auflösen (?)

Der Pandemie-Bann über dem Erdreich scheint sich fast explosiv aufzulösen oder kommt nur mir es so vor. Dabei ändert sich weiterhin insofern nichts in meinem Leben, da die Kontinuität der gestalterischen Freiheit, die mein Leben bewegt, sich auch in Lockdowns gut bewährt hat. Viel meiner Bestürzung und Trauer bewegte und bewegt sich nach Indien hin, da dort eine Kultur, die ich lieben gelernt habe, vor meinen Augen und den Augen anderer in ein Schwarzes Loch fiel. Ich hatte Zeit und Raum, meiner Trauer Gefühl und Ausdruck zu verleihen. Auch Raum zu machen für das Sterben der Menschen. Ich denke, die Pandemie hat viel von dem, was eh schon da war, an die Oberfläche geschwemmt, und wenn man Glück hatte, war man von Freunden umgeben. Wir waren dankbar,  dass es uns zweifellos gut ging, während man genug davon hörte, wie wenig gut es vielen Menschen ging. Am Anfang der Pandemie, die ja schnell global wurde, habe ich manchmal das Ganze, die Erde also, als ein riesiges Schiff gesehen, das durch den unbegrenzten Ozean steuert, aber auf einmal in eine gewaltige Bremsung katapultiert wird. Vieles, sehr vieles, stand auf einmal still. Unheimlich runtergefahren war das, dazu noch die Maskierung. Es kann einem jetzt schon schwindlig werden, wie viel Austausch es darüber geben wird. Wer war ich und bin ich  im Vorher und im Jetzt. Viele möchten zurück. Zurück in was? Oder einfach weiter machen, wie es vorher war, als wüsste man noch, was und wer man dort war. Und es ist ungeheuerlich viel passiert in dieser Zeit, was die Bedrohung und den Druck der Seuche um sich hatte. Das Unsichtbare hatte sein Netz über den Großraum geworfen. Nun nimmt das Schiff langsam wieder Fahrt auf, unzählige Räder setzen sich in Bewegung, ein Ächzen und Stöhnen, aber natürlich auch eine Freude auf das, was noch keiner kennt, aber den eigenen Vorstellungen unterliegt.  Beziehungsweise Milliarden von Vorstellungen, die sich nun von den Ketten der Vorschreibungen befreien, auch vom ‚Dürfen‘, um das dürftige Wort noch einmal zu nennen. Jetzt heißt es, am eigenen Tor zu stehen und zu schauen, was sich da bildet. Schließlich navigierten wir, mehr oder weniger abhängig von den getroffenen Entscheidungen der Regierung, durch enorme Veränderungen, die man sich selbst nicht auferlegt hätte. Wie immer weiß man nicht, wer sich wie irgendwo herumbewegt, man kann es nur von sich selbst wissen. Es kann spannend sein zu sehen, was Menschen so mit sich und aus sich gemacht haben, und wie sich das ganze Bild wieder im Fluss der Öffnungen und Öffentlichkeiten bewegt. Man darf sich auch fürchten, denn ich denke, dass durch die Winde und Windungen der Schicksale eine große Nüchternheit eingetreten ist, das könnte eine gute Nachricht werden. Es könnte auch sein, dass viele Illusionstöterinnen (ein weiblicher Beruf) arbeitslos werden, was nichts macht, denn sie werden eh nicht bezahlt. Sie arbeiten an der Präzision der Wahrnehmung, da gibt es weiterhin viel zu tun.

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