auslösen


Tragödie hat keine Antworten
Nicht, dass ich eine (Antwort) gesucht hätte, zumindest momentan nicht, oft fehlen mir auch die Fragen. Und natürlich kann es wichtig und entlastend sein, wenn wir beim Zusammentreffen untereinander austauschen können, was wir mitgebracht haben von den Medien,und was der oder die alles gesagt hat. Aber dann ist es auch wichtig zu schauen, was das alles mit einem selbst macht, nicht in einem begrenzten Sinn, sondern gerade in erweiterndem Sinn. Denn auch wir ändern uns täglich als Menschen und stellen immerhin die gerade existierende Menge an Menschheit dar, deren Einzelwesen durchaus Verantwortung haben für den Gesamteindruck. Wem letzendlich diese Verantwortung, also dieses Ringen um Antwort gilt, das muss man einerseits immer wieder neu entscheiden. Aber ob ich mein persönliches Empfinden, mein Erschrecken, meine Fassungslosigkeit (oder meine Begeisterung und Freude) mitnehme, macht dann doch einen Unterschied. Auch ein Krieg kann als Ablenkungsmanöver dienen für Fragen, die längst hätten gefragt werden müssen, hätte man den Mut und den Willen zu solchen Fragen. Gestern sind mir (aus meiner Zeitungsartikelsammlung) zwei Sonderhefte der „Zeit“ aus dem Jahre 2005 in die Hände gefallen Es ging um das Ende des zweiten Weltkrieges und hieß: Die Stunde Null. Nach dem Geschehen in Bucha war es besonders merkbar, wie grausam die Entfesselungen, die auch Ende des Krieges und darüber hinaus noch in Deutschland tobten, den aktuellen Gräueltaten glichen. Die Bilder sahen aus wie direkt aus Bucha, dieselben Männer, dieselben Frauen, und die Kinder, die sich an ihre Spielzeuge klammern, sofern sie noch klammern können. Oder die schon zu alt waren, um das alles wieder vergessen zu können, oder noch gar keine Sprache zur Verfügung hatten, nur um später eine zu suchen und ein Glückspilz zu werden, wenn man eine gefunden hat. Eine eigene Sprache, nicht die Sprache der Anderen. Die Sprache der Anderen kann man überhaupt erst verstehen, wenn man seine eigene nicht nur gefunden hat, sondern bereit ist, sie täglich so förderlich für sich und andere einzusetzen, wie es einem halt möglich ist unter uns Menschen und unseren Befindlichkeiten. Und zum Glück findet Menschsein und die unermessliche Arbeit, die damit verbunden ist, überall statt. Wenn eine Katastrophe da ist, fällt es besonders schwer zu wissen, was (außer den Gedanken) für Gefühle in einem ausgelöst werden, denn die sind es ja, zu denen wir Zugang möchten, damit wir nicht dem falschen Eindruck unterliegen, sie wären automatisch zugängig und stünden jederzeit zu unserer Verfügung.

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