Der Begriff ‚Engel‘ ist ein gutes Beispiel dafür, dass man an die reale Existenz von etwas Nennbarem nicht glauben muss, um es dennoch schön zu finden. Oder etwas daran berührt einen, gibt einem vielleicht die Ahnung von einem möglichen Dasein, das einem aus der scheinbar unerschwinglichen Ferne zuwinkt. Als gäbe es ein Schwingungsfeld, auf dem Beflügeltsein ermöglicht und unterstützt wird, und auch da gibt es noch Dunkel und Hell. Wenn der Muezzin, so sagt man, seinen Gesang beginnt, hat er die Lücke geschlossen, beziehungsweise hat er den präzisen Moment des radikalen Einsatzes der Dämmerung zum Anlass seines ersten Tones genommen. Es ist die Zeit, in der man die verborgene Schöpfung aus der Nacht emporsteigen sieht, und dann gegen Abend sich wieder zurückziehen. Und obwohl sich manche Vorgänge täglich zu wiederholen scheinen, so ist doch jeder vorbeihuschende Nu unwiderruflich verschwunden. Und natürlich sind neue da, nie diesselben, und es passiert das Lebendige weder in der Zukunft noch in der Vergangenheit. Es passiert nur da, wo ich mich im Schwingungsfeld plaziere und dem auf mich Zuströmenden aktiv begegne, ausgerüstet mit dem, was ich gerade bin. Und sicherlich gibt es auch einen Sog hin zu den dunklen Schwingen, doch man muss nicht Luzifer werden, um dem Gott zu widersprechen. Am besten, man bringt ein eigenes Script mit, damit einem die ganz persönliche Leitlinie nicht entgleitet.