
Auch wenn die Menschen in dieser Kultur nichts Außerirdisches zur Wachheit drängen würde durch die Rituale, das Beten und die täglichen Pflichten, würden es immer noch die vielen anderen Menschen und Tiere. Wenn ich aus dem Westen komme, kenne ich dort zwar auch das Umgebensein von Menschen, wobei es meist nicht mehr sind als….na ja….sieben (mit Gästen), oder mal auf einer Einkaufsstraße in der Stadt, wenn es sein muss, oder irgendwas hat gerufen, wie neulich, als wir zusammen mit ungefähr 1000 anderen Interessierten in der Philharmonie die Story von Orpheus und Eurydike, und vor allem den orphischen Counter Tenor genießen durften, bevor das Zusammensein mit den Wenigen wieder vorherrschte.
Aber hier in Indien ist Wachsamkeit unter den Vielen Tagesprogramm. Die Anforderung nach Resonanz habe ich über Jahre hinweg gelernt, da ein Übersehen oft Folgen hat. Hier im Dorf wissen die meisten nicht, dass ich mit sehr vielen Einwohnern ähnlich freundliche (und losgelöste) Beziehungen habe. Ich bin sowas wie eine Ureinwohnerin, die ihre eigenen Wanderwege durch den Strom des Daseins erschaffen hat. Das kann manchmal sehr viel Grüßen bedeuten und sehr viel Teetrinken.
Dann die Tiere. Kaum sitze ich am Wasser, heißt es, mit Hunden und Kühen und Bullen umzugehen, die einen auch, wenn man nicht aufpasst, Treppen und Mauern runterschubsen können. Bewegt man sich außerhalb des eigenen Dorfes, muss man auf andere Dinge achten: maßloses Durcheinander von Autos, Motorrollern, Rikshas, Scootern, Dieben, Händlern, Bettlern. Noch habe ich keine eingehaltenen Regeln entdecken können. Man versteht sich und beugt sich, wenn man muss, und muss ja so vieles, vor allem Regeln übersehen, was die bewegliche Struktur ermöglicht.
Aber kollektiv von der Regierung bzw. Narendra Modi zu etwas gezwungen werden, wie es gerade geschieht, da bezweifle ich doch, ob das letzendlich gelingt. Noch spielt man Schaf im Kollektiv. Das kann dauern. Man hört herum bei anderen, bis die eigene Meinung klarer wird. Das kann sich in jede Richtung entwickeln. Daher:
Auge sei wachsam!














Heute verlasse ich die westliche Sphäre und überlasse mich der Navigationsfähigkeit eines Air India Piloten, dem ich vertrauen muss, mich sicher an den gewünschten Zielpunkt, nämlich nach Delhi, zu bringen. Obwohl ich in diesem Transit ziemlich geübt bin, ist es doch immer wieder eine neue Herausforderung, sich auf ein vollkommen anders funktionierendes System einzulassen als das, in dem man „zuhause“ ist. Auch hier gilt: je tiefer die Kenntnisse darüber werden, desto komplexer wird es zuerst einmal, bevor man wieder eines Tages zu ursprünglicher Leichtigkeit zurückfindet, u.a. auch, weil man das Navigieren in der anderen Kultur gelernt, das Auge darin geschult und die eigene Art, sich darin aufzuhalten, gefunden hat. In Indien angekommen, wird es einige Tage dauern, bis ich wieder in meinem Wohnort eine Internetverbindung habe. Ich bin fest entschlossen, weiterhin meine Beiträge in den Blog zu „posten“ und bin gespannt auf neue Formen und Farben. Ich bedanke mich von ganzem Herzen an alle, die ab und zu mal meine Beiträge lesen, denn sie sind ein freies Angebot und mich selbst hat überrascht, dass es mir sehr viel Freude bereitet hat, seit dem Juni dieses Jahres auf diesem neuen Weg unterwegs zu sein. Ich wünsche gute Navigation auf allen Wegen im Bewusstsein darüber, dass man die Route immer wieder neu optimieren kann, ua auch durch Bestimmung der Eigengeschwindigkeit.

























