lösen

Auch wenn man eine bestimmte Reise unzählig viele Mal macht, kann man sich nicht daran gewöhnen. Die Zeiten ändern sich, die Züge ändern sich, die Menschen ändern sich, alles ändert sich, es sieht nur manchmal noch ähnlich aus. Manches wird weniger, vieles wird mehr. Es hilft schon, wenn man sich innerhalb des ganzen Fremden gut bewegen kann. Vertraut ist ja oft, an was man sich gewöhnt hat. Die Rikshas, die Gewänder, die Farben, dieses Umgebensein von vielen Menschen, diese Freundlichkeit, mit der man sie mühelos erreichen kann. Die Sprache zumindest etwas sprechen, das hilft. Am Fremden kann man sich wirklich erfreuen, denn man lernt, wenn auch mit Mühe und Zeit, dass hinter den vielen Schleiern und Geboten, die von den Kulturen ausgehen, immer wieder Menschen zu finden sind, mit denen direkte Verbindung und Verständigung möglich ist. Es gibt diesen Ton der Zugehörigkeit unter Wesen, eine Offenheit, sich zu begegnen, und dann die Freude, wenn sich die Unterscheidungen noch zeigen können, aber nicht mehr wirklich zu Trennungen führen. Vor der Reise aber kommt der Abschied von dem, was man auch geliebt hat. Die guten Stunden zusammen, das Zusammenraufen, das Zusammenspiel. Die Bereitschaft zum Gelingen, all included, vom Feuerlöscher bis zum Haustier. Das ist nicht so einfach, das zurückzulassen, es hat eine Schönheit und Schwere, als wüsste man auf einmal gar nicht mehr, warum man geht. Man geht, um mit neuen Eindrücken zurückzukehren, oder von was auch immer man da macht, was auch dazugehört: der Abschied, die Trauer, und die Liebe. Noch ist ja Zeit. Jetzt kommt das Packen. Ich habe die einstige Idee, eine Zen Meisterin im Packen zu werden, schon lange aufgegeben. Ich verstehe auch bis heute nicht, warum die paar kleinen Items, die ich da ansammle, am Schluss so schwer sind. Bei einem dieser Flüge fiel mir auf, dass die Porter aussterben. Wie über Nacht hatten alle Gepäckstücke auf einmal Rollen. Ich war scheinbar die Letzte, deren Widerstand gegen Rollen sich auflöste. Es war ein Geburtstagsgeschenk: eine Tasche mit Rollen. Ich war wohl noch in dem Indien gefangen, in dem wir ein Bündel auf dem Kopf trugen. Ich selbst hatte damals noch einen chinesischen Seidenteppich und eine Messingschale, die ersten und letzten Symbole meiner Karriere als Sadhni (weibliche Form von Sadhu). Dazu gehörte das ticketlose Sitzen oben auf den Zügen, angebunden mit dem üblichen Schal an eine große Schraube. Das Warten auf die verspäteten Züge dauerte Stunden. Man hatte Zeit, alles zu sehen und mit Leuten zu reden. Jetzt gehe ich gezielt von Ort zu Ort, wo die Vertrauten wohnen. Ich reise nicht mehr. Ich habe zu tun.

 

donnern

Bildergebnis für Zeus
Beim Zeus! Der letzte Donnerstag, wo er als vergessener Gott donnern kann, bevor ich in der kommenden indischen Woche schon wieder auf so eine Benennung stoße, „Guruvar“, Donnerstag auf Hindi, dem männlichen Oberhaupt generell gewidmet. Tag des Gurus. Mal umschauen. Die großartig formulierende Christina Thürmer-Rohr hat u.a. die schlichte Aussage gemacht, dass, wo immer ein Mann auftaucht, die Aufmerksamkeit der Frauen sich mehr oder weniger subtil auf ihn richtet. Wahrscheinlich ist es interessant, von einer anderen Spezie wahrgenommen zu werden, die schwer zu ergründen ist aus dem eigenen Erfahrungsbereich heraus. Allerdings zeigt es sich, dass mit Einstellung und Haltung und dem notwendigen Interesse ein ausgeglichenes Verhalten zwischen den Geschlechtern durchaus möglich ist, wenn auch selten wirklich zu sehen. Auch verhalten sich Menschen im öffentlichen Raum selten so wie in ihren eigenen Wänden, sodass die eigene Wand zu den wirklich spannenden Themen dieser Zeit gehört. Wo können die  Wurzeln der Dinge besser belichtet werden als da, wo sich Menschen am besten kennen. Da kommt es natürlich darauf an, ob man eine kluge Wahl getroffen hat, oder überhaupt eine treffen konnte. Da, wo man konnte, sieht es auch oft nicht so aus, als wäre der angemessene Dialog würdevoll in Gang gekommen. Was heißt würdevoll. Vielleicht eher, dass man überhaupt wissen möchte, wer da vor einem sitzt, das dauert ja lange, bis man begreift, und geht nur über den Prozentsatz der Selbsterkenntnis, zu der man in der Lage war oder ist. Dass Coaches und Lehrer und Gurus etc. wohl oder übel sich auch im Zuhören schulen müssen, ist immerhin mit Publikum zu leisten. Und dann? Als ich mal beim Arzt war und im Wartezimmer ein Buch von Osho in die Hand nahm, stand da von ihm die Aussage, dass er am liebsten allein ist, denn er hat gemerkt, dass selbst ein Mensch, den er mag, ihn beim Hereinkommen stört. Es sind oft die von Menschen Gestörten, für die eine Distanz zu den Menschen von einer Bühne oder einem Sessel aus geeignet scheint, das bei ihm selbst Unüberprüfbare draußen als Lehre zu vermitteln. Lange Zeit können die Dinge auch gut gehen, bevor jemand merkt, dass sie bereits entglitten sind. Asaram Babu, ein berühmter und jetzt berüchtigter Guru mit Millionen von Anhängern, der zur Zeit  im Knast sitzt wegen Kindesverführung, konnte nach seiner Predigt mit einer Taschenlampe auf die Kinder zeigen, die er vernaschen wollte, und zu denen man auf dem Weg zu ihm sagte, er sei ein Gott und alles, was der Baba täte, sei gut. Seine Anhänger glauben, man tue ihm Unrecht. Klar, sie sind auch zum selbstständigen Denken nicht ermutigt worden, sondern zur Hingabe und zum Gehorsam. Das ist auch so eine dumme Idee, weit verbreitet, dass vor allem wir hier im Westen zu viel denken, so als käme es nicht auf die Qualität des Denkens an, die selbst entscheiden kann, wann genug ist und wann nicht. Klar, wenn ich nicht klar denken kann, dann wird das alles sehr verwirrend. An irgend einem Punkt muss ich mir das, was ich gelernt habe, zutrauen. Das ist auch nur der Stoff, mit dem ich baue. Beim Zeus! Wer soll mich abhalten!?

smog

So,wie Silvia Bovenschen das sehr schön in einem ihrer Bücher beschrieben hat (das einzige, das ich gelesen habe), so lässt sich das Verrinnen der Zeit u.a. daran erkennen, was im eigenen Leben schon alles verschwunden ist, was man für ewig hielt. So war auch für mich  z.B. das „ex oriente lux“, das Licht kommt aus den Osten, eine schwer von uns Travellern widerrufbare Tatsache, haben wir doch im Licht der indischen Kultur ausgiebig gebadet, ja, mit all der Zwiebelturm-Romantik, aber auch die Aufnahme und Nähe eines Wissens, das es immerhin sehr lange geschafft hat, fast bis in den heutigen Tag hinein, die Bevölkerung von sich so zu überzeugen, dass der Zugzwang, ein guter Mensch sein zu wollen, in jeder Hütte spürbar war. Wie es wirklich kam, dass alles auf einmal zusammenbrach, oder wo sich vorher die Zeichen mehrten, kann man dann nur vermuten oder researchen, man wird es genauso wenig wissen, wie man weiß, was in den Köpfen vor sich ging, bevor Hitler an die Macht kam. Da in Indien die Götter die Macht haben, zögert sich das ganze, monumentale Erwachen etwas hinaus. Wie? Vergewaltigung, Kinderehe, Raubgier, Kondome, Abtreibung der weiblichen Ankömmlinge, das ist schon viel. Und Smog natürlich in tödlicher Dosis. Wird das zu bremsen sein? Die Götter und Helden haben ja auch immer mächtig Probleme, aber ihre Lösungen sind nicht immer anwendbar. Der Schöpfer wirkt etwas disqualifiziert, denn wenn er keine Macht hat, was zu ändern, kann man immer nur sagen, er will es so. Er will Smog, damit die Kinder sich mal richtig durchhusten, bevor sie sterben. Klar, das ist Menschenwerk, was soll er tun, er ist machtlos. So geknechtet der Mensch manchmal in den Religionen dargestellt wird, so frei ist er doch, hinter sich zu lassen, was ihn nicht mehr anspricht. Dann beginnen die großen Klagen. Das Gemüse ist vergiftet, die Butter geschmacklos, die Milch gepanscht. Vor Jahren habe ich mal erlebt, dass ein Milchmann heftig angegriffen wurde von einer Meute, weil er die Milch etwas versetzt hatte mit Wasser. Jetzt ist man schon froh, wenn man halb/halb bekommt. In den Häusern haben die Gespräche aufgehört wegen der ständig aktivierten Flatscreens und dem ganzen digitalen Wahnsinn, der sich breitmacht wie jemand, den man nicht mehr kritisieren darf undsoweiter. Ja, vieles ist nicht mehr spürbar, woher auch. Wenn die Habgier ausbricht, zerfällt das gemeinsame Feld. Gut, es war in Indien auch Zeit, denn auch spürbar ist die Suche nach neuen Wegen, um dem persönlichen Erleben Rechnung zu tragen. Es ist teuer und auch ziemlich ungesund, was wiederum anderes Denken hervorbringt. Und Heilige, die Bio anbauen. Achach, der Mensch ist ein Zauberwesen. Es bekommt ihm, wenn er liebt. Liebe soll ansteckend sein. Man stecke sich an mit dem Virus und beobachte das Lächeln, das aus der Tiefe sich meldet.

dunstig

Eigentlich finde ich es ganz praktisch, mich während des Schminkprozesses am Morgen durch die fünf Minuten Nachrichten informieren zu lassen, die einen flüchten Eindruck des momentanen Weltgeschehens (als politischen Vorgang) ermöglichen. Aber das wirkt ja nicht immer so flüchtig. Zur Abwechslung kamen mir heute doch tatsächlich die Tränen, als ich mir automatisch beim Hören vorstellte, wie jetzt bei dem neuen Erdbeben im Irak und Iran Hunderte von Menschen nicht nur weggepustet wurden und Tausende verletzt, sondern die Überlebenden bei klirrender Kälte ohne Dach um Feuer herum sitzen und langsam ahnen, was ihnen bevorsteht, und dass sie mit ihrer Not allein sein werden, denn das nächste Unglück kommt bestimmt, das die Aufmerksamkeit von ihnen lenkt auf ein anderes Gebiet, ein anderes Volk. Diskussionen und Erkenntnisse über die großen Zusammenhänge kommen in Schwung, aber es lauert in den Menschen eine Unbelehrbarkeit, die schwer zu fassen ist, obwohl sie überall zur Sprache kommt. Den Anfängen ist nicht mehr zu wehren, denn wo liegen die Anfänge. In diesem Akt tanzt der Überlebenswille mit der Todessehnsucht, auch ein Trieb, der sich durchsetzen kann. Es ist der Nach-mir-die -Sintflut-Trieb. In der nächsten Nachricht war ich dann selbst betroffen. Gerade aus einem tagelangen Befreiungskampf der Bronchien aufsteigend und hoffend, dass mir am kommenden Sonntag der anstrengende Nachtflug nach Neu Delhi gut gelingt, höre ich nun, dass da, wo ich hinfliege und lande, die Krankenhäuser überfüllt sind mit Bronchitis Erkrankten, die Schulen geschlossen, und wer nicht unbedingt raus muss, drin bleibt. Ich kenne die Delhi Sonne, die wie ein zur falschen Zeit downgeloadeder Mond aussieht oder wie ein orangenes Lampion in einer dichten Milchsuppe. Die Lungen der Kinder sind schon alle geschädigt, sagt die Sprecherin. Kein aufkommender Plan hat auch nur das Geringste bewirkt. Ich werde auch bis zu meiner letzten Minute dafür sein, dass der Mensch zu den einleuchtenden,  lebensspenden Schöpfungsprozessen in jeder Hinsicht Zugang haben soll, und wir haben Zugang dazu, aber es ist auch sichtbar, dass ein Strang in den Tod zieht. Wenn das Wissen sich zurückzieht, bleiben die Erklärungen, losgelöst von ihrer Quelle. Man schaut in die Sonne und erkennt sie nicht mehr, weil man den Zusammenhang nicht mehr kennt zwischen dem eigenen Tun und seiner Wirkung. Dann sieht man es auch in den Sondierungsgesprächen. Klar, das erkannte Ausmaß verlangt nach extremen Entscheidungen, wenn es denn letztendlich um das Wohl der Menschen auf Erden gehen soll. Geht es um das Wohl der Menschen auf diesem Planeten? Oder ist es Zeit, dass er von sich selbst abgeseilt wird? Vielleicht ja auch von der Gletscherspitze zum Erdklumpen.

Fenster

Immer mal wieder in verschiedenen Kontexten fällt mir der Satz von Graf Kayserling ein, den er in seinem Buch über die europäischen Völker geschrieben hat, und zwar, dass der Deutsche eine Monade (also eine Einheit nach Leibniz) ohne Fenster sei. Nun ist das Buch, wenn ich mich recht erinnere, in den zwanziger Jahren herausgekommen und es sprengt geradezu die Vorstellung, was sich seitdem alles verändert hat, sodass man in vieler Hinsicht von derselben Welt nicht mehr sprechen kann. Kayserling vergleicht in seinem Aufsatz die Deutschen mit den Indern in dem Sinn, dass sie im Denken verankert sind und entsprechende Strukturen und Systeme hervorbringen wie z.B. das Kastensystem, das hier in Deutschland zwar nicht festgelegt, aber deutlich sichtbar ist. Vielleicht kommt es hier auch zu Unterschieden in der Seinsqualität. Gehe ich, wie in Indien, von einem großen, (kosmischen) Seins-Raum aus und komme dann zu den Strukturen, die dem kulturellen Ordnungswillen entsprechen, dann ist das anders, als wenn die persönliche Seinswelt aus meiner Monade besteht und ich davon ausgehe, dass das, was ich wahrnehme, generell so ist. Differenzierungen erfordern unglaublich viel Mühe, man muss dazu bereit sein. Auch will zB jemand, der sonntags glücklich zum Tatort-Club geht und sich auf die nächste Show freut, sicher nicht analysiert haben, wie schädlich so ein krimineller Blödsinn unter Umständen für die Psyche der sich damit Unterhaltenden sein kann, aber natürlich nicht muss. Egal aus welcher Richtung, immer wieder kehrt man zurück zum Blick, den man auf alle Dinge wirft und mit dem man nicht nur sich selbst, sondern alles Betrachtete verändert. Für diesen Blick die volle Verantwortung zu übernehmen, halte ich für ein hohes Gut. Es heißt ja, sich dem eigenen Handeln und der eigenen Wirkung bewusst zu werden und genau da, wo man die einzige Möglichkeit einer Veränderung hat, sich auch wirklich um sie zu kümmern. Das Bewusstsein, das sich selbst wie ein Auge bewegen kann, sieht, wenn es will und geschult wird, lernt sehen, wer und wie man ist, und kann sich auch überraschen lassen, nicht nur erschüttern, von den nackten Tatsachen, die sich in der Psyche bewegen, als könnte es nicht anders sein. Bevor ein Licht drauf fällt. Eine Art Leuchte, die man einschalten kann, wenn man es wirklich wissen will. Dann macht auch die deutsche Monade vermutlich ihre Fenster auf und lässt Luft (und Liebe) in die Sphäre strömen, und da, wo es gelingt, wird es gut unter Menschen. Ich erinnere mich auch, wie begeister ich war, als ich zum ersten Mal hörte, dass der Diamant eine geschliffene Kohle ist. Überall Eintritt zum Welten-Theater. Vielleicht wird es im dritten Akt auch so ernst, dass man die Spielfreude verlieren könnte. Oder es dazu kommt, dass man sich selbst als Kraft wahrnimmt, die förderlich und gemäß der Möglichkeiten auf den natürlichen Strom des Geschehens einwirken kann, ohne seine inhärenten Gesetze zu verletzen, und ohne den Verlust der Spielfreude beklagen zu müssen.

Sufi Text

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Siehst du das Schwarz:

Das Licht der göttlichen Essenz?

Das Lebenswasser

ist in dieser Finsternis.

leider

Wir haben gleich einen Sänger mitgebracht, der der die traurige Mähr verkünden wird: Goldtrog e.V. unlimited muss abtauchen. Sie werden Verständnis dafür haben. Panama war schon anstrengend, aber Paradise ist noch anstrengender. Auch in dieser Branche gibt es Helden und geheime Orte. Das Scheffeln ist für die Fachkräfte die Leidenschaft zwischen Gold und Trog. Selbst der Schweinetrog, wenn gesäubert, kann, mit Gold gefüllt, zum Leuchten kommen Wenn einmal Gefahr droht und Lücken entstanden sind, dann hat man noch Höhlengänge.  Einer davon ist das Duckmäusertum, einerseits dem Großen Dagobert Duck gewidmet, andrerseits die Fähigkeit meinend, sich im Darknet mausmäßig aufzuhalten. Von Dagobert stammt auch das lustvolle Abtauchen in die Scheinewelt, wo man weiß, was einem gehört, so viel davon, und nur für sich allein. Gut, wir haben hervorragende Produkte auf den Weltmarkt einschleusen lassen, da wundert es nicht, wenn  Scheinepossessoren verfolgt werden, überall ist doch Neid und Habgier. Doch was Sie betrifft, verehrte Kunden-und Kundinnen, so stehen Ihnen natürlich alle Goldtrog Produkte, die wir ab dem 26.8.2017 jeden Samstag in  die Welt gebracht haben, weiterhin zur Verfügung unter Goldtrog@Darkroom.org. Auch unser Lebensmotto wird sich weiterhin im Netz durchsetzen: „Jedem sein eigener Trog“. Wir danken für Ihr Interesse und melden uns zurück, wenn neue Ländereien für Unterbringungen gefunden sind.

(Ha! Geniale Idee! Von einem Steinmetz Goldtröge anfertigen lassen…pssst!)

Hashtag

Was ich von dem hashtag „Me, too“ halte, wurde ich gefragt, und ich weiß natürlich davon und um was es geht, aber weder lese ich die Beiträge, noch habe ich zum Thema eine Haltung, die mir klar genug vorkommt, um sie auszudrücken. Klar finde ich es gut, dass Frauen, hier in geradezu politischer Formation, aussagen können über das ganz und gar Ungeklärte, das mit ihnen geschehen ist, und für das es nun, in neuen Kontexten, Lösungen braucht. Nun hat man nicht nur lange Zeiten zuschauen dürfen, wie der Mann, aus einer selbstgestylten Machtstellung heraus und körperlich oft wesentlich muskulöser als die Frau,  es also für normal hielt und in vielen Kulturen immer noch hält, dass die Frau ihm automatisch verpflichtet ist für sein körperliches Wohlergehen wie z.B.  die Herbeibringung der Schlappen oder die Entspannung oder Förderung sexueller Triebe, wenn er sie braucht. Man muss auch nicht immer zu den Geschädigten gehören, um mal wirklich empört zu werden. Empört,  „indignant“ im Englischen, wo das Wort ausdrückt, dass es hier um eine Verletzung der Würde geht. Dass jede als übergriffig empfundene Handlung ein Missbrauch ist, ist auch klar. Und wer wäre nicht schon mal durch die Missachtung oder Falschlesung persönlicher Signale in seiner oder ihrer Würde gekränkt worden. Manche sorgen sich ja auch um den Verlust eines erotischen Freiraums, in dem gerade die auf geheimnisvolle Weise erspürten Signale zum Genuss eines Beisammenseins führen können, aber nicht müssen. Und dann, wenn man woanders weiterdenkt, sieht man eigentlich an jeder Ecke nicht nur Widersprüche, sondern enorme Komplexitäten, die eigentlich nur die erste und letzte Konsequenz des Denkens zulassen, nämlich, dass ich auch hier für mich selbst klären muss, wie ich den Dingen begegne, die nicht für mich sind. Das Verheerende an diesem Thema ist auch, dass sich Menschen überhaupt nicht bewusst darüber sind, was sie in anderen Leben anrichten. Das kennen wir doch selbst von den falschen Tönen, die aus unserem Mund kommen konnten und ihre zerstörerische Wirkung entfalten. Und die Körper selbst werden so vielschichtig als Signale eingesetzt, dass Missverständnisse und Misshaltungen geradezu vorprogrammiert sind. Und gleich sind wir wieder im internationalen Zuchtprogramm, innerhalb dessen sich Männer berechtigt fühlen, die Seinsweise der Frauen anzuprangern, so als dürfte sie nicht für sich selbst so aussehen, wie sie möchte, ohne den Zuchtbullen aus ihm herauszulocken. Dann gibt es die vielen Männer, die nicht so sind, gesegnet seid ihr, macht den Mund auf. Aber natürlich sucht man auch als Frau nach den Frauen, die sichtbar machen können, welche Optionen sich im Freiraum des Geistes zeigen, die von der männlichen Weltgestaltung nicht mehr abhängig sind. Und Gleichberechtigung kann auch nicht wirklich gegeben werden. Man muss darüber nachdenken und verstehen, was es für einen ist. Wer soll berechtigen, was und wer ich bin? Und noch hat keiner dem Anderen die Erwachungsspritze setzen können. Da die schlimmen Dinge noch immer geschehen, muss ich mich als Planeteneinheimische auch um Vorbeugungen kümmern. Klare Signale erlernen. Jetzt , wo die Dinge ans Tageslicht kommen, kann man sich auf die eigene Lage beziehen. Entscheidungen treffen. Verantwortung übernehmen für das eigene Bewusstsein und ein tieferes Erwachen, ja, der eigenen subtilen Wahrnehmung gegenüber dem, was mir nicht guttut. Wollen und auch können.

 

einfacher

Worte und Bilder regen gleichermaßen dazu an, eigene Befindlichkeiten wahrzunehmen, und es bleibt stets offen, wieweit der Zustand des/der Schaffenden auch mit der Wahrnehmung Anderer korrespondieren kann, aber nicht muss. Kunst löst die Partikel noch einmal heraus aus der Indifferenz des kosmischen Mutterleibes und schildert auf immer neue Weise die altvertrauten Zustände des Menschseins. Das Verwundet-und das Verwundertsein, die berauschten Augen auf dem golden durchleuchteten Herbstwald, und dann mit November der Einbruch der Kälte, das Niesen und das Husten und die oft bedrohliche Nähe der Entzündungen, aber auch die Öffnung der poetischen Archive mit den schaurigen Novembergesängen der Dichter und Dichterinnen, gebannt von der Düsternis stillgelegter Geheimnisse, und doch bemüht um die Überlebenskräfte, die die Erotik des Todes in das Licht des Lebendigen zurückführen. So zart und angreifbar ist die fleischliche Hülle des Menschen. Man fragt sich, wo die Achtung vor diesem so wundersamen Wesen verloren gegangen ist, so als müsste einen noch oder doch der Schlag treffen, bevor ein Erwachen möglich ist. Natürlich gibt es statt sinnlosen Träumereien immer auch praktische Möglichkeiten. Der Satz (aus dem Sanskrit) „befreit von den Ketten der Hoffnung“ kam mir noch einmal in den Sinn. Jetzt habe ich nicht den Verlust der Hoffnung gesehen, der einen ja enttäuscht zurücklassen könnte, sondern die Möglichkeit einer enormen Befreiung ist mir bewusst geworden. Was hängt nicht alles an den Hoffnungen! Die Wünsche, die Erwartungen, die Aktivierung der Kontrollsysteme, die vorprogrammierten Enttäuschungen, der Schock nackter Fakten! Der/die von der Hoffnung Befreite ist auch durchaus kein hoffnungsloser Fall, sondern der Strang der Vernetzung kehrt zu einem zurück und entfaltet Energie für weitere Vorgänge. Vielleicht ist es derselbe Moment, wo man, nicht aus bürgerlichen Verhaltensprogrammen, sondern aus der eigenen Tiefe heraus die Notwendigkeit versteht, andere Menschen (und sich selbst) genau so zu akzeptieren, wie sie sind/man ist. Der Härtefall Trump hat die Völker der Erde belehrt, dass man jede Erwartung fahren lassen muss, denn für Donald Trump und seinesgleichen wäre ein Erwachungsmoment tödlich. Unermüdlich, wie der Geist nun einmal ist, ergeben sich aber immer neue Wege, die dem immensen Prozess auch förderlich sind. Man muss auf der Hut sein in angemessener Haltung. Das Sein birgt allen Reichtum, der gehört ja nicht irgend einem, sondern jedem, der interessiert ist am Zugang. Da ist keiner, der an der Tür steht und die Eintretenden überprüft. Vielleicht ist es die einzige Stelle, wo man nur sich selbst einlassen kann. Komplex ist es nur am Tellerrand und um den Rand herum. Dann aber wird es einfacher.

enden und anfangen

Immer wieder mal muss man auch die Phänomene wahrnehmen, die sich während der eigenen Lebenszeit entfalten und die man sich vorher nie hätte vorstellen können. Es ist gleichermaßen müßig zu sagen, alles war schon immer so, obwohl es auf einiges zutrifft, als so sicher zu sein, dass diese Zeit eine ganz, ganz besondere Zeit ist, obwohl ich das häufig auch so sehe. Deswegen pendelt das Bewusstsein  oft zwischen dem, was man mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit prophezeien kann, und der völligen Ungewissheit, was nun wirklich eintreten wird, da man das menschliche Verhalten offensichtlich nicht wirklich kalkulieren kann. Dann wird klar, dass es mancherlei zu entscheiden gibt durch uns Einzelne, wo wir uns bemüßigt fühlen, einen klaren Blick zu entwickeln. Will ich beim Bewertungszwang dabei sein oder mir weiterhin vorschlagen lassen, welche Bücher ich auch noch lesen könnte außer dem einen, das ich bestelle. Kollektive Verunsicherungen erzeugen nutzbare Wankelmütigkeiten, die durch einen kleinen Stoß in eine Richtung getrieben werden können, die einem vielleicht ganz persönlich vorkommen. Ja, jede/r sieht „es“ anders, aber an der Sicht arbeiten ja alle Leute, die etwas produzieren, denn sie wollen es loswerden und Profit damit machen. Es ist wirklich ein Teufelskreis, aber es gibt für alle Menschen einen optimalen Exit, der führt zu einem selbst zurück. Ein gewisses Schaudern führt zu befreiendem Lachen: wir sehen vor allem, wer wir sind. Wenn ich meine ureigene Sicht nicht als meine wahrnehme, kann ich mich gar nicht erkennen, denn in diesem illusionären Spiel erschaffe ich ja gerade alle die Verbindungen, die mir selbst schlüssig und sinnvoll erscheinen und präsentiere sie als mein Weltbild. Auch gibt es unterschiedliche Wahrheitsgehalte, mit denen Gleichgesinnte sich komfortabel fühlen, und eine Strecke lang wird es komplex, bis man sich herausschält aus den Komplexitäten des Vorgegebenen. Man stellt sich ein paar wesentliche und interessante Fragen und beantwortet sie sich ernsthaft. Was habe ich von der Performance verstanden, die ich gestern abend zusammen mit Freunden gesehen habe. Ohne den Text im Programmheft zu lesen, war es unterhaltend, das eigene Verständnis des Wahrgenommenen zuerst einzuschalten. Es war klar, dass es um das Ende ging, das Ende der Zeit und der Welt, aber auch um einen Anfang, der immer möglich ist. Die Freiheit der Sicht wurde durch die Exzellenz der Künstler erschaffen, durch die man das Ganze auf sich wirken lassen könnte, ohne in voreilige Beurteilungen zu verfallen. Gute Kunst, die die Umsetzung eigener Ideen anbietet, aber kein Denken aufzwingt. Wenn man sich einlassen kann.
Die Performance war gestern im Stadtgarten: „This is not a Swan Song“.

7.11.2017

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Pünktlich zum Datum kam der Frost und man kann froh sein, dass lebendige Lichter brennen und die Liebe aufgehoben ist vom Staub ihrer Knechtschaft, und das Herz in sich ruht ohne Fremdheit. Erstaunlicherweise ist der Himmel offen und blau, und ich fühle mich aufgehoben in einer Art kunstvollem und nüchternem Paradies, wo Wesen und Dinge sein können, was sie sind. Manchmal schaut man zurück und denkt, man hat sich tapfer durchgeschlagen und überhaupt: man lebt! Ich lebe. Ich habe nicht nur überlebt, sondern mit den Anderen ein gutes Leben erschaffen, das strahlt auf eigene Weise hinaus in die Welt. Dann muss man sich nicht mehr so sorgen, wenn einem das Scheitern bekannt ist und das Gelingen auch. Der Morgen der wenigen Worte.
Das Bild zeigt die SchauspielerInnen des Living Theater

bedenken

 

Durch ein Interview mit einem buddhistischen Mönch („Zeit“) wurde ich auf das Wort „altruistisch“ aufmerksam gemacht, so nüchtern und doch geschwängert mit menschlichen Vorstellungen, was das bedeuten könnte, uneigennützig  und selbstlos zu sein und zu handeln. Auf jeden Fall steht der Altruismus dem Narzissmus direkt gegenüber, von dem wir politisch mit einigen Kostproben unterhalten wurden, die nur ahnen lassen, wie weit verbreitet das Eigennützige wirklich ist. Auch erschrickt es nicht viele, denn wir sind es gewohnt und unterstützen es oft selbst, dass jede/r die eigenen Wünsche fast unbegrenzt umsetzen kann, wenn die notwendigen Münzen vorhanden sind. Auch scheinen wir Menschen trotz allen Wissens nicht gereift genug, um zu erkennen, dass wir an einer möglichen Wende des existentiell gefährdeten Menschseins direkt beteiligt sind, auch wenn wir nie genau wissen können, was Menschen denken, wenn sie bei sich sind. Und wer ist bei sich? Und nur Beisichsein reicht ja auch nicht, auch wenn es schon mal ein guter Ort ist. Aber das Gute am Einsamen, wo ich mit mir allein bin, ist, dass es im Gemeinsamen geborgen liegt, es ist quasi untrennbar und hat dennoch beides ein Eigenleben. Der Mönch sagte noch, dass das, was wir nicht für andere tun, es nicht wert ist, getan zu werden, und diese Art von Absolutheit hat mir dann etwas den Geschmack verdorben. Aber ja, eine Wende hin zu „freiwilliger Schlichtheit“, das macht Sinn, tief menschlichen Sinn, und wer kann, der soll diese Richtung durchaus wählen. Es ist schwer genug dieser Tage, und dann im Westen, sich so etwas einmal vorzustellen. Was ist schlicht, und warum scheint es so dringlich und gehört in dieser Zeit, in der wir grad leben, zu den Möglichkeiten bzw. Not-Wendigkeiten eines Erwachens, das nur durch die Entschlossenheit Einzelner auf der Erde erlebt werden kann. Es gibt viele verschiedene Zugänge: der Schreck kann einem in die Glieder fahren, oder man fasst sich ans Herz, weil man die Zartheit der Wesen erkennt, nämlich, dass sie einst vertrauensvoll auf jemanden geschaut haben müssen, bevor sie ein paar Jährchen später über zwanzig Menschen erschießen, die vermutlich von dem Schützen nichts wussten. Selbst wenn es in besagter Gemeinde vielleicht gar nicht so lieb zuging, wie alle behaupten, kann so etwas doch nie verständlich werden. Altruistisch. Eine Weltmacht, in der jeder Bürger zuhause Waffen haben kann und hat. Wie ist so was möglich. Eigentlich stelle ich mir einen Altruisten oder eine Altruistin so vor, dass sie alle Ketten der Hoffnung haben dahinsausen lassen darüber, dass der Mensch sich noch viel bessere, aber dann ist man ja immer noch auf sich selbst zurückgeworfen. Was für ein Mensch möchte man denn selber gerne sein, und gelingt einem dieses gefährliche und herausfordernde Abenteuer. Und ist man von Freunden umgeben, die einen an den Mast binden, wenn die Sirenen singen, weil sie gelernt haben, Entscheidungen zu fällen, die dem Menschlichen zuträglich sind. Wie dem auch sei: die Kraft des Uneigennützen zu bedenken, ist sicherlich kein Fehler. Noch ist das Feld weit offen.

Ingeborg Bachmann

Was wahr ist

Was wahr ist, streut nicht Sand in deine Augen,
was wahr ist, bitten Schlaf und Tod dir ab
als eingefleischt, von jedem Schmerz beraten,
was wahr ist, rückt den Stein von deinem Grab.

Was wahr ist, so entsunken, so verwaschen
in Keim und Blatt, im faulen Zungenbett
ein Jahr und noch ein Jahr und alle Jahre –
was wahr ist, schafft nicht Zeit, es macht sie wett.

Was wahr ist, zieht der Erde einen Scheitel,
kämmt Traum und Kranz und die Bestellung aus,
es schwillt sein Kamm und voll gereiften Früchten
schlägt es in dich und trinkt dich gänzlich aus.

Was wahr ist, bleibt nicht bis zum Raubzug,
bei dem es dir vielleicht ums Ganze geht.
Du bist sein Raub beim Aufbruch deiner Wunden,
nichts überfällt dich, was dich nicht verrät.

Es kommt der Mond mit den vergällten Krügen.
So trink dein Maß. Es sinkt die bittre Nacht.
Der Abschaum flockt den Tauben ins Gefieder,
wird nicht ein Zweig in Sicherheit gebracht.

Du haftest in der Welt, beschwert von Ketten,
doch treibt, was wahr ist, Sprünge in die Wand.
Du wachst und siehst im Dunkeln nach dem Rechten,
dem unbekannten Ausgang zugewandt.

beisitzen

Ähnliches Foto
In den Seminaren und Workshops von „Goldtrog e.V. unlmtd.“ geht es vor allem um die Erwerbung einer Späherblicktechnik, die sinnfreie Produkterzeugung ermöglicht und die  Goldtrog Kreatoren und Kreatorinnen befähigt, als Einzelne oder aber in intelligenten Team-Formationen auszuschwärmen, um geeignete Marktlücken ausfindig zu machen. Dazu braucht es ein gewisses Training in emotionsfreiem Handeln ohne die Belastung persönlicher Durcharbeitung. Man lernt sich in den Seminaren als eine Art Maschine zu verstehen, die man selbst beliebig ein-und aussschalten kann. Immer hat die Erspähung der Marktlücke Vorrang. Bei einer dieser Ausschwärmungsunternehmungen fiel es den KreatorInnen auf, dass die digitale Revolution an einigen Orten noch nicht einmal in den Anfangsschuhen steckte. Zum Beispiel die Friedhöfe. Gut, man denkt gerne von den Toten, dass sie die Stille mögen, aber wer sagt das, und wer weiß das schon!? Ist es nicht bedrückend, hier unter den einmal Gewesenen durchzuschreiten ohne ein Angebot an kultureller Vernetzung! Hier wittert der schnelle Lückenbrüter für sinnfreie Produkte eine große Chance. Hat nicht jeder von uns seit dem Smartphonebesitz eine ganze Menge Photos von allen möglichen Menschen geschossen, wo man etwas festhalten wollte, was so nie mehr stattfinden würde? Wie wäre es aber, wenn man in schöne und elegante Grabsteine Computer einbauen würde mit den ganzen vorhandenen Photos eines/r Toten. Die Grabpflege würde hier eine Betreuung der Fotogalerien bedeuten, mit deren Hilfe immer neues Material des Gewesenen zu sehen sein könnte. Nicht nur die Angehörigen hätten so die Gelegenheit, den oder die Tote/n einmal besser kennen zu lernen, und, da man sich ja für den Gang zum Friedhof immer etwas Zeit nimmt, hier ZeugInnen eines tiefschürfenden Programmes zu werden, das ein lebendiges Bild von dem erzeugt, was nicht mehr ist. Durch die verschiedenen Programme, die sich hier als angemessen erweisen, setzt man dem Nicht-mehr-Auffindbaren etwas Handfestes entgegen, nämlich den Beweis, dass der oder die hier mit Namen Genannte tatsächlich unter uns weilte, auch wenn es den meisten nicht auffiel. Hier kann man Leben studieren und diskutieren, und wenn das ermüdend wird, kann man etwas Lieblingsmusik des/der Toten einspielen. Wir fertigen maßgeschneidert an. Natürlich können die Programme auch von Haus aus gesteuert werden, wenn man den Impuls folgt, der latenten Grabesruhe ein paar neue Shots hinzuzufügen, oder sich die digitalisierten Grabesreden noch einmal anhören möchte, die viel Gutes über die Verschwundenen zu sagen haben. Wir verhandeln mit Apple über weiße Marmorbauten, in denen außer den Verschwundenen eine gemütliche Ecke eingebaut werden kann, wo man von vergangenen Leben lernen kann, was sonst schwer in die Psyche dringt: dass es vergeht. Nachfragen bitte an: „Goldtrog e.V. unlmtd.“

Das Bild soll lediglich eine Anregung sein für digitale Verarbeitung.

Sherlock

Da ich mich schon als Bazillusopfer geoutet habe, will ich nun nicht versäumen, die Widerstandskräfte zu loben, die einem ermöglichen, doch ziemlich schnell wieder zu generieren. Es gibt bestimmte Ebenen, auf denen ich von Wundern als einem natürlichen Phänomen ausgehe. Ich bemerke allerdings, dass das nur geschehen kann, wenn man sich so konzentriert wie möglich auf das Geschehen einstellt. Es muss Raum und Achtsamkeit geben, damit das Unwohlgefühl sich ausbreiten kann. Die homöopathischen Genesungsprodukte, die herumstehen, werden regelmäßig zugeführt, damit Signale an das Selbstorganisationssystem gegeben werden können. Unterhaltsam war auch, mit den Handwerkern, die neue Heizungen einsetzten, und mit AnruferInnen am Telefon zu flüstern. Menschen sind milde, wenn sie an Anderen etwas entdecken, was sie selbst kennen, und wer ist nicht froh, dass es grad den Anderen erwischt hat. Wenn man das Bild oben mit etwas verengtem Blick anschaut, kann man ein kindähnliches Wesen sehen, das in einen großen Mantel gehüllt ist. Ich bin in einem Klima aufgewachsen, in dem Krankheit (nur für mich) ein Tabu war. Es bedeutete Katastrophe. Es bedeutete auch in meiner persönlichen Wahrnehmung, dass Andere sterben können, wenn ich krank bin. Viele Jahre stand ich immer unter dem Eindruck, dass ich nie krank war. Dabei war gerade meine Überlebenskunst ziemlich auffallend. Man denkt ja gerne, dass alle immer leben wollen, dabei dauert es, bis man selbst ganz sicher sein kann, warum man (z.B.) nachts bei Regen weit weg von der Ampel in ein Auto lief. Mit Genähtwerdenmüssen fing es auch schon ziemlich früh an. Jede Gehirnerschütterung ein Risiko und eine Gefahr. Nach einigen weiteren ernsten Vorkommnissen habe ich nun einige Erfahrung gewonnen mit dem eigenen Kranksein und dem der Anderen. Auch hier gilt eindeutig: immer schauen, was für einen selbst angebracht ist. Nicht nur Menschen, sondern auch Dinge müssen einen ansprechen, sodass man darauf antworten kann. Einmal musste ich mich als potentielle Krankheitsbegleiterin abseilen, weil mir der vorgeschlagene Weg unbegehbar erschien. Aber er funktionierte  dennoch. Es kommt u.a. darauf an, wie man alles bedenkt und mit wem den Vorgang bespricht. Deswegen schätze ich Ärzte, wenn es nun sein muss, dass man zu ihnen geht, die genaue Diagnosen ablehnen, da jede Krankheitsbefindlichkeit doch eher komplex ist. Es schadet ja nichts, mal darüber nachzudenken, wann genau einen, in dem Fall mich, die Sprachlosigkeit befallen hat. Dass es z.B. diesen Moment gegeben haben musste, wo man sich angreifbar gemacht  oder angegriffen gefühlt hat. Nun sind wir auf der Ebene, auf der Sherlock Holmes aktiv ist. Er lässt nicht locker, bis er, trotz fast geheiltem Bronchitis-Räuspern, genau den Nu erwischt, der es einem Bazillus-Angreifer ermöglicht, in die leicht erschütterte Materie einzudringen. Der Bezug erschließt sich ihm trotz aller scheinbaren Widersinnigkeit, denn genau da entgehen einem oft die Zusammenhänge, da sie der gewünschten menschlichen Logik nicht folgen. Sherlock Holmes lächelt. Er hat seine Stimme wieder.

Gezondheid!

Dann kann es natürlich passieren, dass mitten in einer der langen Lebensfreudenabschnitte ein unbemerkter Bazillus sich in das System einschleicht. Wahrscheinlich ist es eine ganze Meute, die sich kichernd auf einen stürzt, wenn man mal einen Moment nicht aufpasst bzw gar nicht daran denkt. Jetzt beginnt das Denken zu schwenken. Es wird gebunden durch den Angriff und hat sein eigenes Vokabularium. Ist es nur ein Nieser, oder ist es das ganze Ding. Nur ein paar Huster, oder schon in Bronchien -oder Lungennähe. Ausgerechnet jetzt!, als wenn es einen besseren Moment für diesen Zustand gäbe. Man wacht eines Morgens auf und kann nur noch flüstern. Gerade hatte man noch eine Stimme, und der Besuch sagt „komisch, gestern hast du doch ganz normal geklungen“. Ja, habe ich, das war gestern. Jetzt muss ich überlegen, in welcher Tonlage ich noch flüstern kann, eben das Mindeste, was man zu Besuchen sagt. Dadurch hört man natürlich jetzt mehr von ihnen, denn es reicht gerade für eine geflüsterte Frage und  einen Minikrächzer, dann hört man gerne zu. Geschichten von Anderen, die man kennt, vertiefen sich, oder man hört tatsächlich was Neues, das regt an und lässt einen zwischendurch vergessen, dass man vermutlich die nächsten Tage keinen vernünftigen Beitrag wird leisten können für die Gesprächskultur. Muss ich ja auch nicht. Ich genehmige mir eine Sprachpause, das ist gesund und lässt andere Kräfte hervortreten. Gelbwurz und Honig habe ich schon drin, auch Teebaumöl in Honig gebettet und geschluckt, ich denke an Antibiotika und lasse es wieder sein, obwohl es so schön wirken kann. Gut. Infludo und Brochienbalsam. Ein Glück, dass ich nicht entscheiden muss, ob eine Terminverschiebung angebracht ist oder nicht. Wegen so einer Bagatelle bleibt man doch nicht weg. Ich will ja gar nicht wegbleiben, sondern heiße Milch und Honig schlürfen oder was den Wohlgesinnten sonst noch alles einfällt an Erprobtem in ähnlicher Misere. Wenn man dem Sog des Bettes nicht nachgeben möchte, kann man, da lesen auch nicht geht, herumwandern und ein paar einfache Handgriffe erledigen, zu denen man sonst nicht kommt. Ein bescheidener Zustand, das hat ja auch was Gutes. Natürlich findet hier innen ein Kampf statt und medikamentöse Sondierungsgespräche. Am besten, alle Substanzen kooperieren miteinander und werden zu guter Zusammenarbeit inspiriert Ich wünsche allen von uns im Land, denen es ähnlich geht, gute Besserung. Wird schon wieder! This too shall pass, immerhin einer der wenigen Sätze im internationalen Sprachgebrauch, der einem uneingeschränkten Anspruch an Wahrheit souverän gerecht wird: „Auch das wird vorübergehen“.

Bildergebnis für Allerheiligen (lateinisch Festum Omnium Sanctorum) ist ein christliches Fest, zu dem aller Heiligen gedacht wird, der „verherrlichten Glieder der Kirche, die schon zur Vollendung gelangt sind“, der bekannten wie der unbekannten.

So, das ist jetzt mein Bildergebnis und passt doch, denn die vorhandene Pinselei auf meinem Block und jetzt in meinem Blog kann mühelos als ein/e (tote/r) Heilige/r gesehen werden, der/die durch den Schleier des Jenseitigen herüberspäht. Nicht, dass man den Tag bedienen muss, nein, um Himmels Willen, es ist ja nur ein kurzer persönlicher Hinweis auf die Möglichkeiten der Tagesgestaltung. Man kann an solchen Tagen eine gewisse Fremdheit mit sich selbst genießen, oder aber eine gewisse Nähe, weil sich ein größerer Schweigeraum ausgedehnt hat. Das ganze Volk muss mit der verordneten Bremse umgehen, und alle hängen im Zugzwang der Entschleunigung. Durch einen Brückentag wird das Ganze sehr lang und macht deutlicher, was hinter den eigenen und den Befindlichkeiten der Anderen liegt, und ob neue Wahrnehmungsmöglichkeiten vorhanden sind. Wenn man den Anspruch an sich selbst mal eine Weile, ich meine Jahre, vorangetrieben hat und da noch nicht wissen konnte, dass es auch ohne geht, kommt es einem irgendwann auch natürlich vor. Der Schrecken vor den gesichteten Abgründen lässt nach. Man hält es für möglich, dass einst notwendige Dramenformen ihren Griff nach einem lockern und das eigene Wesen lernt, sich weniger Leiden zu schaffen. Die bereitwillige Reduziertheit erspart nicht den Balance-Akt auf dem seidenen Seil. Jetzt, wo die zackigen Gesteinsbrocken hinter einem liegen und der Weg sich ebnet, kommt es zu anderen und neuen Erfahrungen. Gratwanderungen brauchen eine gute Atmosphäre und wachsame Resonanzfelder, damit da, wo es gefährlich wird für das Einzelsein, eine Ruhe und eine Zugewandheit vorherrschen, die der subtilen Beschaffenheit des Äthers gleichen. Man weiß es zu schätzen, wenn man verständlich werden kann auf dieser Ebene, wo wir auch in Tieren und Bäumen und Blättern das Verlorene wieder erkennen. Wo das Einfache zu verborgenen Quellen zurückführt, zu (relativ) ungestörtem Dasein, zur Rückkehr in die Vertrautheit der Herberge. Dann ist das Draußen wieder ein verlängerter Atem, der uns ermutigt und anregt zu tiefer Verbundenheit und spielerischem Aufenthalt.

 

sich überraschen

Bildergebnis für Martin Luther
Also dass ist jetzt das Allerletzte, was ich von mir erwartet hätte, dass sich hier bei mir heute ein Lutherbild zeigt, und man kann es einen puren Zufall nennen, nein, eher eine pure Neugier, die mich getrieben hat, noch einmal ein paar Bilder anzuschauen von dem Kerl, bei dem es mir schon lange genügt, dass er für Frauenverbrennungen war, um nicht wirklich auf Weiteres von ihm neugierig zu sein. Meine Bildungslücke, gar schon ein Bildungsabgrund, um Luther herum ist immens.  Ich frage ein bisschen nach und  höre, dass die Protestanten froh sind, dass er sie abgespalten hat von den Katholiken, das erinnert mich an die Schiiten und die Sunniten und andere Spaltungen, die letztendlich durch keinerlei Thesen zu vernünftigem Verhalten geführt haben und führen. Dass der ehrenwerte Herr auf diesem spontan gewählten Bild eine Narrenkappe trägt, kommt mir gelegen. Auch bammelt und bimmelt sie über den Rand hinaus, das steht für die guten Dinge, die ich von ihm nicht weiß und auch nicht wissen werde, weil mir schlicht die Bezogenheit fehlt. Und wenn ich ein bisschen aufmache zu der damaligen Zeit und einen Hauch hereinlasse, erscheinen in den Bildern eher Hämmer und Nägel und ein Amboss, und viele Qualen und ein, vor allem weibliches, Ausgeliefertsein an die Willkür männlicher Herrschaftsformen-und normen, oder von mir aus auch menschlicher Zwangsneurosen. Seit ich allerdings in einem Café das schwedische Sprichwort „Jeder möchte einen Narren haben, aber keiner will ihn füttern“ in einem Wahrsagerröllchen neben dem Keks vorgefunden habe, kamen aus meinem Pinsel selbst Narrenwesen hervor, eine bestechende und wahrlich abgründige Profession. Das passt doch auch zu Luther, jetzt jenseits all meines Unwissens aus dem Nähkasten der direkten Intuition gehoben als Introjucktion, oder Introducktion, von Donald Duck abgeleitet oder von dem bewusst von mir verfälschten Buchtitel „Ente, Tod und Teufel“: Duck, death and devil. Das ist ja auch ein wenig waghalsig geäußert, dass jede/r von uns sich einen  Narren halten will und uns dadurch zu zwingen, darüber nachzudenken, ob das denn wirklich so ist, und dann auch noch füttern, nee danke, das ist eigentlich ganz weit weg von meiner Wunschliste, sofern noch Fetzen von ihr im Äther herumfloaten. Auch will ich Luther nicht danken müssen, dass es heute so still ist und morgen noch an Stillewucht zunimmt, wenn es dann nochmal um die Toten geht, nachdem man endlich das Luthergetöse hinter sich gelassen hat und sich die LutheranhängerInnen von mir aus in ihren eigens für sie designden Welten bewegen. Auch gut, dass man nicht mehr in die Schule geht, wo einen jemand fragen könnte, wann Luther geboren ist und und wo er die Thesen anhämmern ließ. Ja, prima, er hat das Zölibat aufgehoben, so als könnte das nicht jeder alleine entscheiden, wann und wo ein Bruch mit dem Vorgefundenen relevant ist. Aber da ist eben die Crux, ein schönes Wort für Schwierigkeit, die Crux also mit der Erforschung eigener Stimmigkeit und den ihr entsprechenden klaren Entscheidungen, dass, jetzt mache ich statt einer vernünftigen Folgerung einen Katzensprung, dass es wahrscheinlich irgendwo immer Luthers geben wird bis an der Welt Ende. Sei’s drum. Fernhalten. Narren sind gefährliche Wesen.

ansprechen

Eine Idee, der ich in Indien begegnet bin, fand ich immer einleuchtend, und zwar, dass die Seinsweise per se als zwei Grundpfade gesehen wurde, und zwar der Familienpfad und der Pfad derer, die aus irgendwelchem Grund ein Einzelschicksal gewählt haben wie Mönche und Nonnen, überhaupt ernsthaft spirituell Suchende, denen man viele Möglichkeiten erschaffen hatte, um die gewählte Praxis auszuüben. Auch der Familienpfad wurde als ein Weg des Suchens und Findens beschrieben, nur unter vollkommen anderen Bedingungen, die allen einleuchten. Nun scheinen mir aber die Pfade zusammengewachsen zu sein, oder vielmehr ist „das Wissen“ in offenem Raum angekommen und kann praktisch von jedem/r Interessierten gelernt und umgesetzt werden. Vor allem im Westen kam dazu, dass wir uns alle um Lebensunterhalte-und Unterhaltungen kümmern mussten und müssen, während InderInnen, die sich z.B. an geistige Lehrorte  begeben, meist keine freie Wahl mehr haben, denn es gibt kein Zurück. Natürlich gibt es immer ein Zurück und auch ein Vorwärts und auch ein Seitwärts, wo man ein-und aussteigen kann, aber alles ist erst einmal an Bedingungen geknüpft, die es zu knacken gilt. Man versteht Therapie durch Therapie und Yoga durch Yoga und Stille durch Stille. Dann kommt es noch auf die Tiefe des Interesses an, das einen manchmal weiterbringen kann auch während der Ermüdungsphasen. Aber die Dinge ergeben sich nicht einfach so. Sie müssen kontempliert, reflektiert, und letztendlich wieder frei gelassen werden, wenn es klar wird, dass z.B. die ungeheure und umwerfende Einsicht überwältigen kann, dass wirklich alles Menschenfabrizierte und Gedachte nur ein Konstrukt ist, mit dem allerdings allerhand angefangen und manchmal auch gut zu Ende gebracht werden kann. Wenn einem langsam aber sicher die Spielregeln sich erschließen und man sich wiederfindet, etwa in der Freude, und natürlich im Trotzdem. Manchmal lässt man den Blick schweifen und sieht nur Wunder, ich meine: dass wir das alles haben, was uns zur Verfügung steht. Die notwendigen Materialien, um das Gehäuse so einzurichten, dass man guten Mutes ein-und ausgehen kann. Die Tiere, darf ich feststellen, sind auch eine große Bereicherung. Der Mensch tut sich schwer, Andere zuzulassen oder sich selbst, während das Tier eine lebensdirekte Souveränität besitzt und einen beglücken kann mit selbstverständlicher Nutzung von Freiheit bei tiefem Ausdruck von Verbindung. Nein, die Pfade sind nicht mehr getrennt, und keinem ist wirklich etwas verwehrt. Aber die Bedingungen bleiben (nicht viele, aber dennoch!), weil sie universellen Gesetzen unterliegen. Es ist die Radikalität des Universums, die mich anspricht.

R.M.Rilke

Ähnliches Foto

Wandelt sich rasch auch die Welt
wie Wolkengestalten,
alles Vollendete fällt
heim zum Uralten.

Über dem Wandel und Gang,
weiter und freier,
währt noch dein Vor-Gesang,
Gott mit der Leier.

Nicht sind die Leiden erkannt,
nicht ist die Liebe gelernt,
und was im Tod uns entfernt,

ist nicht entschleiert.
Einzig das Lied überm Land
heiligt und feiert.

kosmetisch

Im Bild sieht man den ersten spontanen Logo-Entwurf einer zukunftsträchtigen Einrichtung. (Gold-Trog e.V. unltd.), der hinweist auf Samstage, an denen, meist online, auf die Produktion sinnfreier Produkte aufmerksam gemacht wird, die eben gerade durch ihre Sinnfreiheit selbst Zugang bilden zu wild Inerpretierbarem, dem in letzter Konsequenz doch eine Manifestationschance zugestanden werden muss und kann. Man darf mit Rätseln beginnen: ist es (im Bild) eine Münze, gar ein Dirham aus alter Zeit, oder ist es ein misslungenes Emoji, oder ist es ein Warnruf aus geschürztem Munde vor der Macht und dem Sog des Goldes, oder einfach nur der Vollmond auf seiner Bahn, der kindähnlich  durch das Eigenlicht streift? Wir wissen es nicht, denn auch die Dinge gehören sich selbst, und dann erst den Betrachtern. Da es sehr, sehr viele Dinge gibt, muss man wachsam sein nicht nur beim Kauf, sondern auch bei der Schöpfung. „Gold-Trog“ bedeutet, wo höchster Qualitätsanspruch mit kosmischem Humor zusammentrifft. Man schaut sich um. Tage liegen hinter einem, wo viel Sein besprochen wurde, was Sein sei zum Beispiel, und was es nicht sei, und was es niemals sein kann, es aber dann doch kann. Das zeugt von einer Sehnsucht, die Produkt-Creatorn einflößt, dass hier eindeutig nach außen eine Form gebraucht wird. Ein Balsam, der wohltut. Man kam auf eine genderfreie Creme, ein hochwertiges Gemisch aus Aloe, Mandelsahne, Kokosfeinschmelzung und weiteren globalen Geheimnissen, das kann man ja bei sich zuhause variieren. Fakt ist, dass diese Substanz einen Seinszustand erzeugen muss, der eine beruhigende Wirkung auf die Gehirnwindungen ausüben kann, also kein „aha“-Effekt, sondern ein tiefes Mmmmmhhh-Gefühl. Man lässt ein paar entsprechende Gefäße anfertigen (Porzellan mit eingelegter Goldschrift ?), und weil es sich um etwas Wunderbares dreht, nennt man es „Simsalabim“ und lässt natürlich das „Bambasaladusaladim“ weg, damit es die Kunden und Kundinnen nicht überfordert. „Simsalabim, der „Seinsbalsam“ für die genderfreie Haut. Wenn man jemanden kennt, der flüssige Materie bespricht, kann man das auch als Verstärker nehmen. Jede/r kann in die Substanz d a s hineinhauchen, was er oder sie unter Seinsqualität versteht. Diese Variationen können dann jeweils unter dem Produktnamen stehen als Aussagen über die Resonanzmöglichkeiten. Zum Beispiel „Ätherschwade“ oder „Celestial Soothing“, eben wie man möchte.  Gold-Trog e.V. lebt von den Prozenten.

verständigen

Das Gute daran, dass fast alle Worte, die einmal Geheimsprache waren und jetzt locker auf den Märkten herumgereicht werden, so als wären wir alle gemeinsam im Sprachnetz gefangen und gehen davon aus, dass das Gegenüber mit den Worten zumindest Ähnliches verbindet wie ich selbst, das Gute an der Verwirrung also ist, dass man geradezu von sich selbst zur Entwirrung aufgerufen ist. Ich dachte auch mal, es gäbe keinerlei Zweifel daran, dass ich eine „Seele“ bin, heute bin ich schon vorsichtiger mit dem scheinbar einleuchtenden Wortschatz. Hilfreich war auch, als unser damaliger Hausbesitzer, ein ehrenwerter Psychologe, locker sagen konnte, dass in der Psychologie, in der er zuhause war, unter „Psyche“ keineswegs dasselbe verstanden wird wie zum Beispiel im indischen „Atma“, ein Wort, das vermutlich hin-und hergeweht ist zwischen den Völkern als „Atmosphäre“. Da aber Psyche ebenfalls translatiert wird als Seele, sagte er noch, dass sie keineswegs wüssten, was „Seele“ ist.  In dem Fall ist ja dann das Wort „Psyche“ ein geheimes Wort, das, wie alle Worte, auf eine erfahrene Glaubwürdigkeit angewiesen ist. Dann hat der Buddha auch noch die Illusion des Selbst geraubt und behauptet, es gäbe gar keins. Die Überlieferungen des angeblich Mitgegebenen müssen auch immer wieder überprüft werden. Es gibt auch noch eine Menge anderer verwirrender Begriffe, die überall, wo noch jemand vorne sitzt und sie lehrt, auf eigenwilligste Weisen vermittelt werden und damit größere Gruppen in unermessliche Grübeltiefen locken, aus denen manche alleine gar nicht mehr herausfinden, weil auch betont wurde, dass nur auf dem Pfad dieser Gasse die Erleuchtung einem entgegenkommt. Endlich und zum Glück ist Erleuchtung auch ein gefährliches Wort geworden. Ein Wort wird gefährlich, wenn es anderen schaden kann. Das kennt man ja von sich selbst. Schon als Kind kennt man das Waffenkämmerchen, in dem die Tricks waren, mit denen man unter bestimmten Umständen doch bekommen konnte, was man wollte. Und es ist natürlich auch irgendwie wahr, das spürt man ja dann, wenn es jemand zum millionsten Mal geäußert hat, dass letztendlich alles (schon) erleuchtet i s t, nur: was isses! “ Was ist erleuchtet und wer hat die Souveränität des Durchblicks errungen? „Loslassen“ ist auch schön. Einfach loslassen. Menschen bieten Räume an, wo andre was loslassen können. Auch ist alles Wissen potentiell gesehen sofort zugänglich, doch der Weg, wie wir gelernt haben, dauert meist Jahre, ohne jegliche Garantie für ein voirgestelltes Resultat, und ist nicht ohne (nicht ohne!)…, und ist nie zu Ende, und war schon immer ein Anfang. Ja, so ist das mit der Sprachverwirrung, die uns hinweist auf die eigenen Synapsen und Denkvorgänge, bis sich da oben in der Stube alles etwas geordnet und geklärt hat, sicherlich ähnlich wie bei den Jamaica-Sondierungen, nur dass man hier im eigenen Haus verantwortlich ist für das, was vorgeht im inneren, und dann im äußeren Raum. Daher gilt es immer wieder, die Begriffe mit den Erfahrungen abzugleichen, sodass kompatibles Verhalten und Zuneigung zu sich selbst und Anderen auf bestmöglicher Ebene erlebt werden kann.

erkunden

Mir gefallen Photos, wenn der Blick nicht gleich erkennen kann, was es ist. Man weiß ja auch, was es ist, doch durch Lichteinwirkung oder Entfremdung wird es etwas anderes, etwas Neues, was dann auch nur einmal da ist. Man kann zum Beispiel ein figürliches Gemälde ergründen, indem man die Situation versucht zu erfassen, die einem dargeboten wird, oder ein gutes, abstraktes Werk fordert einen heraus, zu sehen, was es mit einem macht, wenn man die Wirkung spürt und bedenkt. Und nun hat die Menschheit eine Unmenge medialer Werkzeuge zur Verfügung, um das Innere mit dem Äußeren in Einklang zu bringen. Natürlich ist es auch verführerisch, dem sogenannten Ich viele Stimmen und Bilder und Worte zu geben, die andere liken oder nicht liken können. Die mühsam aufgerichteten und ausgerüsteten Institutionen bröckeln und zerfallen unter der Wucht der Gleichschaltung. Der entgleiste Aufschrei, endlich zu sein, wer ich wirklich bin, verstummt im Angesicht der zahllosen Angebote. Man kann ja schließlich niemandem das Sein absprechen, und der Gedanke, dass Sein das Resultat bewussten Werdens sein könnte, ist nicht jedermanns Sache. Meines Erachtens müssen die Dinge, die man für erstrebenswert hält, keinen Preis haben, aber sie erfordern ganz sicherlich eine gewisse Einhaltung der Ordnungen, die sich im langen Menschsein bewährt haben und von vielen VorgängerInnen mit einer  gewissen nachvollziehbaren Logik behaftet wurden. Geistige Bilder des Urzustandes sind gesehen worden und benannt, gar nicht so weit entfernt von sehr realen Geschehnissen, in denen sich das letztendlich Unangreifbare und noch Ungestörte spiegelt: das Ei und das Spermium, immer noch geehrt als mystischen Vorgang, bei dem keine Form von Missbrauch jemals geadelt wird. So ist auch das, was wir sind, ein Geburtsort in Form einer Erinnerung an ungestörtes Sein, das uns zu sich ruft. Doch die Materie, die sich unterwegs angesammelt hat, um Erfahrung und sich selbst ein Bild zu machen: die Materie bevölkert den Kopf und erschwert den Zugang. Wen es berührt und anregt, wieder zu Ordnungen zurückzukehren, die Zugang ermöglichen zum Spürbaren, der bewegt sich hier weiter, weil alles andere ziemlich unförderlich erscheint. Alle Feen verschwinden, alle Geister verziehen sich, der Blick zieht sich zurück aus den extremen und dicht gewebten Stoffen des Einerlei, aus den Tatorten, wo die Meister der künstlichen Narbenerzeugung  ihren Ruhm erlangen, denn es gibt nicht mehr viele, die Instrumente und Waffen sorgfältig an sich genommen haben, damit möglichst niemand durch eigene Hand zu Schaden kommt. Und lange, sehr lange bleibt das Sein ein verborgener Ort, über den man sich letztendlich gar nicht austauschen kann, denn ich selbst habe noch niemanden getroffen, der wusste, wie das geht und der oder die davon Kunde geben konnte.

närrisch

Als ich kurz hinunter fuhr zur Post und alles lief wie das Haar durch die Butter (indischer Ausdruck für müheloses Geschehen), kam mir auf dem Rückweg ein Polizeiwagen entgegen. Ich war gut drauf und blickte den Fahrer direkt an. Aber ein Hauch des Gefühls war immer noch da. Meine illegalen Taten halten sich in sehr überschaubaren Grenzen, und auch im illegalen Denken bin ich nicht wirklich rücksichtslos voran geprescht. Es gab in der Tat Zeiten, in denen ich es als rechtsmäßig empfand, mit zwei Totenköpfen durch meine damalige Arbeitswelt zu fahren. Der eine war legal, der andere nicht. Niemand hätte auch da verstanden, welche tiefe Berührung die Nacktheit des menschlichen Schädels in mir auslöste. Aber das können die im Auto ja nicht wissen. Oder dass ich, alles in gewissen Grenzen, gelogen, gestohlen, falsch Zeugnis geredet hatte wider meinen Nächsten undsoweiter. Aber es ist ja so leicht, Verdacht zu schöpfen oder verdächtig zu wirken auf andere, die alle bestimmte Vorstellungen haben von den Ordnungen, in die Menschen sich und andere gerne einbinden. Aber die in dem Wagen ahnen ja gar nicht, dass sie einen Dunkelpunkt ausgelöst haben in mir, und dass ich die letzten Cent hinlege für einige lebensbedrohliche Gefahren, in denen ich mich bewegt habe, ohne die Erfahrung zu bereuen. Manches Aufflackern weist auf etwas hin. Auch das einigermaßen verlässlich Furchtlose will erworben sein. Man macht eine mentale Notiz und fährt heiter seines Weges. Dann habe ich mich daran erinnert, dass ich gestern im Cafe mit einem Menschen, der einmal sehr und jetzt noch immer vertraut ist, und wir uns seit 17 Jahren nicht wieder gesehen oder gesprochen haben, wir also im Cafe saßen. Mit dem Getränk kam ein kleines Papierröllchen und ich enthüllte meinen Spruch, der hieß: „Jeder möchte sich einen Narren halten, aber keiner will ihn füttern.“ Aus Schweden, nicht gleich zugänglich, obwohl intuitiv erfassbar, aber was heißt es? Es gab Beiträge. Der Narr ist ja in den Geschichten der Einzige, der die Wahrheit sagen darf, ohne  Angst haben zu müssen, geköpft zu werden. Jemand sagte, es hätte auch geköpfte Narren gegeben. Da ist einem wohl die Weisheit vorübergehend abhanden gekommen, sonst hätte er die Situation ja einschätzen können. Aber warum will jede/r einen Narren haben? Und will ihn aber nicht füttern? Ja klar, wenn man jemanden da hat, von dem man möchte, dass er einem die Wahrheit sagt (so gut er eben kann), dann muss man auch damit rechnen, dass man ihn füttert mit dem eigenen Stoff. Ein Narr kennt die Punkte, wo der Schmerz wohnt, weil sein eigenes Wesen auf seinem Schmerz balanciert. Gleichzeitig darf er sich nicht zu wichtig nehmen, denn da ist der König, dem er letzendlich verpflichtet ist. Ohne König kein Narr. Wenn die Dinge ihren adäquaten Platz einnehmen, hört das Gerangle auf. Aber auch wenn Gaukler und König in einer einheitlichen  Sphäre agieren würden unter harmonischsten Bedingungen, könnte trotzdem ein befremdliches Auge auf sie fallen, das etwas vollkommen anderes aus ihnen macht, als sie für sich selbst sind. Das wird auch dem Zettel aus dem Kaffeehaus gerecht, nämlich dass es ein Rätsel bleibt mit vielen Toren.

beteiligt

Ich erinnere mich sehr wohl an die Zeit, wo ich überzeugt davon war, dass, wenn innen ein Erkenntnislicht anging, es sich auch automatisch auswirken würde auf das einen Umgebende. Das wurde dann schon klar mit der Zeit, dass das nicht wirklich funktioniert. Außerdem muss man an bestimmten Punkten des Weges auch erstaunt wahrnehmen (wollen), was einem so alles einleuchtend vorkam in bestimmten Räumen oder Einrichtungen oder Schulungsorten, wo man, wenn man Glück hatte, nicht nur darauf aufmerksam gemacht wurde, alles selbst zu bedenken, sondern auch dazu in der Lage war. Als Humbertio Maturanas Buch zu mir kam mit dem Titel „Vom Sein zum Tun“, überlegte ich, warum er wohl diesen einleuchtenden Titel gewählt hatte mit dem feinen Hinweis, erst einmal zu klären, was man als Sein empfindet, und von da aus zum Tun zu gelangen. Von innen nach außen. Es hat sich auch gezeigt, dass zu viel der Innenschau auch das Außen abschotten kann, und zu viel Außenschau das Innen. Jahrelang schien es auch gar nicht so wichtig, sich in analytischen Präzisionen zu verfangen. Vor allem, wenn man vom Orient her geschult worden war: wie man aus den Verstrickungen des Denkens und unreflektierten Handelns herausfinden kann, zu sich selbst, klaro. Dann die endlosen, notwendigen Definitionen und Reflektionen über das Ich, das Selbst und das Ego, und das verunsicherte Herumtraben am Tellerrand mit der drängenden Frage, wie man sich von den Karotten befreit, die man zum Aufbau der Identität(en) gezüchtet hat. Das sind die ewigen Themen um Delphi herum, und da, wo sich Menschen sammeln, um Gleichgesinnte zu treffen, geht es meist ähnlich her. Man muss unbedingt wissen, dass andere auch auf der Wanderschaft sind. Klar, da fällt einem vieles auf, was zu ergründen ist, und dass man lernt sich zu wehren, wenn jemand einem die Welt erklärt, die man gar nicht so kennt und sieht, obwohl sich darin scheinbar so viele über so viel Unverständliches einig sind. Und dann die Widersprüche verstehen und annehmen. Auch ein Zu-sich-zurück ist ein Vorwärts, denn genau in dem Nu, den es braucht für den mutigen Schritt oder Sprung, zeigt sich die Angst dem Haltlosen gegenüber. Dabei ist es ganz anders. Man landet im eigenen Sein. Das wird uns beschäftigen bis an das eigene oder der Welt Ende: bis eine Seinsqualität sich uns ergibt und sich zeigt, von der wir sagen können, dass wir sie weder alleine erschaffen haben noch an ihrer Existenz unbeteiligt waren.

tüfteln

Eine einigermaßen ausgewogene Einstellung zum globalen Jetzt-Zustand zu erlangen ist sicherlich zu allen Zeiten nicht einfach gewesen. Auch hat es nicht immer alle interessiert, an Hand des Vorgefundenen herauszutüfteln, von was es bewegt wurde und wird, und ob Schicksal an sich unausweichlich ist, oder ob man sich im Mitspiel angesprochen fühlt und idealerweise begeistert, die Herausforderungen des Daseins schöpferisch anzugehen, anstatt es einem obskuren Science Fiction Master zu überlassen, der das Wesentliche für einen erledigt, vor allem, wenn man schön brav bleibt. Was die Weltsicht betrifft, so bin ich für bewegliche Variationen von Wahrnehmungen, denen das Widersprüchliche und Paradoxe nicht im Wege steht, da genug Raum ist für jede Form von Bewegung innerhalb der eigenen Sphäre. Zum Beispiel kann es einem vorkommen, als höre man das Ächzen und Krachen und Kreischen im Getriebe der Weltmaschine, so als würde das, was sich im Ahnungsbereich aufgehalten hatte, nun zu explosiver Wirkung kommen. Aber dann gibt es auch die Pianisten, die einem ans Herz greifen und an Andacht erinnern, wenn das fast Vergessene wieder aufblüht in einem zu einer Wirklichkeit, die eben auch da ist. Auf den Ebenen, den Treppen, den Stufen, dem Pyramidenbaustein, der als ewige und unumstößliche Form in der Wüste steht und durch Technik besticht: die Basis ist Vier, der Aufstieg Drei, die Resonanz Zwei, der Quantensprung Eins. Dann wird die ganze Großartigkeit des menschlichen Vermögens klar, denn jede/r tut was er/sie kann. Das kann sehr extrem werden, wenn wirklich alle Verdrahtungen und Vernetzungen uneinschränkbar besetzbar und auch besetzt  werden und sind. Die Inder sprechen von falschen Königen auf künstlichen Thronen, aber gut, die Idee kommt durch. Diejenigen, die für solche Massenströmungen unter dem Deckmantel individueller Handlungsfähigkeit nicht gut geeignet sind und selbst nicht käuflich, haben es dann oft schwer, bis neue Haltungen gefunden werden, denn die Käuflichkeit der Welt ist doch grotesk, so als gäbe es keine Ausstiege mehr. Aber es gibt sie. Ausstieg und Einstieg sind eins. Das duale System schließt eine bereitstehende Lücke in den Archiven. Wir entern die Relativitätspraxis.

Hans Carossa

Ähnliches Foto

Verlerne die Zeit

O verlerne die Zeit
Dass nicht dein Antlitz verkümmre
Und mit dem Antlitz das Herz!
Leg ab deine Namen!
Verhänge die Spiegel!
Weihe dich einer Gefahr!

Wer einem Wink folgt im Sein
Vieles zu Einem erbaut,
Stündlich prägt ihn der Stern.
Und nach glühenden Jahren,
wenn wir irdisch erblinden,
reift eine größre Natur.

praktisch

Ja!, es ist Samstag, sinnfreier Marktlückenerforschungs-Thinktank-Tag. Ich sehe natürlich nicht nur die Tücken einer mit hohem Anspruch behafteten Sinnfreiheit, sondern es formt sich durch eine gewisse Kontinuität des Gedankens und des Tuns das Positive Falle-Syndrom, an dem vor allem geistig rege Menschen leiden. Es naht eine Idee, man nimmt sie auf, gibt Nahrung und Aufenthaltsgenehmigung, und schon entsteht ein gewisser Zugzwang, so als würden einen die Götter strafen, wenn man nicht die geschenkte Idee zu einem gewissen Ausmaß führt, das erkenntlich macht, worum es geht. Aber das ist ja alles pure Theorie, während es uns Forscherinnen zur Praxis drängt. Wo fehlt Praxis!!? Denn überall, wo etwas fehlt, ist automatisch eine Lücke, die man erforschen kann. Die Forschung versichert vor allem, dass die Lücke geöffnet bleibt, d.h. besetzt, und dann macht man sich ans Brüten. Das geht schneller als früher, als man noch nicht sicher war, ob Henne und Ei wirklich dasselbe sind, weil sich zwischen  dem Zuerst und dem  Zuletzt  kein Bindungsmittel fand. Das verlorene Geheimnis wurde durchdefiniert. Millionen von durchdefinierten Menschen kamen vor Jahren nach Indien, wo sie auf das grundsätzlich Undefinierte stießen. Es wurde als spirituelles Wunder wahrgenommen, und wahrlich!, es war eins. Ein solches Ausmaß an abwesender Selbst-Reflektion , und das bei so viel Wissen! Da wir Tiefes und Hohes wissen wollten, erinnerten wir die Lehrer an das Einstige. Wir wurmten es aus ihnen heraus und machten ihnen klar, wie viel sie wussten. Nicht über sich selbst, wohl aber über das Wissen. Das Wissen wurde klarer und klarer, als man es letztendlich den nimmerwissensmüden Westerners erklären musste, obwohl man sie jahrelang gelehrt hatte, nicht „warum“ zu fragen. Dann kamen die vielen Teppiche, auf denen alle herumsaßen. Diese Marktlücke ist bereits besetzt mit Baumwollkissen, ein reißender Absatz im Westen. Überhaupt! Yoga! So in der Mitte des Volkes angekommen wie Tätowierung und Neoprenanzug. Der oder die Lückenorientierte lässt den Lückenerspähungsblick kreisen, und siehe da: eine prachtvolle Lücke tut sich auf. Der innere Computer, unschlagbar schnell, rast durch die neuen und modernen Namen der As-you-like-it-Yogas. Gymnastik-und Turnübungen sind auch mit dabei, aber irgendwie scheint vom Urgrund etwas verloren gegangen, aber wer weiß noch was. Hier schaltet sich entschlossen der Lückenblick ein. Aufhorchen! Wir nähern uns dem Goldtrog! Wir entern die Lücke mit einem neuen Wort: „Prayog“. Natürlich muss man auch hier mit ein paar Leuten zusammen kommen, man kann ein paar Abende anbieten und erklären, was jetzt geübt wird: PRAKTISCHES YOGA, eben Prayog. Das Prayog befasst sich vor allem mit dem Zustand, nachdem man den Teppich verlassen hat, denn auch beim Yoga kann man nicht ewig auf dem Teppich bleiben, denn wir wissen, dass es den Leuten auch in den Klöstern nicht besser ging. Da praktisches Yoga überall geübt werden kann, muss man sich was einfallen lassen, was das ganze zusammenhält. Man arrangiert zum Beispiel eine jährliche Reise nach Prayag, ein schöner geheiligter Fleck in Indien, nennt es aber Prayog und erfindet eine epische Anekdote, wie z.B.eine tiefschürfende Yogini dort allen Belästigungen zum Trotz zu sich kam und dieses Beisichsein „Prayog“ nannte, praktisches Yoga. Mit dem Gold, das in dieser Idee liegt, kann sich jemand, der möchte, beschäftigen. Sicher ist, dass es Millionen gibt, die wissen möchten, wie Yoga aussieht, nachdem man davon aufgestanden ist. Volle Fahrt voraus!

ändern

Die Witzbolde der Nation haben sich wahrscheinlich schon abgearbeitet an den vielen Einfällen, die man über das Jamaica Bündnis haben kann, und es kann auch erheitern, wenn man Assoziationen wie Bob Marley, Cannabis und Rasta-Haar zusammenfügen will mit dem schwerwiegenden Ernst deutscher Sondierungseinheiten. Auch irgendwie ein unheimliches Wort: sondieren. Es wird also sondiert und was man dabei eben so macht: Grenzen austesten, Widerstandslatten vorzeigen, einen guten Eindruck machen wollen, die Feindbilderprofile scharf im Auge behalten und auf Zwischenräume achten zur Navigationsnutzung undsoweiter. Überall ist ja so viel Know-How erforderlich, und der Dschungel mit seinen Gesetzen wuchert ebenfalls überall. Eine der schwierigsten Aufgaben im Leben scheinen ja auch die Veränderungswünsche im Kontrast zu der Fähigkeit zu sein, sie in Tatsachen  umzusetzen. Zum Beispiel könnte das  Jamaica Bündnis mit ein paar Salto Mortales oder Vivantes eine sich knallhart durchgeackerte und dann großartig gelungene Akrobatik eines weltbeeinflussenden, politischen und menschlichen Experimentes sein. Man unterstützt sich zum Beispiel bei seinen oder ihren Entscheidungen. Da, wo man nicht frei sein will, muss man ja gar nicht frei sein. Und da, wo man gern freier sein würde und merkt, dass man es nicht kann, da kann man das einsehen. So ein reflektiertes, herzliches Miteinander ist doch anregend. Nun wissen reflektierende Wesen meistens auch aus Erfahrung, wie schwer es ist, sich zu ändern. Überzeugungen sind ja ganz schön und wichtig, werden aber leicht zu fixierten Identitäten, die man glaubt, verteidigen zu müssen. Weil man so ist. Ist man so? Sind wir so? Bin ich so? Bei der Seinsfrage hängt man eine Weile herum, damit man selber weiß, was man darüber denkt. Auch das muss nicht fixiert werden. Man kann sein eigenes Universum ziemlich beweglich halten, ohne den Halt verlieren zu müssen. Der Halt ist das Ungewisse, auf das man sich einlässt. Ist man von den eigenen Programmen  umgeben, die sich in konstantem Fluss um einen herum bewegen und nicht stören, wenn man sie nicht braucht, hat man andrerseits immer Zugriff auf den eigenen Stoff, wenn angebracht. Auch Zurückhaltung ist nur förderlich, wenn man weiß, wie es ist, sich nicht zurück zu halten. Wenn man das eigene Zaumzeug mal ablegen und sich entwaffnet im Raum aufhalten kann. Genau! Waffen! Man könnte untereinander mit glasklarer Logik punkten. Und das unter den erfahrenen Fittichen der gemeinerweise „Mutti“ genannten Angela Merkel, die das Schiff mit weiblicher Brillianz durch den Ozean der Haie gelenkt hat, uneitel, wohlgemerkt!, bevor ihre hohe Tugend am Rande der Szene zerkleinert wurde, so als wäre sie nicht in der Lage, sich mit den Nachkommen zusammen zu setzen. Gut! Wo bin ich gelandet? Ist das hier Jamaica? Die Bucht und die Palmen und die Hängematten dazwischen, und die klugen Köpfe, die das Abenteuer ernst genug nehmen bei all dem Lachen, um ein lebenswertes Leben zu gestalten auf der Paradies-Insel.(?) Jamaica, always awake!
Das Bild zeigt mein Kaffeeglas am Morgen, aus dem ich heute gelesen habe.(Scherzlein)

direkt

Das Bild oben stammt aus dem Direkt. Wir lassen gerade bei uns einen großen Raum lehmen, und obwohl die Arbeit gut gemacht war, fiel am selben Abend an einem bestimmten Fleck der Lehm herunter. Dahinter war eine Öffnung, die früher mal mit Papier bedeckt wurde, auf dem der Lehm sich nicht halten konnte. Vorübegehend wird eine Landschaft frei. Jemand sieht einen Vogel, der, dem Phoenix gleich, sich aus einer Lichtung des Erdreiches nach oben schwingt, entweder zu freiem Flug oder zu weiteren Verdichtungen. Nirgendwo Garantie für nichts. Natürlich bietet der Fleck auch noch mehr, denn oben aus der Verdichtung schaut ein Auge  bewegungslos zu. Die Kunst des Fleckenlesens ist ja weit verbreitet, denn die Erde selbst ist ein Fleck, den wir uns konstant als eigenes Buch zurechtlesen. Zu absolut jeder beliebigen Leseart gibt es die entsprechende Gegenlektüre. Das kennt man auch von den Wolken und dem Internet, dass man sich nicht (mehr) genötigt fühlt, Seh-Richtungen anzubieten mit eigener Meinung von förderlichen Konsequenzen für Augen-und- Gehirn-User, denn ehrlich, auch wenn einiges angeblich schon immer so war, so ist doch jetzt im kollektiven und einzelnen Bewusstsein der Druck angewachsen, mit dem Überfordertsein umzugehen. Oft wird ja in solchen Zeiten der Rückzug geraten, vermutlich, um sich nicht aus den Augen zu verlieren, sich selbst und die Anderen. Aber jetzt, wo man die aus unterschiedlichsten Geschichten heraus Zurückgezogenen nicht mehr klar unterscheiden kann, spielt auch der angemessene bzw. authentische Ausdruck wieder eine größere Rolle. Wenn in einem Land wie unserem allen das Gefühl vermittelt wird, sich selbst bestimmen zu können, und auch jede/r davon ausgeht, das er/sie das tut, dann kann man das Resultat der Selbstbestimmung ganz einfach sehen. Die Münze der Selbstbestimmung rollt auf den Marktplatz. Dort wundern sich Menschen wie einst, warum etwas nicht mehr so ist, wie es war, obwohl so, wie es war, auch nicht wäre, wie man es noch wollte. Auch in Indien bin ich oberglücklich, dass ich in der Herrgottsfrühe nicht mehr in einen von Männern unbevölkerten Wüstenbereich wandern muss, um auf die Toilette zu gehen, obwohl der Sternenhimmel darüber wirklich überwältigend war. Aber zurück zur Selbstbestimmung. Es fängt ja schon damit an, dass das Selbst erst einmal definiert werden muss, bevor es bestimmt werden kann. Was ist das Selbst, und wer bestimmt? Die äußere Welt ist ein Drama, eine Vorführung kollektiver Zusammenarbeit, denn egal, was auf dieser Erde geschieht, es ist immer auch ein Zusammen. Die Einzelnen bestimmen das Zusammen. Die Konsequenzen dieser Einsicht sind radikal. So wirklich und wahrhaftig radikal, dass man sie nicht mehr für möglich hält. Man muss Welt als das wahrnehmen, was gemeinsam daraus geworden ist. Die meisten Menschen möchten ja weiterhin gerne höhere Mächte in der Tasche oder über sich haben, über die man sich wundern oder bei denen man sich beklagen (oder bedanken) kann über das Vorhandene. Und ja!, die Selbstbestimmung hat Grenzen Wenn ich sie ganz zu mir nehme, die Sphäre meiner eigenen Stimme und ihrer Grenze, dann…dann…dann höre ich mir zu und sehe, wie ich mich und die Dinge handhabe, und kann dann nur weiter ackern, bis das Feld bestellt ist und der Vogel vom Lehm der Wand abheben kann.

nichts

Auf der Suche nach einem Bild, das das Nichts ausdrücken soll, bin ich natürlich gescheitert, denn überall, wo etwas sichtbar oder auch spürbar ist, kann es das Nichts nicht sein. Kein pures Schwarz, kein leeres Weiß kann es sein, und sollte es so etwas überhaupt geben, ist es wohl im Manifestierten kaum zu finden, da überall etwas ist. Andrerseits lernen wir aus Erfahrung, dass da, wo wir gerne nichts haben würden, oft etwas ist. Ich denke, dass die schmerzhaften Störungen rigoroser nach einem greifen können, während  die heiteren und gelassenen Zustände mehr einer Leere gleichen, wo das eigene Ich einen in Ruhe lässt oder es einem überhaupt gelingt,  sich störenfriedfrei zu erleben, auch durch Andere. Innere Geschütze werden auch oft bei Nachfrage mit „nichts“ bezeichnet, weil die Überforderung durch Komplexität eine Lähmung erschaffen kann, die sich gerne als ein Nichts deklariert, dem potentiellen Nichts dahinter aber voll im Wege steht. Selten ist auch die Aufgehobenheit in einer Art von leerer Fülle, wo der universelle Rahmen nicht geleugnet werden muss, um die Leerheit der Fülle wahrzunehmen. Das griechische Wort „kairos“ hat so eine innere Möglichkeit immer in mir wach gerufen, wenn Kairos in der Tat als ein Lichtstrahl im persönlichen Schicksal erfahren wird als ein Schlüssel zu direkter Zeit und der damit verbundenen Öffnung der Zeit, wo die Fülle stattfinden kann, die authentisches Sein zulässt. Natürlich frage ich mich jetzt, fleißig wie eine Honigbiene, mein eigenes rotierendes Universum, was ich mit „authentischem Sein“ meine. Dann wieder sind Worte wie „authentisch“ so verbraucht, dass man kaum mehr Zugang bekommt zu ihrem ursprünglichen Geburtsort. Und hinter dem Wort ist ja auch noch die Stille, aus der es hervorkommt. Da kann man es spüren, wenn es gelingt, einfach so zu verweilen, ohne sich selbst zu stören. Mit den Fühlern, die immer hinaus wollen und etwas abtasten, und verstehen, was nur begrenzt verstanden werden kann. Das alles ist nötig, um sich dem Sein als ein erfülltes Nichts zu nähern. Wohnort nirgends, beschenkt mit unendlichem Reichtum, der zur Verfügung steht, wenn es dem geschulten System angemessen erscheint. Angemessen ist, was vor allem das eigene Maß kennt. Gut, es im Nichts zu beherbergen. Da wird der unsichtbare Schatz verwaltet. Da ist Ruhe. Ein gutes Nichts kann ohne Alles nicht sein. Was sollte das Nichts sonst lebendig erhalten. Das Nichts als Abgrund ist gefährlich, denn wo Sprachlosigkeit vorherrscht, besteht das Nichts aus Schatten. Das unreflektierte Ich ist das Reich der Gespenster. Der Volksmund erschafft eigene Sinnfelder und weiß z.B., dass von nichts nichts kommt. Aber was vom Licht des Schicksals beleuchtet wird, auf welche Weise auch immer, das lässt einen ahnen, dass wir in einer Kairos-Zeit leben, in der scheinbar Unvereinbares als eine Einheit erspürt werden kann. Die Fülle der Leere eben.

ausrichten

 

Es gibt ja gar nicht so viele Gefühle, wie man es manchmal gerne hätte. Von allen Schulen und Schulungen, in denen man sich ernsthaft damit beschäftigt hat, sind meistens so um die fünf herum benannt worden, die sich grundsätzlich auch in den Abwehr-und Zufuhrlatten der Religionen sehr ähnlich waren. Das passt zu meinen ersten Überraschungen in Indien, wenn Hindus zu mir oder anderen sagten „don’t feel“. Ja hallo, dachte ich, was soll das denn jetzt. Aber es ist ganz gut, wenn das Fühlen und seine vielen Fühler ernsthaft betrachtet werden. Natürlich war eine der indischen Varianten auch, dass man jemanden möglichst gefühlfrei heiraten kann, denn die Gefühle kämen dann ganz von alleine. Das sehe ich gar nicht so. Die Gefühle können in der Tat alleine kommen und kommen auch meist alleine, aber welche? Und was ist das, was ich fühle, und wie komme ich in die Nähe der Worte, die damit zumindest latent resonieren? Wie werde ich überhaupt aufmerksam auf meine Befindlichkeiten? Und wie gehe ich mit ihnen um? Was die Hindus mit „don’t feel* meinen, ist eher, dass sie sich ungern von emotionalen Zuständen überwältigen lassen, und auf jeden Fall immer noch geschult waren auf eine förderliche, menschliche Friedenspraxis hin. Man muss auch bis heute feststellen, dass trotz aller schrecklichen Nachrichten aus Indien die direkte Erfahrung  mit Menschen dort immer noch sehr tief und gefühlvoll sein kann. Manchmal schon im Vorübergehen wärmer und liebevoller, als man es sich hier auf Deutschlands Straßen erhoffen und erträumen kann. Vorherrschende Vorsicht und natürlich auch Gleichgültigkeit und „was geht es mich auch letztendlich an“. Ich denke, dass auch ein solcher Krieg, in dem man das Ausmaß des Unmenschlichen nicht mehr fassen konnte und bis heute nicht kann, dem menschlichen Umgang eine schwere Wunde  geschlagen hat. Man hat gelernt, vorsichtig zu sein. Man weiß, dass Bildung wichtig ist, aber dass sie nicht vor Verbrechen schützt. Man weiß, dass auserwähltes Denken nicht zu friedlichem Miteinander führt und vieles mehr weiß man dann, und auch, dass die Wurzeln der Gefühllosigkeit schwer erfassbar sind, weil es einen Zugang braucht vom Träger zur Wurzel. An was messe ich mein Fühlen, und wird es nicht laufend unter-und überschätzt wie die Liebe, das geheimnisvolle Resultat unsichtbarer inner Vorgänge und Befindlichkeiten. Dann gibt es das freie und das gestörte Fühlen. Dieser Gedanke kam mir heute zum ersten Mal, denn tatsächlich, wenn mein Denken oder Fühlen gestört ist und ich das auch so wahrnehme, dann kann man von einer Bindung an die persönliche Geschichte ausgehen. Aber es gibt auch das Fühlen, das erfreut und bereichert, einfach da ist und das man genießen sollte, so lange es da ist, denn auch die Gefühle sind schwer beschäftigt mit diesem und jenem Ton und ihren Zwischentönen. Ist man mal mit Hilfe der Kompassnadel im Großraum des Seins gelandet, nimmt man dort mühelos ein Grundgefühl wahr, das sich nicht so sehr unterscheidet vom eigenen. Warum auch?
Das Bild zeigt meine Hand, die ein Wasserglas hält.

herbsten

Erstaunlich. Wieder Herbst. Die heiß ersehnten Sonnenstrahlen verfrachten einen in die Welt des Staunens. Tatsächlich: Gold. Doch  golden nur, wenn das Licht darauf scheint, das Herbstlicht, das dem Vergänglichen Unsterblichkeit verleiht. Man macht sich auf und wird z.B. in einem Wald zur Zeugin des geheimnisvollen Vorgangs. Jeder beliebige Ort eine strahlende Lichtung. Jedes noch so dumpfe Blatt eine Bereitschaft zur Metamorphose. Überall Pilzgemeinschaften in scheinbar grenzenloser Vielfalt. Die Kundigen unter uns wissen, was gegessen werden kann und was nicht. Doch die Pilze leben auch ohne uns miteinander in ihren eigenen mysteriösen Verflechtungen und Familienstämmen. Wir gehen vorüber. Das ist, was die DichterInnen uns durch die ganze Weltgeschichte hindurch vermittelt haben: dass wir vorübergehen, und dass der Herbst etwas vom Geruch des Vergänglichen trägt. Gestern habe ich irgendwo gelesen, dass es die Liebe ist, die es einem schwer macht, den Planeten heiteren Gemüts zu verlassen. Ich dachte immer, die Liebe macht es leichter. Aber natürlich, man will ja vor allem das, was man liebt und kennen gelernt hat und endlich etwas besser versteht, nicht schon wieder verlassen. Das sind typische Herbstgedanken. Auch der junge Werther schleppte sich mit Suizidgedanken durch das Herbstlaub. Es soll viele gegeben haben, die davon angeregt wurden. Modrige Erde kann auch aufregend riechen. In welchen Adern fließt keinerlei Hang zum Morbiden? Oder  man denkt an Zypressen, die einmal um etwas herumstanden, was man selbst war. Eine Geschichte. Eine Parabel. Eine Science Fiction Anekdote, eine Herumgeherin in den direkten Zusammenhängen. Die direkten Zusammenhänge gehen immer von einem selbst aus, d.h. wenn es einen  interessiert, das Steuer selbst in der Hand zu haben und die Verantwortung für den Kompass zu übernehmen. Das gilt vor allem für den einzelnen Menschen und gibt wahrscheinlich die Bedeutung zu der Tatsache, ob jemand einen Führerschein hat oder nicht. Ein Steuer in der Hand und volle Verantwortung, denn zu viel Spannung oder zuviel Entspannung oder eine Ablenkung kann tödlich sein. Auf der anderen Seite kann man nicht leugnen, dass auf einer bestimmten Ebene, oder vielleicht ist es genau da, wo die Ebenen aufhören,  alle und alles miteinander verbunden sind, bewusst oder unbewusst. Bildlich gesehen vermutlich ein strömendes Ungeheuer, das einem Ordnungen abringt und Klarheiten, will man die Richtung zumindest erkennen. Die eigene Richtung. Der Weg, auf dem man die eigene Lampe sein kann. Was jenseits des Tellerrandes stattfindet, hat keiner beschrieben. Doch, es wurde schon beschrieben. Vielen erschien es immer elitär und abstrakt, der Aufenthalt im Ungedeuteten, die Anwesenheit im Nu. Der Äther. Die strahlende Leere. Die tiefe Freude am freien Vorgang des Dialoges mit den universellen Gesetzmäßigkeiten. Wieder Herbst. Die Tage mit der Sonne. Wo man die Blätter aus den Himmeln nahen sieht, als welkten sie in fernen Gärten. Rilke hat dann in seinem Gedicht noch Einen erschaffen, der das alles unendlich sanft in seinen Händen hält. Wir ringen immer wieder mit denselben Themen. Die Welt verändert ihr Kostüm.

Paul Eluard

Bildergebnis für Paul Eluard

Ich lebe in den unzähligen Bildern der Jahreszeiten
Und der Jahre
Ich lebe in den unzähligen Bildern des Lebens
Und dem Gespinst
Der Gestalten der Farben der Gebärden der Worte
In der überraschenden Schönheit
In der alltäglichen Hässlichkeit
In der Klarheit kühler Gedanken oder heißer Begierden
ich lebe im Elend und in Trübsal und leiste Widerstand
Ich lebe ungeachtet des Todes

Ich lebe in dem milden und flammenden Fluss
In dem dunklen und durchsichtigen
Fluss der Augen und ihrer Lider
Im windstillen Wald in der seligen Prärie
Einem Meer entgegen das in weiter Ferne
Mit dem verlorenen Himmel verschmilzt
Ich lebe in der Wüste eines versteinerten Volkes
Ich lebe im Ameisengewimmel einsamer Menschen
Und in meinen wiedergefundenen Brüdern
Zu gleicher Zeit in der Hungersnot und im Überfluss
In der Unordnung des Tages und der Ordnung der Finsternis.

 

Aus: „Das Innere der Sicht“ (Max Ernst und Paul Eluard): Das fünfte sichtbare Lied.

samsen

Ich werde nicht müde, den Samstag einzuläuten als meinen Tag des sinnfreien Denkens. Das ist natürlich entsprechend mühevoll, wie es ein Samstag verdient, denn wie wir wissen, lauert in jedem Winkel des Daseins der Sinn, und manchmal dagegen anzugehen, ist unterhaltsam, auch wenn es scheitert. Der Samstag eignet sich prächtig. Alle Tage bergen bereits einen unauslöschlichen Namenssinn. Der Sonntag hat die Sonne, der Montag den Mond, der Dienstag das Dienen, der Mittwoch die Mitte, der Donnerstag den Zeus, der Freitag die Freiheitskarotte, die in menschlicher Logik auf den Samstag hinweist. Doch was ist „Sams“!? Der Große Sams ist ein Störenfried, der allen darin Vorhandenen etwas zumutet. Eigentlich ist es die Glocke zum Sonntag, wo dann endlich doch nahezu alles Öffentliche zu hat, auch wenn anderorts daran gearbeitet wird, dass man auch da was offen haben will, damit Einkaufswillige nicht ins Koma verfallen. Oder es fällt einem ein, dass man noch einen BioMozarella braucht für die Tomaten, und man wälzt sich in der Schlange der riesigen Essbergwagen zur Kasse durch, weil Samstag ist und die Menschen nicht vom Verhungern bedroht sein möchten. Es kann einem auch die Szene von Loriot einfallen, wo der Mann auf dem Sessel sitzt und einfach nur da sitzen will, aber es geht vor allem samstags nicht, weil da noch mehr zu tun droht als an den anderen Tagen, nur gehört es nun alles zu einem selbst. Da läute ich nun das Samsen ein. Man lässt sich was einfallen, was zur Abwechslung mal nicht umgesetzt werden muss, sondern nur durchdacht und an die Grenzen seiner sinnfreien Möglichkeit gebracht. Das Bild oben, ein Graffiti aus Lissabon, zeigt eine schöne Samsung, und man darf sofort staunen, dass man über diesen Weg auf Samsung gestoßen ist. Hier kann man den indischen Habitus einschalten, aus einem schon bestehenden Produktnamen einfach einen Buchstaben zu verändern, und schon hat man selbst eine Produktbezeichnung, die immer latent an das Original erinnert, aber im Konkurrenzkampf nicht gerichtlich ausgeschaltet werden kann. In Indien kann man auch die Köpfe der Götter austauschen und sie als die eigenen deklarieren. Aber so weit wollen wir nicht gehen, sondern vielleicht nur aus Samsung, der Samstagsübung (Quantensprung in die ultimate Leere), Sam-Song machen oder dazufügen. Die Samsongs, nicht zu verwechseln mit den Simpsons, sind Klagelieder, die der oder die SamstagsergründerIn beim Verrichten der vielen Samstagspflichten singen kann. Aus den schönen und tieftraurigen Texten, die alle davon handeln, wie der Samstag wieder einmal nicht zu dem wurde, was man erwartet hatte, kann bald ein Liederbüchlein entstehen. Man singt z.B. davon, wie jeden Herbst im Hof so viele Blätter fielen, alles gegen meinen Willen, und nun muss ich mir zu Ehren wieder alles kehren, kehren….Sams ist der Gott der Klage. Wenn man mit dem Rasenmähen oder dem Wäscheaufhängen und dem Einkauf fertig ist und wie nebenher zwei neue Sam-Songs in einem entstanden sind, legt man irgendwo auf einen Sims eine Blume oder einen Grashalm zusammen mit den Sam-Songs. Dann hat man für Sams, den Widersacher der Sinnfrage, Sam-Songs auf dem Sams-Sims niedergelegt. Von mir aus kann man dann auch noch sein Samsung-Smartphone ranholen und das Ganze aufnehmen. Hauptsache, man hat gesamst und vielleicht einige dadurch auch abhalten können, einen mit anstehenden Handlungen anzuregen. Erfolgreiche Samser kann man mit chinesischen Glückskeksen vergleichen. Ihre Hülle erscheint hart, aber man kann sich doch immer wieder aufs Neue auf das Innere freuen. Samsen ist der Sprung an sich. Der Sams-Tag ist genau dafür vorgesehen.

 

arm?

In den Gesellschaften der Welt gibt es Einstellungen, die wirklich für niemanden hilfreich sind. Eine davon ist das Älter-und Altwerden. In Indien habe ich noch die letzte Spur eines Verstehens darüber erlebt, dass Alter durchaus als etwas gesehen werden kann und wird, was mit souveräner Gelassenheit die Brücke zu neuen Vorgängen auf der Erde bauen kann, wenn es denn gesellschaftlich auch so gesehen und ermutigt wird. Die Botschaft wurde durch alle Zeiten elegant zusammengefasst mit „einfach leben – hoch denken“, eine denkwürdige Aussage für so ziemlich alle Alter. Nun sind wir alle auch durch die Jugend gegangen und wissen, dass die Dinge ihre Zeit und ihre dazugehörigen Bedingungen haben. Nicht, dass ein lieber Gott uns das erklären muss, dass vieles Erleben einfach den dafür vorgesehenen natürlichen Gesetzmäßigkeiten folgt. Dann gibt es noch das indische Sprichwort „old is gold“, und wenn ich es höre, füge ich immer gerne hinzu: „aber nicht automatisch.“ Nichts wird automatisch zu Gold, und selbst Rumpelstilzchen brauchte noch was Lebendiges dazu, obwohl leider nie erklärt wurde, warum ihm das bei der Goldmacherei gefehlt hat, und was er mit dem Kind gemacht hätte. Aber gut. Auch in den Altersheimen, generös übers Land verstreut, kann man sich nicht vorstellen, dass Gold gesponnen wird, eher geisttötende Beruhigungsmittel verteilt, damit die überforderten Pflegekräfte dem noch vorhandenen Lebensimpuls einen Bann entgegensetzen können. Das ist ja nicht verwunderlich, dass Angst vor dem Alter eingeflößt wird mit ohoh!, die Altersarmut, und achach, die Demenz und Alzheimer, so als müsste sich schon jeder darauf vorbereiten, dass ihn oder sie das weniger Lebenswerte trifft, die Armut oder der Schlag. Und da eh so viele, wenn sie nicht mehr geachtet und beachtet werden, dem, wenn ich’s mal modern ausdrücken darf, „binge-glotzing“(uneingeschränktes Fernsehen) verfallen sind, wundert nicht, dass Jahre von Fremdschaltung im Alter nicht zu eigenem Denken, oder was man auch immer dann noch gerne tun würde, führt. Es gibt aber auch immer diejenigen, die man vom Volk aus gerne als Randfiguren oder Grenzgänger oder Tut-nicht-genuge bezeichnet hat, die aber ihr eigenes Leben erschaffen haben und ihre eigene Zeit. Denen geht es meist ganz gut, denn es gibt keinen Herrn, der sie bestimmt, auch wenn der Preis manchmal ganz schön hoch ist. Der letzte Teil des Lebens ist der Glanz, der irgendwann auf der Strecke zu leuchten beginnt. Es scheint nicht wirklich eine Grenze zu geben von den Ebenen, die sich weiterhin auftun können. Der Blick, genährt von den eigenen Archiven, in denen das Reflektierte aufbewahrt wird, lernt etwas, das vorher nicht möglich war: das gelassene Schweifen über das Gelebte und über das Seiende. Die Starrheiten von Meinungen und Projektionen lösen sich auf. Da steckt oft noch sehr viel Arbeit drin, aber es ist spannend. Neue Zusammenhänge werden sichtbar. Man selbst ist wie eine locker angelegte, bewegliche Sphäre, ähnlich den Gestirnen, und obwohl man in den vorhandenen Konstellationen nur den eigenen Standort hat, ist er doch einzigartig und muss und kann nur von sich selbst erfasst werden. Warum sollte das auf einmal aufhören? Gut, das muss noch gelebt werden, wie man es denkt. Aber wenn man es nicht denkt, kann es auch nicht gelebt werden. Und was „l’amour“ (z.B. bei Haneke) für jeden war und ist und sein wird, bleibt das zu lösende Rätsel, in dem man zusammen mit Anderen gewohnt hat, und auch allein damit war und ist.

Bild: Stein auf kinetischem Sand

maßgebend

Das Bild hat zwar Sanskrit Texte, die ich manchmal in Indien aus dem „heiligen“ See fische, an den Innenwänden des Raumes, aber es ist hier in Deutschland anlässlich einer Kunstausstellung entstanden und war der Inhalt einer kleinen Kiste, von denen jede von uns drei mit den jeweiligen Ideen ausgestattet hat. Wenn der Oktober da ist, ist wieder Zeit für das Flugticket nach Delhi, und Zeit für das Visa. „Wir“ Indien-Reisende hatten jahrelang um und um Visas herum zu kämpfen. Manche Länder bekamen wenig Zeit, manche mehr, manche wurden zeitweilig gesperrt. Als die Israelis nach Indien massiv einrückten, wurden sie zuerst untertänigst bedient, denn sie hatten Geld und kauften viel Ware. Dann wurden sie wegen auffälligem Verhalten für eine Weile gesperrt. Dann kamen die JapanerInnen und die Südkoreanerinnen, bestaunt für Haut und Gefühlskühle. Aber all das, was „wir“ als „neu“ erleben durften, war ja auch nur eine Phase im Strom der Ewigkeit, denn vor uns waren viele andere da und haben, oft mit Hindus gemeinsam, gerätselt über die offensichtlichen Mysterien des Daseins. Satyajit Ray hat seine revolutionären und kunstvollen Filme gezeigt, und auch in ihnen konnte man schon den aufwühlenden Schmerz einer Vergänglichkeit spüren, die eben nicht enträtselt werden konnte, sondern mit all ihren Geheimnissen in den Korridoren der Zeit verschwand. Und wer wollte das Rätsel schon lösen? Da gab es nichts zu lösen. Alles war einfach da. Über allem menschlichen Leid schwebte gehaltvoll und von allen geliebt der gewaltige Götterhimmel, voller Schönheit und Erotik, sodass auch wir gebannt wurden von der Logik der oberen Etagen: man konnte sich auf sie verlassen, die paar Millionen Götter und Göttinnen, die man frei war zu wählen und resonanzmäßig auf sich abzustimmen. Aber der Strom fließt weiter und wenn der Missbrauch sich endlich meldet, ist es oft auch schon spät. Es wird ja immer noch fleißig diskutiert, ob alles, was jetzt aus dem Keller kriecht, vorher schon da war, aber es gibt auch noch Maß und Ausmaß einer Entwicklung. Und natürlich kann man froh sein, dass es nun, wie wir in den Nachrichten hören, z.B. ein Gesetz gegen Heirat mit Kindern gibt, aber es gibt auch noch 120 Millionen Ehen mit erwachsenen Männern und Kindern. Das alles gehört zum großen kosmischen Batzen des Zuviel, sodass man auch noch dem hinduistischen Weisheitsfinger des Damals danken muss, uns rechtzeitig darauf hingewiesen zu haben, dass es einen Weg gibt, der gleichzeitig nach innen und nach vorwärts zeigt. Auch wenn der Finger selbst nicht mehr weiß, wo er hinzeigt, so hat er uns doch ein Maß gegeben, was wir zum Glück für möglich hielten und halten. In der Zwischenzeit also gibt es Visas für jeden für ein ganzes Jahr, und wer auch immer kann aus der Weltbevölkerung, wird sich auf das Verbliebene stürzen, das nun das Daseiende ist. Ja, ich gehe auch wieder hin. Ich bin dort mit Menschen verbunden, die mir viel bedeuten. Irgendwann wird es nicht mehr möglich sein, sie zu treffen. Am See zu sitzen. Mich selbst in nahtlosem Reichtum beim Lächeln vorzufinden.