Der Smartphone-Zirkus kommt mir zuweilen vor wie ein von uns allen freiwillig gebastelter Fluch, der, genau wie in einem Märchen, von Lebensleser:innen verstanden werden will. Genauso, wie wir alle irgendwas an unseren Süchten gepriesen haben, den gesunden Rotwein, die entspannende Zigarette oder das leckere Steak Tartar, bis sich Grenzlinien zeigten. In letzter Konsequenz ist es ja keineswegs egal, wie man mit sich selbst umgeht. Will ich willenlose Zeugin meiner Hand werden, die kurz nach dem Erwachen nach dem Ding greift, so, als müsste ich dringend nachschauen, ob Donald Trump noch Dümmeres verursacht hat als gestern, und überhaupt, gibt es denn wirklich niemanden, der diese ganze Bande mal aushebeln kann? Nein, bisher nicht. Unbeirrt dreht sich das Rad der menschlichen Eseleien, und sinnend streift das Auge über die Antike, wo davon auch schon vieles war. Auch schon ein paar Maschinen mit den passenden Sklaven und Sklavinnen dazu, unheimlich gut geeignet für Blockbuster. Auch das sich Ergebende zieht die Herrschsüchtigen an, nun kommt es auf den beiderseitigen Lusteffekt an. Der steckt auch im Süchteln. Süchteln, eigentlich ein nicht vorhandenes Wort in der deutschen Sprache, ist für mich das geeignete Wort für den Zustand, in dem man weiß, dass man von etwas zu viel macht, das Maß aber nicht kontrollieren kann. Also wo der Moment eintritt, wo man wie ein von allen guten Geistern verlassener Mensch einfach weiterzappt, wobei die Leere schon an einem genagt hat. Es muss auch nicht eine Leere sein, die irgendwo im Innendrinnen gehaust hat und sich nun meldet, nein. Diese Leere strahlt heraus aus der substanzlosen Masse an Information, die einströmen darf ohne willensgesteuertes Zutun. Eine Art nebulöse Erstarrung ergreift die überforderte Gehirnhälfte, die ursprünglich Ordnung ins vorhandene Chaos des Seins bringen sollte, nun aber die Unterstützung der anderen Seite nicht zur Verfügung hat. Warum? D i e stirbt langsam ab, wenn man sie nicht mit unterhaltsamen und liebevollen Erfahrungen und Erlebnissen füttert, bis sie sich günstigerweise eines schönen Tages um sich selbst kümmern kann. Um diesen mystischen, nie erklärbaren, schöpferisch erlebbaren Teil, der das lebendige Menschsein vorrangig ausmacht. Der Geist steht ja immer und uns allen zur freien Verfügung. Es ist der Körper, der den zeitlich begrenzten Plan umsetzen soll. In diesem Sinne tut ‚man‘, was man kann. Und muss vielleicht schauen, was man selbst unter ‚Können‘ versteht und wo weitere Vertiefungen wünschenswert seien, oder nicht.