relativ

Zuweilen meldet sich in mir tatsächlich eine Zartheit, die sich eher im Verborgenen aufhält und seltene öffentliche Auftritte hat, wenigen Menschen und öfters vielleicht Tieren gegenüber, die dieser Gefühlsskala auf der milden Seite keine Beschränkungen setzen. Auf jeden Fall ist es gut zu wissen, dass es da ist, die Zartheit oder Zärtlichkeit des eigenen Wesens, das sich allerdings auch kundtut, wenn auch dort an ihrem Seinsort großer Schrecken eingetroffen ist, wohin er meistens gar nicht vordringt, aber wenn es ihm gelingt, etwas tief Ergreifendes auslösen kann und dieses Zarte sich seiner selbst bewusst wird und nun spürbar manifestiert, was es immer schon war. Zu meinem Wesen, das sich seit ein paar Tagen nicht nur in der Nähe der indischen Verbrennungsstätten aufhält, sondern auch in den indischen Familien und den Häusern der Freunde, gesellte sich dann gestern ein Text, den ich am Sonntag (wahrscheinlich) in meinem Blog erscheinen lasse. Es ist ein sehr schöner Text, der einem berühmten Wissenschaftler zugeschrieben wird oder wurde, von dem man ihn liebend gerne gehört hätte, nun aber das Gerücht umgeht, dass er ihn gar nicht geschrieben haben könnte. Die Schrift wurde analysiert, der Zweifel nicht geklärt, wie vermutlich so oft in der Geschichte. Und wenn ich ein verdammt gutes Gedicht von einem geschätzten Dichter in die Hände bekommen würde, wäre ich wahrscheinlich auch enttäuscht zu erfahren, dass er es gar nicht verfasst hat. Auch könnte ein bewusster Betrug vorliegen, zum Beispiel, um den Brief einzureihen in eine hoch angelegte Erbschaft, für die sich viele interessieren. Nun gut, der Mann ist Einstein und der Brief geht an seine Tochter, von der man wenig weiß, denn er und die Mutter haben das Kind abgegeben und im Brief wird auch gesagt, dass es zu spät sein könnte, für seine Liebe nämlich. Nix weiß man von Liesel und was aus ihr geworden ist. Man hat nachgeforscht,  aber sie schien wie untergegangen im Weltgetriebe. Aber der Brief, wer auch immer ihn geschrieben hat, ist trotzdem schön und nein , ich werde ihn nicht erst am Sonntag rein tun, sondern morgen, da ich den vermuteten, doch angezweifelten Autor schon erwähnt habe. Eigentlich ist es keineswegs egal, wer den Brief geschrieben hat, wie ich noch während des Frühstücks behauptet habe, sondern dieses Thema darin, die Liebe, ist vor allem anregend im Kontext der Tatsache, dass Einstein über die Liebe spricht, und was er von ihr berichtet. Nun ist es eben so, dass nicht hundertprozentig bewiesen wurde, dass er nicht von Einstein ist, der Brief, denn wer kann schon analytisch beurteilen, in welcher Tonlage und Befindlichkeit er sich mit seiner an Fremde abgegebenen Tochter befand. So kann, wer den Text liest, vor allem entscheiden, ob der Text etwas im eigenen Inneren bewegt. Denn wenn das Gesagte das nicht tut, dann kann man es einfach ruhen lassen.

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