Deewani Mastani

Das Video (unten) zeigt eine Szene aus dem Film, den ich mit  Freunden aus Delhi gesehen habe. Ich wollte nach Jahren mal wieder einen indischen Streifen sehen, und nicht nur die pompöse Ausstattung hat mich überrascht, sondern auch diese ausgeprägte Fähigkeit der Inder zu höchsten Formen des Klischees und einer dramatischen Traumwelt, die im sogenannten realen Umfeld niemals anzutreffen war und ist. Der Film ist der Traum, den jede/r träumt. Da wird getanzt und gesungen, was das Zeug hält, obwohl sich einiges auffallend verändert hat. Die Frauen waren immer schon ansehnlich bis schön, aber die Männer gehen eifrig in die Muckibude, und so muss irgendwann das Hemd runter, damit man das Resultat der Arbeit sieht. Die Erotik knistert ungehemmt vor sich hin, aber Küssen und alles mögliche Sonstige ist immer noch tabu, aber was man sieht, reicht durchaus, denn man versteht die gewaltigen Emotionen, die hier in vielen Turbulenzen sichtbarer und spürbarer werden als alles Gezeigte es kann. Irgendwie faszinierend. Man versteht vor allem, dass in den meist langweiligen Haushalten die Überdramatik dieser Performances mehr als willkommen ist, denn hier kann man miterleben, wie das Heldenhafte aufblüht in kraftvolle Taten, bei denen auch Frauen maßgeblich beteiligt sind. Auch Mastani tanzt nicht nur vor dem Prachtkerl herum, sondern sie ist Schwertkämpferin und mindestens so mutig wie er. Man sieht auch, dass Bollywood jetzt den nötigen Zaster hat, um jede Illusion zu ihrem Glanz zu führen, wo Lieder und Tod der Helden und Heldinnen in der Psyche verankert bleiben. Hier ein kleiner Ausschnitt.

Zusammenspiel der Gegensätze

II.

Ja, wir stehen mittendrin in der Zweiheit und
ergänzen uns selbst, indem wir das Unvereinbare
verbinden, das Lautlose hörbar machen und das
Hörbare lautlos und es zulassen, dass in manchen
Ländern der Mond weiblich ist und die Sonne
männlich. – und umgekehrt. Das extrem Weibliche
i  s t  das extrem Männliche. Wir fühlen uns zögernd
durch das Verhältnis der Gegensätze zueinander
hindurch und nähern uns einer Ahnung, wie es sein
kann, wenn das Ich sich ergibt und das äußere Bild
verblasst und der Geist nur e i n e n Ort hat zum
Aufenthalt. Wir leben in der sichtbaren Abwesenheit
aller Farben und gleichzeitig in der Summe des Farbigen.
Es ist uns ermöglicht worden, die Spannung der Pole
zu erfassen und aufzufangen in einem einzigen Ton.
Wir sehen Lichtstrahlen, die abhängig sind von einem
Hauch von Materie, um sichtbar zu werden im Raum.
Wir haben Angst vor fremder Finsternis, die in uns
lauert als das eigene Selbst. Ach, zwischen dir und mir
steht dieser Widerspruch, das Unmögliche, das nach
dem Möglichen sucht, ohne das es nicht sein kann.
Wir wohnen in der Wechselhaftigkeit von Ja und Nein
und haben nichts als diesen einen Punkt, an dem wir
uns begegnen, heute, hier, im direkten und virtuellen
Raum des Geschehens, dem Strom der fließenden Zeit.

 

Zusammenspiel der Gegensätze

I.

Gegrüßt sei der ewige Widerspruch,
der lebendige Widerspruch.
Gegrüßt sei das unsterbliche Ja,
denn es trägt in sich das
befreiende Nein.
Ja, wir wohnen im Gegen-Satz, und unsere
Werke leben fern von uns in ihren Gärten.
Wir alle wollen uns selbst sein, und sind
doch nur der Spiegel eines Anderen, das in
uns lebt als Wir, die Wahl also schwerfällt
zwischen dem, was uns erhebt und dem,
was uns am Boden hält. Man weiß nicht,
ob der Körper ein Gefängnis des Geistes ist,
oder der Geist eine Last für den Körper.
Wir wohnen im Zwiespalt – in scheinbar
unversöhnlichen Kluften – und kennen das
Nichterträgliche ungenügender Liebe noch
nicht, noch nicht genug. Wir sind vertauschbar
ohne ersichtlichen Grund und träumen
heimlich nachts mit offenen Augen von der
bewegten Stille, die unsere Sehnsuchtsgesten
ins Unzertrennliche führt und in die formvollendete
Zwanglosigkeit. Schwarz ist hier ein hilfreiches
Wesen, das uns liebt mit seiner unauflösbaren
Fremdheit. Wir können sie ertragen, die
Hochspannung ungeborener Möglichkeiten im
eigenen, inneren Raum, in dem Ende liegt und
Anfang zugleich. Wir leben im Weiß, im Marmor,
in der Perle. Ein Weiß, in dem alle materiellen
Eigenschaften und Substanzen verschwunden sind…

> II

Wir werden sehen

Als meine Augen heute früh beim Nach-Denken über unsere gestrigen Gespräche (ich verbringe hier auf Einladung Shivanis drei Tage, da die junge Familie aus Delhi gemeinsame Freunde sind) über die Gästebettdecke streiften, fiel mir auf, dass die Essenz unserer stundenlang dauernden Unterhaltungen bereits auf der Baumwolle gedruckt waren.  In der Mitte (Leintuch) die Proteste der Studenten, links und rechts (Kopfkissen) die beiden Parteien, die sich kriegerisch gegenüberstehen, für und gegen das Gesetz, um das es m.E. gar nicht mehr geht, sondern der Kampfgeist ist geweckt, die Sache läuft und die Folgen sind unabsehbar. An einem bestimmten Punkt, wenn es schon genug Tote und Verletze gegeben hat, ist es fast unmöglich, den Aufruhr wieder einzudämmen. Auch psychische Phänomene wie die Lust am Untergang schleichen sich ein. Vielleicht meinte meine Mutter das auch, als sie manchmal in ihren Kriegsanekdoten vom ‚Tanz auf dem Vulkan‘ sprach, eine Art innerer Enthemmung im Angesicht lebensbedrohender Gefahren. Oder wie die indische Hausfrau in das Mikrofon sagte, dass sie bereit sei, für die Sache zu sterben. Klingt vermutlich irgendwie tapfer in Revoluzzerohren, aber meine Güte, wieviel sinnloses Menschengemetzel ist dabei immer wieder passiert, und dann der schmerzhafte Rückblick auf die ‚Sache‘, für die gestorben oder als verkrüppelter Mensch heimgekehrt wurde. Auch in unserem Freundeskreis hat jede/r seine und ihre Nummer drauf. Narendra Modi ist ein Reizthema, Da ich mir in Momenten schon vorkomme wie eine auf das rettende Schiff (des Beisichseins) rufende Kassandra, habe ich lieber die auf dem Kopfkissen erscheinenden Kriegsgelüste gewählt als das neueste im Netz tausendfach aufgetauchte und ausgetauschte Video von Hitler, der mit Modis Stimme verblüffend gut synchronisiert ist. Gerne würde ich mich mal mit diesen Kreativlingen unterhalten, aber das Netz selbst ist ein unübersehbares Labyrinth, und immer weniger reizt mich die Irrfahrt in sein Dunkelfeld. Niemand würde heute bezweifeln wollen, dass der Geist erweitert werden kann durch das Starren auf kalte und leblose Bildflächen, doch kann man auch nichts an der Tatsache ändern, dass es ein Außen ist, und ein Außen wird es bleiben, lange, sehr, sehr lange. Bis die, die das Ganze überleben, eines Tages vielleicht wieder zu sich kommen, aber vielleicht auch nicht. Alles, über was wir auch hier am Tisch reden, hat seine vielen Seiten, auf die mal von hier, mal von da ein Licht fällt, bis wir den erschöpften Synapsen eine Pause gönnen und uns für einen Film bei Netflix entscheiden. Aber kann man das eine Erholungspause nennen, denn der Film behandelt farbenprächtig und mit Gesang und Tanz das letztendliche Gemetzel zwischen Hindus und Muslimen über die Teilung Indiens und Pakistans. „Kalank“ heißt der Film wunderbar in (indische) Szene gesetzt und emotional hochgeheizt. „Kalank“ ist so etwas wie ein Dunkelfleck, ein Makel, und bezieht sich in diesem Film auf die als unakzeptabel gesehene Liebe zwischen einem Muslim und einer indischen Frau und noch weiteren komplizierten Zusammenhängen, in denen der gesellschaftliche Makel ein- und ausgeht. Und es ist auch eine Geschichte aus den Jahren 1945 bis 1947, als durch eine fehlgeschaltete Entscheidung in beide Richtungen Züge mit muslimischen und indischen Leichen fuhren, jeder auf seinem eigenen Weg in den zerstörerischen Hass. Aber nun sind es über 70 Jahre Frieden, den wir auch in Deutschland öfters dankbar begrüßen, obohl er immer mal wieder bedroht wird. In den Himmelreichen der Diktatoren gibt es keine verlässlichen Zusagen, und die Medien machen es möglich, dass sie sich gegenseitig Form und Stimme leihen. Also doch kein Hoffnungstrahl für die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins? Wir werden sehen, (u.a.) der Titel eines Gedichtes von Faiz Ahmad Faiz, das gerade in aller Munde ist im Kontext seiner politisch geäußerten Ansichten.
Wir werden sehen.

frei Haus

Gestern traf ich im Haus von Shivani, die fünf exzellent ausgestattete und durchweg gebuchte Hotelzimmer hat, eine befreundete indische Familie, die schon bei uns in Deutschland zu Besuch war. Ein weiterer Gast war eine Australierin, der ich seit Jahren immer wieder  im Dorf begegne und die, wie die meisten AusländerInnen, hier für ihr Business einkauft. Gerade hatte ich einen Beitrag in ARTE zugeschickt bekommen über die für Menschen nicht mehr geeignete Luft in Delhi, und ich hörte nun von den Delhi-Bewohnern aus nächster Nähe, dass niemand, der es sich erlauben kann, mehr unnötig das Haus verlässt, wobei den Messungen zufolge die Qualität der Luft innen wie außen tödliche Werte erreicht hat. Ich erinnerte mich an die Jahre, wo diese Form von Lebensbedrohung noch nicht artikuliert wurde, ich aber vom Flughafen in diesen alten, klapprigen Taxis an Millionen von Menschen vorbeifuhr, die auf der Straße wohnten, und deren Elend  über Kilometer hinweg oft genug die andere Seite, wieder im geliebten Land angekommen zu sein, schmerzhaft übertönte. Am schlimmsten fand  ich die Nachricht, dass zur Zeit täglich um die 30 000 neue Autos bestellt werden, wo der Verkehr in Delhi jetzt schon völlig blockert ist. Gestern also am Tisch kam dann auch die australische Feuertragödie in spürbare Nähe. Sie könne sich nirgendwo mehr wohlfühlen, sagte die Frau, denn sie kann sich weder hier noch dort geistig aufhalten, sie könne nur noch weinen. Obwohl ihr Haus noch steht, ist es im Gefahrengebiet, und selbst, wenn es nicht abbrennt, müssen sie auf unbestimmte Zeit Masken tragen, da man die Luft, die noch höhere Grenzwerte hat als Peking und Delhi, nicht mehr direkt einatmen kann. Das Leid, sagt sie, hat eine apokalyptische Dimension erreicht, von wo aus es kein „nach der Katastrophe“ mehr gibt, denn vieles wird lange oder für immer unbewohnbar bleiben. Es ist so viel, es ist so viel, es ist zu viel. Der eigene Apparat ist überfordert, ständig bemüht um neue Einstellungen, um nicht nur dem Schrecken gerecht zu werden. Auch der Satz „so sind die Menschen nun mal“ fällt häufig. So sind sie nun mal? Wie sind sie denn nun mal, die Menschen, und wenn  wir anfangen, so über sie, also uns, zu reden, dann kann man sich die Frage, wie ich selbst bin, eine Weile vom Hals halten. Auch muss man sich zutrauen können bei so viel gefühlter Ohnmacht, einen Unterschied machen zu können, auch wenn das ein bisschen bedeutungslos erscheint im Angesicht des Ausmaßes. Aber was ist das Maß, und um welche Einheit geht es? Deswegen begrüße ich die Nähe und den Austausch des Schreckens. Wir ringen in jedem Fall nach bestem Ermessen um unsere Menschlichkeit, und Antwort und Plan werden nicht frei Haus geliefert.

blicken

Meine Mutter erzählte einmal, wie es nach einer schweren Bombardierung in Berlin, als alles nur noch aussah wie ein schwarzes, zertrümmertes Feld, auf einmal leise anfing zu schneien und der Schnee das Grauen mit einer glitzernden Decke überzog und sie sich kaum mehr traute, das schön zu finden. Ähnlich ging es mir mit dieser Wolke (Bild), die ich im Kontext der australischen Waldbrände gesehen hatte und dachte, so wird ein Gott geboren im Geiste der Menschen, die dafür offen sind. Sie schau(t)en hinauf und da war er leibhaftig, der aufbrausende Zeus zum Beispiel, den das Tun der Menschen erzürnte, dann war alles klar und man konnte damit leben. Ich war auch mal bei der Geburt eines Gottes dabei. Damals saß ich im Tempel der Göttin Santoshi Mata, also der Friedensgöttin, die wiederum durch einen indischen Film gezeugt wurde, denn es gab sie vorher nicht. Aber offensichtlich machte es im kollektiven Unterbewusstsein Sinn, eine Friedensgöttin zu etablieren, und flugs gab es hier und dort Tempel für sie, und vor allem Frauen pilgern freitags (for future) dort hin. Die Mutter der Familie wurde Priesterin und man sah sie als die Verkörperung des Idols. Im immer geräumiger werdenden Garten kam in den Tagen, die ich dort verbrachte, ein Rechtsanwalt mit einer Gruppe BegleiterInnen, um der täglich frisch und hübsch angezogenen Göttin Ehre zu erweisen. Sie pilgerten auch um den alten Banianbaum herum und lo and behold!, der gebildete Mann sah irgendwo im Baum einen Elefantenkopf, was nicht schwer ist, denn die Wurzeln können auch als Elefantenherde gesehen werden. Aber nein, es gab auch links und rechts vom Rüssel eine Einbuchtung, in die etwas später von dem Finder Porzellanaugen eingefügt wurden, die das Ganze lebendig machten. Die Gruppe kam bald wieder, und Frauen trugen auf ihrem Kopf köstliche Zubereitungen, um die Ankunft zu zelebrieren. Es sprach sich herum, und irgend jemand wusste, dass Ganesh, also der neugeborene Elefantengott, eigentlich ein Sohn von Santoshi Mata war, was freudig abgenickt wurde. Fortan hatte die Familie der Caretakerin ausgesorgt. Die wahrhaft vertrauensunwürdigen Söhne, bekannt durch Schlägereien, zogen sich die orangene Farbe über und spielten herum im Swami(heiliger Titel) wesen, so gut sie’s halt konnten, bis keiner mehr hinsah. Dann habe ich später noch diesen 10-jährigen Jungen gesehen, das war schon eine Spur tiefer.  Man hatte mich gerufen, um ihn zu sehen, eine Inkarnation Krishnas, und ich bin halt mal aus Neugierde hin und quetschte mich in die Überfülle der AnbeterInnen. Während sein Lehrer etwas erzählte, hatte der Junge die Augen geschlossen und ich beobachtete ihn. Auf einmal löste sich vor meinem erstaunten Blick die Festigkeit seiner Haut auf, und eine blaue Farbe erschien, dann sah ich eine Pfauenfeder, dann sah ich Krishna, den Gott der Liebe, wie ein bewegtes Bild ohne Rahmen. Das finde ich auch heute noch verblüffend, dass so eine innige Verbindung mit einer Figur die Materie durchdringen kann, was selbst für meine nüchteren Augen sichtbar wurde. Diese Ebene hat eine geradezu furchterregende Kraft, wie das Stigma in den Handflächen der dafür bereiten Frauen, eine mystische Entgrenzung. „Ich habe mich (auch) oft gefragt (Benn), woher das Schöne und das Gute (und das Seltsame und das Unfassbare) kommt, weiß es auch heute nicht und muss nun gehen.“

 

proben

 

 

Dieses Tier, das man hier im Video erst im Wasser, dann in panischer Flucht vor den Menschen sieht, kam gestern aus dem naheliegenden Dschungel, wo es, den lokalen Vermutungen entlang, von einem Raubtier gejagt wurde. Sie nennen es einen Hirsch oder eine Rehkuh, aber ich weiß nicht wirklich, was es ist. Wir haben es zufällig vom obersten Stockwerk des Hauses aus gehört, nein, nicht das Tier, sondern das Menschengeschrei, und wie meistens war ein Smartphone zur Hand. Was mich berührt hat an der Szene war dieses weitere Beispiel des Unterschiedes zwischen einer Empfindsamkeit dem Lebendigen gegenüber und der Schaulust, die Menschen zu allem Möglichen treibt. Das ist wie auf den Autobahnen, wenn die zuhilfe Kommenden nicht durch die Meute der Schaulustigen gelangen, weil auch von allem, was die eigene Lebensödnis vertreibt, ein Schnappschuss gemacht werden muss, damit man wenigstens technisch dabei war beim Schrecken. Das scheue Tier raste also in panischer Angst durch das anhaltende Menschengekreische, und ich weiß, das kann man nicht erwarten, dass hier eine andere Einstellung vorherrscht, denn die hätte ja vorher schon stattfinden müssen, lange vorher in der relativen Zeit. Dann kamen unvermeidbar die weiteren Bilder von den verheerenden Bränden in Australien, eine geschätzte halbe Milliarde Tiere verbrannt in den Feuern, und immer mehr Menschen, die ohnmächtig zuschauen, wie ihre Häuser verbrennen. Wir sagen und fühlen ja in dieser Zeit alle immer mal wieder die Grenzen des Fassbaren und können nicht ständig von allem berührt werden. Oder kaum lässt man die auch notwendige Berührung durch das Schicksal Anderer zu, kommt schon der nächste Hammer, für den man kaum mehr Kraft aufbringen kann. Die erste Mail, die heute zu mir kam, zeigt einen derartigen Gewaltausbruch in Delhi, das ist kaum mehr zu bremsen und wirklich schon auch sehr nahe zu unserem heiliggesprochenen Örtchen, wo eh schon alles und alle im Duplikat der Illusionen leben. („Duplicate Maya“, ein von mir geschätzter Begriff indischer Seinsgrübler). Nicht, dass es zu sehr auffällt. Oder doch, es fällt schon vielen auf, aber das bewegt, wegen der vorprophezeiten Zukunft, noch keinen Strohhalm. Es ist dieses Jahr in meinem Denken öfters vorgekommen, dass mir meine eigene luxuriöse Befindlichkeit und Behausung nicht immer ausgleichend genug erscheinen zu all den weltlichen Schaurigkeiten, denen Mensch und Tier und der ganze planetarische Organismus ausgesetzt sind. Immer wieder aufs Neue weiteres Nachdenken darüber, welche Art von Beitrag wirklich erfordert und angebracht ist. Und immer noch Nelson Mandelas anregende Worte im Ohr, wie viel Mut es doch kostet, um das Gute und Schöne zu ringen, vor allem, wenn man nicht durch die unzähligen Angebote der Ichverhaftung selbst dem Einflus des Lichten, sprich: der Freiheit des geistigen Vorgangs, im Weg steht. Ja, alles war schon mal da, schon gut, schon gut, aber wer hätte gedacht, dass diese Verdichtungen des Dunklen uns einmal so viel abringen, unserem Geist, unserem Herzen, unseren Körpern. Vielleicht ist es tatsächlich eines (fernen) Tages eine Art neuer Mensch, der aus dieser Finsternis eine Geburt nimmt, die Mord und Totschlag hinter sich lassen kann. Man kann ja in der Stille der Räume schon mal mit den Proben beginnen.

Gobind Singh

Bildergebnis für Guru Gobind Singh

Einige verehren Steine und ertragen sie
auf ihrem Kopf. Einige tragen den Phallus
als Wahrzeichen, aufgereiht an Halsbändern.
Einige empfinden die Anwesenheit ihres Gottes
im Süden, andere wiederum verbeugen ihren
Kopf gen Westen hin. Solchermaßen ist die
Welt gebunden in falsches Ritual, und das
göttliche Geheimnis ist mmer noch ungelesen.

entfinstern

Ein weiterer Beruf, den ich hier selten ausüben kann, ist Wolkenleserin. Zum Beispiel liegt seit Tagen über der ganzen Landschaft ein Dunst, durch den sich die Sonne mühsam durcharbeitet, aber darin kann man nicht lesen. Nun hat der Abendhimmel das Ganze ein wenig zusammengeschoben, und siehe da, man kann in der sich anbietenden Perspektive auf der rechten Seite des Bildes das Profil von Shani Dev erkennen (oder nicht), der hineinstarrt in das dialogische Wesen der Lichtgestalten. Man hadert ja häufig an anderen Tagen mit dem medialen Angriff finsterer Geschichten, und deswegen finde ich es gar keine so schlechte Angewohnheit, alles Finstere, das in einem rumoren könnte, samstags großzügig ans Licht zu bringen, dann hat man schon mal dafür gesorgt. Trotzdem, und in der frisch erschienenen ZwanzigZwanzig Kombination gehört es zu den angemessenen Prioritäten, dem kosmischen Vorgang im Prozess der Entfinsterung aktiv beizustehen. Vor allem so lange die verhältnismäßig friedliche Lage um einen herum sich im Ungewissen stabilisieren kann, ist die innere Zuwendung zu mentalem Lichteinfluss, nun ja, keine Bürgerpflicht, aber immerhin eine Möglichkeit. Genauso wenig, wie man gerne auf das Finstere wartet, bis es endlich da ist, kann man sich darauf verlassen, dass Bewusstsein sich von selbst belichtet. Im Westen wird Licht oft verwechselt mit der Kapazität des jeweiligen Intellektes, was auch erklärt, warum so mancher Intellektuelle in der Geschichte den Tod als eine Befreiung vom Leben empfand, was ziemlich beschämend ist bei all dem vielfältigen Angebot. Daher muss es noch an etwas anderem liegen als an den Resultaten der Existenz-Analyse. Hätte ich mir (z.B.) durch allerhand weltliches Entbehren nicht diesen lebendigen Luxus erschaffen, hier in Indien herumsitzen, gehen und stehen zu können, würde ich auch gerade mir gegenüber auf der Mauer den Languren nicht gesehen haben, wie er im Morgenlicht in einen Tiefschlaf verfällt. Bei meiner kurzweiligen Forschung über das sexuelle Verhalten der Languren (um mehr Klarheit zu erlangen über gewisse Beobachtungen), worüber allerdings nichts berichtet war, doch fand ich heraus, dass sie viel schlafen müssen wegen der ansonsten geradezu verblüffenden Beweglichkeit ihrer Körper. Aber auch hier zeigt es sich, dass, so stabil auch manches wirken mag, es sich doch ständig in Wandlung befindet, und nun steht auf einmal ein Mensch auf der Mauer. Zur Samstagfinsternisbündelung kann man auch das Hoffen dazunehmen. Man kann also zum Beispiel heute hoffen, dass auch in enthemmter Dummheit Grenzen auftauchen können, und Trump zum Beispiel von irgend etwas oder irgendwem davon abgehalten wird, einen weiteren Krieg egomanischer Dummköpfe anzuzetteln, dessen Wirkung wie immer unabsehbar ist. Daher stehen auch Licht und Dunkel in so enger Verbindung, weil nur und vor allem ihre Dosierung den Unterschied ausmacht.

…das sind doch Menschen!….

In den Gesprächen mit indischen Freunden hier vor Ort habe ich mir angewöhnt herauszufinden, was und wie ihre Einstellungen zu Muslimen ist. Zum Glück habe ich auch ein paar muslimische Freunde und muss nicht nur aus einem hohlen, politischen Bauch heraus reden. Es ist ein schwieriges Thema, weil ich auch in Deutschland bei kriminellen muslimischen Attacken öfters mal gedacht habe ‚ach nee, schon wieder ein Muslim, merken die denn nicht, wie ihnen das schadet‘, naiv, wie man so manches Mal ist. Das Schwierige an dem Thema ist tatsächlich, dass Mohammed, der Gründer-Häuptling der muslimischen Weltgemeinde, zum pflichtbewussten Morden an Ungläubigen, also uns, aufgerufen hat, und man darf nicht erwarten, dass unter ihnen einer auftaucht, der den heiligen Aufruf infrage stellt. Das ist eben der Mohammed, der viele, viele Frauen brauchte, um dann die 6-jährige Lieblingsfrau zu sich zu holen. Jaja, sagte der befragte Muslim zu mir, das schon, aber er hat sie erst mit 9 Jahren…du weißt schon, als Frau zu sich genommen. Oft möchte man beim Denken von Anderen nicht mitdenken. Nun ist hier in Indien aber gerade ein Volksauslöschprogramm im Gange, das lässt einen dann doch unruhig werden. Vorgestern haben sich nun, wie man oben links im Bild als flüchtigen Einblick sehen kann, die Muslime zusammengefunden, um gegen das irritierende neue Gesetz zu demonstrieren, und das sind nicht wenige aufgebrachte Muslime, die sich da ausgegrenzt fühlen. Dass es letztendlich im Warschauer Ghetto zu einem Aufstand der Juden kam, war wohl der tödlichen Verzweiflung zu verdanken, die dem Leben keine weitere Wahl offenhält. Aber vielleicht war es auch der Grund, warum überlebende Juden in Israel gefragt wurden, warum sie sich haben abschlachten lassen wie Lämmer. Das könnte auch Hindus passieren, gelähmt wie sie auf bestimmten Ebenen sind aufgrund ihres irrigen Glaubens, ein friedliches Volk zu sein.
Das zweite Bild oben rechts bezieht sich auf eine laufende Geschichte, die zeigt, dass die schöne Zahl 2020 nicht automatisch das Fassungslose behebt. Seit Tagen kommen Berichte von einem Krankenhaus hier in der Nähe, in dem allein im Dezember 99 Neugeborene gestorben sind. Als langsam durchdrang, dass letztes Jahr im selben Krankenhaus 1.005 Kleinkinder starben, meinte ein Minister, das sei normal, denn sie würden in kritischer Verfassung gebracht. Es wunderte dann doch genug Menschen, um eine kleine Erkundungstruppe dort hinzusenden, und man fand nicht nur heraus, dass täglich weitere Kinder starben, sondern dass mehr als 50% der Geräte nicht funktionierten, es kaum Pflegepersonal gab und man beobachtete, dass niemand sich im Umgang mit allem die Hände wusch. Kein Wort von sich wehrenden Eltern, und nicht genug: das Krankenhaus ist immer noch offen, und es sterben täglich weitere Kinder!!! Wie kann das sein? Der befragte Direktor versprach Verbesserungen, jeder weiß, was das heißt. Vor allem aber jede, die dort ihr Kind hingebracht hat, ohne jemals zu erfahren, wie und an was es gestorben ist, oder es in einem anderen Krankenhaus ein Leben gehabt hätte. Und ich muss aus Erfahrung dazufügen, dass bei diesen Vorfällen nur d a Trauer zu erwarten war und ist, wo auf diese Weise ein Sohn verloren geht, denn man weiß nie, ob noch einer nachkommt. Diese erschreckenden und grotesken Realitäten werden uns weiterhin begleiten wie diese tiefen einfachen Eingangsworte eines Gedichtes von Gottfried Benn es ausdrücken: ‚Das sind doch Menschen!…

lernen

Gleich zu Beginn des neuen Jahres war es mir vergönnt, etwas nicht ganz Unwesentliches zu lernen. Der gestrige Stromausfall dauerte bis zum Nachmittag. Die Aufladekapazität meiner Geräte sank auf 11 Prozent, ich musste zwei Gespräche in die Zukunft verschieben. Mit müden Inderaugen blickte ich über das Dorf hin, wo ich die digital geschulte Bevölkerung beim Ausharren vermutete, wie immer allen Notlagen gehorsam trotzend. Ich wanderte rüber zu den alten Steinen, nicht ohne mich zweimal erkundigt zu haben auf Hindi, ob das ‚bijalee‘, das Licht, schon zurück sei, wobei ich vergessen habe in dem Moment, dass so ziemlich auf alles Nichtverstandene hier genickt und gelächelt wird, denn in jedem Hindu steckt ein potentieller Guru, für den Unwissen ein Tabu ist. Dann ging ich zu einer befreundeten Familie und war erstaunt, dass sie bijalee hatten, und ich konnte mein Phone aufladen. Ich fand dann so langsam heraus, dass eigentlich alle bijalee hatten außer mir, was sich dann bei meiner Rückkehr zum Haus als Realität erwies. Der Hausbesitzer hatte bereits einen Elektrtiker aus einem naheliegenden Dorf organisiert, der nun auf einer hohen Leiter zwei Drähte wieder mit meinem deutschen Isolierband zusammenfügen konnte, und siehe, es ward wieder Licht. In den verstreichenden Lebensmomenten lauert öfters ein Körnchen Erkenntnispotential, das man leicht durch Ablenkungen verpassen kann. Eine weitere Erkenntnis, die mir nicht erspart blieb, war das dritte Auftauchen in den unaufgefordert erscheinenden Nachrichten von Lord Google, und zwar die Prophezeiungen von Baba Wanga, die Nostradame vom Balkan. Da auch ich mich hineinlesend vorfand in ihren zu 80 Prozent korrekt eingeschätzten Prophezeiungen für das Jahr, kann man sich nur ausmalen, wie viele furchtbereite Leser-und Leserinnen das in schlimme Ahnungszustände versetzen wird, sodass eine der philosophischen Urfragen wieder auftaucht darüber, wie die schwer zu durchdringende Wirklichkeit zusammengebastelt wird: von wem, wodurch und überhaupt. Das Bedenkliche meiner persönlichen Erfahrung beim Lesen war, dass ich die Wahrsagungen auch ein bisschen für möglich hielt, ja hallo, in 2020 soll Europa kaum mehr besiedelt sein, dachte der schnelle Brüter in mir, wo sollen wir dann hinsiedeln undsoweiter. Da muss man so schnell wie möglich das mentale Gespann zur Ordnung rufen im inzwischen ja wieder belichteten Raum. Und hoffentlich kommen die Wahrsagungen nicht nach Indien, denn „Baba“ ist hier ein Titel für männliche Alleswissende, und obwohl sie niemals den Wahrsagungen einer weiblichen Person, hier als prophezeiende Großmutter, Gehör schenken würden, würden sie die Worte von diesem bulgarischen Hellseher als goldenen Wissensnektar aufsaugen und sich gar nicht wundern, dass diese terrorträchtigen Muslime in Europa einfallen und dort ihr Unheil treiben. Das alles verpflichtet einen zu einem aufgelockerten Maß an geistiger Freiheit, von der aus man das sich selbst Zugemutete auf gesunde und natürliche Weise vertreiben kann, solange es noch Dunst ist und nicht verfestigtes Wolkengebäude.

2020

Auf der Kontemplationsebene könnte ich mir zum Auftakt der neugeborenen Zahl kein tieferes  Bild erdenken, das mir aus deutschem Land von einer der Kreativinnen unseres Hauses zugespielt wurde, als dieses, das unsere Katze Coco (aus edlem Geschlecht ) zeigt bei einer Tätigkeit, die einen mühelos das Jahr, wenn nicht gar das ganze verbleibende Dasein, begleiten könnte. Herausblickend aus ihrer ganz persönlichen Behausung erforscht sie (möchte man meinen) ein dunkleres Gegenüber, das einige verblüffende Ähnlichkeiten mit ihr selbst aufweist, ohne sie jedoch selbst zu sein. Überhaupt: was sind mir die Tiere doch im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen. Quält sie nicht, esst sie nicht, steigt aus aus der unmenschlichen Maschinerie. Das Bewusstsein, das uns Menschen zur Verfügung steht, erweist sich als Fluch und als Segen wie alles vom Menschen Produzierte. Denn es hat sich tatsächlich in diesem Zeitalter gezeigt, dass egal, wieviel scheinbare Brillanz in den Gehirnen aufgewirbelt werden kann, das alles bedeutungslos ist, wenn damit und dadurch nicht auch Harmonie erzeugt werden kann. Man sollte den eigenen Beitrag nicht überschätzen, aber auch nicht für unwesentlich halten. Die Handhabung herausfordernder Künste des Menschseins erwartet uns im komplexer werdenden globalen Spiel Allen Spielern und Spielerinnen also ein ausgewogenes

 

Hier ist seit dem Morgen  (mal wieder ) das elektrische Licht ausgefallen, das lässt die digitale Revolution blass aussehen. Doch konnte ich immerhin auf dem smarten Phone meinen Beitrag tippen.

verneigen

Keinerlei nennenswerter Impuls regt sich in mir, die auslaufende Dekade durchzukontemplieren,  wie es jetzt auf allen Kanälen eh offeriert werden wird samt kollektivem Feinstaubspektabel. Aber da ich persönlich, was die Gestaltung des eigenen Lebens betrifft, keine Klagelieder auf Lager habe, schaue ich auch ein bisschen herum, was mir so einfällt. Gestern hatte ich beim Milcheinkauf einen wahrlich heiteren Austausch mit dem Ladeninhaber, von dem ich weiß, dass er einer der Wenigen im Dorf ist gegen Narendra Modi, um den sich ja gerade das Schicksal der beiden mächtigsten global player rankt (Indien und China). Das Weltbewusstsein, sofern vorhanden, fürchtet sich schon lange berechtigt vor China, aber was Indien betrifft, so wird es einfachhalber als ‚irgendwo da drüben‘ eingenistet, wo Yogis und Ashrams sich gute Nacht sagen, und auch ansonsten nicht viel verständlich ist. Ach doch, hallo, wir haben doch hier die brillianten Super-Techies, das Gehirn von Silicon Valley, und überhaupt hört man selten, dass Inder irgendwo anders als in Indien schreckliche Sachen machen, sie sind extrem anpassungsfähig. Anders als die Chinesen, die kontrollierbar sind, aber eben auch sehr, sehr anpassungsfähig, die Hindus. Daher dachte man in Indien oft als  politische Ideallösung an einen guten König, der die Kinder mit feiner Güte und tiefer Weisheit am Leben hält. Aber wehe, wenn der König nicht gut ist, ein kleiner, mieser Lügner also wie Modi, der sich schon ein paar Mal schwer verrechnet hat, zum Beispiel, als er in seinen sündhaft teuren Anzug seinen Namen als Streifen mit purem Goldfaden hat fabrizieren lassen. Eine zerbröckelnde Lotusblume ist kein erhebendes Bild, aber in diesem Falle ist die Freude angebracht, die ich mit dem Milchmann teilen konnte, eben, dass Modis Partei sich durch eigene Fehlentscheidungen auf einmal sehr geschwächt zeigt. Vielleicht hat es doch genutzt, dass Hitler so häufig eingesetzt wurde und wird, um zu demonstrieren, wo so ein nationalistischer Geheimbund hinführen kann, auch wenn man die Muslime, von dem Emblem der Lotusblüte (BJP) her gesehen, am liebsten ausrotten würde. Ich bin auch froh, dass Frau Merkel noch eine Weile da ist, es versichert ganz unauffällig eine gewisse weibliche Fähigkeit der Schadensbegrenzung. Auch tummeln sich selten Menschen in der Nähe von glaubürdigen Weltbewegern, die man gerne nachfolgen sehen würde. Aber alles ist möglich, ein Lieblingsspruch der Inder, aber natürlich only in India. Dann haben sich in den letzten Jahren viele gute Frauen gemeldet. Überhaupt kann man das Aufmerksamsein des weiblichen Geistes überall beobachten, obohl es das auch schon gegeben hat ohne durchschlagende Wirkung. Das Protestlied, das aus Chile kam, war beispielhaft ausgeklügelt in Text und Darstellung. Also zum neuen Jahr könnt‘ ich mir zum Beispiel wünschen, dass vieles, was jetzt erwachend wirkt, nicht wieder einschläft, sondern mit sich und Anderen uneitel heranblüht zur angemessenen Bewusstseinsebene, die der kosmische Vorgang einem zur Verfügung stellt. Wer sonst? Ich verneige mich vor dem Freundeskreis, in dem die Liebe lebendig ist.

 

 

vergleichen

Ich wollte diese Bilder mal zeigen, die aus der Protestbewegung gegen Narendra Modi kommen und daher auch eine erwünschte Opposition gegen dieses für alle schwer verständliche Gesetz ist, mit dessen Umsetzung sich Modi total verrechnet hat, da es inzwischen um viele andere entzündbare Themen geht, und jeder bedient sich, wie er will  und kann. Für mich bleibt diese „indo-germanische“ Spur interessant und auch beunruhigend. Jahrelang musste ich mich in Gesprächen gegen den Hitler-Mythos wehren, man sah in ihm einen Mann Gottes, dem große Bewegungen anvertraut wurden. Dann tröpfelte langsam über die Schulen ein neues historisches Verständnis durch, keine Stärke des indischen Geistes. Und auf einmal können sie sich gar nicht mehr einkriegen, denn da ist er, der gesuchte Allerbösestewicht, den man hier prächtig einfließen lassen kann in den sich selbst webenden Teppich. Es gibt aber auch auf germanischer Seite diesen wenig belichteten, aber existierenden Geschichtsstrang von der Herkunft des Swastika und des arischen Gedankenguts, und des indischen Einflüsterers von gefährlichem Wissen in Hitlers machthungriges Ohr. Nun taucht er über einen der medialen Zugänge an dieser Stelle der Quelle wieder auf. Das muss für Modi ein herber Schlag sein, der sich gern als der heilige Nikolaus präsentiert, der alles Gute im Griff hat. Nun sind ja inzwischen die PhilosophInnen und die KünstlerInnen und die TherapeutInnen und die PoetInnen und die Yoginis undsoweiter nicht ausgestorben, nein, sondern sie sitzen oder stehen oder gehen in den Ländern herum und grübeln sich durch die verdichtete Atmosphäre des Daseins hindurch. Alle sind angefordert, neue Bahnen zu kreiren, um angemessenen Umgang zu finden mit dem Unsäglichen. Dafür aber dann trotzdem Worte finden, die das Sein nicht mehr erklären müssen, es aber trotzdem sind. Günstiger als das Vergleichen ist sicherlich das Ausgleichen, denn es ruht in der Bewegung.
In dem kleinen roten Bild oben hält Hitler den kleinen Modi hoch, und da steht  ‚mein Sohn Jhutler‘, was ‚Lügner‘ heißt.

Karin Kiwus

APHASISCHES ENDE

Wenn keine weiteren
Mordmeldungen
vorliegen möchten wir nun
angesichts der näherrückenden
Stunde
unsere Diskussion
über die nötigen
Schreiräume
in einer Gesellschaft
verenden und abschießend
feststellen daß alle zunächst
überredensgroß
erscheinenden Probleme
doch noch gelöst
und sozusagen einem
Begattungsinstitut
übergeben werden konnten

 

fürchten und klagen

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Das ist jetzt, wenn Shani, der Samstags-Gott, sich aufmacht auf seinem pechschwarzen Vogel, um seinem Job nachzugehen. Ich nehme mal an, dass es mit der Bereitschaft im Menschen zu tun hat, sich zu fürchten. Schon in Kindern kann man diesen Kitzel beobachten, denn Fürchten ist nicht immer gleich Angst. Auch, wie hieß er doch gleich, Knecht Ruprecht, der hatte doch so eine Rute mit sich, manchmal auch einen Stab und ein Säckchen Asche, das war auch so ein Shani-Bruder. Der Shani Tempel hier wäre eigentlich super geeignet, wenn es statt einer Klagemauer einen Klage-Tempel gäbe, wo sich alle leise oder lauthals über alles beklagen könnten, was ihnen auf der Leber sitzt, und dann wäre beim Heraustreten dieser Wurm bewältigt bis zur nächsten Attacke. Ich würde mich heute, nach Nachrichten über einen Umgang mit behinderten Kindern während einer Sonnenfinsternis, darüber beklagen, dass man in Teilen Indiens diese Kinder während der Finsternis (vorgestern) bis zum Hals in Sand vergräbt, weil sie das heilen soll. Gesegnet seien die NGO’s, die sich in solche Dinge einmischen. Dabei macht Shani selbst trouble. Jemand hat mir neulich erzählt, dass es hier am See während der Regenzeit zu einem unheimlichen Vorgang kam. Auf einmal erlebten alle Badenden, denn das heilige Baden geht ja weiter, dass sie statt läuterndem Wasser mit einer Ölschicht bedeckt aus dem Wasser kamen. Das Rätsel konnte lange nicht gelöst werden, auch weil es hier wenig Sherlock Holmes Talente gibt. Doch der Tag kam, wo es sich klärte. Als das Wasser nämlich zurückfloss, sah man Ströme von Öl aus dem Shani Tempel fließen, aha, es war der gute Bösewicht selbst. Die Männer (denn nur diese kraftstrotzenden Geschöpfe dürfen ja da hinauf) schütten nämlich bei der Anbetung dieses Furchteinflößers Öl über den schwarzen Stein, vermutlich, um den Glanz noch zu vertiefen, und die zuständigen Priester fangen diese reichlich gegossene Gabe dann in Behältern auf, die, wie man entdeckte, nicht verschließbar sind. So stieg das Wasser, keiner kümmerte sich um die Behälter, da wurden sie vom Wasser einfach umgekippt und der Segen floss in den See, was er gut brauchen könnte, so weit entfernt wie auch er ist von seinem natürlichen Zustand. Aber Öl! Es gab dann wieder einiges zu tun, und die, die für solche Arbeiten geholt werden, taten es. Sie trennten Öl und Wasser, so gut es eben ging. Wir wissen ja alle, dass alles vorübergeht, so schwer es manchmal ist, sich das vorzustellen, besonders wenn es um einen selbst geht, aber auch um uns alle jederzeit. Dabei gibt es eigentlich gar keinen Grund zum Fürchten, denn wenn man vorübergegangen ist, ist man gar nicht mehr in eigener Betrachtung, daher auch ganz und gar im Furchtlosen aufgegangen.

unbestechlich

Auch die für viele Menschen, höre ich immer mal wieder, mehr belastenden als erfreulichen Festtage gehen vorüber. Nicht, dass hier viel davon zu spüren war außer der rastlos durch den Bazaar pilgernden indischen Touristen, deren Kauftrieb durch geschlossene Läden nicht eingeschränkt wird. Hier ist immer alles offen, außer einmal, als in kürzester Zeit so viele Morde passierten und das ganze Dorf geschlossen hatte, ein beeindruckender Anblick, mit unheimlichen Gefühlen begleitet. Gestern, am 26. Dezember, wusste ich gar nicht, warum es da auch heilig zugehen soll, und wandte mich an Lord Google. Ich fand einen Heiligen, von dem ich noch nie gehört hatte, der irgendwann eine zu lange Rede hielt und zu viel ihm Heiliges in die falsche Richtung salbte, da nahmen sie ihn gleich mit und steinigten ihn, und er durfte der erste christliche Märtyrer werden, und manche erinnern sich wohl an ihn am sogenannten Stefanitag. Ihm hat es ja wenig genützt, so, wie es auch heute noch wenigen nützt, wenn ihr kostbares Leben durch Andere geschädigt und gekürzt wird. Wir, die wir mit all diesen toten Ritualen nicht mehr viel am Hut haben, sinnen auf andere Dinge wie Emojis oder Gifs als hilflosen Gruß ins Unbelegte. Doch der Mangel an Tiefe macht es auch nicht besser, obwohl Lachen noch nie die schlechteste Medizin war, es kann ja ebenfalls aus dem Abgrund der Ohnmacht hervorquellen und sich dadurch etwas entlasten. Aber so wenig wie möglich Konkretes zu planen, fand ich dann doch am besten. Nein, am besten waren die Schweigeretreats, die ich jahrelang immer 12 Tage bis Neujahr zelebrierte, alles Notwendige im Raum vorhanden, morgens brachte mir jemand leckeren Chai. Aber nicht alles macht weiterhin immer Sinn, so ging auch das vorüber. Was an Weihnachten, dem Fest der Liebe, am liebsten erträumt und phantasiert wird ist, dass das Christkind oder irgend ein heiliger Mensch, alle mit seinem Zauberstab in eine Masse von Liebenden verwandelt, die sich die Augen reiben und verwundert um sich schauen, als wären sie von einem bösen Taum erwacht, und sich dann aufmachen, um schöne Gaben für andere Menschen zu organisieren, damit man statt dem Nehmen mal wieder nahtlos ins Geben steuert. Wahr ist ja, dass immer alles potentiell möglich ist, wer sollte wen abhalten von was. Die guten Dinge sind nicht leicht zu ergründen, meist wird eher das Abgründige ergründet, weil da anscheinend die großen Stämme im Weg liegen, die schwer zu bewegen sind. Auf der anderen Seite ist es so, dass für einen selbst immer noch mehr möglich ist, als man bereit ist zu tun und zu sein. Zu diesem Thema fällt mir früher oder später der zeitlose Satz „simple living, high thinking“ ein. Unbestechlich schön.

tatsächlich

Tatsächlich ist das das Spiel auch leer und
bedeutungslos., d.h. einfach nur: was es ist.
Die Deutung unterscheidet sich ja vom Sein.
Wir geben Deutung und Bedeutung, w i r
ergründen und begründen mit allem möglichen
Aufwand das Sichtbare, das wir selbst sind.
Ob es nun so gemeint ist oder überhaupt so
existiert, wie wir es wahrnehmen, werden wir
nie wissen. Und doch wissen wir, dass wir da
sind in gegebener Zeit und gegebenem Raum,
die für uns eine Reise enthalten. Bon voyage
also, und achten wir gut auch
aufeinander, damit sich die
Starrheit des Kummers bewegt.

 

vertiefen

Das ist Meera, die deutsch/indische Tochter des Hausbesitzers, der man ohne weiteres zutraut, die Rentiere allein durch den glitzernden Wald zu kutschieren und die Gaben rechtzeitig abzuliefern. Der ist ja jetzt auch schon vorbei in den Ländern, in denen irgendein traditioneller Schwerpunkt sich am Abend des Vierundzwanzigsten bündelt, dieser große Bescherungsdruck ist also schon mal vorbei dort, nehme ich mal an, denn ich bin ja nicht dort. Ich habe gelernt, da ich schon sehr lange immer um Weihnachten herum in Indien war und bin, dieses Fest sachte an mir vorbeiwandern zu lassen, auch die historischen Fakten, die es, wenn man genauer hinschaut, erstaunlich selten gibt. Wenn das religiös historische Band in den Familien zerfällt, geht es ohne Hemmschwellen in die Essensgestaltung über. Ich war gestern auch im Haus von indischen Freunden, und es ging nahtlos vom Frühstück in das Mittagessen über. Wir saßen auf der kühlen Terrasse mit einer Heizsonne und redeten über Narendra Modi und Aktivistinnen in der politischen Bewegung, in der mehr und mehr hochintelligente Frauen ihre sehr klaren Ansichten mit einleuchtenden Zusammenhängen an Mikrofonen vermitteln. Das ist wirklich eine gute Nachricht und auch eine willkommene Überraschung, dass die Oppositionsbewegung gerade richtig Kräfte zeigt, das war nicht zu erwarten. Statt dass es Modi gelang, auf hinterlistigste Weise die Muslime auszugrenzen, laufen auf einmal Muslime und Hindus zusammen in derselben Protestbewegung. Wenn überhaupt Mahatma Gandhi erinnern, dann hier, und es gab auch Andere, die sich sicher waren, dass man trotz sehr verschiedener Lebensweisen gut miteinander leben kann, auch wenn es die Praxis ganz bestimmter Werte benötigt, vor allem auch ihre lebendige Umsetzung.. Wenn man einigermaßen frei ist von Erwartungshaltungen, kann viel Schönes passieren. Gerade das „Nichtmitmachen-müssen“ kann direktere Freude und Beteiligung aktivieren. Auf einmal merkt man, dass man genau d a s tut, was man an Festtagen am liebsten tut: schauen, wie er sich so entwickelt, gut mit ihm und sich umgehen, und klar, warum nicht mal was anderes essen als sonst, und dann ein paar Rosenblätter darüber gestreut, damit die Farbe des Karottenhalvas sich dadurch noch einmal vertieft.

holy

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So, da sind sie beide, die kleinen heiligen Kinder, die so ähnliche Namen haben, und wer weiß, an welchen Fäden das alles einst zusammenhing. Beide hatten so unterschiedliches Karma, wenn man den Geschichten Glauben schenken will, was man nicht unbedingt will. Aber es i s t der Morgen des Heiligen Abends, und hier im indischen Dorf ist keine Spur von Weihnachten zu spüren, und je weniger man danach sucht, desto besser ist die Befindlichkeit. Der Priester vom Krishnatempel schickt mir via WhatsApp ein Bild von seiner Tochter im Weihnachtsmannkostüm, man sieht, wie stolz sie über die Verwandlung ist. Auf der Seite der „Times“, auf der ab und zu eine intelligente Zusammenfassung der schwer fassbaren Zustände in Indien ist, fängt eine Kolumne so an: Weihnachten, von dem man  sagt, es sei die einzige Zeit, wo Leute in der ganzen Welt unter einem toten Baum sitzen und Süßigkeiten aus Socken essen….wird vermutlich, sagt der Schreiberling, dieses Jahr nicht so still und ernsthaft werden, auch deswegen, weil die Feier zu einem riesigen Shopping Event geworden ist. Billionen von Euros und Dollars werden ausgegeben, was manche Ökonomen dazu veranlasst hat zu beobachten, dass, wenn es kein Weihnachten gäbe, man es erfinden müsste. Die meisten glitzernden Dekorationsdinge kommen allerdings aus China, und während die Welt Weihnachten feiert, meint er, lachen die Chinesen den ganzen Weg entlang zur Bank. Auch ein Körnchen Heiterkeit kann durchaus gesund sein. Und die Flucht aus dem eigenen, christlichen Land oder der Stadt wegen dieser Glitzer- und Kaufbedröhnung ist durchaus verständlich, aber auch die InderInnen können in ihren ihnen durch den christlichen Kalender aufgedrängten Ferien nicht viel mit sich anfangen außer weitere Selfieorgien. Das hat schon ein klein wenig was Anstrengendes, diese paar Tage, denn eine Leere kann sich genauso gut ausbreiten wie eine Fülle. Es gibt so viele Fragen, die nie bentwortet werden können. Darum herum rankt sich das Mystische und Heilige, und alle wollen so sehr, dass irgend ein Mensch mal geleuchtet hat und eine Menge Sachen machen konnte, die wir Anderen nicht können, Tote erwecken oder Kranke heilen oder Wasser teilen, damit man bequem durchgehen kann. Trotzdem kann man die Zeit in gutem Geist verbringen und dem kosmischen Vorgang planlos zur Verfügung stehen. Dann die Zeit nach den Feiertagen bis zur neuen Zahl hat etwas von einer winterlichen Hängematte neben den Holzscheiten, dann: nicht viel, aber angenehme Gesellschaft. Hier unter den Einheimischen kann ich mich in jede Richtung bewegen und angenehm eine Weile zusammensitzen mit Leuten, die man schon lange kennt, und einen ausgewogenen Chai trinken. Das wünsche ich allen: wärmende Getränke und gute Gesellschaft und angenehme Gespräche, die drei  G’s also, das ist schon mal eine ordentliche Basis.

Weg


Am Fensterrahmen der Traumfabrik vorbeidüsende Aliens…

 

Es ist ja mühsam genug, in der eigenen Kultur und Gesellschaft die politischen Machenschaften einigermaßen für sich aussortieren zu können, und so kennt man oft nur Wenige im Umkreis, die sich als poltisch „engagiert“ zeigen, auch wenn gerne diskutiert wird darüber. Aber dann hat man schmerzhaft gelernt, dass das doch alles sehr nahe miteinander verbunden ist, die Gedankenwelt der landesführenden Persönlichkeiten, und wir, das Volk mit unseren verschiedenen Gedanken. Dann gibt es auch die politische Aufwachstunde, wenn überraschende Richtungen und Wendungen sich zeigen. In so einer Situation sind wir gerade (auch) in Indien. Ich sitze einem Arzt gegenüber, der mir unverhohlen erklärt, alle Muslime müssten raus aus Indien, Hindus seien friedfertig, Muslime alles Mörder und Vergewaltiger. Ich hebe noch zu ein paar Gegenargumenten an, aber der Mann ist in Fahrt, er ist sich seines Denkens bombensicher. Das kommt ja nicht aus der Jetztzeit, sondern sowas kommt von lange genährten, unterschwellig arbeitenden Einstellungen, die ihre Wurzeln dort haben, wo keiner hinschauen will. Nun finde ich interessant, dass ich Indien am Anfang meines Aufenthaltes tatsächlich als eine erstaunliche Einheit erfahren habe. Auch gab es nie Stress mit der naheliegenden Stadt mit einer berühmten Moschee und einer hohen Anzahl an Muslimen. Die bestehenden Ordnungen wirkten noch wie ein großes, dehnbares Netz, in dem sich alle ganz gut zurechtfinden konnten, wenigstens vom Öffentlichen her gesehen. Und auf einmal ist das Land vollkommen gespalten. Gestern habe ich mir nicht mehr die Mühe gemacht, die Artikel über die neuen, sich überall hin ausbreitenden Unruhen durchzutüfteln, denn es war klar, dass es hier gar nicht mehr um das neue Gesetz selbst geht, sondern dass gerade die Tatsache, dass es keiner wirklich versteht,  dafür dient, lange innegehaltenen Groll und Hass und Ärger auf vieles, ja so vieles, endlich hinauszutragen auf die Straßen, wo sehr schnell Pflastersteine locker werden. Es gibt auch ein Bild, auf dem man sieht, wie Polizisten den Protestierenden Pflastersteine reichen, und wer weiß schon in solchen unseligen Ausbrüchen, wer da alles von hinten das Feuer schürt. Bald sind Wahlen, und das Volk will Helden sehen, die das Ganze zu ihren Gunsten managen können. Schön wär’s, wenn wir aus stilleren Räumen heraus beitragen könnten, um gegen die Ohnmacht (einmal tief erspürt) eine Ruhe zu setzen. Wie lange hatten die Deutschen wohl eine Wahl, bevor man Ingenieure einsetzen konnte für die als rechtschaffen betrachtete Sache, die sich an die Arbeit machten, bestfunktionierende Gaskammern zu entwerfen, mit denen man großflächig entsorgen konnte, was dem Zukunftslicht der höheren Rasse im Wege stand. Das kann dann sehr weit gehen mit der Enthemmung. Und in so ziemlich jeder Kultur, in der Wissen aufgetaucht und geteilt wurde, gibt es die Idee einer Meisterschaft, die mit der Frage verbunden ist, wie weit es einem Menschen gelingt, innere Triebe auf bestimmte Arten und Weisen zu handhaben, damit so wenig Schaden entstehen kann für einen selbst und die Anderen. Warum man auch d a s dann einen „Weg“ genannt hat, weist nur darauf hin, dass es viele gibt. Offensichtlich kann man das Rad auch in die andere Richtung drehen. Auch ein Logbuch (und der Kompass) haben noch keinem geschadet.

Rabindranath Tagore

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Das Festival

Ich habe meine Einladung zum Festival dieser
Welt gehabt, und so war mein Leben gesegnet.
Meine Augen haben gesehen, und meine
Ohren haben gehört. Es war meine Rolle bei
diesem Fest, auf meinem Instrument zu spielen,
und ich habe getan, was ich konnte.

gemacht

Das ist Shani Dev Saturn, kein Zweifel, schließlich ist Samstag, und wenn man weiß, dass man an nichts glaubt, kann das den Spielraum deutlich vergrößern. Ich habe mein Zeichen gesetzt am Tempel, und das Verbots-Nein für Frauen ist nicht aufgefrischt worden,  vielleicht gibt es ja Mönche, die auch ihre Zweifel haben an dem ganz offensichtlichen Humbug. Abgesehen davon fand ich die Installation damals ganz gut, als sie mitten in den himmlisch stillen Hofgarten auf einmal eine Ecke aus tiefschwarzem Marmor hinsetzten, mit schwarzem Vogel, Shanis Reittier, und einer schwarzen Flagge, die einem zuweht, wie schwarz manches sein kann, und selten habe ich so ehrerbietig sich verneigende Männer gesehen, haha, wir dürfen hinauf, weil wir die Power haben für diese Kraft, das war dann die schwärzeste Ignoranz, die sich zeigte. Gerade rotiert meine persönliche, indische Erfahrungswelt in mir, und ich bedauere keineswegs, dass mich so viel interessiert und berührt und auch kontinuierlich verblüfft hat. Das verbindet natürlich sehr stark mit der inneren Seinsweise der Kultur, von der die Inder gerne sagen, sie sei eben keine Religion, sondern eine Art zu leben, man kann dazu ruhig auch Kunst sagen, auch wenn es eine aussterbende Kunst ist. Deshalb sterben auch die Indienlovers aus. Gestern, als ich auf den Treppen saß, kam ein junger Traveller zu mir, den ich mal im Haus eines Freundes getroffen hatte, wo einige Foreigners zusammen „Om namo Shivaya“ und über andere Gottheiten was sangen, und wo ich mir schon vorkam wie eine Silhouette mit Wanderstab und weißen Augenbrauen, obwohl ich ja gar keine habe, weil ich sie in meiner Jugend zu oft entfernt hatte, eine Art Drang nach dem Aliensein. Dieser junge Mensch saß also eine Weile da und erzählte, er habe sich nie für Indien interessiert, kaufe hier nur seit Jahren Ware ein für die westlichen Märkte, ja, n‘ bisschen Dope rauchen und mal n‘ bisschen mitsingen, das schon, aber nein, von den Unruhen im Land hatte er nichts mitbekommen, und nein, wusste er nicht, wer Narendra Modi war. Muss man das wissen, wer das Land regiert, in dem man sich aufhält? In den letzten Tagen konnten viele Flugzeuge nicht abheben, weil es die Passagiere wegen der heftigen Proteste auf den Straßen nicht zum Flughafen schafften. Was ist wach, und was muss nicht als notgedrungenes Wachsein gesehen werden? Es gibt auch Wissen, das ungemein geschadet hat, zum Beispiel der Aufruf zum Möglichst-wenig- denken. Das mag wohl eines späten Tages das Resultat der Praxis dieser Seinsweise sein, dass man wählen kann zwischen innerer Ruhe und dem Einsatz der verfügbaren Instrumentarien, aber die lustlose Trägheit des Denkapparates kann kaum zu souveränem Aufenthalt führen, sollte man sich an solch einer Idee erfreuen wollen. Ich bin auch froh, dass ich absolut gar nichts für die Märkte eingekauft habe, sondern so weit gegangen bin, bis ich eines Tages wirklich gar nichts mehr hatte. Ich bedanke mich zutiefst für diese Möglichkeit einer Erfahrung, die mich auf unterhaltsamste Weise gelehrt hat, wie wenig der Mensch braucht, allerdings vom Spiel  gesetzt in einen guten und wohlwollenden Rahmen. Ja, wie unglaublich wenig der Mensch braucht, um einen hohen Grad an Freiheit und Leichtigkeit zu spüren. Und einen Ernst und eine tiefe Aufmerksamlkeit dem Lebendigen gegenüber, das sich vor allem in der eigenwilligen Stille der Wüste besonders tief erspüren lässt. Wie gut, dass ich weiß, was ich gemacht habe in Indien.

hell und dunkel

Gestern saß ich wieder einmal länger in der Abenddämmerung an meinem Fenster und ließ mich von diesem Anblick hinaus in die Wüste tragen, zu der man genau zwischen diesen beiden Hügeln gelangt. Man kommt dort auch zu einer der schönsten, alten Tempelanlagen, wo ich einmal ein paar Wochen wohnte und  mich ein gewisser Nimbus umwehte, Frau allein in dunkler Höhle übernachtend, ich fand es gemütlich. Dort entdeckte ich eines Tages direkt über mir die Gerippe zweier Tiere, eine Schlange und irgendein Nagetier, die offensichtlich im Todeskampf verendet waren. Später bin ich zu diesem Tempelgelände zu einem jährlichen Fest mit vielen Einheimischen zu Fuß gelaufen, auf den Kamelen wankten die Teeläden und alles, was dort so über Nacht gebraucht wurde zum Essen, Trinken und Feiern. Es ist ein Ort, den ein muslimischer König einst gebaut hatte, damit Hindus und Muslime aus zwei verschiedenen Richtungen zusammenkommen und ein gemeinsames Fest feiern können. Wie tief das heute klingt, wie versöhnlich, wie menschlich. In einer Mail wurde ich gefragt, ob es nicht schön gewesen wäre, ich hätte mit all dem, was m i c h so begeistert und bereichert hat, Abschied nehmen können, sozusagen ohne die neuerdings auftauchenden Dunkelheiten wahrnehmen zu müssen. Aber es gab schon immer in allem Erleben hier diese Dunkelflecken, es war noch verborgener, oft auch noch gefährlicher. Ich denke, ich hatte auch eine andere Einstellung zum Abenteuer Leben, bin aber selbst zwei sehr bedrohlichen Vergewaltigungsangriffen entkommen und dankte damals noch den Göttern und dem Wunder, das sich einstellte. Dieser Schuss Finsternis war immer präsent. Ich kam dann nach und nach in den Familien mit den dramatischsten Formen von Gewalt gegen Frauen in Kontakt, dieses Thema hat mich bis heute begleitet, vor allem aber, weil es aussieht, als würde alles noch schlimmer werden, auch wenn es Bewegungen gibt. Ich würde hier gerne noch meine Aussage korrigieren, die ich bei dem Video aus Chile gemacht habe (17.12), nämlich, dass man von so was hier nur träumen kann. Dann höre ich gestern, dass dieser Tanz auch in Neu Delhi von indischen Frauen auf der Straße aufgeführt wurde, das fand ich erfreulich. Ja, ich denke, dass das Dunkle immer mitläuft, und offensichtlich bricht es sich in bestimmten Zeiten gewaltsam Bahn, das scheint zur Zeit ein globales Phänomen zu sein. Was bei mir zum ersten Mal in Indien auftaucht ist eine gewisse Aufmerksamkeit auf den gravierenden Unterschied zwischen meinem persönlichen Wohlbefinden und den krassen, unakzeptablen Vorgängen, die eine wirkliche Freude nahezu unmöglich machen. Auch das gilt sicherlich weltweit, und ich kann mir nur vorstellen, wie beklemmend das werden kann, wenn in Deutschland eine unaufhaltsame Rechtsbewegung stattfindet, die uns sprachlos macht. Wegschauen ist keine Lösung, nein, zu viel ohnmächtiges Hinschauen aber auch nicht. So werden wir mit diesem schwer erträglichen Zustand umgehen lernen müssen und für uns selbst nach und nach angemessenen Umgang dafür finden. Ich denke, dass das ernstgemeinte Beisichsein es ermöglicht, den mitfühlenden Blick auf das menschliche Geschehen großzügig und warmherzig zu halten, und sich ruhig mal tiefgründig empören, erschrecken und entsetzen zu können.

lösen

Aus den eigenen Griffen gelöst.
Gedehnt in das weitaus Möglichste.
Das Unvorstellbare bejaht aus
tiefstem Herzen. Dem Vorgestellten
Achtung erwiesen – allein schon
der Vielfalt wegen!
Tief eingeatmet
das unermesslich tiefe, persönliche
Reich, und mit aufquellender
Dankbarkeit
Zugang erhalten
zum Sein.

vermissen

 

Dann am Nachmittag auf einer der alten Steintreppen sitzen, wo einige Bewohner sich wehren konnten gegen das Entfernen dieser Schönheiten, die man vor einigen Jahren fast überall durch billiges Zeug ersetzt hat, und nachher fand man diese alten Steine bei den Reichen, die ihre Häuser damit schmück(t)en. Was für ein Gefühl, hier in der wärmenden Sonne zu sitzen, hier und da noch jemand anderes beim Genießen. Alles kommt innen zur Ruhe und ist mehr als genug, was es ist. Was werde ich sie vermissen, diese wunderbaren, steinernen Gebilde mit ihrer unerschöpflichen Erzählkunst, jedes Jahr erfrischt durch den Monsoonregen, und allem trotzend, was sich auf ihnen bewegt. Mein Lieblingsplatz ist großzügig eingerahmt von zwei Podien, und kaum hat man sich niedergelassen, fühlt man den Atem der Weltbühne, die das eigene Erscheinen erhellt mit einer architektonischen Kunst, die das Echo aller hohen Kulturen hervorruft. Als ich vor vielen Jahren hier ankam, fiel nichts leichter als das Verbeugen vor dieser Zeitlosigkeit, auch wenn es in Form einer vorbeiwandernden, schneeweißen Kuh war. Das Wasser, alles noch natürlich genährt von der Quelle, dem Saraswati Fluß, und überall schwammen obenauf die Lotusblüten, beliebt und besucht von großen Libellen. Das ist alles verschwunden mit der Zeit und dient auch dazu, an den Tod zu denken, wo man selbst verschwunden sein wird, alles andere aber seinen weitern Gang geht in das Wasauchimmer. Deswegen bin ich mit meiner Entscheidung, mich spätestens nächstes Jahr von Indien zu verabschieden, hochzufrieden. Es sind auch nicht die Veränderungen und die Verdunkelungen, die diese Entscheidung hervorgebracht haben, ich käme mir ja schäbig vor als Liebende. Nein, der Gong ist einfach zu mir gekommen, und in diesen raren Momenten äußerster Klarheit hat man dann nicht wirklich eine Wahl, als den Ton ernst zu nehmen. Und es ist schon auch wahr, dass das nicht mehr mein Indien ist. Es ist das Indien der Anderen, und ich nehme meines mit. Keiner kann es mir abnehmen am Zoll oder am Fließband, und auch in den neu konstruierten Schreckensmaschinen auf den Flughäfen, wo man durchlaufen muss und photographiert wird, wird es keiner sehen: Wie groß und unsterblich mein inneres Indien ist, voller Schätze, voller Abenteuer, und voll von dieser inneren Verbundenheit mit der gnadenreichen Schöpfung, die wir „atma samband“ nannten, Seelenverbindung, in der sich nichts und niemand ausgeschlossen fühlen musste. Ich weiß nicht, was schon alles los war in den Familien, man kann die ebenso zeitlose Finsternis nur vermuten. Ich selbst hatte lange Zeit keinen Zugang zu den Familien, saß aber bereits am Feuer im Amt, und sie gewöhnten sich daran, dass eine Fremde dort saß und alles von Grund auf wissen wollte. Ich bereue auch keineswegs, das indische Wissen, das ich mir selbst zusammenklaubte, so tiefernst genommen zu haben. Noch heute betrachte ich manchmal das Zeitgeschehen und es kommt mir vor wie das, was ich damals hörte. Woher konnten sie das alles wissen.Wie es ist und wie es sein wird, und wie es vergehen wird und dennoch immer da sein. Ein Kreislauf, in dem man sich bewegen kann wie ein freier Stern in seiner vorbestimmten Bahn, eben, ein endgültiger Widerspruch, ein Paradox par excellence. Und so ist es auch mit dem Vermissen: es ist bereits geschehen, und wenn es sich später wieder meldet, soll es mir recht sein, denn es berührt die ganz tiefen Gefühle. Und wer will behaupten, sie ausloten zu können.

protestieren

Das Video (unten) hat jedenfalls auf meiner Maschine eine Weile gebraucht, bis es auftaucht. Ich habe es irgendwo zwischen den Nachrichten entdeckt und wollte es auf jeden Fall in meinen Archiven speichern, bevor es wieder abtaucht. Das ist doch echt powerful und erinnert an Amazonenheere. Leider auch keine Lösung, aber zumindest ein gefundener Ausdruck. Man muss sich mal vorstellen, wieviele Frauen in der Welt sich angesprochen fühlen durch diese aufwühlende Botschaft. Ich wäre froh, die indischen Frauen wären schon in der Lage zu solch einer Solidarität, oder würden zumindest ihre Töchter in Martial Arts Ausbildungen schicken, aber davon kann man nur träumen   Derweilen verdunkeln meine Augen, wenn sie über die täglichen Nachrichten lesen, die an Absurdität kaum mehr zu überbieten sind. Tausende von Fällen allein von vergewaltigten Kindern liegen unbearbeitet auf den verstaubten Schreibtischen. Was braucht es, damit sich wirklich was bewegt. Und es bewegt sich, vielleicht leiser als man denkt, aber unaufhörlich. Ich finde es ja immer mal wieder erstaunlich, dass es selbst in den indischen Schriften vermerkt wird, dass, wenn das vollkommen in seiner Männlichkeit Erstarrte zu keiner menschlichen Bewegung mehr in der Lage ist, sich die weibliche, unkonventionelle Kraft in Bewegung setzt…das wäre ja dann ein gutes Beispiel eines globalen Impulses, der von Chile ausgegangen ist. (Leider ist das Video vom „Stern“ und ich kann das nachfolgende Programm nicht löschen.)

entfachen

Es kann ganz sicherlich eine beruhigende Wirkung haben auf die Psyche, wenn es in einer Kultur diese felsenfesten Überzeugungen gibt wie das ewige Wiederkehren, oder eben die Tatsache, dass man gerade im vorprogrammierten Finsterloch drinsteckt, das Kali Yuga genannt, und man muss halt da durch, so gut es geht, bis es dann wieder irgendwann heller wird. Es gibt auch die Idee, dass alle vier Zeitalter immer gleichzeitig existieren, und dass man sich aussuchen kann, in welchem man sich bewegen möchte. Solange die kollektiven Glaubensebenen irgendwie noch miteinander verbunden sind, wirken sie wie eine große Hängematte, in der sich jeder einigermaßen aufgehoben fühlen kann. Bricht dieses Netz aber auseinander, entfällt dem Glauben jegliche Wissensbasis, und das ist ja letztendlich, was Glauben ist: eben das Nicht-Wissen von dem, was ich selbst gar nicht erfahren und überprüfen kann, sondern nur in meiner Vorstellung verankere, bis es mir real vorkommt, sodass für diese Ideen erbarmungslose Kriege geführt werden, oder ein Volk einfach in einer gewissen Dummheit gehalten wird, die den politischen Machenschaften zuspielt. Aber wenn der Notfall ausbricht, gibt es auch manchmal Überraschungen. Ein Erwachen ist spürbar, ein Sich-wehren gegen das für dumm Verkaufte, so, wie es gerade hier in Assam spürbar wird. Menschen wollen nicht wirklich eingegliedert werden in ein Projekt, das absolut nicht in ihrem Interesse ist. Der demokratische Gedanke zieht sich zurück. Alles ist möglich, während der Alltag seine fließenden Erscheinungen hervorbringt. An anderen Ecken des Landes brennen die Feuer der Empörung. Der Diktator, als Heilsbringer verkleidet, greift wieder zur Notlösung: er schaltet das Kommunikationssystem ab, damit so wenig wie möglich vom Nichtgelungenen nach außen dringt. Aber der Aufruhr ist in vollem Gang. So viel Aufruhr. So viel heimliches Planen hinein in den Kern des Unheimlichen. Ein Instinkt, noch einigermaßen intakt, wehrt sich gegen die erzwungene Eingliederung in das Auserwählte. Der Begriff „Hindutva“ mag noch nicht in den Westen vorgedrungen sein, aber wenn der Plan gelingt, dann wird die Welt wissen, dass hier wieder einer eine Herrenrasse erschaffen will oder wollte, daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. Und deshalb spukt auch Hitler in den Köpfen herum, denn jeder weiß, dass er den Hass gegen die Juden nicht alleine erfunden hat. Er hatte nur das Talent, den Hass, der in ihm selbst schwelte, in Anderen hervorzulocken und zu bündeln. Diesen Hass spüre ich auch hier gegen die Muslime, und zum Glück ist der potentielle Bündler gerade mit seinen entfachten Widerständen beschäftigt. Derweilen ist es winterlich kalt  geworden,und wenn selbst die Sonne sich hinter dem Nebel versteckt, ist man froh über guten Wohnraum und freundliche, wohlwollende Verbindungen.

Hans Arp

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Was sagen die Engel
zu unserer armen Erde
die von der Tollwut des Verstandes
der Mechanisierung
der Übermaschinen
hoffnungslos verteufelt worden ist.
Die Dröhnvereine dröhnen
ein Lärm-mal-eins um das andere.
Wo sind die lieben Bäume?
Wo sind die lieben Vögel?
Die gleiche Leere
verschlingt oben und unten.
Sterne und Himmel
Augen und Erde
schrumpfen zu nichts zusammen.
Was sagen die Engel
zu diesem Grauen?

entwenden

Bildergebnis für Klimt Gemälde Raub

Dieses Bild, sicherlich allerseits bereits bekannt, kommt  ja aus der westlichen Welt. Ich habe es zufällig gesehen und dachte, es könnte auch in die ‚hinduminische‘ Grundidee passen, dass auch das Bildnis einer Frau im Haus gehalten und beschützt werden muss von (in gesetzlicher Reihenfolge) Gott/Vater/Bruder/Ehemann, und dann eventuell auch noch vom Polizisten. Das Photo dieser schwerbewaffneten Herren, die die entwendete Dame beschützen, fegt nun um die ganze Welt und wird wahrscheinlich als Lebenshighlight auch in ihren Wohnzimmern hängen. Wie gerne möchte man aber in einer wachen, detektivischen Laune sich in den Moment bzw den Zeitraum versetzen, wo ein Jemand die Idee gebar und fortan mit ihr schwanger ging, eben das Klimtbild zu rauben und es durch eine clevere Eingebung genau d a zu verstecken, wo vermutlich kaum jemand danach suchen würde, was sich ja auch bestätigt hat und an die Geschichte der Königin erinnern lässt, die hektisch nach ihrem Halsband sucht, das sich bereits an ihrem Hals befindet. Nun hat der Zufall die Entwendete wieder ans Tageslicht gespült, aber interessanter wären diese Stunden, wenn man den Täter bei der Durchführung seines Planes beobachten könnte, War es nur reine Geldgier, oder bedeutete ihm das Bild persönlich so viel, dass er es unbedingt haben musste, oder vielleicht hatte die Frau es ihm angetan. Aber nein, viel schnöder natürlich, rein mit dem millionenschweren Ding in die Mülltüte und dann in das vermutlich schon damals angenehm vom Efeu überwucherte Türlein. Sie, wer auch immer sie sein mögen, gehen ja von „Räubern“ aus, aber warum nicht ein einzelner, zielstrebiger Dieb, der immerhin die Tür basteln musste, und hin-und herlaufen, damit alles funktioniert. Oder er fand eines Tages die Tür und dachte nanu, da passt doch genau der Klimt hinein, was, wenn ich…Und dann wurde es gar nicht abgeholt. So ein Quatsch, wegen der Polizeiüberwachung! Selbst ein Überwachungsgerät würde ja nicht auf die Mauer gerichtet sein, von deren Geheimnis keiner außer ihm was weiß. Und 22 Jahre sind  keine Ewigkeit, er wartet(e) vielleicht noch irgendwo auf seine Stund‘, wo er keine Sorgen mehr würde haben müssen, und jetzt das! Das Entwendete verschwindet ja nicht, es liegt immer irgendwo rum. Als der Dieb mir kurz vor der Zugeinfahrt in den Delhi Bahnhof meine mittelgroße Handtasche entriß und im Dunkel des Morgens verschwunden war, gingen (meine) unnützen mentalen Tentakeln immer wieder aus auf der Suche nach Bildern, wo wohl das und das von meinen Lieblingsdingen jetzt liegt, meine Kamera mit den 900 Bildern, sorgfältig komponiert, das Notizbuch, in Ajmer gebunden, der nahezu unersetzliche Stift und einiges Kostbare mehr. Manches taucht wieder auf, und an den Dingen selbst klebt nicht so sehr das Unersetzliche. Aber diese Frau auf dem Gemälde, die dafür einmal für Gustav Klimt Modell stand, sie wäre sicherlich auch überrascht gewesen über die lange Wanderung ihres Bildnisses, und dass ausgerechnet s i e  hinter der Metalltür verschwunden war.

 

zurück?

Das Bild ist mir aus der indischen Facebook Community zugesandt worden und zeigt die ziemlich unerträgliche Verschmelzung von Narendra Modi und Adolf Hitler. Ich finde das beängstigend. Genauso schwer, wie es gewesen sein muss, von außerhalb Deutschlands einen klaren Einblick in die wahren politischen Verhältnisse oder besser das Ausmaß dunkler Machenschaften mitzubekommen, so wird es immer schwerer, die rasanten Vorgänge in Indien einschätzen zu können. Auf jeden Fall ist ein Gesetz herausgekommen, das allen Flüchtlingen, die als Minderheiten in muslimischen Ländern leben, in Indien automatisch Aufenthaltsgenehmigung zugesteht. Wie auch immer es politisch gehandhabt wird, so wird immer klarer, dass Muslime, als einzige ausgeschlossen von diesem Gesetz, jetzt das gängige Feindbild darstellen, und es ist tatsächlich eine schon weit verbreitete Ansicht, dass Modi dem Textbuch Hitlers zu folgen scheint. Nach Kaschmir ist auch in Assam das ganze mediale Kommunikationsnetzwerk lahmgelegt, auch dort Armeeeinsatz gegen die Proteste, denn auch Assam hatte Sonderrechte, die Modi mit dem neuen Gesetz beendet hat. Modi stellt es so dar, dass alle jetzt automatisch Bürger von Indien sind, außer Muslimen eben, die bereits in den Großstädten angegriffen werden. Was ich daran so besonders unheimlich finde ist, dass hier noch einmal das Swastika Gespenst des Dritten Reiches auftaucht, diese Gerüchte über Hitlers esoterischen Wahn einer Herrenrasse, die der ‚Hindutva‘ Idee von Modi gleicht, und wo es um Ehre und reines Blut geht, und wo die, die es nicht haben, aus Land und Besitz vertrieben und ausgelöscht werden müssen. Das wird nicht gut gehen, und das kann auch nicht gut gehen. Fragt sich nur, wie weit es geht, oder ob nur in Kaschmir und in Assam die Straßen brennen. Derweilen ist im Land ja auch (noch) Touristenhimmel am Laufen, und in den Ashrams wird das Übliche angeboten und verkauft. Eigentlich kommt es auf den Wurm im Apfel an. Wie lange er sich schon reingebissen hat, ohne dass es jemandem auffiel. Ob er schon das Kerngehäuse erreicht hat. Ob ihn jemand vielleicht noch rechtzeitig, entdeckt, vor dem Zustand verfaulter Bräune. Und Indien ist zwar, was den globalen Alltag betrifft, nicht im Blickpunkt allgemeiner Meinungsbildung, aber das kann ganz schnell gehen, dass auf einmal viele Augen auf Indien gerichtet sein werden. Auch das Land, das u.a. die kosmische Einheit des Seins zu lehren bestrebt war, kann sich ganz schnell durch ein paar gezielt gesetzte Fehlentscheidungen in ein Kriegsgebiet verwandeln. Das gäbe einen planetarischen Aufruhr mit dem gierigen Zittern von Raubtiernasen, deren Gelüste kein noch so diplomatisches Friedensangebot mehr kontrollieren könnte. Dann wüssten alle, was man auch jetzt schon wissen kann, dass es kein Zurück mehr gibt, oder ob ein Zurück überhaupt jemals war.

Urton

 

Gestern hat sich ein muslimischer Minister mit den Worten geäußert, dass das, was gerade in Indien passiere, schlimmer sei wie Nazi Deutschland. Es ist noch nicht so lange her, dass Hindus mir gegenüber ihre Bewunderung für Hitler ausdrückten, unter anderem ein Student des renommierten Mayo College,  der meinte, dass nur ein Avatar des göttlichen Systems eine derartige Macht erhalten könne. Ich war nicht nur dieses eine Mal, sondern viele Male verblüfft, entgeistert, schockiert ob der fehlenden, bzw. fehlgeleiteten  Information. Das hat sich offensichtlich durch die mediale Allmacht verändert, und es verblüfft auch, dass ansonsten wegen jedem verbalen Pups ein Geschrei losgeht, während hier eine gewisse Stille vorherrscht. Vielleicht kitzelt es die nationale Dunkelkammer aus dem Volksgeist hervor, wow, nicht nur schlimm, sondern noch schlimmer als Nazi Deutschland. Das will man sich nun wirklich gar nicht vorstellen, aber das Körnchen Wahrheit ist bereits unterwegs, denn durch meine Wahrnehmungsebene ist es schon durchgewandert, und unterwegs sammelt es Kräfte. Als ich auf meiner eigenen Reise dann ein paar Jahre 6 Monate hier, und dann im Westen 6 Monate lange gelebt habe, wurde ich oft von Einheimischen gefragt, warum ich mir keinen persönlichen Wohnort erschaffen würde statt der gemieteten Wohnsituationen (und nicht mehr am Feuer). Ich selbst kam nie auf die Idee, ich liebte das freie Kommen und Gehen, und was es in mir hervorbrachte. Und was es in mir zusammenfügte. Und was es unaufhörlich in mir wachsen ließ, diese seltsame Liebe für den indischen Urton, diese Kultur mit dem prächtigsten Angebot ihrer schillernden Pfauenfedern, ja, unvergleichlich schön, und am schönsten in seiner letzten, extravaganten Schlichtheit: eine kleine, vollkommene Feder aus der Krone des Albino-Pfaus! Nicht mal Farbe, nur noch gelungene Verkörperung. In dieser Kultur wurde es gefördert und akzeptiert, wenn man seinen oder ihren archaischen Spuren nachspüren wollte, denn hier war das Fühlen reichhaltig und großzügig angesiedelt, und es war genug da für alle. Es gibt so einen Moment, wo sich das Fledermaus-Prinzip einschaltet. Es knirscht in den Zeitrinnen, massiver Staub wird aufgewirbelt. Der schlafende Riese brummt kurz vor sich hin und dreht sich auf die andere Seite. Aber es knirscht weiter im kosmischen Gebälk, bis das Untere im Oben angekommen ist. Dieses Chaos kann lange dauern, denn es schleicht sich ein in die Systeme als das Normale, und als Schlaf wird es oft erst erkannt, wenn es erwacht, bzw gewaltsam erweckt wird von den anderen Kräften, die sich auch aus ihren Partikeln zusammensetzen. Ach echt!? Die Muslime vertreiben? Modi als Hitler-Avatar im  letzten, finsteren Akt der Geschichte? Der Alltag läuft wie gewöhnlich. Auf Knopfdruck kann man das Volk in die gewünschte Richtung schauen lassen. Vergewaltigungen? Das machen doch die Medien! Ich aber sage: hier stirbt was Großes, dem kann ohne weiteres Respekt gezollt werden. Ohne das, was es war, würen auch wir nicht sein, wer wir sind, wir Indienliebenden, meine ich, die das Glück hatten, noch am letzten Rinnsal ihrer manifestierten Geistigkeit herumzusitzen und vom Staunen überwältigt zu werden.

noch nicht

In den Jahren, in denen ich ausschließlich in Indien lebte, verfielen auch mein Pass und mein Visa, was nicht weiter auffiel, da diese Art von Ausweisungen in der Bruderschaft, der ich locker zugeordnet war, keinerlei Bedeutung hatten. Einmal kam ein Polizist, um mich abzuholen, und ich wollte schon meine drei Sachen holen, da kam einer der „Brüder“ vorbei, sprach kurz mit dem Bullen und frei war ich wieder. So stellte ich mir mein zukünftiges Leben vor: einerseits am eigenen Feuer, andrerseits im Schutz ihrer Gastfreundlichkeiten. Und ich weiß, sie schätzten meine wilde Entschlossenheit und meine Ernsthaftigkeit, u.a. mich als eigenständige, (weibliche) Autorität zu vertreten. Ja, und ich war Shivaitin und fühlte mich so zuhause in dieser Welt, vollkommen angekommen am Wunscherfüllten. Irgendwie bin ich hier nochmal geboren und habe mich ganz und gar eingelassen. Was für ein Glück!, dass es so früh war, es war vor dem Fernsehen, und vor dem Computer und dem Smartphone. Diese noch voller Wunder sich webende Welt des Davor, in der man sich auf zeitloser Ebene einfügen konnte in das göttliche Puzzle, nicht ohne Zeugen, nicht ohne die wachen Augen des indischen Geistes, nicht ohne tiefe Verbindung zu einer göttlichen Kraft, deren Wirksamkeit sich auf irgendeine nachvollziehbare Weise in einem spiegeln musste. Die Inder hatten durchaus Wertschätzung für die Form meines sich formenden Schicksals, sie fühlten sich verstanden von meinem Interesse. Das war eine wunderbare Zeit, kein Zweifel. Die Veränderung kam auf der Straße nach Leh, in Ladakh. Ich hatte eine extrem mühsame, um nicht zu sagen irre Wanderung hinter mich gebracht, immer noch als Shivaitin (auf dem Weg nach Amarnath), und war irgendwie ins Sprachlose verfallen, kam von dem Berg wieder herunter und lief auf die Straße nach Leh. Etwas war mit mir passiert. Irgendwann hielt ich an und wusste auf einmal ganz genau, dass mein Leben im Tempel und am Feuer vorbei war, und dass ich zurück musste in den Westen. Es war das Hell-Sehen. Wie ein Blatt im Wind verschwand meine vorherige Vorstellung, und es gab wegen der enormen Klarheit keine Fragen. Es ließ sich auch unschwer umsetzen in eine neue Ordnung, in der ich u.a. auch wieder zu legalen Papieren fand. In solch einem Moment der Sich-neu-gestaltung befinde ich mich auch wieder, es gibt kein Zurück mehr, die Sache läuft bereits. Ich werde dies, mein geistiges (und teilweise körperliches) Heimatland verlassen und auf meine Weise im Herzen behalten. Habe ich doch selbst im Epos mitgespielt und denke, dass es einige Einheimische hier gibt, die zustimmen würden oder werden, dass ich eine ganz gute Besetzung war in meinem mir überlassenen und von mir bestätigtem Amt. Und noch ist nicht aller Frühstücke Abend.

Affenliebe

 

Gestern hatte ich eine wunderbare Gelegenheit, meine aus alten Steinen zusammengefügte Terrasse mit einer Gruppe von ungefähr vierzig Languren zu teilen, die als Verkörperung des Affengottes Hanuman gesehen und daher oft Hanuman-Languren genannt werden. Diese Gruppe liegt mir besonders am Herzen, weil sich dort eine meiner Lieblingstiergeschichten abgespielt hat und immer noch abspielt. Diese Languren sind bildschön und da sie allerseits reichlich gefüttert werden, sind sie auch friedlich. Weniger friedlich, ja, oft bösartig und von uns allen mit Vorsicht beäugt, ist die andere Rasse, die sich ebenfalls hier herumbewegt, braun, gefürchtet und ständig verscheucht von allen, was sie besonders angriffslustig macht, was ich einmal am eigenen Leib erfahren durfte und von einem der fünf, die mich angriffen, gebissen wurde. Aber aber aber, meine andere Geschichte ist ja eine andere Story, von der ich schon einiges über die Jahre berichtet habe. Genau zu der Gruppe, die sich bei mir niedergelassen hatte, gehört der kleine, braune Kerl, dessen Schicksal ich schon seit Jahren beobachte. Seine Mutter war die Geliebte des prächtigen Häuptlings der Silberhaarigen, eine wenig attraktiv wirkende, aber rührend um ihn besorgte Frau, immer nur um ihn herum und jeden Schritt von ihm im Auge, auch er manchmal um sie herum. Irgendwann muss das passiert sein, dass sie anfingen, zusammen zu leben, man konnte es kaum fassen. Sein Stamm hat sie nie akzeptiert und sie konnte nur unter seinem Schutz dort leben. Sie hatten zwei Söhne, von denen der erste, erzählte mir Mohan, sich eigene Wege suchte. Der Kleine blieb mit der Mutter bei den Languren, aber man sah sie immer öfters isoliert von den Anderen beisammen sitzen, und oft sah ich auch den Kleinen hektisch umherirren auf der Suche nach ihr, und uffh, war ich froh, als ich sie wieder zusammen sah. Eines Tages, es wurde von einigen beobachtet und berichtet, kehrte die Mutter zum braunen Stamm zurück. Der Kleine aber blieb beim Vater. Letztes Jahr habe ich den Vater beobachtet, wie er sich um den Kleinen gekümmert hat (lausen, kraulen, beschützen). Auch jetzt lässt er ihn an sich ran, aber stößt ihn auch weg. Doch nun habe ich zweimal gesehen, wie auf einmal die Mutter aufgetaucht ist und zu dem Kleinen gerannt, und ja, sie hat ihn umarmt und etwas mit ihm gebalgt. Aber als der Vater verschwunden ist, ist ihm der Kleine gefolgt. Er hat sich ja den linken Arm an einer Leitung ausgebrannt (hat man mir erzählt), aber wir bewundern ihn so für seine Beweglichkeit und Überlebenskraft. Ein Mann kauft ihm jeden Morgen Bananen, er ist gut versorgt. Auch auf meiner Terrasse bekommt vor allem er was zu fressen, das ärgert die kleinen silbernen Frechdachse, die wie eine Horde über die Pflanzen herfallen. Auch die Wäsche an der Leine muss ich im Auge behalten, denn sie lieben es, daran herumzuturnen. Aber meistens liegen meine Augen auf dem Kleinen. Der Stamm akzeptiert auch ihn nicht, denn die Silbernen fürchten sich vor den Braunen. So liegt er meist allein herum, und es ist ein Wunder, dass er es geschafft hat, bei ihnen zu bleiben. Der Tag ist ja lang und die Nacht auch, und wir wissen nicht, was alles an Geheimnisvollem passieren kann, wenn wir nicht dabei sind.

lange

Also, mit Hilfe der Erkältung erst mühelos sinken lassen, und danke auch für die Genesungswünsche. Das ist ja selten, dass meine körperliche Befindlichkeit an diesem Fenster in den Vorrang rückt. Für mich war eigentlich interessant, dass ich mich von den Vorgängen in Indien ziemlich zermürbt fühl(t)e und mir der Rückzug wie eine logische Konsequenz vorkam, bzw vorkommt. Ich muss die Dinge mal für mich einordnen. Das Eine ist der Ablösungsprozess mit Indien, in dem ich mich befinde, das Andere das wahrhaft Unheimliche und Schreckliche, das in unerträglicher Häufigkeit zur Zeit auftaucht: beides, die Vergewaltigungen und der Ruf der Masse nach Lynchjustiz. Wieder einmal muss man betonen, dass auch die durch die Medien wandernden Grausamkeiten eher seltene Sensationen sind, die verdecken, was in dieser Kultur schon viel länger, als wir es wahrhaben wollen, präsent ist, vielleicht gerade noch zurückgehalten von den vielen Pflichten und Ritualen. Aber wer weiß, was und wie lange das schon eingenistet war in den Häusern, wo man den Frauen beibrachte, wie viel sicherer es war in den dem Manne dienenden Haushalten. Ja, was machen die (Frauen) denn auch abends da draußen, die gehören doch ins Haus! Das wird lange dauern, das ist auch in anderen Ländern noch nicht gelöst. Es ist eine Frage des Bewusstseins, das sich entweder selbst ergibt oder durch immer größere Not aktiviert werden kann. und dann die Scheinformen der Maya, die über allem liegen. Es wird lange dauern, und wer weiß, ob es jemals so sein kann, wie wir es uns vortellen möchten. Geschmerzt hat, als eine ‚Frauen Aktivistin (women’s activist) gefragt wurde, was ‚Vergewaltigungskultur‘ für sie bedeuten würde, und sie gab einige Erklärungen, vor allem, dass ‚das‘ überall drin ist in den Institutionen, der Gesellschaft, der Polizei, der Justiz…eben, diese Vergewaltigungskultur. Manchmal bedrückt es mich, Indien auf diese Dunkelheit zugehen zu sehen, die sie (Mutter Indien?) selbst produziert hat. Auch in Deutschland, wo ich manchmal froh war, dass die unvorstellbare Finsternis wenigstens hinter uns lag – und liegt sie? Es geht wohl einerseits um den Umgang mit ihr, andrerseits gibt es auch Licht. Das Licht in der Finsternis. Klaro.

Florian Goldberg

 

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Kein Gott

Kein Gott, der mich trägt,
kein Engel, der mich schützt,
kein Wort, das noch öffnet,
keine Geschichte,
die nicht zerfällt.
Wenn alle Fragen gestellt sind
und alle Antworten
behauptet,
was bleibt,
was kommt

erkälten

Pünktlich zum Wintereinbruch, und mitten im Fassungslosen, meldet sich die Wintererkältung an. Andere gingen voran, jetzt ist man selbst dran. Man denkt ach nee, das krieg ich noch hin, aber ich kriege es doch nicht hin, denn sie (die Erkältung) geht ihren eigenen Weg. Natürlich will man nicht tatenlos rumstehen, sondern erstmal mit den Hausmitteln anfangen. Schon kratzt der Hals. Die entzündungshemmenden Eigenschaften von Ingwer und Kurkuma sind allerseits besprochen worden, auch schwarzer Pfeffer muss rein, Zitronen, Honig. Von Shriya’s Großmutter finde ich noch das große Glas mit dem Zitronen-Chutney, je älter, desto wirkungssvoller…So! Was gibt’s noch. Ob Infludo an diesem Punkt noch hilft, oder das mitgebrachte Mediotonsin, das man einwirft, wenn man ahnt, dass es herankommen wird. Aber es ist schon da. Der Schal ist schon da, die Appetitlosigkeit hat sich eingestellt, man ist froh und dankbar, dass man ein Bett hat, in das man früher oder später oder gleich wieder hinein kann. An den Morgenritualen kann man wie immer mitbekommen, wie man drauf ist. Erkältung (oft mit Husten) bringt auch immer einen Wunsch nach Rückzug mit sich, Wahr ist, dass das Fassungslose mich ergriffen hat. In meinem System bewegen sich beunruhigte Elemente, denen es zu begegnen gilt. Manchmal begreift man auf einmal das Ausmaß von etwas, nicht als Fremdling, sondern als zutiefst Betroffene. Es ist auch die Reifung der Liebe, dass sie da nicht haltmacht, wo es der eigenen Vorstellung nicht entspricht. So sitzen wir manchmal mit einer Erkältung, einen Tulsi-Tee in der Hand, in einer vertrauten Umgebung, und lassen das Ganze mal sinken.