starren

Dieses abgründige Starren auf die Tragödie von Nepal hat einen weiteren Damm gebrochen. Das Auge sieht, dass alles möglich ist, wenn das Unfassbare selbst seine Fassung verliert. Oder war es schon lange Fassade, der Missbrauch schon lange unterwegs, und dann die Vernichtung so vieler Geister und Körper. Was für ein Preis für das Unbehagen, das sich in die tatsächlichen Täter schleicht, weit hinten in den Kulissen, wo die Büroräume der Drahtzieher liegen mit ihrem surrenden Ton der Air-Conditioner. Dann die andere Ebene, auf der ein Nepalese fragt, wie Shiva, der von allen (Hindus) geliebte Gott, sowas zulassen kann. Dabei ist Shiva zwar einerseits der Yogi und der Unschuldige Herr und talentierte Liebhaber, andrerseits jedoch eine wilde, unzähmbare Kraft, die Totenschädel ins Spiel wirft, wenn es zur Sache geht. Und es geht zur Sache, da trifft sich das epische Treiben mit der lebendigen Wirklichkeit. Was also ist die Ursache dieser todbringenden Gletscherbewegung, und wie lange kann ein guter Mantel geflickt werden, also wo genau driftet guter Geschmack ins Unwägbare. Solange der Mensch für den anspruchsvollen Titel ‚Mensch‘ (noch) geeignet ist, bleibt ihm die Sicht auf die unheimlichen Zusammenhänge nicht erspart. Und ob sich einem das Lebendige über das Spinnennetz oder über die Quantenphsik enthüllt, ist relativ gleichgültig. Und ja: trauern! Trauern um die Schönheit einfacher Lebensweisen, Trauer um verlorenes Tempelgeläute, um das schwer errungene Maß.


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