Klar, ich habe auch mal gegrübelt über den viel zitierten Satz von Joseph Beuys, alle seien Künstler:innen. Also alle Menschen? Ich musste ja selbst verstehen, was er wohl meinen könnte. Dabei hilft mir die indische Idee, alles Lebendige sei Teil eines großen Dramas, das sich zwar unermüdlich abspult, aber dennoch gewissen Gesetzmäßigkeiten unterliegt, ohne die es nicht stattfinden könnte. Der ganze Planet ist die Bühne, und selbst wenn jemand sich verstecken könnte vor dem Auftritt, würde er den Sichversteckenden spielen. Man tritt nur ab, wenn der Tod übernimmt. Auf dieser Betrachtungsebene wird das Ganze hochinteressant, denn alle spielen ja miteinander, und meistens wählen wir auch aus, mit wem wir uns die Weiterführung des Scriptes vorstellen können. Nur wenn Spieler:innen auffallen, indem sie zu viel Schaden anrichten, kommt der sogenannte Flow ins Stocken. Die Logik des Lebendigen rät zum Einhalt. Was ist aus dem Ruder gelaufen? Welche irritierenden Selbstverständlichkeiten haben sich hier ins Spielfeld geschlichen? Welche Hautfarbe muss um die Existenzgenehmigung fürchten. Und wo wurde dieses Ausgrenzungsamt ins Leben gerufen, und von wem. Wenn Frauen von der Bildfläche verschwinden müssen, damit Männer ihrem entgrenzten Selbstbild gerecht werden können. Es fällt dann irgendwie und irgendwann dem gängigen Bewusstsein selbst auf, dass das nicht so weitergehen kann! Und das alles, was ein Mensch erfinden möchte, auch gestoppt werden kann. Und wenn es zu spät ist? Nein, es ist (noch) nicht zu spät! Im Verborgenen sich bewegende Heerscharen arbeiten durch bewusst eingesetzte Veränderungen an einer neugewebten Formation des Netzes, beruhend auf Unabhängigket, Ausübung des jeweiligen Könnens, unzenziertem Ausdruck. Vieles ist möglich, und die einfache und wirkungsstarke Direktheit des Praktizierten tritt in den Vordergrund. Hier und genau dadurch kommt es im Drama zu einer Wende.