aufzeichnen

Da, wo bei meiner amerikanischen Algorithmenauswahl gerade noch der heftige Kampf um eine Dosis Gerechtigkeit tobte, die dem Volk sicher gut getan hätte, heulen nun die Eiswinde um stromlose Häuser, und man berichtet, dass es das vielerorts noch nie gab, jedenfalls nicht aufgezeichnet. Irgend jemand zeichnet immer was auf, selbst Sokrates könnte ohne Aufzeichner nicht unsterblich werden, und vielleicht gerät auch er mal in Vergessenheit. Andere Typen erringen den Weltgeschmack, vielleicht verschwindet auch das Wort ‚Mensch‘ mal, und die Roboter machen ein paar Aufzeichnungen für ihre Archive. In den deutschen Nachrichten, zu denen ich nun für ein paar Minuten zurückgekehrt bin, hat sich das Wort ‚Mutanten‘ durchgesetzt. Man ist (selbst) noch leicht infiziert von Gene Roddenberry’s Mutationsvorstellungen, zum Beispiel so ein gut durchtrainierter Surfer im silbernen Neoprenanzug, der sich tief im All durch die Weltprobleme grübelt und sich dann entscheidet, diesen Menschenwesen behilflich zu sein, und versteckt sein Kostüm unter einem Trenchcoat, auf dem Kopf einen Borselino, um möglichst human und nicht erschreckend zu wirken. Denn nicht nur ist er Fremdling, nein, er kann auch Sachen, die Erdlinge nicht können. das macht ihn natürlich verdächtig. Und es gibt nur noch wenige wie ich, die wissen, dass in Zen-La, halt ein anderer Planet, Shalabal auf den Mutanten wartet, während er da unten ohne sie herumrettet. Hier muss ich durch den freiwilligen Reality-Check und weiß natürlich, dass in den Nachrichten mit Mutanten was anderes gemeint ist, obwohl gewisse Verbindungen durchaus herzustellen wären. Das Schüren der Angst verbindet sich wie automatisch mit einem Namen. Abweichungen von der Norm, so eben, wie man sie selbst versteht, sind generell nicht beliebt. Allenfalls kann man vor ihnen warnen, und wenn das nichts nützt, muss man strafen. Es findet alles in demokratischer Freiheit statt, und klar, wir sind doch vernünftig. Gefeiert wurde auch das Verschwinden des Wortes ‚Fräulein‘ von der verbalen Bildfläche, das ist, höre ich, schon fünfzig Jahre her. Ein Fräulein war ganz offiziell eine, die noch nicht in den Genuss des göttlichen Gemächtes gekommen war, aus welchen Gründen auch immer. Oder vielleicht hatte sie schon (aus Versehen?) ein Kind, aber keinen dazugehörigen Mann, da blieb sie das Fräulein, sodass jeder das Kleingebliebene an der Frau gleich erfassen konnte, automatisch klein also ohne Mann, ein Stück Lende oder ein Batzen Lehm, der noch geformt werden musste, um sich selbst dazufügen zu können zum bereits Vollendeten, der über blutige, dunkle Vorgänge einen Menschensohn erwartet. Obwohl, wenn man’s genau nimmt,  er doch auch verwundet sein musste durch diesen heftigen Eingriff, bzw. diese Herausnehmung des Fleiches, aus dem dann das Fräulein entstand. Man darf aufatmen, denn einiges ist doch geleistet worden auf diesen weiblichen, schöpferischen Ebenen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass in diesem Land ein Mann eine Frau fragt, ob sie schon mal hat oder nicht. Oder vielleicht mehr zu Frauen neigt, oder sich gar operieren lassen möchte. Oder sich mal aufmacht geistig, das Thema für sich selbst persönlich einzuschätzen, denn da gibt es sicherlich viele Variationen und schöpferischen Einfallsreichtum, wenn unterwegs nichts z u Schlimmes passiert ist und es gelang, kein Opfer zu werden, sondern ein selbstbestimmter Mensch.

urteilen

Es geschieht ja auch immer gleichzeitig so viel, und man kann wahrlich nicht behaupten, der Lockdown hätte nicht zusätzlich noch eine mächtige Kreativwelle ausgelöst, und so manche/r wird dieser anregenden Zeit hinterhertrauern, wenn alles wieder s o ist, wie man es als normal empfand, ganz so, als könnte es nicht auch anders sein, dabei  kann es. Kann es ? Gestern war ja in Amerika Dunkeltag. Man wird versuchen, ein Vorbei daraus zu machen, aber es kann gar kein Vorbei sein, denn es ist ja nicht vorbei. Die helle Intelligenz der Beweisführenden musste geradezu dumpf verleugnet werden, war man Trumpist bis zum letzten Atemzug, also zu dem Moment, wo der Mund ja oder nein sagt, schuldig oder unschuldig. Da kam nirgendwo Erleichterung auf, nur eine andere Arena wird aufgebaut. Das Spiel geht weiter, vielleicht hört es nie auf, man weiß es nicht. Vermuten wir einmal, die Menschen werden in ein paar Jahren mit Robotern leben, die sie ganz glücklich und emotional ausgeglichen machen, würde ihnen da ein gewisses Etwas fehlen?, wenn es auch vorher nicht da war. Auf der anderen Seite könnte man meinen, dass sich an manchen Wundpunkten des menschlichen Verhaltens überhaupt nichts bewegt, und jede Generation fragt sich warum. Männer müssen sich selten klar machen, oder müssen sie es gerade deswegen doch, dass dieser Planet von allen bewohnbar ist, und es hat sich noch nicht bewiesen, dass Männer außer ein paar Muskeln mehr zur Exzellenz der Daseinslage beigetragen haben als Frauen, ganz zu schweigen von den Frauen im Hintergrund, die um Leben und Tod der Nachkömmlinge ringen, und oft nicht gemeinsam. Nein, das ist kein Geheimnis, dass alle paar Minuten eine Frau von einem Mann geschlagen wird, und da, wo geschlagen wird, da denken dann die Kinder, dass das normal sei, und die Erwachsenen tun ja auch so. Auch wenn es einmal passiert, kann man es keinen Ausrutscher nennen, weil es lebensvernichtende, also liebestötende Wirkung hat. In Indien habe ich von Frauen gehört, dass ganz viele von ihnen vernichtet aus der Hochzeitsnacht kommen, weil sie nicht die geringste Bedeutung haben außer der Mitgift und dem Warten auf den Thronnachfolger. Und von wem soll der Nachfolger lernen? Neulich bin ich zufällig auf einen Bericht gestoßen, in dem der Sohn von Mengele versucht hat, sich mit seinem Vater über die ihm nachgesagten Gräueltaten auseinanderzusetzen. Es war dem sogenannten Arzt nicht vergönnt, zu einer Einschätzung seiner Verbrechen zu kommen, er kannte ja auch seinen Sohn nicht. Jedes Schlagen eines Mannes auf eine Frau weist darauf hin, dass der Meinung des Mannes nach die Frau etwas tut, was er nicht billigt. Es gibt hier keinerlei Versuch eines Austauschs, aber auch mit dem Austausch, der ja hier bei uns möglich ist, kommt es trotzdem und offensichtlich zu  sehr viel Gewalt, die Männer auf Frauen ausüben. Sonst würden sich Frauen allen Alters doch nicht zusammentun, wie gestern in der Zoom Performance ‚1 billion rising‘ (Frauen gegen Gewalt), und sich aus vielen anderen Ländern zuschalten, um auszudrücken, dass das noch nicht vorbei ist, nein, ganz und gar nicht, es ist ein hochpolitisches und menschlich abgründiges Thema, das sich ausloten wird, komme, was da wolle. Das hat uns auch der Prozess um Trump gelehrt: dass es aussieht wie ein Scheitern der Wahrheit, aber dass alle wissen, wie es wirklich ist. Besser hätte es nun einmal nicht laufen können.

Hannah Arendt

Die Zeilen stammen aus einem Artikel von Michael Hampe über das Buch ‚Sokrates‘ von Hannah Arendt (aus der ‚Zeit‘ vom 14. Juli 2016)

Bildergebnis für Hannah Arendt

‚Sobald Wahrheit in eine politische Öffentlichkeit
getragen wird, wird sie zur „Meinung unter Meinungen“
und gerät in Gefahr. Die Wahrheit einer Behauptung
macht sie im politischen Kampf noch nicht zu der
Sicht der Dinge, die sich letztendlich durchsetzen muss.
Welches Schicksal die Wahrheit nimmt, hängt davon ab,
wie die Öffentlichkeit beschaffen ist: ob sie eine von
befreundeten oder verfeindeten Menschen ist.‘

Hannah Arendt verteidigte in ihrer Schrift über Sokrates die politische Öffentlichkeit als den Raum der Meinungsvielfalt. Denn Meinungen sind nicht einfach Unwahrheiten, sondern ihre Pluralität kann Manifestation der Vielfalt sein, in der die Welt den Menschen nun  einmal erscheint. Im Meinungsaustausch können Menschen glänzen, indem sie ihre Sicht der Dinge durch brillante Reden auf eindrückliche Weise den MitbürgerInnen vor Augen führen. Freilich setzt Arendt mit Sokrates voraus, dass Menschen sagen, was sie meinen, dass sie wahrhaftig sprechen. Menschen, die in diesem Sinne ihre Meinung äußern, müssen erkannt haben, wie ihnen die Welt erscheint und sollten nicht einfach Phrasen anderer nachplappern.

heldenfrei

Das muss wahrlich schwer sein für die Männer, vor allem für d i e Männer, die durch dieses Impeachment-Verfahren sitzen müssen und zu ‚gebildet‘, also zu educated sind, um nicht genau zu verstehen, ja : zu wissen, was hier Unrecht und was Recht ist. Aber der Schritt in die richtige Richtung ist nahezu unmöglich geworden, die Blamage wäre zu groß. Oder auch die Angst um das eigene Leben. Immerhin war die Meute bereit, den von ihnen so genannten ‚zweitmächtigsten Mann‘ des Landes (Mike Pence) zu hängen. In d e m Land also, das sie das mächtigste nennen unter den Ländern der Erde, und ihr Präsident ist automatisch der mächtigste Mann der Erde. Das hat Trump nicht gut getan. Aber wer konnte schon ahnen, wie schlimm es werden würde, dieses langsame Versinken in die Diktatur der Dummheit, ihre Frivolität, ihre dunkle Macht. Denn es geht ja in ganz besonderen Momenten nicht nur um Familien und Kinder, um die man sich sorgt, wenn man sich in Lebensgefahr befindet, oder um rein politische Gier nach Macht, sondern es geht insofern um Leben und Tod, weil ich, wie Sokrates uns gelehrt hat, mit dem Menschen (also mir) nach allem, was ich verursache, weiterleben muss. Vermutlich steckt nicht in jedem Menschen die Neigung zum Heldentum, aber auch auf dieser Ebene gibt es Überraschungen. Und nicht umsonst ist die Legende zu uns gekommen, wie Diogenes den mächtigen Feldherrn Alexander bat, ihm durch seine körperliche Anwesenheit nicht das Licht der Sonne zu rauben. Auch muss niemand das Zeug zu was Großartigem haben, aber vielleicht doch in großzügiger Bescheidenheit zuschauen können als Zeugin, dass das Gute, für das man gerne den Daumen gehalten hätte, erst einmal versinkt, obwohl auch Wunder geschehen. Jede/r erlebt mal eins und ist erstaunt. Bis zum letzten Nu ist Raum für Erkenntnis und ihre Wirkung, aber zweifelsfrei muss man dazu in der Lage sein. Da geht es auch um Männer, die wittern den Fraß wie Hunde, die keineswegs um ein gutes Durchkommen ringen, nein. Sie haben sich vorbereitet und ihr Denken durch dunkle Kanäle geschleust, bis das Steuerrad fast automatisch in die falsche Richtung steuert, also die eigentlich nicht gewollte, die dann zur Route wird, der man wie von guten Geisten verlassen folgt, weil da was Verheißungsvolles glitzert. Trump ist ein Meister dieses falschen Glitzerns. Deswegen war es hilfreich, dieses Phänomen eines Menschen eine Weile betrachten zu können und die Art des Feuers, an dem der Mann seine Machenschaften schürt. Man kann auch sagen, dass es dann irgendwann zu spät war. Obwohl…wohin könnte es gehen? Da bleibt ja nichts zurück, nicht mal Asche. Kein Zurück, wenn man zu weit gegangen ist. Und obwohl das alles und von jedem verfügbaren Winkel her kristallklar ist, so glaubt doch keiner, dass das Wunder geschieht. Aber auch d a s ist nur an der Oberfläche, denn andere Kräfte setzen sich automatisch in Bewegung, und so manches Scheitern setzt sich letztendlich als das Gelingende durch. Und zum Glück dient politisches Drama auch als  Ablenkung, in deren unauffälligen Räumen sich neue Kräfte bilden können, und nicht nur auf den dunklen Gängen. Und so sehr es in mir zuweilen ein Verständnis gibt für die Schwierigkeit freiwilliger Lockerungen des männlichen Griffs am Geschehen, so fände ich es doch angemessen, dass die Herren nicht weiterhin gewohnheitsgemäß an den Weltenbaum pinkeln.

Karneval

Jetzt bin ich schon einmal hier im Westen, im westlichen Winterlockdown sozusagen, habe mit Freunden in der Nähe eines Tannenbaumes gesessen, an dem lebendige Lichter brannten aus Honigwachs, und natürlich das leicht erhöhte Nahrungsslevel zelebriert, und was müssen viele froh gewesen sein, mal nicht vom Virus zu reden, oder haben wir doch darüber geredet, aber sicher auch noch von was anderem. Oder überhaupt geschaut, was wir eigentlich an Weihnachten so miteinander teilen können, wenn der Fokus nicht auf dem Jesuskind liegt. Aber das ist ja jetzt vorbei, nur eine Lichterkette hängt noch im Ahornbaum, ich könnte mir das sogar bis Ostern vorstellen, aber wahrscheinlich ist irgendwann Schluss. Heute früh habe ich gehört, dass gestern tatsächlich Frauen in Karnevalsmaskierungen herumliefen, es war Weiberfastnacht, sehr beliebt hier in dieser Gegend. Aber egal, wo man geboren ist, so fällt einem doch ein, dass man an Fasching auch gerne kostümiert war, mal Cowboy, mal Page usw. Vorhin kam das kleine Video zu mir und ich dachte: ach sieh an, nun bin ich auch mal dabei beim Karnevalsumzug, denn die Hauptsache ist doch dabei, dass man auf vielerlei Weise herzlich lachen kann. Ja, leider muss ich unterwegs feststellen, dass das Video sich zwar im Smartphone, aber nicht hier öffnet, das ist die digitale Wand, die viele kennen, als solches bleibt sie stehen. Offensichtlich habe ich mit dem Karneval zu wenig zu tun, und die Algorithmen haben mich hinausgeworfen aus dem Faschingszelt. Und es stimmt ja, ich bin gerade an dem amerikanischen Impeachmentverfahren interessiert, dazu passt die schwarze Wand auch ganz gut, man könnte die Buchstaben als ‚forbidden insight‘ lesen, also Einsichtsverbot. Dort findet auch doppelte Maskierung statt, oder könnte man sie nun gar dreifach nennen, die innere Maskierung, die virale Maskierung, und dann d a s, was wir nach außen zeigen und es meiner und der Menschenkenntnis an sich überlasse, die Merkmale mehr oder weniger erkennen zu können. Wer ist Kain? Wer ist Abel? Wer Beatrix? Wer Medea? Wer fühlt sich sicher, einen authentischen Ton aus den Tönen heraushören zu können. Und selbst wenn alle Anderen sagen, das sei ein falscher Ton, dann dennoch zu wissen, dass es  d e r Ton war, den man selbst erspüren konnte. Das allein ist im Prozess schon gelungen: dass die TäterInnen und Anti-HeldInnen krampfhaft und zwanghaft weghören müssen, um dem Ton widerstehen zu können, der dort auf der Anklagebank zu hören weltweit zu hören ist. Doch würde jetzt ein Gott oder ein schöner und liebevoller Erzengel sich hinter die luziferischen Kleingeister stellen und sie fragen, ob sie nicht noch einmal genau hinschauen möchten, denn ihr wisst doch genau, würde er sagen, was ihr da tut. Dann vielleicht würde man sich bei aller Unkundigkeit an den Satz erinnern, der nicht nur in biblischer Ewigkeit geschrieben steht, sondern auch der Titel für einen James Dean Film war, eben dass sie n i c h t wissen, was sie tun. Denn wüssten sie’s , dann gäbe es ja noch eine Möglichkeit zur Korrektur, denn weiß man’s mal, dann ist es schwer abzulegen. Deswegen kann man das gerade live in Washington beobachten, wie sich  Menschen in einen derart abartigen Zwiespalt bewegt haben, dass ihnen, man kann es kaum fassen, nur  noch der Weg offen bleibt, sich zu verkaufen, eine Form der Prostitution. Wenn es kaum mehr notwendig ist, das bereits feststehende Ergebnis  zu beklagen, denn das Wesentliche, um was es im Kern der Sache ging und geht, das ist bereits glaubwürdig sichtbar geworden.

(Später habe ich dann gehört, dass das Video doch auf den anderen Maschinen sichtbar wird., aber bei mir gibt’s weiterhin nur ein Symbol mit F und I auf dunklem Hintergrund).

Kanäle

 

 

Auf allen Kanälen kann man die oft öden
Einzelheiten des Vorgetäuschten sehen.
Hier innen bei mir:
Welch herber Schmerz, der die großen
Prüfungen begleitet.
Wie einen gigantischen Kometenbrocken
hat sie das Ganze angenommen von innen her,
dem maßlosen Herzen entgegen,
und hat es gründlich geleert und gelernt,
wie der Geist lenkt, und wie das
Wunscherzeugte entsagt werden kann
ohne verwundete Spur, und dass der
Wille derjenigen, die es tut,
frei sein wird.

Spitze des Eisbergs

Das war jetzt nicht unbedingt nötig, die stundenlange Einführung des Impeachmentverfahrens zu begleiten, und dann auch noch den amerikanischen Nachmittag in der deutschen Nacht. Aber morgens genügte eine kurze Reise durch die berichterstattenden Kanäle, um zu verstehen, was vorgefallen war. Eben das, was alle, die gegen das Verfahren waren, am meisten fürchteten, nämlich wie eindeutig und offensichtlich die Sachlage war, und wie kläglich die Falle, die sie sich selbst ruhmlos gebastelt hatten. Die Schuld des Täters ist sonnenklar, und genau das macht die Wirkung der bereits angenommenen Tatsache, dass die fehlenden Stimmen zu einer Verurteilung führen könnten, noch drastischer. (Baden gehende Gerechtigkeit!) Auch dass die Verteidigung des Verdächtigten dermaßen schlecht beurteilt wurde, brachte keinen zu der notwendigen Vernunft, aber dennoch konnte man etwas Wichtiges sehen: dass es immer bis zur letzten Minute Möglichkeiten gibt, etwas oder sich selbst auszuloten und das Erkannte zuzulassen, egal, wie schmerzlich es sein mag. Doch, es gab Einen. Ein Republikaner zeigte sich von der demokratischen Anklage so überzeugt, dass er hinüberwechselte zu seiner Einsicht, und in der Tat, er wirkte glaubwürdig, man zollte ihm gerne Respekt. ‚Achtung, Reisende/r! Denn es ist spät, aber noch nicht z u spät‘ stand einmal auf einem unserer Performance Programme. Es ist ein ermutigender, aber auch ein vorwarnender Satz, denn irgendwann kann es für etwas zu spät sein, und das ist dann wiederum sehr schmerzhaft. Und viele wissen auch schon, dass es in letzter Konsequenz gar nicht (nur) auf das Resultat ankommt, sondern darauf, was man auf dem Weg, als während des Prozesses, noch alles lernen kann. Und wenn man die äußeren und inneren Prozesse aufmerksam miterlebt, wird einen das Resultat nicht sehr überraschen, aber es wird einem auch nicht die Erfahrung nehmen können. Politisch wird dort im Saal der Senatoren Geschichte geschrieben, die nicht ausradierbar ist so, wie es eben für niemanden einen gehorsamen Radiergummi gibt, mit dem man das, was man verbockt hat, wieder wegradieren kann. Auch ist nicht jede klägliche Tat gleich ein Verbrechen. Man braucht sie ja, die eigene Erfahrung, um den persönlichen Maßstab einerseits an der persönlichen Einschätzung, andrerseits aber auch an existierenden Kriterien entlang zu bilden, und dann erst zu schauen, ob man ihm auch persönlich gerecht werden kann, eine weitere Quelle eintrudelnder Bescheidenheit. Denn leicht ist das alles nicht, und dann noch der Lockdown und die herumreisenden Mutanten, und eine Art Ruhe, die man innen benötigt, um d a anzukommen, wo man sich selbst am meisten braucht, um die Spitze des Eisbergs nicht zu verwechseln mit einer Scholle.

entheben

Gut, die Sache läuft: Impfzentren geöffnet, Impfstoff nachbestellt, über die Mutationen politisch nachgegrübelt, die über Achtzigjährigen durch die Schneewehen geschaufelt, oder auch Terminfreiheit garantiert, dann Hunderte von steckengebliebenen Autos Auswege gebastelt aus der Misere, dann den Wohnungslosen erlaubt, dort zu übernachten, wo sie sonst nicht dürfen, und extra Decken und warme Suppe gereicht usw. Da kann man schon mal dankbar sein dafür, dass man nicht grad woanders wohnt, sondern in diesem Land, wo einerseits der schwärzeste der kollektiven Abgründe schon hinter uns liegt, und vor uns die Möglichkeit, dass es nicht wieder geschehen möge. Das uns bis heute Verfolgende, mit dem jede/r auf eigene Weise allein ist. Und so kehrt ein Teil meiner Aufmerksamkeit noch einmal zurück zum amerikanischen Schauspiel, wo heute ein Prozess beginnt gegen einen Täter, dessen Täterschaft überhaupt nicht zu leugnen ist, denn sie ist digital festgelegt wie die Zeugen und Zeuginnen der Tat. Und hier können wir auch beobachten, wie Täter und Opfer zuweilen eins werden, allerdings nicht ohne eine komplexe Verdrehung der Tatsachen. Vieles dreht sich um die panische Angst der Polit-Gaukler, die es mit dem Haupttäter nicht vermasseln wollen, sollte er doch eines Tages wieder an die Macht kommen, was im Falle Hitler ausfiel wegen Selbstvernichtung. Man höre sich als Gegenspiel noch einmal die letzte Rede von Sokrates an, die ohne Mikrofone durch die Zeiten getragen wurde .Denn als alles Rechtmäßige, was auch die (neidischen) Richter durchaus als solches verstanden, als also alles gesagt war, was er zu sagen hatte, da griff er selbst zum Becher, denn danach gab es nichts mehr zu sagen. Trump hingegen, der kriminelle Täter, der irgendwo im Darknet als Gott gehandelt werden möchte, will unter Eid nicht aussagen. Das versteht auch jede/r, denn was ein Meineid ist, versteht sogar er. Es ist ein ganz wichtiger Prozess, bei dem die Welt zusehen kann. Schon allein dadurch wird man erfassen können, wo die Gerechtigkeit ganz offensichtlich liegt, und wo man sie baden gehen sehen kann. Denn darüber, dass sie baden gehen wird, sind sich fast alle einig, denn da laufen keine Helden mehr herum unter den Amtsenthebungsgegnern, sondern feige Karikaturen ihres eigenen verächtlichen Spiels. Und auch das wird Folgen haben, man bedenke!, es hat bereits Folgen. Tausende von Amerikanern haben in verschiedenen Distrikten die republikanische Partei verlassen. Das wiegt genauso viel wie jeder reflektierte Austritt aus einer  unglaubwürdigen Kirche, oder überhaupt aus den illegalen Fangarmen der Religionen. Sicher ist, dass man nach diesem Prozess ein noch klareres Bild der Weltpolitik haben kann und worauf es ankommt. Und d a s auf absolut allen verfügbaren Ebenen bis hinein in die Arena des Wohnzimmers, wo es um ähnliche Dinge geht, und wo oft die Preise ganz schön hoch sind für d a s, was man zulässt und das, was man nicht zulassen sollte, wenn man weder Täter noch Opfer sein möchte.

winterlich

Wenn schon Winter, dann richtig, könnte man denken. Schneeverwehte Täler und Zwerge, die auf dem großen Schlitten mit Santa…sorry, da bin ich abgerutscht in eine Zeit, wo es noch möglich war, das für möglich zu halten. Erstaunt lauschte ich einem sehr langen Wetterbericht, der von einer Menge querstehender Lastwagen erzählte, die deswegen bis mittags nicht fahren dürfen, und hunderte von Unfällen von denen, die unbedingt irgendwohin müssen oder noch kein Home-Office haben, oder innerhalb des Lockdowns ihre Kräfte für das Menschenwohl einsetzen. Denen, die gerne irgendwo hingehen, geht es bestimmt besser als denen, die nicht anders können als das zu tun, was ein Anderer für sie bestimmt. Jemand erzählte mir von einer Studie bzw. einem Experiment, wo es um Teilen ging. Vor zwei Kindern standen zwei vollkommen unterschiedlich gefüllte Gläser mit Süßigkeiten, was sie, wie später berichtet wurde, als ein Versehen empfanden und mühelos einen Ausgleich schufen. Dann bot man zwei Erwachsenen, die genau denselben Job zu verrichten hatten, unterschiedliche Bezahlung an, was beide fraglos akzeptierten. Man fand allerdings, dass sie sich aus dem Weg gingen, aber nie kam sie zur Sprache, die offensichtliche Ungerechtigkeit. Wenn es erfasst wird, aber nicht zur Sprache kommt, kann es ein nagender Wurm beim einen werden, beim anderen zu einer falschen Einschätzung des eigenen Wertes führen, hat der Eine doch mehr oder eben weniger bekommen als der Andere. Die Eiseskälte inmitten des Lockdowns vertieft noch einmal die Gegebenheiten, die einem dabei auffallen können. Die aalglatte Wand der Bildschirme etwa, die einem Lebendiges vorgaukeln, wo es nicht stattfinden kann. Immerhin kann sich praktisch  jede/r da ausdrücken, das ist ja schon viel und hat sicherlich auch einigen Wahnsinn verhindert, nicht ohne ihn auf anderen Kanälen zu vertiefen. Weiterhin geht es nicht nur um Covid und die Impfhektik, sondern um Geld und Macht. In Indien wurde das noch in meiner Zeit als gutes Benehmen gesehen, wenn der Reiche keinerlei Show macht von seinem Reichtum, ganz im Gegenteil: weniger ist mehr. Die Qualität des getragenen Tuches, das auf zwei Nägeln Platz haben sollte, konnte absolut hochwertig sein. Schließlich war der Reichtum kein Geheimnis, eher eine Verpflichtung den Anderen gegenüber, die nicht so betucht waren. Lang ist’s her, und wenn irgendwo ein Kalb vor meinen Augen zu Gold wurde, dann in Indien. (Selbst der größte Impfstoffhersteller hat dort sein Impfstoff-Imperium mit 350 Pferden, deren Blut der Herstellung dient). Heute bekomme ich von meinen indischen Freunden eher WhatsApp Bilder wie z.B. das mit einer jungen Frau, neben der steht: ‚Hört auf, Religion als Deckname für Faschismus zu benutzen‘. Noch vor ein paar Jährchen undenkbar, heute eine hörbare und weit zu verbreitende Botschaft, was es nicht einfacher macht für Menschen, die nicht geschult wurden in der Kunst der Unterscheidung. Oder wie man sich selber was zutraut. Denn auch das geht wohl nur, wenn das Kind nicht so geschädigt wurde, dass von der einst ungetrübten Quelle überhaupt noch was übrig ist. Ich denke aber, dass es eher selten ist, dass gar nichts mehr möglich scheint. Und wenn, dann lag es auch an uns Anderen. Dabei muss man sich weder zu ohnmächtig noch zu mächtig fühlen, denn die Kraft liegt wohl mehr darin, einfach dabei zu sein und dem, was meine Aufmerksamkeit braucht,  Beachtung schenken zu können. Es geht einen ja nur etwas an, wenn man entweder die professionellen Fähigkeiten besitzt, hier unterstützend zu wirken, oder man ist so berührt vom Erlebten, dass es eher zu einer natürlichen Aufmerksamkeit kommt, mit der man ohne weiteres dabei sein kann, ohne Harm anzurichten.

dunkles Nett

Man hört ja, ob man will oder nicht, eine Menge über all die Dinge, die während des Lockdowns passieren, sei es nun, dass Frauen mehr als sonst vor  schlagenden Männern in die Frauenhäuser fliehen, oder dass die ungeheure Belastung der Mütter und Väter wegen Home-Office und Kindern, die ständig da sind, zu Spannungen in den Beziehungen führt. Oder aber der geradezu überwältigende Ausbruch eines kreativen Feuers im Hinblick auf die Umforming des Menschentypus vom Aufrechtgehenden in einen in den Bildschirm Starrenden, der nun, und blitzeschnell ging das, vom technischen Innen heraus kaum mehr Grenzen wahrnehmen kann oder muss, denn hier ist etwas aus der Direktheit geschoben worden. So etwas Einmütiges könnte kein Diktator der Welt alleine vollbringen, was nun freiwillig als Hilfsstellung angeboten wird. Und sagen will man auch nicht unbedingt was dazu, denn man weiß ja so ungefähr, wo es hingeht. Der große Luxusdampfer also ist hier gemeint, auf dem Weg in den alles verschlingenden Ozean, in die Urmutterhöhle also, wo Neues, ja klar, ständig Neues dort dann gebastelt wird und geboren: es muss ja, denn es folgt nach wie vor einem Zyklus, der ohne hohen Preis keine Aushebelung zulässt. Ansonsten weiß man natürlich recht wenig darüber, was die Leute nun wirklich bei sich selbst zuhause machen, wo sie oft gar nicht so viel waren, nun auf einmal im Lockdown. Es sieht aus wie ein Halt oder eine Blockade, und das ist es auch, aber es gibt auch Bewegung, vor allem am Wochenende wimmelt es im sonst stillen Wald, wo noch ein paar aufrechtstehende Borkenkäferbäume herumstehen. Ach echt jetzt, so sieht das also aus, denkt man und bleibt stehen, um zu sehen, wie es aussieht, und man begreift (noch einmal), wie fortgeschritten in jede Richtung das alles ist. Ich habe natürlich auch Pläne, und nichts ist besser geeignet, als mit sich selbst bei sich zu sein und leibhafig zu erfahren, wie schwer es ist, sie umzusetzen. Und nichts geeigneter als ein Lockdown, wo man vom überall Geschlossenen geradewegs auf sich selbst zurückgeworfen wird, wenn man nicht schon vorher da war, und was macht man dann damit.  Gestern habe ich es geschafft, zwei Dinge, die ich für unersetzlich hielt, vom Bücherregal zu nehmen, denn Bücherregale scheinen anziehend zu wirken auf die Dinge, die man vor die Bücher stellen kann, wenn da noch Platz ist. Das Bild oben war eines der Dinge. Es war eine kreisrunde Schokoladenpackung aus Nizza, die, das kann man nicht leugnen, wirklich kunstvoll designed ist. Sie liegt ungegessen bei mir seit gut zehn Jahren. Erst habe ich das Bild aus seinem Stammplatz gelöst und dann das Geschriebene darauf etwas verändert, bzw. ausgestrichen, so dass nur noch ‚dark‘ da stand und drunter ‚The nice company‘, also (in meiner Übersetzung) das Dunkle als nette Gesellschaft, wobei das Wort‘ nett‘ es besonders dunkel macht. Nett genügt nicht, soll mein Vater gesagt haben, er meinte wohl sich selbst und dass es ihm nicht genügte. Und in der Tat: wenn man den Blick über die Welt und das, was man von ihr mitbekommt, gleiten lässt, fällt einem viel Dunkles auf, was als nett deklariert wird, nur, weil man sich daran gewöhnt hat. Da, wo die Schattierungen ein wenig lichter werden, ist nett in Ordnung, aber zum Glück nicht so wichtig. nicht so wichtig, und öfters auch vollkommen unangebracht.

klar

Wenn unter Menschen und innerhalb ihrer Konstrukte Dinge geschehen, die das mehr oder weniger klare Empfinden, wie etwas sein oder nicht sein sollte, bei weitem überschreiten, kann es den Vorteil haben, dass die Gegenkräfte dadurch ebenfalls aktiviert werden. Also zum Beispiel um Hitler herum sich einige, wie um Trump herum, lange genug heimlich wunderten, ob sie ihrer Wahrnehmung wirklich trauen konnten, als das Ausmaß des Irrsinns bereits sonnenklar war. Um diese Sonnenklarheit mit all ihren Sonnenstürmen einigermaßen aufrecht zu erhalten, braucht es vor allem, wenn man schon tief drinsteckt…ja, was braucht man da wohl am meisten? Um Diktatoren herum ganz sicher die Bereitschaft zu sterben, denn jedes als falsch gehörte Wort kann tödlich sein. Und wenn es zu spät ist, sind die Chips verspielt. Da wacht dann vielleicht der oder die Andere auf der gegenüberliegenden Skala der Kräfte auf, so, als müsste man nun endlich und unbedingt auch etwas dagegensetzen. Aber auch für einen selbst, damit man in sich selbst weiterhin klärt, wo man sich innerlich eigentlich aufhält, und was einen aus welchen Gründen auch immer wirklich betrifft und was einen etwas angeht. Die Götterwelten haben das ja prima erledigt und auch erfüllt, dass ihre ProtagonistInnen ansprechbar waren und keinen übersehen konnten,  und klar, wenn man alles Notwendige in diese Richtung tat, ging’s einem prima, aber wenn nicht, dann schmorte man in irgendeiner Vordenkerhölle, denn Angst, das ist bekannt, macht manipulierbar. Auch Angst hat ihre Wirkungsberechtigung, vor allem, wenn man weiß, dass man sie hat und was man mit ihr anfangen möchte oder kann, zum Beispiel, rechtzeitig adäquate Hilfe suchen. Oder wenn man beobachtet, dass einem bestimmten Menschen auffallend wenig widersprochen wird, sollte man das durchaus für sich selbst als Warnsignal sehen. Welche Rolle spielt man selbst in diesem Spiel, in dem man sich nur soweit verkörpern kann, wie man Geist und das Fahrzeug jeweils in Einklang bringen konnte, eine schöne und herausfordernde Aufgabe bei den Prüfung des Planetenaufenthalts. Das bewusste Erfassen dessen, wie und mit wem ich hier durchgehen möchte, und gerne auch mit galaktischer Inbrunst mich auf das Abenteuer einlassen. Wer hat behauptet, dass es leicht sei. Niemand will es ja letztendlich nur leicht haben, nein, herausgefordert will man werden und freut sich über jede/n, der oder die eine neue Note aus einem herauslocken kann, von der man selbst noch nichts wusste. Und es macht ja auf seiner eigenen Ebene keinerlei Unterschied, ob Eine in der Wüste allein eine meisterliche Trompete spielt, oder ein Vogel singt, oder ein Mensch tief versunken ist in einer Stille. Hauptsache, es schadet mir nicht und den Anderen. Und d a s s und wodurch man schaden kann, das ist auch wichtig zu wissen, denn nur dann kann man davon so erschüttert werden, dass es zumindest dahin (wie Wasser in der Erde) reicht, wo Blumen genug Nahrung erhalten und zum Blühen kommen. Wenn also ein paar Einzelne den Mut gefunden haben, endlich Aussage zu machen über das, was offen sichtlich ist, dann hört man einen guten Klang. Man lernt dann, die Misstöne von den klaren Tönen zu unterscheiden.

niederlassen

Sehen Sie, da stehen Sie
auf einem großen Ball
im All
und bewegen sich durch das Sternensystem,
gebunden nur an die wenigen Regeln des Spiels
und das sich daraus ergebende Möchten.
Wer bin ich, was und wie möchte ich sein, was
war ich, was kann da noch anderes enstehen.
Was ich bin, wird erfasst. Was ich nicht bin, geht
den Weg der Entschlackung. Der grundlegende
Baustein schwingt uns entgegen als Tor.
Wir selbst sind torgeboren. Das verlorene Glück,
in der Tat, ist das verlorene Innen. Wenn nicht
von innen behütet und über die angebotenen
Frequenzen geleitet, geht es diese Straße ohne
Zusammenhang. Zusammen hängen drei Dinge:
das Spielfeld und die Spieler und das Resultat
ihres Zusammenspiels. Mit brennender Stirn ,
werte Freunde, geht man d e n nüchternen Weg,
der einem einleuchten kann. Man kann sich dann,
wenn man möchte, zuweilen am Wurzelstamm des
Weltenbaumes niederlassen und sich vorstellen,
wie es wohl einmal gedacht war, als der Mensch
sich schulen konnte als Hüter/in der Ressourcen.
Das ist nun das Reich unseres Nullpunktdaseins:
Totale Entspannung bei höchster Aufmerksamkeit.
Das Schiff mit eigenem Brunnen an Bord, und
leuchtend im Licht des Morgens.

kein Zurück

Dass wir Menschen uns partout nicht so entwickelt zeigen, wie wir es gerne erwartet hätten (so als ein Ganzes, meine ich), liegt  sicherlich auch daran, dass wir alle den Satz ’so sind sie halt, die Menschen‘ auf Lager haben. Natürlich ist bemerkenswert, dass wir trotzdem  anders sind als alle Anderen um uns herum, doch der Einfluss dieser um einen Herumseienden kann mächtig und prägend für’s Leben sein.Was wir vorfinden, haben auf jeden Fall alle jeweils Anwesenden gestaltet und konstruiert, denn der Geist wendet sich dem zu, was uns anspricht. So werden wir langsam zu denen, die wir sind. Ich bleibe bei allen möglichen Einwänden dabei, dass jeder Mensch einen gewissen Spielraum der Gestaltung hat, und vermutlich wird niemand Nawalny im russischen Arbeitslager vergessen. Aber leider wird es auch wegen ihm weitere Verletzte und Gefangene und Gefolterte geben, da auch das Märtyrer-System sich am Leben hält und sich immer wieder bestätigt. Es gibt sie eben, die Märtyrer, und es gibt auch die Folterer. Dann gibt es natürlich auch Epikur oder die Zen-Meister, in jedem (online)-Buchladen erhältlich, obwohl auch da noch die Hand sich betätigen muss, und wenn es (z.B.) kommt, das Buch, kann es nicht nur gelesen werden, sondern man schlägt zum Beispiel auf Seite 50 auf und liest: ‚Der Weise ist frei von Geschäftigkeit, der Tor ist gebunden durch sich selbst.‘ Das allein hätte schon die Kraft, ein Leben zu verändern, man ist ja nicht blöd, man versteht es ja. Aber zwischen dem Verstehen und dem tatsächlich Irgendwohinkommen wabert der berühmte Schatten eines unlösbaren Mysteriums in Bezug auf des Menschen Anwesenheit in den paar Jährchen, die ihm zur Verfügung stehen. Am Ende dieser (verhältnismäßig) kurzen Lebensspanne sieht man selten genug eine/n  gelassenen und in sich ruhenden Weise/n, der durch das Tor, sagen wir mal: der Quantenphysik geschritten ist, heißt: er oder sie weiß, aus was das Ganze besteht und dass es sich ständig neu definiert und gestaltet, nämlich hemmungslos präzise den eigenen inneren Gedanken und Ansichten entlang, die sich von innen her nach außen auf die subatomare Ebene legen und sie mitformen. Deshalb ist es so spannend zu sehen, ob man das, was man ganz persönlich von sich erwartet, auch manifestieren kann. ‚Man‘ hier mal als Hindi Wort, was ‚Geist‘ bedeutet. Denn darauf kommt es ja an, eben wie das ganz Persönliche weder überschätzt noch unterschätzt, aber auf jeden Fall immer mal wieder eingeschätzt werden kann, ein Reality-Check sozusagen. Und das natürlich nur, wenn man sehen möchte, ob man noch auf selbstbestimmtem Kurs ist und dem Leben, das man führt, von Herzen zugewandt bleiben kann, weil es einen nährt und bereichert, statt einen zu vernichten. Und wenn es in bestimmten Zeiten danach aussieht, als würden Ignoranz und Dummheit pausenlos siegen, so muss man wissen, dass man immer noch frei ist, die andere Seite der Waagschale zu beleben, auch wenn das interessanterweise mehr Mühe zu kosten scheint. Jetzt nicht durch Geld, sondern durch erhöhte Aufmerksamkeit, damit man mitbekommt, wohin der Kompass zittert und wo die Sirenen singen. Das ist alles absolut genderfree, denn wer sich auf die Reise macht, ist unterwegs, und meistens, wenn man es ernst genug nimmt, gibt es zum Glück kein Zurück mehr.

 

Klause

Da, wo nichts zu sehen ist, erschafft man gerne und schnell etwas, was man zu sehen glaubt. Auf dieser Ebene kann der Glaube genau so hartnäckig sein wie der religiöse. Überhaupt ist es simpler, wenn man nicht alles genau wissen will, denn dadurch wird es komplex, und wenn die Komplexität der Wahrnehmungen nicht durchgearbeitet wird, gibt es Stau und geistige Verstopfung, vor allem, wenn man durch sich selbst wenig umsetzt von dem Hereingelssenen und Durchsortierten, sondern immer neue Ware zulässt, bis man den Überblick verliert über das Angesammelte und ein Druck entsteht mit einer Ahnung verbunden, dass man das alles nicht mehr bewältigen kann. Nicht umsonst, ja, gar nicht umsonst haben die Weisen der Erde darauf hingewiesen, dass weniger mehr sein kann. Nicht zuletzt, weil es dann einfacher wird, an den Staub heranzukommen, der sich gerne auf Geist und Materie legt. Von meinem eigenen Pandemie-Durchgang könnte ich (u.a.) sagen, dass ich den Glückskeks gegessen habe mit optimalen Bedingungen, die eine gewisse Gelassenheit ermöglichen, soweit der Zustand des Planeten das zulässt. Denn auch wenn man die Eremit(en)innen-Klause zur Verfügung hat, weiß man doch tief im Inneren, dass es sie nicht mehr wirklich gibt, zumindest kann nur ein Teil in mir in dieser Richtung weiterleben. Ich bade auch nicht häufig in dem noch größeren Glück, lange genug in einer Welt, in diesem Fall der indischen, gelebt zu haben, als Indien noch glaubhaft vermitteln konnte, dass es das Göttliche gibt. Dass hohe Ordnungen, die man wegen ihrer unerbittlichen Logik akzeptiert, einem wie eine liebende Mutter die Kraft schenken können, das Unerträgliche tragen und das Unfassbare fassen zu können. Und daher weiß ich, dass, hat man sich einmal wirklich eingelassen auf eine Erfahrung, zumindest soweit wie es einem möglich war und ist, man einsteigt mit sich in die Dichte des Rätsels. Denn Rätsel wird es bei aller Belichtung wohl bleiben. Man darf ja nicht vergessen, dass ständig alle mitweben am Teppich, und selbst der kostbarste der Teppiche kann fadenscheinig werden und die Muster keine Erneuerung mehr kennen. Und dann gibt es natürlich schon so ziemlich alles, was man denken kann, und die Frage, ob überhaupt unter Menschen etwas Neues geschehen kann, ist und bleibt eine gute und aktuelle Frage. Manche wollen die Reinheit Marias feiern, wie ich heute zufällig im letzten Satz des Priesters vor den Nachrichten hörte, denn sie war wohl auch nach der Geburt des heiligen Kindes viele Tage unrein, bis sie dann wieder rein war und der Junge dem strengen Gott vorgeführt werden konnte. Oder aber Joseph Beuys, der offensichtlich nicht anders konnte, als sich selbst ins Spiel bringen. Das war in seiner Seinskunst schon alles ziemlich frisch, nur kann es natürlich keiner nachmachen, weil niemand außer Beuys Beuys ist, daran sieht man, wie selten das ist. Und vielleicht war es (nur) die Liebe, die in ihm steckte, eine starke Liebe, die sich dem Schein nicht beugte, sondern er hatte sich, über welchen Weg auch immer, einen Raum erschaffen, wo er sich zeigen konnte und sein konnte, wer er war. Das weiß natürlich nur der Mensch in seiner oder ihrer akzeptierten Einsamkeit, wer genau das nun  ist hinter dem, was Andere für eine Maske wie ihre eigene halten, aber vielleicht wissen er oder sie es auch nicht.

gutgehen

Einmal meinte ein Mann während eines Gespräches, er sei doch sehr pragmatisch, also vor allem pragmatischer als ich, und zum Glück fiel mir eine Tatsache ein, die nicht zu leugnen ist, nämlich, dass wir auf diesem Planeten ständig in hoher Geschwindigkeit das All durchqueren, ob das pragmatisch genug sei. Natürlich kann Pragmatismus hier nur im Kopf stattfinden, die Gedanken sozusagen als die dazugehörige praktische Handlung. Ebensowenig ist es natürlich möglich oder angebracht, sich täglich daran zu erinnern, dass ich mich eigentlich nie in einer Bewegungsstarre befinde, oder besser einem selbst kann das passieren, aber ich werde dennoch automatisch bewegt. Auch ordnet man bestimmte Gedanken bestimmten Berufen zu, da, wo sie eben geeignet und nutzbringend sind. Der Eine erforscht die Sterne, der Andere stellt Musikinstrumente her. Aber alle werden mal von etwas Gemeinsamem angehaucht, vielleicht so etwas wie die Angst, verlassen oder zurückgelassen zu werden in diesem Labyrinth der Geschichten, die allesamt nur um den Aufenthalt des Menschen auf dieser Erde gehen. Man grübelt sich z.B. einen Sinn zurecht, der nirgends zu finden ist, merkt aber, dass das scheinbar Sinnlose schwerer wiegt als das an den Sinn Geheftete oder mit ihm Verhaftete. Man hat sich ja im westlichen Denken an die ‚erwiesene‘ Tatsache gewöhnt, dass der Mensch sich vom Affentypus hochgearbeit hat bis zum feinsten Pinselstrich, ja und dann Flugzeuge und Smartphones  und Wikipedia, das raubt einem sofort den Atem. Die vielen Bücher, die um einen herumstehen und einem erzählen, auf wie viele Arten und Weisen man das alles sehen kann, was ja jeder sieht, denn alles ist da. Und wenn etwas dazukommt, dann ist das auch da, neue Worte im Duden, die einem die Zeit nahebringen, in der man lebt. Und dann der tägliche Umgang mit den Welten, in denen man nicht lebt, also in jedem, den man antrifft, eine andere. Die Pandemie hat (u.a.) gezeigt auf vielerlei Weise, wie die Bremse zur Außenwelt hin die Menschen auf sich, also auf uns zurückwirft oder führt, sodass der Fluss der eigenen, eingefahrenen Weltwahrnehmung unterbrochen wird und andere Netzwerke im Gehirn aktiviert werden (können). Ein andauernder Lockdown eignet sich für so einiges, was man auch nach dem Lockdown günstig einsetzen kann. Mich packt zuweilen so ein Gefühl, als bewegte ich mich in einem surrealen Film, in dem alle so tun, als wüssten sie, wo es herkommt und wo es hingeht, dabei weiß es ja keiner. Ich kenne auch die Wirkung eines intensiven Nus, in dem ich es ganz seltsam und unverstehbar finden kann, ein Mensch zu sein. Man gewöhnt sich so schnell daran, das Vorgefundene als einzige Realität zu betrachten, die keine Beweisführung braucht. Dabei läuft die Enträtselung ständig auf allen Ebenen auf Hochtouren, und  das in allen Schattierungen. Denn es gibt auch irritieörende Weisheiten, die alles Konstruierte über den Haufen werfen und letztendlich auf die einfachsten aller Instrumentarien hinweisen. Wie es eben a u c h zu leben ist, das menschliche Leben. Es hat ja keiner behauptet, dass es einem auf der Reise nicht auch gut gehen soll. Denn gerade d a s ist doch, was jeden und jede von uns betrifft und interessiert: Wie man das macht, dass es einem (und auch den Anderen) so gut wie möglich geht. Sonst wird das Ungewisse eine zu große Last.

Arundhati Roy

 

Was ist diese Sache, die uns geschehen ist?
Es ist ein Virus, ja, aber in sich selbst enthält
es keinen moralischen Auftrag. Auf jeden Fall
ist es mehr als ein Virus…Es hat die Mächtigen
in die Knie gezwungen und die Welt zu einem
Halt gebracht, wie nichts anderes es hätte
verursachen können. Immer noch rasen unsere
Gedanken hin und her und sehnen sich  nach
einer Rückkehr der Normalität, indem wir
versuchen, unsere Zukunft mit unserer
Gegenwart zu verknüpfen, und wir weigern
uns, den Riss anzuerkennen. Aber der Riss
existiert. Und inmitten dieser schrecklichen
Verzweiflung bietet es dennoch eine Chance,
die Weltuntergangsmaschine zu bedenken,
die wir uns selbst gebaut haben. Nichts könnte
schlimmer sein als eine Rückkehr zur Normalität.
Historisch gesehen haben Pandemien die Menschen
gezwungen, mit der Vergangenheit zu brechen
und sich ihre Welt neu vorzustellen. Auch diese
ist nicht anders. Sie ist ein Portal, ein Torweg
zwischen einer Welt und der nächsten. Wir können
wählen, hindurchzugehen, indem wir die Kadaver
unserer Vorurteile und des Hasses mitnehmen,
unsere Habsucht, unsere Databanken und die
toten Ideen, hinter uns unsere toten Flüsse und
unsere verrauchten Himmel. Oder wir können
leichtfüßig durchgehen, mit wenig Gepäck, bereit,
uns eine andere Welt vorzustellen. Und bereit
sind, dafür zu kämpfen.

nachvollziehen

Es entgeht ja niemand der Handhabung des Daseins, man ist nun mal da. Und es sieht in der Tat so aus, als gäbe es keine Chancengleichheit. Es gibt überhaupt keine Gleichheit. Sie kann in gewisser Weise künstlich produziert werden, wenn Gleichgesinnte sich suchen und finden unter zuweilen extremen Umständen und Bedingungen. Das kann krank machen und heilend wirken. Und obwohl es durchaus gesund ist, sich mal als Staubkorn im All zu sehen, das erscheint und vorüberzieht und verschwindet, so kann man nicht leugnen, dass es einem besser geht, wenn man an der Grübelei menschlicher Bedingungen und Verhältnisse lebendig beteiligt ist. Jetzt nicht unbedingt aktiv auf den Straßen, obwohl das auch wichtig ist, und man kann sie nur bewundern, die heldenhaften DurchhalterInnen, denen eine sie betreffende Enge einfach zuviel wird,und, mit dem Bewusstsein in die Enge getrieben, muss es zum Ausdruck kommen, will man nicht innerlich zerfressen werden. Es ist auf jeden Fall förderlich, wenn ich weiß, wofür ich mein Leben einsetze. Was mir mein Recht auf innere Ruhe rauben kann. Oder habe ich gar kein Recht darauf, sondern muss mich erst einmal einlassen auf das wilde Getümmel, um überhaupt unterscheidungsfähig zu werden. An vielen krassen Scheidewegen muss man die Richtung wählen und wissen, dass es gar nicht auf eine richtige oder falsche Wahl ankommt, sondern auf eine getroffene Entscheidung. Aber auch das ist nicht immer so, denn da, wo man selbst zu einer Klarheit gelangt ist, da kann es geschehen, dass man sie auch verteidigen muss. Wie geht man vor in der Verteidigung? Welcher Sprache bedient man sich? Denn durch die Worte wird klar, wer man ist, da gibt’s kein Zurück. Oder Störungen und Fehlentscheidungen weisen auf ein weiteres Zurück hin, eben da, wo die Störung eine bleibende Wirkung hatte (auf das Kind), die viel später auftaucht aus dem Verborgenen und Sprachlosen, und nun mit den Anderen ins Spiel gebracht wird, bis sich langsam die Dinge und Vorgänge lichten und gewisse Ordnungen entstehen, die reifere Handhabung ermöglichen. Wenn man erkennt, was man mitgebracht hat und wie man es anwenden kann, möglichst, um immer weniger Schaden damit anzurichten. Nicht, dass ein Lichtkranz am Hinterkopf zu erwarten ist. Zum Glück sind die Höhlen leer, oder ein paar am Wissen gescheiterte Mönche verstecken sich dort über Winter, aber ansonsten ist da nicht mehr viel los, außer dass man sehen konnte, wie seltsam inkompatibel sich Smartphones an aschenen Ohren machten, wo man eigentlich einen Einklang zulassen möchte, den es nicht gibt. Irgendwann ist der Mensch, wie wir ihn kennen, zu Ende. Oder er und sie, die Menschen und ihre Kinder, setzen sich durch und erkennen da, wo es am finstersten ist, eben den Ausgang aus dem Tunnel, kein Diamant, sondern ein ganz normales Licht. Der Mensch also, der irgendwo rumsteht und alles hat, was er oder sie braucht, um das Lebendige zu zelebrieren. Denn ein Fest ist es ja dennoch geblieben, und auch Gestörte und Verwundete können daran teilnehmen, und niemand muss ein Stephen Hawkins sein, dem es immerhin gelungen ist, das Unvorstellbare des geistigen Reiches nachvollziehbar darzustellen.

aufrichten

Das habe ich auch von mir selbst, beziehungsweise vom Umgang mit mir, gelernt, dass man sich beim Verdrehen der Wahrheit erwischen muss, denn u.a. bringt gerade  d a s einen (möglicherweise) zum Interesse an der Wahrheit, oder der Ehrlichkeit, oder dem Willen zur Wahrhaftigkeit. Lügen kann so peinlich einfach sein und ist auf gesellschaftlicher Ebene nicht nur bekannt, sondern wird untereinander gefördert so, als wisse doch jeder, dass gelogen und verdreht werden muss, was das Zeug hält. Und wer es glaubt, also all das Zeug, was einem so wie nebenher serviert wird, wird eben nicht selig. Und ich finde es als Beispiel immer noch interessant, dass sich nach Trumps Verschwinden erst langsam klärt, dass es hier um eine Sekte geht und nicht um eine Partei, eben die republikanische. Wenn also die offensichtlichen Lügen nicht vom Träger gelockert und bedacht werden, und der Moment nicht erkannt wird, wenn man sich von dem Lügenkonstrukt distanzieren muss, in günstigem Fall überhaupt noch kann, dann beginnt man, die Lüge zu verteidigen und empfindet sie langsam als rechtmäßig. Was passiert da innen drinnen, wenn plötzlich mitgestimmt wird, dass Juden wegen Rassenunreinheit weg müssen, so, wie  Narendra Modi das in Indien praktiziert mit den Muslimen. Er glaubt auch, vermutlich wie Hitler und Trump usw.,er sei ein ganz geheimnisvoller und von Gott persönlich ausgewählter und eingesetzter Held, dabei sind sie ein offenes Buch, eine gefährliche Wiederholung der gerne im spannenden Drama besetzten Rolle. Oder auch ein von Impotenz gesteuerter Irrer, der niemals aushalten können wird, was er bereits weiß. Auf jeden Fall ist Lüge die nicht zugelassene Wahrheit. Weil sie auch einfacher ist und den Weg freischaufelt, klar, das kann nützlich sein. Aber da unsere Wesensarten nun mal makelhaft sind, fehlt zuweilen das Maß der korrekten Einschätzung, und wie leicht kann man sich da tun, wenn man alleine rangeht mit dem Gutheißen, wo es vielleicht gar keines ist und nur ich es gut heiße. Es lohnt sich immer mal, mit der Lupe die einen Diktator Umstehenden zu studieren, da sieht man viel, was dazu gehört, wenn man selbst gar nicht mehr da ist, sondern nur eine leere und kalte Form, von brodelnden Ängsten besetzt, die das Labyrinth zum Einsturz zu bringen drohen, und kein Faden weit und breit. Dann hat man bald nichts mehr zu verlieren, denn man hat gar nichts mehr, was man verlieren könnte an innerer Kraft. Dann beginnt die Show, in der d i e mitwirken, die sich bewusst selbst überspielt haben. Man könnte auch sagen, sie drehen das Hakenkreuz nach links. Wer so weit schon gegangen ist, braucht zum Weitergehen einen Entschluss. Man bekennt sich wahrhaftig zur falschen Richtung und sagt dann gelegentlich irgendwo: wer weiß denn schon, was eine falsche Richtung ist. Und es stimmt, nur ich selbst kann das einordnen, bis mich der Zwiespalt nicht mehr im Griff hat. Dafür braucht es eine Menge Erfahrung, denn der Zwiespalt ist das Rückgrat dieser freiwilligen Herausforderung, Klarheit zu erlangen über die eigene Richtung. Sie ist leider nicht ansteckend, aber die Klarheit eines Anderen kann durchaus motivieren, sich aufzurichten vom wundgescheuerten Knie.

begrenzen

 

Ich blickte auf die Architektur meiner Arbeitslage
und sah eine Veränderung. Ganz ohne Frage war
hier das Wüstenschloss. Ich breitete meinen Teppich
aus. Da war mein Fenster mit dem Blick auf das
Niemandsland. Da waren die Rosen und der Vogel
im Garten. Und da stand ich und lächelte mir zu.
Mir wurde klar, dass die Aktivität im Zentrum der
Leere für die Arbeit unerlässlich ist. Da steckte
ich brav das hübsche Schwertlein weg und ließ
mich belehren: Zeit ist eine Begrenzung. Wissen
ist eine Begrenzung. Vergessen ist eine Begrenzung.

erschrecken

Obwohl der Vorrang des sich als erfreulich Zeigenden im eigenen Leben immer ein gutes Zeichen ist, so kann man ab und zu mal ganz schön erschrecken. Oft kommt Erschrecken, wenn man genauer hinschaut, denn dadurch wird es komplex und man hat die Wahl, sich durch das Labyrinth des Denkens durchzuarbeiten, oder man hat den Tanz gewählt, oder den Salto Mortale. Erschrecken kann einen (immer noch) die Lage in Moria. Manchmal steht ein einziges Wort für den Alptraum, der auch unter uns Menschen herumgeistert, oft hinter den Masken verborgen, sodass näheres Hinschauen auch gefährlich sein kann und oft der, der zu viel weiß, nicht mehr ruhig leben kann. Oder man kann erschrecken, weil es nun doch, wie viele ahnten, kein Impeachment gegen Trump geben wird, denn ganz viele Männer dort spielen mit hohem Einsatz im Casino, und das ist nur möglich, weil es keinen Weg mehr für sie gibt, der frei ist. Feige, machthungrige Herren (und ein paar Damen), die gerade noch eine Heldenchance hatten, nun aber gescheitert sind an ganz persönlicher Erbärmlichkeit. Das muss genau d a s sein, was das japanische Sprichwort sagt: ‚Es gibt Wichtigeres als das Leben.‘ Ein wahrer Zen-Streich, wenn einem die Bedeutung klar wird. Nicht, dass man in irgendeiner anderen Haut jemals stecken könnte oder wollte, so kann man eben manchmal einfach schaudern wegen dem, was so alles auf der Erde geschieht, und immer da, wo man aus welchen Gründen auch immer, genauer hinschaut, da passiert etwas mit einem. Vielleicht schwindet der Hoffnungschimmer, oder besser: der Schimmer kann bleiben, nur das Stroh soll gehen, der vermutete Halt, der so oft auf alle Arten und Weisen strukturiert wird, dabei gibt es ihn gar nicht. Oder der Halt, der wirklich hält, ist gar kein Pfosten oder ein Schiffsmast oder ein Mensch, sondern man selbst ist ja ein Rückgrat, und abgesehen davon noch eine Haltung. Wie man sich hält also, oder verhält. Dann gibt es die Verhältnisse, in denen man sich bewegt und wo man Achtsamkeit üben muss, damit die Dinge nicht aus dem Ruder laufen, oder erschreckt wahrnehmen, wie Anwesende von den Katastrophen mehr oder minder überwältigt werden. Wie wach kann man von diesem Traum werden? Frau Merkel nennt die Pandemie eine Jahrhundertseuche und man merkt, dass es nicht so einfach ist, die ganz und gar persönliche Befindlichkeit einzuschätzen, denn man will schließlich wissen, was an der eigenen Quelle los ist, ob die See stürmisch ist, oder ob Windstille herrscht. Und dann über Sturm und Windstille hinaus und hinein in das Gegenwärtige, oder wie man es auch nennen wollte, weil oder obwohl es gar keinen Namen hat.

FFP2-aufmerksam

Jetzt fange ich auch schon an: vielleicht wollen ’sie‘ (die da oben (?)) ihre Lager angestauter Maskenprodukte loswerden und verhängen sie einfach dem Volk als Gesetz. Jetzt muss man das Selbstgewählte beiseite schieben und herausfinden, wie man an so ein Ding rankommt, was sich als einfach entpuppt, denn die meisten wissen schon bescheid. Selbst bei Aldi, höre ich, kann man sie für 89 Cents an der Kasse haben. Alle tragen jetzt diesselbe Maske. Ist das jetzt einen ganzen Satz wert, oder schleust er einen gar in den Urschlund dunkelster Ängste, wo (z.B.) die, die nicht gehorchen, ihres Lebens nicht mehr sicher sind. Hier zahlt man zwar auch einen Preis, wenn man unbedingt keine (Maske) tragen will und dummerweise vom herumwandernden Ordnungshüter sich hat fassen lassen, aber das macht man ja auch nicht. Alle tragen nun (ab heute oder gestern?) diesselbe FFP2 Maske, und auch d a s ist, was ist. Natürlich geht auch ständig was durch einen durch, was nicht nur selbst geahnt oder gedacht oder schon reflektiert worden ist, aber man ist ja auch ständig, bewusst oder unbewusst, am Ausloten des Durch-einen-Durchgehenden. Den sokratischen Satz, dass es schön sei, dass es so viel gibt, was man nicht braucht, konnte ich auch zuweilen im Supermarkt genießen, wo zwei Dinge zu holen sind, die es woanders nicht gibt. Oder doch eine Netflixkarte kaufen, um mal wieder einen guten Film selbst wählen zu können, stimmt ja gar nicht, denn es ist ja Netflix, wo man sich einlässt. Das erscheint uns  allen ja alles als ganz und gar frei, wie man es sieht eben, und die weltliche Grundausstattung ist sicherlich nicht durch einen moralischen Maßstab gezeichnet. Nein, man muss schauen, wie man darin zurechtkommt. Man sagt auch von Katastrophen, dass man darin und daran vieles vom Menschen erkennen kann. Wie verhalten er oder sie sich. Wie viel kann den Einzelnen in einem Volk zugemutet werden. Und was, wenn die Pandemie vorbei ist, und alle tragen noch immer die Maske, jetzt wieder die persönliche mit den bunten Farben und den Sinnsätzen direkt in Mundhöhe, denn man hat das sich Verbergende liebgewonnen und ist nun für seine potentielle Erotik. Der Abstand hat sich auch irgendwie bewiesen, vielleicht kann da ja mehr geschehen als mit der ständigen Nähe. Mal wieder Luft holen als Mensch, und wer war man überhaupt vor der Pandemie und wer und wo ist man jetzt. Eine rege Aufmerksamkeit scheint auch (wegen der Not?) im Gange, oder ist es ein Freilassen von kreativen Impulsen, nach neuen Pfaden suchend? Auf jeden Fall kann die Energie, vielschichtig, wie sie nun mal ist, gut genutzt werden, sie ist ja für jeden frei verfügbar. Und es ist schon verblüffend, dass, wenn man den eigenen Weltspiegel einschaltet und mal so weit wie möglich um sich herumschaut, man fast überall nur Maskierte sieht, und man selbst ist auch Maskierte/r. Schon auch schade, dass es diese klugen Erzengel nicht gibt, die einem spannende Prüfungen vorlegen, die das Herz in Bewegung treiben, hinein in das Ernsthafte und in die Sorgfältigkeit.

 

 

weiter

Und weiter geht die Fahrt. Im Hintergrund, oder wie soll man das Es nennen, brummt der globale Lockdown und wirkt auf ziemlich verborgene Weise in die Synapsen hinein. Was keiner weiß ist vor allem d a s, was dann dabei herauskommt, wie es allen und vor allem wie unterschiedlich es allen ging und geht, je nach Gruppierung oder Ehe oder Kommunikationskunst oder dem Scheitern an dem, was man dachte, so gut zu bewältigen. Oder wenn man eine einigermaßen anregende Bibliothek ihr eigen nennt, kann sie mal herumschlendernd ein Zen-Büchlein herausgreifen und sich noch einmal an den Anekdoten erfreuen, die damals dort die Runde machten und bis heute durchaus aktuell sind. Einerseits das Scheitern am Geglaubten, wenn man es für die bare Münze hält, und wie macht man das, bare Münze erkennen? Entweder es hat mit Geld zu tun und mit dem, was ich damit machen kann und will, oder es hat auch was damit zu tun, dass es schon immer auch einen Anspruch auf das Menschsein an sich gab, wo die bare Münze für etwas steht, was gleichermaßen am Bäcker und am Yogi vorbeigeht, also eher ein innerer Zustand, der sich selbst als glaubwürdig zulassen kann, und wo es auch nicht mehr um Karotten geht, die dann der Leere im Weg sind. Und es ist auch nicht gering, dass nun im Trump-Drama darum gerungen wird, ob er, ganz offensichtlich ein verbrecherischer Täter, zur Rechenschaft gezogen wird, oder ob in den Garderoben schon die Drohungen laufen und sich d i e zeigen, die eigentlich am Strang ziehen und den Vorhang weiterhin brauchen für ihren Auftritt. Auch das Volk kann man nicht immer und überall dumm nennen, so gerne man es zuweilen tut und dann merkt, dass man auch zum Volk gehört, und wie und wodurch sich auch jeweils das Plazierbare ausdrückt. Beim Nachdenken ist mir aufgefallen, dass die Täter tatsächlich viel zu oft entkommen, ja, gar nicht als Täter wahrgenommen werden. So wie Trump, den man innerhalb des Volkes, wenn auch nur durch eine kleinere Gruppe, zum Erlöser gekürt wurde, also zu einem, der sich endlich um sie kümmert und gibt, was sie brauchen und begehren. Der Reinwäscher des finsteren Pädophilenrings, das kann schon sehr abstrus werden, diese Art von Realitätsentfremdung, die man dem blinden Gehorsam zuschreibt. Der beginnt, wenn man sich denken lässt durch außen und bald nicht mehr bemerkt, dass gar keine innere Überprüfung stattfindet, sondern hin und her schüttelt einen der Kampf um den inneren Halt, der ja immer verfügbar ist, zumindest theoretisch, da man nirgendwo anders sein kann als da, wo man ist. Was man damit macht, das ist wahrlich sehr unterschiedlich. Und egal, wie klar das eigenen Programm angelegt ist, also z.B. auch die Route gegen den Strom, so ist es doch auch d a wichtig, die Praxis nicht mit dem Kissen zu verwechseln und mal ein Spiel spielen, oder unterwegs mit dem Pinselstrich.

Good bye Donald Trump

 

Etwas spät, aber nicht z u spät, hier die exzellente Umsetzung des Erleichterten, ganz in meinem Sinne.

eingeweiht

Vor allem gestern konnte man, sorry!, konnte ich nochmal so richtig hineinsinken in die Freude der neuen amerikanischen Präsidentschaft. War doch echt schön und verhältnismäßig entspannt,  das Programm der Einweihung. Viele waren wahrscheinlich auch froh, dass sie nicht hatten sterben müssen. Es gab ein sorgsam ausgewähltes, kulturelles Programm mit einer Poetin auf der höchsten Ebene der Vorstellungskraft. Schwarze so natürlich zusammen mit Weißen, dass man die Trennung der Hautfarben ein fehlgeleitetes Produkt von Gehirnwellen halten könnte. Wann um Himmelswillen fing das denn an, dass sich das Feigenblatt von den Augen löste, und auf einmal sah man, dass viele anders waren als man selbst. Man ist heute ja noch manchmal überrascht darüber, oder hält das Menschliche für eine Selbstverständlichkeit, also etwas, wovon man grundsätzlich ausgehen kann in jedem Herumwandelnden, kann man aber nicht. Bidens wohldurchdachte Rede hat vermutlich den selben Wirkungskreis wie die Egomanie des Vorgängers. Nie weiß man, wann sich wer, wo und durch wen  angesprochen fühlt, aber klar ist auch, dass die Dinge sichtbar werden, auch das immer auf unterschiedliche Weise. Auf der Weltenbühne erschien auch die Königin des Tages, die junge Poetin Amanda Gorman, deren Beitrag ich am Sonntag eingeben werde, damit sie in meinem Archiv dabei ist. Wie oft hört man schon ein Gedicht, dessen Glanz alles überstrahlt, sodass man tatsächlich wieder weiß, dass Kunst auch der Aufstand ist gegen die Banalität, in deren durchgesessenen Aufenthaltsräumen die Maske schon vor der Pandemie Usus war. Frisch ist das zeitlose Alter der Weisheit und kommt zum großen Glück auch in Zwanzigjährigen vor. Man möchte die Hand an die schöne Schläfe legen und selbst den Lorbeer aufsetzen. Auch die der Einladung gefolgten früheren Präsidenten bewegten sich ziemlich entspannt herum, vor allem die Obamas sind menschlich wirklich auffallend angenehm, sowie Kamala Harris und ihr Mann. Man hat eine Weile als Zeugin zuschauen können und sich vorstellen, wie einfach es wäre, respektvoll miteinander umzugehen, weil es in letzter Konsequenz überzeugender ist als jeder Ehrgeiz und jeder Machthunger. Insofern kann man schon sagen, dass ein paar Stunden lang das Tröpfchen Licht im Dunkel gewirkt hat, das ist schon viel, denn wer dabei war, kann es zumindest innerlich nicht leugnen. Und es leugnet auch keiner, dass da ein enormer Energiewechsel passiert ist. Vielleicht ein paar enttäuschte Tyrannen, denen nicht entgangen sein kann, dass in Akt III ein sehr schlechter Verlierer unterwegs war, das hassen sogar Mafiabosse. Einer, zu dem alle gekrochen sind, kriecht zurück in sein eigenes Schicksal, und droht damit, dass er irgendwie wiederkehrt. Und genau da, wo man die Show gerne beendet sähe, geht das Spiel dann doch wieder weiter. Die Fahnen sind weggeräumt, die Lichter des Festes erloschen, Heerscharen von Polizisten aller Art froh, wieder ungeschoren nach Hause zu kommen. Aber wer weiß, vielleicht hätten sie auch gern mal eine tollen Kampf geliefert, dafür werden sie ja schließlich ausgebildet. Ansonsten beginnt die Arbeit. Außer Armut und Krankheit geht es um Täter. Vor allem Täter, die nicht nur keine sein wollen, sondern die sich nicht als solche sehen. Wir haben unten in der Waschküche einen Schalter, der mir hierzu einfällt. Er ist völlig überdreht, gibt aber beim Weiterdrehen immer mal wieder einen lichten Moment her, bis man das Ding irgendwann stoppt. Es fühlt sich ganz natürlich an und gehört nun als akzeptierter Defekt zum Schalter, ja, es wird gar nicht mehr als Defekt wahrgenommen, man hat sich einfach daran gewöhnt, es so zu machen, denn es funktioniert ja. So kann man sich selbst auch anpassungsfähig nennen, wenn man dem zuspielt, und zum Glück spielt das in der Waschküche keine so große Rolle, es dient nur zum Verstehen.

aufrichten

Der Geist muss die Materie durchdringen.
dafür muss die Materie geeignet, der Geist
anwesend und durchlässig sein.
Der Augenblick muss seinesgleichen finden:
durchatmetes Gewebe im Rahmen der
Möglichkeiten. Der Äther gebiert stets neue
Frequenzen, der Boden unter den Füßen
Muster und Raumgefühl. Ich richte mich auf
am Lenkrad der Kräfte und sehe: der Geist
hat sich herausgelöst, das Wunder der
Zeugung vollbracht. Im Tunnel der ehrgeizig
Rasenden macht sich das Ich auf und davon.
Unirdisches Licht des Empfanges.

sympatisch

Datei:Joe Biden, Kamala Harris (collage).jpg – Wikipedia

Am liebsten hätte ich nochmal den Comic herausgekramt, wo Libertas, die Freiheitsgöttin, heruntersteigt vom amerikanischen Sockel und von hinter der Statue hervor vorsichtig flüstert: Isser weg? Jetzt isser tatsächlich weg, und nicht mit so grandiosem Abgang, wie es wohl von ihm visioniert war, nein, schäbig und schändlich geht er von dannen, wen kümmert’s, er wird sich nicht ändern. Selbst in seiner letzten Rede, die gerade herausgekommen ist, schaut man mit fassungsloser Faszination auf diesen für seine Lügen so berühmten Mann, wie er sich die Lügen seiner Amtszeit noch einmal zusammenbasteln ließ von den paar Gefolgsleuten, die noch so um ihn herumhängen, aus welchen Gründen auch immer, und er ist des Lobes voll von all seinen Taten, bis man sich fragt, warum man sich das antut. Nun ja, ich persönlich war ziemlich viel unterwegs in dieser menschlichen Tragödie, und ich denke, es fing an mit einem Kinderwunsch, der sich auch heute noch in mir hartnäckig hält, vielleicht ein wenig gereift und geläutert von allerlei Hoffnungsstroh, was das Wesen des Menschen und seine mysteriösen Ausuferungen betrifft. Die große Freiheit, die es zu handhaben gilt, und in wen ich mein Vertrauen lege. Ja, ich dachte öfters, doch reichlich verwundert, dass das ‚bessere‘ Wissen, das wir auch alle als Barometer in der Grundausstattung haben, dass das Wissen also, das auf allen Ebenen aktiv ist, sich immer weniger durchzusetzen scheint als all das Unheil und die Schädigungen und der Missbrauch und die Empathielosigkeit. Vielleicht ist das Schädigende auch tatsächlich leichter, man schiebt es auf Andere und denkt, damit schaufelt man sich frei. Aber eine Freiheit, die man ständig mit Waffen schützen und mit Gesetzen festigen muss, kann ja nicht wirklich etwas mit Freiheit zu tun haben. Und dann arbeitet noch jeder am eigenen Platz daran, denn auch das Politische ist ja in der Gesellschaft nicht aus den Wohnzimmern wegzudenken, wahrscheinlich am gemütlichsten ist es, wenn Sonntag ist und nach den Nachrichten der verlässliche Tatort kommt, wo wieder Andere Dinge tun, die man mitverfolgen und durchknobeln kann, oder einfach berieseln lassen von den vielen Ideen. Was meinen gereiften Kinderwunsch betrifft, so darf ich feststellen, dass ich eigentlich hochzufrieden bin mit diesem Wunsch, denn kennen wir nicht alle einige Menschen, die sympatisch und liebenswert sind und sich kümmern um das, was sie angeht.  Dann dachte ich:  Ja, ein Bild von Joe Biden und Kamala Harris gehört schon hierher in mein Bewusstsein. Sie machen einen sympatischen Eindruck, Joe Biden tatsächlich etwas farblos und unaufregend, aber auch unaufgeregt, das war wohl die beste Waffe gegenüber dem Tyrannen. Und Kamala Harris, eine der wenigen sich erfüllenden Wünsche, die ich politisch schon seit Jahren hege,  nicht nur für Kamala Harris, aber für von Frauen geführten Regierungssitzen, denen man einen kraftvollen Einsatz für ihre angesagten Werte zutraut. Was aus dem Schuss Gutem wird, was sich hier durchgesetzt hat, wird man sehen. Auf jeden Fall hat sich durch Donald Trumps Abgang und Bidens Antritt inmitten einer globalen Gesundheitskrise etwas Grundsätzliches verändert. Zumindest weiß jede/r, dass alles möglich ist, auch wenn man es selbst nicht gedacht hat. Aber auch, w e n n man es selbst gedacht hat.

Türen


Schrift auf Obstkarton
Seit ich diesem Begriff  „Faktor X – der unbekannte Faktor“ – vor vielen Jahren begegnet bin, begleitet er mich und taucht zuweilen auf, vielleicht wenn besondere Klarheit darüber herrscht, wie unbekannt die Faktoren wirklich sein können, beziehungsweise: meistens sind. Es ist nicht nur das Misstrauen oder der Forschungsdrang, der diesen Faktor belebt, sondern die Tatsache der ersten bis zur letzten Konsequenz des unbekannten Faktors selbst, das Lebendige an sich, das nicht gekannt werden kann, da es sich permanent in Neubildung befindet, egal, wie stabil es scheinen mag. Man kann nicht leugnen, dass die Pandemie u.a. einen Schub gegeben hat in Richtung Nachdenken, und Mitdenken, und Selbstdenken, nicht, dass das alles getrennt stattfinden muss, nein, sondern es kann sich in bestem Fall wie ein Tanz bewegen, alles umeinander herum, ohne sich einzuschränken. Eine Kunst, die auch in Großfamilien praktiziert wird, wenn nichts versteckt bleiben kann, aber alles von einem Wohlwollen getragen wird, auch in Hinsicht auf die Übereinstimmung gemeinsamer und getrennter Werte. Doch was weiß man schon von der inneren Architektur eines anderen Menschen, oder will es oft gar nicht wissen, oder man bekommt keinen Zugangscode, oder ist für gegenseitige Teilnahme zutiefst dankbar. Die Vorstellung von eigenen Wegen kann so immens  unterschiedlich sein. Immer kommt es darauf an, wer am Steuerrad sitzt oder am Weltrand steht, vor sich die gähnende Leere, der Abgrund, die Herausforderung. Welches Spiel? Welcher Einsatz? Auch von Donald Trumps Performance kann man etwas lernen, was nützlich ist im Spiel, und von Martin Luther King kann man etwas anderes lernen. Dauernd bewegt man sich im Unbekannten und muss sich zurechtfinden auf der noch nicht beschriebenen Landkarte. Aber die Landkarte wird es geben, das ist sozusagen das Beweismaterial, nicht für ein hohes Gericht, nein, nur für einen selbst, denn schließlich und endlich ist man dieser Mensch, der (z.B.) mit sich selbst durch eine Pandemie steuert. Was weiß ich, wie es die Anderen machen. Vielen scheint es gut zu bekommen. Es hängt davon ab, wie viel oder wenig gestört der Raum ist, in dem ich die Fahrt durchwandere, mit wem, und wie, und womit. Attention! Please, Attention! Die Passagiere werden gebeten, sich in Raum X zu begeben, um dort dem unbekannten Faktor zu begegnen. Achtung, Achtung! Die unbekannten Faktoren werden gebeten, sich in die Passiere zu begeben.Man sieht einen inneren Raum, in dem das Unbekannte die Flügeltüren öffnet. Ja, ja, es hat Türen.

orten

Wann genau die Komödie tragische Züge annimmt, das ist nicht leicht zu orten. Vielleicht wenn einem das Lachen vergeht, obwohl es doch kaum etwas Gesünderes gibt als das Lachen über sich selbst, ein wahres Nahrungsergänzungsmittel. Immer wieder gibt es irgendwo in einem Land schreckliche Jahre, wo etwas wütet, was keiner aufhalten kann, weil so viele davon profitieren. Da sind in der böswilligen Absicht leider keine Grenzen zu erkennen, eher im Zögern der gutwilligen Richtungen, wo es zwar menschlicher zugeht im Zagen und Zaudern,  oft jedoch die Kraft nicht mehr vorhanden ist, sich gegen das Unheil zur Wehr zu setzen, weil einem nie vermittelt wurde, dass man es kann. Und dann kommt genau so einer wie Trump, der all dieses sich Wehrenwollen  aufbaut auf einem Lügennetz, dem niemand, der darin gefangen ist, wieder entkommen kann. Es ist ja gut, wenn man dem Sterben gelassen entgegen sehen kann, aber wenn so eine vernichtende Todeslust aufkommt, weil schon zu viel verloren ist, das ist gefährlich. Auch Hitler konnte ja seinem Tun nicht ins Auge sehen und hat alle, die noch da waren, über die Kapsel zurückgelassen, das nennt man dann (u.a.) Feigling. Jedoch konnten sie nicht anders, sonst hätten sie’s ja getan. Aber genau d a s war ja sichtbar, eben dass ihre vernichtungsbereite Triebkraft so stark war, dass es die selben Partikel zu sich angezogen hat, denn auch d i e erkennen sich, wenn sie sich treffen. Sie fühlen sich ja im Recht mit all dem geheimen Groll, und dann kann der sich irgendwo anhaften und mitmachen. Hauptsache, es findet einen Ausdruck, da sind sich Licht und Dunkel in ihren laufenden Gesetzmäßigkeiten sehr ähnlich. Auch der Mafia Boss hat einen strengen Moral Kodex, nur, dass hier das Töten und einiges mehr dazu gehört, was nur ihrer Zunft entspricht. Je dichter diese Art von geistiger Materie, also Geist, der schon fast so schwer wie Materie selbst ist, je dichter er also ist, desto schwieriger wird es, einem bestimmten Bewusstsein Einlass zu gewähren, das andere Leitlinien zur Verfügung hat. Und zwar solche, die eher geeignet sind, Licht ins Dunkel zu bringen, oder auch in der Dunkelkammer die Geschehnisse belichten und reflektieren können, damit die Qualität des Bildes überprüfbar bleibt. Das Dunkle ist ein mächtiges Reich, das viele Schlupflöcher bietet und anbietet und verkauft, sodass sich leicht verbergen kann, was sich verbergen muss oder will. Und dann gibt es auch hier die Felder, die Früchte tragen werden, gute Früchte, warum nicht. Nelson Mandela hat uns ja beigebracht, dass das Gute schwer ist, weil es nicht von selbst kommt. Auch wenn es von selbst kommt, was macht man dann damit, denn das bleibt ja nicht einfach bei einem. Auch die braune Farbe blieb nicht einfach an den neuen Nazis hängen, sondern irgendwo gab es diese Nahrungskette, die zu den ihnen bestimmten Resultaten führt. Ursache und Wirkung. Input und Output, geradezu beklemmend einfach in ihrer Wirkungskraft. Geradlinig, logisch und eindeutig, und ganz klar auch praktikabel und überprüfbar. Nun lagert im Ungewissen ja auch die Frage, wie sehr man an sich gebunden ist, und ob es eine Befreiung gibt von dem, was man meint, zu sein. Also nicht von dem, was man wirklich ist. Auch da, wo Lockdown erzwungen wurde und wird, gibt es Folgen, die abzusehen sind. Und dann wiederum gibt es die Geschichte der Erzeugung des Diamanten, der aus der schwärzesten Schwärze herausgebildet wird und dann leuchten kann als das, was a u c h in der Dunkelheit steckte.

Afrikanische Weisheit

(aus einem Interview mit
Dr. Maya Angelou).

 

“ Sei vorsichtig, wenn
eine nackte Person dir
ein Hemd anbietet.“

 

 

wirksam

Das Gespinst eines apokalyptischen Szenarios kann einen durchaus selbst mal streifen, sozusagen mitten im Ungewissen die Frage: was, wenn…? Was, wenn (sammle ich jetzt mal kurz ein paar flüchtige Beispiele) immer neue Mutationen erscheinen, für die wieder neue Impfstoffe entwickelt werden müssen, oder die Milliarden gehen tatsächlich mal aus, auch der Schuldennachschub, oder alle Lazarettbetten der Welt sind nicht nur belegt, sondern es gibt auch niemanden mehr, der sie betreuen kann, die Kranken und die Sterbenden. Ich fände eine Welt ohne Cafés und Restaurants auch unerträglich, einfach weil sie beim Leben nicht fehlen sollen wie vieles weitere und für jede/n auch persönlich was anderes, was er nicht missen kann, ohne auf Dauer Schaden zu nehmen. Nicht jede/r hat die Kraft, dem Unausweichlichen ins Auge zu sehen. Wann wird etwas unausweichlich? Man schaut nochmal leicht ermüdet zum amerikanischen Alptraum hin und kann nur hoffen, dass Biden dem Ansturm dieses Unausweichlichen gewachsen sein wird. Vermutlich wurde ein amtierender Präsident selten so wenig beneidet als er: die Pandemie außer Kontrolle, der Vorgänger, der ihn schon einmal dazu treiben konnte, ihn einen albernen Clown zu nennen, der die Klappe halten sollte. Was, wie sich nun herausstellt, historisch förderlich für alle gewesen wäre, also wenn der Clown die Klappe hätte halten können, was er nicht konnte. Und nun muss man sie weiterhin fürchten, die Worte, die da herauskommen aus dem schwer in seiner Selbstwahrnehmung Geschädigten, wenn man das überhaupt Selbstwahrnehmung nennen kann, besser Selbsteinschätzung. Eine fehlende Fähigkeit zur Selbsteinschätzung. Es ist selten, dass das Ausmaß solch einer inneren Leere betrachtet werden kann. Es ist so etwas wie eine weißflimmernde Leinwand, auf die jeder projezieren kann, was er sehen möchte. Auf eine geradezu unheimliche Weise saugen sich Ähnlichkeiten an dieser Form fest und erscheinen den Projezierenden als ihr eigenes Bild, nur in von ihnen verklärter Variante. Sie fühlen sich verstanden, weil einer ihren Schein tragen kann. So werden dunkle und hellere Götter geboren und spielen Jahrhunderte und Jahrtausende lang mit den herumwandernden Gehirnen die Epen durch, so als könnten sie tatsächlich den Flüchtlingen eine Heimat bauen, oder den Hungernden Nahrung zukommen lassen. Es stimmt, dass wegen ihres Glaubens viele geholfen haben, aber diese Gläubigen stürmten auch das Capitol, um die vermuteten Verräter zu enthaupten und ihren vermeintlichen Seelenretter zu retten. Der saß allerdings lachend vor der Kiste, als diese Idioten sich abmühten für ihn und bereit waren, ihr Leben zu opfern. Also was, wenn jetzt noch schwerere Geschütze auffahren, bis alle merken, dass da eine Menge Lebensmüde unterwegs sind, die den Tod für den Führer als letzte und einzige Heldentat begreifen, während der Anstifter zu Mord und Totschlag mit dem Flugzeug nach Dingsbums, wie ich es absichtlich nenne, geflogen ist, wo sie ihn allerdings auch nicht haben wollen, was nicht weiter beschäftigen soll. Doch, ob es noch jemand schafft, ihn zur Rechenschaft zu ziehen, wo rechtmäßige Rechenschaft kaum mehr möglich ist, aber doch: einfach, weil es sein muss. Gleichzeitig versuchen Heerscharen, jede Lücke des Vorstellbaren zu sichern. Aber niemand hat auch nur eine Ahnung, was wirklich geschehen wird. Im Science Fiction  Thriller könnte zum Beispiel Kassandra, eingereist aus Zen-La, sagen: Eine seltsam tiefe und gleichzeitig dröhnende Stille bewegt sich durch die Netzstrukturen hindurch und über sie hinaus, Hier finden Wirklichkeit und Wirksamkeit ihren Nährboden.

 

wohin

Das Bild ist ein Ausschnitt aus der neuen ‚Zeit‘-Titelseite und ich fand es grundsätzlich und speziell eine gute Frage, wo Wut, wenn sie auftaucht, hingeht. Man kennt das ja von sich in kleinerem Ausmaß, dass man sich immer mal wieder mit dem Gefühl der Wut oder des Ärgers oder der Empörung befassen muss und sie auseinanderhalten lernen, nämlich wann ist was angebracht und wann keineswegs. Dass die Welt und wer darin auch immer möchte, gerade zuschauen kann, wie sich der amerikanische, vierjährige Intelligenz-Lockdown langsam einen Ausweg sucht, der keine Hintertür mehr ist, das ist einen politischen Aufatmer wert, war doch auch in diesen Jahren das Staunen dort zuweilen mit einem Schatten verbunden, der immer größer zu werden drohte, wie in einem Märchen, wenn alles viel, viel schlimmer kommt als man dachte, und dann kommt der Schrecken‘, und dann die Erkenntnis, dass es noch viel schlimmer ist, als man zu denken wagte. Dann sieht man u.a., was ein einzelner Mensch anrichten kann, wenn die Schachfiguren und die Spielregeln über den Haufen geworfen werden und nicht genug Geister sich rechtzeitig zur Wehr gesetzt haben, nein, immer schön mitgespielt und sich daran gewöhnt, auch so zu denken wie ein Anderer, weil so viel Profit darin lag und liegt in der Nähe der Macht, nur, wohin geht dann die Macht? Und genau, wie wir uns anfangs über die Kleidung von Angela Merkel lustig gemacht haben, so war Trump eine ganze Weile gut für amüsantes Unterhaltungsmanöver. Da wusste man noch nicht, dass es über 70 Millionen davon gibt, denn diese Art von Selbstherrlichkeit rotiert auch unter Frauen, vor allem, wenn sie gewohnt sind, ihren Männern Folge zu leisten, weil der ihnen das beibringen konnte. Zuweilen rätselt man, wie das sein kann, weil man doch einfach nur genau hinschauen muss. Und ja!, inzwischen weiß ich es auch, dass jede/r anders schaut und was anderes sieht und überhaupt selten von außen beurteilt werden kann, weil die interessanten Einzelheiten sich ja alle innen abspielen. Wenn ich allerdings meinen inneren Verdauungsapparat  nicht geschult habe zu ergründen, was ich vom Außen her in mich hineinlasse und dort zu meinem Denken verarbeite, dann staut sich das ganze Zeug an und wühlt und rumort und kommt nicht zur Ruhe. Dann erscheint auf der Bühne so ein geistiger Trampel wie Trump und kann fast mühelos vermitteln, dass er mehr hat von allem als alle anderen. Davon wollen dann die Anderen auch was haben, obwohl, wie sich herausstellt, es gar nicht existiert, denn er existiert gar nicht, der blühende Trump-Tower, nein, er ist vollkommen marode. In der Zwischenzeit ist das Spiel so weit gegangen, dass es nicht mehr beendbar ist. Das Labyrinth ist sozusagen überfüllt, und der rote Faden nicht mehr sichtbar, wenn es denn einen gab. Dann sieht eines Tages jemand klar und deutlich, dass der Kaiser nackt ist und staunt, dass man es vorher nicht sehen konnte. Man konnte es aber sehen, hat aber geflissentlich darüber hinweggelächelt, wovon das Lächeln falsch wird. Günstig ist, wenn das Ganze tatsächlich so weit geht, dass eine Grenze erreicht ist, wie eben jetzt der Angriff auf das Capitol. Ganz und gar abstoßend die neue, säuselnde Rede des dazu gezwungenen Mannes, dass jetzt alle Frieden haben wollen. Abstoßend, wenn es so klar geworden ist, wie es wirklich ist. Dann muss man den Kerl noch irgendwie loswerden, ein weiteres (philosophisches) Problem. Wie wird man etwas, was man selbst in die Welt gesetzt und als schädigend erkannt hat, wieder los? Das ist schwer, man kennt das ja von sich selbst. Wann verliert man den Überblick, und wann wird (z.B.) ‚Einfach leben, hoch denken‘ zur Vorzeigekarotte. Vieles kann und muss man sich selbst beantworten. Für manches findet sich keine Antwort, und vielleicht wird es auch keine dafür geben.

furchtlos

Weltweit tut weit sich die Welt auf.
Wir sind innen im Akte des Buches.
auf neuen Wegen zwischen den Linien
des Seins. Wir wurden eingeladen zu
dem Drama auf Erden. Wohl mag die
Erde gerade erscheinen als Bann, als
ein Fluch. Doch ist sie auch ein Land
für die zeitlosen Surfer des Übergangs,
der Tunnel als Halle der Landung. Der
sich dehnende Finger des Lichtes weist
auf das endliche Nichts der Gedanken –
schon bewegt er die Schranken
zwischen sich und dem Fluten des Alls.
Da wurde ich furchtlos gegenüber dem
Glanz meines Schicksals und empfand
mich inmitten des Staubes an die
Quelle des Nektars gebunden.

klicken


Transgender Schneefrau
In düsteren Zeiten muss man dem Humor seine Fähigkeiten zuspielen lassen, auch wenn sie oft simpler Art sind und günstigerweise einen selbst betreffen in den weniger heldenhaften Momenten, wenn die Spinnweben einen rufen oder das Steuerrad mal wieder nachpoliert werden muss. Stumm können sie einen ansehen, die Dinge, die aus-und durchsortiert werden wollen, weil Corona sich so prächtig dafür eignet, man ist mehr zuhause und hat archivierte Reisepläne. Dabei merkt man, dass sich die geöffnete Zeit eigentlich vor allem dafür eignet, ruhig dazusitzen und das Ganze auf sich wirken zu lassen. Alle sitzen ja in einem Ganzen drin, das reicht von sich selbst bis in die Weiten des Universums, die voll sind vom Ungewissen, und zwar von dem, was wir tatsächlich nie wissen werden. Das hat auch eine außerordentlich beruhigende Wirkung, denn irgendwie ist vielen aufgefallen, dass es hier  vor Ort eine Menge dringender Aufgaben zu erledigen gibt, damit das potentielle Abzwitschern vom Planeten keine peinliche Farce wird, während in den Flüchtlingslagern immer noch Kinder von Ratten angefressen werden, weil die Lösungen nicht hervorgebracht werden konnten. Konnten es eben nicht, weil es schwer ist, sich hineinzuversetzen in das Leid der Anderen. Und besonders schwer wird das, wenn man beschäftigt ist vor allem mit den eigenen Beklemmungen und einschätzen lernen muss (kann), was hier der eigenen, persönlichen Fürsorge bedarf, damit aus den Monadenfenstern Tore werden können. Auch innerlich kann man architektonisch renovieren oder einen ganzen Neubau dazufügen, in dem z.B. kreative Kräfte keine Begrenzung erfahren, oder man baut Gärten genauso, wie man sie möchte. Auch das etwas tiefere Beschäftigen mit politischen Situationen kann ziemlich anregend sein, wie ich mit dem amerikanischen Drama  erfahren habe und immer noch erfahre. Mit jedem weiteren Detail aus allen Richtungen über ein Thema wird der Inhalt natürlich komplexer, und es ist ja gerade die Komplexität, die den Raster bildet für präzisere Wahrnehmungen, da man letztendlich immer wieder mit sich allein ist und den gedanklichen Verdauungsapparat in Gang setzt, um die vielen Eindrücke mit dem Auge auszutarieren und in eine Balance zu bringen. So i s t es einfach: man schaut Trump zu und kann es nicht fassen, dass das, von was man ausgeht, für Millionen von Menschen s o anders aussieht, dass man die Fassung verlieren könnte. Hätte man nicht im Land einen sehr dunklen, historischen Nachhall, der immer mal wieder ins Bewusstsein dringt und die unbeantworteten Fragen beleuchtet. Wie kann es sein, dass eine so peinliche Witzfigur wie Hitler eine Welt mit blonden Haaren und reinem Blut erfinden konnte und so viele andere das offensichtlich so einleuchtend fanden dass ihnen kein Preis zu hoch war. Zurück zur Schneestille und danke, dass mir auch die drei Minuten Nachrichten auf den Wecker gehen können und ich dann tatsächlich abschalten kann. Einfach klick!, und weg ist es, und man behält durch solch kleine Gesten die Möglichkeit weiterer Spielräume.

hinweisen

Das Wohngebiet, in dem ich lebe, ist gerade ein ‚Hotspot‘, ein weiteres Wort, das man am liebsten nicht oft aussprechen möchte, so wie Inzidenzwert oder Impfzwang undsoweiter. Natürlich ist ein Hotspot auch kein Ort, wo man nach Poesie Ausschau hält, nein. Man hält sich, nachdem man davon gehört hat, also vom Anschleichen des Ungewissen, hält man sich zurück, jetzt nicht mehr oder weniger als gestern und vorgestern, nein, sondern man kann, wenn man möchte, wahrnehmen, wie gut es einem unter den gegebenen Umständen geht. Zumindest von diesem Land kann man sagen, dass die allgemeine Grundausstattung ziemlich gut gewährleistet ist, sodass selbst der Obdachlose im Winter einen Platz hat und was zu essen. Ich denke immer noch, dass das bedingungslose Grundeinkommen eine brilliante Idee gewesen wäre oder eines Tages sein wird, sodass sich ein Großteil der Bevölkerung über Wasser halten kann. Überall begegnet man auch der Grenze des eigenen Denkens und begreift vielleicht nicht wirklich, wie und wo sich innerhalb von ein  paar Stunden so viele Menschen mit dem Virus anstecken können. Deswegen lasse ich zur Zeit öfters mal das Meinen in Ruhe, das fällt nicht so schwer. Was auffällt, ist ein weiteres Wort, das eine gewisse Substanz erhalten hat, dadurch, dass es so willkommen geheißen wurde, und das ist ‚dürfen‘. Wie immer entspricht es dem Wunsch der Menschen, die gerne etwas eingetrichtert haben möchten, nicht als Anregung zur Reflektion, sondern als Glaube, der leicht Gesetz werden kann. Ich kenne das von der Meditationsausbildung. Da darf man vieles für diese Zeit der Praxis nicht mehr, das kann vorübergehend einleuchten, vor allem, wenn man es versteht in seiner aus dem Kontext hervorgehenden  Logik. Aber schnell wird das Dürfen zum Müssen, und Hierarchien bilden sich zwischen Knoblauch und Samenkorn. Ich bin auch jetzt dankbar und froh, dass ich ein Fenster zur Welt habe, von innen nach außen sozusagen, das ist eine eher freiwillige Geste, die keinen unnötigen Erwartungshaltungen unterliegt. Es sagt auch nichts aus über die Substanz eines Vorgangs und nichts über den Zugang zu diversen Archiven., aber es sagt etwas aus über die Art und Weise des Blickes in die Welt hinein und auf die Welt und ihre Menschen und Vorgehensweisen, mit denen wir alle ständig beschäftigt sind.  Diese Trauer und diese Enttäuschungen etwa, und dieser Ärger und diese Ohnmacht, und dieser im Stillen sich gestaltende Anspruch an die eigene, ganz persönliche Wanderung durch die Irrgärten hindurch und am Faden der Labyrinthe entlang, und eben nicht an den Mast gebunden, sondern auf eigene Weise durchgekommen  und trotz allen unermesslichen Prüfungen nicht in der Tragödie gelandet, sondern in der Wärme des Spieles, wo es um vieles geht, wenn nicht um alles.  Was ist das alles, worum es wirklich geht? Neu ist, dass es überall stattfinden kann, oder war das auch schon immer so, nur vielleicht nicht so dringlich. Deswegen ist auch der Hinweis nicht verwegen, dass die Zeit innerhalb des Virusgeschehens durchaus genutzt werden kann für Zeiträume, die sonst nicht zur Verfügung stehen. Einerseits sieht man Kassandra in den Zoomkonferenzen sitzen, andrerseits deutet Kairos, der Schicksalsgestalter, auf die inneren Plattformen hin. Alles nur Hinweis.

loswerden

Die tragische, amerikanische Komödie nimmt ihren Lauf. Einerseits hat sich das Ungewisse durchgesetzt, und andererseits hat man einst  Gesetze verankert, die spontane Handlung nicht mehr ermöglichen. Alles scheint gesichert gegen Missbrauch, und überall wird trotzdem missbraucht. Und die großen Fragen tauchen auf wie von selbst und man kann gefordert sein auf vielen verschiedenen Ebenen. Wie, zum Beispiel, wird man etwas wieder los, was man in die Welt gesetzt hat. Oder unbedingt wollte, obwohl es einem offensichtlich gar nicht entsprach, man brauchte es nur für eine Zeit. Einen Menschen außer Aktion bzw. Amt zu setzen, ist noch einmal etwas ganz anderes. Wohin mit ihm? Ein Körper ist groß, und kriminelle Handlungen müssen erforscht und bewiesen werden. Ein Präsident steht nicht über dem Gesetz, heißt es. Aber überall sitzen schon Präsidenten, die sich selbst so gut verkaufen konnten, dass auch ihre AnhängerInnen denken, das wäre die richtige Figur als Erlöser, sodass man sich getrost dem persönlichen Kleinkram wieder widmen könnte oder konnte. Bis man, wenn man Glück hat, begreift, dass man auf einer gefährlichen Fährte gelandet ist, denn man hat für bare Münze genommen, was jemand gesagt hat. Etwas, wovon man wsste, dass das einfach nicht wahr sein konnte, was man da gesagt bekam, aber man hat trotzdem weiter gemacht, bis es endlich zu spät war. Damit die Finsternis ihre unerbittliche Tiefe zeigen kann und die Erschütterung am rechtmäßigen Platz stattfindet. Wer sich verkauft hat, dem geht es nicht gut. Wenn sich unerbittliches Bewusstsein über das eigene Tun durchsetzt, entstehen Qualen, die schwer auszuhalten sind. Gewissensbisse und das ‚Too late‘, bei dem man sich irgendwo verrechnet hat und man nun sehen muss, wie die Rechnung nicht nur nicht aufgeht, sondern der Verlust total ist. Bei Donald Trump ist das Unvorstellbare eingetreten. Schon lange hält er, berichtet man aus seiner Nähe, das, was er tut, für das einzig Wahre. Es brauchte auch einen Hitler, der so vehement vermitteln konnte, dass alle Juden vernichtet werden mussten für den hohen Zweck seiner Zwangsvorstellung, und dadurch die Resonanz der Gleichgesinnten traf. Man kann dann schon erschreckt sein über die Anzahl der Gleichgesinnten. Was heißt ‚gleichgesinnt‘. Vielleicht eher haltlos und unzufrieden mit dem, was aus ihnen geworden ist, wo sie doch dachten, so was ganz Verehrungswürdiges zu sein. Und wenn diese Art grusliger Show dann eine Weile gelaufen ist, wird es immer schwieriger, dem ganzen Konstrukt zu trauen. Jahrelang haben sie alles mitgemacht, obwohl die meisten wussten, was da abgeht, und jetzt geht erst einmal gar nichts mehr. Schlimm ist es, wenn auf einmal genug Menschen einen anderen aus dem Weg haben wollen. Das ist geeignet für Mafia Gesetze, aber hier wird um ein politisches Konstrukt gerungen, dessen Realität vernachlässigt wurde. Und endlich ist es nicht mehr zu verheimlichen, dass hier, wie in einigen anderen Ländern, ein Vernichter sitzt, dem das Wohl seines Volkes vollkommen egal ist. Einer, der nur an sich selbst denkt, was das genaue Gegenteil ist von der Bemühung, bei sich selbst anzukommen. Am wohlsten, kann man beobachten, fühlt sich Trump, wenn die leere Dürftigkeit seines Gefäßes als Erlöser gesehen wird, der auserwählt ist, das Gerechte in die Welt zu bringen. Was anstellen mit so einem Mann. Wie etwas loswerden, was eingebrannt ist in die Gedankengänge so vieler Followers (und als real deklariert).