wachsam

Ich halte nicht viel von der Mystifizierung des Begriffes ‚Erwachen‘, denn es macht ja eher stocknüchtern, will man ihn verstehen, den Begriff. Und was gilt es da umzsetzen in die greifbare Wirklichkeit hinein, die ihrerseits nach Erfassen verlangt. Welche Wirklichkeit also unter welchem Baldachin des Wachseins. Man kann sich ja selbst beobachten und herausfinden, was einen wach macht, und was schläfrig. Gestern haben wir uns das Fußballspiel zwischen Spanien und Frankreich angesehen. Ein Großteil der Welt saß an den Super-Screen-Glotzen, schließlich sieht man gerne Meister (/innen) am Werk, hier am Fußwerk. Auf den überfüllten Tribünen tobte es, vielleicht, weil es so langweilig war. Da wäre man allein in einem Raum wacher gewesen. Vielleicht ist Wachsein auch eine Meisterschaft, die dem Menschen ermöglicht wird. Nicht durch einen alleswissenden Weißbart im Schummelhimmel, sondern weil Wachsein (u.a.) die Wahrnehmung des Ungewissen und Unerklärbaren in direktem und intimem Kontakt ermöglicht, sozusagen eine Art kosmischer Erotik erzeugen kann. Das Wachsein lässt auch die Wunden nicht automatisch verschwinden, aber die Zugänge zu Heilung sind einfacher. Von Herzen anzunehmen, dass der Tod ständiger Begleiter des Lebendigen ist, man kann sich gegenseitig begleiten lassen. Je mehr innerer und äußerer Raum sich verbinden lässt, desto wacher erleben sich Geist und Körper auf ihren Wirkungsebenen. Wenn genügend Energie vorhanden ist, um sich selbst im Spiel zu bewegen. Denn in der Tat!, das Spiel hat es in sich, und was bleibt mir anderes übrig, als eine Wahl zu treffen. Und nehme ich gerade mal das Ganze voll auf mich, sagt meine innere Stimme zu mir ‚das brauchst du doch gar nicht‘. Da fühle ich mich schon befreit, eben von mir selbst. Und da ist dann das Lebendige, an dem ich wachsam teihaben kann.


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