ausgleichen

 

Die letzten Großgruppierungen, Brahmanen aus dem Süden, die hier großzügig  begottesdienstet und gefüttert wurden, sind abgereist. Auch die Männer im Dorf sind schwer beschäftigt, diesmal mit den lokalen Wahlen, an denen ich jegliches Interesse verloren habe. Auffallend still ist es da draußen, und ich merke beim Herumgehen, dass ich nicht mit so viel zu Sehendem umgehen muss, sondern wieder das Meine sehe. Die verlassenen Feuer mit ihren Aschestrukturen, ein rostiger Nagel, (siehe oben rechts), ein Lehmgefäß mit Lotusblüten, in dem chai getrunken wurde, die lagernden Kühe, das Getrippel der Tauben, Körner pickend auf den Blechdächern der Badezugänge. Das alles ist nicht so weit weg von dem zeitlosen Reich, das gerade hinter einer unvorhergesehenen Ecke verschwand. Und genauso, wie es im hellen Vorgang beschrieben wird, nämlich, dass vorher und nachher Teller gewaschen und Holz geholt wird, so sieht auch hier in der verschleierten Variante alles fast noch so aus wie vorher. Ab und zu ist auch ein Elektrizitätsausfall willkommen, dann merkt man, dass das Ohrgehäuse sich öffnet und Hörvermögen sich bildet und ausdehnt. Natürlich kennt man das ja von den Einfühlungen in Ägypten, dass man gerne hätte, dass es auf Erden manchmal ganz still war, und dass die Geheimnisse bei der Sphinx gut aufgehoben waren. Aber wahrscheinlicher ist, dass dort viel geschrien und gepeitscht wurde, und dass die Gelüste Einzelner in der Durchführung vorherrschend waren. Auch Qualen und unzumutbare Zustände bringen mächtige Formen hervor, zu denen Reisende pilgern. Hier am See entlang sind an manchen Stellen die Treppen aus Steinen, die von nackten Füßen rund und glänzend und weich geworden sind. Die Tulsisträucher sind umhüllt mit schützenden Tüchern. Das alles ist einfach und schön und aufgenommen in meinem Inneren. Dafür ist der Morgen da, und die Ruhe, die Andacht, die Achtung dem schöpferischen Geist gegenüber: damit man es nicht vergisst, aus welchem Stoff es gemacht ist, auch wenn wir ergriffen sind vom unsäglichen, menschlichen Leid, das wir bezeugen. Von dem, was angetan wird, und von der Verwirrung und den Verirrungen, die daraus hervorgehen. So kann man es (u.a,) auch die Ausgleichung nennen, denn wer will sagen, das Eine sei  wirklicher als das Andere!

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