
Auftritt der Unsichtbaren
Es gibt Gedanken, die, wenn man sie zu lange verfolgt, einen in den Wahnsinn treiben könnten. Auch wenn sie einen nicht verfolgen, können sie eine verstörende Wirkung auf das eigene Leben haben, was immer man hier unter ‚eigen‘ versteht. Der Film ‚Naza‘, so höre ich, soll solch eine Wirkung auf das menschliche Gemüt ausüben, weil man direkt ins Fassungslose hineinkatapultiert wird, und man nur noch sieht, was es ist – ohne Rahmenbedingung, einfach so. Denn am Kern dieses menschlichen Dramas liegen ja immerhin noch ein paar Fragen, die entweder noch nicht beantwortet werden können, oder aber gar keine Antwort beinhalten. Frei stehen die Fragen im Raum. Und egal, wie sie sich drehen und wenden, sie sind immer nur ihre eigene Antwort. Und ja, die Verschmelzung mit sich selbst in Form einer Allianz zwischen den Gegensätzen führt geradewegs in eine Singularität. Man könnte es auch eine Technik nennen, mit der man sich z.B. vom Sog des digitalen Vampirismus lossagen kann. Dann ergeben sich im Raum der freien Entscheidungen die Dinge oft wie von selbst. Die Wurzel des schöpferischen Missbrauchs liegt im Kontrollsystem. Oft ist es nur die Angst, dass man den Faden verliert, aber das geistige Spinnrad ist ja nicht ausgestorben. Bis zum vollendeten Netz kann gesponnen werden, bevor der Staubsauger naht und alles wieder mitnimmt ins Unwägbare. Der Mensch, das ist des Menschen Thema, und was um aller Himmels Willen er hier aus dem, was er oder sie vorfindet, macht. Und einerseits alles selber macht, und andrerseits gar nichts. Aber es wäre ja kein gutes Spiel, wenn nicht irgendwann einmal das Erwartete ins Unerwartete kippen würde, oder bereits gekippt ist. Was hier kippt, ist der Mensch selbst, denn das Schleierhafte hat sich vom Auge getrennt und zeigt uns, wie es so in der menschlichen Geschichte aussieht. Es gibt zu denken, bis auch dieser Bann zu weichen bereit ist…
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