt. Drückt man dann auf die Veröffentlichungstaste, trägt man automatisch die Verantwortung für das Erstellte. Hinaus in die Freiheit, ihr Töchter! Die Bemühung, verstanden zu werden ist gut, aber, wie Sokrates uns lehrte, das Verstehen und Erkennen des eigenen Seins ist das Wesentliche. So sage ich jetzt in Verbindung von Text und Bild: die Freiheit der Töchter auf Erden liegt mir am Herzen, und sie wird mir bis zum letzten Atemzug am Herzen liegen.

 

 

 

 

 

 

Joseph Beuys

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(Photo: aus meiner Zeitungsbildersammlung)

Lass dich fallen
lerne Schlangen beobachten,
pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemanden Gefährlichen
zum Tee ein, mache kleine Zeichen,
die „Ja“ sagen und verteile
sie überall in deinem Haus.
Werde ein Freund von
Freiheit und Unsicherheit.
Freue dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen,
schaukle so hoch du kannst
mit deiner Schaukel bei Mondlicht.
Pflege verschiedene Stimmungen,
verweigere „verantwortlich zu sein“,
tue es aus Liebe.
Glaube an Zauberei,
lache eine Menge,
bade im Mondlicht.
Träume wilde, phantasievolle Träume,
zeichne auf die Wände.
Lies jeden Tag.
Stell dir vor,
du wärst verzaubert,
kichere mit Kindern,
höre alten Leuten zu.
Spiele mit allem,
unterhalte das Kind in dir,
du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken,
werde nass,
umarme Bäume,
schreibe Liebesbriefe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Staub

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Es ist tatsächlich Staub. Frischer Staub, dh.frisch gesammelter Staub von einer Glasfläche, dann auf ein Papier gelegt. Es war während des Staubsaugens, als ich darüber nachdachte, wie doch überall staunenswerte Dinge zu erleben sind, denn ich mag es, wie der Luftsog den Staub in die Röhre zieht, ein sehr zufriedenstellender Vorgang und (ua.auch) ganz unabhängig von der Notwendigkeit, mit der diese Handlung ab und zu wiederholt werden muss. Oben auf dem Glasschrank prüfte ich also mit dem Finger, und siehe da (oh staunenswerte Ansammlung der Partikel!), als ich die leichte Materie mit dem Blatt auffing, sah ich die Formen erscheinen, die nun oben sichtbar sind. Ständig sammelt sich Staub, man will es nicht wahrhaben. Der Staub ist allgegenwärtig. Der Staub ist ewig. Immer ist Staub. Da fallen einem die Meere ein, und die Küsten und Städte und die Gärten, die Wohnungen und die Wälder, die Luft, die Brunnen und Wüsten usw. Was ist mit Köpfen, Seelen, Herzen, dem Geist? Die große Entstaubungsmaschine ist in Schwung. Kommt denn der Mensch der Entstaubung noch hinterher? Und gibt es andere Mittel und Wege, als auf die eigene Entstaubung zu achten?

Dem wohltuend Gestäubten und wesentlich Entstaubten von Herzen                         20160819_172759

Nebnetjero I und II

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I.
Der Freund, der mir während meines Berlin-Aufenthaltes den Besuch des Antiken -Museums empfohlen hatte, wo ich dann aus verschiedenen Gründen nicht war, kam nach meiner Rückkehr zum Kaffee und vermittelte mir die Idee, dass ich ja dort über ein Objekt oder eine Skulptur, die mir besonders gefallen hätte, etwas hätte schreiben können. Ja, schade, schon vorbei einerseits, aber andrerseits: „Schicke mir doch per E-Mail ein Bild aus der Antike, was dir gefällt“, schlug ich vor, und ich schaue , zu was für Gedanken ich durch das Schauen inspiriert werde…
Als die Mail kam, sah ich zuerst das Bild und freute mich, denn ich hielt es für eine Frau, die in ruhiger und entspannter Haltung die Gelassenheit ausstrahlte, die ich mit diesem Ägypten gerne verbinde. Aber nein! Weit gefehlt! Es ist ein Hohepriester des Amun, Nebnetjero sein Name. Ich wollte etwas über ihn  lesen, fand ihn aber nur aufgereiht unter den vielen Hohepriestern und verschiedenen Dynastien. Die Nummer NG 55 verwies mich auf ein Netzteil vom Typ NG 55, das die Spannungsversorgung für das Genius Sicherheitsschloss der Protection Company liefert. Wer warst du also unter den Hohepriestern des Amun, geehrt und berüchtigt u.a. für ihre Habgier und grenzenlose Menschenverachtung? Oder: was kümmert es mich, solange die Figur makellos im scheinbar ewigen Raum steht? Wie gerne wäre ich mal Hohepriesterin geworden oder die Tochter eines edlen Pharaonen, wobei uns Elisabeth Haich in ihrer „Einweihung“ bei den geistigen Vorstellungen phantasievoll unterstützt hatte. Wie wäre es mir da wohl ergangen unter euch, ihr Priester-und Priesterinnen? Nun gebe ich den Ruf zurück in die Jetztzeit der touristenbevölkerte Wüste, zu den terrorbewachten Monumenten der Urzeit und hinein in das vom Schrecken geschüttelte Volk. Vor allem aber geht mein Ruf zu den Frauen und ihren verstümmelten Schamlippen, wobei mir bei dieser unerwarteten Gedanken-Landung der Ruf „Asha pasha vinir mukta“ zur brennenden Frage wird: „Befreit von den Ketten der Hoffnung!…“(???)
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II.
Mein geliebtes Ägypten, du!
Augenweide der Menschheit!
Urquell des sehenden Auges!
Maßstab des Möglichen!
Dann das Schweigen, das über der Hochleistung liegt, wenn Menschen für d i e arbeiten, die sich zu Göttern erheben und diese Art zu sein weitergeben an Andere. die die Hohe Kunst der Materie-Transportation nicht mehr beherrschen und Zuflucht nehmen müssen zur Peitsche. Doch die Liebe für diese Schönheit ist ewig, für die Schriften, für die Bilder, die Statuen, die Skulpturen, die Tempel und die bodenständigen Raumschiffe, die ihr zurückgelassen habt im Sand, damit wir weitergrübeln können, durch welchen Geist das alles nun wirklich möglich war!
Hier darf ich noch ein Orakel hinzufügen, das zu mir gekommen ist:
SAGET DEM HERRSCHER:
ZERSTÖRT LIEGT DIE KUNSTGESEGNETE STÄTTE.
KEIN DACH GIBT ES MEHR UND
KEINEN PROPHETISCHEN LORBEER.
VERSTUMMT IST DER SPRECHENDE QUELL.
ES SCHWEIGT DAS MURMELNDE WASSER.
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Bis eines Tages……….
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Herkunft

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Vielfach ist Herkunft. Nicht, dass du nur denkend
verweilst. Auch mit oder ohne Zeugenverhältnis
werden manche einfach eingelassen. Die
Wartenden in der Schleife wissen oft gar nicht
warum. Es rührt sie dieses und jenes im Hin und
im Her. Hier und da will Einer oder Eine im
Vergangenen ein Jetztsein erkennen, ein Mehr.
Da hat das versteinerte Tier schon mühsam
gelächelt, gelächelt. Wer bist du? Wer bist du?
Fahr deinen Wagen nah an den Wiegenrand,
zeig her deinen Ausbildungsgrad, deinen
Bühnenausweis, die weichen Stellen deines
Auftrittsgewandes. Gib zu, du sitzendes Wesen,
dass du es bist, das gelernt hat, unter Sternen
zu gehen, und berichte wahrheitsgemäß und
den nackten Fakten entsprechend von deinem
Gang auf Erden, als Welt noch nicht müde
wurde durch dich. Was hat das Ganze mit deiner
Erfüllung zu tun?

My Kilroy

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Eigentlich hatte ich hier einen anderen „Kilroy“ im Sinn, der nun unten vorzufinden sein wird, denn auf ihm hatte ich die Zeichnung entfernt, und da ich nun mehr über Kilroy weiß, weiß ich auch, dass das Bild ganz wichtig ist, denn wie ich höre, hat Kilroy nicht immer was gesagt, sondern Gesicht und Hände waren vor allem verbunden mit einer Botschaft, nämlich, dass er da gewesen war. So soll (um nur d e n Teil der Anekdoten zu nennen, die ich interessant fand) unter amerikanischen Soldaten des Zweiten Weltkrieges ein Wettbewerb entstanden sein, wo es darum ging, wer als Erster dieses Bild mit Slogan an die unmöglichsten und und entlegensten Stellen zu malen, die man sich denken konnte, um nachher zu behaupten, es sei schon dagewesen….Der Name soll von James Kilroy kommen, einem Schiffsniethämmerkontrolleur, der damit seinen Vorgesetzten ein Zeichen setzte, nämlich, dass schon von ihm kontrolliert worden  war. Kilroy was here!. Nun, m e i n e  kleine Kilroysammlung stammt aus der FAZ, wo er und seine oft sehr unterhaltsamen Texte mit jeweils 3 Sätzen mal hier und mal dort in der Zeitung auftauchten, und ich wunderte mich schon, dass ich lange nichts von ihm gesehen und gelesen hatte. Nun habe ich mich kundig gemacht, wo wir  alle uns kundig machen, und vieles über das Kultobjekt Kilroy in Erfahrung gebracht. Auch, dass er in der FAZ schon länger nicht mehr erscheint. Ach ja, er soll als Graffiti schon erschienen sein (Legenden!) auf dem Gipfel von Mount Everest, an der Fackel der Freiheitsstatue, auf der Unterseite des Pariser Triumphbogens, auf der Marco Polo Brücke in China, auf Hütten in Polynesien,  auf einem Träger der George-Washington-Bridge in New York. Sogar auf dem Mond soll er in den Staub gekritzelt worden sein! Und dieser Kilroy erscheint nun auch in m meinem Blog, das ist ja berührend!!! (Wer mich kennt, kennt hoffentlich auch meinen Humor). Obwohl Kilroy heute nur mein Bild mit Satz sein sollte, ist er unversehens Hauptakteur geworden, gut. Da oben sagt er zB:

Kilroy:

Suchen dich Seelen heim?
Ach wo! Es ist die kleine Maschine,
die da in deiner Tasche piepst.

Wir halten kurz ein und schauen, was uns dazu einfällt. Z.B, dass die kleinen Maschinen der Planetenbewohner ja kaum mehr in der Tasche piepsen, weil sie meist in der Hand lagern, damit nichts versäumt wird. Das ist ja ähnlich wie der Unterschied zwisvhen den Mobiltelefonen der ersten Star Trek Crew und zB der Technik von „Next Generation“, wo auch weiterentwickelt wurde. Wahr an Kilroys Satz ist immer noch, dass das Piepsen nach wie vor keine Seelenheimsuchung ist. Oder doch?
Dazu fällt mir dann noch aus der ganz direkten Lebenserfahrungsebene  ein, dass zwei von uns gestern das Auto, das einen kleinen Schaden hatte, zu Herrn Wischnak in die Reparatur bringen mussten. Ein fleißiger und rechtschaffener Mensch und Meister in der eigenen Werkstatt, und sehr von uns geschätzt. Während des Vorgangs erzählte er uns mit einer tief betroffenen Stimme, dass seine Frau nun auch ein Smartphone hätte und eine Neigung zum Spieltrieb sich zeigte. Es ist die Ernsthaftigkeit, mit der ein Mensch etwas für ihn tief Erschütterndes zum Ausdruck bringen kann, die einem bzw. die mir wiederum den Gedanken eingibt, dass ich dann keinen großen Unterschied mehr sehe zwischen den griechischen Tragödien und dem Schicksal eines Autowerkstattbesitzers, der sein eigenes Schicksal mit Würde und Bedachtsamkeit lebt.

Gut, was soll ich machen, das Ganze ist heute für Kilroy.

Hier den zweiten, klugen Satz, den er gesagt hat:

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Ein Zank der Philosophen:

Sich über alles wundern,
oder über gar nichts –
ja was denn nun?

 

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Übergang

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DER SITZ AM ÜBERGANG DER ZEIT
STEHT FÜR MICH BEREIT. ICH HEBE
MEINE EIGENEN URTEILE AUF,
ERKLÄRE MEINE SYSTEME NACH
UND NACH FÜR BEENDET, DENN
WASSER UND WASSER KANN SICH
GLEICHEN, DANN ABER WIEDER SEHR
UNTERSCHIEDLICH SEIN. DAS WISSEN
DOCH ALLE, SAGT IHR? DENKEN
DARÜBER NACH UND TEILEN ES MIT,
SODASS DER WAHRHEITSGEHALT
IHRER EIGENEN MEINUNG SICH
IHNEN SELBST UND DEN ANDEREN
ERSCHLIESST? FÜHLEN DAS RECHT
AUF GEORDNETE FREIHEIT DES
RAUMES? LEBEN NACH IHREN
GESETZEN? LEBEN DANACH! HEBEN
TRENNUNGEN AUF, LEITEN
NOTWENDIGE BEGEGNUNGEN EIN?
STELLEN SICH DIE VON UNS SELBST
VERDRÄNGTEN FRAGEN NACH DER
QUELLE, DER QUELLE DER SAGEN,
NACH DER GEISTIGEN FRISCHE, DES
RÄTSELS DUFTENDER ORT. HIER AM
ÜBERGANG, ALS FLIESSENDE ENERGIE
AUF BAHNEN STRÖMEND DAHIN,
STEHT DER SITZ UNSERER ZEIT. WIR
LAUSCHEN, INDEM WIR GESCHEHEN
LASSEN DES LICHTES UNLEUGBARE
STRAHLUNG:

 

Stadt/Land

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Diese Seifenblasen aus Berlin sind die Übergangsboten zum Grün, von dem ich umgeben bin, wo ich wohne. Vom Grün aus manchmal in die Stadt scheint für mich persönlich optimaler als umgekehrt. Schwierig fand ich die Schächte der Stadt, in die man eintauchen muss, wenn man sich irgendwohin aufmacht.  Das Ausgewogene, mal Stadt, mal Land,  scheint auch hier die gute Lösung, so, wie das Alleinsein mit sich und das Gespräch mit Anderen in der Ausgewogenheit zwischen Schweigen und Wort bekömmlich ist. Wenn man vom großen Mysterium des Menschseins ergriffen ist, kommt mir ein ruhiger Ort zum Denken gut vor. Auch in der Berliner Wohnung war diese Denkstille spürbar. Sie ist letztendlich nicht wirklich abhängig von der Umgebung, immer gibt es Vor-und Nachteile, mit denen man umgehen muss. Aber so einfach in einen Wald hineinlaufen zu können, das ist schon schön. Ebenso ein einfacher Zugang zu guten Gesprächen…Freude an wohlwollenden Einstellungen….gute Freundschaften…das kann überall geschehen, wo es für das Staunen noch Raum gibt.

Berlin 11

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BIS GLEICH ALSO………………………………………………………………………..

Berlin 10

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TRAUMLOS, SAGTE ICH. MEINTE ICH WELT? MEINTE VERLOREN GEGANGENES GUT IN MEINEN SCHRIFTEN? MEINTE MICH SELBST IN EINEM VORNE DES NOCH NICHT ENTSTANDENEN, WENN ICH RAUM EINNEHMEN WERDE IM ZUKÜNFTIGEN HIER, UM IN DER INNEREN WERKSTATT D A S WERKZEUG ZU SCHAUEN, DAS MIR OFFENLEGEN KÖNNTE DES LABYRINTHES VERWEGENES RÄTSEL? MEINTE ICH LICHT, UND WOLLTE NUR STILL SEIN UND NIRGENDS MEHR HINGEHEN, NUR DAS UNVERMEIDLICHE TREFFEN,  DAS ZUKAM AUF MICH.

Berlin 9

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Ja, genau! School’s out! Die Berlin-Schulung geht dem Ende entgegen. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten hier aus der Stadt, wo  die Menschen waren und sind, die ich entweder schon kannte bzw weiterhin kennen lernen konnte…oder auch neue Begegnungen, die Freude brachten. Viel freundliches Lächeln und Aufmerksamkeit. Zum Beispiel die Frau in dem Comic Laden!, der mir empfohlen wurde als ein Spezialgeschäft für Comic Items, und wo ich hoffte, etwas von Super-Bat-oder Spider-Man zu finden für meinen 4-jährigen Kumpel aus Afghanistan, der grad auf diese Comics steht. Achach, seufzte die Verkäuferin mit mir zusammen, nicht so geeignet für so einen Kleinen…so viel Gewalt überall da drin…!!! Ich suchte nach einem Heft vom Silver Surfer, der mal mein eigener Held war, aber es gab ihn nur als Schlüsselanhänger, aber selbst da noch elegant und All-fähig, und man konnte ja auch im Einst von seinen Texten noch etwas lernen. Ich habe dann trotzdem ein (teures) Spidermanheft gekauft, darauf vertrauend, dass ich den deutschen Text beim Blättern und Vorlesen etwas umpolen kann. Auf jeden Fall besser als das hektische Spielen im Smartphone seiner Mutter, wo er neulich auch mal bei einem furchtbaren Spiel, das er mir unbedingt zeigen wollte, abwechselnd „er tot!“ und dann auch „oh! Ich tot! schrie, ohne wahrzunehmen, was er da sagte. Achach, da starrt man in einer fremden Stadt aus dem Fenster auf einen blauen Himmel, den Himmel über Berlin, und traut sich nicht, da weiterzudenken.

Aber für mich ging dann alles noch sehr gut gestern am frühen Nachmittag, als ich müde vom Wandern zurück kam. Ich hatte auch keine bemerkenswerten Mitbringsel entdeckt, sondern hatte außer dem Spidermanheft nur ein  Seifenblasenfläschchen in der Tasche. Haben Sie noch das Original ? fragte ich den Verkäufer. Aber ja, sagte er, und gab mir das vertraute Pustefix-Fläschchen in die Hand. Für wen es ist, weiß ich noch nicht, aber damit kann man ja nun jederzeit jeden etwas erfreuen, mit so ein paar Seifenblasen in der Luft, die einen Nu lang total ihre Schönheit entfalten und dann wieder weg sind, bis neue nachkommen!

Am Nachmittag stand ich also an diesem hellen Fenster, vor mir ein Buch aufgeschlagen, das die absolut besten Gedanken entfaltete, die in dieser Welt gedacht wurden und immer gedacht werden können, wenn jemand auftaucht, der sie denken kann. Gedanken, die einem beim Lesen die direkte Erfahrung geben, ein kühles, erfrischendes Bad zu nehmen, sodass man einhält, um die Wirkung zu genießen, die unendlich wohltuende Wirkung klarer und wahrer Gedanken. Gedanken, die mich berühren als großzügiges, zeitloses Angebot und mit keinem Wort vorgaukeln, als sei hier Schluss mit Wahrheit, nein! anregend, das Eigene zu finden und ein Kind eigener Zeit zu sein, ohne auf diese glanzvollen Lehrer verzichten zu müssen. Den Wert guten Denkens tief im Herzen mit so einer Dankbarkeit zu spüren, das ist in der Tat Glückssache. Und während ich mit dieser Glückssache zugange war, kamen mir die Pläne in den Sinn, die ich erwogen hatte für den Nachmittag. Doch als mir klar wurde, dass beide, die Licht-Installation von Turrell, und das Antikenmuseum, auch noch da sein würden, wenn ich mal wieder nach Berlin komme, habe ich mich entschieden,  mich in der Wohnung meines Freundes bei gutem Espresso dem Genuss philosophischen Kontemplierens hinzugeben und mich mit Freunden auszutauschen. Ja danke, ihr habt mein Berlin bereichert!

 

Berlin 8

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(Das wird mich natürlich jetzt weiterhin stören, dass das mit (meinem)Berliner)) Humor erstandene VIP Metallplättchen nicht schön in der Mitte des Rahmens sitzt, aber nach Treppenzählen und Bildergeraderücken will ich natürlich auch sehen, was ich alles aushalten kann, das geht schon (mal). Die Treppenfolge ist übrigens von oben herunter :
9-11-11-11-11-11-10-10-8! Wenn man’s mal draufhat, macht es ja Freude, denn nun weiß man, wie und wann man mit rechts auftreten muss. Oder nur ich freue mich da? Das bringt mich ja direkt zur VIP-Lounge! Eine VIP-Lounge ist in meiner Erfahrung ein Raum, wo ich mich so richtig gut fühle und für den zeitlosen Nu alles da ist, was ich als Mensch brauche, zB die Anwesenheit guter Bücher, eine elegante Stille inmitten des Menschengewimmels, sodass eigentlich keine Not aufkommt, ins Draußen zu müssen, ganz im sokratischen Sinne, dass es besser ist, mit der ganzen Welt uneins zu sein, als mit sich selbst, da ich ja Eine/r bin, und wenn ich mich mit mir selbst (gut) unterhalte, (da ich ja mit mir selbst lebe), als Zwei in Einer lebe, also mit good company rechnen kann. Aber dann gehe ich natürlich auch immer wieder hinaus und lasse mich einige Strassen hinauf-und hinunterwandern, wissend, dass ich hier nicht mein Berlin suche, sondern einfach mal schaue, was ich so sehe und aufnehme und letztendlich zu meinem Berlin mache. Es kommt mir auch so vor, als müsste ich gar nichts machen, denn ich bin ja von Geburt und Teil meines Herzens Berlinerin und könnte mein Amt hier genauso gut ausüben wie im jeweiligen Anderswo. Krishnamurti (Jiddu), den ich kurz angeblättert habe und intelligente Unterstreichungen vorgefunden, die die Konzentration (manchmal) erleichtern, also K. empfiehlt auf dieser Seite, alles Gewohnte  abzubauen, indem man die Gedanken konsequent stoppt…Nun hat er aber selber so viele geäußert, da weiß ich nie, warum sie es den „Anderen“ so gerne abgewöhnen, das gute Denken also, durch das u.a. wir u n d Krishnamurti zu dem geworden sind, wer wir sind. Deswegen muss man ja nicht gleich für Andere eine „very important person“ werden! Was mir persönlich noch wesentlicher erscheint als Schweigen und Worte ist der Blick, der daraus entsteht, der Blick nach innen, der sich ins Außen bewegt und dort auf das Andere trifft wie auf sich selbst….und zu wissen, dass man für diese grandiose Freiheit verantwortlich sein kann.

 Zwei Orte soll ich mir ja noch anschauen: die Licht-Installation von James Turrell in der Aussegnungskapelle des Dorotheen Stadtfriedhofes, wo viele berühmte Menschen liegen, und das Antiken-Museum….Mal sehen….

Hier reizt es mich dann doch, das (illegale) Photo …psssssst…..der M.L. reinzutun, das ich gestern entdeckt und photographiert habe; nein, natürlich nicht schön, aber doch auch ganz lustig…..

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Berlin 7

EINE BEFSTIGUNGSEINHEIT TREIBT DAS HERZ AUF DIE SCHMALSPUR DES : WESSEN GEWISSEN?, AUF DER ICH WISSEN DARF UND AUCH WERDE, WELCHE UNSAGBAREN PFLICHTEN MIR AUFERLEGT WERDEN IM RAUM, WO TAG UND NACHT SICH VONEINANDER LÖSEN UND DAS LEBEN DEN MANTEL ABLEGT VOM TOD UND DER MORD DIE RACHE AM NICHT-GEHÖRTEN. TIEF IST MEINE LIEBE, WO LICHTER BRENNEN, WO UNSERE SPRACHE VERBANNT WURDE VON UNS, DEN AUTISMUS-ARTISTEN, DES UNIVERSUMS EINFACHE ANGESTELLTE, WIR DIENEN DER ZEUGUNG DES LÄCHELNS. KEIN GIFT EINES LASERDRUCKERS, KEINE DISTANZ EINER ZELLULOID-INSTALLATION KANN UNS HINDERN AM ZUSAMMENTREFFEN IM WOHNORT DES WORTLOSEN TONES. HIER WÜNSCHE ICH MIR DAS SCHON GESCHEHENE: DAS BEBEN IN DER STILLE VOM FÜHLEN DER VORBOTEN DES LEISEN. DENKWEISE UND SPRACHE DER TRADITIONEN MÜSSEN VERÄNDERT WERDEN, DENN SELBST DER KRIEG KONNTE; WIE MAN SIEHT, LEIDER ALS ANERKANNTE INSTITUTION NICHT ÜBERWUNDEN WERDEN:

 

Berlin 6

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Diese „Kali“ ist die Tätowierung auf dem Arm einer Frau, mit der ich in Berlin angekommen bin, bzw. von meinem Zuhause aus, wo sie mich und uns besucht hat. Wir kennen uns aus Indien und haben uns in einem Tempel in der Wüste Tharr  unter ziemlich unseligen Umständen kennen gelernt, dh für sie waren sie unselig, denn ein Brahmane, dem sie vertraut hatte, eine 9-Tage Puja zu zelebrieren, hatte sie belästigt, und die belastende Situation zeigte Wirkung, als ich am 9.Tag dieser Feiertage „zufällig“ mit einer indischen Freundin  dort auftauchte und wir davon erfuhren und sie eingeladen haben zu einem Picknick in einem weiter entfernten Tempelgelände, wo wir die Lage in Ruhe besprechen konnten. Es war der Tag von Kali, daher die Verbindung über die Kraft der weiblichen Erscheinung, was wohl auch einst der Anstoß war für die Tätowierung. Faszinierend und irritierend, diese unter Schmerzen hervorgebrachten Bilder auf der Haut der Menschen, die sich hier für ein, wenn auch nicht ewiges, so doch kurzes „Lebenslang“ entscheiden. Ich persönlich kenne keine Symbolik, mit der ich mich so sicher identifizieren könnte, dass ich es mir auf die Haut gravieren lasse, höchstens vielleicht ein paar Worte, aber dann: welche………könnten so lange bestehen…..?Aber auch in dieser Körperkunst gibt es kunstvolle Unterschiede, und ausgezeichnete Nadelführung, wie man oben im Bild am (linken) Arm der Freundin gut sehen kann. Hier in Berlin haben wir Kaffee getrunken zusammen und waren gestern auf Empfehlung in dem Film „Toni Erdmann“ ….berührend und durchaus empfehlenswert…….Das Thema „Mensch“ und „Mensch sein“ scheint auch automatisch an allen Tischen aufzutauchen, wo ich mich im Gespräch befinde. Es ist auch mein vorherrschendes Interesse am Menschsein, dass ich selbst es verstehe und durch mich erlebe, und verstehe nun sehr wohl, dass wir Menschen irgendwie und irgendwann über uns hinausgehen müssen, was in die dunkle Richtung leichter scheint als in die helle…Wie „hell“ kann der Mensch werden, oder vielleicht eher das Grau, das Goethe vorgeschlagen bzw erforscht hat als alle Farben enthaltend? In einer „Mitte“ sich aufhaltend, wie es empfohlen wird von asiatischen Weisen? Wie bin i c h als Mensch, und ja, genau, wo dürfen wir es sein, denn schon gibt es Länder, und noch gibt es Kriege, in denen  menschliches Verhalten kaum mehr erhofft werden kann…..

 

 

Berlin 5

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Diese Postkarte habe ich gestern erstanden und musste so lachen, dass der Verkäufer mitlachen musste.

Heute, (sehr) früh beim grünen Tee auf dem Luxuslager, musste ich einige herbe Kontemplationen von mir über mich ergehen lassen, und da ich gerade einiges über mich erzähle, will ich auch das mitteilen bzw. teilen. Mein Blick fiel also vom Lager aus durch die offene Tür auf 4 sehr schöne Tuschezeichnungen in schwarzen Rahmen, die untereinander aufgehängt waren. Auf einmal bemerkte ich, dass sie millimeterweise schief hingen, ich meine Millimeter, und ich konnte nicht mehr davon ablassen. Kurz und gut: ich musste aufstehen und meine Arbeit tun, es war nicht schwer. Schlimm wäre ja gewesen, wenn ich zwischen dem zweiten und dem dritten Bild den Nagel verlagert hätte, denn da waren auch Millimeter-Differenzen, und ganz unten konnte man gar nicht ausgleichen, weil ein Lichtschalter dazwischen war! Aber mein Geist hat sich beruhigt durch das, was möglich war. Aber nicht genug! Mir fiel ein, dass ich gestern bei den 5 Stockwerken, die man hinauf-und hinunterläuft (froh, am Sport teilnehmen zu dürfen), wieder darauf geachtet habe, dass ich mit rechts anfange und auch mit rechts aufhöre, sonst muss ich ja den Fuß wechseln. Dabei wurde mir klar, dass die ersten Treppen jeweils 11 Stufen hatten, dh., man kann rechts anfangen und rechts aufhören; die letzen aber nur 10 Stufen, da heißt es dann, mit links anfangen, damit man mit rechts ankommt. Für mich hat geniale Treppenarchitektur, und das schon lange, immer damit zu tun, dass man mit dem rechten Fuß anfängt und auch rechts wieder ankommt….solange man das nicht auf die Politik anwendet, du meine Güte! Wie gefährlich sind doch Worte. Gut, sowas wie mit den Treppen erzählt man ja nicht alle Tage, und ich selbst weiß ja noch nicht, ob das eher bei den dunklen Geheimnissen verstaut ist oder bei den hellen Lachanfällen. Auch: was erzählt man überhaupt vom eigenen Leben und was nicht!? Zur Zeit geht ja der Fall Petra…..wie heißt sie doch noch….durch die Presse, die gerade ihre Seelenschwere erleichtern konnte und dem grimmigen Volk verraten, was sie in dieser Position sicherlich nicht hätte geheimhalten dürfen, denn nun liegt in ihrem ganzen Leben eine Trübnis, die kaum aufzuzhellen ist ausser mit therapeutischer Begleitung! Dass es wunderbare therapeutische BegleiterInnen gibt, kann ich aus ganzem Herzen bestätigen und ich wünsche dieser Frau, dass sie so Eine findet! Ja! Was verbirgt man, und was legt man offen!? Das ist doch eine interessante Frage.

Und immer mal wieder von zuhause wegfahren!, und ins Woanders reisen, denn da erfährt man einiges über sich.

Berlin 4

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Höre also, o Kairos,
tiefster der Orte, meine
Erschließung durch dich:
denn ich vernahm doch mehr
von deinem Schicksalsruf in mir,
von deinem beflügelten Ansporn,
deinem Heilungs-Verfahren,
durch meine Narben, die als
vernichtendes Unheil über mich
hinrasten und heimsuchten das
singende Herz. Als sich die
zeitentwaffnete Stirn auf mich
senkte, da hieltest du das Wehen
des Windes am Ufer offen
und gabst mir die Antwort,
die keiner mehr suchte.

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*Bild:  Berliner Sphinx, die ich in einem kleinen Laden entdeckt habe.

Berlin 3

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Das scheint ja eine Berlin-Serie zu werden…nun gut…warum nicht….

Nachdem dann alles zur Zufriedenheit geregelt war, der geheime Schlüssel-Code eingegeben, das Welan-Gerät am Blinken, da wollte ich der Nachbarin in der gegenüberliegenden Tür „Hallo“ sagen, damit sie sich nicht fürchtet, wenn sie Geräusche hört bei meinem abwesenden Gastgeber. Sie hat sich aber doch gefürchtet, nur konnten wir zum Glück beide darüber lachen. Auch an „meiner“ Tür ist ja ein Guckloch, wo man Menschen beäugen kann, bevor man die Tür öffnet. Man steht sich da von Guckloch zu Guckloch gegenüber und weiß gar nicht, wem man trauen soll, wenn man die Menschen nicht kennt. Ich wohne ja sonst nahe am Wald auf dem Land und lasse dort oft die Türe unverschlossen, weil ich (noch) nicht gefahrenschreckhaft bin, aber auch da steigen Banden in Häuser ein, meistens, wenn die Bewohner in Urlaub sind….

Was mir gestern am Nachmittag auf meinem Weg im Draußen  auffiel, waren die vielen Sprachen. Bald hatte ich das Gefühl, kaum noch Deutsch zu hören, so viele fremde Laute kamen an mein Ohr! Das war schon auffallend, dass die Welt sich in Berlin tummelt, was ja einleuchtend ist: wenn schon Stadt, dann doch hier, wo sie wirklich lebt und ständig überrascht mit unkonventionellen Angeboten aller Art. Und wenn ich an die ägyptischen Sarkophage nur denke, die dort unten im Museum ihre Ewigkeit ausstrahlen, erscheint auf meiner Oberfläche eine durchaus angebrachte Gänsehaut.

Diese Stadt hat eine Erotik, die mich anspricht und mir vertraut ist. Auf den breiten Straßen und Gehwegen hat alles Platz, man spürt in den Herumwandernden den Genuss des Flanierens. Ich gehe dann wieder gerne zurück in meine momentane Eremitinnen-Herberge, da habe ich Arbeit zu tun. Ich meine natürlich die Freude, im Dialog mit mir selbst zu sein und zu erforschen, was unter diesem Himmel aus mir wird. Einmal habe ich mich in anderer Zeit gar nicht weit von hier aus einem Mutterleib gezwängt, ja wie denn, ja wo denn, ja wann. Wegen dieser Hervorkommung und ihren begleitenden Umständen gelang es mir vor wenigen Jahren auf Empfehlung einer hervorragenden Therapeutin, mich der Kompetenz einer ebenfalls hervorragenden Therapeutin in Berlin anzuvertrauen, und obwohl es „nur“ drei Tage waren, an denen ich jeweils einige Stunden ihre Betreuung und Kompetenz erfahren durfte, atmet nun „mein“ Berlin vor allem diesen inneren Raum, in dem ich mein Erscheinen in dieser Welt noch einmal erfahren durfte und konnte. Heute werde ich sie treffen, dafür bin ich sehr dankbar.*

* (Ich komme gerade von diesem Treffen und füge es leise ein: es war sehr schön und bereichernd….)

Da ich nun schon einmal angefangen habe, mich verbal zu begleiten und Freunde an meinem Weg teilnehmen zu lassen, komme ich sicherlich zurück zur Fortsetzung des Geschehens….

Himmel über Berlin 2

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(Seht Ihr das Kind, gerade entstanden und
schon in der Auflösung?)

Wer meine Narben kennt, kennt mein
Erst-recht, meine sich in inneren Hymnen
bewegende Niederkunft am Brandweg
entlang, ahnungslos geschaukelt im
erlauschten Zuviel. Oh!, meine Gegenwart
in diesem Damals -Spiel war noch pur
und reichte weit über die aufgeschlagenen
Ecken der Geschichten hinaus. So ein
Wunsch nach schnellem Älterwerden lebte
in mir aus der Kinderzeit, ein freiwilliges
Können im Überschreiten des Widerstandes,
als es ihn zum Erfassen noch gar nicht gab,
nur wilder, asketischer Wille des Lauschens,
nur tiefster Brunnen dort unten im
Märchenland, wo ich mich wartend fand
unter Gleichgesinnten, bis eigene Zeit entstand.

Himmel über Berlin 1

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Er ist tatsächlich das erste, was mir bei der Einfahrt in Berlin am meisten aufgefallen ist: der Himmel!….blau, mit diesen festen, weißen Wolkengebilden, in denen man das Flüchtige lieben lernen kann. Jedes Jahr denke ich, ich muss nach Berlin kommen bzw. gehen, aber es gelingt nicht immer. Desto größer die Freude, wenn die Dinge sich wie von selbst zusammenfügen. Ich werde eine Woche hier sein. Ein guter Freund, der sich gerade woanders aufhält, hat mir seine Wohnung zur Verfügung gestellt, und nicht nur ist es schön, gleich ein Zuhause zu haben in einer Stadt, sondern höchst angenehm, hier auf guten Geschmack zu treffen, auf Geist und gute Wahlen, sei es als Teppich oder Bücher oder Kissenbezüge. Auch meinen Geist kann ich hier finden, denn unsere Freundschaft lebt von philosophischen Gesprächen, und hier finde ich beim Vorbeiwandern an den Bücherrücken viele unserer guten gemeinsamen Freunde. Habe auch meinen eigenen Sokrates (Vorlesung von Hannah Arendt, erschienen bei  Matthes&Seitz Berlin) mitgebracht und nicht aus Furcht, ich könnte hier nichts zum Lesen finden. Was wird m e i n Berlin sein?

Ich bin hier geboren. Ich denke, ich kann sie fühlen, meine Stadt, doch ist das wirklich ein Fühlen, oder eher eine innere Ausweitung dem Daseienden entgegen, denn ich werde hier nichts wiederfinden, was ich verloren habe, oder vielleicht doch.

Heute früh bin ich schnell hinaus, um ein paar Brötchen zu holen usw., noch nichts zum Kochen, denn ich weiß (noch) nicht, wie der Super Celan Schott Herd funktioniert, die Internet Anweisung hat auch nicht weiter geholfen. Ich werde jemanden um Hilfe bitten müssen oder auf die Benutzung des Herdes verzichten.

Bei einem Italiener habe ich einen exzellenten Kaffee getrunken, aber das Verweilen ohne mein Notizbuch kam mir nicht sinnvoll vor.
Auch habe ich bereits Ausschau gehalten nach einem Bild, das ich machen kann, das etwas von dem Berlin zeigt, das i c h erlebe, aber noch habe ich es nicht gesehen, denn ich weiß ja gar nicht, was es sein wird und muss warten, bis es auftaucht (oder nicht).

Ich merke, dass ich mir hier in meiner Stadt viel vornehmen könnte, denn ich bin ja nun eine Art Fremde, da ich nicht mehr hier wohne, aber ich merke auch, dass ich in meinen Aufenthalt nicht wirklich eingreifen kann, sondern ich muss ihn erleben. Was, wenn ich z.B. gar nicht hinausgehen würde; würde mir dann das Wesentliche verwehrt? Was ist das Wesentliche, das mir durch Erfahrung gegenwärtig wird, überall oder nirgendwo….?

Ich erlebe mich gern im sogenannten Fremden.
Da bin ich leiser und wortloser als zuhause, weil ich erst sehen muss, wer und was mir wo und wie begegnet.

Das Geheimnis des Celan-Herdes ist gelöst! Die Lösung war einfach. Man braucht spezielle Töpfe, um die Glut in Gang zu bringen! Ich hatte es mit so einem schlichten Milchgefäß versucht.

Es ist wohltuend, sich in der Gesellschaft guter Bücher aufzuhalten,
auch wenn man gerade nicht so viel lesen will. Auch das Herumblättern kann überwältigend sein, denn in der Tat, es gab und gibt wundervollen, lebendigen Geist, der  in Menschen den jeweiligen Ausdruck findet. Angebote inneren Erlebens und Denkens!

Das Bild ist ein Objekt des Raumes, in dem ich mich gerade aufhalte.

Florian Goldberg: ‚Engel‘

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Die Narben, wo die Flügel saßen, heilen nicht.
Die Stümpfe drücken schmerzhaft auf dem Schulterblatt.
Doch gut umtucht. Damit es keiner sieht.

Von endlos leeren Himmeln matt,
saugen die Blicke an der Welt nach Licht.
Nach einem Zeichen, das sich nicht entzieht –

Als wär‘ da was! Als machten Lehm und Erde satt!
Es blieb das Lehnwort: Engel!
Das er behütet wie ein Kindheitslied.

 

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Florian Goldberg

schweigsam

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Berge machen schweigsam.
Wüsten machen schweigsam.
Menschen machen
schweigsam.

Wir können froh sein, wenn
in dieser Schweigsamkeit
Wesen uns wohlgesinnt sind,
wenn lebendige Lichter
brennen, wenn die Liebe
aufgehoben ist vom
Staub ihrer Knechtschaft,
und das Herz in sich ruht
ohne Fremdheit.

 

Ein Lied

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(Ein Lied für Leute, die eine gute Laune
brauchen und grad keinen Text zur Verfügung haben)

Sänger/In:

Was kommt denn da und will
mir meine Laune nehmen?

Chor:

Das darf doch nicht wahr sein!
Das darf doch nicht wahr sein!

Sänger/In:

Das ist doch hoffentlich
kein Stimmungsdämpfer!

Chor:

Das wäre ja klar klein.
Das wäre ja so klein!

Sänger/In:

Da kommt sie schon, es ist ne
kleine typische Täuschung!

Chor:

Keine Bohne!
Gar nicht ohne!

Sänger/In:

Hurrah! Es ist ne Erbse
und keine Illusione!

Chor:

Wah!Wah!Wah!
Wah!Wah!Wah!

Zusammen:

Das ist ja nochmal gut gegangen!
Sehen Sie! Da ham wir’s schon!
Und nun kommt noch als Richtungslohner
die moralische Krone ohne Bewohner.

Stimme aus dem Off:

Bei uroborischen Periburen
(vermeidbaren Gedankenfetzen)
lassen Sie Licht rein
in ihr Dichtsein!

Zusammen:

Und das Oval von dem Gesicht spricht:
Verwechseln Sie die Erbsen mit den
Bohnen nicht!

Chor:

Wah! Wah! Wah!
Drama!
Wah!Wah!Wah!

 

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Ab und zu, wenn auch höchst selten, schreibe ich  mal ein Lied. Ich mag meine Lieder, weil sie halt auch manchmal aus mir heraus wollen und keinen Anspruch in sich tragen…aber hallo! Stimmt das auch? Also, wenn ich ganz ehrlich bin, erwarte ich eigentlich zB von diesem Lied, dass es, wenn tatsächlich von jemandem gesungen (mit eigener Melodie, Hauptsache gesungen) unbedingt zu einer verbesserten Laune führen sollte oder könnte und damit seinem Anspruch gerecht werden. Aber wie bekomme ich Infos dazu? Ich müsste etwa 108 Versuchspersonen einladen, (den Chor könnte man ja vor Ort kreiren), die nach dem Singen des Liedes über die Wirkung eine Aussage machen. Dazu müsste man sie allerdings vorher in schlechte Laune versetzen, sonst wäre es ja schwierig, wobei auch das schwierig wäre usw….Aber eigentlich hege ich den Verdacht, dass es mir wichtig ist, meinen Humor mal zum Vorschein zu bringen, na gut…

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Hey! Du da!

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DU DA! HEY! DU DA!
DU WARST DA DOCH.
WARST DA DOCH DA.
NOCH DA DOCH.
NOCH DA.
NOCH WAR DA DOCH, WAS DA WAR.
WO WAR DAS, WO DAS DA WAR?
WO WAR ICH?
WO WARST DU?
WO WAREN WIR, ALS DAS ALLES
NOCH DA WAR?
DA WAR ICH DA.
DA WARST DU DA.
WAR DAS NICHT DA, WO WIR WAREN?
JETZT BIN ICH DA, WO SIE SAGEN:
NICHT MEHR DA.
WO GEMEINT IST: GEH, BEVOR DU GEHST!
DAMIT WENIGSTENS DU DA BIST,
WENN DA DA IST.

ORT/TOR

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WIR SIND ZUHAUSE. WIR SIND DA.
ZUHAUSE. FREUNDE! LEUTE! VÖLKER!
STÄMME! EINEN ANDEREN ORT GIBT
ES NICHT. HIER IST DER ORT. ALLES IST
ORT. AM ORT. WIR SIND AM ORT. DER
ORT UND WIR. ICH ORT BIN TOR: GROSSES
TOR. SCHWINGENDES GROSSES TOR IST
DER ORT. DRINNEN IST DER ORT WIE
DRAUSSEN. DRINNEN UND DRAUSSEN
SIND ORT. ORDNUNG IST LICHT AM ORT.
ORT UND ORDNUNG SIND LICHT. WENN
WIR DA SIND; SIND WIR LICHT-ORT.
ALLES IST TOR-GEBOREN. BEWUSSTSEIN
IST ORDNUNG AM TOR.
ACHTUNG! ALLES IST PRÄGUNG AM ORT.
DER GEIST PRÄGT DEN ORT.
WELT ENTSTEHT UND VERGEHT.
VOLLKOMMEN KLAR UND SICHTBAR.

Wir

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Da hob sie den Blick ins Frei-Feld des
Zwischen-Raumes und zielte mit
erhöhter Aufmerksamkeit auf die Wurzel
des Bilderspeichers und hob aus der Tiefe
ein Etwas, verstört und ängstlich.
„Du!, sagte ich, und nochmals:“Du!
Du hier!?““Wo hier?“sagte es, und „Wer hier?“
„Wir hier!“, gab ich zur Antwort, und
hörte ein leises: „Wer wir?“
„Na wer schon!“sagte ich ungeduldig.
„Wir doch!“
„Wir“, flüsterte der Andere.
Es war der Andere.
Er flüsterte:“Wir.“
„Wir also.“
„Wir hier.“

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Der Text auf dem (etwas zerknitterten) Blatt lautet:“What was it, that so darkened our world!?“ Elias antwortete: „I don’t know, dear, I don’t know.“ Es ist das Photo einer Seite aus einem Programmheft unserer damaligen Performance-Gruppe „Die Yoganauten“…Ich erinnere mich nicht mehr, woher ich die Worte habe, aber es hat mich immer berührt, dass jemand , hier Elias, sagen konnte, dass er nicht weiß, was es war, was ihre Welt so verdunkelt hat, denn wir denken auch immer, wir wüssten es, aber wir wissen es nicht.

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kein Zweifel

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Kein Zweifel!
Ich habe überlebt
auf dem Planeten, wo Tote
neben Lebenden sich oft
nicht unterscheiden wollen –
oder wollen es doch, aber können
es nicht, weil niemand einen
liebenden Blick auf sie geworfen,
niemand ihnen die Hand gereicht hat
zum Aufrechtgehen, zum Sichtbarwerden,
weil niemand ihnen ein Herz-Spiegel war,
eine Umarmung, ein Fühlen,
das Heilung ermöglicht hat.
Kein Zweifel!
In mir lebt auch dieser Welt-Schmerz,
der sich erfühlt in der Liebe, die meines
Weges kam mit Reichtum und Zuversicht –
(sodass ich selbst nicht mehr weiß,
ob ich es war oder du, die meine Zweifel
in ein Lächeln führte.)

Kaifi Azmi

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BRICH DAS BAND DER SITTE

FLIEHE VOM GEFÄNGNIS

DER TRADITIONEN

ERFREUE DICH NICHT

AN DEINER EIGENEN SCHWÄCHE

FLIEHE DIESE SCHEINBARE

EMPFINDLICHKEIT

VON DIESEN SELBSTBESCHWÖRENDEN

GELÜBDEN HALTE DICH FERN

– AUCH SIE SIND ANBINDUNG –

VON DER ANBINDUNG DER LIEBE FLIEHE

NICHT NUR DER DORN, AUCH

DIE BLUME VERWEICHLICHT!

 

ERHEBE DICH, MEINE LIEBE!

DU MUSST MIT MIR GEHEN!

 

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Kaifi Azmi ist bzw war ein indischer Poet, der in Urdu geschrieben hat. Ach wüsste man, vor allem bei der letzten Zeile, was er wirklich gesagt hat in seiner Sprache…oder befand er es einfach als rechtmäßig, seiner Liebe zu befehlen, mit ihm zu kommen…?

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Stellung

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Die Forschung nach den Grenzen der Materie
gehört der Wissenschaft der Erde an.
Die Wissenschaft der Stille jedoch gehört den
Eingeweihten einer hohen Kunst: der Kunst,
ein Ziel zu haben in der Welt des Schweigens.
Und wahrlich, die Poeten
werden das letzte Wort ergreifen und
werden lächelnd und mit Liebe auf dem
Staubfeld der Atome stehen, und werden sich
erinnern an die Ewigkeit der Jahre.
Wir kehren jeden Morgen wieder
aus der Stille, und unser Wesen gleitet
durch das Unbegrenzte, denn die Erfahrung
der Wirklichkeit ist jenseits allen Zweifels.
In den Gesängen von Silenus
steht geschrieben: die Schwäne werden
wiederkehren zu ihrer Zeit zu bannen die
Verwirrung, die entstand am
Firmament der Vögel. Denn es ist Zeit!
Zeit zu erwachen. Und Wachsamkeit sei nun
ein ständiger Begleiter des unbeirrten Auges.
Es nehmen die Agenten des Spiels
die Stellung ein.

Frau Merkel

Bild für das Nachrichtenergebnis

Nachdem auch ich Frau Merkel gestern bei ihrer Sommer-Pressekonferenz gehört habe, danach im Radio noch einige Kommentare dazu, hatte ich heute früh den Impuls, auch mal was zu meinem Eindruck zu sagen, den ich seit einigen Jahren bis heute von Angela Merkel habe, und melde mich gerne als politisch ungeschulte Bürgerin, was ja nicht unbedingt von eigenem oder auch intelligentem Denken und Wahrnehmen abhalten muss. Frau Merkel ist wirklich sehr kompetent, ein Land gut zu führen mit allen wesentlichen Eigenschaften, die gute Führung erst möglich macht wie menschliche und intellektuelle Intelligenz, Humor, hohe Diplomatie, bei deren Ausübung das sogenannte Volk ja selten dabei ist. Überhaupt ist man selten dabei, wenn und wo man Frau Merkel erleben könnte, wenn man wissen wollte, wer sie „wirklich“ ist, und da, vermute ich mal, würde man in ihrer Umgebung sicherlich eine große Ernsthaftigkeit finden und wohl auch ein berechtigtes Vertrauen in die Entscheidungen dieser Frau, die letztendlich, wie sie gestern sagte, eben nur auf ihren Schultern lasten. Dass sie es dann bei einer so wichtigen Konferenz auch noch leistet, einen besonnenen Eindruck zu machen und das Schlimmste der gierigen Nachfragen zu vermeiden versteht, hat mir wiederum Achtung für sie abgerungen. Man bekommt doch den Eindruck, als hätten sich alle Arten von BerichterstatterInnen verschworen, sie auf jeden Fall so viel wie möglich zu kritisieren, obwohl man in den deutschen Haushalten ziemlich wenig Fehlendes zu beklagen hat. Man konnte Frau Merkel auch oft im Kreise mächtiger Männer bewundern und zum Beispiel denken, wie mächtig doch Intelligenz und die im politischen Leben eher unübliche Uneitelkeit zusammen wirken, denn sicherlich spüren wir doch auch die Wirkungen ihres erstaunlichen Talentes als Diplomatin. Ich sage nicht, dass Frau Merkel nicht kritisiert werden sollte, gute und angebrachte Kritik weiß jeder kluge Mensch zu schätzen, aber ich wünschte mir doch etwas mehr Wertschätzung für ihre außerordentlich kluge und bedachte Lenkung dieses Landes, für die ich ihr ganz eindeutig dankbar bin. Und../Oder gibt es vielleicht doch so etwas wie einen Kollektivstachel, der ausgefahren wird, wenn mal wirklich Eine/r ihre/seine Sache richtig gut macht!?

Es lege jede/r, der sich berufen fühlt, einen umwerfend einleuchtenden und stabilen 9-Punkte Plan

vor, mit dem die Bevölkerung hochzufrieden ist und zusammen sinnvoll in einen Jubel ausbrechen kann:

Freude, schöner Menschenfunke!“ Und wenn sich alle so einig sind, dass Frau Merkel zu wenig „Gefühl“

zeigt, dann auch hier bitte: vormachen, damit man weiß, was sich unser Volk darunter vorstellt.

lautlos

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Das kommt doch von selbst,
das öffnet sich – hängt von nichts ab,
geht nirgendwo hin, hat kein Wohnzelt,
schläft unter Himmeln, erfährt
eigene Gedanken, lehnt sich an
Leergut. Ab und an verzögert sich
Tinte im Fluss, nähert mich einer
Möglichkeit des Verzeihens. Buchstaben
erzeugen Herzformen, Metalle lassen
Spuren zurück. Da singe ich im Weltfeld,
im Wind, da sind wir als das Viel-Ich
gebunden in einem Verhaltensverfahren
ohne Namensschild, wollen raus
zu den Blumen, auch die haben Namen.
Öffnungen sind in der Erde vorhanden,
lautlos. Schließt auf ihre vorhandenen
Fluchten, geht durch die Furchen, die
furchtlosen Schluchten, nehmt ihre
Früchte, damit keiner uns drängt. Wir,
die wir Ich sind und Du, schauen uns selbst
an, Töchter und Söhne, wir sind entlassen
aus dem Rad der Verdrehungssuchten.
Da konnte ich wahrnehmen diese
Flammenherrschaft über das, was ich
wirklich bin. Nun weicht doch, ihr Silben,
macht Platz für die hellen Gänge, zeigt
her eure Füße, bringt Essenz zu dem Stein.
Entzündet das Licht an der Asche!

schön&gut

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Aus Lücken und aus
Ritzen schaut es
hervor, das Schöne und das Gute.
Es baut sich Bahnen, Höhlen, Highways
und Unterirdisches, damit
sein Wesen sich bewegen kann: mittendurch,
an ausgefeilten Randverengungen entlang
leuchtet es scheu hervor und mächtig
herrscht es an den Winkeln eines Mundes,
bevor es weiterzieht ins Immerdagewesene.
Als wär‘ ein seltener Trunk erfunden worden,
den wir trinken, wenn wir
ernüchtert werden beim Erwachen
eines Traumes in dem Raum des
Traumes. Auf einmal hier:
Das Schöne und das Gute,
im Offensichtlichen verborgen,
wo es lebt.

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Das Bild ist eine Seite aus meinem Notizbuch…Es geht einfach nichts über gutes Papier und leere Seiten, die man mit dem eigenen Unterhaltungsprogramm füllen kann, auch wenn man die Maschinen in gutem Maß integriert hat. Dann die eigene Handschrift, die sich vor meinen Augen kreativ entfalten kann und etwas von mir aussagt bzw mir etwas mitteilt über mich. Und das Notizbuch! Jede Seite sieht anders aus, mühelos kann gepinselt, geschrieben, gekritzelt werden. Der Anblick ist immer auch nach Jahren noch erfreulich und anregend. Gut! Das wird nur Resonanz finden bei denen, die das kennen: den Geruch des Papiers!, das Gefühl des (geliebten) Stiftes in den Fingern! Manchmal ist Handschrift ja auch nicht leicht lesbar und man muss entscheiden, ob man die Hieroglyphen entziffern möchte. Was meine Seite oben betrifft, so entstand da neulich diese Blume mit dem hingekritzelten Text:“Die goldene Blume! Natürlich gib es sie! Lasst euch solche Dinge von den (sog,) Erwachsenen nicht ausreden, liebe Kinder!!! Was wissen die schon von den Geheimnissen des Lebens!“

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hier

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Ich habe mit dem Herzen einen Ort,
meinen Ort, erobert, gewonnen habe
ich das Umfeld, fruchtbar gemacht
das Feld. Ein Fluss durchströmt
meiner Adern Ich bis ins feinste Rieseln
von Sand. Ich habe ein eigenes Gesicht,
von innen gebiert sich die Form.
Ich fließe entlang mit den Wesen,
versehrt, doch nicht verbannt. Ich gehe
ewig dahin, selbst wenn es nur jetzt ist,
durchblutet ist meine Schöpfungskraft.
Leicht macht, was geliebt wird.
Hier, nimm diese Hand,
die mein war.

Tag

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Ich grüße dich, du Tag! Ich bin bereit.
Enthülle deine Ordnung, damit ich das,
was durch mein Sehen, Hören und Gehen
in dir verständlich wird, durch mich auch
weiter tragen kann. Gegrüßt seien an
diesem Morgen die Wesen, mit denen ich
tief verbunden bin, denn sie sind Antwort
auf mein Sein wie ich auf ihres. Ich nehme
Schutz in deinen weiten Räumen, Schutz
vor der engen Gangart dieser Zeit. Lass
mich nicht ohne Liebe dich durchwandern,
als wärest du nicht alles, was ich habe. Als
würde die Quelle aller Menschenweisheit
nicht einfach offen in dir ruhen. Denn deine
Ewigkeiten sind in mir lebendig wie dein Nu.
Ich bin bereit, durch deine Angebote und
durch deine Prüfungen zu gehen. Auf jeden
Fall mein Bestes geben. Liegt denn das Maß
des Menschen nicht in dem Gelingen
von einem Tag?

Nussknacker

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ES WAR EINMAL EIN NUSSKNACKER,
DER LEBTE IN EINEM BAUM.
UND ALS DIE NUSS DEN KOPF
ERREICHTE, SIEH DA:
DA WAR’S EIN LUFTRAUM.

DIE LIPPEN SANGEN ELLENLANG.
ES WAR WIE IM LIBELLENDRANG.
DIE SÜCHTIGEN ERSCHRAKEN.
ES SCHLUG DIE ZEIT AM ACHSEN-
PUNKT. DA ENDETEN DIE FRAGEN.

DIE ELEMENTE FROH GESTIMMT
IM BÜRDELOSEN GLÜCK
IN DIE ABSTRAKTE EINGERÜCKT.
DAS OPFER UND DER OPFERNDE
EIN LÜCKENHAFTES STÜCK.

ZEIT ÜBERQUERT DEN WIDERSTAND.
AM TREFFPUNKT FINDEN TREFFEN STATT.
DER LANGE TAG FÄNGT AN.

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Wenn ich diesen Text von mir, den es schon eine Weile gibt, selber noch einmal lese, weiß ich, dass er auf den ersten Blick absurd klingen mag. Poesie, oder wie ich sie verstehe, verpflichtet sich insofern dem Wunder der Worte, dass sie ua als Träger von Substanz oder Humor oder Tiefe usw dienen können, und sind immer Hinweise auf etwas Verborgenes, nämlich die Quelle, aus der das Gesagte gekommen ist. So können auch durch Gesagtes und auch so Gemeintes eingefahrene Spuren kurz verlassen werden und neue Sicht auf die Dinge wahrgenommen. Mir liegt daran, dass in diesem Zusammenspiel zwischen Form und Inhalt tatsächlich etwas Verborgenes ist, das durchaus zu finden ist und Berührung erzeugen kann.

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Hilde Domin: ‚Abel steh auf‘

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Abel steh auf
es muss neu gespielt werden
täglich muss es neu gespielt werden
täglich muss die Antwort noch vor uns sein
die Antwort muss ja sein können
wenn du nicht aufstehst Abel
wie soll die Antwort
diese einzig wichtige Antwort
sich je verändern
wir können alle Kirchen schließen
und alle Gesetzbücher abschaffen
in allen Sprachen der Erde
wenn du nur aufstehst
und es rückgängig machst
die erste falsche Antwort
auf die einzige Frage
auf die es ankommt
steh auf
damit Kain sagt
damit er es sagen kann
ich bin dein Hüter
Bruder
wie sollte ich nicht dein Hüter sein

Täglich steh auf
damit wir es vor uns haben
dieses Ja ich bin hier
ich
dein Bruder

Damit die Kinder Abels
sich nicht mehr fürchten
weil Kain nicht Kain wird
Ich schreibe dies
ich ein Kind Abels
und fürchte mich täglich
vor der Antwort
die Luft in meiner Lunge wird weniger
wie ich auf die Antwort warte

Abel steh auf
damit es anders anfängt
zwischen uns allen

Die Feuer die brennen
das Feuer das brennt auf der Erde
soll das Feuer von Abel sein

Und am Schwanz der Raketen
sollen die Feuer von Abel sein

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Dieses Gedicht von Hilde Domin ist vor ein paar Tagen zu mir gekommen, als ich mich selbst mit der Frage „Wie war das eigentlich mit Kain und Abel und dem ersten Mord nach dem Ausschluss vom Paradies?“ beschäftigt habe. Wie aktuell und verbunden mit dem Weltgeschehen poetische Texte doch sein können!, und auch wenn die Reflektionen nicht gleich hilfreich sind, sind sie doch anregend, um auf tieferen Ebenen über die laufenden Geschehnisse nachzudenken. Mir selbst erschließen sich noch nicht die beiden letzten Zeilen des Textes…was meint sie mit „am Schwanz der Raketen sollen die Feuer von Abel sein?“

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Mächte

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Die Drohungen weltlicher Mächte
und ihr Spiel zwischen Grauen und
Maus dringen auch in den Raum
der Stille. Der Wille erzeugt tief im
Inneren Vertrauen in das Bauwerk der
eigenen Stimme. Schwermut des Ewigen
auf der unsterblichen Erde. Und nun,
schwereloser, immer noch Hiersein,
durch den Tunnel hindurch und wieder zu
Bewusstsein kommend auf einer Lande-Station.
Treppen in die Felder der großen Fülle, hohes
Zuschauertum. Alles auf einfache Weise meistern,
Teilnehmer am automatischen Tun. Ruhe lernen
und lehren. Wahrnehmung leuchtender Angebote
in der Karriere nach oben über das Sehen des Ziels.
Urstille der noch nicht umgesetzten Idee, eingerahmt
in das präziseste Fühlen, das noch erträglich ist ohne
Leid. Beflügelte Einsamkeit ohne Menschengefallen.

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Das Bild ist einer dieser Lieblingspapierfetzen, die einen einfach nicht verlassen, weil man sie so gerne wiederfindet und immer wieder neue Freude daran hat. Auch der Text ist in einem anderen Kontext entstanden, aber immer noch schauen wir dem Grauen-und Mausspiel zu.
Das Bild kämpft vielleicht auf seine Weise um den Raum des Humors, der ohne Liebe nicht überleben kann.

Der Text unter dem Bild heißt übrigens: „Frauen des Siebengestirns verstecken sich vor einem Mann vom Orion.“

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nur

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Fühlt ihr die Tiefe der Stille?

Das Nahsein am Nabel der Weltenschnur.

Hochgeatmet an den Kelch der Blüten,

das Echo des nach innen gerichteten Raumes:

weit. Heute ging ich hinaus, um mein Glück zu

feiern, inmitten des neuen Projektes:

die Wunder des Tages, die in die Null führen

und von dort wieder aufstehen als Eins, und

eins und eins und eins macht das Sternenheer.

Wenn wir unsere eigene Geschichte annehmen

(das armselige Kind), fürchten wir uns nicht mehr.