entbingen

Mit einer gewissen Überraschung habe ich vernommen, dass ein neuer Trend sich (noch) unauffällig Bahn bricht, und das ist die Ermüdung vom Binge-Glotzing. Binge – ein Wort, das sich durchgesetzt hat für das, was es ist: ein überzogenes Gelage, ein Zuviel von etwas, das einem nicht gut tut, man verliert dabei die Unterscheidungskraft. Die Daumen der Weltbevölkerung hetzen über die Tastaturen, jede/r auf eigene Art unterwegs in der Informationshölle, in trägem Glauben gefangen, man wüsste noch, was man sucht, und sucht man überhaupt noch was, oder ist man schon Besitz der Tech-Milliardäre? Dies und andere Fragen werden sich in der nächsten Zeit häufen. Das, was man so allgemein Zeit nennt, rast erbarmungslos vor sich hin, oder kommt es uns nur so vor? Auf der Titelseite der neuen ‚Zeit‘ fragt eine erfundene Stimme unter dem Abbild eines jungen Menschen ‚Werden wir noch gebraucht (werden)?, also in dieser Zukunft, in der eine künstliche Wissensfraßform uns so ersetzt haben soll, sodass wir, neue Milliadärsnerd-Phantasie, ganz arg alt und robotik sein können, oder gar unsterblich. Deswegen hat Geld wieder, oder war es schon immer so, die höchste Machtposition, denn es kann sich alles holen, was es für seine Triebhandlungen braucht. Allerdings: nur Diogenes konnte Alexander den Großen besiegen – und natürlich Sokrates, der, nachdem er alles gesagt hatte, obwohl man ihm Flucht und Exil gewährt hatte. Aber vielleicht wird es nach beendeter Schlacht ganz schön, mit dem Wenigen, das geblieben ist, angemessen und achtungsvoll umgehen zu können, oder es wieder zu lernen.


Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert