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Das verborgene Schauen
So. Samstag. Entweder ich begleite mich selbst beim Denken oder ich lasse es sausen, weil es anscheinend in vielen Formen vorüberzieht und aus dem Stoff der Träume gemacht ist. Holt man es aber hervor oder hält es an bei seinem Vorübergehen, entstehen sofort neue Welten, mit denen ich wiederum umgehen muss. Nur Sri Aurobindo, ein indischer Philosoph, behauptete, dass es ihm gelungen war, sein Denksystem aufzulösen. Sein Lehrer hatte ihm geraten, auf die wortfreien Pausen, die Lücken, die Zwischenräume zu achten und sich dort aufzuhalten, was er angeblich drei Tage lang ohne Unterbrechung tat und anschließend frei schien vom Geratter des Denkstroms. Viele Bücher hat er geschrieben und niemand, der oder die es auf sich nahm, sie zu lesen, hat es wirklich bereut. Es gibt auch geistig erfrischende Wasserfälle, zum Glück sparsam auf dem Weg verteilt. Außerdem muss man bei aller existierenden Weisheit die Welterfahrung in die eigenen Gänge bringen und schauen, was einem gut und was einem nicht so gut tut. Oder ob eher das Durchhalten angesagt ist oder die vernünftige Flucht zum richtigen Zeitpunkt. Und es kommt ja der Tag, an dem man das Denken nach aller Zäumung und Kümmerung und kraftvollen Begleitung und Unterstützung vertrauensvoll sich selbst überlassen kann. Dort werden dann Ordnungen hergestellt und glaubwürdige Impulse treten auf, wo sie gefragt sind. Die Bilder, die man sich selbst erzeugt hat, sind  behilflich in dem Erfassen der eigenen Befindlichkeit, sei es im Seiltanz über gewagte Gebiete, oder man macht sich auf mit dem Board in die Kälte des Alls, wo die Sterne funkeln, eben da, wo jede/r eigene Geschichten abgelagert hat, die man später erkennt als Orientierungsposten. Denn niemand weiß außer man selbst, auf welchem Weg man sich befindet, und jede Szene birgt ihr Verschwinden in sich. Viele Fragen sind nicht beantwortet worden, vielleicht weil sie ihre Bedeutung verloren haben oder gar nicht beantwortet werden können. Ob ich für oder gegen Waffen bin, ob es Ausnahmen gibt oder keine, ob die Ausnahme nicht doch eher die Regel ist undsoweiter. Wenn wir samstags zum obligatorischen Einkauf fahren und ich (u.a.) das „In-it-but-not-of-it“ genieße, läuft gleichzeigig im Auto eine Satire Sendung, die die Geschehnisse der Woche erhellt, kommentiert von zwei Herren, die ziemlich gut eingespielt sind. Es tut gut, Humor in schwierigen Zeiten nicht verwahrlost zu sehen, und zu sehen, was Comedy kann, auch wenn sie nicht göttlich ist, was niemand beansprucht. Es bleibt aber Samstag. Die Todesglocken läuten, und das maßlose Grün bricht sich Bahn.

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