In einer Welt, also unserer Welt, in der nun fast jeder, und das auch noch öffentlich, seinen Senf dazugeben, bzw. seinen und ihren Beitrag mühelos abliefern kann, taucht die uralte Frage nach dem Verhältnis zwischen Reden und Schweigen wieder auf. Neulich habe ich mal eine dieser radikalen östlichen Weisheiten gehört (als short), die so einleuchtend ins innere Gehäuse fließen und hoffen, sich dort breitmachen zu können. Hier der Satz, so aktuell wie eh und je: ‚Since foolish talk is endless, it is better to shut one’s mouth‘. Klar ist das ein gutes Körnchen Wahrheit, aber ist doch im Rahmen gewisser Traditionen entwickelt worden, in denen Schweigenkönnen als eine Tugend respektiert wurde, während man hier im Westen vielleicht eher in Autismusverdacht kommen würde bei auffallender Schweigerei. Auch erklärt man ungern aus der eigenen Praxis, dass Schweigen durchaus eine oder überhaupt d i e Basis ist für das Wort. Denn beim Schweigen wie beim Reden kommt es schon darauf an, wer und wie und warum jemand schweigt oder redet. Bei all der derzeit vorherrschenden Überfütterung des Vorstell-und Denkbaren, kann ich mir nur einen totalen Zusammenbruch der individuellen Aufnahmekapazität vorstellen, wenn keine wirksame Gegenkraft eingesetzt wird. Eine davon ist zweifelsohne das Schweigen. Es gibt einem die Möglichkeit, innerlich zu sortieren und zu reflektieren, was sich angestaut hat an potentiellem Denkmaterial. Oder aber mit angemessenem Erschrecken zu verstehen, dass das alles nur aufgesaugtes Irgendwas ist, das sich in letzter Konsequenz gar nicht zu kontemplieren lohnt. Und selbst lohnen muss es sich nur in dem Sinne, dass man zu einem Verständnis dessen gelangt, was einem guttut und was einem schadet. Wir hatten eine junge Frau zu Gast, die uns erzählte, wie sie abends nach anstrengender Arbeit nach Hause kommt und einfach nur noch abhängen will, zum Beispiel mit Horrorfilmen oder einem anderen beliebigen Irgendwas. Sowas ist leicht zu verstehen, wer will und kann sich ein Urteil erlauben. Und vor allem: wer kennt es nicht, dass man sich gerne mal zur Entspannung berieseln lässt von dem Zeug, das da in den Medien mit so viel Stress zusammengebastelt wird. Die Gefahr an dem Medienvielfraß ist, dass es tatsächlich und faktisch zu immer weniger Ruhemomenten führt, in denen ich das, was ich (wirklich)(selbst) bin, noch erlebe. Immerhin habe ich noch einen gewissen Spielraum, zum Beispiel bei YouTube kann ich noch eingeben, was ich möchte. Aber sofort muss ich damit rechnen, dass das von mir Aufgerufene in weiteren, von der Maschine bestimmten Variationen erscheint, und manchmal dauert es Wochen, bis was wieder verschwindet. In all diesem zusammengerafften Sinne ist mir klar geworden, dass mich der Satz doch sehr angesprochen hat. Denn klugerweise bezieht er sich nur auf foolish talk, was den Anspruch auf ‚Not foolish talk‘ durchaus erhöht. Und kein Zweifel: Schweigen ist Gold!