Die Sintflut beginnt unmerklich. Vorerst steigen die Flüsse um wenige Zentimeter. Es regnet nicht einmal häufiger als sonst, aber anhaltender. Und es dauert länger als nach früheren Güssen, bis das Wasser wegsickert. Eines Tages verrinnt es gar nicht mehr, und die kleinen Pfützen bleiben stehen. Von den Dächern der Wolkenkratzer spült die Flut die letzten Lebenden, die niemals erfahren, dass eine Sintflut über sie gekommen: Das zu verheimlichen wird allen Beteiligten wichtiger sein, als in dem zunehmenden Regen, in den schwellenden Bächen, den andauernden Wolken die beginnende Katastrophe zu erkennen. Gewiss: Für eine weitere Sintflut würde man nun viel besser vorbereitet sein, wenn man nicht schon bei der ersten untergegangen wäre.
Das amerikanische Drama um die Einnahme des Capitols herum hatte für mich jetzt nicht dieses dreiminütige Interesse eines Menschen, die sich auf jeden Fall informieren möchte über das planetarische Geschehen, soweit das über die mediale Informationsquelle überhaupt glaubwürdig möglich ist, sondern ich konnte auf den verschiedenen Sendern schon eine Menge Details mitbekommen, die mein Denken beschäftigen. Nicht, weil es diese Nahrung zum Denken braucht (aber auch deswegen), sondern weil sich die menschlichen Katastrophen und Entgleisungen überall in und auf der Welt und in den Haushalten abspielen, sodass Extremsituationen auch die Quelle für weitere Lernmöglichkeiten bilden. Wir erleben das ja gerade auch mit dem Lockdown, nämlich dass der Tumult eines Geschehens einen zwingen kann, vor allem auf die eigene Wahrnehmung zu achten, ganz einfach um zu wissen, wie man es selbst sieht. Auf welchem Boden kommen Loyalitäten zustande, und was ist überhaupt Loyalität, und zu was und zu wem kommt sie zustande. Mike Pence ist ein perfektes Beispiel für eine Gewissensqual, die hier durch ein simples Ritual ausgedrückt wurde, weil es ihn von seinem Herrscher getrennt hat, dem er absolut loyal war. Dass der ihn aber unter Druck zwingen wollte, etwas Unmögliches zu tun, führte dazu, dass ein Teil des Mobs, wie sich heute herausstellte und auf Videos zu hören war, unterwegs war, um den ‚Verräter‘ zu töten. Was kann man lernen? Wie etwas einfach eine Zeitlang einem gewissen, als natürlich empfundenen Strom folgt, bis dieser Strom plötzlich von der Erkenntnis getroffen wird, dass (z.B.) Juden enteignet werden und die gierigen Stürmer sich gerne ihren Reichtum aneignen, in ihren gut eingerichteten Leben herumsitzen und ihrer Wut auf sie Ausdruck verleihen. Wir hassen euch, schrieen auch die Capitolbesetzer, wir hassen euch, weil ihr goldenes Kalb sie angestachelt hat zur Vernichtung, und man sieht, dass es nicht mal um das Kalb geht, sondern es geht um den Frust und den Hass, der sich innen aus einem Früher heraus schon zu lange ausgetobt hat. Aber auf der anderen Seite haben auch einige die Fäuste gehoben und dachten, das wird ein Siegeszug des Gerechten, und das kann nicht gutgehen, wenn ein krankes Gehirn sich zum Gott erhebt. Sie sitzen in Ashrams und Kinderstätten, in Institutionen und Krankenhäusern und warten darauf, dass ihr eingefädeltes Spiel aufgeht, und ich bin schon froh, dass es da aufgeht, wo man sich ein Aufgehen wünscht. Auf einmal kann bei einem bestimmten Einsatz das Spiel sich drehen. Die durch Schockerleben gewonnene Nüchternheit, beziehungsweise die Nüchternheit der noch Handlungsfähigen bringt eine gewisse Ruhe in die Situation, eine geladene Ruhe. In geradezu rasanter Schnelligkeit verändert sich das Bild und die Lage. Manche werden genauer gesehen durch das, was sie dort waren und sind, andere hoffen, nicht weiter aufzufallen, und vielleicht merkt ja keiner, dass man selbst die Faust gehoben hat. Ein junger, ehrgeiziger Senator und brennender Verteidiger von Trump wurde mit dieser Faust photographiert. Er wollte bei der nächsten Runde als Präsident antreten, aber sein Schicksal ist besiegelt mit einem Schnappschuss. Ziemlich großes Theater, muss man schon sagen. Doch selbst wenn ein dunkler Gott mal zur Rechenschaft gezogen werden würde oder wird, dann bleiben noch die Millionen, die solch eine Form brauchen, um das, was sie geworden sind, auszuhalten. Denn wenn sie einzeln herausgenommen werden, zerfallen sie und können gar nicht gefunden werden.
Jaja, der sehr große und mächtige amerikanische Luxustraumdampfer hat eine Breitseite bekommen, oder wussten wir doch alle schon so lange, noch vor Trump, dass die Schieflage das Normale war. Aber immer noch dient es als ein Weltgebilde, wo schön und geliftet und reich, vor allem reich in Atem hielt und immer noch hält, und dafür alles Mögliche, manchmal auch das Wesentliche, mühelos geopfert werden kann, dem Mammon sozusagen. Daraus werden dann Bündnisse und Vernichtungswaffen geschmiedet und die Menschenverachtung feiert ihre Rituale auf hohem Einsatz. Bis, o nüchternes Wunder, dann doch eines Tages alles so hemmungslos Aufgebaute wieder zusammenfällt, im vorliegenden Fall (u.a.) das Zusammenprallen grobschlächtiger Wüteriche mit korrupten Senatoren, alle bewaffnet und gefährlich auf ihre eigene Art. So kann man doch nach Stunden dieses Treibens im Capitol und der eigenen nachfolgenden Reflektionen darüber sagen, dass nichts Besseres hätte passieren können als genau das auf so niedrigem Level Geschehene, das kaum mehr niedriger werden konnte. Ja, wir (Deutschen) hatten das auch schon, und auf den T-Shirts der aufständischen Amerikaner konnte man die Zeichen sehen und das Gedankentum mitlesen. Auf jeden Fall waren sie da, mit dem Hakenkreuz und der Bemerkung, dass 6 Millionen getötete Juden nicht genug waren. Auch die indische Flagge war zu sehen, worauf es aus Indien sofort als Schande deklariert wurde für das (einst) heilige Land. Als Trump in Indien war, konnte man sehen, wie gut hinduistisch tropfendes Falschheitslächeln nahtlos in den dürstenden und düsteren Milliardärsrachen fiel. Nichts ist leichter zu beträufeln als solch einen Mann wie Trump, und niemand gefährlicher als er, wenn das Träufeln nachlässt. Man sieht jeden Einzelnen der korrupten Herrscherbande einsam und verlassen auf ihren Sitzen festsitzen und ins Grübeln vertieft. Sie ahnen wider Willen, dass das Genug! auch wirklich genug sein kann. Dass keine Sicherheit wirklich eine Sicherheit bildet. Und es gibt Momente, und das war auch ein bemerkenswerter für Biden, als er zum Mikrofon ging und kein großer Held sein musste, sondern ein verhältnismäßig redlicher Mensch, dem es einfach reichte. Wann sieht man, dass es reicht, und dass man sich wehren muss, solange man noch kann, denn irgendwann sind auch die nachträglich bewussten Gesten überflüssig. Man ist gezwungen worden, etwas einzusehen, was man schon lange vorher wusste, aber hat es nicht ernst nehmen können, beziehungsweise sich selbst nicht ernst nehmen können. Denn das tut auch immer wieder mal gut, das Abenteuer Menschsein ernst zu nehmen, so, wie man sich das auch von der Zeugenschaft wünscht. Und nicht davon ausgeht, dass man das Gute vom Unguten schon unterscheiden können wird. Schließlich muss man ja leben, und muss man auch, aber wie. Ein anderer Kreis, der sich ungünstig schließt, ist der zwischen privilegiert und unzufrieden, das führt zu unterschiedlich murmelnden Massen, die dann ein Dunkelfeld brauchen, um sich auszutoben. Das Andere ist tatsächlich die Vernunft. Wenn man wie vorgestern in Washington Teil einer Entgleisung war, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, dann kann es trotzdem weitergehen. Es ist tatsächlich weitergegangen und Joe Biden ist Präsident, und Kamala Harris ist Vizepräsidentin. Auf jeden Fall ist trotz allem etwas Gutes geschehen, und ist und bleibt ein lehrreiches Drama, an dem man die Werteskala des Menschengeschehens anlegen kann.
Zufällig schweifte mein Blick über die herumliegende Seite der Zeit und war froh, ein Bild zu haben, auch wenn es zerknittert und zerrissen ist, wie Amerika eben. Es zeigt Biden im Bild mit einem Zitat von Freud über die Vernunft, die nun tatsächlich zusammen mit der Gerechtigkeit baden gegangen ist. Es hatte unterschiedliche Gründe, warum ich meinen Blick nicht von der Smartphonescheibe entlassen konnte oder wollte. Man war ja eher auf eine Zeremonie gefasst gewesen und eine Freude, dass der Spuk bald vorbei ist. Man kann auch hinschauen, ich habe auch hingeschaut, damit ich es selber mal sehe, wie sich das Fassungslose ausdehnt, bis kein Fensterrahmen an der Monade mehr schließbar ist. Man verfolgt mit einigem Interesse das sich Abspielende und bemerkt, dass sich die Spieler oft gleichen. Die, die noch rechtzeitig, wenn auch sehr spät, erwachen, dann die, die noch grad die Kurve kratzen, und die, für die es zu spät wird, weil ihre habgierigen Munitionen zurückfeuern auf sie selbst. Ein weiterer, pechschwarzer Tag steht auf dem Weltkalender. Und dann ist es ja eh vielerorts pechschwarz genug. Auch die Pechschwärze kann in Staunen versetzen, aber wahrscheinlich ist es gar kein Staunen, sondern eine Gedankenerschütterung. Ansonsten habe ich das Bedürfnis, erst einmal zu verdauen, was sich angestaut hat. Oder vielleicht in der Mitte der Bahn eine Gasse frei lassen, damit weitere Bewegung ermöglicht wird.
Das Photo ist aus der ‚Zeit‘ vom 7.12.2020
Das Zitat von Freud ist aus ‚Über die Weltanschauung‘.
Hier in leserlich:
Andererseits gehört der Intellekt – oder nennen wir ihn bei seinem vertrauten Namen: die Vernunft – zu den Mächten, von denen man am ehesten einen einigenden Einfluss auf die Menschen erwarten darf, die Menschen, die so schwer zusammenzuhalten und darum kaum zu regieren sind. Man stelle sich vor, wie unmöglich die menschliche Gesellschaft würde, wenn jedermann auch nur sein eigenes Einmaleins und seine besondere Längen- und Gewichtseinheit hätte. Es ist unsere beste Zukunftshoffnung, dass der Intellekt – der wissenschaftliche Geist, die Vernunft – mit der Zeit die Diktatur im menschlichen Seelenleben erringen wird. Das Wesen der Vernunft bürgt dafür, dass sie dann nicht unterlassen wird, den menschlichen Gefühlsregungen und was von ihnen bestimmt wird, die ihnen gebührende Stellung einzuräumen. Aber der gemeinsame Zwang einer solchen Herrschaft der Vernunft wird sich als das stärkste einigende Band unter den Menschen erweisen und weitere Einigungen anbahnen.
Um willkommen geheißener Gast im eigenen (inneren) Wohnort zu sein, muss man einige Dinge bedenken. Niemand weiß, unter welchen zeitlichen Bedingungen ein Quantensprung gelingen kann, heißt aber, dass mindestens für die Länge eines Nus alle Anhaltspunkte losgelassen werden, also all d i e Aktivitäten, die an Erwartungen, Projektionen, Wünsche etc gefestigt sind und hier ein Hindernis darstellen. Ganz-bei-sich-sein ist das Wohlgefühl, wenn man nach einem Salto mortale oder vivante mit beiden Füßen fest wieder auf dem Boden der Tatsachen ankommt. Der Boden der Tatsachen besteht inmitten des Ungewissen aus dem, wer man da ist. Vielleicht lernt man sich da ja erst richtig kennen, immerhin hat man sich zugelassen, obwohl dank der Präzision der Sprache ‚zulassen‘ auch zwei Seiten hat. Immer ist Wegkreuzung, und immer ist Seiltanz, nein, korrigierte sie sich, eben nicht immer, sondern nur dann, wenn es da ist und man merkt, dass man nicht ausweichen kann. Einmal in Delhi spielte ich ein Computerspiel mit dem 14-jährigen Sohn meiner Freunde, und er fand es lächerlich, dass ich keine Waffe abholen wollte, weil man ohne Waffe gar nicht weiter kam. Gut, ich holte mir einen Dolch und kurz danach sollte ich ein Einhorn töten. Ich hatte nicht die geringste Lust dazu, so ein Verbrechen zu begehen. Aber das ist doch nur ein Spiel, sagte er empört. Das sehe ich auch zuweilen so, aber ’nur‘? Nur ein Spiel? Wenn man das Spiel wirklich spielen will, dann weiß man, dass es auf jeden Zug ankommt. Das Gehirn ist hochkonzentriert, denn es geht immer um etwas, etwa die gleichermaßen schwierige Angelegenheit des Verlierens und des Gewinnens. Ich denke, dass das mit Deutungen überladene Wort erleuchtet für unsere Zeit heruntergeholt werden muss oder kann, vor allem von hohen Himmeln. Und man kann bedenken, dass für die notwendige Klarheit vor allem Vernunft ratsam ist. Dass man eine Art Nüchternheit zulässt, die einem beides, Dabeisein und Zuschauen, möglichst mühelos ermöglicht. In der Welt geschehen gewaltige Dinge, und auch Wikepedia ist in gewissen Zusammenhängen nur ein flüchtiges Samenkorn. Es kommt ja ganz darauf an, wie sich das Ungewisse gestaltet, denn schließlich machen ja alle, die herumlaufen und herumstehen und herumliegen, wir machen also alle mit. Und egal, wie schwierig die Lage mir vorkommt, ich kann dennoch entscheiden, wie ich damit umgehe. Diese Freiheit ist jetzt auch gegeben, oder muss man hier wieder den Glückskeks bemühen, wenn man (durch puren Zufall, möchte man sagen) d a gelandet ist, wo das persönliche Leid sich in Grenzen hält. Auch weiß man ja nie, wie lange das anhält, das weiß man auch nach 70 Jahren Frieden noch nicht, denn wie kann man es wissen? In gewisser Weise (und nur einer Variante) verkörpert ja das Virus das Ungewisse. Es ist überall und gleichzeitig nirgendwo, es bietet weder Schutz noch direkte Bedrohung und arbeitet vor allem im Unsichtbaren, wo sich auch die Anti-Körper versammeln, wenn sie das tun. Auf jeden Fall ist man beschäftigt als Steuerfrau, die Sichtweise schweifend, den Blick aber mit der Richtung verbunden.
Vieles, was permanent um die Pandemie kreist, kann einen angähnen, und man muss aufpassen, dass man nicht zurückgähnt, obwohl Gähnen bekanntlich ansteckend ist. Alle Filmvorstellungen werden zurückgefahren, ich meine jetzt die persönlichen, bereits vorgestellten oder schon bestellten Szenen, die man zu erleben glaubte in einer Zukunft, die es noch nicht gab und die auch kaum einer visionieren konnte. Das nach wie vor Surreale an dem ganzen Vorgang vertieft sich in der Wahrnehmung. Ein heimliches Erlöschen von Welten, die nicht mehr bestehen werden. Gleichzeitig die lang ersehnte Atempause der Natur, wie von selbst erschienen, beziehungsweise im Zugzwang der Katastrophe. Damit man noch mal sehen kann, wie schnell sich Elemente und Menschen und Tiere auch erholen können (oder sterben), wenn das, was zu vernichten droht, nicht zu weit getrieben wird. Wer treibt es zu weit? Gehören die ungezählten gequälten Lebewesen des Augenblicks schon zum Zuweit? Natürlich gab’s das immer schon, man wusste nur nicht alles gleichzeitig, musste es verdauen und einordnen, oder dem Chaos überlassen und ohne Kompass weitermachen. In der Ruhe, die ein paar präzise Einstellungen hervorbringen kann, entdeckt man immerhin die Freiheit, mit der man auf das Erlebte antworten kann. Es muss ja keine fixierte Weltanschauung sein, wie man sie überall und jederzeit in Hülle und Fülle finden kann, sondern man kann die Sicht kreisen lassen um die Verbindungen herum, die geknüpft werden, um Erfahrenem einen Sinn zuschreiben zu können. So betrachtet man die Welt in rotierender Bewegung, ohne die Wirkung des inneren, unsichtbaren Kerns außer Acht zu lassen. In jeder Hinsicht ist es aber eine einsame Sicht, wenn einsam jetzt erfahren werden kann als Seinsgefühl in einem virtuellen Raum, den keiner betreten kann, weil immer nur Eine/r Zugang hat zu dieser Quelle. Das ist, wenn ich’s mal so nennen kann, das Gute an der Lockdown-Welt. Die Welt der äußeren Verlockungen erfährt eine krasse Bremsspur. Allerdings scheint sich der ganze Inhalt in unermesslichem und unüberprüfbarem Ausmaß in die technische Welt zu ergießen, zu streamen also. Und auf einmal wird der jeweilige Geist des eigenen Stromes gewahr, ohne wirklich vorbereitet zu sein für diese rasanten Energien, die sich hier permanent bewegen, um das zum Ausdruck zu bringen, was sich, auf welche Art und Weise auch immer, durchsetzen konnte und das Spielfeld erreichen. In der Neujahrsnacht hatte ich eine afghanische Frau angerufen für den Happy New Year Gruß, da lag sie im Krankenhaus und hatte gerade einen Sohn geboren, der Elias heißt. In der Zwischenzeit weiß ich, dass Elias noch wegen seiner Blutwerte im Krankenhaus bleiben musste, während die Mutter schon zuhause ist. Schon hat er Schicksal, dachte ich, schon war er wegen dem Blut ohne Mutter. Auf einem Strang seines Lebens wird es darauf ankommen, wie er diese Begebenheit handhabt. Lange Jahre ist es mir ein eher fremdes Thema gewesen, aber jetzt sehe ich, wie präzise das Zusammenspiel zwischen Außen und Innen von Beginn an vor sich geht, und dass es stets und vor allem darauf ankommt, als wessen Geistes Kind ich die Geschehnisse handhabe, und wie gravierend oft die Wirkungen meiner Handlungen sind.
Wie dichte Nebelschwaden verbreitet sich das Ungewisse und das, was es mit sich bringt, in Innen-und Außenräumen. So eine krass unterbrochene Sucht wie der Kaufrausch z.B. kann leicht durch digitale Warenkörbe ausgeglichen werden. Was kümmern einen schon die Plattformen der Milliardäre, die man erfrischt. Hauptsache, man kriegt, was man zu brauchen denkt. Oft genug ist allerdings das ‚man‘ unangebracht, denn viele machen es einfach ganz anders. Wenn man nun das Wort ‚man‘ mit der Übersetzung in Hindi translatiert, heißt es Geist, und man kann es so sehen, dass alle eben (immer) genau d a s mit dem vorhandenen Geist machen, was jedem so einfällt. Es macht auch dankbar, dass man das Ungewisse nah an sich herangelassen hat, schon weit vor der Krise, ja, eigentlich durchweg herangelassen hat, woraus sich das Erstaunen darüber entwickeln konnte, was alles aus dem Lager kam, das in einem ruhte und nur aufgerufen werden musste und integriert in das Gesamtgeschehen. Etwa der Wille zur Weltoffenheit, oder der Wille zum Rückzug von der Welt. Wenn man Gefahr läuft zu ersticken an Unverdaubarem, den Missbrauchsorgien an Mensch, Tier und Umwelt. Und natürlich wäre es prima, wenn alle die große Stunde genutzt hätten eben genau zu dem hin, wo der Wurm sich seinen Weg bahnt und Sieger werden kann im Ausbau der Gefräßigkeiten. Das Ungewisse muss auch keine Angst machen, eignet sich aber offensichtlich prächtig, um Ängste hineinzuschütten, und Zweifel, und Vorsorgen, die eine Menge Sorgen nach sich ziehen, die sich niemals im Voraus so zeigen, wie sie dann wirklich sind, vielleicht also überhaupt keine Sorgen im Schlepptau haben. Alles, was das Nichtwissende ausdrückt, dient gern als frommer Kelch der Beängstigungen, also fürchtet euch nur nicht, wenn ein Mehrwissender bei euch ist, so, als käme es gar nicht infrage, dass ich selbst auf meiner Wanderung verstehen und wählen kann, was ich tue und wer ich bin. In diesem Abenteuer ist und bleibt das Ungewisse u.a. auch ein Potential, das ich nutzen kann. Das wahrlich beängstigende Ausmaß dieser Leere muss mir bewusst sein, und dass die Deutung, die ich auf diese Seiten schreibe, nur mein Text sein kann, egal, wie viele Workshops und Bücher und Trainings ich besuchen konnte, um mehr aus dem zu machen, was bis dato sichtbar wurde. Es gibt ja Spielregeln, die sich durchgesetzt haben, und zuweilen sind sie auch durchaus vernünftig, das macht sie brauchbar und akzeptabel. Dann gibt es Situationen, wo sich das Gemeinsame auflöst und jeder zurückkehren muss oder kann oder möchte, zu sich selbst also, um Klarheit zu erlangen über das, was in mir vorgeht. Auch dieser alte Weg hat sich vortrefflich verändert und braucht keine Höhlen mehr in den Himalayas, was es, hört, hört, der weiblichen Kraft ermöglicht, sich verhältnismäßig gefahrlos zu entwickeln. Es stellt auch nicht wie früher ein Hindernis auf diesem Weg dar, eine Familie zu sein, nein. Das Hindernis ist nur das Scheitern der eigenen Ausrichtung. Man begibt sich (da, wo man kann), in den Leer-Raum des Ungewissen, und sieht, wie man das Lebendige handhabt. Gelangt man trotz aller. oder auch wegen aller Gräuel in der Welt, zu einer gewissen nüchternen Grundeinstellung, da kann einem schon vieles gut gelingen. Ich freue mich auch immer mal wieder, wenn ich merke, dass der Humor mich nicht verlassen hat, sonst hätte ich ja Verlustängste.
Nichts macht immun gegen die Einsamkeit
Die aus der Kindheit kommt…wie zweite Masern.
Wenn nach dem letzten Lichtblick alles stargrau bleibt,
Die Fesseln (Verse, Träume, Frauenhaar) zerfasern.
Dass da kein Ohr mehr sein wird, das ihn wirklich hört.
Nachts, wenn sich Feldweg, Schulhof, Bahnsteig gleichen
Dämmert noch jedem, der aus langem Schlaf verstört
Erwacht im Unbekannten. Um ihn her die Leichen,
Ertrunkene im Traum, sie stellen Szenen dar
aus deutschen Märchen, Gute-Nacht-Geschichten.
Der Wald ist leer, das Einhorn fort, und von den Drachen
blieb nur der Städtehimmel, dieser kolossale Rachen
Dem er entgegenlebt. Schlaflos auf weiter Lichtung
erschrickt er, angelangt, wo vor ihm jeder war.
Die Jahreswende bringt auch immer unterschiedliche Konstrukte hervor, die man leicht für einigemeißelte Gesetze hält. Man darf es sozusagen nicht verpassen, selbst bei der Kurve dabei zu sein, die da gemeinsam zelebriert wird. Die Kurve gibt es ja gar nicht, aber im Kopf schon. Genau da, im Kopfinneren also, bereitet es sich zeremoniell vor, in das Ende des Jahres zu taumeln. Was war da? Wer war man da, als das alles noch da war? Man stürzt sich also in den zeitlosen Urgrund, den Strohhalm fest umklammernd in der Hand, bis man sich hingeworfen vorfindet an den Küsten des Neuen Jahres, zusammen mit einer Zahl in eine neue Ebene gerückt, wo es bald wieder zu ticken beginnt. Wohl denen, denen es gelungen ist, wenigstens ihren Schreibtisch ab-und wieder aufzuräumen, ein wunderbarer Vorgang, oder gar die überflüssigen Kleiderstücke herausgeangelt hat aus den Tiefen des Vergessens, zum Weitergeben als ein sich formell erneuernder Mensch. Einerseits gibt es den Willen zum Neusein, andrerseits den Wunsch zum Zurück. Da hat man ja auch meistens noch etwas zu regeln und herauszufinden, was nicht heißt, dass man nicht gleichzeitig bei sich sein kann. Aber zum Beispiel der Wunsch, das Ende der Pandemie möge uns alle in das Vorher zurückkatapultieren, wo alles war, wie es war, wird unerfüllt bleiben. Ganz sicher wird es anders sein, wie es der strukturelle Aufbau der Atome so auf sich hat, also auch hinter einem Danach wird es anders sein. Bezweifeln kann man auch nicht, dass das Virusgeschehen alle Gemüter in Bewegung gebracht hat. Leider ist es mit Ängsten belegt und für Freudesprünge ungeeignet, nicht, dass man dazu aufgelegt wäre, vieles ist einem auch vergangen. Uneingeschränkt kann einen des Menschen Wesen in Erstaunen und Verblüffung und Erschrecken und Grauen versetzen. Und unermüdlich wandert die Frage umher über des Menschen auffallenden Vernichtungswillen, der auf der anderen Seite die GegenspielerInnenkräfte hervorlockt. Und da, auf einmal, nähert sich die überscharfe Spitze eines Schwertes dem Mund, dem dadurch Aussage entlockt wird Es geht hier nicht um Standpunkte oder Moralbegriffe, sondern um Klarheiten, da, wo man sie selbst wünscht, weil nur an der eigenen Quelle Klarheit vorgefunden werden kann, man weiß ja noch nicht mal, wie sie da hinkommt. Oder weiß man es doch. So widerstrebt man einerseits nicht der Möglichkeit weiter sich öffnender Portale in der inneren Architektur, aber vergißt auch nicht, dass jedes System und jedes Konstrukt den gleichen Gesetzmäßigkeiten unterliegt wie man selbst: man kommt, man bleibt eine Weile, dann geht man wieder. Dazwischen kann einiges geschehen, ja, eigentliches alles, was man sich vorstellen kann, denn die Vorstellungskraft allein ist schon ein Luxusgarten. Die Umsetzung unterliegt andere Bedingungen. Für vieles muss man geeignet sein, sonst wird das, was die einen als normal bezeichnen, für andere zur Hölle. Der Lockdown eignet sich vielleicht am besten für Fragen, die man für beantwortungsmöglich hält. Wer weiß schon vorher, was da alles für Antworten kommen, und was sie bewirken in anderen.
Die menschliche Wahrnehmungsfähigkeit ist immens. Man kann sich geistig in einen Wald begeben, der Teil eines epischen Vorgangs (zum Beispiel der Ramayana) ist von etwas, von dem keiner weiß, wie und ob es tatsächlich war damals, aber das Laub kann man trotzdem riechen. Und dann sich andrerseits bewusst machen, dass wir, die Welteinheimischen, gerade einen ziemlich surrealen Tunnel durchqueren, dessen Licht sich noch nicht wirklich manifestiert hat. Oder hat es das schon. Die Straßen der Städte sind wie leergefegt, und uniformierte Einheiten überprüfen die Herumstreunenden auf dem Weg zum Irgendwohin oder von dort zurück. Auch in der Nacht zum jeweils neuen Jahr brennen die Drähte der Hilfstelefone, denn wer sich einsam fühlt, denkt vermutlich, dass es allen, die zusammen sind, besser geht, nur, weil da noch jemand anderes ist. Dann wiederum gibt es Tätigkeiten, für die Einsamkeit unbedingt wesentlich ist, denn es ist ja per se keine Folterkammer, sondern ein Reich mit großzügiger Ausstattung, in dem man sich d i e Bildung zukommen lassen kann, die den eigenen Anlagen entsprechen. Bis jetzt konnte auch die Frage nicht beantwortet werden, warum ausgerechnet dieser rastlose Viruswanderer einen derartigen Vollstau hatte hervorrufen können, und eine Statistik nach der anderen versiegte, ohne dass es weiter auffiel. Dunkel war’s, der Mond schien helle. Die Blickrichtungen wenden sich freiwillig oder aber zwanghaft neuen Gebieten zu. Jetzt kommt es vor allem darauf an, wie man das Konstrukt, in dem man sich bewegt, sieht. Wie man es sieht, und als was man es erkennt. Fühlt man sich rege beteiligt an dem Entstandenen und kann mit den vorübergehenden Varianten schöpferisch umgehen. Oder kennt man die Menschen eigentlich gar nicht mehr, oder hat sie vielleicht nie gekannt, nur gedacht, man kennt sie. Es ist ja nicht so einfach, sich von dem eigenen Blick zu trennen, was heißt trennen, man läßt ihn mal ruhen und schaut hin auf das, was da ist, und vielleicht sieht man da auf einmal etwas, was man vorher nicht gesehen hat, meist etwas Eigenes und Schönes, weil man es ohne den eigenen Blick hat da sein lassen. Auch bei diesen Festen oder kulturell geprägten Ritualen ist es sicherlich entspannender für alle Beteiligten, wenn nicht nur ungewisse Erwartungshaltungen rechtzeitig entdeckt und aufgelöst werden können, sondern man kann ja mal ganz neu schauen, wie so ein Vorgang sich aus sich selbst heraus gestaltet, also genau d a s möglich macht, was eben möglich ist unter den Gegebenheiten. Es war dann doch sehr unterhaltend durch all die Stunden, die ja immer lang sind und man sich entscheiden muss, ob man unbedingt um Mitternacht die neue Zahl einläuten muss oder darf oder kann. Da man alles machen kann, was man möchte, entscheidet man sich für das, was man möchte. So kommt alles mögliche Anregende zusammen und man hat wertvolle Zeit entspannt zusammen verbracht. Mein Lieblingsfeuerwerk, das mir zugesandt wurde, habe ich oben eingefügt. So ein zartes, lebendiges Knistern, eingebettet in transparente Ordnungen, wünsche ich mir und anderen. Das kann ja nicht schaden.
Frau durch Pralinenschachtelgitter schauend & Feuergott, zufällig im Ofen erscheinend.
Auch das gehört zum Ritual der Jahreswende, dass früher oder später der Begriff ‚Rückblick‘ auftaucht. Ja wie war’s denn so. Kam man an mit sich selbst im Nu, oder muss man sich noch an was abarbeiten, was noch kurz vor Mitternacht belichtet werden kann, damit die neue Zahl ihren Quantensprung mühelos hinlegt, einerseits nur für einen selbst, andrerseits für fast alle. Wer erfreute sich nicht an der auffallenden Harmonie der Zahlen, als 2020 mit der eigenen Hand geschrieben war und eine große ausgleichende Wirkung auf BetrachterInnen hatte. Nun wurde aber ziemlich schnell klar, dass nicht alles, aber sehr vieles um etwas wahrlich Unsichtbares herumzukreisen begann, dessen spürbare Präsenz in die tiefsten Verschränkungen der Hirnwindungen hineinwirkte. Denn da war es ja, das Schreckensgespenst, das es verstand, alle Hebel der Angst in Bewegung zu setzen, sodass da, wo Manipulationen sich durchsetzen konnten, vieles in gefährliche Bahnen geriet. Dennoch warf es, das Geschehen, alle großen Fragen auf und sie erschienen als Titelseitenartikel. Das waren ähnliche Fragen, wie sie auch Eremiten und immerhin ein paar Eremitinnen einst in dafür geeigneten Höhlen kontempliert haben, eben das Menschenmögliche auf all seinen erfahrbaren Ebenen, mal in nichts als Asche gekleidet, dann auch mal im Hermelinmantel, oder auf dem Elefanten reitend, oder im Jaguar fahrend. Dieses Aufbrechen des sogenannten Normalen durch eine Katastrophe schärft ganz sicherlich auch das Zusammenhalten. Immer werden Helden und Heldinnen beobachtet, wie sie das Unsägliche zu besänftigen und zu lindern suchen. Und der Tod, der sonst viel im Dunkeln arbeitet, nun aber vor aller Augen und im hellen Tageslicht vorübergeht oder trifft, wen er mitnimmt, diese Nähe des Vorgangs wurde ganz sicherlich sichtbarer für viele. Das Unausweichbare, mit dem man sich manchmal beschäftigen muss und das einen vieles lehrt, und sich dann Zeit lässt, bis die eigene Wahrnehmung geschärft ist. Dann weiß man, dass es gut ist, sich an die eigenenn Navigationsgeräte zu halten, damit der Kurs sich entwickeln kann. Auch wenn Kräfte hervortreten, die sonst anderweitig in Schach gehalten werden, nun aber verfügbar sind, kommt es trotzdem auf das ausgleichende Prinzip an. Es ist ja zuweilen sehr schwer zu erfassen, dass alles Sichtbare keinem starren Prinzip unterliegt, sondern jeder Mensch beteiligt ist am Erscheinenden. Es gibt keine/n, der nicht das Potential einer inneren Werkstatt in sich trägt, wo das, was sich draußen manifestiert, bewusst oder unbewusst gestaltet wird, u.a auch mit den Fragen, die derzeit zu finden sind: was ist wirklich, und gibt es eine wirkliche Wirklichkeit, war etwas wirklich und wie ist es zu erkennen, oder was kann eine gute Idee verhindern, zur Wirklichkeit zu werden. Kann ich wissen, dass ich es weiß, oder kann ich mich sicher bewegen, obwohl es ziemlich dunkel wird, vielleicht auch kalt und manchmal einsam oder voller Freude und total entspannt usw. Die Grundeinstellungen müssen immer mal wieder überprüft werden, möglichst nicht nur am Jahresende, damit die Updates gewährleistet sind. Aber das Jahresende eignet sich auch prächtig dafür. Und dann die Liebe, die mitspielt, immer noch als Geheimnis.
Sie stieg von einem hohen Ross herunter,
das nicht das ihre war, und band das Tier
an den Brahmanenpfahl. Ansonsten war
der Opfersaal nicht so gefüllt wie üblich,
im eigentlichen Sinne war er leer und fahl.
Doch war das Ende noch nicht abzusehen.
Ganz viele Gäste kamen einfach nicht. Der
Zeremonienmeister lud die Mitarbeiter ein
und sandte nach den himmlischen Künsten.
Kecke Muster wurden auf Wasser geworfen.
Feiner Schmerz kam vom Glanz großer Säulen
wie das erinnerte Glück, als die Sonne erlosch
mit dem letzten Geist in den Steinen.
Vom Tief und dem ewigen Brunnen kam
die Zeugin und schritt allein und lächelnd
durch den Ort. Ein Engel stand und wartete
auf sie am anderen Ende des Dorfes.
Zuerst habe ich das unselige Wort in den amerikanischen Nachrichten gehört: ‚herd immunity‘, etwas, wovon Trump mal nebenher gehört hatte und einleuchtend fand. Der Herd-Immunität könnte man noch ein müdes Lächeln abgewinnen, aber es heißt ja Herdenimmunität und ist nun durch Verimpfung auch hier angekommen mit Worten, die man nicht unbedingt in weitere Sprachen übersetzen möchte. Aber das wird gemacht oder ist schon gemacht worden, damit alle wissen, was es ist und werden soll, eben eine durchgeimpfte Menschenherde. Hat man schon mal den begeisterten Blick über bildschöne Herden gleiten lassen können, Schafherden, Ziegenherden, Kuhherden, dann weiß man, wie bereichernd das sein kann. Manchmal bin ich in Indien mit den meist noch kindlichen Hüterinnen und ihren Herden durch den Sand gelaufen, bis sich unsere Wege getrennt haben, denn sie mussten viel weiter gehen als ich, um noch genug Fressen für die Tiere zu bekommen. Aber wenn man eine Menschenmenge eine Schafsherde nennt, tut man Tieren und Menschen unrecht. Beliebt ist der Ausdruck in Religionszusammenhängen, wo sich meist Männer zu Hütern von Herden aufschwingen, wissend, dass so etwas stets von vielen gewünscht wird, eben den Hüter der Schafsherde. Bei Tieren freut man sich ja durch die allzeit beliebten Reportagen von fernen Wildebenen darüber, dass Herden ganz ohne Hüter prächtig zurechtkommen mit ihren eigenen, natürlichen Ordnungen. Wenn man eine Weile auf dem Planeten unterwegs ist, kommt einem das Leben der Menschen gar nicht mehr so natürlich vor. Oder wenn man bei einem Geburtsvorgang dabei sein konnte, relativiert sich zumindest einiges in den persönlichen Vorstellungen von dem, was man unter ’natürlich‘ verstehen wollte. ‚Natürlich‘ finde, oder soll ich besser fände ich sagen, wenn Menschen ihr Leben in gleichberechtigter und gleichberuflicher Freude als Hüter und Hüterinnen erfahren könnten, sozusagen den Garten und die Wüsten und die Wälder gemeinsam in Ordnung halten, so, dass jede/r das Optimale davon hat, das Natürliche eben. Aber offensichtlich gehört auch das Verrückt-Werden zu den Möglichkeiten des Menschen, und wenn das Verrücktsein als das Natürliche nicht nur verkauft, sondern auch gekauft und bezahlt worden ist, dann, ja dann, ja dann. Sie behandeln uns wie Tiere, sagen die Flüchtlinge in den schrecklichen Höllen der Menschenkultur. Man merkt kaum noch, dass es auch was über den Umgang mit Tieren aussagt, so wie im Tönnies-Skandal, wo die Schweine nicht mal erwähnt werden, weil man weiß, dass man s o weit nicht gehen darf mit den Nachfragen, denn in der Tat, vieles ist zu weit gegangen. Und wenn selbst die Hilfswilligen sich zurückzuziehen, weil sie an das Ende ihrer Kräfte oder Vorstellungen gekommen sind, dann lässt die Weltgemeinde halt Menschen irgendwo im Unerreichbaren verhungern und verdursten, oder benutzt sie beim Sterben als abschreckendes Beispiel für eventuelle Nachkömmlinge. Die Ratten, so sagt man, nagen an den Kindern, das habe ich schon mal aus den Slums von Bombay gehört. Da hilft einfach nichts mehr, vor allem aber keine Staubsammlungen von Mond und Mars. Das scheint eine ganze Weile weit auseinander zu liegen, die Themen, die Forschung, die menschliche Entwicklung. Aber nicht wirklich.
Schließlich rückten alle zusammen und ließen sich’s gut gehen, sofern sie oder wir oder ich das konnten. Dieses Jahr wird vermutlich lange nicht vergessen werden, und vielleicht werden demnächst Computer die noch Überlebenden trösten, wenn die kollektive Überforderung mit weiteren Virus-Mutationen nicht den Wunsch nach Trost zum Erlöschen gebracht haben werden wird, oder nicht alles schon wieder anders gekommen wäre, davon kann man ausgehen. Gut ist auf jeden Fall zu wissen, wie es einem selber geht. Ich hatte mich ja redlich durch die Weihnachtssymbolik schon Tage vor dem Event durchgeschleust, so, wie ich das oft in Indien gemacht habe: mal herausknobeln, um was es eigentlich geht. Am Abend waren wir zu fünft, Lichter und Leuchter brannten, später echte Honigkerzen am Baum. Wir kamen alle aus einer anderen Weihnachtsgeschichte. Mal waren Lieder verpönt. mal wollte jemand sie endlich mal wieder hören nach all den Jahren. Das köstliche Mahl. Dann, wie von Geisterhand angelockt, tauchten Familienmitglieder in den getrennten Erinnerungen auf, und zuweilen konnte man den Geruch einer Wiederholung in der Nase spüren, den kleinen Schalter am Puppenhaus. Auf dem Herd konnte man richtig kochen, es gab viel zu tun. Offensichtlich war gerade da nichts Schreckliches passiert, wie das so oft ist, wenn die Emotionen hochkommen, weil man gar nicht gewohnt ist, beisammen zu sein. Um ein paar Jahre willentlich ärmer zu werden als die Ärmsten, musste ich schon in die Wüste gehen, eine Art Entlastung unfreiwillig getragener Bürden, so wie Kriege in den Kindern leben, ohne sie verursacht zu haben. Hey“, das gehört mir ja gar nicht, kann man da denken und es zurücklassen. Nur das annehmen, was wirklich für einen da ist. Nicht, dass es das schon fertig gibt, nein, man selbst muss am Formen beteiligt und froh sein, wenn sich ein Mittel auftut, eine Fähigkeit, ein Talent, das einem das eigene Rästel belichten hilft. Auf diesem Weg darf allerdings die Beleuchtung auf nichts zu lange ruhen, damit die Erfrischung der Befindlichkeit gewährleistet ist. Gleichzeitig ist es das Gegenteil von Ablenkung. In der Ablenkung, so willkommen sie zuweilen sein mag, muss man immer sehr viel steuern, denn wenn man d a s, was man aufnimmt, nicht hereinlässt, kann man mit keiner Wirkung rechnen. Nicht, dass man mit Wirkung rechnen muss, man muss sie nur kennen. So, wie man die Wirkung des Waldes kennen muss, um zu erfahren, wie heilsam Luft und Grün und ein offener Himmel darüber sein können. Zur Zeit ist der Wald sehr voll, die Lungen freuen sich über die Sonderbehandlung. Diesmal dauert es länger, bis etwas, was sonst schneller vorbei ist, irgendwann endlich vorbei ist. Kunstvolle Logistik setzt sich in Bewegung, um die Menschheit durchzuimpfen. Neugebackene Milliardäre betreten das Spielfeld. Egal, wie übel die Verluste aussehen mögen, es gibt immer auch die Gewinner. Daher tut es gut, sich an das zu halten, was einem förderlich vorkommt (für sich selbst und für andere).
Heute, höre ich in den Nachrichten, wird für verfolgte Christen gebetet. Verfolgte Christen, verfolgte Juden, verfolgte Muslime, verfolgte Hindus, die Hutu und Tutsi Ebene eben, wo Schranken fallen, die zu weiterem Sterben und Missbrauch führen. Nicht, dass sie da sein müssten, oder müssen sie doch immer da sein, wenn man sich über die Vielfalt der Weltwahrnehmungen keine Illusionen mehr macht. Wenn man weiß, dass der Mensch zu jedem Höllengang bereit sein kann, und auch in ziemlich erhabene Atmosphären sich zeitweilig begeben kann. Nicht durch die Selbstüberschätzung, sondern durch das Staunen, was einem alles auch an Gutem und Vorzüglichen geschehen kann, ohne dass man erkennen kann, etwas dafür getan zu haben. Aber vielleicht war es doch die oft unsägliche Mühe, sich aus gelungenen Schöpfungsprozessen auch wieder herauslösen zu können, oft durch kluges Vermeiden belehrender Vorschriften. An andrer Stelle wäre es albern, sich gegen sie zu wehren, an wieder anderer Stelle wäre der zu bezahlende Preis zu hoch. Der japanische Spruch, der besagt, dass es Wichtigeres gibt als das Leben, kann die Wirkung eines Schwerthiebs hervorbringen. Man versteht gleichzeitig nichts und alles, denn man hat ja einerseits nur das eine Leben, zumindest in der jetzigen Fassung, und doch muss es einen Preis geben, der zu hoch ist für den Erhalt dieser Fassung. Dann hat man vielleicht (doch) etwas getan, was nicht wieder gut zu machen ist, wobei es auch da nicht nur darauf ankommt, dass alles gut‘ werden muss. Was ist schon gut. Gut können immer nur Bewegungen sein, die eine wohlwollende Ausrichtung in sich tragen, so, wie uns das vor Jahren der dafür gerühmte japanische Forscher mitgeteilt hat über die nachweisbare Wirkung also des beschriebenen oder besprochenen Wassers. Entscheiden muss man sich auch, ob man mit dem Strom oder gegen den Strom schwimmt. Vielleicht kommt es auch gar nicht so sehr darauf an, dass man irgendwo Bestimmtes ankommt, und der Weg ist wirklich das Ziel. Über was man dann noch redet, kann man auch vom Dalai Lama oder Erzbischof Tutu nicht lernen. Was man vielleicht beobachten könnte ist, dass sie sehr viel lachen. Es gibt ja auch zum Glück viel zum lachen, und wenn einem mal selber wieder das Lachen vergangen ist, sich aber unbedingt aufheitern möchte, kann man in eher harmlosen Situationen zum Beispiel zu Loriot greifen, der wirklich den Kern menschlicher Verlogenheiten so trefflich zu skizzieren weiß, sodass so ziemlich jeder verstehen kann, um was es da geht. Das sind Sonderbegabungen, deren Witz und Humor sich aus seherischen Abgründen hervorgearbeitet und den Tunnel hinter sich gelassen hat. Jetzt empfiehlt es sich nicht mehr, den anderen Menschen durch Illusionsbereitschaft zu schützen oder schützen zu wollen oder zu glauben ihn schützen zu müssen, nein. Allein ist man bei diesem Abschied. Wenn an der Spitze der großen Pyramide eine körperdurchlässige Öffnung entsteht, können alle, die möchten, da durch, aber immer nur einer allein. Es gibt vieles, was man nicht gemeinsam tun kann. Auch entscheiden kann immer nur einer allein. Wenn andere dabei sind, die auch entscheiden können, fängt eine neue Kunstfertigkeit an. Manchmal schießen Lehrstätten wie Pilze aus dem Boden, weil so viele auf einmal wissen möchten, wie Menschen eigentlich miteinander zurechtkommen. Es würde doch nicht so viele Arbeitskreise zu den diversen Themen geben, wenn keine Notwendigkeit gespürt werden würde nach tieferem Verstehen der menschlichen Verhaltensweisen. Das Bild hoher Türen und weiter Tore geistert durchs Haus. Kein Heiland in Sicht, weil auch keiner erwartet wird. Nichts wird erwartet. Man kann sehen und erfahren, wie wohltuend das Licht der Honigkerzen auf den Raum wirkt. Vielleicht ist ja auch innen und außen alles so still, weil niemand weiß, wie es weitergeht.
Heute mal kein Bild, dachte es zuerst in mir (dann aber doch). Erst einmal die Korridore duchfegen, dort, wo die Weihnachtsbäume sich stapeln und die Kugelboxen. Oder hallo!, sind sie da wirklich vorhanden? Oder ein wohlwollendes Sicherinnernwollen an geöffnete Flügeltüren, hinter denen die Märchenwelten lauern, in denen Helden und Heldinnen das Zauberstück Leben zu meistern und zu bezwingen verstehen. Nicht wie hier, wo das nur durch einen Nadelstich Bezwingbare einen vor dem Drachen schützt, doch welcher Drache?, welches Schiff?, welche Richtung? Man kann sicherlich so einem Fest, das eingebettet ist in die vorherrschende Religion, nicht so leicht entkommen. In Indien habe ich einmal ein paar Jahre lang eine gute Lösung gefunden und habe die Tage vom 24. Dezember bis Neujahr ohne Kontakt nach außen verbracht und vorher meinen Bekanntenkreis gebeten, mich nicht zu kontaktieren. Morgens brachte mir jemand Chai, ansonsten war ich gut ausgerüstet. An Weihnachten strömten Foreigners herbei zum Feiern, das erschuf sehr bald die berühmten und berüchtigten Christmas Parties. Ob hier in den Häusern das Christentum tiefer kontempliert wird, weiß ich nicht, weil ich es mir nicht vorstellen kann. Immerhin gibt das verbleibende Gerüst eine wirksame Stütze, u.a. auch gegen die herabsinkende Glaubwürdigkeit gelebten Lebens. Zumindest verfremdet auch hier der Missbrauch den Blick, und ’nobody is perfect‘ ist nicht immer die erlösende Antwort, vor allem, wenn innere Verbindung nicht mehr gewährleistet ist. Ich selbst hatte mir vorgenommen, den Weg zum Fest mit Einlassen zu pflastern. Mal hier, mal dort einlassen und schauen, wie es ist, wenn es da ist. Denn unweigerlich kommt es heran, und man hat Glück, wenn man gelassen bleiben kann, nicht nur am Abend, sondern schon Tage vorher. Einerseits ist man allein, und andrerseits doch nicht. Je geringer die Erwartungshaltungen, desto gelungener kann sich das Feld potentiell gestalten. Man darf nur nicht versuchen, mit Anderen zu harmonisieren, sonst muss man mit Enttäuschungen rechnen. Etwas gänzlich Unerwartetes kann (wie stets) geschehen, und unwillkürlich denkt man ‚und ausgerechnet an Weihnachten‘, so, als hätte man da auf keinen Fall Zeit und keinen Kopf für solch eine lästige Störung. Dabei ist man ja nur der Akrobat einer kleinen Zirkusshow, vielleicht ein Trapezkünstler oder eine Seiltänzerin, das Seil zum Zerreißen gespannt, nun der Salto mortale familiare hinter sich gebracht, dann ganz überraschend die aufrechte Position wieder gefunden und erkannt, das Überleben zerbrechlich, aber möglich ist. Oder der Welt den Rücken kehren und sie entlauben von manch einem Blattwerk, das sie zuschüttet mit Deutungssucht. Wenn die Geschichten der Deutung nicht mehr entfliehen können, dann kann man immer noch das Blatt für sich selbst wenden. Vieles wird auch nicht vorgeschrieben und braucht keinerlei zwanghafte Resonanz. Günstig ist, wenn man sich am Abend oder am nächsten Mortgen mit Freunden darüber austauschen kann. Dass eben d a s, was ist, einfach so ist, wie es ist. Die Vorstellungsweite der Handhabung ermöglicht einen enormen Freiraum. Und klar muss man das Abenteuer reflektieren. Wie soll man sonst sicher durch das Ungewisse ziehen.
Man kann einfach neidlos zugeben, dass Humor, wenn es denn Humor ist, die Sachlagen ziemlich gut trifft. Manche lauschen gerne der Kundgebung, und andere möchten ihre Ruhe haben, beides kann man verstehen. Ich kann an einem Morgen mal freiwillig die Zahl der (Corona)-Toten ziemlich hoch finden, brauche aber nur zu warten, bis mich jemand auf die Diabetes-Toten hinweist, und sicherlich findet man haufenweise Beweise für dies und jenes und versucht dann einzuschätzen, ob und warum man sich aktiviert fühlt, über etwas nachzudenken, was um einen herum eigentlich gar nicht passiert. Man kann es natürlich auch als eine Raumerweiterung sehen, in der man durchaus berührt werden darf von den nackten Tatsachen. Zum Beispiel werden, u.a. mit Militärhilfe, die Seniorenheime und Pflegeanstalten mit dem Impfstoff gestürmt, so als müssten gerade diese Geschöpfe, oft genug unter Medikamenteneinfluss dahindämmernd, vor sich selbst gerettet werden, aber meist doch eher vor den Rettern gerettet werden sollten. Gerne wüsste ich, ob sie überhaupt gefragt werden, ob sie das wollen, nur, weil man sie als die Gefährdeten deklariert hat. Und ja, einsam sterben ist nicht schön für diejenigen, die das auf keinen Fall gewollt hätten, wäre es anders gekommen. Bis zur letzten Stunde gilt die simple Weisheit des also des Sprüchleins, dass es anders kommt, als man denkt. Und wenn es genauso kommt, wie man gedacht hat, ist das auch nicht unbedingt die frohe Botschaft des Lebendigen. Das wird vermutlich ziemlich geballt dieses Jahr im atmosphärisch geladenen Weltzustand. Überall in den politischen Lagern ächzt und bebt es, und der geballte Schrei nach verfügbaren Immunitäten auf allerlei Ebenen kann nicht überhört werden. Wer bin ich, wenn ich niemand mehr bin. Oder immun werden muss gegen den, der ich wirklich bin. Manchmal geht es zu weit über den Rand des Spieles hinaus, da stürzt der eine in den Abgrund, und der andere steigt auf. Auf jeden Fall braucht man Übung darin, die delikate Balance zwischen Ich-Verhaftung und Individualität gut auszutarieren, und d a s permanent, ohne Pause, und natürlich auch in den Ferien. In einem Lockdown ist das auch sehr günstig. Ja, kapiere, Papa Staat zwängt mir was auf, was ich nicht selbst geplant habe, Mist, aber das ist ja nicht alles, was geschehen kann, wenn man Spielräume geschenkt bekommt, die man kreativ ausschmücken kann. Beim Weihnachtsbaum hat’s bei mir jetzt nicht so gut geklappt, zu fremd war mir dann zwischendurch doch das Nadelgestrüpp, aber gut, er verändert automatisch den Blickwinkel undsoweiter. Alle tun, was ihnen einfällt, das ist ja nicht an den Baum gebunden. Eine Empfehlung, die ich gerne geben kann für etwas düsterere Momente: Man gibt ‚Mr.Bean Krippenspiel‘ ein, und wenn man bemerkt, dass man darüber nicht lachen kann, dann hilft nur noch direkte Begegnung mit dem Lebens-und Liebenswerten, das man selbst aus sich herauszulösen sucht. So ein Fest, das eh schon immer viele emotionale Quadrate gebiert, ähnelt dieses Jahr tatsächlich der Quadratur des Kreises. Es ist den WeltbewohnerInnen gelungen, das ganz und gar Unvorstellbare als das Normale zu integrieren. Wenn das kein Quantensprung ist. Schwierig wird’s nur, wenn man das Vergangene wieder haben will, das ist bei so einer Kollektivakrobatik leider nicht drin. Und langweilig kann man das Spiel nun wirklich nicht nennen. Der letzte Akt ist zwar gelaufen, alle SpielerInnen sind zuhause. Aber genau d a kommt d a s, was noch keiner beschrieben hat, weil es gar nicht geht, denn es ist d a s, was ist, das kommt dann in Erscheinung. War das auch schon immer da, kann man sich da fragen etcetera. Ich wünsche gute Stunden aus der Wundertüte.
Dann muss man ja auch die Vorgänge in sich zulassen und zusehen, ob sie einen Ausdruck finden, und in dem Ausdruck dann etwas sehen und erkennen, was einerseits mit einem zu tun hat, andrerseits kann es auch ein Symbol sein für das zeitlose Vorkommen dieses Geschehens. Zum Beispiel (des Bildes oben) ist es nur insofern an die Ewigkeit des Erscheinens gebunden, solange ein Mann und eine Frau und ein Kind in der Welt herumirren auf der Suche nach Schutz und Geborgenheit, die leider nicht vorhanden sind in dieser Situation. Übernimmt aber immer mehr die Technik die bisher als natürlich bekannten Vorgänge des menschlichen Wesens, dann verblassen natürlich die Bilder wie aus vergangener Zeit, oder eben wenn kein Mann und keine Frau mit einem neugeborenen Kind in der Kälte einem Diktator und seinem uneingeschränkten Machttrieb mehr entfliehen muss, und dann noch mit einem Kind, das die Bereitschaft in sich trug, die Schmerzen der Menschen auf sich zu nehmen, dann würde tatsächlich eine neue Welt entstehen, oder zumindest eine starl veränderte. Immer lohnt sich ein frischer Blick, mal aus dieser, dann aus jener Perspektive heraus gesehen, denn die Geschichten sind ja da, um enträtselt zu werden. Und wenn einen das Welträtsel interessiert, und zwar bei aller verfügbaren Stocknüchternheit, so braucht auch d a s eine gewisse Übung. Zum Beispiel, dass ich keine Christin sein muss, um mir den ganzen Vorgang mal vorzustellen, also mir selbst Einblick zu geben in die Geschichte(n), und mich ruhig inspirieren und bereichern zu lassen von den epischen Gedankenwelten. Dass allerdings all das, was sich da jeweils abspielt auf dem Planeten, dem Versuch unterliegt, es zu erfassen, und ist an keinem Punkt der Story eine endgültige Antwort, also des Rätsels Lösung auch nur potentiell möglich. Gleichwohl unterliegt es gewissen Gesetzen, die so ziemlich jeder Mensch verstehen kann, vorausgesetzt, er stößt auf die Formel und ist daran interessiert, sie zu ergründen. Die durchaus einfache Nachvollziehbarkeit von Ursache und Wirkung. Oder die Wahrnehmung des dualen Prinzips als einem Lernvorgang, an dem sich jeder beteiligen kann, aber natürlich nicht muss. So entsteht unendliche Vielfalt aus sehr einfachen Urtönen heraus, die man dort an der Quelle vermutlich noch ‚harmonisch‘ nennen kann, wenn da tatsächlich (und letztendlich) etwas sehr Lichtes in sich selbst ruht, das automatisch und ohne Absicht das Dunkel angemessen belichtet. Wodurch es sichtbar wird und (angeregt durch den Titel des Buches von Carolin Emcke) auch sagbar. Ja, weil es sagbar ist.
So so!, der Kleine ist also schon mutiert. Weitere Grenzen werden dicht gemacht, die Straßen leerer, die Räume voller. Man kann sich das verhältnismäßig mühelos vorstellen, wie die Höllenfeuer der Angst geschürt werden durch immer bedrohlichere Nachrichten, die keiner mehr einschätzen kann, denn die Einschätzungskraft hat ihre vorläufige Grenze erreicht. Während digitale Weihnachtschöre ihre Lieder einstimmen oder die erwünschten Bachkompositionen in die Wohnungen übertragen werden, wächst die Angst vor dem Ungewissen. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, das ist ein sehr schöner Gedanke, aber leider gerade nicht durchführbar. Auf der gegenüberliegenden Seite vom Höllentor plaziere ich jetzt mal eine Gegenbewegung. Und da wird, leider auch über meinen WhatsApp Kanal, zur Massenmeditation aufgerufen, und da läutet und bimmelt‘ es auch, hier zum Aufbruch ins Wassermannzeitalter, in dem ein Strohhalm die Menschen hervorlockt und sie an ihr Besserseinkönnen erinnert. So, als wüssten wir nicht aus Erfahrung, wie schwer das ist, etwas besser machen zu lernen als das, wie man es bisher gemacht hat. Wenn man das will!, denn hier ist auch das Ende des Zwanges. Man muss sozusagen am Tor den zwanglosen Passagierschein abgeben, und von da an überprüft überhaupt keiner mehr irgendwas, denn es gibt gar nichts mehr zu überprüfen. Man spürt das Beschwingte am Sein, und erlebt das ‚Werdet wie die Kinder‘ vermutlich eher so, dass eine Unbefangenheit eintritt, die als Garant nur die Richtlinie der Bemühung hat. Sie versichert, dass Unbefangenes und Knowhow sich verbinden können, dann fallen schon eine Menge Sorgen weg. Nun ist auch die Kraft des unbewussten und des bewussten Kollektivs nicht zu übersehen oder zu überfühlen, und man muss schon auch daran arbeiten, dass man sich nicht zu fürchten beginnt, oder zumindest weiß, wovor man sich tatsächlich fürchtet. Dem Tod wird viel Macht gegeben, wenn man nicht bedenkt, was das für einen bedeuten kann, also der oder die Eine, der oder die man ist, und dann nicht mehr da ist. Nun prallt gedanklich diese Kernidee des erscheinenden Kindes und des Lichtes des damit verbundenen frischen Zeitalters natürlich zusammen mit dem Zunehmen der Todesangst, und man darf gespannt sein, ob das nun wirklich das Schachspiel zwischen Gott und Mephisto ist, wenn wir Gott hier mal kurz als die kosmische Substanz des Universellen (oder so ähnlich) sehen können, also nicht der weiße Bart und die Wolken, sondern das Absolute, das jenseits des Zweifels liegt. Wenn im dunklen Netz fast genauso viele MeisterInnen ihre geistigen Webstühle schärfen und ihre Waffenlager entstauben wie die MeisterInnen des Gegenspiels, kann man in der Tat gespannt sein, ob sich alles noch einmal entwirren kann oder der Wunsch vom Ende gut, alles gut endgültig aufgegeben werden muss. Wobei genau dieser Akt das Gute hervorbringen könnte, eben, wenn man es nicht mehr als zwingend empfindet und sich für die Zuwendung entscheidet, für die Nüchternheit, die Klarheit, die Einfachheit. Und wer sollte mir auch erklären können, was d a s für mich ist, bin ich doch selbst ständig dabei, es zu erkunden.
Mit der Weihnachtszeit geht es mir eigentlich so wie mit dem Virustrip, im Sinne, dass ich sie beide nicht leugnen kann. Man müsste ja extra Leugnungskräfte aktivieren, um so tun zu können, als wäre etwas nicht da, obwohl es unleugbar da ist. Selbst die Paketausträger, mit einigem Mitleid für ihre extra Schufterei gepriesen, konnten berichten, dass es nicht so weh tut, weil die Menschen freundlicher sind um die Weihnachtszeit herum. Man muss ja auch mal die guten Berichterstattungen reinlassen in das mit Misstrauen gesegnete Einlasstor, alles innerlich gesehen, und dem Staunen sind nun wirklich kaum mehr Grenzen gesetzt. Und dann wird eh, bei stark dosierter Einschränkung wegen der Virenwanderschaft, alles herausgekramt, was jedes Jahr irgendwo und irgendwie so oder so oder wie oder was wieder sein soll, außer man gehört dieses Jahr zu den Leidenden oder den Trauernden. Zu der Weihnachtsromantik bin ich nicht geeignet, eher zur Weihnachtsnüchternheit. Das heißt ja nicht, dass man sich eine Staunensabstinenz auferlegen muss, nein, ganz im Gegenteil. Man nutzt die Gelegenheit und lässt mal so richtig die himmlischen Heerscharen herumsausen, und wer möchte sich nicht gar heimlich eine Lichtbotenmessage wünschen, klaro, kann nicht schaden. Frieden auf Erden! Und wenn ich schon beim Wünschen bin, dann wünsche ich heute allen gerade Anwesenden gute Besserung und vor allem, dass es keinem dieser Dummköpfe in den Regierungszentren so mies geht, dass sie die Welt an ihrem Gedankenfelsen zertrümmern wollen. Ich bin immer mal zutiefst dankbar für die vielen Jahre, die ich selbst in einem friedlichen Kontext leben konnte, im Orient wie im Okzident, das ist schon auch Glücksache, wobei Deutschland noch den Vorteil hat, die Hölle bereits verarbeiten zu können, während andere Länder die Hölle noch vor sich haben. Zu ‚Hölle‘ kann man die ‚Göttliche Komödie‘ lesen, wo sich Dante geradezu unerschöpflich zeigt in höllischen Vorschlägen, damit auch jede/r versteht, wie höllisch die Dinge sein können, allerdings muss man sich durch den Text ackern, bevor es wieder Lichtblicke gibt. Wir sprachen dann über Beuys und dass er als Mensch ein Kunstwerk war, also das schlechthin Unkopierbare, und dass er, warum auch immer, als leuchtender Kopf hervortrat in der Menschenkette, also eine Menschengeschichte verkörperte, in die das Kairoslicht einfiel und eine Strahlung weit über sein (sehr) persönliches Feld hinaus in die Welt sandte. Der das Wortlose selbst in die Worte bringen konnte und damit klar machte, dass auch das nicht das letzte Verstehen ist. Und so wird es bald viel zu hören geben über den Künstler, und der ist tot und kann nichts mehr dazu sagen. Auch Jesus kann sich natürlich partout nicht mehr dagegen wehren, was die Christen mit ihm gemacht haben und weiterhin machen, und was sollte er schon sagen. Trotzdem wollen sich einige geißeln oder Hollywoodfilme drehen, und nicht jede Enthemmung führt automatisch zu Gutem. Man muss dann auch wissen, was man eigentlich unter Gutem versteht. Jenseits von all dem ist es ja einfach schön, wie es überall, wo man hinschaut, glitzert. Und niemand weit und breit, der einem befehlen könnte, eine Bourka überzuwerfen, damit das, was man ist, darunter verschwinden muss, nein! Es ist Weihnachten, das Fest der Liebe und der Pandemiebekämpfung, und alle freuen sich über ein freundliches Lächeln. Oder nicht.
Man, beziehungsweise ich, kann es ruhig ein kleines Wunder nennen, dass mir (dieses Jahr bewusst das deutsche Weihnachtsfest wahrnehmend), einfiel, dass in einer abschließbaren Metallkassette, wo die verhältnismäßig schmale Auswahl meiner ehemaligen, also kinderzeitlichen Photos und Briefe lagern, dass eben dort auch die Weihnachtsgeschichte liegt, mit meiner 7-jährigen Handschrift offensichtlich vorsichtig gestaltet und geschichtlich wahrheitsgetreu wiedergegeben. Auch die Hirten, nein, es sind eben n i c h t die drei Könige, sonst würden sie ja die schweren Geschenke dabei haben, sondern es sind die Hirten, alle mit einem Hirtenwanderstab ausgerüstet, zu denen der Engel, der sie natürlich erstmal erschrickt, dann sagt ‚Fürchtet euch nicht!‘, ein Satz, den man vor allem in Coronazeiten praktisch zu jedem, dem man begegnet, sagen könnte. Auch, bemerke ich, tauchen bei meiner Geschichte die Könige gar nicht auf, es geht vor allem um die Hirten, die nach Bethlehem gingen, um selber nachzuschauen, was dort los ist. Auch lasse ich mir von anderen nicht erzählen, dass das Kind in einer Höhle geboren wurde, das wäre ja gelacht. Bei mir ist und bleibt es der Stall, in dem es geboren wurde, denn wo sollen denn sonst die Kühe und Ochsen herkommen, von denen kaum einer spricht, dabei ist es vermutlich ihnen zu verdanken, dass das Jesuskind überlebt hat. Dann gäbe es kein Christentum und jemand anderes hätte kommen müssen, um die geistige Lücke zu füllen. Religionen sind ganz sicher (u.a.) geistige Heilstationen, wo die Nichtgesehenen sich gesehen fühlen und die Wortlosen tröstende Worte vorfinden, wenn man nicht gerade in einem Zen-Kloster landet, wo es um andere Dinge geht als Trost. Obwohl man so ziemlich alle Lehren und alles Wissen in letzter Konsequenz als ein Trostpflaster sehen kann, unter dem sich die Wunde schließt, aber nicht als Geheiltes in Erscheinung treten kann. Es ist natürlich auch so, dass Maria und Josef und das Kleinkind ja nie wirklich gestorben sind, sondern sie leben überall weiter, in Moria, in den unmenschlichen Zuständen der Ghettos, in den Wohnzimmern. Es ist kalt, sie haben nichts zu essen und frieren. Wenige der Kinder werden als Jesus herangedeihen, wissen wir doch, dass keine Geschichte wiederholbar ist, so sehr es auch so scheinen mag. Immer ein anderer Hunger, immer ein anderer Krieg, immer eine andere Familie. Und die, die mehr als genug haben und unterwegs sind, um noch mehr in ihre Häuser zu tragen, denen tun dann um Weihnachten herum natürlich solche leid, die aus welchen Gründen auch immer an diesem Schwirren und Wirren nicht beteiligt sein können. Das dürften gerade mehr als sonst sein, denn wenn das so weitergeht, dann betrauern zur Zeit täglich Hunderte von Familienangehörige eine/n Angehörige/n, der oder die entschwunden ist. Man denkt, das alles wäre ein guter Grund für Besinnlichkeit, ein Wort, das gerne an Weihnachten auftaucht und das man im Mund förmlich zergehen lassen kann. Besinnlichkeit…Die Kunst, mit einer gewissen Gelassenheit Sinn in das Erleben hineinzuschenken?, oder wie auch immer man das für sich reflektieren würde. Was es ist, wo es sich versteckt, und wie man da hinkommt.
Manchmal muss man sich in seiner Muße rühren,
wenn die Welt in Eis erstarrt, wenn der Mensch den
Menschen narrt, wenn es nicht mehr geht.
Jetzt wollen sich ja einige wieder treffen, nachdem
sich viele nicht mehr treffen konnten oder wollten.
Noch weiß ja keiner, wen er wirklich treffen sollen
wollte, denn alle haben viele anderen ja schon
getroffen, und trotzdem wollte keiner mehr betreffen
und betroffen werden. Es sind ja auch am Treffen
einige gestorben und andere am Nicht-sich-treffen-
können. Nun kennen viele, die sich früher oder später
wieder treffen werden, die eigene Erfahrung ganz
genau: sie wollen nicht mehr einfach alles machen,
denn auch der Mensch muss ja mal schließlich Leben
leben. Da werden alle Welten sehr, sehr fein: die
hohen künstlichen, die schon gekünstelten, die geistig
reichen von den Leichen-Teichen, sieh!, denn alle
Welten werden, was sie sind, ganz sicher sein. Lass
viel hinein! Lass viel hinaus! Ja, bald! Der Widerspruch
in sich ein Halt. Die Stelle kommt, wo ich, die Yoganauten-
Surferin, komm raus aus meinem Internetten-Schwellen-
Swing und bin zur Stelle, das Brett kommt an den Fuß.
Muße!, sagt es in mir zu mir, und lächelt. Ich treffe nun
die nektartrunkenen Amritoiden- TänzerInnen, es liebt
in mir den Singsang der Kernblütensüßigkeit, den
Lullabye-Love-Lang-Ling-Blues, dann hören wir News,
dann sehen wir Nu, dann sinnen wir nah an das Dran
ran. Ja! Ich und die anderen, und du.
Kurz vor Weihnachten, also vor der angeblich stillsten und heiligsten Nacht des Jahres, kann man eigentlich so ziemlich alles mit dem Wort ‚Weihnachten‘ in Bezug setzen, daher die Menge der Weihnachtsgeschichten, denn man kann ja schon lange vorher anfangen, zum Beispiel …als Trump vor Weihachten immer noch dachte, er sei Präsident‘, und obwohl seine seelsorgende Prophetin sogar afrikanische Engel herbeichannelte, klappte da irgendwas in der Story nicht gut. Das gehört auch zu Geschichten, um die man ja nicht herumkommt, auch wenn man nicht auf einer Einkaufsstrasse kurz vor dem Lockdown vor einem Laden Schlange steht. Natürlich müßig, darüber nachzudenken, welches kaufbare Item mich womöglich Schlange stehen lassen könnte, das würde zu viel Nachdenken in diese Richtung erfordern. Es darf auch eine sehr persönliche Geschichte sein, weil man damit rechnen kann, dass alle so beschäftigt sind mit ihren Weihnachtsvorstellungen, sodass man sie ungehemmt erzählen kann. Heute Nacht hatte ich also einen dieser Träume, den ich gerne nochmal im Wachzustand (wie man ihn gerne nennt) durchwandert hätte, wäre mir nicht der Schreck in die Glieder gefahren, denn eine unserer zwei Katzen war nicht aufgetaucht, das Fressen unangetastet, das Rufen wirkungslos. Da erinnerte ich mich an einen Teil meines Traumes und deutete die Überquerung eines Flusses sofort als ein Zeichen. Aha! Hades! Nachen! Tod! Ich versuchte mich zu beruhigen, dann kam mir ein neuer Verdacht. Was, wenn ein liebevoller Vater in der Gegend herumgeirrt war, der für seine Tochter, die sich ein Haustier gewünscht, er aber noch keines gefunden hatte, da fiel sein dankbares Auge auf unsere Katze, und glücklich kehrte er heim. Aber da fiel mir ein, dass man unsere Katze nicht einfach irgendwo hinbringen kann, schließlich ist sie intelligent. Das bereits tragödienhaft sich neigende Grübeln hörte nicht auf. Und d a s vor Weihnachten! Ausgerechnet vor Weihnachten, obwohl ich, ehrlich gesagt, gar nichts vorhabe außer Feuermachen und Holz holen und Ähnliches mehr, Freunde und Glühwein und was eben so dazu gehört. Es gibt ja keine Fluchtwege, selbst wenn man sie nutzen wollte, aber das will man gar nicht. Da man zuhause mühelos geklärt hat, dass dieses Jahr absolute Geschenkfreiheit herrscht, ja, noch krasser, geradezu ein Geschenksverbot, da hat man sich auf jeden Fall ein paar gelassene Nachmittage verdient. Und jetzt d a s! Zu allem Übel kam auch noch die andere Katze, die nie hier oben auf meiner Etage auftaucht, da wusste ich, dass das eine Bestätigung meiner schlimmsten Befürchtungen sein musste, und, aufgewühlt von all diesem Wissen (in Anführungszeichen) streifte ich hastig meine Winterschuhe über, die mir sonst immer so viel Freude gebracht hatten, und schnell den Mantel drüber und runter zum Nachsehen. Und wen sehe ich da, hektisch beschäftigt mit einer Maus, die wohl mit ihr zusammen hereingelangt war, wie das halt so läuft zwischen Katzen und Mäusen. Meine Erleichterung war noch schlimmer als meine Angst. Ich durchforstete im Kopf mein WhatsApp Register herunter, wen ich anrufen könnte, um die Wirkung der Befreiung von falschen Vorstellungen zu teilen, aber zum Anrufen war es leider zu früh. So musste ich allein damit fertig werden. In Indien wurde mir einmal vermittelt, dass man ‚Maya‘, das Illusionsfeld, auch zuweilen eine Maus nennt. Insofern konnte ich dem Ganzen eine abrundende Verbindung geben, die durchaus reflektionseinladend sein kann. Außerdem bin ich überzeugt, dass der Engel der Katzen Mitleid mit mir hatte (und hat vielleicht gerade noch rechtzeizig dem Vater die Katze entrissen), schließlich ist Weihnachtszeit, und wer möchte schon an so einem Fest einen schweren Verlust beklagen.
Gerade hatte ich noch vor den 7 Uhr Nachrichten den letzten Satz des Priesters mitbekommen, der meinte, Gott möchte keinen einzigen Menschen verlieren. Woher weiß er das? Wie weit muss ein Glaube gehen, um im absoluten Illusionsdunst zu landen?
Ich weiß von Indien und der meditativen Praxis, dass hinter jeder Lehre und jeder Schulung riesige Geschichten und Epen sich immer wieder neu erfinden, wenn auch auf ähnliche Weise, denn sonst könnte der religiöse Apparat gar nicht funktionieren. Erst gründet eine kleine Gruppe was, dann werden es immer mehr, und bald kann der simple und wirkungsvolle Grund des Zusammenkommens gar nicht mehr ausgeübt werden, weil so viel anderes auftaucht, um was sich gekümmert werden muss. Natürlich kann sich nichts ständig so erhalten, wie es konzipiert wurde, und jedes Konzept wird früher oder später von anderen Ideen überholt. Und was sich durchsetzt, jenseits von Gut und Böse, bleibt eine Weile da, eben so lange, wie es weiterhin aufrecht erhalten wird, wie auch immer, als was auch immer. Und Ideen können in ihrer Lebenszeit wahrlich sehr fruchtbar sein, und Anekdoten auch, selbst wenn ihr Wahrheitsgehalt meist sehr fraglich ist. Ist der Buddha tatsächlich so tief erschrocken, als er mal sah, wie schlecht es vielen Anderen geht, und er saß bislang herum auf seidenen Kissen und wusste das alles gar nicht. Vielleicht war es noch schlimmer und man hat es bewusst von ihm ferngehalten, und er hatte keine Internetverbindung. Prinzenfrau und Kind ließ er dann einfach zurück und wanderte durch seine Welt, bis ihm einiges klar wurde, was er gerne mitteilte. Er konnte ja nicht ahnen, was seine Followers später alles als seine Weisheit ihm in den bereits verstummten Mund legen würden, und die vielen verschiedenen Mützenfarben usw. Wer bleibt schon 20 Jahre lang irgendwo sitzen und kontempliert immer nur einen einzigen Satz, wie etwa ‚Das Juwel liegt in der Lotus‘, so als könnten Andere, die noch nie eine Lotusblüte gesehen haben, wissen, aus welcher Quelle das stammt. Oder die unerschütterliche Überzeugungsakrobatik vieler Religionen, die dafür sorgen müssen, dass möglichst ein Hinterfragen nicht erwünscht ist oder gar gefördert wird, sonst wäre das ganze Konstrukt in Gefahr. Es ist ja auch nicht so, dass irgendein Wissen die letzten oder die ersten Fragen löst, nein. Das Wissen, oder der Wissensdurst oder der Wissenshunger oder die Wissbegierde, die halten das Ganze im lebendigen Strom, denn ohne die für einen selbst wesentlichen Fragen zu ergründen und immer wieder neu zu beantworten, das ist die Bewegung, die günstigerweise zur Selbsterkenntnis führt. Nicht nur der Hunger, sondern auch das Sattwerden dienen dem ganzen Vorgang. Auch die religiöse Symbolik dient ohne Vorbehalt zu gewünschtem Erkennen. Das kann natürlich auch der Maulwurf, der außerdem darüber nicht nachdenken muss und nicht weiß, dass er das Tier des menschlichen Jahres sein wird, soweit ich das während der Fahrt richtig verstanden habe. Wenn ich allerdings keine Herberge habe und keine Freunde, die sich kümmern, dann ist es verständlicherweise tröstlich, dass ein Irgendwo eingerichtet wurde, wo Einer, der eben kein Mensch ist, auf einen achtet, damit man nicht verloren geht. Bei allem Respekt für Epik und Symbolik kann ich sagen, dass ich mich schon eine ganze Weile lang mehr auf das Menschenmögliche konzentriere als auf das, was den vielen Göttern möglich sein soll, oder auch nur dem Einen. Insofern stört es mich auch nicht, wenn ich bereit bin, mitzufeiern, denn ja, der Winter ist dunkel und still, und jedes Licht ist willkommen.
In Joe Bidens Schuhen möchte ich auch gerade nicht stecken. Nicht, dass es jemals ratsam ist, außer in Ausnahmefällen, die gedanklichen Füße in die Schuhe eines Anderen zu senken. Auch das Herumstreifen im Weltgefüge kann unerwünschte Beklemmungen hervorbringen, obwohl man weiß, dass man gefeit sein muss gegen den möglichen Ansturm des Unfassbaren. Denn das Sortieren und Einordnen bleibt einem ja nicht erspart, und selbst die Empörung hat ihre Grenzen, wenn sie von einem selbst nicht reflektiert werden kann. Warum ich Joe Bidens schicksalshafte Position überhaupt erwähnenswert finde, ist vor allem wegen der Tragödie, die sich dort abspielt und gerade als Welttheater einiges Lernenswerte zeigt. Joe Biden wird als Präsident sehr lange besonderen Polizeischutz brauchen, denn fast die Hälfte des Landes wird weiterhin tobend behaupten, er hätte die Wahl gestohlen. Ein Philosoph (M. Gabriel) erwähnte neulich, die Demokraten seien genauso schlimm wie die Republikaner. Mag sein, aber diese Bemerkung fand ich im Kontext des Vorgangs überflüssig, denn Biden ist hier gerade nicht der Psychopath, dem es erfolgreich gelungen ist, die potentielle Demokratie des Landes auf Jahre hinaus zu schädigen, wenn nicht zu vernichten. Und heute scheint es erstaunlicher denn je, dass Obama das Ganze lebend überlebt hat, man hatte durchaus Zweifel, ob das gelingen würde. Dass schwarze Haut immer noch nicht viel matters merkt man auch daran, dass der White House Wüterich gerade Exekutionen anordnet. Vorgestern wurden zwei Männer durch diesen Befehl aus der Welt katapultiert, beide dunkelhäutig mit infrage stehenden Fällen. Eine der wenigen Frauen, die jemals exekutiert wurden, wurde schon benachrichtigt über ihren Sterbetag. Eine Anwältin kommentierte den Fall und meinte, diese Frau hätte von Kindauf nur Missbrauch und =Vergewaltigung erfahren, bis sie den Verstand verlor und etwas, ja, Schreckliches tat. Sie meinte, die Todesstrafe wäre für solche Fälle nicht vorgesehen, nämlich, dass man der Frau jetzt auch noch den Rest ihres Lebens nimmt. Ich fand das immer den Höchststand menschlicher Überheblichkeit, dass es die Todesstrafe gibt. Niemals würde ich das diskutieren wollen, denn ich könnte jenseits der Abschaffung der Todesstrafe für keinerlei Argument offen sein. Natürlich wäre es gut, wenn alles Mögliche für die Menschen der Welt tabu wäre, und es ist nicht immer nur der Schleier der Naivität, den es hier zu zerreißen gilt. Es wird auch grundsätzlich immer wahr bleiben, dass, wenn keiner in den Krieg geht, es keinen Krieg geben kann. Und es ist und bleibt wahrlich erstaunlich, dass es um den amerikanischen Präsidenten herum keinen einzigen Menschen gibt, der ihm gewachsen ist. Wann ist man etwas gewachsen? Auf jeden Fall, wenn man bereit ist, sich auf die beste und förderlichste Handhabung des Geschehens einzulassen, für sich selbst und für Andere. Man sieht ja, wenn das nicht funktioniert, wie niederträchtig das Ganze wird, wenn hier alles bessere Wissen wieder einmal einem Diktator geopfert wird. Man kann beobachten an manchen Gesichtern, wie das Hinunterwürgen von besserem Wissen und Gewissen eine seltsame Verzerrung hervorbringt, die sich dann langsam einnistet in das als ’normal‘ Deklarierte. Man hasst halt die Juden, und Neger gehören an den Strang. Mit solchen Fehlleitungen wird man ja nicht geboren, nein, aber man ist ihnen auch nicht verpflichtet. Zwischen dem Dort und dem Heute liegen immer die dunklen Korridore und geheimnisvollen Prüfungen an den Schaltzentralen und Hinterzimmern der Gedanken, wo die großen Entscheidungen ungesehen gefällt werden. Auch der Rückwärtsgang funktioniert da gar nicht, denn es gibt kein Zurück. Was funkionieren kann ist eine willige Einstellung des genaueren Hinschauens, die Schärfung also der eigenen Wahrnehmung.
Den Gürtel des Orion um die Hüften,
des Siebengestirns Agraffe im Gewand,
schenk‘ ich der Welt den Glanz der Sternentriften,
der, einem grellen Tage unbekannt,
geheimnisvoll das Dunkel überspannt.
Weit komm‘ ich her; erst wenn der Sonne Schleppe,
der Abendröte Rosenflor, verblasst,
steig‘ ich die Stufen meiner grauen Treppe,
der Dämmerung, hernieder ohne Hast
und löse der Geschöpfe Tageslast.
Die im Geschirre unter Peitschen keuchten,
die Ketten trugen, die ein Joch gedrückt,
sie ruhn, sie lächeln; ihre Stirnen leuchten;
das Bündel Mensch, tief in den Staub gebückt,
wird an den Tisch der Seligen entrückt.
Wohin ich komme, geht der Atem milder,
auf schwere Lider fällt des Schlummers Flaum.
Aus meinen offnen Händen schwirren Bilder
gleich losgelassnen Vögeln in den Raum
und, was der Tag verweigert, schenkt der Traum.
Schreckliche Engel treten hervor, unbestechlich,
frei von der Bürde der Meinung.
In der Zwischenzeit habe ich verstanden, dass nicht nur jede/r seine oder ihre persönliche Coronakrise hat, sondern jede/r hat sein oder ihr ganz eigenes Weihnachten, untermauert mit Urgefühlen aus der Kindzeit, als das Glöckchen bimmelte, die Tore sich öffneten und alle möglichen Herrlichkeiten sich auftaten, während die erschöpfte Mutter die nächste Heldentat vorbereitete. Vielleicht sollte man bei derlei Ausflügen in die Einst-Ebene versöhnlich die ganzen Untaten kurz außer Acht lassen, die auch im Raum waren, oder man benutzt die Pandemie genau für solche Möglichkeiten des Hinterherkontemplierens, damit der Schatten, der zwischen dem, wie es scheint, und dem, was es ist, besser hervortreten kann. Aber vielleicht gibt es ja gar keinen Schatten, da, wo man ihn vermutet hat. Im Freundeskreis erzählte jemand von einem Mann, der es gewohnt war, jedes Jahr eine schöne, fette Gans über Tage hinweg sorgfältig zuzubereiten, und auf einmal, also letztes Jahr, wurde er Vegetarier, was natürlich seinen Haushalt vor eine Zerreißprobe stellte. Jeder wünschte sich weiterhin die Gans, und die Kunst der Ganszubereitung war nicht weitergereicht worden. Ich weiß leider nicht, wie es ausging, ob nun der Rest der Familie ganslos blieb oder einen Ausweg aus der Bredouille fand. Ich beschäftige mich mit diesem Flow der Dinge möglichst schon vor Weihnachten, damit ich, wenn es oder er da ist, dann einen freien Kopf habe. Obwohl man natürlich auch innen im ganz persönlichen Drinnen die verschiedenen Ebenen schmücken kann, das hat nichts mit Glauben zu tun, sondern mit geistigem Gastrecht. Ich kann mir also ein paar wuchtige Engel einladen, Bildebene Gustave Doré, nein, nicht wirklich, meine sehen nochmal anders aus. Sie sitzen mit dem Rücken zum Bild an Abgründen herum und schauen erstaunt ins Menschengetümmel hinein. Was sie da sehen, wissen wir nicht, aber wir können es ahnen. Man weiß natürlich, dass ihre sorgsamen Augen auch Kinder sehen, die vertieft sind in Märchen. Klar, es ist Weihnachtszeit, und man kann mal so richtig schön traurig sein, zum Beispiel die Geschichte vom Streichholzmädchen lesen, das in der Kälte der Nacht erfroren ist, weil kein Streichholz mehr übrig war zum Verkaufen oder zum Wärmen. Da ist man doch froh, dass man zu Hause ist und nicht in Moria im Flüchtlingslager, auch wenn die meisten dort keine Christen sind, aber wer weiß. Man muss tief nachdenken, was man feiern kann. Wenn nur das Festessen übrigbleibt oder das Nachlassen der Erschöpfung, nein halt, wo bin ich!, haben wir doch alle die Maschinen. Bald darf man ja eh nicht mehr hinaus, und man muss auch nicht hinaus. Man beschert einfach die OnlineverkäuferInnen und katapultiert sie in die Millionärsoasen, während draußen in der Fußgängerzone die Lichter erlöschen. Wenn ich also weiß, dass es keine Engel gibt, kann ich sie trotzdem symbolisch zulassen, denn sie sind ja kein Dorn im Auge. Außerdem kann ich selbst mit meinen Augen an den Abgründen herumsitzen und auf die Weltfelder schauen und hineinlauschen, um zu hören, was ich so denke.
Auf der einen Seite sagt man gerne ‚das gab’s doch schon immer‘, und andrerseits sagt man auch gerne, dass etwas neu ist und noch nie Dagewesenes sich eingestellt hat, und beide Seiten beinhalten den Tropfen Wahres, den es braucht, damit man bereit ist, etwas zu bedenken. Ich denke, es ist bereits erwiesen, dass selbst bei der Spanischen Grippe oder den Weltkriegen nicht alle in einem Boot saßen, und es gab immer welche, die nicht hörten, dass jemand auf dem Mond herumgetrampelt ist, oder gerade durch einen technischen Fehler ein paar Milliarden in der Luft verpufft sind, die man leider nicht nach Moria umpolen konnte, hätte man das wollen (und dadurch auch wirklich umsetzen) können. Man muss ja auch nicht ungehemmt in die Naivität stürzen. Doch wir Menschen kommen nicht gut zurecht, wenn das gewohnte Dasein unwillentlich ausgehebelt wird. So hat die planetarische Wirkung des wandernden Virus tatsächlich Premiere. Und sollte die nächste Mutation, denn auch ein Virus möchte mutieren, bereits auf dem Weg sein, was vielerorts gemunkelt wird, so werden Serien bei Netflix (z.B.) mit einst unmaskierten Menschen wahrscheinlich ein Renner sein. Denn damals, liebe Kinder, als die Wesen noch nicht in die Maskierung hineingetrieben worden waren, hustete noch keiner in die Armbeuge, denn sonst wäre er (oder sie) ja dem Aerosolenfänger in die Fänge gelaufen, denn auf freie Ausatmung stand hohe Bestrafung. Ach Quatsch, ich hab mich vertan, es war ja alles besser, früher, als die Welt noch nicht maskiert war und keiner zu Hause bleiben musste, obwohl er oder sie vielleicht viel lieber woanders einkehren würde. Das Darknet wimmelt (vermute ich mal) von verzweifelten Ausbrüchen und Drogenbosse halten (vermutlich) die Daumen, damit das Zeug noch rechtzeitig vor dem Lockdown durchkommt. Natürlich gibt es (wie immer) auch sehr gute Nachrichten, das darf oder besser möchte man nie vergessen. Man bedankt sich etwa mal bei der Bioladenbestzerin, dass sie es so eingerichtet hat, dass man dort wirklich alles bekommt, von schwarzen Oliven bis zum 9cm Teenetz. Man kehrt heim mit dem Gefühl, eine große Krise mühelos bewältigen zu können. Man sammelt über diesen Weg der Subatome auch die Kraft, den letzten Schuldschatten abzulegen im Prozess der Selbstbefragung, ob man es vielleicht doch an Einfühlung für die vielen Pandemietoten fehlen lässt, findet aber nirgendwo einen mentalen Einlass. Nicht, dass man hineinwill, nein danke, deswegen ist ja da auch der Gefühlspegel schwach, weil man gar nicht hinein will, eben nicht Teil nehmen an vermeidbarem Zirkus, der mit der eigenen Lebensgestaltung wenig zu tun hat. Ist man allerdings selbst LebensgestalterIn, gibt es hier eine ganze Menge guter Nachrichten. Die Spielfläche liegt sozusagen ausgebreitet vor dem eigenen Auge. Was will ich selbst tun?, erhebt sich hier die interessante Frage. Und w i e will ich es tun? Oder will ich es ganz alleine handhaben, oder mit den Anderen. Und wie könnte es mir gelingen, meine Freude und Wertschätzung zu teilen, die ich der Wertschätzung meiner ganz persönlichen Gestaltungsfreude verdanke? Das sind keine einfachen Fragen, aber dennoch bedenkenswert. Aber die besten der guten Nachrichten lädt man zu sich ein und erfreut sich an der wärmenden und unmaskierten Ausstrahlung der MitspielerInnen.
Es gibt die Zeit nicht mehr.
Man kann sie nicht erkennen,
da gibt es sie nicht mehr.
Leer stand ihre Halle des Traumes.
Die Zeit ist neu. Die Zeit ist alt.
Die Zeit ist nicht mehr sichtbar.
Alles stürzt sich mit blindem Eifer
auf sie, doch sie ist nicht mehr da.
Ja, wo ist sie. Erst war sie der Tod,
dann war sie die Liebe, dann war
sie verschwunden. Eine andere Zeit,
noch ein größerer Tod kam auf sie zu.
Auf dem besagten Wirkungsfeld hat
man sie lebend aufgefunden, und sie
entband sich von den Weltenpflichten.
um die Gesichte des Spiels zu wahren.
Nun ist sie nicht mehr ganz so dicht,
nicht mehr so zugehlässlich, nicht
mehr so greifbar nützlich für den
Hausgebrauch, nicht mehr so
überdrässlich. Die Zeit war da. Die Zeit
war sicher auch bei Ihnen da gewesen.
Sie war für jeden da. Für mich. Für dich.
Für jeden war sie da. Sie kannte keine
Grenzen. Die einzige Grenze ist sie selbst
an sich. Wenn ihre Zeit gekommen ist,
da muss sie wohl hinein, versinken in des
großen Kairos-König’s unvermutet
heiterem Spiel. Muss oder darf sie ihn
dann lächelnd siegen sehen. Wer ist sie
nun ohne den Traum des Widerstandes,
fließend wie Licht durch die Brunnen,
die Teiche. Ausgerichtet auf Dasein wie
ein eindeutiger Zustand von Wonne.
Zeitlos wandernd in einem der Winter, als
die Zeit noch da war und in Erinnerung.
Als die Zeit noch ganz nahe bei uns war
als Liebe und täglicher Segen. Wer ist sie
nun, ganz unter sich, ganz sich selbst, oder
nur das Nur, nur das Licht, oder doch nur
das Nichts, nur das Nichts mit der Maske.
Eigentlich würde man davon ausgehen, dass man die Augen maskierter Menschen besser wahrnimmt, aber es stimmt wohl auch hier, dass es darauf ankommt, wer mit welcher Intention hinter welcher Art von Maskierung steckt. Um Menschen außerhalb des eigenen Clans überhaupt wahrzunehmen, muss man ja schon einen gewissen Willen einsetzen, ein Interesse in sich vorfinden, eine Einstellung zum Menschsein schon mal separat von den praktischen Abläufen untersucht haben. Selten war auch dieses kollektive Menschsein so spürbar wie jetzt unter dem Baldachin einer gemeinsamen Katastrophe. Aber selbst die Katastrophe ist ja nicht wirklich gemeinsam, oder vielmehr das Einsame im eingebetteten Gemeinsam, oder man könnte zur Abwechslung des Wortspiels auch einen gemeinen Samen daraus machen, der wiederum dem gemeinsamen Einsam entspringen könnte. Es ist ja nicht so, dass man sich von Herzen freuen sollte, dass alle Kinder noch länger Weihnachtsferien haben, nein, man hat Angst um sie. So sind die Augen hinter den Masken wohl eher zurückgezogen in die eigene Frustration, und da dringt nicht so viel nach draußen, dem man offen begegnen könnte. Angela Merkel meint, es würde zu viel an Glühwein gedacht, eine andere Frau meinte, man denke nicht genug an die vielen Leidenden und ihre Mitleidenden und ihre Toten, und es ist in der Tat überraschend, dass das so schwer zu kontrollieren scheint. Ich bleibe trotzdem gerne bei meinen eigenen Gedanken, auch wenn das Herumstreifen in fremden Welten (Nachrichten) zuweilen zu tieferen Berührungen führen kann. Das wahrlich Unvorstellbare hat Vortritt, auch wenn das nicht immer gewünscht ist. Trotzdem gibt es ja erkennbare Wurzeln des Unvorstellbaren, wenn damit eine Hölle gemeint ist. Man lernt von Trump, dass das Ignorieren bestehender Realitäten eine gewisse Macht ausüben kann. Wird der Realitätsverlust allerdings auffallend, kann man das Gefüge auch gleich eine Sekte nennen. Seltsame Dinge nehmen ihren Lauf, dem sich nach und nach die Herde willig anschließt. Ein Illusionsmarathon, bzw ein Täuschungsmanöver setzt sich in Bewegung und kann an einem bestimmten Punkt nicht mehr aufgehalten werden. Manchmal genügt eine einzige Stimme, um einen Unterschied zu machen. Wenn etwa Frau Merkel besorgte Worte spricht und man hört, dass sie verärgert ist, dann weiß man, dass es die derzeit erforderliche Richtung ist (oder nicht). Auf jeden Fall kann man sich auf einen ernsten Umgang mit dem Thema verlassen. Auch kann man nicht auf Befehl oder Wunsch sturzbetroffen werden, sondern vielleicht eher die Nüchternheit auf die Werteliste setzen. Tatsächlich wird man manchmal gezwungen, etwas zu akzeptieren, was nicht im persönlichen Entscheidungsbereich liegt. Das führt aber nicht automatisch zur Versklavung oder zum Herdentrieb. In Krisenzeiten hängt nicht alles, aber sehr viel von den Beziehungen ab, die man bis dahin gepflegt hat. Sind sie günstig gediehen, kann man sich glücklich schätzen, denn nun braucht man Schutz und gegenseitiges Wohlbefinden. Sind sie es nicht, bleibt noch die kreativ gestaltete Einsamkeit. Oder die höllischen Ebenen. Selbst (oder vor allem) Dante musste sich die menschlichen Höllen vom Leib schreiben. In seinem beispielhaften Titel milderte das Wort ‚göttlich‘ wohl die Wahrnehmung der Welt als Komödie ab.
Und wer kümmert sich in diesem gigantischen Lockdown-Spektakel um das Schöne und das Gute? Oder gibt es noch gar kein Büro dafür, weil es nie wirklich klar wurde, was es eigentlich ist, weil so ziemlich jeder Mensch etwas anderes davon versteht. Man kann sich selbst so eine Frage ja stellen und ein Mikrofon visualisieren, das die Antwort registriert und aufnimmt. Was ist Wahrheit? Was ist Liebe? Was ist Dummheit? Von dem weiträumigen Außerhalb her kann einem so ziemlich alles auf die Sprünge helfen, aber nicht nur muss man alleine springen, sondern man befindet sich dann nur auf dem eigenen Pferd und muss, die Zügel in der Hand, die Hindernisse so elegant und wissensvoll wie möglich bewältigen. Wissen ist immer und für jeden d a s, was man gerade an Bewältigungsstrategien zur Verfügung hat. Wenn in der in der dafür gefragten Wachheit die potentiellen Instrumentarien passiv oder aktiv zur Verfügung stehen. Bei aller unermesslichen Differenz in den menschlichen Wahrnehmungen hat man sich jedoch erstaunlicherweise auf (zum Beispiel) das Gute und das Schöne auch einigen können. Aber selbst beim Lächeln der Mona Lisa muss man noch schauen, wie sie auf einen selbst wirkt, während zum Beispiel die Schönheit der Nofretete so ziemlich jedem Schönheitsideal entspricht. Ansonsten wütet und herrscht ja totale Freiheit in Bezug auf das Schöne und das Gute. Und ja, einerseits konnten die Bücher der Welt daran nicht rütteln, und doch wurde permanent gerüttelt und sich immer und immer wieder interviewt, wie man denn nun selbst das Ganze sieht. Und was nutzt es, zu Menschen, die gerade mit ihrer persönlichen Not inmitten des Ungewissen total beschäftigt sind, zu sagen: Hey!, genieß‘ doch einfach den Lockdown: umdenken, umschwenken, neu orientieren undsoweiter. Das geht eben gar nicht, und das aus vielen verschiedenen Gründen. Nun muss das allerdings die, die auf einmal durch die Umstände in die Ruhe des Auges geworfen wurden, nicht davon abhalten, sich darüber bewusst zu werden. Denn es gibt ja nach wie vor nur einen einzigen Menschen, der das alles jeweils auf ganz persönliche Weise erfährt, ob es jetzt die Existenzangst ist oder ein stiller Innenraum. Auch kann ich alles, was mir begegnet, für etwas anderes halten, als es ist. Aber was ist es, und wer oder was bestimmt, was das ist? Und dann die Traditionsgewohnheiten, die man für das Stabile hält. Da kommt der sechste Dezember, man hört einen Klingelton und denkt, es ist der Nikolaus, aber es ist der Schrotteinsammler. Ich wusste jedenfalls nicht, dass Nikolaus aus Myrna kam und ein Heiliger war. Man weiß sogar sein Geburtsdatum, und zwar ist er am fünften März im Jahre 270 nach Christus in Patara geboren. Er soll 1.80 Meter groß gewesen sein und wurde in Bari beerdigt. Hebt ihn das aus der Gruft der Roten Zipfelmützengilde hervor, in der viele Männer sich ausgerechnet am 6. Dezember einen Bart ankleben müssen und alle Kinder fragen, ob sie gut oder böse waren. Nicht schön oder gut, sondern gut oder böse. Ich weiß, da gibt’s auch diesen Knecht mit der Rute, was soll das denn außer Angst einjagen, ein ungünstiger Kitzel, der unkontrolliert zu einem kalten Herzen führen kann. Aber heute ist ja schon der Siebte, und das Spiel (pssst) geht weiter. Faites vos jeux!
Mir gefällt gerade (u.a.) der Anblick dunkler Bilder, auf denen man außer einem geringen Lichteinfall nicht wirklich etwas erkennen kann, aber zweifelsohne ist das eigene System darauf geeicht, etwas zu erkennen oder zu benennen, auch wenn es gar nicht weiß, was da ist. In diesem Bild liegen schwarze, ausgetrocknete Blütenschalen von einem Baum aus Lissabon herum, und obwohl sie tiefschwarz sind, erscheint immer irgendwo an ihnen eine Helligkeit, die scheinbar unvermeidbar ist, will man nicht einfach in die völlige Dunkelheit schießen, um eine Finsternis aufzunehmen. Denn gerade diese Unvermeidbarkeit des Lichten macht ja die Ebene der Finsternis erst möglich, oder aber die Finsternis macht erst die Wahrnehmung des Lichtes möglich. Verborgen und doch präsent in den unendlichen Weiten menschlicher Vorstellungskraft sind auch die Grenzen, die sich zum Beispiel auftun, wenn ich zwar sehe, dass etwas da ist, aber ich dort keineswegs hingehen will. Deutschland ist ja bekannt für seine treue Krimigemeinde, und rumknobeln, wer der Mörder ist, macht ja auch Spaß. Aber nicht jeder Krimikomissar hat die Intelligenz eines Sherlock Holmes, von dem man erwarten kann, dass er einem vorführt, was logisches Denken ist. Hauptsache, man ist nicht selbst der Mörder, der gejagt wird. Da es zur Zeit in den Medien um Virusbewältigung in der Weihnachtszeit geht, kostet es auch unterwegs keinerlei Mühe, alle Sendungen abzuschalten und keine Neugier aufkommen zu lassen, um irgendwelche Beschlüsse zu hören, und auch zum Mitleiden muss man geeignet sein. Berührend fand ich den Bericht eines jüdischen Arztes, der seine Betroffenheit darüber ausdrückte über einen schwer an Covid erkrankten Mann, der über und über mit Hakenkreuzen tätowiert war und ihn anflehte, ihm das Leben zu retten. Er hatte, wie er sagte, schon ein paar Mal Konfrontationen mit ähnlichen Situationen, also Patienten mit Haßabzeichen auf ihren Körpern, aber dieses eine Mal kam etwas in ihm hoch, das ihn fast überwältigte, bevor er sich wieder in seinen Ärztetreueschwur verwandeln konnte. Das flößt mir Respekt ein wegen dem ungeheuren seelischen Fiasko, in das wir Menschen kommen können und froh sind, wenn wir die richtigen Entscheidungen treffen in Momenten, die über Leben und Tod entscheiden, geistig wie körperlich. Was ich (auch) nicht mehr hören kann, ist dieses scheinheilige Geschwafle über die in diversen Pflegeheimen abgeschobenen Omas und Opas. Meine Mutter hatte eine Freundin, die noch allein in ihrer Wohnung lebte und die in der Nähe eines Altersheimes stürzte, wo man sie dann hinbrachte und ihr einredete, sie müsse da wohl besser jetzt auch bleiben. Als wir sie dann mal dort besuchten, geisterten unsere entsetzten Blicke über die mit Beruhigungsmitteln abgestumpften Leben, und meine Mutter flüsterte mir zu: Tu mir das nie an. Zum Glück kam ich nicht in diese Situation. In der Dunkelheit muss man den Blick schärfen und sich in den Differenzierungen üben, die einem geboten werden. Denn auch die Dunkelheit ist ein Raum, in dem man zur Ruhe kommen und die Geschehnisse sortieren kann, die durch einen hindurchgehen.