Wollte man die eigene dystopische Anlage zu voller Blüte bringen, gibt es beileibe nicht wenig Gelegenheit. Man braucht nur irgendwo anzufangen und sich dann, von mir aus bis zum letzten Bären auf der Eisscholle, reinsteigern oder sich hineinzuversetzen versuchen in das Unvorstellbare, und nochmal zurückzucken vom Gazastreifen, um fast im selben Atemzug bis zur AfD zu gelangen. Diese erschreckende Anzahl von düsteren Dingen ließe sich natürlich auch zusammenfassen in einer anderen Beobachtung, zum Beispiel eines gemeinsamen Faktors all dieser gespenstischen Vorgänge, die sich nun erweitern lassen bis in die Ebene des Wahnsinns hinein, durchtrainiert von Irrlichtern, die auf hohen Stühlen die Weltherrschaft für sich gegrapscht haben. Leider haben alle mitgemacht, und so ist es gekommen, dass die geistige Architektur des Weltgbäudes an einem Kipp-Punkt steht. Und hängt da gerade noch so herum über den Abgründen, und schaukelt hin, und schaukelt her. Dann erheben sich die Schreie, dann verstummen sie wieder. Von furchtbarem Schweigen getroffene Fragen setzen sich durch (wie konnte das (wieder) geschehen), und sinken in den blutgetränkten Staub. Die Medaillien glitzern weiter an den Uniformen. Soll es gehütet und durchgetragen werden?, das sogenannte Welterbe, also die papierenen Bücher und die feinen Pinsel, und die aus dem eigene Urkern entlassene Dichtung undsoweiter. Eben so weit, wie wir denken gelernt, und wo wir seine Grenze erkannt haben und uns entspannt anlehnen konnten an die Stirn des Sokrates. Der hielt eine Rede über die eine Seite des Themas, dann über die andere Seite, beides gleichermaßen bedenkend. Und Klarheit des Seins daraus destillierend. Das bleibt uns auch offen…
* Bild: Ausschnitt aus einer Arbeit von Celan in ‚lettre international‘ Nr.88 des Jahres 2010