viel

Dieses Bild kam heute früh aus dem indischen Seinsort, und es ist eins von derart vielen Überschwemmungsbildern, die mir neuerdings zufließen, dass ich schon bitten musste, mir möglichst keine zwanzig hintereinander zu senden, damit ich oder sie selbst es fassen, wie viel Regen dieses Jahr nach beinahe 30 Jahren Monsoonlosigkeit gefallen ist. Der Regen ist nicht nur gefallen, sondern strömt immer weiter über alle Treppen und Ufer hinaus, sodass ich manchmal die Lupe nehme und rate, wie manche Leute in den mir bekannten Häusern überhaupt aus ihnen herauskommen. Der Sohn des Hauses, in dem ich dort wohne und mit dem ich gestern telefoniert habe, sagte mir, es gebe noch 20cm Spielraum, bevor das Wasser das Haus durchflutet. oder die Brücke nicht mehr überquerbar sein wird. Offensichtlich macht es aber auch kreativ, wie man auf dieser Luftaufnahme sieht. Oder wie R.D.Laing es einmal formuliert hat: Immer, wenn gestreikt wird oder es einen Notfall gibt, schauen wir einander in die Augen…every time there is an emergency, we look each other in the eye….Da man die Abwesenheit von Katastrophen in der Welt nicht beklagen kann, sondern eher darauf achten muss, nicht von ihnen überwältigt zu werden, stimmt es doch, dass anerkannte Katastrophen sehr viel menschliches Tun hervorbringen können, auch wenn dieses Tun meist zeitlich begrenzt ist. Nur zu oft bleiben die Geschädigten allein zurück in trostlosen Schicksalen, allein mit dem Unlösbaren, und wir, die wir davon hören, wissen wenig über die wundebaren Begebenheiten, die sich in Notsituationen entfalten können. Immerhin kann Mitgefühl und tiefes Verstehen über die eigene Geschichte angeregt werden, und es gibt nach wie vor nicht viel Besseres zu tun, als sich dem zu widmen, was man ganz persönlich als Katastrophe im eigenen Schicksalsdrama wahrnehmen kann, da, wo der vibrirende Urgrund seine schmerzenden Stachel hat, die, unbemerkt gelassen, zu solchen Handlungen führen können, die sich als Katastrophen formieren. Es kann einen schon mal als unheimlich anmuten, wenn man die gepriesene Vielfalt der Schöpfung, gepriesen sei sie in der Tat, wenn man diese Vielfalt in den stocknüchternen Momenten der Betrachtung als eine Menschheit mit gestörten Kindheiten sieht. Vielleicht ist das Ausmaß an Gestörtsein, das wir an uns Menschen entdecken können, genau das, was wir „das Schicksal“ nennen, sozusagen die Alchemie unserer Grundbedingungen, mit denen wir uns auf den Weg machen müssen, wo auch immer hin, und von wo auch immer weg. Immerhin gibt es mindestens zwei Optionen. Eine ist, dass ich die Schicksalsfäden kontinierlich in die Muster meines Teppichs einwebe, sie also mitnehme und immer weiterwebe, ja…bis wann, und kommt es vor allem auf die Gestaltung der gewebten Muster an? Oder ich entdecke eines Tages, dass der Teppich fertiggeknüpft werden kann, und nun kann man alles Mögliche damit machen, als Schmuck, als Fahrzeug, als Märchenteppich, als wärmende Materie des Durchdrungenen oder den Künsten Entrungene. Nein, ich bin nicht mein Teppich, aber mein Teppich zeigt mir die Bilder meiner Geschichte, vielleicht ähnlich wie es mir die Tätowierten manchmal erzählen, dass die Bilder ihren Lebensweg darstellen. Ich bin nicht mein Teppich, aber er ist kostbar und liegt an meinem Herzen herum am Stamm des Banianbaumes.

still

Das Beste und Erinnerungswürdigste der meditativen Praxisjahre sind und bleiben in meiner Erinnerung die Stille-Sessions. Nicht nur konnte man täglich vor und nach den Unterrichtsstunden in Stille sitzen, sondern Stille wurde grundsätzlich geschätzt, und überall im gegebenen Rahmen gab es diese schönen Orte, in die man hineingehen und je nach Bedarf sitzen konnte, auch nachts. Überhaupt sind wir viele Nächte durchgesessen, gemeinsam und doch mit sich allein. Vor allem die Frauen wurden ermutigt und unterstützt, ihr Leben auf diese Weise souverän zu gestalten, und in der Tat hatte es lange Zeit etwas Tiefes und Lichterfülltes. Es kamen vor allem aus dem Westen immer mehr Menschen, die sich auf diesem Weg ausbilden wollten, oder ihrer Geschichte entfliehen, oder ihrer Einsamkeit. Es ähnelte in seiner geistigen Konzentriertheit und dem Tagesablauf ein bisschen dem KLosterleben, die Türen aber waren weit offen für jeden Ankommenden, allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt. Hat man das Glück gehabt, die Geräumigkeit innerer Welten als einen Genuss zu empfinden, verlässt einen diese Erfahrung nie wieder. Es ist eben nicht das Mit-irgendwas-beschäftigt-sein, in dem das Suchen nach Tätigkeit mit einer spürbaren Leere zu tun hat, die es zu überspielen oder mit Arbeit auszupowern gilt, sondern es ist das hellwache und bereitwillige Einlassen in den Raum an sich, so weit man ihn erfühlen kann, und darüber hinaus, denn irgendwann begegnet einem auch der Raum als ein Resonanzfeld, als ein Gegenüber, als ein Wesen eigener Existenz, das u.a. das Tragbare trägt, in das man eingebettet ist. Hier lernt man das, was oft an dem Begriff und der Erfahrung der Einsamkeit so gefürchtet und übergangen wird, hier lernt man es lieben, denn man hat genug Ruhe, sich im Inneren schweigend umzusehen. Möglicherweise liegt hier auch das Geheimnis weiblich geprägter Universen (nicht, dass das Universum genderorientiert ist, man muss sich zuweilen mit Worten begnügen) und ihrer oft aus Notlagen heraus und ohne Wahl gesammelten Kraft, die sich nun endlich in der Zeit einen eigenen Weg ins Außen bahnen kann. Hat Stille im Inneren einen Grundton gefunden, und ist der Teppich des Schweigens groß genug, um die Worte zu tragen, dann sind sie gut angebracht, wenn Weiteres über sie gelernt werden kann. Auch die Worte, im Sein geboren, haben ihre eigenen Wege und Schicksale, und ihre Freiräum, kein Zweifel. Es ist nicht zu leicht, angemessen mit ihnen umzugehen. Nicht angemessen an die Weltvorstellung oder die zahlreichen Ideen und Vorstellungen der Gesellschaften, sondern angemessen an die eigene Vorstellung der Welt und des Seins, das darin durch sich selbst sich gestaltend möglich ist, dann auch wieder mit Welt und Gesellschaft. Wenn die Frage nach dem Inhalt und der Substanz des Daseins auf den Titelseiten der Tageszeitungen zu lesen ist, als wären auf einmal alle wieder zu den Schulbänken zurückgekehrt mit den tieferen Fragezeichen, dann weiß man, dass was im Gange ist, an dem alle teilnehmen können. Ein Weg, der aus diesem potentiellen Chaos elegant herausführt, ist die Rückkehr zur Stille, wann auch immer, wie auch immer, wo auch immer. Der Genuss der Stille, der sich entspannende Körper, die beiderseitige Aufmerksamkeit auf das Wohlbefinden, das im Außen immer nur flüchtig zu finden ist.

gewöhnen

Wenn man mal eine Weile auf der Erde gewohnt hat, gewöhnt man sich natürlich daran. Man ist förmlich bestrebt, das Ganze irgendwie zu kapieren, womit man nie allein ist, denn in Essenz ist ja niemand mit etwas anderem beschäftigt. Eben mit den bisher bekannten Möglichkeiten, sich auf diesem Planeten ein paar Jahre so einzurichten, wie man es eben durch sich selbst versteht. Es kann unterwegs sehr irritierend sein wahrnehmen zu müssen, wie viele Sicht-und Handlungsweisen hier am Werke sind, so, wie man es in Indien großzügig mit den Göttern hält: jedem sein oder ihr eigener Gott, das ist auch so ziemlich das Einzige, was man, dort beheimatet, einigermaßen frei entscheiden kann, aber auch nicht wirklich, man ist ja hineingeboren in ein System. Das haben wir auch alle gemeinsam, eben in ein bestimmtes System hineingeboren zu werden, das man lange genug als d i e Welt aufnimmt, zu der man automatisch gehört. Die Systeme erzeugen Felder der Zugehörigkeit. Obwohl keiner trotz aller wissenschaftlichen Theorien genau weiß, was wir hier eigentlich machen. Man fliegt ein  paar Stunden in eine Richtung, und schon weiß, bzw. wusste bisher keiner dort, dass (als Beispiel) viele Menschen glauben, sie stammen vom Affen ab. Sie sind sich dessen so sicher, eine Art Sicherheit, die es gar nicht gibt, egal, was Wissenschaft alles leisten kann. Und die wirklichen Rätsel reisen immer mit. Auch Wasser, der Universalstoff, ist am meisten untersucht und bis heute am wenigsten verstanden worden, sagte mal ein Chemiker, der das Element erforscht. Wir gewöhnen uns daran, die Dinge zu haben und sie als natürlich daseiend zu betrachten. Allein wenn ich meinen Blick zeitlupenmäßig über meinen Schreibtisch gleiten lasse, bräuchte ich Tage, um die Hintergründe zu beschreiben, aus denen heraus die Objekte zu mir gekommen sind, einzeln schon kleine Wunder, aber dann irgendwie und irgendwann zusammengefügt in Ordnungen, die ich als die meine deuten muss, da kein anderer sie erschaffen hat. Ich erkenne sie. Sie wirkt  ’natürlich’für mich, aber dann auch immer wieder rätselhaft. Warum ausgerechnet dieses Gedicht da locker an ein Bild gelehnt, warum dieser Schlüssel zu einem Schrank, den es gar nicht mehr gibt. Die kostbaren Farbtöpfe in Porzellen, die Pinsel, die Wassergefäße, und was sie in den vergangenen Monaten alles zum Vorschein gebracht haben, das aus der Quelle steigende Tiefland, die berückende Nähe mit den Gestalten, für deren Erscheinen ich einerseits verantwortlich bin, andrerseits sind sie die LehrerInnen, die einen im Raum des Staunen herumführen, damit man, wenn man unermüdlich durch die Labyrinthe gewandert ist, mit reifem Blick das Kind wieder erkennt, das die Welt im Spiel versteht, den Gewinn und den Verlust, und vor allem die Rückkehr zur Ausgangsposition mit den Farben, die die Form komplementieren. Wenn man sich einerseits auskennt in diesem und jenem, andrerseits aber doch vieles offen lassen kann, nicht nur aus dem Grad des Ungewissen heraus, sondern auch aus Gewissheit, dass noch nicht alles erforscht ist an potentiellen Möglichkeiten des Menschseins. Oder gibt es in letzter Konsequenz doch nur e i n e , indem man sich selbst als das Rätsel des Daseins versteht, sich durchgrübelt und dann wieder entlässt bzw einlässt in das Gegebene, wo die Geschichten wohnen, umgeben von der Schönheit des Alls.

Euripides

Bildergebnis für euripides

 

Es ist unausweichlich, dass das Leben
wie reifes Getreide geerntet wird, und
dass einer stirbt, während ein anderer lebt.

Spitze

Diese kleine Galerie habe ich mir für den Samstagmorgenmoment zusammengestellt, nachdem mein eigener Entwurf weniger klar und deutlich ausfiel. Es ging mir um mein Verständnis, für das es keine Garantie gibt, eines zur Zeit im politichen Raum häufig anzutreffendes Wortes, das eine Botschaft zu enthalten scheint. Anstatt dass oben, wo auch immer „oben“ geortet wird, Einer oder Eine allein schaltet und waltet, sollen es nunmehr zwei sein, und nun kreist das Wort „Doppelspitze“ im Land herum und wandert durch die Synapsen. Natürlich ist das grundsätzlich klug wie bei einem hellwachen Elternpaar, zwei gegensätzliche Pole zu sein, die optimale Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Das ist ja nicht wie früher, nicht wahr, wo die Frau vorne nicht wirklich erscheinen durfte, nein, vom Hintergrund her hielt sie den ganzen Apparat zusammen, nicht, dass es schon vorbei wäre. Aber immerhin kann sie nun auch vorne stehen und eine Doppelspitze bilden. Man kann sich die nervöse Unruhe vorstellen, mit der Bewerber und Bewerberinnen des jeweiligen Amtes nach einem Partner suchen, gesucht haben oder noch suchen müssen, der oder die überhaupt für eine Doppelspitze geeignet ist, oder damit unterfordert oder überfordert oder zu allem bereit ist. Unter indischen Gurus war es auch üblich, statt nur einem Papa auch immer eine Mama dabei zu haben, das kann Schlimmeres eine Weile verhindern. Es gibt ja jede Menge Gedankengänge. Man geht also an einem Samstag so einen Gang hinein und stellt sich eine gewisse Anzahl von Gehirnen von Bürgern und Bürgerinnen vor, in die der Begriff „Doppelspitze“ Einlass gefunden hat. Schlaflos gewordene Geister  fragen sich die irrlichternde Frage, ob sie sich in der gewünschten Doppelspitze wiederfinden, oder worum geht es überhaupt bei so einer Doppelspitze. Zwanzig Millionen Singles schalten genervt beim Autofahren das Radio ab, denn nun sind sie schon mal single, was soll das also jetzt mit der Doppelspitze. Und was macht derjenige, der eigentlich gut geeignet wäre für den Job, aber keine/n Partner/in findet für eine geeignete Doppelspitzenführung. Jetzt geht’s ja gar nicht mehr ohne Doppelspitze, obwohl man gar nicht weiß, wie das ein ungeschriebenes Gesetz werden konnte, sozusagen der Zwang des gemeinsamen Innehabens einer Aufgabe. Vielleicht werden wir uns ja an Angela Merkel als die letzte Monarchin erinnern, die ihresgleichen gesucht, aber leider nicht gefunden hat. Vielleicht ist es gesund, jetzt auf Doppelspitze umzuschalten, um die Kompatibilität zweier Systeme auszuloten, was die Weltordnung ohnehin beschäftigen wird. Wäre interessant zu erfahren, ob da, wo Doppelspitzen schon mal regiert haben, zumindest nach außen hin, wie das wirklich war, und wie es gelingen konnte oder auch an was es gescheitert ist. Gestern war ja Überwachungskameratag, aber heute möchte ich wählen, was für ein Tag ist: es ist Doppelspitzentag im erweiterten Rahmen des Massensterbens der Artenvielfalt. Ja! Eben.

bei sich

Die Frage tauchte gestern beim Frühstück auf, ob man erkennen kann, dass ein Mensch bei sich ist, oder eben nicht. Der Alltag bietet jedem eine Menge Möglichkeiten, mit dem Thema umzugehen. Man ist im Kopf woanders als da, wo der Schlüssel hingelegt wurde, und jetzt muss man die beiden Dinge wieder zusammen bringen. Ganz abgesehen davon gehen vermutlich die meisten Menschen davon aus, dass wir nirgendwo anders sein können als da, wo wir sind. Nur, wo sind wir. Wo ist der Ort, wo wir sagen können, wir sind „bei uns“. Epen und Schauspiele sind voll mit diesem Thema, denn die Irrwege und die Labyrinthe und die Verstrickungen und die Heldentaten sind alles Orte, die der oder die Heimkehrer/in durchlaufen muss, um wieder zurückkehren zu können zur Heimat. Warum hat man sie verlassen, oder konnte man gar nicht anders als hinausgehen und schauen, um was es da draußen geht, auch immer im Kontext zu sich selbst und dem, was man dort verloren hat und zu finden bereit ist. Jeder hat andere Karten, klar, sonst gäbe es kein Spiel, und wenn jeder Spieler seine Hütchen zurück zum Hafen bringt, dann ist das Spiel aus und man kann eine weitere Ebene anpeilen, Oder der Spielplan verändert sich und man fragt sich vielleicht eine Weile, ob man vom Spiel gespielt wird, oder ob man selbst spielt. In Indien hat man das Zu-sich-kommen meist den Göttern überlassen oder dem Einen, der alles weiß und alles sieht und angeblich nur das Beste für einen will. Lange genug hat es auch irgendwie funktioniert, denn außerdem hat man als Reinkarnationsgläubige/r endlos Zeit, sich zu entwickeln. Im besten Fall hat es eine Art Seelenruhe erschaffen, im schlimmsten einen schwer zu erweckenden Schlaf, denn nicht nur ist es schwer zu wissen, ob man bei sich ist, aber es ist auch schwer zu wissen, ob Gott bei einem ist, außer man bastelt sich eine Vorstellung. Oder empfindet das Drehen der Gebetsmühlen oder der Rosenkränze als eine Lösung. Man kann sich allerdings auch derart verlassen oder verlassen fühlen, wie es z.B. Eckart Tolle passiert ist, sodass das totale Entschwinden eines  Ichs nicht mehr aufzuhalten ist sowie die Möglichkeit des Todes. Dann auf einmal raschelt die Asche, und ein Paradiesvogel sitzt im Nest, der für diesen Vorgang (gefühlte) 1000 Jahre in Einsamkeit verbracht hat, Zeit ist relativ. Übrigens war Eckart Tolle für viele von uns ein wichtiges Beispiel, nicht nur wegen dem wesentlichen „Be here now“, sondern auch, weil er so gar nicht von Glamour gezeichnet war, wahrlich schlicht wie ein Schluck Wasser, und doch ein Licht, das Strahlkraft hatte und sicherlich für viele noch hat und haben wird, who knows. Fakt ist, dass alle Persönlichkeiten auch Grenzen haben, und möglichst soll niemand einen vom eigenen Weg abhalten, spätestens, wenn man erkennt, dass man weder Eckart Tolle ist noch sonst irgendwer. Man ist sich selbst, und deshalb lohnt es sich, sich auf den Weg zu machen. Dass die Welt ist, wie sie ist, und Menschen sind, wie sie sind, heißt nicht, der Weg ist verbaut. Heute, am Überwachungskameratag (!?) plädiere ich für die Anwendung des Auges als Kamers mit Lampenfunktion, und mal schauen, wer sich dort aufhält, und wo, und mit wem.

wandern

Es sind oft die Menschen, die auf eine ernsthafte Weise eine (meist östliche) geistige Schulung und Praxis durchwandert haben, die zeitweilig vor allem in der westlichen Gesellschaft einen seltsamen Eindruck machen, da sie aus vielerlei Gründen nicht mehr wirklich integrierbar sind, bis es zu einem gewissen Punkt kommt, an dem sie sich selbst wieder, zu welchem Maß auch immer, integrieren können. Lange Zeit war es eine Tatsache, dass „spirituelles“ Wissen aus Indien kam, oder vor allem dort gesucht und zuweilen auch gefunden wurde. Das sogenannte „Göttliche“ und seine vielen Spielarten war ganz sicherlich anziehender und reizvoller in Indien dargeboten, und ich denke, viele westliche Sucher wollten dem Leidensdruck entkommen, wie auch immer. Ein großes Hin-und Herreisen begann, und für Einige war das Zurückkommen gar keine Option mehr. Durch die gegenseitigen Zugeständnisse vor Ort begannen die Lehren (zum Glück) sich zu wandeln und zu öffnen, sodass es letztendlich schien, als würde alles sich drehen und wenden und sich abstoßen und sich angleichen in einem langwierigen Waschvorgang zwischen Ost und West, dessen Resultate schwer überschaubar sind. Die Zeit  und ihr Antrieb ermöglichte eine Bewegung vom Rand in den Kern des Geschehens. Aus Seiltänzern wurden ForscherInnen des Subatomaren. Es war im Westen, dass zutiefst verstanden wurde, dass nur durch gleichermaßen ernsthaften Umgang mit der persönlichen Geschichte der bereits meditativ erfasste Raum als eine lebendige Realität möglich war. Das dauerte ein paar weitere Jahre. Es brauchte einen begeisterungsfähigen Kopf, um den Irrsinn vom Licht unterscheiden zu können. Dazwischen viele Irrlichter, man hielt sich an stabile Pfosten: Poeten, Philosophen, Psychologen, wissensvolle Persönlichkeiten, um hier die P’s abzurunden. Poetische Poiese, das war’s doch. Sich selbst erzeugende Poesie, auf deren Quellwasser man sich verlassen kann, und vielleicht ein entwaffnender Kampfgeist als Ausgleich, damit das, was einem am Herzen liegt, nicht im Zuspiel verloren geht. Die Herausforderungen des Zuammenspiels wiederum, überhaupt die belebenden Künste des Zusammenseins, der Klang eines anderen Wesens, die mit sich selbst verbundene Tonart   als Möglichkeit des Gebens, ohne dass ein Verlangen daran gebunden ist. Jetzt sind wir mit Menschsein beschäftigt. Wer will beurteilen können, wieviel davon schon erforscht ist, forscht doch jeder (Forschende) mit anderen Mitteln. Tief verborgen und doch offen sichtlich liegt der einsame Mensch (nun selbst der eine Same) in den Armen des Gemeinsamen. Jedem ist es gegönnt und erlaubt, hier das Meisterhafte in Betracht zu ziehen. Wie wird man das denn: ein Mensch, mit dem man unbedingt leben möchte, und der keinem Anderen schadet.

wer

9

Dass die Rückkehr zu sich selbst durch die ganze (bekannte) Menschheitsgeschichte hindurch immer eine abenteuerliche Möglichkeit war, mit dem Leben umzugehen, steht außer Zweifel. Kommt man mit dem Thema nicht bewusst in Kontakt, entsteht der persönliche Weg trotzdem auf der Basis derselben Gesetzmäßigkeiten. Nicht nur heißt es, dass wir sind, was wir essen, sondern wir sind auch, was wir aus uns machen: täglich, stündlich, minütlich. Die bekannten Ordnungen wurden immer wieder in verschiedenen Systemen mit unterschiedlichen Symbolen dargestellt. Sie waren auf jeden Fall auch immer für diejenigen vorhanden, die in sich selbst ein bestimmtes Interesse an der Ergründung dieser Ordnungen feststellen konnten. Hier haben Hindus eine sich als (einst) fruchtbar erwiesene Unterscheidung getroffen, und zwar zwischen dem Familiensystem und dem Einzelnen, dessen Interesse eher der inneren Forschung des Menschseins gewidmet war, dem auch der Spruch aus Griechenland gewidmet ist mit dem zeitlosen „Erkenne dich selbst“, oder der Ergründung des ursprünglichen Bausteins als einer mathematischen Formel, oder dem langen Sitzen in stillen Räumen mit teils aufwendigen Praktiken, um sich der eigenen Quelle zu nähern. Das hat sich lange nahezu unbeobachtet bewährt und hatte auch damit zu tun, dass es Berge gab und Räume, in denen die Forschungsergebnisse gehütet wurden wie, zum Beispiel, der Schwarze Diamant, den man nicht einfach irgendo herumliegen lässt, wenn man zur Arbeit geht. Selbst vom Rohzustand in den geschliffenen gebracht, braucht er ein ständiges Verbundensein mit den HüterInnen, damit die Entstaubung gelingt, für die kein Ende absehbar ist. Nun ist es aber so, dass man, oder ‚ich‘ sage das jetzt: es war einmal (so elitär, wie es noch immer gespielt wird). Doch inmitten der großen planetarischen Überforderung tauchen wie von selbst in den BeohnerInnen die uralten Fragen auf, jetzt im Kontext des Wassers, das vielen, zu vielen, am Halse steht. Unruhig und getrieben sitzt ein Großteil der Weltbevölkerung auf einmal in den gesponnenen Netzen und muss tüfteln, was Sache ist. Und das auf hohem Niveau. Und das hohe Niveau hat ein paar Erkennungszeichen, aber vor allem, dass es einfach ist. Die Form erschaffen zu haben ist eins, damit sind Wünsche erfüllt und gewisse Grenzen gesetzt. Dann erst, und das oft durch Tragödien, kommt der Blick, der entweder aufgibt. sich im Angebot der Abgründe verliert, oder aber sich nach innen wendet, wo das große Feld auf sie oder ihn wartet: das Säen und das Ernten gemäß des eigenen Wesens, und mit dem Geschenkten großzügig umgehen, kann man doch nur sich selbst schenken, ohne dabei verloren zu gehen. Wer Ausdruck finden will für die Dankbarkeit, muss schauen wie, und wo, und mit wem. Das gilt für alle und birgt das Geheimnis der Ausgeglichenheit.

wachsam

Das ist ein Ausschnitt aus einer Collage, die ich vor einiger Zeit mal mit einigen anderen in einem Buch zusammengefasst und nun wiederentdeckt habe. Ich erinnere mich, das kleine Mädchen, das für westliche Augen so vereinsamt aussehen kann in der Mitte des Burka-Meeres, mit einer Lupe betrachtet zu haben. Nun kennt das Kind natürlich die Menschen unter diesen zugehängten Formen, obwohl man sich kaum vorstellen kann, dass es sich darauf freut, auch mal sowas tragen zu dürfen. Aber wer kann sich schon vorstellen, dass Mütter ihren Töchtern schon nach der Geburt die Füße eingebunden haben, damit sie die richtige Größe und den Schmerzpegel erreichen, der sie am Weglaufen hindern wird. Oder dass Großütter ihren Enkelinnen die Schamlippen abtrennen undsoweiter. Erst jetzt findet man langsam heraus, in wie vielen Ländern so etwas stattfindet. Wie kann da eine globale Verständigung wirklich gelingen. Allerdings konnte und kann man sich auch nach wie vor nicht vorstellen, was einigermaßen gebildete Deutsche alles denken und tun und den Weg der Entmenschlichung immerhin so weit gehen konnten, dass es keine Grenzen mehr gab. Wenn ein ganzes Volk  sich vom kollektiv aufgebauten Irrsinn einfangen und betäuben lässt. Was hat man gewusst, während man lebt, wo etwas hinführt, das einem nicht geheuer ist. Wie herausfinden, was einem geheuer ist und was nicht. Und sich notfalls auch wegbewegen kann vom Ungeheuren? Ich habe gerade was damit zu tun, weil es in Kaschmir zwischen Muslimen und Hindus brodelt. Das Brodeln ist nichts Neues. Durch die infame Landtrennung der Engländer, ausgeührt auf der Landkarte ohne das geringste Empfinden für die bestehende Ordnung, haben sich Hindus und Muslime schon einmal gegenseitig abgeschlachtet. Auf beiden Seiten der neuen Linie kamen ganze Züge mit Leichen an. Solche Wunden heilen nicht gut. Nun höre ich zur Zeit aus Indien immer wieder, dass Hindus Muslime endgültig entmachten wollen. Sie sind ihnen schon lange ein Dorn im Auge, schlachten das Vieh, essen Fleisch, tragen Burka, bauen Moscheen auf ehemaligen Hindustätten und gebären zu viele Kinder. Allah und Ram werden zu politischen Schleudern, mit denen man den Feind unter göttlicher Führung entlarven und auslöschen kann. Narendra Modi, den hierzulande immer noch kaum jemand kennt, wurde schon einmal der indische Hitler genannt. Man sieht den Asiaten selten an, was sie im Schilde führen. Nicht nur Modi, sondern sehr viele Hindus wollen endlich zu dem aufsteigen, was sie schon immer von sich dachten, eben das Übliche: ein allen in allem überlegenes Volk, nur mit China im Wettstreit um die Weltmacht, nicht wirklich mit Pakistan. Pakistan wird eher als ein Störenfried gesehen, der im Weg steht, ein Ungeziefer, das man beseitigen muss. Vor dieser Trennung (1947) lebten sie als ein Volk verhältnismäßig friedlich zusammen, und oft Tür an Tür. So war das doch auch mit den Deutschen, bevor man zittern musste, ob man nicht doch irgendwoher einen Tropfen jüdisches Blut mitbrachte. Auch dadurch, dass man sich in den geschichtlichen Abgründen aufgehalten hat, ist die persönliche Ohnmacht offensichtlich. Die Geschichte gebiert sich immer wieder selbst, und es würde auch einem selbst und der Welt nichts nützen, wenn man genug Kohle hätte, um die ganze Riege bizarr irrlichternder politischer Führungsgestalten von Yakuza Killern am selben Tag stürzen lassen könnte, nichts wäre gewonnen. Es gibt diese unsicheren Zeiten, wo viele einen Rasputin möchten, oder einen großen Alexander, deren bescheuerte Taten dann in die Schulbücher eingehen, damit der Heldenfimmel immer wieder aufs Neue angestachelt wird, während die wirkliche Heldenreise woanders stattfindet. Ja, wann ist es Zeit, irgendwo fernzubleiben, und wann, sich durch Nachrichten nicht beirren zu lassen. Man muss den Kompass bei sich haben und wachsam bleiben.

 

künstlich

Man kann jetzt selbt erfahren, wie ein Thema, das man früher mal für exklusiv hielt (wie gute Science Fiction Lektüre), sich nun langsam in die Gehirne einschleicht und dort seine gespensterhafte Wirkung verbreitet, während man sich einfach daran gewöhnt, es „Algorithmen“ oder „K.I.“ zu nennen, man ist ja relativ informiert. Wir hören, dass bei den bereits hochintelligenten Robotern immer noch Menschen mit herumitzen müssen, die eventuelle Lücken in der Software regulieren, bis die Maschinen halt selbst alles kapieren und keine Fehler mehr machen. Nun kann die Maschine bald selber, ja, besser denken als ihr Programmierer, und in Wirklichkeit befinden wir uns bereits so tief verankert in der neuen Ebene, dass einem, wenn man kurz mal tief fjuhtschert, bald vielleicht nur noch der Fluchtweg des Aliens offenbleibt. Alien wird hier, wer einerseits nicht befürchten muss, trotz des abgedeckten Kameraauges beobachtet werden zu können bei Schritt und Tritt, andrerseits sich die Frage stellen muss, wann es ratsam ist, aus einem fatalen Spiel auszusteigen, solange der Suchtpegel noch einschätzbar ist. Ohne Smartphone weiterleben? Bereits schwer denkbar, auch nicht unbedingt angesagt, wo käme man hin. Als ich drei Tage und Nächte in Apulien keinerlei Zugang hatte zum medialen Fenster, schien mir die Welt einen Moment lang an Farbglanz einzubüßen. Aber es dauerte nicht lange, bis der Unmut abgestreift war, es war eine gute Übung. Nun rast diese Entwicklung stetig in dunklen Kammern vor sich hin, und der japanische Programmierer findet es bereits höchst natürlich und empfehlenswert, eine Roboterfrau an der Seite , bzw. im Haus zu haben, die mit einem Schlag tiefste, unerfüllte Wünsche ans Tageslicht befördert und alles tut, worin die westliche Frau gerne versagt hat. Auch der Robotermann der Frau kann das als sehnsuchtsvoll Verstandene leicht erfüllen, ein paar Worte liebevoll programmierter Zuneigung können da viel vollbringen, wahrscheinlich keine Wunder, aber immerhin. Derweil treten genetisch verbesserte Menschen in das Spiel, während die, deren Rolle es ist, nicht mitzuspielen, automatisch zu Aliens werden. Das heißt, sie kommen den entwickelten Hightechies vor wie Außerirdische, zu deren Welten sie keinen Zugang haben, und auch nicht zu ihrem Wortschatz, der noch zum prädigitalen Sprachgebrauch gehört. Auf beiden Seiten geht es darum, ob und wie das, was wir als Menschen kannten, wird überleben können. Nicht, dass es um jeden Preis muss. Es wird spannend bleiben zu sehen, ob wir als Menschen bereit sein werden, uns als solche tiefer zu erforschen und zu verstehen, anstatt uns weiterhin mit kalten Materialien zu verbünden, die die Fähigkeit besitzen, das, was uns auszumachen scheint, in sich aufzusaugen und daher einen gewissen Reiz auf uns auszuüben, der unter gegebenen Umständen zu gravierendem Fehldenken führen kann, aber wie immer: nicht muss. Auch möchte ich ungern durch komplexe Vorrichtungen mit der ‚Matrix‘ verbunden werden, um dort den Kampf mit den kalten Mächten aufzunehmen. Aber wer weiß? Vielleicht erschaffen wir tatsächlich die Welt durch unsere Gedanken. Jedes Objekt ein Wunder an geistigen Manifestaionsfähigkeiten. Viel Denken, viel Produktion. Viel Unnützes. Viel Unbrauchbares. Viel Gefährliches. Viel Verdrehtes. Viel Halbherziges. Viel Habgieriges. Viel Theater. Viele Filme. Viele Tatorte. Viel Gewalt. Auch Wertschätzung. Auch Humor. Unsere Software kann durchaus upgedated werden von uns selbst, man muss vor allem das Gefütterte gut verdauen, sonst verschwindet man unter den Influencern. So wie jede/r (Beuys) ein/e Künstler/in ist (aber nicht alles Kunst), so ist jede/r ein/e Influencer/in, nur, von was lass ich mich influencen, und was habe ich selbst zur Verfügung…

vertrackt

Gestern, so höre ich, war internationaler Tag des Milchreises. Das klappt sicher noch, alle Tage mit etwas Wichtigem zu belegen und es den Ländern und den darin Wohnenden selbst zu überlassen, was sie zum Festtag erheben möchten. Vermutlich gibt es schon eine Menge international beachteter Tage, von denen man nichts weiß, Tag der Tätowierten, Tag des Fußzehentrennens, organisiert von den Antihalluxaten. Man freut sich zuweilen, wenn wir Menschen uns in anregendem Miteinander zusammentun, das kann man auch von einer Bambushütte aus leisten. Manchmal muss man dabei sein, öfters auch nicht. Was geht einen etwas an? Kann man sich wirklich verpassen? Solche Fragen können selbstvertändlich auch am Montag gestellt werden, doch der Samstag eignet sich besonders gut für tiefere Fragen, die in den Alltag integriert werden können. Aufgewühlt von den vielen Ansprüchen, die in letzter Zeit auf uns VerbraucherInnen herunterprasseln, benutzt man den hellwachen Zustand des verkörperten Ichs und forscht an jedem Artikel, der in den Wochenendkorb kommt, ob diese Nahrung angemessen ist für einen oder eben nicht (mehr). Wir sind zu Gast bei Freunden. Schüchterne Wesen lassen verlauten, dass sie noch Fleisch essen. Sie wissen, dass sie mit unserer Großzügigkeit rechnen können,  wissen wir doch, wieviele Fragezeichen wir selbst schon in die Welt gesetzt haben mit unserer Abstinenz von Knoblauch und Zwiebeln, und Eiern und Fischen und Fleisch, bevor einige Lücken entstanden, in denen das sich  entfaltende Bewusstsein  neue Pfade anlegen konnte, Das Vertrackte ist ja, dass egal, was man über sich herausfindet, all diese Einzelheiten, die sich langsam als Identität ansammeln, what I like and what I don’t like, keinerlei Garantie dafür sind, dass ich bei mir anlange. Wo ist das überhaupt, und was finde ich da vor. Habe ich mir das so eingerichtet, wie es mir entspricht? Das satte Grün, die Blumen, die Vögel? Dann auch die Wüsten mit ihren Oasen, komm, ruh dich aus, Reisende/r, und trink vom köstlichen Wasser! Oder die Körper mit ihren kühnen Formen! Es gibt Zeiten und Tage, da fällt es nicht leicht, das Vorhandene und das von einem selbst Gestaltete mit tiefer Dankbarkeit zu lieben, was bleibt einem anderes übrig, wird man doch auf die tiefsten Fragen nie eine Antwort haben. Deshalb schadet es dem Individuum nicht, z.B. beim Einkauf auf die ausgeuferte Masse an Plastik mit eigenen Ideen zu antworten. Das wird die Welt nicht retten, aber vieles kann ein nützlicher Beitrag sein. Das erfreut uns doch alle, wenn wir unser freischwebendes Bewusstsein irgendwo einsetzen können. Jetzt kommt es natürlich drauf an,….hier lasse ich meiner Vorstellung freien Lauf…es war Monsoon, und die Luft warm…

Das große Könnte

 

Links sieht man die kleine Mondgöttin im Abendkleid, und rechts einen riesigen Asteroiden-Brocken, von dem ich bei Lord Google auf dem Weg zu einer Grammatikinfo gelesen und kurz angehalten habe. Huhuhu!, hieß es da, da rast es auf uns zu und kann, hier eine eingeschobene Autorität zur Untermauerung, nämlich die NASA sagte da was oder wer, nämlich, dass es unter gewissen Umständen zu einer Gefahr kommen könnte. Könnte ist das Stichwort. Der Textverfasser, der ja immer auch was bieten muss, da bezahlt dafür, drängt den NASA Experten (z.B.) geschickt in eine Frage-Ecke, wo der nicht mehr anders kann als zugeben, dass da durchaus grundsätzlich ein Quäntchen Gefahr sein könnte, auf die natürlich keiner der beiden eingehen kann, denn es war noch nicht da und, wie es uns weiter im Text erläutert wird, wird das Ding ‚vermutlich eh‘ an unserem kleinen blauen Planeten vorbeirasen! Uffh, ham wir nochmal Glück gehabt. Der Schreiberling ist auch zufrieden, denn er hat das Tempo erst hochgeschraubt, dann wieder runtergebracht zum Normallevel, wo sich dann alles wieder gewohnheitsgemäß ebenerdig einfügt. Morgen gibt’s vielleicht, wenn nicht noch was Neues überhand nimmt, noch einen frisch geschürten Asteroiden-Angst-Pegel, wenn man, vielleicht auf dem Weg zum Bioladen oder zu Aldi, erfährt, dass das Ding gerade an uns vorbeigeratzt ist. Viele Menschen werden davon natürlich gar nichts gehört haben, denn wenn es im Netz nicht zittert, kommen die News auch schnell wieder weg. Die World Community muss schließlich ständig zufriedenstellend gefüttert werden. Da war noch eine Nachricht, die mich auf diese Gedankenspur gebracht hat. Eigentlich wollte ich mich selbst darauf hinweisen, wie schnell man, wenn man nicht aufpasst, irgendwo landet.. Da gab es nämlich ganz kurz, auch im Tempel von Lord Google, eine Nachricht, die besagte, dass durch einen Unfall mit einem Satelliten, der eine Menge kleinster Tiere, die man, glaube ich, sowas wie Rotbärchen nannte, an Bord hatte, die aber nun durch den Fehler auf dem Mond landen könnten, aber, sagte es weiter, als man die Krabbeltiere schon den Mond bevölkern sah, sagte also, dass diese Dinger gar nicht dort lebensfähig seien und wären. Nun ist Lord Googles Welt kein wissenschaftliches Labor per se, eher eine Art Trainingslager für Unterscheidungskompetenzen, oder eine Lockvogelanstalt für süchelnde Nach-Sich-Sucher, und was nicht noch alles der neue Gott auf dem Kasten hat. Und wenn mir selbst bei einer nicht gelungenen Aufnahme eines Sonnenflecks auf einem Möbelstück das Smartphone in die Quere kommt und ich das Ganze als Mondgöttin im Abendkleid deklariere, ist das nun auch subtile Manipulation oder künstlerische Freiheit, oder ein Laborversuch. Das muss man jeweils selbst im Kontext entscheiden. Schließlich befiehlt einem keiner, wie man die Welt zu sehen hat, was vor allem an einem Freitag mit halbierter Volksbesetzung in eine Mini-Ekstase führen könnte, indem man sich diesen nackten Fakt (noch einmal) bewusst macht. Man badet die Augen ein wenig im milden Grün des Sommers, der der heißeste Sommer der Klimaaufzeichnungen werden sollte. Gut, werfen wir halt ein Feuer an und überzeugen uns davon, wie es ist. Und Achtung auf das große Könnte! Alles könnte jederzeit ganz anders sein, als man dachte. Könnte es?

spät?

Nun kann man (u.a.) auch beobachten, wie so manches, was einmal mehr oder weniger dringlich am eigenen Herzen herumlag, zu einem grotesken Schauspiel herangewachsen ist. Nicht, dass ich Zeigefinger und Mittelfinger der rechten Hand in dazugehöriger Zeit zu oft bemüht hatte, und noch mit dem Wort „Frieden“ begleitet, aber klar war, dass man Frieden wollte im Sinne von: kein Krieg. So wie bei jeder funktionierenden Revolution wird viel Denken darauf verwandt, zu den dahinter liegenden Zielen zu gelangen, und auf einmal ist es da, das Neue, das man wollte, und man weiß nicht, wie es am besten zu handhaben ist. Wieder einmal kommen Männer und Frauen aus vielen Ländern zusammen und beraten zum Beispiel, wie ernsthaft die Sache mit dem Klimawandel nun wirklich ist. Wer wohl den über 1000-Seiten-Bericht liest, in dem zum Beispiel der verringerte Konsum von Fleischprodukten empfohlen wird usw., man weiß es nicht. Wenn einen so viel kümmern soll, dann kümmert einen bald wenig, vielleicht auch nur das, was man wirklich verdauen  und zu vernünftigem Handeln führen kann. Ein paar gedanklich präzisierte Einstellungen, und man kann auch ohne zu viel Plastikballast einkaufen. Nennt man so ein Detail, zum Beispiel das bedrohliche Wattestäbchen, stößt man schnell auf das Absurde. Man schaut kurz bei sich herum und sieht sofort, dass man von Plastik umzingelt ist. Nun ja, umzingelt ist vielleicht zu viel gesagt, denn ich habe nicht vor, mich beklemmen zu lassen. Wachheit und Achtsamkeit haben sicher noch nie geschadet, noch ein Schuss Lernbereitschaft dazu, ein paar Tropfen Lebensweisheit. Schon ahnt man, dass es niemandem gelingen wird, das stetig tropfende Eis wieder zum Gefrieren zu bringen. Dass einem alles egal ist, ist natürlich auch keine Lösung, obwohl ich es angebracht und gut fand, dass es den Trauernden  um die erschossenen Menschen in El Paso egal war, ob Donald Trump bei ihnen herumtanzt oder nicht. Von ihm, dem zum Glück keiner mehr glaubt, dass er von den Verletzten so liebevoll empfangen wurde, wie er selbst gezwitschert hat, von ihm haben wir viel über das Begrenzte lernen können. Ganz abgesehen davon, dass bereits so gut wie jeder Amerikaner mindestens eine Waffe besitzt, weiß auch Donald selbst, dass er die Waffenlobby nicht verärgern wird. Es müsste nur genug empörte BürgerInnen geben, die das endlich geklärt haben möchten, ja, und dann was? Wie soll irgendeine/r zukünftig erkennen können, wann jemand geistig so unstabil ist, dass er unter gewissen Umständen zur Waffe greifen wird? Man rechnet auch nicht damit, dass die Trumps der Welt ihren eigenen Zustand einschätzen können, ist es doch auch für keinen der BürgerInnen leicht. So klimawandeln wir einsam und gemeinsam dahin, und wenn wir an all den Giften, die wir zur Welt gebracht haben, noch nicht gestorben sind, dann leben wir auch noch heute und können entscheiden, über was wir selbst nachdenken möchten, und über was nicht. Das ist nicht wenig und will offensichtlich heute mal gesagt werden, vielleicht mit den Worten; das ist nicht nur viel, sondern grenzt schon an den unermesslichen Reichtum, den man mit geistiger Freiheit verbindet.

(be) (ver) antworten

Gelegentlich finde ich es anregend zu bedenken, dass es auf bestimmte, wesentliche Fragen keine Antworten gibt, und dass man sich dennoch das Interesse an ihnen und die Beschäftigung damit nicht ersparen kann. Das heißt, wenn man auf dieser Ebene nicht sparsam sein möchte oder durch die (geistige) Umgebung nicht zur Sparsamkeit gezwungen wird. Zur Sparsamkeit wird man meistens gezwungen, wenn Verbindung und Kommunikation nicht gelingen, egal, wie sehr man bestrebt ist. Dass aber tatsächlich eine gelungene Kommunikation unter Menschen verhältnismäßig selten ist, kann man schon mal bestaunen. Die Welt ist so alt, dass keiner weiß, wie alt sie ist, denn auch Geschichte nährt sich von Gerüchten und Vermutungen und Behauptungen, die oft noch zurechtgebogen werden, um ehrgeizige Ziele zu erreichen. Da sich auch Wissenschaftler dem Wahrheitsgetreuen verpflichtet fühlen, kann man oft an den Begleitworten sehen, wie ungewiss das alles auch sein kann. Rückwertsblickend ist es genau so ungewiss wie vorwärtsschauend, und noch hat keiner die Frage beantworten können, was wir hier eigentlich machen, außer den transportierten Berichten dessen, mit was man in Kontakt kommt. Eine der schwierigen Einschätzungen ist die des Wissensgehaltes, der sich jeweils auf der Erde bewegt. Jede/r sucht sich einen anderen Schlüssel für das, was er oder sie wissen will. Nun werden zur Zeit sehr viele Geister in den Sog des Angebotenen geschwemmt, ohne gelernt zu haben, wie man zum Beispiel eine gute Entscheidung trifft, was nicht möglich ist ohne die innere Auseinandersetzung. Sich mit sich selbst auseinander zu setzen ist ein interessantes Bild. Mit wem rede ich, und wer gibt mir Antwort. Und dann, ja: vielleicht immer weniger Antworten, die an bestimmten Punkten unerlässlich waren, nun aber an Bedeutsamkeit verloren haben. Das Pauchale hat seinen Ort, aber das genaue Hinschauen auch. Und es ist meine Erfahrung, dass man das Wählen gründlich lernen muss, bevor es zur überraschenden Erkenntnis kommt, dass man da angekommen ist, wo man in der Tat keine Wahl mehr hat, da sie hier paradoxerweise von spezifischem Wissen entbunden ist. Das, was da ist, gibt Antwort auf sich, und man kann sich und auch Anderen besser zuhören.

 

leisten

Nachdem ich mir gestern „fjutschern“ geleistet habe, obwohl  „fjuhtschern“ noch korrekter gewesen wäre, füge ich heute noch „pasten“ dazu, wie bei „Pasta“, also das Pasten, oder besser hier auch noch ein „h“ hinzu, damit es mit dem englischen „pasten“ und auch mit „posten“ nicht verwechselt werden kann. Das Pahsten also, das ‚Sich-aus-welchen-Gründen-auch-‚immer-in-der -Vergangenheit-bewegen‘ im Gegegnsatz zum Fjuhtschern, das ‚Auf-die-Zukunft-Ausgerichtete‘. Man hat diese zwei Flügel, kein Zweifel. Und obwohl im Zurück oft die Dunkelkammern sich verbergen, immer bereit für Belichtung, so kann man auch einfach dort in eine bestimmte Zeit hineinwandern und sich umsehen, zum Beispiel wer und wie man wohl war. Auch eine hochkonzentriert verfasste Biographie kann nicht der wirklichen Erfahrung entsprechen. Man selbst hat sich ja grundlegend verändert. Grundlegend? Oder liegt der Grund schon fest, und genau aus diesem Grund greift man schon früh zu bestimmten Büchern, oder hört Musik, oder schreibt Gedichte, oder nichts davon, man kannte es gar nicht. Von der Burka ins Burkalose ist ein langer Weg, man kann nicht erwarten, dass jemand das Ding einfach in die Ecke schleudert, außer, es ist mit Bewusstseinsprozessen verbunden. Mit der Vergangenheit muss man so sorgsam wie möglich umgehen, denn man hat am Drehbuch mitgearbeitet, auch wenn es nicht immer so aussieht. Und überall da, wo Vergangenheit sich meldet als eine blockierende Zeitschleife, da ist der Zugang zum Urgrund unvermeidlich. Man denkt an Sherlock Holmes, wie er fast obsessiv mit der geistigen Lupe die winzigen Details, die keinem sonst auffielen, unermüdlich in Zusammenhänge brachte, bis ein Bild sich ergibt, das die Geschichte freigibt, bzw. den Nagel auf den Kopf trifft, eine schmerzhafte Angelegenheit, in deren Räume sich die Geister des Unerschlossenen tummeln. Das Fjuhtschern scheint mehr Möglichkeiten zu haben, ist aber streng an die Vorstellungskräfte gebunden. Es ist auch kein Geheimnis mehr, dass aus Pahsten Fjuhtschern wird, und beide müssen den Engpass passieren, der zwischen beiden liegt, eine innere Straße von Hormus, wo sich Schicksal entscheidet, persönliches Schicksal. Denn nur da, wo Vergangenheit und Zukunft sich treffen, ist Seinsgetaltung möglich, was mich förmlich zwingt, das jetzt „Das Nauen“ zu nennen, bis ich mich selbst wieder befreien kann von den drei Worten, ohne die ich in meinem Schatz auskomme. Das Nau also ist da, wo Existenz absolut ist im Sinne von uneingeschränkt durch das, was es einfach ist. Bündelt man diese Erkenntnis in den Seinszustand, kann einem leicht schwummerig werden. Man holt sich zurück in die Entspannung, will vom Wortspiel (Fjuhtschern-Pahsten-Nauen) keine Unterhaltung mehr. Schließlich sind Sommerferien, und man kann eine ganze Weile hineinhorchen in die äthergetragene Stille, die bis an die Füße der Städte reicht.

fjutschern

Halt! Da ist er doch, der Sommer, eben genau dieser Sommer unseres gemeinsamen Lebens, in dem viel von Grenzen und Entgrenzungen die Rede war und ein gewisser Denkzwang sich wie von selbst im Volk bzw. in den Völkern ausbreitete, da das Ausmaß des zu Reflektierenden in vielem die üblichen Gewohnheiten übertraf. Nur: über was des auf vielerlei Weise Hereinflutenden nachdenken, wie aussortieren, was einen was angeht und was nicht, was einen wirklich berührt und da, wo man nur so tut, als ob. Muss ja auch gar nicht, aber doch wissen, warum nicht. Wie merken, dass überhaupt noch etwas berührt, und froh sein, es wahrzunehmen zu können. Und nicht außer acht lassen, dass man selbst, ob man will oder nicht, auf die Welt einwirkt und überall, wo man hingeht, Zeichen und Spuren hinterlässt. Und gerade, wenn wir dann denken, das sei für unsere eingeschränkte Bedeutung dem großen Ganzen gegenüber viel zu bedeutsam gehalten, da fällt auf, dass gerade dann die Zeichen und Spuren (und der ganze Irrsinn) sichtbarer werden. Denn auch im inneren Gehäuse spurlos zu verschwinden heißt weder, näher bei sich zu sein, sondern der leere Innenraum wird ein Resonanzkörper der vorhandenen Befindlichkeiten. Manchmal begegnet man ja tatsächlich einfachen Formeln, die man (kurz) über das Weltgefüge wandern lassen kann und bei denen eine gewisse Gültigkeit zu erkennen ist. In jeder lebenden Person spielt es eine Rolle, wie und wo im jeweils vorhandenen Raum das Instrument des Bewusstseins verfügbar ist. Und vor allem auch schon bei Kindern darauf zu achten, dass ihnen einiges auf natürlichste Weise zugetraut werden kann: bewusst und wach zu sein und das eigene Wesen reflektieren zu können, indem sie mitbekommen, dass im Beziehungskreis offen und angstlos über Gefühle und Gedanken reflektiert werden kann. Nun ist durch die Vernetzung die Welt wie ein Puzzle zusammengefügt worden, und wir müssen alle mit allem umgehen. Wie aber geht man mit allem um, damit es einem nicht schadet. Wenn man nur noch Meinungen findet, die darauf hinweisen, dass es in der Tat nur m e i n Denken ist, das sich da äußert, und was heißt „nur“. Nun taucht die weitere Frage auf, denn weiß ich überhaupt, was ich meine. Und gibt es eine Möglichkeit des bewussten Durchdringens dessen, was mich betrifft, die mich letztendlich (wann immer“letztendlich“ sein kann) frei macht auch vom Meinen? Es hat mich stets fasziniert, dass man bewusst oder unbewusst auf der Erde ganz gut leben kann. Und egal, wo und wie das Bewusstsein sich bewegt, es steckt immer noch das Wissen drin, an das es sich selbst oft bindet, und dann schauen muss, wo es langgeht. Wo das Unbewusste vorherrscht, muss man aufpassen, weil es gefährlich und grundsätzlich schwer einzuschätzen ist. Ich gehe davon aus, dass in den meisten Menschen die Fähigkeit, das Unbewusste bewusst zu machen, angelegt ist. Oft und gerne vergisst man die (innere) Freiheit, die einem ermöglicht, das vorhandene Potential so einzusetzten, dass man sich in der sich ergebenden Manifestation erkennt, fördert und liebevoll unterstützt. Das alles hat viel mit Future zu tun, und wer ich zukünftig darin sein werde.

Augustinus

Bildergebnis für Augustinus

Die Menschen machen weite Reisen, um zu staunen
über die Höhe der Berge, über die riesigen Wellen
des Meeres, über die Länge der Flüsse, über die Weite
des Ozeans und über die Kreisbewegung der Sterne.
An sich selbst aber gehen sie vorbei, ohne zu staunen.

Goldgrube unltd.

Auf dem Bild, das  heute ausnahmsweise mal wieder textbegleitend wirkt, sieht man eine beschattete Konferenz, die sich auf einer künstlich eingeführten Ebene abspielt. Zwei Ökoagenten, undercover als Hähne verkleidet, werden von streng geheim gehaltenen Sourcen zum Buddha gesandt, der einerseits versprochen hatte, immer wieder zurückzukehren, bis alle erkennen, dass sie gar kein Selbst sind oder haben, sich andrerseits in seiner neuen Form nicht mal für seine Followers erkennbar zeigt, und deshalb nun diese Konferenz nötig war, um das hartnäckige Planetenproblem auch mit dem Inkarnationsweisen zu besprechen, beziehungsweise um ein paar Vorschläge aus ihm herauszulocken. Während wir gespannt dranbleiben, ob demnächst davon was über Wikileaks durchsickert, fühlt es sich nicht unangebracht an, sich selber (wenn es denn ein Selbst gibt) mal ein paar Gedanken darüber zu machen, was man denn jetzt selber tun könnte oder schon kann. Ich ganz persönlich hatte letztes Jahr mein „Goldgrube“-Projekt, das dem Samstag als Auflockerung des Gedankenguts gelten sollte, indem der verfügbare Geist sich einige futuristische Vorstellungen macht, die auch ohne Reinkarnation (also zurückgekehrte Fleischwerdung) zur Umsetzung geeignet sind, hatte das Projekt also eine Weile wegen Überschwanges vorübergehend zur Seite gelegt. In unserem extra dafür spontan erschaffenen Frühstücksteam prasselten nun aber die Vorschläge geradezu auf die entstandene Vernetzung nieder. Nun ist Goldgrube, ein Feld mit uneingeschränkter Haftung, unter anderem auch eine Art Berufsbörse für hochintelligente Einsteiger. Großzügig, wie GoldgrüblerInnen nun mal sind, kommen die Ideen frisch gebacken und frei, und wer möchte, kann sich influencen lassen. Da wäre einmal der grüne Lungenhut (!), den man den ganzen, immer länger werdenden Sommer sozusagen als beweglichen Sauerstofftransporter aufhaben kann und eventuell sogar das eine oder andere Gemüse dort ansiedeln. Dann sind da die Schulterpolster, die ohne großen Aufwand mit Solarpanels (!) aufgemöbelt werden können, wodurch vielleicht einst auch das E-Bike betrieben werden kann. Auch finden wir es schwer verständlich, dass Radfahrer häufig nur ihren eigenen Rucksack auf dem Rücken tragen, statt den körperlichen Raum einem kleinen Windrad (!) zur Verfügung zu stellen, was den Fahrer oder die Fahrerin  als umweltbewusst auszeichnen würde. Ein weiterer Bereich für Vorstellungskräfte ist eine (dann) sogenannte Mitgefühlsbrille (!), die man je nach Bedarf auch auf andere akzeptable Gefühle einstellen kann und dadurch in der Welt einen erhobenen Wohlfühlpegel gewissermaßen automatisch erzeugen kann. Auch eine Helferbrille (!) wäre gut, die von allen als solche erkannt werden und an die man sich dann wenden kann, wenn man etwas braucht. Besonders aufgerufen sind natürlich jetzt diejenigen, die sich als Klimachoaches angesprochen fühlen, die sich bei ihrem Vorstellunggespräch verpflichten, Tag und Nacht eine Optimierungsuhr zu tragen, die gewährleistet, dass man in Klimaprogrammen immer der am besten Informierteste ist. Ja, das könnte und sollte einige SamstagsfrühaufsteherInnen, die bei Aldi, Rewe und Lidl und auch im Bioladen schon durch sind und Zeit für optimale Beeinflussungen haben. Auch vor Shani, dem Gott der basaltschwarzen Samstage, kann man eine tiefrote Hibiskusblüte legen. Er ist zwar nicht zuständig für dringend benötigten Landregen, das ist ja Indra, der gerade in Indien zugeschlagen hat, sondern Shani ist der, bei dem keiner zu stehlen wagt und man deshalb die Handtasche frei herumliegen lassen kann. Allerdings sehe ich auch, nun kurz als Kassandra verkleidet, das langsame Aussterben von Opfersteinen- und ritualen. Make the world a Tun-Berg!

streamen

Das ist eines von 18 Photos, die aus Indien zu mir hereingeflutet kamen, damit ich teilnehmen kann an einem rauschenden Monsoonfest, das wir dort seit Jahren so nicht mehr erlebt haben, denn der Regen kam zwar ein paar Tage, aber der Monsoon blieb aus, dieses dröhnende Prasseln , das die Luft nur leicht abkühlt, aber so willkommen ist wie die gefüllte Kornkammer. Der langjährige Umgang mit dem Wasserlosen war enorm. Die meisten Brahmanenfamilien im Dorf leben vom rituellen Dienst an den Pilgern, die zum See kommen wie zu einem Gott, der sie von allen Sünden befreit. Wasserleitungen wurden eingerichtet, Wasserbecken gebaut. Getan wurde weiterhin, als wäre alles so natürlich wie immer. Ist es ja auch. Das erinnert mich an einen Satz von Greta Thunbergs Eltern, und zwar „Krank ist das neue Gesund“, ein irritierender Satz, der einem sofort wahr vorkommen möchte, wäre er nicht eindeutig absurd. Viele zustimmend nickenden Köpfe (auch der eigene) verbürgen noch keinen Wahrheitsgehalt. So konnten während der Wassernot in Indien die Notlösungen nicht wirklich das als ursprünglich „heilig“ Deklarierte sein, und niemand konnte es mehr dazu machen, denn die Zeit des Heiligen, was auch immer als solches deklariert worden, war längst abgelaufen. Aber die Show läuft weiter, das ist das Interessante. Es geht ja gar nicht um heilig, sondern es geht um Geld, ganz einfach. Damit kann man viel kaufen. Auch Wasser. Und, wie mir Preeti, die oben im Bild den ersten Regen genießt, berichtet, wenn die Wasserknappheit in der Gesellschaft alle erreicht, wird das Wasser von den Armen zu den Reichen geleitet, damit die alles haben, was sie brauchen. Auch das persönliche Erfassen des Unaufhörlichen kann einen zurück zu sich selbst bringen, ebenso gut wie der nackte Blick oder die Nüchternheit. Dieses im großen Strom Mitschwimmende, das durch die digitale Revolution so gebündelt erscheint, macht es ja nur noch schwerer, zu sich selbst zurück zu kommen, vorausgesetzt, man will diesen Weg ergründen. Dann gibt es natürlich auch  Überraschungen. Alle haben es geschafft, sich auf die künstlichen Maßnahmen einzuschwingen, da kommt plötzlich der Monsoon zurück und sprengt alle Theorien vom großen Versickern. Was nun? Wird alles gut? Kann es denn gut gehen? Und was ist überhaupt gut. Oder man schmeißt sich wie Preeti in die herabströmende Wassermasse und genießt es dankbar, während es da ist. Vermisst es auch nicht, wenn es weg ist, denn die künstlichen Dinge sind auch noch da. Merkt man, dass man im Stromkreis der Gedanken gefangen ist, unterbricht man die Gedankenkette und wünscht sich selbst und den Anderen einen angenehmen und wohltemperierten Tag, wo auch immer man sich aufhält.

so still

 

So still.
So tief.
So eingekehrt.
Woher.
Wenn das Geliebte
sich selbst ein Rätsel bleibt.
Gleich nach der Analyse –
das ist schön –
kann man den
Rand des Wunders
ergreifen und
darüber hinaussehen.
Ich nehme teil
an der leuchtenden
Vorstellung der Welt.

Kismet

Wenn das Fassungslose auftritt, kann es Menschen vorübergehend dafür dienen, mit sich selbst in Berührung zu kommen. Das hält dann meist so lange, bis das Verbindende, also die Tragödie, ihre Wirkung verliert. Es kann auch, habe ich bei mir bemerkt, zu einem inneren Rückzug im Angesicht dessen kommen, was schwer zu verdauen und zu begreifen ist, wenn sich bestimmte Nachrichten über etwas Schreckliches häufen. Ja, nicht nur die Nachrichten, sondern z.B. die ungezählten toten Körper, die immer wieder, verbunden durch menschenverachtende Transportmittel, im Meer versinken samt Träumen und Smartphones.  Das Grauen wandert fast beliebig durch die Welt, und manchmal kann man froh sein, dass man etwas nicht versteht, weil man es vielleicht gar nicht kann. Morgens den Kindern über den Kopf streicheln, dann zur Arbeit in die Gaskammer? Und natürlich sagt das nichts aus über Ausländer, dass der bereits als verhaltengestört aufgefallene  Täter  in Frankfurt  ein Eritreer war. Das ist nur besonders ungünstig in einer Zeit, in der sich in einem Teil des Volkes ein inneres Grollen bildet, meist auf dem Nährboden persönlicher Unzufriedenheit gewachsen, die unbewusst nur ein geeignetes Feld wittert, sucht und findet, um diesen angesammelten Groll zu entladen. Wenn man selbst durch irgendetwas an einem menschlichen Unglück beteiligt ist, kann es einen durchaus was angehen. Nur was und wie und wann und warum geht einen was an? Dieser Mann wurde bereits von der Polizei gesucht, aber sein Nichtgefundenwerden kostete beinahe drei Menschen das Leben. Es war ausgerechnet das eine Leben dieses Kindes, und diese Mutter, die sich retten konnte und nun mit ihrem Schicksal umgehen muss. Dieser Schmerz ist beinahe nachvollziehbar, aber nicht wirklich. Er ist aber vorstellbar, und die Schauspieler greifen zur Trauermaske. Für einen kurzen, wertvollen Moment halten sich die Meinungen wie von selbst aus dem Spiel. Es wäre auch schön, wenn zufällig ein Gandolph (der Weise) an der tragischen Stätte vorbeikommen würde und vielleicht erst einmal zur Vertiefung des Betroffenseins beitragen könnte. Zur brütenden Glut der Trauer. Zum Gewahrsam des flüchtigen Daseins, denn nicht nur heute, sondern immer ist Gefahr, denn Dasein ist unter anderem auch lebensgefährlich. Es ist gut, das zu wissen, auch wenn es im Alltag nicht sinnvoll und auch nicht förderlich ist. Man kann nur tun, was einem möglich ist, und das ist unbedingt einen Gedanken wert. Was ist mir denn möglich zu tun, und habe ich den Freiraum dieser Möglichkeiten schon genug bedacht und erweitert? Bei aller wunderbaren Anregung, die durch Menschen erlebbar ist, ist es doch gleichermaßen wesentlich, allein über die Dinge nachzudenken  und jederzeit ergründen zu können, was sich im eigenen Schicksal abspielt. Denn ohne diese Verbindung gibt es keine glaubwürdige in das Draußen.

(was) verstehen (?)

Heute früh fiel mir der berühmt/berüchtigte „Nirbaya“ Fall aus New Delhi ein, der ganz Indien zumindest für einen Moment wachgerüttelt hat. Eine junge Frau, die man später „Nirbaya“ nannte, kam mit ihrem Freund gegen 21 Uhr aus dem Kino und sie warteten auf einen Bus. Da hielt ein Kleinbus und ein Mann nickte und behauptete, in Richtung ihres Zieles zu fahren. Ich dachte vor allem an den 17-jährigen Jugendlichen,  der im Bus war und letztendlich, nachdem sie den Begleiter der Frau festgebunden hatten, der Frau eine Eisenstange zwischen die Beine stieß bis in die Gedärme hinein, woran sie dann starb. Was da aufwachte, war ein beunruhigtes Staunen über das Ausmaß der Brutalität, das wenige mit sich selbst verbinden können oder wollen. Man fand in den nachfolgenden Tagen einiges über das triste und hoffnungslose Leben dieses Jugendlichen heraus, aber es war meine Erfahrung einer Grenze durch diesen Fall, dass ich mich innerlich abwenden musste von dem aufsteigenden Verstehen im Angesicht einer Tat, die man mit keinem Verständnis erleichtern sollte. Die Vorschläge, wie mit so etwas in Zukunft umzugehen sei, waren so grotesk, dass Frauen sich zu einem Aufschrei verbündeten. Ziemlich viel Heiliges entpuppte sich als aufgeblasener Ballon, der endlich zum Platzen kam. Interessant, dass das ja auch neulich in Deutschland passierte, als ein Priester der Gemeinde vorschlug, man könnte dem oder den Vergewaltigern (vom Campingplatz) doch vergeben. Nein, man beleidigt die Opfer. Ich komme darauf wegen diesem laufenden Vorfall, wo ein Eritreer dabei war, drei Menschenleben zu beenden, und nun den Tod des Kindes verantworten muss. Egal, was zu diesem Ausraster geführt hat, man weiß, dass etwas zu weit gegangen ist. Was auch immer die manchmal wirklich erschreckenden Zusammenhänge auch sein mögen, es kann nicht dazu führen, ein Verständnis aufzubringen für so eine Tat. Wenn ein hoher Grad an Verzweiflung dazu führt, dass man unbedingt Andere schädigen muss, statt mit dem eigenen Zustand umgehen zu können. Und es ist ganz klar, dass wir mit solchen entgrenzten Zuständen und Taten in der Zukunft immer mehr umgehen müssen. In den gleichen Nachrichten, die von dieser Schreckenstat des Mannes berichtet haben , wird unabhängig davon eine unglaublich hohe Zahl an Wohnungslosen genannt, die einfach keine Chance haben, in ein einigermaßen lebbares Leben zu gelangen. Ja, viele Ausländer sind unter den Tätern, zu viele, denn es wird die Agressionen der Rechten schüren. Man spürt förmlich, wie man bei solchen Themen langsam eingekreist wird von den unglaubwürdigen Notlösungen, und es schlägt die Gedenkminute der Ohnmacht. Es ist eine Art absurdes Beiwerk dieser unserer Zeit, dass jede gute Lösung, die einem einfällt, durchaus im Rahmen potentieller Möglichkeiten existiert.  Natürlich hätte Donald Trump, das Irrlicht der Weltpolitik, auch statt einer Mauer das Geld für sozialen Wohnungsbau ausgeben können, das auch ein paar Mexikanern das gute amerikanische Leben ermöglicht haben würde können hätte, aber man will ja gedanklich nicht zu sehr ins Naive gleiten. Noch mehr Menschen werden kommen aus welchen unannehmbaren Abgründen auch immer, und werden wohnen und essen wollen und mit jemandem sein, der sie versteht oder gar liebt. Und viele werden sterben wollen, und sie werden es nicht können.

also

In den geistigen Schulen Indiens war es üblich, dass Dazukommende mehr oder minder rigoros angeregt wurden, alles, was bisher war, zurück zu lassen um sich so intensiv wie möglich den neuen Denkfeldern  widmen zu können. Das wird bzw. wurde keineswegs als Gehirnwäsche gesehen, sondern als erste Bedingung einer sich (freiwillig) wandeln wollenden Substanz, die bestrebt ist, ja wie soll man das jetzt ausdrücken trotz den vielen unterschiedlichen Methoden und Praktiken, also bestrebt ist, von einem Ende des Ichs zum anderen zu kommen, vielleicht von einer Oberfläche erstmal zu einer bewussten Tiefe zu kommen oder, vertikal gesehen, zu einer Höhe, was günstigerweise zu einem Ausloten der beiden bewusst gemachten Pole kommen kann. Nun musste der Versuch der vielen westlichen Fremdlinge, die hier einen verlockenden Weg sahen, der erfrischende Weiten und Wahrnehmungen versprach, allerdings allein daran scheitern, dass es sich für gedanklich ausgebildete Westler ziemlich schwierig, ja unmöglich gestaltete trotz aller leidenschaftlichen Sehnsucht nach gelingender Hingabe, dort auch ohne ihre eigenen Gedanken hinzugehen, beziehungsweise ohne  Gedankenkonstrukte, die gewohnt waren, sich vor allem in Zukunft und Vergangenheit aufzuhalten. Und vermutlich trieb gerade die Leere des nie ganz erfüllten Momentes viele dazu, sich auf diese östlichen Lehren einzulassen. Nun finde ich es nach wie vor angebracht, sich auch mal die Möglichkeit des Nicht-Denkens vorstellen zu können mit Hilfe sehr schlichter Übungen. Und siehe, auch hier geht das ja vor allem, weil die Konzentration sich auf etwas ganz Spezielles verlegt. Statt des traumartigen Vorüberziehens endloser Gedankengebilde (zum Beispiel) die Konzentration auf die Atemzüge, was nur gelingt, wenn man nicht denkt, sondern beim Atem ist. Übrigens ein superbes Einschlafmittel, und sicherlich wirksamer als eine Schlaftablette. Was mich daran interessiert ist diese Fähigkeit des menschlichen Apparates, sich für Veränderungen des Zustandes oder des Gefühls bewusst zu entscheiden, da es dann zu der Art Freiheit führt, die ich erstrebenswert finde, auch nicht als Selbstkontrolle, sondern als souveräne Möglichkeit, das eigene Dasein bewusst zu gestalten, ohne sich durch  eigenes Verhalten im Wege zu stehen. Natürlich ist es ein anregender Gedanke, alle Wege für offen zu halten, aber ohne dass ich bei mir selbst in einer gewissen stabilen Verankerung bin, können die vielen Optionen ja nur als Chaos wahrgenommen werden, oder als Überforderung. Wenn man in Indien, zum Beispiel im Zug, sagen würde, dass alle Wege nach Om führen, könnte man das R getrost weglassen, alle würden wissend nicken und zustimmen mit der klügsten aller Kopfbewegungen, die besagt, dass es einerseits so ist, und andrerseits auch anders sein kann. Deswegen muss man sich, wenn man möchte, auf den Weg machen, und während man entlanggeht, schauen, wie er sich entwickelt. Ist man in guter Gesellschaft kann man sich selbst schulen und verstehen, was man denkt, es gibt ja keine Vorschriften. Ich persönlich bezweifle, dass es jemanden gibt, der nicht denkt, obwohl es einige spirituellen Lehrer gerne von sich behaupten. (Ich frage mich, woher sie ihren Stoff nehmen). Auf jeden Fall ist es außerordentlich nützlich, sich mit dem eigenen Denken zu beschäftigen, und dass es einen nirgendwo hinführt, wo man gar nicht sein will, in Ängste, in Sorgen, in Erstarrungsräume, in Meinungsschluchten, in Behauptungskammern, weg also vom prasselnden Feuer, das einerseits gehalten wird von der Asche, aber auch frische Zufuhr  braucht, damit es lebendig bleibt. Eine hörbare Stille also, und auch ein hörbares Denken.

Aye, Babalu (*)

Manchmal kann man sich ja vorstellen, wie Götter entstehen. Man ist daran gewöhnt (zum Beispiel), dass man irgendwo lange wohnt, es geht einem richtig gut, man ertappt sich nicht bei rigorosen Klagereden und dankt für die Zeit, die man am eigenen Kerngeschehen verbringen kann, vorne die Welt offen, in der sich von Sokrates bis Boris Johnson alle herumbewegen auf ihren Bahnen und Verursacher von Weltgeschehen werden. Doch nicht nur ertrinken weiterhin zahllose Körper im Meer, was das potentiell Vermeidbare ins Unvermeidliche drängt, doch das Wissen selbst über die Dinge stößt an vorprogrammierte Grenzen. Natürlich können wir weiterhin von Sokrates lernen, nur was ist es für jede/n Einzelnen, der nach den Antworten sucht, wie man ein Leben leben kann: ein paar hilfreiche Tips, ein paar Hinweise. Das kann sehr wohltuend sein, bei Rewe oder Aldi in schnellem Tempo die Gänge zu durchqueren, weil es in der Tat ziemlich wenig ist, was ich da brauche, oder auch sonst im Konsumgenuss lieber weniger vom Besten als zu viel vom weniger Gehaltvollen zu mir nehme. Ich erinnere mich an die Götter, die ich vorhin glaubte, mir entstehend vorstellen zu können. Na ja, nicht wirklich an diesem Punkt. Vielleicht war es einfach schön, irgendwo hindanken zu können, wenn man miterleben musste, wie die Erde sturztrocken wird, der Wald ein gefährlicher Ort, der Sitz am Schreibtisch ein wahrer Brütkasten. Da dankte man hin zu Indra oder zu Babalou, schenk uns wieder den Regen. Dann kommt der Regen (endlich), ja, und wem dankt man dann. Wenn man sich allerdings keine Götterwesen mehr vorstellen kann, die das Schicksal von uns  Menschen regeln, oder sogar nur ein Einziger, der alles regelt, dann muss man vielleicht kurz schlucken, sieht aber schnell, dass alles zu seiner Zeit richtig war und ist, und dass man auch als einzelner Mensch kein Atlas werden muss, um die Welt durch die Gegend zu tragen. Erst jetzt versteht man ja das außerordentlich Gute am Keine-Wahl-haben. Wenn man registriert, dass man keine Wahl mehr hat, dann kann man entspannen. Achtung, was heißt hier entspannen, man ist wachsam, diese Art von Entspannung also, ruhend im Wachsamen sozusagen. Man schlägt dem Widerspruch ein Schnippchen und lässt ihn einfach sein, was er ist. Ich finde es auch keineswegs unpassend, dass einige höchst widersinnige Gestalten gerade auf den politischen Hochsitzen herumturnen und jede souveräne Möglichkeit in eine Groteske verwandeln. Da ist man einerseits doch ziemlich ohnmächtig, weiß aber auch, dass im dritten Akt des Dramas meist Überraschungen auftauchen, bisher nicht Geahntes, kaum vorher Vorstellbares, ja, förmlich vorangetrieben von einem tief verankerten Vertrauen in redliches Menschsein, das man nun als entwurzeltes Gut erkennen kann. Noch betrifft das Sterben die Einzelnen, gemäß ihrer Zeit, gemäß unseres Schicksals, aber im Großen Sterben bleibt keiner unberührt, von der großen menschlichen Kälte  gibt es kein Trennen mehr, wenn man es fälschlicherweise als etwas Cleveres sah, mit dem man punkten kann durch kläglichen Einsatz. So bleibt es spannend, ob in der Straße von Hormus  oder am Küchentisch: Menschen auf einem kleinen, blauen Planeten, ganz unter sich.

*ehemaliges Lied, erinnert aus ferner Kindheit: Aye Babalu, schenk uns wiede den Regen. Aye Babalu, er bring Erntesegen. Das Land ist trocken wie Stein, das darf nicht sein, die Früchte sind klein, das darf nicht sein, die Quelle ist tot, hilf uns aus der Not…..etc

(wie) viel

Natürlich wäre es erfreulich, wenn alle Menschen das haben könnten, was sie sich wünschen und ersehnen. Dieser Gedanke muss notgedrungener Weise bald im Stau stehen. Die Wunschpalette ist so groß geworden, die Angebote so aufwühlend in ihrer Vielfalt,  wie der Fernseher es zum Beispiel bietet, wenn bis zu 500 Programme zur Auswahl stehen, wie mir ein amerikanischer Freund vom Haus seines Sohnes berichtet hat. 500 Programme! Die Welt wird einem überall für einen gewissen Preis serviert, und es ist ja zweifellos so, dass die meisten Dinge in der Menschheitsgeschichte einen Preis hatten, den man bereit sein musste zu zahlen. Neu ist natürlich, dass der Planet übervölkert ist, was der persönlichen Wunschliste keinen Abbruch tut. Freiwillig oder unfreiwillig wird man in ein Erziehungsprogramm hineinbewegt. Ach echt, nicht alle können gleichzeitig über den Brenner fahren? Gerecht ist, dass der Jaguar hier zusammen mit der Ente wartet und brütet. Die  Lösungen für das Unlösbare sehen allerdings immer grotesker aus. Man kann den Menschen ja nicht empfehlen, zuhause zu bleiben, oder weniger Zeug zu kaufen, damit die Entsorgungsmaschinerien entlastet werden. Wenn das Erwachen durch Notzustände erzwungen wird, birgt es keine echte Freude, weil das Gezwungenwerden auch ein „Zu spät“ beinhaltet. Alle haben am Missbrauch oder der Habgier usw. mitgewirkt, nun geht es um den Umgang damit. Auf einem Sticker der Friday for Future Bewegung steht „Macht es wie wir Kinder! Werdet erwachsen!“. Auch schön. Oder genauso schön wie „Werdet wie die Kinder“, beides wahr. Vieles ist auch über die Oberfläche verständlich, aber nicht wirklich. Der Wirklichkeitsgrad, soweit vorhanden, kann meist nur in der Tiefe ausgelotet werden, wo das, was wir selbst sind, seine Resonanzen erzeugt. Wer bestimmt, was ich brauche? Was braucht das, was ich bin? Und wer bin ich. Die Kernfragen liegen oft auf der Hand, aber auch für das Erkennen der Kernfragen braucht es gewisse Bedingungen. Daher gibt es auch kein automatisches Klugwerden durch das ferne Sehen, auch wenn es eine Art Süßspeise ein kann für  Menschen ohne Zugang zu Weltgeschehen oder Natur oder Menschen und ihren Geheimnissen, bis die Sucht als solche nicht mehr erkannt werden kann und jeder sterbende Mensch eine Flimmerkiste im Zimmer hat. Habe ich noch Raum – und Zeit – für das, was ich selbst als meine Freiheit erkenne? Frei von was? Wenn man mal Ebenen durchwandern kann, wo Sphinxen die zu enträtselnden Fragen stellen, geht es einem schon besser. Es gibt ja noch Orte, die nicht so voll sind, und auch im Kopf selbst muss ich auf die Einrichtungen und Einstellungen achten, denn aus allem Eingelassenen werden Umgangsformen, mit denen man zu tun hat. Eigentlich ist es ja das Ausmaß der Freiheit, das so überwältigend ist. Wer und wie und wo ich bin, wenn ich herumsitze und herumgehe mit diesem ganz persönlichen Blick, für den ich in jeder Hinsicht zuständig bin.

heiß

Eine meiner ganz persönlichen Theorien über die Geburtsstunde vedischer Weisheit in Indien ist, dass es diese Stunde gar nicht gab, sondern dass die extremen klimatischen Verhältnisse Menschen dazu gezwungen haben, im Sitzen den Extremen zu trotzen, mal dem Eiskalten, mal dem brütend Heißen, und dabei haben manche unter ihnen, überwältigt vom Kräfteaufwand, begonnen, nach Wegen zu suchen, wie man solche Situationen einigermaßen souverän durchlaufen kann. Und da die Berührung mit Extremen eher schweigsam macht als gesprächig, wurde irgendwann das Innen entdeckt und schien so manchem forschenden Geist als fruchtbarer Acker und lohnender Zeitvertreib.  So erleben wir auch hier im Westen während der aktuellen Hitzewelle, dass das System sich selbst herunterfährt und man sich was einfallen lassen muss, um einigermaßen erträglich durchzusegeln. Im Haus steuere ich nachmittags das kühlste Zimmer an, das Gästezimmer, das als einziges einen Fernseher hat mit einer etwas größeren Bildfläche. Wenn kein Gast den Raum bewohnt, ist dort selten jemand von uns zu finden, da jede/r Einzelne in laptopischer Ungebundenheit lebt. Ich schleppe natürlich ein Buch mit, das ich dann trotz der erfreulichen Kühle nicht mehr aufschlage. Da es mich auf meinem Werdegang nie in die Nähe von Fernsehern geschleust hat, fühle ich so eine Art von exotischer Neugier, auch mal ein bisschen herumzuzappen. Ich sehe ein bisschen von den letzten Tagen  des erinnerungsschwächelnden Sherlock Holmes, schaue kurz rein bei Tele5, weil ich von einem Freund weiß, dass dort nachmittags die Raumschiffe der Enterprise Crews unterwegs sind, aber auch da finde ich die Maskierungen der Frendlinge zu extrem. Dann lande ich zum Glück bei Phoenix, denn dort wird live das Verhör von Robert Mueller übertragen. Die Lauterkeit dieses Mannes ist in der Tat wie ein kühler Wind. Man weiß, dass er  nicht hinwollte, denn da sitzen zwei Rudel hungriger Wölfe sich gegenüber, alle an dem einen Mann zerrend, der gar nichts mehr sagen will, weil alles, was er sagen wollte, bereits geschrieben steht. Heute früh höre ich, dass Mueller nicht gut weggekommen ist, offensichtlich, weil keiner ihn provozieren konnte, und ja, es stimmt, er sah ermüdet aus, neun Stunden Verhör sind ja auch kein Klachs, vor allem, wenn man nichts verbrochen hat. Dann schaltete der Sender um auf Boris Johnson, der auf dem Weg war zu seiner ersten Rede. Man muss keine gewiefte Seherin sein, um das Scheitern dieser Groteske bereits vor Augen zu haben. Da ist er nun, der kleine Bruder von Trump. Es gibt ja auch diese Lust am Untergang, wo ein Abbruch gar nicht mehr möglich ist, sondern nur noch der schmerzhafte Weg durch das Verursachte und von so vielen Meinungen Ausgelöste. Und es wird Theresa May nicht schaden, Boris Johnson scheitern zu sehen, kann doch die Weltbevölkerung nun alles selbst sehen mit den vielen Augen und sich dadurch am eigenen Wesen schulen. Und ich muss schon sagen, dass das Maßhalten sich auch beim Fernsehen bewährt. Wenn man also z.B. wie ich einmal im Jahr in einer Hitzewelle durch die Sender zappt, kann man in einer Stunde mehr Welten durchkreuzen, als es einem mit irgendeinem Transportmittel möglich wäre. Nicht, dass man da irgendwo hingehen wollte, nein, es kann einfach mal eine kleine, unterhaltende Weltreise sein, wie wenn man von einem Gehirn ins andere wandert. Am liebsten hätte ich noch mehr von Robert Muellers Verhör gesehen und gehört, die Kamera bringt das Geschehen ja noch näher, als wenn man drin gesessen wäre im Raum. Da war eine stark unterkühlte Grundstimmung. Mueller war mal FBI Chef, das zeigte sich da als hilfreich. Mir kam er trotz dieser anstrengenden Zurückhaltung menschlicher vor als alle, immer lauter und intensiver werdenden Herausforderer. Beide Seiten wollten etwas von ihm, das war von vorneherein zum Scheitern verurteilt, gefolgt von unermesslichen Dummheiten und Unverfrorenheiten aus Trumps Twittermaschine. Ich war unversehens in ein antikes Theater geraten, die Masken und die Demaskierungen wie immer erschütternd und lehrreich zugleich.

 

sehr

Als ich diesen Blog anfing, schien es mir wichtig, Bild und Wort möglichst getrennt zu halten, sodass ich als Pinsel- oder Federhalterin nicht in die Gefahr gerate, dass sich die beiden bedienen oder sich komplementieren wollen, aber die Angst war unbegründet. Eigentlich ist es jeden Tag anders, und immer wieder fällt mir dazu etwas auf oder ein. Wort und Bild kommen aus derselben Quelle, aber bei aller Rätseltragweite des Wortes kommt mir das Bild rätselhafter vor. Obwohl ich die Schöpferin des Bildes bin, erschließt es sich mir nicht sofort, und ich muss es ergründen (wenn es mir zusagt). Es ist diese Mischung aus grundtiefer Vertrautheit und grundtiefer Fremdheit, die mich anpricht, kein Zweifel etwas, womit ich mich auf verschiedenen Ebenen auskenne, ja, manchmal beides noch durch Aufmerksamkeit darauf vertiefe. Es gibt also diese Welt in mir, in der diese Gestalten ein eigenes Dasein führen. Ich finde nicht, dass es Leute sind, die ich gerne lebendig in meinem Stamm hätte, hätte ich solch einen. Es sind eher vertraute Zustände, die ich hier erkenne, und die eine zarte Verbundenheit in mir auslösen, die keine Anhaftung ermöglicht, an was auch? Vermutlich sind sie der Teil, der stets in Bewegung ist, allerdings verankert im Wortlosen. Dem Wortlosen selbst und seinen Verstummungsanfällen gelingt es zuweilen, bei Hellhörigkeit in die Sprache zu kommen. Ich erinnere mich an eine Zeit, in der ich als schweigende Insel im Weltmeer des Wortes galt, aber innerlich doch sehr reichhaltig lebte und mich nicht als wortarm empfand. Das lag  wohl auch daran, dass ich zu denen gehöre, die mit einer Gänsefeder am Ohr geboren wurden, halb seltsamer Vogel, halb menschliche Möglichkeit, die wegen den großen Dunkelheiten im Flug nicht weiter auffiel. Und es ist ja auch so, dass selbst leidenschaftliche SammlerInnen oder AnhäuferInnen Wege erschaffen müssen, um einen Gewahrsam zu entwickeln über das Maß des Besitzes. Und ob es bereitgestellt werden kann für weitere Nutzung, sodass man nicht durch plötzliche Besitzansprüche zu verarmen droht. Doch zurück zu den Bildern, oder auch dem heutigen Bild. Oft wirken die Gestalten geschlechtslos, es könnten auch Transvestiten sein, auf jeden Fall nicht so leicht geschlechtlich definierbar, und sie bewegen sich eher in zeitlich undefinierbaren Räumen, auf der Bühne in antikem Setting denkbar. So einen Text empfinde ich als sehr persönlich und eher vorstellbar als eine Anregung, Pinsel und Stift nicht aus den Augen zu verlieren, da sie uns die Teilnahme und Teilhabe an uns selbst ermöglichen. Natürlich gibt es, vor allem auch im Orient, viele verschiedenen Praktiken, von denen meist von mindestens e i n e m  Menschen behauptet wurde, durch sie bei sich selbst angekommen zu sein. Wer soll es beurteilen, da die Erkennungszeichen nicht vorhanden sind. Ohne persönliche Schöpfungswerkzeuge (Jeder Mensch ist ein Künstler! (Beuys)) gibt es noch die vielen Formen des einen Sitzens, das den Sichsuchenden einen potentiell günstigen Raum verschafft. Nirgendwo Garantie des Erreichbaren. Was für den Einen ein Gott ist, ist für den oder die Andere/n etwa ein imaginiertes Dreieck, oder ein Punkt, oder gar kein Punkt in der Luxusherberge des planetarischen Aufenthaltes. Erfrischendes Air Be and Be, mit guter Luft, wenn möglich, und klaro, ein Bett und ein gutes Frühstück, das lässt sich aushalten selbst an den heißesten Tagen.

widersprüchlich

 

Man vergisst ja leicht, dass durch die auf allen erdenklichen Ebenen rasant vor sich hinmutierende digitale Revolution u.a. auch ein kollektives Bewusstsein erschafft, von dem man wahrlich sagen muss, dass es so noch nicht dagewesen sein kann, da die dazugehörigen Instrumentarien fehlten. Es gab allerdings auch stets, wenn auch weniger häufig, die natürliche Wahrnehmung eines inneren, verbindenden Netzwerkes unter den Menschen, die einen gewissen Grad an Telepathie für etwas eher Normales hielten, ganz einfach, weil die Gehirnbahnen weniger überlastet wurden und  ein störungsfreierer Raum vorhanden war. In der jetzigen Zeit mit diesem manchmal durch Schock, manchmal  durch Lebensfreude gebeutelten Bewusstsein umzugehen, ist in der Tat keine simple Sache. Auf dem Weg zur Post hört man, dass die Wälder sterben und auch die Lunge der Welt, die Regenwälder Brasiliens, gnadenlos abgeholzt werden. Klar, sagt jemand, können doch mit ihren Wäldern machen, was sie für richtig halten, und kümmere sich jeder doch um seine oder ihre eigene Lunge. Das Rechthaben ist ja auch tiefgründig geübt und praktiziert worden von uns allen, und nun scheut man ein wenig zurück vor der Meinungsbildung. Es ist klar geworden, dass immer einige Angela Merkel vom Sitz haben wollten, und andere nicht. Oder Boris Johnson wählen, um die Lust am Untergang zu personifizieren. Oder wenn nicht jede/r Amerikaner/in demnächst zur Wahlurne geht und weiß, was sie oder er tut, dann wird es weiterhin Donald Trump sein, der alle in ermüdetem Atem hält. Es ist eben auch eine Bühne und ein Schauspiel, und man kann nicht wirklich sagen, dass es egal ist, wie der Einzelne handelt und wo wir  uns als programmierte Masse hinbewegen, umgeben von toten Bäumen. Eben nicht mehr der unbeschwerte Sommer, dessen eine Seite man durchaus noch genießen kann, dann aber auch diese Zeugenschaft des Aussterbens dessen, was wir für unersetzlich hielten. Doch das war ja auch schon da, bzw ist immer da. Die Anhäufung technisch verbrämter Kaltmetalle aber ist es wohl, die die Menschheit in eine faszinierende Phase transportiert hat, denn diese kühlen Dinger umlagern uns und stehen zu unserer Verfügung und lassen uns wissen, was das mächtige Influencen ist und wie wir damit umgehen. Noch nie konnte man so tiefgründig Wissen wie Nichtwissen genießen, alles und nichts sein, ichverhaftet und ichgelöst agieren, ohne durch den Widerspruch aus der Bahn geworfen zu werden. Nun kann dieser spannende Akt auf dem Seil zwischen den beiden Polen nur innerlich geleistet werden, denn nur wenige Berufene können als menschliche Darbietungsform die Trägheit der Materie für wenige Sekunden überwinden. Der Geist, geschult im Wachzustand, kann hier unterstützende Beihilfe leisten. D.h., wenn der Wille erwacht, zu innerer Gelassenheit zurückzukehren und Raum zu machen für den lebendigen Widerspruch. Das große Es ist zum Glück nie nur auf e i n e Weise, sondern unnachahmbar in seiner unendlichen Vielfalt. Dem gegenüber ist es geradezu rat-und unterhaltsam, sich für eine schlichte Variante des eigenen kreativen Beitrags zu entscheiden, das aber ganz und gar, damit in den Erntezeiten nichts im Wege steht.

eignen

Stimmt, eigentlich sind wir keine Passagiere hier auf dem Weltschiff, die ihr Reiseticket bezahlen und dadurch Anspruch haben auf gewisse Dienstleistungen, sondern gehören alle zur Crew, jeder und jede gleichermaßen verantwortlich für die Richtung. Dass es nicht so läuft, gehört auch zum Spiel. Man staunt ja selbst, wie vertraut und im besten Sinne „normal“ einem alles Daseiende vorkommen kann, wobei jede Norm wiederum letztendlich der Illusion unterliegt, denn nichts ist Norm, sondern alles ständig zu neuem, lebendigem Rätsel sich zusammenfügend. Wir hatten einen indischen Freund zu Gast, der für eine deutsche Firma als Geschäftsrepräsentant ihres digitalen Produktes arbeitet und hin-und herreist zwischen Indien und einigen europäischen Ländern. Es gibt mir wieder mal Gelegenheit, mit den momentanen Bewegungen in der indischen Gesellschaft in direkten Kontakt zu kommen. Wir streiten regelmäßig über Narendra Modi, der im Chaos des indischen Umbruchs eine Art Messias darstellt, der das indische Volk durch gewagte Transaktionen in die nächste Seinsphase zu hieven versucht. Schließlich haben sie außer vielen Armen und Notleidenden und Analphabeten die Atombombe, die natürlich auch Pakistan hat, was groteskerweise eine gewisse Sicherheit verspricht. Und doch habe ich vor einigen Monaten, als zwischen den beiden Ländern fast ein Krieg ausbrach, bereits diesen Hass der Hindus auf die Muslime wahrgenommen, den ich nun von Anil bestätigt höre. Ja, nicht nur Hass, sondern Bereitschaft, ihn im Kampf auszuagieren. Immer wieder mal muss ich in unseren Gesprächen über dieses Thema an das Dritte Reich denken, und wie schleichend der verborgene Prozess gegen die Juden gewesen sein muss, aber vielleicht auch gar nicht so schleichend, sondern es braucht manchmal nur das notwendige Signal, ein  Sprachrohr, um den bereits angesammelten Zündstoff in Flamme zu setzen. Das wird ein Blutbad geben, sage ich, das weiß er auch. Aber die Inder fühlen sich vom Islam bedrängt. Die Muslime produzieren mehr Kinder als Hindus, jeder muselmanische Mann kann 4 Frauen haben, wenn er sich das leisten kann. Geistbetäubende Themen irrlichtern auf dieser Erde herum. Die Muslime vermehren sich also alle viel zu schnell, das macht den Hindus Angst. Vor zwei Jahren versuchte Modis Regierung tatsächlich, die indischen Frauen zu motivieren, jeweils fünf Kinder in die indische Welt zu setzen, aber zum Glück war ein gewisser Grad an Erwachen schon in Schwung gekommen. Nun ist aber die Bedrohung immer noch da, und Anil erzählt mir, dass die Kriegsbereitschaft gegen Muslime zunimmt, und man sie eigentlich so schnell wie möglich weghaben möchte. Was hilft’s, dass wieder etwas anwächst, von dem wir nicht werden sagen können, wir hätten’s nicht gewusst, aber wir wissen ja, dass wir auf diese finsteren Ballungen keinen Einfluss haben, weil, sagt Anil, die Inder noch nie sich gewehrt haben, und nun ist das Maß voll. Sie wollen sich wehren gegen das lange schon Verhasste, das Essen, der anderer Gott und die Götter, der Geruch, die Tempel, das Fremde, das zum Auslöschen reizt.  Narendra Modi will aus Indien wieder machen, was es angeblich einmal war, bevor die Nicht-Hindus alle antanzten mit ihren goldenen Kälbern, um die man eine Weile herumtanzen konnte, bevor sich der Urtrieb zum Selber-Gott-Werden wieder durchsetzte und einen eventuell von der mühsamen Erdanhaftung erlösen konnte. Und ja, ich brauche nicht wirklich eine Meinung über Modi, sondern eher ein wachsames Auge auf die Bewegungen. Die Heerscharen der Enttäuschten und Unzufriedenen wachsen an, die unlebbaren Zustände und Umstände, die es dem Menschen nicht ermöglichen, an eine Grundausstattung heran zu kommen, ohne die er oder sie glaubt, nicht selig werden zu können. Das ist richtig, nicht selig. Das rotiert auch unter Milliardären. So unterhalten wir uns oft mit dem Wortaustausch, wenn die Weichen für Weiteres nicht gestellt sind, oder noch nicht, oder nie. Weder Schweigen noch Reden an sich sind Lösungen. Man muss schauen, in welchem Verhältnis man zu beidem geeignet ist, und um was es einem jeweils geht.

Karl Krolow

Worte

Einfalt erfundener Worte,
die man hinter Türen spricht,
aus Fenstern und gegen die Mauern,
gekalkt mit geduldigem Licht.

Wirklichkeit von Vokabeln,
von zwei Silben oder von drei’n:
aus den Rätseln des Himmels geschnitten,
aus einer Ader im Stein.

Entzifferung fremder Gesichter
mit Blitzen unter der Haut,
mit Bärten, in denen der Wind steht,
durch einen geflüsterten Laut.

Vokale – geringe Insekten,
unsichtbar über der Luft,
fallen als Asche nieder,
bleiben als Quittenduft.

schulen

Sicherlich sind der Austausch mit Anderen, das Zwiegespräch, der Dialog, der fruchtbarste Weg, über sich selbst und den Anderen oder die Andere etwas mehr zu erfahren. Auch muss man sich förmlich darin üben, die oft sehr unterschiedlichen Wahrnehmungen Anderer in Hinsicht auf die eigenen nicht nur zu akzeptieren, sondern sich auch daran erfreuen zu können. Das heißt z.B., den Raum mit zu gestalten, in dem sich andersartiges Denken und Schauen ausdrücken kann. Auch am Außen kann man sich gut und unermüdlich schulen. Es ist klar, dass der „Dialog“ zwischen Donald Trump und Ali Chamenei  nicht auf gegenseitigem Vertrauen basiert und auch keiner erwartet, dass hier menschliches Interesse am Werke ist außer für die eigenen Vorteile. Da sitzt kein Gott am Schachbrett, der um einen gefallenen Engel trauert, der auf die dunkle Seite geraten ist und unbedingt ein Spiel gewinnen möchte, bei dem keiner gewinnen kann, weil etwas viel Kostbareres verloren gegangen ist, was auch möglich war, dann aber doch nicht. Überall, wo sich aus dem selbsterhaltenden Trieb ein zerstörerischer bildet, wird der  Raum zu einer Dunkelkammer, und man kann froh sein, wenn die Liebe darin nicht zerstört wird, sondern wieder zum Vorschein kommen kann, wenn die Gefahr vorbei ist. Lieblosigkeit ist eine Gefahr. Bei Arte läuft gerade ein empfehlenswerter Film über Amy Winehouse. („Amy“, Mediathek). Man weiß ja selten, was und wie früh etwas in einem Kind zerstört wird und erst das Leben die Karten ausspielt, die das dunkle Geheimnis bezeugen. Man kann durch dieses kurze Schicksal hindurch, das hier jemand von der Sängerin zusammenstellte, vieles nachempfinden. Das begabte Kind, das entdeckt  und gnadenlos durch die ganze Prozedur des Berühmtwerdens getrieben wird, bis eine gemeinsame Drogenabhängigkeit zum letzten Schlupfloch einer Verbundenheit wird, bis auch die scheitern muss. Und die Masse, die die teuren Tickets zurückhaben will, wenn die Gefangene nicht tut, was man von ihr erwartet. Diese Bereitschaft, einen Menschen weit über ihre Kräfte hinaus zu verbrauchen, und dieses inzwischen irrlichternde Wesen, das nicht mehr die Kraft hat, dem schaurigen Spiel ein Ende zu setzen. Warum berührt es? Man spürt ein authentisches Wesen, einen Menschen, der der Ausbeutung nicht gewachsen ist. Das Kind, das die Habgier des Vaters ins Rollen brachte. Das Ausgeliefertwerden an die Meute, die abgrundtiefe Verwundung als Fraß. Und hier nun im Now: der Sommer, der sich erneut in Bewegung setzt.

lockern

Es dauert wirklich sehr lange, bis man in der Tiefe versteht, wie unnütz und vergebens auch der innigste Wunsch nach Veränderung ist, was andere Menschen betrifft und ihre Art zu sein. Und wie man sich die Dinge gerne einfacher vorstellt, meist an der persönlichen Latte gemessen, an der diese Einstellungen oft eingraviert sind. Aber das stimmt ja auch nicht, denn warum und was sollte denn einfacher sein, wenn Menschen dem entsprechen könnten, was man sich so gerne als eine Möglichkeit vorstellt. So ist man immer mehr mit dem eigenen Verstehen und dem Ausloten der Beziehungen und Begegnungen zugange, wohl wissend, wie tief man graben muss, um in sich selbst die Vorstellung einer gewünschten Veränderung umzusetzen in erfahrbare Realität. Und durch das Graben wird ja erst das Feld gelockert, und man kann gespannt sein, was alles zum Vorschein kommt. Nun benötigt man einerseits diese lebenslange Bemühung um die Sicht nach innen, aber gleichermaßen braucht man die Sicht von Anderen auf die Entwicklungen, die man durchmacht, und man braucht die Aufmerksamkeit dieses Blickes auf Andere. Da, wo keine Resonanz auf das eigene Sein erfolgt, bleibt etwas verborgen. Zu viel Verborgenes führt zu Erstarrungen, ist es einem nicht selbst wichtig, es aus den Tiefen zu locken und mit den vielen Aspekten des eigenen Wesens förderlich umzugehen. Es stimmt ja auch nicht, dass der Mensch von  eigenen Erfahrungen nichts lernen kann, und nie kann man sicher sein, was in Anderen vor sich geht, es ist mühsam genug, Kenntnis zu erlangen von den persönlichen inneren Vorgängen: wie man gestrickt und gewebt ist, und wie und wann und wo die Schicksals-Schatzkammer geöffnet, gehütet oder verschlossen bleiben muss. Und so bleibt einem auf der einfachsten und tiefsten Ebene der Erkenntnis eigentlich nur, unermüdlich den Kompass auszurichten auf die Unruhe der Meere, auf die bewusste Steuerung durch das Abenteuer des Ungewissen, auf die Freude des lebendigen Unterwegsseins. Und war der staubaufwirbelnde Schritt auf dem Mond wirklich so ein tolles Ding, oder fand nur ich es immer schon albern, als würde da ein Mensch jemals leben wollen, wo eh schon durchgesickert ist, wie krank die Herren alle irgendwann wurden, körperlich und geistig. Wenn wir die Menschen mitnehmen, die schon immer so waren und sind, was soll da anders werden. Und klar sind wir erstaunt darüber, wie winzig das blaue Rund, auf dem wir leben, da im All hängt. Und noch keine Aliens in Sicht, und kein Messias. Nur wir unterwegs mit dem unlösbaren Rätsel. Und es steht auch nicht in den Sternen, wer  zu sein wir in der Lage sind.

schleierhaft

Die Tochter der afghanischen Familie, mit der wir befreundet sind, verbringt ein paar Ferientage bei uns. Mit teilnehmender Freude haben wir sie in eine selbstbewusste junge Frau (15) heranwachsen sehen, deren Mutter das Kopftuch abgelegt hat und sich gegen die Kontrolle ihres Mannes wehrt. Er spricht kaum Deutsch und hat jeglichen Boden unter den Füßen verloren, geht kaum aus dem Haus und lebt von dem Gehalt seiner Frau, die froh ist, sich draußen einigen Freiraum verschaffen zu  können, auch wenn es hauptsächlich um Einkäufe geht. Jetzt wollen Tochter und Mutter ein paar Tage in den Iran, wo sie eine große Familie haben, die irgendwann alle vor den Taliban in den Iran geflohen sind. Dort müssen die verhüllenden Tücher wieder her, es ist gefährlich, sich  westlich beeinflusst zu zeigen. In der Familie sind fast alle Männer Apotheker. Wir hören von einem Onkel, der kleine Jungs regelmäßig betäubt hat, um sie sexuell zu missbrauchen. Wohl eher das Übliche und selten Geahndete, das finstere Zeichen hochdosierter Moral, die dann heimlich als das unerreichbar Erlebte beantwortet wird. Die afghanische Tochter kann es nicht glauben, dass es in Deutschland solche Sachen gibt wie der laufende Horrorfilm vom Campingplatz und seine schwer zu beantwortenden Fragen. Wie kann man als Vater oder Mutter nicht merken, dass das eigene Kind missbraucht worden ist, das ist etwas, das ich schwer verständlich finde. Aber vielleicht hat man selbst einfach nur Glück gehabt, nicht als potentielles Opfer jemandem ins Auge gefallen zu sein. Ich fand auch die Bestrafung, also Freispruch mit Auflagen, für den gestern verurteilten Mann unter aller Würde, der immerhin beteiligt war an einem Missbrauchsvorgang mit Anfeuern. Na prima, dass er jetzt in geregelten Verhältnissen lebt, das Kind aber vermutlich niemals wieder. Dieses besagte „Kind“ ist auch nach der Urteilsverkündigung schreiend aus dem Saal gelaufen, höre ich. Bekommt 3000 Piepen von dem Voyeur ihrer Pein. Heikle und aufwühlende Tatsachen sind das, auch wenn man Glück hatte und sich erwehren konnte. Ich fand das immer schon abartig im wahrsten Sinne des Wortes, dass für Frauen die Welt schon zu lange wie ein Dschungel ist, wo man nie weiß, wie viele Raubtiere unterwegs sind, die ihre eigenen Vorstellungen vom verfügbaren Wild züchten. Schon meldet sich der Drang, hinzuzufügen, dass man weiß, dass nicht jeder (Mann) so ist, ja, das wissen wir zum Glück auch, eben: Mensch und kein verrohtes oder überzüchtetes Tier, und ‚menschlich‘ sein, ja was ist das. Und wie soll zum Beispiel ein Muslime infrage stellen können, warum Mohammed wohl seine geliebte Ayesha schon mit 6 Jahren bei sich haben wollte. Nein, sagte man mir mal, mit sechs Jahren getroffen, ja, aber erst mit 9 Jahren mit ihm gewohnt. Ach so, ja dann. Und es ist auch nicht unbedingt wahr, dass ein unter der Burka hastig dahineilender Mensch viel einsamer sein muss als eine single Frau in Deutschland, die mit 20 Millionen anderen Singles diese Wahl als „fei“ deklarieren muss, ist es doch, was gewählt werden konnte. Man muss auch nicht gegen das Geborensein  sein (Antinatalismus), um zu reiferem Nachdenken darüber anzuregen. Einen Menschen in die Welt setzen, der immerhin ein paar Jahre nichts anderes oder Besseres zur Verfügung hat als das, was die Eltern zu geben imstande sind. Da quälen sich manchmal die Worte aus einem heraus, weil es der Meinungsbildung auch nicht zu verdanken ist, dass das nicht aufhört, bis genug Schrecken entstanden ist, um neue Gesetze zu formulieren, die bestimmt werden von den Irrgärten des dunklen Netzes. Zum Glück habe ich auch einen überraschten Kommentar zurückgehalten, als die junge Frau aus dem Zug stieg mit einem so kurzen Minirock, dass man ihn als Rock kaum mehr definieren konnte. Ich kann anregen, warum nicht, aber ich bin nicht die Hüterin der Bahn. Für mich ist es eher so, dass es mich interessiert, wie sie mit all dem umgehen, und bin froh über jede gelingende Verbindung, die den schwierigen und den leichteren Themen Raum lässt, sich dem eigenen Denken entsprechend zu bilden.

Power

Herzlichen Glückwunsch also zum 65. Lebensjahr und 15. Regierungsjahr, Angela Merkel. Da habe ich doch aus meiner Bildersammlung ein passendes Photo herausgeangelt und mit lebendigen Blüten bedacht. Wenn ich mich mal erkühne, als deutsche Staatsbürgerin unserer Kanzlerin auf diesem politischen Pfad meine Achtung zu zollen für all das, was wir bzw. ich von ihr mitbekommen habe, so ist es vor allem ein Gefühl gewesen und ist auch noch eins, von einer klugen und glaubwürdigen Person regiert zu werden, das hat mir und den meisten MitbürgerInnen ja nicht geschadet. Auch höre ich, dass sie zB. in Frankreich beliebter ist als in Deutschland, obwohl zur Zeit ihre Tremblancen, also die viel zitierten und kommentierten Zitteranfälle mehr Raum einnehmen als ihre poilitische Arbeit. Klar, die große Frage ist: wer kommt nach Angela Merkel, das kann sich außerhalb der inneren Beratungsküche gerade niemand vorstellen. Ich höre auch, dass Frau Kramp-Karrenbauer zur neuen Verteidigungsministerin wird, und muss sie dafür ihr jetziges Amt verlassen, so, wie Frau von der Leyen sich vom Heerwesen verabschieden musste, um europäische Fäden in einen stabilen Teppich zu weben zu versuchen? Man darf ruhig staunen, wie weit Ehrgeiz einen Menschen transportieren kann und was sich Menschen aus diesem Urgrund heraus alles zutrauen. Was Frau Karrenbauer betrifft, so kann man sich kaum mehr vorstellen, dass aus ihr eine Kanzlerin wird, was vielleicht auch daran liegt, dass Angela Merkels ruhige Souveränität zwar auch was Biederes hat, aber nicht nur. Und gut, zittert sie mal, so what. Wie will man sich vorstellen, was es braucht, um so einen Job durchzuhalten. Dein Arzt, der absolut Schweigeverpflichtete. Ein bisschen Cannabis in den Nachtsitzungen wäre sicherlich gesünder, wäre es nicht so streng gehandhabt, damit die richtigen Konzerne davon profitieren. Wer weiß, veilleicht koksen sie mal alle kurz durch in der Pause, vermutlich aber nicht Frau Merkel. Da es Idealsituationen nun einmal nicht gibt, bleibe ich persönlich bei meiner nüchternen Wertschätzung für die Kanzlerin. Der exzellenten Führungskraft also weiterhin alles Gute. Und ja! Ist Frau, die Kanzlerin. Man traut sich ja nicht mehr so freizügig an die Genderfrage heran, weil das bodenlose Hin-und Herschwanken zwischen Idee und Wirklichkeit mehr Schatten erzeugt hat als Lichteinfälle, und hat neue Theorien in Gang gesetzt. Sitzen denn schon genügend Frauen auf den heiß begehrten Powerplätzen, um von einem tiefen Wandel in der Gesellschaft auszugehen? Doch die Gesellschaft wandelt sich trotzdem. In Indien wird diese Zeit das dunkle Zeitalter genannt. Es zeichnet sich aus durch das Erscheinen weiblicher Kräfte, die ohne Gebundenheit an Konventionen agieren können und darin zu einer Gelassenheit gelangen, die schwierige Prozeduren handhaben und das Erforderliche entscheiden kann. Alles Gute und Menschenmögliche also.

 

trumpeln

In den paar Minuten Nachrichten, die ich als Minimum des Zugangs zum Weltgeschehen betrachte, kam heute mal wieder Donald Trump zu Twitter-Wort, und ich konnte bemerken, dass der dumpfe Kick, den man am Anfang seiner Amtsausübung noch aus seiner Darbietung erfahren konnte, wenn auch wider Willen, nun aber nicht mehr wirklich Varianten des Kicherns zündet, sondern das eher Beklemmende an den Durchsickerungen ist die scheinbar unwandelbare Form einer Dummheit, der man hier ausgesetzt ist. Man hat doch ziemlich selten die Gelegenheiten, die Dummheit als solches, sozusagen als ein menschliches Phänomen, über längere Zeit im politischen Außen betrachten zu können, kommentiert von vielen verschiedenen, in Tonlage sich wenig zurückhaltenden Sprechern und Sprecherinnen. Klar, es gibt sie einerseits haufenweise auf den übrigen moralisch morschen Thronen der politischen Weltgestalter, aber viele von ihnen sind eher begleitet von einer gefährlichen Intelligenz, die es erst ermöglicht, sie zu Bestien zu machen. Dummheit wird  meist mit stark beschränkter Intelligenz verbunden, und Einstein, der außer sehr intelligent auch noch sehr menschlich war, muss viel Verstörendes erlebt haben, bis er zu der Aussage kam, dass ‚zwei Dinge unendlich sind, das Universum und die menschliche Dummheit, und dass er sich beim Universum noch nicht ganz sicher war‘. In einem wohlwollenden Freundes-oder Familienkreis kann es ganz entspannend sein, mal beim Dummsein ertappt zu werden, und es ist günstig, wenn man erkennen kann, dass man nicht ganz auf der möglichen Höhe war. Nicht jetzt Höhe als Himmelsmaßstab oder heilige Karotte, nein, sondern einfach etwas neben der Spur, auf die man dann ja wieder zurück kann. Auch hängt die Erfahrung des Dummen davon ab, wie häufig und unter welchem Intelligenzbanner sie zum Ausdruck gemacht wird, und zu welchem Prozentsatz man den dummen Anteil des Inhaltes bereit ist, für real zu halten. Man kann davon ausgehen, dass viele intelligente BürgerInnen schon gedacht haben, dass es z.B. nicht gutgehen kann, wenn immer mehr traumatisierte Afrikaner in unseren Ländern herumirren und gar kein schönes Leben vorfinden, und ja, was ist da wirklich los in all diesen enthemmten Ausbeutern dort, die ihrem Volk kein Bleiben ermöglichen undsoweiter. Aber wenn Donald Trump etwas sagt, klingt es einfach nur dumm und rassistisch. Und Dummheit ist gefährlich, wenn sie sich im Wirt eingenistet hat und langsam aber sicher ein eigenes Wesen entwickelt, das den Ahnungslosen unbeirrt in immer dunklere Gewässer führt. Das kümmerliche Stimmchen, das noch da war, als der kleine Donald schon früh in sich selbst nicht dem entsprach, was er von sich hielt, dieses Stimmchen ist nun auch zum Schweigen gebracht, und der kleine Donald ist immerhin Präsident eines großen Landes geworden, in dem, was auf unerbittliche Weise offensichtlich geworden ist, sehr viele so sind wie er und sich freuen, endlich zum Zuge zu kommen mit einem ihnen entsprechenden Sprachrohr. Und man kann sich einen dummen Finger auf dem Roten Knopf besser vorstellen als einen durch Intelligenz gehemmten. Allerdings fällt mir hier sofort das Beispiel von Oppenheimer, der Intelligenzbestie ein, dem es eben nicht gelang, den „kleinen Jungen“ (Little Boy) an der Explosion zu hindern, die Atombombe mit diesem Namen also in ihrer orgiastischen Tatkraft zu bewundern, sein Werk, sein Orgasmus, sein Atom. Wer sollte wen jemals wirklich zurückhalten können, sind dererlei Triebe am Werk. Und ja, sie können auch, wenn das noch möglich ist, umgeleitet werden in förderliches Tun, doch dazu braucht es sehr viel von dem, was der Dummheit (und dem egozentrischen Trieb) nicht zuträglich ist. Da ist immer noch Raum für ein tieferes Erkennen, man muss ihn nur nutzen.