Das war jetzt nicht unbedingt nötig, die stundenlange Einführung des Impeachmentverfahrens zu begleiten, und dann auch noch den amerikanischen Nachmittag in der deutschen Nacht. Aber morgens genügte eine kurze Reise durch die berichterstattenden Kanäle, um zu verstehen, was vorgefallen war. Eben das, was alle, die gegen das Verfahren waren, am meisten fürchteten, nämlich wie eindeutig und offensichtlich die Sachlage war, und wie kläglich die Falle, die sie sich selbst ruhmlos gebastelt hatten. Die Schuld des Täters ist sonnenklar, und genau das macht die Wirkung der bereits angenommenen Tatsache, dass die fehlenden Stimmen zu einer Verurteilung führen könnten, noch drastischer. (Baden gehende Gerechtigkeit!) Auch dass die Verteidigung des Verdächtigten dermaßen schlecht beurteilt wurde, brachte keinen zu der notwendigen Vernunft, aber dennoch konnte man etwas Wichtiges sehen: dass es immer bis zur letzten Minute Möglichkeiten gibt, etwas oder sich selbst auszuloten und das Erkannte zuzulassen, egal, wie schmerzlich es sein mag. Doch, es gab Einen. Ein Republikaner zeigte sich von der demokratischen Anklage so überzeugt, dass er hinüberwechselte zu seiner Einsicht, und in der Tat, er wirkte glaubwürdig, man zollte ihm gerne Respekt. ‚Achtung, Reisende/r! Denn es ist spät, aber noch nicht z u spät‘ stand einmal auf einem unserer Performance Programme. Es ist ein ermutigender, aber auch ein vorwarnender Satz, denn irgendwann kann es für etwas zu spät sein, und das ist dann wiederum sehr schmerzhaft. Und viele wissen auch schon, dass es in letzter Konsequenz gar nicht (nur) auf das Resultat ankommt, sondern darauf, was man auf dem Weg, als während des Prozesses, noch alles lernen kann. Und wenn man die äußeren und inneren Prozesse aufmerksam miterlebt, wird einen das Resultat nicht sehr überraschen, aber es wird einem auch nicht die Erfahrung nehmen können. Politisch wird dort im Saal der Senatoren Geschichte geschrieben, die nicht ausradierbar ist so, wie es eben für niemanden einen gehorsamen Radiergummi gibt, mit dem man das, was man verbockt hat, wieder wegradieren kann. Auch ist nicht jede klägliche Tat gleich ein Verbrechen. Man braucht sie ja, die eigene Erfahrung, um den persönlichen Maßstab einerseits an der persönlichen Einschätzung, andrerseits aber auch an existierenden Kriterien entlang zu bilden, und dann erst zu schauen, ob man ihm auch persönlich gerecht werden kann, eine weitere Quelle eintrudelnder Bescheidenheit. Denn leicht ist das alles nicht, und dann noch der Lockdown und die herumreisenden Mutanten, und eine Art Ruhe, die man innen benötigt, um d a anzukommen, wo man sich selbst am meisten braucht, um die Spitze des Eisbergs nicht zu verwechseln mit einer Scholle.
Gut, die Sache läuft: Impfzentren geöffnet, Impfstoff nachbestellt, über die Mutationen politisch nachgegrübelt, die über Achtzigjährigen durch die Schneewehen geschaufelt, oder auch Terminfreiheit garantiert, dann Hunderte von steckengebliebenen Autos Auswege gebastelt aus der Misere, dann den Wohnungslosen erlaubt, dort zu übernachten, wo sie sonst nicht dürfen, und extra Decken und warme Suppe gereicht usw. Da kann man schon mal dankbar sein dafür, dass man nicht grad woanders wohnt, sondern in diesem Land, wo einerseits der schwärzeste der kollektiven Abgründe schon hinter uns liegt, und vor uns die Möglichkeit, dass es nicht wieder geschehen möge. Das uns bis heute Verfolgende, mit dem jede/r auf eigene Weise allein ist. Und so kehrt ein Teil meiner Aufmerksamkeit noch einmal zurück zum amerikanischen Schauspiel, wo heute ein Prozess beginnt gegen einen Täter, dessen Täterschaft überhaupt nicht zu leugnen ist, denn sie ist digital festgelegt wie die Zeugen und Zeuginnen der Tat. Und hier können wir auch beobachten, wie Täter und Opfer zuweilen eins werden, allerdings nicht ohne eine komplexe Verdrehung der Tatsachen. Vieles dreht sich um die panische Angst der Polit-Gaukler, die es mit dem Haupttäter nicht vermasseln wollen, sollte er doch eines Tages wieder an die Macht kommen, was im Falle Hitler ausfiel wegen Selbstvernichtung. Man höre sich als Gegenspiel noch einmal die letzte Rede von Sokrates an, die ohne Mikrofone durch die Zeiten getragen wurde .Denn als alles Rechtmäßige, was auch die (neidischen) Richter durchaus als solches verstanden, als also alles gesagt war, was er zu sagen hatte, da griff er selbst zum Becher, denn danach gab es nichts mehr zu sagen. Trump hingegen, der kriminelle Täter, der irgendwo im Darknet als Gott gehandelt werden möchte, will unter Eid nicht aussagen. Das versteht auch jede/r, denn was ein Meineid ist, versteht sogar er. Es ist ein ganz wichtiger Prozess, bei dem die Welt zusehen kann. Schon allein dadurch wird man erfassen können, wo die Gerechtigkeit ganz offensichtlich liegt, und wo man sie baden gehen sehen kann. Denn darüber, dass sie baden gehen wird, sind sich fast alle einig, denn da laufen keine Helden mehr herum unter den Amtsenthebungsgegnern, sondern feige Karikaturen ihres eigenen verächtlichen Spiels. Und auch das wird Folgen haben, man bedenke!, es hat bereits Folgen. Tausende von Amerikanern haben in verschiedenen Distrikten die republikanische Partei verlassen. Das wiegt genauso viel wie jeder reflektierte Austritt aus einer unglaubwürdigen Kirche, oder überhaupt aus den illegalen Fangarmen der Religionen. Sicher ist, dass man nach diesem Prozess ein noch klareres Bild der Weltpolitik haben kann und worauf es ankommt. Und d a s auf absolut allen verfügbaren Ebenen bis hinein in die Arena des Wohnzimmers, wo es um ähnliche Dinge geht, und wo oft die Preise ganz schön hoch sind für d a s, was man zulässt und das, was man nicht zulassen sollte, wenn man weder Täter noch Opfer sein möchte.
Wenn schon Winter, dann richtig, könnte man denken. Schneeverwehte Täler und Zwerge, die auf dem großen Schlitten mit Santa…sorry, da bin ich abgerutscht in eine Zeit, wo es noch möglich war, das für möglich zu halten. Erstaunt lauschte ich einem sehr langen Wetterbericht, der von einer Menge querstehender Lastwagen erzählte, die deswegen bis mittags nicht fahren dürfen, und hunderte von Unfällen von denen, die unbedingt irgendwohin müssen oder noch kein Home-Office haben, oder innerhalb des Lockdowns ihre Kräfte für das Menschenwohl einsetzen. Denen, die gerne irgendwo hingehen, geht es bestimmt besser als denen, die nicht anders können als das zu tun, was ein Anderer für sie bestimmt. Jemand erzählte mir von einer Studie bzw. einem Experiment, wo es um Teilen ging. Vor zwei Kindern standen zwei vollkommen unterschiedlich gefüllte Gläser mit Süßigkeiten, was sie, wie später berichtet wurde, als ein Versehen empfanden und mühelos einen Ausgleich schufen. Dann bot man zwei Erwachsenen, die genau denselben Job zu verrichten hatten, unterschiedliche Bezahlung an, was beide fraglos akzeptierten. Man fand allerdings, dass sie sich aus dem Weg gingen, aber nie kam sie zur Sprache, die offensichtliche Ungerechtigkeit. Wenn es erfasst wird, aber nicht zur Sprache kommt, kann es ein nagender Wurm beim einen werden, beim anderen zu einer falschen Einschätzung des eigenen Wertes führen, hat der Eine doch mehr oder eben weniger bekommen als der Andere. Die Eiseskälte inmitten des Lockdowns vertieft noch einmal die Gegebenheiten, die einem dabei auffallen können. Die aalglatte Wand der Bildschirme etwa, die einem Lebendiges vorgaukeln, wo es nicht stattfinden kann. Immerhin kann sich praktisch jede/r da ausdrücken, das ist ja schon viel und hat sicherlich auch einigen Wahnsinn verhindert, nicht ohne ihn auf anderen Kanälen zu vertiefen. Weiterhin geht es nicht nur um Covid und die Impfhektik, sondern um Geld und Macht. In Indien wurde das noch in meiner Zeit als gutes Benehmen gesehen, wenn der Reiche keinerlei Show macht von seinem Reichtum, ganz im Gegenteil: weniger ist mehr. Die Qualität des getragenen Tuches, das auf zwei Nägeln Platz haben sollte, konnte absolut hochwertig sein. Schließlich war der Reichtum kein Geheimnis, eher eine Verpflichtung den Anderen gegenüber, die nicht so betucht waren. Lang ist’s her, und wenn irgendwo ein Kalb vor meinen Augen zu Gold wurde, dann in Indien. (Selbst der größte Impfstoffhersteller hat dort sein Impfstoff-Imperium mit 350 Pferden, deren Blut der Herstellung dient). Heute bekomme ich von meinen indischen Freunden eher WhatsApp Bilder wie z.B. das mit einer jungen Frau, neben der steht: ‚Hört auf, Religion als Deckname für Faschismus zu benutzen‘. Noch vor ein paar Jährchen undenkbar, heute eine hörbare und weit zu verbreitende Botschaft, was es nicht einfacher macht für Menschen, die nicht geschult wurden in der Kunst der Unterscheidung. Oder wie man sich selber was zutraut. Denn auch das geht wohl nur, wenn das Kind nicht so geschädigt wurde, dass von der einst ungetrübten Quelle überhaupt noch was übrig ist. Ich denke aber, dass es eher selten ist, dass gar nichts mehr möglich scheint. Und wenn, dann lag es auch an uns Anderen. Dabei muss man sich weder zu ohnmächtig noch zu mächtig fühlen, denn die Kraft liegt wohl mehr darin, einfach dabei zu sein und dem, was meine Aufmerksamkeit braucht, Beachtung schenken zu können. Es geht einen ja nur etwas an, wenn man entweder die professionellen Fähigkeiten besitzt, hier unterstützend zu wirken, oder man ist so berührt vom Erlebten, dass es eher zu einer natürlichen Aufmerksamkeit kommt, mit der man ohne weiteres dabei sein kann, ohne Harm anzurichten.
Man hört ja, ob man will oder nicht, eine Menge über all die Dinge, die während des Lockdowns passieren, sei es nun, dass Frauen mehr als sonst vor schlagenden Männern in die Frauenhäuser fliehen, oder dass die ungeheure Belastung der Mütter und Väter wegen Home-Office und Kindern, die ständig da sind, zu Spannungen in den Beziehungen führt. Oder aber der geradezu überwältigende Ausbruch eines kreativen Feuers im Hinblick auf die Umforming des Menschentypus vom Aufrechtgehenden in einen in den Bildschirm Starrenden, der nun, und blitzeschnell ging das, vom technischen Innen heraus kaum mehr Grenzen wahrnehmen kann oder muss, denn hier ist etwas aus der Direktheit geschoben worden. So etwas Einmütiges könnte kein Diktator der Welt alleine vollbringen, was nun freiwillig als Hilfsstellung angeboten wird. Und sagen will man auch nicht unbedingt was dazu, denn man weiß ja so ungefähr, wo es hingeht. Der große Luxusdampfer also ist hier gemeint, auf dem Weg in den alles verschlingenden Ozean, in die Urmutterhöhle also, wo Neues, ja klar, ständig Neues dort dann gebastelt wird und geboren: es muss ja, denn es folgt nach wie vor einem Zyklus, der ohne hohen Preis keine Aushebelung zulässt. Ansonsten weiß man natürlich recht wenig darüber, was die Leute nun wirklich bei sich selbst zuhause machen, wo sie oft gar nicht so viel waren, nun auf einmal im Lockdown. Es sieht aus wie ein Halt oder eine Blockade, und das ist es auch, aber es gibt auch Bewegung, vor allem am Wochenende wimmelt es im sonst stillen Wald, wo noch ein paar aufrechtstehende Borkenkäferbäume herumstehen. Ach echt jetzt, so sieht das also aus, denkt man und bleibt stehen, um zu sehen, wie es aussieht, und man begreift (noch einmal), wie fortgeschritten in jede Richtung das alles ist. Ich habe natürlich auch Pläne, und nichts ist besser geeignet, als mit sich selbst bei sich zu sein und leibhafig zu erfahren, wie schwer es ist, sie umzusetzen. Und nichts geeigneter als ein Lockdown, wo man vom überall Geschlossenen geradewegs auf sich selbst zurückgeworfen wird, wenn man nicht schon vorher da war, und was macht man dann damit. Gestern habe ich es geschafft, zwei Dinge, die ich für unersetzlich hielt, vom Bücherregal zu nehmen, denn Bücherregale scheinen anziehend zu wirken auf die Dinge, die man vor die Bücher stellen kann, wenn da noch Platz ist. Das Bild oben war eines der Dinge. Es war eine kreisrunde Schokoladenpackung aus Nizza, die, das kann man nicht leugnen, wirklich kunstvoll designed ist. Sie liegt ungegessen bei mir seit gut zehn Jahren. Erst habe ich das Bild aus seinem Stammplatz gelöst und dann das Geschriebene darauf etwas verändert, bzw. ausgestrichen, so dass nur noch ‚dark‘ da stand und drunter ‚The nice company‘, also (in meiner Übersetzung) das Dunkle als nette Gesellschaft, wobei das Wort‘ nett‘ es besonders dunkel macht. Nett genügt nicht, soll mein Vater gesagt haben, er meinte wohl sich selbst und dass es ihm nicht genügte. Und in der Tat: wenn man den Blick über die Welt und das, was man von ihr mitbekommt, gleiten lässt, fällt einem viel Dunkles auf, was als nett deklariert wird, nur, weil man sich daran gewöhnt hat. Da, wo die Schattierungen ein wenig lichter werden, ist nett in Ordnung, aber zum Glück nicht so wichtig. nicht so wichtig, und öfters auch vollkommen unangebracht.
Wenn unter Menschen und innerhalb ihrer Konstrukte Dinge geschehen, die das mehr oder weniger klare Empfinden, wie etwas sein oder nicht sein sollte, bei weitem überschreiten, kann es den Vorteil haben, dass die Gegenkräfte dadurch ebenfalls aktiviert werden. Also zum Beispiel um Hitler herum sich einige, wie um Trump herum, lange genug heimlich wunderten, ob sie ihrer Wahrnehmung wirklich trauen konnten, als das Ausmaß des Irrsinns bereits sonnenklar war. Um diese Sonnenklarheit mit all ihren Sonnenstürmen einigermaßen aufrecht zu erhalten, braucht es vor allem, wenn man schon tief drinsteckt…ja, was braucht man da wohl am meisten? Um Diktatoren herum ganz sicher die Bereitschaft zu sterben, denn jedes als falsch gehörte Wort kann tödlich sein. Und wenn es zu spät ist, sind die Chips verspielt. Da wacht dann vielleicht der oder die Andere auf der gegenüberliegenden Skala der Kräfte auf, so, als müsste man nun endlich und unbedingt auch etwas dagegensetzen. Aber auch für einen selbst, damit man in sich selbst weiterhin klärt, wo man sich innerlich eigentlich aufhält, und was einen aus welchen Gründen auch immer wirklich betrifft und was einen etwas angeht. Die Götterwelten haben das ja prima erledigt und auch erfüllt, dass ihre ProtagonistInnen ansprechbar waren und keinen übersehen konnten, und klar, wenn man alles Notwendige in diese Richtung tat, ging’s einem prima, aber wenn nicht, dann schmorte man in irgendeiner Vordenkerhölle, denn Angst, das ist bekannt, macht manipulierbar. Auch Angst hat ihre Wirkungsberechtigung, vor allem, wenn man weiß, dass man sie hat und was man mit ihr anfangen möchte oder kann, zum Beispiel, rechtzeitig adäquate Hilfe suchen. Oder wenn man beobachtet, dass einem bestimmten Menschen auffallend wenig widersprochen wird, sollte man das durchaus für sich selbst als Warnsignal sehen. Welche Rolle spielt man selbst in diesem Spiel, in dem man sich nur soweit verkörpern kann, wie man Geist und das Fahrzeug jeweils in Einklang bringen konnte, eine schöne und herausfordernde Aufgabe bei den Prüfung des Planetenaufenthalts. Das bewusste Erfassen dessen, wie und mit wem ich hier durchgehen möchte, und gerne auch mit galaktischer Inbrunst mich auf das Abenteuer einlassen. Wer hat behauptet, dass es leicht sei. Niemand will es ja letztendlich nur leicht haben, nein, herausgefordert will man werden und freut sich über jede/n, der oder die eine neue Note aus einem herauslocken kann, von der man selbst noch nichts wusste. Und es macht ja auf seiner eigenen Ebene keinerlei Unterschied, ob Eine in der Wüste allein eine meisterliche Trompete spielt, oder ein Vogel singt, oder ein Mensch tief versunken ist in einer Stille. Hauptsache, es schadet mir nicht und den Anderen. Und d a s s und wodurch man schaden kann, das ist auch wichtig zu wissen, denn nur dann kann man davon so erschüttert werden, dass es zumindest dahin (wie Wasser in der Erde) reicht, wo Blumen genug Nahrung erhalten und zum Blühen kommen. Wenn also ein paar Einzelne den Mut gefunden haben, endlich Aussage zu machen über das, was offen sichtlich ist, dann hört man einen guten Klang. Man lernt dann, die Misstöne von den klaren Tönen zu unterscheiden.
Sehen Sie, da stehen Sie
auf einem großen Ball
im All
und bewegen sich durch das Sternensystem,
gebunden nur an die wenigen Regeln des Spiels
und das sich daraus ergebende Möchten.
Wer bin ich, was und wie möchte ich sein, was
war ich, was kann da noch anderes enstehen.
Was ich bin, wird erfasst. Was ich nicht bin, geht
den Weg der Entschlackung. Der grundlegende
Baustein schwingt uns entgegen als Tor.
Wir selbst sind torgeboren. Das verlorene Glück,
in der Tat, ist das verlorene Innen. Wenn nicht
von innen behütet und über die angebotenen
Frequenzen geleitet, geht es diese Straße ohne
Zusammenhang. Zusammen hängen drei Dinge:
das Spielfeld und die Spieler und das Resultat
ihres Zusammenspiels. Mit brennender Stirn ,
werte Freunde, geht man d e n nüchternen Weg,
der einem einleuchten kann. Man kann sich dann,
wenn man möchte, zuweilen am Wurzelstamm des
Weltenbaumes niederlassen und sich vorstellen,
wie es wohl einmal gedacht war, als der Mensch
sich schulen konnte als Hüter/in der Ressourcen.
Das ist nun das Reich unseres Nullpunktdaseins:
Totale Entspannung bei höchster Aufmerksamkeit.
Das Schiff mit eigenem Brunnen an Bord, und
leuchtend im Licht des Morgens.
Dass wir Menschen uns partout nicht so entwickelt zeigen, wie wir es gerne erwartet hätten (so als ein Ganzes, meine ich), liegt sicherlich auch daran, dass wir alle den Satz ’so sind sie halt, die Menschen‘ auf Lager haben. Natürlich ist bemerkenswert, dass wir trotzdem anders sind als alle Anderen um uns herum, doch der Einfluss dieser um einen Herumseienden kann mächtig und prägend für’s Leben sein.Was wir vorfinden, haben auf jeden Fall alle jeweils Anwesenden gestaltet und konstruiert, denn der Geist wendet sich dem zu, was uns anspricht. So werden wir langsam zu denen, die wir sind. Ich bleibe bei allen möglichen Einwänden dabei, dass jeder Mensch einen gewissen Spielraum der Gestaltung hat, und vermutlich wird niemand Nawalny im russischen Arbeitslager vergessen. Aber leider wird es auch wegen ihm weitere Verletzte und Gefangene und Gefolterte geben, da auch das Märtyrer-System sich am Leben hält und sich immer wieder bestätigt. Es gibt sie eben, die Märtyrer, und es gibt auch die Folterer. Dann gibt es natürlich auch Epikur oder die Zen-Meister, in jedem (online)-Buchladen erhältlich, obwohl auch da noch die Hand sich betätigen muss, und wenn es (z.B.) kommt, das Buch, kann es nicht nur gelesen werden, sondern man schlägt zum Beispiel auf Seite 50 auf und liest: ‚Der Weise ist frei von Geschäftigkeit, der Tor ist gebunden durch sich selbst.‘ Das allein hätte schon die Kraft, ein Leben zu verändern, man ist ja nicht blöd, man versteht es ja. Aber zwischen dem Verstehen und dem tatsächlich Irgendwohinkommen wabert der berühmte Schatten eines unlösbaren Mysteriums in Bezug auf des Menschen Anwesenheit in den paar Jährchen, die ihm zur Verfügung stehen. Am Ende dieser (verhältnismäßig) kurzen Lebensspanne sieht man selten genug eine/n gelassenen und in sich ruhenden Weise/n, der durch das Tor, sagen wir mal: der Quantenphysik geschritten ist, heißt: er oder sie weiß, aus was das Ganze besteht und dass es sich ständig neu definiert und gestaltet, nämlich hemmungslos präzise den eigenen inneren Gedanken und Ansichten entlang, die sich von innen her nach außen auf die subatomare Ebene legen und sie mitformen. Deshalb ist es so spannend zu sehen, ob man das, was man ganz persönlich von sich erwartet, auch manifestieren kann. ‚Man‘ hier mal als Hindi Wort, was ‚Geist‘ bedeutet. Denn darauf kommt es ja an, eben wie das ganz Persönliche weder überschätzt noch unterschätzt, aber auf jeden Fall immer mal wieder eingeschätzt werden kann, ein Reality-Check sozusagen. Und das natürlich nur, wenn man sehen möchte, ob man noch auf selbstbestimmtem Kurs ist und dem Leben, das man führt, von Herzen zugewandt bleiben kann, weil es einen nährt und bereichert, statt einen zu vernichten. Und wenn es in bestimmten Zeiten danach aussieht, als würden Ignoranz und Dummheit pausenlos siegen, so muss man wissen, dass man immer noch frei ist, die andere Seite der Waagschale zu beleben, auch wenn das interessanterweise mehr Mühe zu kosten scheint. Jetzt nicht durch Geld, sondern durch erhöhte Aufmerksamkeit, damit man mitbekommt, wohin der Kompass zittert und wo die Sirenen singen. Das ist alles absolut genderfree, denn wer sich auf die Reise macht, ist unterwegs, und meistens, wenn man es ernst genug nimmt, gibt es zum Glück kein Zurück mehr.
Da, wo nichts zu sehen ist, erschafft man gerne und schnell etwas, was man zu sehen glaubt. Auf dieser Ebene kann der Glaube genau so hartnäckig sein wie der religiöse. Überhaupt ist es simpler, wenn man nicht alles genau wissen will, denn dadurch wird es komplex, und wenn die Komplexität der Wahrnehmungen nicht durchgearbeitet wird, gibt es Stau und geistige Verstopfung, vor allem, wenn man durch sich selbst wenig umsetzt von dem Hereingelssenen und Durchsortierten, sondern immer neue Ware zulässt, bis man den Überblick verliert über das Angesammelte und ein Druck entsteht mit einer Ahnung verbunden, dass man das alles nicht mehr bewältigen kann. Nicht umsonst, ja, gar nicht umsonst haben die Weisen der Erde darauf hingewiesen, dass weniger mehr sein kann. Nicht zuletzt, weil es dann einfacher wird, an den Staub heranzukommen, der sich gerne auf Geist und Materie legt. Von meinem eigenen Pandemie-Durchgang könnte ich (u.a.) sagen, dass ich den Glückskeks gegessen habe mit optimalen Bedingungen, die eine gewisse Gelassenheit ermöglichen, soweit der Zustand des Planeten das zulässt. Denn auch wenn man die Eremit(en)innen-Klause zur Verfügung hat, weiß man doch tief im Inneren, dass es sie nicht mehr wirklich gibt, zumindest kann nur ein Teil in mir in dieser Richtung weiterleben. Ich bade auch nicht häufig in dem noch größeren Glück, lange genug in einer Welt, in diesem Fall der indischen, gelebt zu haben, als Indien noch glaubhaft vermitteln konnte, dass es das Göttliche gibt. Dass hohe Ordnungen, die man wegen ihrer unerbittlichen Logik akzeptiert, einem wie eine liebende Mutter die Kraft schenken können, das Unerträgliche tragen und das Unfassbare fassen zu können. Und daher weiß ich, dass, hat man sich einmal wirklich eingelassen auf eine Erfahrung, zumindest soweit wie es einem möglich war und ist, man einsteigt mit sich in die Dichte des Rätsels. Denn Rätsel wird es bei aller Belichtung wohl bleiben. Man darf ja nicht vergessen, dass ständig alle mitweben am Teppich, und selbst der kostbarste der Teppiche kann fadenscheinig werden und die Muster keine Erneuerung mehr kennen. Und dann gibt es natürlich schon so ziemlich alles, was man denken kann, und die Frage, ob überhaupt unter Menschen etwas Neues geschehen kann, ist und bleibt eine gute und aktuelle Frage. Manche wollen die Reinheit Marias feiern, wie ich heute zufällig im letzten Satz des Priesters vor den Nachrichten hörte, denn sie war wohl auch nach der Geburt des heiligen Kindes viele Tage unrein, bis sie dann wieder rein war und der Junge dem strengen Gott vorgeführt werden konnte. Oder aber Joseph Beuys, der offensichtlich nicht anders konnte, als sich selbst ins Spiel bringen. Das war in seiner Seinskunst schon alles ziemlich frisch, nur kann es natürlich keiner nachmachen, weil niemand außer Beuys Beuys ist, daran sieht man, wie selten das ist. Und vielleicht war es (nur) die Liebe, die in ihm steckte, eine starke Liebe, die sich dem Schein nicht beugte, sondern er hatte sich, über welchen Weg auch immer, einen Raum erschaffen, wo er sich zeigen konnte und sein konnte, wer er war. Das weiß natürlich nur der Mensch in seiner oder ihrer akzeptierten Einsamkeit, wer genau das nun ist hinter dem, was Andere für eine Maske wie ihre eigene halten, aber vielleicht wissen er oder sie es auch nicht.
Einmal meinte ein Mann während eines Gespräches, er sei doch sehr pragmatisch, also vor allem pragmatischer als ich, und zum Glück fiel mir eine Tatsache ein, die nicht zu leugnen ist, nämlich, dass wir auf diesem Planeten ständig in hoher Geschwindigkeit das All durchqueren, ob das pragmatisch genug sei. Natürlich kann Pragmatismus hier nur im Kopf stattfinden, die Gedanken sozusagen als die dazugehörige praktische Handlung. Ebensowenig ist es natürlich möglich oder angebracht, sich täglich daran zu erinnern, dass ich mich eigentlich nie in einer Bewegungsstarre befinde, oder besser einem selbst kann das passieren, aber ich werde dennoch automatisch bewegt. Auch ordnet man bestimmte Gedanken bestimmten Berufen zu, da, wo sie eben geeignet und nutzbringend sind. Der Eine erforscht die Sterne, der Andere stellt Musikinstrumente her. Aber alle werden mal von etwas Gemeinsamem angehaucht, vielleicht so etwas wie die Angst, verlassen oder zurückgelassen zu werden in diesem Labyrinth der Geschichten, die allesamt nur um den Aufenthalt des Menschen auf dieser Erde gehen. Man grübelt sich z.B. einen Sinn zurecht, der nirgends zu finden ist, merkt aber, dass das scheinbar Sinnlose schwerer wiegt als das an den Sinn Geheftete oder mit ihm Verhaftete. Man hat sich ja im westlichen Denken an die ‚erwiesene‘ Tatsache gewöhnt, dass der Mensch sich vom Affentypus hochgearbeit hat bis zum feinsten Pinselstrich, ja und dann Flugzeuge und Smartphones und Wikipedia, das raubt einem sofort den Atem. Die vielen Bücher, die um einen herumstehen und einem erzählen, auf wie viele Arten und Weisen man das alles sehen kann, was ja jeder sieht, denn alles ist da. Und wenn etwas dazukommt, dann ist das auch da, neue Worte im Duden, die einem die Zeit nahebringen, in der man lebt. Und dann der tägliche Umgang mit den Welten, in denen man nicht lebt, also in jedem, den man antrifft, eine andere. Die Pandemie hat (u.a.) gezeigt auf vielerlei Weise, wie die Bremse zur Außenwelt hin die Menschen auf sich, also auf uns zurückwirft oder führt, sodass der Fluss der eigenen, eingefahrenen Weltwahrnehmung unterbrochen wird und andere Netzwerke im Gehirn aktiviert werden (können). Ein andauernder Lockdown eignet sich für so einiges, was man auch nach dem Lockdown günstig einsetzen kann. Mich packt zuweilen so ein Gefühl, als bewegte ich mich in einem surrealen Film, in dem alle so tun, als wüssten sie, wo es herkommt und wo es hingeht, dabei weiß es ja keiner. Ich kenne auch die Wirkung eines intensiven Nus, in dem ich es ganz seltsam und unverstehbar finden kann, ein Mensch zu sein. Man gewöhnt sich so schnell daran, das Vorgefundene als einzige Realität zu betrachten, die keine Beweisführung braucht. Dabei läuft die Enträtselung ständig auf allen Ebenen auf Hochtouren, und das in allen Schattierungen. Denn es gibt auch irritieörende Weisheiten, die alles Konstruierte über den Haufen werfen und letztendlich auf die einfachsten aller Instrumentarien hinweisen. Wie es eben a u c h zu leben ist, das menschliche Leben. Es hat ja keiner behauptet, dass es einem auf der Reise nicht auch gut gehen soll. Denn gerade d a s ist doch, was jeden und jede von uns betrifft und interessiert: Wie man das macht, dass es einem (und auch den Anderen) so gut wie möglich geht. Sonst wird das Ungewisse eine zu große Last.
Was ist diese Sache, die uns geschehen ist?
Es ist ein Virus, ja, aber in sich selbst enthält
es keinen moralischen Auftrag. Auf jeden Fall
ist es mehr als ein Virus…Es hat die Mächtigen
in die Knie gezwungen und die Welt zu einem
Halt gebracht, wie nichts anderes es hätte
verursachen können. Immer noch rasen unsere
Gedanken hin und her und sehnen sich nach
einer Rückkehr der Normalität, indem wir
versuchen, unsere Zukunft mit unserer
Gegenwart zu verknüpfen, und wir weigern
uns, den Riss anzuerkennen. Aber der Riss
existiert. Und inmitten dieser schrecklichen
Verzweiflung bietet es dennoch eine Chance,
die Weltuntergangsmaschine zu bedenken,
die wir uns selbst gebaut haben. Nichts könnte
schlimmer sein als eine Rückkehr zur Normalität.
Historisch gesehen haben Pandemien die Menschen
gezwungen, mit der Vergangenheit zu brechen
und sich ihre Welt neu vorzustellen. Auch diese
ist nicht anders. Sie ist ein Portal, ein Torweg
zwischen einer Welt und der nächsten. Wir können
wählen, hindurchzugehen, indem wir die Kadaver
unserer Vorurteile und des Hasses mitnehmen,
unsere Habsucht, unsere Databanken und die
toten Ideen, hinter uns unsere toten Flüsse und
unsere verrauchten Himmel. Oder wir können
leichtfüßig durchgehen, mit wenig Gepäck, bereit,
uns eine andere Welt vorzustellen. Und bereit
sind, dafür zu kämpfen.
Es entgeht ja niemand der Handhabung des Daseins, man ist nun mal da. Und es sieht in der Tat so aus, als gäbe es keine Chancengleichheit. Es gibt überhaupt keine Gleichheit. Sie kann in gewisser Weise künstlich produziert werden, wenn Gleichgesinnte sich suchen und finden unter zuweilen extremen Umständen und Bedingungen. Das kann krank machen und heilend wirken. Und obwohl es durchaus gesund ist, sich mal als Staubkorn im All zu sehen, das erscheint und vorüberzieht und verschwindet, so kann man nicht leugnen, dass es einem besser geht, wenn man an der Grübelei menschlicher Bedingungen und Verhältnisse lebendig beteiligt ist. Jetzt nicht unbedingt aktiv auf den Straßen, obwohl das auch wichtig ist, und man kann sie nur bewundern, die heldenhaften DurchhalterInnen, denen eine sie betreffende Enge einfach zuviel wird,und, mit dem Bewusstsein in die Enge getrieben, muss es zum Ausdruck kommen, will man nicht innerlich zerfressen werden. Es ist auf jeden Fall förderlich, wenn ich weiß, wofür ich mein Leben einsetze. Was mir mein Recht auf innere Ruhe rauben kann. Oder habe ich gar kein Recht darauf, sondern muss mich erst einmal einlassen auf das wilde Getümmel, um überhaupt unterscheidungsfähig zu werden. An vielen krassen Scheidewegen muss man die Richtung wählen und wissen, dass es gar nicht auf eine richtige oder falsche Wahl ankommt, sondern auf eine getroffene Entscheidung. Aber auch das ist nicht immer so, denn da, wo man selbst zu einer Klarheit gelangt ist, da kann es geschehen, dass man sie auch verteidigen muss. Wie geht man vor in der Verteidigung? Welcher Sprache bedient man sich? Denn durch die Worte wird klar, wer man ist, da gibt’s kein Zurück. Oder Störungen und Fehlentscheidungen weisen auf ein weiteres Zurück hin, eben da, wo die Störung eine bleibende Wirkung hatte (auf das Kind), die viel später auftaucht aus dem Verborgenen und Sprachlosen, und nun mit den Anderen ins Spiel gebracht wird, bis sich langsam die Dinge und Vorgänge lichten und gewisse Ordnungen entstehen, die reifere Handhabung ermöglichen. Wenn man erkennt, was man mitgebracht hat und wie man es anwenden kann, möglichst, um immer weniger Schaden damit anzurichten. Nicht, dass ein Lichtkranz am Hinterkopf zu erwarten ist. Zum Glück sind die Höhlen leer, oder ein paar am Wissen gescheiterte Mönche verstecken sich dort über Winter, aber ansonsten ist da nicht mehr viel los, außer dass man sehen konnte, wie seltsam inkompatibel sich Smartphones an aschenen Ohren machten, wo man eigentlich einen Einklang zulassen möchte, den es nicht gibt. Irgendwann ist der Mensch, wie wir ihn kennen, zu Ende. Oder er und sie, die Menschen und ihre Kinder, setzen sich durch und erkennen da, wo es am finstersten ist, eben den Ausgang aus dem Tunnel, kein Diamant, sondern ein ganz normales Licht. Der Mensch also, der irgendwo rumsteht und alles hat, was er oder sie braucht, um das Lebendige zu zelebrieren. Denn ein Fest ist es ja dennoch geblieben, und auch Gestörte und Verwundete können daran teilnehmen, und niemand muss ein Stephen Hawkins sein, dem es immerhin gelungen ist, das Unvorstellbare des geistigen Reiches nachvollziehbar darzustellen.
Das habe ich auch von mir selbst, beziehungsweise vom Umgang mit mir, gelernt, dass man sich beim Verdrehen der Wahrheit erwischen muss, denn u.a. bringt gerade d a s einen (möglicherweise) zum Interesse an der Wahrheit, oder der Ehrlichkeit, oder dem Willen zur Wahrhaftigkeit. Lügen kann so peinlich einfach sein und ist auf gesellschaftlicher Ebene nicht nur bekannt, sondern wird untereinander gefördert so, als wisse doch jeder, dass gelogen und verdreht werden muss, was das Zeug hält. Und wer es glaubt, also all das Zeug, was einem so wie nebenher serviert wird, wird eben nicht selig. Und ich finde es als Beispiel immer noch interessant, dass sich nach Trumps Verschwinden erst langsam klärt, dass es hier um eine Sekte geht und nicht um eine Partei, eben die republikanische. Wenn also die offensichtlichen Lügen nicht vom Träger gelockert und bedacht werden, und der Moment nicht erkannt wird, wenn man sich von dem Lügenkonstrukt distanzieren muss, in günstigem Fall überhaupt noch kann, dann beginnt man, die Lüge zu verteidigen und empfindet sie langsam als rechtmäßig. Was passiert da innen drinnen, wenn plötzlich mitgestimmt wird, dass Juden wegen Rassenunreinheit weg müssen, so, wie Narendra Modi das in Indien praktiziert mit den Muslimen. Er glaubt auch, vermutlich wie Hitler und Trump usw.,er sei ein ganz geheimnisvoller und von Gott persönlich ausgewählter und eingesetzter Held, dabei sind sie ein offenes Buch, eine gefährliche Wiederholung der gerne im spannenden Drama besetzten Rolle. Oder auch ein von Impotenz gesteuerter Irrer, der niemals aushalten können wird, was er bereits weiß. Auf jeden Fall ist Lüge die nicht zugelassene Wahrheit. Weil sie auch einfacher ist und den Weg freischaufelt, klar, das kann nützlich sein. Aber da unsere Wesensarten nun mal makelhaft sind, fehlt zuweilen das Maß der korrekten Einschätzung, und wie leicht kann man sich da tun, wenn man alleine rangeht mit dem Gutheißen, wo es vielleicht gar keines ist und nur ich es gut heiße. Es lohnt sich immer mal, mit der Lupe die einen Diktator Umstehenden zu studieren, da sieht man viel, was dazu gehört, wenn man selbst gar nicht mehr da ist, sondern nur eine leere und kalte Form, von brodelnden Ängsten besetzt, die das Labyrinth zum Einsturz zu bringen drohen, und kein Faden weit und breit. Dann hat man bald nichts mehr zu verlieren, denn man hat gar nichts mehr, was man verlieren könnte an innerer Kraft. Dann beginnt die Show, in der d i e mitwirken, die sich bewusst selbst überspielt haben. Man könnte auch sagen, sie drehen das Hakenkreuz nach links. Wer so weit schon gegangen ist, braucht zum Weitergehen einen Entschluss. Man bekennt sich wahrhaftig zur falschen Richtung und sagt dann gelegentlich irgendwo: wer weiß denn schon, was eine falsche Richtung ist. Und es stimmt, nur ich selbst kann das einordnen, bis mich der Zwiespalt nicht mehr im Griff hat. Dafür braucht es eine Menge Erfahrung, denn der Zwiespalt ist das Rückgrat dieser freiwilligen Herausforderung, Klarheit zu erlangen über die eigene Richtung. Sie ist leider nicht ansteckend, aber die Klarheit eines Anderen kann durchaus motivieren, sich aufzurichten vom wundgescheuerten Knie.
Ich blickte auf die Architektur meiner Arbeitslage
und sah eine Veränderung. Ganz ohne Frage war
hier das Wüstenschloss. Ich breitete meinen Teppich
aus. Da war mein Fenster mit dem Blick auf das
Niemandsland. Da waren die Rosen und der Vogel
im Garten. Und da stand ich und lächelte mir zu.
Mir wurde klar, dass die Aktivität im Zentrum der
Leere für die Arbeit unerlässlich ist. Da steckte
ich brav das hübsche Schwertlein weg und ließ
mich belehren: Zeit ist eine Begrenzung. Wissen
ist eine Begrenzung. Vergessen ist eine Begrenzung.
Obwohl der Vorrang des sich als erfreulich Zeigenden im eigenen Leben immer ein gutes Zeichen ist, so kann man ab und zu mal ganz schön erschrecken. Oft kommt Erschrecken, wenn man genauer hinschaut, denn dadurch wird es komplex und man hat die Wahl, sich durch das Labyrinth des Denkens durchzuarbeiten, oder man hat den Tanz gewählt, oder den Salto Mortale. Erschrecken kann einen (immer noch) die Lage in Moria. Manchmal steht ein einziges Wort für den Alptraum, der auch unter uns Menschen herumgeistert, oft hinter den Masken verborgen, sodass näheres Hinschauen auch gefährlich sein kann und oft der, der zu viel weiß, nicht mehr ruhig leben kann. Oder man kann erschrecken, weil es nun doch, wie viele ahnten, kein Impeachment gegen Trump geben wird, denn ganz viele Männer dort spielen mit hohem Einsatz im Casino, und das ist nur möglich, weil es keinen Weg mehr für sie gibt, der frei ist. Feige, machthungrige Herren (und ein paar Damen), die gerade noch eine Heldenchance hatten, nun aber gescheitert sind an ganz persönlicher Erbärmlichkeit. Das muss genau d a s sein, was das japanische Sprichwort sagt: ‚Es gibt Wichtigeres als das Leben.‘ Ein wahrer Zen-Streich, wenn einem die Bedeutung klar wird. Nicht, dass man in irgendeiner anderen Haut jemals stecken könnte oder wollte, so kann man eben manchmal einfach schaudern wegen dem, was so alles auf der Erde geschieht, und immer da, wo man aus welchen Gründen auch immer, genauer hinschaut, da passiert etwas mit einem. Vielleicht schwindet der Hoffnungschimmer, oder besser: der Schimmer kann bleiben, nur das Stroh soll gehen, der vermutete Halt, der so oft auf alle Arten und Weisen strukturiert wird, dabei gibt es ihn gar nicht. Oder der Halt, der wirklich hält, ist gar kein Pfosten oder ein Schiffsmast oder ein Mensch, sondern man selbst ist ja ein Rückgrat, und abgesehen davon noch eine Haltung. Wie man sich hält also, oder verhält. Dann gibt es die Verhältnisse, in denen man sich bewegt und wo man Achtsamkeit üben muss, damit die Dinge nicht aus dem Ruder laufen, oder erschreckt wahrnehmen, wie Anwesende von den Katastrophen mehr oder minder überwältigt werden. Wie wach kann man von diesem Traum werden? Frau Merkel nennt die Pandemie eine Jahrhundertseuche und man merkt, dass es nicht so einfach ist, die ganz und gar persönliche Befindlichkeit einzuschätzen, denn man will schließlich wissen, was an der eigenen Quelle los ist, ob die See stürmisch ist, oder ob Windstille herrscht. Und dann über Sturm und Windstille hinaus und hinein in das Gegenwärtige, oder wie man es auch nennen wollte, weil oder obwohl es gar keinen Namen hat.
Jetzt fange ich auch schon an: vielleicht wollen ’sie‘ (die da oben (?)) ihre Lager angestauter Maskenprodukte loswerden und verhängen sie einfach dem Volk als Gesetz. Jetzt muss man das Selbstgewählte beiseite schieben und herausfinden, wie man an so ein Ding rankommt, was sich als einfach entpuppt, denn die meisten wissen schon bescheid. Selbst bei Aldi, höre ich, kann man sie für 89 Cents an der Kasse haben. Alle tragen jetzt diesselbe Maske. Ist das jetzt einen ganzen Satz wert, oder schleust er einen gar in den Urschlund dunkelster Ängste, wo (z.B.) die, die nicht gehorchen, ihres Lebens nicht mehr sicher sind. Hier zahlt man zwar auch einen Preis, wenn man unbedingt keine (Maske) tragen will und dummerweise vom herumwandernden Ordnungshüter sich hat fassen lassen, aber das macht man ja auch nicht. Alle tragen nun (ab heute oder gestern?) diesselbe FFP2 Maske, und auch d a s ist, was ist. Natürlich geht auch ständig was durch einen durch, was nicht nur selbst geahnt oder gedacht oder schon reflektiert worden ist, aber man ist ja auch ständig, bewusst oder unbewusst, am Ausloten des Durch-einen-Durchgehenden. Den sokratischen Satz, dass es schön sei, dass es so viel gibt, was man nicht braucht, konnte ich auch zuweilen im Supermarkt genießen, wo zwei Dinge zu holen sind, die es woanders nicht gibt. Oder doch eine Netflixkarte kaufen, um mal wieder einen guten Film selbst wählen zu können, stimmt ja gar nicht, denn es ist ja Netflix, wo man sich einlässt. Das erscheint uns allen ja alles als ganz und gar frei, wie man es sieht eben, und die weltliche Grundausstattung ist sicherlich nicht durch einen moralischen Maßstab gezeichnet. Nein, man muss schauen, wie man darin zurechtkommt. Man sagt auch von Katastrophen, dass man darin und daran vieles vom Menschen erkennen kann. Wie verhalten er oder sie sich. Wie viel kann den Einzelnen in einem Volk zugemutet werden. Und was, wenn die Pandemie vorbei ist, und alle tragen noch immer die Maske, jetzt wieder die persönliche mit den bunten Farben und den Sinnsätzen direkt in Mundhöhe, denn man hat das sich Verbergende liebgewonnen und ist nun für seine potentielle Erotik. Der Abstand hat sich auch irgendwie bewiesen, vielleicht kann da ja mehr geschehen als mit der ständigen Nähe. Mal wieder Luft holen als Mensch, und wer war man überhaupt vor der Pandemie und wer und wo ist man jetzt. Eine rege Aufmerksamkeit scheint auch (wegen der Not?) im Gange, oder ist es ein Freilassen von kreativen Impulsen, nach neuen Pfaden suchend? Auf jeden Fall kann die Energie, vielschichtig, wie sie nun mal ist, gut genutzt werden, sie ist ja für jeden frei verfügbar. Und es ist schon verblüffend, dass, wenn man den eigenen Weltspiegel einschaltet und mal so weit wie möglich um sich herumschaut, man fast überall nur Maskierte sieht, und man selbst ist auch Maskierte/r. Schon auch schade, dass es diese klugen Erzengel nicht gibt, die einem spannende Prüfungen vorlegen, die das Herz in Bewegung treiben, hinein in das Ernsthafte und in die Sorgfältigkeit.
Und weiter geht die Fahrt. Im Hintergrund, oder wie soll man das Es nennen, brummt der globale Lockdown und wirkt auf ziemlich verborgene Weise in die Synapsen hinein. Was keiner weiß ist vor allem d a s, was dann dabei herauskommt, wie es allen und vor allem wie unterschiedlich es allen ging und geht, je nach Gruppierung oder Ehe oder Kommunikationskunst oder dem Scheitern an dem, was man dachte, so gut zu bewältigen. Oder wenn man eine einigermaßen anregende Bibliothek ihr eigen nennt, kann sie mal herumschlendernd ein Zen-Büchlein herausgreifen und sich noch einmal an den Anekdoten erfreuen, die damals dort die Runde machten und bis heute durchaus aktuell sind. Einerseits das Scheitern am Geglaubten, wenn man es für die bare Münze hält, und wie macht man das, bare Münze erkennen? Entweder es hat mit Geld zu tun und mit dem, was ich damit machen kann und will, oder es hat auch was damit zu tun, dass es schon immer auch einen Anspruch auf das Menschsein an sich gab, wo die bare Münze für etwas steht, was gleichermaßen am Bäcker und am Yogi vorbeigeht, also eher ein innerer Zustand, der sich selbst als glaubwürdig zulassen kann, und wo es auch nicht mehr um Karotten geht, die dann der Leere im Weg sind. Und es ist auch nicht gering, dass nun im Trump-Drama darum gerungen wird, ob er, ganz offensichtlich ein verbrecherischer Täter, zur Rechenschaft gezogen wird, oder ob in den Garderoben schon die Drohungen laufen und sich d i e zeigen, die eigentlich am Strang ziehen und den Vorhang weiterhin brauchen für ihren Auftritt. Auch das Volk kann man nicht immer und überall dumm nennen, so gerne man es zuweilen tut und dann merkt, dass man auch zum Volk gehört, und wie und wodurch sich auch jeweils das Plazierbare ausdrückt. Beim Nachdenken ist mir aufgefallen, dass die Täter tatsächlich viel zu oft entkommen, ja, gar nicht als Täter wahrgenommen werden. So wie Trump, den man innerhalb des Volkes, wenn auch nur durch eine kleinere Gruppe, zum Erlöser gekürt wurde, also zu einem, der sich endlich um sie kümmert und gibt, was sie brauchen und begehren. Der Reinwäscher des finsteren Pädophilenrings, das kann schon sehr abstrus werden, diese Art von Realitätsentfremdung, die man dem blinden Gehorsam zuschreibt. Der beginnt, wenn man sich denken lässt durch außen und bald nicht mehr bemerkt, dass gar keine innere Überprüfung stattfindet, sondern hin und her schüttelt einen der Kampf um den inneren Halt, der ja immer verfügbar ist, zumindest theoretisch, da man nirgendwo anders sein kann als da, wo man ist. Was man damit macht, das ist wahrlich sehr unterschiedlich. Und egal, wie klar das eigenen Programm angelegt ist, also z.B. auch die Route gegen den Strom, so ist es doch auch d a wichtig, die Praxis nicht mit dem Kissen zu verwechseln und mal ein Spiel spielen, oder unterwegs mit dem Pinselstrich.
Vor allem gestern konnte man, sorry!, konnte ich nochmal so richtig hineinsinken in die Freude der neuen amerikanischen Präsidentschaft. War doch echt schön und verhältnismäßig entspannt, das Programm der Einweihung. Viele waren wahrscheinlich auch froh, dass sie nicht hatten sterben müssen. Es gab ein sorgsam ausgewähltes, kulturelles Programm mit einer Poetin auf der höchsten Ebene der Vorstellungskraft. Schwarze so natürlich zusammen mit Weißen, dass man die Trennung der Hautfarben ein fehlgeleitetes Produkt von Gehirnwellen halten könnte. Wann um Himmelswillen fing das denn an, dass sich das Feigenblatt von den Augen löste, und auf einmal sah man, dass viele anders waren als man selbst. Man ist heute ja noch manchmal überrascht darüber, oder hält das Menschliche für eine Selbstverständlichkeit, also etwas, wovon man grundsätzlich ausgehen kann in jedem Herumwandelnden, kann man aber nicht. Bidens wohldurchdachte Rede hat vermutlich den selben Wirkungskreis wie die Egomanie des Vorgängers. Nie weiß man, wann sich wer, wo und durch wen angesprochen fühlt, aber klar ist auch, dass die Dinge sichtbar werden, auch das immer auf unterschiedliche Weise. Auf der Weltenbühne erschien auch die Königin des Tages, die junge Poetin Amanda Gorman, deren Beitrag ich am Sonntag eingeben werde, damit sie in meinem Archiv dabei ist. Wie oft hört man schon ein Gedicht, dessen Glanz alles überstrahlt, sodass man tatsächlich wieder weiß, dass Kunst auch der Aufstand ist gegen die Banalität, in deren durchgesessenen Aufenthaltsräumen die Maske schon vor der Pandemie Usus war. Frisch ist das zeitlose Alter der Weisheit und kommt zum großen Glück auch in Zwanzigjährigen vor. Man möchte die Hand an die schöne Schläfe legen und selbst den Lorbeer aufsetzen. Auch die der Einladung gefolgten früheren Präsidenten bewegten sich ziemlich entspannt herum, vor allem die Obamas sind menschlich wirklich auffallend angenehm, sowie Kamala Harris und ihr Mann. Man hat eine Weile als Zeugin zuschauen können und sich vorstellen, wie einfach es wäre, respektvoll miteinander umzugehen, weil es in letzter Konsequenz überzeugender ist als jeder Ehrgeiz und jeder Machthunger. Insofern kann man schon sagen, dass ein paar Stunden lang das Tröpfchen Licht im Dunkel gewirkt hat, das ist schon viel, denn wer dabei war, kann es zumindest innerlich nicht leugnen. Und es leugnet auch keiner, dass da ein enormer Energiewechsel passiert ist. Vielleicht ein paar enttäuschte Tyrannen, denen nicht entgangen sein kann, dass in Akt III ein sehr schlechter Verlierer unterwegs war, das hassen sogar Mafiabosse. Einer, zu dem alle gekrochen sind, kriecht zurück in sein eigenes Schicksal, und droht damit, dass er irgendwie wiederkehrt. Und genau da, wo man die Show gerne beendet sähe, geht das Spiel dann doch wieder weiter. Die Fahnen sind weggeräumt, die Lichter des Festes erloschen, Heerscharen von Polizisten aller Art froh, wieder ungeschoren nach Hause zu kommen. Aber wer weiß, vielleicht hätten sie auch gern mal eine tollen Kampf geliefert, dafür werden sie ja schließlich ausgebildet. Ansonsten beginnt die Arbeit. Außer Armut und Krankheit geht es um Täter. Vor allem Täter, die nicht nur keine sein wollen, sondern die sich nicht als solche sehen. Wir haben unten in der Waschküche einen Schalter, der mir hierzu einfällt. Er ist völlig überdreht, gibt aber beim Weiterdrehen immer mal wieder einen lichten Moment her, bis man das Ding irgendwann stoppt. Es fühlt sich ganz natürlich an und gehört nun als akzeptierter Defekt zum Schalter, ja, es wird gar nicht mehr als Defekt wahrgenommen, man hat sich einfach daran gewöhnt, es so zu machen, denn es funktioniert ja. So kann man sich selbst auch anpassungsfähig nennen, wenn man dem zuspielt, und zum Glück spielt das in der Waschküche keine so große Rolle, es dient nur zum Verstehen.
Der Geist muss die Materie durchdringen.
dafür muss die Materie geeignet, der Geist
anwesend und durchlässig sein.
Der Augenblick muss seinesgleichen finden:
durchatmetes Gewebe im Rahmen der
Möglichkeiten. Der Äther gebiert stets neue
Frequenzen, der Boden unter den Füßen
Muster und Raumgefühl. Ich richte mich auf
am Lenkrad der Kräfte und sehe: der Geist
hat sich herausgelöst, das Wunder der
Zeugung vollbracht. Im Tunnel der ehrgeizig
Rasenden macht sich das Ich auf und davon.
Unirdisches Licht des Empfanges.
Am liebsten hätte ich nochmal den Comic herausgekramt, wo Libertas, die Freiheitsgöttin, heruntersteigt vom amerikanischen Sockel und von hinter der Statue hervor vorsichtig flüstert: Isser weg? Jetzt isser tatsächlich weg, und nicht mit so grandiosem Abgang, wie es wohl von ihm visioniert war, nein, schäbig und schändlich geht er von dannen, wen kümmert’s, er wird sich nicht ändern. Selbst in seiner letzten Rede, die gerade herausgekommen ist, schaut man mit fassungsloser Faszination auf diesen für seine Lügen so berühmten Mann, wie er sich die Lügen seiner Amtszeit noch einmal zusammenbasteln ließ von den paar Gefolgsleuten, die noch so um ihn herumhängen, aus welchen Gründen auch immer, und er ist des Lobes voll von all seinen Taten, bis man sich fragt, warum man sich das antut. Nun ja, ich persönlich war ziemlich viel unterwegs in dieser menschlichen Tragödie, und ich denke, es fing an mit einem Kinderwunsch, der sich auch heute noch in mir hartnäckig hält, vielleicht ein wenig gereift und geläutert von allerlei Hoffnungsstroh, was das Wesen des Menschen und seine mysteriösen Ausuferungen betrifft. Die große Freiheit, die es zu handhaben gilt, und in wen ich mein Vertrauen lege. Ja, ich dachte öfters, doch reichlich verwundert, dass das ‚bessere‘ Wissen, das wir auch alle als Barometer in der Grundausstattung haben, dass das Wissen also, das auf allen Ebenen aktiv ist, sich immer weniger durchzusetzen scheint als all das Unheil und die Schädigungen und der Missbrauch und die Empathielosigkeit. Vielleicht ist das Schädigende auch tatsächlich leichter, man schiebt es auf Andere und denkt, damit schaufelt man sich frei. Aber eine Freiheit, die man ständig mit Waffen schützen und mit Gesetzen festigen muss, kann ja nicht wirklich etwas mit Freiheit zu tun haben. Und dann arbeitet noch jeder am eigenen Platz daran, denn auch das Politische ist ja in der Gesellschaft nicht aus den Wohnzimmern wegzudenken, wahrscheinlich am gemütlichsten ist es, wenn Sonntag ist und nach den Nachrichten der verlässliche Tatort kommt, wo wieder Andere Dinge tun, die man mitverfolgen und durchknobeln kann, oder einfach berieseln lassen von den vielen Ideen. Was meinen gereiften Kinderwunsch betrifft, so darf ich feststellen, dass ich eigentlich hochzufrieden bin mit diesem Wunsch, denn kennen wir nicht alle einige Menschen, die sympatisch und liebenswert sind und sich kümmern um das, was sie angeht. Dann dachte ich: Ja, ein Bild von Joe Biden und Kamala Harris gehört schon hierher in mein Bewusstsein. Sie machen einen sympatischen Eindruck, Joe Biden tatsächlich etwas farblos und unaufregend, aber auch unaufgeregt, das war wohl die beste Waffe gegenüber dem Tyrannen. Und Kamala Harris, eine der wenigen sich erfüllenden Wünsche, die ich politisch schon seit Jahren hege, nicht nur für Kamala Harris, aber für von Frauen geführten Regierungssitzen, denen man einen kraftvollen Einsatz für ihre angesagten Werte zutraut. Was aus dem Schuss Gutem wird, was sich hier durchgesetzt hat, wird man sehen. Auf jeden Fall hat sich durch Donald Trumps Abgang und Bidens Antritt inmitten einer globalen Gesundheitskrise etwas Grundsätzliches verändert. Zumindest weiß jede/r, dass alles möglich ist, auch wenn man es selbst nicht gedacht hat. Aber auch, w e n n man es selbst gedacht hat.
Seit ich diesem Begriff „Faktor X – der unbekannte Faktor“ – vor vielen Jahren begegnet bin, begleitet er mich und taucht zuweilen auf, vielleicht wenn besondere Klarheit darüber herrscht, wie unbekannt die Faktoren wirklich sein können, beziehungsweise: meistens sind. Es ist nicht nur das Misstrauen oder der Forschungsdrang, der diesen Faktor belebt, sondern die Tatsache der ersten bis zur letzten Konsequenz des unbekannten Faktors selbst, das Lebendige an sich, das nicht gekannt werden kann, da es sich permanent in Neubildung befindet, egal, wie stabil es scheinen mag. Man kann nicht leugnen, dass die Pandemie u.a. einen Schub gegeben hat in Richtung Nachdenken, und Mitdenken, und Selbstdenken, nicht, dass das alles getrennt stattfinden muss, nein, sondern es kann sich in bestem Fall wie ein Tanz bewegen, alles umeinander herum, ohne sich einzuschränken. Eine Kunst, die auch in Großfamilien praktiziert wird, wenn nichts versteckt bleiben kann, aber alles von einem Wohlwollen getragen wird, auch in Hinsicht auf die Übereinstimmung gemeinsamer und getrennter Werte. Doch was weiß man schon von der inneren Architektur eines anderen Menschen, oder will es oft gar nicht wissen, oder man bekommt keinen Zugangscode, oder ist für gegenseitige Teilnahme zutiefst dankbar. Die Vorstellung von eigenen Wegen kann so immens unterschiedlich sein. Immer kommt es darauf an, wer am Steuerrad sitzt oder am Weltrand steht, vor sich die gähnende Leere, der Abgrund, die Herausforderung. Welches Spiel? Welcher Einsatz? Auch von Donald Trumps Performance kann man etwas lernen, was nützlich ist im Spiel, und von Martin Luther King kann man etwas anderes lernen. Dauernd bewegt man sich im Unbekannten und muss sich zurechtfinden auf der noch nicht beschriebenen Landkarte. Aber die Landkarte wird es geben, das ist sozusagen das Beweismaterial, nicht für ein hohes Gericht, nein, nur für einen selbst, denn schließlich und endlich ist man dieser Mensch, der (z.B.) mit sich selbst durch eine Pandemie steuert. Was weiß ich, wie es die Anderen machen. Vielen scheint es gut zu bekommen. Es hängt davon ab, wie viel oder wenig gestört der Raum ist, in dem ich die Fahrt durchwandere, mit wem, und wie, und womit. Attention! Please, Attention! Die Passagiere werden gebeten, sich in Raum X zu begeben, um dort dem unbekannten Faktor zu begegnen. Achtung, Achtung! Die unbekannten Faktoren werden gebeten, sich in die Passiere zu begeben.Man sieht einen inneren Raum, in dem das Unbekannte die Flügeltüren öffnet. Ja, ja, es hat Türen.
Wann genau die Komödie tragische Züge annimmt, das ist nicht leicht zu orten. Vielleicht wenn einem das Lachen vergeht, obwohl es doch kaum etwas Gesünderes gibt als das Lachen über sich selbst, ein wahres Nahrungsergänzungsmittel. Immer wieder gibt es irgendwo in einem Land schreckliche Jahre, wo etwas wütet, was keiner aufhalten kann, weil so viele davon profitieren. Da sind in der böswilligen Absicht leider keine Grenzen zu erkennen, eher im Zögern der gutwilligen Richtungen, wo es zwar menschlicher zugeht im Zagen und Zaudern, oft jedoch die Kraft nicht mehr vorhanden ist, sich gegen das Unheil zur Wehr zu setzen, weil einem nie vermittelt wurde, dass man es kann. Und dann kommt genau so einer wie Trump, der all dieses sich Wehrenwollen aufbaut auf einem Lügennetz, dem niemand, der darin gefangen ist, wieder entkommen kann. Es ist ja gut, wenn man dem Sterben gelassen entgegen sehen kann, aber wenn so eine vernichtende Todeslust aufkommt, weil schon zu viel verloren ist, das ist gefährlich. Auch Hitler konnte ja seinem Tun nicht ins Auge sehen und hat alle, die noch da waren, über die Kapsel zurückgelassen, das nennt man dann (u.a.) Feigling. Jedoch konnten sie nicht anders, sonst hätten sie’s ja getan. Aber genau d a s war ja sichtbar, eben dass ihre vernichtungsbereite Triebkraft so stark war, dass es die selben Partikel zu sich angezogen hat, denn auch d i e erkennen sich, wenn sie sich treffen. Sie fühlen sich ja im Recht mit all dem geheimen Groll, und dann kann der sich irgendwo anhaften und mitmachen. Hauptsache, es findet einen Ausdruck, da sind sich Licht und Dunkel in ihren laufenden Gesetzmäßigkeiten sehr ähnlich. Auch der Mafia Boss hat einen strengen Moral Kodex, nur, dass hier das Töten und einiges mehr dazu gehört, was nur ihrer Zunft entspricht. Je dichter diese Art von geistiger Materie, also Geist, der schon fast so schwer wie Materie selbst ist, je dichter er also ist, desto schwieriger wird es, einem bestimmten Bewusstsein Einlass zu gewähren, das andere Leitlinien zur Verfügung hat. Und zwar solche, die eher geeignet sind, Licht ins Dunkel zu bringen, oder auch in der Dunkelkammer die Geschehnisse belichten und reflektieren können, damit die Qualität des Bildes überprüfbar bleibt. Das Dunkle ist ein mächtiges Reich, das viele Schlupflöcher bietet und anbietet und verkauft, sodass sich leicht verbergen kann, was sich verbergen muss oder will. Und dann gibt es auch hier die Felder, die Früchte tragen werden, gute Früchte, warum nicht. Nelson Mandela hat uns ja beigebracht, dass das Gute schwer ist, weil es nicht von selbst kommt. Auch wenn es von selbst kommt, was macht man dann damit, denn das bleibt ja nicht einfach bei einem. Auch die braune Farbe blieb nicht einfach an den neuen Nazis hängen, sondern irgendwo gab es diese Nahrungskette, die zu den ihnen bestimmten Resultaten führt. Ursache und Wirkung. Input und Output, geradezu beklemmend einfach in ihrer Wirkungskraft. Geradlinig, logisch und eindeutig, und ganz klar auch praktikabel und überprüfbar. Nun lagert im Ungewissen ja auch die Frage, wie sehr man an sich gebunden ist, und ob es eine Befreiung gibt von dem, was man meint, zu sein. Also nicht von dem, was man wirklich ist. Auch da, wo Lockdown erzwungen wurde und wird, gibt es Folgen, die abzusehen sind. Und dann wiederum gibt es die Geschichte der Erzeugung des Diamanten, der aus der schwärzesten Schwärze herausgebildet wird und dann leuchten kann als das, was a u c h in der Dunkelheit steckte.
Das Gespinst eines apokalyptischen Szenarios kann einen durchaus selbst mal streifen, sozusagen mitten im Ungewissen die Frage: was, wenn…? Was, wenn (sammle ich jetzt mal kurz ein paar flüchtige Beispiele) immer neue Mutationen erscheinen, für die wieder neue Impfstoffe entwickelt werden müssen, oder die Milliarden gehen tatsächlich mal aus, auch der Schuldennachschub, oder alle Lazarettbetten der Welt sind nicht nur belegt, sondern es gibt auch niemanden mehr, der sie betreuen kann, die Kranken und die Sterbenden. Ich fände eine Welt ohne Cafés und Restaurants auch unerträglich, einfach weil sie beim Leben nicht fehlen sollen wie vieles weitere und für jede/n auch persönlich was anderes, was er nicht missen kann, ohne auf Dauer Schaden zu nehmen. Nicht jede/r hat die Kraft, dem Unausweichlichen ins Auge zu sehen. Wann wird etwas unausweichlich? Man schaut nochmal leicht ermüdet zum amerikanischen Alptraum hin und kann nur hoffen, dass Biden dem Ansturm dieses Unausweichlichen gewachsen sein wird. Vermutlich wurde ein amtierender Präsident selten so wenig beneidet als er: die Pandemie außer Kontrolle, der Vorgänger, der ihn schon einmal dazu treiben konnte, ihn einen albernen Clown zu nennen, der die Klappe halten sollte. Was, wie sich nun herausstellt, historisch förderlich für alle gewesen wäre, also wenn der Clown die Klappe hätte halten können, was er nicht konnte. Und nun muss man sie weiterhin fürchten, die Worte, die da herauskommen aus dem schwer in seiner Selbstwahrnehmung Geschädigten, wenn man das überhaupt Selbstwahrnehmung nennen kann, besser Selbsteinschätzung. Eine fehlende Fähigkeit zur Selbsteinschätzung. Es ist selten, dass das Ausmaß solch einer inneren Leere betrachtet werden kann. Es ist so etwas wie eine weißflimmernde Leinwand, auf die jeder projezieren kann, was er sehen möchte. Auf eine geradezu unheimliche Weise saugen sich Ähnlichkeiten an dieser Form fest und erscheinen den Projezierenden als ihr eigenes Bild, nur in von ihnen verklärter Variante. Sie fühlen sich verstanden, weil einer ihren Schein tragen kann. So werden dunkle und hellere Götter geboren und spielen Jahrhunderte und Jahrtausende lang mit den herumwandernden Gehirnen die Epen durch, so als könnten sie tatsächlich den Flüchtlingen eine Heimat bauen, oder den Hungernden Nahrung zukommen lassen. Es stimmt, dass wegen ihres Glaubens viele geholfen haben, aber diese Gläubigen stürmten auch das Capitol, um die vermuteten Verräter zu enthaupten und ihren vermeintlichen Seelenretter zu retten. Der saß allerdings lachend vor der Kiste, als diese Idioten sich abmühten für ihn und bereit waren, ihr Leben zu opfern. Also was, wenn jetzt noch schwerere Geschütze auffahren, bis alle merken, dass da eine Menge Lebensmüde unterwegs sind, die den Tod für den Führer als letzte und einzige Heldentat begreifen, während der Anstifter zu Mord und Totschlag mit dem Flugzeug nach Dingsbums, wie ich es absichtlich nenne, geflogen ist, wo sie ihn allerdings auch nicht haben wollen, was nicht weiter beschäftigen soll. Doch, ob es noch jemand schafft, ihn zur Rechenschaft zu ziehen, wo rechtmäßige Rechenschaft kaum mehr möglich ist, aber doch: einfach, weil es sein muss. Gleichzeitig versuchen Heerscharen, jede Lücke des Vorstellbaren zu sichern. Aber niemand hat auch nur eine Ahnung, was wirklich geschehen wird. Im Science Fiction Thriller könnte zum Beispiel Kassandra, eingereist aus Zen-La, sagen: Eine seltsam tiefe und gleichzeitig dröhnende Stille bewegt sich durch die Netzstrukturen hindurch und über sie hinaus, Hier finden Wirklichkeit und Wirksamkeit ihren Nährboden.
Das Bild ist ein Ausschnitt aus der neuen ‚Zeit‘-Titelseite und ich fand es grundsätzlich und speziell eine gute Frage, wo Wut, wenn sie auftaucht, hingeht. Man kennt das ja von sich in kleinerem Ausmaß, dass man sich immer mal wieder mit dem Gefühl der Wut oder des Ärgers oder der Empörung befassen muss und sie auseinanderhalten lernen, nämlich wann ist was angebracht und wann keineswegs. Dass die Welt und wer darin auch immer möchte, gerade zuschauen kann, wie sich der amerikanische, vierjährige Intelligenz-Lockdown langsam einen Ausweg sucht, der keine Hintertür mehr ist, das ist einen politischen Aufatmer wert, war doch auch in diesen Jahren das Staunen dort zuweilen mit einem Schatten verbunden, der immer größer zu werden drohte, wie in einem Märchen, wenn alles viel, viel schlimmer kommt als man dachte, und dann kommt der Schrecken‘, und dann die Erkenntnis, dass es noch viel schlimmer ist, als man zu denken wagte. Dann sieht man u.a., was ein einzelner Mensch anrichten kann, wenn die Schachfiguren und die Spielregeln über den Haufen geworfen werden und nicht genug Geister sich rechtzeitig zur Wehr gesetzt haben, nein, immer schön mitgespielt und sich daran gewöhnt, auch so zu denken wie ein Anderer, weil so viel Profit darin lag und liegt in der Nähe der Macht, nur, wohin geht dann die Macht? Und genau, wie wir uns anfangs über die Kleidung von Angela Merkel lustig gemacht haben, so war Trump eine ganze Weile gut für amüsantes Unterhaltungsmanöver. Da wusste man noch nicht, dass es über 70 Millionen davon gibt, denn diese Art von Selbstherrlichkeit rotiert auch unter Frauen, vor allem, wenn sie gewohnt sind, ihren Männern Folge zu leisten, weil der ihnen das beibringen konnte. Zuweilen rätselt man, wie das sein kann, weil man doch einfach nur genau hinschauen muss. Und ja!, inzwischen weiß ich es auch, dass jede/r anders schaut und was anderes sieht und überhaupt selten von außen beurteilt werden kann, weil die interessanten Einzelheiten sich ja alle innen abspielen. Wenn ich allerdings meinen inneren Verdauungsapparat nicht geschult habe zu ergründen, was ich vom Außen her in mich hineinlasse und dort zu meinem Denken verarbeite, dann staut sich das ganze Zeug an und wühlt und rumort und kommt nicht zur Ruhe. Dann erscheint auf der Bühne so ein geistiger Trampel wie Trump und kann fast mühelos vermitteln, dass er mehr hat von allem als alle anderen. Davon wollen dann die Anderen auch was haben, obwohl, wie sich herausstellt, es gar nicht existiert, denn er existiert gar nicht, der blühende Trump-Tower, nein, er ist vollkommen marode. In der Zwischenzeit ist das Spiel so weit gegangen, dass es nicht mehr beendbar ist. Das Labyrinth ist sozusagen überfüllt, und der rote Faden nicht mehr sichtbar, wenn es denn einen gab. Dann sieht eines Tages jemand klar und deutlich, dass der Kaiser nackt ist und staunt, dass man es vorher nicht sehen konnte. Man konnte es aber sehen, hat aber geflissentlich darüber hinweggelächelt, wovon das Lächeln falsch wird. Günstig ist, wenn das Ganze tatsächlich so weit geht, dass eine Grenze erreicht ist, wie eben jetzt der Angriff auf das Capitol. Ganz und gar abstoßend die neue, säuselnde Rede des dazu gezwungenen Mannes, dass jetzt alle Frieden haben wollen. Abstoßend, wenn es so klar geworden ist, wie es wirklich ist. Dann muss man den Kerl noch irgendwie loswerden, ein weiteres (philosophisches) Problem. Wie wird man etwas, was man selbst in die Welt gesetzt und als schädigend erkannt hat, wieder los? Das ist schwer, man kennt das ja von sich selbst. Wann verliert man den Überblick, und wann wird (z.B.) ‚Einfach leben, hoch denken‘ zur Vorzeigekarotte. Vieles kann und muss man sich selbst beantworten. Für manches findet sich keine Antwort, und vielleicht wird es auch keine dafür geben.
Weltweit tut weit sich die Welt auf.
Wir sind innen im Akte des Buches.
auf neuen Wegen zwischen den Linien
des Seins. Wir wurden eingeladen zu
dem Drama auf Erden. Wohl mag die
Erde gerade erscheinen als Bann, als
ein Fluch. Doch ist sie auch ein Land
für die zeitlosen Surfer des Übergangs,
der Tunnel als Halle der Landung. Der
sich dehnende Finger des Lichtes weist
auf das endliche Nichts der Gedanken –
schon bewegt er die Schranken
zwischen sich und dem Fluten des Alls.
Da wurde ich furchtlos gegenüber dem
Glanz meines Schicksals und empfand
mich inmitten des Staubes an die
Quelle des Nektars gebunden.
In düsteren Zeiten muss man dem Humor seine Fähigkeiten zuspielen lassen, auch wenn sie oft simpler Art sind und günstigerweise einen selbst betreffen in den weniger heldenhaften Momenten, wenn die Spinnweben einen rufen oder das Steuerrad mal wieder nachpoliert werden muss. Stumm können sie einen ansehen, die Dinge, die aus-und durchsortiert werden wollen, weil Corona sich so prächtig dafür eignet, man ist mehr zuhause und hat archivierte Reisepläne. Dabei merkt man, dass sich die geöffnete Zeit eigentlich vor allem dafür eignet, ruhig dazusitzen und das Ganze auf sich wirken zu lassen. Alle sitzen ja in einem Ganzen drin, das reicht von sich selbst bis in die Weiten des Universums, die voll sind vom Ungewissen, und zwar von dem, was wir tatsächlich nie wissen werden. Das hat auch eine außerordentlich beruhigende Wirkung, denn irgendwie ist vielen aufgefallen, dass es hier vor Ort eine Menge dringender Aufgaben zu erledigen gibt, damit das potentielle Abzwitschern vom Planeten keine peinliche Farce wird, während in den Flüchtlingslagern immer noch Kinder von Ratten angefressen werden, weil die Lösungen nicht hervorgebracht werden konnten. Konnten es eben nicht, weil es schwer ist, sich hineinzuversetzen in das Leid der Anderen. Und besonders schwer wird das, wenn man beschäftigt ist vor allem mit den eigenen Beklemmungen und einschätzen lernen muss (kann), was hier der eigenen, persönlichen Fürsorge bedarf, damit aus den Monadenfenstern Tore werden können. Auch innerlich kann man architektonisch renovieren oder einen ganzen Neubau dazufügen, in dem z.B. kreative Kräfte keine Begrenzung erfahren, oder man baut Gärten genauso, wie man sie möchte. Auch das etwas tiefere Beschäftigen mit politischen Situationen kann ziemlich anregend sein, wie ich mit dem amerikanischen Drama erfahren habe und immer noch erfahre. Mit jedem weiteren Detail aus allen Richtungen über ein Thema wird der Inhalt natürlich komplexer, und es ist ja gerade die Komplexität, die den Raster bildet für präzisere Wahrnehmungen, da man letztendlich immer wieder mit sich allein ist und den gedanklichen Verdauungsapparat in Gang setzt, um die vielen Eindrücke mit dem Auge auszutarieren und in eine Balance zu bringen. So i s t es einfach: man schaut Trump zu und kann es nicht fassen, dass das, von was man ausgeht, für Millionen von Menschen s o anders aussieht, dass man die Fassung verlieren könnte. Hätte man nicht im Land einen sehr dunklen, historischen Nachhall, der immer mal wieder ins Bewusstsein dringt und die unbeantworteten Fragen beleuchtet. Wie kann es sein, dass eine so peinliche Witzfigur wie Hitler eine Welt mit blonden Haaren und reinem Blut erfinden konnte und so viele andere das offensichtlich so einleuchtend fanden dass ihnen kein Preis zu hoch war. Zurück zur Schneestille und danke, dass mir auch die drei Minuten Nachrichten auf den Wecker gehen können und ich dann tatsächlich abschalten kann. Einfach klick!, und weg ist es, und man behält durch solch kleine Gesten die Möglichkeit weiterer Spielräume.
Das Wohngebiet, in dem ich lebe, ist gerade ein ‚Hotspot‘, ein weiteres Wort, das man am liebsten nicht oft aussprechen möchte, so wie Inzidenzwert oder Impfzwang undsoweiter. Natürlich ist ein Hotspot auch kein Ort, wo man nach Poesie Ausschau hält, nein. Man hält sich, nachdem man davon gehört hat, also vom Anschleichen des Ungewissen, hält man sich zurück, jetzt nicht mehr oder weniger als gestern und vorgestern, nein, sondern man kann, wenn man möchte, wahrnehmen, wie gut es einem unter den gegebenen Umständen geht. Zumindest von diesem Land kann man sagen, dass die allgemeine Grundausstattung ziemlich gut gewährleistet ist, sodass selbst der Obdachlose im Winter einen Platz hat und was zu essen. Ich denke immer noch, dass das bedingungslose Grundeinkommen eine brilliante Idee gewesen wäre oder eines Tages sein wird, sodass sich ein Großteil der Bevölkerung über Wasser halten kann. Überall begegnet man auch der Grenze des eigenen Denkens und begreift vielleicht nicht wirklich, wie und wo sich innerhalb von ein paar Stunden so viele Menschen mit dem Virus anstecken können. Deswegen lasse ich zur Zeit öfters mal das Meinen in Ruhe, das fällt nicht so schwer. Was auffällt, ist ein weiteres Wort, das eine gewisse Substanz erhalten hat, dadurch, dass es so willkommen geheißen wurde, und das ist ‚dürfen‘. Wie immer entspricht es dem Wunsch der Menschen, die gerne etwas eingetrichtert haben möchten, nicht als Anregung zur Reflektion, sondern als Glaube, der leicht Gesetz werden kann. Ich kenne das von der Meditationsausbildung. Da darf man vieles für diese Zeit der Praxis nicht mehr, das kann vorübergehend einleuchten, vor allem, wenn man es versteht in seiner aus dem Kontext hervorgehenden Logik. Aber schnell wird das Dürfen zum Müssen, und Hierarchien bilden sich zwischen Knoblauch und Samenkorn. Ich bin auch jetzt dankbar und froh, dass ich ein Fenster zur Welt habe, von innen nach außen sozusagen, das ist eine eher freiwillige Geste, die keinen unnötigen Erwartungshaltungen unterliegt. Es sagt auch nichts aus über die Substanz eines Vorgangs und nichts über den Zugang zu diversen Archiven., aber es sagt etwas aus über die Art und Weise des Blickes in die Welt hinein und auf die Welt und ihre Menschen und Vorgehensweisen, mit denen wir alle ständig beschäftigt sind. Diese Trauer und diese Enttäuschungen etwa, und dieser Ärger und diese Ohnmacht, und dieser im Stillen sich gestaltende Anspruch an die eigene, ganz persönliche Wanderung durch die Irrgärten hindurch und am Faden der Labyrinthe entlang, und eben nicht an den Mast gebunden, sondern auf eigene Weise durchgekommen und trotz allen unermesslichen Prüfungen nicht in der Tragödie gelandet, sondern in der Wärme des Spieles, wo es um vieles geht, wenn nicht um alles. Was ist das alles, worum es wirklich geht? Neu ist, dass es überall stattfinden kann, oder war das auch schon immer so, nur vielleicht nicht so dringlich. Deswegen ist auch der Hinweis nicht verwegen, dass die Zeit innerhalb des Virusgeschehens durchaus genutzt werden kann für Zeiträume, die sonst nicht zur Verfügung stehen. Einerseits sieht man Kassandra in den Zoomkonferenzen sitzen, andrerseits deutet Kairos, der Schicksalsgestalter, auf die inneren Plattformen hin. Alles nur Hinweis.
Die tragische, amerikanische Komödie nimmt ihren Lauf. Einerseits hat sich das Ungewisse durchgesetzt, und andererseits hat man einst Gesetze verankert, die spontane Handlung nicht mehr ermöglichen. Alles scheint gesichert gegen Missbrauch, und überall wird trotzdem missbraucht. Und die großen Fragen tauchen auf wie von selbst und man kann gefordert sein auf vielen verschiedenen Ebenen. Wie, zum Beispiel, wird man etwas wieder los, was man in die Welt gesetzt hat. Oder unbedingt wollte, obwohl es einem offensichtlich gar nicht entsprach, man brauchte es nur für eine Zeit. Einen Menschen außer Aktion bzw. Amt zu setzen, ist noch einmal etwas ganz anderes. Wohin mit ihm? Ein Körper ist groß, und kriminelle Handlungen müssen erforscht und bewiesen werden. Ein Präsident steht nicht über dem Gesetz, heißt es. Aber überall sitzen schon Präsidenten, die sich selbst so gut verkaufen konnten, dass auch ihre AnhängerInnen denken, das wäre die richtige Figur als Erlöser, sodass man sich getrost dem persönlichen Kleinkram wieder widmen könnte oder konnte. Bis man, wenn man Glück hat, begreift, dass man auf einer gefährlichen Fährte gelandet ist, denn man hat für bare Münze genommen, was jemand gesagt hat. Etwas, wovon man wsste, dass das einfach nicht wahr sein konnte, was man da gesagt bekam, aber man hat trotzdem weiter gemacht, bis es endlich zu spät war. Damit die Finsternis ihre unerbittliche Tiefe zeigen kann und die Erschütterung am rechtmäßigen Platz stattfindet. Wer sich verkauft hat, dem geht es nicht gut. Wenn sich unerbittliches Bewusstsein über das eigene Tun durchsetzt, entstehen Qualen, die schwer auszuhalten sind. Gewissensbisse und das ‚Too late‘, bei dem man sich irgendwo verrechnet hat und man nun sehen muss, wie die Rechnung nicht nur nicht aufgeht, sondern der Verlust total ist. Bei Donald Trump ist das Unvorstellbare eingetreten. Schon lange hält er, berichtet man aus seiner Nähe, das, was er tut, für das einzig Wahre. Es brauchte auch einen Hitler, der so vehement vermitteln konnte, dass alle Juden vernichtet werden mussten für den hohen Zweck seiner Zwangsvorstellung, und dadurch die Resonanz der Gleichgesinnten traf. Man kann dann schon erschreckt sein über die Anzahl der Gleichgesinnten. Was heißt ‚gleichgesinnt‘. Vielleicht eher haltlos und unzufrieden mit dem, was aus ihnen geworden ist, wo sie doch dachten, so was ganz Verehrungswürdiges zu sein. Und wenn diese Art grusliger Show dann eine Weile gelaufen ist, wird es immer schwieriger, dem ganzen Konstrukt zu trauen. Jahrelang haben sie alles mitgemacht, obwohl die meisten wussten, was da abgeht, und jetzt geht erst einmal gar nichts mehr. Schlimm ist es, wenn auf einmal genug Menschen einen anderen aus dem Weg haben wollen. Das ist geeignet für Mafia Gesetze, aber hier wird um ein politisches Konstrukt gerungen, dessen Realität vernachlässigt wurde. Und endlich ist es nicht mehr zu verheimlichen, dass hier, wie in einigen anderen Ländern, ein Vernichter sitzt, dem das Wohl seines Volkes vollkommen egal ist. Einer, der nur an sich selbst denkt, was das genaue Gegenteil ist von der Bemühung, bei sich selbst anzukommen. Am wohlsten, kann man beobachten, fühlt sich Trump, wenn die leere Dürftigkeit seines Gefäßes als Erlöser gesehen wird, der auserwählt ist, das Gerechte in die Welt zu bringen. Was anstellen mit so einem Mann. Wie etwas loswerden, was eingebrannt ist in die Gedankengänge so vieler Followers (und als real deklariert).
Die Sintflut beginnt unmerklich. Vorerst steigen die Flüsse um wenige Zentimeter. Es regnet nicht einmal häufiger als sonst, aber anhaltender. Und es dauert länger als nach früheren Güssen, bis das Wasser wegsickert. Eines Tages verrinnt es gar nicht mehr, und die kleinen Pfützen bleiben stehen. Von den Dächern der Wolkenkratzer spült die Flut die letzten Lebenden, die niemals erfahren, dass eine Sintflut über sie gekommen: Das zu verheimlichen wird allen Beteiligten wichtiger sein, als in dem zunehmenden Regen, in den schwellenden Bächen, den andauernden Wolken die beginnende Katastrophe zu erkennen. Gewiss: Für eine weitere Sintflut würde man nun viel besser vorbereitet sein, wenn man nicht schon bei der ersten untergegangen wäre.
Das amerikanische Drama um die Einnahme des Capitols herum hatte für mich jetzt nicht dieses dreiminütige Interesse eines Menschen, die sich auf jeden Fall informieren möchte über das planetarische Geschehen, soweit das über die mediale Informationsquelle überhaupt glaubwürdig möglich ist, sondern ich konnte auf den verschiedenen Sendern schon eine Menge Details mitbekommen, die mein Denken beschäftigen. Nicht, weil es diese Nahrung zum Denken braucht (aber auch deswegen), sondern weil sich die menschlichen Katastrophen und Entgleisungen überall in und auf der Welt und in den Haushalten abspielen, sodass Extremsituationen auch die Quelle für weitere Lernmöglichkeiten bilden. Wir erleben das ja gerade auch mit dem Lockdown, nämlich dass der Tumult eines Geschehens einen zwingen kann, vor allem auf die eigene Wahrnehmung zu achten, ganz einfach um zu wissen, wie man es selbst sieht. Auf welchem Boden kommen Loyalitäten zustande, und was ist überhaupt Loyalität, und zu was und zu wem kommt sie zustande. Mike Pence ist ein perfektes Beispiel für eine Gewissensqual, die hier durch ein simples Ritual ausgedrückt wurde, weil es ihn von seinem Herrscher getrennt hat, dem er absolut loyal war. Dass der ihn aber unter Druck zwingen wollte, etwas Unmögliches zu tun, führte dazu, dass ein Teil des Mobs, wie sich heute herausstellte und auf Videos zu hören war, unterwegs war, um den ‚Verräter‘ zu töten. Was kann man lernen? Wie etwas einfach eine Zeitlang einem gewissen, als natürlich empfundenen Strom folgt, bis dieser Strom plötzlich von der Erkenntnis getroffen wird, dass (z.B.) Juden enteignet werden und die gierigen Stürmer sich gerne ihren Reichtum aneignen, in ihren gut eingerichteten Leben herumsitzen und ihrer Wut auf sie Ausdruck verleihen. Wir hassen euch, schrieen auch die Capitolbesetzer, wir hassen euch, weil ihr goldenes Kalb sie angestachelt hat zur Vernichtung, und man sieht, dass es nicht mal um das Kalb geht, sondern es geht um den Frust und den Hass, der sich innen aus einem Früher heraus schon zu lange ausgetobt hat. Aber auf der anderen Seite haben auch einige die Fäuste gehoben und dachten, das wird ein Siegeszug des Gerechten, und das kann nicht gutgehen, wenn ein krankes Gehirn sich zum Gott erhebt. Sie sitzen in Ashrams und Kinderstätten, in Institutionen und Krankenhäusern und warten darauf, dass ihr eingefädeltes Spiel aufgeht, und ich bin schon froh, dass es da aufgeht, wo man sich ein Aufgehen wünscht. Auf einmal kann bei einem bestimmten Einsatz das Spiel sich drehen. Die durch Schockerleben gewonnene Nüchternheit, beziehungsweise die Nüchternheit der noch Handlungsfähigen bringt eine gewisse Ruhe in die Situation, eine geladene Ruhe. In geradezu rasanter Schnelligkeit verändert sich das Bild und die Lage. Manche werden genauer gesehen durch das, was sie dort waren und sind, andere hoffen, nicht weiter aufzufallen, und vielleicht merkt ja keiner, dass man selbst die Faust gehoben hat. Ein junger, ehrgeiziger Senator und brennender Verteidiger von Trump wurde mit dieser Faust photographiert. Er wollte bei der nächsten Runde als Präsident antreten, aber sein Schicksal ist besiegelt mit einem Schnappschuss. Ziemlich großes Theater, muss man schon sagen. Doch selbst wenn ein dunkler Gott mal zur Rechenschaft gezogen werden würde oder wird, dann bleiben noch die Millionen, die solch eine Form brauchen, um das, was sie geworden sind, auszuhalten. Denn wenn sie einzeln herausgenommen werden, zerfallen sie und können gar nicht gefunden werden.
Jaja, der sehr große und mächtige amerikanische Luxustraumdampfer hat eine Breitseite bekommen, oder wussten wir doch alle schon so lange, noch vor Trump, dass die Schieflage das Normale war. Aber immer noch dient es als ein Weltgebilde, wo schön und geliftet und reich, vor allem reich in Atem hielt und immer noch hält, und dafür alles Mögliche, manchmal auch das Wesentliche, mühelos geopfert werden kann, dem Mammon sozusagen. Daraus werden dann Bündnisse und Vernichtungswaffen geschmiedet und die Menschenverachtung feiert ihre Rituale auf hohem Einsatz. Bis, o nüchternes Wunder, dann doch eines Tages alles so hemmungslos Aufgebaute wieder zusammenfällt, im vorliegenden Fall (u.a.) das Zusammenprallen grobschlächtiger Wüteriche mit korrupten Senatoren, alle bewaffnet und gefährlich auf ihre eigene Art. So kann man doch nach Stunden dieses Treibens im Capitol und der eigenen nachfolgenden Reflektionen darüber sagen, dass nichts Besseres hätte passieren können als genau das auf so niedrigem Level Geschehene, das kaum mehr niedriger werden konnte. Ja, wir (Deutschen) hatten das auch schon, und auf den T-Shirts der aufständischen Amerikaner konnte man die Zeichen sehen und das Gedankentum mitlesen. Auf jeden Fall waren sie da, mit dem Hakenkreuz und der Bemerkung, dass 6 Millionen getötete Juden nicht genug waren. Auch die indische Flagge war zu sehen, worauf es aus Indien sofort als Schande deklariert wurde für das (einst) heilige Land. Als Trump in Indien war, konnte man sehen, wie gut hinduistisch tropfendes Falschheitslächeln nahtlos in den dürstenden und düsteren Milliardärsrachen fiel. Nichts ist leichter zu beträufeln als solch einen Mann wie Trump, und niemand gefährlicher als er, wenn das Träufeln nachlässt. Man sieht jeden Einzelnen der korrupten Herrscherbande einsam und verlassen auf ihren Sitzen festsitzen und ins Grübeln vertieft. Sie ahnen wider Willen, dass das Genug! auch wirklich genug sein kann. Dass keine Sicherheit wirklich eine Sicherheit bildet. Und es gibt Momente, und das war auch ein bemerkenswerter für Biden, als er zum Mikrofon ging und kein großer Held sein musste, sondern ein verhältnismäßig redlicher Mensch, dem es einfach reichte. Wann sieht man, dass es reicht, und dass man sich wehren muss, solange man noch kann, denn irgendwann sind auch die nachträglich bewussten Gesten überflüssig. Man ist gezwungen worden, etwas einzusehen, was man schon lange vorher wusste, aber hat es nicht ernst nehmen können, beziehungsweise sich selbst nicht ernst nehmen können. Denn das tut auch immer wieder mal gut, das Abenteuer Menschsein ernst zu nehmen, so, wie man sich das auch von der Zeugenschaft wünscht. Und nicht davon ausgeht, dass man das Gute vom Unguten schon unterscheiden können wird. Schließlich muss man ja leben, und muss man auch, aber wie. Ein anderer Kreis, der sich ungünstig schließt, ist der zwischen privilegiert und unzufrieden, das führt zu unterschiedlich murmelnden Massen, die dann ein Dunkelfeld brauchen, um sich auszutoben. Das Andere ist tatsächlich die Vernunft. Wenn man wie vorgestern in Washington Teil einer Entgleisung war, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, dann kann es trotzdem weitergehen. Es ist tatsächlich weitergegangen und Joe Biden ist Präsident, und Kamala Harris ist Vizepräsidentin. Auf jeden Fall ist trotz allem etwas Gutes geschehen, und ist und bleibt ein lehrreiches Drama, an dem man die Werteskala des Menschengeschehens anlegen kann.
Zufällig schweifte mein Blick über die herumliegende Seite der Zeit und war froh, ein Bild zu haben, auch wenn es zerknittert und zerrissen ist, wie Amerika eben. Es zeigt Biden im Bild mit einem Zitat von Freud über die Vernunft, die nun tatsächlich zusammen mit der Gerechtigkeit baden gegangen ist. Es hatte unterschiedliche Gründe, warum ich meinen Blick nicht von der Smartphonescheibe entlassen konnte oder wollte. Man war ja eher auf eine Zeremonie gefasst gewesen und eine Freude, dass der Spuk bald vorbei ist. Man kann auch hinschauen, ich habe auch hingeschaut, damit ich es selber mal sehe, wie sich das Fassungslose ausdehnt, bis kein Fensterrahmen an der Monade mehr schließbar ist. Man verfolgt mit einigem Interesse das sich Abspielende und bemerkt, dass sich die Spieler oft gleichen. Die, die noch rechtzeitig, wenn auch sehr spät, erwachen, dann die, die noch grad die Kurve kratzen, und die, für die es zu spät wird, weil ihre habgierigen Munitionen zurückfeuern auf sie selbst. Ein weiterer, pechschwarzer Tag steht auf dem Weltkalender. Und dann ist es ja eh vielerorts pechschwarz genug. Auch die Pechschwärze kann in Staunen versetzen, aber wahrscheinlich ist es gar kein Staunen, sondern eine Gedankenerschütterung. Ansonsten habe ich das Bedürfnis, erst einmal zu verdauen, was sich angestaut hat. Oder vielleicht in der Mitte der Bahn eine Gasse frei lassen, damit weitere Bewegung ermöglicht wird.
Das Photo ist aus der ‚Zeit‘ vom 7.12.2020
Das Zitat von Freud ist aus ‚Über die Weltanschauung‘.
Hier in leserlich:
Andererseits gehört der Intellekt – oder nennen wir ihn bei seinem vertrauten Namen: die Vernunft – zu den Mächten, von denen man am ehesten einen einigenden Einfluss auf die Menschen erwarten darf, die Menschen, die so schwer zusammenzuhalten und darum kaum zu regieren sind. Man stelle sich vor, wie unmöglich die menschliche Gesellschaft würde, wenn jedermann auch nur sein eigenes Einmaleins und seine besondere Längen- und Gewichtseinheit hätte. Es ist unsere beste Zukunftshoffnung, dass der Intellekt – der wissenschaftliche Geist, die Vernunft – mit der Zeit die Diktatur im menschlichen Seelenleben erringen wird. Das Wesen der Vernunft bürgt dafür, dass sie dann nicht unterlassen wird, den menschlichen Gefühlsregungen und was von ihnen bestimmt wird, die ihnen gebührende Stellung einzuräumen. Aber der gemeinsame Zwang einer solchen Herrschaft der Vernunft wird sich als das stärkste einigende Band unter den Menschen erweisen und weitere Einigungen anbahnen.
Um willkommen geheißener Gast im eigenen (inneren) Wohnort zu sein, muss man einige Dinge bedenken. Niemand weiß, unter welchen zeitlichen Bedingungen ein Quantensprung gelingen kann, heißt aber, dass mindestens für die Länge eines Nus alle Anhaltspunkte losgelassen werden, also all d i e Aktivitäten, die an Erwartungen, Projektionen, Wünsche etc gefestigt sind und hier ein Hindernis darstellen. Ganz-bei-sich-sein ist das Wohlgefühl, wenn man nach einem Salto mortale oder vivante mit beiden Füßen fest wieder auf dem Boden der Tatsachen ankommt. Der Boden der Tatsachen besteht inmitten des Ungewissen aus dem, wer man da ist. Vielleicht lernt man sich da ja erst richtig kennen, immerhin hat man sich zugelassen, obwohl dank der Präzision der Sprache ‚zulassen‘ auch zwei Seiten hat. Immer ist Wegkreuzung, und immer ist Seiltanz, nein, korrigierte sie sich, eben nicht immer, sondern nur dann, wenn es da ist und man merkt, dass man nicht ausweichen kann. Einmal in Delhi spielte ich ein Computerspiel mit dem 14-jährigen Sohn meiner Freunde, und er fand es lächerlich, dass ich keine Waffe abholen wollte, weil man ohne Waffe gar nicht weiter kam. Gut, ich holte mir einen Dolch und kurz danach sollte ich ein Einhorn töten. Ich hatte nicht die geringste Lust dazu, so ein Verbrechen zu begehen. Aber das ist doch nur ein Spiel, sagte er empört. Das sehe ich auch zuweilen so, aber ’nur‘? Nur ein Spiel? Wenn man das Spiel wirklich spielen will, dann weiß man, dass es auf jeden Zug ankommt. Das Gehirn ist hochkonzentriert, denn es geht immer um etwas, etwa die gleichermaßen schwierige Angelegenheit des Verlierens und des Gewinnens. Ich denke, dass das mit Deutungen überladene Wort erleuchtet für unsere Zeit heruntergeholt werden muss oder kann, vor allem von hohen Himmeln. Und man kann bedenken, dass für die notwendige Klarheit vor allem Vernunft ratsam ist. Dass man eine Art Nüchternheit zulässt, die einem beides, Dabeisein und Zuschauen, möglichst mühelos ermöglicht. In der Welt geschehen gewaltige Dinge, und auch Wikepedia ist in gewissen Zusammenhängen nur ein flüchtiges Samenkorn. Es kommt ja ganz darauf an, wie sich das Ungewisse gestaltet, denn schließlich machen ja alle, die herumlaufen und herumstehen und herumliegen, wir machen also alle mit. Und egal, wie schwierig die Lage mir vorkommt, ich kann dennoch entscheiden, wie ich damit umgehe. Diese Freiheit ist jetzt auch gegeben, oder muss man hier wieder den Glückskeks bemühen, wenn man (durch puren Zufall, möchte man sagen) d a gelandet ist, wo das persönliche Leid sich in Grenzen hält. Auch weiß man ja nie, wie lange das anhält, das weiß man auch nach 70 Jahren Frieden noch nicht, denn wie kann man es wissen? In gewisser Weise (und nur einer Variante) verkörpert ja das Virus das Ungewisse. Es ist überall und gleichzeitig nirgendwo, es bietet weder Schutz noch direkte Bedrohung und arbeitet vor allem im Unsichtbaren, wo sich auch die Anti-Körper versammeln, wenn sie das tun. Auf jeden Fall ist man beschäftigt als Steuerfrau, die Sichtweise schweifend, den Blick aber mit der Richtung verbunden.
Vieles, was permanent um die Pandemie kreist, kann einen angähnen, und man muss aufpassen, dass man nicht zurückgähnt, obwohl Gähnen bekanntlich ansteckend ist. Alle Filmvorstellungen werden zurückgefahren, ich meine jetzt die persönlichen, bereits vorgestellten oder schon bestellten Szenen, die man zu erleben glaubte in einer Zukunft, die es noch nicht gab und die auch kaum einer visionieren konnte. Das nach wie vor Surreale an dem ganzen Vorgang vertieft sich in der Wahrnehmung. Ein heimliches Erlöschen von Welten, die nicht mehr bestehen werden. Gleichzeitig die lang ersehnte Atempause der Natur, wie von selbst erschienen, beziehungsweise im Zugzwang der Katastrophe. Damit man noch mal sehen kann, wie schnell sich Elemente und Menschen und Tiere auch erholen können (oder sterben), wenn das, was zu vernichten droht, nicht zu weit getrieben wird. Wer treibt es zu weit? Gehören die ungezählten gequälten Lebewesen des Augenblicks schon zum Zuweit? Natürlich gab’s das immer schon, man wusste nur nicht alles gleichzeitig, musste es verdauen und einordnen, oder dem Chaos überlassen und ohne Kompass weitermachen. In der Ruhe, die ein paar präzise Einstellungen hervorbringen kann, entdeckt man immerhin die Freiheit, mit der man auf das Erlebte antworten kann. Es muss ja keine fixierte Weltanschauung sein, wie man sie überall und jederzeit in Hülle und Fülle finden kann, sondern man kann die Sicht kreisen lassen um die Verbindungen herum, die geknüpft werden, um Erfahrenem einen Sinn zuschreiben zu können. So betrachtet man die Welt in rotierender Bewegung, ohne die Wirkung des inneren, unsichtbaren Kerns außer Acht zu lassen. In jeder Hinsicht ist es aber eine einsame Sicht, wenn einsam jetzt erfahren werden kann als Seinsgefühl in einem virtuellen Raum, den keiner betreten kann, weil immer nur Eine/r Zugang hat zu dieser Quelle. Das ist, wenn ich’s mal so nennen kann, das Gute an der Lockdown-Welt. Die Welt der äußeren Verlockungen erfährt eine krasse Bremsspur. Allerdings scheint sich der ganze Inhalt in unermesslichem und unüberprüfbarem Ausmaß in die technische Welt zu ergießen, zu streamen also. Und auf einmal wird der jeweilige Geist des eigenen Stromes gewahr, ohne wirklich vorbereitet zu sein für diese rasanten Energien, die sich hier permanent bewegen, um das zum Ausdruck zu bringen, was sich, auf welche Art und Weise auch immer, durchsetzen konnte und das Spielfeld erreichen. In der Neujahrsnacht hatte ich eine afghanische Frau angerufen für den Happy New Year Gruß, da lag sie im Krankenhaus und hatte gerade einen Sohn geboren, der Elias heißt. In der Zwischenzeit weiß ich, dass Elias noch wegen seiner Blutwerte im Krankenhaus bleiben musste, während die Mutter schon zuhause ist. Schon hat er Schicksal, dachte ich, schon war er wegen dem Blut ohne Mutter. Auf einem Strang seines Lebens wird es darauf ankommen, wie er diese Begebenheit handhabt. Lange Jahre ist es mir ein eher fremdes Thema gewesen, aber jetzt sehe ich, wie präzise das Zusammenspiel zwischen Außen und Innen von Beginn an vor sich geht, und dass es stets und vor allem darauf ankommt, als wessen Geistes Kind ich die Geschehnisse handhabe, und wie gravierend oft die Wirkungen meiner Handlungen sind.