trauern

Das Interesse ist groß, man kommt kaum herum um den Wal. Vielleicht wittert das Kollektiv die sich darbietende Symbolik des ganzen Schauspiels. Das Herausgeworfensein aus dem gewohnten Strom, dann gestrandet und geschwächt auf fremden Gebieten. Die Intensivierung der Schwäche wegen diesem ständigen Überfordertsein. Dann denkt sich die Polizei was aus und die Walbeschauer:innen gehen nach Haus‘. Wir wissen ja alle, dass man um die Schweine auch herumkam, und um die Kühe und den Kalbsbraten und die Ochsenzunge kam man herum, und es ist ja das ganz und gar Normale, dass Tiere in den Kühlschränken zum Verzehr herumliegen. Deswegen gibt der Wal immerhin die Chance auf eventuell brachliegende Gefühle, und wenn das Experiment gelingt, regnet es wahrscheinlich wohlverdiente Belohnungen. Würde es der Wal nun wirklich alleine schaffen, wieder in den Meeresstrom zu kommen, wäre das auch ein winziger Anstoß in Richtung der Straße von Hormuz, manchmal reicht ja schon ein Gedanke. Aber was tun, wenn keiner ihn haben will, den Gedanken an die anwendbare Vernunft, mit der man sich selbst befragen und auch Resonanz erwarten kann. Und wo auch immer ich mich anbinde mit meinem Gefühl, da stirbt dann innen was, wenn es nicht mehr da ist. Deswegen ist es selten der Wal, um den man trauert, sondern es ist die Trauer, die eine erlebbare Möglichkeit des Seins erschafft.


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