Sich zu irren ist ja eine wertvolle Erfahrung auf der Skala menschlicher Empfindungen. Oh, ich hab‘ mich geirrt, es kann ganz anders sein, als ich denke oder glaube oder oder glauben will. Es gibt Spielraum für Irrfahrten, so manches Epos schwärmt von den Heldentaten der Verirrten, denen dann häufig Götter mit gutem Rat und guter Tat zur Seite stehen. Da steht Krishna, der Gott der Liebe, z.B. auf dem Streitwagen und zerstreut Arjunas Irrtum, der glaubt, dem Kampf mit Familienmitgliedern entkommen zu können. Aber nein, sagt Krishna, du kannst deinem Schicksal nicht entfliehen. D a s mal geklärt, kommt es nun auf die Handhabung an. In der eigenen Vorstellung gibt es grandiose Lösungen für schwere Konflikte. Putin ergreift das Mikrofon und verkündet der Weltbevölkerung, dass er sich geirrt hat mit all dem Terror und jetzt aufhören will und zu sofortigem Frieden bereit ist, wenn er nicht nach Den Haag muss. Sich verrechnen ist allerdings nochmal was anderes wie sich zu irren. Oder konnte man sich bei Donald Trumps ersten Auftritten wirklich irren? Das löst immer mal wieder politisches Höllengeröll aus, wenn verirrte und schäfersuchende Schafsherden sich an Irrsinnige klammern und sie zum Fels in der Brandung erheben. Und vielleicht irren sich ja gerade die Techno- Milliardäre, die so überzeugt sind, dass alle, also alle Menschen, bereits süchtig genug sind von ihren Produkten, um bald gänzlich absorbiert oder vernichtet zu werden. Widerstand ist zwecklos? Nein, Irren und Widerstand sind menschlich. Menschlichkeit, das ist eine noch auszubauende Kraft. Trotz allem erfahrenen Irrtum geht sie voran, ja, lässt sich bewegen von der Maske des Irrsinns, und gebiert ein lebendiges Lächeln.